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Die Anthropophagie

Chapter 8: Afrika.
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About This Book

The study differentiates incidental survival cannibalism from habitual, culturally sanctioned practices and restricts its focus to the latter, aiming to document facts, stages, and causes. It surveys possible prehistoric evidence and survivals in folklore and classical reports, then proceeds to a systematic, region-by-region ethnographic account of contemporary instances across Africa, Asia, Oceania, Australia, and the Americas. Varieties of practice, ritual contexts, and motivating factors are catalogued and compared. The work concludes by synthesizing these materials to explain reasons for persistence, variation, and the observed decline of such practices in the face of external influences and social change.

Afrika.

Guineaküste und Nigerdelta. Der verdiente Anthropologe WAITZ war geneigt, die Anthropophagie bei den Bewohnern Afrikas schon vor einem Vierteljahrhundert für fast eingegangen zu betrachten[67], und nur noch mit den Verleumdungen in Verbindung zu bringen, welche ein Negerstamm gern über den andern aussprengt. So führt er nur wenige auf die Westküste und das Nigerdelta bezügliche Beispiele an, ohne großen Wert darauf zu legen und bemerkt nur, daß wohl Feindschaft und Rachsucht die Triebfedern des einst weit verbreiteten Kannibalismus gewesen seien, wie der überall weit verbreitete Ausdruck „den Feind auffressen“, d. h. zu Grunde richten, noch andeute.[68] Abgesehen jedoch von den zahlreichen Beispielen, welche neuere Reisende beibringen, lagen schon zu WAITZ Zeit gehäufte Beweise des Kannibalismus in Afrika vor, der dort noch immer eine klassische Stätte hat. Im mohammedanischen Afrika ist die Anthropophagie so ziemlich verschwunden und der Sudan kennt sie kaum. Sie tritt dagegen gleich in dem noch dem Fetischdienste ergebenen Küstensaume auf und reicht, mit geringen Unterbrechungen, von Sierra Leone bis an den Gabon und darüber hinaus.

Daß es bei den Westafrikanern sich auch um reine Gefräßigkeit und nicht nur um religiöse oder andere Beweggründe bei der Anthropophagie handelt, dafür liegen die Beweise vor. T. J. HUTCHINSON, lange Jahre britischer Konsul in Westafrika, berichtet: „Ich habe (1860) in einer in Sierra Leone erscheinenden Zeitung gelesen, daß der Missionar PRIDDY mit eigenen Augen sah — nicht, daß er bloß davon hörte — wie Körbe mit getrocknetem Menschenfleisch umhergeschleppt und der Inhalt zum Zwecke des Verzehrens verkauft wurde. Das Fleisch stammte von Gefallenen aus einer Fehde zwischen den Susu- und Timney-Stämmen. Die Thatsache ist bei Gelegenheit der 67. Jahresversammlung der Missionsgesellschaft konstatiert worden und sie hat sich ereignet in einer unserer Kolonieen, auf welche unsre Regierung schon 8 Millionen verwendet hat.“ Auf einem Palmölhulk bei Bonny (Nigermündung) wurde, in Gegenwart des Kapitän STRAW, ein Ju-ju-Mann von HUTCHINSON wegen seines notorischen Kannibalismus und darüber, daß er am Tage zuvor einen Menschenkopf, der als Leckerbissen galt, verzehrt habe, zur Rede gestellt. Kaltblütig antwortete er: I no eat him, for my cook done spoil him; he no put nuff pepper on him. Also weil der Koch den Kopf nicht genug gepfeffert hatte, verschmähte ihn der Kannibale.[69]

Wenn HUTCHINSON auch das Hinterland von Liberia als Stätte des Kannibalismus anführt, so spricht er nicht aus eigener Erfahrung. An und für sich erscheint die Sache nicht unwahrscheinlich, wir bemerken nur, daß der amerikanische Neger ANDERSON, der es bereiste und ein Buch darüber schrieb, durchaus nichts von Anthropophagie in jenen Gegenden berichtet.

Der französische Viceadmiral FLEURIOT DE LANGLE, ein genauer Kenner der afrikanischen Westküste, bringt Belege bei, daß die Schwarzen im Hinterlande von Bassam (Guineaküste) ihre Kriegsgefangenen verzehren. „Jene von N’diou sind Fremde, die, so sagte man mir, aus dem Gebirge herabkommen. Sie gehören zu den Bambaras. Die Quaquas haben gleichfalls diesen abscheulichen Gebrauch, und er mangelt auch nicht den Bourbourys, sie haben acht senegal’sche Jäger verschlungen, die sie aus einem Hinterhalt gefangen nahmen, und man mußte diesen Schimpf durch Verbrennung von Badou, Mapoyenne u. s. w. rächen.“ Ein gewisser Pieter, der in FLEURIOT DE LANGLEs Berichten eine Rolle spielt, war zu zehn Unzen Strafgeld verurteilt worden, weil er einen seiner Sklaven aufgefressen hatte.[70] Die Sache ist dort übrigens nicht neu, denn von Groß-Bassam an der Guineaküste berichtet bereits HECQUARD, daß die dortigen Neger noch aus Aberglauben gelegentlich Kannibalen seien. So findet bei der Gründung eines neuen Dorfes ein Menschenopfer statt; aus den Eingeweiden des Geopferten weissagen die Fetischeros; Herz, Leber und die übrigen Eingeweide werden mit einer Henne, einer Ziege und einem Fische gekocht und alle Festteilnehmer sind dann gezwungen, von dem Mahle zu essen. Solche Fälle ereigneten sich noch 1850.[71]

Bei den Aschanti ist Anthropophagie nur eine sehr vereinzelte Erscheinung, die keineswegs auf das ganze Volk sich ausdehnt und wenn sie vorkommt, auf Aberglauben zurückzuführen ist. BOWDICH, dessen Werk über Aschanti auch heute noch eine der vorzüglichsten Quellen über dieses Land ist, erzählt folgendes: „Die Fetischmänner, die der Armee folgen, schneiden einigen Feinden das Herz aus, und nach vielen Zeremonien und Verzauberungen mit allerlei geweihten Kräutern essen alle die, welche noch nie zuvor einen Feind getötet haben, einen Teil davon; denn man sagt, wenn sie es nicht thäten, so würde ihre Kraft und ihr Mut im Geheimen durch die Geister der Gebliebenen gequält werden. Man sagt, daß der König und alle die Großen das Herz eines berühmten Feindes unter sich teilten; doch flüsterte man sich dies nur zu. Dagegen rühmten sie sich, die kleineren Gebeine und Zähne des erschlagenen Monarchen bei sich zu tragen. Man zeigte mir einen Mann, der das Herz des Feindes, den er getötet hatte, immer auffraß.“[72]

So wenig Wert wir hierauf legen, um im allgemeinen die Aschanti als Anthropophagen zu erklären, eben so gering sind die Anhaltepunkte, die benachbarten Dahomeher denselben beizugesellen, so übel berüchtigt sie auch sonst wegen ihrer Menschenopfer sind. Zwar erzählt ROBERT NORRIS[73], daß bei gewissen Menschenopfern „der Körper des preisgegebenen fast ganz aufgefressen werde“, indessen wollen wir diese vereinzelte Nachricht auf sich beruhen lassen, zumal andere Berichterstatter, die in Abomeh die „großen Gebräuche“ mit ansahen, wohl der Schauderdinge genug erzählen, von Anthropophagie indessen nichts wissen. Manches deutet jedoch darauf hin, daß die Dahomeher ehemals Anthropophagen waren. Der dänische Arzt ISERT erzählt, daß noch zu seiner Zeit (zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts) der König von Dahomeh in das in einer Schale aufgefangene Blut der beim Jahresfeste hingerichteten Schlachtopfer einen Finger tauchte und diesen ableckte. ISERT vermutet hierin wohl mit Recht einen letzten Rest, gleichsam ein Sinnbild der ehemaligen Menschenfresserei.[74]

Wir führen gern alle Zeugnisse an, welche bei der Anschuldigung der Anthropophagie entlastend wirken können; bei der Gegend, der wir uns jedoch nun nähern, dem Nigerdelta, Calabar u. s. w., vermögen wir nur in den schwärzesten Farben zu schildern, wobei sehr unverdächtige und mit dem Lande durch viele Jahre hindurch vertraute Männer unsre Führer sind: Consul HUTCHINSON und der schwarze Bischof S. A. CROWTHER.

HUTCHINSON[75] erzählt, daß Consul CAMPBELL aus Lagos ihm geschrieben habe, wie die Edjo (Edschu) im Nigerdelta allgemein als Kannibalen gelten. In Brass und Bonny (beide im Nigerdelta) verzehre man alle Kriegsgefangenen, in dem Wahne, dadurch tapferer zu werden. Consul HUTCHINSON bezweifelte die Thatsachen, bis es ihm gelang, sich durch den Augenschein von der Richtigkeit zu überzeugen.

Ich mußte, schreibt er (in den ersten Monaten des Jahres 1859), amtlich Bonny im Nigerdelta besuchen. Insgeheim wurde mir mitgeteilt, daß dem Jujuhause gegenüber ein Mann geschlachtet und der Körper verzehrt werden sollte. Dieser Mann hatte einen Sklaven, der beim Palmölhandel beschäftigt war, ermordet; die Leiche war in voriger Woche an einem der Creeks des Hamballalandes verzehrt worden. Die Neger hielten die Sache geheim, und kein Weißer durfte davon wissen. HUTCHINSON wußte sich zu verbergen und sah, wie am andern Morgen das Schlachtopfer hingerichtet wurde. „Der Henker ging fort und alle sprangen auf mit einem Geheul und Geschrei, wie man es von wilden Tieren hört. Sie stürzten auf den geschlachteten Mann zu, schwenkten ihre großen Messer in der Luft umher und schnitten Stücke ab. Ich glaubte mich an das jenseitige Ufer des Styx versetzt, ich sah schwarze Geschöpfe in Menschengestalt wie gierige Geier. Selbst Knaben und Mädchen trugen Fleischstücke, von welchen das Blut herabträufelte und den Weg bezeichnete. Ein Weib riß einer andern Frau zankend und schreiend einen Bissen weg, Fleisch von einem Manne, der vor wenigen Minuten noch unter den Lebenden war. Nachdem das Fleisch verteilt war, trug man die Eingeweide fort. Diese waren für die Iguana, die große Eidechse, bestimmt, die ein Schutzgeist des Volkes von Bonny ist. Bevor ich meinen Schlupfwinkel verließ, fragte ich mich, ob ich denn meinen eigenen Augen trauen konnte? Das Alles geschah im Jahre 1859 nach Christi Geburt, bei Leuten, unter welchen der europäische Handel seit länger als einem halben Jahrhundert seinen ‚civilisierenden‘ Einfluß übt.“[76]

Als Ergänzung hierzu führen wir noch folgendes an: Ein ungenannter britischer Seeoffizier, welcher sich außerordentlich vertraut mit den Verhältnissen an der afrikanischen Westküste gezeigt hat, berichtete gelegentlich des Aschantikriegs wiederholt über den Kannibalismus, der im Nigerdelta herrscht, an die „Times“. „John Jumbo (in England erzogener Sohn des mächtigsten Bonnyhäuptlings) erzählte mir, daß Ja Ja’s Leute ihre gefangenen und erschlagenen Feinde gleich als Rationen behandelten, und Kapitän HOPKINS (englischer Konsul für die sogenannten ‚Oelflüsse‘) sah, wie sieben Mann ganz nahe bei Bonny getötet, gekocht und gefressen wurden vor zwei oder drei Jahren. König Georg Peppel (von Bonny) liebt dies nicht, ebenso wenig seine Häuptlinge.[77] Doch es ist schwer, die Eingeborenen in den Landdistrikten von einer gelegentlichen Mahlzeit ‚Menschen-Beefsteak‘ abzuhalten, die, wie ein Bonny-Häuptling sich äußerte, entschieden dem ‚Ochsen-Beefsteak‘ (beefee-beefee) vorzuziehen sei. Doch der Kannibalismus verliert entschieden an Popularität und wird wohl mit der gegenwärtigen Generation aufhören.“[78]

Endlich die Zeugnisse des Missionsbischofs SAMUEL CROWTHER, der alljährlich den Niger von der Mündung aufwärts bis zum Benué befuhr, dessen Berichte im „Church Missionary Intelligencer“ regelmäßig abgedruckt wurden und fast jedesmal von Klagen überströmen, wie der Satan unter den Schwarzen noch seine Hand im Spiele habe. „Wenige Schritte von unserer zeitweiligen Schulhütte, so schreibt er, steht hier in Bonnytown das große Jujuhaus. Auf den Pfosten der Eingangsthüren, an den Wänden und dann im Innern sieht man als Schmuck und Verzierung des Götzenhauses Hunderte von Menschenschädeln aufgestellt. Man sagt, sie seien von Kriegsgefangenen, welche dem Juju geopfert wurden; das Fleisch wurde verzehrt, weil man dadurch Rache an den Feinden zu nehmen gedachte. Draußen, der Vorderseite gegenüber, befand sich ein etwa sechs Fuß hohes Gerüst, auf welchem die Knochen der Geopferten lagen. — — Ueberall an der Bucht von Benin ist es während der letztverflossenen Monate sehr unruhig gewesen. Brass, Bonny und Okrika führten Krieg gegen Neucalabar. Auf einem Zuge gegen den Feind machten die Leute von Neucalabar 45 Gefangene. Diese alle wurden getötet und gefressen. Die einzelnen Glieder sind unter das Volk, Alt und Jung, Weiber und Männer verteilt worden. Jeder trug seinen Anteil ganz offen nach Hause; mehrere Supercargos, welche von den Schiffen nach Hause kamen, sind Augenzeugen gewesen. Man macht auch gar kein Hehl aus der Sache. Bei einer andern Gelegenheit nahmen die Krieger der Okrika den Neu-Calabaresen 103 Gefangene ab, und zur Wiedervergeltung wurden diese allesammt totgeschlagen und dann aufgefressen.“[79]

Daß der Kannibalismus vom Nigerdelta aus am Strome weiter aufwärts reiche, dafür finden wir ebenfalls in CROWTHERXs Berichten manche Belege. Von seiner Reise im Jahre 1872 erzählt er unter andern von Onitscha (linkes Ufer unter 6° 10′ N.): „Ein europäischer Matrose starb in der Faktorei und wir suchten einen Begräbnisplatz für ihn. Da noch niemand im Friedhofe unsrer neuen Kirche beerdigt war, so ließ ich das Grab dort graben und den Toten nach dem Ritus der Kirche von England bestatten. Nachdem dies geschehen, erzählten uns einige Mitglieder der Gemeinde, daß wenn das Grab nicht mindestens eine Woche vor einem benachbarten Stamme geschützt würde, der kannibalische Gewohnheiten habe und Obotschi heiße, dieser sicher den Sarg ausgraben und den Leichnam verzehren würde. Auf diesen Wink hin gab ich dem Agenten des Handelshauses Auftrag, eine Woche lang Wächter auf dem Kirchhof während der Nacht aufzustellen, damit das Herankommen der Kannibalen verhindert werde. Das ist das Volk, welches wir zum Christentum bekehren sollen!“[80] Auch ROBINS, der 1864 die Nigerexpedition auf dem „Investigator“ mitmachte, sagt, der ganze untere Lauf des Stroms bis Onitscha aufwärts sei von Kannibalen bewohnt.[81]

Noch weiter östlich, am Altcalabar, hausen kannibalische Stämme. Wie HUTCHINSON angiebt, wurde im Jahre 1859 zu Duketown (Atarpah, linkes Ufer jenes Flusses) auf öffentlichem Markte Menschenfleisch zum Verkaufe ausgestellt, gerade wie Ochsenfleisch auch.[82]

Spuren des Kannibalismus zeigen sich auch in den Hinterlanden des Niger und Benue. Die Tangale, ein heidnischer Negerstamm im Süden von Jakoba in Bautschi, sind nach EDUARD VOGEL, der sie 1855 besuchte, „wilde Bursche, die Menschenfleisch allem andern vorziehen. Sie essen alle im Kriege erlegten Feinde, die Brust gehört dem Sultan, der Kopf als der schlechteste Teil wird den Weibern übergeben.“[83]

Äquatoriales Westafrika. Unzweifelhaft ist auch das äquatoriale Westafrika eine Stätte der Anthropophagie. Schon bei den alten Schriftstellern, wie BATTEL und dem Compilator DAPPER, finden wir verschiedene darauf bezügliche Stellen, und HUXLEY macht darauf aufmerksam, daß in PH. PIGAFETTAs Uebersetzung von EDOARDO LOPEZ „Regnum Congo“ (Frankfurt 1598) von dem landeinwärts vom Ogowé wohnenden Anziquen[84] die Rede ist, welche einander essen und weder Freunde noch Verwandte schonen. „Ihre Fleischerläden, so heißt es in dem Bericht, sind mit Menschenfleisch gefüllt statt mit Ochsen- oder Schaffleisch; denn sie essen die Feinde, die sie im Kampfe gefangen nehmen. Sie mästen, schlachten und verzehren auch ihre Sklaven, wenn sie nicht glauben, einen guten Preis für sie noch zu erhalten; überdies bieten sie sich zuweilen aus Lebensmüdigkeit oder Ruhmsucht — denn sie halten es für etwas Großes und für das Zeichen einer edlen Seele, das Leben zu verachten — selbst als Speise an. Es giebt allerdings viele Kannibalen, wie in Ostindien, in Brasilien und anderswo, aber keine solchen wie diese; denn die andern essen nur ihre Feinde, diese aber ihre eigenen Blutsverwandten.“[85]

Dieser offenbar übertriebene Bericht ist denn auch mit einer Illustration versehen, die von den Gebrüdern DE BRY herrührt, und bei der ein Frankfurter Metzgerladen als Modell gedient hat; nur daß hier statt der Teile von Ochsen oder Schweinen menschliche Glieder zur Schau gestellt sind.

Auch EDWARD BOWDICH, derselbe, der sich durch seine Reise nach Aschanti um die Völkerkunde verdient machte, bringt uns Belege für den Kannibalismus der Völker am Gabon. Einige Tagereisen weit im Innern, erzählt er, liegt das Land Kaylee, dessen Bewohner eine vergleichsweise hohe Stufe einnehmen; aber sie sind Menschenfresser und essen nicht allein ihre Gefangenen, sondern auch ihre Toten, deren Leichname sogleich nach ihrem letzten Atemzuge feilgeboten werden. Häufig ißt ein Vater sein eigenes Kind. Geflügel und Ziegen giebt es hier in Menge, aber sie werden nicht gegessen, so lange man noch Menschenfleisch haben kann.[86]

BOWDICHs „Kaylee“ vermag ich mit keinem Völker- oder Ländernamen auf unsern heutigen Karten zu identifizieren, indessen dürfte der immerhin übertriebene Bericht auf die Fan zu beziehen sein. Als DU CHAILLU deren grauenvollen Kannibalismus betonte und das erzählte, was er mit eigenen Augen gesehen, erhob sich arges Kopfschütteln. Und doch hatte er nichts neues gesagt.[87]

Als DU CHAILLU von der Corisco-Bai aus vordringend auf die ersten Fandörfer traf, begegneten ihm sofort Spuren von Kannibalismus; er traf ein altes Weib, das einen Menschenschenkel schleppte, „gerade als wollte sie zu Markte damit gehen“, und in einem Palaverhause war ein Körper verteilt worden; der Kopf wurde für den König aufbewahrt.[88] Später sah er beim Fankönige Ndiayai, wie der Leichnam eines Menschen, der an einer Krankheit gestorben, zum Verspeisen verteilt wurde, worüber er sich nicht wenig entsetzte. „Sie sprachen frei und offen über die ganze Sache und man sagte mir, daß sie regelmäßig die Toten der Oscheba kaufen, die umgekehrt wieder die ihrigen kaufen. Sie kaufen auch die Toten anderer Familien ihres eigenen Stammes und erhandeln die Körper vieler Sklaven von den Nbichos und Mbondemos, wofür sie gern Elfenbein geben, einen kleinen Stoßzahn für einen Leichnam.“ Auf die Autorität des Missionars WALKER am Gabon gestützt, erzählt DU CHAILLU ferner, daß Fan, die aus dem Innern an den Gabon kamen, dort einen frischbegrabenen Toten ausgruben, kochten, verzehrten. Andre räucherten das Fleisch eines Menschen und nahmen es mit sich als Vorrat. Ohne alle Scham und Scheu betreiben sie die Menschenfresserei ganz offen; DU CHAILLU sah bei ihnen hochgeschätzte Messer, deren Heft mit Menschenhaut überzogen war.[89] Noch weiter nach dem Innern hin verzeichnet DU CHAILLU außer den bereits erwähnten Oscheba auf seiner Karte noch die Moschobo als Kannibalen.

Mag einige Färbung in diesen, übrigens mit BOWDICH übereinstimmenden Erzählungen unterlaufen, so sind sie nichtsdestoweniger im allgemeinen wahr, und an Kontrolle fehlt es keineswegs. WINWOOD READE berichtet ähnliches, und er bestätigt ausdrücklich die Geschichte, daß die Fans am Gabon Leichen ausgegraben und verzehrt haben. Nur darin weicht er von DU CHAILLU ab, daß er angiebt, die Fan schämten sich ihres Kannibalismus und jedes Dorf schiebe die Sache auf sein Nachbardorf. Doch bleibt die Thatsache selbst dadurch unberührt, und im Gespräch mit einem „Veteran-Kannibalen“ erfuhr er, daß Menschenfleisch so gut und fett wie Ochsenfleisch sei. Der Alte verneinte aber auf das bestimmteste, daß die Fan ihre Verwandten verzehrten, obgleich alle Nachbarstämme dies von ihnen behaupten.[90] Jene Menschenfresser ihrerseits hielten alle Weißen für Kannibalen und glaubten fest, daß die Sklaven nur darum von ihnen fortgeführt würden, um in fernen Landen verspeist zu werden. „Warum die Schwarzen besser als die Weißen schmeckten“, wurde WINWOOD READE gefragt, worauf er „aus Politik“ zur Antwort gab, das Fleisch der Weißen sei giftig.[91]

Wäre noch weitere Bestätigung des Kannibalismus der Fan notwendig, so finden wir diese bei französischen Reisenden. Der Marinearzt Dr. GRIFFON DU BELLAY, der mit dem Lieutenant SERVAL mehrere Fahrten vom Gabon aus ins Innere machte und von 1861 bis 1864 vollauf Gelegenheit hatte, die Fan kennen zu lernen, giebt uns weitere bestätigende Nachrichten, indessen mit dem Zusatze, die Fan hielten die Sache geheim und schlössen selbst ihre Kinder bei den Kannibalenschmausereien aus.[92] Nach GRIFFON DU BELLAY sind auch die Bakalai am Gabon Anthropophagen.[93]

Noch weiter südlich treffen wir in Angola auf die Kissama (Quissama) am Koanza, die 1870 CHARLES HAMILTON besuchte. Unter diesem Volke fand der Reisende noch Kannibalen „weiter nach dem Innern hin“: bei denjenigen Kissama jedoch, welche am Koanza und dessen Nähe wohnen, kommt die Anthropophagie nur selten vor. Die wenigen Menschenfresser, mit welchen Hamilton in Berührung kam, sahen häßlich und ungesund aus. Interessant ist es von Hamilton zu erfahren, daß die Menschenfresserei, ähnlich wie bei den Batta auf Sumatra, bei den Kissama als eine Strafe ausgeübt wird. Wer unter den Kannibalen seine Schulden nicht bezahlen kann, oder wer ein Verbrechen begangen hat, wird ohne weiteres getödtet und verzehrt. In neuer Zeit kommt es aber vor, daß „die Aufgeklärteren“ dem Verbrecher die Wahl lassen, ob er sterben oder als Sklave an die Portugiesen verkauft werden wolle; in der Regel zieht er den Tod vor, denn die Portugiesen sind außerordentlich verhaßt.[94] Es ist das Innere des portugiesischen Westafrika von altersher ein bevorzugter Boden für die mit Anthropophagie verknüpften Greuel gewesen, denn dort war der Sitz der mit Sagen umwobenen Jagas, worunter Herrscher und Volk verstanden werden.

Mit Opfergebräuchen vermischt ist die gelegentliche Anthropophagie bei den Kimbunda (portugies. Westafrika). Damit die Regierung des Fürsten glücklich ausfalle, wird der Ouri-Kongo geopfert, der tapferste unter allen Kriegsgefangenen. Durch das Verzehren seines Fleisches wird auch der Fürst tapfer. LADISLAUS MAGYAR berichtet als Augenzeuge: Der Wahrsager zerlegt den Rumpf, reißt die Eingeweide heraus und wahrsagt daraus. Dann werfen seine Gehilfen die Eingeweide weg, mit Ausnahme des Herzens. Endlich wird der Kadaver in kleine Stücken zerschnitten und unter den anwesenden Hokaführern verteilt, wobei der Wahrsager Sorge trägt, daß jeder außer dem Stück Fleisch auch etwas vom Herzen bekomme (wohl weil letzteres als Sitz der Tapferkeit gedacht ist). Der Fürst und die Kriegshäupter mischen das erhaltene Menschenfleisch mit Hunde- und Rindfleisch, kochen es an den vielen Feuern und essen es. Sie glauben nun infolge dessen eine solche Kraft zu erlangen, daß sie immer mit Erfolg gegen ihre Feinde kämpfen werden.[95]

Menschenopfer mit Anthropophagie verknüpft fanden am Hofe der Jagas bei der Sambamento genannten Festlichkeit noch zur portugiesischen Zeit in Kassanje statt. Wenn der Nicango, das Schlachtopfer, auserwählt war, wurde er bei Hofe mit denselben Ehren wie der Fürst selbst behandelt, ein Verfahren, daß wir auch anderweitig bei den dem Tode geweihten Opfern finden (Mexiko, Brasilien). Am Tage des Festes wurde der Nicango vor den Jaga geführt mit dem Rücken dem letzteren zugewendet, worauf der Jaga mit einem halbmondförmigen Messer den Rücken des Nicango durchschnitt, bis er zum Herzen gelangt, das er herauszog. Er nahm einen Bissen davon, den er dann wieder ausspuckte und ließ dann das Herz verbrennen. Unterdessen hielten die Macotas (Hofwürdenträger) das Schlachtopfer so, daß sein Blut über die Brust und den Bauch des Jaga strömte; nachdem dieses geschehen, rieben sie sich selbst den Körper damit ein, dabei ausrufend: Groß ist der Jaga! Der Leichnam des Nicango wird dann abseit enthäutet, in kleine Stücken zerhackt und mit Ochsen-, Hunde- und Hühnerfleisch zusammen gekocht. Dieses Gericht wird zuerst dem Jaga, dann seinen Würdenträger und zuletzt allem Volk zur Speise vorgesetzt. Wer sich weigert davon zu essen, verfällt der Sklaverei. Mit Gesang und Tanz endigte das Sambamentofest. Früher erhielt auch der portugiesische Direktor der Messe in Kassanje sein Teil von dem Gericht, wofür er ein Fäßchen Branntwein spendete.[96]

Südafrika. Erst in der letzten Zeit haben wir Nachrichten von dem Vorhandensein der Anthropophagie auch an der Südspitze Afrikas erhalten, und die Kannibalenhöhlen im Basutolande haben nicht geringes Aufsehen erregt. Das Basutoland liegt zwischen dem Oranjefreistaat und den englischen Besitzungen mitten inne und war der Schauplatz fortwährender Kriege zwischen den Weißen sowohl und den Basuto, als zwischen eingebornen Stämmen selbst. Während der Verwilderung und Hungersnot, die infolge dieser Kriege eintrat, soll erst der Kannibalismus entstanden sein. Die ausführlichsten Nachrichten über denselben erhielten wir durch JAMES HENRY BOWKWER, Dr. BLEEK und Dr. JOHN BEDDOE.[97] BOWKER besuchte 1868 eine der Höhlen, die in der Nähe der verlassenen Missionsstation Cana gelegen ist. „Der Eingang, sagt er, liegt unter weit vorstehendem und überhängendem Gestein und bildet so ziemlich in der ganzen Breite der Höhle einen weiten, von der Natur gewölbten Bogen. Die Länge der Höhle beträgt etwa 130, die Breite 100 Ellen. Die hohe, gewölbte Decke ist von Rauch und Ruß geschwärzt; auf dem Fußboden lagen ganze Haufen von Menschenknochen umher, teils förmlich aufgeschichtet, teils überall zerstreut. Auch vor der Höhle lagen auf dem Abhange, soweit das Auge reichen konnte, Knochen und Schädel umher, letztere in außerordentlich großer Menge und zumeist von Frauen und Kindern. Sie waren vermittels stumpfer Äxte oder auch geschärfter Steine in Stücke geschlagen worden, gleich den Markknochen, welche man dann der Länge nach gespalten hatte. Nur an einigen wenigen waren Spuren von Feuer zu bemerken; die Höhlenmänner zogen das Kochen dem Braten vor.“

„Man kann sich denken, unter welcher Aufregung ich diese düstere Höhle untersuchte. Der Führer geleitete mich an eine Stelle, wo einige rauhe, unregelmäßige Stufen in eine dunkle Galerie führten; dort wurden die Schlachtopfer aufbewahrt, bis an sie die Reihe kam. An ein Entrinnen von dort war nicht zu denken. Bei Wilden, welche etwa durch Hungersnot zum äußersten getrieben werden, um ihr nacktes Leben zu fristen, findet der Kannibalismus eine Erklärung. Mit dem Volke hier aber verhält sich die Sache ganz anders. Diese Menschen bewohnen ein fruchtbares Land, in welchem auch Wild in Menge vorhanden ist. Aber trotzdem machten sie nicht bloß Jagd auf ihre Feinde, um dieselben aufzufressen, sondern sie verzehrten sich untereinander, sie machten Gefangene von ihrem eigenen Stamme, und wenn eben keine anderen Schlachtopfer vorhanden waren, dann kamen ihre eigenen Kinder und Weiber an die Reihe. Eine träge oder zanksüchtige Frau wurde sofort schnell abgethan und gab ein leckeres Mahl; ein Kind, das zu viel schrie, wurde ohne weiteres still gemacht und abgekocht; Kranke und Schwache ließ man nicht etwa des natürlichen Todes sterben, sie hätten ja dann nicht den Magen stillen können. So war es mit diesem Volke beschaffen. Man sagt zwar, daß sie den Kannibalismus schon seit vielen Jahren aufgegeben hätten, ich fand aber in der Höhle ganz untrügliche Beweise dafür, daß die Praxis noch nicht verloren gegangen ist, denn einige Knochen waren sehr frisch; sie hatten augenscheinlich einem starkknochigen Mann angehört, dessen Schädel hart wie Erz war; an den Gelenken befand sich noch Mark und eine fettige Substanz. Er konnte erst vor einigen Monaten geschlachtet worden sein.“

„Diese Höhle gehört zu der größten in der ganzen Gegend und diente den Kannibalen als eine Art Hauptquartier. Vor dreißig Jahren war übrigens das ganze Land vom Molutaflusse bis zum Caledon, dann auch ein Teil der Region am Putesanaflusse von Anthropophagen bewohnt, welche Schrecken unter den umwohnenden Stämmen verbreiteten. Sie schickten Jagdpartien aus, welche sich in der Nähe betretener Pfade oder Gärten, Triften und Trankplätze in den Hinterhalt legten und es vorzugsweise auf den Fang von Frauen und Kindern abgesehen hatten.“

„Noch heute leben viele alte Kannibalen, und an demselben Tage, an welchem ich jene Höhle besuchte, machte ich mit einem derselben Bekanntschaft. Er ist nun etwa sechzig Jahre alt. Als er noch in der Höhle hauste, fing er einst drei junge Weiber; davon nahm er eines zu seiner Gefährtin, die beiden andern wurden gekocht. Jene Ehe ist dann eine recht glückliche gewesen, und die Frau Gemahlin hat sich bald an die neue Lebensweise gewöhnt; man zeigte mir den Winkel, welcher dieser glücklichen Familie zum Aufenthalt gedient.“

So weit BOWKER. Der deutsche Sprachforscher Dr. BLEEK fügte dem Aufsatze einige Bemerkungen hinzu, welche für die Geschichte dieses Kannibalismus von Interesse sind. Danach findet man weiteres darüber in dem Werke: „Relation d’un voyage d’exploration au nordest de la colonie du Cap de bonne Espérance par ARBOUSSET et DAUMAS“, Paris 1842, 105-123. Die Reise fällt in das Jahr 1836. Ferner kurze Notizen in EDWARD SALOMONs „Two lectures on the Native Tribes of the interior“, Capstadt 1855, 62 bis 64. SALOMON zufolge fand sich der Kannibalismus bei vier Stämmen; zwei davon, die Bakufeng und Makatla, sind Betschuanen; die beiden andern, Bamakakana und Bamatlapatla, sind Kaffern. Höchst wahrscheinlich wurden sie Kannibalen infolge der Kriege, durch welche jene Gegenden arg verwüstet wurden. Die Liebhaberei nach Menschenfleisch blieb, als die Not längst vorüber war, und der Kannibalismus hielt sich dann längere Zeit. Die einheimische Sage der Zulu wie der Betschuanen weiß viel von den Amazimu und Marimo, den Menschenfressern, zu erzählen.[98]

Dr. JOHN BEDDOE endlich berichtet über die Art und Weise, wie die Anthropophagen mit ihren Schlachtopfern umgingen, und zwar war das Verfahren ein außerordentlich regelmäßiges, man kann sagen mit Fleischerkunst ausgeübtes. Jeder Schädel ist vermittels einer Axt am Nasenbein querüber auseinander gehauen; die Backenknochen wurden als unbrauchbar weggeworfen. Dann wurde in den Oberkopf ein Loch geschlagen und das Hirn herausgezogen. Die Rippenstücke wanderten in den Kochtopf. Die Röhrenknochen wurden der Länge nach gespalten, und dann nahm man das Mark heraus. Vielfach bemerkte man noch die Knorpel und sah man Spuren von Messerschnitten an den Schädeln, von denen das Fleisch streifenweise abgelöst wurde. Alle Europäer (Boers), welche bei dem Angriffe auf Thaba Bosiu (Moscheschs Feste im Basutolande) fielen, wurden sofort aufgefressen, weil man wähnte, daß dadurch ihr Mut in den Leib der Kannibalen übergehen würde.

Daß die Anthropophagie in Südafrika nicht bloß auf die Basuto beschränkt bleibt, hat KARL MAUCH angedeutet.[99] Er selbst hat zwar keinen Fall von Kannibalismus darthun können, indessen fand er, daß die Eingebornen allgemein davon sprachen. „Am glaubwürdigsten, schreibt er, scheint mir noch die Aussage meines Dolmetschers 1871 zu sein. Als wir nämlich in die Nähe von Lomando, einem Baromapulana-Häuptling in den östlichen Zoutpansbergen kamen, riet mir der Dolmetscher ja recht vorsichtig zu sein, insofern Lomando ein unversöhnlicher Feind der Boers sei. Unter andern erwähnte er auch, daß er (Lomando) sich öfter junge Mädchen im Felde fangen lasse, um sie zu schlachten und aufzuessen; besonders sollen die Schamteile für ihn das Leckerste daran sein. Was das Aussehen dieses Häuptlings betrifft, so entspricht es ganz solcher Möglichkeit; ich habe nirgends eine Physiognomie beobachtet, welche so sehr der tierischen sich nähert: breite, aufgeworfene Lippen mit ungemein stark ausgebildeten Freßwerkzeugen; die Lider bedecken zur Hälfte die kleinen blutrünstigen Augen; eine sehr niedrige Stirne, rohes Geschwätz bei kreischender Stimme; roh gebaut und äußerst schmutzig; eine treffliche Kreatur, einen Kannibalen darzustellen, wie ich in meinem Journal sagte.“

„Ein Missionär, der seine Station in der Nähe des westlichen Endes der Zoutpansberge hat, sagte mir, alle Baromapulana seien Kannibalen; er bewache deshalb seine Kinder ängstlich, damit sie nicht gestohlen würden.“

„Albasini, portugiesischer Konsul in derselben Gegend, wollte ebenfalls bemerkt haben, daß in den Zoutpansbergen noch Menschenfresser wohnen.“

Auf diese Zeugnisse gestützt mag es wohl erlaubt sein, die Baromapulana unter die Anthropophagen einzureihen. Weiter nördlich bei den Matebele fand MAUCH keine Spuren von Kannibalismus, und ebenso wenig erzählen andere Reisende, die mit diesem mordlustigen Kaffernstamme in Berührung kamen, wie z. B. MOHR, etwas davon. „Gegen Nordosten — also nach dem untern Sambesi hin — habe ich nie etwas von Kannibalen gehört“, schrieb mir MAUCH.

Alle diese Mitteilungen über den Kannibalismus unter südafrikanischen Bantu-Stämmen reichen aber nicht hin dieselben im ganzen zu gewohnheitsmäßigen Kannibalen zu stempeln und es muß, in Übereinstimmung mit FRITSCH[100] dargethan werden, daß die Menschenfresserei unter ihnen sporadisch wohl vorgekommen, nie aber zur Stammessitte geworden ist.

Centralafrika. In vorislamischer Zeit hat die Anthropophagie am Nile weiter abwärts geherrscht, wenigstens im Bereiche der Neger, und Spuren davon sind bis auf unsere Zeit gekommen, soviel der Islam auch hier aufräumte.

In Darfor war es Brauch bei der Thronbesteigung des Sultans und dann an einem bestimmten Festtage in der Residenz zwei Knaben, Söhne der gleichen Eltern, zu opfern; das Fleisch wurde vom Sultan und den höchsten Beamten verzehrt; wer sich dessen weigerte, wurde als Verräter betrachtet. Dieses aus der Heidenzeit stammende Opfer hat sich selbst lange in dem islamitischen Darfor erhalten und ist erst vom Sultan Husseïn (regierte in den fünfziger Jahren) abgeschafft worden.[101]

Unsicher ist die Anthropophagie der Burum, die zwischen 11° und 12° nördl. Br. in mehreren Stämmen die innere Dschesireh (Insel, das Land zwischen dem blauen und weißen Nil) bewohnen. Sie zeigen „den vollendeten Negertypus, sind meist von kolossalem Bau und großer Wildheit, ja es wird ihnen sogar allgemein Anthropophagie zur Last gelegt“, meldet von ihnen ERNST MARNO, welcher 1870 an die Grenze ihres Gebietes gelangte.[102] Wie MARNO mir mündlich berichtete, besaß er einen Diener, der diesem Stamme angehörte und ihm offen eingestand, daß bei seinem Volke Kannibalismus herrsche, doch konnte der Reisende sich nicht persönlich hiervon überzeugen.

Desto sicherer ist die Anthropophagie der Niam-Niam, deren Gebiet zwischen 4° und 7° n. Br. von 29° östl. L. v. Gr. nach Westen hin an den Zuflüssen des weißen Nil sich erstreckt, und die sich selbst Sandeh nennen. Alle Reisenden, die an den weißen Nil kamen, hörten von ihnen und berichteten neben manchem Märchen — man gab sie ja lange Zeit für „geschwänzte“ Menschen aus — auch daß sie Kannibalen seien. THEODOR VON HEUGLIN, der von Norden her ihrem Lande am nächsten kam, sucht sie vom Verdachte der Anthropophagie zu reinigen[103], indessen sollten bald vollgültige Beweise hierfür beigebracht werden.

Ein italienischer Handwerker, CARLO PIAGGIA, trieb sich mehrere Jahre lang mit nubischen Elfenbeinhändlern und Sklavenjägern im Niam-Niamlande herum und brachte ein volles Jahr, bis Februar 1865, bei dem Häuptlinge Tombo zu, wo er nicht nur Nachrichten über die Anthropophagie einzog, sondern selbst Zeuge war, wie das Fleisch der erschlagenen Feinde verzehrt wurde.[104] Hätten an PIAGGIAs Berichten noch Zweifel aufkommen können, so sind wir über den Kannibalismus der Niam-Niam durch GEORG SCHWEINFURTH völlig aufgeklärt, welcher auf seiner epochemachenden Reise 1870 sie genau kennen lernte. Der Name Niam-Niam ist der Sprache der Dinka entlehnt und bedeutet „Fresser, Vielfresser“, auf die Anthropophagie dieses Volkes anspielend. „Im großen und ganzen darf man getrost die Niam-Niam als ein Volk von Anthropophagen bezeichnen, und wo sie Anthropophagen sind, sind sie es ganz und ohne Reserve um jeden Preis und unter jeder Bedingung. Die Anthropophagen rühmen sich selbst vor aller Welt ihrer wilden Gier, tragen mit Ostentation die Zähne der von ihnen Verspeisten auf Schnüre gereiht wie Glasperlen am Halse und schmücken die Pfähle bei den Wohnungen mit Schädeln ihrer Opfer. Am häufigsten und von allgemeinstem Gebrauche wird das Fett von Menschen verwertet. Dem Genusse ansehnlicher Mengen schreiben sie allgemein berauschende Wirkung zu. Verspeist werden im Kriege Leute jedes Alters, ja die Alten häufiger noch als die Jungen, da ihre Hilflosigkeit sie bei Überfällen zur leichten Beute des Siegers gestaltet. Verspeist ferner werden Leute, die eines plötzlichen Todes starben und in dem Distrikte, wo sie lebten, vereinzelt und ohne den Anhang einer Familie dastanden; es ist das jene Kategorie von Menschen, welche bei uns der Anatomie verfallen. — — Nach den von Niam-Niam selbst eingezogenen Nachrichten und Erklärungen verabscheuen diejenigen, welche überhaupt Anthropophagen sind, nur dann den Genuß von Menschenfleisch, wenn der Körper einem an ekelhaften Hautkrankheiten Verstorbenen angehörte“.[105]

Die Details, welche SCHWEINFURTH über den Kannibalismus der Niam-Niam beibringt, sind haarsträubender Natur. Das Fett der Babuckr, eines Negerstammes, der vorzugsweise den Niam-Niam Fleisch liefert, dient allgemein als Speiseöl, und der Reisende mußte seine Lampe damit speisen, da anderes Öl nicht aufzutreiben war. „Im Niam-Niamlande war ich selbst Zeuge, daß man die Krieger, welche die Nubier auf einem Sklavenraubzug ins Babuckr-Gebiet begleitet hatten, mit alten untauglichen Weibern beschenkte — zum Essen, und mir gab man nach einiger Zeit die Köpfe.“ Ebenso sah SCHWEINFURTH neugeborene Kinder von Sklavinnen, die als Leckerbissen zum Fressen bestimmt waren. „Diese Wahrnehmung war das Ungeheuerlichste, was ich gesehen; ich hätte sofort meinen Revolver in Thätigkeit setzen mögen, doch wandte ich schnell der gräßlichen Scene den Rücken“.[106]

Südlich von den Niam-Niam, bereits an der Wasserscheide des Nil und Kongo, wohnen die nicht minder kannibalischen Monbuttu und Abanga, die gleichfalls durch SCHWEINFURTH bekannt geworden sind. „Der Kannibalismus der Monbuttu übertrifft den aller bekannten Völker in Afrika. Da sie im Rücken ihres Gebiets von einer Anzahl völlig schwarzer, auf niederer Kulturstufe stehender und daher von ihnen verachteten Völkern umgeben sind, so eröffnet sich ihnen daselbst die willkommene Gelegenheit auf Kriegs- und Raubzügen sich mit hinreichend großen Vorräten von dem über alles geschätzten Menschenfleische zu versorgen. Das Fleisch der im Kämpfe gefallenen wird auf der Wahlstatt verteilt und im gedörrten Zustande zum Transport nach Hause hergerichtet. Die lebendig Eingefangenen treiben die Sieger erbarmungslos vor sich her, gleich einer erbeuteten Hammelherde, um sie später einen nach dem andern als Opfer ihrer wilden Gier fallen zu lassen. Die erbeuteten Kinder verfallen nach allen Angaben, die mir gemacht wurden, als besonders delikate Bissen der Küche des Königs. Es ging während unseres Aufenthalts bei Munsa das Gerücht, daß für ihn fast täglich kleine Kinder eigens geschlachtet wurden. Jedenfalls bot sich den Blicken der Fremden nur selten Gelegenheit dar, Augenzeuge von Mahlzeiten der Eingebornen zu sein. Mir selbst sind nur zwei Fälle bekannt, wo ich die Monbuttu mitten bei der Arbeit überraschte, Menschenfleisch als Speise herzurichten. Das eine Mal stieß ich auf eine Anzahl junger Weiber, wie sie eben damit beschäftigt waren, vor der Thür ihrer Hütte auf dem geglätteten Estrich von Thon die ganze untere Hälfte eines Kadavers durch Brühen mit kochendem Wasser von seinen Haaren zu säubern. Durch diese Behandlung war die schwarze Hautfarbe einem fahlen Aschgrau gewichen. Der ekelhafte Anblick erinnerte mich lebhaft an das Abbrühen unserer Mastschweine. Ein anderes Mal fand ich in einer Hütte den noch frischen Arm eines Menschen über dem Feuer hängend, um ihn zu dörren und zu räuchern. Sichtbare Spuren und untrügliche Anzeichen von Kannibalismus fanden sich übrigens auf Schritt und Tritt in diesem Lande.“[107] Dabei sind diese Monbuttu ein durch Begabung, Urteil und Nationalstolz, ja durch eine Art Kultur vor den Nachbarn ausgezeichnetes Volk.

Die Nachfolger SCHWEINFURTHs in den Ländern westlich vom weißen Nil haben dessen Mitteilungen über die Anthropophagie der Niam-Niam und der Monbuttu vollauf bestätigt. Von den Mambanga, einem der südlichen Stämme der Niam-Niam, hebt JUNKER hervor, daß sie durch geordnete staatliche Verhältnisse, Lebensweise, Sitten und Kunstleistungen weit über benachbarten Negerstämmen stehen. Dabei aber findet man den Kannibalismus in seiner tierischsten Form. Alle Leichen werden bei diesem Volke verzehrt und der einzige menschliche Zug, der hierbei den Kannibalen geblieben, ist die Scheu vor dem Fleische der Blutsverwandten; deren Leichen werden wenigstens an Fernstehende verschachert. Stirbt ein Mambanga, so kann nach dortigem Aberglauben dieses nur durch den bösen Willen anderer bewirkt worden sein, da die Vorstellung des natürlichen Todes jenem Volke fremd ist. Nun wird das Orakel befragt, welches einen oder mehrere Menschen als Urheber des Todes bezeichnet und die infolge des Spruchs erdrosselt und auch verzehrt werden. „Das Lynchen und der Kannibalenschmaus wird stets abseit der Hütten vollzogen. Die Weiber tragen die Zukost in der Form des Lugmagerichts, einer Mehlspeise, für die Männer an den Ort der Greuelthat.“[108]

In meiner ersten Bearbeitung unseres Themas habe ich die Annahme gewagt, daß das noch unerforscht äquatoriale Afrika als von Kannibalen bewohnt zu betrachten sei.[109] Damals hatte STANLEY noch nicht seine epochemachende Fahrt quer durch Afrika gemacht, vom Kongo waren nur Quellströme und Mündung bekannt, doch der Ausspruch SCHWEINFURTHs, daß die Sitten der Monbuttu auf das Gabonland deuteten, ließ bereits auf Verwandtschaft der damals noch unbekannten Centralafrikaner mit den Fan einerseits, den Monbuttu anderseits schließen. Jetzt hat sich in der That herausgestellt, daß die Landschaften am mittleren und oberen Kongo, sowie an den Zuflüssen des letzteren zu der innerafrikanischen Zone der Kannibalen gehören.

Schon SPEKE[110] wußte, daß im Westen des Tanganjika Menschenfresser wohnen und BURTON[111] nannte sie Wabembe. Die erste Bestätigung aber brachte LIVINGSTONE, indem er uns die Manjuema kennen lehrte. Ihr Land liegt zwischen dem nördlichen Teile des Tanganjika-Sees und dem Lualabaflusse, zwischen 25° und 29° östl. L. v. Gr. und 3° und 6° s. Br. Erforscht wurde es 1870 und 1871 durch DAVID LIVINGSTONE, der zum ersten Mal während seiner dreißigjährigen Wanderungen in Südafrika auf Kannibalen stieß. „Die Manjuema, berichtet LIVINGSTONE, sind sicherlich Menschenfresser, aber sie essen nur im Kriege getötete Feinde, scheinen bei ihren kannibalischen Orgien von Rache angestachelt zu sein und lassen nicht gerne Fremde als Zuschauer zu. Ich bot vergebens eine Belohnung jedem, der mir die Gelegenheit verschaffen würde, ein Kannibalenfest mit anzusehen. Einige intelligente Männer sagten mir, das Fleisch sei nicht gut, und nach seinem Genüsse träume man von dem Toten. Frauen nehmen niemals Teil.“[112]

In Nyangwe am oberen Kongo sah LIVINGSTONE auf dem Markte einen Mann, der zehn menschliche Unterkiefer an einer Strippe über die Schulter gehängt trug; auf LIVINGSTONEs Befragen bekannte er, er habe die Eigentümer dieser Unterkiefer getötet und gegessen.[113] Nach demselben zuverlässigen Reisenden endet in dem an den Lualaba angrenzenden Metambalande ein Streit zwischen Ehegatten oft damit, daß der Mann die Frau erschlägt, ihr Herz mit Ziegenfleisch zu einem Gerichte bereitet und dieses verzehrt[114], worin unschwer die Befriedigung der Rachsucht erkannt werden kann. STANLEY äußert sich über Manjuema in ähnlicher Art wie LIVINGSTONE; er fand dort die Dörfer mit Menschenschädeln gleichsam gepflastert.[115] Im Dorfe Kimpungu sah er 186 solcher Schädel.

Leutnant WISSMANN hörte in Manjuema von einem Manne das folgende: „Bis vor kurzem haben wir auch Menschenfleisch gegessen und zwar auch das von den an einer Krankheit Gestorbenen, nur haben wir, wenn jemand an einer Krankheit gestorben ist, die äußersten Glieder der Finger und Zehen abgenommen, eingesalzen, in Blätter gewickelt und ins Wasser geworfen, während wir den ganzen andern Körper gegessen haben.“ Durch das Einsalzen und Wegwerfen sollte erreicht werden, daß die Krankheit nicht auf den Essenden überging. Er erzählte weiter, daß sie nicht die in ihren eigenen Dörfern Gestorbenen gegessen, sondern die Leichen gewissermaßen ausgetauscht hätten. Die von einem fremden Dorfe herübergekommene Leiche wird später wieder erstattet durch einen im Dorfe selbst Gestorbenen.[116]

Als STANLEY den Kongo abwärts fuhr, war es nichts ungewöhnliches, daß die feindlich gesinnten Stämme am Ufer nach seinem Fleische schrieen. „Wir werden Fleisch in Menge haben“ hieß es da. Auf der Insel Asama im Kongo „verzierten Menschenschädel die Dorfstraße und eine große Menge Schenkelknochen, Rippen und Rückenwirbel lagen in einem Winkel voll Unrat, als gebleichte Zeugen ihres gräßlichen Appetits nach Menschenfleisch.“ Also Küchenabfälle mit Menschenknochen. Und so ganz ähnlich da, wo der Aruwimi in den Kongo mündet, wo auch die abgenagten Menschenknochen offen und frei auf den Unrathaufen des Dorfes umherlagen und „der dünne Vorderarm eines Menschen, der neben einem Feuer zugleich mit versengten Rippen vorgefunden wurde“, STANLEY einen handgreiflichen Beweis für die gräßliche Gewohnheit bot.[117]

Der Kannibalismus der centralafrikanischen Völker, welche an den südlichen Zuflüssen des Kongo wohnen, in jenen Gegenden, welche von POGGE und WISSMANN besucht wurden, tritt nicht so öffentlich hervor, wie bei den Monbuttu und manchen Westafrikanern. WISSMANN hat dort mit eigenen Augen keinen Fall beobachtet, ist aber durch die Gesamtheit der Berichte von dem Vorhandensein überzeugt. Nach ihm sind die Baluba alle Kannibalen; auch die Tuschilange waren früher Anthropophagen, sind aber seit der Einführung des Hanfrauchens davon abgekommen. Die Bassange (besonders rein erhaltene Baluba) verzehren die im Kriege Gefallenen; dies geschieht Nachts und abseits der Dörfer. Vom Menschenfressen ausgeschlossen sind bei ihnen die Kinder bis zu einem gewissen Jahre und die Weiber, die schon geboren haben, sowie jedes Weib bis zu einem bestimmten Alter. Wenn es feststeht, daß sie unfruchtbar ist, hat sie Teil am Menschenessen.[118] Etwas eingehender läßt sich POGGE über den Kannibalismus der Bassange aus. „Die Körper der im Kriege Erschlagenen werden eine Nacht ins Wasser gelegt und am nächsten Tage werden die Unterschenkel und Hände abgeschnitten und auf Ameisenhaufen gelegt. Nach einigen Stunden wird wieder nachgesehen und wenn die Ameisen an dem Fleische fressen, so ist es gut. Die betreffenden Körper werden alsdann zerlegt und von bestimmten Männern mit dem Fleisch der im Kriege erbeuteten Ziegen zusammen gekocht und dann vor das Haus des Soba (Häuptlings) gebracht, welcher davon genießt und das Fleisch an die Krieger verteilt.“[119]

Die südlichen Zuflüsse des Kongo, deren Erforschung das Werk deutscher Reisender ist, haben gleichfalls Kannibalen zu Anwohnern. Vom Tschuapa und Bussera beglaubigt dieses Leutnant von FRANÇOIS. Das Schlachten von Menschen, bloß um sich Fleisch zu verschaffen, kommt am Bussera vor; im allgemeinen ist aber Anthropophagie „ein Akt religiösen Ceremoniells bei besonderen Gelegenheiten.“ Die Anwohner des Tschuapa riefen dem vorüberfahrenden FRANÇOIS zu: „Wir werden euch den Kopf abschneiden! Wir werden euch fressen! Buala! Buala! (Fleisch, Fleisch),“[120] gerade wie es STANLEY auf dem Kongo ergangen war. Auch an den meisten anderen südlichen Zuflüssen des Kongo, so am Saie oder Tschia, dem Quilu, dem Sankurru wohnen wilde Kannibalen. „Hier wird allerdings der Mensch als Nahrungsmittel, gewissermaßen als Schlachtvieh, betrachtet und die vielen in den Dörfern aufgehäuften Schädel, sowie die sehr freimütigen Aussagen der Eingeborenen zeugen am besten für das Blühen des Kannibalismus.“[121]

Haiti. Im Anhange zu Afrika müssen wir hier noch einen Blick auf die nach Amerika ausgewanderten Neger werfen. Die Negerrepublik Haiti ist äußerlich ganz nach europäischem Muster eingerichtetes Staatswesen, in welchem das schwarze Element vollständig dominiert; innerlich aber ist diese Republik noch stark der afrikanischen Barbarei ergeben. Sie ist, mit dem ebenbürtigen Liberia, ein wenig günstiges Zeugnis für die Entwickelungsfähigkeit der Neger, wenn sie sich selbst überlassen sind. In Haiti ist nämlich der Fetischdienst des Wodu die eigentliche Religion des Volkes, während amtlich der Katholizismus herrscht und jener Wodudienst ist mit Menschenopfern und Anthropophagie verknüpft. Aber auch ohne religiösen Hintergrund herrscht letztere in Haiti. Noch 1878 wurden zwei Frauen auf frischer That ertappt, welche die Leiche eines Kindes verzehrten. Eine Mutter, die ihre eigenen Kinder verzehrt hatte, gestand dieses ruhig ein und fügte hinzu: wer hätte denn mehr Recht gehabt, dieses zu thun, als ich? Habe ich sie doch geboren. Bei den Wodumysterien wird die „Ziege ohne Hörner“ geopfert, d. h. ein Kind. Am 13. Februar 1864 wurden zu Port au Prince acht Wodukannibalen hingerichtet. Auch der Handel mit Menschenfleisch ist, wie in Afrika, auf Haiti bekannt.[122]