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Harbaugh's Harfe: Gedichte in Pennsylvanisch-Deutscher Mundart cover

Harbaugh's Harfe: Gedichte in Pennsylvanisch-Deutscher Mundart

Chapter 8: DAS KRISCHKINDEL.
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About This Book

A collection of poems written in Pennsylvania German dialect that sketches village and domestic life among German‑Pennsylvanians. Short lyrical pieces portray schoolrooms, hearth‑fires, the old mill, parish rituals, seasonal customs, and the emotions of homecoming and homesickness, moving from childhood scenes to later life. The verse balances affectionate humor and tender melancholy, preserving local speech, folk practices, and communal memory while offering compact, image‑driven reflections on family, faith, and rural routine.

Als Pilger geh ich widder hin
In’s Haus, wo ich gebore bin —
Do tret m’r awer leis!
Mei Herz tregt wie ’n heilig Ding,
Die G’fiehle, die ich mit mir bring,
Heem vun der lange Reis!
Was is mer des ’n g’wohnter Weg
Zum zwette Schtock, uf däre Schteeg;
Wie oft bin ich do nuf!
Wie’s sellmol war, so is es noch noch —
Im Waschbord dort ’n Knorreloch:
Guck mol! es schteht noch uf.
Nein Treppe — ’s braucht kee’ Zehles do —
Ich wett dich was du wit, ’s is so —
Juscht vier hot sell klee’ Schteeg.
Der Riegel hot uns Schpass gemacht;
M’r Buwe hen do g’rutscht un g’lacht —
Der Däd war net um d’Weg.
Sell Fenschter dort — guck juscht mol hi —
Die Läde g’macht vun Lettcher grie’,
Wie immer sin noch zu;
Uns Owetlicht fallt in d’r Gang
So schpuckig bleech — ’s werd m’r schier bang —
Was ich doch fiehle dhu!
Bal bin ich froh, bal dhut’s m’r leed,
So halb in Forcht, so halb in Freed,
Geh ich die Treppe nuf!
Die Dheer grad owe an der Schteeg —
Mit Seifze ich die Schlenk a’reg,
Mit Dhreene mach ich uf!
Du alti Schtub! wie manche Nacht
Hab ich im Schlof do zugebracht,
Wo ich noch war en Kind!
In sellem Eck, dort war mei Bett;
Wann ich’s vergesse kennt — wär’s net
’N arge Schand un Sind!
Wie hot m’r g’schlofe selli Zeit,
So find m’rs net bei grosse Leit —
Ich schlof ah nimme’ so;
Viel Johre mache’s Kisse hart,
D’no leit m’r ewe wackrig dort —
M’r is net meh so froh!
Der Mond is uf — er is juscht voll —
’R piept zum Fenschter rei — guck mol —
Un scheint uf’s Bett un Floor.
Was regt sich an der Wand? ich glaab,
’S is Schatteschpiel von Babblelaab:
So hab ich’s g’seh’ zuvor.
’S is Alles schtill, es regt sich nix,
Juscht nau am Fenschter kreischt ’n Kricks
In seller hohle Sill;
Horch! dart im Schank die Dodteuhr!
Wees woll es is en Holzworm nur;
Doch wott ich, er wär schtill.
Wann’s G’schpenschter gebt — ich denk es dhut —
Der Platz, die Zeit, die wär grad gut;
Sie sin verleicht ah hier!
Ich sehn mit Aage wol nix so,
Doch fiehl ich als wär Ebbes do;
Wie fei’rlich werd’s doch mir!
Ja, Geischter sin’s vom Kindheets-Kreis;
Sie kumme heilig, sanft un leis
Iwer die Johre’ bei.
Sie schpiegle vor mei’m Herze dar
Die frohe Zeit, die sellmol war,
Un kann nau nimme’ sei’!
’S sin Unschulds-Geischter, froh un schlicht
Sie wandle do im Mondelicht,
Sie danse’ an der Wand;
Will wette’, Engel sin net weit
Von unsre scheene Kinnerzeit,
Die lei’t an’s Himmels Rand!
So Geischter sin uns Mensche’ gut,
Wie’s ah die Biwel sage’ dhut,
Do zweif’l ich ewig net;
Sie wache, dass uns Nachts nix blogt,
Wann mer sei’ „Unser Vater” sagt,
Bevor m’r geht in’s Bett.
Dess hot die Mammi fescht behaabt,
Mir Kinner hens ah so geglaabt,
M’r hen ah so gedhu’.
Du sagscht verleicht: „Des ganse Ding
Is weiter nix als Einbilding” —
Dummheet! was weescht dann du?
Bei mir hot’s doch recht gut gedhu’;
Ich macht’ dann ah die Aage’ zu,
Un ruhig war die Nacht.
Ich dhu’s ah noch, un’s geht noch gut,
Ich glaab gewiss, dass wer des dhut,
Der hot ’n Engelswacht.
Hab oft gewott — verleicht is’s Sind —
Ich wär als noch juscht so’n Kind,
Wie sellmol an dem Ort.
Doch will ich b’halte, wann ich kann,
Die Kindheetsunschuld in ’m Mann;
D’noh lebt’s Kind in m’r fort.
Ei guck, wie schnell der Mond nuf eilt;
Wie lang hab ich mich doch verweilt!
Ich muss nau widder geh’.
Gut Nacht, klee’ Stübche’! halt, ich meen
’S wär Ebbes in mei’m Aag — ’n Dhreen!
Der Abschied, der dhut weh!

DER REICHE HERR IM DEICH.

Der Bauer Batdorf war gar reich,
Un schrecklich schtolz dabei;
Es war keen Land im ganze Deich
Wie’s Batdorf’s Bauerei.
Bei’m Batdorf war en deitscher Knecht,
Der war net juscht so dumm;
Hot g’wisst was letz is, un was recht,
Was grad is, un was krumm.
„Ich hab’,” sagt Batdorf zu sei’m Knecht,
„Das beschte Land im Deich;
Von dir ich nau ’mol wisse mecht,
Warum bin ich so reich?”
„Ei ja,” sagt Hans, „des wees ich wol.”
„Loss here — wie? — warum?”
„Ich wees net, ob ich’s sage soll —
Du schlegscht mich schteif un krumm!”
„’Raus mit d’r Farb’, mei’ schmärter Knecht,
Was macht mich Herr vum Deich?
Ich doch dei’ Meening wisse mecht’,
Warum bin ich so reich?”
»Well, wann ich muss, dann muss ich, denk,
Ich dhu’s gewiss net gern;
Du hoscht die Schuld, wann ich dich krenk,
Mei’ reicher Herr verzern!
»Als Krischtus in der Wieschte war,
Da kam der Satan nah,
Un hot ihn dort versucht sogar,
Er soll ihn bete’ a’.
»Un wann er’s dhet, dann keem ihm zu
D’r Reichdhum aller Welt!
D’r Heiland hot ihn abgedhu’:
Wek, Satan, mit dei’m Geld!
»Domols warscht du net weit ewek —
Heerscht dem Propos’l zu,
Fallscht uf dei’ Knie un rufscht gans keck:
Horch, Satan, ich will’s dhu!
„Darum sitscht du in fetter Weed,
Un bischt d’r Herr im Deich,
Wann m’r den Satan so anbet’,
D’noh macht er Eem gern reich.”

DAS KRISCHKINDEL.

O du liewer Kindheeds-Krischdag!
Lebscht noch wack’rig in mei’m Herz;
Denk ich an dich, was ’n Pulsschlag
Fiehl ich, was en Heemweh-Schmerz!
Dunkle Wolke sehn ich henke
Zwische mir un seller Zeit;
Du scheinscht awer in mei’m Denke
Beschtes Licht der Kindheeds-Freid.
Dess war schur des gut Krischkindel,
Es hot alles dess gemacht;
Heerscht du net sei’ Belleklingel
In der schtille Krischdag Nacht?
Iwer Berge, Hiwwel, Fense
Jagt es mit sei’m Schlitte bei;
Schtoppt am Haus un schluppt gans sacht’
Mit sei’m Sack am Schornschtee’ nei’.
’S is Alles schtill! Die Kinner schtecke
Schnock im Bett un draame schee’;
Santa Claus werd sie net wecke,
Er dhut all sei’ Sach allee’;
Hengt d’r Baam mit scheene Sache,
Schleicht herum im ganse Haus,
Legt sei’ Gabe ’raus mit Lache,
Un dann — Ho! — zum Schornschtee’ naus!
Mecht den Wunnermann ’mol sehne,
Doch er is zu schlick un schlau!
Schmohkt un lacht er, wie Leit meene?
Is sei’ Bart so lang un grau?
Hot er Backe roth wie Eppel?
Is sei’ G’sicht so breed un fett?
Hengt sei’ lang Haar imme Zeppel?
Is er so gar kreislich nett?
Un sei Renndhier — acht im Schlitte!
Ach, ich mecht ihn sehne geh’;
Dess is g’fahre, dess is g’ritte,
Iwer Froscht un Eis un Schnee!
Er dhut bei sich selwer lache,
Net weil’s fahre geht so gut;
Awer weil er so viel Sache
An der Kinner Krischtbaam dhut.
Dheel Leit meene, dess wär Fawel,
Es wär keen Krischkindel so;
Vegel peifen nach dem Schnawel,
Schlohe Krischte glaawe schloh.
Ich hab es noch nie gesehne
In der heil’gen Krischtennacht;
Doch sehn ich den Krischtbaam funkle,
Sag ich: es hot dess gemacht.
Sei gegriesst, du scheenes Mennle,
Bleiwe immer frisch un jung;
Deine Giete, deine Wunner
Singt jo jede Kinnerzung.
Komme wieder — komme ewig
Komme freidig, sanft un sacht;
Zier’ d’r Krischtbaam for die Kinner
In der heil’gen Krischtdag Nacht!


En alt Gebei, das dort im Schatte kiehl,
Recht mitte in de geele Weide schteht —
Sell is die gut altfäschen Kunne-Miehl.

DIE ALT MIEHL.

Dort unne in der Wälli an der Krick
Sehnscht du ’n Grup vun geele Weide schteh’?
Sehnscht ah ’n Toolhaus un en Tornpeik Brick,
Wo lange Babble schiesse in die Heh?
Un sehnscht dorch’s Silwer Weidelaab Geschpiel,
Wann juscht der Wind die Nescht ’n wenig weht —
En alt Gebei, das dort im Schatte kiehl,
Recht mitte in de geele Weide schteht?
Sell is die gut altfäschen Kunne-Miehl.
Un sehnscht owig der Miehl en Weide Roi?
Sie schlängelt dort so schreeks am Hiwel hi’,
Uf eener Seit die Wiss. Wie schee’ im Mai
Die Vegel singe dort, vergesst m’r nie!
Sell is der Rees. Dort hab ich oft geschpei’t
Muschkrotte, Schlange an de griene Bänks;
Sie leie schlefrig uf der Summer Seit;
Nor’d wammer se verschreckt, gebt’s awer Pränks.
Sie hasse Buwe meh’ wie grosse Leit.
Die Miehl! ’n Schtick vum Dach schteht owe naus;
Dort hengt ’n Schtrick, den lupt m’r an die Seck;
Sell hebt sie schee’ vum Wagebett heraus,
Un heist se händig in die owere Schteck.
Sell is ’n arg gut Ding — es sehft viel Mieh:
Nau hot der Miller net viel Druwel meh;
Inwennig is es ah gefixt gans nei;
Der Weeze nau laaft selwer uf die Schtee’
Un ’s Mehl kummt unne ’raus, vun Kleie frei.
Es is blessirlich in die Miehl zu geh’,
Abbattig wammer warte soll uf’s Mehl;
Nor’d hot m’r Zeit un kann recht alles seh’,
Sell is for Buwe als des beschte Dheel.
Dann geht m’r an d’r Damm un fischt en Weil,
Un macht sich Peife vun de Weide Beem,
Sell macht der Z’rickweg nor’d zur kleene Meil;
M’r hockt sich uf der Sack un peift sich heem:
D’r Gaul kann langsam geh’, ’s hot jo kee’ Eil.
Der Miller war ebaut en neiser Mann;
Er hot eem gern sei’ Gärt un Angle g’lehnt,
Un so sei’ Messer; ja, ich muss, ich kann
Geschteh’, er hot’s mit Buwe gut gemeent
Un ehrlich war er ah, bis uf der Sent.
Bei’m Mister Braun war kee’ Verdacht,
Sei’ Buschel un sei’ Toolbox, wie mer’s nennt,
Hen alles gans recht an der Mann gebracht,
Un wie er’s g’saat hot, so war’s juschtement.
Es war net alsfort so in sellere Miehl!
So sage ennihau schier alle Leit.
’S muss Eppes dra’ sei’, for m’r heert gar viel
Wie’s dort g’driewe war in frieherer Zeit.
Es heest, ’n schlechter Mann mit Name Reischt,
Het falsch gewoge, falsch gemesse dort!
Un endlich het en schwarzer beeser Geischt,
Mit Leib un Seel ’mol Nachts der Miller fort!
Heer’ dess, Betrieger, wo un wer du seischt!
Guk, owe an der Dheer, dort fehlt en Scheib —
Es heest m’r dhut umsunscht en neies nei’!
Der Reischt hot noch kee’ Ruh, un in sei’m G’treib
Kummt er als Nachts an sellem Scheibloch rei’!
Hab oft mit Wunner an sell Loch gegukt;
For alle Leit hen fescht geglaabt, dass noch
Der Reischt in seller alte Miehl ’rum schpukt,
Un aus un ei’ geht an dem Scheibeloch!
Die Zeiding hot emol dervu’ gedruckt!
Nekscht an der Miehl wohnt noch en alte Fraa,
(Sunscht heert m’r vun der Sach nau weiters nix)
Sie sagt der Reischt wär als noch iwel dra’
Un dragt am Hals noch zwee grosse Fifty-six!
Er jummert Nachts! un ruft aus — „Tool, Tool, Tool!”
Bald schtosst er aus die schauerlichschte Fluch!
Bald bet er — „O mei’ Seel, mei’ Seel, mei’ Sool!”
Bald kratzt er eppes in sei’m Ledscherbuch!
Un sagt — „Dess is net mei’! dess haw ich g’schtohl’!”
’S mag sei’ wie’s will — wer in die Biewel gukt
Sehnt, dass Betrug am End sei’ Elend find.
Un wann der Reischt ah in der Miehl net schpukt,
So biest sei’ Seel’ doch for sei’ wieschte Sind’.
Die Gnade dauert aus die Gnadezeit;
Un ’s geht daher en Weil verleicht recht gut;
Doch endlich treibt’s der beese Mensch zu weit!
Wann er sei’ letschte Schtreech Gottloses dhut,
Nor’d kummt die Pein in langer Ewigkeit!

BUSCH UN SCHTEDTEL.


DER REJEBOGE.

In d’r scheene Natur sin gar viel scheene Sache,
Die Blumme, wo bliehe, die Kricklen, wo lache,
Die Vegel, wo singe, die Wolke, wo fliege,
Die Wasser, wo herrlich im Sunnelicht liege,
Die Dhäler, die Hiwle, die Felder un Wisse,
Die Berge, die schier gar der Himmel dhun kisse;
Bin ich awer nau net gar kreislich betroge,
So biet se bei weitem der schee Rejeboge!
Wann Dunner un Wetter im Summer gehn iwwer,
Dann kanscht du was sehne am Himmel, mei’ Liewer,
Es hebt sich des Wetter im Weschte en wenig,
Nor’d gukt die Sunn ’raus wie ’n glorreicher Keenig;
Dann gebt’s in ihr Schtrahle en Droppe-Gewimmel
Un dort schteht der Boge im dunkele Himmel!
Een Fuhs uf de Berge, un een Fuhs im Dhale,
Den Schoh kanscht du sehne un brauchscht nix bezahle!
Filosofers, die sin gar weis heitsedage,
Un hen hoche Dinge vum Boge zu sage:
„Des is die Natur — die dhut all dess so mache.”
Ihr grosses Geplapper macht mich numme lache!
Was geb ich um all ihre dumme Natur;
Mei’ Boge messt keener mit so eener Schnur;
Sie schwetze mir gut — es is alles geloge,
For niemand als Gott macht d’r schee’ Rejeboge!
Horch net uf die G’lernte, loss sie numme schwetze.
Sie roppe dir juscht alles Scheene in Fetze;
Wek, wek mit dem g’scheide Geprall un Gedengel,
Glaab liewer, d’r Boge sei Brick for die Engel!
Eens wees ich g’wiss, dorch ihn dhut Gott kunde
Sei Zeiche der Liewe im ewigen Bunde:
So lang dass der Boge am Himmel dhut schtehe,
Kann nie meh die Erde mit Wasser vergehe!
Sell schteht in der Biwel, sell is ewig sicher!
Ihr G’lernte ihr kritzelt m’r gut in eier Bicher,
Macht numme eier Dafeln, eier Muschter un Dinge,
Zu zeige wie dess die Natur dhut vollbringe;
Weisst mir eier armselig Gettle vun G’setze,
Ich will’s mit der Biwel vum Drohn herab setze!
Weit iwwer dem Himmel will ich en Gott zeige,
Der eier Gettle g’macht hot — vor ihm sott ihr beige.
Was hen m’r als G’schpass g’hat an dem Rejeboge!
Wie hot uns die Mammi als freindlich betroge!
„Gukt, Kinner, der Boge im Bungert dort draus,
Er schteht mit eem Fuhs gar net weit vor’m Haus;
Geht hi’ wo er schteht, dort findet ihr liege
Viel goldene Leffel, ihr kennt sie leicht kriege —
Ja, goldene Leffel, un Gabeln, un Bole,
Un goldene Bense! — Wollt ihr se net hole?”
Nor’d sin m’r gedschumpt, un gerennt un geschprunge,
Gegaunscht un geschneppert, gekrische un g’sunge!
O wann ich dra’ denk, muss ich heit noch recht lache;
Der vedderscht, der krikt wol ’s meenscht vun de Sache!
’S Gras, lang un nass, war verwikelt abscheilich;
Do is m’r geschtolpert, geparzelt gar kreilich.
Die Mammi, die sah vun der Bortsch mit Vergniege
Das Springe, die goldene Sache zu kriege.
An der Bungert Fens owe, do schtand er gar schee’,
Goss goldene Dinge herab in den Klee.
Dort hi’ sin m’r g’schprunge, do schtand er — ach leider!
Gar herrlich un schee’, en paar Felder breed weiter!
Dann ging’s widder los, wie? — weescht wol ohne sage —
Wie Hauns, die den Hersch dhun uf’s neie ufjage:
Es ging iwwer Fense, un Felder un Ferge;
Und da! — ja, nor’d schtand er dort draus in de Berge!
Nau, neeher bei’m Heile, un weiter vum Lache,
Segt eens zu dem annere — „Was is do se mache?
Der Goldmacher-Boge, der weicht immer weiter;
M’r gehn besser heem, dess wär’ verleicht g’scheiter
Es heest, wieschte Zwerge im Berg trage Belse,
Un schmeisse die Kinner mit mechtige Felse!
Was helft uns des Gold, m’r kann’s jo net esse;
Un was? wann die Zwerge uns fange un fresse!”
Nor’d sin m’r zerick — die Mammi hot g’schmunselt,
Ihr liebliche Aage gans rings um gerunselt.
„Wo is dann eier Gold? — in Secke un Scherze?”
„Nix, Mutterche!” sagten mir Kinner mit Schmerze.
„Ja, dess is en g’schpassige goldene Leiter,
Sie schtellt ihren Fuhs immer weiter un weiter,
Un endlich verliert m’r sie gans in de Berge,
Dort wohne die wiescht’ Menschefresser, die Zwerge!”
Nor’d sagte die Mammi, gar lieblich un leise:
„Ich wott eich mit diesem Bedrug nur beweise,
Wie’s geht mit de schlechte Gold liebende Leite;
Gold lockt sie in’s Erre, Gold fiehrt sie in’s Weite;
Das Glick, das sie suche, das dhun sie net finde,
Un falle dabei noch in allerlee Sinde.
Der Dodt find sie endlich im dunkele Berge,
Do fange sie Geischter noch beeser wie Zwerge!”
„Die Erde gebt Gold zu den weltlich Gesinnte,
Es lei’t awer immer Verfiehring dahinte!
Der schee’ Rejeboge im Wolkegedimmel
Weist iwwer die Erde zum goldene Himmel:
Er zeigt Gottes Treie, die nimmer dhut weiche,
Un macht ah die Seele in Ewigkeit reiche.
Vergesst net, ihr Kinner, wie eich hot betroge
Das Suche um Gold bei dem goldene Boge.”

DER PIHWIE.

Pihwie, Pihwie, Pihwittitie!
Ei, Pihwie, bischt zerick?
Nau hock dich uf der Poschte hi’
Un sing dei’ Morgeschtick.
Hoscht lang verweilt im Summerland,
Bischt seit Oktower fort;
Bischt drunne ordlich gut bekannt?
Wie geht’s de Vegel dort?
’S is schee’ dort uf de Orenschbeem:
Gell, dort gebt’s gar kee’ Schnee?
Doch fiehlscht du als recht krank for heem
Wann’s Zeit is for se geh’!
Bischt doch uns all recht willkumm do;
Denk, du bischt net zu frieh,
Der Morge gukt emol net so —
Gell net, du klee’ Pihwie?
Ich geb’ d’r neier Dreck for nix,
Geilshoor un Flax un Helm;
Nemmscht’s ennihau! — Ich kenn dei Tricks,
Du schmärter kleener Schelm!
Dess is juscht G’schpass, mei Pihwiefreind,
Ich rechel dich kee’ Dieb!
Hettscht mit mei’m Gold dei Nescht geleint,
Du wärscht m’r juscht so lieb.
’N Fruchtjohr ohne dich, Pihwie,
Wär wie ’n leeri Welt!
Dei Dienscht, mei liewes Vegeli,
Bezahlt m’r net mit Geld!
Pihwie, wie’n milde Luft du bringscht!
Die Friehjohrssunn, wie schee’!
’S gebt nau, weil du ’mol Morgets singscht,
Kee’ Winterdage meh’.
Pihwie, Pihwie, Pihwittitie!
Bin froh, du bischt zerick;
Nau hock dich uf d’r Poschte hi’.
Un sing dei’ Morgeschtick!

DER KERCHEGANG IN ALTER ZEIT.

Es dhut eem gans vun Herze leed,
Wann m’r an’s Alte denkt;
Nau geht fascht alles iwerzwerg,
In Land un Stadt, in Haus un Kerch —
M’r fiehlt sich recht gekrenkt.
Denk juscht emol an’s Kerche-Geh’!
Wie war’s in alter Zeit?
Darch Hitz un Kelt’, darch Schtaab un Schnee,
Is Alles gange, Gross un Klee’,
Bei reich’ un arme Leit.
In’s Lied hot alles ei’geschtimmt —
Sell Singe war en Freed!
Nau dhut fascht Niemand ’s Maul meh uf —
Zum Singe gehn die Bordkerch nuf
Paar Buwe un Paar Mäd!
Mit Demuth hot m’r zugehorcht
Was ah der Parre sagt;
Nau sitzt m’r schtolz wie Dschurymann,
Gukt, wie der Mann doch schwetze kann!
Un wie er sich betragt!
Die alte Wohrhet hot m’r g’liebt,
Un selwer angewennt;
Nau denkt m’r, als m’r schläfrig sitzt:
Wie doch der Mann die Sinder schwitzt!
Er gebt’s ’n juschtement!
Un wann m’r in der Sity wohnt,
Schliesst m’r sich an kee’ Ort:
Wo juscht ’n grosser Schwetzer brillt,
Do werd gewiss die Kerch gefillt,
Un unser eens is dort!
Was Hutlerei! was Hutlerei!
Die Leit hen leichte Kepp;
’S is alles leer — kee’ Saft, kee’ Salz,
’N Brote’ ohne G’schmack un Schmalz,
’N schlappiges Geschlepp!

In’s Lied hot alles ei’geschtimmt;
Sell Singe war en Freed.

WILL WIDDER BUWELE SEI’.

Es rejert heit, m’r kann net naus,
Un ’s is so lohnsom do im Haus,
M’r wees net wie m’r fiehlt.
Ich will ’mol dhu’ als wär ich klee’,
Un uf d’r owerscht Schpeicher geh’ —
Dort haw ich oft geschpielt.
’N Buwele bin ich widder jetz;
Wu sin mei’ Krutze un mei’ Kletz?
Nau wert ’n Haus gebaut!
’S schpielt sich doch net gut allee’ —
Ich bin jo ah kee’ Buwele meh’!
Was kloppt mei’ Herz so laut!
M’r lewe juscht betriegrisch nei’
In’s Schpiele un in’s Buwele sei’;
’S is net so leicht zu dhu.
For Epper sagt: „Nix an d’r Sach:
Heerscht du d’r Reje uf’m Dach?
Sagt er du wärscht ’n Buh?”
’S Schpiele geht net — soll ich fort?
Was is uf selle Balke dort?
Nau bin ich widder Buh!
Dort hen m’r Keschte ausgeschpei’t,
Zu derre uf die Krischdag Zeit —
Dhet’s gleiche widder z’dhu!
’N Buwele sei’ sell is d’rwerth;
Die Keschte rooschte uf d’r Heerd —
Was war des ’n Gekrach!
Sell is vorbei, ich fiehl’s im G’mieth;
’R schpielt ’n rechtes Heemweh-Lied,
Der Reje uf’m Dach.
Dort schteht die sehm alt Wallnuss Kischt
Ich wunner nau, was dort drin ischt?
’S muss eppes ’battich’s sei’.
Kallenner, Zeiding, Biecher — ho!
Die alte Sache hen sie do
All’s drunnerscht driwwersch nei’!
Nau bin ich widder recht ’n Buh,
Weil ich do widder sehne dhu
Des alt’ bekannte Sach.
Horch! Heerscht d’r Reje! — jes indied —
’R schpielt ’n rechtes Heemweh-Lied,
Dort owe uf’m Dach.
„Schtill, Reje! Buwele schpielt deheem;”
Die Schtenner dort vun Gumme Beem
Schtehn noch am alte Platz;
Dort bin ich alle Samschdag hi’,
Hab Salz geholt for Schoof un Kieh —
Sell war als Ruhl un Satz.
Wu sin die Sättel un die Zeem?
Die Mäd sin nimme do deheem,
Sie wohne annersch wo!
Sie hen die Sache mit. Ja, ach,
Wie kloppt d’r Reje uf’m Dach!
Ich gleich net schpiele do.
Dort is so g’wiss ’s alt Drunnel Bett!
Denkscht du ich kenn sell Drunnel net?
Wie siess war dort die Ruh!
Die Buwe hen scheint’s Fiehling zeigt,
Un hen’s net uf d’r Vendu g’schteigt;
Sell war nau schee’ gedhu.
Sell Drunnel Bett, sell war als mei’ —
Ich leg mich ewig nimme nei’:
Sell is vergangne Sach!
’S rejert; ach, in jedem Glied
Fiehl ich des zarte Kindheets-Lied,
Vum Reje uf’m Dach.
Sie henke net am Balke meh’,
Die Bindlen vun Gekreider Thee,
Un allerhand Gewerz.
Nau will ich widder Buwele sei’ —
Ich hol’ se for die Mammi rei’,
Sell pliehst mei’ Buwele Herz.
Die Mammi? leeder! sie is fort,
Sie schloft jo uf’m Kerchhof dort;
Vergesst m’r sich doch so!
Nau werd’s m’r zart in mei’m Gemieth,
Der Reje war ’n Kerchhof-Lied!
Ich schpiel net lenger do.