Die wichtigste Stadt der unabhängigen Eingebornenreiche im Innern Süd-Afrika's ist unstreitig der Hauptort der östlichen Bamangwato: Schoschong. Im Hauptthale der interessanten, nach dem sie bewohnenden Stamme benannten Höhen zieht sich das nur nach den sommerlichen Regengüssen gefüllte Bett eines unbedeutenden Flüßchens, das von Norden her aus einer an der Mündung ziemlich breiten Felsenschlucht ein auch nur periodisch fließendes, zur Regenzeit jedoch hochangeschwollenes Bächlein »Schoschon« aufnimmt und an dem die Stadt gelegen ist; daher auch der Name »Schoschong«, der Ablativ von Schoschon (am Flusse liegend).

Schoschong war vor etwa zehn Jahren, bevor noch die Kämpfe zwischen den einzelnen Gliedern der königlichen Familie ausgebrochen waren, die bevölkertste Stadt in den unabhängigen Betschuanaländern. In diesen, den Ländern der Batlapinen, Barolongen, Banaquaketsen, Bakwena, der östlichen und westlichen Bamangwato, in denen die Hauptmacht des regierenden Stammes gewöhnlich in der jeweiligen Hauptstadt concentrirt ist, nahm Schoschong als eine der älteren Städte mit seiner Bevölkerungszahl von 30.000 Seelen den ersten Rang ein, gegenwärtig zählt die Stadt kaum mehr als ein Fünftel der einstigen Bevölkerung. Diese Abnahme ist namentlich Sekhomo's Werk, der zur Zeit meines ersten Besuches die östlichen Bamangwato beherrschte, er ist es, der nicht allein den Bürgerkrieg entfachte, durch welchen viele Bewohner das Leben verloren, sondern auch eine Spaltung des Stammes und die Auswanderung der Makalaka hervorrief. Unter dem gegenwärtigen Regime des besten der Betschuana-Herrscher erholt sich die Stadt augenscheinlich und wenn das Land nicht in den nächsten Jahren durch einen feindlichen Einfall der Zulu-Matabele leidet, wird es wie früher seinen Vorrang unter den Eingebornenreichen im Innern Süd-Afrika's erringen. Für den Weißen, sei er Forscher, Händler oder Jäger, war es von jeher ein Ort von höchster Wichtigkeit und wird es auch bleiben, und zwar aus folgenden Gründen:

In die vier südlichen Betschuana-Königreiche führen drei Wege: vom West-Griaqualande, vom Oranje-Freistaate und dem Transvaalstaate; diese vereinigen sich nach Norden zu in der Stadt Schoschong und von hier verzweigt sich wieder die Route nach Norden zum Zambesi, nach Nordosten zu dem Matabele- und Maschona-Lande, und nach dem Gebiete der westlichen (Ngami-See) Bamangwato und endlich zum Damaralande nach Nordwesten, so daß ein Besuch dieser Länder oder des nördlichen Theiles Süd-Afrika's, sowie das Vordringen nach Central-Afrika vom Süden her, von der Aufnahme der Weißen von Seite des Königs Khama, des Sohnes Sekhomo's, abhängt.

Das erwähnte Hauptthal in dem Hochlande der Bamangwato ist 4-6 englische Meilen breit, mit Gras und Büschen bewachsen, ein Theil ist cultivirt und an der Vereinigung mit der Schoschong-Schlucht erblickt das Auge des Reisenden einige hundert dunkelgraue, kegelförmige Strohdächer, welche die niedrigen cylindrischen, etwa 2 Meter hohen und 3-3½ Meter im Durchmesser enthaltenden Hütten bedecken. Hie und da ist eines von den rauhen, dunkelgrünen Blättern der Kalebaß-Kürbisse überrankt.

Bevor wir jedoch aus Süden kommend die Stadt betreten, finden wir etwa 600 Schritte vor derselben das aus drei Gehöften und fünf einzeln stehenden, theils im Style der Bamangwatohütten, doch größtentheils im europäischen Style aus gebrannten Ziegelsteinen erbauten und mit Giebeldächern versehenen Häusern bestehende, »weiße oder Händler-Viertel«, in dem englische Händler einen Theil des Jahres wohnen, um mit den Eingebornen zu verkehren, und auch, wie es früher der Fall war, um den in das Innere ziehenden Jägern die nöthigen Bedürfnisse vorzustrecken, welche Darlehen von den Jägern nach ihrer Rückkehr mit Elfenbein und Straußenfedern zurückerstattet wurden. Das wichtigste Handels-Etablissement war das der Herren Francis und Clark, welche jedoch wie alle Binnenhändler in den letzten Jahren große Verluste erlitten. Bisher verwehrte es der König den Weißen, sich an Ort und Stelle ein Grundstück käuflich zu erwerben, er überließ ihnen jedoch während der Zeit ihres Aufenthaltes dasselbe unentgeltlich. Nachdem wir die zerstreuten Gehöfte der Weißen passirt, um zu dem Labyrinthe der Betschuanahütten zu gelangen, betraten wir die Stadt, in der mir zahllose verlassene Gehöfte auffielen. An einigen wurden Verbesserungen vorgenommen. Hier sahen wir Frauen mit Hilfe der bloßen Hand die in den Boden etwa einen Fuß tief eingerammten, armdicken, knorrigen und mit Grasstricken aneinander befestigten, eine cylindrische, fünf bis sechs Fuß hohe Wand bildenden Pfähle überschmieren. Das Material hiezu bereiten einige Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, welche bis auf eine etwa handbreite, aus Glasperlen oder Sternchenschnüren gearbeitete Schürze jeder Bekleidung entbehrend, in einer mäßigen Vertiefung den rothen Lehmboden unter einem monotonen Gesange stampfen, was ihnen ebenso Freude bereitet, wie es den Müttern das notwendige Baumaterial verschafft. Eine alte Frau, die mit ihren dünnen Gliedern und der vertrockneten, pergamentartigen Haut mehr einer wandelnden Mumie ähnelt und in ihrem Aussehen der Sorgfalt ihrer Kinder kein gutes Zeugniß gibt, sitzt nahe an der Grube und schüttet langsam aus den an sie herangestellten Töpfen dem Anwurfsmateriale Wasser zu. Dort klettern wieder einige Frauen auf den eben mit frischgetrockneten und in Bündelchen angelegten, grasbedeckten Dächern herum, um sie theilweise zu glätten, die widerspenstig hervorragenden Halme herauszuziehen, andere das Dach mit dünnen Grasschnüren der Länge und Breite nach zu überziehen. An den Pfaden, in den Höfchen, doch meistens am Zaune, haben sich neugierige Frauen postirt, die ihre Säuglinge auf dem Arm und überdies noch einen Haufen kleiner, nackter Kinder um sich geschaart, lachend den fremden Makoa (Weißen) anstaunen und ihre Meinungen über denselben austauschen. Der Hals ist mit zahllosen, dunkelblauen großen Glasperlen, die in Schnüren aneinander gereiht sind, bedeckt, die Brust entblößt—blos hie und da bedeckt ein Cattunröckchen und ein Wolltuch (meist roth und schwarz carrirt) den Körper, der Unterkörper ist meist mit einer bis an die Knie oder bis zu den Knöcheln reichenden Carosse verhüllt. Nach einer Stunde haben wir uns aus dem Labyrinthe herausgearbeitet und treten in die eigentliche Schlucht ein, die etwa 400 Schritte breit, sich nach 1000 Schritten allmälig zu einem Felsenthore einengt. Wenn wir gegen dasselbe hinblicken, so scheint es, als wenn hier die Schlucht ihren Abschluß finden möchte; dem ist aber nicht so, es ist nur die westliche steile Wand der Felsenenge, welche in ihrer Wendung nach Osten sich bis an die von zerrissenen Felsblöcken (der sogenannten Affenburg) gekrönte Ostwand vorschiebt; wie die Geschichte der Stadt es beweist, ist diese Felsenge für den Besitz derselben von der größten Wichtigkeit.

Frauenschürzen der Bamangwato's.
[Frauenschürzen der Bamangwato's.]

Bamangwatohütten in Schoschong.
[Bamangwatohütten in Schoschong.]

Auf unserem Wege durch die Schlucht, nach den vor diesem Felsenthore je an einem Abhange erbauten steinernen Missionsgebäuden, sehen wir den zur Rechten durch drei Häusergruppen gebildeten mittleren Stadttheil, während der hintere eine halbe Stunde jenseits der Felsenenge in einem Felsenbecken erbaut ist.

Kotla in Schoschong.
[Kotla in Schoschong.]

An der steilen Berglehne zur Linken (unbedeutend hoch über dem Flußbette) sieht man Ruinen eines europäischen Häuschens, es sind die Ueberreste der Hermannsburger Missionskirche, die nach dem Scheiden der Hermannsburger Mission von Schoschong, wo sie der Londoner Missions-Gesellschaft Raum machte, verfiel, bis sie in einem der Kämpfe als ein Bollwerk benützt, und bis auf die lehmigen Mauern zerstört wurde.

Das Missionsgebäude an der rechten Felsenwand ist wohnlicher und stellt ein großes Gehöfte dar, in dem sich auch die Schule und die Wohnungen für die verheirateten, schwarzen Seminaristen und die Kirche befinden. Zur Zeit meines ersten Besuches in Schoschong wohnte hier als Prediger einer der edelsten Männer, die ich in Afrika kennen gelernt, Rev. Mackenzie, der seit 1876 mit dem Seminar nach Kuruman übersiedelte. Seine Stelle wurde nicht ersetzt, in dem anderen Hause wohnt bis heute noch Rev. Hephrun.

Bamangwatohaus.
[Bamangwatohaus.]

Von dem Herrn des Hauses freundlichst aufgenommen, wurden wir von seiner Frau Gemahlin mit einer Tasse Thee und einer Brotschnitte bewirthet und brachen sodann in seiner Begleitung wieder nach der Stadt auf, um den König, der schon in der Kotla Platz genommen, zu begrüßen. Aus dem engen Felsenthore, unter der vorerwähnten Affenburg strömt ein förmlicher Zug von Frauen, manche wieder lenken in die Schlucht ein—andere kommen von den im mittleren Drittel der Schlucht entspringenden Quellen, um Wasser zu holen oder eilen zu ihnen hin. Sie haben die rauhgar gegerbten Felle, Carossen (mit den Haaren nach innen) toga-artig um den Leib geschlungen; die Rechte hängt heraus oder hält das am Kopfe getragene Thongefäß. Sie verstehen sich darauf, diese irdenen, wenn auch noch so schweren Töpfe über den sehr steinigen Weg hin, sehr gut zu balanciren. Die Carossen sind reichlich mit einfachen aus Glasperlen und Riemchen verfertigten Zierraten geschmückt, die Waden mit Wadenringen (Glasperlen und Messingdraht) bedeckt, die Unterschenkelbildung vollkommen verunstaltend und verhüllend.

Auf unserem Wege nach des Königs Hütten, welche um die Kotla, d.h. den Berathungsplatz der conservativen Betschuana's, erbaut sind, haben wir Gelegenheit zu beobachten, wie freundlich unser Begleiter von Alt und Jung von den Vorübergehenden mit »Rumela« oder einem Hutlüften gegrüßt wird. Die Kotla ist ein kreisförmiger, von 10 bis 30 Centimeter im Durchmesser starken Baumstämmen umfriedeter, ebener Raum, welcher nach Süden einen Ausgang in eine kleinere Umfriedung und nach Norden einen Eingang hat. Die zweite Einfriedung ist des Königs Rindviehkraal, d.h. eine Umzäunung, in welcher die Milchkühe oder Schlachtthiere zur Nachtzeit untergebracht werden, während die Pferde in der Kotla übernachten können. Der Eingang zu diesen beiden Räumen wird in der Nacht mit Holzpfählen geschlossen. Zur Kriegszeit wird Nachts in der Kotla ein hellloderndes Feuer unterhalten.

Schoschong, früher der Sitz eines Hermannsburger Missionärs, ist gegenwärtig eine Station der London Missionary Society. Zur Zeit meines ersten Besuches (1874) standen derselben Rev. J. Mackenzie (der Autor des Werkes »Ten Years north of the Orange-River«) und Hephrun vor. Ihre Amtsbrüder in Molopolole hatten mir die Post für Schoschong mit auf den Weg gegeben, und mich damit an Rev. Mackenzie gewiesen. Seine freundliche Aufnahme, sein höchst freundliches und anspruchsloses Betragen während meines ersten Aufenthaltes in Schoschong, seine freundschaftliche Zuvorkommenheit während meines zweiten Besuches und seine wahrhaft brüderliche Sorgfalt, die er mir angedeihen ließ, als ich mittellos und krank von der dritten Reise zurückkehrte, haben mich oft alle Müh- und Drangsale meiner Laufbahn vergessen lassen, mich mit innerstem Danke gegen diesen wahren Apostel des Friedens erfüllt und mich seinen anhänglichsten und wärmsten Freund werden lassen. Ich erfülle eine der angenehmsten Pflichten, indem ich auch an dieser Stelle meinem Dankgefühle Ausdruck gebe.

Rev. John Mackenzie, ein Ehrenmann im vollsten Sinne des Wortes, bekleidete als Missionär in Schoschong angesichts der steten Kämpfe in der königlichen Familie der östlichen Bamangwato eine der schwierigsten Stellen in Süd-Afrika, doch wie geschaffen für den Posten wirkte er mit der größten Umsicht als Vermittler zwischen den einzelnen Parteien; mit seltener Klugheit und tiefem Mitgefühl für das Edle und Gute begabt, wußte er jeden Conflict zwischen den einzelnen Stämmen in Güte zu schlichten und den Sinn für Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu wecken. Wenn heute Khama, der Sohn Sekhomo's, als der beste Herrscher unter den Eingebogen Süd-Afrika's anerkannt wird, so ist dies das Werk Rev. Mackenzie's. Ich verdanke ihm vielfache Aufklärungen und Mittheilungen über die Geschichte und die Gebräuche der Betschuana's, deren Treue ich in mehrfacher Hinsicht durch eigene, spätere Forschungen bestätigt fand.

Ich lagerte mit meinem Wagen am Südostende der Stadt und war bald von einem Haufen Neugieriger umringt. Da es Herr Mackenzie für angezeigt hielt, baldigst Sekhomo's, des Königs, Bekanntschaft zu machen, so begab er sich mit mir zu ihm und bald saßen wir dem alten Manne auf kleinen Stühlen in der Kotla gegenüber. Von seiner bettelhaften Zudringlichkeit abgesehen, konnte ich mich während meines kurzen Aufenthaltes in Schoschong über Sekhomo's Betragen nicht beklagen. Mehr als von Mittelgröße, etwas beleibt, unterschied er sich durch nichts von den Umsitzenden, sein Auftreten ließ den Beherrscher eines so großen Gebietes kaum vermuthen. Ein kleiner Lederlappen war um seine Lenden geschlungen, ein Ledermäntelchen hing um die Schultern. Dieses ist in der Regel bei den östlichen Bamangwato's aus Hartebeest-Fell gearbeitet, bis auf fünf Stellen (siehe die Illustration) glattgar gegerbt, mit einem aus dem Felle der Säbelantilope geschnittenen schwarzen Ringe (oder zuweilen ohne denselben) nahe an der unteren Ecke verziert und oben am Halsrande mit aus Glasperlen etc. gearbeiteten Verzierungen behangen. Nach einigen gewechselten und durch Herrn Mackenzie verdolmetschten Phrasen schied ich aus der Kotla, um meinen Besuch nächsten Tages zu wiederholen.

Ich will nun, bevor ich zu meinem persönlichen Verkehr mit Sekhomo und seinen Bamangwato's übergehe, einige wichtige Episoden aus der Geschichte des Bamangwato-Reiches anführen.

Nach den von meinem Freunde Mackenzie gesammelten Traditionen stammen die Bamangwato von den Banquaketse ab. Wie schon erwähnt, theilten sich die Baharutse in mehrere Unterabtheilungen und wanderten von den gemeinsamen Stammsitzen aus; eine dieser Unterabtheilungen theilte sich später wieder in zwei Stämme, die Banquaketse und die Bakwena, von welchem ersteren endlich die Bamangwato's sich als der schwächere Theil loslösten und die Gebiete nördlich der Bakwena's bis an den Zambesi und Tschobe besetzten. Zur Zeit Matipis, des Urgroßvaters Sekhomo's, fand eine neuerliche Theilung der Bamangwato's statt, welcher die beiden Bamangwato-Reiche (das westliche am Ngami-See und das östliche zu Schoschong) ihre Existenz verdanken.

Der Stifter des ersteren war Towane, der jüngere der beiden Söhne Matipi's, Khama blieb in den Bamangwato-Höhen. Towane behandelte den mit ihm ziehenden greisen Vater so schlecht, daß dieser wieder zu Khama seine Zuflucht nahm. Khama ließ ihn zwar im Lande, verbot ihm aber die Stadt zu betreten; über diesen schnöden Undank seiner beiden Söhne brach dem alten Manne das Herz und er nahm sich das Leben. Seine Grabstelle wird noch bis jetzt von den Bamangwato's in hohen Ehren gehalten.

Der Gerechtere unter den sieben Bamangwato-Herrschern, deren Namen uns die Tradition nennt, war Khari, von ihm heißt es, daß er muthig und kriegerisch war, klug, wenn er in der Kotla sprach, und milde mit den Makalahari, den Madenassana und Masarwa's, den Unterjochten im Reiche. Er war auch von den Nachbarvölkern so geachtet, daß viele, wie die Makalaka's und einige weiter östlich wohnende Maschona's an ihn freiwillig Tribut zahlten. Leider wird auch hier an den Betschuana-Fürsten der Historiker eine ihm so wohlbekannte Erscheinung zu beobachten haben. Der Mächtige, im eigenen Lande Hochgeehrte, bei den Nachbarn Geachtete und von seinen Feinden Gefürchtete wollte noch höher steigen. Dieser Versuch führte aber seinen Fall herbei. Einen der südlicheren kleineren Maschona-Häuptlinge angreifend, fiel er mit dem Kerne seiner Truppen in einen Hinterhalt, in dem er mit seinem Unterhäuptling den Tod fand, während die Bamangwato-Armee beinahe vollkommen aufgerieben wurde und in Folge dieser Niederlage im Lande allgemeine Anarchie einriß. Die Maschona's, welche die Kampfweise der Bamangwato kennen gelernt hatten, theilten ihre Armee in zwei Theile. Die jüngeren Regimenter (die jungen Soldaten) mußten den anrückenden Feinden entgegengehen und ihn angreifen, dann zurückweichen, die Flucht fingiren, während inzwischen die alten Regimenter die feindliche Armee nach Zulu-Art zu umzingeln hatten. Der Plan gelang vollständig. Die angreifenden Maschona's nahmen Reißaus, kehrten sich jedoch gegen ihre Verfolger und stachen sie nieder, während die Hauptmacht der Ersteren Khari und sein Gefolge, die sorglos der scheinbar siegenden Vorhut folgten, angriff und niedermetzelte. Die in der Hauptstadt des Landes und hie und da im Lande zurückgebliebenen Häuptlinge hoben nun die Söhne des Khari auf den Schild; bevor es indeß noch zum Bürgerkriege kam, wurde das Land von dem aus den Oranje-River-Gegenden ausgewanderten und von Sebituane angeführten Basutostamme der »Makololo« besetzt, während die Hinterbliebenen des Königs als Gefangene nach Norden mitgeschleppt wurden, wohin die Makololo's zogen, um sich am Tschobe eine neue Heimat zu gründen. Im südlichen Theile des Mababifeldes gelang es den Gefangenen zu entfliehen und Sekhomo, der älteste Sohn Khari's, obwohl nach dem Gesetze von der Thronfolge ausgeschlossen, da er nicht ein Kind des ersten Weibes seines Vaters war, durcheilte das Land, um die Zerstreuten zu sammeln und sich Vasallen zu sichern. In einem der folgenden Kämpfe mit den Makololo's gelang es ihm nicht nur den Angriff derselben erfolgreich abzuwehren, sondern auch ein Reservecorps der Makololo's in einem Engpasse der Bamangwato-Höhen (Unicornpaß) vollkommen aufzureiben. Dieser Sieg gewann ihm die Unterstützung der meisten Häuptlinge des Landes. Der eigentliche Thronerbe und Stiefbruder ward auf sein Anstiften von den Letzteren getödtet. Sein Bruder Matscheng wurde von der Königin (seiner Mutter) durch Flucht vor einem ähnlichen Schicksale bewahrt.

Sekhomo und sein Rath.
[Sekhomo und sein Rath.]

Der Sieg der Bamangwato's über die Makololo's blieb nicht lange vereinzelt, bald waren sie so erstarkt, daß sie auch den Matabele-Zulu's erfolgreich Widerstand leisten konnten, welche seit 30 Jahren jährlich nach den Betschuanaländern kamen, um zu morden, zu plündern und zu rauben. Ja es gelang ihnen sogar, den Matabele das geraubte Vieh abzujagen und viele derselben niederzumachen. Dieser Waffenerfolg der Bamangwato schüchterte den Matabele-König Moselikatse etwas ein und hatte zur Folge, daß die östlichen Bamangwato längere Zeit von den Belästigungen der Matabele verschont blieben. Ein späterer Versuch Moselikatse's einen Raubzug nach dem Lande der Bamangwato zu unternehmen, hatte ein klägliches Ende. Moselikatse sandte 40 Zulukrieger zu Sekhomo ab, um von ihm Tribut zu fordern. Sekhomo ließ die Seinen sich heimlich rüsten und die Abgesandten niedermetzeln. Seit diesem Vorfalle wagte es Moselikatse 20 Jahre hindurch nicht, die Bamangwato's zu beunruhigen, so daß diese sogar ihre Viehheerden bis gegen den Matliutse vorschoben. Im März 1862 jedoch erneuerte er, durch einen zu ihm geflüchteten Bamangwato-Unterhäuptling, Kirekilwe, dazu bewogen, den Angriff. Die am Matliutse und Serule Vieh hütenden Makalahari wurden getödtet, ein Dorf der Maschwapong in den östlichen Bamangwato-Höhen zerstört. Nur zwei Männer konnten als Ueberlebende des Dorfes die Nachricht nach Schoschong (der von Sekhomo gewählten Residenz) bringen. Seine Söhne Khama und Khamane brachen nun auf, um diesen Einfall zu rächen; sie griffen die Matabele an, schlugen zwei Haufen zurück, wurden jedoch von einem dritten, der auf einem Raubzuge begriffen, durch das Schießen angelockt wurde, im Rücken angegriffen und hatten Mühe, nachdem sie etwa 40 Matabele getödtet und dabei 20 der Ihrigen verloren, Schoschong wieder zu gewinnen.

Die Matabele kamen nur bis in das Franz Josef-Thal und näherten sich den die Schoschon-Schlucht und Schoschong beherrschenden und von den Bamangwato's vertheidigten Höhen bis auf Schußweite. Sie zerstörten die Felder und da sie aus guten Gründen das Eindringen in die Schlucht vermeiden wollten, machten sie mehrere, jedoch erfolglose, Versuche, die Bamangwato's zum Kampfe in der Ebene zu verleiten. Sie verließen endlich das Franz Josef-Thal und zogen heim, die geraubten Heerden mit sich führend, die ihnen Sekhomo indeß zwei Wochen später wieder abjagte.

Seit diesen Erfolgen mehrte sich das Ansehen der Bamangwato, da die Matabele als die tapfersten Krieger angesehen wurden; aus dem Matabelelande kamen Makalaka, Batalowta, Mapaleng, Maownatlala und Baharutse als Flüchtlinge und baten um die Erlaubniß, sich an den Bamangwato-Höhen niederlassen zu dürfen. Ich erwähnte, daß der Stiefbruder Sekhomo's, Matscheng, mit seiner Mutter zu den Bakwena's geflohen war. Hier wurde er von den auf einem Raubzuge befindlichen Matabele's gefangen, doch befreit, fiel aber bei dem nächsten Raubzuge denselben Matabele's wieder in die Hände und wurde von diesen als gemeiner Soldat »Le-chaga« aufgezogen.

Seschele, der schon längst seine angeblichen Anrechte auf die Bamangwato's (da sie von den Banquaketse's abstammten) geltend machen wollte, sich jedoch offen aufzutreten zu schwach fühlte, suchte im Geheimen die Bamangwato's für Matscheng, ihren rechtmäßigen Herrscher zu gewinnen, was ihm auch theilweise gelang. Durch Dr. Mossat's Einfluß wurde der Gefangene im Matabeleland freigelassen und von Seschele mit Pomp empfangen, was diesem in Schoschong zu solchem Ansehen verhalf, daß er als sich Tschukuru (nächst Sekhomo der erste Mann im Lande) für ihn erklärte, als König in Schoschong einziehen konnte. Seschele wurde für seine Hilfe mit Elfenbein und Straußenfedern bezahlt.

Sekhomo flüchtete nun zu Seschele, wo er mit offenen Armen aufgenommen wurde. Matscheng behauptete sich jedoch nicht lange in Schoschong; er war als Matabele-Krieger aufgezogen worden und wollte den Despotismus derselben unter den conservativen Bamangwato's einführen, die von ihm begangenen Uebergriffe und Grausamkeiten kosteten ihm bald den Thron. Tschukuru war der erste, der sich gegen ihn auflehnte und mit Seschele's Hilfe, Sekhomo wieder auf den Thron brachte. Der flüchtige Matscheng aber wurde wieder von Seschele auf das Freundlichste aufgenommen. Dies geschah im Jahre 1859, also vor dem letzterwähnten Angriffe der Matabele auf die Bamangwato.

Von Interesse ist es vielleicht zu hören, daß, obgleich Matscheng als Stiefbruder Sekhomo's, Khari's Sohn genannt wurde, er thatsächlich nicht dessen Sohn war. Seine Mutter war die erklärte Königin und deshalb war Matscheng, obwohl einige Jahre nach Khari's Tode geboren, legal, während Sekhomo, obwohl Khari's Sohn, aber von einem Weibe zweiten Ranges geboren, als illegal angesehen wurde.

Im Jahre 1864 vereitelte Sekhomo den bereits erwähnten Angriff Seschele's auf Schoschong. Als im Jahre 1865 die Boguera in Schoschong gefeiert wurde und Sekhomo seine beiden Söhne, Khama und Khamane, nicht unter den »gestellten« Knaben und Jünglingen gewahrte, wurde der König so wüthend, daß er dieselben ein volles Jahr durch Moloi's »bezaubern« ließ, allein mit keinem anderen Erfolge, als beiden die Sympathien der jungen Regimenter zuzuwenden.

Der Haß Sekhomo's mehrte sich noch, als Khama, ein Schwiegersohn Tschukuru's, sein ihm von dem Prediger angetrautes Weib der Boguera nicht unterwerfen wollte, was Sekhomo den alten Gebräuchen gemäß forderte, wenn sie von Rechtswegen Königin werden sollte. Sekhomo wollte heimlich Tschukuru tödten; unter den Bamangwato's wagte er es jedoch nicht, die Mörder zu suchen und auch von den Matabele-Flüchtlingen wollte keiner die That auf sich nehmen. Im Jahre darauf, nachdem Sekhomo durch alle möglichen Mittel, Ueberredungen und Abschreckungen seinen Söhnen viele Freunde abwendig gemacht zu haben glaubte, unternahm er während einer Nacht einen Angriff auf die Hütten der Beiden. Er ließ heimlich seine Getreuesten versammeln und hieß sie auf die Hütten seiner Söhne losfeuern. Da jedoch Keiner dem Befehle Folge leisten wollte, legte er selbst an, doch wurde ihm das Gewehr aus der Hand geschlagen. Vergeltung befürchtend floh er nun zu seiner Mutter, doch seine Söhne verziehen ihm nicht allein, sondern setzten ihn wieder unter der Bedingung als König ein, daß er gegen sie und die christliche Gemeinde kein neues Attentat versuchen dürfe. Sekhomo versprach es, doch sein Charakter war nicht darnach, einer neuen Versuchung, die Verhaßten verderben zu können, aus dem Wege zu gehen.

Schon kurze Zeit darauf sandte er zu Seschele, lud Matscheng zu sich, um sich mit diesem gegen seine Söhne zu verbinden. Im März desselben Jahres brachte Sekhomo einen zweiten Anschlag gegen seine Söhne zur Ausführung, diesmal gelang es ihm namentlich durch Versprechungen viele der Bamangwato's zu gewinnen, so daß Khama und Khamane mit ihrem Anhang sich auf die Berge flüchten mußten, nachdem sie eine Belagerung in der zerfallenen Kirche der Hermannsburger Mission ausgehalten hatten. Als nach vierwöchentlichem Kampfe Sekhomo noch immer kein Resultat sah, sandte er um Makalahari und die Makalaka erstürmten die Tafelfläche der Höhe und belagerten von hier aus die auf dem, von der Tafelfläche emporsteigenden isolirten Felsenhügel sich verteidigenden Söhne. Nach achttägiger Belagerung ergab sich Khama mit seinem Anhange aus Wassermangel auf Gnade und Ungnade, ohne jedoch persönlich zum Heidenthume zurückzukehren. Sekhomo schenkte wohl seinem Sohne das Leben, nicht aber seinen Getreuen, sie mußten alle fliehen, und viele, darunter auch Tschukuru, wurden getötet.

Schon im Monat Mai erschien Matscheng in Schoschong um abermals sein Recht zu fordern. Khama und Khamane erklärten sich offen gegen den Prätendenten, ohne jedoch zu den Waffen zu greifen. Sekhomo wurde jedoch zuerst seines »Stiefbruders« überdrüssig und sann auf neue List. Er berief eine öffentliche Versammlung ein, wozu Matscheng und seine Söhne geladen waren, er wollte diese zuerst in die Kotla eintreten und selbe dann umzingeln lassen, um sich so mit einem Schlage von allen seinen Gegnern zu befreien. Allein wie immer erfuhr Khama diesen Anschlag und warnte Matscheng; am Versammlungstage wußten es die Geladenen so einzurichten, daß sie die Letzten in die Kotla eintraten. Da sann Sekhomo einen neuen Plan, doch die Seinen ließen ihn wieder im Stiche und er mußte fliehen. Matscheng ward nun zum zweiten Male erklärter Herrscher der Bamangwato's.

Sekhomo flüchtete sich zu den Manupi, im Lande der Banquaketse, dann zu den Makhosi, wurde jedoch von hier auf Seschele's Befehl ausgetrieben und floh zu Chatsitsive nach Kanja. Kaum fühlte sich jedoch Matscheng alleiniger Herrscher der östlichen Bamangwato, so verfiel er in seine alten Gelüste und benahm sich wie ein Zulu-Usurpator. Den Einfluß und die steigende Macht Khama's und seines Anhanges trachtete er bei dem Volke durch die Erklärung zu untergraben, daß die Kirche eine dem Staate feindliche Gewalt sei und versuchte das religiöse Pflichtgefühl der christlichen Gemeinde auf jede Art zu verletzen. Der offene Ungehorsam, der seinen diesbezüglichen Befehlen entgegengesetzt wurde, bestärkte Matscheng in seinem Streben, sich Khama's zu entledigen. Da dies mit Waffengewalt nicht gut möglich war, blieb kein anderer Ausweg übrig, als die Moloi's herbeizuziehen; doch all' ihre anstrengende Arbeit blieb wirkungslos, ebenso erfolglos war Matschengs Bestreben, zu diesem Zwecke von einem weißen Händler Gift zu erhalten.

Matschengs Herrlichkeit nahm ein schnelles Ende. Während eines Besuches bei Chatsitsive im Banquaketseland traf Khama den König Seschele, welcher ihm Hilfstruppen lieferte, um Matscheng aus Schoschong zu vertreiben. In einer im Franz Josef-Thale an der Mündung der Schoschonger Schlucht gelieferten Schlacht, welche auch in taktischer Hinsieht dadurch an Bedeutung gewann, daß die unter Kuruman, dem Sohne Moselikatse's, Führung stehenden Matabele's, die Verbündeten Matschengs, zu Pferde fochten, wurde dieser geschlagen. Khama, der diesen Angriff voraus sah, hatte seine in früheren Kämpfen erprobten Schützen als Tiralleurs vorrücken und hinter kleinen Büschen Posto fassen lassen und dadurch die berittenen Matabele zur zerstreuten Fechtart gezwungen, in welcher sie gegen die gedeckt stehenden Schützen nicht aufkommen konnten. Noch während der Schlacht fiel Kuruman von Matscheng ab und trat den Rückzug nach dem Rustenburger District an. Matscheng und seine Leute flohen in regelloser Flucht, nachdem sie das Haus des Händlers Drake geplündert hatten.

Seit jener Zeit ließ sich der nach den Landesgesetzen rechtmäßige, doch allgemein durch seine Handlungsweise verhaßte Herrscher der östlichen Bamangwato nicht mehr in Schoschong blicken und zog zunächst nach den Maschwapong-Höhen am mittleren Laufe des Limpopo (im östlichen Bamangwatolande) und von Khamane aus diesem Zufluchtsorte vertrieben später nach dem Mabolo-Gebirge. Nach der Vertreibung Matschengs wurde Khama der erklärte König der östlichen Bamangwato, und es schien, als ob nun nach so vielen Fehden und nachdem die beiden Haupt-Unruhestifter Matscheng und Sekhomo außer Land waren, Friede in demselben herrschen sollte. Doch das gute, kindliche Herz Khama's brachte es trotz aller bitteren Erfahrungen nicht über sich, Sekhomo in der Verbannung zu lassen; unter dem Versprechen Frieden zu halten, rief er ihn nach Schoschong zurück. Doch es währte nicht lange und Sekhomo begann neuerdings zu wühlen; zunächst versuchte er seine beiden Söhne Khama und Khamane zu entzweien, indem er das Matscheng abgenommene Vieh sowie ein Dorf der Manansa, die im Albertslande (dem Höhenlande südlich von den Victoriafällen) wohnten, Khamane zusprach. Leider ließ sich Khamane verleiten; in der Hoffnung, einst den Thron zu besteigen, blieb er gegen Khama's und die Vorstellungen meines Freundes Mackenzie taub, der eine Verständigung zwischen den beiden Brüdern und dauernden Frieden im Lande herbeiführen wollte.

Flucht auf die Berge.
[Flucht auf die Berge.]

Khama wanderte hierauf mit dem größten Theile der Schoschonger Bevölkerung aus, ließ sich im Gebiete der westlichen Bamangwato am Zuga-River nieder und erwarb sich hier unter den Batowana's große Achtung und Zuneigung. Doch seine Leute wurden durch die Fieber am Zuga-River decimirt und so blieb Khama nichts übrig, als an die Rückkehr zu denken. Dies war der Zustand der Dinge, als ich in Schoschong anlangte.

Meine nächste Sorge nach unserer Ankunft in Schoschong war die Ergänzung meines Proviants, der bereits bedenklich zur Neige ging; es ging dies schwerer als ich dachte, und nur durch die freundliche Vermittlung Rev. Mackenzie's gelang es mir, den dringenden Bedarf zu decken. Aus eben diesem Grunde mußte ich auf die Ausführung meines Wunsches verzichten, bis zum Zuga oder Botletle vorzudringen.

Schon am 9. stattete mir Sekhomo den ersten Gegenbesuch ab und ich hatte anfangs das Vergnügen, das sich bald in eine Plage umwandelte, den König mit seinen Linjaka's, die wir aus näher zu erläuternden Gründen den Aasvogel-Rath nannten, täglich ein bis zweimal bei uns zu sehen. Der König schüttelte mir stets die Hand, während unterdessen sein holländisch redendes Factotum diese oder jene Bettelei vorbrachte. Er stand in der Regel mit eingestemmten Armen vor mir, während der Rath in einem Halbkreise um ihn herumhockte und seine Geberden nachahmte. Lachte er, lachten die Aasvögel mit, eines Tages verbrannte er sich die Lippen an dem heißen Thee, den ich ihm anbot, auch diesmal beeilte sich der versammelte Rath, die Gesichter zu verziehen und ihrem Bedauern Ausdruck zu geben; gähnte seine Majestät, so blieben die alten Getreuen mit ihrer Beisteuer nicht zurück und macht er sich auf den Heimweg, so erhob sich einer nach dem andern, um dem König im Gänsemarsch zu folgen.

Am 11. wurde ich auf einen vorüberfahrenden holländischen Jäger, Namens Franz Vissasi, aufmerksam, der mit seiner Familie von der Jagd aus den Zuga- und Mababi-Gegenden heimkehrte. Während seiner sechsmonatlichen Abwesenheit hatte er in diesen 21 Elephanten und 15 Strauße erlegt und theilte mir zwei interessante Löwenabenteuer mit, bei welchen sich sein kleiner Sohn recht heldenmütig betragen haben sollte; er nahm noch am selben Tage meine Hilfe in Anspruch, da drei seiner Kinder an Febris intermittens darniederlagen.

Sekhomo's direkte Einnahmen betrugen nach einer Mittheilung Rev. Mackenzie's 3000 £ St. und bestanden in Rindern, Elfenbein, Straußenfedern, Häuten und Carossen. Staatsausgaben waren unbekannt. Den freien Bamangwato's blieb der Ertrag ihrer Viehheerden, die minderwerthigen Straußenfedern, Thierfelle, sowie je ein Elfenbeinzahn von jenen Thieren, die sie selbst oder ihre Vasallen für sie erlegten.

Am 22. kamen zwei Boerwägen vom Marico-District an, welche verschiedene Victualien zum Verkaufe brachten. An den folgenden Tagen besuchte ich die Höhen, an denen ich einen Matabeleschädel fand und machte Ausflüge im Schoschonthal aufwärts, besuchte den am jenseitigen Ufer des Schoschon-Flüßchens sich erhebenden pittoresken Monkey-Felsen, den nächtlichen Sammelort der Paviane und bestieg einige der anliegenden Höhen. Da wo sich das Thal über dem Monkey-Felsen erweitert, lagen zwei Dörfer der hier als Flüchtlinge lebenden Makalaka's und eines der verlassenen Missionsgebäude des Hermannsburger Predigers Herrn Schukenberg. Ueber dem östlichen Dorf erhob sich ein isolirter Tafelberg, auf dessen Kuppe die Pferde während der Herbstpneumonie-Zeit mit gutem Erfolge gehalten wurden.

Unser Wagen war trotz des mit geringen Unterbrechungen herabströmenden Regens während der ganzen Dauer unseres Aufenthaltes stets von Besuchern und Arbeitern umlagert, es entwickelte sich ein reger Verkehr, der nur einmal durch einen kleinen Zwischenfall, den meine Zugthiere verschuldet hatten, unterbrochen wurde. Die allgemeine Friedensstimmung und gemächliche Ruhe der Bevölkerung wurde eines Tages plötzlich in unerwarteter Weise durch die Nachricht gestört, daß feindliche Matabele im Anzuge seien. Eine mir unerklärliche Panik ergriff nun die Bevölkerung; der König eilte zu mir und lieh sich eines meiner Gewehre aus—ich hatte die größte Mühe, es später wieder zu erlangen—er zeigte mir sein Palladium, ein aus einer Löwenklaue verfertigtes Amulet, das ihn kugelfest machen sollte, und ordnete die Flucht der Bamangwato's auf die Schoschong beherrschenden Höhen an. Die geringen Habseligkeiten eiligst zusammenraffend, die widerspenstigen Rinder- und Schafheerden vor sich hertreibend, floh Jung und Alt den Höhen zu. Die Bestürzung und Verwirrung erreichte den höchsten Grad, als einige Männer auf eine vor der Stadt aufgescheuchte Hyäne einige Schüsse abfeuerten, man wähnte die Matabele schon an den Fersen zu haben.

Tags darauf traf ein Boer-Jäger aus dem westlichen Matabelelande, ein Sohn des berühmten Elephantenjägers Pit Jacobs, der am Tatiflusse residirt, in Schoschong ein, der die Bevölkerung über die völlige Grundlosigkeit ihrer Aufregung aufklärte. Die Beschwichtigungen des Jägers fanden indeß keinen Glauben und selbst die Weißen (Händler) trafen Anstalten zu ihrem Schutze. Rev. Mackenzie rieth mir, baldigst abzureisen, da mir, wenn nicht persönlich, so doch meiner Habe Gefahr drohen konnte.

Als Sekhomo hörte, daß ich abreisen wollte, klagte er über den Schmerz, den ihm mein Entschluß bereite, nannte uns seine Freunde und bat uns, ihn in dieser Bedrängniß nicht zu verlassen. Ich gab ihm für eine seiner sieben Frauen ein blaues Wollkleid als Abschiedsgeschenk, das er mit einem Büschel grauer Straußenfedern erwiderte.

In keiner anderen der auf dieser Reise berührten Eingebornenstädte war es mir vergönnt, eine ähnliche Menge der mannigfachsten ethnographischen Objecte zu gewinnen, als eben hier; was ich noch an Gütern im Wagen hatte, tauschte ich leider zum sichtlichen Mißbehagen der hier ansässigen Händler für Arbeiten der Eingebornen aus. Ich erstand zahlreiche Assagaie, Schlachtbeile und einige Dolche und Messer, Kiri's und Stöcke, hölzerne Kopfpolster, Töpfe und Pfannen, hölzerne Löffel, aus verschiedenem Material gearbeitete Würfel (Zauber- und Doctorwerkzeuge), die verschiedenartigsten Schnupftabaksdosen, Kürbißgefäße, Toiletteartikel und Carosse-Verzierungen, Schürzen und Mützen, Puppen und aus Thon gearbeitete Spielsachen. Zu den wichtigsten von mir erworbenen Gegenständen gehörten Sekhomo's Regen- und Kriegstrommel, ein aus Elfenbein gearbeiteter kleiner Fetisch, Kiri's aus Rhinoceros-Horn etc., auch fehlten Pfeifen nicht. Ich tauschte viele Pallah- (Antilopen-) Leoparden-, Luchs-, Caracal-Felle etc. aus und ließ mir daraus gegen Bezahlung Carossen verfertigen. Bis auf kleine Unterscheidungs-Merkmale gleichen die Arbeiten der Bamangwato's denen aller übrigen Betschuanastämme. Die Bauart der Hütten gleicht der bei den Barolongen üblichen, die Hütten selbst sind nur kleiner und leichter gebaut, hingegen traf ich in ihrer Größe unübertroffene Korngefäße aus ungebranntem Thon. Nicht minder zahlreich als meine ethnographischen Acquisitionen waren die naturhistorischen.[1]

1 Unter den Eidechsen zeichnet sich eine schöne, metallisch in Braun, Dunkelgrün und Blau glänzende, leicht gestreifte, mitunter auch streifenlose Art durch ihre Häufigkeit und Zutraulichkeit aus.

Bevor ich auf die Schilderung meiner Rückreise nach den Diamantenfeldern eingehe, will ich die im vorigen Kapitel begonnenen Mittheilungen über Sitten und Gebräuche der Betschuana's zu Ende führen. Der gewöhnliche heidnische Betschuana besitzt in der Regel eine Frau, die wohlhabenderen zuweilen zwei, Unterhäuptlinge drei bis sechs, die Könige noch mehr, doch nicht so viele, als es im Marutse-Reiche Gebrauch ist. Der wohlhabende Mann macht der neu erworbenen Frau ein Geschenk von mehreren kleinen oder großen Hausthieren.

Beim Betreten einer Stadt hebt der Ankömmling die auf seinem Pfade liegenden Steine auf und wirft sie in einen dichten Busch oder legt sie in die Astgabelungen der Bäume, indem er den Wunsch ausspricht, er möge den Zweck seiner Reise erreichen. Das Fell, Horn und Fleisch eines geweihten Thieres—die Deukergazelle bei den Bamangwato's, das Krokodil bei den Bakwena's etc.—darf nicht berührt werden; eine auf der Hütte sitzende Eule wird als Unglücksbote angesehen und die Hilfe des Linjaka in Anspruch genommen, um die vom Vogel berührte Stelle zu reinigen.

Außerdem werden Thiere, welche zuweilen etwas nach Betschuana-Begriffen Ungewöhnliches begehen, als gefährlich und verderbenbringend angesehen und müssen getödtet oder durch einen Linjaka gereinigt werden. So wird z.B. eine auf das Dach springende Ziege mit dem Assagai durchbohrt. Peitscht ein Thier, eine Kuh, in einem Viehkraal längere Zeit hindurch mit dem Schweife den Boden, so ist sie keine gewöhnliche Kuh mehr, sie ist »Tiba«, eine Unheilbringende, welche dem Eigenthümer Schaden, Krankheit, sogar den Tod bringen kann. Ein Reicher tödtet ein solches Thier sofort, ein Armer bietet sie dem Weißen oder einem Nachbarstamme zum Kaufe an, es ist dies der einzige Fall, in welchem der Betschuana seine Milchkühe verkauft. Keinem Weib ist es gestattet, die Milchkühe und überhaupt das Rind zu berühren, dies ist Sache der Männer, der Knaben wie des Mannes und Greises, so auch das Hüten derselben, während es bei der Hottentottenfamilie gestattet ist, daß diese Hausthiere auch von den Frauen gehütet werden.

Wie ich bereits erwähnt, ist die Regierungsform unter den Betschuana's eine im gewissen Sinne constitutionelle; alle wichtigen Verfügungen und Beschlüsse müssen von dem Pitscho (der öffentlichen Versammlung) besprochen werden, doch sind in der Regel, namentlich da, wo der König die Häuptlinge beeinflußt, diesen oder jenen für sich zu gewinnen weiß—alle Beschlüsse eine im Vorhinein heimlich abgemachte Sache. Wie bei anderen Banthuvölkern ist auch bei den Betschuana's der König (Morena oder Koschi) der Oberste bei allen öffentlichen Functionen; unter ihm stehen die Unterhäuptlinge des eigenen Stammes oder die Flüchtlinge, die seinen Schutz angefleht, sowie die Häuptlinge anderer Betschuanastämme, welche die Erlaubniß erhalten hatten, sich auf seinem Gebiete niederzulassen, z.B. Chatsitsive und die Häuptlinge der Manupi und der westlichen Baharutse. Diese Häuptlinge und Unterhäuptlinge wohnen in eigenen Dörfern, die mehr oder minder von einander entfernt liegen, oft jedoch an einander grenzen und Theile der Residenz bilden. In jedem dieser Dörfchen ist nahe an dem Gehöfte des Häuptlings ein kleiner mit Pfählen umfriedeter, runder Raum, welcher die Stelle der Kotla vertritt, und in welchem die in der Kotla zur Sprache kommenden Gegenstände vorberathen werden. Beruft der König die Unterhäuptlinge und das Volk zu einer wichtigen Berathung, so legt der königliche Bote je einen Baumzweig in die kleinen Kotla's—es ist das Zeichen des Aufruf's.

Eine Berathung über Krieg wird im Plenum außerhalb der Stadt gehalten—um nicht so leicht wie in der Kotla belauscht zu werden, eine solche Zusammenkunft wird Letschulo genannt, ebenso wie die von den Linjaka's anläßlich der Regenbeschwörung veranstalteten Jagden. Bei diesen Berathungen, an welchen die Einwohner der einzelnen Dörfer sich unter der Führung ihrer Unterhäuptlinge betheiligen, wird sehr viel gesprochen, Kleinigkeiten bis zur Erschöpfung ventilirt und dem Redeschwall keine Zügel angelegt.

Korngefäße der Bamangwato's.
[Korngefäße der Bamangwato's.]

Hat sich die Versammlung als Gerichtsbehörde constituirt, so wird in der Regel darauf Rücksicht genommen, ob der Schuldige eine bei Hofe beliebte Person sei oder nicht, im ersteren Fall geht oft auch ein Mörder straflos aus. Hat Jemand sich eines Diebstahls schuldig gemacht, so eilt des Königs Bote durch die Stadt und verkündet denselben, sowie die königliche Androhung der über den Dieb verhängten Strafe. In der Regel wirkt die bloße Androhung und im Dunkel der Nacht beeilt sich der Dieb das gestohlene Gut auf einem öffentlichen Orte zu deponiren. Oft aber werden die Linjaka's zur Hilfe gerufen, um einen Dieb zu eruiren, sie benützen in solchen Fallen verschiedene Kunstgriffe oder werfen blos die Würfel, im ersteren Falle gelingt es ihnen zuweilen, den Dieb ausfindig zu machen. Eine oft gebrauchte List ist folgende: Nach eingehender Untersuchung des Falles werden die der That Verdächtigen durch des Königs Boten in die Kotla vorgeladen. Der Linjaka setzt sie in einem Kreise um sich und nachdem er bei den Worten »der die Kuh etc. gestohlen, muß noch heute sterben,« mehrmals im Kreise herumgegangen, läßt er einen Topf mit warmem Mais- oder Kornmehlbrei herbeibringen. Er schöpft nun einen Holzlöffel voll dieses Breies und spricht dazu. »Der Dieb, der diesen Brei verschlingt, wird noch heute sterben,« und wiederholt diese Worte, so oft er jedem der Umstehenden einen Löffel voll in den Mund schiebt.

Staatskleid eines Bamangwato's.
[Staatskleid eines Bamangwato's.]

Nachdem er seine Arbeit gethan, beobachtet er Jeden genau, wirft dann die Elfenbeinwürfel und mit den Worten: »Ich habe den Dieb gefunden,« erhebt er sich, um den Kreis der Angeklagten zu umgehen. Er befiehlt hierauf Allen den Mund zu öffnen und siehe da, Alle bis auf Zwei haben den Brei geschluckt, diese Zwei jedoch, das sind die Diebe, die aus Furcht vor dem Tode den Brei im Munde behielten um ihn im günstigen Momente heimlich ausspeien zu können. Der eruirte Dieb muß doppelt bis vierfach das Gestohlene ersetzen. Einem wiederholt ertappten Diebe werden die Finger, einem unverbesserlichen Gewohnheitsdiebe die ganze Hand verbrüht. Der Mord wird in der Regel mit dem Tode bestraft, doch ist es auch zulässig, sieh durch ein Blutgeld von der Strafe loszukaufen, wobei die Gegenstände (Rinder etc.) welche der zuerkannten Geldstrafe gleichkommen, an die nächsten Angehörigen des Getödteten abzugeben sind.

Zur Zeit als noch Matscheng in Schoschong herrschte, ereignete sich der Fall, daß ein Mann aus Habsucht einen Brudermord beging. Sein alter Vater hatte dem älteren Bruder den größten Theil seines Besitzes gegeben, und da entschloß sich der Jüngere, sich einfach des Bruders zu entledigen, um das Ganze zu haben. »Bruder, hat Dir nicht der Vater erzählt, daß der Linjaka (Doctor) ein Affenfell braucht, um seinen Gliedern die Kraft wieder zu geben? Ich gehe heute auf jenen Hügel dort«—er wies auf den isolirten nahe der Stadt im Franz Josef-Thal sich erhebenden, felsigen Kegel—»um einen Affen zu schießen.« Der Angeredete hielt es für seine Pflicht mitzugehen und folgte dem Bruder. Am Fuße des eine Gehstunde entfernten Hügels, schlug der Antragsteller des sicheren Erfolges halber vor, die Jagd von zwei entgegengesetzten Seiten aus zu beginnen, worauf der ahnungslose Bruder auch einging. Eine alte Frau, welche unweit davon Beeren sammelte, und welcher das Betragen der beiden mit Gewehren Bewaffneten auffiel, schlich sich näher und folgte vorsichtig dem Einen derselben nach. Schon in der Mitte der Höhe kroch der Jüngere, statt geradeaus emporzusteigen, nach rechts um den Hügel, bis er seines Bruders ansichtig wurde und schoß ihn dann nieder. In der Stadt erzählte er mit großer Bestürzung, daß er seinen Bruder für einen Affen angesehen und getödtet habe, allein das alte Weib berichtete Matscheng den wahren Sachverhalt und statt in den Besitz des Erbes zu kommen, wurde der Schuldige auf Matschengs Befehl an den Thatort geführt und hier mit dem Gewehre des getödteten Bruders erschossen.

Unter den noch zu erwähnenden Gebräuchen gibt es solche, die uns an die alten mosaischen Gesetze erinnern und an die wir mehr oder weniger bei allen mir bekannten, zu der Banthufamilie gehörenden Stämmen lebhaft erinnert werden.[1] Vor Allem die Beschneidung (Circumcision); sie ist die wichtigste Ceremonie für den heidnischen Betschuana, ohne die der Jüngling von seinen Gefährten weder als Mann, noch die Frau als heiratsfähig anerkannt wird. Doch fällt diese Ceremonie nicht mit dem Stadium der Mannbarkeit zusammen—wie wir es bei anderen Stämmen, wie z.B. bei den Matongas und Maschukulumbe und deren Sitte des Zähneausbrechens beobachten—sie wird einfach ausgeübt, um die Reihe von Abhärtungen zu beginnen, die ein Knabe durchmachen muß, um einst, wenn er Mann geworden, auch den Titel eines Mona und Ra führen zu können. Die Ceremonie heißt Boguera und wird an den Knaben nach ihrem neunten Altersjahre ausgeführt. Je nach der Stärke des Stammes wird sie alle zwei bis fünf Jahre vorgenommen und bildet eine der größten Festlichkeiten in den Städten. Mit einer Kalklösung bestrichen, gehen um diese Zeit die dazu sich freiwillig meldenden oder gezwungenen Knaben einher, die Mädchen nur mit aus Schilfrohrstücken verfertigten Bändern oder Genettaschwanz-Schürzen bekleidet, auch sie werden auf der Brust und im Gesichte ähnlich wie die Knaben weiß übertüncht. Die Zeremonie wird außerhalb der Stadt bei den ersteren von alten Männern, bei den Mädchen von alten Frauen ausgeführt.

1 Ich verweise den Leser auf die zwei Sagen der nördlichen (Montsua's) Barolongen.

Da eben zur Zeit meines Besuches in Schoschong die Boguera gefeiert wurde, hatte ich Gelegenheit, die Zeremonie näher kennen zu lernen. Singend ziehen die Knaben und Mädchen, von den Gauklern begleitet vor die Stadt. Hier werden die Knaben im männlichen Auftreten, die Mädchen in weiblichen Arbeiten und Pflichten unterrichtet und ihnen sofort schwere Arbeiten, wie das Tragen großer Holzbündel, Wasserholen etc., auferlegt, bei deren Verrichtung sie meist einen monotonen Gesang anstimmen. In ihrer Uebertünchung und mit den klappernden Schilfrohrbändern behangen, gewähren diese Gestalten einen nicht minder phantastischen als komischen Anblick. Die Knaben werden partienweise in die Kotla berufen, wo sie gepeitscht werden. Wir finden hier zwei Reihen gegen einander mit dem Rücken stehender, bis auf ein sehr primitives Kleidungsstück nackter Knaben, welche in ihren Händen Sandalen halten und niederzuknieen haben, um von den vor ihnen stehenden Männern (in der Regel ihren nächsten Verwandten) auf den Rücken geschlagen zu werden. Sowie aber der Mann zum Schlagen ausholt, hebt der Knabe die Sandalen empor und die meisten verstanden es, die Wucht des Schlages mit den Sandalen zu brechen, oder den Schlag vollkommen damit aufzufangen. Dabei singen die Knaben und heben abwechselnd die Füße empor.