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Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika cover

Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika

Chapter 95: Grootfontein.
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About This Book

A first-person memoir and administrative report recounts eleven years overseeing a colonial protectorate in southwestern Africa, documenting the imposition and consolidation of foreign rule, treaties and relations with indigenous communities, recurring uprisings and military campaigns, and profiles of prominent local leaders. It surveys legal and administrative structures, the organization of colonial forces, and policies on land, reserves, and missions, while detailing economic development, infrastructure projects, livestock epidemics, and settlement initiatives. The work closes with reflections on governance, lessons learned, and prospects for future development of the territory.

Omaruru.

Beide Briefe an Witbooi kamen nicht in dessen Hände, sondern wurden seitens des Bastardkapitäns — zugleich mit dessen eigenen — auf der Station Rehoboth abgeliefert.

Der Ausbruch des Aufstandes selbst erfolgte im Bezirk Okahandja am 12., in Omaruru am 17., in Otjimbingwe sogar erst am 23. Januar. Die vorgekommenen Ermordungen fielen daher fast durchweg in den Bezirk Okahandja-Waterberg, zu dem auch die Gegend von Grootfontein (Nord) gerechnet werden muß, da in dessen Nähe die Waterberg-Hereros wohnen. In den beiden übrigen Bezirken waren dagegen die Weißen rechtzeitig gewarnt und hatten sich größtenteils retten können.

Ereignisse in Omaruru.

Das Verdienst für die Rettung Omarurus gebührt dem Stabsarzt der Schutztruppe Dr. Kuhn in Verbindung mit dem dortigen Missionar Hegner. Ein glücklicher Zufall hatte es gefügt, daß der Erstgenannte, der auf einer Reise begriffen war, gerade in den kritischen Tagen in Omaruru eintraf. Der Hererosprache vollständig mächtig, trat er sofort mit dem noch schwankenden Kapitän Michael und seinen Großleuten in Verbindung, was diese zum einstweiligen Zuwarten bewog. Noch am 15. abends waren der Häuptling Michael und der Kirchenälteste Assa als Gäste des Stabsarztes auf der Station. Erst am 16. vormittags fiel, anscheinend unter dem Druck der zahlreichen von außerhalb zugezogenen Feldhereros sowie der Nachrichten aus Okahandja, die Entscheidung für den Aufstand. Die ihm so gewordene Frist hatte jedoch Stabsarzt Kuhn bereits benutzt, um zu retten, was noch zu retten war. Sämtliche Weiße des Bezirks konnten — mit Ausnahme von vier — noch in Sicherheit gebracht werden. Die kleineren Stationen wurden eingezogen, dafür die wichtige Station Okombahe verstärkt, vor allem die Pferde der Kompagnie von dem Sterbeposten Sorris-Sorris herangeholt und schließlich die Station Omaruru in Verteidigungszustand gesetzt. Die Bergkaffernniederlassung Okombahe, von der im Kap. II, S. 63 die Rede gewesen ist, war treu geblieben und mußte daher besetzt bleiben. So vorbereitet, konnte Stabsarzt Kuhn den am 16. eröffneten Feindseligkeiten ruhig entgegensehen und die Station bis zu ihrer Entsetzung durch die Kompagnie Franke am 2. Februar halten. Sie wies sämtliche Sturmversuche der Hereros zurück und hatte an Verlusten nur einen Toten und einen Verwundeten, beide gelegentlich eines Ausfallgefechts am 27. Januar.[132]

Kaserne der 2. Feldkompagnie in Omaruru.
(Während der Belagerung verteidigt.)

Otjimbingwe.

In Otjimbingwe residierte der schwache und darum sehr friedliebende Kapitän Zacharias (s. Kap. IX, S. 324). Ihn, der ohnehin wenig zum Aufstande geneigt war, konnte Missionar Olpp bis zum 23. Januar vom Aufstand zurückhalten. Der Kapitän sandte sogar noch ein Ergebenheitsschreiben an das Gouvernement in Windhuk. Daß dagegen Mord und Plünderung aus dem Bezirk Okahandja sofort auch in das Gebiet von Otjimbingwe übergriffen, konnte er nicht hindern. Schließlich gaben aber auch in Otjimbingwe der Druck des Zustromes von außen wie die Nachrichten aus Okahandja den Ausschlag zum Anschluß an den Aufstand. Diesen begann indessen der Häuptling mit seiner Flucht vom Platze, während seine zurückgebliebenen jungen Leute einen Weißen ermordeten, der zu lange in seinem Hause gesäumt hatte. Die hiermit eröffneten Feindseligkeiten führten aber in Otjimbingwe zu nichts weiter, als zu einem zwecklosen Hin- und Herschießen, verbunden mit Verwüstung des Platzes. Die Stationsbesatzung mit allen Weißen und den zum Teil treugebliebenen Bastards von Otjimbingwe hatte sich in der Gesamtstärke von 49 Gewehren unter Führung des Landmessers und Leutnants a. D. v. Frankenberg in das Gebäude der Firma Hälbich[133] zurückgezogen, da dieses günstiger gelegen war als die Station. Endgültig befreit von allen Belästigungen feindlicherseits wurde dann Otjimbingwe am 15. Februar durch das Landungskorps S. M. S. »Habicht«.

Okahandja.
Haus des Oberhäuptlings Samuel und Hereros vor Ausbruch des Aufstandes, am Morgen des 12. Januar 1904.

Okahandja.

Am heftigsten tobte der Kampf um Okahandja. Anzeichen, daß irgend etwas in der Luft schwebe, waren dort insofern bereits am 10. Januar bekannt geworden, als aus Waterberg eine auffallende Kauflust der Hereros, namentlich für Pferde und Reitzeug um jeden Preis, gemeldet war. Dazu kam am 11. die Nachricht, daß mehrere hundert bewaffnete Hereros auf Okahandja im Anmarsch seien und 200 bereits bei Osona lagerten, während der Oberhäuptling Samuel vom Platze verschwunden sei. Rasch wurden mit der Bahn noch 20 Mann von Windhuk nach Okahandja geworfen, sowie auch die Verstärkung der Station Waterberg versucht, die jedoch die hierzu bestimmte Mannschaft nicht mehr zu erreichen vermochte. Der Bezirksamtmann von Windhuk, Bergrat Duft, hatte sich der nach Okahandja gesandten Verstärkung persönlich angeschlossen, um zu sehen, ob die Hereros nicht vielleicht noch wieder zur Vernunft zu bringen seien. Indessen erwies sich dieser Versuch als vergeblich. Am 11. Januar wurde der Bezirksamtmann mit allerlei Redensarten hingehalten, und am 12., als er sich wieder zur Versammlung begeben wollte, durch einen christlichen Herero gewarnt. Denn der Aufstand war bereits beschlossene Sache, und Bergrat Duft mußte während der nun folgenden Belagerung mit in der Feste ausharren. Glücklicherweise konnte er jedoch vorher noch die Sachlage sowohl nach Berlin wie nach Windhuk telegraphieren. Die Feindseligkeiten selbst begannen am 12. Januar vormittags mit der Ermordung einiger Weißer, die unvorsichtigerweise in ihren Häusern geblieben waren. Die dann folgende Belagerung der Feste seitens der Hereros beschränkte sich auf bloßes Schießen, während sie einen Sturm auf die von 71 Gewehren unter Oberleutnant der Reserve Zürn verteidigten Mauern nicht wagten.

Okahandja.
Geschäftshaus der Firma Wecke & Voigts nach der Zerstörung durch die Hereros am 12. Januar 1904.

Auch Swakopmund hatte vor Zerstörung des Telegraphen noch rechtzeitig von der Lage in Okahandja benachrichtigt werden können. Dort sowohl wie in Windhuk dachte man jedoch nicht daran, sich lediglich auf die eigene Verteidigung zu beschränken. Vielmehr wurden von beiden Orten Entsatzabteilungen nach dem anscheinend noch viel bedrängteren Okahandja entsendet. Nachdem bereits am 11. Januar von Windhuk aus kleinere Abteilungen unter den Leutnants der Reserve Maul und Voigts nach Teufelsbach und Brackwater vorgeschoben waren, versuchte mit diesen vereint am 12. Januar eine dritte Kolonne unter dem Leutnant der Reserve Boysen, der ein Maschinengewehr beigegeben war, nach Okahandja vorzustoßen. Alle drei zusammen, etwa 34 Gewehre, gelangten unter Führung des ältesten der drei Offiziere, des Leutnants der Reserve Voigts, mit ihrem Eisenbahnzug bis dicht an Okahandja heran, wurden dort gegen eine überwältigende Übermacht in ein schweres Gefecht verwickelt und mußten sich unter Verlust von 7 Toten, darunter Leutnant Boysen, wieder nach Windhuk zurückziehen. Auch die Besatzung der Feste, die unter Oberleutnant Zürn einen Ausfall gemacht hatte, konnte nicht bis zur Entsatztruppe durchdringen.

Eine kriegerische Familie aus dem Kriegsjahre 1904.

Besser verlief der Entsatzversuch aus Swakopmund unter Führung des Oberleutnants v. Zülow. Dieser Vorstoß durch ein insurgiertes Land mittels gepanzerten Eisenbahnzuges auf der zum Teil zerstörten Eisenbahn, die dann unter Gefechten erst wiederhergestellt werden mußte, bot des Interessanten besonders viel. Die kleine Truppe setzte sich am 12. Januar vormittags in der Stärke von etwa 60 Mann, fast durchweg der Reserve und Landwehr angehörend, nach Okahandja in Bewegung. An Offizieren besaß sie außer dem Führer den Leutnant der Reserve Oßwald, den Stabsarzt Dr. Jacobs und als Offizierdiensttuer den Veterinärrat Rickmann. Noch in der Nacht zum 13. erreichte die Abteilung Karibib, wo sie sich um weitere 30 Mann, gleichfalls Reserve und Landwehr, unter Leutnant der Reserve Schluckwerder verstärkte. Erst auf der nächstfolgenden Station Wilhelmstal traf man auf die Spuren der Verwüstung durch die Hereros. Namentlich waren Telephon und Telegraph in einem Umfang zerstört, daß man an deren Wiederherstellung gar nicht denken konnte. Am 13. abends wurde glücklich die Hauptstation Waldau erreicht, die sich ebenso wie Karibib gehalten hatte, aber von umherschweifenden Hereros fortgesetzt beunruhigt worden war. Hier machte die Kolonne vorläufig Halt und erkundete zunächst die Bahnstrecke nach Okahandja. Man fand diese, den bisherigen Meldungen entsprechend, vielfach zerstört. Nunmehr wurde der Eisenbahnzug mit Wellblechplatten, gefüllten Reis-, Hafer- und Kohlensäcken gepanzert und ein Wagen mit 200 m Schienen und Handwerkszeug zu Reparaturzwecken eingeschoben. Diese Arbeit wurde unter fortgesetztem Geplänkel am 14. vorgenommen und am 15. früh die Fahrt in folgender Formation angetreten: An der Spitze fuhr eine Lokomotive mit drei Wagen, die das Arbeitspersonal und Material mitführten. In einem Abstand von 500 m folgte der Hauptzug, bestehend aus zwei Lokomotiven, sechs gepanzerten Mannschaftswagen und vier Gepäckwagen, letztere mit Munition, Proviant und Bekleidung. In einem Abstand von weiteren 500 m kamen zum Schluß zwei Doppelmaschinen und ein Tender. Nicht weniger als siebenmal mußte die Fahrt unterbrochen werden, dreimal wegen Entgleisung und viermal behufs Wiederherstellung von Zerstörungen, sei es am Bahndamm, sei es an den Geleisen oder den Durchlässen. Die Reparaturen mußten stets unter feindlichem Feuer vorgenommen werden, wobei ausgeschwärmte Schützen die Arbeiter deckten. Auf diese Weise brauchte der Zug 6 Stunden, um die 22 km nach Okahandja zurückzulegen. Nur 1500 m von der dortigen Station entfernt, mußte behufs Herstellung einer schwer beschädigten Stelle nochmals unter Gefecht 3/4 Stunde gehalten werden. Am 15. Januar, etwa um 12 Uhr mittags, traf der Zug bei dem 200 m von der belagerten Feste entfernt gelegenen Eisenbahnstationsgebäude ein und begann sofort mit Entladung. Diese Arbeit war unter fortgesetztem Gefecht mit Einbruch der Dunkelheit beendet. Okahandja war jetzt insoweit entsetzt, daß von irgendwelcher Gefahr für den Platz nicht mehr gesprochen werden konnte. Erreicht war dieser Erfolg mit einem Verlust von nur einem Mann tot und einem Eingeborenen schwer verwundet. Der Gegner überschüttete noch am 16. die vorläufig nur provisorisch mitbesetzte Eisenbahnstation mit Feuer, zog sich aber in der Nacht vom 16. zum 17. auf die umliegenden Höhen zurück, von wo aus er auf etwa 800 m fortfuhr, den Platz wirkungslos zu beschießen.

Okahandja.
Häuser des Gastwirts Dickmann und des Kaufmanns Denker nach der Zerstörung durch die Hereros am 12. Januar 1904.

Oberleutnant v. Zülow beschränkte sich von jetzt ab auf zwei Ziele, und zwar erstens auf Reinigung des Platzes, denn nunmehr erschien der Ausbruch einer Seuche in der überfüllten Feste gefährlicher als der Feind, zweitens auf Wiederherstellung der Verbindung mit der Außenwelt. Zu größeren Offensivunternehmungen wäre er mit seinen 200 Mann nicht in der Lage gewesen, da er weder Artillerie noch Reit- und Zugtiere besaß. Sein Hauptbeförderungsmittel blieb daher auch ferner der mitgebrachte Eisenbahnzug. Nachdem die notwendigsten Arbeiten zur Säuberung des Platzes erledigt und die Besatzung neu gegliedert war, versuchte Oberleutnant v. Zülow am 19. Januar zunächst einen Vorstoß nach Windhuk. Aber dieser scheiterte bereits wenige Kilometer südlich Okahandja, bei Osona, wo das Geleise auf 200 m aufgerissen war. Nach einem kurzen Gefecht, währenddessen der Platz selbst nach allem Brauchbaren abgesucht worden war, ging es nach der Feste zurück. Merkwürdigerweise war noch eine Menge Munition gefunden worden. Diesem Versuche folgte dann am 20. Januar ein zweiter Vorstoß in der Richtung auf Karibib, der bis über 8 km jenseits Waldau gelangte, bis zu der dortigen zerstörten, 20 m langen Eisenbahnbrücke. Während des Versuches, sie wiederherzustellen, griffen die Hereros an, es entspann sich ein Gefecht, bei dem die 70 Mann starke Abteilung vier Tote, drei schwer und einen leicht Verwundeten verlor, wogegen auch die Hereros schwere Verluste erlitten zu haben schienen. Da indessen ein weiteres Vordringen über die zerstörte Brücke nicht möglich war, kehrte der Zug abends nach Okahandja zurück. Die Verbindung mit Karibib wurde sodann durch zwei zuverlässige Eingeborene gesucht und auch gefunden. Um mit der im Anmarsch befindlichen Kompagnie Franke Fühlung zu gewinnen, ging Oberleutnant v. Zülow am 22. und 23. wieder gegen Osona vor, wo es am 23. zu einem unblutig verlaufenden Gefecht gegen etwa 70 Hereros kam. Endlich am 27., als gerade der Geburtstagssalut für Seine Majestät gegeben wurde, erschienen ausgeschwärmte Schützen vor der Station, denen eine im Galopp heransprengende Reitertruppe folgte. Es war dies die erwartete Kompagnie Franke. Damit war auch Okahandja endgültig befreit, und Oberleutnant v. Zülow durfte sich sagen, daß er und seine Leute die ihnen gestellte Aufgabe glänzend gelöst hatten. An Verlusten hatte die Belagerung im ganzen nur einen Toten gekostet.

Kaserne in Okahandja nach der Belagerung.

Windhuk.

Die Schreckenszeit einer drohenden Belagerung dauerte für Windhuk nur eine Woche, vom 12. bis 19. Januar, an welch letzterem Tage die Kompagnie Franke einrückte, aber, wer sie mitgemacht hat, wird sie nicht vergessen. Auch hier wagten zwar der verhältnismäßig starken Besatzung gegenüber — 230 Mann, durchweg Reserve, Landwehr und Landsturm, unter Oberleutnant Techow, später unter Hauptmann a. D. v. François — die Hereros einen förmlichen Angriff nicht, aber die Luft war stets von Gerüchten über das Bevorstehen eines solchen angefüllt. Es verdient daher alle Anerkennung, wenn die Besatzung sich trotzdem nicht auf Abwehr beschränkt hat, vielmehr einen offensiven Vorstoß an den andern reihte.

Partie aus Groß-Windhuk.

Des Entsatzversuches von Okahandja am 12. Januar unter Leutnant der Reserve Voigts habe ich bereits gedacht. Ihm folgte am 15. Januar ein Vorstoß gegen die Farm Hoffnung, östlich Windhuk, unter Hauptmann a. D. v. François mit etwa 60 Mann und einem Geschütz, der zu einem mehrstündigen siegreichen Gefecht führte. Ebendahin ging am 21. Januar eine Patrouille von 30 Mann unter Leutnant der Reserve Maul und Oberveterinär Rassau. Sie jagte eine etwa gleichstarke Hererobande in die Flucht, verfolgte sie zu Pferde und machte eine erhebliche Anzahl nieder. Die erfolgreichste Patrouille aber war diejenige des Oberfeuerwerkers — jetzt Leutnants a. D. — v. Niewitecki vom 22. Januar ab nach Hohewarte-Seeis. Von beiden noch besetzten Stationen war schon lange keine Nachricht mehr eingetroffen. Die Zahl der Patrouillenreiter betrug nur zehn Mann; es waren aber durchweg altgediente und seit langen Jahren im Lande befindliche ehemalige Angehörige der Schutztruppe, mithin für drüben das beste Material. Der Erfolg war auch entsprechend. Gegen Abend des 22. Januar wurde eine etwa 100 Köpfe starke, viehtreibende Hererobande angetroffen und sofort mit Gewehrfeuer und Hurra angegriffen; ihr Verlust betrug 15 Tote; auch wurden ihr vier Gewehre und 80 Stück Vieh abgenommen. Ihre Beute brachte die Patrouille nach Station Hohewarte, tauschte dort fünf ihrer Reiter gegen ebensoviele der Station um und zog am 25. Januar wieder weiter, um auch Fühlung mit der Station Hatsamas zu suchen. Dies gelang gleichfalls. Die dortige, nur vier Mann starke Besatzung unter Feldwebel Kiep war guten Mutes und entschlossen, sich unter allen Umständen zu halten. Abends kehrte die Patrouille nach Hohewarte zurück. An beiden Tagen hatte sie je über 100 km zurückgelegt.

In Hohewarte fand die Patrouille eine Verstärkung von 14 Mann aus Windhuk vor, darunter sechs Buren. Nunmehr ging v. Niewitecki am 26. Januar mit einer Gesamtstärke von 27 Köpfen auf Seeis vor, traf 3 km diesseits der Station auf mehrere hundert Hereros und setzte sich sofort im Galopp sowie mit Hurra in den Besitz der nächstgelegenen Höhe, von wo aus die Hereros mit Feuer überschüttet wurden. Nach etwa zweistündigem Gefecht zogen sich diese unter einem Verlust von 25 Toten zurück und sollen später in wilder Flucht die ganze Gegend von Seeis geräumt haben, wenigstens wurde die Station seitdem nicht wieder belästigt. Die Patrouille hatte in dem Gefecht nur einen Schwerverwundeten. Nachdem sie am 27. Januar Kaisers Geburtstag gefeiert hatte, traf sie am 28. Januar mit mehreren nach Seeis geflüchtet gewesenen Familien wieder in Windhuk ein. Am 4. Februar ritt v. Niewitecki mit neun Reitern eine weitere Patrouille, und zwar nach Harris, südwestlich Windhuk. Auch sie war erfolgreich. Eine Bande Hereros wurde beim Pferdestehlen überrascht und fast völlig aufgerieben. Zum Teil war es hierbei zum Handgemenge gekommen.

Wie aus den Daten hervorgeht, fielen diese Patrouillenritte aus Windhuk auf die Zeit nach dem Durchpassieren der Kompagnie Franke durch den Platz. Die Umgebung des letzteren war mithin durch den Zug der genannten Kompagnie nicht in dem Maße vom Feinde befreit worden, wie solches später in Okahandja und Omaruru geschehen ist. Dies war nur natürlich, denn die mit zahlreichen Farmen besetzte Umgebung der Hauptstadt, wie letztere selbst mit den dorthin geflüchteten Viehherden boten den umherstreifenden Banden auch ferner eine zu große Anziehungskraft, um sie lediglich wegen der damit verbundenen Gefahren zu meiden. Die Viehdiebstähle haben bei Windhuk auch in den folgenden Monaten bis zum Rückzug der Hereros nach Waterberg nie ganz aufgehört. Eine Gefahr für den Platz selbst und seine Bewohner bestand jedoch nicht mehr.

Gobabis.

In diesem Bezirk zeigte sich bereits Anfang Januar eine gewisse Gärung. Viehdiebstähle waren immer vorgekommen, aber jetzt verweigerten die Diebe, wenn ertappt, das Wiederherausgeben des gestohlenen Viehs, und das war bisher nicht vorgekommen. Der Sohn des Kapitäns Tjetjo, Traugott, versprach zwar am 6. Januar noch in Gobabis viel, vermochte aber nichts davon zu halten. Nunmehr ritt der Distriktschef Oberleutnant Streitwolf am 7. Januar mit neun Reitern persönlich nach dem Schauplatz der Viehdiebstähle, bemerkte dort weitere verdächtige Anzeichen, riet daher auf seinem Weiterritte allen Farmern die Übersiedlung nach Gobabis an, setzte selbst mit seiner Patrouille den Weg bis Epukiro fort und ließ diese Station in Verteidigungszustand bringen. Querfeldein reitend, traf die Patrouille dann am 17. Januar wieder in Gobabis ein, fand es bereits belagert, konnte aber noch ohne Verluste hineinkommen. Die Feste war nunmehr von 27 waffenfähigen Männern besetzt. Ihre Umschließung hat dann bis zum 25. Januar gedauert. Von diesem Tage an beschränkte sich der Gegner auf Beobachtung, während seine Masse auf Kehoro am oberen Nosob abzog und sich dort anscheinend verschanzte. Durch Überfall genommen worden war die kleine Station Witvley. Oas hatte sich dagegen gehalten und wurde später freiwillig geräumt. Desgleichen zog sich auch die Besatzung von Epukiro nach Gobabis heran. Aminuis wurde ebenfalls geräumt, bald aber wieder besetzt.

Outjo.

Die Verhältnisse in diesem Bezirk lagen insofern günstiger, als in ihm eine volle Feldkompagnie garnisonierte, der noch dazu eine geringere Hererobevölkerung gegenüberstand. Der dort befehlende Hauptmann Kliefoth beschränkte sich daher gleichfalls nicht auf eine passive Verteidigung, sondern rückte auf die Nachricht von dem Falle der Station Waterberg am 12. Januar mit allen verfügbaren Kräften, etwa 500 Gewehren und einem Geschütz, nach dort ab. Am 16. Januar stieß die Abteilung etwa halbwegs Waterberg auf mehrere hundert Hereros und wurde von diesen mit Feuer begrüßt. Nach 1½stündigem Gefecht wurde die feindliche Stellung, unter einem diesseitigen Verlust von einem Schwerverwundeten, erstürmt. Nunmehr kehrte die Kompagnie nach Outjo zurück, um am 17. Januar mit 60 Gewehren und 2 Geschützen einen zweiten Vorstoß, und zwar in der Richtung auf Omaruru, zu unternehmen. Hierbei kam es am 29. Januar abermals zu einem Zusammenstoß mit einer Hererobande, in dem der Hauptmann selbst verwundet, der Gegner aber in die Flucht geschlagen wurde. Von jetzt ab beschränkte sich die Kompagnie auf Sicherung des Platzes Outjo, wohin sich mittlerweile die Masse der Farmer des Bezirks mit ihren Viehherden hatte retten können, sowie auf Beobachtung der Ovambos und der Franzfonteiner Hottentotten. Zu einem weit ausholenden Offensivstoß nach dem Hererolande waren dagegen die Kräfte der Kompagnie zu schwach, es lag auch ein solcher nicht in ihrer Aufgabe.

Grootfontein.

In der mit dem Bezirk Grootfontein in einem gewissen Zusammenhang stehenden Station Waterberg hatte der Aufstand mit Niedermetzelung der 5 Mann starken Stationsbesatzung sowie 7 weißer Ansiedler begonnen. Aus dem kürzlich erschienenen Buch einer deutschen Ansiedlersfrau aus Waterberg[134] ist zu ersehen, daß unheilverkündende Anzeichen am Platze bereits vom 4. Januar ab beobachtet worden sind. Nicht nur kauften die Hereros sinnlos in den Stores, was sie nur erhalten konnten, auf Kredit natürlich, sondern sie traten auch immer frecher auf. Dann fielen sie am 14. plötzlich über die Weißen her und ermordeten sie sämtlich. Eine rechtzeitige Versammlung der ermordeten 12 weißen Männer mit Waffen und Munition auf der Station würde diese gerettet haben. Allerdings war es zweifelhaft, ob auf lange. Indessen pflegt man in solchen Fällen nicht nach dem Morgen zu fragen, sondern sich mit dem Heute zu begnügen. Der Stationschef Sergeant Rademacher, ein besonders ausgewählter, tüchtiger Unteroffizier, hat jedoch anscheinend bis zum letzten Moment an den Ernst der Lage nicht geglaubt.

Im übrigen erschien der Distrikt Grootfontein infolge seiner abgeschnittenen Lage als der gefährdetste von allen. Er konnte auf irgendwelche Hilfe von außen erst nach der vollständigen Niederlage der Hereros rechnen. Lag doch das ganze Hereroland zwischen ihm und der Basis der deutschen Macht, Okahandja-Windhuk. Trotzdem habe ich für meine Person für den Distrikt eigentlich die wenigste Sorge gehabt. Wußte ich doch dort einen Offizier, den Oberleutnant Volkmann, auf den ich mich verlassen konnte. Er hatte bereits zehn Jahre mit mir in Afrika gedient und ich daher genügend Zeit gehabt, ihn kennen zu lernen. Und diese auf ihn gesetzte Erwartung hat er auch nicht getäuscht. Dank seiner Umsicht und Tatkraft wurden die im Bezirk wohnenden Farmer rechtzeitig benachrichtigt und nach Grootfontein gerettet. Ermordet wurden nur zwei, von denen einer seine Farm nicht verlassen wollte. Ferner wurde am 18. die Station Otjituo mittels Überfalls nur deswegen genommen, weil die Besatzung gegen den erhaltenen Befehl in völliger Sorglosigkeit verblieben war. Hierbei wurden drei Reiter niedergemacht, drei entkamen nach Grootfontein. Dagegen hielt sich die Station Otavi bis zum 19., an welchem Tage sie durch eine starke Patrouille aus Grootfontein entsetzt wurde; desgleichen hielt die Station Amutoni am 28. einem Angriff von 500 Ovambos gegenüber stand. Nach mehrfachen Sturmversuchen zogen diese unter schweren Verlusten — man schätzte bis zu hundert Toten — wieder ab. Aber auch die kleine fünf Mann starke Besatzung unter dem Sergeanten Großmann mußte aus Mangel an Munition die Station räumen und wurde von einer ihr aus Grootfontein entgegenkommenden Entsatzpatrouille aufgenommen. Nunmehr waren die ganze Distriktsmannschaft sowie sämtliche geretteten Farmer in Grootfontein vereinigt. Bezeichnenderweise waren auch die zehn Hereropolizisten des Distrikts treu geblieben, obwohl sie angesehenen Hererofamilien angehörten. Auch die Bergdamaraniederlassung in Gaub unter Kapitän Krüger (Kap. II, S. 87) blieb treu und leistete gute Dienste; später zog auch sie sich nach Grootfontein heran. An weißen waffenfähigen Männern waren schließlich in Grootfontein über hundert vereinigt. Der Platz selbst wurde durch Befestigungsanlagen in verteidigungsfähigen Zustand versetzt und demnächst die Verbindung mit Outjo aufgenommen sowie dauernd erhalten. Auf diesem Umwege erhielt die Station wenigstens zeitweise die wichtigsten Nachrichten über den Verlauf der Ereignisse im übrigen Schutzgebiet. Die Proviantbestände wurden durch Abernten der umliegenden Farmen ergänzt, denn auf eine Zufuhr, die selbstverständlich nur unter einer besonders starken Bedeckung möglich war, konnte zunächst nicht gerechnet werden.

Indessen beschränkte sich der Distriktschef bei allen Abwehrmaßnahmen keineswegs auf eine passive Verteidigung des Platzes. Fortgesetzt wurden Patrouillen geritten und die Gegend von umherstreifendem Diebesgesindel gesäubert. Das hiernach von Anfang an hervortretende moralische Übergewicht der Besatzungstruppe über den zahlenmäßig so sehr überlegenen Feind hatte Oberleutnant Volkmann durch eine kühne Offensive gegen die erste gemeldete feindliche Angriffsbewegung erreicht, und zwar mittels des Gefechts bei Uitkomst am 18. Januar. An dem genannten Platze wohnte ein Bur Namens Joubert, der vorläufig auf seiner Farm geblieben war. Auf die Nachricht, daß auf den Bergen in der Nähe der Farm sich eine starke Hererobande (etwa 170 Köpfe) unter dem Unterhäuptling Batona sammle, sandte Oberleutnant Volkmann am 17. abends eine Patrouille von 18 Mann, um die Familie Joubert zu holen, und folgte den andern Morgen mit 12 Mann, um die Hereros anzugreifen, falls sie wirklich auf Grootfontein marschieren sollten. Unterwegs begegnete er der bereits zurückkehrenden Wagenkolonne mit der Familie Joubert. Oberleutnant Volkmann verstärkte sich aus deren Begleitmannschaft auf 20 Reiter, worunter 14 Kriegsfreiwillige und Buren, und setzte seinen Marsch fort. Unvermutet stieß die Abteilung auf eine dichte Masse Hereros, an der Spitze die Reiter, dahinter eine breite Kolonne Fußvolk, und zwar nach Hereroart in ziemlicher Sorglosigkeit.[135] Diese günstige Gelegenheit benutzte der deutsche Führer, ließ aufmarschieren und in scharfem Galopp mit Hurra auf den Feind einreiten. Erschreckt flüchteten die Hereros in den nächsten Busch; was sich nicht retten konnte, wurde niedergemacht. Doch sammelte sich der Gegner bald wieder und überschüttete hierauf die Reiter mit Schnellfeuer. Deshalb ließ nun Oberleutnant Volkmann zum Gefecht zu Fuß absitzen und begegnete einer drohenden Überflügelung, zu der die Hereros vermöge ihrer Übermacht befähigt waren, mittels Durchstoßes durch deren Mitte. Diese wich zurück, und nunmehr wurde rechts und links eingeschwenkt und der Feuerkampf gegen die beiden Flügel der Hereros wieder eröffnet. Nachdem aber hierbei Kapitän Batona[136] und sechs Großleute gefallen waren, wandten sich jetzt die Hereros in völliger Auflösung zur Flucht. Die Abteilung Volkmann hatte einen Verlust von einem Toten und vier Verwundeten, außerdem von 7 Pferden, die bei der Attacke erschossen worden waren. Es war kein Wunder, wenn nach diesem Gefecht die Angriffslust der Nordhereros erlahmte. Sie räumten den Distrikt vollständig, um sich mit den Waterberghereros zu vereinigen.

Oberleutnant Volkmann.

Von der ferneren Tätigkeit des unermüdlichen Offiziers interessieren uns hier noch zwei Ereignisse. Das eine ist die am 7. April erfolgte Einrichtung der Station Coblenz mit 30 Mann Besatzung auf den erhaltenen Befehl, den Omuramba-u-Omatako zu sperren. Eine damit verbundene Erkundung vom 10. bis 14. April stellte fest, daß die Gegend beinahe bis Waterberg und südlich bis in das Sandfeld auf mehrere Tagemärsche von den Hereros frei sei. Erst Ende Mai fingen sie an, sich dort wieder zu sammeln. Die Station Coblenz wurde dann am 22. Mai wegen ihrer ungesunden Lage wieder aufgegeben. Die Absperrung des Omuramba übernahm von da ab die gegen Waterberg sich sammelnde Feldtruppe selbst. Das zweite Ereignis ist das Gefecht bei Okangundi am 28. April, d. h. ein Überfall auf die dortige, einer der berüchtigtsten Räuberbanden als Schlupfwinkel dienende Werft. Es gelang die unvermutete Umstellung und fast völlige Vernichtung der Bande, von der 31 Tote gefunden wurden, bei einem eigenen Verlust von nur einem Toten.

Im Monat Mai wurde dann mit Hilfe der inzwischen von Deutschland eingetroffenen Verstärkungen eine Nordabteilung in der Stärke von 1 Kompagnie, 2 Maschinengewehren und 2 Feldgeschützen formiert und diese dem Oberleutnant Volkmann unterstellt. Auf dem Marsche nach dem Norden führte sie Oberleutnant v. Zülow, welcher mittlerweile von Okahandja wieder nach Swakopmund zurückgekehrt war. Von ihm übernahm sie Oberleutnant Volkmann am 8. Juni in Otavi und führte sie dann in den Gefechten von Waterberg wie auf der anschließenden Verfolgung in das Sandfeld. Die Episode der Verteidigung von Grootfontein war mit ihrem Eintreffen abgeschlossen.

Die Kompagnie Franke.

Wie oben erwähnt, war die Kompagnie Franke auf ihrem Marsche nach dem südlichen Kriegsschauplatze bereits in Gibeon angelangt, als sie von der Nachricht über den Ausbruch des Hereroaufstandes erreicht wurde. Der Kompagnieführer erbat und erhielt am 15. Januar von mir auf heliographischem Wege die Erlaubnis zur Umkehr. Die erste hervorragende unter den vielen Leistungen der Kompagnie war dann die Zurücklegung der 380 km bis Windhuk in 4½ Tagen, und zwar — was das Wesentlichste war — ohne daß nach diesem Marsche die Leistungsfähigkeit der Pferde beeinträchtigt war. Es war dies das Ergebnis einer vorzüglichen Ausbildung im Frieden wie der strengen Anwendung des Gelernten jetzt im Kriege. Nach einem kurzen Gefecht bei Arris traf die Kompagnie am 19. nachmittags in Windhuk ein. Nach einem Ruhetage setzte sie am 21. ihren Vormarsch auf Okahandja fort. Die Kompagnie war durch Zuwachs aus der Besatzung Windhuks auf einen Stand von 6 Offizieren, 137 Mann und 2 Geschützen gebracht worden. Am 22. Januar kam es zu einem Zusammenstoß bei der Station Teufelsbach, in dem die Hereros nach kurzem Feuergefecht mit aufgepflanztem Seitengewehr in die Flucht gejagt wurden.

Phot. H. Noack, Berlin.

Hauptmann Franke

Bedauerlicherweise kam der Vormarsch an dem Swakoprevier bei Osona zum Stocken. Aus dem sonst trockenen Swakop war ein reißender Strom mit etwa der Wassermasse des Rheins bei Schaffhausen geworden. In Südwestafrika pflegt man unter solchen Umständen einfach zu warten, bis das Wasser wieder verschwunden ist, andere Mittel zum Übergang gibt es nicht. In dem vorliegenden Falle befand sich zwar nahebei die Eisenbahnbrücke über den Swakop, aber sie war zerstört. Das war nun eine unangenehme Lage, die das Ergebnis des bisher so gut gelungenen Gewaltmarsches wieder in Frage zu stellen drohte.

Militärstation Okahandja nach der Belagerung.
Im Hintergrunde der Kaiser Wilhelms-Berg.

Man sah damals die Gefährdung Okahandjas für schlimmer an, als sie war. Wie wir jetzt wissen, bestand für den Platz seit Eintreffen der Abteilung Zülow eine eigentliche Gefahr nicht mehr. Indessen Hauptmann Franke wußte dies nicht, er trug sich daher mit keinem anderen Gedanken, als rasch nach Okahandja durchzustoßen. Ein Versuch, den Fluß zu Pferde zu durchqueren, hatte lediglich den Erfolg, daß einige Tiere ertranken und beinahe ein Offizier, der Leutnant v. Wöllwarth, dieses Schicksal geteilt haben würde, wenn ihn nicht der Hauptmann selbst noch rechtzeitig dem Wasser entrissen hätte. Mißmutig ritt daher die Kompagnie am 24. Januar nach Teufelsbach zurück. Eine am 26. vorgenommene Erkundung ergab jedoch, daß das Wasser wieder abzunehmen anfing, und am 27., an Kaisers Geburtstage, gelang der Übergang in der Tat. Ohne Widerstand zu finden, ging es eilends nach Okahandja, wo die Kompagnie von der gerade zum Appell versammelten Besatzung jubelnd begrüßt wurde. Von feindlicher Seite war nur schwaches, seitens der Kompagnie rasch zum Schweigen gebrachtes Gewehrfeuer erfolgt. Infolgedessen glaubte Hauptmann Franke die Berge um den Platz lediglich noch von der feindlichen Nachhut besetzt und beschloß daher, am 28. Januar den anscheinend nach Otjosasu geflohenen Hereros zu folgen.

Wie sich später ergab, war diese Annahme unrichtig. Als die Kompagnie am 28. früh unter den erforderlichen Sicherheitsmaßregeln an dem dicht beim Platze gelegenen, 1670 m hohen Kaiser Wilhelms-Berg vorbeimarschieren wollte, erhielt sie von dem Bergabhang starkes Feuer. Hauptmann Franke entwickelte rasch die Kompagnie nach rechts und erstürmte in einem sechsstündigen Gefecht den Berg, den die Hereros unter Zurücklassung zahlreicher Toter und Verwundeter sowie vielen Hausrates in eiliger Flucht räumten. Die Kompagnie hatte selbst nur drei Verwundete. Diese geringen Verluste verdankt sie den am Bergabhange befindlichen toten Winkeln sowie dem Umstande, daß letztere in der vorzüglichsten Weise ausgenutzt wurden. Auch schoß der Gegner meist zu hoch. Die Besatzung von Okahandja (v. Zülow) hatte an diesem Gefecht nicht teilgenommen, sondern, da die Möglichkeit zu einem solchen gar nicht vorhergesehen war, sich mit Wiederherstellungsarbeiten an der Eisenbahn südlich Okahandja beschäftigt. Sie wurde hier gleichfalls in ein kleines Gefecht verwickelt. Von diesem Tage ab war dann die Umgebung Okahandjas erst völlig vom Feinde befreit. Einzelne kleine Hererobanden trieben sich jedoch bis zum Gefecht von Onganjira noch auf dem Kaiser Wilhelms-Berg herum und wurden von Zeit zu Zeit mittels eines Streifzuges vertrieben. Am 30. Januar folgte dann Hauptmann Franke den Hereros nach Otjosasu, fand jedoch auch diesen Ort bereits verlassen und kehrte daher noch an demselben Tage nach Okahandja zurück.

Gefechtsfeld von Omaruru.

Nunmehr galt es die Befreiung des anscheinend gleichfalls hart bedrängten Omaruru. Die Kompagnie brach bereits am 31. dorthin auf und traf am 2. Februar in Karibib ein. Hier wurde abermals ein Umtausch mit Mannschaften der Besatzung vorgenommen. Besonders erwähnenswert ist der Eintritt eines schweizer Offiziers, der bis jetzt als Ingenieur beim Bau der Otavibahn beschäftigt gewesen war, des Leutnants Leutenegger, als Artillerieführer. Er hat, wie ich vorausschicken will, in der Folge für seine militärischen Leistungen alle Anerkennung gefunden. Der bisherige Artillerieoffizier Oberleutnant Techow, Adjutant der Truppe, der die Expedition bis jetzt freiwillig mitgemacht hatte, verfügte sich dagegen zum Empfang des vom südlichen Kriegsschauplatz zurückerwarteten Gouverneurs nach Swakopmund. Die übrigen der Kompagnie zugeteilten Offiziere waren: Oberleutnant Grießbach, Leutnant der Reserve v. Nathusius, Leutnant Freiherr v. Wöllwarth, Leutnant Leutwein. Zu diesen trat dann noch in Karibib der Leutnant der Reserve Hauber. Die Stärke der Kompagnie betrug jetzt im ganzen 7 Offiziere, 2 Ärzte, 126 Mann, 2 Geschütze.

Am 3. Februar nachmittags wurde der Vormarsch von Karibib auf Omaruru fortgesetzt und am 4. vormittags gegen 9 Uhr die Gegend des letztgenannten Platzes erreicht. Hauptmann Franke hoffte nunmehr, wie schon erwähnt, durch sein bloßes Erscheinen die Hereros zum Einstellen der Feindseligkeiten bewegen zu können. Er legte daher eine weiße Korduniform an und setzte sich auf seinen im ganzen Bezirk bekannten Schimmel. Indessen ließen sich die Hereros hierdurch keineswegs abschrecken, feuerten vielmehr erst recht auf das sich ihnen bietende günstige Ziel. Anfangs erschienen sie jedoch durch das Erscheinen der Kompagnie überrascht und räumten daher nach wenigen Schüssen die als vorgeschobene Stellung besetzte Werft (vgl. die Skizze S. 487) des früheren Kapitäns Manasse, wobei auch eine Viehherde in die Hände der Deutschen fiel. Die Kompagnie setzte sich nunmehr bei Manasses Werft fest und ließ die Artillerie auffahren. Es entspann sich hier ein längeres Feuergefecht, das aber gegen den sehr gut gedeckten Gegner wenig Erfolg zu haben schien. Hauptmann Franke beschloß daher, dem Feinde näher auf den Leib zu rücken, und befahl sprungweises Vorgehen, das schließlich zur Wegnahme der feindlichen Stellung führte, leider aber unter Verlust des tapferen Leutnants v. Wöllwarth. Nunmehr setzte sich der Gegner in einer zweiten Stellung fest, gegen die sich die Kompagnie zunächst wieder zu einem längeren Feuergefecht entwickelte. Der Angriff auf diese Stellung wurde dann aber durch eine völlig unerwartete, jedoch um so willkommenere Unterstützung erleichtert. Als der in Omaruru kommandierende Stabsarzt Dr. Kuhn das Näherrücken des Feuergefechtes vernommen hatte, ließ er mit allen entbehrlichen Leuten unter dem Feldwebel Müller einen Ausfall gegen den Rücken des Feindes machen. In ununterbrochenem Anlauf überrannte die kleine Schar eine rasch nach rückwärts Front machende Hereroabteilung, wobei leider ihr tapferer Führer fiel. Dagegen ließ der Feind an dieser Stelle 17 Tote zurück. Den hierdurch gebotenen günstigen Augenblick benutzte Hauptmann Franke, um nun die zweite feindliche Stellung zu nehmen, worauf die Ausfallabteilung sich mit der Kompagnie vereinigte.

Aber noch war der Sieg nicht errungen, denn abermals setzte sich der zähe Gegner in einer dritten Stellung fest, und zwar in der Nähe der alten Station, der früheren Wohnung des Hauptmanns Franke. Der Widerstand, den der Feind in dieser seiner letzten Stellung leistete, war ganz besonders hartnäckig. Er versuchte sogar einen Vorstoß gegen die rechte Flanke des Angreifers, bei dessen Abwehr der Oberleutnant Grießbach schwer verwundet wurde. Außerdem entwickelte sich nun auch im Rücken der Kompagnie ein heftiges Gefecht gegen die Bedeckung der Bagage unter Leutnant der Reserve v. Nathusius. Hierbei wurde der Führer verwundet, so daß das Kommando an den Leutnant der Reserve Hauber überging. Jetzt wurde die Lage sehr kritisch, zumal der Artillerie die Munition ausging. Als bestes Mittel, aus dieser Lage herauszukommen, erschien dem Hauptmann Franke ein abermaliger Sturmangriff. Dieser wurde wiederum durch Eingreifen der Besatzungstruppe erleichtert; Stabsarzt Dr. Kuhn hatte die schwierige Lage der Kompagnie erkannt und war persönlich an der Spitze von weiteren 12 Mann zum zweiten Male dem Feind in den Rücken gefallen. Nachdem ein kräftiges dreifaches Hurra das Nahen dieser Hilfe der Kompagnie bekannt gegeben hatte, setzte sich Hauptmann Franke auf seinen Schimmel und sprengte vor die Front, damit das Signal zum Beginn des Sturmes gebend. Dieses Beispiel zündete, mit lautem Hurra wurde nunmehr auch die letzte Stellung des Gegners genommen und in dieser ein fröhliches Wiedersehen mit der Ausfalltruppe gefeiert.

Leutnant Frhr. v. Wöllwarth.

Die Hereros räumten infolge des Gefechts die Umgebung Omarurus vollständig, und damit war auch für diesen Platz von jetzt ab alle Gefahr beseitigt. Der diesseitige Verlust betrug 7 Mann tot, 3 Offiziere und 12 Mann meist schwer verwundet, somit etwa 40 vH. der Offiziere, etwa 15 vH. der Mannschaften. Von den drei verwundeten Offizieren starben der Leutnant v. Wöllwarth bereits nach wenigen Tagen, der Oberleutnant Grießbach erst nach langem Leiden in der Heimat. Auf die Ausfallabteilung entfielen von den Verlusten zwei Tote und zwei Verwundete. Vom Feinde wurden dagegen etwa 100 Tote gefunden. Aber trotz dieser schweren Verluste werden wir ihm bereits einige Wochen später bei Otjihinamaparero begegnen und ihn dort einen ebenso hartnäckigen Widerstand leisten sehen.

Dieser denkwürdige Zug der Kompagnie Franke hat mit einem Schlage das Bild des Feldzuges völlig geändert. Die Hereros waren nunmehr auf der ganzen Linie in die Verteidigung zurückgeworfen, in der sie uns allerdings noch recht viel zu schaffen machen sollten. Vor allem aber war die Bahnlinie Swakopmund-Windhuk dem Machtbereich des Feindes entzogen und daher für den Nachschub weiterer Verstärkungen freigemacht. Zwar hatte bereits eine kleinere Abteilung Matrosen, das Landungskorps S. M .S. »Habicht« in der Stärke von etwa 50 Köpfen, längs der Bahn mit eingegriffen und die geängstigten Bewohner der betreffenden Orte mit beruhigen helfen. Bei allem Dank und bei aller Anerkennung für die rasche Hilfe seitens unserer Marine darf aber die Behauptung doch gewagt werden, es hätte ihr Fehlen die Erfolge der Kompagnie Franke nicht zu beeinflussen vermocht. Somit darf auch die fernere Behauptung hinzugefügt werden, daß das Schutzgebiet in dieser schweren Zeit sich des ersten Ansturmes des Gegners aus eigener Kraft hat erwehren können. Dies war neben dem einmütigen und unverzagten Zusammenwirken der ganzen deutschen Bevölkerung die segensreiche Folge der seit dem Jahre 1896 im Schutzgebiete eingeführten allgemeinen Wehrpflicht nach heimatlichem Muster. Sie ließ an Stelle der andernfalls sich gewiß auch bereitwilligst anbietenden, aber ungeregelten Scharen von Kriegsfreiwilligen disziplinierte und organisierte Soldatenkommandos treten, vor allem aber diese in den zahlreichen Offizieren des Beurlaubtenstandes mit Führern ausstatten, denen nicht nur die erforderlichen Kenntnisse, sondern auch die mächtige Autorität des Gesetzes zur Seite stand. Und — man mag die Begeisterung für eine Sache noch so hoch einschätzen — angesichts des Todes kann sich schließlich doch nur die auf eiserne Disziplin gestützte Kraft des Gehorsams als über jedes Schwanken erhaben erweisen.

Der Befehl zur Einziehung der Wehrpflichtigen in den Nordbezirken war, wie bereits erwähnt, zugleich mit demjenigen des Abmarsches der 2. Kompagnie nach dem südlichen Kriegsschauplatze am 25. Dezember 1903 gegeben worden. Bei Ausbruch des Aufstandes am 12. Januar — mithin schon nach drei Wochen — sehen wir in Windhuk eine 1., in Omaruru eine 2. Ersatzkompagnie und in Okahandja eine starke Besatzungstruppe gebildet, sämtliche Formationen reichlich mit Offizieren des Beurlaubtenstandes ausgestattet. Fast nur solche haben dann in der Zeit der Abwehr bis zum Eingreifen der Kompagnie Franke als Führer fungiert. Später sind sie auch bei der aktiven Truppe zahlreich verwendet worden.

Schließlich erscheint es noch des Hinweises würdig, wie wertvoll die großen Stationen als Stützpunkte in den einzelnen Bezirken sich erwiesen haben. Sie wurden zu Zufluchtsorten für die weißen Farmer und Ansiedler, aber auch zu Stützpunkten für die deutsche Macht, so daß diese in keinem Bezirk je ganz zu bestehen aufgehört hat. Von ihnen ging nach dem Umschwung der Dinge auch die Wiederinbesitznahme des betreffenden Bezirkes aus, denn sie waren über die Verhältnisse beim Gegner, über die man sich andernfalls mühsam hätte wieder orientieren müssen, fortgesetzt auf dem laufenden geblieben. Einen dauernden Schaden haben dagegen die Eingeborenen keinem der Plätze zuzufügen vermocht, vielmehr sind diese, mit Ausnahme des am schwersten bedrohten Okahandja, von Anfang bis zu Ende selbst die Angreifenden geblieben. Auch den Eintritt von Nahrungsmangel bei der Militär- wie bei der Zivilbevölkerung haben die gefüllten Proviantmagazine der Stationen verhindert. Im ganzen haben diese Stützpunkte somit ihren Zweck erfüllt.

Diejenigen aber, die der Ansicht sind, man hätte mittels gewaltsamen Eingreifens bereits vor Jahren die jetzige Katastrophe heraufbeschwören sollen, mögen bedenken, wieviel größere Schwierigkeiten unsere Truppen damals hätten überwinden müssen als jetzt, wo sie schon gerade groß genug gewesen sind. Ohne die Eisenbahn, ohne die gefüllten Proviantmagazine im Innern, vor allem ohne eigene Landeskenntnisse einen Krieg durchzufechten, hätte damals noch blutigere Opfer gekostet als jetzt. Ich habe es durchgemacht, was es heißt, Krieg zu führen, wenn man lediglich von dem guten Willen landeskundiger Eingeborener abhängig ist. Dieser Erfahrung verdankt der § 17 der Instruktion für die Bezirksamtmänner usw. (Anlage 2) seine Entstehung, dessen Wortlaut ist:

»Die in einem Bezirk stehenden Angehörigen der Truppe, wie Polizisten, haben sich fortgesetzt über dessen Wege-, Wasser- und Weideverhältnisse zu orientieren. In allen unter deutscher Verwaltung stehenden Bezirken muß die Feldtruppe operieren können, ohne sich außerhalb der Truppe und Polizei stehender Führer bedienen zu müssen. In jedem Bureau einschließlich derjenigen der Polizeistationen müssen stets genaue Wege- usw. Karten des betreffenden Verwaltungsbezirkes zu finden sein.«

Nicht übersehen dürfen wir ferner, wie viele deutsche Soldaten der Tatsache das Leben zu verdanken haben, daß es so lange Jahre gelungen ist, für unsere Sache Eingeborene gegen Eingeborene auszuspielen. Gedanken solcher Art mögen uns trösten über die tiefschmerzlichen Opfer an Menschenleben, welche die inzwischen fortgeschrittene Besiedlung des Landes bei Ausbruch des Aufstandes gefordert hat, und die niemand näher gehen können, als dem seiner Verantwortlichkeit sich bewußten Gouverneur. Sie mögen aber auch dem Reichstagsabgeordneten zur Seite stehen, der heute die Summen für das Schutzgebiet bewilligt, die er vor zehn Jahren vielleicht versagt hätte. Wer aber jetzt noch der Ansicht sein sollte, die Niederwerfung der Eingeborenen hätte damals weniger Opfer gekostet als heute, der befindet sich im Irrtum. Ich meinerseits bin der gegenteiligen Ansicht. Noch mehr aber irrt derjenige, welcher glaubt, daß eine gewaltsame Entwaffnung oder eine sonstige Entrechtung der Eingeborenenstämme, wenn früher vorgenommen, gar keinem Widerstand begegnet sein würde. Auch wenn vorläufig nur an einem einzigen Stamm zur Ausführung gebracht, würde diese Maßnahme sofort das Mißtrauen aller hervorgerufen und sie geradezu gewaltsam zum Anschluß aneinander gebracht haben. Dafür hat das Jahr 1904 den vollen Beweis erbracht. Als sie sich von der gleichen Gefahr bedroht glaubten, haben damals Hereros und Hottentotten, früher bitterste Feinde, sofort unverkennbare Neigung zum Zusammenschluß gezeigt. Daß es gelungen ist, diesen Zusammenschluß neun Monate bis Oktober 1904 hintanzuhalten, war zu Beginn des Hereroaufstandes zweifellos unsere Rettung. Heute können wir ferner die erforderlichen Opfer als unvermeidlich hinnehmen; wenn aber von uns selbst heraufbeschworen, würden wir uns angesichts ihrer Größe vielleicht doch nicht der zweifelnden Frage entschlagen können: »War es durchaus notwendig, diese Opfer zu bringen, und ist das Schutzgebiet sie auch wert?« Und wer würde die Verantwortung für solche Folgen eines Friedensbruchs unsererseits, ohne daß eine Zwangslage gegeben war, übernommen haben?

Das Landungskorps S. M. S. »Habicht«.

Die erste Hilfe von außerhalb kam dem Schutzgebiet durch unsere Marine. Am 18. Januar nachmittags traf der kleine Kreuzer »Habicht« auf der Reede von Swakopmund ein und begann ungesäumt die Ausschiffung seiner Landungsmannschaften. Der Schiffskommandant Korvettenkapitän Gudewill übernahm für den auf dem südlichen Kriegsschauplatz abwesenden Gouverneur den Oberbefehl über die Streitkräfte des Hererokriegsschauplatzes. Führer des Landungskorps wurde der Erste Offizier S. M. S. »Habicht«, Kapitänleutnant Gygas. Das Korps hatte zunächst die Stärke von 1 Offizier, 1 Arzt und 52 Mann. Kapitänleutnant Gygas erhielt Befehl, sich nach der wichtigen Eisenbahnstation Karibib zu begeben, diesen Ort sowie die Bahnlinie bis dort zu sichern, weitere Unternehmungen jedoch, wenn nicht dringend geboten, in Anbetracht seiner geringen Machtmittel zu unterlassen.

Bereits am Abend des 18. verließ das Korps mittels Extrazuges Swakopmund und traf mit Einbruch der Dunkelheit in Karibib ein. Unterwegs waren einige beschädigte Stellen an der Bahn wiederhergestellt und einige Stationen mit Besatzung versehen worden. In Karibib befanden sich etwa 40 waffenfähige Männer unter Kommando des Distriktschefs Oberleutnants Kuhn, der den Platz hatte verbarrikadieren lassen. Dessen Bewohner begrüßten das Eintreffen des Landungskorps als erstes Zeichen der Hilfe vom alten Vaterland mit aufrichtiger Freude.

Inzwischen waren zu dem Landungskorps auf telegraphische Requisition als weitere Verstärkung noch 5 Unteroffiziere mit 2 Feldgeschützen C. 73 und 1 Maschinengewehr aus Kamerun hinzugetreten. Weiter wurde aus der Heimat noch ein gleichfalls telegraphisch erbetenes Seebataillon sowie die bereits unterwegs befindliche regelmäßige Schutztruppenablösung von 200 Mann erwartet. Mit Recht beschränkte sich daher bis zum Eintreffen dieses bedeutenden Zuwachses das kleine Landungskorps auf Behauptung der Bahnstrecke Swakopmund-Karibib, verbunden mit deren gründlicher Wiederherstellung. Die Leitung der Wiederherstellungsarbeiten übernahm freiwillig der Chefingenieur der Otavi-Eisenbahn, Herr Solioz, der den Bau seiner eigenen Bahn vorläufig hatte einstellen müssen. Nach schwierigen, mehrfach durch erneuten Regen beeinträchtigten Wiederherstellungsarbeiten war die Bahn endlich Ende Februar wieder bis Karibib betriebsfähig. Inzwischen hatte S. M. S. »Habicht« zur Verstärkung des schwachen Landungskorps noch nach Karibib entsendet, was das Schiff nur irgendwie entbehren konnte. Es waren dies 28 Mann unter Leutnant z. S. Eckhold. Mit dieser Verstärkung betrug das Korps 80 Köpfe, so daß nunmehr Wiederherstellungsarbeiten an der Bahnstrecke auch in der Richtung auf Okahandja begonnen werden konnten.

Vom Feinde ist aus dieser Zeit nur ein Angriff durch etwa 100 Hereros auf die Station Kubas zu erwähnen, bei dem das dort stehende Vieh abgetrieben wurde. Die schwache Besatzung versuchte vergeblich dessen Wiedernahme, wobei der Führer, Unteroffizier Patriok, verwundet wurde. Inzwischen war es Kapitänleutnant Gygas gelungen, von allen eingeschlossenen Orten Nachrichten zu erlangen. Es ergab sich, daß die Kolonne Zülow sicher in Okahandja eingetroffen war, und daß Windhuk, Omaruru und Otjimbingwe, wenn auch bedroht, so doch nicht direkt gefährdet seien. An der Bahnlinie selbst kam es hin und wieder zu nur unbedeutenden Schießereien. Am 2. Februar traf dann auf ihrem Vormarsch nach Omaruru die Kompagnie Franke in Karibib ein. Mit ihr hatte ein Zug der Besatzungstruppe Okahandja verlassen und Bahn- wie Telegraphenlinie bis Karibib wiederhergestellt.

Endlich landete am 3. nachmittags in Swakopmund die Schutztruppenablösung unter Oberleutnant v. Winkler. Sie wurde, notdürftig bewaffnet und ausgerüstet, durch Korvettenkapitän Gudewill sofort nach Windhuk weiter beordert. Ihr schloß sich in Karibib auch der Rest des Landungskorps unter Kapitänleutnant Gygas an. Jetzt zeigte sich, wie wichtig die Wiederherstellung der Eisenbahn gewesen war, da nunmehr die Abteilung von Winkler Windhuk binnen 26 Stunden zu erreichen vermochte. Da Oberleutnant Winkler keine Artillerie besaß, überwies ihm Kapitänleutnant Gygas ein Feldgeschütz C. 73, eine Revolverkanone und ein Maschinengewehr, dazu 14 Artilleristen als Bedienung, diese unter dem Oberleutnant z. S. Hermann. Diese Mannschaften verblieben dann dauernd bei der Abteilung Winkler und traten später mit dieser zur Ostabteilung über.

Kapitänleutnant Gygas vereinbarte während seiner Fahrt nach Windhuk mit den Stationsältesten von Windhuk, Okahandja und Karibib eine dauernde Besetzung der ganzen zu diesem Zweck in Abschnitte eingeteilten Bahnlinie. Am 5. Februar rief indessen ein Telegramm des Korvettenkapitäns Gudewill sowohl das Landungskorps wie das Korps Winkler nach Karibib zurück, um von da gegen Omaruru vorzugehen. Es war nämlich Hauptmann Franke ergangen, wie es schon manchem Führer ergangen ist. Er war sich am Abend seines glänzenden Siegestages von Omaruru der Größe seines Erfolges noch nicht bewußt gewesen und hatte unter dem Eindrucke des zähen Widerstandes des Feindes sowie der gebrachten schweren Opfer geglaubt, daß ihm am nächsten Tage ein erneuter Kampf bevorstehe. In diesem Sinne hatte er telegraphiert. Erst den andern Tag ergab sich, daß der Feind den Platz in kopfloser Flucht verlassen hatte, worauf ein Gegentelegramm die Abteilung Winkler wieder nach dem Osten berief. Das Landungskorps kehrte dagegen nach Karibib zurück, woselbst nach allen Abgaben dem Führer nur noch 23 Köpfe verblieben.