Die Icones Veteris Testamenti halten sich in demselben einfachen Stil. Der Ausdruck ist kräftig und naiv; eine Eigentümlichkeit sind die etwas kurzen Figuren. Die erste Ausgabe erschien 1538 bei Trechsel in Lyon. Sie enthält 92 Blätter. Schon 1539 folgte die zweite. Die dritte Ausgabe druckten die Gebr. Frellon, welche überhaupt fünf Ausgaben lieferten, nachdem sie die Druckerei von Trechsel erworben hatten.
Wer die Platten geschnitten hat, ist unbekannt geblieben; dass Hans Lützelburger allein eine so bedeutende Arbeit hätte ausführen können, ist nicht anzunehmen. Angesehene Kenner haben vermutet, dass die Schnitte in Paris besorgt sind.
Im Jahre 1830 haben zwei geschickte englische Holzschneider, John und Mary Blyfield, sowohl diese Zeichnungen, als auch den Totentanz so getreu nachgebildet, dass sie kaum von den Originalen zu unterscheiden sind. In demselben Jahre, wo das Original Holbeins in Lyon erschien, liess Pierre Regnault in Paris eine, jedoch schwache Nachahmung erscheinen.
Mit den Arbeiten Holbeins hatte die Holzschneidekunst ihren Höhepunkt erreicht. Trotz aller Fortschritte in der Technik, die heute spielend alle Schwierigkeiten überwindet, giebt es nichts, was den, mit so einfachen Mitteln und bei so kleinen Dimensionen erreichten Effekt dieser Kunstwerke übertrifft. Die Vortrefflichkeit der Ausführung hat Sachkundige veranlasst, in dem Holzschneider den Künstler selbst erkennen zu wollen. Überhaupt ist die Frage öfters aufgeworfen: „Waren in der ersten Periode des Holzschnittes Zeichner und Holzschneider dieselbe Person?“, eine Frage, die unterschiedliche Beantwortung gefunden hat.
Es mag wohl unzweifelhaft sein, dass die Künstler damaliger Zeit, wo Kunst und Gewerbe einander weit näher standen, als heutzutage, die Technik des Holzschnittes innegehabt und öfters selbst die Xylographie geübt, namentlich die Teile eines Bildes geschnitten haben, die besondere Sorgfalt erforderten. Ebenso unzweifelhaft ist es aber wohl auch, dass dies eine Ausnahme war, und dass die Zeichner sich in der Regel des Formenschneiders bedienten, um die langwierige Arbeit des Schnittes auszuführen.
Es bleibt so gut für diese Periode, wie für unsere Zeit anzunehmen, dass zwei Künstler bei der Arbeit zusammenwirkten: der eigentlich Erfindende, der die Komposition entwarf und aufs Holz zeichnete (riss) — eine Arbeit, die aber in manchen Fällen auch von einem zweiten Künstler besorgt wurde —, und der Holzschneider, der selbst und durch seine Gehülfen den Schnitt ausführte.
Das Monogramm Holbeins oder Dürers auf einem Holzschnitt beweist ebensowenig, dass er den Schnitt ausgeführt hat, als heutzutage das Horace Vernets oder Adolph Menzels uns glauben lässt, dass diese in Holz geschnitten haben. Dass der Holzschneider nicht seinen Namen beigefügt hat, liegt einfach darin, dass er damals noch nicht den Anspruch machte, als selbständiger Künstler zu gelten. Die Aufgabe des Holzschneiders war nur, die Zeichnung auf das genaueste wiederzugeben; je sklavischer er hierin arbeitete, je weniger er Anspruch auf Selbständigkeit machte, ein um so besserer Holzschneider war er. Abgesehen von den eigenen Äusserungen Dürers, woraus hervorgeht, dass er sich wenigstens hauptsächlich nur mit der Zeichnung beschäftigt hat, beweist die grosse Zahl von Holzschnitten von ihm, sowie die Verschiedenheit in der Ausführung, dass sie nicht Arbeiten eines einzigen Mannes sein können; und so wird es wohl auch mit den Arbeiten mancher anderer Künstler der Fall sein.
Über eine besondere Art der Illustration, welche sowohl in Deutschland, wie in anderen Ländern allgemein üblich wurde, die „Druckerzeichen“[9] mögen hier einige Worte Platz finden.
Schon in der frühesten Periode machten die Buchdrucker Gebrauch von Wappenschildern, Sinnbildern und Wahlsprüchen, die so zu sagen die Stelle eines Fabrikzeichens einnahmen und sowohl ein Ursprungs-Zeugnis als auch ein Eigentumszeichen bildeten. Bereits Fust und Schöffer bedienten sich eines solchen; dass jedoch der zweite Zweck des Druckerzeichens nicht immer erfüllt wurde, beweisen schon die Klagen des Aldus, dass die Nachdrucker in Lyon nicht allein seine Bücher nachdruckten, sondern auch sein Zeichen, den weltberühmten Anker von einem Delphin umschlungen, nachmachten, so dass jedermann glauben müsse, er sende solche fehlerhafte Drucke in die Welt.
Mit dem zunehmenden Geschmack an Verzierungen wurde immer mehr Phantasie und Geschick auf Erfindung und Ausführung der Druckerzeichen verwendet. Die Familie der Elzevire wählte den vieltragenden Ölbaum, welchen die griechische Mythe als das segensreiche Geschenk der weisen Göttin Minerva an die Menschheit bezeichnete. Die Stephane nahmen ebenfalls einen Baum, welchem der fromme und gelehrte Heinrich Stephanus eine Apostelfigur beigab, die mit einem Fingerzeig auf die herabgefallenen gebrochenen Zweige und auf den Ausspruch des Apostel Paulus: Noli altum sapere, sed time (Strebe nicht zu hoch, sondern sei besorgt) warnend hinweist.
Plantin kennzeichnete den Geist, der seine Arbeiten leitete, durch eine Hand und einen Zirkel mit dem Motto Labore et constantia (durch Arbeit und Beständigkeit). Froben führte einen, von Schlangen umwundenen Stab, auf welchem eine Taube sitzt, was Erasmus zu dem Ausspruch veranlasste, dass der gelehrte Drucker in Wahrheit die Schlangenklugheit mit der Taubeneinfalt vereinige. Die Familie Marnef wählte den Pelikan, wie er sich die Brust zerfleischt, um seine Jungen zu nähren.
Künstlerisch ist das Zeichen des Oporin: der auf dem schwimmenden Delphin sich wiegende Arion, der von den Winden getragen zu werden scheint, ebenfalls bemerkenswert der Saturn des Colinäus, sowie das schöne Sinnbild der Gioleti mit dem grossen, keck in die Sonne schauenden Adler und dem Motto semper eadem. Voller Kraft und Grazie ist auch der Greif der Familie Gryphius und der prächtige Pegasus, auf dem die Wechel ihrem Ruhme entgegeneilten. Würdig obigen beigesellt zu werden ist das merkwürdige Symbol des Hieron. Scott: eine weibliche Figur auf einer Erdkugel, welche dem leisesten Druck der Zügel zu gehorchen scheint, die sie in ihrer Hand hält. Prosaischer war die Herleitung des Druckerzeichens von dem Zeichen des Wohnhauses wo gedruckt wurde.
Manchmal hatten die Insignia eine bedeutende Grösse. Riesenhaft ist der wilde Löwe des Mylius von Strassburg, ebenso wie die drei reissenden Bestien Brylingers, während Couteaus kolossaler Löwe friedlich auf einem Schild von Blumen ruht.
Besonders beliebt waren die rebus-ähnlichen Wortspiele. Das Wappen Baumanns in Breslau zeigt ein unfertiges Haus mit dem Baumeister davor. Apiarius (Bienenzüchter) in Ingolstadt sendet einen Bären baumaufwärts trotz des diesen umgebenden Bienenschwarmes. Froschauer in Zürich mag für seinen schlechten Rebus einige Entschuldigung in dem Humor finden, mit welchem sein Junge den riesenhaften Frosch reitet oder letzterer auf den Baum klettert. Für Granjon lag das Wortspiel fertig in der grossen Binse (grand jonc). Das Schiff (Galliote) des Galliot du Pré fährt unter vollen Segeln dahin. Der wuchtige Elephant Regnaults gewinnt sehr in den Händen seiner Witwe durch den pikanten Zusatz, dass sie das Elephantentum fortsetzen werde: Sicut Elephas sto!
Namentlich die englischen Buchdrucker gefielen sich in den, oftmals bis an die Grenze des Erlaubten getriebenen Wortspielen. William Middleton stellte sein W. M. mitten auf eine Tonne. William Griffith sendet uns einen Greif mit einer Bartnelke (Sweet William) in dem Schnabel. Thomas Woodcock (Holzhahn) setzte einen Hahn auf einen Scheiterhaufen mit der Umschrift Cantabo Jehovae, quia beneficit (ich will dem gnadenreichen Gott lobsingen). Thomas Pavier führte als Zeichen einen arbeitenden Pflastersetzer (pavier) mit dem Motto: Thou shalt labour, till thou return to dust (du sollst arbeiten, bis du wieder zu Staube wirst). Reynard Wolf lässt seine Namensvettern, Fuchs und Wolf, Schildhalterdienste bei ihm verrichten. Das Zeichen John Days (Tag) zeigt eine von der aufgehenden Sonne beleuchtete Landschaft; im Vordergrunde ein Schlafender, den ein Engel weckt, mit dem Ausspruch: Arise! for it is Day (Steh auf, denn der Tag ist da).
Gewisse einfache und sehr leicht verständliche Embleme scheinen als ein Gemeingut der Drucker aller Länder gegolten zu haben, so gebrauchten Oeglin, Notary, Martens, Thanner und Weissemburger die Erdkugel; die Druckerpresse wurde benutzt von Ascensius, Vascosan, Roigny, Schilders, de Preux, Hanns Lufft u. s. w., Kreuz, Stern und Anker wurden in allen erdenklichen Zusammenstellungen verwendet, die Zeit zeigt sich in allerlei Gestalten, die Schlange windet sich durch eine Menge von Druckerzeichen, ja selbst in der Benutzung der Kohlköpfe findet Rivalität statt. Die oft vorkommende Axt, welche einen Holzblock spaltet, erhielt eine schreckliche Vorbedeutung in dem Zeichen des grausam hingeopferten Etienne Dolets.
Als nach und nach die Buchdrucker aufhörten, zugleich die tonangebenden Verleger zu sein, und Lohndrucker der Buchhändler wurden, mussten sie den Verlegern den Platz räumen und bescheiden in den Hintergrund treten. Die Verleger nahmen nun ihrerseits vielfach Embleme an, in der Regel jedoch allgemeiner Natur, z. B. eine brennende Lampe, ein aufgeschlagenes Buch, eine Presse im Strahlenkranze, einen Greif oder einen Schild mit den Anfangsbuchstaben der Firma u. s. w.