11. Consulatswesen.

Kein einziger Staat auf der ganzen Erde hat sich so in seiner Abgeschlossenheit zu erhalten gewusst wie Marokko. Während die Türkei schon seit langer Zeit in diplomatischem Verkehr mit allen europäischen Mächten steht, in allen europäischen Ländern Gesandte und Consuln unterhält; während China, wenn es auch noch keine Agenten in Europa hat, doch fortwährend in diplomatischer Verbindung mit den christlichen Mächten steht und das Reich der Mitte jetzt den Europäern geöffnet ist, bleibt der äusserste Westen, el-Rharb-el-Djoani, geheimnissvoll verschlossen.

Weder die Schlacht von Isly oder des Prinzen von Joinville Bombardement von Tanger und Mogador, noch die Einnahme von Tetuan haben vermocht, irgendwie eine Veränderung herbeizuführen. Mit Ausnahme einer einzigen Macht, Englands, sind die Beziehungen Marokko's zu allen übrigen Mächten förmlich und kalt; sie beschränken sich eigentlich auf Differenzen der Mohammedaner und Christen in den marokkanischen Hafenstädten.

Es haben indess früher wohl bessere Zeiten existirt, wir wissen, dass nach den heftigsten Feindseligkeiten der Christen mit den Mohammedanern Spaniens und Marokko's Pausen eintraten, in welchen beide vereint den Wissenschaften oblagen. Die erste Vertreibung der Mohammedaner aus Spanien, endlich die letzte im Jahre 1609, legte Grund zu jenem unauslöschlichen Hasse, den die Norwestafrikaner [Nordwestafrikaner] von nun an gegen alles Christliche kund geben. Dazu kamen auf den Thron von Marokko neue Dynastien, die erste der Filali oder Schürfa, dann zu Anfang des 17. Jahrhunderts die zweite Dynastie der Schürfa.

Marokko wetteiferte um diese Zeit mit den übrigen Raubstaaten im Capern christlicher Schiffe, keine Macht war sicher, und hatte je ein europäisches Schiff das Unglück an der gefährlichen Küste, die sich von der Strasse Gibraltars bis zur Sahara hinerstreckt, zu stranden, so waren das Schiff und was es enthielt unbedingt Beute der umwohnenden Völker, die Bemannung aber wurde gemordet, verstümmelt, geschändet, im besten Fall aber ins Innere geschleppt, um dort als Sklaven mittelst härtester Arbeit das Leben zu fristen.

Und haben diese Verhältnisse vielleicht Besserung erfahren? Keineswegs! Allerdings hat schon Sultan Soliman, oder Sliman, wie ihn die Marokkaner nennen, die Aufhebung der christlichen Sklaven decretirt, und erleidet jetzt ein Schiff irgendwo an der marokkanischen Küste Schiffbruch, so wird die Mannschaft nicht mehr verkauft, sondern gemeiniglich nach langen Leiden ausgeliefert. Werden unter der Zeit einige davon gemordet, werden, falls Frauenzimmer dabei sind, diese nicht respectirt, so hat das noch nie Folgen gehabt. Eigenthum wird aber auch heutigen Tages noch nie geachtet; der Schiffsladung beraubt, des persönlichen Eigenthums bestohlen, so werden die armen Verunglückten dem betreffenden Consul überhändigt. Sicher verlangt der mit der Uebergabe Betraute vom christlichen Consul noch ein bedeutendes Geschenk, möglicherweise wird auch noch eine Rechnung für Verpflegung eingereicht. Und die Consuln zahlen und danken.

Im selben Jahr 1852, als der englische Admiral Napier marokkanische Unbilden, gegen englische Unterthanen begangen, rächen wollte, aber nur unnützerweise seine Flotte angesichts der marokkanischen Küste spazieren führte, im selben Jahre wurde die preussische Brigg Flora an der Rifküste geplündert. Vier Jahre später wurde Prinz Adalbert von Preussen, der jetzige Admiral des Deutschen Reiches, an der nämlichen Küste beim Wassereinnehmen verrätherisch angegriffen und verwundet. Marokko hat nie Satisfaction dafür gegeben, gegen Preussen liess es sich durch den schwedischen General-Consul damit entschuldigen (wie mir später der marokkanische Grosswessier Si Thaib Bu Aschrin selbst bestätigte): der Sultan habe keine Gewalt über die Rif-Bewohner, und lehne daher jede Verantwortung für dergleichen Acte ab, und mit England wurden die guten Beziehungen dadurch wieder hergestellt, dass das stolze Königreich dem Sultan Geschenke machte.

Um die Politik Englands zu verstehen, müssen wir bis zum Jahr 1684 zurückgehen, zu welcher Zeit England die Stadt Tanger, welche Karl II. von seiner portugiesischen Gemahlin Katharina zwanzig Jahre früher bekommen hatte, freiwillig aufgab. Dieser unkluge Streich, einen Stützungspunkt am Eingange des Mittelmeers freiwillig zu verlassen, wurde für die englische Regierung dadurch neutralisirt, dass schon 20 Jahre später der kaiserliche Feldmarschall Prinz Georg von Hessen-Darmstadt Gibraltar für England eroberte, und Grossbritannien ist seitdem im stetigen Besitze dieser Veste geblieben.

War es nun in früheren Zeiten England hauptsächlich darum zu thun, mittelst Gibraltars die dortige Meerenge beherrschen zu können, dort am Eingange des Mittelmeeres einen sichern Punkt für eine Kriegsflotte zu besitzen, so hat die Dampfschifffahrt hierin eine vollständige Veränderung hervorgerufen. Seitdem ein Dampfschiff in einer Stunde 15, ja ausnahmsweise 20 Knoten zurücklegen kann, beherrscht der Fels von Gibraltar die Meerenge nicht mehr. Ueberdies lässt sich mit den weittragendsten Kanonen die ganze Passage bis zum afrikanischen Ufer nicht bestreichen. Für England aber wird Gibraltar immer Wichtigkeit behalten wegen der Nähe von Marokko und als Sammelplatz für eine Flotte. Aber weit wichtiger in dieser Beziehung würde für England der Besitz von Ceuta sein. Was die Lage dieses Ortes anbetrifft, so ist sie ebenso günstig wie die von Gibraltar, in Beziehung zu Marokko aber bedeutend günstiger. Und insofern ist es wohl zu verstehen, dass in jüngster Zeit immer wieder das Gerücht auftauchte, England beabsichtige Gibraltar gegen Ceuta auszutauschen.

Das Interesse nun, welches England an Marokko bindet, liegt zum Theil darin, weil der englische Handel, die englischen Producte fast ausschliesslich den marokkanischen Markt beherrschen, dann in Eifersucht gegen fremde Mächte, vorzugsweise Spanien und Frankreich. Und diese Eifersucht entspringt hauptsächlich wieder daraus, dass England fürchtet von eben diesen Mächten vom marokkanischen Markte verdrängt zu werden. Wir wollen nicht zurückgreifen, und daran erinnern, wie England der Staat war, der die Eingeborenen Algeriens und namentlich Abd-el-Kader thatsächlich gegen Frankreich unterstützte, wir wollen bei den letzten Ereignissen stehen bleiben.

Als am 25. März 1860 Mulei Abbes und O'Donnell Frieden schlossen, hatte bald darauf der spanische General Kos de Olano, von seinen Soldaten Abschied nehmend, vollkommen Recht zu sagen: "Wir haben einen für uns neuen, ja einzigen Krieg in seiner Art beendigt, in welchem, nach meinem Urtheile, wir bei jeder Action siegreich gewesen sind, aber dennoch die Campagne verloren haben."

Olano hatte vollkommen Recht so zu sagen, denn gewonnen haben die Spanier in diesem Feldzuge nichts. Das Versprechen Agadir abzutreten ist nicht gehalten worden, im Gegentheil, im Jahr 1862 konnte ich mich überzeugen, dass der Sultan Sidi Mohammed aufs eifrigste damit beschäftigt war, diesen Ort, der früher nur mangelhaft befestigt war, durch neue und gut ausgeführte Befestigungen zu schützen. Eine Mission in Fes und Mikenes einzurichten, daran haben die Spanier bis jetzt nicht denken können, trotzdem, dass auch dies beim Friedensschluss verabredet war. Tetuan musste wieder herausgegeben werden, und die Kriegskosten sind noch lange nicht bezahlt, und werden es auch, wenn es so fort geht, nach eigener spanischer Berechnung in hundert Jahren noch nicht sein.

Und wer brachte diesen für Spanien so ungünstigen Frieden zuwege? Wer verhinderte die Spanier von Tetuan nach Tanger zu marschiren, wer verhinderte das Bombardement von Tanger, Mogador und anderen marokkanischen Hafenplätzen? Nur England! Sidi el Hadj Abd es Ssalam, Grossscherif von Uesan, erzählte mir sogar ein Jahr später, dass englische Soldaten als Marokkaner verkleidet, an den Batterien in Tanger gestanden haben, um die Kanonen zu bedienen, falls die Spanier dennoch einen Angriff wagen würden. Natürlich kann ich nicht einstehen für die Wahrheit dieser Aussage, sie bekundet aber, wie innigen Antheil England derzeit an Marokko nimmt.

Die ersten regelmässigen Beziehungen Spaniens mit Marokko fanden im Jahr 1767 und 1798 statt. Wie die übrigen christlichen Nationen verstand auch Spanien sich zu einem jährlichen Tribut, der sich indess nur auf etwa 1000 Thlr. belief. Freilich mussten bei einem jeden Consulatswechsel 12,000 Thlr. extra bezahlt werden. Spanien betonte übrigens in dem 1798 abgeschlossenen Vertrage, die Geschenke nur deshalb leisten zu wollen, damit die in Mikenes, Marokko, L'Araisch und Tanger bestehenden Klöster ohne Hinderniss ihre Religion ausüben könnten. Die Klöster im Innern waren hauptsächlich errichtet, christliche Sklaven freizukaufen und ihnen in Krankheit Beistand zu leisten, namentlich auch sie in der christlichen Religion zu stärken und zu erhalten. Höst in seinem 1781 erschienenen Werke erwähnt noch dieser Klöster. Aber da der religiöse Fanatismus in Marokko bis jetzt immer noch wachsend gewesen ist, sah sich Spanien genöthigt, schon Ende des vorigen Jahrhunderts die Klöster von Mikenes und Marokko aufzuheben; das von L'Araisch wurde 1822 geschlossen.

Augenblicklich lebt der spanische Generalconsul in Tanger mit der Regierung von Marokko auf gutem Fusse, spanische Agenten theilen mit denen des Sultans sämmtliche Hafeneinkünfte aller Häfen, damit Spanien so zu seiner Kriegskostenentschädigung komme.

Der einzige Staat, der es verschmäht hat, je Verbindung mit Marokko anzuknüpfen oder gar Tribut zu zahlen, ist Russland, und eigenthümlich, Russland ist in Marokko am meisten gefürchtet, den Namen "Muscu" spricht jeder Marokkaner mit einer gemessenen ehrfurchtsvollen Scheu aus.

Frankreich behauptet108, schon 1577 Consuln in Fes gehabt zu haben, ob dem so ist, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Die ersten diplomatischen Beziehungen waren der Vertrag vom 3. Sept. 1630, vom 17. und 24. Sept. 1631, vom 16. Jan. 1635 und vom 29. Jan. 1682109, endlich 1693 zur Zeit Louis XIV. Letzterer trat erst 1767 in Kraft. Frankreich bezahlte keine bestimmte jährliche Summe, aber die jährlichen Geschenke giebt Hemsö auf mehr als 100,000 Thlr. an.

[Fußnote 108: Jules Duval, Rev. des deux mondes 1859.]
[Fußnote 109: Du Mont, Corps diplomatique t. V. VI. u. VII.]

Von dem ersten Tage der Eroberung Algeriens an hat Frankreich beständig mit Marokko auf dem qui vive gestanden. Die Schlacht von Isly, durch den jetzt regierenden Sultan Sidi Mohammed verloren, das Bombardement von Mogador und Tanger haben keineswegs dazu beigetragen, die Franzosen beliebt zu machen. 1844 als Friede und ein neuer Vertrag geschlossen wurde, konnte Abd-er- Rhaman sich nicht dazu verstehen, den französischen Gesandten in Fes zu empfangen, er ging eigens zu dem Ende nach Rbat.

Seit der Zeit hat Frankreich keine ernste Streitigkeiten mit Marokko gehabt, die Expedition gegen die Beni-Snassen war lokal und geschah mit Genehmigung des Sultans, andere Differenzen, z.B. manchmal Auslieferungen algerinischer Verbrecher und Revolteure, wurden immer dadurch beigelegt, dass Marokko wo es nur konnte aufs schnellste Frankreichs Wünsche erfüllte. Denn England wird in Marokko geliebt, Spanien gehasst, aber Frankreich gefürchtet. Das ist die eigene Aussage des marokkanischen ersten Ministers.

Obgleich England nicht zu den Mächten gehört, welche die ältesten Tractate mit Marokko geschlossen haben, so sehen wir doch schon, dass zur Zeit der Regierung der Königin Elisabeth englischer Handel sich an der marokkanischen Küste entwickelte. Am 2. Januar 1718 wurde der erste110 und unter Georg II. und Sultan Mulei Hammed el Dahabi im Juni 1729 ein zweiter Vertrag geschlossen. Von den Sultanen Sidi Mohammed 1760, von Mulei Yasid 1790, und von Mulei Sliman 1809 wurde dieser Vertrag bestätigt111. Denn die Sultane von Marokko anerkennen die Acte ihrer Vorgänger nur, wenn sie dieselben ausdrücklich bestätigt und erneuert haben, namentlich solche mit den christlichen Mächten. Ein Hauptgrund zu einem solchen Verfahren ist, dass bei einer Vertragserneuerung die betreffenden Staaten bedeutende Geschenke an den Sultan und seine Regierung zu machen haben. In einer 1815 vom englischen Parlament veröffentlichten Liste ersehen wir, dass Marokko mit einer jährlichen Liste von 16,177 Pfd. St. von 1797 bis 1814 figurirt als Kriegsunterstützung112. Ausserdem hat die grossbritannische Legation in Marokko über jährliche 10,000 Piaster zu Geschenken zu verfügen, und versorgt zum Theil Marokko gratis mit Munition113 und Waffen wegen der Erlaubniss, nach Gibraltar Vieh und Getreide so viel es braucht ausführen zu können.

[Fußnote 110: Du Mont, Corps diplom. T. VIII.]
[Fußnote 111: Gråberg di Hemsö, p. 232.]
[Fußnote 112: Revue des deux mondes 1844. Maroc, ses moeurs et ressources.]
[Fußnote 113: S. Calderon.]

Die grössten Erfolge verdankt England jedoch seinem jetzigen Repräsentanten in Marokko, Sir Drummond Hay. Um Männer zu haben, die genau mit den Sitten und mit der Sprache des Volkes bekannt sind, hat England zu seinen Vertretern in Marokko nur solche Leute genommen, die dort im Lande geboren sind. So auch Sir Drummond, der wie kein anderer das Land kennt, und mit Hoch und Niedrig umzugehen weiss. Am 9. December 1859 schloss Sir Drummond mit Abd-er-Rhaman einen neuen Handelsvertrag, und traf Bestimmungen, von denen alle christlichen Mächte profitiren sollten. Indess beanspruchte im Vertrage von 1861, der, was das Commercielle anbetrifft, revidirt wurde, England für sich eine Ausnahmestellung.

So heisst es z.B., Englands Consuln dürfen residiren, in welchem Hafen oder in welcher Stadt114 es Grossbritannien für gut findet, während für die Consuln der übrigen Mächte nur die Hafen erwähnt sind. Andererseits ist anzuerkennen, dass England in diesem Vertrage zum erstenmal für alle europäischen Agenten das Recht erlangte, die Fahne da aufzuhissen, wo man es wollte, und nicht bloss wie früher im "unreinen Ghetto" der Juden. Und vor allen Dingen ist hervorzuheben, dass England den Protestanten volle Freiheit bei Ausübung ihres Cultus zusicherte. Im Jahre 1862 war Sir Drummond selbst in Mikenes während eben der Zeit wie ich dort war, und ich konnte mich selbst überzeugen, wie allmächtig sein Einfluss, mithin der Englands in Marokko ist, und irre ich nicht, so hat Drummond Hay im Jahre 1867 sogar in Fes den Sultan besucht. Derjenige, der weiss, wie sehr schwierig es ist, mit den marokkanischen Monarchen in Person zu verkehren, namentlich in einer der Hauptstädte des Landes selbst, wird ermessen können, welch grosses Zutrauen der derzeitige Sultan zum jetzigen grossbritannischen Consul hat.

[Fußnote 114: Um Marokko nicht zu verletzen, würde übrigens England wohl nie darauf bestehen, im Innern des Landes Consuln zu halten.]

Aber die englische Regierung, die weiss, dass solchen Völkern hauptsächlich durch Glanz, Reichthum und Macht imponirt wird, hat in Tanger ein Consulatsgebäude herstellen lassen, das seiner Zeit mehr als 70,000 Thaler kostete, der Generalconsul und Ministerresident bezieht einen Gehalt von mindestens 50,000 Francs; ausserdem stehen dem englischen Minister zur Seite ein bezahlter Viceconsul, ein Arzt, Prediger, verschiedene Dolmetsche, Cavassen und Diener, alle gleichfalls hoch besoldet. In Mogador, Asfi, Darbeida, Dar-Djedida, Rbat, L'Araisch, Arsila und Tetuan unterhält England ebenfalls bezahlte Consulate, Viceconsulate und Agenturen.

Im Anfang der 60er Jahre vertrat England ausserdem das Königreich Dänemark, Oesterreich und die deutschen Hansestädte.

Die Hanseatischen Städte zahlten auch Tribut. 1750 musste Hamburg 50 Lafetten liefern, ausserdem 300 Centner Pulver etc.115.

[Fußnote 115: Pacy, La piraterie musulmane, Revue africaine. 1858.]

Am 18. Juni 1753 (Höst, p. 284) schloss Dänemark einen Tractat mit Marokko; da die meisten älteren Tractate ähnlicher Art sind, heben wir daraus hervor: § 6 und 10. Jeder Däne kann im Lande reisen und hat Sicherheit (?). Keine andere Nation ist der dänischen bevorzugt. § 9. Kein dänisches schiffbrüchiges Schiff darf beraubt, oder die Mannschaft davon misshandelt werden (?). Kein Maure darf den Dänen zwingen, seine Waare unter dem Werthe zu verkaufen. Kein Matrose darf mit Gewalt von einem dänischen Schiffe genommen werden. § 12. Wenn ein dänisches Schiff einige von seinen in einem marokkanischen Hafen bereits verzollten Waaren nach einem anderen Hafen in Marokko bringen möchte, so soll kein Zoll aufs neue von den an Bord befindlichen Waaren erlegt werden, die anderwärts hin bestimmt sind. Von Munition und Schiffsbaumaterialien wird kein Zoll bezahlt.—Dänemark bezahlte dafür (Hemsö p. 235) jährlich 25,000 Thaler, und auserdem [ausserdem] für die Erlaubniss, eine Handelscompagnie an der Küste von Sla bis Asfi anzulegen, ein Annuum von 50,000 Thlrn.

Im Jahre 1844 hat Dänemark erst aufgehört Tribut an Marokko zu zahlen, während Schweden, welches im Jahr 1763 den ersten Vertrag mit Marokko unterzeichnete, hierfür dem Sultan einen jährlichen Tribut von 20,000 Thalern gab. Vorher bestanden die Geschenke Schwedens in Naturalien: Holz, Tauwerk, Munition etc. 1771 unter Gustav III. wurde ein neuer Vertrag vereinbart, wonach Schweden jährlich zweimal einen Gesandten mit Geschenken zu schicken hatte, aber 1803 derselbe alte Vertrag wieder erneuert, wonach Schweden 20,000 Thaler leistete, und noch die Demüthigung erfuhr, dass dieses Geschenk öffentlich durch den Consul überreicht werden musste. Unter Bernadotte wurde der Tribut dann gänzlich aufgehoben; der schwedische Generalconsul hatte die Annuität von 20,000 Thalern eines Jahres zum Bau eines Consulatsgebäudes116 benutzt, und später die Zahlung nicht weiter geleistet. Zur Zeit, als ich in Marokko anwesend war, vertrat Schweden und Norwegen zugleich Preussen.

[Fußnote 116: Siehe von Maltzan: "Drei Jahre im Nordwesten von Afrika."]

Oesterreich, das sich jetzt auch durch England vertreten lässt, schloss, nachdem der Kaiser Rudolph II. im Anfange des 17. Jahrhunderts einen Gesandten an Sultan Abu Fers geschickt hatte, einen Vertrag mittelst des Engländers Shirley; im Jahre 1783 am 17. April, also ungefähr 150 Jahre später (Schweighover, Staatsverfassung von Marokko und Fes), erneuerte es den Vertrag. Zu der Zeit hatte Sidi Mohammed einen Gesandten an Joseph II. geschickt, Namens Mohammed Abd-el-Malek, der mit dem Rath von Jenisch den Vertrag erneuerte und besiegelte. Im Jahre 1815 verpflichtete sich Kaiser Franz gegen Marokko für Venedig einen jährlichen Tribut von 10,000 Sequinen zu zahlen, wozu sich 1765 die Republik verpflichtet hatte. Im selben Jahre jedoch brach Oesterreich jede Verbindung mit Marokko ab, und hörte, wohl von allen europäischen Staaten der erste, auf, Tribut zu zahlen. Oesterreich verwies seine Unterthanen an Spanien. Die vielen Vexationen, die Sultan Abd-er-Rhaman aber gegen Oesterreicher ausübte, zwangen diesen Staat zu einer militärischen Demonstration. 1829 bombardirte der österreichische Admiral Bandierra einige Küstenstädte, aber ohne grossen Erfolg. Unter Dänemarks Vermittelung kam am 12. Februar 1830 ein Vertrag mit Marokko zu Stande, von dem nur bekannnt [bekannt] ist, dass Oesterreich sich nicht zu Geschenken oder Tribut verpflichtete. Die Vertretung blieb Dänemark und später England überlassen.

Mit dem Sultan Sliman hatte im Jahr 1817 Preussen versucht ebenfalls einen Vertrag abzuschliessen, der aber nicht zu Stande kam, und seit der Zeit blieb, wie angeführt, die Vertretung dieses Landes Schweden überlassen. Im Anfange dieses Jahrhunderts hatte denn auch Hamburg versucht, einen Vertrag zu Stande zu bringen, da ein Hamburger Artikel früher wie auch jetzt (wenigstens dem Namen nach), nämlich weisser Kattun, "Amburgese" genannt, sehr gesucht war; auch dieser kam nicht zu Stande; Hamburg liess sich dann später durch Portugal vertreten, und zuletzt mit den übrigen Hansestädten durch England.

1825 schloss Sardinien mit Marokko einen Vertrag und verpflichtete sich, bei jedesmaliger Erneuerung des Consulats 25,000 Frcs. in Geschenken zu erlegen.

Die durch die kleinen italienischen Staaten abgeschlossenen Verträge, von Sardinien (und vordem von Genua), von Toscana, vom Königreich beider Sicilien, wurden 1859 durch einen neu zwischen Gesammt-Italien und Marokko vereinbarten Tractat aufgehoben. Mau hat im letzten Jahre von Differenzen gehört, die zwischen Marokko und Italien ausgebrochen waren. Italien hat ebenfalls ein Generalconsulat in Tanger, und in den meisten Hafenplätzen Agenturen.

Die Niederlande, die am frühesten mit Marokko in Rapport waren, der erste Vertrag wurde am 5. Mai 1684, dann später einer 1692 am 18. Juli (von Du Mont, t. VII.) geschlossen, zahlten jährlich dem Sultan 15,000 Thaler. Schon 1604 hatte Sultan Abu Fers einen Gesandten nach Holland geschickt, der dort starb. Im Jahr 1815 schickte Wilhelm, König der Niederlande, eigens einen General nach Marokko, um dem Sultan zu notificiren, er sei nicht mehr tributär. Die Holländer, heute durch England vertreten, besitzen eines der schönsten Consulatsgebäude in Tanger.

Portugal unterhält wie England, Frankreich und Spanien einen Generalconsul und Ministerresidenten. Seitdem 1769 der Sultan Mohammed Masagan den Portugiesen genommen hat, sind die Beziehungen gut gewesen. Und Portugal ist der einzige Staat, von dem man sagen kann, Marokko behandle ihn auf gleichem Fuss, denn die jährlichen Geschenke, welche der Sultan von Marokko an den König von Portugal schickt, sind allerdings nicht so werthvoll, wie die, welche er empfängt, deuten aber doch die Achtung vor der portugiesischen Macht an.

Selbst die Vereinigten Staaten von Nordamerika konnten dem Tribute nicht entgehen, den fast alle christlichen Staaten die Feigheit begingen, Marokko jährlich zu entrichten. 1795 wurde mit Mulei Sliman ein Vertrag auf 50 Jahre geschlossen, also bis 1845; in diesem verpflichteten sich die Amerikaner zwar nicht zu einer bestimmten jährlichen Summe, indess die Zwangsgeschenke betrugen alle Jahre ungefähr 15,000 Thaler. 1845 wurde eine neue, diesmal für Amerika günstigere Uebereinkunft getroffen. Amerika hat in Tanger ein Generalconsulat.

Brasilien und einige kleinere amerikanische Staaten haben ebenfalls in Tanger und den übrigen marokkanischen Hafenorten Vertretung.

Heute ist die Stellung der europäischen Consuln in Marokko eine ganz verschiedene, aber dennoch ist die Macht derselben weit entfernt von der, welche die christlichen Consuln in der Türkei haben. Für das Innere gelten auch heute alle Verträge und Bestimmungen nicht, sobald sie Europäer betreffen; das Ansehen eines europäischen Consuls ist im Innern gleich Null. Tribut zahlt heute kein einziges Consulat mehr, aber die mehr als königlichen Geschenke, die vor und nach namentlich England und Spanien an Marokko geleistet haben, habe ich selbst bewundern können; und so erfordert es ausserordentliche Klugheit und Gewandtheit für einen Consul mit den Marokkanern zu verkehren. Wenn Fälle wie ehedem auch wohl nicht mehr vorkommen, wo europäische Consuln willkürlich auf ein Schiff gepackt und fortgeschickt wurden117, falls sie den Marokkanern nicht gefallen, so verweigerte doch 1842 der Sultan dem französischen Consul Pelissier in Mogador das Exequatur, bloss weil es Sr. marrokkanischen Majestät so gefiel. Leon Roche musste von Tanger abberufen werden, weil er zu genau die marokkanischen Interessen und Zustände kannte, und England und Marokko dies nicht dulden wollten. Nach 1844 ist zwar Frankreich ganz anders aufgetreten.

[Fußnote 117: Die marokkanische Regierung kann dies heute schon deshalb nicht mehr, weil sie kein einziges Schiff zur Disposition hat.]

Was Marokko selbst anbetrifft, so hat es nie daran gedacht sich im Auslande vertreten zu lassen, oder aus eigenem Antriebe diplomatische und commercielle Verbindungen mit fremden Mächten anzuknüpfen. Die verschiedenen Gesandtschaften, welche die Regenten Marokko's nach Europa schickten, hatten alle nur den Zweck Geschenke flüssig zu machen und Gelder zu erpressen. Eine möchten wir ausnehmen: die von Mulei Abbes, Bruder des jetzigen Sultans, nach Spanien im Jahre 1860/61. Sie hatte natürlich nicht im Auge Gelder oder Geschenke zu bekommen, es handelte sich darum eine Ermässigung der Entschädigungsgelder für Marokko zu erlangen, und auch diese wurde nicht aus freiem Antriebe entsandt. Spanien hatte ausdrücklich erklärt über diesen Gegenstand nur mit dem Bruder des Sultans im eigenen Lande verhandeln zu wollen. Und Marokko erlitt die Demüthigung, dass, nachdem man Mulei Abbes durch Spanien spazieren geführt hatte, kein Deut von den Kosten erlassen wurde.

An Consuln besitzt Marokko nur einen118. Es ist dies der Hadj Said Guesno, der in Gibraltar gewissermassen das ganze Consulatswesen seines Monarchen gegenüber den Christen repräsentirt. Was für eine Art dieser Consul ist, davon kann sich der Leser am besten einen Begriff machen aus dem Briefe eines Freundes in Gibraltar, datirt vom 18. Mai 1871: "Mein marokkanischer College, ein Ex-Slave, jetzt Pantoffelnfabrikant und schwarz wie ein Teufel, würde sehr staunen, wenn ich fragen würde, ob er mir einige Aufklärungen geben könnte über diesen oder jenen Stamm, ob er arabischen oder berberischen Ursprungs sei—er würde mich gar nicht verstehen, erstens weil er über solche Dinge wohl nie nachgedacht hat, und zweitens weil sich sein ganzes Sinnen und Trachten auf seine gelben Pantoffeln concentrirt119."

[Fußnote 118: Der ehemals in Genua residirende marokkanische Consul existirt dort seit Jahren nicht mehr.]
[Fußnote 119: Ich hatte diesen Freund gebeten, mir vom marokkanischen Consul einige Noten über marokkanische Stämme zu erbitten.]

Dies ist der einzige würdige Repräsentant seiner unfehlbaren marokkanischen Majestät im Auslande.

Es tritt nun noch die Frage auf, wäre es wünschenswerth für das deutsche Reich eine Vertretung in Marokko zu haben? Wir müssen dies auf alle Fälle bejahen. Unsere politischen Interessen sind in Marokko so ziemlich identisch mit denen Englands, das ausserdem seine wichtigen commerciellen Angelegenheiten zu wahren hat. Wir stimmen insofern mit den Ansichten Englands vollkommen überein, dass Frankreich seine Herrschaft nicht auf Marokko ausdehne. Allein schon die Nähe der französischen Colonie macht es für uns nothwendig in Marokko Vertreter zu haben.

Da natürlich eine Consulatseinsetzung in Marokko nicht so ohne weiteres vor sich gehen kann, so müssten vor allen Dingen erst Unterhandlungen angeknüpft werden, entweder vermittelst eines schon in Marokko bestehenden und anerkannten Consulats oder direct mit der Regierung des Sultans. Wählt man das erstere, so würde jedenfalls das grossbritannische Generalconsulat am geeignetsten sein, es ist die Persönlichkeit Sir Drummond Hay's, des englischen Ministers, die in Marokko beliebteste und geachtetste. Wählt man den Weg einer directen Verständigung, so würde jedenfalls das Beste sein den Zeitpunkt abzuwarten, wo der Sultan, der ganze Hof und die Regierung sich in Rbat befinden, dort den Abgesandten des deutschen Reiches durch einige Kriegsschiffe hinbegleiten zu lassen, damit dadurch zugleich Marokko eine sichtbare Vorstellung von der Macht unseres Landes bekäme. Natürlich müsste mit der Anknüpfung diplomatischer Beziehungen ein Geschenk verbunden sein, aber einige 1000 Chassepots, dem Sultan gegeben, würde ein ebenso angenehmes Geschenk für ihn wie ein für uns erpriessliches [erspriessliches] sein.

12. Aufenthalt beim Großscherif von Uesan.

Ein volles Jahr verlebte ich nun in Uesan unter, im Ganzen genommen, angenehmen Verhältnissen. Und die Zeit verbrachte ich hauptsächlich damit, recht viel unter die Leute zu gehen, um mich mit ihren Eigenthümlichkeiten vertraut zu machen. Dabei fehlte es keineswegs an Unterhaltung, Gatell hatte mir einen Theil seiner Bücher geliehen, so dass, wenn ich allein war, ich durch Lectüre meinen Geist auffrischen konnte.

Ueberdies wurde der Aufenthalt in Uesan durch verschiedene kleinere Touren unterbrochen, die ich theils allein, theils in Gesellschaft des Grossscherifs machte. So unternahm ich von hier einen Abstecher nach L'xor, um einige Medicamente zu kaufen, die in Uesan, wo man nur mit Amuletten heilt, nicht zu haben waren. Merkwürdigerweise schien, was seine Person und seine Familie anbetraf, Sidi-el-Hadj Abd-es-Ssalam nicht sehr an die Wunderkraft seiner Unfehlbarkeit zu glauben, da ich mehrere Male sowohl ihm selbst als auch seinen beiden kleinen Söhnen Medicin verabfolgen musste. Der Grossscherif hatte so viel Zutrauen zu mir, dass er nicht das vorherige Kosten der Medicamente verlangte.

Es fiel in später Herbstzeit ein Besuch, den der Grossscherif dem Sultan in Arbat machte, wohin er von Mikenes übergesiedelt war, und auf welcher Reise ich ihn begleitete. Und gerade auf Reisen wird das Ansehen und der Einfluss des Grossscherifs am anschaulichsten. Man hat keine Idee davon, wie weit in Marokko der Menschencultus getrieben wird. Sidi-el-Hady Abd-es-Ssalam reist entweder zu Pferde oder in einer Tragbahre, die fast wie eine verschlossene vergitterte Kiste aussieht, und die so niedrig ist, dass man nur darin liegen kann. Zwei Maulthiere, von denen eines vorne, das andere hinten geht, tragen die Bahre. Es würde vergeblich sein, die Zahl der sich herandrängenden Leute schätzen zu wollen, das ganze Land scheint herbeizuströmen, aus weitester Ferne kommen ganze Stämme an den Weg, den der Grossscherif durchzieht. Man sucht ihn selbst zu berühren, oder die Tragbahre, das Pferd oder irgend einen anderen dem Grossscherif gehörenden Gegenstand. Man glaubt aus einer solchen Berührung den göttlichen Segen ziehen zu können. Oft genügen die bewaffneten Diener nicht, mit der flachen Klinge den andringenden Haufen fern zu halten, und es müssen dann förmliche Angriffe gemacht werden, die Leute auseinander zu treiben.

Die Gouverneure der Provinzen, die durchzogen werden, nahen sich immer schon von weitem ehrerbietig, und natürlich nie mit leeren Händen, sie betrachten es als eine besondere Gunst, wenn Sidi bei ihnen absteigt, um ein Mahl einzunehmen, oder wenn er gar in der Nähe ihrer Residenz seine Zelte aufschlägt.

Der Grossscherif reist immer nur in kleinen Etappen, und mit einem zahlreichen Gefolge, welches nie aus geringerer Zahl als hundert Personen zusammengesetzt ist. Alle einflussreichen Schürfa, die nächsten Verwandten, seine Tholba (Schriftgelehrten) müssen mit. Alle haben, ausser dass jeder beritten ist, Maulthiere für ihr Gepäck und ihre Zelte, welche vom Grossscherif gestellt werden. Dieser Lagertrain marschirt immer voraus, so dass man, wenn man ankommt, das Lager schon aufgeschlagen findet. Der Grossscherif selbst hat für seine Person drei grosse Zelte, eins, in dem er die Nacht zubringt, eins zum Empfang bestimmt, und eins, worin er nur seine nächsten Freunde empfängt.

Sobald er installirt ist, d.h. auf den weichen Teppichen, welche die Beni- Snassen120 verfertigen, und von denen ein einziger 4 Centner (eine Kameelladung) wiegt, Platz genommen hat, kommen aus Nah und Fern die Bittenden. Hier bringt einer ein Schaf, und verlangt, dass seiner Frau ein Sohn geboren werden soll, dort bringt einer Korn, und fleht um Segen für seinen Acker, da fragt einer ob er sein Pferd verkaufen soll, ob er Glück dabei habe, das und das Haus zu kaufen; hier will ein Blinder sehend gemacht werden. Der Grossscherif hilft Allen, und je mehr die Bittsteller Geld und Gaben bringen, desto wirksamer ist der Segen.

[Fußnote 120: Berbervolk an der Oranischen Grenze.]

Manchmal kommen die komischesten Scenen dabei vor. So einstmals als ich mit dem Grossscherif im festverschlossenen Zelte sass, die Diener und Sklaven aber strengen Befehl hatten, Niemand ans Zelt herankommen zu lassen, sie jedoch dem andrängenden Publikum nicht gewachsen sein mochten, rissen plötzlich die Gurten, das Zelt wurde gewaltsam geöffnet, und herein wälzte sich der Haufen: alte schmutzige Weiber, starkriechende Kinder, Männer und Greise, alle fielen über mich her und bedeckten mich mit ihren fanatischen Küssen. Im Halbdunkel hatten sie mich als auf dem Teppich sitzend (der Grossscherif sass in dem Augenblick auf einem Stuhl) für den Abkömmling Mohammed's genommen. Und während ich unter Geschrei und Streiten ihnen klar zu machen suchte, ich sei nicht der Grossscherif, sass dieser auf seinem Stuhle, lachte aus vollem Herzen und rief: "Mustafa hennin", d.h. Wohlbekomm's. Ich musste nachher eine Extrareinigung mit mir und meinem Anzüge vornehmen, um die greulichen und fühlbaren Andenken dieser heiligen Umarmungen loszuwerden.

In Arbat blieben wir nur wenige Tage, nahmen indem wir auf dem Hinwege den Weg durch das Gebiet der Beni-Hassen genommen hatten, den Rückweg längs des Meeres bis zur Mündung des Ssebu. Von hier gingen wir stromaufwärts bis fast zu dem Punkte, wo der Ordom-Fluss den Ssebu vergrössert, und von da aus direct nordwärts nach der Karia ben Auda. Die Karia ben Auda, eine Art befestigter Häuserhaufen, liegt an den westlichsten Vorbergen der südlich von Uesan streichenden Berge, die Karia selbst jedoch in vollkommener Ebene. Sie ist Residenz des Bascha's vom Rharb-el-fukani oder dem oberen Westen, wie diese Statthalterschaft heisst, dicht um die Karia liegen noch die von hohen Cactushecken umgebenen Dörfer. Die Häuser sind wie im ganzen Rharb von Steinen und Lehm gebaut und mit Strohdächern gedeckt, so dass man von Weitem ein deutsches Dorf zu sehen glaubt. Der vorzügliche Reichthum des Landes besteht in Viehheerden, hier wie in Beni-Hassen vorzugsweise in grossen Rinderheerden; Schafe und Ziegen hingegen werden in diesen Provinzen verhältnissmässig in geringerer Zahl gezüchtet. Die marokkanischen Rinder halten aber keineswegs einen Vergleich auch nur mit den schlechtesten in Europa aus. Klein von Statur giebt eine marokkanische Kuh kaum mehr Milch als eine gute europäische Ziege. Der Grund davon ist die Sorglosigkeit, mit der überhaupt die Viehzucht in Marokko betrieben wird, und dann auch die mangelhafte Nahrung im Winter. Es fallt keinem Marokkaner ein, daran zu denken Vorrath von Heu zu machen, wie denn überhaupt Wiesen zum Heumachen nirgends existiren. Natürlich giebt es hier und da längs der Flüsse, dann auch in den feuchten Niederungen namentlich der Kharbprovinzen und Beni-Hassen ausgezeichnete Wiesen und Wiesengründe, aber das Gras wird nur grün benutzt, und ist, ohne dass Jemand daran denkt es zu mähen oder zu schneiden, Mitte Juli verbrannt von der Alles austrocknenden Sonne. Im Winter sind daher Rinder und auch Schafe und Ziegen auf die vertrockneten, kraftlosen Kräuter angewiesen, welche sie draussen finden. Für die Pferde dient im Winter Stroh von Gerste oder Weizen.

Wir waren kaum Angesichts der Karia, als der Kaid Abd-el-Kerim, von seinen Brüdern begleitet, auf uns zugesprengt kam, und uns zu einem Frühstück einlud. Das konnte nicht ausgeschlagen werden, und so zog der ganze Tross nach seiner Wohnung, wo wir ein reichliches Mahl schon vorbereitet fanden. Und der Kaid, der den Titel Bascha hat, bat Sidi so inständig einen Tag zu bleiben, dass Befehl gegeben wurde, Zelte zu schlagen.

Es waren dies förmliche Essschlachttage, denn je höher man in Marokko einen Gast ehren will, desto mehr Speisen setzt man ihm vor. Abends kam der Kaid ins Zelt des Grossscherifs, wo er nun gleichfalls mit vielen Schüsseln bewirthet wurde, aber kaum war er fort, als er eine noch grössere Anzahl Gerichte zurück schickte, und am anderen Morgen, als wir eben unser reichliches Frühstück genossen hatten, kam auch schon der Kaid, um uns zu einem, zweiten Mahle abzuholen, ausschlagen durfte man nicht, kurz während der Zeit unseres dortigen Aufenthaltes hatte der Magen kaum eine Stunde Ruhe. Als wir uns verabschiedeten, legte der Kaid dem Grossscherif noch einen Beutel mit 5000 Frcs. zu Füssen, wofür er natürlich einen recht langen Segen erhielt.

So langweilig, was Natur anbetrifft, die Gegend in den Rharb- und Beni- Hassen-Districten ist, wo Ebenen von Zwergpalmen, Lentisken und Lotusbüschen bestanden mit Kornfeldern und Wiesen wechseln und allerdings das Bild des fruchtbarsten Bodens zeigen, aber auf die Dauer einförmig erscheinen, so sehr ändert sich dies, wenn man das Gebirge erreicht. Gewiss giebt es keine romantischere Umgegend, als die der heiligen Stadt Uesan. Die dicht bewachsenen Berge der nächsten Umgebung, im Hintergründe die zackigen Felsen der Rifberge, die strotzende Fruchtbarkeit des Bodens, der dem Auge überall das saftigste Grün der verschiedenen Bäume und Stauden bietet, wie sie überhaupt die Länder um das Mittelmeer in so grosser Mannichfaltigkeit hervorbringen, alles dies verursacht, dass die Zeit und wenn auch der Weg beschwerlich und ermüdend ist, rasch verläuft.

Gegen Mittag wurde im Westen der Stadt Halt gemacht, da der Einzug am anderen Tage stattfinden sollte. Aber Abends hatten wir schon viel Besuch von Uesan, unter anderen kamen auch die kleinen Söhne des Grossscherifs, von denen der eine 9, der andere 7 Jahre haben mochte, mit ihrem Lehrer herangeritten, so dass der Abend recht munter und vergnügt verbracht wurde.

Vor Sonnenaufgang am folgenden Tage weckten mich schon die Flintenschüsse und die schrecklichen Klänge der unvermeidlichen Musik, es war dies nur die Einleitung zur statthabenden Feierlichkeit. Nachdem wir in aller Eile den Kaffee (ich genoss immer die Auszeichnung zum Kaffee in des Grossscherifs Zelt gerufen zu werden, sowie ich dort auch mit essen musste) getrunken und gefrühstückt, stiegen wir zu Pferde und unter knatterndem Feuer, dem Lärm der Musikanten, dem Lululu der Weiber setzte sich der Zug in Bewegung. Aber obschon wir nur eine Stunde von der Stadt entfernt waren, erreichten wir dieselbe erst gegen Mittag. Alle Augenblick kam eine neue Musikbande mit ihren abscheulichen Instrumenten und es wurde Halt gemacht, oder es kamen mit Flinten bewaffnete Abtheilungen, und gaben eine Salve dicht vor den Füssen des Grossscherifs, man bildete Kreise und dann, wie die Teufel herumspringend, schossen sie ihre Flinten in den Boden und warfen sie darauf hoch in die Lütt, um sie hernach geschickt wieder aufzufangen. Reiter organisirten sich, und im gestreckten Galopp auf uns losjagend, schossen sie dicht vor uns die Flinten ab und schwenkten dann mit ihren Pferden zu beiden Seiten auseinander. Ich war froh, als wir endlich die Stadt erreichten, aber hier war uns das Entsetzlichste noch vorbehalten, gewissermassen der Triumphbogen, durch den der Grossscherif den Einzug in seine getreue und heilige Stadt Uesan halten sollte.

Es nahten sich ungefähr zwanzig der Secte der Aissauin. Unter zitternden convulsivischen Bewegungen, unter einförmigen Tönen: "Allah, Allah" tanzten sie heran; jeder hatte eine Lanze, einige waren ganz nackt, andere hatten nur die unentbehrlichsten Lumpen um. Die Lanze trugen sie in der einen Hand, in der anderen einen Rosenkranz. Die Verwundungen, welche sie sich selbst beigebracht hatten, verursachten, dass der ganze Körper mit Blut bedeckt war, einige schlugen sich auf die Nase, dass das Blut in Strömen herausschoss, andere schlitzten sich die Lippen zu Ehren Sidi's, andere zerkrazten sich die Brust und Gesicht, Gott zu Ehren und um dem Grossscherif, dem Abkömmling des "Liebling Gottes", ihre Hingebung zu bezeugen. Dabei steigerte sich ihr Allah, Allah zu einem wahren Geheul, einigen traten die Augen aus dem Kopfe, sie schienen wahnsinnig zu werden, andere schäumten, die von Gott am meisten Inspirirten wollten sich vor die Füsse des Pferdes des Grossscherifs werfen, um überritten zu werden, nur ein schneller Spornstich drückte rasch das Pferd in die Menge, welche dicht zu beiden Seiten war. Ich sah, wie es auch dem Grossscherif schauderte, und er war wohl eben so froh als ich, als die eigentliche Sauya, das Allerheiligste von Uesan, erreicht war.

Auch der Winter wurde nicht unangenehm verbracht; ob schon die Spitzen der Rif-Berge alle mit dickem Schnee überzogen, merkte man in Uesan nicht viel von der Kälte. Eine Einrichtung zum Heizen hat natürlich Niemand, bei grosser Kälte, d.h. wenn das Thermometer Morgens auf +6 oder +4° R. herabsinkt, oder gar wohl einmal unter Null ist (es soll vorkommen, ich habe es indess nicht erlebt), lässt man sich ein Becken mit glühenden Kohlen ins Zimmer bringen. Und diesmal war der Winter so milde, dass die Gesellschaft, welche der Grossscherif täglich bei sich empfing, in einer Art von Veranda seines Hauses empfangen wurde, keineswegs aber in einem geschlossenen Zimmer.

Bald darauf, im Januar 1862, trat ein anderes Ereigniss ein, welches abermals eine Reise des Grossscherifs nothwendig machte, und weil es charakteristisch für die politisch-socialen Zustände des Landes ist, verdient, hier erzählt zu werden. Es hatte sich eine Art von Gegen-Sultan gebildet.

Man erfuhr zuerst in Uesan gerüchtweise von einem Marabut oder Heiligen, der in der Nähe der Stadt sich aufhielt, und vorgab alle Kranke gesund machen zu können; er predigte zugleich den heiligen Krieg gegen die Ungläubigen (der Krieg gegen Spanien hatte den alten Fanatismus der Gläubigen gegen die Christen recht wieder ins Leben gerufen) und proclamirte die Stunde des Sultans habe geschlagen, es würde ein neuer kommen, der bestimmt sei die gesunkene Macht der Gläubigen wieder aufzulichten, und der mit erneuerter Kraft und Herrlichkeit den Islam der ganzen Welt auferlegen werde. Es strömte ihm natürlich viel Volks zu, da der spanisch-marokkanische Krieg Räuber und Strolche genug herangebildet hatte, und überdies, je unwahrscheinlicher eine Prophezeiung ist, sie um so leichter bei den Marokkanern gläubige Anhänger findet, namentlich wenn den Leidenschaften und religiösen Eitelkeiten des Volkes geschmeichelt wird.

Der Grossscherif verhielt sich äusserst ruhig bei diesem Treiben, da seiner Macht und seinem Einfluss kein Abbruch geschehen konnte, weil der Weltverbesserer kein Scherif seiner Herkunft war, nicht einmal ein Thaleb, d.h. ein der Schrift kundiger Mann. Nach einigen Wochen, während der Zeit Sidi Djellul (er hatte sich den Scheriftitel angemasst) einen Haufen von einigen Tausenden von Taugenichtsen um sich versammelt hatte, beging er indess die Frechheit, dem Grossscherif einen Brief zu schreiben, d.h. schreiben zu lassen, ihm zu sagen, er (Sidi Djellul) sei der Mann der Stunde (mul' el uogt, d.h. der erwartete Messias), der Grossscherif habe sich Angesichts dieses Briefes zu ihm zu begeben, und in Gemeinschaft wollten sie sodann gegen den Sultan und die grossen Städte ziehen. Sidi-el- Hadj Abd-es-Ssalam würdigte ihn natürlich keiner Antwort; sandte aber sofort an den Sultan einen Courier, um ihn auf die Gefahr dieses Abenteurers aufmerksam zu machen.

Mittlerweile wuchs der Anhang Sidi Djellul's in grossen Proportionen. Seine Genossen lebten von Raub und Plündern, und grössere Raubzüge stellte er in Aussicht: "Die grossen Städte, wie Fes, Mikenes, müssten ganz verschwinden, die Bewohner hätten ihr Geld durch Handel mit den Christen gewonnen, daher sei es ein gutes Werk sich dieser in den Städten angehäuften Schätze zu bemächtigen."—Merkwürdigerweise rührte sich nach mehreren Wochen die Regierung noch immer nicht, denn es hält ungemein schwer, den Sultan zu irgend einem entscheidenden Schritt zu bringen.

Im Anfange Februar desselben Jahres wagte er sich schon an befestigte Punkte; mit seinem ganzen Anhang, von denen einige mit Flinten, die meisten aber nur mit Knütteln und Lanzen bewaffnet waren, zog er gegen die Karia- ben-Auda, und nach einer dreitägigen stürmischen Belagerung bemächtigte er sich derselben mit Gewalt, und enthauptete denselben Bascha Abd-el-Kerim, der vor Kurzem dem Grossscherif eine so grossartige Gastfreundschaft erwiesen hatte. Die 16 oder 20 Mann Maghaseni, eine ebenso grosse Anzahl Diener des Bascha's wurden ebenfalls ermordet, die Bewohner der um die Karia gelegenen Dörfer entflohen zum Theil nach Uesan, zum Theil gingen sie zu Sidi Djellul über.

Der Bascha wurde übrigens vom Volke kaum betrauert, seine Habsucht und Grausamkeit hatten ihn zum Feinde aller deren gemacht, denen er als Gouverneur vorstand. Was Sidi Djellul anbetrifft, so stieg nach der Einnahme der Karia sein Einfluss von Tage zu Tage, und obschon er durch den Bascha, der sich in der Karia hinter hohen Mauern gut vertheidigt hatte121, einigen Verlust erlitten hatte, so behauptete das leichtgläubige Volk, alle die mit Sidi Djellul zögen seien kugelfest, und namentlich er selbst unverwundbar. Während 14 Tagen schwelgten die Räuber sodann auf der Karia, ihr Chef erliess Proclamationen, worin er verkündete mit allen Baschas so verfahren zu wollen, und namentlich auch mit dem Sultan.

[Fußnote 121: Er musste sogar Revolver und Lefaucheux'sche Flinten gehabt haben, da der Grossscherif später von Leuten mehrere derartige Waffen geschenkt bekam, und die als in der Karia gefunden bezeichnet wurden.]

Endlich rührte sich der Sultan; sein Bruder Mulei Arschid hatte Befehl bekommen mit 1000 Mann Soldaten, ebenso vielen Reitern und 4 Kanonen über Media, an der Mündung des Ssebu gelegen, nach der Karia zu marschiren, und Sidi-el-Hadj Abd-es-Ssalam war gebeten worden zum Heere zu stossen, um durch seine Anwesenheit der Sache des Sultans in den Augen des Volkes grösseres moralisches Gewicht zu geben. Der Grossscherif leistete der Bitte des Sultans Folge und mit grossem und kriegerischem Trosse wurde auf die Karia-el-Abessi marschirt, die wir in zwei Tagemärschen erreichten, am selben Tage, an welchem von der anderen Seite der Bruder des Sultans, Mulei Arschid anlangte. Der Eindruck, den das Erscheinen des Grossscherifs hervorbrachte, war ein ausserordentlicher. Die ganze Rharbprovinz war im offenen Aufruhr gewesen, Mulei Arschid hatte sich von Media nur mit Gewalt einen Weg bis zur Karia-el-Abessi bahnen können. Wir selbst aber waren dort ohne auf irgend feindselige Leute zu stossen angekommen, und die Leute, welche zurückgeblieben waren, sagten aus: Sidi Djellul habe sich mit seinem Anhang durch die Berge nach Sidi Kassem, einem südlich gelegenen Orte, geflüchtet. Mit Ausnahme derer, die keine Heimath hatten und fest zu Sidi Djellul standen, war damit der eigentliche Aufstand gedämpft; d.h. die beiden Rharbprovinzen waren durch die Anwesenheit des Grossscherifs bei der Armee Mulei Archid's vollkommen beruhigt und hatten sich ohne weitere Zwangsmassregeln unterworfen.

Merkwürdigerweise wurde nun aber Sidi Djellul nicht durch einen raschen Marsch auf Sidi Kassem beunruhigt und er selbst mit seinen Anhängern vernichtet oder gefangen gebracht. Wir lagerten bis Mitte März ruhig bei der Karia-el-Abessi. Aber der Anhang Sidi Djellul's verlor sich nun immer mehr, freilich hatte er auch den Ort Sidi Kassem noch überrumpeln und plündern können, die Behörde war mit den meisten Bewohnern schon vorher geflohen, es war dies aber sein letztes Heldenstück. Von fast Allen verlassen, versuchte er es das Grabmal von Mulei Edris el Akbar in Serone zu erreichen, wo er eine sichere Zufluchtsstätte gefunden haben würde. Aber gleich beim Eintritt in die Stadt, wurde er erkannt und von den Schürfa gefangen genommen. Diese, ohne weitere Umstände, enthaupteten ihn, schnitten dem Rumpfe Hände und Füsse ab, und diese Trophäen wurden dem Sultan geschickt. Sidi Mohammed, der Sultan, befahl den Rumpf ans Stadtthor von Serone zu nageln, der Kopf wurde zur Ausstellung nach Maraksch geschickt, und die übrigen Extremitäten den anderen Städten zur Ausstellung überlassen. Die Schürfa aber, die eigenmächtig getödtet hatten, bekamen vom Sultan ein Geschenk von 3000 Mitcal (c. 5000 frcs.), ein für Marokko sehr ansehnliches Geldgeschenk. Von seinen Parteigängern wurden viele gefangen genommen, einfach enthauptet, einige aber auch, die etwas Vermögen hatten, eingekerkert, um erst ihrer Habe beraubt zu werden. So endete der Versuch eines Marokkaners den Thron des Sultans umzustürzen und eine andere Regierung einzusetzen. Nicht immer aber sind solche Revolten ohne Frucht geblieben, namentlich wenn der Empörer ein Scherif war, und am Hofe selbst schon Ansehen hatte, endete oft genug eine aus ebenso kleinen Anfängen entsprungene Revolution damit, dass der regierende Sultan das Feld räumen musste, oft sogar das Leben verlor.

Uebrigens war damit das Land keineswegs ganz beruhigt, die Hiaina, die Beni-Hassen, die Rifprovinzen waren in Gährung, man wusste nicht ob die Rifbewohner das Gebiet um Melilla abtreten wollten; der zu dem Ende vom Sultan an die Gebirgsstämme entsandte Scherif von Uesan, Sidi Mohammed ben Akdjebar, kehrte unverrichteter Sache zurück.

Endlich verliessen wir mit der Armee die Karia-el-Abessi, und in östlicher Richtung marschirend, zogen wir über den Ued-Teine und den Ued-Ardat, und campirten an einem Orte Had genannt. Hier blieben wir wiederum einige Tage liegen, und marschirten dann längs des Ardatstroms aufwärts, um bei einem Orte Arba zu campiren. Das Wort Arba bedeutet Mittwoch, und an dem Orte wird Mittwochs Markt abgehalten. In ganz Marokko stösst man überall auf Oertlichkeiten, die manchmal ohne alle Bewohner, die Bezeichnung Had Sonntag, Tnein Montag, Tleta Dienstag, Arba Mittwoch, Chamis Donnerstag, Djemma Freitag und Sebt Samstag führen. Solche Oertlichkeiten dienen als Marktplätze, und es giebt ihrer Hunderte im ganzen marokkanischen Reich.

Das Land war in dieser Gegend durchaus gewellt, überall gut angebaut, und das Erdreich, schwarzer Humus, sehr fruchtbar. Wie man an den Ufern der Flüsse sehen konnte, hat die Humusschicht meistens eine Dicke von 5-6 Meter. Von hier aus zogen wir nach einigen Tagen nach dem Ued-Uarga und lagerten südlich, Angesichts der Bergkette der Uled-Aissa. Das Lager war hier in reizender Gegend aufgeschlagen, die schönen Ufer des Flusses, von 20 Fuss hohen Oleanderstauden und Tamarisken dicht bestanden, die Gebirge mit zahlreichen Dörfern, die aus ihren Oliven- und Feigengärten herauslugten, im Südosten der eigenthümlich geformte Berg Mulei Busta, geben der ganzen Landschaft eine grosse Abwechselung. Aber der Ramadhan war angebrochen, und da wir im Lager waren, musste ich natürlich aufs strengste die vorgeschriebenen Fasten mitmachen, was bei der grossen Hitze, wir waren jetzt Ende April, keineswegs angenehm war.

Endlich kam ein Danksagebrief vom Sultan an den Grossscherif, wir verabschiedeten uns von Mulei Arschid und erreichten, rasch heimwärts ziehend, in anderthalb Tagen Uesan. Mulei Arschid aber vereinigte sich mit dem Sultan, der von Arbat aus mit der ganzen übrigen Armee gegen die Beni- Hassen ins Feld gerückt war. Da wir ganz unerwartet in Uesan eintrafen, so war natürlich auch kein Empfang.

Nachdem der Ramadhan vorüber, das Aid-el-Sserir mit grossem Gepränge gefeiert worden war, und ich mich von den Anstrengungen des mehrere Monate dauernden Feldzuges erholt hatte, brach ich von Uesan auf, um Tetuan zu besuchen. Reichlich mit Medicamenten versehen und unter dem Titel "ssahab Sidi", d.h. Freund, Diener oder Anhänger des Grossscherifs, wollte ich es wagen, allein die Gegenden zu durchstreifen, es sollte dies gewissermassen als Versuch und Vorbereitung zu meiner Abreise dienen. Ein Spanier, schon seit 15 Jahren in Uesan ansässig und dort verheirathet, begleitete mich122.

[Fußnote 122: Einige Monate später wurde er, als er allein von Uesan ins Gebirge reiste, ermordet.]

Von Uesan aufbrechend, ich hatte ein eigenes Maulthier und einen vom Grossscherif geliehenen starken Esel, ging es über Tscheralia nach L'xor, und nach einem mehrtägigen Aufenthalt auf dem Westabhange der Rif-Berge, welche man von L'xor aus in einigen Stunden erreicht, nordwärts. Vom Orte Arba el Aiascha gingen wir nach Had bei Arseila, wo ich mein Maulthier verkaufen wollte, da es sich, als nicht besonders stark, schlecht bewährt hatte. Aber wegen zu schlechten Wetters, welches uns zwang, einen ganzen Tag in einem Duar zuzubringen, war der Markttag des Had verpasst worden, und dicht bei dem Sanctuarium Mulei Abd-es-Ssalam ben Mschisch, einer berühmten Sauya und sehr besuchtem Wallfahrtsorte vorbeikommend, zogen wir dann durchs Gebirge Tetuan entgegen.

Bis jetzt waren wir überall gut aufgenommen worden, aber je näher wir Tetuan kamen, desto misstrauischer zeigten sich die Bergbewohner, und eines Abends wollten Tholba eines Dorfes, wo wir zu übernachten beschlossen hatten, uns nur gegen Erlegung von einigen Metkal Quartier geben, "dann würden wir überdies ihres Segens theilhaftig werden." Auf meine Erwiederung, der Segen des Grossscherifs von Uesan, dessen Freund ich sei, genüge mir, zogen sie sich drohend zurück, indessen schienen sie später ihre Gesinnungen geändert zu haben, denn sie brachten ein reichliches Nachtessen. Auf dem Wege von Tanger nach Tetuan angekommen, brachten wir dann eine Nacht in dem Caravanserai zu, bekannt geworden durch den letzten Krieg der Spanier. Hier erblickte ich in den Gebirgsschluchten zum ersten Male die deutsche Eiche wild wachsend, welche mir sonst nirgends mehr in Marokko aufgestossen ist. Sonst hat man in Marokko in den Ebenen vorzugsweise die Korkeiche und auf den Abhängen der Berge die immergrüne Eiche und die Cerriseiche.

Im Caravanserai oder Funduk hatten wir für nächtliches Unterkommen, d.h. für eine leere Zelle und Hofraum fürs Vieh, einige Mosonat zu zahlen, für Geld bekamen wir auch etwas Brod, Milch und einige Eier. Am anderen Morgen erreichten wir gegen 10 Uhr die Stadt Tetuan oder Tetaun, wie die Marokkaner sie nennen. Die Spanier waren gerade beim Abmarsch, denn Tetuan liegt bekanntlich nicht unmittelbar am Meere, so dass die Truppen nicht direct eingeschifft werden können. Ich unterlasse es eine Beschreibung dieser von reizenden Orangengärten umgebenen Stadt zu geben, sie ist hinlänglich aus dem letzten Kriege bekannt.

Nach einigen Tagen Aufenthalt kehrte ich Tetuan den Rücken, und begab mich mit einer grossen Karavane nach Tanger. Der Weg wird gewöhnlich in zwei Tagen gemacht, wir brauchten indess nur Einen. Sehr belebt war er durch heimkehrende Tetauni (Bewohner Tetuans), welche während der spanischen Besatzung die Stadt verlassen hatten, und die nun zurückkehrten, um von ihren Immobilien wieder Besitz zu nehmen. Nachdem ich sodann in Tanger mein Maulthier verkauft hatte, trat ich den Rückweg nach Uesan an, zuerst längs des Strandes.

Man muss indess nicht glauben, dass ein eigentlicher Weg längs des Meeres läuft, davon ist keine Spur vorhanden. Aber der Strand ist so breit, besteht aus so festem Sande, dass er, ausgenommen für Wagen, vollkommen eine macadamisirte Chaussee ersetzt. Man muss aber die Ebbezeit wählen, weil bei Fluth das Meer bis dicht an die Dünen oder Felsen hinantritt. Man kann hier sehen, wie der Atlantische Ocean, dessen breiteste Stelle hier ist, selbst nach tagelangen Windstillen, dennoch immer grosse Wellen schlägt, und alle Zeit ist die Brandung oder das Rauschen der den Sand hinaufrollenden Wellen weit im Innern des Landes zu hören.

Man kann recht gut, längs des Strandes reisend, in einem Tag Arseila erreichen, aber wir hatten ein Hinderniss an der Mündung des Ued-Morharha, worüber ein ganzer Tag verging. Zu breit und tief an der Mündung, um durchwatet werden zu können, hat man für Fahr-Einrichtung gesorgt, das Boot aber lag auf der anderen Seite, und kein Fährmann war zu finden oder durch Rufen herbeizulocken. Wir zogen, nachdem wir vergeblich versucht hatten, hindurch zu schwimmen, flussaufwärts, ohne eine Furt zu finden, auf das Bereden der Leute eines Duars kehrten wir um, und diesmal war denn auch der Fährmann an Ort und Stelle, und wir wurden hinüberbefördert. Ehe man Arseila erreicht, hat man dann noch die Mündung des Ued-Aiascha zu passiren.

Arseila, von den Alten Zilia. Zelis und Zilis genannt, wird von einigen Schriftstellern, darunter Hemsö, Höst und Barth, Asila genannt. Wenn nun aber auch die Herleitung des Namens von Zilis unzweifelhaft ist, so ist heute doch nur die Schreibweise mit einem r die einzig richtige, und ist es wohl seit Jahrhunderten gewesen, da Leo, Marmol, Lempriere, Jackson und die meisten Schriftsteller so schrieben. Ohne Zweifel von den Eingeborenen gegründet, später im Besitze der Carthager, der Römer, der Gothen, wurde nach Leo Arseila 712 n. Chr. von den Mohammedanern erobert und 200 Jahre von ihnen behauptet. Dann sollen die Engländer (nach Leo) eine Zeitlang die Stadt besessen haben, und später wieder im Besitze der Mohammedaner wurde sie 1471123 von den Portugiesen erobert und bis zum Jahre 1545 behauptet. Seit der Zeit ist die Stadt im Besitze der Marokkaner geblieben.

[Fußnote 123: Nach Leo 1477.]

Ob das alte Zilis übrigens genau an der Stelle des heutigen Arseila gewesen ist, ob es nicht vielmehr an der Mündung des Ued-Aiascha einige hundert Schritte weiter im Norden gelegen hat, möchte wohl erst noch festzustellen sein. Jedenfalls ist die heutige Stadt so gelegen, dass sie nie besonders durch Handel und Wandel blühend gewesen sein kann. Am Strande ziehen sich allerdings rechtwinkelig ins Meer hinein Felsblöcke, aber angenommen, sie hätten ehemals einen Hafen gebildet, so würde dies Bassin kaum gross genug gewesen sein 12-16 Fischerböte aufzunehmen. Ueberdies sind die Blöcke so klein, dass sie bei halber Fluth schon vom Wasser bedeckt sind. Die Mündung des Ued-Aiascha, wo man ebenfalls Mauerüberreste bemerkt hat, muss in früherer Zeit ein guter Hafen gewesen sein. Plinius sagt überdies: "Zilis juxta flumen Zilia", welcher Fluss wohl kein anderer sein kann, als der ebenerwähnte Aiascha.

Arseila, in der Gegend von Hasbat gelegen, liegt unmittelbar am Meere. Ein rechtwinkliges Oblongum, von halbverfallenen Mauern und Thürmen umgeben, mit zwei Thoren, von denen das eine nach Norden, das andere nach Osten sieht, hat Arseila c. 500 Einwohner mohammedanischer und israelitischer Confession. Man findet in Arseila wie in allen Seestädten Marokko's zahlreiche Spuren christlicher Herrschaft an den alten Bauwerken. Einige am Boden liegende Säulen, ebenso Säulen, die jetzt im Innern der Djemma sind, dürften vielleicht römischen Ursprungs sein. Ein Djemma, ein elendes Funduk sind die öffentlichen Gebäude, ein marokkanischer Jude versieht das englische Consulat. Arseila besitzt nicht einmal Fischernachen, geschweige grössere Schiffe. Trotz der nächsten sandigen Umgebung haben die Bewohner es verstanden, leidlich gute Gärten anzulegen und Feigen, Melonen, Pasteken und die Rebe gedeihen vortrefflich. Aber kein Ort ist so theuer, was Lebensmittel anbetrifft, wie Arseila, und selbst Früchte, die in anderen Theilen von Marokko fast umsonst zu haben sind, kosten hier verhältnissmässig viel Geld.

Die ganze Stadtbevölkerung fanden wir unter Zelten auf einer grünen Wiese dicht am Meere gelagert, da der Sultan für sein ganzes Reich eine dreitägige Festlichkeit angeordnet hatte aus Freude über den glücklich bewältigten Aufstand Sidi Djellul's. Wie der Juden Laubhüttenfest, werden alle derartigen Feierlichkeiten der Marokkaner im Freien abgehalten, wie ja auch bei den grossen religiösen Festen, Aid el kebir, aid sserir und Molud die gottesdienstliche Ceremonie nicht in der Moschee, sondern draussen auf freiem Felde celebrirt wird. Zwischen Tanger und L'Araisch können auch Christen in christlicher Tracht längs des Meeres reisen, ohne befürchten zu müssen belästigt zu werden. So traf denn auch am selben Abend, wo wir in Arseila waren, ein spanischer Kaufmann ein (Christen giebt es sonst keine im Städtchen), der in eben dem Funduk die Nacht zubrachte, welches uns beherbergte.

Von Arseila, das wir am anderen Morgen verliessen, bis L'Araisch hat man längs des Meeres, dessen Ufer immer denselben Charakter beibehält, nur einen halben Tagemarsch, und man muss, um in die Stadt zu gelangen, die Mündung des Ued-Kus übersetzen. Ohne uns aufzuhalten, erreichten wir immer durch einen schönen Korkeichenwald reisend, am selben Tage L'xor. Und auch hier war kein Aufenthalt für uns, da uns die Kunde wurde Sidi-el-Hadj Abd- es-Ssalam beabsichtige eine Reise nach Marokko. Zwei Tage darauf waren wir wohlbehalten in Uesan nach einer Abwesenheit von drei Wochen.

Der Grossscherif, der mich wie immer sehr freundlich empfing, sagte mir, allerdings habe er eine Einladung vom Sultan erhalten, ihn nach Maraksch zu begleiten, aber später habe der Sultan in einem anderen Briefe den Wunsch ausgedrückt, nicht zu kommen, da seine Anwesenheit in der Nähe des Rharb, dessen Bevölkerung eben erst eine Revolution durchgemacht hätte, notwendiger sei, als in Maraksch.

So glaubte ich denn auch, dass die Zeit gekommen sei, mein Geschick von dem des Grossscherifs zu trennen, dessen liebenswürdige und uneigennützige Gastfreundschaft ich nun seit einem Jahre genoss; zudem fühlte ich, dass ich der arabischen Sprache täglich mächtiger wurde, denn hat man die ersten Schwierigkeiten überwunden, so ist diese Sprache als Umgangssprache nicht schwer. Und wenn man ausgerechnet hat, dass ein europäischer Landmann, ein englischer Bauer z.B. in seinen gewöhnlichen Lebensverhältnissen nur ca. 400 Wörter braucht, mit deren Hülfe er alle seine Ideen seinen Mitmenschen mittheilen kann, so hat man sicher in Marokko auch nicht mehr nöthig.

Die ganze Lebensart ist so einfach, der Gegenstände, die der Mensch dort nöthig hat, sind so wenige, die Unterhaltung ist so stereotyp und dreht sich so ziemlich immer um dieselben Gegenstände, dass, wenn man einmal erst mit der Construction der marokkanischen Redeweise vertraut ist, und den nöthigen Wörtervorrath im Gedächtniss angesammelt hat, das Reden ganz von selbst geht. Hauptsache ist dabei, immer Gott und Prophet im Munde zu haben, von Paradies und Hölle zu sprechen, den Teufel nicht zu vergessen, und dabei andächtig mit dem Munde murmelnd den Rosenkranz durch die Finger gleiten zu lassen. Fällt einem dann auch nicht gleich eine Redewendung ein, hat man ein Wort plötzlich vergessen, und sagt statt dessen: "Gott ist der Grösste", oder "Mohammed ist der Liebling Gottes", oder "Gott verfluche die Christen", so findet das kein Marokkaner, auch wenn diese Redensarten gar nicht dahin passen, auffallend, und er wird selbst den Satz ergänzen, oder das gesuchte Wort finden.

Ehe ich indess Uesan verliess, bot sich mir Gelegenheit dar, mit einem "Emkadem", Intendant, des Grossscherifs nach der kleinen zwischen Fes und Udjda gelegenen Stadt Tesa zu reisen; derselbe war abgeschickt worden, rückständige Gelder für die Sauya Uesan einzukassiren. Den ersten Tag verfolgten wir den von Uesan nach Fes führenden Weg und lagerten am Ued- Ssebu an einer Oertlichkeit, Manssuria genannt, welche aus einigen Hütten bestand und einem Duar, beides Eigenthum des Grossscherifs. Merkwürdig ist diese Gegend dadurch, dass in der Nähe von Manssuria ein steinigtes Feld ist, aus dem beständig Schwefeldämpfe und nach den Aussagen der Eingeborenen mitunter auch kleine Flammen emporsteigen124. Es ist dies die mir einzig in Marokko bekannte Oertlichkeit, wo vulkanische Erscheinungen heute noch in Thätigkeit sind. Am zweiten Tage, im Thale des Ssebu aufwärts gehend, das die zahlreichen Krümmungen abgerechnet von Osten herkommt, blieben wir noch eine Nacht in einem Tschar (Bergdorf) und erreichten am dritten Tage das malerisch am Berge gelegene Städtchen Tesa.

[Fußnote 124: Vielleicht das Pyrron Pedion, dessen Ptolemaeus in Mauritania Tingitana erwähnt.]

Nach Ali Bey liegt Tesa auf dem 34° 9' 32" N. B. und 6° 15" W. L. v. P. auf dem Unken Ufer des Ued-Asfor (gelber Fluss, wie hier der Ssebu heisst), jedoch fast eine halbe Stunde von ihm entfernt. Ausserdem wird die Stadt vom kleinen Ued-Tesa durchströmt, der vom Süden kommt. In der Lage, d.h. am Abhange eines Berges gelegen, hat Tesa eine ausserordentliche Aehnlichkeit mit Uesan. Leo giebt der Stadt 5000 Feuerstellen, was jedenfalls jetzt viel zu hoch ist, denn sie dürfte kaum mehr als 5000 Einw. haben, von denen ca. 800 Seelen jüdischen Bekenntnisses sind. Hemsö wagt die Vermuthung, dass Tesa das Babba der Alten ist.

Die Stadt, mit einer einfachen Mauer umgeben und einer Kasbah, hat eine beständige Garnison von 500 Maghaseni, eine Auszeichnung, die sie nur noch mit Udjda theilt, welches eine ebenso grosse Besatzung hat, während in allen anderen Städten des Reiches nur ca. 20 Soldaten dem Gouverneur zur Verfügung stehen. Die Lage der Stadt, die Nähe der unruhigen Hiaina, und der anderen vollkommen unabhängigen Bergvölker im Osten und Süden der Stadt machen eine so starke Besatzung sehr nothwendig. Tesa ist Hauptmittelpunkt des Handels zwischen Algerien, resp. Tlemçen und Fes. Aber östlich von Tesa ist die Gegend so unsicher, dass jede Karavane von einer Abtheilung Maghaseni begleitet sein muss. Stark besuchte Karavanenwege führen ausserdem von Tesa nach dem Figig und Tafilet. Die Häuser im Innern der Stadt bekunden Wohlhabenheit der Einwohner, die grosse Moschee, mit antiken monolithischen Säulen im Innern, deutet darauf hin, dass einst die Stadt noch bedeutender gewesen ist, als jetzt, und was die Gesundheit der Luft, die Reichhaltigkeit der Fruchtbäume und die wunderbar schöne Gegend anbetrifft, so kann man nur mit Leo übereinstimmen, der sagt: "Billig sollte dieser Ort, wegen der gesunden Luft, die im Winter sowohl als im Sommer hier stattfindet, die königliche Residenz sein."

Wir waren in Tesa in der Sauya der Tkra Mulei Thaib abgestiegen, und wurden selbstverständlich gut bewirthet. Nach zwei Tagen Aufenthalt, als der Emkadem seine Gelder einkassirt hatte, gingen wir auf demselben Wege nach Uesan zurück, da der directere aber durch die Hiaina führende Weg nicht genug Sicherheit bot, selbst für den Emkadem des Grossscherifs.

In Uesan wieder angekommen, waren meine Tage gezählt; es handelte sich nur darum, die Erlaubniss zur Abreise zu bekommen. Ich durfte nicht daran denken, dem Grossscherif zu sagen, dass ich ihn für immer verlassen wollte, da er sich einmal vollkommen mit dem Gedanken vertraut gemacht hatte, ich würde immer bei ihm bleiben. So bekam ich denn endlich die Erlaubniss eine kleine Reise machen zu dürfen, und sagte der Stadt Uesan für immer (wie ich damals glaubte, später kam ich aber doch noch wieder nach Uesan) Lebewohl.