Hallwater Farm
[Hallwater Farm.]
Nach kurzem Aufenthalte brachen wir noch am selben Tage nach der Hallwater Saltpan auf, um auf diesem kürzeren Wege nach Christiana zu gelangen. Diese Salzpfanne war im Jahre 1872 dadurch in Süd-Afrika berühmt geworden, daß man daselbst die Ruinen von Monopotapa (Monomotapa, Motapa, Mosogra etc.), einer in einem Reiche desselben Namens (das vor 200 Jahren noch existirte) liegenden Stadt, gefunden zu haben glaubte. Aus alten Chroniken ersehen wir, daß das ganze Centrum Süd- und des südlichen Central-Afrika von diesem Reiche eingenommen wurde, daß mit seinen Bewohnern—meist durch die an der Küste wohnenden Eingebornen als Zwischenträger—von Seite der portugiesischen und holländischen Händler ein lebhafter Handel getrieben wurde und man glaubte auch, daß bereits portugiesische Missionäre von Osten her bei den Bewohnern Monopotapa's gewirkt hätten. Den Chroniken entnehmen wir auch, daß die Städte meist in der Nähe von Goldminen erbaut und in unmittelbarer Nähe der Stadt Monopotapa selbst an 3000 bearbeitete Erdlöcher (Minen) zu finden waren. Man hatte nun in der Nähe der Hallwater Salzpfanne Steine vorgefunden, welche menschliche Arbeit und zwar meist Bruchstücke von Säulen, ferner Gesimsstücke—jedoch nur diese beiden Formen—darzustellen schienen, und da die Entfernung dieses Fundortes von Kapstadt mit der, in den Büchern als Entfernung zwischen der Stadt Monopotapa und Kapstadt angegebenen ziemlich übereinstimmt, glaubte man Monopotapa gefunden zu haben. Ich hielt deshalb die Stelle eines Besuches werth, um so mehr, als sie nicht weit, nur einige Meilen nordwärts von meinem Wege liegen sollte.
Am selben Tage, nachdem ich Bloemhof verlassen, traf ich bei der bezeichneten Salzpfanne ein. Obgleich nahe am Vaalflusse gelegen und zum Gebiete der Transvaal-Republik gerechnet, und obschon hier eine weiße Frau mit ihren Töchtern in einem Moodhouse wohnte, die uns sogar einlud, uns in ihrem Palaste niederzusetzen, fand ich, daß die Koranna's von Mamusa die eigentliche Herrschaft führten und diese auch bis zu Beginn des Jahres 1879 aufrecht zu halten wußten.
Die Stelle bildete die Südspitze eines Dreieckes mit der Basis gegen Mamusa und dem Hart-River zu, welches von Gassibone und Mankuruan (damals beide unabhängig), den Batlapinenchefs, Old-David Maschon, dem Korannakönig von Mamusa und den Holländern beansprucht wurde; bei dieser Sachlage waren nur die hier angesiedelten Farmer zu bedauern, denn auf sie fiel die Last aller Quälereien, sie waren der Sündenbock in allen Streitigkeiten.
In der Nähe der Salzpfanne, welche wohl das beste Kochsalz in dem Bloemhofer District liefert, und deshalb neben dem Graslande als Weide durch den Salzgewinn einen Erwerb in cash (in Baarem) abwarf, war eine Farm, ein besonders hervorstechender Punkt in »the disputed territory« (streitigem Gebiete). Außer dem aus rohem Thonboden verfertigten und nothdürftig mit Gras gedeckten Häuschen, das von der erwähnten Frau, entweder um ihr Vieh an der Pfanne weiden oder das Salz durch ihre Diener gewinnen zu lassen, bewohnt wurde, standen noch am Nordrande der Salzpfanne einige Korannahütten. Zwei etwa 12 Fuß tief in die Erde gegrabene Löcher lieferten einen kleinen Wasserstrahl, der durch einen Graben in eine Bucht geleitet, die Bewohner mit Wasser versah. An diesem äußerst schmutzigen Tümpel tummelten sich zahlreiche rothfüßige und einige Sporen-Kibitze, während im Wasser zahlreiche Wasserschildkröten und Frösche ihr genügsames Dasein fristeten.[1]
Die vorgehende Zeichnung der Hallwaterfarm habe ich im Jahre 1875 (zwei Jahre später) auf meiner dritten Reise aufgenommen. Wir sehen ein aus Thon aufgeführtes Häuschen und einige Hütten, in denen Koranna's hausten. Die Weißen hatten die Stelle bald nach meinem Abgange verlassen. Die Koranna's gewannen nun selbst das Salz, von dem sie 25 Pfund für eine halbe Krone verkauften. Einem Reisenden, der nach dem Innern Afrika's seine Schritte lenken will, würde ich es anrathen, sich hier mit einer genügenden Menge Salz zu versorgen, da er beim Einsalzen des Wildfleisches und Präpariren der Haut großer Säugethiere viel davon brauchen, allein nicht leicht wieder ein ähnlich gutes auf seiner weiteren Reise finden wird. Die hier lebenden Koranna's ernähren sich von Viehzucht, halten meist Rinder und Ziegen und besitzen einige schadhafte Wägen, in denen sie das Salz nach Bloemhof, Potschefstroom und den Diamantenfeldern zum Kaufe bringen und daselbst für 1 £ St. per mule (d.i. 200 Pfund) feilbieten. Oberhalb der Stelle, wo die trockenen Bäche einmünden, könnte die nächste Umgebung der Pfanne mit einem niedrigen Damm versehen, und von dem so gebildeten Weiher hinreichendes Wasser zur Bewässerung von Feldern gewonnen werden. Doch es gehört mehr als Koranna-Energie dazu, um einen solchen Versuch zu wagen; vielleicht wird es doch möglich werden, wenn hier, wie in Griqualand-West, die Eingebornen nicht mehr Gelegenheit haben, ihre Gedanken und Kräfte im Brandygenusse verkümmern zu lassen.
Während unseres ersten Aufenthaltes an der Hallwater Salzpfanne hatten wir auch Gelegenheit, das Batlapinengericht, »die Wanderheuschrecken«, zu verkosten. In der Asche gebraten wurden sie von einigen durchreisenden Batlapinen genossen, die Einen aßen sie mit »Haut und Haaren«, Einer riß die Füße und Flügel, der Klügste von Allen auch den Darmkanal aus; in der letzteren Verfassung versuchten wir dieses Gericht. Ich benützte die Gelegenheit, dieses noble Betschuana-Gericht allen Gourmands, wenn sie so weit gediehen sind, daß sie nichts mehr zu essen haben, oder daß ihnen nichts mehr pikant genug erscheint, als ein billiges und doch ungewöhnliches Ultimatum zu empfehlen. Wenn ich mich jedoch zu diesem freundschaftlichen Rath erkühne, ist es auch nöthig, des »Geschmacks« dieser Wildgattung Süd-Afrika's mit einigen Worten gedenken zu wollen. Derselbe ist jenem getrockneter, etwas ausgelaugter italienischer Sardellen ähnlich. Benützt wird nur die eigentliche südafrikanische Heuschrecke. Ich für meinen Theil fand das Thier als Köder zum Angeln ausgezeichnet, besser als Regenwürmer etc.; bei ihrem Schwärmen fallen Hunderte in die Flüsse den Fischen zur willkommenen Beute, sowie sie in den Lüften sowohl von dem kleinen Vogel, der sie mit beiden Fängen halten muß und stückweise verzehrt, bevor er mit ihnen fertig wird, als auch vom Adler und Kranich als besondere Leckerbissen angesehen und jeder anderen Nahrung vorgezogen werden.
Nachdem wir die kürzere Wegrichtung nach Christiana erfahren hatten, nahm ich mir vor, um die Gegend kennen zu lernen, meinen Weg nach Westen fortzusetzen, und erst unterhalb Christiana gegen Hebron auf die Route einzulenken, so daß ich auf diese Weise den südlichen Theil von Gassibone's Gebiet von Ostnordost nach Westsüdwest durchzog. In der Richtung, die wir einschlugen, gab es keinen fahrbaren Weg, wir mußten uns durch Gebüsche und über begraste Ebenen unseren Weg bahnen. Mir war es hauptsächlich darum zu thun, einen Ueberblick über die Gegend zu gewinnen, leider war mir dies nicht gestattet und ich entschloß mich, wegen der Beschwerden, die uns diese Reise bereitete, lieber die kürzeste Strecke nach dem Vaal einzuschlagen. Im selben Verhältnisse als die jede Aussicht benehmenden Büsche abnahmen, traten nun leider wieder die Kameeldornbäume in größeren Beständen auf.
Zahlreiche fahle Zwergtrappenpärchen, Deuker- und Steinbockgazellen wurden sichtbar, die ersteren Gazellen ruhig grasend, die letzteren nur wenn aus dem Gebüsch aufgescheucht, bemerkbar. Wir fanden auch Spuren von Hartebeest-Antilopen und solche, die den des Gnu ähnlich, doch wahrscheinlich jene des gestreiften Gnu's (Catoplepas Taurina, Gorgon) sind. Diese Spuren und die Hoffnung, das Wild selbst beobachten zu können, ließ uns den Wald willkommen heißen, allein um uns nicht zu sehr der Freude über den Wechsel im Charakter der Gegend und den damit in Aussicht gestellten Eroberungen genießen zu lassen, wurde unsere allgemeine Zufriedenheit schon während der ersten Stunden dieser, zwischen den wenn auch wenig dicht stehenden Bäumen unbequemen Fahrt durch den Umstand getrübt, daß wir kein Wasser aufzufinden vermochten.
Koranna.
[Koranna.]
Gegen Mittag stießen wir auf einen, den Fußspuren nach zu schließen, ziemlich betretenen Pfad und hielten in Mitte einer Lichtung Rast. Schon seit einigen Tagen war mir ein penetranter Fäulnißgeruch aufgefallen, welcher einer Kiste entströmte, in der ich die erbeuteten und präparirten Felle untergebracht hatte; es waren im Ganzen zwei schwarze Gnu-, drei Bläßbock- und zwei Springbockfelle, ferner solche von Schakalen, Proteles, Springhasen, Scharrthieren, Erdeichhörnchen und Klippschliefern. Da in der Kiste auch die Hörner der erlegten Thiere obenauf lagen, so schrieb ich diesen den fatalen Geruch zu; um mich aber darüber zu beruhigen, machte ich mich daran, die Kiste zu öffnen. Meine schlimmsten Befürchtungen waren noch weit überholt, alle Mühe und Plage war verloren, meine Wunden an den Händen schmerzten mich bei dem Anblicke der aller Haare entblößten, vom Regen aufgeweichten und in Folge dessen in Fäulniß vergangenen Felle doppelt heftig. Es blieb mir nichts übrig als die Felle zu opfern und mich mit den Hörnern zu begnügen, die ich von den Kopfskeletten herabsägen mußte. Während dieser Arbeit wurden wir durch Gäste überrascht, Batlapinen, die durch den Rauch des Lagerfeuers angelockt, nicht wenig erstaunt waren, im Walde Weiße mit einem Wagen zu finden.
Dem Rathe der Batlapinen nachkommend, verfolgten wir den Fußpfad und es währte nicht lange, so waren wir aus dem Walde heraus auf eine begraste, stellenweise dicht, doch niedrig bebuschte Ebene gekommen, welche ich für eine der an Kleinwild reichsten Stellen in Gassibone's Lande halte. Unter dem Kleinwild war die schmucke, kleine Steinbockgazelle vorherrschend, doch sahen wir auch drei Springböcke, die sich bald empfahlen, ohne uns auf Schußweite nahekommen zu lassen, sowie auch zwei gravitätisch neben einander einherschreitende Sekretäre, welche die weniger dicht und hochbegrasten Partien aufsuchend, eine Razzia auf Schlangen und Eidechsen hielten. Unter dem Federwild waren Rebhühner (meist paarweise) das häufigste Wild. Wir hielten einige 20 Minuten an der Batlapinen-»Post«, die Frauen waren mit der Herstellung einer neuen Umzäunung beschäftigt, die sie für ihre Ziegen aus Dornbüschen bereits halb aufgebaut hatten. Die Männer hatten zwei Hartebeestfelle, die rauhgar gegerbt waren, mit feuchter Erde überschüttet, um sie noch weicher und nachgiebiger zu machen und dann daraus eine Carosse verfertigen zu können.
Da ich in der Folge rasch reisen und mich nirgends länger als unumgänglich notwendig aufhalten wollte, entschloß ich mich, in der Nähe des Vaal angelangt, noch einen Tag am Ufer desselben zuzubringen, um zu fischen. Wir hatten kaum am Lagerplatze Feuer angezündet, als auch schon aus dem kaum eine halbe englische Meile entfernten Farmhause (unmittelbar am Flusse gelegen) der Farmer erschien und mir bedeutete, daß er mir nicht gestatten könne, hier zu übernachten. Ich wäre vom Wege »abgefahren« und auf dieses Vergehen stünde in der Republik 5 £ St. Strafe.
Ohne mich in weitere Unterhandlungen einzuladen, traf ich Anstalten zum Aufbruche. Unser Gefährte F. war noch so glücklich, vor unserer Abfahrt aus den Fluthen des Vaal einen etwa dreipfündigen Wels herauszufischen, ein Fang, der in das Menu unserer täglichen Mahlzeiten angenehme Abwechslung brachte.
Gegen Mitternacht hatten wir Christiana erreicht und gedachten nun, uns an einer Tasse heißen Thee's zu erwärmen, als wir die Entdeckung machten, daß wir die Kiste mit dem Kochgeschirr verloren hatten. Mich traf dieser Verlust sehr empfindlich, denn meine Mittel waren schon derart zur Neige gegangen, daß sie die Neubeschaffung des notwendigen Geschirres nicht zuließen. Freund E. half uns aus dieser Verlegenheit.
In Christiana hielten wir uns nur bis zu Mittag des folgenden Tages auf. Nach einer halbtägigen Fahrt erreichten wir den am Wege erbauten kleinen Eingebornenkraal, an dem wir, von Gassibone kommend, auf die Klipdrift-Christiana-Route gestoßen waren. Von hier bis nach den Diamantenfeldern zu hatte ich eine für mich vollkommen neue Strecke zu durchreisen. Den interessantesten Theil derselben bildet unstreitig die mittlere Partie, d. h. das Hebroner Höhennetz.
Der erste Theil der Strecke bis zum Fuße der Höhen ist flach, zeigt einige der bekannten, doch kleinen, von Wildgänsen (Chenalopes) und Kranichen aufgesuchten, länger als gewöhnlich mit Wasser gefüllten Salzpfannen. Der Vaalfluß entfernt sich von uns nach links in einem weiten Bogen und wir treffen ihn erst nach einem langen Doppelmarsche, indem wir die Secante zu diesem Kreisabschnitte beschreiben. Das Land nach links, eine prachtvolle Grasebene (das Land innerhalb des vom Flusse betriebenen Bogens), gehörte zu der Transvaal-Republik, jenes zu unserer Rechten, hochbegrast, hie und da von Büschen und kleinen Niederwald-Complexen bedeckt, Gassibone an; jetzt gehört beides zu der Transvaal-Colonie. Die Grasebene zu unserer Linken war eine der von den schon oft erwähnten Knurrhühnern (Otis afra) am dichtesten bevölkerten Jagdstellen, die ich auf meinen südafrikanischen Wanderungen kennen gelernt, es rauschte vor uns, neben uns, in der Ferne, auf beiden Seiten des Weges.
Von der Arbeit heimkehrende Batlapinen.
[Von der Arbeit heimkehrende Batlapinen.]
Unser Gefährte F. wollte, als er die Trappen so häufig auffliegen sah, wieder einmal Proben seiner weidmännischen Ausbildung geben und rühmte sich, mindestens einem halben Dutzend den Garaus zu machen. Doch bald kehrte er zum traulichen Herde am Wagen heim, traurig mit gesenktem Kopfe und—ohne Jagdbeute. Sein Gewehr war gut, sein Auge scharf, und die Rechte sicher wie immer, doch sein Pulver war »krumm« und warf die Schrote in jeder, nur nicht—wenn auch wohlgezielt—in der entsprechenden Richtung. Wer hätte auch dagegen ankämpfen können, wenn Diana neckend die Schrote zerstreute. Freund E. brachte zwei Knurrhühner und für mich zwei Stück schwarzweiß-gescheckte, unserer ähnlich gefärbten Art naheverwandte Würger.
Ostersonntag im Vaal-River.
[Ostersonntag im Vaal-River.]
Ich ging mit Gert in das nahe liegende Gehölz Insecten suchen und gewann einige Bockkäfer, sowie zwei Species der Borkenkäfer (Bostrichidae). Hie und da stießen wir auf Gnuschädel, ein Beweis, daß alle diese Gegenden vor kurzer Zeit noch von Gnu's bevölkert waren, während sie sich jetzt mehr im Innern von Gassibone's Lande aufhalten und sich nach Norden in die zwischen dem Hart- und Molapo-River liegenden Wildebenen und jene an der Klipspruit, die freier und gebüschlos sind und daher das Anschleichen erschweren, zurückgezogen haben.
Von Bloemhof ab fuhren wir parallel mit dem Freistaatufer, das bis gegen Hebron höher als das rechte ist und an dem zahlreiche Farmen liegen. Ungefähr 18½ engl. Meilen von Christiana entfernt trafen wir wieder mit dem Vaalflusse zusammen. Hier stand eine Cantine, in der es wild zuging; an der Cantine theilt sich der Weg, der eine führt nach Hebron (weiter stromabwärts) zu, der andere nach einer Ueberfuhr über den Vaal, die gegenwärtig unter dem Namen Blignauts-Pont bekannt und die häufigst eingeschlagene Tour von den Diamantenfeldern nach der Transvaal-Republik bildet; sie ist die kürzeste, billigste und beste. Ich wählte die längere und beschwerlichere, weil ich die Hebroner Höhen, sowie die umliegenden verlassenen River-Diggings kennen lernen wollte. Von Blignauts-Pont bis gegen Delportshope (unweit der Vereinigung des Hart- und Vaal-Rivers), theils in dem Hauptthale, theils in den einmündenden Thälern wohnt in kleinen Dörfchen und in einzelnen Gehöften die Mehrzahl der als englische Unterthanen lebenden Koranna's. Ueberall sahen wir diese in europäische Kleider und Fetzen gehüllten Gestalten herumlungernd, oder mit ihren Hunden die Gebüsche durchstreifend, während die meist nackten Kinder kleine Viehheerden hüteten.
Von der oberwähnten Cantine ab, wurde die Scenerie etwas interessanter, theilweise schon dadurch, daß wir uns dem Vaalflusse wieder genähert hatten, an dessen Ufer ein geübtes Auge immer eine Jagdbeute erspähen kann und ein Forscher reichen Stoff für seine Studien und Sammlungen findet. Am Fuße der Hebroner Höhen kamen wir an ein theils aus Eisenblech, theils aus Segeltuch und Holz aufgeführtes Hotel und Waarenlager—nach dem Vaal-River, der hier zahlreiche Inseln bildet und eine sehr anziehende Scenerie darbietet »Fourteen Stream« genannt. Von hier erheben sich die Hebroner Höhen, welche den Vaal bis Delportshope begleiten und einige Ketten nach Norden, Nordwest und Nordnordost gegen den Hart-River zu ausstrecken, von denen eine mit dem schon erwähnten Spitzkopf, andere mit den Höhen um Taung, Mankuruana's Residenz, enden, und die sich endlich bis gegen Mamusa hinziehen. Diese Höhen sind dicht bebuscht und mit Bäumen bestanden und über sie führt die Grenze zwischen Griqualand-West und der Transvaal-Colonie. Sie beginnen etwa acht Meilen oberhalb Hebron, der früheren Missionsstation, und dem verlassenen Diamanten-Fundorte. Die Gesteinsformation ist auch hier wieder Vaalgestein (Grünstein mit mandelartigen Chalcedon-Einschlüssen), mit zahlreichen Quarzgeschieben und von eisenhaltigem, quarzkörnigem Thonsand bedeckt. Der Fluß hat sich über die Felsenblöcke Bahn brechen müssen und bildet Stromschnellen. Einen anziehenden Anblick gewährt die Scenerie nach Nordost in dem Momente, wenn wir Hebron erreicht haben und dann nach den eben überschrittenen Höhen und den Fluß aufwärts blicken. Zugleich breitet sich vor uns ein weites Panorama, das jenseitige Griqualand-West- und Oranje-Freistaat-Ufer mit einigen den Horizont begrenzenden Höhenzügen und dem 800 Fuß hohen abgeflachten Plattberg in der Ferne, mit seinen Flüßchen, Weidegründen und seinen Farmen aus.
So sehr die Landschaft auf der Strecke vom Fourteen-Streams-Hotel bis Hebron das Auge entzückte, um so schrecklicher war der Weg, den wir zu überwinden hatten; es war eine wahre Felsenstraße, die von der Natur mit Blöcken gepflastert worden war. Das Regenwasser hatte die befahrene Stelle als Abflußrinne benützt, die Blöcke waren theilweise aus- und der Boden zwischen ihnen abgewaschen worden. Dem Wagen, der in die bedenklichsten Stellungen kam, drohte auf Schritt und Tritt Verderben. Daß solch' eine Reise den in den Kisten im Wagen geborgenen, auf der Reise gesammelten Gegenständen nicht zum Vortheil gereichen konnte, ist selbstverständlich. Keiner von uns konnte es im Wagen aushalten, besonders wurde derselbe jedoch herumgeschleudert, als wir die letzten Höhen nach Hebron zu herabfuhren. Der Abhang war steil und zeigte mehrere rasche Biegungen, so daß wir alles aufbieten mußten, um den Wagen mit den Ochsen nicht die Höhe herabrollen zu sehen.
Ziemlich früh am Ostersonntag langten wir in Hebron an. Der Morgen war kalt, in jeder Beziehung höchst unfreundlich; der Himmel war mit dichten Wolken bedeckt, die von kalten Südwestwinden getrieben auf ihrer luftigen Bahn dahinstürmten, es war ein Tag, der das fröhlichste Herz trübe stimmen konnte. Der Blick auf die Ueberreste (Ruinen ist nicht der entsprechende Ausdruck dafür, denn das Material, mit dem das noch vor wenigen Jahren mehr denn 3000 Diamantendigger zählende Hebron so rasch aufgebaut wurde, war zu nichtig, zu vergänglich, um Ruinen hinterlassen zu können) dieses früher als Missionsstation wichtigen, dann als Diamanten-Fundort berühmt und endlich berüchtigt gewordenen und in diesem Zustande dahingesunkenen Ortes, war kaum geeignet, diese trübe Stimmung zu verscheuchen. Oede ist die Stätte, um so einsamer und trauriger an einem kalten, regnerischen Herbstmorgen, denn dann vermag selbst die schöne Aussicht, die man von dem Orte aus genießen kann und die uns an warmen, klaren Frühlings- und Sommertagen die Oede der Stelle vergessen läßt, die Gedanken nicht heiterer zu stimmen; das einstens belebte Hebron war auf zwei Krämerladen, ein »Hotel«, eine Schmiede, ein Schlachthaus und ein Gefängniß herabgeschmolzen.
Planlos zerstreute, vom Regen aufgeweichte und »zerfließende« Thonwände etc. deuteten auf einen bedeutenden Umfang der Niederlassung, deren Größe uns jedoch dann erst auffiel, als wir die River-Diggings aufsuchten. Hunderte von seichten Erdgruben zeigten, daß hier Tausende, Weiße und Farbige, nach dem werthvollsten der Edelsteine gefahndet hatten. Tausende Tonnen Geröll sind hier mit der bloßen Hand aufgehackt, herausgeschaufelt und auf das Emsigste durchsucht worden; jeder der Steine und dort die riesigen Sandhaufen, die aus dem Gerölle durch's Absieben gewonnen wurden, sind durch emsige Hände gegangen und doch war hier der Erfolg so gering, daß wohl kaum zwei von den 3000 Diggern Reichthum erwarben, und der Erfolg von 150-200 anderen unter ihnen so viel Reingewinn abwarf, daß sie ihre Auslagen hätten decken konnen.
Hebron sank so rasch als es emporgeblüht war, viel rascher als Klipdrift und andere Diamanten-Fundorte. In den angeschwemmten Geschieben, in denen die Diamanten gefunden wurden, konnte man deutlich Elemente nachweisen, die von den umliegenden Höhen, und solche, die weiter aus stromaufwärts liegenden Gegenden angeschwemmt worden waren. Nebst massenhaftem Grünstein, in kleinen Fragmenten wie in Blöcken, waren Quarzstücke als Milch- und Rosenquarz, Quarzit, Porphyr, Quarzitporphyr, sowie eigenthümlich kuchenartig geformte, länglich-viereckige Thonschieferstücke von einer gelblichen oder gelblich-grünen Farbe zu finden, welch' letztere durch eine schwarze Umhüllungskruste, wohl das Product einer Zersetzung der äußersten Lage, auffielen. An der Bruchfläche erschienen diese Thonschieferkuchen schön gebändert und zeigten concentrisch angeordnete, dunkelbraune oder röthliche Zeichnungen; irriger Weise wurden diese Thonschieferblöcke als Muttergestein der Diamanten angesehen.
Als ich bei einem der Krämer meine nöthigen Einkäufe besorgt hatte und meine Barschaft nachzählte, gewahrte ich, daß dieselbe auf 16 Shillinge herabgeschmolzen war. Mit diesem Gelde mußte ich bis nach den Diamantenfeldern gelangen. Ich mußte unter solchen Umständen trachten, so schnell als thunlich Dutoitspan zu erreichen, und da der Fährmann sich weigerte, uns des hohen Feiertags halber über den Fluß zu bringen, überdies seine Gehilfen derart betrunken waren, daß wir selbst am folgenden Tage keine Aussicht hatten über den Vaal zu kommen, entschloß ich mich nach abgehaltenem Kriegsrath selbst mein Glück zu versuchen und den Fluß an einer Furth zu übersetzen.
Mein Gefährte F., den ich auf Erkundigung ausgesandt hatte, kam bald mit der freudigen Nachricht zurück, eine sehr praktikable Furth gefunden zu haben. Wir waren bald darauf an der zwei Meilen stromabwärts befindlichen Stelle angelangt.
So einladend zur Rast die dicht bewachsenen Ufer auch waren, mein ganzes Sinnen und Trachten war auf die glückliche Durchfahrt durch den reißenden Fluß gerichtet. Aus dem Geäste der Bäume lockte so mancher schöne Vogel, doch vergeblich, denn meine Hände waren von kleinen Wunden wie besäet und schmerzten mich auf's Aeußerste, seitdem mich noch ein Scorpion gestochen hatte; das Gift des Arsenikpräparats und des Scorpion's vereinigten sich zu doppelter Wirkung.
Die Strahlen der scheidenden Sonne versprachen eine glückliche Ueberfahrt, doch sie zeigten sich trügerisch, der Fluß war wohl seicht, aber die Strömung so stark und das Bett des Flusses derart von Felsblöcken besäet, daß die Thiere sich entsetzlich abgemüht, bevor wir noch das erste Drittel der Flußbreite erreicht hatten, auch hatte die Strömung uns sichtlich von der Furth abwärts getrieben. Unsere Situation war sehr kritisch.
Trotz alles Antreibens und Schreiens von Seite der farbigen Diener konnten die Thiere nicht mehr von der Stelle und von der Strömung bedrängt, begannen sie sich zu bäumen, an den Jochen und dem Ziehtaue zu zerren, dabei sanken die vorderen Zugthiere immer tiefer ein und waren in Gefahr zu ersaufen. Da war rasches Handeln nöthig, und obgleich ich mit meinen wunden, verbundenen Händen nicht viel ausrichten konnte, so sprang ich sofort von F. gefolgt in's Wasser. Doch allen unseren vereinten Anstrengungen wollte es nicht gelingen, Thiere und Wagen aus der gefährlichen Situation zu befreien, es blieb uns nichts übrig, als die Thiere auszuspannen und mit unendlicher Mühe an das jenseitige Ufer zu bringen, sodann aus dem Wagen die Kisten mit dem heiklichsten Theile der Sammlungen hinüber zu transportiren und den Wagen im Flusse stehen zu lassen, bis Hilfe nahte. Ueber dieser anstrengenden Beschäftigung, während welcher ich auf den einzelnen Gängen zum Wagen zuletzt erliegen zu müssen glaubte, senkte die Nacht ihre dunklen Fittiche auf die Scene herab.
Es war eine traurige Nacht, die mich in steter Aufregung über das Schicksal unseres Wagens erhielt. Endlich dämmerte es im Osten und aus der Ferne vornahmen wir am jenseitigen Ufer Peitschengeknalle,—die ersehnte Hilfe nahte. Es waren vier je mit 6-8 Ochsenpaaren bespannte, von Korauna's geleitete Wägen. Ohne weiteren Aufenthalt gelangten dieselben an unser Ufer und gegen eine Entschädigung von 10 Shillingen willigten die Fuhrleute ein, unseren Wagen aus dem Flusse herauszubringen, was denn auch bald geschehen war.
Wir fuhren noch am selben Tage bis River-Town, einem der früher berühmten Diamanten-Fundorte, von welchem aus die Uferhöhen als Fortsetzung der Hebroner Höhen sich zu entwickeln beginnen. Der Fluß wird hier von mehreren Felsenriffen und riesigen Felsenblöcken durchsetzt, von welch' letzteren, einige jener Gravirungen von Thieren und Gestirnen (Säugethieren, Schildkröten, Schlangen, Sonne etc.) zeigen, mit denen sich die Buschmänner in Süd-Afrika unsterblich gemacht haben. Auch an einer der nahe anliegenden Höhen finden sich ähnliche Producte dieses Volksstammes, auf den und auf dessen Zeichnungen etc. ich bei meiner Rückreise durch die Colonie noch zurückkommen werde. River-Town war in einem ziemlich großen Umfange ausgemessen worden, ist aber, bevor noch die in Zelten Wohnenden ihre Mühe in den Diamantengruben gelohnt fanden und zum Baue stabiler Wohnungen schreiten konnten, von anderen Orten überflügelt worden, so daß wir nur zwei Familien noch diggend am Ufer des Vaalflusses antrafen; ein geräumiges Hotel und eine Segeltuchcantine waren die letzten Ueberbleibsel von River-Towns früherer Glanzperiode. Ich blieb in River-Town über Nacht und reiste erst am Nachmittage ab, da ich in den tiefen »Claims« einige interessante quarzhaltige Mineralien und so manche Coleoptera-Species an den Abhängen sammeln konnte.
Am nächsten Tage hatten wir einen so beschwerlichen Marsch, daß wir erst am folgenden in den Diamantenfeldern anlangten. Die Strecke beträgt 15 englische Meilen, allein der bei weitem größte Theil davon wird durch tiefsandige Flächen, eines der größten Hindernisse auf südafrikanischen Reisen, gebildet. Die Ebenen zeigten kaum nennenswerthe, wellenförmige Erhebungen, der stark quarz- und eisenhaltige Sand war mit hohem, büschelförmig wucherndem Gras bewachsen. Stellenweise fand ich eine kleine, kaum 2 Fuß hohe, mimosenartige Pflanze, welche große braune, mit 2-5 Körnern gefüllte Schoten trug. An Wild beobachteten wir in dem gruppenweise stehenden Niedergebüsch Deuker und Steinbockgazellen, Hasen, Tauben, Knurrhühner und Trappen; nach den vielen Löchern zu urtheilen, mußte es hier zahlreiche Erdthiere geben. Auch war die Ausbeute an Käfern trotz der Einförmigkeit der Gegend und der Vegetation eine recht lohnende.
Aus den Diamantenfeldern heimkehrende Basutos begegnen dahinwandernden.
[Aus den Diamantenfeldern heimkehrende Basutos begegnen
dahinwandernden.]
Am dritten Tage nach jener trüben am Vaalflusse verlebten Nacht traf ich wieder in Dutoitspan ein. Obgleich ich mich auf das Möglichste eingeschränkt hatte, betrugen die Auslagen auf dieser ersten Versuchsreise doch mehr denn 4000 fl. Ich hatte durch meine zweimonatliche Abwesenheit die Hälfte meiner Patienten eingebüßt, und von jenen Familien, die in der Zwischenzeit nicht zu anderen Aerzten Zuflucht genommen, hatte die Mehrzahl—meist holländische Farmer—die Diamantenfelder verlassen, um sich im Freistaate anzusiedeln. Durch die Behandlung einiger schwieriger Fälle konnte ich mir nach einiger Zeit das verlorene Terrain zurückerobern und so war es mir möglich, K. sein Darlehen zurückzuzahlen, der bald nach unserer Rückreise Dutoitspan verließ, um sich in der Colonie niederzulassen.
Den Zweck und das eigentliche Ziel meiner ersten Reise, einen Ueberblick über die Art und Weise des Reisens, Einsicht in den landschaftlichen Charakter der zu durchreisenden Gegenden, Einblick in das häusliche Leben der Eingebornen und holländischen Farmer, einige Erfahrung über ihr Betragen zu Fremden u.s.w., hatte ich glücklicher Weise erreicht. Durch die Reise in der Spätsommerzeit und bei so unfreundlicher, regnerischer und stürmischer Witterung glaubte ich mich ziemlich acclimatisirt zu haben. Obgleich ich durch die häufigen Regengüsse einige der auf dieser Reise gesammelten werthvollsten Gegenstände, darunter die mühevoll präparirten Gnufelle etc., eine Unzahl von Vogelbälgen, getrocknete Pflanzen etc., eingebüßt hatte, brachte ich 30 anatomische Präparate, etwa 1500 getrocknete Pflanzen, 1 Kiste mit Mammaliafellen, 2 Kistchen Vogelbälge, über 200 Reptilien, einige Fische, 3000 Insecten, einige Fossilien und 300 Mineralien mit, ungerechnet die zahlreichen Duplicate bei letzteren, die ich namentlich aus den Diamantenfeldern am Vaal (River-Diggings) mitnahm, um daheim Museen und Schulen damit zu beschenken. Daß ich auf dieser Versuchsreise Manches gelernt hatte, versteht sich von selbst; ich sah namentlich ein, daß, um die sich oft weit verlaufenden Zugthiere rasch aufzufinden und zurückzubringen, um eine interessant erscheinende, rechts oder links in der Entfernung sichtbare oder aus diesem oder jenem Grunde von den Eingebornen als anziehend bezeichnete Oertlichkeit näher zu untersuchen, ohne den Wagen aufhalten zu müssen, um nach Wasser in wasserlosen Gegenden zu fahnden, ohne erst mit dem Wagen planlos herumzuwandern oder sich zu Fuße halbtodt zu laufen und sich zu verirren, doch auch, um sich des Wildes leichter zu bemächtigen, ein Reitpferd unumgänglich nothwendig sei; auch war es mir klar, daß ich besserer Waffen bedürfe.
Bezüglich meiner Gefährten machte ich die Erfahrung, daß E. auch für die nächste Reise mir willkommen sein würde, als Freund und Rathgeber in manchem kritischen Momente und herzlich gerne bereit, mir in allen schwereren Arbeiten nach Kräften beizustehen. Durch die reichen Erfahrungen auf seinen früheren Reisen in Amerika und Nord-Afrika, sowie durch die Erzählungen interessanter Episoden aus jener bewegten Zeit war er mir ein äußerst angenehmer Reisegefährte geworden.
Wir blieben die ganze Zeit meines siebenjährigen Aufenthaltes in Süd-Afrika treue Freunde und sind es bis zur Stunde. Von F. kann ich leider nicht dasselbe sagen, ein 17jähriger, unerfahrener Jüngling, war er nur gewöhnt, das Leben von der leichtesten Seite aufzufassen—er hatte wohl Mitleid mit jedem Geschöpfe das in Nöthen war, er nahm stets einen guten Anlauf, doch dieser gute Wille war nicht von langer Dauer etc. etc.—trotz Allem war ich ihm dankbar für Alles, was er auf der Reise für mich gethan und wofür ich ihm hiermit nochmals danke.
Freund E. ging wieder an das Diamantendiggen, um nochmals sein Glück zu versuchen, K. nahm auch sein Geschäft wieder auf und F. vermietete sich als Ladendiener, eine Beschäftigung, bei welcher er, wahrscheinlich um die Mannigfaltigkeit des menschlichen Charakters kennen zu lernen, vier- bis sechswöchentlich seinen Principal wechselte.
Als ich die Diamantenfelder verließ, um mich auf diese erste Reise zu begeben, hatte ich mein kleines Zelthäuschen, dem Gerichtsgebäude gegenüber, in Miethe behalten und zog wieder in dasselbe ein; der Wagen wurde hinter das Häuschen geschoben, und die Zugthiere sofort verkauft, um mit dem Erlöse die zweimonatliche Miethe von 10 £ St. und je 3 £ St. für die Diener zu begleichen, sowie einiges Baargeld in der Hand zu haben, da ich von allen Mitteln entblößt nach den Diamantenfeldern zurückgekehrt war.
Obgleich nur von sechsmonatlicher Dauer—war doch dieser Aufenthalt eine sehr bewegte Zeit für mich. Es gibt wenige Orte der Erde, wo der Arzt nicht allein als solcher, sondern auch als Freund seiner Patienten angesehen und angesprochen wird, und so ist es ihm ermöglicht, interessante psychologische Studien zu machen; die Beschränktheit der Räumlichkeiten, namentlich in der ersten Periode der Diamantenfelder, in denen die Kranken wohnen mußten—selbst bei Wohlhabenden oft eine zahlreiche Familie in einem Zelte—macht es ihm möglich, nolens volens das häusliche Glück, die edlen, schönen Seiten des häuslichen Lebens, doch leider auch manch' trübe und traurige, manch' herzerschütternde Scene zu beobachten. Und aus dem Arzte mußte der Rathgeber, aus dem Arzte mußte der Fürsprecher werden, zuweilen sah er sich selbst zu Zurechtweisungen veranlaßt, wenn es auch oft allen Muth erforderte—mehr Muth als im Kampfe mit einem wilden Thiere, an ein in Jahren vorgeschrittenes, an ein graues Haupt mahnende, warnende Worte richten zu müssen.—Was ich während meines Aufenthaltes in den Diamantenfeldern erlebt und beobachtet, hätte mir die reichste Praxis in dem hundertthürmigen Prag nicht im vierfachen Zeitraume bieten können.
Ein eigentümlicher Fall verhalf mir wieder zum großen Theile zu meiner ehemaligen Praxis. Eines Morgens, etwa um 5 Uhr wurde ich—wie es sich später herausstellte irriger Weise statt eines anderen Arztes—zu einem Unglücklichen gerufen, der sich im Delirium tremens die Kehle durchschnitten hatte. Meine Verlegenheit in diesem Falle war keine geringe, da der größte Theil meiner chirurgischen Instrumente auf der Reise in Folge ihrer Verwendung zu nichts weniger denn chirurgischen Operationen, zerbrochen oder unbrauchbar war. Doch zum Ueberlegen war keine Zeit, der Mann drohte zu verbluten, und so lief ich mit dem Boten um die Wette.
Ich fand einen ältlichen Mann in seinem Blute liegend mit einer klaffenden, 13 Zentimeter langen Halswunde, die er sich mit einem Rasirmesser beigebracht hatte. Nach den zwei Schnitten hatte der Mann noch dreimal in die so entstandene klaffende Wunde das Messer angesetzt, so daß der Kehlkopf im Ganzen fünf Schnitte zeigte.[1] Meinen aufopfernden Bemühungen und meiner Pflege gelang es aber zu meiner größten Befriedigung den Mann dennoch zu retten, trotzdem er nach den ersten drei Tagen in einem Deliriumsanfalle sich den Nothverband herabgerissen hatte.
Da sich meine Patienten englischer Nationalität mehrten, sah ich mich nun genöthigt, mich mit Eifer auf das Studium der englischen Sprache zu werfen. Ein Drittel meiner Kunden waren Deutsche, ein Drittel machten die Holländer aus, ein Viertel der Patienten waren Engländer und den Rest bildeten Eingeborne, Halfcasts aus der Colonie, Koranna's Fingo's, Basuto's und Zulu's. Die Medicamente für meine Kranken bezog ich aus der Apotheke eines Engländers, mit Namen Anthony Davison, dem ich auch seiner prompten Bedienung wegen, während meines Gesammtaufenthaltes in den Diamantenfeldern treu geblieben bin.
Die Basuto-, die Zulu- und die Transvaal-Betschuanastämme stellten damals das größte Kontingent zu den Tausenden der in den Diamantenfeldern sich als Diener verdingenden Schwarzen. Sie bekamen 7 Sh. 6 P. bis 10 Sh. per Woche und die meisten blieben nur sechs Monate in den Feldern, um, nachdem sie um 3 Sh. bis 4 £ St. ein Gewehr, dann um 15 Sh. fünf Pfund Schießpulver, etwas Blei und Kapseln, sowie eine oder zwei Wolldecken, oder einen Hut etc. erstanden hatten, heimzukehren und sich daheim eine Lebensgefährtin zu kaufen. Jeder der Diener war seinem Herrn durch einen, von einem eigens dazu angestellten Beamten ausgefüllten Schein zum Dienste verpflichtet, den er bei jedesmaligem Platzwechsel erneuern mußte, und ohne den angetroffen, er einer Strafe verfallen war. Hatte er sich gut betragen und wollte er heimgehen, so gab ihm sein Herr auf Ansuchen einen Zettel an die Magistratsbehörde, von der dann für den Diener ein Waffenschein ausgestellt, d.h. ihm die Erlaubniß ertheilt wurde, sich ein Gewehr zu kaufen. Auf diese Weise hatten sich Tausende von den sowohl in der Kolonie als in ihren eigenen, unabhängigen Staaten wohnenden Eingebornen Schießwaffen verschafft.
Ich erwähnte der Basuto's unter den obigen Stämmen. In den Jahren 1872 und 1873 bildeten sie wohl als Diener das größte Contingent unter ihren dunkelhäutigen Stammesverwandten. Es sei mir gestattet, ihnen hier einige Worte zu widmen, um so das allgemeine Bild der Bantufamilie zu vervollständigen. Ich unterscheide in Süd-Afrika drei Eingebornenracen, die Buschmänner, die Hottentotten und die Bantu's. Zu der ersteren gehören die eigentlichen Buschmänner, zu der zweiten die eigentlichen Hottentotten, die Griqua's und die Koranna's, zu der dritten die Colonial-Kaffern, die Zulu's, Basuto's, Betschuana's, Makalaka's etc., mehr als 40 Stämme, doch kennen wir auch Uebergangsformen, wie zwischen den Buschmännern und den Bantu etc. Obgleich es dieser Stoff verdienen würde, gründlich behandelt zu werden, habe ich weder Raum noch Zeit, es hier zu thun.[1] Von den obgenannten Familien hatten wir bisher theilweise die Koranna und zwei Stämme der Batlapinen kennen gelernt. Die Basuto's (ihre Sprache heißt »Sesuto«) wohnen zum größten Theile an dem Cornetspruit und am Caledon-River, zwischen diesen und den Dracken-Bergen, also auf einem Gebiete, das vom Freistaat, vom Capland, Normansland und Natal begrenzt wird. Sie leben unter englischer Oberhoheit und dies seit ihrem Kriege mit dem Oranje-Freistaat, während ein zweites Bantuvolk, die südlichen Barolongen, als ihre westlichen Nachbarn, Unterthanen der Oranje-Republik sind.
1 Während meines Aufenthaltes in London im Jänner bis März 1880 von der Anthropological Institute of Great Britain and Ireland aufgefordert, über diesen Gegenstand zu sprechen, behandelte ich dieses Thema in einem speciellen Vortrage.
Unter allen Bantustämmen haben es die Basuto's in Bezug auf den Ackerbau am weitesten gebracht. Ihnen zunächst stehen die Baharutse im Maricodistrict der Transvaal-Colonie, deren ich auf meiner zweiten Reise gedenken werde. Hunderttausende Centner Getreide werden in dem kleinen Ländchen in guten Jahren producirt und man muß zugeben, daß diese Stämme jährlich an Wohlhabenheit zunehmen. Sie besitzen auch große Heerden von Pferden und Rindern.
Als sich letzthin der südlichste der Basutohäuptlinge, der allerlei unruhige Elemente, weggelaufene Diener, Diebe, aus dem letzten Kaffernkriege flüchtige Gaika's und Galeka's etc. bei sich aufnahm, gegen die Engländer erhob und den Krieg mit Diebstahl eröffnete, waren es die übrigen Basuto's, die freiwillig 2000 bewaffnete Reiter in's Feld stellten, um den Engländern beizustehen. In der Bauart ihrer Hütten und in den übrigen Arbeiten kommen sie bis auf wenige unbedeutende Abweichungen den Betschuana's gleich, und nehmen in der eigenen Industrie etwa die Mittelrolle unter den Bantuvölkern ein. Eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale ihrer Industrie von jener der übrigen Bantustämme ist, daß sie aus Holz geschnitzte Fetische (Götzenbilder) verfertigen und diese meist roth und schwarz tünchen. Thaba Bosigo ist der bedeutendste Kraal (Stadt) des Landes und Thaba Unschu jener des von den Barolongen im Freistaate bewohnten Striches. Gegen Norden sind die Basuto's bis an die Vereinigung des Tschobe und Zambesi vorgedrungen.
Nach Musemanjana—Moschaneng—Molopolole—Schoschong—und Rückkehr über Linokana nach den Diamantenfeldern.
Von Dutoitspan nach Musemanjana.
Vorbereitungen und Ausrüstung zur Reise.—Meine diesmaligen Reisegefährten.—Aufbruch von Dutoitspan.—Klipdrift.—Platberg in Gefahr.—Diamantenfund.—Afrikanische Wegmauth.—Hebron.—Wassermangel.—Ein Grasbrand auf der Hochebene.—Hartebeest-Antilopen.—Ein theuerer Labetrunk.—Gassibone's Kraal.—Rigers Abenteuer mit einer Cobra.—Taung.—Ein Holländischer Schmied.—Reverend Brown und die Missionsstation in Taung.— Maruma.—Monkey's Freuden und Leiden.—Eine dornenvolle Jagd.—Billige Diamanten.—Von Pavianen genarrt.—Unser Empfang in Musemanjana.
Ein Broddieb.
[Ein Broddieb.]
Während meines sechsmonatlichen Aufenthaltes machte ich unter anderen Bekanntschaften (unter meinen Patienten) auch die dreier mit einander nahe verwandter deutscher Familien, welche, um mir ihre Dankbarkeit für einige gelungene Curen zu beweisen, mich aufforderten, mir ein Häuschen in ihrem Hofe zu bauen, wohl in meiner Office, wo ich bisher wohnte, zu praktiziren, allein in dem ersteren zu wohnen, damit ich eine bessere Kost etc. und andere Bequemlichkeiten genießen und mich auch besser für meine zweite Reise vorbereiten könnte. Ich nahm ihren gütigen Antrag an, und wohnte etwa zwei Monate unter ihnen, gerade die Zeit vor meiner zweiten Abreise in's Innere. Ich betrachtete die Sprossen dieser Freunde als meine Brüder und Schwestern und wir haben immer dies freundschaftliche Verhältniß zu einander bewahrt. Sie waren mir alle zu den Vorbereitungen zur Reise behilflich, und als ich, bis auf 120 £ St., die gesammten Kosten (gegen 900 £ St.) für diese Reise zurückgelegt hatte, da wurde es mir durch die Güte des einen der drei Familienväter ermöglicht, Güter zu denen, die ich schon für baares Geld erkauft hatte, von einem der Handelshäuser in Dutoitspan im Werthe von 117 £ St. geliehen zu erhalten, und schon vier Wochen vor der anberaumten Zeit die Reise antreten zu können.
Diese Güter bestanden in Schießmaterial, baumwollenen gefärbten Decken, Tüchern, Kleidern und Draht, und ich gedachte die Objecte als Tauschgegenstände zu benutzen, um uns, wenn nöthig, Nahrung zu verschaffen, hauptsächlich aber, um ethnographische Gegenstände und Carossen aus verschiedenen Thierfellen für meine Sammlungen zu erstehen.
Seitdem sich die Diamantenfelder zu purificiren begannen, viele Elemente ausschieden und nur jene geblieben waren, die auf einen längeren Aufenthalt vorbereitet, sich wohnlich eingerichtet hatten, seitdem die gesetzlichen und socialen Verhältnisse einen Umschwung zum Guten erfuhren, haben sich die Central-Diggings einer europäischen Großstadt genähert. Früher herrschte zwar auch der Luxus der letzteren auf der traurigen Ebene zwischen dem Modder- und Vaal-River, allein dieser Luxus wohnte in Zelten und elenden Bretter- und Eisenhütten und war mehr Waare als Gegenstand ruhigen und praktischen Genusses.
Im Jahre 1873, eben nach meiner Rückkehr von der ersten Reise, griff eine lebhafte Auswanderung nach den Goldfeldern im Leydenburger District der Transvaal-Republik um sich, und dies namentlich, weil aus dem letzteren Staate sehr gute Nachrichten über die Goldfelder einzulaufen pflegten, und die Regierung der Transvaal-Republik mit der Idee der Delagoa-Pretoria-Eisenbahn sich zu befassen begann. Diese Nachrichten ermuthigten Viele, nach Leydenburg zu pilgern und Golddiggers zu werden, ihnen schloß sich eine große Zahl, der aus allen Erdtheilen meist mit kleinen Baarschaften Zugewanderten an, die sich in den Diamantenfeldern arm »gediggt« oder ihre Mittel zu gutem Theile vertrunken oder verspielt hatten und daher begierig die Idee aufnahmen, an einer anderen Stelle dem in Australien, Amerika, Neu-Schottland etc. vergebens gesuchten Glücke wieder nachjagen zu können.
Je näher die Zeit des beabsichtigten Aufbruches rückte, desto eifriger und umfangreicher wurden die Vorbereitungen betrieben. So wurde der Wagen mit neuen Eisenbändern versehen, und um das Brechen der Dachleisten—denn meine zweite Reise sollte mich durch bewaldete Partien führen—zu verhüten, ein Eisendrahtnetz zwischen drei wasserdichte Leinwandlagen eingelegt, was sich jedoch, sowie ein kleines Aussichtsthürmchen, das am Wagen angebracht wurde, später auf der Reise als unnöthig erwies. Ich selbst benützte die Zeit, um mich in der Reitkunst zu üben; an Gelegenheiten, meine Fertigkeit in dieser Hinsicht zu erproben, sollte es auf der zweiten Reise nicht fehlen. Die ungesunde Jahreszeit forderte auch bei mir ihren Tribut, ich verfiel in ein heftiges Fieber, von dem ich mich nur allmälig erholen konnte, und welches mich veranlaßte, die Abreise aus den Diamantenfeldern thunlichst zu beschleunigen.
Freund E., der in der Old de Beers-Mine sein Glück als Diamantendigger, allein mit immer gleichem Mißerfolg erprobte, willigte ein, mich auch auf dieser zweiten Reise zu begleiten. Er wollte auch ein Stückchen mehr von Afrika sehen und nach seinen Worten »mir helfen wo er konnte«. Ich bat ihn, die Oberaufsicht über den Wagen zu übernehmen (wie auf der ersten Reise), was er auch that, und derselben in der besten und redlichsten Weise gerecht wurde.
Die zweite Reise sah ich keineswegs als meine Hauptreise an, sondern als eine zweite, doch größere Versuchsreise, auf der ich wenigstens die Hälfte der Strecke zwischen den Diamantenfeldern und dem Zambesi zurücklegen und neue Erfahrungen für meine geplante große Reise nach Central-Afrika sammeln wollte.
Unter meinen früheren Patienten befand sich auch ein junger Mann aus Preußisch-Schlesien, der gewillt zu sein schien, mich auf dieser zweiten Reise zu begleiten. Doch eines schönen Tages, nachdem ich für ihn bei seinen Gläubigern gutgestanden und einen Theil seiner Verpflichtungen getilgt, war er auf Nimmerwiedersehen verschwunden, mir es überlassend, seine Gläubiger zu befriedigen. Es war dies eine der gewöhnlichen Erfahrungen in den Diamantenfeldern, die damals noch ein Heer zweifelhafter Existenzen beherbergten.
Durch Freund Eberwald's Fürsprache ließ ich mich trotz aller meiner schlimmen Erfahrungen mit F. erweichen, ihn wieder als Begleiter auf die Reise mitzunehmen. Als dritten Gefährten brachte Freund E. eines Tages einen seiner Bekannten, Herrn Boly aus Hannover mit und sprach sehr zu seinen Gunsten; ich habe es später nie bereut, daß ich ihn acceptirte. Einer meiner Kunden hatte mir ein Gespann von acht Ochsen und einen Griqua als Triber besorgt.
Im Allgemeinen war ich diesmal viel besser ausgerüstet als auf der ersten Reise, ich hatte auch einen Sextanten erstanden, in dessen Gebrauch mich ein gewesener Schiffsofficier unterrichtet hatte; leider war es mir nicht vergönnt ihn benützen zu können, da ich auf keine Weise ein Exemplar des »Nautical Almanach« auftreiben konnte.
Am 3. November verließ ich endlich in Begleitung von Herrn Eberwald, Boly, F. und einem Griquadiener, sowie neun Hunden, darunter meinem treuen Niger, meinem Reitpferd und acht Zugthieren die Diamantenfelder. Von Dutoitspan nahm ich den kürzesten Weg nach Klipdrift; von Klipdrift jedoch wollte ich bis Hebron, im Vaal-Thale aufwärts fahren und von Hebron querfeldein die Richtung nach Gassibone's Stadt und dann weiter nach dem von mir noch nicht besuchten Taung, dem Sitz des Batlapinenkönigs Mankuruan nehmen. Ich wollte auf diese Weise ein Stück des rechten Vaalufers besuchen, das mir noch neu war und Gassibone's Land von Süden nach Norden durchschneiden, während ich es auf der ersten Reise von Westen und Ostsüdost durchzog. Unseren ersten Reisetag beschlossen wir an der Old de Beers-Farm.
Am folgenden Morgen ausbrechend, gelangten wir zu einem Trümmerhaufen, einige Meilen vor den Ruinen eines Missionsgebäudes in der Nähe der jetzigen Pnieler Missionsstation gelegen, deren bereits Erwähnung geschah. Auf dieser Strecke beobachtete ich eine Niederung in dem Hochplateau, bevor wir noch seinen Abhang nach dem Vaal zu abzusteigen begannen, in einen Binnensee von etwa 1½ Meilen Länge und Breite verwandelt. Zahlreiche schwarze Störche und Kraniche liefen am Rande des Gewässers umher. Als ich mich ihnen mit Niger näherte, folgte dieser einer Spur in den Binsen am Ufer, blieb dann plötzlich stehen und machte mich durch sein Wedeln auf ein kleines Binsendickicht aufmerksam, ich machte mich schußbereit, gab dem Hunde das Zeichen und er sprang vorwärts; mit ihm zugleich sprang ein rothlöffliger Hase aus den Binsen, der unseren ersten Mittagstisch auf dieser Reise bereicherte. Wir benützten auf der Weiterfahrt die neue, unmittelbar über dem Flusse von den Sträflingen in den Felsen gehauene Straße und wichen so dem tiefen Sande auf dem Hochplateau, der uns auf der ersten Reise so viele Schwierigkeiten bereitet hatte, aus; Abends hatten wir jene Stelle erreicht, an der wir im Februar 1873 eine schlimme Nacht verlebt hatten.
Am folgenden Morgen wollte ich in den Büschen der Umgebung jagen, wurde aber bald durch F. zurückgerufen, der mir berichtete, daß bei dem Tränken der Zugthiere, die zeitlich früh von Pit, unserem Griquadiener, auf die Weide getrieben waren, eines derselben bis zum Halse im Ufer-Schlamme eingesunken sei. Nur B. am Wagen zurücklassend eilten wir zur Stelle und fanden »Platberg«, eines unserer Zugthiere in einer schrecklichen Lage. Es war ein hartes Stück Arbeit, das Thier aus seiner mehr denn ungemütlichen Situation zu befreien, doch gelang es; der Tag war indeß verloren, da wir dem an den Füßen fast erlahmten Thiere Erholung gönnen mußten.
Am nächsten Tage hoffte ich das Versäumte nachholen zu können und brach mit Morgengrauen auf. Die Fahrt ging flott von statten, denn zu meiner Ueberraschung fand ich die Straße seit meiner ersten Recognoscirungstour in bedeutend besserem Zustande. Nach sechsstündiger Fahrt standen wir am Ufer des Vaal.
Bevor ich noch den Fluß in Klipdrift erreichte, hatte ich den Verlust zweier Hunde zu beklagen, einer war während unseres nächtlichen Aufenthaltes am Flusse, wohl zur Tränke gelaufen und da wahrscheinlich von einer Hyäne getödtet worden, der zweite kam nahe an Klipdrift unter das Wagenrad und wurde getödtet.
Der Fährmann am Vaal verweigerte uns den Dienst, indem er bei dem niedrigen Wasserstande und dem Gewichte meines Wagens mit dem Boote aufzufahren befürchtete; er verwies uns auf eine flußabwärts befindliche Furth. Nach den unerquicklichen Erfahrungen des Ostersonntags, hieß es mit aller Vorsicht diese Furth untersuchen. Der Vaalfluß war bis auf eine kaum sechs Meter breite und ½ Meter tiefe Rinne ausgetrocknet, diese Stelle war sandig, doch der übrige Theil des Bettes ein einziges aus kopfgroßen und noch bedeutend größeren Grünsteinblöcken gebildetes Gerölle. Ohne jeglichen Unfall wurde der Fluß übersetzt und in der Nähe von Klipdrift gelagert. Während der Rast überraschte mich Pit mit einem etwa ¼ Karat schweren Diamanten. Während die Ochsen grasten, lag er stundenlang auf der Erde und durchsuchte den ausgesiebten Sand, der schon früher von den Diamantengräbern ausgebeutet worden war. So hatte er das Steinchen gefunden, ich nahm es an, um es meiner Sammlung einzuverleiben, später verlor ich es auf eine mir unerklärliche Weise.