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Die älteste Kunst, insbesondere die Baukunst der Germanen von der Völkerwanderung bis zu Karl dem Grossen cover

Die älteste Kunst, insbesondere die Baukunst der Germanen von der Völkerwanderung bis zu Karl dem Grossen

Chapter 21: DIE FRANKEN
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About This Book

The study gathers archaeological, architectural, and artistic evidence to trace the development of early Germanic building and ornament from the Migration Period into the early medieval era. It contends that these communities sustained recognizable artistic practices, analyzes stylistic features and regional variation, and shows how foreign elements were adopted and remade within local idioms. Organized thematically, the work combines descriptive accounts of monuments and objects with comparative interpretation, draws on museum holdings and travel-based observations, and employs illustrations to support reconstructions of form, technique, and cultural meaning.

 

In dem herrlichen Lande, welches dieser germanische Stamm sich zu eigen zwang, hat eine Reihe seitdem sich folgender hoher Kunstzeiten seine Spuren fast ganz verwischt. Viel weniger als man erwarten sollte ist übrig von den Kunstdenkmälern, die von den Tagen Childerichs I. und Chlodowechs an bis zu den karolingischen entstanden, von vollständigen Werken fast nichts. Um so mehr ist das verwunderlich, als das von den Merowingern errichtete Reich gewissermaßen bis auf den heutigen Tag noch besteht, als das Frankenreich noch immer in Frankreich fortlebt und niemals mehr fremder Herrschaft noch verwüstender Überflutung ausgesetzt gewesen ist. Aber das Bessere war des Guten Feind; immer neue schönere Bauwerke haben sich an die Stelle der früheren gesetzt, die alten Hauptstädte sind stets größer geworden, und so finden wir fast nur noch in Krypten und Museen die spärlichen uns hier Aufschluß gebenden Überbleibsel einer gewaltigen Zeit.

Fränkische Kleinkunst

Freilich bergen und spenden die zahllosen Gräber dauernd ungezählte Schätze edelster Art der Kleinkunst der Franken, fast von den Pyrenäen an, wo westgotische Reste vorherrschen, bis über den Rhein hinüber und bis nach Holland hin. Den schönsten Fund, den Grabschatz Childerichs I., des Vaters Chlodowechs (s. Abb. 14, Tafel II), haben wir oben näher beschrieben. Nicht nur in Gold und Steinen, auch in Silber, Bronze und Eisen, in Tauschier- und Niellierarbeit leisteten die Franken Hervorragendes. Den altgotischen Edelsteinschmuck in Goldzellen übertrugen sie auf andere Materialien, insbesondere auf Bronze in größerem Maßstabe; die Edelsteine ersetzten sie gern durch schön gefärbtes Glas mit gemusterten Goldfolien dahinter — verroterie mérovingienne —, in Glas und Ton schufen sie reizvolle Gefäße; kurz, ihre Kunstleistung schon auf diesem Gebiete ist außerordentlich und zeigt bereits die Keime jener ausgezeichneten Geschmacksentwicklung, die das spätere Frankreich bis heute sich zu bewahren gewußt hat.

Burgundische Kleinkunst

Eine Ergänzung finden die fränkischen Werke dieser Art in den burgundischen; dieser Volksstamm hatte nach seiner schweren Niederlage am Rhein sich wie bekannt im Osten Frankreichs, in Savoyen, der Dauphiné bis hinab in die Provence neue Sitze gegründet und eine von der fränkischen öfters abweichende Kleinkunst gepflegt. Die burgundischen Bronzeschmuckteile der Ausrüstung (Abb. 142, Tafel XXXVIII), ausnahmsweise mit figürlichen Darstellungen von allerlei Art, von Menschen und Tieren, sind von denen der übrigen Germanen teilweise sehr verschieden und entbehren als die wohl ältesten figürlichen Arbeiten bei den Germanen nicht besonderen Wertes. Im übrigen zeichnen sich die schönen Riemenbeschläge, Schnallen und dergleichen bei den Burgundern durch Größe und Wucht aus; es existieren solche von fast riesigen Formaten nicht nur unter den tauschierten Eisenarbeiten.

XXXVIII
Abb. 142. Burgundische Schnalle. Genf.
Abb. 144. Beauvais. Basse oeuvre.

Diese relative Selbständigkeit der Burgunder schwand bald; die merkwürdige Kraft der salischen Franken, die doch aus vielerlei nordwestdeutschen einzelnen Völkerschaften zu einem neuen jugendkräftigen Stamme zusammengewachsen waren, hat es verstanden, das ganze große Frankreich, in dem es das spätrömische Reich des Syagrius, die Westgoten und die Burgunder vorfand, bald völlig zu einem neuen zusammenzuschweißen. Der noch heidnische Childerich I. begann das Werk im Norden, schon sein Sohn Chlodowech hätte ohne Theoderichs des Großen Eingreifen das ganze westgotische Reich von Toulouse erobert. Freilich hat erst Karl Martell das letzte noch selbständige Land im Süden, Aquitanien, mit dem großen Ganzen dauernd vereinigt.

An die Zeit der Merowinger schließt sich die karolingische in Frankreich direkt an; von beiden verwischen sich die Grenzen in der Kunst völlig. Gerade in Frankreich können wir den eigentümlich antikisierenden oder italienischen Zug der letzteren Epoche kaum bemerken, der sich an vielen Bauwerken der Zeit Karls des Großen in Deutschland so scharf ausspricht und seiner Kunst den Namen einer ersten Renaissance verschafft hat. Diese Kunstrichtung ist eigentlich nur in den rheinischen Gegenden anzutreffen. In Frankreich findet sich von ihr nur ein einziges gleich zu besprechendes Beispiel, sonst dauert die eigentümliche merowingische Kunstweise im Bauen, wie es scheint, bis ins 10. Jahrhundert fast unverändert fort; eine eigentlich karolingische, wie in Deutschland, ist dort, wie es scheint, nicht ausgeprägt.

Bauliche Eigentümlichkeiten

Die Eigentümlichkeiten der merowingisch-fränkischen Baukunst habe ich früher beschrieben, insbesondere ihre Freude an buntgestaltetem Mauerwerk; wenn das petit-appareil, das Mauern mit kleinen ungefähr quadratischen Steinen, die fast wie Pflastersteine aussehen, die Grundlage bildete, so treten dazu die durchlaufenden roten Ziegelschichten, die fischgrätenartig gestellten Steinlagen, allerlei Muster, Einfügung von bunten Steinen, von geraden und übereck gestellten Tonplatten; in den Bögen Wechsel von Backstein und Haustein, Umfassung der Bögen mit Backsteinarchivolten u. dgl. m. — Diese Bauweise behält ihr frisches Leben bis ins Ende der sogenannten karolingischen Zeit.

Von kirchlichen Bauwerken dieses Charakters kennt man zahlreiche Reste; so Teile von St. Pierre zu Vienne, die Westfront von St. Christophe zu Suèvres bei Blois, das Äußere der Kirche zu Savenières von starker Charakteristik (Abb. 143), manches an den Kirchen zu Distré, zu Cravant und St. Généroux. An den beiden letztgenannten finden wir den auch bei spätrömischen Bauwerken schon auftretenden Wechsel von dreieckigen Giebeln und Bögen. Auch die alte Fassade von St. Front zu Périgueux ist bemerkenswert, heute ganz versteckt.

Der vollständigste Rest dieses Stiles, wenn auch aus später Zeit, mag die kleine Kirche basse oeuvre zu Beauvais sein: das Schiff der alten Kathedrale, an deren Stelle sich der großartigste gotische Dom Frankreichs setzen sollte (Abb. 144, Tafel XXXVIII). Dieser ist nur bis zum Querschiff fertig geworden, und so steht noch vor ihm im Westen der Rest der alten Kirche, die erst von Bischof Hervé 987 gebaut sein soll. Es ist eine kleine Pfeilerbasilika von sechs Bögen, im Inneren nichts Besonderes bietend, außen aber über dem petit appareil der unteren Teile wechselnde Ziegelschichten; die Bögen von solchen durchschossen und eingerahmt; der Bogen des Westfensters in schönem Muster aus Ton gebildet (s. Abb. 60); auf ihm zwei stehende Figuren in flachem Relief, oben im Giebel ein Vortragskreuz eigentümlicher Form. Die Gesimse haben eine untere Schmiege, die mit Kerbschnitt in Dreiecken geziert ist (Abb. 45), das Kämpfergesims des Fensters an gleicher Stelle eine Art halbrunder Zahnschnitte.

Abb. 143. Kirche von Savenières. Nach Enlart.
Ornamentik

Wie ebenfalls früher dargelegt, schließt sich die eigentümliche Ornamentik der merowingisch-fränkischen Kunst eng an die langobardische an: Kerbschnitt, ganz ähnliche Flechtverschlingungen, korbbodenartige runde Gebilde sind hier wie dort zu Hause, so daß man sogar an einen Import dieser Schmuckwerke von der Lombardei her gedacht hat (Abb. 145). Ganz sicher haben auch im Inneren der merowingischen Kirchen die Steinschranken, wie in den langobardischen, zur Abtrennung besonderer Teile eine große Rolle gespielt. Die sehr reichen Reste solcher Schranken, die sich in der alten merowingischen Kirche von St. Peter in Metz, der einstigen Hauptstadt Austrasiens, vorfanden, sind indessen doch in mancher Hinsicht wieder eigenartig (s. Abb. 156, 157, Tafel XLII). Neben reichster Verschlingung und Flechtwerk, auch von Schlangen und Drachen echt nordischer Art, finden sich bunte Partien mit eingelegten andersfarbigen Steinen u. dgl. Kurz, diese Reste beweisen, daß solche Arbeiten auch in reichster Form im Lande der Franken selbst hergestellt wurden.

Abb. 145. St. Jouin de Marne. Ornamente.
St. Jean, Poitiers

Das älteste Bauwerk aus merowingischer Zeit in Frankreich wird heute die Taufkirche von St. Jean zu Poitiers sein; ein höchst merkwürdiges Gebäude, das verschiedene Aus- und Neugestaltungen erfahren hat, aber doch noch immer ein würdiger Repräsentant der alten Kunst bleibt; um so wichtiger, als, wie bemerkt, in Frankreich sonst so ungemein wenig übrig ist. Die Vorhalle von halber Achteckform stammt aus romanischer Zeit; im übrigen wird das Bauwerk im 6. Jahrhundert erbaut und im 7. oder eher im 8. in einiger Hinsicht vervollständigt sein (Abb. 146). Es besteht aus einer Art von breitem Querschiff, an dessen Enden ursprünglich zwei rechteckige Anbauten waren (heute beide leider halbrund ergänzt), und vor dem eine etwa ebenso große rechteckige Vorhalle bis zum Portal reichte; im Osten ist eine außen trapezförmige, innen sechsseitige Apsis angefügt. In der Mitte hat man das sich in drei steilen Stufen vertiefende älteste Eintauchbecken mit seinem Zu- und Abfluß wieder aufgefunden.

Abb. 146. Poitiers. St. Jean.
(Schwarz: bestehend; weiß: neu; schraffiert: ursprünglich gewesen.)

Nach den Untersuchungen von Delacroix soll dem Ganzen sogar ein noch älteres Gebäude zugrunde liegen, das er dem 4. Jahrhundert zuschreibt, und das bei der Einführung des Christentums in Poitiers (313) erbaut wäre. Dem widersprechen die Einzelheiten, wie ich glaube, doch allzusehr. Vielmehr dürfte das Gebäude erst nach Annahme des Christentums durch die Franken (Anfang des 6. Jahrhunderts) entstanden sein.

Es scheint, daß der untere Teil des Gebäudes bis zu den Fenstern dem ersten Bau angehört; er ist teilweise noch mit römischen Resten ausgestattet, insbesondere mit Säulen und Kapitellen aus Marmor, die Blend- und Gurtbögen tragen (Abb. 147, Tafel XXXIX). Die Ostseite des querschiffartigen Raumes hat eine Art Arkadengliederung, wie sie an der Westseite ähnlich vorhanden gewesen sein dürfte. Es sind drei auf meist antiken Säulen ruhende Wandbögen, von denen der mittlere bedeutend größer den zurückgesetzten ebenfalls auf zwei Marmorsäulen ruhenden Chorbogen in sich schließt. Das Mauerwerk besteht aus kleinen Quadern. Die sechseckige Apsis hat an den Seiten oben ähnliche Blendarkaden auf kleinen Marmorsäulen und ein aus Mulde und Tonne zusammengesetztes Gewölbe. Der obere Teil der Schiffmauern trägt nach drei Seiten, die heute unten vermauerten Fenster umrahmend, eine ähnliche Blendarkatur, dreiteilig, deren mittlerer Teil eckig — giebelartig — ist. Gleiches dürfte sich auch nach Westen zu wiederholt haben.

XXXIX
Abb. 147 u. 148. Poitiers. St. Jean.
(Phot. J. Robuchon, Poitiers.)

Von diesen Fenstern oder dem ersten Gurtgesimse an ist im Äußeren eine eigenartige Architektur aufgesetzt, wie mir scheint erst gegen das 8. Jahrhundert (Abb. 148, Tafel XXXIX). Und zwar eine in ganz anderem und höherem Sinne antike als die innere untere. Auf dem Kämpfergesims der rundbogigen später in kreisförmige verwandelten Fenster stehen auf jeder Seite vier Pilaster mit eigentümlich ungewandt behandelten korinthisierenden Kapitellen. Über dem von ihnen getragenen Gesimse sehen wir drei kleine Ziergiebel eingesetzt, den mittleren rund, die seitlichen dreieckig. Darüber ein ungemein reiches Hauptgesims mit Konsolen; dann nach jeder Querseite ein völlig antiker Flachgiebel mit gleichem Konsolenkranzgesimse, in seiner Fläche wieder drei kleine Dreiecksgiebel enthaltend, von denen der mittlere erhöht über einer runden Scheibe steht.

Während aber die Technik unten das herkömmliche petit appareil (kleine fast quadratische Quaderchen) zeigt, fangen über dem unteren Gesimse besser gearbeitete und längere Steine, über dem von den Pilastern getragenen Gesimse die bekannten merowingischen Ziegelschichten zwischen Hausteinen an; unter dem Giebelgesims zieht sodann ein farbiger Fries mit eingelegten runden Ziegelplatten; ähnliche Muster in Ton sind in die kleinen Giebel eingelegt. Kurz, hier beginnt ein neuer Zug, die farbige Behandlung der Flächen, die das 6. Jahrhundert in dieser Art noch nicht kannte.

Die Konsolengesimse des großen und der kleinen Giebel sind stark antik, doch eigen gebildet; sehr ähnlich dem der Halle zu Lorsch am Rhein, wie einem neuerdings in Worms gefundenen; diese letzten beiden aus dem 8. Jahrhundert.

Auch die viel niedrigere Chorapsis hat antiken Giebel und Konsolengesimse.

Nach diesem Sachbestande ist zu vermuten, daß wir in dem oberen Aufbau der Taufkirche ein Werk derselben klassizistischen Richtung vor uns sehen, aus der später die so ganz einzig dastehende Vorhalle der Kirche zu Lorsch hervorgegangen ist. Der Erbauer dieses letzteren Werkes war Abt Chrodegang von Metz, der aus Frankreich kam — sein Name ist echt merowingisch-fränkisch —; mit der Person dieses bekannten kunstsinnigen Mannes dürfte daher wohl diese so einzig dastehende Rückkehr zur Antike zusammenhängen. Vielleicht haben wir in ihm, der noch in Karls des Großen Zeit hineinragt, den geistigen Vater der sogenannten karolingischen Renaissance zu sehen.

Lorsch

Das zweite ungleich besser erhaltene und einheitliche Werk dieser Art noch aus der Merowingerzeit steht also auf deutschem Boden: die oben genannte Torhalle des Klosters zu Lorsch. — Es steht fest, daß dieser Bau ursprünglich keine Kirche war (wie heute), sondern ein dreifaches Tor, das in den Vorhof der noch im frühen Mittelalter abgebrannten Kirche führte, an deren Stelle noch ein Stück der späteren romanischen steht; das Tor aber hat man schon im Mittelalter in eine Kapelle verwandelt.

Das Gebäude ist weit der prächtigste Rest eines fränkischen Bauwerks vor Karls des Großen Zeit (Abb. 149). Und zugleich dasjenige des frühen Mittelalters, welches am meisten sich der römischen Antike zu nähern weiß; die Weihe der 766 begonnenen Kirche, einer Schöpfung des genannten Abts Chrodegang von Metz, fand 774 statt.

Der Graf Cancor und seine Gattin Wiliswinda waren die Patrone des Klosterbaus, der nur eine Übertragung des etwas älteren nahe gelegenen Altenmünster an eine bessere Stelle war.

Abt Chrodegang, aus Frankreich nach Metz gekommen, ein hochgebildeter Kirchenfürst, war ein eifriger Bauherr; auch die Metz nahen Klöster von Gorze und St. Avold, die sich später großen Rufes erfreuten, sind seine Schöpfungen. Die ganze Anlage von Lorsch war aber eine der prächtigsten und geschlossensten: hinter dem stattlichen noch stehenden Torbau stieg ein von Hallen flankierter Vorhof zu dem Narthex der großartigen Klosterkirche auf. Diese wird in zeitgenössischen Berichten als geradezu prachtvoll gerühmt, besaß zwei Fronttürme zu seiten einer Vorhalle, dahinter drei Schiffe, durch Säulen getrennt, und war von reicher Ausstattung. Das bedeutende Werk fiel 1090 einem riesigen Brande gelegentlich eines Kirchenfestes ganz zum Opfer. Nichts blieb als der vorderste Klostereingang; auch das Kloster selbst verschwand; die drei von der nachher erbauten romanischen Kirche übrigen Joche dienen heute als Tabakspeicher.

Aber die Halle zeigt uns, daß wir wirklich Bedeutendes verloren.

Ihre vordere Front öffnet sich unten in drei breiten Bögen auf Pfeilern, vor denen komposite Dreiviertelsäulen stehen von fast streng römischer Architektur, wie man solche etwa an antiken Theatern gewöhnt ist, nur des Gebälkes entbehrend, an dessen Stelle ein friesartig verziertes Gesims getreten ist. Darüber ein Oberstock mit jonischen Pilastern, über denen Spitzgiebel statt Bögen in einer Reihe von Kapitell zu Kapitell laufen. Das Ganze trägt ein prachtvolles Konsolengesimse, das an den schmalen Seiten antike Dreiecksgiebel bildete, in den Formen und der Anwendung ziemlich genau dem an St. Jean zu Poitiers entsprechend. Die ganze Fläche des Oberstocks und über den Pilastern ist mit bunten Steinmustern aus Drei- und Sechsecken geschmückt. Die Rückseite entspricht der Vorderseite; der schmale Bau mag einst innen einen offenen Dachstuhl oder eine horizontale Decke gehabt haben; seine oberen Fenster scheinen neu; wahrscheinlich hatte er solche an den Schmalseiten.

In diesem Bau ist die Anlehnung an die römische Baukunst eine so starke, die Wirkung eine so völlig antike, daß man hier wohl den eigentlichen Anfang der „karolingischen Renaissance“ zu erblicken hat, die jedoch in keinem Bau Karls des Großen mehr eine solche Klarheit erreicht. Die Kompositakapitelle sind fast antik; die jonischen freilich in ihren flachen nur angedeuteten Eierstäben wohl leicht als spätere Nachahmung zu erkennen, doch nach antiker Art kanelliert, ebenfalls noch streng in der Wirkung; nicht weniger das Konsolengesims. Nur die Reihe der Dreiecksgiebel und der bunte Hintergrund der Pilaster spricht die Sprache der Merowingerkunst.

Abb. 149. Torhalle zu Lorsch. Nach Adamy.
Trier

Hier müssen wir die Erwähnung eines weiteren bedeutsamen merowingisch-fränkischen Werkes auf deutschem Boden einschalten, das außer der Linie der seither erwähnten Bauwerke steht: der Wiederherstellung des Domes zu Trier durch Bischof Nicetius seit 527. Dieser Priester fand bei seinem Amtsantritt den alten Dom, der hundert Jahre früher aus einer römischen Gerichtshalle zu der Hauptkirche der alten römischen Kaiserstadt verwandelt war, durch die salischen Franken gänzlich verwüstet und zusammengestürzt vor, und baute den großartigen Tempel möglichst in der alten Form wieder auf. Er errichtete von neuem die mittleren vier großen Säulen mit den Quer- und Längsbögen darüber, die den riesigen Raum teilten, nebst Dachwerk und einer schönen Inneneinrichtung; auch hier wurde später der Teil für die Priester durch Schranken in einer Behandlung, die der langobardischen nahe steht, abgeteilt. Die großen Säulen haben noch fast antik gebildete Kapitelle mit Masken an den Ecken, gleichzeitigen ravennatischen ähnlich. Der ganze Raum wurde dann verputzt und sehr farbig, noch halb antik-römisch ausgemalt, wovon Überreste genug zeugen, auch mit Marmorfußboden versehen. Es ist hier überall die spätantike Tradition maßgebend, der Bau auch vermutlich durch italienische Arbeiter ausgeführt, so daß von fränkisch-germanischer Art nur die Reste der jüngeren Schranken und einige Bruchstücke innerer Ausbauten reden.

St. Laurent Grenoble

Auf burgundischem Boden finden wir eine höchst interessante Krypta, vermutlich erst nachher als solche für eine neu darüber gebaute romanische Kirche benützt: St. Laurent zu Grenoble. Sie liegt noch heute über dem Boden und besteht aus einem tonnengewölbten Langschiffe mit Apsiden an beiden Enden und zwei am Ostende der Langseiten, so daß da ein kleeblattförmiger Grundriß entsteht; am Westende befinden sich statt weiterer Nischen die Ausgänge der beiden Treppen nach oben (Abb. 150, Tafel XL). Also ein Bau von verhältnismäßig reichem Grundriß. In den Formen nahestehend den älteren Teilen von St. Jean zu Poitiers; auch hier ist die den Wänden frei vorgesetzte Säulenarchitektur teilweise mit antiken Säulen hergestellt und an die dortige unwillkürlich erinnernd. Die Nischenbogen sind wie dort von Säulen eingefaßt; der eigentliche Chorbogen trägt eine zweite Säulenstellung über der unteren. Das Gewölbe hat lang durchgehende Ziegelschichten; der Chorbogen ist mit solchen ebenfalls durchschossen.

Die Kapitelle der Säulen stammen meist von älteren Bauten; einige sind jedoch, wie es scheint, für den Bau besonders gearbeitet; sie haben einfache korinthisierende Formen, darüber eigentümliche schräge Kämpfersteine nach Art der byzantinischen, doch mit Darstellungen, so von Schafen und Vögeln zwischen Palmen, Kreuzen u. dgl., alles im einfachsten Relief auf Grund gesetzt, aber mit Geschmack gearbeitet. Es muß dahin gestellt werden, ob hier wirklich fremder Import vorliegt, wie viele Forscher behaupten, die der Ansicht sind, daß alle marmornen Kapitelle der Merowingerbauten fern im Osten angefertigt seien, und daß es allgemeines Verfahren gewesen sei, solche so weit als möglich auf dem Wasserwege beförderten Architekturteile, auch Schäfte und Basen, in die Bauwerke einzufügen, wie es sich eben gab. In der Tat zeigen viele Kirchenräume jener Zeiten dort geradezu Häufungen der verschiedenartigsten Stücke dieser Art, die dabei oft kaum älter, unbedingt nicht antik sein können.

Auch unsere Kirche hat Säulen mit und ohne Kämpferaufsätze oder zwischengeschobene Gesimsstücke unter dem einfachen Steinbalken des Architravs; an einer Stelle überhaupt kein Kapitell, zeigt also deutlich die Kompilation vorhandener Architekturteile.

Trotzdem ist der ganze Raum schön in den Verhältnissen, von interessantem Aufbau und anmutig in der Wirkung, verdient auch als Komposition Beachtung. — Das Bauwerk wird dem 7. Jahrhundert angehören.

XL
Abb. 150. Grenoble. St. Laurent.
(Phot. Robert, Grenoble.)
Abb. 154. Jouarre. Krypten.
(Phot. Jubeaux, Jouarre.)
Abb. 151. Jouarre. Krypten.
Krypta zu Jouarre

Eine andere sehr eigentümliche und weit bekannte Krypta aus dem 7. Jahrhundert finden wir in Jouarre in der Champagne. Bei ihr ist es ebenfalls wahrscheinlich, daß sie ursprünglich eine kleine Kirche war, die bald zu einer Krypta und Begräbniskirche wurde (Abbildung 151). Denn sie stammt noch von der alten Klostergründung, die Abt Adon († 628) im ersten Viertel des 7. Jahrhunderts hier vollzog; seitdem die Äbtissin Telchilde († 655) da beigesetzt wurde, fügte sich Sarkophag an Sarkophag. Von einem ursprünglichen Märtyrer- oder Heiligengrab, dem der Bau als Krypta geweiht gewesen wäre, ist jedoch keine Spur vorhanden. Heute ist der kleine Raum, dem im Anfang des 8. Jahrhunderts eine Erweiterung nach Süden zuteil wurde, gewölbt; die Wölbung stammt vermutlich aus nicht unerheblich späterer Zeit, dem 10. oder 11. Jahrhundert. Als man hier unten eine Begräbniskirche einrichtete, wurde über ihr eine nach Westen zu bedeutend längere Kirche erbaut, deren Längsmauern man noch aufgefunden hat, und unter deren Ostteil jene älteren Räume dann die Unterkirche bildeten. Dies geschah aber bald nach der ersten Anlage. Es ist infolge der vielen Umbauten und Änderungen jetzt schwierig, sich ein zuverlässiges Bild des ersten Zustandes zu machen. Was einigermaßen feststehen wird, ist folgendes:

Abb. 152. Jouarre. Ursprünglich.

Ursprünglich war, wie es scheint, ein niedriger flachgedeckter kirchlicher Raum von rechteckiger Form vorhanden (Abb. 152), dessen Westwand allein noch erhalten, nur 35 cm dick, durch fünf Pilaster verstärkt und inwendig mit einem echt merowingisch-fränkischen bunten Steinmuster geschmückt ist: oben Achtecke, darunter übereck gestellte Vierecke, unten das bekannte petit appareil (Abb. 153, Tafel XLI). Die einfachen Pfeilerkapitelle der Pilaster tragen einen längslaufenden Architrav. Einst vorhandene weitere zwei Pilaster sind in romanischer Zeit durch eine Tür verdrängt. Die Ostwand muß ebenso gegliedert gewesen sein; an ihren dünnsten Stellen ist sie von gleicher Stärke wie die westliche. Dazwischen standen parallel mit diesen beiden Wänden zwei Reihen von je drei Säulen, annähernd auf denselben Plätzen wie heute. Kurz, es wird anfänglich ein dreischiffiger flachgedeckter Raum gewesen sein, merkwürdigerweise von Norden nach Süden gestellt; die Eingangstür wird demnach im Süden gelegen haben; der Altar nördlich.

Als man dann die Kirche darüber erbaute, ergab sich zu diesem Zwecke die Notwendigkeit einer Verstärkung der Nord- und Südmauern der jetzigen Krypten, die durch eingebaute starke Pfeiler erreicht wurde.

Die Särge standen im Ostschiff.

Eine Verlängerung der Unterkirche nach Süden erfolgte nach 700; man baute damals für den Hl. Ebregesil, Bischof von Meaux († 700), eine besondere Grabkapelle an und stellte dessen Sarkophag darin auf. Im 10. oder 11. Jahrhundert wurden die beiden Krypten mit Kreuzgewölben versehen. Da ergab sich der Gewölbeeinteilung halber eine geringe Verschiebung der Säulen in dem ältesten Teil (der St. Pauls-Krypta). Zugleich errichtete man an der Ostseite eine Estrade, in die man die Särge begrub; die drei Säulen wurden verkürzt und auf die Estrade gestellt; oberhalb der Särge errichtete man nun reichverzierte Scheinsärge (Kenotaphien), die heute noch den besonderen Schmuck der Krypta bilden (Abb. 154, Tafel XL). Leider hat man 1884 die Estrade wieder großenteils beseitigt und so der Begräbniskirche ihre frühere Eigenart teilweise geraubt.

Es erübrigt noch zu sagen, daß die andere, die St. Ebregesil-Krypta wohl damals (oder noch später?) eine Vergrößerung nach Westen erfuhr, die auch Veränderungen im alten Teil mit sich und allerlei romanische Formen in die alte Krypta hineinbrachte; die Ebregesilkrypta selber ist überhaupt viel roher, eigentlich nur eben einigermaßen notdürftig, meist aus Bruchstücken, zusammengestümpert.

Aus merowingischer Zeit haben wir demnach an den beiden alten Bauwerken (620-700) nicht mehr sehr viel im Original vor uns. Immerhin in der Paulskrypta die erwähnte Lang-(West-)wand und die sechs Marmorsäulen. Letztere haben alle weiße Marmorkapitelle und Basen und verschiedenartig gefärbte marmorne Schäfte. Dem edlen Material nach müssen wir auch hier Import aus dem Osten annehmen; ein einziges Kapitell dürfte vielleicht von einem alten römisch-gallischen Bau entnommen sein. Die Zeit der Herstellung der Kapitelle dürfte sonst ziemlich der Bauzeit der Kirche entsprechen; es scheint, als ob solche Arbeiten auf Bestellung in einem bestimmten Geschmacke in der Ferne hergestellt worden wären. So kehrt das bekannte schöne Kapitell der östlichen Mittelsäule in ganz ähnlicher Form der umgekehrten Ranken und des gekehlten Kelches mit Eierstab in der Krypta von St. Brice zu Chartres und an St. Christophe zu Suèvres (Abb. 155, Tafel XLI) wieder, an ziemlich gleichzeitigen Bauwerken in ganz verschiedenen Gegenden Frankreichs. Auch der kannelierte Kapitellkelch wiederholt sich bei vier der sechs doch recht verschiedenen Kapitelle, wird überhaupt um jene Zeit oft gefunden, so auch in St. Jean zu Poitiers.

XLI
Abb. 153. Jouarre. Krypten.
(Phot. Jubraux, Jouarre.)
Abb. 155. S. Christophe zu Suèvres. Westfront.

Es scheint demnach, wenn auch das edle fremdländische Material so vieler Säulen an den Gebäuden jener Kunst den Import dieser Teile aus dem Osten oder Süden zu bezeugen scheint, wenigstens bei der Bestellung solcher Stücke ein bestimmter Geschmack und ein gewisses System gewaltet zu haben, die es ermöglichten, daß die merowingischen Bauwerke dieser Art und Zeit einen auffallend übereinstimmenden Charakter auch in diesen Teilen tragen.

Das Einzelne der nicht mehr dieser Bauweise angehörigen Nachbarkrypta St. Ebregesil ist dagegen, wie bemerkt, von großer Ungeschicklichkeit und in gewöhnlichem Steine, so gut und so schlecht als es eben ging, den Arbeiten des älteren Teiles nachgearbeitet. Eine klarere Gruppierung im Grundriß läßt sich aber da anerkennen: im Osten eine Art Apsis mit eckiger Altarnische, die mit Säulen eingefaßt ist, die Öffnung dazu von drei Säulen getragen, davor ein kleines säulengetragenes Schiff mit Kreuzgewölben; in diesem sind mehrere romanische Kapitelle und zum Teil auch Säulen später eingefügt.

Noch einige wirkliche Krypten sind zu erwähnen als aus so früher Zeit stammend; doch sind dies gleich von Anfang an gewölbte kleine Räume mit Konfession und Wandelgang ohne besondere Charakteristik; so St. Aignan in Orléans, St. Brice in Chartres, zwei sogar in der ersten alten Merowingerhauptstadt Soissons, und die an St. Germain in Auxerre, die im allgemeinen sich von den originalen Krypten der übrigen Welt formal nicht nennenswert unterscheiden.

Metz, St. Peter

Wenn wir dagegen eine wirkliche Merowingerkirche noch halbwegs aufrechtstehend sehen wollen, so müssen wir wieder über Deutschlands Grenze gehen. In Metz, der einstigen Hauptstadt von Austrasien, ist sonst fast alles den späteren Kriegsbauten zum Opfer gefallen, von den Residenzen der Könige und der Kaiser bis zu ihren Begräbnisstätten (noch Ludwig der Fromme war dort im Arnulfkloster bestattet). Aber ein Bauwerk, die St. Peterskirche (heute militärische Brieftaubenstation) auf der Zitadelle, ist noch übriggeblieben; wenn auch nur in den äußeren Schiffswänden. Eine dreischiffige Basilika, deren Schiffarkaden freilich in späterer Zeit ganz erneuert sind, die zuletzt in gotischer Zeit im Innern völlig geändert ist. Aber es läßt sich immer noch ersehen, daß der Bau den spanischen des 8. Jahrhunderts in der Anlage ähnlich war, am meisten dem Kirchlein zu Val de Dios. Westlich eine Vorhalle mit Empore, dann das Schiff, von dem man leider nicht einmal mehr sicher weiß, ob die obere Wand des Mittelschiffes von Säulen oder Pfeilern getragen war; ersteres ist das wahrscheinlichere, da sich der Rest eines marmornen Säulenschaftes vorfand; im Osten eine vermutlich rechtwinklige Apsis. Das kleinsteinige Mauerwerk ist, wie die Umfassung der nördlichen Tür und die Bögen der Westwand, mit Backsteinschichten durchschossen; über der Westempore eine Bogenstellung auf drei Säulen ohne Kapitell. Von wichtigen Architekturteilen scheint sonst so gut als nichts mehr erhalten, außer dem Reste eines Türsturzes, der ein halbrundes Tympanon gebildet haben muß, doch nur aus zwei Balken übereinander gebildet, ohne wirkliche Bogensteine: dieser Rest (Abb. 56), dessen rechteckige Türöffnung darunter etwa 1,05ᵐ licht gehabt haben muß, ist im Halbrund ringsum mit runden kleinen Rosetten eingefaßt, inmitten waren drei größere Rosetten, die Zwickel sind mit allerlei Blatt- und Schmuckwerk in Linien und Kerbschnitt, der viereckige Türrahmen mit einer Reihe von eckigen eigentümlichen Knöpfen gefüllt. Dieser Türsturz gehört als besondere Seltenheit zu den wertvollsten Überbleibseln seiner Art.

Noch ein kleines Kapitell (Kragstein) ist da (s. Abb. 75), vorne eine Art Büste in Relief eingetieft enthaltend, scheinbar römisch, vielleicht wirklich ein solcher umgearbeiteter Rest, doch an den Seiten Blattwerk entschiedenster germanischer Art, mit den bekannten vertieften Rippen und Einschlitzungen, wie im Langobardischen und Westgotischen.

Beim Durchsuchen der romanischen Pfeiler des Mittelschiffes fand man außerdem prächtige Reste von Schranken in Kalkstein. Also offenbar war eine innere Abgrenzung wie bei den langobardischen und spanischen Kirchen vor dem priesterlichen Teile des Schiffes oder dem Chor einst vorhanden; ob auch mit Säulen und Querwand oder Balken darüber ist nicht mehr zu bestimmen. Doch wahrscheinlich ohne solche, da keinerlei Rest davon zeugt.

Die Felder und Pfosten dieser Schranken sind von hohem Reiz und gut altgermanisch (Abb. 156, 157, Tafel XLII); erinnern teilweise stark an langobardische Arbeiten, sind jedoch weit mehr nordisch im Charakter, schon insofern, als richtige Verschlingungen von Schlangen, Drachen und dergleichen statt Flechtwerk allein vorkommen; die Felder sind öfters, wie es scheint, zur Ausfüllung mit andersfarbigem Steinwerk schachbrettartig und ähnlich vertieft, echt merowingisch bunt. Diese Art von Zierung hat sich ja bekanntlich lange erhalten und weiter gepflanzt, so im Puy (St. Michel de l’aiguille) an N. D. du Port zu Clermont und vielen ähnlichen Bauwerken.

Dabei ist noch ein Pfosten von besonderer Form vorhanden, eine flache Nische mit einer Figur darin (wie es scheint Christus) auf der Vorderseite enthaltend. Die gewundenen Säulchen, die diese Nische einfassen, der Spitzgiebel mit Krabben besetzt, die Behandlung, als flachstes Relief auf Grund gesetzt, entspricht völlig der wohlbekannten langobardischen Weise, doch ist alles ein wenig rundlicher, nicht so scharfkantig eingeritzt. Es mag dies vielleicht der Rest eines Eckpfostens der Schranken sein.

Köln, Römerturm

Der wohl ältere doch auch dieser Richtung angehörige „Römerturm“ zu Köln ist schon erwähnt worden; er mag ins 6. bis 7. Jahrhundert gehören. Merowingerkönige, so Sigibert, wohnten ja oft und lange in der rheinischen Stadt.

Die Fläche des runden Turmes ist völlig bedeckt mit den heitersten Mustern der Flächendekoration in Stein und in Ton in verschiedener Farbe. Fischgrätenfriese, Bänder, Räder, Pyramiden, Giebel, Dreiecke, übereck stehende Quadrate, sogar tannenbaumartige Gebilde (wohl Palmen) bedecken in heiterster Fülle reihenweise über- und nebeneinander die ganze Fläche des Mauerzylinders (Abb. 158).

XLII
Abb. 156 u. 157. Metz. S. Peter. Von den Schranken.
(Nach Knitterscheid in: Jahrb. des Lotr. Gesch.-Vereins.)
Aachen, Königshalle

Von Profanwerken der früheren fränkischen Zeit scheint leider alles verschwunden; nur der alte merowingische Königssaal zu Aachen ist in seinen Substruktionen noch im Unterbau des alten Rathauses erhalten. So wenig dies auch ist, so interessant ist doch die Vergleichung des Grundrisses mit dem des Königssaales S. Maria de Naranco in Spanien.

In beiden Fällen ein langer Bau, mit der Hauptfront nach Süden gerichtet; an den Enden hier Rundungen, vielleicht ebenfalls Ausblicksterrassen. Wo der Eingang war, ob an den Enden oder mitten, ist nicht sicher; wahrscheinlich das erstere. Das Untergeschoß der Länge nach in fünf (oder sieben?) Räume durch Wände quer geteilt, welche der Einteilung des Saales darüber durch Säulen entsprachen. Diese Säulen bildeten bei größerer Breite hier eine mittlere Säulenreihe, genau wie solche noch in Goslar vorhanden ist, dessen Kaiserhaus auch im übrigen in überraschender Weise mit der Aachener Anlage übereinstimmt, ganz offenbar eine großartige Nachbildung des merowingischen Saales im Westen.

Abb. 158. Römerturm zu Köln. Nach Holtzinger.

Es ist hier der Ort, um nochmals auf die geradezu erstaunliche Übereinstimmung des Grundrißtypus aller Königshallen aufmerksam zu machen. Sie scheinen ausnahmslos in der Längsrichtung in 5 oder 6 Joche geteilt gewesen zu sein, im Untergeschoß 3-7 Räume enthaltend; die Zugänge mitten oder an den Enden. Ein allerletztes Beispiel dieser Art ist die Haakonshalle in Bergen, schon frühgotisch (1261), dort wieder mit 7 Fenstern in der (hier westlichen) Front und Treppenzugang am Ende; mit 3 untergeordneten Räumen im Untergeschoß; darunter noch ein Keller; oben der Saal, an dessen östlicher Längswand sich mitten der Hochsitz, an beiden Enden je ein Kamin befand.

So haben wir also vier merkwürdig übereinstimmende Beispiele: Naranco, Aachen, Goslar und Bergen, sozusagen genau nach demselben Grundrißschema erbaut. Man möchte fast glauben, daß der Teilung des Grundrisses eine symbolische oder ähnliche Bedeutung zugrunde gelegen hätte; vermutlich sind diese vier steinernen getreu nach den sicher einst sehr zahlreichen Hallen in Holzbau gestaltet gewesen.

Trier, Frankenturm

Ferner ist in Trier noch ein höchst merkwürdiges Profanwerk wohl spätester fränkischer Zeit vorhanden: der Frankenturm in der Dietrichsgasse (Abb. 159, Tafel XLIII). Von solchen Bauwerken, propugnacula genannt, kannte man vor zweihundert Jahren dort noch fünf; heute steht noch dies einzige; wohl ein Wohnturm, gleichzeitig zur Verteidigung geeignet. Es ist ein länglicher Bau von etwa 16½ m Länge auf 9½ m Breite, jetzt noch zwei Stockwerke nebst einem Dachstock über einem 7½ m hohen tonnengewölbten Keller enthaltend; ursprünglich sicher 4-5 Stockwerke hoch. Das Einfahrtstor ist von neuerer Entstehung; die beiden niedrigen Untergeschosse (heute zu einem vereinigt) haben ganz kleine Fenster, das Hauptgeschoß dagegen nach der Straße zu zwei doppelte Bogenfenster mit je einer Mittelsäule, das Prunkstück des Gebäudes. Dieses ist im Äußeren durchaus höchst altertümlich, das Mauerwerk im Sockel aus Quadern, darüber petit appareil (aus römischen Quaderchen) mit doppelten Ziegelschichten durchschossen und Eckquadern. Sichtbarlich waren die unteren Geschosse zu wirtschaftlichen Zwecken bestimmt, der große Raum im zweiten Obergeschoß aber der Hauptsaal, in dem folgenden Stockwerk wohl die Schlafräume. Eine Treppe ist nicht festzustellen; sie mag, in Holz hergestellt, inwendig in die Höhe geführt haben. Vom Kamin ist im Saal ein Rest, später erneuert. — Das sehr interessante Fensterpaar ist durch einen quadratischen Mittelpfeiler getrennt, Gesimse überall nach karolingischer Art antikisierend, die zwei Teilsäulchen (Abb. 52) aber ohne Kapitell nur einen Kämpferstein tragend, der Schnecken am Ende zeigt. Die Basis attisch. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Bau aus dem 9. Jahrhundert, wenn nicht älter, und dürfte der wertvollste Profanbau unserer ältesten Zeit in Deutschland sein. Das Äußere von prachtvoller Derbheit, im 19. Jahrhundert mit einem Pultdach abgedeckt.

Winkel, Graues Haus

Ein in romanischer Zeit erweitertes kleines Haus der fränkischen Zeit finden wir außerdem in Winkel im Rheingau im „grauen Hause“ erhalten; vielleicht wirklich einst das Wohnhaus des fuldischen Kirchenlichtes Rhabanus Maurus um 850. Wie Eichholz in überzeugender Weise nachwies, ist der ursprüngliche Kern des Hauses noch völlig wohlerhalten, er besteht aus einem etwa 7 m breiten und 14 m langen zweistöckigen Gebäude, an den sich im Oberstock westlich eine kleine Kapelle mit eingetieftem Kreuz im Türsturz anlegt; unter ihr wird sich die Küche befunden haben; das obere Stockwerk war vermutlich durch eine äußere Freitreppe an dieser Stelle zugänglich, bestand also, wie in Trier der Frankenturm, aus einem Raume, in dem sich ebenso die Spur des Kamins an der Südseite noch vorfindet. Von großem Interesse sind an diesem Bau die wenigen erhaltenen Architekturteile: ein Doppelfenster nach Osten mit schwerem Sturz, in dem zwei blinde Bögen angearbeitet sind; im Mittelpfosten sind echte Kerbschnittverzierungen eingetieft, auch ein ebensolches Kreuz zwischen den Bögen. Die zwei dreifach geschlitzten Ostfenster des Erdgeschosses haben einen Sturz mit einer dachförmigen eingegrabenen Linie mit runden Akroterienandeutungen; ein ähnlicher Sturz findet sich über dem später verschobenen Eingang zur Küche.

XLIII
Abb. 159. Trier. Frankenturm.
(Phot. Gary, Trier.)

Diese beiden steinernen Wohnhäuser werden uns also wohl in ihrer so unendlich einfachen Anlage die älteste Form von solchen Gebäuden in Deutschland darstellen und sind von höchstem Interesse, wenn auch vielleicht erst in der karolingischen Zeit entstanden. Ihre Formgebung entspricht denn auch noch völlig der der allerersten Anfänge unserer Steinbaukunst.

Germigny-des-Prés

Ein Bau ganz besonderer Art aber steht noch in Frankreich, eine kleine doch hoch merkwürdige Kirche, wenn auch gänzlich „restauriert“, doch auch so ein charakteristisches Werk, das wir seiner Art nach immer noch als fränkisch-merowingisch bezeichnen dürfen, wenn es auch erst 806, also zur Zeit Karls des Großen, erbaut ist: die schöne Zentralkirche zu Germigny-des-Prés bei Orleans. Theodulf, Bischof von Orleans erbaute und stattete sie aus; sie galt als ein besonders schönes Werk nach dem Muster der Palastkirche zu Aachen, mit der sie aber gar nichts gemein hat, als die Zentralität des Grundrisses. Die Reste ihrer Ausstattung beweisen uns, daß der Bau tatsächlich über das Gewöhnliche hinausging; leider hat die unverständige Herstellung 1867 fast die ganze Kirche erneuert und sie eines bedeutenden Teiles ihres historischen Wertes beraubt. Trotzdem ist genug geblieben, um das einstige bedeutsame Werk auch in seinem verschwächten Abbild schätzen zu können.

Die Grundrißanordnung (Abb. 160) ist eine seit der Zeit der Römer oft vorkommende: ein viereckiger Mittelraum (Kuppel oder Turm), auf dessen Seiten vier kurze Tonnengewölbe quer aufstoßen; die übrigbleibenden Ecken sind hier mit kleinen Kuppeln überwölbt. Dazu kommen vier Apsiden von hufeisenförmigem Grundriß auf den vier Seiten; auf der Ostseite war die Apside früher noch von zwei kleineren flankiert.

Es ist nicht wahrscheinlich, daß die verschwundene westliche als Eingang diente; in meinem Herstellungsvorschlag sind zwei Eingänge zu deren Seiten angenommen. Später wurde hier ein kurzes dreischiffiges Langhaus angebaut.

Ob der Mittelraum, der sich zu einem Turme erhebt, früher auch eine Kuppel besaß, ist nicht mehr zu wissen; auf Grund baulicher Reste glaube ich es nicht.

Die allgemeinen Grundzüge der Anlage haben zwar wie selbstverständlich nichts spezifisch Germanisches, scheinen vielmehr eher nach Osten zu deuten; indessen ist darauf hinzuweisen, daß das Motiv der Stützung des Mittelraumes durch gegengestellte Quertonnen an germanischen Kirchen mit Vorliebe gebraucht und sogar zu einem bedeutungsvollen System entwickelt ist; so hervorragend in S. Miguel de Lino in Spanien und später in Aachen. Daher ist seine Verwendung auch hier nicht ohne Bedeutung. Ferner ist die Anordnung von drei hufeisenförmigen Apsiden im Osten nebeneinander, wie es scheint, nur germanischen Kirchen eigen: S. Miguel de Escalada bei Leon (Spanien), Disentis und Münster (Schweiz). So bietet sich schon im Grundrisse mehreres von Bedeutung; das eigentlich Wichtige liegt aber im Formalen.