VI. KAPITEL. [←]
DIE ILLUSTRIERENDE KUNST IN DEUTSCHLAND.
Die deutschen Malerschulen. Der Kupferstich und der Holzschnitt. Michel Wolgemut. Albrecht Dürer, seine Zeitgenossen und Nachfolger: Hans Burgkmair, Hans Schaeuffelein, die „Kleinmeister“. Hans Holbein d. j. Lucas Cranach d. ä. Die Schweizer und Elsasser Künstler. Über die „eigenhändigen“ Holzschnitte der Zeichner.
schulen.
UNTER wenig günstigen Verhältnissen hatte die Malerkunst in Deutschland sich gestaltet. Das rauhe Klima gestattete keine Entwickelung der Wandmalerei mit ihren grossen Verhältnissen und die alles beherrschende gothische Baukunst benutzte die zeichnenden Künste fast nur zum Zweck der Ornamentierung. Erst um die Mitte des xiv. Jahrhunderts entstanden eigentliche Malerschulen, die jedoch in ihrer ganzen Weise noch die Spuren der früheren Unterordnung der Malerkunst unter die Architektur tragen.
Unter diesen war die rheinische, nach dem Hauptorte KÖLN gewöhnlich die Kölnische Malerschule genannt, die bedeutendste. Sie zeichnete sich durch ideales Streben im Dienste der Kirche aus. Ihr eigentümlich waren demgemäss die schlanken, duftigen Gestalten mit heiligem Gesichtsausdruck in weichen Farben auf Goldgrund gemalt. Rundere, gedrungenere Formen entstanden erst beim Schärferwerden der fortschreitenden Naturbeobachtung und der Vervollkommnung der Technik. Wie früher die Menschen der Künstler mehr Heilige waren, so wurden jetzt die Heiligen mehr gewöhnliche Menschen.
Im Osten war PRAG ein Hauptsitz der Kunst geworden, welche hier unter dem Einfluss des Kaiserhauses, besonders Karls iv., eine, zunächst die weltliche Macht verherrlichende Richtung nahm.
Wie Köln und Prag der geistlichen und staatlichen Gewalt huldigten, so entwickelte sich in Brügge, wie in Nürnberg, wo Handel und Verkehr blühten und ein mächtiges Bürgertum herrschte, die Kunst mehr in der realistischen und begrenzteren Richtung des Bürgertums. BRÜGGE wurde die Pflanzstätte der niederländischen Kunst, die ihre besondere Grösse im kleinsten Genre entwickelte und sich unter der Führung Huberts van Eyck durch eine, bis dahin unbekannte Naturtreue auszeichnete.
Unterstützt durch die Energie seiner Bürger und begünstigt durch seine, allerdings reizlose, Zentrallage war NÜRNBERG nicht allein ein Stapelplatz für die Produkte und Fabrikate Deutschlands geworden, sondern auch ein Knotenpunkt des Zwischenhandels des Nordens und des Westens mit dem Süden und dem Osten. Die Selbstregierung ruhte nach liberalen Grundsätzen in den Händen eines aufgeklärten und reichen Patriziertums, welches die Rechte der, in kleineren Verhältnissen Lebenden zu schonen verstand. Der rege Verkehr hatte den Gesichtskreis nicht allein in staatlichen und kirchlichen Verhältnissen erweitert, sondern auch den Sinn für Wissenschaft und Kunst verallgemeinert, und der Reichtum gab die Mittel, sie zu fördern.
Die Malerschule in Nürnberg nahm zwar unter solchen Umständen, wie in Brügge, einen bürgerlichen Charakter an, jedoch mit einer weit vornehmeren, gemütreicheren und religiöseren Richtung.
Holzschnitt.
Unter Einwirkung der Buchdruckerkunst und der Reformation mussten die neuen Kunstverfahren des Kupferstechers und des Holzschneiders einen besonders günstigen Boden in Deutschland finden. Ohne Unterstützung des sinnebestrickenden Farbenreizes und ohne andere Effektmittel, als die mehr oder weniger geschwellten Linien und die weiteren oder engeren Strichlagen, war der Künstler gehalten, eine um so grössere Aufmerksamkeit der Idee, der Komposition und der korrekten Formengebung zuzuwenden. Bald erreichten diese Künste, indem sie sich den Bestrebungen der sich neu gestaltenden Zeit dienstbar machten, trotz des räumlich kleinen Umfanges die Bedeutung einer monumentalen Kunst, die am fröhlichsten dort gedeihen musste, wo die erwähnten Bestrebungen sich am kräftigsten äusserten, demgemäss also auch in dem geistig-bewegten Nürnberg.
schneider.
Der erste Formenschneider, der als solcher im Bürgerbuche genannt wird und zwar in den Jahren 1449-1492, ist Hans Formenschneider. Bei dem langen Zeitraum ist es anzunehmen, dass man es mit zwei Persönlichkeiten, vielleicht mit Vater und Sohn, zu thun hat. Auch andere werden genannt, von denen jedoch keine Arbeiten bekannt sind. Ein sehr unternehmender Mann war um diese Zeit Hans Sporer d. j. Seine Hauptwerke sind: „Der Endtkrist“ 2. Ausg. 1472; „Die Kunst zu sterben“ 1473; „Die Armenbibel“ 1475, in denen der Ausdruck der Figuren zum Teil noch etwas entschieden Fratzenhaftes und Gespenstisches hat. Auch Georg Glockendon d. ä. arbeitete schon um 1480 und schnitt u. a. eine „Marie“ mit fünf weiblichen Heiligen und eine „Himmelfahrt Christi“. Von Wolfgang Hamer hat man eine „Heilige Familie“[1].
mut.
Wilh. Pleyden-
wurf.
Der eigentliche Begründer der Nürnberger so berühmten Holzschneiderschule und wahrscheinlich der Einführer des Kupferstiches in Nürnberg ist Michel Wolgemut (geboren 1434). Seine künstlerische Ausbildung erhielt er am Rhein. Nach Nürnberg zurückgekehrt, heiratete er die Witwe des Hans Pleydenwurf, eines achtbaren Künstlers. Einen seiner Stiefsöhne, Wilhelm Pleydenwurf, bildete er als Künstler aus und errichtete, namentlich um die Ansprüche Kobergers für seine grossen Unternehmungen befriedigen zu können, mit ihm zusammen ein Holzschneide-Atelier. Dasselbe nahm eine grosse Ausdehnung an und es entstanden in sehr kurzer Zeit die bereits früher erwähnten Werke: „Der Schatzbehalter“ und Schedels „Buch der Chroniken“[2]. Pleydenwurf starb bereits kurz nach Vollendung derselben (1495); Wolgemut, der auch eine bedeutende Thätigkeit als Kupferstecher entwickelte, am 30. Nov. 1519. Abgesehen von seinen eigenen künstlerischen Verdiensten behält Wolgemut eine grosse Bedeutung als Lehrer Albrecht Dürers, der stets mit grosser Hochachtung von ihm sprach.
Albrecht Dürer[3], mit dem der Holzschnitt einen hohen Standpunkt erreichte, war am 21. Mai 1471 als dritter Sohn des gleichnamigen Vaters in Nürnberg geboren. Dürer d. ä. war als Goldschmiedegesell 1455 nach Nürnberg gekommen, wo sein Meister Hieronymus Holper ihm seine Tochter zur Frau gab, die ihm achtzehn Kinder gebar. Albrecht wurde von seinem Vater in dem Goldschmiedehandwerk unterwiesen, jedoch auf seinen dringenden Wunsch, Künstler zu werden, mit seinem fünfzehnten Jahre bei Michel Wolgemut in die Lehre gebracht, und er nahm somit vielleicht schon an den Unternehmungen Kobergers thätigen Anteil.
Von seinen Lehrjahren und Wanderungen ist wenig bekannt. Zu Pfingsten 1494 kehrte er von letzteren nach Nürnberg zurück mit den äusseren Vorzügen des Körpers sowohl als mit den inneren des Charakters und der Tüchtigkeit ausgestattet. Er heiratete Jungfrau Agnes Frey, die hübsch und nicht unbemittelt war. Es ist behauptet worden, dass die Ehe nicht glücklich gewesen, doch liegen keine Beweise dafür vor, wenn es auch den Anschein hat, als sei die Agnes mehr eine tüchtige Hausfrau, als eine mit der Künstlernatur Dürers sympathisch gestimmte Seele gewesen. Er bezog ein Haus am oberen Ende der Zisselgasse, welches er gekauft hatte, um dort sein Atelier einzurichten. Das Haus, innerlich und äusserlich leidlich unverändert erhalten, ist in den Besitz des Dürer-Vereins übergegangen.
St. Johannis.
Neue Bahnen für
den Holzschnitt.
Dürer, der noch nicht seinen Weltruf hatte, musste des Verdienstes wegen manche Arbeiten übernehmen, an denen er sich sonst kaum versucht haben würde. Aber schon frühzeitig beschäftigte er sich mit einem Gegenstande, woran er seine ganze Kraft bethätigen und sich selbst genügen wollte. Im Jahre 1498 erschien sein Bildercyklus von 15 xylographischen Darstellungen in Folio zur „Offenbarung St. Johannis“. Der Text ist zweispaltig auf die Rückseite der Bilder gedruckt, jedoch nicht immer so, dass Text und Bild korrespondieren. Das Werk erschien sowohl in einer deutschen als in einer lateinischen Ausgabe und in mehreren Auflagen. Komplette Exemplare sind selten. Hiermit war der, bis dahin bekannte Kreis der Leistungen weit überschritten und die Thätigkeit des Geistes zeigte sich selbst der aussergewöhnlichen Fertigkeit der Hand so weit überlegen, dass die Ausübung der Kunst nicht mehr als Handwerk gelten konnte.
Dürers bahnbrechende Richtung für den Holzschnitt lag in seiner Manier für diesen zu zeichnen. Bis dahin bestand der Holzschnitt hauptsächlich nur in derben Umrissen auf das Kolorieren berechnet. Zwar hatte Wolgemut eine künstlerische Richtung mit Glück eingeschlagen, aber erst Dürer erreichte die Vollendung. Durch Abwechselung von Licht und Schatten erzielte er eine grössere malerische Wirkung, als durch Kolorit möglich war. Dazu gehörten jedoch Formenschneider, die auf seine Intentionen eingingen. Solche konnte aber Dürer ausbilden, denn niemand verstand es besser, als er, seinen künstlerischen Willen fest und bestimmt mit der Feder anzugeben. Es blieb für den Formenschneider nichts anderes übrig, als Strich für Strich der Zeichnung zu folgen. Dürer wusste ganz genau, was er der Technik des Holzschneiders zumuten konnte. Es war dies zwar weitergehenderes als sonst üblich, jedoch nicht mehr, als was mit dem einfachen Material geleistet werden konnte. Wie sicher er dies zu berechnen wusste, zeigt am besten der Vergleich seiner Holzschnitt-Technik mit seiner Kupferstich-Technik, für die keine solche hemmenden Schranken existierten.
Arbeiten.
Aus den ersten Jahren des xvi. Jahrh. stammen eine grosse Zahl von Zeichnungen, Stichen und Holzschnitten von seiner Hand. Sein überströmender Geist legte in seinen Zeichnungen zum Teil die Gedanken nieder, die er später zu abgeschlossenen Werken ausarbeitete.
Nach zehnjähriger und aufreibender Arbeit machte er eine Reise nach Italien. Aus den mitgenommenen kleinen Kunstwerken und den Vorräten seiner Stiche und Drucke hoffte er Vorteile zu erzielen, die indes nicht so reichlich ausfielen, wie die Ehrenbezeigungen, die ihm erwiesen wurden. Bei seiner Rückkehr malte er eine grosse Altartafel für den Kaufherrn Jakob Heller in Frankfurt, welche allgemeine Bewunderung erregte, aber doch so wenig lohnte, dass Dürer wieder zur Feder und zum Stichel griff. Zu den bedeutendsten seiner Leistungen gehören die drei „Passionen“ und das „Leben der Maria“ in Holzschnitt und Kupferstich. Sie haben durch Jahrhunderte ihren unvergänglichen Wert behauptet und sind wieder und wieder nachgebildet, nachdem die Originale nicht mehr für den Bedarf ausreichten.
Eine der Passionen in Folio und eine in Oktav sind in Holzschnitt ausgeführt, die dritte, auch in Oktav, ist in Kupfer gestochen. Die beiden ersteren erschienen 1511 in Buchform. Die „grosse Passion“ ist 12 Blätter stark mit ebenso vielen Darstellungen; die „kleine Passion“ 38 Blätter mit 37 Darstellungen, beide mit lateinischen Versen von Chelodonius, einem Benediktinermönch und Freund Dürers. Die dritte „Passion“ in Kupferstich von 16 Blättern ward erst 1513 vollendet; sie ist ohne Text und scheint nie in Buchform ausgegeben worden zu sein. Die, ihrem Stoff nach umfangreichste „kleine Passion“ fängt mit dem Sündenfall an und endigt mit dem jüngsten Gericht; die Bezeichnung Passion ist demnach nicht ganz korrekt.
Leben.
In keinem Werke aber prägt sich der eigentümliche Geist Dürers und überhaupt der deutschen Kunst voller und klarer aus, als in der Reihe von zwanzig, „Unser Frauen Leben“ behandelnden Holzschnitten. Auch was die Ausführung betrifft, gehört dieser Cyklus zu dem vorzüglichsten, was die Holzschneidekunst je geliefert hat.
Neben diesen Hauptwerken schenkte uns Dürer in diesem Zeitpunkt seines reichen Schaffens eine grosse Anzahl von Einzelblättern, die den genannten an Originalität der Erfindung und in der Ausführung nicht nachstehen. Daneben musste er auch Zeit und Lust finden, Blätter für Kinder und zum Schmücken von Schachteln; Zeichnungen von Wappen der Patrizier zum Einkleben in ihre Bücher; Nachbildungen naturhistorischer Gegenstände, u. dgl. m. zu liefern.
Maximilian I.
Eine besondere Klasse von Arbeiten, die zu den, für den Typographen interessantesten gehören, sind die Werke, die er für den Kaiser Maximilian ausführte, der zwar ein poetisches Gemüt und einen regen Sinn für die schönen Künste besass, diese jedoch hauptsächlich nur durch deren Ausbeutung zu seiner persönlichen Verherrlichung bethätigte.
Der Kaiser hatte den Gedanken gefasst, die ganze Glanzfülle seiner ruhmreichen Abstammung, seine weite Herrschaft, Leben und Thaten durch eine „Ehrenpforte“, einen „Triumphzug“ nebst einem „Triumphwagen“ darstellen zu lassen. Den hauptsächlichsten Teil der Arbeit wollte er Dürer übertragen, aber auch andere Künstler sollten bei den Werken beschäftigt sein. Unter diesen ragte besonders Hans Burgkmair, geboren zu Augsburg 1473, gestorben ebendaselbst 1529, hervor, der, durch seinen Aufenthalt in Venedig von der dortigen Kunst beeinflusst, einer der Hauptvertreter der Renaissance in Deutschland wurde. Berühmt ist er hauptsächlich durch seine Holzzeichnungen zu den erwähnten und anderen durch Maximilian i. hervorgerufenen Werken. Er lieferte 30 Platten zur Ehrenpforte, 66 zu dem Triumphzug. Von ihm stammen grösstenteils die 245 Zeichnungen zu dem „Weisskunig“, auch eine Verherrlichung des Kaisers, des weiteren arbeitete er mit an den 124 Blatt: „Heilige des österreichischen Kaiserhauses“. Berühmt ist auch sein „Turnierbuch“ mit 52 Illustrationen.
Den Auftrag zur „Ehrenpforte“ erhielt Dürer mutmasslich schon im J. 1512. Der gelehrte Johannes Stabius war mit der litterarischen Leitung und der Abfassung der vielen Inschriften betraut. Dürer ergriff die Sache mit grossem Eifer und vollendete seine Arbeit schon 1515, obwohl die Aussichten auf die entsprechende Entschädigung nicht gross waren, da der Rat von Nürnberg das Ansinnen des Kaisers, der nicht gern aus eigener Tasche zahlte, „Dürer Steuerfreiheit zu gewähren“, ablehnte oder vielmehr Dürer veranlasste, selbst den Antrag zurückzunehmen. Ebenso weigerte sich der Rat, ein, vom Kaiser auf Grund verschiedener Arbeiten Dürer zugestandenes Jahresgehalt von 100 Gulden zugunsten des Künstlers von den an Maximilian zu zahlenden Abgaben in Abzug zu bringen.
Die „Ehrenpforte“ ist das grossartigste, was jemals in Holzschnitt geschaffen worden ist. Sie besteht aus 92 Holzstöcken, die zusammengestellt eine Ausdehnung von nahe an 3 Meter 50 ctm. Höhe und 3 Meter Breite einnehmen. Mit einer Sicherheit ohne gleichen zeichnete Dürer die Blätter mit Feder und Pinsel. Mit gleicher Genauigkeit schnitt sie Hieronymus Andreä. Das Werk ist nicht ein Triumphbogen im antiken Stil, sondern ein hoher giebelgekrönter Renaissancebau, durch runde Türme flankiert und mit drei Thoren versehen. Der Reichtum an historischen Darstellungen, Allegorien, Portraitfiguren und ornamentalem Schmuck ist geradezu überwältigend.
Der „Triumphzug“ bildet in seiner Entfaltung ein Tableau von 54 Metern Länge bei 37 ctm. Höhe und besteht aus 135 Stöcken, war jedoch auf eine noch grössere Zahl berechnet. Von den Stöcken lieferte Burgkmair 66, Dürer zeichnete 24 Blatt. Dieses grossartige xylographische Werk bietet, abgesehen von dem Kunstgenuss, einen höchst interessanten Stoff für das Studium der Kostüme, Waffen, Geräte und Sitten damaliger Zeit. Das eingehende Programm verfasste des Kaisers Sekretär Marx Treytz-Saurwein.
wagen.
Der „Triumphwagen“, sozusagen der Mittel- und Schwerpunkt der gesamten Unternehmungen, ist ein Werk Dürers. Die Zeichnungen entstanden 1514-1515, die Holzschnitte waren 1522 fertig. Der Rat Pirckheimer hatte die Idee ausgearbeitet, die sich lediglich auf schale Lobrednerei gründet. Der Kaiser fährt auf einem von 12 Pferden gezogenen Triumphwagen, umgeben von allegorischen Figuren, die alle seine Tugenden repräsentieren. Die aus 8 Holzstöcken bestehende Komposition hat eine Länge von 2 Meter 32 ctm. bei einer Höhe von 47 ctm.
Als Kaiser Maximilian am 12. Jan. 1519 starb, gerieten seine Kunstunternehmungen ins Stocken. Dass der Kaiser nicht gern zahlte, wurde schon erwähnt. Dürer und Andere hatten ihr Honorar noch nicht erhalten. Um sich bezahlt zu machen, gab Dürer den „Triumphwagen“ auf seine Rechnung heraus. Die erste Ausgabe erschien 1522 mit deutschem, die zweite 1523 mit lateinischem Text; nachgedruckt wurde das Werk in Venedig 1589. Auch von dem „Triumphzug“ verkaufte man einzelne Blätter. König Ferdinand, dem daran lag, dass das Werk des Kaisers nicht in Privathände zersplittert würde, erwarb durch Vermittelung des Rates zu Nürnberg die noch unbezahlten Stöcke, die nach Wien kamen. Im Jahre 1759 machte man den Versuch, das ganze Werk herauszugeben. 1799 wurde eine neue Ausgabe veranstaltet und die noch fehlenden Stöcke durch Radierungen ersetzt.
Gebetbuch.
Zu seinem eigenen Gebrauch hatte Maximilian ein Gebetbuch zusammenstellen lassen, das er von Joh. Schönsperger in Augsburg in kostbarem Pergamentdruck ausführen liess. Die Initialen wurden nach einem, dem Congrevedruck ähnlichen Verfahren mehrfarbig eingedruckt. Man kennt bloss drei Exemplare dieses Werkes, eins in der k. k. Bibliothek zu Wien, das andere in der Münchner Bibliothek, das dritte in dem British Museum. Zu 45 Blättern zeichnete Dürer mit farbiger Tinte Einfassungen, die einen wahren Schatz von Ornamenten und Allegorien, Ernst und Scherz, Profanem und Heiligem in bunter Reihe enthalten. Dürer scheint die Absicht gehabt zu haben, sie durch seine Schüler fortsetzen zu lassen. Es existieren auch acht Blatt von anderer Hand gezeichnet, die fälschlich Lucas Cranach zugeschrieben wurden; eher dürften sie Hans Springinklee gehören[4].
Niederlanden.
Im Jahre 1520 unternahm Dürer in Gesellschaft seiner Frau eine Reise an den Rhein und nach den Niederlanden, auf welcher er dort mit grossen Ehren empfangen wurde und mit vielen berühmten Persönlichkeiten in Berührung kam. Sein Hauptzweck war, den Kaiser Karl v., dessen Einzug in Antwerpen und Krönung in Aachen er beiwohnte, zur Zahlung der, ihm vom Kaiser Maximilian ausgesetzten Rente zu veranlassen, was ihm auch, nach verschiedenen vergeblichen Bemühungen an den Kaiser hinanzukommen, schliesslich in Köln gelang.
beiten.
Eine Hauptthätigkeit Dürers in den letzten Jahren seines Lebens war die Ausarbeitung und Herausgabe seiner litterarischen Arbeiten, für welche er sich durch sein ganzes Leben vorbereitet hatte. Sein erstes Werk erschien 1525 unter dem Titel: „Underweysung der Messung, mit dem Zirkel und Richtscheyte, in Linien ebnen wnd gantzen Corporen“. Für Buchdrucker hat das Werk ein besonderes Interesse, weil es die Verhältnisse der Buchstaben zum erstenmal in Deutschland nach geometrischen Grundsätzen feststellt. Es erlebte mehrere Auflagen, sowie eine Übersetzung in das Lateinische von Joh. Camerarius. Sein zweites Werk ist eine „Befestigungslehre“; sein Hauptwerk (1525) führt den Titel: „Hierine sind begriffen vier Bücher von mennschlicher Proportion“, und erlebte viele Ausgaben in vielen Sprachen.
Seine letzte Zeit verlebte Dürer geschätzt von allen bedeutenden Männern in einfachen, jedoch keineswegs ärmlichen Verhältnissen. In den Niederlanden hatte er sich ein Fieber geholt, das er nicht wieder los werden konnte, trotz dessen er aber noch übermässig arbeitete. Er starb am 6. April 1528. Seit 1840 schmückt sein Standbild aus Erz den nach ihm benannten Platz in Nürnberg und die dortigen Künstler begehen zu seinem Geburtstage jährlich an seinem Grabe eine einfache Feier.
Die Zeitgenossen und Nachfolger Dürers zeigen, mit Ausnahme des durchaus selbständigen Hans Holbein, einen unverkennbaren Einfluss des grossen Meisters. Wenige unter ihnen, denen man im allgemeinen auf Grund der räumlichen Kleinheit ihrer meisten Arbeiten den Namen „Kleinmeister“ beigelegt hat, standen jedoch als Schüler in einer näheren Verbindung mit Dürer. Nur von zweien wissen wir mit Bestimmtheit, dass sie Dürers „Lehrjungen“ gewesen: Hans von Kulmbach und Hans Springinklee, und gerade über diese sind die sonstigen Nachrichten dürftig.
bach.
Hans Fuss, nach seiner Vaterstadt Hans von Kulmbach, trat, nachdem er die Malerei bei Jacopo dei Barberi (Jakob Walch) gelernt, 1510 bei Dürer in weitere Lehre. Ob er viel für graphische Kunst gezeichnet hat, ist nicht bekannt. Ein Blatt für den Triumphzug ist noch vorhanden mit den hineingezeichneten Korrekturen Dürers.
klee.
Hans Springinklee, geboren zu Nördlingen 1470, entwickelte für die graphischen Fächer eine grosse Thätigkeit. Er zeichnete 60, durch seelenvolle Innigkeit sich auszeichnende Bilder zu dem Hortulus animæ, der zuerst 1516 und dann in mehreren schnell auf einander folgenden Auflagen bei Koberger erschien. Er arbeitete auch mit an den Illustrationen zu dem Weisskunig und an verschiedenen Unternehmungen Dürers, dessen Art er sich innig anschloss. Auch grössere Einzelblätter hat man von ihm.
Erhard Schön war ein Mitarbeiter Springinklees bei dem Hortulus animæ (ob auch bei Dürers Werken ist nicht bekannt), lieferte auch die zwölf Apostel und 24 Blatt Heilige. Er war Verfasser eines Lehrbuches: „Unterweysung der Proportion und Stellung der Bossen (Modellfiguren)“ mit einer Anzahl gut gezeichneter Köpfe und Körper in verschiedenen Lagen mit Konstruktionsnetzen; geschätzt sind von Sammlern seine Spielkarten. Er starb zu Nürnberg 1550.
Beham.
Georg Pencz, Hans Sebald Beham und Barthel Beham sind Namen, die nicht allein durch die Gemeinsamkeit der Kunstübung, sondern auch durch die gemeinsamen Schicksale unzertrennlich geworden sind.
Alle drei lernten in Nürnberg und erhielten in jungen Jahren die Meisterschaft (ob in der Werkstatt Dürers ist nicht bekannt), jedenfalls gehörten sie alle zu seinen begabtesten Nachfolgern. In jugendlicher Schwärmerei wurden sie erklärte Anhänger des Thomas Münzer, der anfangs der zwanziger Jahre nach Nürnberg kam. In einen Prozess wegen Verbreitung deistischer und sozialistischer Ansichten verwickelt, mussten die drei Maler ihrer Vaterstadt den Rücken kehren.
Pencz wurde nach einem Jahr begnadigt und später sogar Ratsmaler. Er war ein vorzüglicher Kupferstecher in einer neuen Manier, die sich nicht mit den einfachen Strichlagen Dürers begnügte, sondern nach italienischen Vorbildern malerische Wirkung durch Licht und Schatten und durch Abstufung der Töne zu erreichen suchte. Er liebte es, zusammenhängende Folgen von Blättern zu liefern, z. B. die Geschichte Abrahams, Josephs; 25 Blatt aus dem Leben Jesu. Vorzugsweise wandte er sich Folgen aus dem klassischen Altertum zu, als z. B.: „berühmte Liebespaare“, „Beispiele der Standhaftigkeit“, „unglückliche Frauen“. Man besitzt von ihm 126 Blätter: Er starb 1550, hinterliess aber, trotz fleissigen Arbeitens, die Seinen in grosser Dürftigkeit.
Beham.
Mehr Glück hatten die Behams, namentlich der jüngere, Barthel. Der ältere Hans Sebald Beham (geb. zu Nürnberg 1500) steht vielleicht von allen Kleinmeistern als Zeichner Dürer am nächsten, und übertrifft ihn als Kupferstecher. Er befindet sich schon vollständig auf dem Boden der Renaissance. Nach verschiedenen Schicksalen fand er in Frankfurt 1534 eine bleibende Stätte und ein reiches Feld seiner Thätigkeit. Für viele Werke Chr. Egenolffs lieferte er Illustrationen; für die Weltchronik (die in neun Auflagen erschien) 80 Holzschnitte; 26 Holzschnitte zu der Offenbarung St. Johannis; eine ähnliche Zahl zu dem Neuen Testament; ferner zu einem Handbuch der Fecht- und Ringerkunst und einem Buch vom gesunden Lebensregiment u. s. w. Als er 1550 starb, hinterliess er 270 Kupferstiche und an 500 Holzschnitte. Seinen Grundsätzen, für die er in der Jugend büssen musste, blieb er bis an sein Ende treu.
Die Herausgabe eines „Büchlein von den Proportionen des Ross“ brachte ihn in Konflikt mit der Witwe Dürers, welche hierin eine widerrechtliche Aneignung eines Manuskripts Dürers erblickte und ein Verbot des Buches Behams erwirkte, bis Dürers Werk, das übrigens von ganz anderen Gesichtspunkten ausgeht, erschienen sei.
Es wird behauptet, er habe gegen Ende seines Lebens eine Weinschenke errichtet und einem liederlichen Leben sich ergeben, dagegen scheint jedoch die grosse Zahl von Arbeiten, die gerade aus seinen letzten Lebensjahren stammen, zu sprechen.
Barthel Beham ging nach München und trat 1527 in den Dienst des Herzogs Wilhelm von Bayern, der ihn auf seine Kosten nach Italien sandte, wo er plötzlich im besten Mannesalter und auf der Höhe seiner Kunst starb. Von seinen Kupferstichen sind 85 auf die heutige Zeit gekommen. Ganz vorzügliches leistete er in Ornamentvorlagen für das Kunsthandwerk, wie in Vignetten für Bücher. In derselben Richtung zeichnete sich Ludwig Krug in Nürnberg aus.
Schaeuffelein.
Hans Leonhard Schaeuffelein (geb. um 1476) lehnt sich sehr an Dürer an. Er wendete sich mit Vorliebe dem Holzschnitt zu, dessen Technik ganz der Richtung seines Geistes entsprach. Wahrscheinlich lernte er zuerst bei Wolgemut und arbeitete später bei Dürer, bis dieser 1505, vor seiner Abreise nach Italien, seine Werkstatt auflöste. Im Jahre 1507 lieferte er bereits eine Holzschnittfolge von 65 Blatt für das Speculum passionis des Dr. Pinder. Von ihm rühren 118 Zeichnungen für die Holzschnitte zu dem Theuerdank (1512) her, die von dem vorzüglichen Holzschneider Jost de Negker geschnitten wurden. Bei Schönsperger erschien ferner von ihm „Der Heiligen Leben“ mit 130 kleinen Holzschnitten und, im Verein mit Hans Burgkmair und Georg Brew, „Das Leiden Christi“.
Schaeuffelein heiratete die Nürnberger Patriziertochter Afra Tucher und wandte sich 1515 nach Nördlingen, der Heimat seines Vaters. Aus der Zeit seines dortigen Aufenthaltes sind zu nennen: seine Holzschnittzeichnungen zu Ciceros Buch „Von den Pflichten“; zu den Historien des Boccaccio; zu einem Buche mit dialektischen Vorschriften; zu dem „goldenen Esel“ des Apulejus und zu mehreren religiösen Werken. Am bedeutendsten sind einige, dem täglichen Leben entnommene Darstellungen, Bilder aus dem Soldatenleben und namentlich 20 Blätter mit Hochzeitstänzern. Ein Abendmahl zeichnet sich durch seine ungewöhnliche Grösse, 1 Meter 2 ctm. Breite bei 71 ctm. Höhe, aus. Schaeuffelein besass wenig Genie und konnte sich nicht von dem noch nicht fertigen Standpunkt der Form emanzipieren, auf welchem Dürer damals, als er nach Italien reiste, stand. Schaeuffelein starb 1549.
Albrecht Altdorfer, wahrscheinlich in Amberg um 1480 geboren, tritt weit selbständiger und origineller auf als Schaeuffelein, wenn er ihn auch nicht in der Technik übertrifft. Er zersplitterte seine Kräfte nach verschiedenen Richtungen hin. 1505 siedelte er nach Regensburg über und wurde 1526 dort Ratsbaumeister. Er ist als Vater der modernen Landschaftsmalerei zu betrachten und brachte es auch in der Ätzmanier zur Virtuosität. Die Zahl seiner Kupferstiche beläuft sich auf etwa 80, die der Holzschnitte auf 70, die der Radierungen auf 30. Er starb im Jahre 1538.
dorfer.
Michael Ostendorfer, ein Zeitgenosse Altdorfers (1490-1559), leistete als Zeichner mehr denn dieser und würde sicherlich bedeutendere Werke geliefert haben, wenn nicht die Not ihn gezwungen hätte, die Kunst allein als Erwerbsmittel zu betrachten und allerlei, seinen Fähigkeiten nicht angemessene Arbeiten zu unternehmen. In der ersten Periode seiner Thätigkeit sind seine besten Arbeiten der Verherrlichung der Jungfrau Maria gewidmet, besonders ein Holzschnitt von ungewöhnlicher Grösse: „Die Kirche der schönen Maria zu Regensburg“. Als diese Stadt 1542 das Augsburger Bekenntnis annahm, widmete Ostendorfer seine Kunst mit Eifer der Reformation. Seine bedeutendste Komposition ist ein umfangreicher Holzschnitt „Die Kreuzabnahme“ (1548).
Aus der grossen Zahl von Zeichnern für Formenschnitt von der Mitte des xvi. Jahrhunderts ab sind nur wenige nennenswert, unter diesen besonders: Virgilius Solis, Jost Amann, Peter Flötner und Melchior Lorch.
Virgil Solis, geboren 1514 zu Nürnberg, hat für die Typographie eine besondere Bedeutung, weil er eine grosse Zahl der schönsten Zierstöcke für Bücherornamentierung erfand. Von ihm sind 600 Kupferstiche bekannt und die Zahl seiner Holzschnitte ist ebenfalls gross, als: 100 biblische Figuren zum Alten Testament; 116 zum Neuen; 67 zur Geschichte der Bibel; 178 zu Ovids Metamorphosen; 194 zu Äsops Fabeln. Er starb um 1562.
Jost Amann[5] war einer der talentvollsten Holzzeichner seiner Zeit und näherte sich mehr als Virgil Solis den alten Meistern. Seine Figuren haben jedoch etwas theatralisches. Er war im J. 1539 in Zürich geboren, zog 1560 nach Nürnberg und arbeitete vieles für dortige, besonders jedoch für Frankfurter Buchhändler, namentlich für Sig. Feyerabend. Wir haben von ihm Bibelillustrationen; Icones Livianæ, Bilder aus der altrömischen Geschichte; Zeichnungen zu Reineke Fuchs; das Stamm- und Wappenbuch; Kostümwerke von Bedeutung. Bekannt ist das 1564 erschienene: „Hans Sachse, eigentliche Beschreybung aller Stände auf Erden — aller Künste und Handwerken“. Wir finden darin auch den Schriftgiesser, Drucker, Briefmaler, Formenschneider, Buchbinder. Bei etwas grösserer Aufmerksamkeit auf die Details seitens Amanns würden diese Abbildungen von grösserem Werte für die ältere Geschichte der Buchdruckerkunst sein. Der Text in Versen bietet keine besonderen Anhaltepunkte. Amann starb 1591.
Peter Flötner aus Nürnberg, gestorben um 1546, war in erster Reihe Bildhauer, doch auch als Zeichner besonders für den Formenschnitt thätig. Unter den erhaltenen etwa 60 Holzschnitten zeichnen sich besonders eine Reihe von Landsknechtsbildern vorteilhaft aus. Von Wert für die Ornamentik ist noch heute seine Sammlung von 24 Vorlegeblättern für Goldschmiede und sonstige Metallarbeiter.
Melchior Lorch aus Flensburg, geb. 1527, lieferte schon in seinem 18. Jahre tüchtige Stiche. Zu Dürer muss er in persönlichen Beziehungen gestanden haben, da er dessen Portrait 1550 in Kupfer stach, ebenso 1548 das Bildnis Luthers. Lorch machte grosse Reisen und besuchte zweimal, indem er kaiserliche Gesandtschaften begleitete, Konstantinopel. Die reiche Ausbeute, die er aus dem Orient mitbrachte, erschien 1570 in einem Buch, verlegt zu Hamburg. Später trat Lorch in den Dienst des Königs Friedrich ii. von Dänemark. Eine, auf zwei Platten geschnittene figurenreiche Darstellung der Sintflut ist die grösste der von ihm erhaltenen Kompositionen. Er starb zu Rom 1585.
H. Ladenspelder.
Geschickte Kupferstecher waren Jakob Binck und Hans Ladenspelder. Der erstere, zu Anfang des xvi. Jahrh. geboren, siedelte 1531 nach Kopenhagen über, wo er Hofmaler wurde, wir haben ungefähr 150 Stiche von ihm. Von Ladenspelder (1511-1554) sind etwa 50 Stiche auf uns gekommen; er neigt sich mehr den Italienern zu.
Heinrich Aldegrever ist der letzte der Künstler, die mehr oder weniger unter den sich widerstrebenden Einflüssen der Gothik und der Renaissance stehen. Er wurde 1502 entweder in Paderborn oder in Soest geboren. Der Reformation sehr zugethan, stach er die Portraits Luthers und Melanchthons und griff die Pfaffenwirtschaft in mehreren Stichen an. Gegen 300 als echt anerkannte Stichblätter sind von ihm vorhanden. In grösseren Bilderfolgen behandelte er biblische Geschichten, z. B. die Adams und Evas, des barmherzigen Samariters, des keuschen Joseph. Seine ornamentalen Arbeiten gelten noch heute als nachahmenswerte Vorlagen, namentlich diejenigen Blätter, in welchen er sich an das einfache Pflanzenornament hält[6].
Eine Sonderstellung behauptet Lucas Cranach[7], so genannt nach seiner Vaterstadt Kronach in Oberfranken, wo er 1472 geboren wurde. Im Jahre 1504 trat er in die Dienste des Kurfürsten Friedrich des Weisen, bei dem, so wie auch bei den Kurfürsten Johann dem Beständigen und Johann Friedrich dem Grossmütigen er in grosser Gunst stand und zu denen er treu hielt. Nach Wittenberg übergesiedelt, kaufte er 1520 dort eine Apotheke, trieb auch Buch- und Papierhandel, beteiligte sich bei einer Buchdruckerei und lieferte, unterstützt von zahlreichen Gehülfen, eine Unzahl von Bildern, die zwar geschätzt wurden, aber doch keinen Vergleich mit denen Dürers und Holbeins vertragen. Durch Zeichenfeder wie durch Pinsel kann er als ein tüchtiger Mitarbeiter an dem Reformationswerk gelten, nicht nur, dass er die Bildnisse der Reformatoren allgemein verbreitete, sondern er trug auch durch seine satirischen Bilder dazu bei, einerseits das Papsttum blosszustellen, andererseits die Religiosität zu fördern. Unter seinen Mitbürgern war er sehr angesehen und er bekleidete das Amt eines Bürgermeisters. Mit dem Kurfürsten Johann Friedrich ging er nach Weimar, wo er im Oktober 1553 starb.
Von beglaubigten Kupferstichen Cranachs giebt es kaum ein Dutzend; von Holzschnitten jedoch über 500, teils Einzel-Blätter, teils Suiten. Unter letzteren erwähnen wir: „Die Leiden Christi“ 14 Blatt; die 1509 als Passio Jesu Christi erschienen, und später vielfach benutzt wurden; „Christus und die Apostel“, 14 Blatt; „Die Marter der Apostel“, 12 Blatt; „Passional Christi und Antichristi“, 26 Blatt, wovon 13 je eine Scene aus dem Leben Christi, diesen gegenüber 13 je eine aus dem Leben eines Papstes vorstellen; „Das Papsttum“, 10 Blatt, dann „Das Wittenberger Heiligtumsbuch“, 119 Blatt, mit Abbildungen und Beschreibungen kostbarer Gefässe etc.
In Strassburg lebte Hans Baldung, genannt Grün, wenige Jahre nach Dürer (1475) in Schwäb. Gmünd geboren. 1509 liess er sich in Strassburg nieder. Als Maler ist er namentlich durch sein Altarbild in dem Freiburger Münster bekannt (1510-1526). Nach seiner Rückkehr nach Strassburg widmete er sich besonders dem Holzschnitt und lieferte auch schöne Blätter in Clair-obscur-Manier. Grossartig sind seine Apostel-Figuren aus den Jahren 1518-19. Man kennt etwa 150 Blätter von seiner Hand. Ein wahres Kleinod für die deutsche Kunstgeschichte ist sein Skizzenbuch, welches in Karlsruhe aufbewahrt wird. Er starb im Jahre 1545.
Tobias Stimmer.
Ein besonderer Glücksstern ruhte über Basel. Hier wirkte zuerst Urse Graf (geb. 1470, gest. 1530), von dessen Zeichnungen manche nicht hinter denen Dürers und Burgkmairs stehen (Leben Christi in 24 Bl.); dann Tobias Stimmer (geb. zu Schaffhausen 1534), dessen „Newe künstliche Figuren biblischer Historien“ (1576) Rubens als eine Schatzkammer der Kunst bezeichnete. Stimmer starb um das Jahr 1590.
Basels grösster Stolz ist jedoch Hans Holbein der jüngere dessen Vater Hans, ein Maler von Verdienst, aus Augsburg stammend, um das Jahr 1495, in welchem der Sohn geboren wurde, nach Basel zog.
Die erste bedeutendere Holzschnitt-Arbeit Holbeins ist „Mucius Scävola und Porsenna“. Das Werk des englischen Kanzlers Thomas Morus, ‚Utopiaʻ, welches bei Joh. Froben in Basel erschien, war Veranlassung für Holbein, mit Erasmus in Berührung zu kommen, der ihn dem Kanzler empfahl, durch dessen Vermittelung er als Hofmaler Heinrichs viii. in das Schloss Whitehall zog, wo er seine unvergleichlichen Bildnisse malte und zeichnete und 1543 starb. Basel besuchte er in den Jahren 1529 und 1539[8].
Holbein lieferte, abgesehen von seinen Alphabeten, über 300 Zeichnungen für den Holzschnitt, darunter Randverzierungen, Titelblätter, Buchdruckerzeichen u. dgl. Seine drei in der Geschichte der Holzschneidekunst unübertroffen dastehenden Werke sind: „Das lateinische Totentanzalphabet“, „Der Totentanz“ und „Die Bilder zur Bibel“.
Alphabet.
„Das Totentanzalphabet.“ Auf Blättern von nur 24 Millimeter in Quadrat hat es Holbein verstanden in Verbindung mit Initialen Gruppen zu komponieren, von welchen jede eine Scene darstellt, wie der Tod den Menschen in jedem Alter und in jeder Lebensstellung erfasst. Die Zartheit des Stiches, die Reinheit der Linien veranlassten Kenner, hierin eher Hochschnitte in Kupfer als Holzschnitte zu suchen. Die 24 Vignetten, auf ein Blatt gedruckt, sind nur in ganz wenigen Exemplaren vorhanden; auf zwei davon wird Hans Lützelburger als der Formschneider angegeben. Was aus den Originalen geworden, weiss niemand, kopiert sind sie vielmals. Loedel in Göttingen hat sie vortrefflich nach dem schönen Exemplar in Dresden gestochen.
„Der Totentanz.“ Noch berühmter ist der Totentanz, der in dreizehn Ausgaben existiert. Früher hielt man dafür, dass die erste gedruckte Ausgabe von den Originalstöcken, welche eine Höhe von nur 6 ctm. 5 mm. und eine Breite von 5 ctm. haben, in Lyon erschienen sei, neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass wenigstens die zwei ersten Ausgaben aus Basel stammen und dass wahrscheinlich erst die vierte aus der Offizin der Gebr. Trechsel in Lyon herrührte. Dass die Schnitte in Basel hergestellt wurden, dürfte ebenfalls zweifellos sein; in Lyon waren damals keine, dieser Aufgabe gewachsenen Holzschneider. Man schreibt sie dem, mit dem Namen Holbein so eng verknüpften Formenschneider Hans Lützelburger, genannt Franck, zu. Die iv. bis xi. Ausgabe wurde in Lyon; die xii. in Basel; die xiii. wieder in Lyon gedruckt. Die viii. Ausgabe und die folgenden haben statt 41 Blätter deren 53. In dem Hin- und Herwandern der Holzschnitte liegt nichts befremdendes; ein solches fand öfters statt.
Die Engländer haben behauptet, dass die Originale für die Holzschnitte des Totentanzes Gemälde im Schlosse Whitehall, welches 1697 in Flammen aufging, gewesen seien. Die mit der Feder ausgeführten, und durch leichtes Aufsetzen von braunen Tinten gehobenen Originalzeichnungen befinden sich jetzt, nach verschiedenen Schicksalen, in dem kaiserlichen Kabinet in St. Petersburg. Das Werk ist vielfach kopiert, in Holzschnitt hat man 48, in Kupferstich 43 Ausgaben. Die von dem bekannten englischen Kupferstecher Hollar in London 1647 gelieferten Stiche sind nach den, damals in Besitz des Lord Arundel befindlichen Originalen gemacht.
Holbein erzielt in diesem Werke, dessen Gedankentiefe, Kraft und Naivetät man nicht genug bewundern kann, mit den einfachsten Mitteln die grösste Wirkung. Er schafft keine Schwierigkeit für den Holzschneider, die Schatten deutet er nur schwach an.