Nachträge.
1. Berthelot als Historiker.
Verschiedene Abschnitte des vorliegenden Werkes machten es erforderlich, auf erhebliche Mängel der BERTHELOTschen geschichtlichen Arbeiten und Auffassungen hinzuweisen, was vielleicht manchem Leser insofern überraschend gewesen sein mag, als der Historiker BERTHELOT, wiederholten und keineswegs erst der allerjüngsten Zeit entstammenden Einwendungen zum Trotze, immer noch den Ruf einzigartiger Sachkenntnis, seltenster Umsicht und unfehlbarer Zuverlässigkeit genießt; indessen ist dieser hauptsächlich dadurch zustande gekommen, daß der als Chemiker und Gelehrter, Freigeist und Patriot, Politiker und Minister bereits hochberühmte Verfasser, dessen rastlose Bemühungen und unermüdliche Tätigkeit auch auf geschichtlichem Felde keineswegs unterschätzt werden sollen, ihn im Laufe eines noch langen Lebens und mit allen Mitteln seiner weitreichenden Einflüsse immer wieder aufs neue selbst für sich in Anspruch nahm und durch ausgedehnte, von ihm abhängige Kreise in gleichem Sinne verkünden ließ[7055], bis er schließlich hierin nicht weniger bei seinen Volksgenossen Glauben fand als im Auslande. Auch dort wurden seine Schriften in zumeist maßloser und einseitiger Weise verherrlicht und verhimmelt, wobei indessen den Kritikern zwei Umstände zur Entschuldigung gereichen: einerseits standen ihre Meinungen mehr als billig unter dem Eindrucke, den der Umfang des Geleisteten, die vortreffliche Darstellung, der schöne Stil sowie die selbstbewußte Sicherheit des Verfassers auf sie ausübten; andererseits ermangelten sie, entweder völlig oder doch in ausreichendem Grade, gründlicher eigener, aus erster Hand geschöpfter Kenntnis der betreffenden Quellen und vollends der gesamten für die Beurteilung der behandelten Fragen in Betracht kommenden Litteratur. Die unter solchen Verhältnissen gefällten Urteile standen aber zunächst einmal als maßgebende fest, und es bedurfte längerer Zeit, bevor sich die Stimmen einzelner wirklicher Sachkenner erhoben, und noch längerer, bevor sie seitens der Allgemeinheit einiges Gehör finden konnten.
BERTHELOT selbst befand sich — anfänglich wenigstens — über die Schwierigkeiten einer „Editio princeps“ der griechischen und gar der orientalischen Texte alchemistischen Inhaltes nicht im unklaren[7056], zumal er in dieser Hinsicht nicht die geringste Erfahrung besaß und außerdem der griechischen Sprache nur in bescheidenem Umfange mächtig war, vom Arabischen und Syrischen aber kein Wort verstand; späterhin neigte er jedoch in zunehmendem Maße zur Überschätzung des zuwege Gebrachten und ließ jede gesunde Selbstkritik vermissen. Die Voraussetzung für das Zustandekommen guter Ausgaben waren ihm zwar wohlbekannt und er gibt ihnen an einer Stelle in dem klaren Satze Ausdruck, man solle sämtliche Handschriften sorgfältig prüfen und den berichtigten Text vollständig, ohne Auslassung oder Einschiebung, sowie ohne Zusätze des Herausgebers zum Abdrucke bringen[7057]. Diese goldenen Regeln befolgte er jedoch nicht nur selbst in keiner Weise, sondern ließ auch seine (amtlich ihm unterstellten) sprachkundigen Mitarbeiter (RUELLE, DUVAL, HOUDAS) nicht frei gewähren, verfügte vielmehr völlig willkürlich über die Ergebnisse ihrer Leistungen und gab von deren Umfang und Tragweite ein so wenig zutreffendes Bild, daß sich diese Gelehrten wissenschaftlich beeinträchtigt und auch in kränkender Weise zurückgesetzt fühlen mußten[7058]: ihre Namen waren zwar genannt, an mehr als einer Stelle und auch mit Lob; aber die ganze, eigentümlich schillernde Art der Darstellung blieb darauf angelegt, die gesamte geistige Arbeit und überhaupt alles Verdienstliche allein von BERTHELOT ausstrahlen zu lassen, und sie erreichte dieses Ziel mit solchem Erfolge, daß selbst Fachmänner wie SUDHOFF oder REITZENSTEIN längere Zeit an die alleinige und persönliche Herausgeber- und Übersetzertätigkeit BERTHELOTS glaubten[7059]. Dieser große Mann besaß eben auch große Schwächen und zu ihnen zählte vor allem eine übermäßige Eitelkeit[7060]; sein Leitmotiv auf allen Gebieten, die er bearbeitete, — und es wird hierauf noch weiter unten zurückzukommen sein —, war daher der Satz, den der einstige Schüler im zweiten Teile des „Faust“ mit den Worten ausspricht: „Die Welt, sie war nicht, eh’ ich sie erschuf.“
Was die Codices der griechischen Alchemisten anbetrifft, so schenkte BERTHELOT allein den in Paris und Venedig befindlichen eingehende Berücksichtigung, während er von den übrigen bloß einen Teil näher überprüfen ließ, und auch diesen nicht immer durch Persönlichkeiten von bewährter Sachkunde. Aber auch die so ermittelten Texte veröffentlichte er nicht in genauer und wortgetreuer Fassung, vielmehr zog er es vor, ihnen auf Grund gewisser vorgefaßter Anschauungen, also befangen in dem, was KOPP sehr bezeichnend „Pseudopsie“ nennt[7061], eine neue Einteilung in mehrere Gruppen zu geben und sie dieserhalb zu zerstückeln (décomposer)[7062], in eine Anzahl von Absätzen aufzulösen, die oft nur wenige Zeilen lang sind[7063], und mit zugehörigen Auszügen aus verschiedenen Handschriften sehr verschiedenen Alters zu durchflechten. Ein solches, von REITZENSTEIN[7064] mit Recht als „unbegreiflich“ bezeichnetes, von der Wissenschaft längst als durchaus unzulässig verworfenes Verfahren der „Rekonstruktion alter Autoren“ durch unkritisches Zusammenstellen von Resten ihrer Werke mit Fragmenten späterer und spätester Ausschreiber, war, wie BERTHELOT selbst einsah, „nicht ohne Willkür“ durchführbar[7065], und daß er ihm trotzdessen huldigte, bleibt sehr bedauerlich: der Leser kann nirgends übersehen, ob die Texte vollständig wiedergegeben sind, oder Lücken enthalten und welche; da die zeitliche Reihenfolge der Autoren nicht ausreichend feststeht, und Jüngere oft absichtlich im Stile der Vorgänger schreiben, ist die Zuteilung der Auszüge sachlich und chronologisch unsicher; spätere Einschiebsel, ja ganze Stücke der Kommentare geraten in die eigentlichen Texte; von einer Handschrift wird oft plötzlich zu einer völlig anderen übergesprungen, die unter Umständen aus rein christlich-byzantinischer, ja aus spätmittelalterlicher Zeit herrührt[7066]; nicht selten sind auch minderwertige oder sogar schlechte Handschriften mitbenützt, „so daß das Corpus ein wirklich geschichtliches Verständnis oft geradezu ausschließt“[7067], Richtiges, Falsches und ganz aus der Luft Gegriffenes in unentwirrbarem Durcheinander bietet[7068], und nach dem Urteile eines Meisters wie DIELS nicht nur als „ganz unzureichend“ anzusehen ist, sondern „als gar nicht zustande gebracht und der völligen Neubearbeitung durch einen tüchtigen Philologen bedürftig“[7069]. Vom nämlichen Gefühle durchdrungen sprach auch bereits SCHMIDT aus: „Noch fehlt gänzlich das wichtige Corpus Chemicorum“[7070].
Nicht viel besser als mit der Gestaltung des Textes steht es mit jener der Übersetzungen. Diese ließ BERTHELOT durch seine Mitarbeiter anfertigen, gab sie aber nicht so wieder, wie diese sie niederschrieben, sondern „revidierte“ sie so lange, bis er einen seinen vorgefaßten Gesichtspunkten entsprechenden „sens intelligible“ herausgebracht hatte[7071], — uneingedenk der eindringlichen Warnungen KOPPS[7072]. Über ihm Unverständliches oder zur vorgesehenen Einteilung nicht Passendes ging er dabei nicht selten flüchtig hinweg, ferner ließ er ganze Textstellen, als „des pures subtilités“ vollständig aus[7073], obwohl ihm nicht unbekannt war, daß auch Sätze nicht rein sachlichen Inhaltes, ja selbst einzelne magische Anrufungen oder „barbarische Worte“ als Reste heidnischer oder altchristlicher Kultformeln, sowie als Überbleibsel alter Anschauungen und Gebräuche, von außerordentlichem wissenschaftlichem, religions- oder kulturgeschichtlichem Werte sein können[7074]. Die Übertragungen aus dem Griechischen und in noch höherem Grade (nach dem Urteile von Fachmännern) die aus dem Syrischen und Arabischen erweisen sich daher in der vorliegenden Gestalt vielfach als unvollständig und unzuverlässig, derart, daß sie nach RIESS „mit dem Original oft fast nichts zu tun haben“[7075]. Auch LAGERCRANTZ hebt an vielen Stellen hervor, wie unrichtig und ungenügend begründet BERTHELOTS Übersetzungen zuweilen sind[7076], wie willkürlich und gewaltsam er oft verfuhr[7077], wie er manches als anscheinend unwichtig wegläßt, manches als anscheinend wichtig zusammenfügt[7078], die überlieferte Anordnung durch Umstellung zerstört[7079], voreilige Angaben und Folgerungen zugrunde legt, usf.[7080].
Die Erklärungen und Kommentare werden gleichfalls durch schwerwiegende Fehler entstellt[7081]. Als einer ihrer größten Mängel tritt hervor, daß BERTHELOT die Werke des PLATON und ARISTOTELES nicht genügend kannte und daher den Inhalt ihrer Lehren und deren ausschlaggebende Einflüsse nur dem Ungefähr nach zu beurteilen[7082], nicht aber ihrer wahren Tragweite gemäß darzustellen vermochte; überhaupt fehlte es ihm an ausreichender Kenntnis der griechischen Philosophie und ihrer Geschichte, wofür als einziger, an dieser Stelle aber ausreichender Beweis die Behauptung angeführt sei, „es stehe fest, .... daß die Lehren der Stoïker in Alexandria so gut wie unbekannt geblieben seien“[7083]. Ein weiterer und tiefgreifender Mangel ist es, daß BERTHELOT nicht selten in der Art seiner Darstellung die objektive Gerechtigkeit gegenüber den Leistungen seiner Vorgänger und den Verdiensten anderer Forscher völlig vermissen läßt[7084], daß er ihre Namen nicht oder nicht nach Gebühr oder erst dann nennt, wenn sich ihre Ansichten als unrichtig herausgestellt haben sollten, und daß er die Quellen, aus denen er schöpfte, bald gar nicht, bald unzureichend, bald nur in ganz versteckter Weise angibt[7085]; und doch wäre BERTHELOT hierin zu besonderer Genauigkeit verpflichtet gewesen, denn er war auf Grund seiner in der Jugend gemeinsam mit RENAN betriebenen Studien[7086] der deutschen Sprache ausreichend mächtig und durch die Fähigkeit, deutsche Bücher und Werke zu benützen, der großen Mehrzahl seiner gleichaltrigen Landsleute an Kunde der fremden Litteraturen himmelweit überlegen.
Am auffälligsten und unerklärlichsten erweist sich, — wie schon in den vorhergehenden Abschnitten wiederholt auszuführen war —, sein Verhalten gegen KOPP, dessen geradezu vorbildliche Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit in der Verwertung einer riesigen Quellen- und Litteraturkenntnis noch neuere Gelehrte, wie HOFFMANN[7087] und E. WIEDEMANN[7088], immer wieder bewährt fanden und rühmend hervorheben, und dessen Werke, insbesondere die „Beiträge zur Geschichte der Chemie“, wahre Denkmale grundlegender Erkenntnis, kritischer Sorgfalt, sowie historischer Einsicht, Umsicht und Vorsicht sind, — trotz ihrer zuweilen unübersichtlichen Anordnung, ihrer schwerfälligen und oft verworrenen Schreibweise und des Fehlens ausreichender Register. Von gebührender Würdigung und Anerkennung KOPPS und vom offenen Eingeständnisse, daß sich auf dessen Leistungen die seiner sämtlichen Nachfolger durchaus aufbauen, findet man bei BERTHELOT keine Spur. Über die „Geschichte der Chemie“ sagt er nur, „man könne dieses gelehrte Werk zurate ziehen (consulter)“[7089], und gelegentlich der Aufzählung der Quellen[7090] bleiben KOPPS Schriften ganz unerwähnt, vor allem die „Beiträge“, obwohl BERTHELOT für seine Zwecke gerade ihnen das Meiste entnahm: besprechen sie doch allein die alchemistischen Handschriften und Litteraturnachweise auf nicht weniger als 100 Seiten[7091], stellen bereits fest, daß der jetzige Inhalt des „Codex Marcianus“ sein altes Inhaltsverzeichnis nicht mehr deckt[7092], erörtern von Fall zu Fall die Übereinstimmungen oder Abweichungen seiner Angaben und jener der verschiedenen übrigen Codices[7093], usf. Demgegenüber weiß BERTHELOT nur zu berichten, daß die Beiträge eine ausführliche und interessante Zusammenstellung über Manuskripte enthalten[7094], daß KOPP in ihnen derlei Notizen vereinigt und einander nähergebracht habe (réuni et rapproché ces notices)[7095], und daß sie mehrere lehrreiche Abbildungen aufweisen[7096]; über alles Sonstige bewahrt er Stillschweigen, so daß der Uneingeweihte glauben müßte, er habe die Beiträge gar nicht näher gekannt, bewiesen nicht seine Zitate in einem ganz anderen Werke (dem über LAVOISIER) das Gegenteil[7097], und bezeugte nicht die weitgehende Ausnützung ihres gesamten Inhaltes, daß er mit diesem bis in alle Einzelheiten genau vertraut war. Über ein so unbegreifliches Verhalten läßt sich wohl kein anderes Urteil fällen als das seitens des vortrefflichen Historikers der Chemie, E. V. MEYER, ausgesprochene: „BERTHELOT hat KOPPS grundlegende Forschungen rücksichtslos ignoriert“[7098]. Dies war auch der Eindruck, den KOPP selbst empfing und er versuchte deshalb schon nach dem Erscheinen der „Origines“, seine Ansprüche in einer kurzen und rein sachlichen Darlegung zu wahren, die er den „Annales de chimie et de physique“ einsandte; BERTHELOT wußte jedoch nicht nur diese zur Ablehnung der Aufnahme zu bestimmen, sondern verhinderte durch seine Einflüsse auch den Abdruck in irgend einer anderen maßgebenden französischen Zeitschrift, was KOPP „als der Wissenschaft unwürdig“ tief verstimmte[7099], ihn aber nicht hinderte, in seiner „Alchemie“ der „Origines“ mit einigen anerkennenden Worten zu gedenken[7100].
Noch erheblich schlechter als KOPP fahren bei BERTHELOT seine Landsleute HOEFER und CHEVREUL. Anfänglich kann man zwar HOEFERS gelehrte „Histoire de la Chimie“[7101] ebenfalls noch mit Nutzen einsehen, und sie enthält einige interessante Figuren[7102]; der Verfasser sprach in ihr von den griechischen Texten, und gab einige Auszüge und Übersetzungen[7103], — in Wirklichkeit nehmen die griechischen Texte 12 Seiten ein[7104], die Inhaltsangaben der Pariser Manuskripte 43[7105], und die Anweisungen zu ihrer Herausgabe, die BERTHELOT nur zum Teil befolgte, 4[7106]. Später heißt es, HOEFER sei oberflächlich und unzuverlässig, seiner Meinung z. B., der Satz des DIOSKURIDES „Quecksilber finde sich ἐν μετάλλοις“ sei alchemistischen Inhaltes, habe sich BERTHELOT anfangs angeschlossen[7107] (ohne HOEFER zu nennen!), sie aber bei weiterem Nachdenken als falsch erkannt[7108] (wobei dann HOEFERS Name hervortritt); HOEFER druckte den MARCUS GRAECUS fehlerhaft, schlecht und als neu ab, weil er, entgegen BERTHELOT, die Veröffentlichung des PORTE DU THEIL [die aber nur ein Privatdruck war!] übersehen hatte[7109], — wobei jedoch unerwähnt bleibt, daß schon KOPP diese kannte und die Verschiedenheiten der Manuskripte erörterte. Schließlich hat HOEFER gar keine wirkliche Sachkenntnis, sondern schreibt den alten Autoren des 16. und 17. Jahrhunderts nach[7110] und ist ein unerfahrener Phantast, der überhaupt von Chemie fast nichts verstand[7111]. Auch wenn man weiß, daß HOEFER die alte, sehr reichhaltige und genaue „Geschichte der Chemie“ von GMELIN[7112] höchst ausgiebig benützte[7113] und den Schriften CHEVREULS viele Einzelheiten entnahm[7114], erscheint ein solches Urteil durchaus befangen und äußerst ungerecht; freilich aber war HOEFER, der Freund ALEXANDER VON HUMBOLDTS und Übersetzer seiner Werke, ein durchaus selbständiger, dem Cliquenwesen zeitlebens völlig fernstehender Mann, dem daher im offiziellen Frankreich ungefähr die nämliche Behandlung zuteil wurde wie vor ihm GERHARDT und nach ihm TANNÉRY. — Über CHEVREUL, der in Frankreich für die Geschichte der Chemie durch seine langjährigen und eingehenden Arbeiten zweifellos das Bedeutendste vor BERTHELOT leistete[7115], findet dieser überhaupt nichts zu sagen, geht selbst in der biographischen Darstellung, die das Buch „Science et libre pensée“[7116] enthält, auf diese Seite seiner Tätigkeit nicht ein und erklärt sie also hiermit für der Erwähnung gar nicht wert.
Was übrigens die „alten Autoren des 16. und 17. Jahrhunderts“ sowie ihre Nachfolger betrifft, so sind deren Kenntnisse und Leistungen, wie BERTHELOT selbst am besten wußte, keineswegs gering anzuschlagen. In dem Absatze der „Origines“ über die von Vorgängern herrührenden Studien und Veröffentlichungen betreff der griechischen Alchemisten[7117], sowie an einigen anderen Stellen seiner Werke, sagt er von ihnen allerdings nur, sie hätten die Titel der griechischen Urschriften und auch diese selbst gekannt, sie gelesen und zuweilen zitiert, sie besprochen, einige Notizen und Fragmente aus ihnen veröffentlicht, usf.; aus diesen Worten kann sich aber niemand einen annähernd zutreffenden Begriff vom wirklichen Sachverhalte bilden, namentlich wenn Gelehrte in Frage kommen wie die beiden SCALIGER (1484–1558 und 1540–1609), CASAUBONUS (1559–1604) oder gar SALMASIUS (SAUMAISE, 1588–1653), dessen Darbietungen seines bewunderungswürdig vielseitigen antiquarischen Wissens zwar durch die geradezu trostlose Form der Darstellung sowie durch die Verquickung mit kleinlichen sachlichen oder persönlichen Streitigkeiten ganz erheblich an Wert verlieren, aber auch heute noch wahrhaft unversiegliche Quellen mannigfaltigster Belehrung bilden. Solche hat auch BERTHELOT aus ihnen in reichem Maße geschöpft und wenn er in bezug auf diese und andere Werke kurzweg sagt, „er habe sie benützt“, „er habe aus ihnen Nutzen gezogen“ (on a tiré parti)[7118], so erscheint dies nicht ausreichend und gestattet weder zu ersehen, was BERTHELOT ihnen entnahm, noch auch, ob er dies in fehlerfreier Weise tat. Verhüllungen und unbestimmte Andeutungen dieser Art liebt übrigens BERTHELOT außerordentlich, so daß er zuweilen Schriften ohne Nennung ihrer Verfasser anführt, zuweilen Autoren ohne Nennung ihrer Werke, während er auch wieder, — nur für den Kenner ersichtlich —, statt der in der Regel beigezogenen Ausgaben gewisser Schriftsteller andere benützt, diese aber gar nicht, oder nur an einer einzigen Stelle zufällig erwähnt[7119], wie z. B. die SPRENGELsche des DIOSKURIDES[7120], oder die SILLIGsche des PLINIUS[7121]. Nachstehend sei, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, eine alphabetische Liste von Werken gegeben, die BERTHELOT fraglos (zum Teil offenbar aus KOPPS „Beiträgen“) gekannt und vielfach gebraucht, jedoch nicht, nicht in entsprechender Weise, oder nur ganz nebenbei namhaft gemacht hat[7122]:
AMEILHON: Aufsätze über alchemistische Zeichen und Kunstausdrücke, über DEMOKRITOS und SYNESIOS, in den „Notices et Extraits des manuscrits de la Bibliothèque Nationale“, Bd. 5–7 (Paris 1799, 1801, 1804)[7123].
BECKMANN, „Beiträge zur Geschichte der Erfindungen“ (Leipzig 1786 ff.)[7124].
BORRICHIUS, „De ortu et progressu Chemiae“ (Kopenhagen 1668); „Hermetis et Aegyptiorum sapientia“ (Kopenhagen 1774).
CARDANUS, „De subtilitate“ (Lyon 1554); „De rerum varietate“ (Avignon 1558)[7125].
CHWOLSOHN, „Ssabier und Ssabismus“ (Petersburg 1856)[7126].
CONRING, „De hermetica medicina“ (Helmstädt 1648 und 1669).
DUCANGE, „Glossarium mediae et infimae Graecitatis“ (Lyon 1688).
ETIENNE (ESTIENNE) s. STEPHANUS.
FABRICIUS, „Bibliotheca graeca“ (Hamburg 1708 ff.); u. a. mit Abdruck aus PIZZIMENTI (Padua 1573).
GMELIN, „Geschichte der Chemie“ (Göttingen 1797).
GRUNER, „der um 1800 einige Fragmente in schwer zugänglichen [deutschen] Dissertationen und Programmen veröffentlichte“[7127].
HAURÉAU, „Histoire littéraire de la France“, Bd. 28[7128].
IDELER, „Physici et Medici graeci minores“ (Berlin 1842).
JACOBS und UKERT, „Beiträge zur älteren Litteratur“ (Leipzig 1835)[7129].
JOURDAIN, „Geschichte der aristotelischen Schriften im Mittelalter“[7130], üb. STAHR (Halle 1831).
KOPP, „Beiträge zur Geschichte der Chemie“ (Braunschweig 1869 ff.).
LABBÉ, „Nova Bibliotheca“ (Paris 1653).
LECLERC, „Histoire de la médecine arabe“ (Paris 1876)[7131].
LENGLET DU FRESNOY, „Histoire de la philosophie hermétique“ (La Haye 1742).
LOBECK, „Aglaophamos“ (Königsberg 1829)[7132].
MERRIFIELD, „Original treatises on the arts of painting“ (London 1849)[7133].
MONTFAUCON, „Palaeographia graeca“ (Paris 1708); „Bibliotheca Bibliothecarum“ (Paris 1739).
MORHOF, „Polyhistor“ (Lübeck 1695 und 1714).
PALLADIUS, „De febribus“, ed. BERNARD (Leiden 1745)[7134].
REINESIUS, „Variae lectiones“ (Altenburg 1640); s. FABRICIUS Bd. 12 (Hamburg 1724).
ROSSIGNOL, „Les métaux dans l’antiquité“ (Paris 1863).
RULANDUS, „Lexicon alchemiae“ (Nürnberg 1571; Frankfurt 1612).
SALMASIUS, „Plinianae exercitationes“ (Paris 1629; Utrecht 1689)[7135].
SCALIGER, J. C., „Exercitationes“ (Frankfurt 1607)[7136].
SCHNEIDER, „Eclogae Physicae“ (Jena 1801)[7137].
STEPHANUS, R. und H., „Thesaurus linguae latinae“ (Paris 1534), „Thesaurus linguae graecae“ (Paris 1572).
Wiener „Quellenschriften für Kunstgeschichte“ (Wien 1871 ff.)[7138].
WÜSTENFELD, „Geschichte der arabischen Ärzte und Naturforscher“ (Göttingen 1840)[7139].
Daß in dieser Hinsicht ein eigentümliches Verhalten BERTHELOTS vorliegt, kann man aus der Tatsache schließen, daß er z. B. selbst seinen ältesten und getreuesten Freund RENAN, dem er wohl alles verdankte, was er unmittelbar über die orientalische Litteratur wußte, nur ausnahmsweise anführt[7140]; ebenso bezeichnet er zwar seinen Mitarbeiter RUELLE als Urheber einer für die Textgestaltung des „Marcianus“ wichtigen Hypothese[7141], nennt ihn aber bei deren späteren Besprechungen nicht wieder[7142], und sagt schließlich „j’ai établi ...“[7143]. Auffällig ist endlich, daß BERTHELOT einige Male Quellen anführt, die er, entgegen dem, was hiernach jeder Leser annehmen muß, anscheinend gar nie zu Gesichte bekommen oder doch in keiner Weise berücksichtigt hat: zu diesen zählt u. a. LÜRINGS „Commentaire médicinal“[7144], in Wirklichkeit eine Straßburger Dissertation von 1888, betitelt „Die über die medizinischen Kenntnisse der alten Ägypter berichtenden Papyri“[7145], der Aufsatz GILDEMEISTERS[7146] über den Namen der Chemie[7147], und „der Artikel über Chemie, den der gelehrte Professor HOFFMANN in Kiel für HEUMANNS Lexikon schrieb“[7148].
Angesichts dieser Tatsachen wird es erklärlich, daß BERTHELOT unter Beiseitesetzung alles von Vorgängern und Zeitgenossen Geleisteten allein seinen eigenen Arbeiten Geltung zuerkannte und ihnen in stetig zunehmendem Maße und in immer begeisterteren Tönen eine Verherrlichung angedeihen ließ, die jede billige Grenze auch für denjenigen weitaus überschreitet, der ihre wahre Bedeutung gerne und freudig anerkennt. Betreff der griechischen Alchemisten heißt es z. B.: Der Ursprung, die theoretischen Grundlagen, die Philosophie der alten Chemie und Alchemie lagen bisher im Dunkel[7149], man befand sich in völliger Unwissenheit über die von ihnen ausgegangenen Einflüsse[7150], auch übte man an ihnen keine modern-exakte historische Kritik, sondern zitierte wie HOEFER die Autoren des 16. und 17. Jahrhunderts[7151]; ich habe die verlorenen Lehren und die Geschichte der führenden Ideen aufgefunden[7152]; ich zeigte die Abkunft der Alchemie von den Praktiken der ägyptischen Metallurgen und Goldarbeiter, die erst nachahmten und fälschten, dann aber selbst an das „Machen“ glaubten, und zwar infolge philosophischer, magischer und astrologischer Vorstellungen, die auf babylonische Quellen zurückgehen[7153]; ich schlang auf diese Weise das historische Band, das Theorie und Praxis der Alten mit jener der griechischen Alchemisten und ihrer Nachfolger verknüpft[7154]; ich entdeckte so neue und unerforschte Regionen, bewirkte eine wahre Auferstehung, und rekonstruierte durch meine Studien eine ganze Wissenschaft[7155]; ich eröffnete neue Einsichten hinsichtlich des Aufbaues, des Zusammenhanges und der Anordnung der griechischen Texte und publizierte diese als „les preuves de ma découverte“[7156]; ich löste hierdurch das alte Rätsel (la vieille énigme) der Alchemie[7157].
Bezüglich der arabischen Alchemie sagt BERTHELOT: Die wahre Alchemie der Araber war bis auf den heutigen Tag unbekannt[7158]; ich entdeckte ihren Zusammenhang mit jener der Griechen und wies dessen Spuren in den sog. arabischen Übersetzungen nach[7159]; ich habe die herrschenden Ansichten über das chemische Wissen der Araber nicht weniger als vollständig umgestürzt[7160]; ich habe die maßgebenden Kenntnisse geschaffen und die bisher unedierten Quellen unter der schätzbaren Beihilfe DUVALS herausgegeben[7161]; ich habe diese ungeheuere und schwierige Arbeit verrichtet, die noch niemals in wirklich kritischer Weise versucht worden ist[7162]. An die Echtheit der GEBERschen Schriften glaubte ich anfangs[7163] „wie fast alle Welt“, später aber stiegen mir Zweifel auf und führten mich dahin, sie als lateinische Apokryphen und Pseudonyme des 13. Jahrhunderts anzusehen[7164]; ich zeigte, daß GEBERS „Summa“ (verfaßt gegen 1300), sowie das „Testamentum“ und die „Alchimia“ (verfaßt nach 1300?), weder Theorien noch Autoren zitieren[7165], sich vielmehr auf bestimmt und klar beschriebene praktische Versuche aufbauen[7166] und rein scholastische Art und Mache verraten[7167]; ich legte klar, daß die arabischen Originale des GEBER nicht bekannt sind und daß lateinische Übersetzungen dem ALBERTUS MAGNUS und VINCENTIUS BELLOVACENSIS im 13. Jahrhundert nicht bekannt waren, was ein ganz unerwartetes Ergebnis von hervorragendster Bedeutung (question capitale) vorstellt[7168] und die gesamte bisherige Geschichte der Chemie als eine durch Unwissenheit verfälschte dartut[7169]; ich entdeckte, daß schon die Persönlichkeit des GEBER fragwürdig ist, daß die Werke des DSCHABIR nicht die dem GEBER zugeschriebenen Kenntnisse enthalten, sondern sich meist in weitläufiger und sehr allgemeiner Weise über die alten griechischen Theorien verbreiten[7170], und daß bereits DSCHABIR selbst „un peu légendaire“ ist[7171].
Hinsichtlich der späteren Zeiten äußert sich BERTHELOT: Die Jahrhunderte vor dem 14. waren bisher „à peu près ignorés“[7172]; ich ermittelte den Zusammenhang ihrer Alchemie mit der antiken, sowie die wichtige Rolle, die hierbei den Kunsthandwerken zufällt[7173]; ich erwies die mindestens seit dem 3. Jahrhundert bestehende „filiation non interrompue“[7174], wenn auch alle Gelehrten, die die alchemistischen Handschriften kannten, schon seit 1600 eine mit dem 5. Jahrhundert beginnende für zweifellos erachteten[7175]; ich durchschaute die „filiation historique“ der antiken Theorien und Praktiken in den Überlieferungen der Künste und Gewerbe, die bisher kein Mensch beachtete oder ahnte (que personne n’avait soupçonnée) und entdeckte diese durchaus grundlegende Tatsache (ce fait capital)[7176].
Überblickt man die angeführten, von BERTHELOT erhobenen Ansprüche, so muß man, da eine so gänzliche Unkenntnis der gesamten einschlägigen Litteratur nicht anzunehmen ist, die Selbsttäuschung geradezu erstaunlich, ja in vielerlei Hinsicht völlig unbegreiflich finden. Einschlägige, bereits an früheren Stellen des vorliegenden Werkes hervorgehobene Einzelheiten sollen hier nicht wiederholt werden. Nochmals hingewiesen sei nur, betreff der beiden „capitalen“ Entdeckungen: einerseits auf die eingehenden Darlegungen über die Erhaltung der antiken Traditionen in den BERTHELOT durchaus geläufigen „Original treatises“ der MERRIFIELD (1849)[7177], in den (von dieser oft zitierten) EASTLAKEschen „Beiträgen zur Geschichte der Ölmalerei“[7178], und in den Wiener „Quellenschriften für Kunstgeschichte“; andererseits aber auf die älteren Angaben über die Frage der Echtheit von GEBERS Schriften[7179], die BERTHELOT sehr unzureichend mit den Worten abtut, er habe anfangs „wie fast alle Welt“ an sie geglaubt. Die Zweifel an der Person und den Werken des DSCHABIR äußert doch schon gegen 1000 der „Fihrist“[7180]; daß arabische Originale GEBERS nicht vorliegen und daß weder solche noch lateinische Übersetzungen den Autoritäten des frühen Mittelalters bekannt waren, wußten bereits die älteren Orientalisten und Historiker der Chemie; ausdrücklich sagt auch E. WIEDEMANN schon 1878[7181], daß die in den arabischen Codices der Leidener Bibliothek enthaltenen Werke DSCHABIRS sich ganz im mystischen Gedankengange der griechischen Alchemisten bewegen und nicht den klaren wissenschaftlichen Geist der lateinischen (GEBERschen) Schriften zeigen, die ebenso unecht sind wie die sog. Alchemie („De anima“) des AVICENNA[7182].
Den „Schöpfer“ aller dieser Erkenntnisse, und damit der Geschichte der Chemie, kann sich daher BERTHELOT mit ebensowenig Recht nennen wie etwa den Schöpfer der „chemischen Synthese“, als welchen er sich mit etwas umschriebenen Worten in den „Origines“ bezeichnet, und mit ganz unverblümten in späteren Werken[7183], — obwohl die ersten Synthesen organischer Stoffe, der Oxalsäure und des Harnstoffes, schon 1824 und 1828 von WÖHLER ausgeführt worden waren[7184], der durch sie die uralte starre Scheidewand zwischen anorganischen und organischen Substanzen umstürzte, der sog. „Lebenskraft“ den eigentlichen Todesstoß versetzte, und so eine wissenschaftliche Tat allerersten Ranges vollbrachte, eine wahrhaft „capitale“. In „Science et Philosophie“[7185] ist aber von WÖHLER im Abschnitte „Über organische Synthese“ gar nicht die Rede[7186], und in dem „Über die allgemeinen Methoden der Synthese“ nur ganz nebenbei als vom Urheber einer „sehr einfachen“ und „isoliert gebliebenen“[7187]; in „La synthèse chimique“[7188] wird WÖHLER zunächst ebenfalls ganz übergangen[7189], und erst gelegentlich KOLBES Synthese der Essigsäure von 1845 flüchtig erwähnt, — doch sollen diese Entdeckungen der tieferen Bedeutung ermangeln[7190], nämlich jenen BERTHELOTS gegenüber. Aber schon wo diese zuerst im Zusammenhange dargestellt werden, in der „Chimie organique fondée sur la synthèse“[7191], spricht sich BERTHELOT über seine Vorgänger in so eigentümlicher, den Sachverhalt für jeden, der ihn nicht schon genau kennt, so völlig verschleiernder Weise aus, daß WÖHLER, der bekanntlich eine sehr spitzige Feder führte, hierüber an LIEBIG schrieb: „Das BERTHELOTsche Buch ist freilich an sich so jesuitisch abgefaßt, daß selbst für oberflächliche Fachleute der Anschein entstehen kann, als hätte es vor ihm noch gar keine wissenschaftliche organische Chemie gegeben, als sei nichts von der künstlichen Bildung organischer Verbindungen aus den Elementen bekannt gewesen[7192].“ An eine Berichtigung war natürlich auch in diesen Fällen nicht zu denken; denn es gehörte zu den Absonderlichkeiten BERTHELOTS, selbst ganz offenbare Irrtümer, in die ihn weniger gründliche Arbeiten und hartnäckig festgehaltene rückständige Ansichten wiederholt verstrickten, nicht, nicht in offener Weise, und auch nicht ohne weiteres zuzugestehen, sie vielmehr durch Ausflüchte und Hypothesen aller Art so lange als möglich zu bemänteln[7193]. In diesem Sinne schreibt der berühmte Chemiker WURTZ, der viele Jahre lang BERTHELOTS Kollege, und oft in wissenschaftliche Streitigkeiten mit ihm verwickelt gewesen war, an VAN’T HOFF, als dieser eine unrichtige Beschuldigung BERTHELOTS zurückwies, von ihm aber keinen Widerruf erlangen konnte: „Herrn BERTHELOT müssen Sie gänzlich einkreisen, sonst wird er sich in der Richtung der Tangente drücken“ (à M. BERTHELOT il faut être très-serré, sans cela il s’échappera par la tangente)[7194].
In den Studien des frühverstorbenen, scharfsinnigen Wiener Kunsthistorikers KALLAB[7195] über die Biographien des VASARI (1512–1574), in denen er auch gewisse Auffassungen THODES gegenüber jenen JUSTIS auf das Entschiedenste verurteilt, finden sich Sätze, die vollkommen dem Ausdruck geben, was auch als Zweck der vorstehenden Ausführungen zu betrachten ist. Sie lauten: „Diese Darlegungen sind gewiß sehr hart und scharf; aber sie nehmen augenscheinlich die Sache aufs Korn; .... nirgends ist wohl Patriarchentum weniger am Platze und schädlicher als in der Wissenschaft[7196].“ „VASARI zitiert Autoren, Urkunden und Gewährsmänner, aber so, daß durch die Zitate das, was er aus ihnen entnommen hat, verborgen wird; ... nicht immer ist er dabei völlig naiv und bona fide verfahren; jedenfalls läßt er sich von dem Vorwurfe, aus Eitelkeit seine Hauptquellen absichtlich verschwiegen zu haben, nicht reinwaschen[7197].“ — Ebenso paßt zumeist wörtlich auf BERTHELOTS Textausgaben und auf die Ergebnisse, die die Art seiner Zusammenarbeit mit RUELLE, DUVAL und HOUDAS zeitigen mußte, was RUSKA im „Steinbuche des ARISTOTELES“[7198] über die mineralogischen Schriften CLEMENT-MULLETS sowie über die Zusammenarbeit DE MÉLYS und COURELS sagt: „Das Durcheinander der zitierten Handschriften ist für eine zeitliche Orientierung überaus hinderlich; ... die [des Herausgebers] Erwartung, daß den Beschreibungen stets bestimmte Kenntnisse und Tatsachen zugrunde liegen, ist vielfach zuversichtlicher, als wir es nach unseren Eindrücken von dem Charakter dieser Litteratur gerechtfertigt finden können; ... ein unmethodischer Eklektizismus bietet weder dem Philologen, noch dem Historiker, noch dem Mineralogen, was er erwartet; ... Paragraphen sind übergangen, die für den Philologen gleichgültig sind, auch wenn sie für den Technologen nützlich sein mögen; ... statt einer objektiven, möglichst nach Quellen und Zeiten disponierten, geschichtlichen Darstellung des wirklichen Inhaltes ... haben wir leider nur eine subjektive und willkürliche Auswahl aus dem Material der in Paris liegenden Handschriften[7199].“ „Gelegentlich der ‚Collaboration d’un orientaliste et d’un médiéviste‘ haben [die Verfasser] ihre Vorgänger, besonders die deutschen, nicht gekannt oder nicht verstanden, ... und wollen die fraglichen Entdeckungen selbst gemacht haben; ... man weiß nicht, was man zu den Resultaten dieser Collaboration sagen soll[7200].“