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Die Deutschen Familiennamen, geschichtlich, geographisch, sprachlich cover

Die Deutschen Familiennamen, geschichtlich, geographisch, sprachlich

Chapter 33: 20. Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt?
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About This Book

A comprehensive study of German family names that explains their origins, structural elements, and historical development while offering a reference lexicon of name components. The first part analyzes name formation across three layers—ancient personal-name roots, church-derived and foreign influences, and later occupational, descriptive, and toponymic surnames—treating diminutives, genitive forms, Latinizations, and other adaptations. It also maps regional distribution and variation using collected name data and discusses continuity and change in naming practices. The second part presents an organized catalogue of common elements and examples to illustrate etymology and morphological development.

20.
Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt?

Der Prozeß der Festwerdung der Familiennamen ist, nachdem auch die letzten Nachzügler (s. S. 29 und 66) sich ihm haben anbequemen müssen, nunmehr seit beinah einem Jahrhundert zum Abschluß gelangt. Es fragt sich aber, ob damit nun ein völliger Stillstand auf diesem Gebiete eingetreten, ob nicht auch hier bei genauerer Betrachtung eine Bewegung zu erkennen ist, gleichwie der Spiegel eines scheinbar still und tot daliegenden Gewässers doch eine leichte Bewegung auf der Oberfläche verrät.

Diese Frage ist entschieden zu bejahen; einen völligen Stillstand gibt es auch auf diesem Gebiete nicht.

1. Es sterben Familien aus und damit auch Familiennamen. Dies läßt sich am leichtesten bei adeligen Geschlechtern verfolgen. So starb, um nur ein Beispiel aus dem vorigen Jahrhundert herauszugreifen, im Jahre 1836 zu Stralsund Graf August Wilhelm von Mellin als letzter eines Geschlechtes, das nach einer Äußerung des geistreichen und gemütvollen Mannes „älter war als die Stubbenkammer“ (Berghaus, Sprachschatz der Sassen).

2. Vorhandene Namen werden geändert. Besonders häufig ist der Übergang aus der mundartlichen in die hochdeutsche Form, namentlich auf niederdeutschem Sprachgebiete: Möller in Müller, Röwenhagen in Rübenhagen u. a. noch in neuester Zeit (s. Beilage 2). Davon abgesehen werden vereinzelte Namen aus den mannigfachsten Gründen geändert: Czech in Echt, Kamphaus in Kamphausen, Laabs in Labes.

3. Es bilden sich neue Namen — zunächst durch Zusammensetzung zweier: bei adeligen Geschlechtern infolge Verschmelzung zweier Familien, deren eine bis auf eine Erbtochter erloschen ist: von Kleist-Retzow, Henckel von Donnersmarck — bei Schauspielerinnen, die im Fall einer Verheiratung den Namen, unter welchem sie berühmt geworden, gern beibehalten: Hendel-Schütz, Birchpfeiffer. In einzelnen Fällen ist ein solcher Doppelname gestattet worden, um das Aussterben eines berühmten Namens zu verhindern, so Bessert-Nettelbeck (des Kolberger N. Schwiegersohn).

In einigen Gegenden ist es Sitte, den Vaternamen der Frau mit dem eigenen zu verbinden. Beispielsweise nannte sich Hollweg nach Frankfurter Sitte Bethmann-Hollweg; bei dem Sohne kam dieser Doppelname bald in alleinigen Gebrauch und wurde auch 1840 von Friedrich Wilhelm IV. geadelt. Diese Sitte scheint besonders in der Schweiz verbreitet zu sein.

Endlich entstehen Namen, wenn auch nur ganz vereinzelt, durch völlige Neubildung. Dies wird hauptsächlich der Fall sein bei Findlingen und bei Proselyten. So hat ein dem Verfasser persönlich bekannter Proselyt sich Bußin genannt, von dem Hauptwort „Buße“ mit Anlehnung an die Ortsnamen auf -in.