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Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Erster Teil / Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750. cover

Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst. Erster Teil / Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750.

Chapter 18: XII. KAPITEL. [←]
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About This Book

This work provides a comprehensive overview of the history of printing from its invention in the mid-15th century through its development, peak, and eventual decline by the 18th century. It systematically organizes the evolution of printing technology and its impact on society, detailing the contributions of key figures and the spread of the craft across different regions. The text is divided into two main sections: the first covers the initial invention and growth of printing, while the second addresses the revival and advancements in the field leading to modern times. The author aims to present this history in an accessible manner, making it a useful resource for both professionals and laypersons interested in the subject.

XII. KAPITEL. []

ENGLAND. NORDAMERIKA.

Das allmähliche Wachstum der englischen Presse. Wynkyn de Worde, Richard Pynson, Reynold Wolfe, John Day, Th. Vautrollier, Th. Roycrofft, Sam. Palmer, Sam. Richardson. Oxford, Cambridge. Die schottische und die irische Presse. Die Stereotypie und Will. Ged. Das Zeitungswesen. Die Schriftgiesserei.

NORDAMERIKA. Kleine Anfänge der Presse. John Glover, James Franklin, Benjamin Franklin. Die deutschen Einwanderer und ihre Presse. Christoph Sauer und seine Nachkommen.

Kämpfe der eng-
lischen Presse.

DIE englische Presse, welche später einer Freiheit geniessen und eine Macht erlangen sollte, um welche der Kontinent das Inselland beneiden musste, hatte in ihrem Beginn schwere Kämpfe zu bestehen. Bevormundung mancherlei Art und Privilegien spielen eine grosse Rolle in der englischen Buchdrucker-Geschichte. So lange der erste Buchdrucker Caxton noch ohne Rivalen dastand, waren keine Privilegien notwendig, als aber die Zahl der Buchdrucker wuchs, entstand auch der Wunsch eines Schutzes. Schon 1504 wird William Fawkes als regius impressor genannt, d. h. als berechtigt alle Regierungsarbeiten herauszugeben. Das erste ausschliessliche Privilegium für den Druck eines Buches wurde an Richard Pynson 1518 erteilt, später mit solchen sehr freigebig umgegangen. In diesen Privilegien finden sich auch die ersten Spuren der Anerkennung eines geistigen Eigentumsrechtes, wennauch mehr in dem materiellen Interesse des Verlegers als dem des Autors. Die Privilegien gewährten nicht allein Schutz, sie waren auch eine Art von Empfehlung.

Der Druck „vieler ketzerischer und aufrührerischer“ Bücher war unter der Regierung der Königin Maria Veranlassung, dass die Buchdrucker, die, wie in Deutschland, zugleich Buchführer waren, 1556 in der Genossenschaft Stationers' company vereinigt wurden. Eigentlich handelte es sich nicht um ein neues Institut, denn schon 1403 bestand eine Vereinigung von Abschreibern, Rubrikatoren, Briefmalern, Papiermachern und Manuskriptenhändlern. Die Vorsteher waren für die einzelnen Mitglieder verantwortlich und nur solche durften Bücher drucken. Einige Jahre nachher wurde verfügt, dass jeder, der ein Buch druckte, es in das Register des Vereins eintragen lassen müsse, was ihn gegen den Nachdruck seitens anderer Mitglieder schützte.

Privilegien, Ver-
bote und Strafen.

Daneben blieben aber königliche Privilegien fortbestehen, die vielfach an Personen ausserhalb des Vereins erteilt und dann für grosse Summen an Mitglieder zur Ausnutzung verpachtet wurden. 1559 verordnete die Königin Elisabeth sogar, dass kein Buch ohne besondere Erlaubnis von ihr oder den von ihr dazu bevollmächtigten Personen erscheinen durfte. Dies wurde jedoch nicht allgemein befolgt, weshalb 1566 Konfiskation, Konzessionsentziehung, Gefängnisstrafen und Bürgschaftsscheine, kurz der ganze Apparat der Presspolizei-Massregeln eingeführt wurde, welchen man in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts in Deutschland so gut zu kopieren verstand. Da aber die Beschwerden immer noch nicht aufhörten, wurde bestimmt, dass mit Ausnahme der Universitätspressen in Oxford und Cambridge nur in London gedruckt werden dürfte. Unter Karl i. wurden auf Antrieb des Erzbischofs Laud 1637 sehr scharfe Verordnungen gegen den Buchhandel und die Presse erlassen und die Zahl der Londoner Buchdrucker auf 20 beschränkt, die der Schriftgiessereien auf 4. Dieselben durften nur je zwei Lehrlinge halten und waren solidarisch verpflichtet, alle Gehülfen zu beschäftigen, denn kein Gehülfe durfte feiern. Nur zu dem Abbrechen der Buchstaben war es gestattet, nicht gelernte Arbeiter zu nehmen.

Die Chapel.

In den Druckereien bildete das Personal eine sogenannte Kapelle und der älteste Gehülfe war der Vater der Kapelle. Eine Hauptaufgabe derselben war, durch Strafbestimmungen der Kasse vielen Stoff zuzuführen, so war es z. B. strafbar, seinen Winkelhaken fallen, oder drei oder mehr Buchstaben auf der Erde liegen zu lassen u. dgl. m. Die Strafen wechselten von 1-12 Pence; wer widerspenstig war, wurde über den Korrigiertisch gelegt und bekam zehn Pfund und einen Beutel dazu, d. i. elf Schläge auf einen gewissen Teil des Körpers. Jeder Neueintretende musste sein Bienvenue zahlen. Ein sehr beliebtes Spiel war das Raffeln mit Gevierten. Der, welcher die meisten Signaturen nach oben warf, war der Gewinner. Jedes Jahr wurden neue Papierfenster eingesetzt, da musste der Prinzipal eine Stoppelgans mit den nötigen Flüssigkeiten zum besten geben, bei welcher Gelegenheit man zugleich die mit der Druckerei Verkehrenden, mit Ausnahme der Korrektoren, brandschatzte. Die Setzer nannte man nach den Satzschiffen (galleys) Galeerensklaven.

Die Republik.

Die Versuche, während der Republik die Bücher dem freien Verkehr zu übergeben, blieben fruchtlos. 1643 erliess das Parlament eine Akte zur Unterdrückung der Missbräuche und Unordnungen. Dem Nachdruck trat man zwar entgegen, sogar der Buchbinder wurde durch das Binden von Nachdrucken strafbar, dagegen beschränkte man die Presse durch neue Edikte weiter und das Erscheinen der Bücher ward von einem vorherigen Erlaubnisschein (license) abhängig gemacht, was Milton zu seiner berühmten Rede für die Pressfreiheit Veranlassung gab.

Wiedereinfüh-
rung des König-
tums.

Die Wiedereinführung des Königtums hatte auch keine grössere Freiheit im Gefolge und es kam noch 1663 die Anordnung dazu, drei Exemplare jedes gedruckten Werkes an die Bibliotheken abzuliefern. Erst 1694 wurden die letzten Restriktivmassregeln gegen die Presse aufgehoben und von dieser Zeit ab kann man England als im Besitz einer freien Presse betrachten.

Mit dem ersten Viertel des xviii. Jahrhunderts hatte London 75 Buchdruckereien, die Provinzen deren 28. In London erschienen an Zeitungen 3 täglich, 10 dreimal die Woche, 5 einmal wöchentlich. Der Zeitungsstempel wurde 1712 eingeführt.

Das geistige
Eigentumsrecht.

Mit der Anerkennung des geistigen Eigentums war es auch schlecht genug bestellt, und das Verlagsrecht wurde eigentlich als ein dem König gehörendes betrachtet. Erst 1709 wurde das Autorrecht auf vierzehn Jahre garantiert und, wenn der Autor beim Ablauf dieser Frist am Leben war, auf noch weitere vierzehn Jahre.


Berühmte Buch-
drucker.

Unter den Ausübern der Buchdruckerkunst in England befanden sich zwar manche tüchtige Männer und die Kunst machte auch nach ihrer Einführung durch Caxton rasche Fortschritte; aber von solchen hervorragenden Familien, wie wir sie in Italien, Frankreich und Holland kennen gelernt haben, deren Mitglieder gleich bedeutend als Gelehrte und Kunstjünger waren, hören wir ebensowenig wie von solchen zeichnenden Künstlern ersten Ranges, wie die, welche eine Reihe von xylographisch-typographischen Kunstwerken in Deutschland schufen. Die Vorzüge der Engländer als Buchdrucker treten erst in der spätern Periode der Kunst, wo die Mechanik eine hervorragende Stelle einnimmt und die Buchdruckerei sich mehr dem Fabrikbetrieb nähert, in helles Licht.

Unter den mit Caxton nach England gekommenen Buchdruckern zeichnen sich namentlich Wynkyn de Worde und Richard Pynson aus.

Wynkyn de
Worde.

Wynkyn de Worde war in Lothringen geboren und ward Mitarbeiter und Nachfolger Caxtons, den er als Drucker bedeutend übertrifft. Er vollendete in dem Caxtonschen Lokal mehrere, von diesem unvollendet hinterlassene Werke, unter welchen die Canterbury tales. Später, wahrscheinlich 1499, bezog er die „Goldene Sonne“ in St. Bride, wo er eine grosse Anzahl, über 400, sehr sorgsam ausgestatteter Werke aus allen Fächern, namentlich jedoch grammatikalischen Inhalts, ausführte. Seine Typen sind ganz verschieden von den bis dahin verwendeten und zeichnen sich durch Schönheit des Gusses und vorzügliche Zurichtung aus. Wahrscheinlich war Wynkyn de Worde selbst Schriftgiesser, wenigstens deutet der Umstand, dass seine Schriften sich in den Werken anderer Druckereien häufig vorfinden, darauf hin. Selbst, wenn es nicht der Fall wäre, verdient Wynkyn de Worde als einer der bedeutendsten Typographen seiner Zeit geschätzt zu werden. Ob er oder Pynson die Antiqua zuerst in England verwendete, lässt sich nicht bestimmt entscheiden. Eins seiner schönsten Bücher ist der Polychronikon in Folio, aus d. J. 1495. Er starb hochbetagt 1534, wennauch eine Ausgabe von „Esop“ aus dem Jahre 1535 noch seinen Namen trägt. In seinem Druckerzeichen verband er das Monogramm Caxtons mit dem eigenen Namen. Mit seinem früheren Kollegen bei Caxton, jetzigem Rival, Pynson, verblieb er in dem besten Vernehmen.

Richard Pynson.

Richard Pynson stammt wahrscheinlich aus der Normandie. Er stand sehr in Gunst bei Hofe und wurde von Heinrich viii. zum Hofbuchdrucker ernannt. Mehr als 200 Werke gingen aus seinen Pressen hervor, sie waren hauptsächlich mit einer, mutmasslich aus Frankreich bezogenen Art semigothischer Schrift gedruckt, und reicher illustriert, als die Druckwerke seiner Vorgänger und Zeitgenossen. Er starb um das Jahr 1529.

Julian Notary.

Julian Notary druckte 1498 zusammen mit Jean Barbier, einem Franzosen und einem der vorzüglichsten Typographen damaliger Zeit. Man kennt aus ihren Pressen 23 Druckwerke.

Richard Grafton.
Will. Tyndales
Bibel.

Ein Mann von hervorragender Bedeutung ist Richard Grafton, der wahrscheinlich während der letzten Lebensjahre Heinrichs viii. geboren ward und bis in die Regierungszeit der Königin Elisabeth lebte. Grafton war nicht allein ein bedeutender Geschäftsmann, sondern auch ein tüchtiger Autor und angesehener Bürger, der mit den Notabilitäten der Wissenschaft und des Adels in regem Verkehr stand. Sein Name ist besonders eng mit der Geschichte der Verbreitung der heiligen Schrift in England verknüpft, welcher hier, wie beinahe überall, viele Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, deren Ueberwindung oft mit wesentlicher Gefahr für Gut und Leben verbunden war. „Wir müssen die Buchdruckerkunst ausrotten oder sie wird uns ausrotten“, hatte ein bekannter englischer Geistlicher geäussert, und sein Ausspruch hatte lebhaften Anklang gefunden. Unter solchen Verhältnissen konnte es William Tyndale, ein Engländer, der nach Antwerpen gegangen war, nur im Auslande wagen, zuerst das Neue Testament und dann einen Teil des Alten zu übersetzen und zum Druck zu geben. Die Übersetzung, bei der ihn John Fryth und Joseph Roye unterstützten, ist ein Ergebnis der Energie und des Ernstes, welche die Reformatoren beseelten, und blieb eine Grundlage für alle späteren englischen Bibelbearbeitungen. Das Neue Testament wurde 1526 bei Quentell in Köln, das Alte von Hanns Lufft gedruckt. Der gegen diese Übersetzung in England begonnene Vernichtungskrieg wurde so gründlich durchgeführt, dass von 3000 Exemplaren nur eins, zudem ein defektes, auf uns gekommen ist. Tyndale beabsichtigte nun eine zweite Ausgabe des Neuen Testaments bei Martin Kayser in Antwerpen zu drucken. Aber auch auf fremdem Boden ereilte die Rache den Urheber. Kaiser Karl v. liess sich bestimmen, Tyndales Gefangennehmung und Auslieferung anzuordnen; nach achtzehnmonatlicher Einkerkerung wurde er gehängt und sein Leichnam verbrannt. Fryth kam 1533 in Smithfield auf den Scheiterhaufen, Roye erlitt dasselbe Schicksal in Portugal. Die Holländer druckten die Tyndalesche Übersetzung in grossen Massen nach.

Myles Coverda-
les Bibel.

Zwar änderte Heinrich viii., wenn nicht seine Gesinnung, so doch seine Haltung, nachdem Erzbischof Cranmer die Lösung des Bandes, welches ihn an Katharina von Aragonien fesselte, ermöglicht hatte; nichtsdestoweniger wagte man es aber doch noch nicht, eine Bibelübersetzung in England zu drucken. In dem Jahre 1535 erschien die von Myles Coverdale revidierte und vervollständigte Übersetzung Tyndales, jedoch in der Schweiz (ohne Angabe des Druckers Christoph Froschauer in Zürich), da man sich nicht der Verfolgungen enthoben glaubte, soweit die Macht Kaiser Karls v. reichte. Die nach derselben bearbeitete Matthews-Bibel erschien 1517 ebenfalls im Auslande, wahrscheinlich in Deutschland. 1538 bis 1539 liess Grafton in Verbindung mit Edward Whitchurch eine Bibel in Paris drucken, die aber in 2500 Exemplaren nebst den Pressen von der Regierung Franz i. mit Beschlag belegt wurde. Whitchurch, früher ein angesehener Kaufmann und Abgesandter Heinrichs viii. in Deutschland, heiratete später nach der Hinrichtung des Bischofs Cranmer (1656) dessen Witwe.

Cranmersche
Bibel.

Das Hauptbibelwerk, welches Grafton selbst druckte, bleibt aber die 1539-1541 erschienene Prachtausgabe, bekannt als die Cranmer- oder die Grosse Bibel. Die Type dieser Bibel, von der man sieben oder acht Ausgaben hat, ist eine schöne gothische; das Titelblatt wird Holbein zugeschrieben. Der Erzbischof Cranmer und Thomas Cromwell, Lord Essex, interessierten sich besonders dafür. Grafton musste es indes erleben, dass seine beiden Gönner durch Henkershand umkamen. Grafton druckte auch das erste autorisierte Gebetbuch nach dem protestantischen Ritus. Eines seiner schönsten Werke ist Edw. Halles Chronicle.

In ernste Verwickelungen kam Grafton, als er in seiner Eigenschaft als königlicher Buchdrucker nach Eduards vi. Tode die Proklamation Jane Grays als Königin druckte. Ihr Königtum dauerte bekanntlich nur 9 Tage und nach der Einsetzung der Königin Maria wurde Grafton gefänglich eingezogen, kam jedoch mit sechswöchentlichem Gefängnis, Einbusse von ihm noch zuständigen 300 £ und Verlust seines Amtes als Hofbuchdrucker davon. Er starb um 1572.

John Bydells
Bibel.

Von englischen Bibeln damaliger Zeit sind ausser den genannten zu erwähnen die John Bydells, eigentlich nur eine verbesserte Ausgabe der Matthewschen, und die „Bischofsbibel“ aus 1568, auch „Leda-Bibel“ genannt, weil die Briefe an die Hebräer als Kopfvignette eine Darstellung der Verbindung Jupiters mit der Leda zur Schau tragen.

Die autorisierte
Bibel.

Im Jahre 1604 wurden grosse Anstrengungen gemacht, um eine neue tüchtige Bibelübersetzung zu bewerkstelligen. Ein Edikt Jakobs i. stellte die Ernennung einer Kommission von 54 gelehrten Männern fest, welche, in 6 Sektionen geteilt, die Übersetzung besorgen und sich gegenseitig in der Arbeit kontrollieren sollten. Das Werk wurde 1611 durch George Baker fertiggestellt.

George Backer
u. George Lucas.

Teuer sollte diesem und George Lucas ein Druckfehler, die Weglassung des Wortes „nicht“ aus dem vii. Gebot, in einer von ihnen 1632 gedruckten Bibel zu stehen kommen. Die Auflage wurde konfisciert und die Drucker zu einer Busse von 3000 £ verurteilt. Dieses Geld wurde nach Bestimmung des Königs Karl i. grossenteils zum Ankauf von griechischen Matern und Typen verwendet, welche den königl. Buchdruckern zur Benutzung überlassen werden sollten, die dagegen jährlich wenigstens ein griechisches Buch auf ihre Kosten zu drucken hatten.

John Field.

Durch seine schlecht gedruckten Bibeln zeichnete John Field sich aus (um 1650). Es wurde ihm sogar nachgesagt, er habe sich von den Independenten bestechen lassen, eine Stelle nach ihren Ansichten zu fälschen. In einer seiner Bibelausgaben sind 3600 Fehler nachgewiesen, man sagt sogar, die Zahl sei eine noch viel höhere.

Thomas Roy-
crofft.

Eine in der englischen Bibeldruckgeschichte epochemachende Erscheinung ist die von Thomas Roycrofft (geb. 1718) gedruckte Waltonsche Polyglottbibel in sechs Foliobänden, in welchen neun Sprachen repräsentiert sind. Der erste Band erschien 1654, der letzte 1657; es war das erste Werk, welches in England auf Subskription erschien. Das Exemplar wurde zu 10 Pfund Sterl. geliefert und man sammelte bereits in zwei Monaten 900 Subskribenten. Sowohl Cromwell als Karl ii. unterstützten das Unternehmen und Cromwell gewährte Steuerfreiheit für das Papier. Als nach Cromwells Tode König Karl ii. an die Regierung gekommen war, liess Walton einige Dedikationsblätter, auf welchen er sich dankend gegen Cromwell ausgesprochen hatte, durch andere, dem König schmeichelhafte ersetzen, weshalb man von zwei Ausgaben, der republikanischen und der loyalen, spricht.

Als ein Appendix ist ein anderes grossartiges, durch Roycrofft gedrucktes Werk, das Lexicon Heptaglotton des Dr. E. Castell, 2 Bände in Folio 1669, zu betrachten. Der Verfasser setzte leider dabei nicht allein sein Vermögen von 12000 Pfund Sterl. zu, sondern stürzte sich auch noch in Schulden. Siebzehn Jahre hatte er täglich 16-18 Stunden daran gearbeitet und er musste ausserdem noch vierzehn Hülfsarbeiter, die sämtlich während des Druckes starben, in seinem Hause unterhalten. An diese beiden Unternehmungen schliessen sich die 1660 in 9 Foliobänden erschienenen: Critici sacri gedruckt von Cornelius Bee als verwandtes drittes.

Reynold Wolfe.

Sehr in Gunst am Hofe Heinrichs viii. stand der Deutsche oder Schweizer Reynold Wolfe (gest. 1574). Er war der erste Buchdrucker, der ein Patent erhielt, um lateinisch, griechisch und hebräisch zu drucken, und wurde überhaupt durch die vorteilhaftesten Privilegien begünstigt. Er druckte fast alle Schriften des Erzbischofs Cranmer.

John Day.

Als ein sehr tüchtiger Mann zeigte sich John Day. Er war in Suffolk geboren und hatte ein Geschäft von grosser Ausdehnung, das er während der Jahre 1544-1583 betrieb; doch setzte er seine Wirksamkeit, wie Grafton und Whitchurch die ihrige, während der Regierung der Königin Marie aus und gab sich in dieser Zeit mit Verbesserungen und Erfindungen ab. Seine schönen Schriften verschafften ihm den Namen des englischen Plantin und er brachte die Antiqua- und Cursivtype zu einer solchen Vollkommenheit, dass von nun ab die gothische Schrift (Black letters) so gut wie verschwand; auch die griechische Schrift vervollkommnete er und liess angelsächsische Typen schneiden. Von seinen Druckwerken nennen wir Cosmographical glasse (1559), mit seiner schönen Cursiv gedruckt und reich illustriert. Besonders geschätzt ist sein Queen Elizabeth's Prayerbook, eins der wenigen englischen Bücher, die in der Ausführung sich mit den französischen livres d'heures messen können. Als sein Hauptwerk gilt Fox's book of martyrs mit sehr guten Illustrationen. Day starb, reich an Jahren und Ehren, 1583. Er war zweimal verheiratet und hatte mit jeder seiner Frauen 13 Kinder.

Mit Ruhm verdient noch Thomas Vautrollier (1574-1588) aus Paris oder Rouen genannt zu werden, vorzüglich wegen seiner Ausgaben der Werke des 1600 in Rom verbrannten Giordano Bruno. Um Verfolgungen deshalb zu entgehen, zog er eine zeitlang nach Edinburgh, wo er vieles dazu beitrug, die dortige Buchdruckerkunst auf eine höhere Stufe zu bringen. Man kennt von ihm 78 Werke.

Thomas Guy.

Mit Dank zu erwähnen, wennauch nicht auf Grund seiner typographischen Leistungen, die sehr primitiver Natur waren, ist Thomas Guy (gest. 1724). Mit der Universität Oxford schloss er einen Vertrag ab, nach welchem er den Druck der heiligen Schriften in die Hand nahm. Hierdurch und durch Spekulationen, die jedoch zu den nicht allzu gut angeschriebenen gehörten, verdiente er ein kolossales Vermögen, von dem er aber für sich keinen Gebrauch machte, indem er im Gegenteil ärmlich und unverheiratet lebte. Mit einem Aufwand von einer viertel Million Pfund liess er das nach ihm genannte Hospital in London erbauen und machte ausserdem zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken grosse Schenkungen.

Sam. Palmer.

Bekannt durch die nach ihm benannte History of printing war Samuel Palmer (gest. 1732). Dieses Werk rührt jedoch nicht von Palmer selbst her; der eigentliche Verfasser hiess Palmanazar, und der zweite, praktische Teil, der noch folgen sollte, musste aufgegeben werden, weil seitens der Kollegen und der Schriftgiesser sich ein wahrer Sturm der Entrüstung gegen die durch ein solches Lehrbuch vermeintlich entstehende Schädigung des Gewerbes und Entwürdigung der Kunst erhob.

John Barber.

Im Jahre 1741 starb John Barber, der erste Buchdrucker Londons, der die Würde eines Lord Mayors bekleidete. Er stand in naher Berührung mit bedeutenden Männern seiner Zeit wie Lord Bolingbroke, Swift, Pope und anderen.

S. Richardson.

Bekannt als Schriftsteller, Buchhändler und Buchdrucker ist Samuel Richardson, der berühmte Verfasser der Romane „Pamela“, „Clarissa Harlowe“, „Grandison“ und anderer Werke. Er war 1689 als Sohn eines respektablen Tischlers geboren. Obwohl er nur eine ganz gewöhnliche Erziehung genossen hatte, gab er bald Beweise seines ausserordentlichen Talentes. In seinem fünfzehnten Lebensjahre entschied er sich aus Neigung für den Buchdruckerberuf. Nach sieben schweren Lehrjahren arbeitete er sechs Jahre als Gesell und Korrektor, worauf er selbst ein Geschäft anfing, in welchem er sich durch seine Pünktlichkeit und Ordnungsliebe bald Vertrauen erwarb. Er druckte unter anderen die ersten 26 Foliobände des Journals des Unterhauses. Richardson starb nach längeren Leiden, 72 Jahre alt, am 4. Juli 1761, nachdem ihm sechs Söhne im Tode vorausgegangen waren.

Oxford.
Cambridge.
York.

In OXFORD wurde die Buchdruckerei 1478 durch Theodor Rood aus Köln und Thomas Hunt eingeführt. Von 1486 bis 1585 ist eine vollständige Lücke in der Druckgeschichte Oxfords mit Ausnahme der Jahre 1517-1519. Nach der Begründung des Sheldonian theatre im Jahre 1669 wurden hier durch 50 Jahre viele vortreffliche Werke gedruckt und erst 1759 verschwindet die Bezeichnung e theatro Sheldoniano. Die später so berühmte sogenannte Clarendon Press trat 1713 in Wirksamkeit. Der Sohn Lord Clarendons hatte das Manuskript seines Vaters zu der Geschichte der englischen Revolution der Universität geschenkt und mit dem Erlös aus den gedruckten Exemplaren wurde die Druckerei, aus welcher eine grosse Anzahl wertvoller Werke hervorgegangen ist, gegründet. Um die Beschaffung von orientalischen und anderen Typen machte sich namentlich der Bischof Fell verdient. Im Jahre 1672 wurden 4000 £ zum Ankauf von Typen in Holland, Frankreich und England bestimmt, da derzeit keine Schriftgiesserei in England im Gange war. Eine solche erhielt Oxford 1677. Die Universitätsbuchdruckereien in Oxford und Cambridge erwarben auch das Alleinrecht auf den Druck der heiligen Schriften und der englischen liturgischen Bücher. In CAMBRIDGE wurde die erste Presse um 1520 durch Joh. Siberch, einen Freund des Erasmus, errichtet. In YORK druckte Hewe Goes aus Antwerpen, 1509 bis 1516, in welchem letzteren Jahre er nach London übersiedelte.

Schottland.

Nach SCHOTTLAND kam die Kunst 1507 durch Walter Chepman, der Kaufmann war und sich mit einem Praktiker Andreas Myllar verband. Nach Chepman ruhte die Pressthätigkeit Schottlands fast 30 Jahre lang. Erst im Jahre 1576 wurde die heilige Schrift von Thomas Bassandyne gedruckt; selbst in diesem Jahre besass Schottland weder griechische noch hebräische Schriften. Während der Bürgerkriege suchte jede Partei, welche die Macht hatte, hier wie in England die Presse auf jede mögliche Weise zu knechten. 1648 wurde sogar unter Androhung der Todesstrafe verboten, ohne Erlaubnis des Committee of Estates etwas zu drucken. 1661 erschien die erste Zeitung: Mercurius Caledonicus.

1671 erhielt Andreas Andersen, in Vertretung auch anderer Buchdruckereien Edinburghs, soweit gehende Privilegien, dass kein Buch ohne Andersens Erlaubnisschein gedruckt werden konnte. Später trat jedoch eine Beschränkung des Privilegs auf Parlamentsakte und heilige Schriften, so wie auf 41 Jahre ein. Andersen selbst druckte das Neue Testament so fehlervoll, dass es verboten wurde. Mit James Watson, der sich 1695 in Edinburgh etablierte, lag er in fortwährendem Hader, da Watson, Andersens Privilegium zum Trotz, druckte was er Lust hatte, bis ihm die Königin Anna durch ein Patent 1711 das Recht zum Drucken erteilte. Er veröffentlichte nun eine Reihe tüchtiger und sehr gut ausgestatteter Werke, von welchen ein Neues Testament aus d. J. 1715 von „unvergleichlicher Schönheit“ war.

Die Stereotypie.

Eine besondere Wichtigkeit hat Schottland als die vermeintliche Wiege der Stereotypie. Bei der weiteren Verbreitung der Buchdruckerkunst konnte es nicht fehlen, dass der Wunsch rege ward, teuere Satzwerke aufheben zu können, um nach Bedürfnis Exemplare zu drucken, ohne dass es nötig war, entweder grosse Kapitalien in Papier und Druck zu stecken, oder auch sich neue Satzkosten zu bereiten. Man konnte sich nicht verhehlen, dass die alten Bilderdrucker mit ihren Platten in dieser Beziehung einen Vorsprung gehabt hatten. Der Gedanke lag zwar nahe, die Schriftformen aufzuheben, aber erstens war das Verfahren bei umfangreicheren Arbeiten kostspielig, und ausserdem unsicher, da in dem beweglichen Satz leicht Fehler vorkommen konnten. Letzterer Umstand liess sich allenfalls beseitigen, indem man die Fussseiten der Buchstaben zusammenlötete, dadurch ging die Schrift aber für jeden anderen Zweck verloren. Wir haben bereits die Versuche van der Meys und Joh. Müllers kennen gelernt.

William Ged.

Die Priorität der Erfindung der Stereotypie, in dem Sinne wie wir jetzt von dieser sprechen, wird fast allgemein dem Schottländer William Ged zugeschrieben. Dieser, ein Goldschmied in Edinburgh, kam gegen das Jahr 1725 auf den Gedanken der Stereotypie. Mittellos, verband er sich mit einem wohlhabenden Mann, der jedoch misstrauisch gegen die Sache wurde und die nötigen Mittel herzugeben sich weigerte. Ged ging nun 1729 nach London und einigte sich mit einem gewissen Fenner und den Schriftgiessern James. Nach ihrem Verfahren wurde der Satz mit einer Gipsmasse übergossen und die Matrize in Schriftzeug abgegossen. Ged erhielt von der Universität Cambridge das Privilegium zum Druck einer Bibel und mehrerer Gebetbücher. Die Platten wurden jedoch auf Grund der grossen Masse von Fehlern, die durch Chicane entstanden sein sollen, unterdrückt. Ruiniert kam Ged wieder nach Edinburgh zurück. Doch gelang es ihm noch, im Verein mit einem dortigen Buchdrucker eine Ausgabe des Sallust (1739, 150 Seiten in 12°, mit Petit gesetzt) herzustellen, die sich jedoch keineswegs auszeichnete. Ged starb 1749. Das Prinzip, mag nun die erste Ausführung Ged, Valeire, van der Mey oder Müller gehören, sollte sich erst später nach den Verbesserungen durch Lord Stanhope für die Praxis vollständig bewähren.

Andr. und Rob.
Foulis.

Bedeutende Buchdrucker waren Andreas Foulis († 1774) und Robert Foulis († 1776) in Glasgow, letzterer druckte mehrere vorzügliche Ausgaben von Klassikern, bekannt ist namentlich die 1744 erschienene fehlerfreie Ausgabe des Horaz. Die erste Schriftgiesserei Schottlands errichtete Alex. Wilson und Bain 1742 in St. Andrews. Bei ihrer zunehmenden Geschäftsverbindung mit Irland und Amerika zogen sie nach Gamalachie, einem Dorfe bei Glasgow.

Irland.

In IRLAND wurde erst 1551 durch Humfrey Powell gedruckt und es dauerte lange, ehe die Kunst hier einigermassen heimisch wurde. Irische Typen wurden 1571 eingeführt und mit solchen ein Katechismus durch Joh. Kerney gedruckt. Noch bis zum Beginn des xviii. Jahrh. wurden beinahe alle bedeutenden Werke ausser Landes hergestellt. Später entstand in dem irländischen Nachdruck dem englischen Buchhandel ein böser Feind.


Zeitungswesen.

Das in England jetzt in einer so grossartigen Weise entwickelte Zeitungswesen hatte in seinen schwachen Anfängen manchen schweren Kampf zu bestehen[1].

Zur Zeit des Auslaufens der spanischen Armada (1588) fühlte die Königin Elisabeth das Bedürfnis, durch Mitteilungen über den genauen Stand der Sachen dahin zu wirken, dass die Besorgnisse betreffs der wirklichen Gefahren nicht durch unnötige Furcht vor nicht vorhandenen vermehrt würden. Sie ordnete deshalb das Erscheinen von The english Mercurie published by Autoritie an. Es erschienen hiervon 54 Nummern. An Nachfolgern, unter den Titeln Mercurius, Gazette, Diurnal etc., fehlte es nicht. Darunter waren Certain news of the present week, wahrscheinlich das erste politische Wochenblatt, Imperial and spanish news, das zweite.

Der Tatler und
der Spectator.
Gentlemans
Magazine.

Von den periodischen Erscheinungen, die auch auf Belehrung und Unterhaltung des Publikums berechnet waren, hatten namentlich der von 1709 ab dreimal wöchentlich erscheinende Tatler (der Plauderer) herausgegeben von Rich. Steele, als Pseudonym Isaac Bickerstaff, und J. Addisons, 1711 begonnener, Spectator (Zuschauer) einen bedeutenden Leserkreis und grossen Einfluss. Ein Schlag für diese Blätter und die ganze periodische Presse war der 1712 eingeführte Stempel von einem halben Penny für Blätter von einem halben Bogen, von einem Penny für jeden Bogen. Hierdurch wurde der Preis von manchem Blatt verdoppelt, wodurch die Abnehmerzahl sich verminderte, was wieder zu weiteren Preiserhöhungen nötigte. Der Spectator war das einzige Blatt, das, ohne an Verbreitung einzubüssen, den Preis hatte verdoppeln können. 1731 begann das bis auf den heutigen Tag beliebte: The gentlemans Magazine. Von allen konkurrierenden Blättern hatte nur das London Magazine, von einem Consortium Londoner Buchhändler kräftigst begonnen, eine grosse Verbreitung (10000 Expl.) und einen längeren Bestand.

Beliebte Werke.

Der Prototyp aller Konversations- und Fachlexika war das 1719 erscheinende Dictionary of arts and science. Unter den Werken, die dem Buchhandel und den Buchdruckereien grossen Verdienst bereiteten, ist Dan. Defoes († 1731) Robinson Crusoe, das, abgesehen von den vielen Nachahmungen, in der ursprünglichen Gestalt, 41 Auflagen erlebte. Bunyans: The pilgrim's progress wurde fortwährend neu gedruckt. Shakespeare war noch nicht populär; die erste gesammelte Ausgabe seiner Bühnenstücke erschien, von zwei Schauspielern herausgegeben, 1623, in fol. Bis 1664 gab es von seinen Werken nur zwei Ausgaben, zusammen in kaum mehr als 1000 Exemplaren gedruckt. 1676 erschien General Catalogue of books 1666-1676, von Rob. Clavel, nach Fächern zusammengestellt und bis 1700 fortgesetzt.


Schriftgiesserei.

Dass die englische Buchdruckerei nicht ohne eine entsprechende Entwickelung der Schriftgiesserei zur Blüte hatte gelangen können, ist selbstverständlich. Die Zahl der Schriftgiessereien, die, wie erwähnt, anfänglich auf vier beschränkt war, ist bis heute eine verhältnismässig kleine geblieben. Von Bedeutung war Thomas James. Im Jahre 1710 kaufte er Matrizen in Holland und gründete nach seiner Rückkehr eine Giesserei. In Verbindung mit Ged hatte er auch in der Stereotypie experimentiert, was ihm direkt und indirekt Schaden brachte, denn seine Kunden, die Buchdrucker, betrachteten das Verfahren mit scheelen Augen als ein ihnen nachteiliges. Nach dem Tode von Thomas James (1736) vereinigte der Sohn John mehrere ältere Giessereien mit der seinigen und gelangte dadurch in Besitz einer grösseren Anzahl von Matrizen von der Zeit Wynkyn de Wordes bis auf die seine. Später erwarb Rowe Mores (geb. 1730) das Geschäft. Er ist bekannt als Verfasser eines Werkes über Schriftgiesserei und starb 1778 in unglücklicher Lage.

Will. Caslon.

Der bedeutendste der englischen Schriftgiesser war William Caslon, der England erst von dem Kontinent unabhängig machte. Er war in Cradley, Shropshire, geboren, arbeitete für Büchsenmacher als Graveur und bewies als solcher durch Ornamente seine Geschicklichkeit. Gelegentlich fertigte er auch für Buchbinder Stempel. Einige derselben kamen dem Buchdrucker John Watt zu Gesicht. Die Sauberkeit und Genauigkeit derselben liessen ihn folgern, dass Caslon wohl imstande sein würde, den Mängeln der englischen Schriftgiesserei abzuhelfen, und er verhiess ihm seine Unterstützung und Empfehlung, wenn er eine Schriftgiesserei errichten wollte. Seine Freunde liehen ihm 500 £ und er fing nun mit Eifer sein Werk an. Für die Bibelgesellschaft bekam er den Auftrag eine arabische Schrift zu schneiden. Als Unterschrift seiner Firma hatte er sich einiger von ihm geschnittener Antiqua-Buchstaben bedient, von welchen Sam. Palmer so entzückt war, dass er ihm auftrug, die ganze Schrift zu schneiden. Später wurde dies dem Palmer leid, da er gute Gründe hatte, es nicht mit den anderen Schriftgiessereien zu verderben, die durch Caslons überlegene Konkurrenz Schaden leiden mussten. Er suchte deshalb Caslon von seinem Vorhaben wieder abzubringen, was ihm jedoch nicht gelang. Caslon wendete sich an den Buchdrucker William Bowyer den älteren, mit dessen Hülfe nun seine prachtvolle Antiqua-Garnitur, die an Klarheit, Leserlichkeit und Gleichmässigkeit nicht viele ihresgleichen hat, vollendet wurde. In der Zeit von 1720-1780 wurden fast alle Werke von Bedeutung mit den Caslonschen Schriften gedruckt, die den Vergleich mit den Meisterwerken der früheren Periode der Kunst vollständig vertrugen und von späteren nicht übertroffen wurden. Er starb am 23. Januar 1766, 74 Jahre alt.


NORDAMERIKA.

Die Presse Nord-
amerikas.

Die Presse Nordamerikas[2], welche in unserer Zeit eine so grossartige Entwickelung nehmen und die meisten ihrer älteren Schwestern überflügeln sollte, war in dieser Periode noch das „Riesenkind in Wickeln“.

Es lag in den Verhältnissen, dass die Presse in Nordamerika nicht wie in Europa ihre hauptsächlichste Nahrung aus der Wissenschaft und der Litteratur ziehen konnte. In den Tagen des Ringens um die politische und materielle Existenz bestand ihre hauptsächlichste Aufgabe darin, zur Förderung der bürgerlichen Freiheit und der politischen Ausbildung, sowie zur Stärkung des Glaubens unter den Anhängern der vielen religiösen Sekten beizutragen, die in Amerika ein Asyl für das „Seligwerden eines jeden nach seiner Façon“ gesucht und gefunden hatten.

Joseph Glover.

Als Schöpfer der nordamerikanischen Typographie ist der Prediger Joseph Glover zu bezeichnen. Er schiffte sich mit einer Buchdruckerei in England ein, starb jedoch während der Überfahrt; seine Witwe gründete darauf 1638 die erste Druckwerkstätte in CAMBRIDGE (Massachusetts), und das erste Buch, welches aus dieser hervorging, war The Freemans Oath (1639). Die Offizin ward später nach Boston übergeführt und die Leitung Stephan Daye übertragen, dem Samuel Green folgte. Bei der Gründung der frühesten Druckereien in Amerika war in der Regel das Material Eigentum der Regierung oder einer Gesellschaft. Ein verantwortlicher Geschäftsführer wurde ernannt, der unter seinem Namen druckte. Oft blieb in dieser Weise die Leitung einer Buchdruckerei auf lange Zeit in einer Familie.

Viele Bücher wurden noch in England gedruckt. Die Regierung war im allgemeinen der amerikanischen Presse nicht besonders günstig gestimmt, vielleicht im Vorgefühl der Gefahren, die ihr von derselben erwachsen sollten, und die Freiheit der Presse war eine ziemlich beschränkte. 1662 setzten die Behörden von Massachusetts förmliche Zensoren ein und erliessen ein Gesetz, dass ausser der in Cambridge befindlichen Druckerei keine andere im Bereich ihrer Jurisdiktion angelegt werden sollte. Erst um 1755 scheint eine vollständige Freiheit eingetreten zu sein.

Boston.

In BOSTON ward John Forster mit der ersten Buchdruckerei belehnt, die zweite begann der schon erwähnte Sam. Green. Sie wurde von seinem Bruder Bartholomeo fortgesetzt, der 1704 die erste amerikanische Zeitung The Boston News Letter begann. 1709 erschien bei Green ein Psalter in indianischer Sprache mit der Bezeichnung: Boston, printed by B. Green and F. Printer. Letzterer, ein getaufter Indianer, war jedoch nicht Miteigentümer der Offizin, sondern Drucker daselbst, und sein Name wurde wahrscheinlich nur aus Klugheit auf den Titel gesetzt, um dem Buch bei den Indianern leichteren Eingang zu verschaffen.

James Franklin.

Im März 1717 kam James Franklin, älterer Bruder des berühmten Benjamin, mit einer Presse und mit Schriften nach Boston. Die Kunst hatte er in England gelernt, 1719 druckte er für Rechnung des Bostoner Postmeisters die zweite amerikanische Zeitung: The Boston Gazette. Als ihm der Druck derselben entzogen ward, gründete er selbst The New England Courant. Auf Grund von dessen freisinniger Richtung sollte dem James Franklin 1723 die Zensur auferlegt werden. Um dies zu umgehen, sprach er seinen Bruder Benjamin, der bei ihm lernte, los, und das Blatt erschien nun mit dem Impressum: Boston, printed and sold by Benjamin Franklin. James ging später nach Newport und gab die Rhode-Island Gazette heraus. Er starb 1735.

Benj. Franklin.

Benjamin Franklin, dessen Ruhm ewig leben wird, war am 17. Januar 1706 geboren. Gehört er auch nicht zu den Koryphäen der Typographie in der Bedeutung, wie ein Aldus, Elzevier, Stephanus, Didot, so werden die Jünger Gutenbergs ihn doch stets mit wahrem Stolz den ihrigen nennen, und er war seinerseits auch nicht nur dem Namen nach einer der ihrigen.

Nach der Übernahme des New England Courant scheint eine Spannung zwischen den Brüdern eingetreten zu sein. Aufgemuntert durch den Gouverneur von Philadelphia Sir William Keith, auf dessen Kosten dort eine Buchdruckerei, die Benjamin aus England holen sollte, anzulegen, ging er nach London. Aber die Kreditbriefe blieben aus und Franklin war, um zu existieren, genötigt als Gehülfe zu arbeiten. Nach seiner Rückkehr nach Philadelphia errichtete er zusammen mit einem gewissen Meredith eine Buchdruckerei, die Verbindung wurde jedoch bald gelöst und nun entwickelte Franklin seine ganze ausserordentliche Thätigkeit. Er arbeitete von früh bis spät, schrieb seinen Poor Richards almanack, den er 25 Jahre lang herausgab, und gelangte zu Ansehen und Wohlhabenheit.

Deutscher
Druck Franklins.

Mit der deutsch-amerikanischen Typographie ist Franklins Name enger verknüpft, denn seiner Presse entstammt der älteste aufgefundene deutsche Druck Amerikas, ein Büchlein von 96 Seiten in Duodez mit Antiqua gedruckt. Der Titel, der zugleich geeignet ist, eine Vorstellung von der Beschaffenheit der Anfänge der deutsch-amerikanischen Litteratur zu geben, lautet:

„Goettliche Liebes und Lobesgethoene, welche in den Hertzen der kinder der Weiszheit zusammen ein und von da wieder ausgefloszen. Zum Lob Gottes und nun von denen schuelern der himmlischen Weiszheit zur erweckung und aufmunterung in ihrem Creutz und leiden aus hertzlicher Liebe mitgetheilet. Dann mit lieb erfuellet sein, bringt Gott den besten Preisz Und giebt zum singen uns die allerschoenste weisz. Zu Philadelphia, Gedruckt bey Benjamin Franklin in der Marckstrasz 1730“.