IX. KAPITEL. [←]
ITALIEN, SPANIEN, PORTUGAL UND DAS SÜDLICHE AMERIKA.
Venedig. Die Familie Aldus: Aldus Pius Manutius, Paul Manutius, Aldus ii. Dan. Bomberg. Mechitar. Rom: Die Buchdruckerei der „Propaganda“. Genua. Florenz: Die Giunta. Padua. Die Xylographie: Cäs. Vecellius, der Clair-obscur-Druck. Ugo da Carpi, Graf Ant. Zanetti, John Jackson.
SPANIEN UND PORTUGAL. Brocario und die complutinsche Polyglotte. Madrid. Ant. Bortazar. — MEXICO. Joh. Kromberger, Juan Pablos. LIMA. PERU. ST. DOMINGO u. a.
RIESENHAFT waren bereits die Fortschritte Italiens in der ersten Periode der Buchdruckerkunst gewesen, sie sollten in dieser zweiten Periode noch weitergehendere werden.
nutius Romanus.
Der hervorragendste Wahrer und allezeit Mehrer des typographischen Ruhmes Italiens war ganz besonders der Gründer der berühmten aldinischen Familie. Aldus Manutius[1], der Mann, dem die Jünger Gutenbergs neben diesem die grösste Verehrung schuldig sind, war in der Zeit zwischen 1447 und 1449 in dem Städtchen Bassiano in der Nähe der pontinischen Sümpfe geboren. Wenn Aldus von 1500 ab sich Romanus nennt, so geschah es nur, weil diese Bezeichnung eine höhere Geltung in den Augen des Publikums verlieh.
Sein Taufname Aldo ist der typographische Familienname geblieben; Manuzio kommt selten vor, dagegen nannte sich Aldus gewöhnlich Aldo Pio, welchen Namen ihm sein Zögling Alberto Pio, Fürst von Carpi, als Zeichen seiner hohen Achtung zuerteilt hatte. Seit 1503 wird Aldo Pio Manuzio Romano oder Aldus Pius Manutius Romanus geschrieben.
Aldus hatte eine zwar gelehrte aber nicht gute Erziehung gehabt. Er war in die Hände eines Pedanten geraten und fand erst später in Rom seine wirkliche Ausbildung. Von seinem ernsten Streben und seinem Eifer legen die vielen, von ihm kommentierten griechischen Ausgaben und seine wertvolle griechische Grammatik Zeugnis ab.
In dem freundlichen Verkehr mit den fürstlichen Angehörigen seines Zöglings, des Albertus Pius, namentlich dem gelehrten Johannes Pius, entstand ohne Zweifel die erste Anregung, eine „gelehrte Buchdruckerei“ zu gründen und ist es auch wahrscheinlich, dass die Mittel zur Anlage derselben von den genannten herrühren.
Venedig.
Venedig, wo Künste und Wissenschaften blühten, schien mit Grund der günstigste Boden für ein solches Etablissement. Aldus begab sich, entweder in dem Jahre 1488, oder 1489, dahin. Sein erstes datiertes Druckwerk ist Constantin Lascaris' griechische Grammatik, im Jahre 1495 vollendet. Wahrscheinlich ist es, dass zwei kleine Werke ohne Datum, wenn auch später als das von Lascaris angefangen, doch früher erschienen sind, nämlich Musäus' Gedicht Hero und Leander, griechisch und lateinisch, und die Galeomyamachia, griechisches Gedicht von Theod. Prodromos.
Aristoteles.
Mit rastlosem Eifer ging Aldus an das grosse Werk, eine griechische Ausgabe von Aristoteles, die noch nicht existierte, herzustellen. Um sich von dem Umfang und den Schwierigkeiten dieses Unternehmens ein klares Bild zu machen, muss man sich vergegenwärtigen, dass der Inhalt von fünf Foliobänden aus zahlreichen noch nicht herausgegebenen Abhandlungen in verschiedenen, beinahe unleserlichen oder durch die Unwissenheit der Kopisten korrumpierten Manuskripten zusammengestellt werden musste, ohne dass der Herausgeber eine frühere Ausgabe als Leitfaden zur Seite hatte, so dass er selbst die jeden Augenblick entstehenden Zweifel nur durch seinen Scharfsinn lösen konnte. Bedenkt man ferner, dass diese Arbeiten sich nicht auf den Aristoteles beschränkten, dass Aldus vielmehr eine grosse Zahl anderer Ausgaben in derselben Weise besorgt hat, so muss man seine Arbeitskraft staunend bewundern und kann unmöglich streng über einzelne typographische oder kritische Fehler mäkeln. 1495 wurde das erwähnte Werk, welches Aldus zu dem ersten Rang sowohl als Buchdrucker wie als Herausgeber erhebt, begonnen; 1598 war es vollendet. Inzwischen förderte er viele kleinere, aber doch wichtige Ausgaben an das Tageslicht und seine Wahl wurde stets mit Einsicht und Geschmack getroffen. Während seine Kollegen sich noch grösstenteils auf den Druck mystischer, scholastischer oder höchstens juristischer Werke beschränkten, war es Aldus vorbehalten, eine neue Richtung vorzuzeichnen, und nichts hat mehr zur Verbreitung der klassischen Studien beigetragen, als seine billigen, korrekten und handlichen Ausgaben, die es beinahe jedem möglich machten, die Werke anzuschaffen.
Werke in Italien.
Die Annahme, dass Aldus der Erste war, der ganze Bücher mit griechischer Schrift druckte, beruht auf einem Irrtum. Zwar wurde noch gewöhnlich der Platz für griechische Zitate freigelassen, um diese später hineinzuschreiben; man hat jedoch griechische, sogar umfangreichere, Werke vor denen von Aldus, als: aus Mailand Lascaris' Grammatik von 1476; aus Florenz Homer von 1488. Aber die Zahl war klein und die Werke folgten einander langsam, während die griechischen Ausgaben des Aldus so zahlreich waren und so schnell zum Vorschein kamen, dass es selbst bei gewöhnlichen Druckwerken überraschend gewesen wäre.
gaben.
Cursivschrift.
Nachdem Aldus eine grosse Zahl griechischer Meisterwerke gedruckt hatte, ging er an die des alten Roms. Auch hier fing er mit einer Grammatik, und zwar einer eigenen Arbeit, an. Um seine Bücher allgemein zu verbreiten, fasste er den Plan zu einer Sammlung in klein Oktav (enchiridii forma), wovon ein Bändchen jedoch ziemlich so viel, wie sonst ein Quartband, enthalten sollte, und liess von Franz von Bologna, der auch den Schnitt der meisten seiner übrigen Schriften geleitet hat, seine berühmte schrägliegende Schrift schneiden, nach Muster der üblichen Cancellaresca Romana Cursiva. Als nächstes Vorbild soll Petrarcas Handschrift gedient haben. Da die Mehrzahl der Bücher noch geschrieben war, so heimelte diese Buchschrift, die mit der Feder geschrieben zu sein schien, die Leser zwar sehr an, und ganze Bücher, zuerst der Virgil, wurden auch damit gedruckt. Bald jedoch behielt die gefällige, zugleich kräftige Antiqua die Oberhand, und die Cursiv wurde dann hauptsächlich nur zu den Einleitungen, Noten und als Auszeichnungsschrift zu der Antiqua benutzt, bis in neuester Zeit die fette, halbfette, Egyptienne, Stein- und andere Schriften ihr den Rang abliefen. In Deutschland behielt die Schrift den Namen Cursiv; in Frankreich hiess sie Italique (auch Penche); in England Italic.
„Aldinen“.
Die Nachdrucke
der „Aldinen“.
Man kann sich vorstellen, mit welcher Begeisterung die schönen und bequemen Ausgaben des Aldus aufgenommen wurden. Der Sprung von den schweren Folianten und Quartbänden zu diesen niedlichen Bändchen, die man überall mit sich führen konnte, war nicht viel kleiner, als von den Manuskripten zu dem Gedruckten überhaupt. Am 13. Nov. 1502 erhielt Aldus vom Senat ein zehnjähriges Privilegium für seine Cursiv und am 17. Dezbr. ein solches vom Papste Alexander vi., welches von Julius ii. und Leo x. verlängert wurde. Auch sonst wurde er durch Privilegien geschützt, die indes wenig respektiert wurden. Schon 1502 fingen die Lyoner, jedenfalls auf Antrieb der Giunta in Venedig, an, die Aldinen nachzudrucken. Aldus beschwert sich in einer gedruckten Anzeige, welche er wahrscheinlich verteilte, über den Schaden, der ihm, und namentlich seiner Ehre, durch die fehlerhaften Ausgaben der Lyoner zugefügt werde, und giebt die Fehler an, woran letztere zu erkennen wären. Die Lyoner druckten Cartons oder neue Ausgaben und berichtigten diese Fehler, so dass die Käufer nun erst ganz sicher waren, Originalausgaben zu kaufen.
In den Jahren 1501-1505 entwickelte Aldus eine grosse Thätigkeit und es verging kein Monat, worin nicht wenigstens ein klassisches Werk aus seiner Offizin hervorging. Alles war an diesen Büchern gut; der Satz mit Verständnis und Gleichmässigkeit besorgt; der Druck rein auf gutem starken geleimten Papier, mit vorzüglicher Farbe, die noch heute ihre Tiefe und ihren Glanz behalten hat.
Neacademia.
Aldus war selbstverständlich nicht imstande gewesen, die Riesenaufgabe, die er sich gestellt hatte, allein zu erfüllen. Er verstand es aber, einen Kreis von gelehrten Männern um sich zu sammeln, die von demselben Streben, die Schätze der Litteratur allen zugänglich zu machen, beseelt waren. Von diesen lebte eine Anzahl in seinem Hause ganz von ihm unterhalten, während andere für Honorar oder nur für die Ehre arbeiteten. Diese sogenannte Aldi Neacademia, gegründet gegen 1500, versammelte sich an gewissen Tagen bei ihm und bestand aus etwa 30 Mitgliedern. Durch Tod und Wegzug lichteten sich aber die Reihen, und die Akademie hörte nach einigen Jahren auf. Ausser mit den Mitgliedern dieser stand Aldus selbstverständlich mit vielen anderen Gelehrten in Verbindung, unter welchen sich auch Erasmus befand, mit dem er zuerst in einem engen Freundschaftsbunde, später aber beinahe in Feindschaft lebte.
Polyglott-Bibel.
Der orientalischen Sprachen, besonders des Hebräischen, selbst mächtig, wollte Aldus auch an den Druck hebräischer Werke gehen. Es existiert aus den letzten Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts ein Probeblatt von einer Bibel in Folio, lateinisch, griechisch und hebräisch, mit schönen Typen gedruckt, dieselbe ist jedoch nicht zur Ausführung gekommen und Aldus hat sich somit den Ruhm nehmen lassen, zuerst eine Polyglott-Bibel zu bringen. Dass weder von ihm, noch von seinen Nachfolgern eine handliche Ausgabe des Neuen Testaments gedruckt worden ist, mag vielleicht in den Verhältnissen zu Rom gelegen haben.
Gegen das Jahr 1500 verheiratete sich Aldus mit Maria Asola († 1520), der Tochter von Andreas Torresanus aus Asola, welcher 1479 Jensons Druckerei in Venedig gekauft hatte.
Schwierigkeiten.
1506 musste Aldus Venedig verlassen und seine Druckerei schliessen, nachdem er durch den Krieg, welcher Italien verwüstete, den grössten Teil seines Vermögens verloren hatte. 1507 fing er unter Sorgen wieder zu drucken an, bis eine Assoziation mit seinem reichen, thätigen Schwiegervater Andreas Asolanus ihn in den Stand setzte nach 1508 das Geschäft wieder kräftig zu betreiben. In den Jahren 1510-11 ruhte es jedoch nochmals und wurde erst 1512 wieder eröffnet, in welchem Jahre auch sein dritter später so berühmte, Sohn, Paul Manutius, geboren ward.
1513 und 14 entfaltete Aldus wieder grössere Thätigkeit und rüstete sich für eine noch grössere, als ihn in seinem 66. Jahre der Tod am 7. Febr. 1515 überraschte. Ob seine irdischen Überreste seinem Wunsche gemäss nach Carpi gebracht wurden, wissen wir nicht. Der Abbé Zenier liess im Jahre 1828 eine einfache Gedenktafel an dem Hause Nr. 2013 in der Nachbarschaft des Campo di S. Agostino, unzweifelhaft sein Druckhaus, anbringen.
zeichen.
Das berühmte Druckerzeichen des Aldus stellt einen, von einem Delphin umschlungenen Anker vor und soll die, mit der Festigkeit verbundene Beweglichkeit und Schnelligkeit, also das sprüchwörtliche festina lente, symbolisch ausdrücken. Wie seine Typen und seine Ausgaben, so wurde auch sein Druckerzeichen widerrechtlich von anderen, selbst von den Giunta, nachgemacht, auch später von neueren Druckereien angenommen.
nus de Asola.
Paul Manutius.
Nach dem Tode des Aldus wurde die Buchdruckerei von seinem Schwiegervater Andreas Torresanus aus Asola in Verein mit dessen Söhnen Franz und Friedrich fortgeführt. Andreas war ein tüchtiger Mann, wenn er es auch nicht so wie Aldus verstand, die besten geistigen Kräfte für seine Unternehmungen um sich zu sammeln. Die Kinder von Aldus lebten erst mit ihrer Mutter in Asola, kehrten aber bald wieder nach Venedig zurück, woselbst Paul Manutius eine sorgsame Erziehung genoss, jedoch durch geistige Anstrengungen seine Gesundheit so sehr schwächte, dass er sich mehrere Jahre hindurch ganz von den Studien zurückziehen musste. Bald sollte er auch in anderer Weise den Ernst des Lebens kennen lernen, indem das Geschäft infolge von Familienauseinandersetzungen vier Jahre lang (von 1529-1533) geschlossen blieb. In dem letzteren Jahre übernahm Paul, nur 21 Jahre alt, die Buchdruckerei, vorerst für gemeinschaftliche Rechnung mit seinen Geschwistern und den Asolas.
Trotz seiner Jugend zeigte er gleich den überlegenen Geist und trat mit grosser Energie in die Fusstapfen seines Vaters. Da dieser die griechische Litteratur beinahe erschöpft hatte, legte sich Paul namentlich auf Herausgabe der lateinischen Klassiker und gewann zu diesem Zweck die tüchtigsten Gelehrten für sich. 1535 liess er sich zwar durch falsche Vorspiegelungen verleiten, nach Rom zu gehen, wo sein eigentlicher Zweck sich bald als verfehlt ergab; aber die dort angeknüpften Verbindungen mit vielen wissenschaftlichen Notabilitäten kamen ihm später zu statten.
Nachdem die Druckerei in Venedig 1541 nochmals auf Grund von Familienmisshelligkeiten geruht hatte, übernahm sie Paul endlich 1542 ganz für seine und seiner Geschwister alleinige Rechnung und heiratete 1546 Katharina Odoni, welche vier Kinder gebar, von denen das älteste, Aldus, am 13. Febr. 1547 das Tageslicht erblickte.
Von einer schweren Krankheit genesen, ging Paul 1555 nach Bologna, wo man ihn, ebenso wie in Ferrara und in Spanien, zu fesseln versuchte; aber sein Lieblingsgedanke, ein Etablissement in Rom zu begründen, liess ihn alle vorteilhaften Anerbietungen abschlagen. Inzwischen hatte in Venedig der Senator Badoano, 1556, die Idee zu einer grossartigen Academia Veneziana, mit der eine gelehrte Buchdruckerei verbunden werden sollte, gefasst. Dem Paul Manutius beabsichtigte man den Lehrstuhl der Beredsamkeit und die Direktion der Buchdruckerei zu übertragen. Bedeutende Vorbereitungen wurden getroffen, aber die Akademie nahm ein schnelles und klägliches Ende.
Da machte der Kardinal Seripandi, im Namen des Papstes Pius iv., dem Paul ebenso vorteilhafte als ehrenvolle Anerbietungen, wenn er nach Rom kommen wollte, um dort eine Reihe heiliger Bücher, Kirchenväter u. s. w., herauszugeben. Es wurden ihm für die Zeit von 12 Jahren jährlich 500 Dukaten in Gold, ferner 300 Dukaten Umzugsentschädigung zugesichert, und seinem Sohne eine Pension von 150 Dukaten in Aussicht gestellt. Die Druckerei sollte auf Kosten des Papstes, der auch alle laufenden Ausgaben zu zahlen hatte, eingerichtet, der Verdienst aber zwischen dem päpstlichen Stuhl und Paul geteilt werden. Solchen mit seinen Wünschen stimmenden Anerbietungen konnte Paul nicht widerstehen.
in Rom.
In Rom wurde er mit grosser Aufmerksamkeit aufgenommen und gut eingerichtet. Typen wurden durch Vermittelung von Thomas Giunta geliefert; denn die berühmten Cursiv-Matern des Aldus, die in den Besitz der Torresanis gekommen waren, wollten diese nicht hergeben, während die griechischen Matern, die man einem Bruder des Paul, Antonius, der eine kurze Zeit in Bologna etabliert war, anvertraut hatte, durch dessen liederliche Wirtschaft verloren gegangen waren.
Aber diese Aussichten für Aldus waren nicht von langer Dauer. Die eine Hälfte der Buchdruckerei ging als Eigentum auf den Magistrat von Rom über, während die von dem Papst Sixtus v. im Vatikan gegründete typographische Anstalt ganz den Platz ausfüllte, der ursprünglich für Pauls Druckerei bestimmt war. Die vorteilhaftesten Arbeiten wurden dieser entzogen; der Magistrat verpachtete sogar seinen Anteil an andere und nach dem Tode Pius' iv. liess man im Jahre 1566 Paul die Schlüssel abfordern. Zwar wurde diese harte Massregel auf Anordnung Pius' v. rückgängig gemacht, aber für Paul sollte keine rechte Freude mehr aus seiner Stellung erwachsen.
Venedig.
Wiederumzug
nach Rom u. Tod.
Der mancherlei Chicanen müde, gab er 1570 seine Stellung in Rom auf, um nach Venedig zurückzukehren, wo es mit der, an Dom. Basa verpachteten Aldinischen Druckerei auch nicht zum besten ging. Vorher wollte er jedoch seine Gesundheit durch eine Reise kräftigen. Den ganzen Winter 1571 verbrachte er in Mailand. Nach Venedig, wo er nun nicht mehr im eigenen Hause Herr war, kam er erst im Mai 1572, kehrte aber schon im Juni nach Rom zurück, um seine Tochter, die er dort in einem Kloster zurückgelassen hatte, zu holen. Hier wurde er von seinen Freunden so gut aufgenommen, dass er seinen Entschluss änderte und ganz dort blieb. Der neue Papst Gregor xiii. war ihm sehr gewogen und er erhielt von ihm eine zwar mässige, jedoch seinen Bedürfnissen genügende Pension. 1573 verheiratete er seine Tochter mit Alexander Honorio. Paul hatte nun die Aussicht, ruhig seinen Freunden und seinen Lieblingsneigungen leben zu können; aber ein so heiterer Abschluss seiner sorgen- und mühevollen Wirksamkeit war ihm nicht vergönnt. Er starb schon 1574 in den Armen seines Sohnes Aldus, allgemein geachtet, allgemein betrauert, und ward in der Kirche Sancta Maria sopra Minervam begraben, wo noch eine einfache Namensinschrift auf einem Denkstein die Stelle seiner Gruft bezeichnet.
Sein Sohn Aldus ii., der älteste von vier Geschwistern, war, wie erwähnt, 1547 geboren und ein frühreifes Kind, welches die Hoffnung erregte, es werde seinem Vater und Grossvater gleich werden, wenn nicht gar sie hinter sich lassen. Schon im zehnten Jahre war er bei einer Ausgabe von Ciceros Briefen behülflich und im vierzehnten gab er seine Orthographiæ ratio heraus. Im Jahre 1562 ging er zu seinem Vater nach Rom, wo er bis 1565 weilte, sich vielfach schriftstellerisch beschäftigend.
Nach Venedig zurückgekehrt, wurde ihm von seinen Vettern Bernh. und Hieron. Torresanus der Vorschlag gemacht, mit ihnen gemeinschaftlich zu drucken, was sich jedoch zerschlug. 1572 heiratete er eine Tochter aus der berühmten Buchdrucker-Familie der Giunta, Franzisca Lucrezia, wodurch auch zwischen den rivalisierenden Familien eine geschäftliche Verbindung eintrat, wahrscheinlich unter Mitbeteiligung Basas, des Pächters der Aldinischen Druckerei, deren alleiniger Besitzer Aldus nach dem Tode des Vaters geworden war.
und nach Rom.
Einer Ernennung Aldus' zum Professor der schönen Wissenschaften (um 1576) folgte bald ein vorteilhafter Ruf nach Pisa von seiten des Franz von Medici. Kaum hatte er diesen angenommen, als er ein noch ehrenvolleres Anerbieten von Rom aus erhielt, und sein Ansehen war so gross, dass sein Name, obwohl er die Stelle jetzt ausschlagen musste, in die Liste der Professoren eingetragen wurde, und die Stelle unbesetzt blieb. Gegen Ende des Jahres konnte er endlich diesem Ruf und seiner Neigung folgen und nach Rom gehen, wo der Papst Clemens viii. ihm auch die Aufsicht über die Vatikanische Druckerei anvertraute.
Die alte berühmte Aldinische Druckerei gab er 1585 ganz ab, überhaupt war er mehr durch Umstände als durch Neigung Buchdrucker. Seine zeitige geistige Reife und die ihm so früh zugefallene litterarische Ehre hatten ihn der Druckerei abspenstig gemacht. Die Genugthuung, Bücher zu schreiben, ging ihm über die lohnende materielle Arbeit der Förderung der Buchdruckerei.
Familie.
Aldus starb, nachdem seine vier Kinder ihm schon im Tode vorangegangen waren, am 28. Oktober 1597 im 51. Jahre und mit ihm der letzte berühmte Sprössling einer Familie, die der Wissenschaft und der Typographie die grösste Ehre gemacht, und deren Ruhm nicht erlöschen wird, so lange einer der zahlreichen Bände existiert, welche in dem Zeitraum eines Jahrhunderts aus ihren Pressen hervorgingen. Renouard verzeichnet in seinen Annalen 153 Ausgaben von Aldus Manutius; 109 von den Asolas; 592 von Paul Manutius; 215 von dem jüngeren Aldus; ausserdem noch 36 nicht datierte Werke aus den Aldinischen Pressen, in Summa 1105 Ausgaben von 780 Autoren. Von Nachdrucken zählt er 64 auf.
Giunta.
Glücklicher in ihren äusseren Erfolgen und spekulativer als die Aldi zeigt sich die zweite berühmte Buchdrucker-Familie Italiens, die der Giunta (Junta) in FLORENZ. Hat sie auch nicht die höchsten Ehren der Familie Aldus erreicht, so nimmt sie wenigstens nach ihr die erste Stelle ein und die Mitglieder der Familie waren, ohne selbst Gelehrte von Rang zu sein, unterrichtete und tüchtige Männer, die ihre Kunst thatkräftig und mit Vorteil zu üben verstanden.
Seine
Nachkommen.
Die Familie Giunta[2] gehörte zu den angesehenen in Florenz und existierte schon im 14. Jahrhundert. Luc-Antonius und sein Bruder Philippus, deren Vater Wollhändler war, begannen zu derselben Zeit, wie Aldus in Venedig, zu drucken.
Luc-Antonius Giunta kam, nachdem er das Geschäft eines Buchhändlers schon in Florenz betrieben hatte, um 1480 nach Venedig, wo sein erstes Verlagswerk sich aus dem Jahre 1482 schreibt; Buchdrucker ward er wahrscheinlich 1503. Eine seiner Hauptunternehmungen war der Druck des Galenus in lateinischer Sprache. Während Aldus mit seiner grossen griechischen Ausgabe bedeutenden Verlust hatte, druckten die Giunta in der Zeit von 1522-1625 elf Auflagen ihrer lateinischen. Sie spekulierten auf einen billigen Preis und reussierten.
Luc-Antonius starb im Jahre 1537 oder 1538 und einer seiner drei Söhne, Thomas, übernahm die Buchdruckerei. Thomas hinterliess keine Kinder, aber seine Neffen führten das Geschäft unter der Firma: apud Juntas weiter und zwar mit so vielem Glück, dass ihr Nachfolger, Gio-Maria Giunta, in den Jahren 1626-1628 jeder seiner zwei Töchter 100000 Scudi, nach jetzigem Geldwerte gleich 500000 Mark, mitgeben konnte. Sie heirateten zwei venetianische Nobili Foscarini und Cornaro, und mit ihnen endigte der venetianische Zweig der Familie, während das Geschäft in Venedig auch von dem Florentiner Zweig fortgesetzt und 1642 von einem Modesto Giunta geleitet wurde. Noch im Jahre 1791 wird eine dieser Familie angehörende Persönlichkeit erwähnt.
und sein Stamm.
Philipp Giunta, der Bruder Luc-Antonius', hatte Florenz nicht verlassen und etablierte dort eine Buchdruckerei und Buchhandlung. Sein erster Druck: Zenobii Proverbia, aus dem Jahre 1497, war ein griechischer, ebenso der im Jahre 1500 folgenden Orphei Argonautica, sonst druckte er nur lateinische und italienische Ausgaben, namentlich in kleinem Oktav mit der, der Aldinischen nachgebildeten Cursivschrift; den griechischen Druck nahm er erst 1514 wieder auf.
Philipp starb am 16. September 1517, nachdem er die erste griechische Ausgabe von Plutarch, von ihm selbst redigiert, gedruckt hatte. Sein Sohn Bernhard führte das Geschäft für die Erben weiter und ihm hat man die berühmte Quartausgabe von Boccaccios Decamerone zu verdanken, die als Prototyp aller späteren Ausgaben diente, bis die Entdeckung eines, im Jahre 1384 angefertigten Manuskriptes den Wert des Buches verringerte. Der enorme Preis der Giuntaschen Ausgabe veranlasste 1729 einen Nachdruck, der in allen Äusserlichkeiten das Original nachzuahmen versuchte; der Betrug wurde jedoch bald entdeckt.
Das Florentiner Haus kam zwar dem Venetianer an Reichtum nicht gleich, hielt sich aber stets auf einem geschäftlich respektablen Standpunkte. Bernhard starb 1551; die Druckerei wurde von einem seiner vielen Söhne, Philipp, dirigiert und bestand noch im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts. Glieder der Familie etablierten sich in Rom, Burgos, Madrid und Lyon, an letzterem Orte wohl zunächst in der unedlen Absicht, die Aldinen ungestört nachzudrucken. Hinsichtlich der Ausstattung stehen die Juntinen den Aldinen sehr nach und haben bei den Sammlern nie das Ansehen gehabt wie letztere.
Daniel Bomberg.
Was die Aldi und die Giunta für den griechischen, lateinischen und italienischen Druck waren, war Daniel Bomberg für den hebräischen. Dieser Zweig der Typographie war bisher nur von den jüdischen Buchdruckern zu Soncino, Neapel, Pesaro und Konstantinopel geübt. Bomberg, gebürtig aus Antwerpen, war nicht Jude, gründete jedoch in Venedig eine, nur der hebräischen und rabbinischen Litteratur gewidmete Druckerei, in welcher er drei Ausgaben der Bibel mit den besten rabbinischen Kommentaren in vier Foliobänden, ausserdem noch fünf korrekte Handausgaben, einen prachtvollen babylonischen Talmud in zwölf Foliobänden nebst mehreren rabbinischen Werken druckte. Die Korrektur besorgte im Verein mit vielen tüchtigen Korrektoren der gelehrte Chaja Maier Ben David. Die hebräischen Typen Bombergs gelten bis auf die neueste Zeit für die schönsten, und ein Pergament-Abdruck seiner Bibel von 1525, der sich auf der Wolfenbütteler Bibliothek befindet, wird als ein typographisches Juwel betrachtet. Er soll zwischen 3-4 Millionen Kronen für hebräischen Druck ausgegeben, und nicht genug auf seinen eigenen Vorteil gesehen haben.
Auch der sonstige orientalische Druck musste vorzugsweise in dem, mit dem Orient so lebhaft verkehrenden Venedig Pflege und Unterstützung finden. 1518 wurde hier der Koran arabisch gedruckt. 1701 gründete der Armenier Mechitar auf der Insel St. Lazaro bei Venedig ein Kloster, mit welchem eine für orientalischen, speziell armenischen Druck eingerichtete Druckerei verbunden wurde. Eine Foliobibel von 1733 mit Kupfern ist wohl das erste grössere aus ihr hervorgegangene Druckwerk.
Congregatio de
propaganda fide.
Doch auch ausserhalb Venedigs wurde der orientalische Druck in Italien geübt. Das erste gedruckte arabische Buch: Septem horæ canonicæ erschien 1514 in FANO in der auf Kosten des Papstes Julius ii. von Gregor Gregorio errichteten Buchdruckerei. Genua, Ferrara, Trient[3] lieferten manches Beachtenswerte. In ROM hatte der Papst Pius iv. schon die Vatikanische Bibliothek gegründet, welche von Sixtus v. vervollständigt wurde. Als die im Jahre 1622 gestiftete Kongregation zur Verbreitung des Glaubens (de propaganda fide) 1627 mit ihrem Missionsseminar eine für die Zwecke der Mission eingerichtete Druckerei verband, wurde die vatikanische Offizin hiermit vereinigt und durch die orientalischen Schriften des berühmten Druckers und Stempelschneiders Stefanus Paoli vermehrt. Diese Druckerei lieferte nun in vielen Sprachen Neue Testamente und Andachtsbücher, hat aber nie eine Wirksamkeit entwickelt, die im Einklang mit ihren bedeutenden Mitteln stand[4].
In GENUA erschien 1516 die erste Polyglotte, ein Psalterium in hebräischem, griechischem, arabischem, chaldäischem Text mit drei lateinischen Übersetzungen und mit lateinischen Interpretationen. Der Verfasser war der Dominikaner Agostino Giustiniani, der Drucker Peter Paul Porrus. Justinianus hatte die Absicht, die ganze Bibel in derselben Weise herauszugeben, aber die Unterstützung, welche der Versuch fand, war eine so geringe, dass er davon absehen musste. An die Worte des xix. Ps. 5. V. „ihre Rede gehet an der Welt Ende“ hatte er eine Biographie des Columbus geknüpft, die jedoch so mangelhaft war, dass der Rat zu Genua die Verbreitung verbot.
In PADUA[5] gründeten die zwei gelehrten Brüder Gaetano und Giovanni Antonio Volpi eine bedeutende Buchdruckerei zur Herausgabe von Klassikern und übergaben die Leitung dem Giuseppe Comino, der sich durch grosse technische Tüchtigkeit auszeichnete. Die cominischen Ausgaben der Klassiker, der Zahl nach zwanzig, sind sowohl wegen ihrer Ausstattung als Korrektheit berühmt.
Die Blüte der, durch die Unterstützung fein gebildeter Fürsten und Grossen, sowie einer reichen, unabhängigen Bürgerschaft geförderten litterarischen Kultur ging mit dem Ende des xvi. Jahrhunderts zurück; mit ihr verfiel, wie überall, so auch in Italien, die Buchdruckerkunst, die erst in viel späterer Zeit als anderswo, zugleich mit der, auch spät errungenen, politischen, nationalen Unabhängigkeit und damit verbundenen Press-Freiheit, sich wieder zu heben beginnen sollte.
Xylographie.
DER HOLZSCHNITT entwickelte sich in Italien nicht in demselben Masse wie in Deutschland, und der Kupferstich behauptet den Vorrang. Nur Venedig macht einigermassen eine Ausnahme. Doch übte Dürers Stil seinen Einfluss auch in Italien und wir sehen sogar einen bedeutenden Künstler, Marc-Antonio Raimondi, die Holzschnitte Dürers in Kupferstich wiedergeben, weshalb ihn Dürer verklagte, wobei er jedoch nur erreichte, dass es Raimondi untersagt wurde, Dürers Monogramm mit nachzumachen.
Eine merkwürdige Erscheinung auf dem Gebiete des illustrierten Druckes ist die von Aldus (1499) herausgegebene Hypnerotomachia oder der Kampf des Schlafes und der Liebe. Die reichen Illustrationen wurden gewöhnlich Benedetto Montagna zugeschrieben, von einigen sogar Raphael, wahrscheinlich gehören sie aber einem, unbekannt gebliebenen Künstler. Von Andrea Mantegna haben wir einige vorzügliche Holzschnitte, ebenso von dem erwähnten Kupferstecher Marc-Antonio Raimondi (geb. 1488, gest. 1546). Cesar Vecellio lieferte seine berühmten Habiti antichi e moderni, 420 Kostümbilder, die von Christoph Krieger (geb. 1550, gest. 1606) aus Nürnberg in Holz geschnitten wurden[6]. Vecellius war ein Neffe Tizians und es ist von Kennern behauptet worden, Tizian selbst habe die Originalzeichnungen geliefert. Jedenfalls ist Vecellius sehr durch seinen berühmten Verwandten beeinflusst worden und die Zeichnungen nähern sich dessen grossartigem Stil. Die Ausführung in Holzschnitt ist leider eine nur mittelmässige[7]. Sonst haben, besonders in Venedig, eine Anzahl tüchtiger, aber dem Namen nach unbekannter Meister der paduanisch-venetianischen Schule gearbeitet. Als Verfertiger der vielen, mit dem aus den Buchstaben J. B. zusammengesetzten Monogramm bezeichneten venetianischen Holzschnitt-Illustrationen ist nunmehr in neuester Zeit Giovanni Brito erkannt worden.
Druck.
In dem farbigen (Clair-obscur-)Druck behaupteten die Italiener das Übergewicht; wenn sie aber auch auf die Erfindung Anspruch machen, sind sie im Unrecht, da deutsche Clair-obscur-Drucke aus dem Jahre 1509 von Lucas Cranach existieren, während die ersten Drucke des angeblichen Erfinders Ugo da Carpi erst aus dem Jahre 1518 herrühren. Das Verfahren besteht, wie schon kurz erwähnt wurde, darin, durch mehrere Platten, in verschiedenen Farben oder Tonabstufungen gedruckt, den Effekt des mit farbigen Tuschen gezeichneten oder in Sepia ausgeführten Bildes hervorzubringen. Durch gänzliches Aussparen der lichten Stellen fügt das, an diesen Stellen zum Vorschein kommende weisse Papier noch die Wirkung hinzu, als wären weisse Lichter aufgesetzt. Öfters wurden die ersten Konturplatten in Kupfer gestochen, die Töne aber mittels Holzplatten aufgedruckt. Die Schwierigkeit der Ausführung dieser Arbeiten liegt darin, dass die Grenzen der verschiedenen Platten sich vollständig decken müssen, was bei dem Druck, trotz feinster Punkturen und genauester Anlage, äusserst schwer zu erzielen ist, da das Papier während des Druckes seinen Feuchtigkeitszustand, folglich seine Grösse, ändert, auch die Punkturlöcher allmählich sich erweitern, was zur Unsicherheit beiträgt.
Ausser Ugo da Carpi (gest. um 1520) besitzt Italien eine ziemliche Anzahl tüchtiger Künstler in diesem Genre, unter welchen Nicolo Boldrini aus Vicenza und Andreas Andreani (geb. 1540, gest. 1625) bedeutende Plätze einnehmen. Letzterer gab Platten von grossen Dimensionen nach den wundervollen Mosaiken Domenico Beccafumis ausgeführt. Sein „Triumphzug Cäsars“, von Andrea Mantegna gezeichnet, ist ebenfalls von grosser Bedeutung.
John Jackson.
Noch in später Zeit machte sich der Graf Anton Marie Zanetti, geboren in Venedig 1680, dort gestorben 1766, bekannt durch seine Bestrebungen, den Clair-obscur-Druck aufs neue zu Ehren zu bringen. In einem grossen Werke von 101 Blättern in Folio giebt er besonders Kopien nach Parmesano. Leider wurde dieses kostbare Werk nur in 30 Exemplaren gedruckt und dann die Platten vernichtet. In den Jahren 1738-1743 lebte ein Engländer John Jackson, der in Papillons Schule sich ausgebildet hatte, in Venedig, wo er eine Anzahl sehr tüchtiger Kopien von berühmten italienischen Meistern in Clair-obscur-Manier fertigte.
SPANIEN. PORTUGAL. DER SÜDEN AMERIKAS.
In SPANIEN und PORTUGAL machte die Buchdruckerei in dieser Periode keine grossen Fortschritte. Die bis Ende des xv. Jahrhunderts gedruckten Bücher zeigen keine anderen Schriften, als die in Frankreich verwendeten halbgothischen, und bis in die Mitte des xvi. Jahrhunderts behalten die spanischen Bücher immer noch das Aussehen derjenigen des xv. Jahrhunderts.
Polyglotte.
Eine Berühmtheit der spanischen Buchdruckergeschichte weist die Stadt ALCALA DE HENARES (Complutum) auf. Der Kardinal und Premierminister Ferdinand des Katholischen, Franz Ximenes de Cisneros, hatte 1499 die dortige Universität begründet und einen ausgewählten Kreis von Gelehrten, namentlich Linguisten, dahin versammelt. Man brauchte Bücher für die Studierenden und berief Wilhelm de Brocario aus Pampelona, der als tüchtigster Buchdrucker Spaniens galt. Er druckte erst eine Anzahl von Klassikern und dann auf Befehl des Kardinals die berühmte Complutinsche Polyglott-Bibel in 6 Bänden in Folio (1514-1517), eins der prachtvollsten Druckerzeugnisse damaliger Zeit. Den Kostenaufwand, welchen die Ausarbeitung und Herstellung des Werkes verursachten, schätzt man auf über 50000 Goldkronen. Nach der Vollendung beanstandete der Papst Leo x. die allgemeine Verbreitung, welche erst am 22. März 1520 zugestanden wurde. Die Übergabe des Werkes in den Verkehr fand erst 1522 statt. Brocario druckte bis 1522; sein Sohn, Johann, noch lange nach ihm. Berühmt war auch Michel de Eguia. Alfonse de Fonseca, der Nachfolger Ximenes' bei Karl v., trat ganz in die Spuren seines Vorgängers und unterstützte die Kunst.
Als MADRID 1560 Residenz geworden, zogen die Könige auch Buchdrucker nach dort, und ernannten königliche Hofbuchdrucker, auch wurde, in Nachahmung der Pariser Anstalt, eine königl. Buchdruckerei errichtet. Die Kunst kam jedoch nicht recht in Flor; wollte man ein Buch recht schön gedruckt haben, so suchte man vorzugsweise Plantin in Antwerpen, oder dessen Nachfolger Moretus, auf. Unter den Madrider Buchdruckern müssen wir Johann de la Cuesta nennen, dem die Ehre vorbehalten blieb, die erste Ausgabe von Miguel de Cervantes' unsterblichem Werke: El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha, zu drucken.
Einen bedeutenden Namen hatte Antonio Bortazar in Valencia. Der König Philipp v. wurde auf ihn aufmerksam gemacht; bevor jedoch die Organisationspläne zur Ausführung kommen konnten, starb Bortazar. In SEVILLA zeichnete sich Johann Kromberger, ein Deutscher, aus. Der berühmteste Name der spanischen Druckkunst, Joachim Ibarra, gehört der nächsten Periode an.
Mexico.
Begreiflicherweise waren die Spanier die ersten, welche die Buchdruckerkunst in MITTEL- und SÜD-AMERIKA einführten und zwar volle hundert Jahre bevor Nordamerika eine Presse hatte. Dort, wie hier, waren die, in dieser Periode gedruckten Schriften hauptsächlich religiösen Inhalts. In MEXICO erschienen jedoch auch einige geschichtliche Werke und viele sprachliche Bücher für den Gebrauch der Eingeborenen, in den mancherlei Idiomen derselben abgefasst[8]. Was die Zahl, den Umfang und die Ausstattung der Bücher betrifft, ging der Süden Amerikas bis gegen das Ende des xvii. Jahrh. bedeutend dem Norden voran.
Über die Zeit der Einführung und die Person des Einführenden herrschten sehr abweichende Ansichten; jetzt steht es wenigstens unwiderleglich fest, dass Bücher 1540 in Mexico gedruckt wurden, und dass die Einführung der Kunst also noch vor diesem Jahre, wahrscheinlich um 1537, auf Betrieb des Vicekönigs Antonio de Mendoza geschah.
Lange galt die Annahme, dass das Vocabulario en lingva Castellana y Mexicana (1571) des Franziskaners Alonso de Molina das erste Werk und Antonio de Spinosa der erste Drucker gewesen. Die Druckerlaubnis wurde 1569 erteilt und so ist auch das Vorwort datiert. Der erste Teil dieses bedeutenden Werkes besteht aus 122, das zweite aus 162 numerierten Blättern in Folio, dasselbe also im ganzen aus 568 Seiten[9].
Später ward Johan Krombergers Druck: Doctrina Christiana, in dem Jahre 1544 mit gothischer Schrift ausgeführt, aufgefunden, die man nun für das älteste Buch Mexicos hielt, bis auch diese Annahme, und zwar durch sechs eigene Drucke Krombergers älteren Datums, widerlegt wurde. Sein erstes Buch, Manual de adultos, von welchem jedoch nur die letzten Blätter erhalten wurden, stammt nämlich schon aus dem J. 1540; das zweite: Relacion del espantable terremoto etc. de Guatemala, erschien 1541[10].
Nach den angesehenen Geschichtsforschern D. Padella, Alonzo Fernandez und Gonzales Danila hat Juan de Estrada in dem Novizenhause zu Mexico noch vor 1740 eine Übersetzung aus dem Lateinischen des Joh. Climachus: Escala esperitual para llegar al cielo geliefert und Juan Pablos sie gedruckt. Nur nennt Danila den Verfasser Juan de la Magdalena, was sich leicht als Klostername des Paters Juan de Estrada erklärt.
Es dürfte jedoch nicht gar zu schwer sein, diese widersprechenden Nachrichten mit einander in Einklang zu bringen. Da der Vizekönig Antonio de Mendoza 1535 nach Mexico kam und dem (oben erwähnten) Kromberger in „Sevilla“ den Auftrag gegeben hatte, eine Druckerei in Mexico anzulegen, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Kromberger den Juan Pablos nach dorthin gesandt hat, so dass dieser mit einem gewissen Recht als der erste Drucker der neuen Welt bezeichnet werden, und Kromberger doch die erste Druckfirma dort gewesen sein konnte. Pablos kann also für Kromberger die erwähnte Escala esperitual um 1537 gedruckt haben. Kromberger starb vor 1541, doch hat man später aus dem Geschäft in Sevilla Bücher mit seiner Firma. Und so wird es wohl auch in Mexico gewesen sein, bis wahrscheinlich Pablos das Geschäft erwarb, denn 1550 kommt auf der Doctrina Christiana seine Firma vor und dann später öfters.