Räumt dem Bösen Wohnung ein,
Macht das Menschenherz zu Stein.«
769. Wie Meerane ehemals in üblem Rufe gestanden hat.
(Leopold, Chronik und Beschr. der Stadt Meerane. S. 63.)
Eine gedruckte Nachricht von 1788 erzählt: Da das Städtlein Meerane dreierlei Gerichte hatte, so kam es, daß zu Anfange des 18. Jahrhunderts dieser Ort in einem fast bösen Geschrei war, weil sich fremd liederlich Gesindel da aufgehalten, so bei Visitationen leicht aus einem Gerichte oder Amtssprengel ins andere entwischen können; daher entstund in dieser Gegend ein Sprichwort, daß, wenn man einen schimpfen wollte, man ihn einen Meeraner genannt. Nachher ist dieses Geschrei durch gute Ordnung der Obrigkeit und redliche Einwohner völlig unterdrückt worden. Es geschah, daß der dortige Pastor M. Sigismund Stolze einstmals auf die Leipziger Messe reiste. Als er mit dem Wagen unter's Thor zu Leipzig kam, wurde er gefragt, woher er käme und wer er wäre. Als er es beantwortet: der Pastor von Meerane! mußte er wieder umkehren, weil man von Meerane niemanden einlassen durfte. Der gute Mann kehrte mit der Kutsche wieder um und fuhr unter einem andern Namen zu einem andern Thore hinein. Bei seiner Heimkunft brachte er dies mit Thränen auf der Kanzel vor, ließ auch nicht eher nach, bis seine berüchtigte Gemeinde ein besseres Leben zu führen anfing.
770. Die Entdeckung der Topase des Schneckensteins.
(Merkels u. Engelhardts Erdbeschreibung v. Kursachsen, 3. B. S. 140. 143. Joh. Gottlieb Kern v. Schneckensteine. Prag 1776. S. 5.)
Eine Stunde von Tannebergsthal über Auerbach liegt im Walde der Topasfelsen Schneckenstein, der diesen Namen von den vielen Schnecken, welche an seinem hier und da feuchten Fuße sich aufzuhalten pflegten, erhalten haben soll. Es wird erzählt, daß er erst durch einen Tuchmacher aus Auerbach, namens Kraut, seit 1727 allgemein bekannt und seitdem auch fleißig benutzt worden sei. Jener Kraut, welcher ein eigener seltsamer Mensch und ein etwas lockerer Mann, der nicht im besten Rufe stand, genannt wird, soll durch Holzhauer oder Kohlenbrenner auf den harten und schimmernden Stein aufmerksam geworden sein, und er soll darauf heimlich Topase, die er schleifen ließ, und die er für hohe Preise unter dem Namen von Schneckensteinen oder Königskronen ins Ausland schaffte, gebrochen haben. Als er merkte, daß man seinem Schleichhandel auf die Spur kam, machte er seine Entdeckung dem Kurfürsten August III. bekannt, der den Felsen dem Herrn von Trützschler, welchem Grund und Boden gehörte, abkaufte und später einer Gewerkschaft überließ.
771. Das Paradies zu Zwickau.
(Nach Ziehnerts poetischer Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 607.)
In Zwickau, am rechten Ufer der Mulde, an der Straße, die von der Stadt nach Chemnitz führt, befindet sich noch heute ein Gasthof, zum Paradies genannt, der ehedem aber das Ochsenhaus oder der Ratsweinkeller hieß und seinen jetzigen Namen von seiner schönen Lage erhalten haben soll. Nach einer Sage rührt derselbe aber von folgender, freilich unverbürgter Begebenheit her: Als Luther einst zu Zwickau war und seine Predigten einen solchen Eindruck auf das Volk machten, das dasselbe das Kloster oder den Grünhainer Hof stürmte, lockten die erbitterten Mönche Luthern eines Abends zu einem angeblichen Kranken in eine entlegene Straße, um ihn zu ermorden. Sie sendeten nämlich ein Weib in Luthers Haus, welches daselbst weinend aussagte, ihr Mann sei zum Tode krank und verlange vor seinem Ende noch einmal den frommen Herrn zu sehen. Auf solche Bitten ging Luther mit ihr und sie führte ihn durchs Tränkthor. Plötzlich öffnete sich ein Haus, das Weib entsprang und aus dem Hause stürzte voller Wut der Mönche Troß. Jedoch gelang es dem großen Reformator, sich ihren Händen zu entreißen und in ein offenstehendes Haus zu flüchten, dessen Thor er eilig durch den vorgeschobenen Riegel verschloß. Da zogen sich die Mönche still zurück; Luther aber sprach mit freudigem Blicke zum Wirte des Hauses, der ihn nach dem Grunde seiner Flucht fragte: »Die Kuttenträger lechzten lange nach meinem Blute; aber Gott sei Dank, der mich dieses Haus in meiner Bedrängnis finden ließ, dasselbe ist mir zum wahren Paradiese geworden!« Der Wirt gab ihm darauf zwei Knechte mit, die ihn sicher nach seiner Wohnung geleiteten. Das Haus, in welchem Luther damals Schutz fand, wird aber noch heute das Paradies genannt.
772. Der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 33.)
Als man im Jahre 1769 auf der Ostseite der durch den Brand von 1873 zerstörten schönen Joachimsthaler Decanatkirche eine neue Sakristei baute, an deren Stelle heutzutage der prachtvolle Hochaltar steht, entdeckte man in einer Tiefe von ungefähr fünf Ellen ein altes Gewölbe. In demselben befand sich ein Doppelsarg, in welchem »ein in purpurrotem Sammt gekleideter, verwester großer Körper ohne Kopf« ruhte.
An diesen Fund knüpft sich die Sage, daß dies der Leichnam des Grafen Joachim Andreas Schlick, Oberstlandrichters von Böhmen, gewesen sei, der am 21. Juni 1621 wegen Teilnahme am böhmischen Aufstande am Altstädter Ringe zu Prag das Blutgerüst besteigen mußte und enthauptet wurde. Der Kopf des Hingerichteten ward am »Bruckthor« aufgestellt, während dessen Rumpf sechs verkappte Personen entfernten.
773. Wie Bernsbach seine Waldungen verlor.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg. II. 1748. S. 29.)
Die Wälder um Bernsbach sind einst unbedachtsamer Weise der Gemeinde verloren gegangen. Denn dem Verlaut nach soll zu Joh. Georgs I. Zeiten eine Revision gekommen sein, und da die Bernsbacher gleichfalls gefragt worden, ob sie Grundstücke hätten, so noch nicht zinsbar, sollen sie geantwortet haben, es wäre Refier und wilder Wald genug, was ihnen der Quark sollte, sie könnten das Holz so nicht tilgen. Worauf die Kommission gefragt, ob sie es denn nicht haben wollten? Darauf sie gesagt, das Holz wüchse ihnen so in die Fenster hinein; wenn es der Kurfürst besser zu gebrauchen wüßte, möchte er es hinnehmen, sie wüßten damit nichts anzufangen. Darauf hätten sie sich ordentlich losgesagt, und ist dies Holz also hernach eingezogen worden, und hat jetzt dieses ganze Dorf nicht eine Hand breit an Refieren und Holz.
774. Aus welchem Grunde der Pfarrherr zu Reinsdorf Getreidezins erhält.
(Schmidt, Chronica Cygnea. II. 1656. S. 131.)
Im Jahre 1267 ward vom Papste Urban IV. das Fronleichnamsfest angeordnet, wobei die Geistlichkeit die Fluren der betreffenden Gemeinden zu umgehen hatte. Weil aber die Pfaffen in Zwickau nicht alle Felder und Fluren an diesem Tage umgehen konnten, haben sie ein gewisses Teil auf dem Berge, der Stadt gegen Morgen gelegen, den Pfaffen zu Reinsdorf zu umziehen übergeben. Und daher ists gekommen, daß die Besitzer dieser Felder dem Pfarrherrn zu Reinsdorf noch jährlich ein gewisses an Getreide zinsen müssen.
775. Warum in Zwickau kein Kürschner zum Ratsstand gezogen wurde.
(Tob. Schmidt, Chron. Cygnea. II. 1656. S. 181.)
Im Jahre 1403 ist in Zwickau ein so großes Feuer ausgebrochen, daß die ganze Stadt ausgebrannt, also daß man auf dem Markt zu allen vier Thoren hat hinaussehen können. Dieses Feuer ist bei einem Kürschner in der Scheergasse ausgekommen, und sind dem Rat damals die wichtigsten Urkunden mit verbrannt. Es ist dann die gemeine Sage gegangen, daß von der Zeit an kein Kürschner mehr zum Ratstand gezogen worden sei.
776. Ein altes Recht der Töpfer von Dippoldiswalde.
(Mündlich.)
Dresden war einmal von der Pest heimgesucht, so daß alle Umwohnenden die Stadt mieden und die Märkte unbesucht blieben. Eine Ausnahme davon aber machten, wie erzählt wird, die Schachtelmacher von Seiffen und die Töpfer von Dippoldiswalde. Dieselben besuchten auch während der Zeit, da die Krankheit viele Einwohner hinwegraffte, die Märkte der Stadt und boten ihre Waren feil. Daher erhielten insbesondere die Töpfer von Dippoldiswalde das Recht, auch fernerhin frei und ungehindert diese Märkte besuchen zu dürfen. Später wurde ihnen solches Privilegium von den Kurfürsten wiederholt und unter anderem auch von August dem Starken bestätigt, jedoch mit dem Zusatze, daß jeder Meister nur einen Korb Waren mitbringen und nur »einen Sonnenschein lang« (d. h. nur einen Tag lang) verkaufen dürfe.
777. Warum die Griesbacher Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hat.
(Mitgeteilt vom Lehrer Krauß aus Schneeberg.)
Das Dorf Griesbach bei Schneeberg hat wohl eine kleine Kirche, aber keinen eigenen Pfarrer; das Pfarramt zu Griesbach ist nämlich dem Diakonus von Schneeberg übertragen. Vom Volke wird nun erzählt, daß einst auch genanntes Dorf seinen eigenen Pfarrer gehabt habe. Der letzte derselben soll eines Tages mit mehreren Gliedern seiner Gemeinde nach dem nahen Lindenau gegangen sein und dort sich in dem Biere etwas gütlich gethan haben. Auf dem Heimwege entstand ein Streit, der immer hitziger wurde und damit endete, daß der allein als Partei auf einer Seite stehende Pfarrer erschlagen wurde. Dies geschah in dem Walde zwischen Griesbach und Lindenau. Der Körper des Erschlagenen aber wurde in dem Walde verborgen und noch heute soll sich die Gestalt dieses Pfarrers zu manchen Zeiten daselbst sehen lassen. Die Griesbacher Gemeinde hat aber seitdem keinen eigenen Pfarrer mehr erhalten.
Nach der Kirchengalerie von Sachsen (8. B. S. 132.) ist die Griesbacher Kirche, ehe das dortige Pfarramt von Schneeberg aus verwaltet wurde, stets ein Filial von Neustädtel gewesen; sie hatte also niemals einen eigenen Pfarrer. Zu Beschützern hatte sie St. Georg und St. Martin. Am Tage des heilg. Georg stand die Bildsäule desselben zu Pferde vor der Kirchthüre und bei derselben wurden Almosen für Arme gesammelt. Am St. Märtens-Tage aber saß der heil. Martin hoch zu Roß vor dem Kirchthore, und die leichtgläubigen Bauernweiber brachten ihm, als einem besonderen Schutzpatrone des Viehes, ansehnliche Opfer an Geld und andern Dingen. (Kirchengalerie a. a. O.) Der heilige Martin trat bei der Gründung von Martinskirchen durch die deutschen Heidenapostel als Schimmelreiter an die Stelle Wuotans.
778. Wie das Schnorrsche Chor in der St. Wolfgangs-Kirche zu Schneeberg eine Thür von außen erhielt.
(Kirchengalerie Sachsens, 8. B. S. 165.)
Nahe an der äußern Thüre zur Sakristei der Schneeberger St. Wolfgangskirche führt auch eine schwarze eiserne Thüre nach dem Chor der Schnorrschen Familie. Durch diese Thüre sind früher oft Diebe in die Kirche eingebrochen, und so oft dies geschah, wurde die Thüre fester und fester gemacht; jetzt hält man sie für unüberwindlich.
Über ihre Entstehung wird folgendes erzählt:
Der reiche Veit Schnorr von Carlsfeld, welcher um das Ende des vorigen Jahrhunderts in Schneeberg lebte, wollte nicht gern durch die ganze Kirche wandern und dann im Angesichte aller Kirchleute die damals nur von innen auf sein Chor führende Thüre aufschließen. Aber obschon er oft um die Erlaubnis bat, eine Thür von außen auf seine Kosten durchbrechen zu lassen, wurde ihm dies von dem Rate doch nicht gestattet. Da wurde er endlich still und man hielt die Angelegenheit für erledigt. Unter dem Vorwande, die Herren vom Rate, welche ihm wegen seiner dringlichen Gesuche doch am Ende etwas böse gesinnt sein könnten, wieder mit sich auszusöhnen, lud er sie alle zu sich nach Carlsfeld zu einem dreitägigen Feste ein. Wer geladen war und kommen konnte, fand sich ein. Man aß und trank nach Herzenslust und voller Dank gegen den gastfreien Schnorr zog man endlich ab. Wer ihm irgend einen Dienst für die Zukunft anbieten konnte, that dies; alles, wenn es sonst nur ginge, sollte für ihn geschehen, nur freilich mit dem Eingange, das wisse er, ging es nicht. Schnorr entschuldigte nochmals seine Zudringlichkeit, und versöhnten Herzens gingen sie auseinander. Da erfuhr man es am andern Tage, der Herr Wirt habe sich während des gegebenen Festes Maurer bestellt und diese hätten eine Thüre in drei Tagen durchgebrochen und fertig gemacht. Was konnte man thun? Die Thüre blieb bis auf den heutigen Tag.
779. Der erste Klöppel in Annaberg.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang. No. 24.)
Als man im Jahre 1512 den Galgen vor der Stadt Annaberg aufbaute, kam einer, namens Klingensporn, gewandert und betrachtete den Galgen und sagte im Vorübergehen zu dem Baumeister, den die Chronik den dicken Michel nennt, lachend: »Ei, ihr baut da eine schöne Glocke! Nun, ich will gerne sehen, wer der erste Klöppel darin sein wird!« Nicht lange darauf fing man einen Dieb, und wer war's? Klingensporn. Er ward zum Strange verurteilt und hing nach wenig Tagen als der erste Klöppel in der großen steinernen Glocke vor der Stadt. Seinen Tod aber haben die Alten angesehen für ein göttliches Warnungszeichen, daß man über ernste Dinge nicht mutwillig scherzen solle.
780. Das Geschwistergrab in der Kirche zu Annaberg.
(Ziehnert a. a. O. Anhang No. 25.)
Am 27. April 1604 brach in Annaberg eine Feuersbrunst aus, welche, vom Sturme rasch verbreitet, die Stadt bis auf sieben Häuser verzehrte. Nun wohnte aber am Markte in dem Hause, welches jetzt das Museum heißt, ein Geschwisterpaar, Johann und Benigna Biener. Der Bruder krankte seit längerer Zeit am gräßlichsten Wahnsinn, so daß er mit Ketten an die Wand gefesselt werden mußte. Als nun der Markt bereits in vollen Flammen stand, da suchte Benigna in Todesangst nach dem Schlüssel, um ihrem Bruder die Ketten abzunehmen und ihn fortzuführen, aber der Schlüssel war nicht zu finden; sie suchte die Ketten zu zerschlagen, aber das Eisen trotzte der schwachen Mädchenhand. Schon schlug die Lohe zu den Fenstern und der Thüre herein, die treue Benigna ließ nicht von ihrem Bruder. Die Decke brach nieder und unter dem nachstürzenden Schutt und Gebälke lagen die beiden Geschwister begraben. Am dritten Tage darauf zog man ihre verschrumpften und halbverbrannten Leichen unter den Trümmern hervor. Sie hielten sich noch fest umarmt, wie der schreckliche Tod sie übereilt hatte. War vielleicht dem Wahnsinnigen durch die Todesangst ein lichter Augenblick gekommen?
Am 13. Mai wurden die beiden Leichen in der ebenfalls ausgebrannten Annenkirche unter großem Zulauf beerdigt. Ihr gemeinsames Grab zeigt man noch jetzt.
781. Das Blutopfer des Baumeisters der Kirche zu St. Jacob in Chemnitz.
(Richter, Chron. v. Chemnitz I., 1767, S. 169.)
Der Ort, wo die Kirche zu St. Jacob in Chemnitz stehet, soll ehedem sehr sumpfig und morastig gewesen sein, daher die Kirche auf der einen Seite, gleichwie auch der Turm, auf eingerammelten Pfählen steht. Der Baumeister, welcher zuerst diese Kirche erbaut, soll, nachdem er mit dem ganzen Bau fertig gewesen, sich von oben herabgestürzt und also den Bau mit seinem Blute versiegelt haben.
Auch wird erzählt, daß der Kaiser Otto I., unter welchem die anfängliche, viel kleinere Kirche erbaut wurde, den ersten Grundstein, nebst einer Münze mit dem Bildnisse St. Jacobs darunter, legte. Er schenkte auch der Kirche das Bildnis der heiligen Maria; dasselbe soll viel Zeichen und Wunder gethan haben, weshalb nicht weniger Zulauf von Wallfahrern dahin gewesen, als nach Aachen oder St. Compostell in Spanien.
782. Die Zipperleinkur in Annaberg.
(Ziehnert a. a. O. Anhang. No. 27.)
Schriftlich und mündlich hat sich folgende seltsame Geschichte in Annaberg erhalten. Im Jahre 1572 nämlich ließ ein Ratsherr, welcher schon seit vielen Jahren mit dem heftigsten Zipperlein beladen war, sein Haus pflastern und stand dabei und sahe zu. Der Pflasterer war gerade bemüht, das Pflaster mit dem Rammel eben und fest zu schlagen. Im Gespräche aber mit dem Ratsherrn hatte er auf seinen Rammel nicht wohl acht und traf damit heftig den Fuß des Ratsherrn. Dieser schrie zwar laut vor Schmerz, ward aber bald gar froh darüber, denn das Zipperlein war aus seinem Fuße verschwunden und ist auch bis an seinen Tod nicht wiedergekehrt.
In Zwickau ward auch einem vom Zipperlein geholfen dadurch, daß ein geladenes Gewehr, welches der Kranke auf dem Schoße liegen hatte, unversehens los ging.
783. Der Blutfleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein.
(Mündlich, z. T. Einige Nachrichten zur Elterleiner Geschichte vom Pfarrer Christoph Schreiter. Manuskr.)
Auf dem Pfarrhof zu Elterlein zeigt man eine Stelle, welche nach jedem Regen rot wird. Hier soll im Jahre 1518 der Bergmeister Hans Hünerkopf den frevelnden und grobscherzenden Kaplan Moritz von Annaberg erstochen haben, »weil er seiner Henne (d. h. des Bergmeisters Frau) nachgegangen war.«
Die oben genannte Thatsache findet sich auch in Meyers Geschichte des Annen-Tempels zu Annaberg, S. 128 und bei Chr. Friedr. Haupt, die gelehrten Elterleiner, 1739.
Die Hünerkopfe werden »uralt adelige Bergherren« genannt, welche »ein ihrem Namen gleiches Wappen« führten. Nach der Familie soll noch ein Feld bei Elterlein seinen Namen haben. In der Elterleiner Kirche aber fand man eine Messingtafel mit dem Hünerkopfschen Wappen und folgender Inschrift: »Anno 1533 ist verschieden der Erbare Hans Hünerkopf von Adorf, allhier begraben, dem Gott gnädig sey.« Dieser Hans Hünerkopf war bereit um das Jahr 1516 der Herren von Schönburg geschworener Bergmeister an dem damaligen Bergamte Elterlein.
Der nach jedem Regen sichtbare braunrote Fleck auf dem Pfarrhofe zu Elterlein rührt von einer zur Familie der Chroococcaceen gehörige Alge her.
784. Die Bäuerin in Frohnau.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anhang No. 28.)
In den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts, als das Berggebäude »himmlisches Heer« bei Kunnersdorf noch 1400 Flgr. vierteljährliche Ausbeute für den Kux gab, baute auch eine Bäuerin in Frohnau als Gewerkin an jenem Gebäude mit und ward dadurch in kurzer Zeit sehr reich, wußte aber nicht im Glücke mäßig zu sein und trieb allerlei Unfug der Verschwendung. So z. B. badete sie sich täglich in dem teuersten Weine, den sie aufzutreiben wußte, und um nun denselben nicht umkommen zu lassen, so gab sie ihn, mit Semmelbrocken vermischt, den Armen als Kaltschale zu trinken. Diese wußten nicht, was die Bäuerin erst mit dem Weine gemacht hatte, aßen mit vieler Lust und dankten der reichen Geberin viel tausend Mal für die köstliche Erquickung. Aber als sie die Badegeschichte erfuhren, da ekelte sie und warfen der übermütigen Bäuerin die Fenster ein und sangen Spottlieder auf sie, so daß sie sich nicht mehr öffentlich sehen lassen durfte. Übrigens muß sie auch noch andere recht unziemliche Dinge verübt haben, denn der Klerus war darüber so erzürnt, daß er Gott öffentlich bat, den Bergsegen zu vermindern.
Ein Andenken an diese Bäuerin ist das Berggebäude »die Bäuerin« am Schottenberge, welches sie aufgenommen haben soll.
785. Die beiden Brüder zu Frohnau.
(Hering, Gesch. d. Sächs. Hochlandes. 1828. II. S. 42.)
Im Dorfe Frohnau bei Annaberg befanden sich im Jahre 1544 zwei Brüder, die zusammen ein Gut hatten, eines Sonntags im Wirtshause und hatten etwas zu viel getrunken. Nur um sie zu necken, raunt ihnen einer zu, es habe sich ein Dieb in ihr Feld geschlichen und raube dort die Früchte. Sie springen hastig auf, ergreifen ihre Schwerter und nahmen die Abrede, daß der eine von dieser, der andere von jener Seite das Feld durchsuchen solle, damit der Dieb nicht entwische. So schleichen sie denn heran und als einer den andern im Dunkel erblickt, stürzen sie in der Meinung, daß es der Dieb sei, auf einander los und einer erhält eine tödliche Wunde. Bei seinem Hülfsgeschrei erkennt ihn der Sieger als seinen Bruder, man eilt herbei und als der schwer Getroffene noch in derselben Nacht an seinen Wunden stirbt, ergreift der unglückliche Brudermörder die Flucht, und erhielt nur unter der Bedingung Verzeihung von dem Herzoge Moritz, daß er seinen Anteil an dem Gute an die Frau und Kinder des Erschlagenen abtrat. Der Fleck aber, wo jener Mord geschah, wird noch jetzt gezeigt.
786. Das Mönchskalb zu Freiberg.
(Moller, Theatr. Freibg. I. S. 213. II. S. 179. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 279.)
Den 29. Juni 1523 ist zu Freiberg im öffentlichen Kuttelhofe in einer geschlachteten Kuh, so einem Bauer zu Klein-Waltersdorf zugehörte, das sogenannte Mönchskalb gefunden worden. Dieses Kalb hat einen runden ungestalteten Kopf gehabt und oben darauf eine Platte wie ein Pfaffe, samt zwei großen Warzen wie kleine Hörner; mit dem Untermaule ist es einem Menschen, mit dem obern und der Nase einem Kalbe gleich, sonst aber ganz glatt am Leibe gewesen, es hat die Zunge lang aus dem Munde herausgestreckt; die Haut am Halse und Rücken herunter hat wie eine gewundene Mönchskutte ausgesehen, an den Seiten aber vorn und an den Beinen ist es voller Ritze und Schnitte gewesen, als wenn die Kutte zerhauen oder zerschnitten wäre. Solches Ungeheuer ist von Dr. M. Luther in seinen Schriften, wo es auch abgebildet wird, neben der Beschreibung des Papstesels, den man 1496 zu Rom gefangen, gedeutet worden, Melanchthon aber meinte, daß durch dieses Kalb die Verderbnis der lutherischen Lehre in fleischliche und verderbliche Meinungen, wie sie zu selbiger Zeit im Schwunge gewesen, angezeigt worden, inmaßen auch bald hierauf ein Schwein zu Halle in den Osterfeiertagen ein Ferklein geworfen, welches einem Pfaffen in Gestalt des damaligen Habits ganz ähnlich gesehen. Es hat aber gedachtes Mönchskalb die Autorität der Geistlichen, so dem Papste zugethan gewesen, sehr verringert, also daß auch die Bergleute ein besonderes schimpfliches Lied davon gedichtet und dasselbe den Mönchen und Pfaffen zu Spott und Hohn lange Zeit allhier gesungen mit Bezug darauf, daß der Fleischer mit Vorbedacht und Willen das Fleisch von der Kuh, in welcher man das besagte Mönchskalb gefunden, niemandem als den Canonicis, Mönchen und andern Geistlichen gelassen und solche dasselbe unbewußt verzehrt haben.
787. Die Abschiedstanne zwischen Mitweida und Gottesgab.
(Mitgeteilt von H. Weißflog aus Raschau.)
An der Waldstraße, welche von Mitweida nach Gottesgab führt, stand hart an der sächsischen Grenze eine starke Tanne; man sagt, daß sieben Mann dieselbe kaum hätten umspannen können. Jetzt sieht man von derselben nur einen Stumpf, da der morsche Baum abgebrannt und dadurch vernichtet worden ist. Diese Tanne hieß die »Abschiedstanne«, und man erzählt, daß einst an ihr Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen und der Schwedenkönig Gustav Adolf von einander Abschied genommen hätten. Ebenso knüpfte sich an den Baum folgende Sage: Ein Graf von Schwarzenberg kehrte unverhofft von einer Fehde zurück und traf in seinem Schlosse bei seiner Gemahlin einen für treu gehaltenen Freund als Buhlen an. Darüber ergrimmte er dermaßen, daß er beide binden ließ und mit sich tief in den Forst führte. Hier gebot er ihnen, von einander und von dem Leben Abschied zu nehmen; nachdem sie dies gethan hatten, fielen sie von seiner Hand. Dies aber soll an jener Tanne geschehen sein, welche davon den Namen Abschiedstanne erhielt.
788. Die Fichte auf dem Gottesacker in Annaberg.
(Nach G. Andrä, Chron. Nachr. von Annaberg. 1837. S. 67. Bei Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 504.)
Zu Frohnau bei Annaberg lebte einst ein ganz armer Mann, namens Georgi, der in den kümmerlichsten Umständen starb. Da nun sein einziger Sohn wegen seiner Armut die Begräbniskosten für denselben nicht aufbringen konnte, man also deshalb mit der Beerdigung anstand nahm, steckte er seinen Vater in einen Leinwandsack, legte denselben auf einen Schubkarren und beerdigte ihn auf dem hintern oder neuen Gottesacker in Annaberg mit den Worten: »Komm, alter Vater, komm! laß dich von mir begraben, dieweil die Menschen dich nicht hier begraben wollen.« Kurze Zeit nachher soll nun aus dessen Grab eine Fichte hervorgewachsen sein, die man heute noch sehen kann, und eine im Beinhaus ausgehängte Tafel vom Jahre 1737 deutet noch jetzt auf diese Begebenheit hin.
789. Die drei Eichen im Gründel bei Glauchau.
(Alb. Schiffner im Archiv für sächs. Gesch., 2. B. S. 169.)
Nächst dem Glauchauer Schlosse stehen an einem sehr anmutigen Spazierwege im sogenannten Gründel drei Eichen nahe beisammen. Diese sollen, wie erzählt wird, ein Gesamteigentum des Hauses Schönburg in der Maße bilden, daß ohne Einwilligung aller majorennen Glieder des Hauses keine derselben geschlagen werden darf.
790. Woher der Name Preißelbeere stammt.
(Lindner, Wanderungen durch die interess. Gegenden des sächs. Erzgebirgs. I. Heft. Annaberg, 1844. S. 43.)
Ober- und Unterjugel bei Johanngeorgenstadt sind älter als genannte Stadt, welche 1654 gegründet wurde; denn schon 1571 erhielt Sebastian Preisler die Konzession zur Erbauung einer Glashütte und 8 Häusern; ebenso hatte Gabriel Löbel die Vergünstigung zur Anlegung eines Blaufarbenwerks erhalten. Dies waren die Anfänge von Ober- und Unterjugel. Im Volke aber hat sich die Sage erhalten, daß die jetzt allgemein bekannten Preißelbeeren ihren Namen von jenem Preisler empfingen, weil dieser sie erst in den Handel gebracht und genießbar zu machen gelehrt habe.
Der Name »Preißelbeere« führt uns auf die Wurzelbrossen, mhd. brozzen, d. h. brechen, hervorbrechen, hervorsprießen. Er würde also mit »sprießende Beere« oder »Sprießeln«, welche letztere Bezeichnung in der That für das Kraut gebraucht wird, zu deuten sein. Die Pflanze macht in den Waldungen, deren Boden sie mit frischem Grün bedeckt, den Eindruck des sprießenden.
(Graßmann, deutsche Pflanzennamen, S. 152.)
791. Was der Name Wismut bedeutet.
(Engelschall, Beschr. v. Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. 1723. S. 188.)
Es halten etliche dafür, weil Wismut seine Blüte und mancherlei Farben hat, und siehet weiß, braun, rot, gesprenglich durcheinander aus, so habens die alten Bergleute Wismut genannt, das blühe wie eine schöne Wiese, darauf allerlei farbige Blumen stehen. Albinus schreibt in seiner meißnischen Bergchronik, daß die Bergleute der Meinung seien, Silber bilde sich aus Wismut, wie man bei Halden gefunden, auf die man Wismut gestürzt und in denen man dann nach Jahren Silber gefunden habe. Sie nennen es auch des Silbererzes Mutter oder des Silbers Dach, da dasselbe öfters darunter liegt. Auch sprechen die Bergleute, sie kommen zu frühe, wenn sie Wismut finden, und bekennen, wenn diese Bergart länger im Bergfeuer gestanden hätte, so wäre gut Silber daraus geworden.
Der Name Wismut soll jedoch nach Koch aus dem Arabischen: wiss majaht, d. h. die Leichtigkeit des Storax oder was so leicht wie Storax schmilzt, abstammen. (Leunis, Synopsis d. Min. und Geogn., bearbeitet von Senft, I. S. 294.)
792. Woher die alte Bezeichnung »Schnieber« für Groschen stammt.
(Meltzer, Bergkläufftige Beschreibung der löbl. Bergk-Stadt Schneebergk. 1684. S. 163.)
Andreas Funk, welcher 30 Jahre auf dem Schneeberge das Münzmeisteramt bedienet, hat auf kurfürstlichen Befehl der Armut zu gute die ersten schneebergischen Groschen gemünzet. Denn weil man zuvor lauter Güldengroschen (d. i. Thaler) und »Oerter« gepräget, so ist ein solcher Lärm unter dem Volke gewesen, daß, wenn der Schichtmeister gelohnet, man lieber 22 Groschen kleine Münze für einen Thaler, als einen ganzen Güldengroschen genommen hat. Dabei ist noch zu gedenken, daß, weil der gemeine Mann solche Schneeberger Groschen nicht recht ausgesprochen, sondern nur Schneeber oder Schnieber genannt hat, von einigen Leuten, sonderlich um Zwickau, der Groschen ein Schnieber genannt wurde.
793. Redensarten.
a. Zwickau gehörte zum Vogtlande.
(Herzog, Chronik von Zwickau. I. 1839, S. 69.)
Es wird behauptet, daß Zwickau oder doch ein Teil seines Weichbildes ehedem zum Vogtlande gehört habe. Man hat nämlich ein altes Sprichwort: »Daß die Zwickauer im Meißnerlande sterben und im Vogtlande begraben werden,« und noch heutzutage hört man die Redensart: »Er wird ins Vogtland getragen,« d. i. er wird begraben.
Obschon Zwickau nahe an der Grenze des Vogtlandes lag, so hat es doch nie zu diesem selbst gehört. Es stand zwar als Reichsstadt ehedem unter den Reichsrichtern des Pleißnerlandes zu Altenburg, welche fast immer aus dem Geschlechte der Vögte genommen wurden, und später als markgräflich meißnische Stadt hatte Zwickau seine eigenen Untervögte, welche im Namen der Landesherren die Gerichtsbarkeit ausübten. Dies währte bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts, da der Rat die Gerichte über die Stadt erlangte.
b. Der Kas is och dornoch.
(Mündlich.)
»Der Käse ist auch darnach,« d. h. der Gegenstand ist das Geld wert. Dies ist eine Redensart in Eibenstock, welche sich von folgender Begebenheit herschreibt: Der Besitzer des früheren Hammerwerkes Wolfsgrün, das nach Eibenstock eingepfarrt ist, schickte, wenn er mit den Seinigen bei dem dortigen Pfarrer zu kommunizieren gedachte, diesem durch einen seiner Arbeiter mit der Meldung zugleich auch einen Dukaten. Das war Herkommen. Herkommen war aber auch, daß der Arbeiter im Pfarrhause Bier, Brot, Butter und einen Käse vorgesetzt erhielt. Eines Tages, als der Bote seine Herrschaft wieder zur Kommunion anmeldete und den Dukaten abgeliefert hatte, war die Frau Pfarrerin nicht zu Hause. Der Pfarrer war in Verlegenheit; Bier, Brot und Butter konnte er schaffen, aber keinen Käse. Doch da besann er sich, daß er einen damals noch seltenen und teueren Limburger Käse hatte. Diesen holte er und setzte ihn dem Arbeiter vor. Der Arbeiter aß zum Schrecken des Pfarrers mehr davon, als er erwartet hatte, weshalb letzterer ihn fragte, ob ihm der Käse schmecke. Auf die Bejahung sah sich der Pfarrer zu der Bemerkung veranlaßt, daß der Käse auch teuer sei. Darauf folgte die trockene Entgegnung: »Der Kas ist och dornoch.« Der Arbeiter aß weiter. Endlich sprach der Pfarrer: »Ja, mein Lieber, ich muß nur noch bemerken, daß diese Art von Käse auch schädlich werden kann, wenn man zuviel davon ißt.« »Wenn das ist,« sprach der Bote, indem er das übrige Stück Käse einpackte, »da muß ich das Übrige meiner Frau mit nach Hause nehmen.«
Die Geschichte wurde ruchbar. Der Pfarrer ist jedenfalls sehr ausgelacht worden, und es hat sich bis zur Stunde die oben angeführte Redensart in Eibenstock erhalten.
c. Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß nicht wie?
Eine sprichwörtliche Redensart in der Schwarzenberger Gegend lautet: »Kein Hammerschmied stirbt, sondern er kommt von der Welt, man weiß nicht wie?« Diese Redensart bezieht sich darauf, daß nicht mehr arbeitsfähige Hammerschmiede bettelnd von einem Hammerwerke zum andern zogen und daß deshalb selten einer in der Heimat starb. (Merkels Erdbeschreibung von Kursachsen. I. 1804, S. 161.)
d. Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die schwedischen Truppen.
»Man könne die sächsischen Eisenhämmer so wenig aufhalten, als die schwedischen Truppen,« sagte ein schwedischer Quartiermeister, der 1712 im Hammerwerke Erla den großen Stabhammer im Niederfallen aufhalten wollte, dafür aber mit gelähmter Hand bezahlt ward. Der Quartiermeister hieß Schulze und stand beim Kavallerieregiment des Obersten Rosenstern. Die erzählte Begebenheit soll sich übrigens am 27. Juni 1707 zugetragen haben und die angeführten Worte wurden beim Rückmarsche der Schweden auf der Schiffbrücke zu Pirna gesprochen. (Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., S. 103.)
e. Vom Silbergehalt unscheinbarer Steine.
Von den Venetianern geht eine Rede, daß sie gesagt haben: In Meißen (dem meißnischen Erzgebirge) und dem Vogtlande wirft man einen Stein nach der Kuh, da doch der Stein mehr als die Kuh selber wert ist. (Meltzer, Beschreibung der Bergstadt Schneeberg, 1684. S. 54.)
f. Fägel schweiget seine Gäste.
Ein Fleischer zu Schneeberg, mit Namen Fägel, welcher auf der Badergasse wohnte, hatte seinen beiden Gästen, die in Streit geraten waren, Frieden geboten und deswegen auch zu dem Richter geschickt. Weil dieser sich aber etwas verzogen hatte und die Gäste sich nicht steuren lassen wollten, hat er sie beide erstochen, darauf die Flucht genommen und dem Richter Hans Kempfen, der ihm begegnet, auf Befragen geantwortet: »Ei, Herr Richter, es ist unnötig, daß Ihr Euch bemühet und hinunter gehet, ich habe sie allbereit gestillet, sie haben sich wohl müssen bedeuten lassen.« Daher ist, als der Richter hinunter gegangen und die jämmerliche That befunden, Fägel aber unterdeß des Landes entlaufen war, von ihm das Sprichwort entstanden: »Er hat sie geschweiget oder gestillet, wie Fägel seine Gäste.« (Meltzer, a. a. O., S. 1099.)
g. »Toffel, das gilt dir auch mit.«
Diese sprichwörtliche Rede, welche lange in Schneeberg im Gange war, ist durch ein Wort des Pastors Christoph Schindler entstanden. Derselbe gebrauchte es, wenn er Amtes halber etwas strafte und dabei sich selbst nicht heuchelte, falls er diesen Fehler an sich selbst gefunden hatte. Man wandte die Worte in der Folge an, wenn man sich selbst eines Fehlers schuldig fand. (Meltzer, a. a. O., S. 1100.)
h. »Der Narr ist aus dem Häusel gekommen.«
Dies pflegt von einem ausgelassenen Menschen gesagt zu werden. Die Redensart kann davon herkommen: Eine uralte Art der Beschimpfung ist es gewesen, wenn Diebe, die Feld- und Gartenfrüchte gestohlen, in das sogenannte Narrenhäusel gesteckt worden sind, wie solche sonderlich in den teuren Jahren 1771 und 1772 fast in allen gebirgischen Städten sind errichtet worden. Ein solches Haus stand noch im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts auf dem Markte zu Lößnitz; es sah wie ein Käfig aus und konnte herumgedreht werden. Personen, die da hineingesteckt wurden, hatten von den Gassenkindern, welche das Haus bald gedreht, bald mit Steinen und Kot den Gefangenen geworfen, allerlei Schmach zu erleiden. (Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürdigen Städte im Erzgebirge, insonderheit der Hochgräflich Schönburg. freyen Bergstadt Lößnitz etc. 1776, S. 11.)
Auch in Leipzig gab es zwei solche Narrenhäuschen, das eine war bei den sogenannten Brotbänken am Naschmarkte und das andere an der Thomaskirche. Das erstere diente für Skandalmacher, Verläumder und losmäulige Frauen, während letzteres unter geistlicher Jurisdiktion stand und für diejenigen bestimmt war, welche als Flucher und Gotteslästerer bezichtigt waren. In Oschatz ist noch jetzt (?) im Winkel nächst den Stufen, die durch den vom Ratsarchive gebildeten Schwibbogen vom Markte zum Stadtkirchhofe führen, das von Eisengitter nach Art eines Käfigs gebildete Narrenhäuschen vorhanden. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, 1. B., S. 54.)
i. Die Schlimmen von Öderan.
(Staberoh, Chronik von Öderan. 1847, S. 197–201.)
Im Jahre 1645 begann zwischen Öderan und dem Ritter Nikolaus von Schönberg auf Börnichen der Streit wegen des Hirtenfeldes. Letzterer verlangte das Grundstück, welches bereits seit Jahren von der Stadt bebaut worden war, zurück, unter dem Vorgeben, daß es zu den Fluren von Börnichen gehöre. In das Dunkel über diese Angelegenheit war kein Licht zu bringen, da die Urkunden in dem Kriege verbrannt, die alten Leute aber, welche Auskunft hätten geben können, an der Pest gestorben oder geflüchtet waren. Nachdem der Prozeß beinahe 4 Jahre geschwebt hatte, ging der Schafmeister vom Rittergute Börnichen, Caspar Witte, nach Böhmen, um für seinen Herrn 100 Stück Schafe zu kaufen, welche damals zu Tausenden für das ruinierte Böhmen aus Ungarn herauskamen. Der Schafmeister kam mit seinen Schöpsen glücklich bis auf die Eppendorfer Fluren, wo ihn eine Abteilung schwedischer Reiter anhielt und um 10 Schafe gegen Bezahlung bat. Doch der Schafmeister, rauh und trotzig wie sein Herr, und wohl wissend, daß die Schweden den Waffenstillstand achten mußten, verweigerte sie ihnen und trieb weiter. Allein die Schweden nahmen ihm nun die ganze Herde, schlugen ihn überdies und trieben die Schafe nach Öderan hinein, wo sie 50 Stück verkauften. Der geschlagene Schafmeister kam nun mit seinem Anhange nach der Stadt und verlangte seine Schafe zurück. Da er sie nicht erhielt, so brach er wenige Tage darauf des Nachts in Öderan ein und stahl die letzten noch übrig gebliebenen 20 Stück. Er wurde aber noch auf Öderaner Gebiet ertappt und nun als Schafdieb in Öderan gefangen gesetzt. Es war jetzt für ihn wenig Gnade zu hoffen, da der Kurfürst, ergrimmt über die überhand genommenen Räubereien, befohlen hatte, jeden Diebstahl mit dem Strange zu bestrafen. Der Prozeß wegen des streitigen Hirtenfeldes wurde unterdeß fortgeführt, bis gegen 1650 das Endurteil kam, welches lautete, »daß diejenige der streitenden Parteien das fragliche Hirtenfeld bei Öderan auf ewige Zeiten in Besitz haben sollte, welche zuerst ein Galgengericht darauf erbauen und solches auch zugleich mit einem Verbrecher bestätigen würde.« In einer und derselben Stunde wurde dieser Spruch in Öderan und Börnichen bekannt gemacht. Der Ritter von Schönberg sandte sogleich nach Meißen, einen Verbrecher dort abzuholen, wo solche Räuber und Mörder, die der Krieg erzeugt hatte, zu Dutzenden gefangen saßen und für Geld zu haben waren. Zugleich wurde ein Galgen zusammengezimmert und des Abends der Hof verschlossen, um ersteren am Morgen an Ort und Stelle aufzubauen.
In Öderan dagegen gab es weder Holz noch Zimmermann, ja kaum Axt und Säge. Teurung und Pest hatten die Bewohner bis auf 18 Bürger vermindert, welche an selbigem Tage eben erst aus dem Niederlande mit einigen Säcken Korn zur Aussaat sowie zur Speise heimgekehrt waren, denn die Not war in diesem Jahre noch schrecklich. Man lief ratlos zu einander und beriet, wo ein Galgengerüst herzunehmen sei, um das Feld zu behaupten. Am frühen Morgen des zweiten Tages, als eben der Ritter von Schönberg seinen Galgen nach dem Hirtenfelde abfahren lassen wollte, sah er mit Entsetzen durchs Fenster auf diesem Felde einen Galgen stehen und an demselben schon seinen Schafmeister aufgehenkt, dessen Urteil der Rechtsbeistand der Öderaner, mit Namen Matthesius, zugleich mit aus Dresden besorgt und in die Stadt gesendet hatte. »Seht, seht die Schlimmen von Öderan!« rief da der Ritter seinen Leuten zu, und befahl den Galgen wieder abzuladen. Daher die Redensart: »Die Schlimmen von Öderan!« Wie aber waren die Öderaner zu dem Galgen gekommen? Zwölf der Bürger hatten die Galgensäule auf dem Gahlenzer Berge aus dem alten Hochgericht ausgegraben, herübergetragen, aufgerichtet und den Schafdieb aufgehenkt. Der Ritter von Schönberg aber schloß noch an diesem Tage mit den Öderanern Frieden.
k. »Je, daß dich der Bär herze!«
(Curiosa Saxon. S. 47. Darnach Gräße, Sagenschatz, Nr. 494.)
Im Jahre 1631 hat eine Jungfer nicht weit von Hundshübel das Vieh von Waldhäusern auf die Weide getrieben, da sie sich dann hingesetzt und nach erzgebirgischer Art, um sich die Zeit zu vertreiben, geklöppelt. Ehe sie sich's nun versieht, kommt ein großer Bär hinter sie geschlichen, daß sie ganz ungemein erschrickt und nicht weiß, was sie machen soll. Der Bär thut ihr aber nichts, sondern beriecht sie und tatschet sie mit seinen Tatzen ganz sauber an, gleich als wüßte er, was für einen Respekt er dem Frauenzimmer schuldig sei. Da nun der zottige Bär sich ganz höflich gegen sie aufführt und sie herzen zu wollen Anstalt macht, entschließt sich das Mädchen kurz und läuft unter das Vieh. Dieses drängt sich zusammen und geht auf den Bären los, bis das Mädchen schreit und ihre Eltern nebst andern Waldleuten zu Hülfe ruft. Da nimmt der Bär reißaus, das Sprichwort aber ist nachgehends beständig geblieben und von jedermann, um eine Verwunderung auszudrücken, gebraucht worden: Je, daß dich der Bär herze!
l. Vom früheren Wohlleben in den Bergstädten.
Es ist eine gemeine Rede, daß man sagt: Wenn einer vom Himmel in ein gut Ort Landes fallen sollte, möchte er in die meißnischen Bergstädte sich wünschen. (Meltzer a. a. O. S. 866.) Eine Abänderung lautet: Wenn einer vom Himmel fiele, so könne er nicht besser, als auf Marienberg fallen.
m. Redensarten Herzog Georgs.
Herzog Georg pflegte von seinen Städten zu sagen: »Leipzig die beste, Chemnitz die feste, Freiberg die größte und Annaberg die liebste.« (Richter, Chron. d. St. Chemnitz I. S. 18.) Ebenso rührt von demselben Fürsten der Ausspruch über drei Berge in der Nähe Schneebergs her: »Der Gleßberg ist ein tauber Berg, der Mühlberg ein verschworner Berg, sehet mir auf den Schickenberg!« (Meltzer a. a. O. S. 922.) Außer dem angeführten Spruche von Freiberg lautet ein anderer: »Meißen wird ertrinken, Freiberg wird versinken, Dresden wird man zusammenkehren mit Besen.« (Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 3. Heft, S. 281.)
n. Weshalb man die Gottesgaber scherzweise »die Wölfe« nennt?
Die Einwohner von Gottesgab werden in der Umgegend nur »die Wölfe« genannt, weil sie unter sich selbst diesen Titel als zärtliche Anrede gebrauchen. Sie sagen z. B. »Guten Tag, Wolf!« Häufiger noch werden in der Anrede die Bezeichnungen »Wehrwolf« oder »Wolfskind« gebraucht. (Mündlich aus Wiesenthal.)
Dr. E. Göpfert (Glückauf V. Nr. 8) führt auch das im Gebirge häufig gebrauchte Kose- oder Scheltwort »Werchl« auf das althochdeutsche warc, d. i. der Wolf, zurück.
o. Anhang: Sprichwörter, sprichwörtliche Redensarten u. Rätsel.
- Erz führt wieder zu Erz.
- Kies macht den Bergmann ungewiß.
- Die vielerlei Herrschaften, das böhmische Bier und die sichtlichen
Zwitter verderben den Zinnwald. - Das Bergwerk will seine Zeit und Leute haben.
- Zank ist des Bergwerks Untergang.
- Wenig Zubuß, viel Ausbeut',
Machet fröhliche Bergleut'. (Altes schneebergisches Lemma.) - Wenn wir spüren Kies,
treffen wir Erz gewiß. (Merkels Erdbeschr. von Kursachsen. 1. B. 1804, S. 132.) - Wer Ausbeut will genießen,
Laß' sich die Zubuß' nicht verdrießen. (Daselbst.) - Bergwerk will stets ein Freies (Freiheiten) han,
Soll es anders von statten gahn. (Daselbst.) - Wenn Gott nicht geit, hilft kein Arbeit. (C. Lehmann, Chronik d. fr. Bergstadt Schneeberg. 1. B. 1837, S. 26.)
- Das Bergwerk will haben Verstand
Und eine getreue Hand. (Daselbst.) - Bergwerks Glück und Pracht
Steigt und fällt über Nacht. (Daselbst.) - Der erste Finder, der erste Muter.
- Es war kein Bergwerk ja so gut,
Es führt zuvor ein eisern Hut.
Oder: Das Silber hat einen eisernen Hut. (Dieses alte Sprichwort bezieht sich auf die Wahrnehmung, daß man stellenweise Eisenerze aufarbeiten mußte, ehe man an die reichen Silbererze kam. S. H. Jacobi in der wissenschaftlichen Beilage zur Leipziger Zeitung 1886, Nr. 2.) - Edle schöne Guhren
Führen zu Erzspuren. - Kurze Gänge, kurz Erz.
- Von Schlettau sagt man: »Wenn die Bauern auf dem Felde sind, ist kein Bürger zu Hause.« Die Einwohner beschäftigen sich nämlich neben Posamenten-, Spitzen- und Bandgewebearbeiten viel mit Landwirtschaft. (Lindner, Wanderungen durch das sächs. Obererzgebirge I. S. 56.)
- Zschopauer Strümpfe und Kirchberger Tuch,
Wenn man's heem bringt, so hat's ä Luch (d. h. Loch.) (Mündl.) - Du bist so alt wie Buchholz. (Dies bezieht sich auf die Gründung von Buchholz durch Bergleute aus Geyer und Ehrenfriedersdorf vor 1496, dem Gründungsjahre von Annaberg. (M. v. Süßmilch, Leipzg. Zeitung 1885, Nr. 101.)
- Es wird in dem Lande Meißen eher an Holz und Kohlen zum Bergwerk und Schmelzen mangeln, als an Erz und Metallen. (Nach des Petrus Albinus Meißnischen Bergchronik (1590), worin bemerkt wird, daß der bekannte Joachimsthaler Pfarrer Matthesius diese Worte von gelehrten und weisen Leuten gehört habe. Als altes bergmännisches Sprichwort auch in Merkels Erdbeschr. von Kursachsen I. S. 140 angeführt.)
- Man sagt, in Freiberg seien »Himmel, Hölle und Teufelskapelle« beisammen, d. h. die Nicolaikirche, die Schankwirtschaft zur Hölle und das Theater, sämtlich am Buttermarkt gelegen. (Mitteilungen des Freiberger Altertumsvereins, 3. H. S. 280.)
- Wenn im Erzgebirge recht bedeutender Schneefall eintritt, so sagt man: »Es schneit Brot!« Man will damit aussprechen, daß dann die armen Leute durch Schneeausschaufeln auf den fiskalischen und kommunlichen Straßen Verdienst erhalten.
- Warum werden in Dönschten (ein Dorf bei Altenberg) die Eierkuchen nur auf einer Seite gebacken? Antw.: Weil nur auf einer Seite Häuser stehen. (Fr. Polle, Führer durch das Weißeritzthal. 1883. S. 73.)
- Zwischen Gey'r un Thum
Do liegt e gàle Blum';
Un wàr die gàle Blum will hohm,
Dàr muß Gey'r un Thum zerschlong.
(Alfr. Müller, Volkslieder aus dem Erzgebirge, S. 189.) - Das Rätsel von der Mulde.
Der Joachimsthaler Pfarrer Matthesius, Luthers Freund und Tischgenosse, machte aus dem Worte M V L D folgendes Rätsel:
»Rat' was ist das? drei Wasser-Strom[5]
Die ha'n Ein' Syllb', Ein'n deutschen Nam',
Ein's theuern Doctors[6] Namen zwar,
Ein's frommen Weibes Sterbejahr.[7]
Allen in vier Buchstaben steht:
»Gnad dir Gott« sprech', wer hiefür geht!«
(Gräße, Sagenschatz etc., No. 308.)