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Die jenische Sprache

Chapter 6: V. Deutsch-jenisches Wörterbuch.
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About This Book

Die Darstellung versammelt Einleitung, Anmerkungen und umfangreiche Verzeichnisse veralteter sowie aus der Zigeunersprache stammender Lexeme, ein Deutsch–Jenisch-Wörterbuch, eine alphabetische Liste jenischer Stammwörter, Sprachproben und tradierte Schnadahüpfel. Sie dokumentiert einen süddeutsch geprägten Händlerjargon, behandelt Herkunft und Wandel geheimer Sprechweisen und ordnet das Material redaktionell durch Korrekturen, Ergänzungen und erläuternde Anmerkungen. Die Wortlisten und Beispielsätze fungieren als Nachschlagewerk und kulturgeschichtliche Quelle zu den Sprachgewohnheiten umherziehender Handwerker und Händler; anstößige Prosastellen wurden ausgesondert, musikalische Überlieferungen dagegen als authentischer Bestand erhalten.

früher Bedeutung heute dafür (meistens)
abgeholcht[62] fortgegangen schiebes[63]
Baiser Wirt Beizer[64]
Bomm[65] die Schweiz heute unbekannt
Fehma[66] die Hände Grifleng[67]
holchen[68] kommen bosten[69]
Jamm[70] Tag Schei[71]
mich kohlert[72] mich hungert mich bickert(’s)[73]
Mahlbosch[74] Rock Malfes[74]
malochen[75] fortgehen, gehen schiebes bosten[76]
Mogumle[77] Stadt Steinhäufle[78]
Mokem[77] Stadt Mochum (aber auch = Dorf)[77]
Palar[79] Dorf G’fahr[80]
Schofelkitt[81] Zuchthaus Dofes, Lek[82]
schornen[83] stehlen schoren[83]
Schücksel[84] Mädchen Model[85]
zopfen[86] stehlen schniffen[87]

Die ältere Zusammensetzung Gefinkelterjohle = Branntwein[88] ist heute in zwei Wörter getrennt worden: Gefinkelter und Johle, indem man unter ersterem den Branntwein, unter letzterem den Wein versteht[89]. Grandscharrle (= „Hatschier“) wurde früher (bei den jenischen Leuten) eine Art Landjäger (Gendarm) genannt[90]. Sowohl „Hatschier“ wie das jenische Grandscharrle sind jetzt nicht mehr gebräuchlich, aber ohne Zweifel stammt von letzterem das heutige kürzere jenische Scharrle für „Schultheiß“ (Bürgermeister) her[90]. Kochem, früher so viel wie der Gauner, Dieb, bedeutet jetzt nur „schlau, gescheit“ (z. B. kochemer Kaffer = ein gescheiter, kein dummer Mann, sei kochem = sei gescheit usw.)[91]. Zwiss = zwei war früher das einzige Zahlwort in unserem Jenisch[92], heute ist überhaupt keines mehr bekannt. Über das jetzt gleichfalls veraltete tschi = ja s. das Nähere noch unten S. 31, Anm. 118.

IV. Verzeichnis der jenischen Wörter, die aus der Zigeunersprache stammen.[93]

jenisch Bedeutung zigeunerisch[94]
Babing Gans Babi[95]
Balo Schwein Bali[96]
Bellel Kropf Bälel[95]
Bet Mark (Geldstück) Beti[95]
bleisgeren bezahlen bleisern[97]
Bochdam Leinwand, Tuch Pochtann[98]
Bogeia Fischbein Gogeia (d. h. Knochen, Bein)[95]
Bog(g)elo Hunger Bock, Bockelo[99]
butsche fragen putsche[100]
Dibolde Juden Bipolte[95]
Dober Axt Tower[95]
Doberle Beil zu Tower[101]
Feneter Fenster Fenetra[95]
Fu(h)l Kot (menschl.od. tierische Exkremente) Ful[102]
Furschet Gabel Forschreta[95]
Gachne Huhn Kachni[103]
Garo, Gari penis Gar[104]
Gasche Menschen, Leute Gatsche[105]
Gaschele Kinder (eigtl. „kleine Leute“) zu Gatschen[105]
Gib Frucht, Getreide Gib[95]
Girall Käse Girall[95]
Glitschin Schlüssel Gliten[106]
Jak Licht Jag (= Feuer)[95]
kahla essen chala[107]
Katschete Branntwein Chatscherti[95]
Kopel Hose Cholep[108]
Kuiete bes. Viehpulver, aber auch Pulver überhaupt, z. B. Schießpulver Chuerti[109]
Lobe Geld Lowe[110]
Loli, Lolo Gendarm vgl. lolo (d. h. rot)[95]
Lomel Messerklinge Lommla[111]
Lubne Dirne (= Hure) Lubni[112]
manga betteln manga[95]
Maro Brot Maro[95]
Mass Fleisch Mass[113]
Matrele Kartoffeln Maträli[114]
Matsche Fisch Matscho[95]
naschen fliehen, gehen nascha[95]
Rat Blut Ratt[95]
Ratte Nacht Rati[115]
Romane Frau Romni[95]
schoren stehlen vgl. Tschoraben, d. h. das Stehlen[116]
Sende (die) Zigeuner Sinte (sing. Sinto)[95]
Tschai Mädchen Tschai (Tochter, Mädchen)[95]
tschanen fliehen, gehen (auch kommen) tschantamenge[95]
Tschuggel Hund Tschukel[95]
Tschure Messer Tschuri[95]

Besondere Bemerkungen (Wittichs) zu einzelnen dieser Vokabeln: In der Zigeunersprache bedeutet lolo rot, der Rote, im Jenischen wird mit Loli oder Lolo der Gendarm bezeichnet, wahrscheinlich nach den früheren roten Aufschlägen der Landjäger. Gaschele = Kinder (d. h. eigentl. „kleine Leute“) im Jenischen ist abzuleiten vom zigeun. Gatsche, sing. Gatscho, der Nichtzigeuner, Mann, Bauer, im Gegensatze zum zigeun. Rom, der Mann überhaupt[117], und Sinto, der Zigeuner. Tschai ist der jenische Ausdruck für jedes Mädchen (einerlei ob Stadtfräulein, Kellnerin oder Bauernmädchen) sowie auch für die Geliebte, während damit im Zigeunerischen nur ein Zigeunermädchen (Tochter) oder eine Zigeunerfrau (Gattin) niemals aber eine Nichtzigeunerin bezeichnet wird[118].

V. Deutsch-jenisches Wörterbuch.