Franklins ausserordentliche Verdienste um die Wissenschaft, seine Stadt, seinen Staat und die ganze Menschheit können wir hier nur andeuten. 1752 erfand er den Blitzableiter, wofür die Universität Oxford ihn zum Doktor ernannte, eine damals seltene Ehre. Im bürgerlichen und Staats-Leben stieg er von Stufe zu Stufe, bekleidete, und zwar mit Auszeichnung, selbst den militärischen Posten eines Obersten in der, besonders durch ihn hervorgerufenen, freiwilligen Miliz. Als Agent für Pennsylvanien in England legte er der englischen Regierung, die mit Frankreich in Krieg verwickelt war, einen Plan zur Eroberung Canadas vor, der auch ausgeführt wurde und vollständig gelang. Zur Belohnung erhielt sein Sohn den Posten eines Gouverneurs von New-Jersey. Derselbe wurde jedoch, als er sich später nicht der Revolution gegen England anschloss, zwei Jahre gefangen gehalten. Bei Begründung der Konföderation wurde Benjamin als Abgeordneter Pennsylvaniens zum Kongress und dann zum Präsidenten dieses Staates gewählt, als welcher er die Universität Philadelphia gründete. In seiner Eigenschaft als nordamerikanischer Gesandter in Frankreich leistete er seinem Lande und dessen Unabhängigkeit die grössten Dienste. Die französische Akademie ernannte ihn zu ihrem Mitglied und der Präsident derselben, d'Alembert, begrüsste ihn mit dem berühmt gewordenen: Eripuit coelo fulmen sceptrumque tyrannis[3].
Bei seinem Tode am 17. April 1790 wurde eine vierwöchentliche Landestrauer angeordnet und die französische Nationalversammlung legte seinem Andenken zu Ehren eine dreitägige Trauer an.
Als Franklins Zeit durch die öffentliche Angelegenheit zu sehr in Anspruch genommen wurde, hatte er erst David Holl zum Teilnehmer am Geschäft genommen und ihm dann 1766 die Firma Franklin & Holl ganz übergeben. Hörte er auch damit auf, ein Mitglied des Buchdruckerstandes zu sein, so beweist doch seine, von ihm selbst verfasste Grabschrift, dass er demselben im Herzen treu geblieben war. Sie lautet:
The body of Benjamin Franklin, Printer, (like the cover of an old book, its contents worn out, and stript of its lettering and gilding) lies here, food for worms! Yet the work itself shall not be lost, for it will, as he believed, appear once more in a new and more beautiful edition, corrected and amended by its Author[4].
In BALTIMORE war der erste Buchdrucker Nikolaus Hasselbaugh, von deutschen Eltern in Philadelphia geboren. NEW-YORK erhielt erst 1693 eine Offizin durch William Bradford aus Philadelphia. Die zweite Buchdruckerei errichtete Joh. Peter Zenger 1726. Dieser gab 1733 The New-York weekly Journal heraus, das durch seine freisinnige Haltung Zenger Gefangenschaft eintrug, aus welcher ihn jedoch, nach Verlauf von acht Monaten, der Spruch der Geschworenen erlöste.
Wesentliche Verdienste erwarben sich die deutschen Ansiedler um die Presse. Die ersten derselben gehörten zumeist pietistischen Sekten an, und waren namentlich Anhänger und Freunde Ph. Jacob Speners. Will. Penn, der auf seinen Reisen dem erwähnten näher getreten war, forderte zur Einwanderung auf. Die zu diesem Zweck gebildete „Frankfurter Compagnie“ erwarb ein Stück Land, und der Grund zu Germantown, jetzt ein Teil von Philadelphia, ward gelegt.
Die deutschen Einwanderer waren jedoch nicht allein der Frömmigkeit, sondern auch der Thätigkeit ergeben und bei ihren Mitbürgern gut angeschrieben. Die ersten deutschen Drucke sollen von den in Ephrata angesiedelten Wiedertäufern stammen, von ihren Büchern ist jedoch nichts auf uns gekommen, dagegen besitzt die Historische Gesellschaft in Philadelphia, die um die Sammlung der deutsch-amerikanischen Drucke sich sehr verdient gemacht hat, ihre Presse.
Für die deutschen Ansiedler war die Errichtung von Druckereien eine schwierige Aufgabe. Pressen, Schriften, Papier, Schwärze, kurz alles zum Druck Notwendige musste aus Deutschland beschafft werden. Die grössten Verdienste erwarb sich Christoph Sauer (Saur, Sower), geboren 1693 in Laasphe in Westfalen. Er übte die Profession eines Brillenmachers und wanderte 1724 nach GERMANTOWN aus. Von 1726-1731 lebte er in Lancaster als Heilkünstler, kehrte dann nach Germantown zurück, wo er 1737 oder 1738 eine Druckerei kaufte, die ein Freund in Deutschland erworben und von dort nach Amerika befördert hatte.
Anfänglich wollte es nicht recht gehen und Sauer hatte viele Sorgen. Sein erstes Verlagswerk war ein „ABC Buch, bei allen Religionen ohne billigen Anstoss zu gebrauchen“ (1738) und ein Kalender, welcher bis 1777 fortgesetzt wurde. Sein erstes grösseres Verlagswerk war das, von der Sekte der Siebentäger (die den Sonnabend als Sabbat feierten) herausgegebene Gesangbuch: „Zionitischer Weyrauchs-Hügel oder Myrrhen Berg, worinnen allerley liebliches und wohlriechendes nach Apotheker-Kunst zubereitetes Rauch-Werk zu finden“. Gewidmet war es: „allen in der Wüsten Girrenden und einsamen Turteltäublein“.
Im Jahre 1739 gab Sauer das erste Stück der ersten deutsch-amerikanischen Zeitung heraus: „Der hochdeutsch Pennsylvanische Geschicht Schreiber, oder Sammlung wichtiger Nachrichten aus dem Natur und Kirchen-Reich“, die viermal jährlich erscheinen sollte, hieraus ward bald zwölf- und von 1762 ab 24mal. Von 1775-1777 erschien das Blatt wöchentlich und soll bereits 1751 4000 Abonnenten gehabt haben; die Zahl steigerte sich später auf 8000. Der Titel ward mehrmals geändert, zuletzt von dem jüngern Sauer in „Germantowner Zeitung oder Sammlung wahrscheinlicher Nachrichten aus dem Natur- und Kirchenreich“. Er wählte das Wort „wahrscheinlicher“, da er zu gewissenhaft war, um die Leser durch den Titel zu dem Glauben veranlassen zu wollen, es sei alles wahr, was in der Zeitung stände.
Sauers bedeutendstes Unternehmen war die Herausgabe der deutschen lutherischen Bibel. Bei dieser Veranlassung legte er (1740) selbst eine Schriftgiesserei an, die erste in Amerika, und 1743 war das Werk von 1284 Seiten in Royal-Quart in 1200 Exemplaren vollständig und in Leder gebunden. Diese Bibel war die erste in einer europäischen Sprache in Nordamerika gedruckte; die erste Ausgabe in englischer Sprache erschien, auf Grund des Monopols der Universität Oxford, erst 1782. Ausser der Bibel druckte Sauer das Neue Testament in 7 Auflagen und eine grosse Anzahl Bücher, meist Nachdrucke von in Deutschland erschienenen theologischen Schriften und Andachtsbüchern. Politisch gehörte Sauer zu den Gesinnungsgenossen Franklins und der Einfluss seines Blattes ward von den Regierungsmännern besonders gefürchtet.
Christoph Sauer d. j. dehnte das Geschäft sehr aus, beschränkte jedoch, wie der Vater, den Verlag hauptsächlich auf Schul- und Andachtsbücher. Nur einer seiner vielen Verlagsartikel hat nähern Bezug auf Deutschland: „Das Leben und die heroischen Thaten des König Friedrich ii. von Preussen“. Auch als Buchdrucker blieb der Sohn der bedeutendste Vertreter der deutsch-amerikanischen Presse. Die Bibel druckte er noch in zwei Auflagen, von welchen die letzte fast gänzlich von den Soldaten zu Patronen verwendet wurde, als 1776 der Freiheitskrieg sich nach Germantown gezogen hatte. Alle Druckwerke des Vaters sowohl als des Sohnes zeichnen sich durch Reinheit der Schriften und guten Druck aus; auch das Papier ist kräftig und gut geleimt. Der Sohn stand politisch auf Seiten der englischen Regierung und zog zu seinen Kindern nach Philadelphia, welche ebenfalls für den König Partei nahmen. Er ward als Verräter erklärt, sein Eigentum konfisciert und er nach seiner Rückkehr zu Germantown verhaftet und misshandelt. Seinen Lebensabend verbrachte der tüchtige und redliche Mann in ärmlichen Verhältnissen, und starb 1784.
Zwei seiner Söhne, Peter und Christoph iii., gaben in Philadelphia das einzige, sich zugleich durch seine masslose Sprache auszeichnende deutsche, englischgesinnte Blatt, heraus. Ein dritter Sohn Samuel liess sich erst in Philadelphia, dann in Baltimore als Schriftgiesser, Drucker und Verleger nieder und genoss einen bedeutenden Ruf; der vierte Sohn Daniel setzte das alte väterliche und grossväterliche Geschäft in Philadelphia fort.
Die übrigen deutschen Buchhändler Pennsylvaniens nahmen keinen grossen Rang ein. Die Gebrüder Gotthart und Anton Armbruster gehörten zu den bedeutendsten und gaben eine zeitlang gemeinschaftlich mit Benjamin Franklin die Pennsylvania Gazette heraus. Vor und während der Revolution blühte das Geschäft von Heinrich Müller, der sich 1760 dauernd in Philadelphia niederliess. Sein wöchentlicher „Philadelphia-Staatsbote“ war das erste Blatt, welches am 9. Juli 1776 die Unabhängigkeits-Erklärung veröffentlichte. Bei dem Einzug der Engländer wurde Müllers Offizin verwüstet. Noch verdienen Melchior Steiner und Carl Cist als Drucker und Verleger genannt zu werden. Von einem geregelten buchhändlerischen Verkehr war keine Rede, der Vertrieb wurde durch Hausierer besorgt.
So waren die ersten schwachen Anfänge der amerikanischen Presse, deren Riesendimensionen jetzt unser Staunen erregen. Was würde wohl der einstmalige Gouverneur von Virginien Sir Thomas Berkeley sagen, wenn er heute nach Virginien zurückkehrte, von wo aus er 1671 mit Stolz und Befriedigung nach London berichtete: „Ich danke Gott, wir haben hier keine Freischulen und keine Buchdruckereien, und ich hoffe, es soll noch lange Zeit so bleiben, denn das Lernen hat nur Ungehorsam, Ketzerei und Sektenwesen in die Welt gebracht; die Buchdruckerkunst aber war die Dienerin aller dieser Gräuel; Gott bewahre uns vor beiden“.