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Im Banne der Furcht

Chapter 40: Die Koch- und Hausgeräte.
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About This Book

Eine ethnographische Darstellung der Wapare in Ostafrika schildert Lebensstationen, Rituale und soziale Organisation: Geburt, Initiations‑ und Frauenfeste, Beschneidung, Erziehung von Jungen und Mädchen, Heirat und Scheidung werden systematisch dargestellt. Rechtssätze, wirtschaftliche Formen, Hausbau, Handwerk, Jagd‑ und Ackergeräte sowie Aspekte der Küche und des täglichen Lebens werden ausführlich erörtert. Ausführliche Kapitel behandeln religiöse Vorstellungen, Totemismus, Orakel, Heil‑ und Bestattungsriten sowie Dämonen‑ und Fetischglauben. Abschließend untersucht der Text Dichtung und Denkweisen der Gemeinschaft und reflektiert die Begegnung mit Mission und Islam sowie deren Auswirkungen auf Bräuche und Glaubenspraxis.

Die Koch- und Hausgeräte.

Die Töpferei ist ausschließlich Arbeitsgebiet der Frau, genau so wie die Anfertigung der Fasersäcke. Hat die Frau sich in einem Sack genügend Tonerde geholt, so geht sie an deren Bearbeitung. Zu dem Zwecke breitet sie den Ton auf einem großen flachen Stein aus, zerkleinert die großen Stücke und liest Steine und andre Unreinigkeiten aus. Mit Hilfe eines Holzstößers wird der reichlich angefeuchtete Ton ganz fein gestampft und dann noch mit den Händen wie Kuchenteig auf dem Stein durchgeknetet. Aus dieser Masse formt die Frau einen je nach Umfang des gewünschten Topfes verschieden großen Tonzylinder, der mit dem Stampfer durchstoßen wird. Aus diesem Mantel formt sie nun unter fortwährendem Anfeuchten und Abschaben mit einfachen Modellierhölzern die obere Hälfte des Topfes. Das untere noch auf dem Stein haftende Ende bedeckt sie sorgfältig mit grünen Bananenblättern, um den Ton dort feucht zu erhalten. Das obere Ende ist am nächsten Tage bereits soweit an der Luft erhärtet, daß die Frau den Topf umstürzen kann, um den Boden anzufertigen. Die Öffnung wird immer kleiner, so daß sie schließlich nur noch einen Finger zur Glättungsarbeit durchläßt, und schließlich wird sie sauber mit einem kleinen Stückchen Ton geschlossen. Etwa fünf Tage lang bleibt das Kunstwerk auf dem Boden stehen, um völlig auszutrocknen. Dann werden meistens mehrere zusammen in einem offenen Feuer gebrannt. Das Feuerholz wird von bestimmten Bäumen genommen (mugi, kisosongo) und ist von zunderartiger Beschaffenheit. Es wird unter und zwischen den Töpfen aufgeschichtet. Die Frau wendet die Gefäße mit einem Stock und prüft durch gleichzeitiges Beklopfen ihre Beschaffenheit. Klingen sie endlich, dann sind sie „gar“ d. h. durchgebrannt und werden zum Abkühlen hingestellt. Mit einer grünen Banane zieht die Künstlerin von der Mitte des Topfbodens ausgehend gerade Striche nach dem Rande hin, die sich sofort weiß färben und so auf dem Markte den neuen Topf, wenn auch in recht bescheidener Weise, verzieren. Die zum Wasserholen bestimmten Töpfe werden mit Blättern des Nkasha-Strauches rot gefärbt. Diese Gefäße sowie auch die kleineren Eßnäpfe werden vor dem Brennen mit einem etwa 4 cm breiten Punktierhölzchen am Halse bzw. am Rande verziert. Abbildungen siehe unter dem Abschnitt Negerküche auf S. 102. Während diese eigentliche Töpferarbeit ausschließlich von Frauen verrichtet wird, werden die tönernen Pfeifenköpfe nur von Männern angefertigt.

Mattensackgewebe.
Wie ein Kitangu entsteht (Boden).

Wie schon erwähnt, gehört auch das Säckeknüpfen zu den Arbeiten, die nur von Frauen ausgeführt werden. Nachdem man aus den grünen Sansiveren-Blättern durch Klopfen die Fasern gewonnen, dann gewaschen und gereinigt hat, werden sie in langen Strähnen von etwa 5 mm Dicke zusammengeknüpft. Die Art des so gebildeten Gewebes, das übrigens meist recht weitmaschig ist, ersieht der Leser an der Skizze.

Fertiges Körbchen.

Des weiteren verfertigen die Frauen Strohteller (vitangu), in denen u. a. Maisbrei und Kartoffeln aufgetragen werden. Sie dienen auch im Handel je nach Größe als Korn- und Fruchtmaße. Die Vitangu bestehen aus einem spiralförmig aufgewickelten Stück Bananenbast, das mit einer etwa 2–4 cm breiten Palmblattschnur umsponnen wird. Die Körbchen sind äußerst haltbar. Der Preis belief sich auf etwa 15 Pfennig. Während die meisten Frauen, wenigstens im Gebirge, solche Teller und Säcke machen können, wird die Töpferkunst nur von kundigen Meisterinnen ausgeübt. Sie vererbt sich auf die Töchter und entbehrt auch nicht eines gewissen religiösen Einschlages, da oft Säumige von den Ahnen an ihre Pflicht, das Gewerbe auszuüben, erinnert werden.

Als Handwerker könnte man wohl die Männer ansprechen, die, wenn auch nur im Nebenberuf, Mörser, Stühle, Bienenstöcke usw. verfertigen. Eine geschlossene Hauswirtschaft im Sinne der Lehre Büchers existiert also nicht oder wenigstens nicht mehr. Nach ihr ist auf einer primitiven Stufe jeder Haushalt imstande, alle seine Bedürfnisse aus sich selbst heraus und ohne Zuhilfenahme des Tausches oder des Handels zu befriedigen. Man ist also in Erzeugung und Verbrauch von niemand außerhalb der eignen Sippe abhängig. Die Tatsache, daß im Gebirge solche Unabhängigkeit selbst heute noch größer ist als in den bereits zivilisierten Steppenlandschaften, spricht dafür, daß sie nur allmählich verlorengegangen ist bzw. verlorengeht. Dazu trägt hauptsächlich die Kultur bei. Dem schwarzen Diener, Wäscher, Maurer, Aufseher, Soldaten, Eisenbahn- oder Postbeamten fehlt die Zeit und vor allem die durch Übung erworbene Geschicklichkeit, irgendwelche Geräte selbst zu verfertigen. Er ist also mehr als sein fern von der „Zivilisation“ lebender Stammesgenosse auf den fundi, den Handwerker oder Meister angewiesen, und auch unter diesen haben sich mit der Zeit immer mehr Spezialisten ausgebildet: der eine macht Hocker, der andre Mörser oder Betten, der dritte flicht die starken Ochsenstricke. Für Pfeilgift und Schmiedearbeiten ist diese Abhängigkeit von Nachbarstämmen bzw. besonderen Schmiedemeistern wohl uralt, aus dem einfachen Grunde, weil Pfeilgifte nicht überall hergestellt werden können und die Schmiede von jeher eine besondere Kaste gebildet haben (s. S. 138).

Hocker.

Hocker werden aus 25 cm hohen Holzklötzen geschnitzt, Mörser aus etwa 50 cm hohen Holzzylindern. Die Werkzeuge des Fundi sind kleine Äxte, Kratzer und Stemmeisen mit langen und kurzen Griffen. Die langen Hefte der Stemmeisen erhalten an dem Ende, wo das Eisen befestigt wird, als Verstärkung einen Ring aus der Schale der Dumpalmenfrucht, der festsitzt wie Eisen und ein Spalten des Griffes völlig unmöglich macht. Die Abbildungen lassen auch weitere Gebrauchsgegenstände erkennen, die von Männern angefertigt werden. Interessant ist die Tatsache, daß Kürbisflaschen, die geborsten sind, wieder genäht werden unter Anwendung der gleichen Technik die unsre Schuhmacher beim Nähen haben. Die Naht wird außen mit der Milch des Mwasi-Baumes wasserdicht verklebt.

Werkzeuge des Fundi.

Der Apparat zur Feuererzeugung besteht aus dem Quirlholz (kinindi, Zweig des Mrinditi-Baumes) und dem untergelegten flachen Holz, nke genannt. In den Rand des Nke schneidet man einen Kerb, durch welchen dann beim Quirlen mit dem Kinindi die glühend gewordenen Holzteilchen auf das untergelegte Messer fallen. Mit Hilfe eines aus zerriebenen trocknen Bananenblattscheiden gebildeten Zunders wird die glimmende Asche zum Feuer entfacht.

Feuerzeug.
Bienenstock.

Bienenstöcke verfertigt man auf folgende Weise. 100–125 cm lange Baumstämme werden mit langen Holzkeilen in der Mitte gespalten und beide Hälften ausgehöhlt. Eine etwa handbreite Öffnung auf einer der Längsseiten dient zum Ausnehmen des Honigs und wird mit einem hineingesteckten Holzplättchen verschlossen. Die beiden den Bienenstock bildenden Holzschalen werden zusammengeschnürt und auf einen Baum gehängt. Den Honig nimmt man gewöhnlich abends aus. Mittels Rauch werden die Bienen verscheucht bzw. in das Innere des Stockes zurückgetrieben. Dann entnimmt der Pare-Imker dem Stock soviel der begehrten Süßigkeit, wie ohne Gefahr für das Volk möglich ist. Das Bild zeigt elf übereinandergelegte Bienenstöcke, die als Taubenhaus benutzt wurden.