Im Jahre 1867 hat J.V. Scheffel, der Verfasser des Ekkehart, auf einem gallorömischen Grabfelde zu Rheinzabern das Stellfigürchen einer aus Terracotta geformten Maus nebst demjenigen eines Hähnchens ausgegraben und beides uns zu einem höchst schätzbaren Andenken übersendet. Der Fundort, das alte Tabernae Rhenanae, der ergiebigste an römischen Alterthümern in der ganzen Rheinpfalz, hat jüngst auch zur Entdeckung eines wohlerhaltnen Brennofens geführt; man erhob daselbst eherne Legionsadler, Broncefigürchen, Meilensteine, Münzen aus dem 4. Jahrhundert. Im benachbarten Orte Hert wurde 1829 ein dem unsrigen ganz gleiches Hähnchen aus Glas gefunden. Die Figur der Maus ist phallisch dargestellt und entspricht dadurch dem Hahn, dem Symbol der Regenerationskraft. Die Maus trägt eine Schelle um den Hals gebunden; denn nach Apollodor (Fragmente) wurde für Sterbende Erz an einander geschlagen und die Spartaner geleiteten ihre Könige unter Glockenton zu Grabe; "der Erzklang sollte die Seele reinigen und entzaubern von der Macht der Dämonen." Creuzer 4, 401. Ebenso verkündet das Krähen des Hahnes das Licht des neuen Tages.
Ein zweites Abbild, die Maus mit den vier Jungen, ist uns durch Hn. Hermann Brunnhofer aus Oxford überbracht worden. Die Figur ist aus ungesäuertem Teig gebacken und mit Eierklar glasirt. Die Landleute aus der Umgegend von Oxford pflegen derlei Brodfigürchen auf den dortigen Weihnachtsmarkt zum Verkauf zu tragen. Sie sind zwar nicht zum Essen bestimmt, sonder dienen als Zierat auf Thür- und Kamingesimse, finden aber ihr Ende zuletzt doch im Kindermagen.
FUSSNOTEN:
Selbst der altmexikanische Glaube schon schrieb vor: Ein Wechselzahn muss in ein Mausloch gelegt werden, sonst wachsen die Zähne nicht mehr. Waitz, Anthropol. der Naturvölker 4, 165.
Firmenich, Völkerstimm. 3, 112.
Simrock, Kinderbuch 1, no. 338. 340.
Simrock, Kinderbuch 1, no. 338. 340.
Curtze, Waldecker Volksüberlief. S. 285.
Alemann. Kinderlied.
Harun al Raschid träumte, alle seine Zähne seien ihm ausgefallen; der Traumdeuter erklärte dies dahin, der Monarch werde alle seine Verwandten überleben. Rosenöl, oder Sagen des Morgenlandes 2, 85. Das Wahrzeichen der indischen Todesgöttin Kali ist der schwarze Zahn, der alles benagende Zahn der Zeit.
In dem Gebetbuch Himmlisches oder Geheiligtes Jahr, Einsiedeln bei Reymann 1686, Erster Theil, ist unterm 28. März der hl. König Guntram abgebildet, schlafend unter einem Baume neben einem Bächlein. Ueber dieses legt der Kriegsknecht das Schwert, und die aus Guntrams Munde gekommene Maus läuft darüber dem Berge zu, der im Hintergrunde mit offnem Thore sich zeigt. Das dazu gesetzte Gebet ruft den hl. Guntram an, weil er seine Schätze den Armen geschenkt und dafür einen ihm von Gott im Schlafe gezeigten verborgnen Schatz erworben habe.
Die hl. Jutta von Sangershausen, erst eine Kammermagd der hl. Elisabeth von Thüringen, nachher Dienstmagd auf einem Hofe bei Kulm in Preussen, überschritt hier die grossen Teiche, die zwischen ihrer Wohnstatt und der Stadt lagen, jeden Sonntag, um rechtzeitig in die Messe nach Kulm kommen zu können. Noch lange nach ihrem Tode war ihre Fussspur in jenem Gewässer wahrzunehmen. Jac. Schmid, Kleine Ehehaltenlegend 2, 39. So sieht man in mondhellen Nächten auf den Wellen der Aare bei Gauenstein die Fusstapfen schimmern, welche hier Königin Berta zurückgelassen. Aargau. Sag. no. 2. Sämmtliches erinnert an Homers silberfüssige Thetis und goldenfüssige Hera.
Nachträge.
Die Beschreibung, wie man bei der Feier der Maispiele den Sommer ins Land ritt und in Scheingefechten den Winter besiegte, hat ihre neueste Vervollständigung gefunden durch die drei Bildergruppen eines altdeutschen Teppichs auf der Wartburg, dessen Contouren im Anzeiger des German. Museums 1870, no. 3 mitgetheilt sind. Sie stellen die Berennung und Vertheidigung einer Burg durch Wilde Männer dar. Aus einem Laubwalde sprengen sechs Reiter hervor, Laubzweige schwingend, um Haupt und Lenden Epheukränze tragend, jeder auf einem phantastischen adlerklauigen Rosse, dem sg. Wasser- oder Pfingstvogel. Voraus reitet der Maikönig, kenntlich durch seine offne Goldkrone mit dem Ornamente der drei stumpfen Blätter, über welche sein Hirschgeweih emporragt. Daher heisst er in Oberdeutschland Hirzmontagreiter. Um die Hüfte trägt er einen Gürtel von Rosen. Er und sein Gefolge schiesst mit Pfeil und Speer Rosen in die gegenüberliegende Burg. Ihre Absicht steht auf den sie umgebenden Spruchbändern zu lesen.
Wol vf alle mine wilden man,
wir wellent festen und buirge han.
Schiessen alle, nieman lôss abe
an büte gewinnen, will einer habe.
Die angegriffne Burg ist mit einem Wassergraben umgeben, den ein vor den Sommerreitern her eilender Jüngling mit herbei getragnen Brettern zu überbrücken strebt. Von den Zinnen herab kämpfen fünf dicht in Wollenfliesse gekleidete Männer, die Winterkönige; denn auch sie tragen Kronen wie der Maikönig und schiessen und schleudern lauter Lilien. Ihr Burgwart am Söller stösst ins Rom; das Spruchband über ihnen besagt
Vnser vesten, die ist wol behůt
mit gilgen, klewen, rosenbůt.
Links im Bilde, woher die Reiter kommen, wird auf blumigem, von allen Frühlingsthieren belebtem Rasen ein grosses Lustzelt aufgeschlagen, in welchem die Maikönigin bereits Platz genommen hat. Auch sie trägt die offne Goldkrone im wallenden Haare. Ueber ihre Kniee ist ein Tafeltuch gebreitet, darauf Kopf und Schinken des zerlegten Ebers; zwei Gesellschafter bedienen sie.—Schon Friedrich Panzer hat im zweiten Bande seines Sagenwerkes auf Taf. IV die Gestalt des Wasservogels abbilden lassen, wie er sie auf einem Wandbilde zu Forchheim im dortigen alten Schlosse, jetzigem Rentamt, vorgefunden. Die 3 Fuss lange, 2 Fuss hohe Figur zeigt einen Reiter, in der Festmaske des Wasservogels agirend. Vor dem Gesichte hat er eine ungemein lang geschnäbelte Vogellarve, mit welcher ein wallender Kinnbart, ein massiver Ring im Ohre und auf dem Haupte die offene Krone verbunden ist, die gleichfalls das dreifache Blätterornament zeigt. Im Luft hängt ein kurzes krummes Schwert (das sg. Pfingstschwert), in der Linken schwingt er die Lanze, mit der Rechten lenkt er die aus Kettenblumen enggeflochtnen Zügel seines schwanenhalsigen Rosses. Ross und Reiter sind von Seerosen arabeskenhaft umrankt.
Als man beim Bildersturm zu Zurzach 1529 die Verenareliquien untersuchte und vernichtete, fanden sich in einem Eisensärglein neben Rückgratstrümmern vier apfelgrosse Lehmkugeln. In den von mir eröffneten und beschriebnen heidnischen Waldgräbern zu Lunkhofen haben sich ganz gleiche Lehmkugeln in der Asche des Leichenbrandes vorgefunden und werden nun in der aargauer Alterthümersammlung aufbewahrt; vgl. Argovia V, 265.
Das mhd. Gedicht von der hl. Verena nennt den Ort Zurzach Zerzyaca. Durch diese Namensform wird die sprachlich schon sich verrathende späte Entstehung dieses Gedichtes weiter bestätigt. Es leitet nemlich der Ortsname Certiacum ab von einem bei Egid Tschudi in der Gallia comata S. 137, und in Stumpfs Schweiz. Chronik erwähnten römischen Votivsteine zu Zurzach, welcher dem Junius Certus aus dem Voltinianischen Geschlechte von seinem gleichnamigen Erben gesetzt worden. Dieser Stein ist nachmals durch Unvorsichtigkeit zerschlagen, die oft citirte Inschrift aber längst als unecht erkannt worden.
Die beiden Gefolgsthiere Gertrudens, Kukuk und Specht, gelten mancher Orten gleichmässig als weissagende Liebesboten. In Deutschböhmen entnimmt man aus dem Spechtschrei ein Wahrzeichen, ob man bald heiraten werde; der Specht hat es bestätigt, sagt man dann. Grohmann, Abgl. S. 70.
Wortregister.
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