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Satiro-Mastix; or, the Vntrussing of the Humorous Poet

Chapter 2: INHALT.
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About This Book

A sharp, episodic stage satire that answers a contemporary theatrical quarrel by attacking a self-styled moralist poet and his pedantic followers. It mixes broad comic episodes, coarse invective, and parodic character types to expose pretension and insist that popular theatre and practical craft deserve respect. Rapid-fire gibes and stage skirmishes single out a rival dramatist’s mannerisms and allies, producing a partisan, defensive vindication of the author’s circle while showcasing the rough energy and topical bite of city comedy.

The Project Gutenberg eBook of Satiro-Mastix; or, the Vntrussing of the Humorous Poet

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Title: Satiro-Mastix; or, the Vntrussing of the Humorous Poet

Author: Thomas Dekker

Editor: Hans Scherer

Release date: August 6, 2015 [eBook #49636]
Most recently updated: October 24, 2024

Language: English

Credits: Produced by Charlene Taylor, Delphine Lettau, Marc-Andre
Seekamp and the Online Distributed Proofreading Team at
http://www.pgdp.net

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SATIRO-MASTIX; OR, THE VNTRUSSING OF THE HUMOROUS POET ***

Materialien zur Kunde
des älteren Englischen Dramas

UNTER MITWIRKUNG DER HERREN

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BEGRUENDET UND HERAUSGEGEBEN

VON

W. BANG

o. ö. Professor der Englischen Philologie an der Universität Louvain


ZWANZIGSTER BAND


LOUVAIN

A. UYSTPRUYST

LEIPZIG

O. HARRASSOWITZ

LONDON

David NUTT

1907

SATIRO-MASTIX

OR

THE VNTRUSSING OF THE HUMOROUS POET.

By Thomas Dekker.

HERAUSGEGEBEN NACH DEN DRUCKEN VON 1602

VON

Dr. Hans Scherer.

LOUVAIN

A. UYSTPRUYST

LEIPZIG

O. HARRASSOWITZ

LONDON

David NUTT

1907

INHALT.

Einleitende Bemerkungen:
1) Dekker und der sog. Stage-QuarrelVI
2) Abfassungszeit des SatiromastixIX
3) QuellenuntersuchungX
4) Die Quartos und die bisherigen AusgabenXIV
Satiromastix1
Textnoten, Anmerkungen, Index77

EINLEITENDE BEMERKUNGEN.

1. Dekker und der sog. Stage-Quarrel.

Über den Bühnen-Streit ist schon so vieles und ausführliches, zuletzt von Penniman[1] und Small[2], geschrieben worden, dass ich mich über die allgemeinen Punkte kurz fassen kann.

Nach Small’s eingehender Prüfung des ganzen Materials und meiner eigenen Überzeugung ist das einzig Positive, was bis jetzt hier gesagt werden kann, dass die Fehde zwischen Jonson einerseits und Marston mit Dekker als Bundesgenossen andererseits geführt wurde. Monday, und gar Drayton und Nash, scheinen mir nach Small’s gründlichen Untersuchungen sehr an zweiter Stelle zu stehen, und von Shakespeare’s Beteiligung konnte ich mich trotz der weitausgreifenden Darlegungen des der Wissenschaft leider zu früh entrissenen amerikanischen Forschers nicht völlig überzeugen; nicht zu reden von den hypothetischen Teilnehmern Pennyman’s (wie Daniel, Lodge und den vielen von ihm selbst als «doubtful» bezeichneten Persönlichkeiten), die schon von Small grossenteils als unhaltbar abgetan wurden.

Welches sind denn die literarischen Dokumente, auf welchen sich der Streit aufbauen lässt? Small hat sie bereits (p. 3 ff.) zusammengestellt:

  • 1. Äusserungen Jonson’s über Marston in seinen Conversations mit Drummond,
  • 2. der Apologetical Dialogue am Ende des Poetasters,
  • 3. To the World, Worte, welche dem Satiromastix vorangeschickt sind,
  • 4. die oft zitierte Stelle aus II. Return from Parnassus, IV, 5: ... our fellow Shakespeare hath given him (Ben Jonson) a purge that made him beray his credit.

Dazu kommen nun noch die zahlreichen Anspielungen, welche in den von den beteiligten Autoren zwischen 1598-1601 oder 1602 geschriebenen Stücken enthalten sind oder wenigstens enthalten sein sollen. Es ging hier, wie so oft in der früheren literarhistorischen Forschung: die Phantasie des Forschers suchte in das Dunkel des betreffenden Gegenstandes dadurch Klarheit zu bringen, dass sie alles mögliche in den jeweiligen Text hineingeheimniste und dadurch die Materie nur noch komplizierter gestaltete. Small hat (p. 8 ff.) alle Arbeiten über den «Stage-Quarrel» von Gilchrist bis auf Penniman einer kurzen Kritik unterzogen und fast durchgängig die geringe Haltbarkeit ihrer Ansichten nachgewiesen[3].

Hier soll nur das Verhältnis Dekker’s zu Ben Jonson des Näheren behandelt werden; und auch dieses mehr im zusammenfassenden Sinn, da bei den Anmerkungen zum Texte des Satiromastix hinreichend Gelegenheit sein wird, auf Einzelheiten weiter einzugehen.

Dekker und Jonson arbeiteten bekanntlich eine Reihe von Jahren zusammen; so noch Aug.-Sept. 1599 Page of Plymouth und Robert II. Wofern Jonson’s Angabe im Apol. Dialogue richtig ist, dass seine Gegner ihn bereits drei Jahre auf den Bühnen herumziehen, so trifft sie für Dekker wohl nicht zu. Die Entzweiung unserer beiden Dichter kann erst Ende 1599 eingetreten sein. Folglich kommen von Jonson’s Stücken hier in Betracht: Every Man out of his Humour, dessen Aufführung nach Small’s sorgfältiger Untersuchung (p. 20 ff.) in die Zeit von 15. Februar-24. März 1599/1600 anzusetzen ist, Cynthia’s Revels[4] und der Poetaster; diese können Anspielungen auf Dekker enthalten. Dass die beiden letzteren solche in grosser Zahl aufweisen, steht wohl ausser jedem Zweifel fest, ob aber Every Man out für die Dekker-Jonson Kontroverse bereits zu verwenden ist, scheint mir mit Small sehr fraglich; denn die Charakterisierung des Carlo Buffone, wie sie in den Characters of the Persons und im Verlauf des Stückes selbst gegeben wird, scheint nicht auf Dekker zu passen, der selbst wohl den Demetrius des Poetasters und den Anaides der Cynthia’s Revels, niemals aber den Carlo Buffone auf sich bezog[5]. Und Dekker muss es doch selbst am besten gefühlt haben, was ihn anging und was nicht. Es ist auch kaum glaublich, dass Jonson so kurz nach seinem Zusammenarbeiten mit unserem Dichter, diesen schon in einem Stücke sollte kräftig persifliert haben; und sollte er es ja getan haben, so geschah es in einer Weise, dass der, dem es galt, es gar nicht als auf sich gemünzt erkannte; um wie viel weniger können wir, die den Verhältnissen zeitlich so weit entrückt sind, die Satire in Ev. Man out auf Dekker noch herausfühlen.

Ja, mir will sogar dünken, dass Dekker die Anspielungen auf sich, wie sie in Cynthia’s Revels und selbst im Poetaster gefunden werden, ursprünglich gar nicht so bös aufnahm, sondern erst durch seinen Freund Marston, dem diese Stücke offenbar zunächst auf den Leib geschrieben waren[6], dazu aufgehetzt wurde. Damit stünde im Einklang, dass sich einerseits weder im Shoemakers’ Holiday, noch in der Patient Grissell und im Fortunatus mit Sicherheit satirische Bemerkungen des etwa verstimmten Dichters nachweisen lassen, und dass andererseits der Histrio im Poetaster[7] ausdrücklich erwähnt, sie hätten einen gewissen Demetrius gedungen, um dem Horaz (Ben Jonson) in einem Theaterstück eins zu versetzen.

Ferner ist zu beachten, dass die Stellen, in denen sich Dekker selbst (als Demetrius) über Horace (Jonson) äussert, alles eher als die Worte eines erbitterten Feindes enthalten, der seinen Gegner mit Spott und Hohn überschütten will; und mit den oft groben Ausfällen seines Tucca scheint der zu derben Streichen gern geneigte «Journeyman-poet» seinem Freunde Marston, der sich zu solchem Tun zu vornehm war, wirklich Handlangerdienste geleistet zu haben.—So ein Stück war überdies rasch geschrieben, fand ein dankbares Publikum und brachte den Schauspielern «a huge deal of money»[8] ein, das sie brauchen konnten.

Mit Satiromastix beginnt für Dekker der Stage-Quarrel mit Jonson, mit Satiromastix endet er auch für ihn. Mit der Veröffentlichung des Apologetical Dialogue, der Erwiderung auf den Satiromastix, war auch für Jonson der Streit in der Hauptsache beendet.

Allzu tief sass also, glaube ich, bei Dekker der Groll nicht; Jonson allerdings, der von den Poetastern in seiner Eitelkeit gekränkt worden war, hat von ihm offenbar keine gute Meinung bewahrt, denn noch in seinen Conversations[9] bezeichnet er ihn nebst andern als einen «rogue».

2. Die Abfassungszeit.

Die Quartos des Satiromastix tragen als Jahreszahl ihres Erscheinens 1602.

In den Stationers’ Register[10] wurde das Stück auf den 11. November 1601 wie folgt eingetragen:

11 Novembris

John Barnes Entred for his Copye vnder the handes of the wardens and vppon condicon that yt be lysensed to be printed / A booke called the vntrussinge of the humorous poetes by Thomas Dekker,vjd

Fleay und andere geben als Zeitpunkt der Veröffentlichung des Satiromastix September 1601 an. Small (p. 119) fixiert ihn auf August oder September 1601. Mallory, der als Erscheinungszeit des Poetaster Ende Juli 1601 festsetzt, schliesst sich (p. xxx) Fleay an. Small und Mallory legen besonderes Gewicht darauf, dass Dekker, Satiromastix Z. 641, Jonson die Arbeitszeit von 15 Wochen, welche er auf die Abfassung des Poetasters verwandte, vorhält; Dekker selbst müsste also seine Erwiderung in beträchtlich kürzerer Zeit geschrieben haben. Dazu würde also September 1601 für unser Stück recht gut passen, doch sind zur Fixierung des Datums ein paar Stellen aus dem Texte selbst mit in Betracht zu ziehen.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Dekker, als der Poetaster über die Bühne ging, bereits an dem «Untrussing of the Humorous Poet» arbeitete.—Ist dem nicht so, so wusste man zum mindestens, dass Dekker an einem Stücke (King Rufus) arbeitete, und sein mit Marston in den allgemeinen Zügen entworfener Plan—wenn Jonson uns wieder in einem Stücke auf die Bühne bringt, so zahlen wir es ihm mit einem ebensolchen heim,—musste auch schon in eine gewisse Öffentlichkeit gedrungen sein; anders hätte Tucca im Poetaster[11] nicht sagen können: I hear you’ll bring me o’ the stage there; noch der Histrio: we have hired him (Demetrius-Dekker) to abuse Horace, and bring him in, in a play etc.[12]

Wie lange Dekker am Satiromastix arbeitete lässt sich nicht sagen, aber es ist anzunehmen, dass er trachtete, seine Wiedervergeltung nach ihrer Vollendung so rasch als möglich zur Aufführung zu bringen. Und zur Feststellung des ungefähren Datums der letzteren bietet das Stück selbst, wie oben erwähnt, Anhaltspunkte.

Professor Bang hat gelegentlich seiner Besprechung der Poetaster-Ausgabe durch Mallory[13] auf die mehrfachen Anspielungen auf Weihnachten, wie sie sich im Satiromastix finden, hingewiesen und gemeint das Stück «wird für Weihnachten[14] geschrieben sein», und er hat zugleich nicht Anstand genommen den Poetaster auf 5 bis 8 Wochen später anzusetzen. Ausserdem lenkte Professor Bang meine Aufmerksamkeit auf die Lady Furnivall, Z. 2659. Dieselbe wird in dem 1606 gedruckten, aber bereits 1601 zur Aufführung gelangten Stücke Sir Gyles Goosecappe Z. 1204 erwähnt[15]. Da dieser also im Satiromastix erwähnt wird, so muss letzterer nach Sir Gyles Goosecappe anzusetzen sein. Dieser kann aber nicht vor dem 14. September 1601 geschrieben sein[16]. Datiert also Goosecappe aus der Zeit: zweite Hälfte des September bis November, so wäre für Satiromastix die Zeit von frühestens erste Hälfte Oktober bis in den November oder gar Dezember hinein anzusetzen; also etwa gegen Mitte des letzten Viertels des Jahres 1601 (N. St.), wozu auch das «this colde weather» in Z. 2705 passen würde.

3. Quellenuntersuchung.

Zu diesem Behuf sei unser Drama in seine zwei Bestandteile zerlegt: in das König Rufus-Spiel und in den eigentlichen Satiromastix.

Es steht wohl fest, dass Dekker, als er an The Untrussing of the Humorous Poet ging, gerade ein historisches Schauspiel mit König Rufus im Mittelpunkt in der Arbeit hatte, und dass nur sein Bestreben, Jonson so bald wie möglich heimzuzahlen, die starken Anachronismen und den losen Zusammenhang der Rufus- und der Untrussing-Szenen einigermassen entschuldigen lässt.

Über das Rufus-Spiel hat Small p. 119 ff. eingehend gehandelt, so dass darauf verwiesen werden kann. Als Skizze des wahrscheinlichen Verlaufes der Haupthandlung gibt er an: Act I, the rejoicings at the approaching nuptials of Terrill and Celestine. Act II, the King’s lustful desires, and Terrill’s rash promise. Act III, the death of Celestine. Act IV, the presentation of the veiled corpse of Celestine to the King, and Terrill’s denunciation of him. Act V, the death of the King at the hands of Terrill. Daneben steht als komische Nebenhandlung die Werbung der beiden Rivalen Prickshaft und Sir Vaughan um die Witwe Miniver.

Eine Quelle für die Haupthandlung selbst zu finden, ist mir nicht gelungen. Als historische Persönlichkeiten des Stückes können zunächst nur angesprochen werden: König Rufus und Sir Walter Terrill (Tirell)[17], a French Knight, wie er in Holinshed’s Chronik bezeichnet wird, der den König auf einer Hirschjagd zufällig durch einen Pfeilschuss tötete.

Aus der Haupthandlung selbst sei im besondern noch auf das Mittel des Schlaftrunkes hingewiesen, das dazu dient, dem Mädchen einen unliebsamen Freier fernzuhalten. Dies war offenbar bei Dichter und Publikum ein beliebter Trick. Es ist wohl kaum nötig an Romeo and Juliet zu erinnern[18]; Dekker hat das Motiv selbst noch einmal in der Honest Whore verwendet, wo des Herzogs Tochter Infelice durch einen Schlaftrunk einem lästigen Freier entzogen wird; und ähnlich in Match me in London: Valasco soll vergiftet werden, aber der Arzt reicht nur einen Schlaftrunk. Bei Besprechung der Quellen zu The Triumph of Love und The Faithful Friends verweist Koeppel[19] beide Mal auf den Schlaftrunk im Satiromastix. Im ersteren Stück soll Benvoglio’s Tochter Violante den von der Dienerin gemischten Giftbecher leeren; er enthält aber kein Gift, sondern nur einen starken Schlaftrunk. Im zweiten wird die jungfräuliche Gattin des Marcus Tullius von dem König Titus Marcius an den Hof gelockt, — doch sollte nur die Treue der Gattin geprüft werden. Der König entpuppt sich als Biedermann.

Ein weiteres beliebtes Bühnenmittel, das auch im Satiromastix Verwendung fand, war die Figur des Welshman, der durch seine schlechte Aussprache des Englischen das komische Element vertritt. Sir Vaughan’s Landsleute[20] finden wir in Peele’s Edward I, in der Patient Grissill, in Northward Ho!, in den Merry Wives of Windsor, in Henry V, in Ben Jonson’s For the Honour of Wales und im Valiant Welshman; auch auf die beiden Irländer im Fortunatus sei verwiesen.

Was das Untrussing-Spiel betrifft, so lassen sich hier die Fäden der Handlung und der zahlreichen Anspielungen leichter auf ihre Ausgangspunkte zurückverfolgen. — Die Personen, welche diesem Stücke angehören sind: Horace, Crispinus, Demetrius, Tucca und Asinius Bubo, wovon die vier ersten in Namen und Person aus dem Poetaster herübergenommen sind. Small[21] hat für den Satiromastix und Mallory[22] für den Poetaster das diesbezügliche Material ausführlich behandelt, so dass ich mich mit folgender Tabelle begnügen kann:

SatiromastixPoetasterHistorische Persönlichkeit
klassisch[23]elisabethanisch.
Horace =Horace =Quintus Horatius Flaccus= Ben Jonson.
Crispinus =Crispinus =Rufus Laberius Crispinus od. Laberius Decimus= Marston.
Demetrius Fannius =Demetrius Fannius =ein Demetrius oder Fannius(?)= Dekker.
Tucca =Tucca =Plotius Tucca? od. Pantilius?Captain Hannam(?)

Dekker selbst gibt als Urbild des Tucca (im Poetaster) den Cpt. Hannam an, der offenbar eine stadtbekannte Persönlichkeit war. Small weist auf eine andere mögliche Quelle hin (p. 26), nämlich auf den Cpt. Tucca, welcher uns also bereits dem Namen und Stand nach in E. Guilpin’s Skialetheia (1598) begegnet. Aus diesen beiden Hinweisen geht ziemlich sicher hervor, dass Tucca höchstens den Namen aus dem Altertum geborgt hat, sonst aber die Copie einer bei St. Paul’s häufig getroffenen zeitgenössischen Persönlichkeit ist; und ich kann mich nicht W. H. Browne anschliessen, der glaubt[24], dass aus den Worten his belly is like Barathrum[25] für die Person des Tucca auch auf eine antike literarische Quelle geschlossen werden könnte, nämlich auf den Maenius des Horaz[26]. Die Erwähnung des Wortes Barathrum beweist zu wenig, das Wort war damals wohl geläufig, wie z. B. aus Dekker, vol. III. London Triumphing p. 249 und If this be not a good Play, p. 351 zu ersehen ist. Vgl. auch das von Mallory, p. 198 cit. Beispiel: your lean barathrum, that kitchen-stuff devourer (Shirley, The Wedding, II, 3).

Der Tucca des Satiromastix hat auch eine kleine Änderung an seiner Person erfahren. Er ist nicht mehr der ruhmredige, prahlende Tucca des Poetasters, der die Reihe Shift (i. Ev. Man out) und Bobadil (i. Ev. Man in) schliesst; seine Stärke ist der Gebrauch derber Redensarten geworden, und er steht ganz im Dienste der Poetaster, deren wahres Sprachrohr er ist.

Nicht unerwähnt soll schliesslich die grosse Ähnlichkeit bleiben, welche in den Charakteren des Asinius Bubo und des Simplicius Faber aus What you will herrscht. Hinsichtlich seiner, des Bubo, Persönlichkeit müssen wir wohl mit Small[27] vermuten, dass er ein dienender Jünger des Horace-Jonson war; und vielleicht wird seine Identität mit dem ziemlich unbekannten Theaterdichter Wentworth Smith noch einmal festgestellt.

Soviel über die einzelnen Figuren des Untrussing-Spieles. Was den Inhalt dieses Teiles selbst betrifft, so kann man kurz sagen: seine Quellen liegen in erster Linie im Poetaster und dem Leben Ben Jonson’s, in zweiter Linie in anderen Dramen dieses Dichters. Die zahlreichen Anspielungen darauf und auf die zeitgenössische Literatur, die diesen Teil nahezu ausmachen, sind in den Erläuterungen zum Texte näher behandelt.

Es erübrigt vielleicht noch ein paar Worte über die beiden Stellen[28] hinzuzufügen, welche ein Lob auf den Haarwuchs und ein solches auf die Kahlköpfigkeit enthalten. Small hat auch hier auf die beiden Schriften von Rich. Harvey und von Nash hingewiesen[29], welche diese kleine Kontroverse veranlasst haben mögen, und fügt ganz richtig hinzu «the dispute dates back to» Dio Chrysostomos’ Lob des Haarwuchses[30] und Synesius Cyrenensis’ Calvitii Encomium[31], denn als Quellen im engeren Sinne können diese beiden letzteren nicht aufgefasst werden. Die Generalidee ein Lob auf die Kahlköpfigkeit einem Lob auf den Haarwuchs entgegenzustellen lässt sich ja auf die beiden alten Philosophen zurückführen; aber die Behandlung des Themas in Horace’s Lob auf das Haar ist ganz frei, und Crispinus’ Lob auf die Kahlköpfigkeit zeigt eigentlich auch nichts von der eigenartigen Behandlungsweise des Synesius, der sehr viel mit historischen Beispielen arbeitet. Es müsste denn sein, dass der Exkurs ins Weltall und besonders der Vergleich mit dem Monde nicht mehr als zufällig bezeichnet werden könnte, dann müsste als vermittelndes Glied die von Small angegebene englische Übersetzung durch Abr. Fleming aus dem Jahre 1579 eintreten.

Wiewohl beide Lobreden Horace und Crispinus in den Mund gelegt sind, also scheinbar dem Untrussing angehören, so müssen sie doch ursprünglich schon für das Rufusspiel niedergeschrieben worden sein, denn einmal enthalten sie keine Ausfälle der Poetaster auf ihren Gegner, und dann scheinen sie mir sorgfältig ausgearbeitet zu sein und zeigen nichts von der Hast der Untrussing-Teile.

Die eigentliche Untrussing-Szene (Z. 2464 ff.) ist das Analogon zur Schlussszene im Poetaster und wie diese verwandt mit der bekannten Szene in den Fröschen des Aristophanes, in welcher zwischen zwei Dichterschulen, aber mit Vermeidung des persönlichen Elementes, abgerechnet wird.

4. Die Quartos und die bisherigen Ausgaben.

Vom Satiromastix sind, so viel mir bekannt wurde, vier Quartos vorhanden; und zwar befinden sich zwei in der Bibliothek des Britischen Museums, eine in der Dyce-Library und eine in der Bodleiana zu Oxford.

Zahlreiche und wesentliche Abweichungen zeigen diese Drucke untereinander nicht, doch können dieselben auf Grund der von mir beobachteten Abweichungen in zwei Gruppen gebracht werden, die aber einander zeitlich sehr nahe liegen, ja von denen die zweite vielleicht nur die teilweise Korrektur von vermeintlichen Druckfehlern der ersten Gruppe darstellt. Es kommen hier neben verschiedenen Interpunktions-Abweichungen besonders die Stellen Zeile 2348, 2480, 2490 in Betracht. Auf Grund dieser und einiger weniger belangreichen Varianten, welche aus den Text-Noten zu ersehen sind, lassen sich die vier Quart-Exemplare in folgende Gruppen zusammenstellen:

Q1:1.) C. 34. c. 27 im Brit. Museum
2.) C. 12. f. 3 (2) im »»
Q2:3.) Exemplar der Dyce Library
4.) Exemplar der Bodleiana.

Von diesen dürfte Q1 die ältere sein und zwar hauptsächlich mit Rücksicht auf die Korrekturen in Z. 2480, wo das ungewöhnliche Mon du durch das leichter verständliche Mon Dieu ersetzt wurde, und in Z. 2490, wo das ursprünglich richtige, aber in den ersten Exemplaren schlecht geratene Tamor vollends in Tam or getrennt wurde.

Was das Aussehen der einzelnen Exemplare betrifft, so wäre zu erwähnen, dass № 1 und 3 ziemlich gut erhalten, letzteres aber stark beschmutzt ist. № 2, das mit anderen Stücken Dekkers zusammen gebunden ist, ist gleichfalls gut erhalten und zeigt nur in der Paginierung, die in der bekannten Weise A A2 A3. B B2... M3 durchgeführt ist, eine kleine Abweichung, insofern C3 beim Drucke offenbar ausgesprungen ist und irrtümlich durch C2 ersetzt wurde. № 4 ist hinsichtlich der Deutlichkeit des Druckes vielleicht das beste. Es enthält Notizen von der Hand Malones (?). Auf dem Titelblatt ist der Namenszug Dekker’s oben auf einem Stückchen Papier aufgeklebt. Wer mag der Schreiber desselben sein?

Was die Vignetten des alten Druckes betrifft, so wäre zu sagen: pag. 1 weist einen Kreis mit ornamentalen Verzierungen auf; p. 5 und 9 in der Mitte die über Wolken schwebende Sonne, rechts und links davon je einen Amor; p. 6 eine Maske mit ornamentalem Schmuck, und p. 76 Maske mit Arabesken.


Von den späteren Ausgaben des Satiromastix wurde die erste veranstaltet von Hawkins in The Origin of the English Drama, Oxford 1773, vol. III. Der in der Orthographie modernisierte und mit einigen Anmerkungen versehene Text ist nicht ganz so sorgfältig wiedergegeben worden, wie man es bei dem sonst gewissenhaften Herausgeber erwartet. Es fehlen nämlich die Zeilen 119 und 1998-2006, was im ersteren Falle auch eine Verschiebung der Reden zur Folge hatte.


Die zweite finden wir in den Dramatic Works of Thomas Dekker [ed. R. H. Shepherd], London 1873 (Pearson) vol. I. Dass in dieser Ausgabe der Dekker’schen Werke die Orthographie oft unbewusst modernisiert und mancher neue Druckfehler dazu gekommen ist, ist bekannt, und auch der Satiromastix ist hievon nicht verschont geblieben.


Ferner finden sich Bruchstücke, die nahezu die Hälfte des Spieles ausmachen, und welche durch Inhaltsangaben der übersprungenen Stellen verbunden sind, bei Henry Morley, i. s. English Plays, London, s. a., p. 198-209. Abgedruckt wurden die ZZ. 262-574, 580-623, 628-682, 1392-1570, 1625-1725, 1796-2080, 2397-2656. Der Text ist modernisiert, und kräftige Verwünschungen oder andere Ausdrücke, an denen man Anstoss nehmen könnte, sind entweder ganz ausgelassen oder durch unschuldigere Redewendungen ersetzt.


Auch W. H. Williams hat in seinen Specimens of the Elizabethan Drama, Oxford 1905, aus Satiromastix Act. I. Sc. II in modernisiertem Text abgedruckt und zwar ZZ. 261-547 unter Auslassung der anstössigen Stellen.


Bei der Herstellung der vorliegenden Ausgabe wurde der Text der Q1 zu Grunde gelegt und die tatsächlichen Verbesserungen von Q2 berücksichtigt. Die Lesart und die Orthographie der Quarto wurde überall, wo nicht offenkundige Druckfehler vorlagen, aufs Sorgfältigste beibehalten. Auch die Interpunktion, selbst wenn sie mangelhaft war, wurde getreu wiedergegeben und nur in den notwendigsten Fällen geändert. Nicht notiert wurden die Stellen, in welchen statt der Kursiv-Lettern Antiqua in die Personenbezeichnungen eingedrungen sind. Wegen der übrigen Änderungen bez. Verbesserungsvorschläge des Textes muss ich auf die Abschnitte «Text-Noten» und «Anmerkungen» verweisen.

[1] Penniman, The War of the Theatres, i. d. Publications of the University of Pennsylvania, Boston, 1897.

[2] Small, The Stage-Quarrel, Heft 1 der Forschgn. z. engl. Sprache und Litteratur, Breslau, 1899.

[3] Es ist vielleicht nicht uninteressant, noch einmal an Swinburne’s Artikel im XIX th Century, XXI, 1887, p. 81-103, zu erinnern und zu zeigen, was alles in den Satiromastix hineingeheimnist wurde: Rufus sollte Shakespeare sein, Vaughan-Lyly, Tucca-Sir Phil. Sidney, Bubo-Bacon, Flash-Sir W. Raleigh, Cælestine-Queen Elizabeth!

[4] von Small, p. 24 ff. auf ca Februar-März 1600/01 angesetzt.

[5] Small’s Beweisführung dazu (p. 31 ff.) scheint mir so gelungen, dass sie einer Erneuerung nicht bedarf; cf. Anm. z. Z. 2642.

[6] Es darf hier die schon öfter zit. Stelle aus den Conversations with Drummond, ed. Ph. Sidney, London 1906, p. 33, nicht aus dem Auge gelassen werden: he (Jonson) had many quarrels with Marston, beat him, and wrote his Poetaster on him.

[7] III, 1. Merm. Ser. p. 315.

[8] ebenda.

[9] ed. Sidney, L. 1906, p. 13.

[10] Arber’s Reprint, III, 195.

[11] Poet. III, 1, Merm. Ser. p. 311.

[12] l. c. p. 315.

[13] Lit. Zentralblatt, 1905, Nº 36. Sp. 1195.

[14] cf. Z. 1587 u. 2510.

[15] Vergl. die Anmerkung zu Satirom. Z. 2659.

[16] (Über das Datum von Goosecappe werde ich ausführlicher in meiner Ausgabe handeln. W. B.).

[17] cf. auch: Freeman, The Reign of William Rufus, II, p. 672.

[18] cf. Koeppel, Studien über Shakespeare’s Wirkung, Mater. IX, p. 4: Dead, she’s death’s Bride, klingt wie eine Wiederholung der Klage des alten Capulet, IV, 5, 35 ff.

[19] Quellenstudien z. d. Dramen Ben Jonson’s etc. Erlangen 1895, p. 50 u. 63.

[20] Sie wurden von Bang in d. Dekker-Studien, Engl. Stud. 28, 225 ff. zusammengestellt. — Vgl. auch die Bemerkungen zur Sprache Morgan’s, bei Kreb, i. s. Ausgabe d. Valiant Welshman, p. XX ff.

[21] Quarrel, p. 122 ff.

[22] Poetaster, p. XXXXI ff.

[23] sämmtlich aus Horaz bekannt.

[24] Mod. Lang. Notes, XX, 216.

[25] Poet. III, 1. p. 314.

[26] Epist. I, 15, 31.

[27] Quarrel, p. 126 u. d. Anm.

[28] Z. 1454 ff. und 1844 ff.

[29] l. c. 124.

[30] i. d. Orationes, 1798. p. 429 ff. Vergl. auch den 26. Brief des älteren Philostratos.

[31] Migne, Patrol. Graeca, 66, 1167-1206.

Satiro-mastix.