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Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band. cover

Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band.

Chapter 6: 1. Juli.
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About This Book

An observational travel narrative recounts journeys across Iceland and the Scandinavian mainland, detailing geysers, hot springs, volcanoes, lava fields, crevassed riverbeds, and striking atmospheric effects. The traveller describes routes through rural valleys and settlements, hazardous river crossings, and local customs, then progresses through Norwegian and Swedish towns and royal sites before visiting prominent port cities and central European urban centers. Descriptive, diary-like passages alternate with practical itineraries and natural-history notes; appendices include catalogues of collected invertebrates and plants and a summary of official remunerations for island administrators.

The Project Gutenberg eBook of Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band.

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Title: Reise nach dem skandinavischen Norden und der Insel Island im Jahre 1845. Zweiter Band.

Author: Ida Pfeiffer

Release date: October 25, 2014 [eBook #47193]
Most recently updated: October 24, 2024

Language: German

Credits: Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
http://www.pgdp.net (This transcription was produced from
images generously made available by Bayerische
Staatsbibliothek / Bavarian State Library.)

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK REISE NACH DEM SKANDINAVISCHEN NORDEN UND DER INSEL ISLAND IM JAHRE 1845. ZWEITER BAND. ***

Reise
nach dem
skandinavischen Norden
und der
Insel Island
im Jahre 1845.

Von
Ida Pfeiffer,
geborne Reyer,
Verfasserin der »Reise einer Wienerin in das heilige Land«.


Zweite Auflage.

Zweiter Band.


Pest, 1855.

Verlag von Gustav Heckenast.

Pest, 1855. Gedruckt bei Landerer und Heckenast.

Inhalt des zweiten Bandes.

Seite
Reise nach dem Geiser, Hekla u. s. w. 1
Fernere Bemerkungen über Island und seine Bewohner 64
Abreise von Island. – Fahrt nach Kopenhagen 79
Abreise von Kopenhagen. – Christiania 97
Aufenthalt zu Christiania 107
Reise nach Delemarken 115
Reise von Christiania nach Stockholm 142
Aufenthalt in Stockholm 170
Fahrt nach dem alten königl. Schlosse Gripsholm in Mälarsee 182
Reise von Stockholm nach Upsala und den Eisenbergwerken von Danemora    188
Von Stockholm nach Travemünde und Hamburg 208
Von Hamburg nach Berlin 220
Aufenthalt in Berlin. – Rückkehr nach Wien 227
Charlottenburg 236
Potsdam 238
Jahresgehalte der kön. dänischen Beamten auf Island 252
Verzeichniß der auf Island gesammelten wirbellosen Thiere 256
Uebersicht der isländischen Pflanzen 259

Reise nach dem Geiser, Hekla, u. s. w.

Das Wetter hatte sich bald wieder aufgeheitert, und ich trat schon am 24. Juni meine Reise nach dem Geiser und Hekla an. – Der erste Tag, an dem wir nach Thingvalla ritten, bot an Gegenden zwar nichts Neues, aber dafür eine äußerst schöne atmosphärische Erscheinung.

Als wir nämlich in die Nähe des See's kamen, senkten sich einige zarte Nebelwolken über den See und auch zur Erde, daß es den Anschein hatte, als ob es regnen würde. – Ein Theil des Himmels erglänzte im schönen Hellblau, während der andere mit dichten Wolken bedeckt war, aus denen gerade die Sonne hervor brach. Einige ihrer Strahlen erreichten nun die Nebelwolken, und beleuchteten den Dunstkreis auf eine wunderbare Art. Der zarteste Farbenschmelz war über diese Stellen gehaucht; da schien ein Regenbogen aufgelöst; seine glühendsten Farben waren da verschmolzen, und traten doch wieder einzeln aus dem Ganzen. Dieses Farbenspiel blieb so über eine halbe Stunde, dann ward es immer schwächer und schwächer, bis es ganz verschwand, und die gewöhnliche Atmosphäre an seine Stelle trat. – Es war dieß eine der reitzendsten Erscheinungen, die ich je gesehen.

25. Juni.

Eine viertel Meile hinter dem Oertchen Thingvalla trennen sich die Wege; links reitet man nach Reikholt, rechts nach dem Geiser. – Wir hatten noch lange den See zur Seite, und fanden am Ende des Thales eine ähnliche schauerliche Felsenkluft, wie jene von Almannagiau, die wir auf einem gräßlichen Wege passiren mußten.

Das daran stoßende Thal glich viel jenem von Thingvalla; dagegen sah das dritte wieder schrecklich aus. Da war die Lava niedrig, und ganz mit jenem weißlichen Moose überwuchert, das sich wunderschön ausnimmt, wenn es nur die untern Theile der Lava bedeckt, und wenn schwarze Massen und Figuren darüber hinaus ragen, so aber einen höchst einförmigen und öden Anblick gewährt.

Wir kamen auch an zwei Grotten vorüber, die sich zu unsern Füßen öffneten. Am Eingange der einen stand ein Felsenpfeiler, als Stütze einer ungeheuern Lavaplatte, welche ein schauerliches Portale bildete. Leider hatte ich von diesen beiden Höhlen nichts gewußt, und daher auch keine Vorbereitungen getroffen, sie besuchen zu können. – Wenigstens hätte ich Fackeln dazu benöthiget. So viel ich aber später erfuhr, sollen sie gar nicht tief reichen, und nichts Interessantes bieten.

Im Verlaufe dieses Tages kamen wir durch Thäler, wie ich deren in ganz Island noch keine gesehen hatte. Schöne Wiesenteppiche, und zwar ohne jene zahllosen Erhöhungen, bedeckten oft mehrere meilenlange Strecken. – Natürlich waren diese futterreichen Thäler auch ziemlich bewohnt; wir ritten häufig an 3-4 beisammen stehenden Kothen vorüber, und sahen Pferde, Kühe und Schafe in ziemlicher Anzahl auf den Wiesen weiden.

Die Berge, die diese Thäler auf der linken Seite begränzten, erschienen mir sehr merkwürdig; – sie waren zwar auch braun, schwarz oder dunkelblau, allein die Massen, aus welchen sie bestanden, hielt ich, meinen geringen mineralogischen Kenntnissen zu Folge, für feine Lehmschichten. Einige dieser Berge hatten auch Aufsätze von großen, einzeln stehenden Lavafelsen, wirklichen Kolossen, von denen es mir unbegreiflich war, wie sie sich auf diesen weichen Schichten halten konnten.

In einem dieser Thäler lag auch ein ziemlich bedeutender See, an und um welchen einige Dampfwolken empor wirbelten, die von unbedeutenden heißen Quellen aufstiegen.

Nun aber, nachdem wir schon bei 5-6 Meilen zurückgelegt hatten, kam das Merkwürdigste das mir noch je vorgekommen ist; – es war dieß ein Strom mit einem ganz eigenthümlichen Flußbette.

Dieses Flußbett ist breit und etwas abschüssig; es besteht aus Lavaschichten und ist in der Mitte der Länge nach durch eine 18-20 Fuß tiefe, und 15-18 Fuß breite Schlucht getheilt, der sich das Wasser brausend und schäumend zudrängt, so daß man schon von weitem das Rauschen desselben hört. – Ueber diese Kluft führt ein hölzernes Brückchen, das in der Mitte des Flusses steht, und stets von den hochaufspringenden Wogen bespühlt wird. – Wer nun nicht näher unterrichtet ist, kann sich schwerlich diesen Anblick, so wie das Tosen und Brausen des Stromes enträthseln. – Das Stückchen Brücke mitten im Flusse würde man für den Rest einer eben zerstörten Brücke halten, und die Kluft sieht man vom Ufer aus nicht, weil sie von den aufschäumenden Wellen überragt ist. – Gewiß, von einer unbeschreiblichen Bangigkeit wird man erfaßt, sieht man den verwegenen Führer in den ungestümen Fluß hineinreiten, und muß ihm dann ohne Gnade und Barmherzigkeit folgen.

Der Priester zu Thingvalla hatte mich auf diese Scene schon vorbereitet, und mir gerathen, über diese Brücke zu gehen. Da aber der Wasserstand in dieser Jahreszeit so groß war, daß die Wogen von allen Seiten bei 2 Fuß hoch über die Brücke schlugen, konnte ich nicht absteigen, und mußte hinüber reiten.

Die ganze Passage durch den Strom war so eigen, daß man sie sehen muß, aber schwer beschreiben kann. Mit furchtbarer Gewalt tobt und ras't das Wasser von allen Seiten; es stürzt mit heftigem Ungestüm in die Kluft, bildet von beiden Seiten Fälle, und zerschellt beinah an den emporragenden Klippen. – Unweit der Brücke endet die Kluft, und der Strom stürzt dann in seiner ganzen Breite über 30 bis 40 Fuß hohe Felsen. Je mehr wir der Mitte zukamen, desto wüthender, tiefer und reißender wurde der Strom, desto betäubender das Getöse. Die Pferde wurden ängstlich und scheu, und als wir über die Brücke reiten wollten, fingen sie an zu zittern, sträubten sich, wandten sich nach allen Seiten, nur nicht nach der rechten, und versagten uns durchaus den Gehorsam. Mit unendlich vieler Mühe gelang es uns endlich, sie über diese gefahrdrohende Stelle zu bringen.

Das Thal, welches von diesem originellen Flußbette durchschnitten wird, ist enge, und ganz von Lava-Bergen und Hügeln umfaßt; die erstorbene, lautlose Natur vollkommen geschaffen, dem Wanderer diese grausige Scene für immer in's Gedächtniß zu prägen.

Dieser merkwürdige Strom war das letzte Hinderniß gewesen, und nun ging es ruhig und gefahrlos in einem schönen Thale fort, bis zu dem Geiser, den jedoch ein vorliegender Hügel meinem spähenden Auge noch lange verbarg. – Endlich war auch dieser Hügel umritten, und ich sah den Geiser mit seinen Umgebungen, mit den mächtigen Dampfsäulen, mit den zahllosen Wolken und Wölkchen. – Von diesem Hügel hatten wir noch eine kleine halbe Meile an den Geiser, und die ihn umgebenden heißen Quellen. Da kochten und sprudelten sie rings um ihn herum, und mitten durch führte der Weg zu seinem Becken. – Achtzig Schritte vor diesem wurde Halt gemacht.

Und nun stand ich da – vor einem Hauptziele meiner Reise; ich sah es, – es lag so nahe vor mir, und doch wagte ich keinen Schritt weiter. – Ich wußte nicht, ob und wie weit man sich dem Becken nähern dürfe. – Da kam ein Bauer, der uns aus einer der nahen Kothen gefolgt war, und meine Begierde und Furcht errathen haben mochte; der nahm mich bei der Hand und machte meinen Cicerone. Leider hatte er aber, da es gerade Sonntag war, der Brandweinflasche etwas zu tapfer zugesprochen, so daß er mehr taumelte als ging, – und diesem Menschen nun, von dem ich nicht wußte, ob er noch Verstand genug besäße, unterscheiden zu können, wie weit man sich überall wagen dürfe, sollte ich mich anvertrauen? – Zwar versicherte mich mein Führer, der mich von Reikjavik hierher begleitet hatte, daß ich ihm dessen ungeachtet trauen dürfe, und daß er selbst mitgehen werde, um mir sein isländisches Kauderwelsch in das Dänische zu übersetzen, aber dennoch folgte ich ihm nicht ohne einige Furcht.

Er führte mich also bis an den Rand des Beckens des Geisers, der auf einer sanften Erhöhung von höchstens 10 Fuß liegt und in sich das Becken und den Kessel faßt. Der Durchmesser des Beckens mag 30 Fuß betragen, der des Kessels 6-7 Fuß. Beide waren bis an den Rand gefüllt, das Wasser war rein wie Crystall, kochte und brauste aber nur sehr wenig. Bald verließen wir diese Stelle; denn, ist Becken und Kessel mit Wasser ganz angefüllt, so ist es höchst gefährlich sich ihm zu nähern, da er sich alle Augenblick durch einen Ausbruch entleeren kann. Wir gingen also die andern Quellen zu besichtigen.

Mein begeisterter Führer bezeichnete mir jene, denen ich ungescheut nahen dürfe, und warnte mich vor den andern. Dann kehrten wir wieder in die Nähe des Geisers, wo er mir noch einige Verhaltungsregeln für den Fall eines statthabenden Ausbruches gab, und mich dann verließ, um Anstalt zu meinem Aufenthalte zu treffen. – Ich will hier in Kurzem die Regeln meinen Lesern mittheilen.

»Die Wassersäule steigt immer senkrecht in die Höhe, und das überströmende Wasser hat seine Hauptabzüge stets auf einer und derselben Seite; von dieser muß man sich daher entfernt halten. An den andern Seiten läuft zwar auch Wasser ab, aber nur in sehr geringer Menge, und in unförmlichen Rinnen, denen man leicht ausweichen kann. – Man kann sich daher von diesen Seiten selbst bei den stärksten Ausbrüchen bis auf vierzig Schritte nahen. Der Ausbruch selbst kündigt sich durch ein dumpfes Gebrüll an. Wie man nun dieß vernimmt, muß man sich gleich auf die bezeichnete Stelle begeben, da der Ausbruch sehr schnell darauf folgt. Das Wasser steigt jedoch nicht jedesmal in die Höhe, oder oft auch nur unbedeutend, so daß man, um eine schöne Explosion zu sehen, manchmal mehrere Tage verweilen muß.«

Für das Unterkommen der Reisenden sorgte wahrhaft edelmüthig der französische Gelehrte, Herr P. Geimard, der vor einigen Jahren ganz Island bereiste. Er ließ nämlich zwei große Zelte zurück, und zwar das eine hier, und das andere in Thingvalla. Das hiesige ist besonders zweckdienlich, da man, wie gesagt, oft mehrere Tage auf einen schönen Ausbruch warten muß. – Gewiß wird jeder Reisende, wenigstens in Gedanken, ihm Dank für diese Annehmlichkeit zollen. – Ein Bauer, derselbe, der die Reisenden an den Quellen herum führt, hat es zu bewahren, und muß es gegen ein Trinkgeld von 1 bis 2 fl. Jedermann aufschlagen.

Als ich mit meinem Zelte in Ordnung kam, war es bereits 11 Uhr Nachts. Da empfahlen sich Alle, und ich blieb allein zurück.

Man pflegt immer die Nacht zu durchwachen, um keinen Ausbruch zu versäumen. Für mehrere Reisende ist nun zwar ein abwechselndes Wachen keine sehr schwere Sache, für mich allein war es aber doch eine arge Last; – und einem isländischen Bauer ist nicht zu trauen; den könnte oft kaum ein Ausbruch des Hekla erwecken.

Ich saß bald vor, bald in dem Zelte und horchte mit gespannter Erwartung der Dinge, die da kommen sollten; endlich – nach Mitternacht – der Geisterstunde – vernahm ich einige dumpfe Töne, als würde in weiter Ferne eine Kanone gelöst, und deren echoähnlicher Schall durch den Luftzug herüber getragen. – Ich stürzte aus dem Zelte, und erwartete nun in Folge der Beschreibungen, welche ich gelesen hatte, unterirdisches Getöse, heftiges Krachen und Erzittern der Erde, als Vorläufer des eigentlichen Ausbruches. – Kaum konnte ich mich einer Anwandlung von Furcht erwehren. Um Mitternacht bei einer solchen Scene sich allein zu wissen, ist denn doch keine kleine Sache.

Manche meiner Freunde und Freundinen werden sich vielleicht erinnern, wie ich ihnen schon bei meiner Abreise sagte, daß ich mir vorstelle, auf den Reisen in Island vorzüglich in den Nächten am Geiser der meisten Herzhaftigkeit zu benöthigen.

Diese dumpfen Laute ließen sich nur in sehr kurzen Zwischenräumen 13 Mal vernehmen; nach einem jedesmaligen Laute überlief das Becken, und entleerte sich immer bedeutender Portionen Wassers. Die Töne selbst schienen nicht von einem unterirdischen Tosen, sondern von den starken, heftigen Aufwallungen des Wassers herzurühren. – Nach anderthalb Minuten war Alles vorüber; das Wasser floß nicht mehr über, Kessel und Becken blieben ziemlich gefüllt, und – in jeder Hinsicht getäuscht kehrte ich wieder in mein Zelt zurück. – Diese Erscheinungen wiederholten sich alle 2½, spätestens alle 3½ Stunden. Ich sah und hörte die ganze Nacht nichts anderes, so wie auch am folgenden Tage und in der zweiten Nacht. Vergebens sah ich einem Ausbruche entgegen.

Nachdem ich mit dieser periodischen Beschaffenheit meines Nachbars vertraut geworden war, überließ ich mich in den Zwischenräumen entweder einem leisen Schlummer, oder ich besuchte die andern Quellen und ging auf Entdeckungen aus – nach den kochenden Brodem, und nach den verschiedenen farbigen Quellen, welche hier gesehen zu haben manche Reisebeschreiber behaupten.

Alle heißen Quellen sind in einem Umkreise von 800 bis 900 Schritte vereint; mehrere derselben sind merkwürdig, die meisten aber unbedeutend.

Sie liegen in einem Winkel eines ungeheueren Thales am Fuße eines Hügels, hinter welchem sich eine Gebirgskette erhebt. Das Thal ist ganz mit Gras bewachsen, und die Vegetation ist nur unmittelbar in der Nähe der Quellen etwas geringer. – Auch liegen überall Kothen, ja die nächsten an den Quellen mögen kaum 7-800 Schritte davon entfernt sein.

Größere Becken und Kessel mit kochenden und springenden Quellen zählte ich zwölf; – kleinere noch mehr.

Unter den Springquellen zeichnet sich besonders der Strokker aus. Er kocht und wallt mit ganz außerordentlicher Heftigkeit in einer Tiefe von ungefähr 20 Fuß, schießt dann plötzlich auf, und wirft seine Strahlen in die Höhe. Ein solcher Ausbruch soll oft über eine halbe Stunde währen, und die Strahlen sollen oft bei 40 Fuß hoch gehen. Ich sah mehrere seiner Ausbrüche, aber leider nie einen in dieser vollen Herrlichkeit. Der stärkste Strahl, den ich sah, mochte höchstens 30 Fuß hoch gehen, und das Aufsteigen währte nie über eine Viertelstunde. – Der Strokker ist außer dem Gaiser die einzige Quelle, der man sich vorsichtig nahen muß. Die Ausbrüche folgen oft auf einander, setzen aber oft auch viele Stunden aus, und kündigen sich nicht an. – Eine andere Quelle springt beständig, aber nie über 3-4 Fuß. – Wieder eine andere liegt ungefähr 4-5 Fuß tief in einem ziemlich weiten Kessel, und wirft kaum einige zarte Bläschen auf. Diese Ruhe ist aber nur scheinbar; sie dauert oft nicht ½ Minute, höchst selten 2 bis 3 Minuten. Dann fängt die Quelle an zu brausen, zu wallen und zu kochen, und wirft 2 bis 3 Fuß hohe Strahlen, die jedoch nie die Höhe des Kessels erreichen. – In einigen Kesseln hörte ich wieder ein Kochen und Brausen, wie ein leises Brüllen, sah aber kein Wasser, oft nicht einmal viel Dampf aufsteigen.

Zwei der allermerkwürdigsten Quellen aber, wie man sie vielleicht in der ganzen Welt nicht sehen kann, liegen gleich oberhalb des Geisers, in zwei Oeffnungen, die durch eine kaum fußbreite Felswand geschieden sind. Diese Scheidewand erhebt sich aber nicht über die Oberfläche des Erdbodens, sondern geht nur in die Tiefe hinab; das Wasser kocht sehr schwach, und hat einen gleichmäßig langsamen Abfluß. Die außerordentliche Schönheit dieser Quellen besteht in ihrer merkwürdigen Durchsichtigkeit und Klarheit. All die manigfaltigen Formen und Höhlen, die vorspringenden Zacken und Ecken der Felsen sieht man weit hinab, bis sich der Blick in den Tiefen der Finsterniß verliert. – Noch schöner aber und wie dem Feenreiche entnommen wird diese Quelle durch eine herrliche Beleuchtung, die sich an den Felsen bildet. Es ist das zarteste, durchsichtigste, blaßgrün und blau spielende Licht, und gleicht dem Wiederscheine eines griechischen Feuers. – Das Merkwürdigste aber ist, daß dieses Farbenspiel von den Felsen auszugehen scheint, indem es sich nur 8 bis 10 Zoll weit davon erstreckt, und das übrige Wasser wieder farblos, wie das gewöhnliche, nur durchsichtiger und reiner ist.

Ich konnte das nicht glauben, und dachte, die Sonne müße doch auch mit im Spiele sein; ich ging daher zu den verschiedensten Zeiten an diese Quellen, theils wenn die Sonne hell leuchtete, theils wenn sie von Wolken ganz umhüllt war, ja selbst nach ihrem Untergange: – die Beleuchtung blieb immer dieselbe, immer das gleiche, überirdisch schöne Farbenspiel.

Man kann sich dem Rande dieser Quellen ungescheut nahen. Die Decke, welche sich unmittelbar an die Quellen schließt, und unter die man nach allen Seiten sehen kann, ist zwar nur eine dünne Felsplatte, aber doch stark genug, um jeden Einbruch zu verhüten. – Das Schöne und Ergreifende liegt, wie bereits gesagt, in der magischen Beleuchtung und in der Durchsichtigkeit, vermöge welcher alle Höhlen und Grotten bis zur größten Tiefe dem Auge sichtbar sind.

Unwillkührlich fiel mir Schillers Taucher ein. Ich meinte den Becher an den Spitzen und Zacken der Felsen hangen, – die Ungeheuer aus den Tiefen auftauchen zu sehen. – – An dieser Stelle das herrliche Gedicht zu lesen, müßte von ganz eigener Wirkung sein.

Kessel, in welchen Brodem oder farbige Wasser kochten, fand ich beinahe gar keine. Das Einzige, was ich der Art sah, war ein kleines Becken, in welchem eine braunrothe Substanz kochte, die etwas dichter war als Wasser. Ein noch kleineres Quellchen mit schmutzig braunem Wasser würde ich ganz übersehen haben, hätte ich nicht so emsig nach derlei Merkwürdigkeiten gesucht.

Endlich nach langem Harren und Warten, am zweiten Tage meines Aufenthalts am Geiser, am 27-ten Juni um halb 9 Uhr Morgens, war es mir vergönnt, einen Ausbruch des Geisers in seiner vollsten Pracht zu sehen. – Der Bauer, der täglich Früh und Abends kam, sich zu erkundigen, ob ich schon einen Ausbruch gesehen habe, war gerade bei mir, als sich die dumpfen Töne, welche denselben ankündigen, wieder hören ließen. – Wir eilten hinaus, und ich verlor abermals die Hoffnung etwas zu sehen; das Wasser überwallte nur, wie gewöhnlich, und das Getöse ließ schon nach. – Da aber begann auf einmal, als kaum die letzten Töne verstummt waren, die Explosion. – Diese zu schildern, weiß ich wirklich keine Worte zu finden. So etwas Großartigem, so ergreifend Schönem kann man nur einmal im Leben begegnen.

Alle meine Erwartungen und Vorstellungen wurden weit übertroffen. – Die Strahlen schoßen mit unbeschreiblicher Kraft, Heftigkeit und Wasserfülle empor; eine Säule stieg höher als die andere, eine schien die andere überbieten zu wollen. – Als ich nur einigermaßen mich von der Ueberraschung erholt hatte, und meiner Besinnung wieder mächtig war, sah ich auf das neben an stehende Zelt. – Wie klein, wie winzig klein, erschien es gegen die Höhen dieser Wassersäulen! Und doch hatte es bei 20 Fuß Höhe. Freilich lag es ungefähr 10 Fuß niedriger, als das Becken des Geisers; – hätte man aber Zelt auf Zelt gestellt, so konnten diese 10 Fuß doch nur das erstemal abgezogen werden, und ich berechnete nach meiner Ansicht, die wohl nicht die richtigste sein mag, daß man fünf und sechs Zelte auf einander hätte stellen können, um die gleiche Höhe zu erreichen. – Ohne Uebertreibung glaube ich behaupten zu können, daß der stärkste Strahl gewiß über 100 Fuß hoch stieg, und 3 bis 4 Fuß im Durchmesser hatte.

Glücklicher Weise hatte ich schon beim Beginn der dumpfen Töne, der Vorläufer des Ausbruches, auf die Uhr gesehen; während des Ausbruches selbst würde ich wohl darauf vergessen haben. – Das Ganze währte bei vier Minuten, von denen die größere Hälfte auf die eigentliche Eruption zu rechnen ist.

Als diese wunderbare Scene geendet hatte, geleitete mich der Bauer an das Becken. Wir konnten uns nun sowohl diesem, als dem Kessel ohne Gefahr nähern, und beide nach Gefallen betrachten und umgehen. – Zu besorgen war nichts mehr. Das Wasser war spurlos aus dem Becken verschwunden; wir stiegen hinein und naheten uns unmittelbar dem Kessel, in welchem das Wasser ebenfalls 7 bis 8 Fuß tief gesunken war, wo es heftig kochte und wallte.

Ich löste mittelst eines Hammers einige Krusten sowohl von dem Innern des Beckens, als auch des Kessels; die ersteren waren weiß, letztere braun. Auch das Wasser kostete ich; es hatte keinen unangenehmen Geschmack, und kann nur wenig Schwefeltheile enthalten, da auch der Dampf nicht darnach riecht.

Ich ging nun jede halbe Stunde zu dem Becken des Geisers, um zu beobachten, wie viel Zeit zur Füllung des Kessels und Beckens nöthig sei. – Nach der ersten Stunde konnte ich noch in das Becken steigen; als ich aber nach einer halben Stunde später kam, war der Kessel bereits gefüllt, und fing gerade an überzulaufen. So lange das Wasser nur den Kessel füllte, kochte es heftig auf, je mehr es aber in das Becken überfloß, desto weniger kochte es, und hörte beinahe ganz auf, nachdem das Becken angefüllt war; es warf nur hie und da kleine Bläschen.

Nach dem Verlaufe von ferneren zwei Stunden – es war gerade 12 Uhr Mittags – war das Becken beinah bis an den Rand gefüllt, und während ich noch an selbem stand, fing das Wasser wieder an, sich heftig aufzuwerfen, und die dumpfen Töne von sich zu geben. Ich hatte kaum Zeit zurück zu springen, denn allsogleich erhoben sich die Strahlen. Sie stiegen dießmal während des Brüllens empor, und waren noch wasserreicher, als jene der ersten Explosion, was wohl daher kommen mochte, weil sie nicht so hoch sprangen, und daher dichter beisammen blieben. – Ihre Höhe mochte bei 40 und 50 Fuß betragen. Kessel und Becken blieben dießmal nach dem Ausbruche beinahe eben so gefüllt, wie vorher.

Somit hatte ich nun zwei Explosionen des Geisers gesehen, und fühlte mich bereits reichlich entschädigt für meine unermüdete Geduld und Wachsamkeit. Aber ich sollte noch glücklicher sein, und seine Ausbrüche in allen Formen und Gestalten kennen lernen; – er sprang abermals um 7 Uhr Abends, stieg höher als Mittags, und führte dießmal einige Steine mit, die in der weiß schäumenden Wassersäule gerade wie schwarze Flecken und Punkte aussahen. – Und wieder ein anderes Schauspiel gewährte er in der dritten Nacht. – Da erhob sich das Wasser in furchtbaren, schnell auf einander folgenden Wallungen, ohne Strahlen zu werfen; das Becken floß stark über, und es erzeugte sich eine solche Masse von Dampf, wie ich noch nie gesehen. Zufällig trieb ihn der Wind gerade der Gegend zu, wo ich stand, und da hüllte er mich so dicht ein, daß ich kaum einige Fuß weit sehen konnte. Ich fühlte jedoch weder einen Geruch, noch eine Beängstigung, sondern nur einen geringen Grad von Wärme.

28. Juni.

Da ich nun den Geiser schon so oft und auch so schön hatte spielen gesehen, bestellte ich meine Pferde auf heute 9 Uhr Früh zur Weiterreise. Ich eilte um so mehr aus der Nähe des Geisers, da ein holländischer Prinz erwartet wurde, der erst kürzlich mit großem Gefolge in einer schönen Kriegsfregatte zu Reikjavik angekommen war.

Noch hatte ich das Glück, vor meiner Abreise, um halb neun Uhr, abermals einen Ausbruch zu sehen, und zwar einen beinah eben so schönen, als der erste war. – Auch dießmal war das Becken ganz und der Kessel bis auf eine Tiefe von 6 bis 7 Fuß geleert. Ich konnte daher nochmals in das Becken treten, und dem Geiser unmittelbar am Kessel selbst »Lebewohl« sagen, was ich natürlich auch that.

Ich war nun drei Nächte und zwei Tage beständig in unmittelbarer Nähe des Geisers gewesen, und hatte im Ganzen fünf Ausbrüche erlebt, von welchen zwei zu den bedeutendsten gehörten; doch kann ich auf mein Wort versichern, nicht Alles so gefunden zu haben, wie ich es mir nach den vernommenen Erzählungen und Beschreibungen vorstellte. – Ich hörte nie ein größeres Geräusch, als ich es bereits anfänglich beschrieb, und fühlte von einem Erzittern der Erde nie das Geringste, obwohl ich stets mit gespanntester Aufmerksamkeit auf Alles achtete und mein Ohr sogar während einer Explosion an den Boden hielt.

Es ist wirklich merkwürdig, wie manche Leute Alles nachreden, was sie von Andern hören, und wie Andere wieder in ihrer erhitzten Fantasie selbst Sachen zu sehen, zu hören und zu empfinden sich einbilden, die gar nicht vorhanden sind, – – und wie endlich noch Andere geradezu die unverschämtesten Lügen erzählen. – So traf ich z. B. in Reikjavik im Hause des Apothekers Möller einen Marine-Offizier von der französischen Fregatte, welcher behauptete, »er sei bis unmittelbar an den Krater des Vesuv's geritten.« – Er dachte wohl nicht in Reikjavik mit Jemanden zusammen zu treffen, der ebenfalls am Krater des Vesuv's gewesen war. – Nichts ärgert mich mehr als dergleichen Lügen und Prahlereien. Ich konnte mich daher nicht enthalten zu fragen, wie er das angestellt habe; – ich sei auch dort gewesen, scheue gewiß so wenig eine Gefahr wie er, und hätte mich doch bequemen müssen, am Kogel des Vesuv's von dem Esel zu steigen, und mich von meinen Füßen hinauf tragen zu lassen. – Er schien nun freilich ein wenig verlegen und meinte, »er habe sich versprochen, er habe nur sagen wollen, bis beinahe an den Krater«; – doch wette ich darauf daß er diese Lüge noch oft erzählen, und sie endlich selbst glauben wird.

Bevor ich den Geiser verlasse, kann ich nicht umhin, meinen Lesern einige Kleinigkeiten zu erzählen, die mir da wiederfuhren. Ich hoffe ihre Geduld nicht allzusehr zu ermüden. – Von einem so wenig bekannten Lande interessirt oft das Geringste, und aus unbedeutenden Vorfällen kann man oft am Besten auf die eigenthümlichen Eigenschaften der Bewohner schließen.

Von meinem betrunkenen Cicerone habe ich bereits erzählt; und heute noch ist es mir ein Räthsel, wie er mich in einem solchem Zustande so sicher umherführen konnte; – wäre er nicht der einzige zu haben gewesen, ich hätte mich ihm gewiß nicht anvertraut.

Als er das Zelt errichtet hatte, ließ ich mir einen Kotzen und einen Polster bringen, um der Feuchtigkeit des Bodens weniger ausgesetzt zu sein, – prosit die Mahlzeit – – es sollte mir noch schlimmer ergehen. – Aus dem Polster kroch ein ganz kleines Würmchen, in welchem ich Anfangs eine Bereicherung meiner Sammlung gefunden zu haben vermeinte, welches ich aber bei genauerer Besichtigung zu meinem Entsetzen für eine Made erkannte. – Mehrere dieser lieblichen Thierchen folgten noch nach. – Natürlich warf ich Polster und Kotzen allsogleich wieder zum Zelte hinaus.

Reinlichkeit ist bei den Isländern durchaus nicht zu finden; Alle sind im höchsten Grade ekelhaft. So zog z. B. ein zwölfjähriges Mädchen, das mir immer Schmetten (Obers) und frisches Wasser brachte, in meiner Gegenwart den Stöpsel aus der Flasche, um das daran klebende Obers mit der Zunge abzulecken, und wollte solchen dann wieder auf die Flasche thun.

Oft saß sie halbe Stunden lang an meiner Seite; da geschah es denn mitunter, daß sie vom Ungeziefer auf dem Kopfe belästiget wurde; sie suchte und fing es, sah es ganz phlegmatisch an, und wollte es gleich nebenan auf den Boden werfen. – Da ziehe ich in diesem Punkte noch die Grönländer vor, die speisen es doch sogleich auf, und man ist wenigstens vor einer Erbschaft gesichert. – Ueberhaupt haben die Isländer durchaus keinen Begriff und kein Gefühl des Schicklichen. Wollte ich alle Ekelhaftigkeiten, die ich sah, erzählen, ich könnte noch manche Seite damit füllen.

Nie werde ich begreifen können, daß dieses Volk einst durch Wohlhabenheit, durch Tapferkeit und Bildung ausgezeichnet war. – Ich setze z. B. im Schicklichkeits-Gefühle die Isländer den Beduinen und Arabern weit nach.

Meine heutige Reise ging nur sechs Meilen weit, nach Skalholt.

Die erste Meile gingen wir denselben Weg zurück, den wir gekommen waren; dann wendeten wir uns links und durchwanderten das ganze schöne und lange Thal, in welchem der Geiser liegt. – Meilenweit sahen wir von dieser Seite noch seine Dampfsäulen aufsteigen. – Die Wege waren nur gut, wo sie sich an den Seiten der Hügel und Berge fortzogen; in den Ebenen waren sie meistens sumpfig und voll Wasser. Wir verloren oft jede Spur des Weges, und ritten nur der Gegend zu, dabei mußten wir bei jedem Schritte befürchten einzusinken, so weich und nachgiebig war der Boden.

Ich fand die Trägheit der isländischen Bauern wirklich unverzeihlich. Alle Thäler, die wir durchzogen, waren eigentlich große, reich mit Gras bewachsene Sümpfe. Träten nun die einzelnen Gemeinden zusammen, um Gräben zu ziehen und sie trocken zu legen, so würden sie die schönsten Wiesen erhalten. Dieß beweisen die vielen Abhänge, wo das Wasser abläuft; – da herrscht üppiger Graswuchs, da gedeihen schöne Wiesenblumen und Kräuter, ja selbst wilder Klee. – Meist stehen auf diesen Abhängen auch einige Kothen.

Bevor wir noch das Oertchen Thorfastädir erreichten, erblickten wir schon den Hekla, umgeben von schönen Jokuln.

In Thorfastädir kam ich gerade zu einem Begräbnisse. Als ich in die Kirche trat, waren die Leidtragenden eben beschäftigt, sich gegenseitig mit Brandwein Muth und Trost einzutrinken. Freilich lautet das Gesetz, daß dieß nicht in der Kirche geschehen soll; – doch hielten sich alle Leute an das Gesetz, zu was wären die Richter? – Gewiß denken die Isländer so; sonst würden sie diesen Unfug unterlassen.

Endlich kam der Priester. – Nun wurde ein Psalm oder ein Gebet – ich verstand nichts davon, da es isländisch war – unter Anleitung eines Vorbeters von dem Priester und von mehreren Auserwählten – Bauern – derart herab geschrieen, daß die guten Leute ganz erhitzt wurden, und völlig außer Athem kamen. – Hierauf stellte sich der Priester an den Sarg, der aus Mangel an Raum auf die Lehnen der Bänke gestellt worden war, und las da mit lauter Stimme ein Gebet ab, das über eine halbe Stunde dauerte. Die Funktionen im Innern der Kirche waren hiemit beendet, und die Leiche wurde nun in Begleitung des Priesters und der Anwesenden um die Kirche herum dem Grabe zu getragen. Letzteres war von einer Tiefe, wie ich noch nirgends gesehen. – Als die Leiche hineingesenkt worden war, warf der Priester dreimal Erde darauf; von den Leidtragenden that aber dieß Niemand. – Unter der herausgegrabenen Erde befanden sich vier Todtenschädel, mehrere Gebeine, und ein Stück Brett von einem einstigen Sarg. Alles wurde dem so eben eingesenkten nachgeworfen, und das Grab im Beisein des Priesters und des Volkes zugeschaufelt. Ein Mann trat dabei die Erde fest; dann wurde ein Leichenhügel aufgerichtet, und mit Rasenstücken, die schon bereit lagen, überdeckt. Die ganze Arbeit ging mit beispielloser Raschheit von Statten.

Das Oertchen Skalholt, meine heutige Nachtstation, war in religiöser Beziehung einst so berühmt, wie Thingvalla in politischer. – Hier ward, bald nach Einführung der christlichen Religion, das erste Bisthum im Jahre 1098 gegründet; auch soll die hiesige Kirche eine der größten und reichsten gewesen sein. – Jetzt ist Skalholt ein erbärmliches Nest; es besteht aus einer mittelgroßen hölzernen Kirche – die vielleicht 100 Personen fassen mag – und 3-4 Kothen, und hat nicht einmal seinen eigenen Geistlichen, sondern gehört nach Thorfastädir.

Das Erste, als ich ankam, war, die noch vorhandenen Reste der Vergangenheit zu besehen. – Man zeigte mir vor Allem ein Bildniß in Oehl gemalt, das in der Kirche hängt und den ersten Bischof von Skalholt, Thorlakur, darstellen soll, der wegen seines strengen und frommen Lebenswandels beinahe als Heiliger verehrt wurde.

Hierauf wurden Anstalten gemacht, am Altar die großen Stufen, und mehrere Bretter vom Fußboden wegzuräumen. – Erwartungsvoll stand ich daneben und dachte an nichts anderes, als nun in eine Gruft steigen zu müssen, und darin den einbalsamirten Körper des Bischofes zu finden. – Ich muß gestehen, daß mir diese Aussicht gerade nicht sehr angenehm erschien, wenn ich an die herannahende Nacht dachte, die ich in dieser Kirche, vielleicht gerade ober dem Todten-Gerippe, zubringen mußte. – Ich hatte an dem heutigen Tage ohnehin schon zu viel mit Verstorbenen zu thun gehabt, und konnte den garstigen Leichengeruch, den ich in Thorfastädir einsog, gar nicht mehr aus meinen Kleidern und aus meiner Nase bannen. [1] – Wie erfreut war ich daher, statt der gefürchteten Gruft und Mumie, nur eine große Marmorplatte zu Gesichte zu bekommen, auf der die üblichen Anzeigen der Geburt, des Todes u. s. w. dieses Bischofes standen.

Noch zeigte man mir ein altes gesticktes Meßkleid, und einen einfachen goldenen Kelch, die beide aus jenen Zeiten herstammen sollen.

Dann stiegen wir in die sogenannte Rumpelkammer, die nur durch Bretter von dem untern Theile der Kirche geschieden ist, und sich bis gegen den Altar zu zieht. Hier befinden sich die Glocken und die Orgel wenn nämlich die Kirche etwas derart besitzt, die Lebensvorräthe, und eine Menge Geräthschaften verschiedener Art u. s. w. – Man öffnete da eine ungeheure Kiste, die große Stücke Talg, der in Form von Käsen gegossen war, enthielt, hob diese heraus, und kam auf die Bibliothek, in welcher ich einen sehr interessanten Fund machte. Ich fand nämlich unter mehreren sehr alten Büchern in isländischer Sprache, drei dicke Folianten, die ich ganz bequem lesen konnte; – sie waren deutsch, und enthielten Luthers Lehren, Briefe, Episteln u. s. w.

Jetzt hatte ich aber auch Alles gesehen. – Ich konnte nun auch auf meine leiblichen Bedürfnisse denken, und mir etwas heißes Wasser zum Kaffeeaufgusse bringen lassen u. s. w. Abermals pflanzten sich sämmtliche Einwohner des Oertchens vor und in der Kirche auf, vermuthlich um an mir das Studium ihrer Menschenkenntniß zu bereichern. Doch bald sperrte ich die Thür zu, und bereitete mir ein prächtiges Lager. Schon bei meinem ersten Eintritte in die Kirche hatte ich an einer der Wände einen langen Verschlag bemerkt, der ganz mit Schafwolle angefüllt war; auf diese warf ich meinen Polster, und da lag ich so warm und so weich, wie in dem besten Bette. – Des Morgens krauste ich die Wolle wieder sorgfältig auf, und kein Mensch hätte nun errathen können, wo ich eigentlich die Nacht zugebracht habe.

Nichts kam mir bei meinen derartigen Nachtquartieren komischer vor, als die Neugierde der Leute, die stets, nachdem ich des Morgens die Thür aufgeschlossen hatte, herein stürmten. Das erste, was sie zu einander sagten, war: »Kvar hefur hún sovid« (wo hat sie denn geschlafen?) Die guten Leute konnten durchaus nicht begreifen, wie es mir möglich sei, die ganze Nacht allein in einer Kirche mitten auf dem Friedhofe zuzubringen; sie hielten mich vielleicht für einen halben Geist oder wohl gar für eine Zauberin, und hätten gar zu gerne gewußt, wo denn dieses Geschöpf gehaust habe. – Wenn ich dann ihre verblüften Gesichter gesehen hatte, mußte ich mich immer umwenden, um nicht laut aufzulachen.

29. Juni.

Früh, zeitlich des Morgens setzte ich meine Reise wieder fort. Unweit Skalholt kamen wir an den Fluß Thiorsa, der ziemlich tief und sehr reißend ist. Wir wurden in einem Boote übergesetzt; die Pferde mußten durchschwimmen. Es braucht oft viel Mühe diese Thiere in solche Ströme zu bringen; sie entdecken gleich, daß sie da schwimmen müssen. – Führer und Bootsmann dürfen sich nicht eher vom Ufer entfernen, als bis sie vom Strome erfaßt sind, und selbst dann noch müssen sie ihnen Steine nachwerfen, mit der Peitsche drohen, und sie durch Lärmen und Geschrei erschrecken, damit sie nicht wieder umkehren.

Nachdem wir ungefähr drei Meilen auf größtentheils sumpfigen Wegen zurückgelegt hatten, kamen wir zu einem schönen Wasserfalle des Huitha. – Dieser Fall war nicht so sehr durch seine Höhe – die betrug kaum 15 bis 20 Fuß, – als vielmehr durch seine Breite und Wasserfülle ausgezeichnet. – Einige schöne Felsentrümmer sind an der Kante des Sturzes derart gelagert, daß sie ihn auf Augenblicke in drei Theile theilen; doch unter ihnen vereinigt sich der Sturz gleich wieder. – Das Bett dieses Flußes besteht, so wie auch seine Ufer, aus Lava.

Merkwürdig ist an diesem Flusse die Farbe des Wassers; sie spielt so sehr in's Milchweiße, daß wenn die Sonne darauf scheint, wirklich keine starke Einbildungskraft dazu gehört, die ganze Flüssigkeit für Milch zu halten.

Eine kleine ¼ Meile oberhalb des Wasserfalles muß man den Huitha, der einer der bedeutendsten Flüsse Island's ist, in einem Boote übersetzen. – Dann zieht sich der Weg durch Wiesen, die jedoch weniger versumpft sind, als ihre Vorgängerinen, bis zu einem großen Lavastrome, durch den man an die Nähe des fürchterlichen Feuerspeiers Hekla erinnert wird.

Noch waren mir in Island keine so großen Strecken, wie vom Thale des Geisers bis hierher, vorgekommen, die ich hätte durchziehen können, ohne auf Lavaströme zu stoßen. – Und selbst dieser hier schien für die schönen Wiesen einiges Mitleid zu empfinden; er theilte sich an mehreren Stellen in zwei Arme, und umschloß so die lachende Flur. Doch auf lange hatte er wahrscheinlich den nachstürmenden Massen nicht widerstehen können; er ward mit fortgerissen, um überall hin Tod und Vernichtung zu tragen. – Flächen, die mit dunklem Sande überdeckt waren, und steile Hügel, die sich dazwischen lagerten, machten den Weg etwas mühevoll und beschwerlich.

So ging es fort bis zu dem Oertchen Struvellir, wo wir anhielten und unsere Pferde einige Stunden ruhen ließen. Wir trafen hier eine große Versammlung von Menschen und Thieren. [2] Es war gerade Sonntag, und noch dazu ein recht warmer, sonnenklarer, und da wurde in der hübschen Kirche großer Gottesdienst gehalten. – Nach Beendigung desselben sah ich eine recht artige, ländliche Scene. Die Leute strömten alle aus der Kirche – ich zählte 96 Personen – eine unerhörte Versammlung für Island – theilten sich in verschiedene Gruppen, und schwatzten und schäckerten, wobei sie jedoch nicht vergaßen, ihre Kehlen mit Brandwein zu befeuchten, von dem sie bedeutende Quantitäten zur Vorsorge mitgenommen hatten. Dann zäumten sie ihre Pferde, und schickten sich zu ihrer Abreise an. Nun regnete es Küsse von allen Seiten und das Abschiednehmen hatte kein Ende, – die Armen wissen ja nie, ob und wann sie sich wieder zusammen finden.

In ganz Island besteht Willkomm und Abschied in einem derben Kusse, – ein Gebrauch der für den Nicht-Isländer sehr ekelhaft ist, wenn er einen Blick auf die häßlichen, schmutzigen Gesichter, auf die tabaktriefenden Nasen der Alten und auf die ....... der Kinder wirft. Jedoch für den Isländer hat dieß nichts auf sich. Alle küßten den Priester und er wieder sie, dann küßten sie sich untereinander, und so ging es fort und fort. Es herrscht hierbei nicht einmal Rangunterschied, und ich war nicht wenig erstaunt zu sehen, wie mein Führer, ein ganz gewöhnlicher Bauersknecht, ein halb Dutzend Töchter eines Sysselmanns küßte, oder die Frau und die Kinder irgend eines Pastors, oder den Sysselmann, den Pastor oder Probst selbst, und wie diese seine Küsse eben so herzlich erwiederten. – Ländlich, sittlich.

Die Ceremonieen in der Kirche fangen gewöhnlich erst gegen Mittag an und dauern zwei auch drei Stunden. – Die Lebhaftigkeit vor der Kirche ist deßhalb so groß, weil es nirgend eine Gaststube gibt, in der man sich versammeln, oder einen Stall, in den man die Pferde sperren könnte. Alles muß unter freiem Himmel bleiben.

Als der Gottesdienst beendet war, besuchte ich den Priester, Herrn Horfuson; er war so gütig, mir seine Begleitung nach dem zwei Meilen entfernten Oertchen Sälsun anzutragen, hauptsächlich um dort für mich mit einem Führer nach dem Hekla zu unterhandeln.

Ich war doppelt froh, diesen guten Mann an meiner Seite zu haben, da wir einen sehr gefährlichen Strom zu passiren hatten, der sehr reißend und so tief war, daß er den Pferden bis an die Brust reichte. Trotz dem, daß wir die Füße so viel als möglich hinauf zogen, wurden wir dennoch tüchtig durchnäßt. – Eine derlei Partie gehört zu den unangenehmsten, die ich kenne. – Das Pferd schwimmt mehr als es geht, und dieß erzeugt eine höchst widerliche Empfindung. Man weiß gar nicht, wohin man sehen soll; sieht man in den Strom, so wird man sehr leicht vom Schwindel erfaßt, und sieht man nach dem Ufer, so ist es auch nicht viel besser, denn dieses scheint sich ordentlich zu bewegen und davon zu gleiten, was natürlich daher rührt, weil das Pferd, von der Strömung erfaßt, ein Stück abwärts gerissen wird. – Zu meiner großen Beruhigung ritt der Priester an meiner Seite, um mich zu erfassen, wenn ich mich auf dem Pferde nicht mehr sollte erhalten können. – Glücklich überstand ich auch diese Feuer- – nein – Wasserprobe, und als wir das jenseitige Ufer erreicht hatten, machte mich Herr H. aufmerksam, wie weit wir von der Strömung waren mitgerissen worden.

Das Thal, in welchem Sälsun und der Hekla liegen, ist eben wieder eines derjenigen, die man nur in Island finden kann. – Es umfaßt die größten Contraste. Da sind wunderliebliche Fluren, wie mit einem prächtigen sammtgrünen Teppiche überzogen, dort wieder Hügel von schwarzer, glänzender Lava; – ja die Wiesen selbst sind durchschnitten von Lavaströmen und Sandflächen. Bekanntlich hat der Hekla die schwärzeste Lava und den schwärzesten Sand; hier ist nun Alles von ihm, Hügel und Berg, Lava und Sand; und man kann sich denken, wie das aussieht. Ein einziger Berg an der linken Seite des Hekla ist rothbraun, und mit Sand und Gerölle von derselben Farbe ganz bedeckt. In der Mitte ist er stark eingesunken, und scheint einen großen Krater zu bilden. – Der Hekla selbst schließt sich unmittelbar an die rund um ihn her aufgethürmten Lavaberge, und erscheint von hier gesehen auf ihnen, wie ein höherer Aufsatz. Er ist von mehreren Gletschern umgeben, deren glänzende Schneefelder sich tief herab neigen, und deren Flächen wohl nie von einem menschlichen Fuße betreten wurden. Mehrere seiner Seitenwände waren ebenfalls mit Schnee bedeckt. Links im Thale bei Sälsun, und am Fuße eines Lavahügels liegt ein lieblicher See, an dessen Ufer eine bedeutende Schafheerde gelagert war. – Unweit davon steht ein schöner Berg, so vereinzelt und abgesondert, als ob er von seinen Nachbarn verstoßen und hierher gewiesen worden wäre. – Ueberhaupt ist die Ansicht dieser ganzen Landschaft so echt isländisch, so eigen und merkwürdig, daß sie gewiß für immer meinem Gedächtnisse eingeprägt bleiben wird.

Das Oertchen Sälsun liegt am Fuße des Vorgebirges Hekla; man sieht es aber erst, wenn man es schon beinahe erreicht hat.

Als wir zu Sälsun angelangt waren, war das Erste, einen Führer zu suchen, und Alles zur Besteigung des Hekla vorzubereiten und auszuhandeln. Der Führer hatte für mich ein Pferd zu schaffen, und mich nebst meinem frühem Führer bis auf die Spitze des Hekla zu geleiten. – Er begehrte 5 Thaler und 2 Mark, nach unserem Gelde 5 fl. 20 kr. CM., eine unverschämte Forderung, – für das Pferd rechnete er nur 20 kr., für sich selbst 5 fl., – eine Summe, mit der er gewiß einen ganzen Monat leben konnte. – Doch was war zu machen? Ein anderer Führer war nicht zu finden, das wußte er wohl, und so mußte ich in Gottes Namen einwilligen. – Nachdem Alles geordnet war, empfahl sich mein gütiger Beschützer, mir viel Glück zur morgigen beschwerlichen Reise wünschend.

Ich sah mich nun nach einer Stelle um, wo ich die Nacht zubringen konnte; – ach, ein ekelhaftes Loch ward mir zu Theil. Man stellte mir eine Truhe hinein, die etwas kürzer war als meine Person, die sollte mir zur Schlafstelle dienen; neben ihr hing ein mehr als ellenlanger halb verfaulter Fisch, der bereits das ganze Gemach mit seinem Gestank verpestet hatte. Ich konnte kaum Athem holen, und mußte, da keine andere Oeffnung vorhanden war, die Thüre offen lassen, und derart die zahlreichen Besuche der liebenswürdigen Einwohner empfangen. – Wahrhaftig eine schöne Erholung und Stärkung für die morgende Reise!

Am Fuße des Hekla, und besonders in dieser Gegend, scheint Alles unterhöhlt zu sein. – Solch dumpfe dröhnende Töne, wie sie hier den schweren Fußtritten der Bauern nachhallten, hörte ich weder auf dem Vesuv, noch sonst wo. – Diese Töne machten einen besonders schauerlichen Eindruck auf mich, da ich in der Nacht so ganz allein in diesem finstern Loche eingeschlossen war.

Mein Hekla-Führer – ich nenne ihn so zum Unterschiede meines andern – meinte, daß wir Morgens um zwei Uhr aufbrechen sollten. Ich war vollkommen damit einverstanden, wußte aber schon voraus, daß wir um fünf Uhr auch noch nicht zu Pferde sitzen würden.

Wie gedacht, so geschehen. Erst um halb sechs Uhr waren wir vollkommen ausgerüstet, und zum Aufbruche bereit. Außerdem, daß wir Brod und Käse, eine Flasche Wasser für mich und eine Flasche Brandwein für meine Führer mitnahmen, hatten wir uns auch mit langen Stöcken, die unten in eisernen Spitzen ausgingen, versehen, um damit den Schnee sondiren, und uns auf sie stützen zu können.

Der schönste, wärmste Morgen begünstigte uns, und guten Muthes galoppirten wir über die Wiesen, und die daran stoßenden Sandflächen. Mein Führer nahm dieß schöne Wetter für eine besonders glückliche Vorbedeutung; er sagte mir, daß Herr Geimard – der bereits erwähnte französische Gelehrte und Naturforscher – drei Tage auf schönes Wetter habe warten müssen. – Dieß sei nun schon neun Jahre, und seitdem habe Niemand den Hekla erstiegen. Ein Prinz von Dänemark, der vor einigen Jahren ganz Island bereiste, sei zwar auch da gewesen, aber unverrichteter Sache wieder weiter gezogen.

Der Weg führte anfänglich, wie gesagt, über eine schöne Wiese, und dann über Flächen von schwarzem Sande, die von allen Seiten von Strömen, Hügeln und Bergen aufgethürmter Lava umfangen sind. Immer mehr und mehr rücken diese furchtbaren Massen zusammen, und gewähren oft kaum den Ausweg durch eine enge Schlucht; da muß man über Lava-Blöcke klettern, Hügel und Berge erklimmen, und findet kaum ein Plätzchen, den Fuß fest zu stellen. Lava rollte neben und hinter uns, und wir mußten sehr auf der Hut sein, nicht selbst zu rollen, oder von der rollenden Lava getroffen zu werden. Das Gefährlichste waren aber die mit Schnee ausgefüllten Schluchten, über die wir setzen mußten; der Schnee war, durch die Wärme der vorgerückten Jahreszeit, doch schon erweicht worden, und so sanken wir beinahe bei jedem Schritte ein, oder was noch schlimmer war, glitten oft mehr zurück als wir vorwärts kamen. Ich glaube kaum, daß es einen zweiten Berg geben kann, bei dessen Ersteigung man mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat.

Nachdem wir nach vierthalbstündiger Mühe den letzten Höhen des Berges nahe kamen, mußten wir auch die Pferde zurück lassen. – Ich hätte dieß zwar schon lange gethan, da mich die armen Thiere erbarmten, wie sie über die Abhänge, man könnte beinahe sagen, über diese rollenden Berge, mehr fielen als kletterten, aber mein Hekla-Führer ließ es nicht zu. Theilweise kamen doch Stellen, wo wir sie benützen konnten, und dann behauptete er, müsse ich so weit als möglich reiten, um den nachfolgenden Beschwerden gewachsen zu sein. – Und er hatte recht; – ich glaube kaum, daß ich es ausgehalten hätte, all diese Strecken zu Fuß zurück zu legen; denn wenn man schon glaubt den letzten Höhen des Berges ganz nahe zu sein, lagern sich abermals Hügel und Ströme von Lava dazwischen, und man sieht sich vom Ziele entfernter als zuvor.

Mein Führer sagte mir, daß er noch nie Jemanden zu Pferde so weit geführt habe, wie mich. – Ich glaube es gerne, – schon das Gehen war schrecklich, das Reiten aber wahrhaft fürchterlich!

Auf jeder erkämpften Höhe entrollten sich neue Bilder der ödesten, traurigsten Gegend. Alles war starr und todt, überall ausgebrannte schwarze Lava. – Es war ein schmerzliches Gefühl, so weit zu sehen, und doch nichts zu erschauen, als eine steinige Wüste, ein unermeßliches Chaos.

Noch hatten wir zwei Höhen zu erklimmen, – es waren die letzten, aber auch die schrecklichsten. Da ging es steil über Lavamassen, die ordentlich stachelig waren, und die ganze Spitze des Berges bedeckten. – Wie oft ich da fiel, und wie oft ich mir die Hände an den feinen Zacken der Lava aufritzte, kann ich gar nicht sagen. Ach! es war eine gräßliche Partie.

Die blendende Weiße des Schnees wirkte beinahe blind machend gegen die glänzend schwarze Lava daneben. Wenn ich Schneefelder ersteigen mußte, sah ich nach der Lava gar nicht hinüber; ich hatte es einigemal versucht, und hätte darauf bald meinen Weg nicht mehr gesehen, ich wäre schneeblind geworden.

Endlich nach abermaligem zweistündigem Klettern war die Spitze des Berges erstiegen. – Ich stand nun auf dem Hekla, und suchte vor Allem den Krater auf der schneelosen Spitze, und – fand ihn nicht. Ich war um so mehr erstaunt auf dem Hekla keinen Krater zu finden, da ich in einigen Reisebeschreibungen ganz ausführliche Berichte davon gelesen hatte.

Ich umging die ganze Spitze des Berges, ich kletterte bis zu dem anstoßenden Jokul – nirgends bemerkte ich eine Oeffnung, einen Riß, eine eingedrückte Wand, oder sonst irgend ein Anzeichen eines Kraters. Nur an den etwas tiefer gelegenen Seiten des Berges, aber durchaus nicht an dem eigentlichen Kogel, sah ich weite Risse und Schlünde, aus welchen sich wahrscheinlich die Lavaströme ergossen haben werden.

Die Höhe des Berges soll 4300 Fuß betragen.

Schon während der letzten Stunde unseres Hinaufklimmens hatte sich die Sonne verdunkelt. Nebelwolken stürmten von den nahen Gletschern herüber, verbargen die Ferne, und hüllten bald auch uns dermaßen ein, daß wir kaum zehn Schritte weit sehen konnten. Endlich lösten sie sich auf, – aber glücklicher Weise nicht in Regen, sondern in Schnee, der in reichlicher Menge die schwarze krause Lava mit großen Flocken überstreute. – Der Schnee blieb liegen, und der Thermometer wies 1 Grad Kälte.

Nach und nach erschien der Himmel wieder in seinem unnachahmlichen zarten Blau, und auch die Sonne säumte nicht länger uns zu erfreuen. Ich blieb oben auf der Spitze des Berges, bis die Wolken auch in der Ferne sich theilten und mir eine willkommene Rundansicht gestatteten.

Solch ein Bild, wie ich es hier sah, meinen Lesern zu versinnlichen, ihnen die Zerstörung, Ausdehnung und Anhäufung dieser Lavamassen zu beschreiben, ist leider meine Feder viel zu schwach. – Ich meinte in einem Krater zu stehen, das Ganze schien mir ein ausgebrannter Feuerherd. – Hier waren Lavamassen übereinander gethürmt zu steilen unersteigbaren Bergen, – dort füllten versteinerte Ströme, deren Breite und Länge ich gar nicht ersehen konnte, unermeßliche Thäler. – Alles war über- und durcheinander geworfen, und doch unterschied man wieder deutlich die Bahn der letzteren Ausbrüche.

Man ist in der Mitte der gräßlichsten Schluchten, Höhlen, Ströme, Thäler und Berge; man faßt es kaum, wie es möglich gewesen sei, bis hierher zu dringen, und wird von Angst und Entsetzen ergriffen bei dem unwillkührlich sich aufdringenden Gedanken, vielleicht nimmer wieder aus diesem gräßlichen Labyrinthe hinaus finden zu können.

Hier, von der Spitze des Hekla konnte ich weit hinein in das unbewohnte Land sehen – das Bild einer erstarrten Schöpfung, todt und regungslos, und doch dabei so einzig großartig, – ein Bild, das, nur einmal gesehen, nie mehr dem Gedächtnisse entschwindet, und dessen Erinnerung allein schon für alle ausgestandenen Beschwerden und Gefahren reichlich entschädiget! Eine ganze Welt von Gletschern, Lavamassen, Schnee- und Eisfeldern, Flüßen und kleinen Seen liegt da aufgeschlossen, nie hat es ein menschlicher Fuß gewagt, ihr Inneres zu betreten. – Wie muß es da gewüthet und gearbeitet haben, bis solche Gestaltungen geschaffen wurden? – Und wird es nun genug damit sein? – Hat das Element ausgetobt, oder ruht es nur, gleich der hundertköpfigen Hydra, um mit verdoppelter Kraft wieder hervor zu brechen, und auch noch jene Gegenden zu verwüsten, die ohnehin schon, so weit dem Meere zugedrängt, sich nur als bescheidener Kranz um das Innere des Landes winden. – Ich danke Gott, daß er mich dies Chaos seiner Schöpfung schauen ließ; aber doppelt danke ich ihm, daß er mich in Gefilden leben läßt, wo die Sonne mehr zu thun hat, als nur den Tag zu schaffen; wo sie wirkend und wärmend Pflanzen und Thiere belebt, und das Herz des Menschen zur Freude und zum Dank gegen den Schöpfer stimmt. [3]

Die Westmanns-Inseln, die man vom Hekla aus erblicken soll, konnte ich nicht finden, wahrscheinlich waren sie von Wolken verdeckt.

Schon während der Besteigung des Hekla hatte ich häufig die Lava berührt, theils unfreiwillig, wenn ich fiel, theils freiwillig, um eine heiße oder wenigstens warme Stelle zu finden. – Ich war so unglücklich auf lauter kalte zu treffen. Nichts konnte mir daher erwünschter kommen, als der so eben gefallene Schnee. Ueberall sah ich begierig herum, ein Plätzchen zu entdecken, wo ihn die unterirdische Hitze nicht dulden würde. – Dahin wäre ich dann geeilt, und das Gesuchte wäre gefunden gewesen. – Leider blieb der Schnee an allen Orten liegen. Auch Rauchwolken sah ich nirgend aufsteigen, obwohl ich stundenlang meine Augen nicht von dem Berge wendete, den ich hier auch von allen Seiten bis tief hinab ganz überschauen konnte.

Als wir hinab stiegen, fanden wir in einer Tiefe von 5-600 Fuß den Schnee im Schmelzen; noch tiefer rauchte der ganze Berg, eine Erscheinung, die ich für eine Folge der plötzlich eingetretenen Sonnenwärme hielt; mein Thermometer zeigte nämlich jetzt neun Grade Wärme. Ich beobachtete sie häufig auch an Bergen, die nicht zu den Feuerspeiern gehörten. – Die Stellen, wo der Rauch aufstieg, waren ebenfalls kalt.

Die eigentliche glatte, kohlschwarze, glänzende und durchaus nicht poröse Lava findet man nur auf dem Hekla selbst und in seinen nähern Umgebungen. Doch ist nicht alle Lava so; man sieht auch zackige, glasige und poröse; jede ist aber schwarz, so wie ebenfalls der Sand, welcher eine Seite des Hekla überdeckt. Je weiter Lava und Sand von diesem Berge entfernt sind, desto mehr verlieren sie jene Schwärze, und ihre Farbe geht ins eisenfarbige, ja sogar ins lichtgraue über; manche Lava behält jedoch, selbst bei dieser lichten Farbe, den Glanz und die Glätte der schwarzen bei.

Nach dem mühevollsten Herabsteigen, und nachdem wir zur ganzen Partie über zwölf Stunden verwendet hatten, erreichten wir glücklich wieder Sälsun, und ich wollte mich eben, etwas niedergeschlagen, in meine frühere Wohnung begeben, schaudernd bei dem Gedanken, hier abermals eine Nacht zubringen zu müssen, – da überraschte mich mein Führer sehr angenehm durch die Frage, ob ich nicht vielleicht heute noch nach Struvellir wolle? Die Pferde seien hinlänglich ausgeruht, und dort könnte ich doch im Hause des Priesters ein gutes Zimmer bekommen. – Rasch war Alles zusammen gepackt und im Kurzen saß ich wieder zu Pferde. – Als ich jetzt zum zweiten Male in die tiefe Rangaa kam, durchritt ich sie schon furchtlos, und bedurfte keines Schutzes mehr an der Seite. – So ist der Mensch; nur das erstemal schreckt ihn die Gefahr; hat er sie glücklich überwunden, denkt er das künftige Mal kaum mehr daran, und begreift gar nicht, wie er da so große Furcht haben konnte.

In der Nähe dieses Stromes sah ich eine Merkwürdigkeit, – fünf kleine Bäumchen, die auf einer Wiese standen. Ihre Stämme waren zwar schief und knotig, aber dennoch 6-7 Fuß hoch, und mochten 4-5 Zoll im Durchmesser haben.

Wie mein Führer behauptet hatte, fand ich wirklich in dem Hause des Priesters ein niedliches Zimmerchen sammt einem guten Bette. Herr Horfuson ist einer der besten Menschen, die mir im Leben vorgekommen sind. – Mit größter Freude ergriff er jede Gelegenheit mir ein Vergnügen zu machen; ich habe ihm auch mehrere schöne Mineralien, und ein isländisches Buch vom Jahre 1601 zu verdanken. – Gott lohne ihm seine Güte und Herzlichkeit.

1. Juli.

Nun ging die Reise abermal bis zum Fluße Huitha, wo wir uns überführen ließen, dann schlugen wir eine andere Richtung ein. – Da ging es durch lauter schöne Thäler, die größtentheils mit Gras bewachsen waren; leider wuchs aber darunter so viel Moos, daß diese großen Flächen doch keine guten Weiden abgaben, und nur den Reisenden eine Annehmlichkeit gewährten, indem sie hübsch aussahen und durchaus trocken waren.

Das Thal, in welchem Hjalmholm, unsere heutige Nachtstation lag, durchzog ein großer Lavastrom, der jedoch so bescheiden war, nicht das ganze Thal auszufüllen, sondern auch dem schönen Wasserstrome Elvas und einigen Wiesen und Anhöhen Raum gab, auf deren letzterer überall Kothen standen. Dieses Thal war eines der bevölkertsten, die ich bisher sah.

Hjalmholm liegt auch auf einem Hügel. Hier wohnt der Sysselmann des Rangaarsyssels, und zwar in einem so schönen und großen Hause, wie ich deren nur in Reikjavik einige sah. – Ich wurde von seinen Töchtern – er selbst befand sich als Mitglied des Alldings in Islands Hauptstadt – sehr herzlich und freundlich aufgenommen.

Wir plauderten und schwatzten viel; ich suchte meine dänische Sprachkenntniß in voller Pracht und Herrlichkeit zu entfalten, und mußte dabei manchmal gar komische Phrasen hervorgebracht haben, denn die Mädchen konnten sich oft des Lachens nicht enthalten. Das hinderte mich jedoch nicht; ich lachte mit, nahm mein Wörterbuch, das ich stets mit mir führte, zu Hilfe, und schwatzte wieder weiter. – Von der Schönheit meiner Landsmänninen mußten sie durch meine Person eben auch keinen hohen Begriff bekommen haben, wofür ich Letztere pflichtschuldigst um Entschuldigung bitte, und sie dabei auf meine Ehre versichere, daß ich es selbst am meisten bedauerte. Allein die gute Mutter Natur verfährt gegen Leute in meinem Alter stets sehr unerbittlich, und gibt der Jugend, bezüglich der Aufmerksamkeit die man dem Alter erzeigen soll, ein sehr schlechtes Beispiel. – Statt uns zu ehren, und uns den Vorzug zu geben, hält sie sich lieber an das junge Volk, und jedes sechzehnjährige Mädchen schlägt uns würdigen Matronen ein gar gewaltiges Schnippchen. Dazu kam noch, daß die schrecklich scharfe Luft und die rauhen Stürme, denen ich beständig ausgesetzt war, mein Gesicht sehr entstellt hatten. – Sie hatten mich mehr angegriffen, als selbst die glühende Hitze im Oriente; – ich sah sehr braun aus, meine Lippen waren aufgesprungen, und meine Nase – ach Gott! – die fing gar an sich gegen ihre garstige Farbe aufzulehnen; sie wollte wahrscheinlich eine neue, blendendweiße zarte Haut besitzen, und da schob sie die alte in kleinen Stückchen von sich.

Das Einzige, was mich in der Meinung der guten Mädchen noch rettete, war, daß ich zufälliger Weise meine Haare mehr als gewöhnlich aus der Stirne streifte, und daß dadurch eine weiße Stelle zum Vorscheine kam. – Wie aus einem Munde schrien alle Mädchen, ganz überrascht und verwundert: »Hún er quit« (sie ist weiß). Ich mußte darüber lachen, und streifte den Aermel hinauf, um ihnen zu beweisen, daß ich nicht zu dem Stamme der Araber gehöre.

Aber auch mir stand in diesem Hause eine große Ueberraschung bevor; – ich stöberte nämlich in dem Bücherkasten des Sysselmannes herum, und fand da – Rottecks Weltgeschichte, ein deutsches Lexikon, und mehrere Gedichte und andere Schriften von deutschen Dichtern.

2. Juli.

So wie der Weg von Kalmannstunga nach Thingvalla über lauter Lava führte, so führte der heutige durch lauter Sümpfe. Kaum hatten wir einen im Rücken, lag schon wieder ein anderer vor uns. Doch schien auch hier der Grund aus Lava zu bestehen; denn an vielen Orten erhoben sich kleine Flecken dieses Gesteins, die wie Inseln aus den Sümpfen ragten.

Die Gegend wurde nun schon immer freier; die Gletscher verloren sich nach und nach ganz. Die hohen Gebirge auf der linken Seite erschienen, ihrer großen Entfernung wegen, wie Hügel, und die näheren waren es wirklich. – Nach einem ungefähr zwei Meilen langen Ritte mußten wir in einem Boote über den ziemlich bedeutenden Fluß Elvas setzen, und hierauf über einen schmalen, sehr langen Damm balanciren, der über eine Wiese führte, die ganz unter Wasser stand. Wären wir auf diesem Damme einem Reisenden begegnet, wüßte ich wahrlich nicht, was wir angefangen hätten; das Umkehren wäre so gefährlich gewesen, wie das Hinabsteigen in den Sumpf. Glücklicher Weise begegnet man in Island Niemanden.

Hat man den Damm überschritten, so führt der Weg einige Meilen längs der Berge und Hügel, die alle aus Lava bestehen, und von sehr dunkler, beinahe schwarzer Farbe sind. Das Gestein auf dieser Höhe war sehr lose; in der Wiese unten lagen viele Kolosse, die herabgestürzt sein mußten, und eine Menge andere sahen dem Sturze jeden Augenblick entgegen. – Wir bekamen diese gefährliche Passage glücklich im Rücken, ohne Augenzeuge eines solchen Schauspieles sein zu müssen.

In diesen Gebirgen hörte ich sehr oft ein dumpfes Getöse; ich hielt es anfangs für fernes Rollen des Donners, und suchte am Horizonte das herannahende Gewitter zu entdecken. Als ich aber weder Wolken noch Blitze sah, sondern nur den blauen Himmel, der sich heiter und rein über die unermeßlichen Thäler wölbte, da gewahrte ich erst, daß diese dumpfen Laute in meiner Nähe zu suchen waren, und aus den Bergen kamen.

Die höhern Gebirge links verliert man nun immer mehr und mehr aus dem Gesichte; dagegen breitet sich der Fluß Elvas der Art aus, und theilt sich in so viele Arme, daß man ihn für einen großen See mit vielen Inseln halten könnte. Er ergießt sich in das nahe Meer, dessen ausgedehnte Fläche man erblickt, nachdem man noch einige unbedeutende Hügel überstiegen hat.

Das Thal Reikum, in welches wir nun kamen, ist eben so wie jenes von Reikholt, reichhaltig an heißen Quellen, die rechts theils in der Ebene, theils auf Anhöhen oder hinter solchen, in dem Umkreise einer halben Meile beisammen liegen.

Als wir das Oertchen Reikum erreicht hatten, ließ ich gleich meine wenigen Effekten in das Kirchlein schaffen, nahm einen Führer, und begab mich zu diesen kochenden Quellen. – Ich fand ihrer sehr viele, aber merkwürdige nur zweie; die gehören aber auch wieder zu dem Merkwürdigsten, was man in dieser Art sehen kann. Die Eine heißt: der kleine Geiser, die Andere: der Bogensprung.

Der kleine Geiser hat einen Kessel von ungefähr drei Fuß im Durchmesser. Das Wasser kocht heftig in einer Tiefe von zwei bis drei Fuß, und bleibt ziemlich in diesen Schranken, bis es anfängt zu springen, wo es dann einen schönen wasserreichen Strahl von 20 bis 40 Fuß in die Höhe wirft.

Schon um halb neun Uhr Abends hatte ich das Glück, einen dieser schönen Ausbrüche zu sehen, und durfte also nicht, wie beim großen Geiser, Tag und Nacht seine Quelle belagern. Der Ausbruch dauerte sehr lange, und war ziemlich gleichmäßig, nur auf Augenblicke sank der Strahl etwas zurück, um dann mit erneuerter Gewalt auf die frühere Höhe wieder empor zu schießen; erst nach vierzig Minuten sank er ganz in den Kessel zurück. – Steine, die wir hinein warfen, führte er entweder gleich, oder nach einigen Secunden in zersplitterten Stücken bis zu einer Höhe von ungefähr 12-15 Fuß mit sich. – Seine Dicke mochte 1 bis 1½ Fuß im Durchmesser betragen. – Mein Führer versicherte mich, daß diese Quelle in 24 Stunden höchstens drei Mal, gewöhnlich aber nur zwei Mal springe; – also nicht wie ich irgendwo gelesen, alle sechs Minuten. – Ich selbst blieb bis Mitternacht in seiner Nähe, sah aber keinen Ausbruch mehr.

Man könnte diese Quelle füglich mit dem Strukker am Geiser vergleichen, und dürfte nur den einzigen Unterschied finden, daß bei Letzterem das Wasser im Kessel viel tiefer sinkt.

Die zweite der beiden merkwürdigen Quellen, der Bogensprung, liegt unweit vom kleinen Geiser, am Abhange eines Hügels, den man übersteigen muß. – Bei keiner Springquelle hatte ich noch eine so sonderbare Bildung des Bettes gefunden. – Sie besitzt gar keinen Kessel, sondern liegt halb offen vor den Füßen, wie in einer kleinen Grotte, die in verschiedene Höhlungen und Löcher getheilt, und halb kreisförmig von einer Felswand umgeben ist, die sich in einer Höhe von ungefähr zwei Fuß sanft über sie neigt, und dann noch 10 bis 12 Fuß gerade aufsteigt. – Diese Quelle bleibt höchstens eine Minute in ruhigem Zustande; sie fängt dann an schnell zu steigen und zu kochen, und wirft einen wasserreichen Strahl auf, der an die sich überneigende Felswand anprallt, durch sie breitgedrückt, und gleich einem bogenartigen Fächer in die Höhe steigt. Die Höhe dieses so wunderbar ausgebreiteten Strahles mag bei 12 Fuß, der Bogen, den er beschreibt, 15 bis 20 Fuß, und seine Breite 3 bis 8 Fuß betragen. Die Zeit des Ausbruches währt oft länger als jene der Ruhe. Nach dem Ausbruche sinkt das Wasser immer einige Fuß in die Höhle zurück, und gewährt auf 15 oder 20 Secunden einen Blick in diese wunderbare Grotte. – Doch gleich fängt es wieder an zu steigen, füllt bald sowohl die Grotte als auch das Becken, das eigentlich nur eine etwas erhöhte Fortsetzung der Grotte ist, und springt von Neuem.