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Die Sebalduskirche in Nürnberg cover

Die Sebalduskirche in Nürnberg

Chapter 22: 4. Die Glasgemälde.
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About This Book

An illustrated scholarly account of the church in Nuremberg dedicated to Saint Sebaldus that traces architectural evolution, construction phases, and artistic holdings. The text combines detailed architectural description and structural analysis with documentary regests, inventories, and archaeological observations, supported by plates, plans, and photographs. It explains the scope and stages of a major restoration campaign, records editorial decisions and revisions, and catalogues sculptures, paintings, liturgical fittings, and archival sources. The result is a comprehensive reference for understanding the building's fabric, visual program, and the conservation work that shaped its present appearance.

Die Versuche, die stark abgeblätterte und nur noch lose anhaftende Ölmalerei von der Wand abzuziehen, mißlangen leider bei den Resten der eigentlichen Darstellung der Kreuzschleppung ganz. Dagegen konnte die Darstellung der Stadt Jerusalem leidlich gut und vollständig erhalten werden. Vorsichtig auf Leinwand übertragen hat sie jetzt ihren Platz in der nördlichen Turmhalle gefunden.

Unter den abgenommenen Resten dieses ganzen Ölgemäldes wurden endlich noch die zum Teil wohlerhaltenen Reste eines künstlerisch bedeutsamen Freskogemäldes entdeckt, das gleichfalls die Kreuztragung zum Gegenstande hatte und von dem die besterhaltenen Teile abgezogen und auf eine Mörteltafel gebracht werden konnten. Völlig unrestauriert sind sie auf dieser in der Bausammlung der Sebalduskirche, wo auch Photographien der beiden Kreuzschleppungen aufbewahrt werden, noch zu sehen. Die Wappen Steinlinger-Muffel, die sich darunter befinden, lassen erkennen, daß auch diese ältere Kreuztragung (1. Hälfte des 15. Jahrhunderts) eine Steinlingersche Stiftung war. Unter den übrigen Wappen läßt sich noch ein Großisches und eine weiteres Steinlingersches erkennen.

An der Wand vor dem Tucheraltar wurde die landschaftliche Darstellung eines Wallfahrtsortes mit reicher Staffage an Pilgern und Kranken aufgefunden, die in der Mitte einen unbemalten Raum als Hintergrund für eine Heiligenstatue aufweist. Dieses dem 15. Jahrhundert entstammende Wandgemälde wurde von der Wand abgezogen und auf eine Mörtelplatte gebracht. Es befindet sich jetzt im Chorumgang an der rechten Seite des Petrusaltars.

An der Wand bei dem Tucheraltar, zum Teil von diesem verdeckt, die wirkungsvollen Gestalten der hl. Elisabeth und des hl. Martin, 15. Jahrhundert.

Hinter dem Tucheraltar unter dem Stromerfenster ein Wandgemälde in Öltechnik mit zwei Kompositionen (Abb. 105). Links Abendmahl und Fußwaschung; auf diesem Bilde links der kniende Stifter mit seinem Familienwappen, darüber die Inschrift: „Anno dm Mcccclxxlll Jar starb hanß starck vlrich starcken pruder am Donrstag vor dem heilighen Kristag dem got gnedig sei. amen. Anno 1627 durch Hanß Starken wieder verneurt worden, seines Aldters 79 Jahr.“[XIII] Rechts Christus am Ölberg; unten auf dem Gemälde in der Mitte die Wappen der Starck und Voit. Starcksche Stiftung von 1423.

Seit 1627 bis zur Unkenntlichkeit übermalt, wurden die Bilder bei der letzten Wiederherstellung der Kirche durch Konservator A. Mayer wieder instandgesetzt.

An der Wand hinter dem Petrusaltar aufgefunden gut erhaltene, künstlerisch wie kunsthistorisch gleich wertvolle Freskodarstellungen aus der Apostellegende (Abb. 106), die dem Anfange des 15. Jahrhunderts angehören (siehe oben).

Das Gemälde wurde von der Wand abgezogen, auf eine Mörtelplatte übertragen und im Chorumgang an der Wand rechts vom Petrusaltar angebracht. Die Restaurierung des Bildes besorgte Kunstmaler Pfleiderer in München. Eine Photographie von dem Zustande vor der Restaurierung befindet sich in der Bausammlung.

Rechts von diesem Bilde die Reste eines Wandgemäldes mit der Kreuzschleppung. Links vom Eingang zur südlichen Sakristei und vermutlich mit Bezug auf die Volckamersche Matronenstatue zwei Stifterfiguren mit den Wappen der Behaim und Ortlieb auf gemustertem Hintergrunde, in Ölmalerei ausgeführt.

In der Kapelle neben dem Dreikönigsportal zeigt die Ostwand rechts einen Johannes Evangelista unter Architektur, links eine weibliche Heilige, von der jedoch nur noch der Oberkörper erhalten ist.

An der Hochwand über dem Trennungsbogen zum südlichen Seitenschiff zu beiden Seiten der Orgel reiches grünes Rankenornament, dazwischen musizierende Engel, aus der Zeit der Erbauung des alten Orgelgehäuses.

An verschiedenen Wänden und Pfeilern, zum Teil hinter Statuen, zum Teil hinter den Standorten ehemals vorhandener Statuen, gemalte Wandbehänge mit Granatapfel- und anderen Musterungen.

In der farbigen Behandlung der Wände und Gewölbe lassen sich drei verschiedene Arten feststellen. Eine noch romanische Polychromie zeigt der Löffelholzchor. Die Wände haben Steinton, die Gurten und Rippen sind in Quader geteilt, hauptsächlich in roter und grauer Farbe. Die Kappenflächen sind durch schwarze Linien so geteilt, daß ein Mauerwerk aus Steinen in Ziegelgröße vorgetäuscht wird. Die Schäfte der Zwergsäulchen sind schwarz getönt. Diese letztere Tönung ist auch im Mittelschiff noch sichtbar. Im übrigen haben aber hier und in dem Seitenschiffe wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Gurten und Rippen hauptsächlich in der Nähe der Schlußsteine farbige Linienornamente in abwechselnder Form und manchmal flammender Bewegung erhalten. Die Schlußsteine selbst sind polychrom und zum Teil vergoldet.

Diese Art der farbigen Behandlung scheint nach Fertigstellung des Ostchores auch für den letzteren vorbildlich gewesen zu sein. Schlußsteine und Rippen sind — es handelt sich hier um die dritte Art der Bemalung — ähnlich behandelt. Bei den Fenstern ist jedoch eine gemalte rote Steinumrahmung dazu getreten und auf den Kappen ist an den Rippen und Gurten eine schwarze Begleitlinie gezogen; auch die Kappenscheitel sind durch eine solche Linie betont.

4. Die Glasgemälde.

Ähnlich dem Entwicklungsgang der Plastik scheint auch auf dem Gebiete der Glasmalerei anfangs nichts oder wenigstens nicht viel geleistet worden zu sein. Kein einziges Stück Glasgemälde aus der Zeit des romanischen Baues ist erhalten. Erst seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts, als die gotischen Seitenschiffe gebaut und im romanischen Querhaus die schmalen Fenster in breitere Maßwerkfenster umgewandelt wurden, läßt sich eine Glasmalerschule in noch erhaltenen Denkmälern nachweisen. Diese breitete sich weiter aus, als mit dem Neubau des Ostchores (1361–1379) wiederum Gelegenheit zur Anbringung von Glasgemälden gegeben wurde. Eine Reihe von Patrizierfamilien hatte die Schmückung der einzelnen Wandabteilungen übernommen, besonders diejenigen Familien, die ihre Grabgrüfte am Chor, sei es innerhalb, sei es außerhalb desselben, hatten. Über die Hälfte der Ostchorfenster sind Erzeugnisse dieser um 1380 tätigen Schule.

Von 1380 an trat eine Pause von über 100 Jahren ein. Die späteren Glasgemälde sind vereinzelte Stiftungen und hängen nicht mit einer baulichen Veränderung zusammen. In die Erzeugnisse dieser neuen von 1490 bis 1520 währenden Blütezeit teilen sich jetzt mehrere Kirchen; insbesondere St. Lorenz mit seinem eben vollendeten Chor hat die Hauptleistungen der ersten Zeit an sich genommen. Das Bambergische und das Volckamersche Fenster (datiert 1488) in St. Sebald repräsentieren die erste noch den spätgotischen Stilcharakter tragende Epoche des Aufschwungs. Wolfgang Katzheimer ist der Meister. Eine weitere Entwicklungsphase in der Geschichte der Glasmalerei Nürnbergs bezeichnen die drei Fenster des berühmten Veit Hirschvogel: das Maximilians-, Markgrafen- und Pfinzingsche Fenster mit ihren prächtigen Gestalten der Frührenaissance und mit ihrer den Dürerschen und Kulmbachschen Werken nahe verwandten Formensprache. Sie zählen unstreitig zu den kostbarsten Kunstwerken, die die Kirche birgt.

Einen Beleg für die Existenz und künstlerische Bedeutung der Nürnberger Glasmalerschule noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts bildet das in seiner Architekturzeichnung an die Spätrenaissanceformen des Pellerhauses erinnernde Imhoffsche Fenster.

Die übrigen Fenster der Kirche sind meist nur mit Wappenschilden von Geschlechtern zum Andenken an verstorbene Angehörige geschmückt. Der Zweck der Stiftung deckte sich ungefähr mit dem bei den Totentafeln von Holz.

Westchor. Im ersten Fenster links Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. Darunter die Schrift: „Für uns Er trug vnser Krankheit vnd lude auf sich unsere schmertzen. Esaiae am LIII Cap.“ Ferner Rundscheibe mit dem Allianzwappen der Stockamer und Groland.

Im zweiten Fenster im Maßwerk Wappen der Ayrer, unten zwei Allianzwappen der Stockamer und Dietherr. — Die Glasgemälde mit den Heiligen Jakobus und Bartholomäus und die beiden Rundscheiben mit Evangelistensymbolen wurden 1903 nach Entwürfen von Friedrich Wanderer von Zettler in München ausgeführt.

Im dritten Fenster St. Lorenz und St. Sebald sowie drei Löffelholzische Wappen, alles von Wanderer-Zettler, 1903.

Im vierten Fenster Wappen der Unterholzer(?) sowie zwei Allianzwappen der Dietherr. Dazu St. Johannes Ev. und St. Egidius sowie die Rundscheiben mit Evangelistensymbolen von Wanderer-Zettler, 1903.

Die Heiligen in dem 2., 3. und 4. Fenster stellen die Patrone der Nürnberger Kirchen dar und wurden von den freiherrlichen Familien der Kreß und Tucher (2. Fenster), Löffelholz (3. Fenster), Haller und Scheurl (4. Fenster) gestiftet.

Im fünften Fenster Wappen der Löffelholz und zwei Gammersfeldersche Allianzwappen.

Im Fenster der südlichen Turmhalle Wappen der Paumgärtner-Haller.

Nördliches Seitenchor. Im ersten Fenster oben sechs Allianzwappen der Nützel.

Im zweiten Fenster, dem kleinen Fenster über der Anschreibtüre, die Wappenschilde der Schlüsselfelder und Allianzwappen der Held.

Im dritten Fenster ein hl. Bischof und St. Blasius mit Konrad und Wolf Haller von Hallerstein als Donatoren und zwei zugehörigen sowie zwei weiteren Wappenschilden der Haller.

Im vierten Fenster die Heiligen Sebald und Petrus, dazwischen zwei Wappenschilde der Holzschuher. Im Maßwerk eine Verkündigung Mariä und darüber ein Engel mit dem Holzschuherschen Wappen. Alle diese Glasgemälde wohl aus der gleichen Zeit, eines derselben von 1503 datiert.

Im fünften Fenster unten die hl. Barbara, darüber das Wappenschild der Nützel mit der Inschrift: „H. Carl Nützel Ritter Rö. Kay. May. Rath Starb den 18. Novem 1614.“ Oben vier Ölhafensche Allianzwappen.

In dem Treppenfenster neben der Querschiff- bzw. Ostchormauer drei kleine Wappen der Nützel.

Es folgt die Beschreibung der Fenster im Ostchor in fortlaufender Reihe vom ersten Fenster der Nordwand neben der alten Querschiffmauer an:

Ostchor. 1. Das erste Fenster im Ostchor. Um 1360. Zweifellos noch vor Beginn des Ostchorumbaues vollendet. Die Gemälde umfassen die fünf unteren Reihen. Die Gliederung der architektonischen Umrahmung, noch mehr der Zusammenhang der einzelnen Darstellungen sind unklar. Von den letzteren sind nur drei der Sockelreihe ihrem Inhalte nach zu erkennen, nämlich Christus in der Vorhölle, Grablegung und die Ausgießung des heiligen Geistes.

Die obere Reihe zeigt unter Baldachinarchitektur links einen Verkündigungsengel, im zweiten Felde dem Engel zugewendet einen bärtigen Mann (Verkündigung Johannis?), im dritten Felde einen hackenden Mann, im vierten eine spinnende Frau, vor ihr eine Wiege mit Kind (Adam und Eva nach dem Sündenfall?). In der mittleren Reihe links eine gekrönte Heilige und zwei andere nicht genauer zu deutende Figuren; im zweiten Feld zwei weibliche Heilige mit dicken Büchern in den Händen; im dritten und vierten Felde vornehme Gesellschaft im Zeitkostüm, von fraglicher Bedeutung. Am ganzen Gemälde ist im Laufe der Zeit viel verändert worden.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde Medaillons mit Wappen der Geuder.

2. Das Grundherrsche Fenster. 1372–1379. Das Gemälde umfaßt die sechs unteren Reihen. Durch Versetzung mehrerer Felder in der Gesamtkomposition entstellt. Das Fenster muß sich ursprünglich an anderer Stelle befunden haben und wurde hierher versetzt, als man das Imhoffsche Fenster, dessen Maßwerkmalereien an ihrer alten Stelle verblieben, von hier auf die gegenüberliegende südliche Seite des Ostchors überführte. Die Stifterfiguren der äußeren Felder der unteren Reihe gehören der spätmittelalterlichen Zeit an. Im übrigen enthalten die zwei mittleren Felderreihen in achtpaßförmigen Kartuschen Darstellungen aus der Marienlegende, unten, jetzt in der zweiten Reihe, die Donatoren, in den äußeren Bahnen Heilige mit Attributen oder Schriftbändern.

In den freien Teilen des Fensters acht runde Medaillons mit drei Grundherrschen Wappen und den Wappen der Kreß, Ebner und? (Baumstamm mit roten Lindenblättern auf silbernem Grunde).

Im Maßwerk, eigentlich zu dem Imhoffschen Fenster gehörend, zwei Engel mit Blasinstrumenten in Wolken, darüber das Imhoffsche Wappen. 17. Jahrhundert.

In den beiden Fenstern der Pfinzingempore 2 größere und 30 kleinere Rundscheiben mit Pfinzingwappen.

Im Maßwerk des Fensters über der großen Sakristei zwei große Schreyersche Allianzwappen.

3. Das Mendelsche Fenster. 1372–1379.

Das Glasgemälde umfaßt die unteren sechs Reihen und enthält neun Darstellungen aus dem Marienleben. Die dritte und sechste Reihe und die mittleren Felder der fünften Reihe sind mit Architektur ausgefüllt, die Sockelfelder weisen viermal das Wappen der Mendel auf.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde bekränzte Wappen der Tucher aus dem 16. Jahrhundert.

4. Das Tuchersche Fenster. 1372–1379.

Es umfaßt sieben Querreihen mit Darstellungen aus der Passion:

1. Reihe (von unten): Tuchersches Wappen von etwa 1550, der Stifter, dessen Frau, dann ein Pfinzingsches Wappen von etwa 1550.

2. Reihe: Christus vor Pilatus (4. Feld), Dornenkrönung (1., 2. und 3. Feld).

3. Reihe: Kreuztragung (4 Felder).

4. Reihe: Christus wird ans Kreuz genagelt (4 Felder, die, offenbar bei einer späteren Reparatur, unrichtig angeordnet wurden).

5. und 6. Reihe: Kreuzigung (8 Felder).

7. Reihe: Architekturaufsatz.

5. Das Fürersche Fenster. 1372–1379.

Ursprünglich das Fenster der Geuschmid. Die beiden Fürerschen Allianzwappen in den mittleren Feldern der zweiten Reihe stammen erst aus dem 16. Jahrhundert. Sie tragen die Unterschriften „Sigmund [Füerer der] Ellter...“ und „Christann Füerer Anno dm 1325“.

Das Glasgemälde umfaßt sechs Reihen und greift mit der Bekrönung in die siebente Reihe über. Die Sockelreihe enthält die Wappen der Eysvogel, Geuschmid, Gruber und Ebner, die übrigen Reihen, abgesehen von den zwei erwähnten Feldern, 14 Heilige und legendarische Darstellungen.

Darüber, innerhalb der Butzenverglasung, ein Scheurl-Tuchersches Allianzwappen mit der Jahreszahl 1480.

6. Das Stromersche Fenster. 1372–1379, mit späteren Zutaten aus verschiedenen Zeiten.

Das alte Glasgemälde umfaßt die Reihen 4 bis 9 und enthält in der untersten Reihe in den beiden mittleren Feldern zwei Stromersche Allianzwappen, dazu links ein Pfinzingsches, rechts ein Kolersches Wappen; in den nächsten vier Reihen 16 Figuren, nämlich zehn Apostel und sechs Propheten, alle mit Schriftbändern in den Händen, in der obersten Reihe einen schlichten architektonischen Abschluß, innerhalb desselben zwei kleine Engelsfiguren.

Die Reihe 3 wurde um 1500 mit 2 Pfinzingschen Wappen sowie 4 Stromerschen und 2 Kolerschen Allianzwappen in reicher spätgotischer Ornamentik ausgestattet. In der 2. Reihe außer 3 kleinen Pfinzingschen Allianzwappenscheiben eine große rechteckige Scheibe mit Kolerschen Allianzwappen von 1568, von denen die größten von einer um die Mitte des 19. Jahrhunderts schlecht erneuerten Engelsfigur gehalten werden. Innerhalb des Rahmens einer Schrifttafel finden sich an Stelle derselben zwei kleine, feine, offenbar profane Kabinettmalereien roh eingesetzt: Begegnung zweier Männer und eine allegorische Frauenfigur (die Hoffart?).

In der untersten Reihe wiederum 3 kleine Pfinzingsche Allianzwappen (6 Rundscheibchen), ein Wappen des Baumeisters Wolf Jakob Stromer von 1589 und ein Wappen seiner Frau Sabina W. J. Stromerin (einer geb. Scheurl) von 1582 sowie ein Kolersches Allianzwappen mit der Unterschrift: „Hieronimus Koler anno 1592“.

7. Das Bambergische Fenster. 1501 gemalt von Wolf Katzheimer (Abb. 107).

Die Glasmalerei bedeckt vier Querreihen:

1. Reihe (von oben): Vier Bekrönungen nach Art der ornamentalen Schnitzereien bei Altaraufsätzen.

2. Reihe: Bischof Lambert von Bamberg 1374, hl. Kaiser Heinrich, hl. Kunigunde und Bischof Philipp von Bamberg 1475.

3. Reihe: Hl. Bischof (?), hl. Petrus, hl. Paulus und hl. Georg.

4. Reihe: Bischof Heinrich von Bamberg 1487, zwei Wappen von Bamberg und Bischof Veit von Bamberg 1501.

Im linken Feld der Sockelreihe: Albrecht Dürer in ganzer Figur von C. A. Heideloff.

8. Das Maximiliansfenster (Abb. 108). 1514 von Veit Hirschvogel gemalt. Von Heideloff restauriert. Es befindet sich in der Mitte des Ostchores, d. h. an der vornehmsten Stelle desselben, sichtbar durch das Mittelschiff bis zum Westchor.

Das Glasgemälde nimmt, vom Fenstersockel an gerechnet, zehn Reihen ein und reicht mit dem halbkreisförmigen Aufbau, nach welchem das Ganze scheinbar als Nische gedacht ist, noch in die elfte Reihe hinüber. In den beiden unteren Reihen Butzenverglasung zwischen drei Säulen, in der dritten Reihe eine Rolle mit Inschrift. Die Reihen 4 bis 9 zeigen abwechselnd zwölf Wappen der Länder des Hauses Habsburg in Deutschland und Spanien, zwei fürstliche Ehepaare und vier Heilige, und zwar:

9. Reihe: Wappen des Königreichs Kroatien, des Erzherzogtums Österreich, des Herzogtums Steier und des Herzogtums Brabant.

8. Reihe: Die Heiligen Jakobus d. Ä., Andreas, Kaiser Heinrich und Georg.

7. Reihe: Wappen des Königreichs Ungarn[XIV], Dalmatiens, Tirols und des Herzogtums Kärnten.

6. Reihe: Wappen des Hauses Habsburg, Kaiser Maximilians I., dessen Gemahlin Maria von Burgund[XV] und das Wappen von Burgund.

5. Reihe: Das vereinigte Wappen von Kastilien, Österreich, Leon, Bourbon, Granada und Burgund mit Grafenkrone[XVI], Philipp I. der Schöne, König von Spanien, dessen Gemahlin Johanna die Wahnsinnige[XVII] und das vereinigte Wappen von Kastilien, Leon, Neapel, Sizilien und Granada mit der Königskrone.

4. Reihe: Wappen des Königreichs Leon, der Grafschaft Granada[XVIII], des Königreichs Neapel und des Königreichs Sizilien.

3. Reihe mit der Inschrifttafel: „Maximilianvs cristianorvm imperator ac septem regnorvm rex heresque archidvx avstriae plvrivm evropae provinciarvm princeps potentissimvs. f. f.“ Darüber die Jahrzahl MCCCCCXIIII.

Stilistisch interessant durch den Wechsel von Spätgotik und Frührenaissance: Renaissancekostüm fast bei allen Figuren, gotisches Kostüm bei der Maria von Burgund, ausgesprochene Renaissance in der Architektur und in der Majuskelinschrift, dagegen noch vollständig gotisch der gemusterte Hintergrund bei Wappen und Figuren.

Das Glasgemälde wurde hergestellt im Auftrage des Kaisers Maximilian I. für den Preis von 200 fl.

9. Das Markgrafenfenster[XIX] (Abb. 109). 1515 von Veit Hirschvogel d. Ä. wahrscheinlich nach einem Entwurf des Hans von Kulmbach gemalt.

Das Gemälde nimmt vom Sockel an neun Fensterreihen ein. Das Ganze ist als ein architektonischer Aufbau gedacht. Der Sockel in den beiden untersten Reihen ist durch Fenster und Nische belebt und zeigt eine Inschrifttafel. Darüber erheben sich sechs Etagen mit durchlaufenden Wandpfeilern in den äußeren Bahnen; in der obersten Etage ist den Wandpfeilern je eine Säule vorgelagert, welche zugleich als Stütze für den reich ornamentierten bekrönenden Giebel und dessen seitliche, Engel tragende Aufsätze in der letzten Reihe dient. Die mittleren Bahnen der Reihen 3 bis 8 enthalten 12 figürliche Darstellungen, in den äußeren Bahnen der Reihen 3 bis 7 sind 10 Wappen angebracht. Figuren und Wappen sind:

8. Reihe: Die Heiligen Maria und Johannes der Täufer, die Schutzpatrone des Hauses Hohenzollern.

7. Reihe: Wappen von Brandenburg, Friedrich der Ältere, Markgraf von Brandenburg-Ansbach und -Kulmbach, dessen Gemahlin Sophie von Polen, Wappen von Polen.

6. Reihe: Wappen des Landes der Kassuben und Wenden, Markgraf Kasimir, Markgraf Johann, nachmals Vizekönig von Valencia, Wappen des Landes der Kassuben und Wenden.

5. Reihe: Wappen von Pommern, Markgraf Albrecht, Hochmeister des Deutschen Ordens, nachmals Herzog in Preußen, Markgraf Georg der Fromme, Wappen von Pommern.

4. Reihe: Wappen des Burggrafen von Nürnberg, Markgraf Friedrich, Domprobst zu Würzburg, Markgraf Wilhelm, nachmals Erzbischof von Riga, Wappen von Rügen.

3. Reihe: Wappen von Hohenzollern, Markgraf Johann Albrecht, nachmals Erzbischof zu Magdeburg und Bischof von Halberstadt, Markgraf Gumbert, unkenntliches Wappen.

2. Reihe mit der Inschrifttafel: „Friderich von gottes gnaden marggraff zu Brandenburg zu Stetin Pomern der Cassuben vnd Wenden herczog burggraff zu Nürnberg und fürst zu Rügen 1. 5. 15.“

Die acht Markgrafen in den Reihen 6 bis 3 sind die acht Söhne Friedrichs und seiner Gemahlin Sophie in der Reihenfolge ihres Alters.

In den äußeren Feldern der Sockelreihe befanden sich ursprünglich zwei Engel, ähnlich den oberen Engeln auf der Bekrönung. 1817 mußten dieselben zwei schlechten Medaillons mit den Bildnissen Melanchthons und Luthers weichen.

10. Das Pfinzingsche Fenster. 1515 gemalt von Veit Hirschvogel d. Ä.

Es umfaßt acht Querreihen: Architektur mit zwei Stockwerken. Im oberen Stockwerk die Heiligen Christoph, Sebald, Maria mit dem Christuskind und Anna selbdritt. Im unteren Stockwerk der Stifter und seine Gemahlin mit den Wappen der Pfinzing und Grundherr, darunter knieend acht Familienangehörige beiderlei Geschlechts mit ebensovielen Pfinzingschen Wappen. In der untersten Reihe Inschrifttafel: „Siegfridus Pfinzing sibi suisque MDXV.“ Darunter zwei Wappen (Pfinzing-Harsdorf). Einzelne Stellen, hier und da sogar mit Schriftscheiben, ziemlich barbarisch geflickt.

11. Das Hallersche Fenster. 1372–1379.

Es umfaßt 6 Querreihen:

1. Reihe (von unten): 4 Hallersche Wappen.

2. Reihe: Legende des hl. Georg.

3. Reihe: Ein heiliger Mönch mit Buch und zangenartigem Gerät, St. Leonhard, St. Sebastian und ein heiliger Fürst (Hermelinüberwurf) mit Palmwedel und Reichsapfel.

4. Reihe: Die Heiligen Katharina, Anna selbdritt, Ursula und Elisabeth.

5. Herodes und der betlehemitische Kindermord.

6. Reihe: schlichter Architekturaufsatz.

In der 7. Reihe zwei Hallersche Wappen (im 1. und 4. Feld) vom Jahre 1494.

12. Das Schürstabsche Fenster. 1372–1379.

Es umfaßt 7 Querreihen:

1. Reihe (von unten): Lamm Gottes, zum Schürstabschen Wappen gehörig, und drei Schürstabsche Allianzwappen.

2. Reihe: Hl. Sebald, ein kniender, den Heiligen verehrender Ritter mit dem Schürstabwappen und zwei kniende Frauen mit Stromerschen Wappen und Wappen der Graser (?).

3. Reihe: Christus in der Vorhölle (2 Felder), der Auferstandene erscheint den heiligen Frauen (2 Felder).

4. Reihe: Kreuzabnahme oder richtiger Pietà; Grablegung (je 2 Felder).

5. Reihe: Himmelfahrt, Tod Mariä (je 2 Felder).

6. und 7. Reihe: Architektur.

In der 8. Reihe (1. und 4. Feld) zwei Schürstabsche Wappen von 1493, über jedem das Lamm Gottes.

13. Das Behaimsche Fenster. 1372–1379.

Das Glasgemälde umfaßt die sechs unteren Reihen und greift mit der Bekrönung in die siebente Reihe über. Die mittleren Felder der Sockelreihe enthalten zwei Behaimsche Allianzwappen, in den Feldern daneben kniende Familienangehörige mit Behaimschen Allianzwappen. Die mittleren Bahnen sind kompositionell zusammengefaßt, und zwar sind die Reihen 2 bis 7 in drei Etagen gegliedert, welche von unten nach oben die Verkündigung (eine starke gelbe Röhre vermittelt den hl. Geist, eine Taube, vom Munde Gott Vaters dem Ohr der Maria), Geburt Christi und die Krönung Mariä zeigen. In den übrigen seitlichen Feldern, abgesehen von den erwähnten Wappenfeldern, neben der Verkündigung zwei weitere Anbetende, eine männliche und eine weibliche Figur mit Allianzwappen, zu den beiden Seiten der Geburt und Krönung vier musizierende Engel.

Im Maßwerk Medaillons mit dem zwei Behaimsche Allianzwappen, je von einem Engel gehalten, aus dem 16. Jahrhundert.

14. Das Volckamersche Fenster. Etwa 1490–1500.

15. Das Imhoffsche Fenster. Vom Jahre 1601 (links unten in der zweiten Reihe datiert), die beiden untersten Wappenpaare vom Jahre 1641. Von Jakob Sprüngli oder Christoph Maurer (1558–1614), ebenfalls einem geborenen Schweizer.

Das Glasgemälde umfaßt das ganze Fenster. Wirkungsvoller architektonischer Aufbau in kräftigen Renaissanceformen mit reichen Zutaten von Puttenfiguren, Festons usw. in den beiden äußeren Bahnen, oben die allegorischen Figuren Glaube und Liebe; in den beiden mittleren Bahnen 20 Einzelwappen und Allianzwappen der Imhoff, teils mit Wappenzier, teils von Kränzen umrahmt. Die zu diesem Fenster gehörigen Glasmalereien des Maßwerks sind bei der Versetzung des Fensters an dessen ursprünglichem Ort, nämlich in dem an der Nordseite des Ostchores gerade gegenüberliegenden Fenster zurückgeblieben (siehe oben).

16. Das letzte Fenster im Ostchor. Um 1360. Das Glasgemälde war wie das im gegenüberstehenden Fenster befindliche wahrscheinlich schon vor Beginn des Ostchorneubaues vorhanden.

Das Fenster ist entweder eine Paumgärtnersche Stiftung oder eine Stiftung der Familien Pirckheimer, Paumgärtner und Grabner, deren Wappen die Sockelreihe aufweist. Was die Komposition anlangt, so sind die beiden mittleren Bahnen zusammengefaßt und in drei Etagen mit je drei Feldern abgeteilt, wobei in den jeweiligen Bekrönungen zwei Giebel mit einem Rundbogen abwechseln; unten die Anbetung der heiligen drei Könige, in der Mitte die Darbringung im Tempel, zu beiden Seiten weibliche Figuren mit Tauben, darüber Propheten, oben der zwölfjährige Jesus bei den Schriftgelehrten, zu beiden Seiten Engel.

Südliches Seitenschiff. Im ersten Fenster von der alten Querhausmauer an ein größeres Welsersches Wappen und vier kleinere runde Welsersche Allianzwappen, bei deren einem das heraldisch rechte Wappen durch buntes Glas ersetzt ist.

Im zweiten Fenster ein größeres Behaimsches, drei kleinere runde Welsersche und ein ebensolches Ölhafensches Allianzwappen.

Im dritten Fenster Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, darüber prächtig stilisiert Helm, Helmdecke und Zimier zu einem jetzt fehlenden Ölhafenschen Wappen, außerdem vier kleine Rundscheiben mit dem Wappen der Gutschneider, Koler-Kreß, Ölhafen-Volckamer und Welser-Nützel.

Im vierten Fenster, dem kleinen Fenster über dem Südportal, das Wappenschild der Pömer und ein Spruchband, auf dem M. M. Mayer noch die jetzt fast verschwundene Inschrift las: „Heinrich Pömer Starb Anno 1331“, darunter zwei Donatoren (bezeichnet als Friedrich und Konrad Pömer) mit zwei Pömerschen Allianzwappen (Abb. 110).

Im fünften Fenster befinden sich jetzt sechs kleine Rundscheiben mit Allianzwappen der Familien Dietherr, Kreß, Harsdorf, Ölhafen und Rohleder sowie einem Pömerschen Wappen.

5. Gedenktafeln, Totenschilder, Stuhlwerk, Orgeln und Glocken.

Gedenktafeln. Diejenigen Geschlechter, deren Begräbnisstätten in der Kirche lagen oder welche sich durch hervorragende Stiftungen ausgezeichnet hatten, besaßen das Recht, große Tafeln mit Verzeichnissen der Vorfahren zum Andenken an dieselben in der Nähe der gestifteten Gegenstände aufzuhängen. Die Sitte kam zwar schon zur Zeit der Spätgotik auf, allein erst mit der um die Mitte des 17. Jahrhunderts durchgeführten Barockausstattung wurde vielfach Gebrauch davon gemacht. Die uns erhaltenen Gedenktafeln gehören den Patrizierfamilien Ebner, Fürer, Holzschuher, Kreß, Löffelholz, Pfinzing, Pömer, Scheurl, Tucher und Volckamer an.

Der Inhalt der Tafeln hat lediglich familiengeschichtliches Interesse. Von künstlerischem Wert sind nur einige Tafeln durch reichere Gestaltung der holzgeschnitzten Rahmen, insbesondere der die Tafeln bekrönenden Aufsätze und Wappenschilder. Von den der Mitte des 17. Jahrhunderts angehörigen Gedenktafeln verdienen hervorgehoben zu werden die der Löffelholz im Westchor, die der Kreß mit dem Holztafelgemälde des segnenden Weltheilandes und dem Wappenschilde aus der Rokokozeit (Abb. 111) und die der Volckamer im Ostchor vor dem Muffelschen Altar (Abb. 112); von den ein Jahrhundert jüngeren Tafeln im ausgesprochenen Rokokostil die der Ebner beim nördlichen Turm (Abb. 113), die der Holzschuher im südlichen Seitenschiff und die der Fürer im Ostchor beim Muffelschen Altar. In die Renaissancezeit fällt eine der vielen Tucherschen Tafeln, welche im Ostchor an der Wand des Tucherfensters hängt (Abb. 114). Sie zeichnet sich dadurch aus, daß in ihrer Mitte ein aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts stammendes Ölgemälde aus Holz eingelassen ist, darstellend den Tod vor offenem Grabe mit Schriftband: „Was ir seit, das was ich, vnd was ich bin, das wert ir.“

Auf einer anderen Tucherschen Gedächtnistafel im nördlichen Chorumgang hinter dem Hochaltar Christus als Weltenrichter, auf dem Regenbogen thronend. 17. Jahrhundert.

Totenschilder. Zum Inventar der Kirche zählen nunmehr auch eine große Anzahl von alten Totenschildern verschiedener Patrizierfamilien. Die früher in der Kirche aufgehängten Schilder wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis auf das unten erwähnte Stromersche, das auf seinem alten Platz oberhalb der Stromerschen Empore im nördlichen Seitenschiff verblieb, den Stiftern zurückgegeben. Wie weit die jetzigen Schilder mit den früheren identisch sind, dürfte sich schwerlich feststellen lassen. Von den Totenschildern, von denen manche, insbesondere ein Hallersches, sowohl nach der künstlerischen wie nach der technischen Seite von Interesse sind und bei deren Herstellung teilweise mit den einfachsten Mitteln (Roßhaare, vergoldete Hanfstricke usw.) gearbeitet worden ist, gehören 21 der Löffelholzschen (Abb. 115), 7 der Kressischen (Abb. 116), 12 der Hallerschen (Abb. 117, 118), 11 der Harsdörferschen, 4 der Ebnerschen (Abb. 119) (hievon 2 neu) und 1 (siehe oben) der Stromerschen Familie (Abb. 120) an. Sie stammen aus der Zeit vom 14. bis zum 18. Jahrhundert und hängen im Westchor, im Mittelschiff und im nördlichen Seitenschiff in der Nähe der Grabstätten der Stifterfamilien.

Kirchenstühle und anderes Mobiliar. Das in Eichenholz ziemlich derb geschnitzte Chorgestühl im Mittelschiff des Ostchores zwischen den Pfeilern stammt aus der Zeit der Vollendung des Chorneubaues zwischen den Jahren 1372 und 1379 (Abb. 121, 122 und 123). Die Seitenteile der Stühle sind mit ornamentalen, durchbrochen gearbeiteten und mit figürlichen Schnitzereien, Propheten, Apostel sowie andere Heilige und phantastische Tiergestalten darstellend, ausgestattet. An den Rückwänden der Chorstühle zu beiden Seiten des Altares sind jetzt zwei runde holzgeschnitzte Medaillons angebracht: links der heilige Sebald in einem Renaissanceraum, zu seinen beiden Seiten die Wappen von Dänemark und Frankreich, zu seinen Füßen das Schreyersche Wappen (vgl. Titelvignette), auf der anderen (rechten) Seite in Hochoval das Grundherrsche Wappen. Beide Medaillons rühren vermutlich von früheren Kirchenstühlen (einem Schreyerschen und einem Grundherrschen?) her.

Im südlichen Seitenschiff an der Westwand neben der Turmhalle ein zweisitziger Kirchenstuhl ohne besondere Dekoration, ebenfalls aus Eichenholz mit zwei eingeschnittenen Wappen der Haller (Abb. 124).

Im Löffelholz- oder Westchor ein im frühen Barockstil reichgeschnitzter Stuhl vom Jahre 1627 (Abb. 125).

Ihm gegenüber einfach geschnitzter Stuhl des Handwerks der Holz- und Beindrechsler mit deren Wappen auf vergoldetem Kupfer von 1738.

Im nördlichen Seitenschiff an der Turmwand hübsch ornamentierter Stuhl aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.

Neben dem Eingange des nördlichen Seitenschiffes einfach geschnitzter Stuhl des Handwerks der Bäcker. 17. Jahrhundert.

Außerdem noch zwei ganz einfache Kirchenstühle in der nördlichen Turmhalle und beim Eingange des südlichen Seitenschiffes; letzterer mit reicherem barockem Aufsatz mit den Emblemen des Schuhmacherhandwerks. Ferner mancherlei kräftig geschnitztes Stuhlwerk an den Wänden der Kirche aus verschiedenen Epochen: an der Südwand des Ostchors einfaches gotisches Chorgestühl, gegenüber an der Nordwand die Tucherschen Chorstühle unter den Gedenktafeln des Tucherschen Geschlechts aus der Zeit der Spätrenaissance. Der gleichen Zeit gehören auch die beiden Tucherschen Paramentenschränke an, die sich jetzt hinter dem Altare befinden. Weitere Chor- und Handwerkerstühle mit einfach ausgeschnittenen Stuhlwangen in verschiedenen Teilen der Kirche.

Hinter dem Hochaltar zwei mit Schnitzerei verzierte Sängerpulte aus dem 17. Jahrhundert mit drehbaren Aufsätzen.

Die einfachen Chorschranken rühren vermutlich von der Restaurierung um die Mitte des 17. Jahrhunderts her.

Neben dem Eingange zur südlichen Sakristei und in der Pömerkapelle je ein gotisches Wandschränkchen mit hübscher holzgeschnitzter Tür und den alten Eisenbeschlägen.

Die Laienstühle der Kirche aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden bei der letzten Restaurierung derart umgeändert, daß die in plumpen pseudogotischen Formen gehaltenen Wangen durch einfach ausgeschnittene Bretter ersetzt und so dem vorhandenen alten Gestühl angepaßt wurden.

Schließlich sei noch ein neuer Paramentenschrank in einfachen gotischen Formen erwähnt, der von Hauberrisser entworfen wurde und neben der südlichen Turmwand seinen Platz gefunden hat.

Beim Muffelaltar ist in die Wand eine Steinplatte eingelassen, in der oben in einer kleinen Nische das Erzschildchen eingemauert ist, das 1882 hinter einem Baldachin des Ostchors gefunden wurde. Wie die 1906 angebrachte Inschrifttafel besagt, handelt es sich bei dem Zeichen auf diesem alten Schildchen offenbar um das Meisterzeichen des bisher noch unbekannten Erbauers des Ostchors. Vgl. Abb. 26.

Die eisernen Türen neben dieser Steinplatte, die als Verschluß von Wandschränken dienen, sind alt (15. Jahrhundert) und zeichnen sich durch schön ornamentierte Schloßschilde und geschmackvoll geformte Griffe aus. Die Wandschränke beim Petrus- und Tucheraltar wurden nach diesem Muster mit neuen eisernen Türen versehen. Ebenfalls eine Arbeit der Neuzeit ist der eiserne Opferstock im Mittelschiff vor dem Löffelholz-Chor.

Orgeln. Die große Orgel im Ostchor (Abb. 126) wurde 1444 von Heinrich Traxdorf für 1150 fl. erbaut. Von dem Pfeifenwerke dieser gotischen Orgel sowie von den im Laufe der Jahrhunderte hinzugekommenen Registern hat sich nichts erhalten. Bei der letzten Restaurierung (1905) wurde ein der modernen Orgeltechnik entsprechendes Werk aufgestellt und zum Teil dem alten Gehäuse eingefügt. Aber auch mit diesem waren im Laufe der Zeiten bereits verschiedene Veränderungen vorgenommen worden. Während eine Anzahl urkundlich bezeugter Verbesserungen (1480/81, um 1520, 1572 usw.) sich wesentlich auf das Werk bezogen zu haben scheinen, das 1691 von Georg Siegmund Leyser, Orgelbauer in Rothenburg o. T., erneuert wurde, hatten die Umbauten und Reparaturen von 1658 und 1827 auch bedeutende Umformungen des Gehäuses zur Folge. 1658 wurde die Orgel der barocken Kirchenausstattung angepaßt, wobei Daniel Preißler die Flügel mit den Bildnissen der Scholarchen und Geistlichen an der Kirche und der damaligen Stadtmusiker schmückte. Diese Flügel haben sich indessen nicht erhalten. Bei der Ausbesserung des Werkes durch den Orgelbauer Augustin Ferdinand Bittner im Jahre 1827 wurden jene barocken Teile durch gotisch stilisierte, nach Plänen Heideloffs ausgeführte Teile ersetzt. Hiebei wurde nicht nur ein neues Positiv angebracht, sondern auch die Galerie für den Sängerchor nach beiden Seiten hin erweitert und mit einer hölzernen, mit gotischen Maßwerken versehenen Brüstung abgeschlossen.

Bei der letzten Wiederherstellung der Kirche ließ sich das ursprüngliche Gehäuse der Orgel noch zum größten Teil aus den späteren Zutaten wieder herausschälen und bietet sich jetzt wesentlich in seiner alten Gestalt dem Auge dar. Das in Eichenholz kräftig und wirkungsvoll geschnitzte alte Gehäuse zeichnet sich durch reichen ornamentalen und figürlichen Schmuck aus. Es sei dabei einerseits auf die reizvolle und eigenartige Bildung der Wimperge mit ihren trefflich geschnitzten Krabben und Kreuzblumen, andererseits auf die figuralen Darstellungen, die sich in das abschließende Maßwerk der vorkragenden Sängerbühne einfügen, besonders hingewiesen: nicht nur Adam und Eva, sondern auch Wappenhalter mit den Nürnberger Wappen und allerlei Gestalten aus dem Volke, Ritter, Knechte, Bauern usw., finden sich hier in bunter Reihe angebracht. Die beiden unteren Konsolen tragen wiederum die beiden in Verbindung mit dem heiligen Sebaldus so oft wiederkehrenden Wappen; am Scheitel des Gewölbes, gewissermaßen als Schlußstein eine Teufelsfratze mit einer Zunge aus Leder, einem Bart aus Roßhaaren und einem Unterkiefer, der heute noch, wie ehedem, durch das Orgelwerk in Bewegung gesetzt wird.

Die Ergänzungen, die bei der letzten Restaurierung nötig wurden, beschränken sich in der Hauptsache auf die Bretterbrüstung zu beiden Seiten des gleichfalls neuen Positivs, bei dem indessen einzelne alte Teile zur Verwendung kommen konnten, und auf die schmalen Maßwerkfüllungen unterhalb der großen seitlichen Register.

Über die Wandmalerei zu beiden Seiten der Orgel, die mit dieser inhaltlich in Beziehung steht, ist oben bereits gehandelt worden.

Die kleine Orgel im Westchor ist 1732 am 13. Oktober gestiftet von Konrad Nikolaus Overdik und dessen Gattin Ursula, geb. Ebermayr, „als Haus Orgel zu Unterhaltung der Andacht bey der heil. Comunion in dem Chor nach St. Sebald“. Die Geschichte der Orgel ist übrigens bisher nicht völlig klargestellt. Heute wird sie von einem Muffelschen Wappen bekrönt, zu dessen beiden Seiten man die Jahreszahl 1776 liest. Auch die beiden vergoldeten Monogramme auf der Rückseite der Orgel scheinen auf die Patrizierfamilie Muffel hinzudeuten.

Sonst ist von Orgeln nur bekannt, daß 1447 eine kleinere Orgel gestiftet, 1570 aber wieder entfernt wurde. Auch zum Jahre 1517 wird von der Stiftung einer kleineren Orgel durch Hans Stauber berichtet.[XX] Von den Silberdrahtziehern soll 1657 eine kleine Orgel gestiftet worden sein.

Glocken. Im nördlichen Turm:

1. Die Betglocke. Von Johann Weißenburger in Nürnberg 1391 gegossen.

Halsinschrift:

O REX GLORIE VENI CVM PACE LVCAS MARCVS MATHEVS JOHANNES AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDICTA TV IN MVLIERIBVS ET BENEDICTVS FRVCTVS VENTRIS TVI AMEN VITA ✛ INTER NATOS MVLIERVM NON SVRREXIT MAIOR IOHANNE BAPTISTA QVI VIAM DOMINO PREPARAVIT IN HEREMO FVIT HOMO MISSVS A DEO CVI NOMEN IOHANNES ERAT ORA P̱ NOBIS BT̅E AG.

Fußinschrift:

ANNO DOMINI MCCCLXXXXI HEC CAMPANA EST CXXXXVIII CENTENARIIS ACTA PER IOHANNEM WYSSENBVRGER IN NVͤRBERG IN VIGILIA ST̅I LAVRENCII MR̅IS A DOMINO HEINRICO PREPOSITO DE VESTENBERG GENITO CONPARATA REX KASPAR REX BALTHEZAR REX MELCHIOR DEVS P̱P̱I̱CIVS ESTO P̱INTCESSIONEM BT̅I AVGVSTI ✛.

Höhe (ohne Krone) 1·30 m.

Die Betglocke heißt in den Chroniken wie ihre Vorgängerin auch „Benedicta“. Im Jahre 1600 sollte die jetzige Betglocke durch eine neue ersetzt werden. Eine Ausbesserung war jedoch noch möglich. Im Laufe des 18. Jahrhunderts fanden mehrere Reparaturen statt.

Nach Städtechroniken I, 357 wäre die alte Glocke erst 1392 „an unsers herrn leichnames abent“ [12. Juni] geweiht worden.

2. Eine Glocke aus dem zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Halsinschrift:

AVE MARIA GRACIA PLENA DOMINVS TECVM BENEDI. ✛.

Höhe (ohne Krone): 0·88 m.

3. Eine Glocke vom Jahre 1418.

Halsinschrift:

Anno domini mccccxviii anno gloria patri et filio et spiritvi sancto et Mariae ✛.

Höhe (ohne Krone) 0·65 m.

4. Eine Glocke aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts.

Halsinschrift:

MATHEVS MARCVS LVCAS IOHANNES MARIA ✛.

Höhe (ohne Krone): 0·56 m.

Die an zweiter Stelle angeführte Glocke des nördlichen Turmes, deren Inschrift den Englischen Gruß enthält, dürfte identisch sein mit der in den Chroniken genannten „Garausglocke“, eine von den beiden kleinen Glocken desselben Turmes mit dem „Vesperlein“.

Im südlichen Turm: 1. Die Chorglocke. 1324 gegossen.

Halsinschrift:

ANNO DNI MCCCXXIIII VOX EGO SVM VITE VOCO VOS ORARE VENITE XPO REGNAT ✛.

Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.

2. Die Sturmglocke. Aus dem 14. Jahrhundert.

Halsinschrift:

TITVLVS TRIVMPHALIS NRI SALVATORIS IHC NAZARENVS REX JVDEORVM ✛.

Höhe (ohne Krone): etwa 1·20 m.

3. Die Stundenglocke, auch Schlag- oder Uhrglocke genannt. Im unteren Durchbruch des Helms. 1482 von Konrad Glockengießer gegossen.

Halsinschrift: „sant sebolcz schlach glock pin ich hern ruprecht haller hern niclas grosen vnd hern gabriel nvczel den obersten haubtlevten gebart ich maister cvnrat glockengisser gos mich anno domini 1482 ✛“.

Höhe (ohne Krone): 1·60 m.

Gotteshauspfleger Ruprecht Haller der Ältere, Hans Tucher der Ältere und Kirchenmeister Sebald Schreyer hatten mit Meister Konrad dem Glockengießer vereinbart, daß er für den Zentner der Glocke 10½ fl. rhein. erhalten und den Zentner der alten gesprungenen Uhrglocke für 8 fl. nehmen solle. Er erhielt 1055 fl. rhein., nach Baader, Beiträge, I, 61 im ganzen 1380 Pfund 5 Schilling 8 Haller. Die Glocke wurde am 20. Juni 1483 gewogen und hatte ein Gewicht von 100 Zentnern 56 lb. Näheres bei Baader, ferner in den Städtechroniken, V, 480 ff. und in dem Manuskript XL, 3 im Stadtarchiv Nürnberg.

Die Uhrglocke hatte zwei Vorgängerinnen. Die ältere wurde 1383, als der Turm oberhalb der Sturmglocke einer Ausbesserung bedurfte, ausgebessert und ist 1396 gesprungen. Die jüngere wurde von Meister Heinrich Grünwalt noch in dem gleichen Jahre gegossen und hatte ein Gewicht von 64 Zentner 66 lb; sie zersprang am 4. Mai 1482 ebenfalls. Ihre Inschrift lautete: „Ich Orglogck pin · des · Rats · zu · Nürmberg · eigen · hat · mich · erzeugt · als man · zalt · nach · Christj · geburt · M°CCC° · vnd · in dem · lxxxxvj Jar · in dem · Mayen · hat mich · begabt · Heinrich · grünwalt · herr · got · hilff · mir · zu · Dir · ✛“.

4. Die Viertelstundenglocke. Im oberen Durchbruch des Helmes. Laut Inschrift, welche nur bruchstückweise entziffert werden konnte, 1494 in Landshut gegossen.[XXI]

Höhe (ohne Krone) etwa 0·50 m. Unter dem „Zeigerlein“ der Chroniken wird diese kleine Uhrglocke zu verstehen sein.

Hier mögen schließlich die schönen Kunstschmiedearbeiten an den barocken Holzportalen Erwähnung finden (Abb. 127 und 128).

6. Altargeräte, Wandteppiche, Paramente.

Die mit Einführung der Reformation veränderten liturgischen Verhältnisse ließen einen großen Teil des alten Kirchenschatzes überflüssig erscheinen. Bei dieser Gelegenheit verschwanden wohl eine Reihe von kostbaren Paramenten und Altargeräten. Denn daß solche in Menge vorhanden waren, wird man bei dem auf allen Gebieten der Kunst und des Kunstgewerbes betätigten Stiftersinn der Nürnberger Geschlechter ohne weiteres annehmen dürfen. Indessen blieb der gesamte Kirchenornat, d. h. die Meßgewänder — also das Überflüssigste bei Ausübung der neugestalteten Gottesdienste — ungeteilt erhalten. Erst 1810 hat in Nürnberg die protestantische Geistlichkeit den aus der vorreformatorischen Zeit herübergenommenen Kirchenornat mit dem schwarzen Talare vertauscht. Eine weitere Reduzierung des Kirchenschatzes wurde schon 1552 vorgenommen; es bezeugt dies ein im Kreisarchiv Nürnberg aufbewahrter „Bericht wegen derer silberner vnd guldener clainodien, so in S. Sebalts, Laurenzen vnd vnser frauen kirchen gewesen a° 1552 verschmelczt vnd dann das gold vnd silber verkauft worden.“ Auch diesmal blieb der Ornat noch verschont. Dagegen wurde zu Ende des 18. Jahrhunderts, sei es aus Mangel an Interesse, sei es aus Geldverlegenheit, gründlich mit dem Kirchenschatz aufgeräumt und nur das Allernotwendigste behalten. Selbst der vorgesetzten Behörde ging dieses Vorgehen zu weit. Das Ende langwieriger, fast fünfmonatlicher Verhandlungen vom 12. Oktober 1797 bis zum 3. Februar 1798, welche die Aufsichtsbehörde mit den für die Veräußerungen verantwortlichen Stellen führte, war eine Rüge, die sich Losungsamt und Rat gefallen lassen mußten. Damals waren auch die Meßgewänder abhanden gekommen.[XXII]