Aber wie ihr ganzes Lebensgebäude zusammengestürzt wäre, wenn dieser Glaube nicht die Brücke gebaut hätte zwischen ihrem Gottesglauben und ihrer Menschenliebe, so wäre sie auch an dem Schmerz und an der Größe ihrer Mutterliebe zugrunde gegangen, wenn sie die Hoffnung auf ihrer Kinder endliche höchste Entwicklung hätte aufgeben müssen.
Die letzte Eintragung in ihr Sammelbuch besteht in jener düsteren spanischen Ballade, die von dem Jüngling erzählt, der der Mutter das Herz aus der Brust reißt, um es der grausamen Geliebten zu bringen. Er stürzt auf dem Wege zu Boden —
So groß, so stark war auch ihre Liebe, die durch alle Wunden, die ihr geschlagen wurden, nicht sterben, sondern nur immer noch wachsen konnte. Aus dieser Empfindung heraus schrieb sie mir: "Mir ist oft, als müßte ich denen Glück wünschen, die nicht heiraten und keine Kinder haben. Wie gering ist die Zahl der Mütter, bei denen das Glück das Unglück überwiegt! Für Muttermühe, Muttersorge, Mutterarbeit entschädigt die Liebe zu den Kindern und die Freude an ihnen — aber der Schmerz und Stachel über ihre Leiden und ihre Sünden und ihre schweren Schicksale, die sind par-dessus le marché, und je mehr man liebt, desto schwerer ist dies Mitleiden, und je älter man wird, desto kraftloser ist man dagegen, sogar Gebet, Glaube und Frömmigkeit lassen darin schmerzliche Lücken. Eine Mutter trägt nicht nur ihre eigene Last, sondern noch die Lasten ihrer Kinder und Kindeskinder bis zum Grabe, und das schlimmste ist, daß sie sie ihnen dadurch nicht einmal abnimmt ... Und wenn ihr Nest leer geworden ist, sie keine oder oft keine erfüllbaren Pflichten mehr hat, ihre Kinder ihr fremd und fremder werden, ihr Rat nicht gehört wird und ihre Erfahrungen nichts nützen — wie furchtbar, wie unerträglich würde diese entsetzlichste Lebensenttäuschung sein, die Enttäuschung an dem, was wir aus unserem Blut entstehen sahen, mit unserem Herzblut nährten, wenn es den einen Trost nicht gäbe: den Glauben an immer neue Verwandlungen, bis für Alle die höchste Stufe der Seelenentwicklung erreicht ist. Der Schmerz freilich bleibt: hat das Erdenfegefeuer sie nicht genug gereinigt, so sinken sie in eine noch tiefere Hölle der Prüfungen — vielleicht, daß die Thränen der Mutter, auch die ungeweinten, die am schwersten wiegen, sie davor bewahren! Wenn ich rückwärtsschauend mein Leben betrachte und mich frage, welches Gefühl das mächtigste, welche Erkenntniß die folgenreichste, welche Hoffnung die sicherste ist, so lautet die Antwort: Das tiefste Gefühl ist die Mutterliebe; die wichtigste Erkenntniß: Die Sünde ist der Welt Verderben; die sicherste Hoffnung: Die Entwicklung der Menschheit bis zum höchsten Sein. Ohne diese würden Gefühl und Erkenntniß nur die Qualen der Erdenkinder erhöhen, und es gäbe nur einen Ausweg aus dieser Hölle: Die Selbstvernichtung der Menschheit."
So war sie am Ende des Lebens da angelangt, wo Goethe gestanden hatte, als er schrieb:
Und sie sah dem Tode entgegen im Sinne seiner letzten Worte, die sie oft wiederholte: "Nun kommt die Wandelung zu höheren Wandelungen."
Innerlich fester verbunden wie je und nur äußerlich fern der alten Heimat, schien sich der Kreislauf ihres Lebens leise zu schließen. Und als ob die Harmonie ihres Wesens auch in ihrem Dasein zum Ausdruck kommen sollte, so berührte das Ende den Anfang. Hatten sich beschattend, aber auch schützend die Äste des Waldriesen über sie gebreitet, so schmiegten sie sich jetzt wie Freundesarme um sie.
Mit denen, die sie in Weimar lieb hatte, war sie immer in Verbindung geblieben und hatte an allem, was sie erzählten, den lebhaftesten Anteil genommen. Nur einer, der zu den Nächsten gehörte — der Großherzog — war seit ihrer Abreise verstummt. Er hatte ihre Trennung von Weimar nicht begriffen und sie als eine persönliche Kränkung empfunden, die er nicht verwinden konnte; daß es vor allem pekuniäre Sorgen waren, die sie dazu gezwungen hatten, daß sie geblieben wäre, wenn sie sich eine größere, zur Aufnahme ihrer Kinder mögliche Wohnung hätte gönnen dürfen — das hatte ihr Stolz ihm verschwiegen, das verschwieg sie ihm auch dann, als sein Mißverstehen, der scheinbare Verlust seiner Freundschaft ihr tiefe Schmerzen bereitete. "Eure Generation, die so reich an Verstandeserkenntniß und so bettelarm an Herzensreichtum ist, weiß nichts von dem Wert treuer, lebenslanger Freundschaft," schrieb sie, "sie ist die Wahlverwandschaft der Seelen, die uns die Fremdheit der Beziehungen des Bluts vergessen läßt, sie ist der Hebel geistigen Fortschritts, der größte menschliche Trost im Leid. Einen lebendig verlorenen Freund beweinen müssen, ist darum viel schmerzlicher, als um das unabweisbare Geschick seines Todes zu trauern. Daß der Großherzog mich so mißverstehen konnte, wo die gute Kaiserin mich so ganz verstand, war darum eine harte Prüfung für mich. Nun ist meines lieben Walter Goethes Tod die Brücke geworden, die ihn wieder zu mir hinüberführte — wie denn das Beste in meinem Leben immer in tiefer Beziehung zu dem Namen Goethe gestanden hat." Walter Goethes Vermächtnis seines großväterlichen Nachlasses an die Großherzogin Sophie von Sachsen-Weimar war nicht nur ein Zeichen seiner großen Gesinnung, sondern auch ein Beweis für seine Menschenkenntnis. Er wußte, daß es durch sie in der rechten Weise zu einem Besitztum des deutschen Volkes werden würde. "Es ist so viel über Goethes Nachlaß gestritten worden," heißt es in einem Brief meiner Großmutter, "man hat oft mit mehr Neugierde als Begeisterung darnach verlangt, mir selbst sind von allen Nachlässen die geistigen Goetheflammen in seinen Enkeln als die wichtigsten und liebsten erschienen, und daß ich recht hatte in meiner großen Meinung über diese so viel Gescholtenen beweist Walters Testament. Die großartige und würdige Weise, wie es zur Verherrlichung seines großen Ahnen gewandelt wird, entspricht ihren Charakteren, die zwar nicht in dieses Jahrhundert, aber in das Große und Edle aller Jahrhunderte passen." Als nun auch das Goethe-Haus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und die Empfangszimmer wie zu Goethes Lebzeiten gestaltet werden sollten, wandte man sich von Weimar aus an sie, die einzige, die von der ehemaligen Beschaffenheit der Räume noch etwas Genaues wissen konnte. Nach ihrer Beschreibung und einer Zeichnung, die sie sandte, wurden sie in ihrer alten schlichten Vornehmheit wieder hergestellt. "Ich beschäftige mich viel mit Weimar," schrieb sie mir, als sie davon erzählte, "und es versinkt ein halbes Jahrhundert meines Lebens, während in jugendlicher Frische die alte schöne Zeit vor mir aufsteigt. Ob die Goethe-Gesellschaft ein Mittel sein wird, sie auch für die Menschheit lebendig zu machen, wage ich nicht zu entscheiden. Es ist leider eine Eigentümlichkeit des Deutschen, daß er gute und große Gedanken hat, sie aber verknöchern und versumpfen, sobald er sie in die Paragraphen eines Vereinchens zwängt. Auch der deutsche Gelehrte, so hoch ich ihn stelle als gründlichen Wahrheitssucher, gerät mit seinem Forschungstrieb leicht in Kleinigkeiten, und dann geht ihm der große Blick für das Ganze verloren. Hoffentlich wird der Goethe-Verein nie vergessen, daß Goethe, neben seinem Interesse für das Kleinste, das Große stets obenan stellte, hoffentlich wird er seinen Geist zu erforschen und lebendig auszubreiten suchen, was uns recht not tut ..." Der Großherzog, erfüllt mit jugendlicher Begeisterung für die neue große Aufgabe Weimars, wandte sich nun auch an die alte Freundin mit Fragen und Bitten, die die Zeit Goethes und ihre Erinnerungen daran betrafen. Und die ferne Einsamkeit Ostpreußens wurde ihr belebt und erfüllt mit den unsterblichen Gestalten der Vergangenheit. Unermüdlich im Fragen war der Großherzog, unermüdlich im Antworten war sie. Im Traum verloren machte sie ihre regelmäßigen Spaziergänge durch Park und Wald oder saß still mit gefalteten Händen in ihrem tiefen grünen Stuhl; ihr Mund zuckte nicht mehr so oft wie sonst in schmerzlicher Sorge, ein weiches Lächeln umspielte ihn — mit sanftem Kuß grüßte sie der Genius ihrer Jugend.
Immer schattenhafter erschien ihr die Gegenwart, immer mehr lebte sie in der Vergangenheit und in einer Zukunft, die sie jenseits des Grabes sah: "Ich sehe von Stufe zu Stufe, von Licht zu Licht bis in den fernen, gottdurchglänzten Raum des Allerheiligsten. Ein Reich des Lichts, voll Musik, voll Liebe, hört und fühlt mein Geist mit einer Zuversicht, die täglich wächst. Und lächelnd, fast ohne Schmerz winke ich denen, die mir vorangingen, grüßend zu ..."
Es waren ihrer viele vorangegangen: Pauline, die blinde Schwester, war in demselben Kloster gestorben, das des verlassenen Säuglings erster Zufluchtsort gewesen war, und Beust, auf den sich alle schwesterliche Liebe meiner Großmutter nun konzentriert hatte, war ihr gefolgt. "Er war," schrieb sie von ihm, "ein reiner Mensch und darum eine vornehme Natur, wie ich eine zweite nicht kenne." Sein Tod wurde, wie der Walter Goethes, zu einem neuen Bindeglied zwischen ihr und dem Großherzog. Auf ihren Brief, der den Freund über den Verlust des Freundes zu trösten versuchte, antwortete er:
"Schloß Wartburg, am 9. September 1889.
"Ihr Brief, gnädige Frau, hat mich tief gerührt, ich wollte, ich könnte Ihnen danken, wie ich es fühle. Jede Zeile erweckt Erinnerungen und Bedauern, die sich darin gleichen, daß sie, die einen wie die andern, sich in mir nur durch Schweigen ausdrücken. So tief ist die Furche, die der Schmerz um den Verlust meiner Mutter in mein Herz grub, und so tief ist auch die, die mir der Verlust meines Freundes gräbt. Er gehört zu denen, deren Eindruck erst erkennen läßt, was man besessen hat. Und man lernt die ganze Größe dessen, was man besaß, erst kennen, wenn der Besitz verloren ging. So feste Bande zwischen den Menschen, wie die zwischen mir und ihm, ziehen gleichsam, wenn sie auseinander gerissen werden, ein Stück von unserem eigenen Ich mit sich ... So haben Sie mich doch wider meinen Willen zu einer erlösenden Aussprache veranlaßt. Sie allein können beurteilen, was ich leide! Der Glaube, daß mein treuer Freund nun mit denen vereint ist, die ihm vorangegangen sind und die er so zärtlich liebte, ist wohl ein Trost, aber den Verlust läßt er mich nicht überwinden.
"Ihr Brief hat mich in Wilhelmsthal gesucht und in Weimar gefunden. Der nahende Herbst hat mich und meine Tochter Elisabeth veranlaßt, die Gegend zu verlassen, an die sich all die schönen Erinnerungen knüpfen, die Ihr Brief heraufbeschwor. Ich gestehe Ihnen, daß ich an jenem lieben alten Hause auch um anderer teurer Jugenderinnerungen hänge, die mit unsichtbarer Schrift auf seinen Mauern geschrieben stehen. Wie bedaure ich, gnädige Frau, mit Ihnen nur noch schriftlich verkehren zu können, und wie sehr bedauerte es der Verstorbene, der in derselben Lage war wie ich. Aber die Erinnerung kennt weder Zeit noch Entfernungen, und auch das Herz weiß von beiden nichts. Das empfindet aufs tiefste und mit aufrichtiger Dankbarkeit
Ihr alter Freund
Carl Alexander."
Auch aus der Ferne schloß sich der Kreis der alten Freunde um so enger zusammen, je kleiner er wurde. Drei Greise waren es nur noch — Jenny Gustedt, der Großherzog und die Kaiserin — die das Band einer gemeinsamen Vergangenheit umschloß. Und unter ihnen war Jenny die Trösterin, die, die sie aufzurichten versuchte aus dem niederdrückenden Leid. "Aus jeder Zeile, die meine geliebte Kaiserin mir schreibt," heißt es in einem Brief meiner Großmutter aus dem Jahre 1888, "lese ich, wie schwer sie unter den Schlägen des Schicksals leidet: den Gatten, den Sohn verloren, den Enkel, der die erziehende Schule des Kronprinzentums nicht durchmachte — wie sie sich ausdrückt — unter der Last einer schwer zu tragenden Krone, mit dem Ausblick in eine ungewisse Zukunft." Nicht allzu lange sollte die Kaiserin die neue Zeit miterleben, die ihr immer fremder wurde. In den ersten Tagen des Jahres 1890 schloß sie die müden Augen für immer. Kurz darauf schrieb Carl Alexander an ihre Freundin:
"Berlin, Schloß, 15. Januar 1890.
"Sie werden es mir, wie sich selbst, gern glauben, daß Ihre Teilnahme mir eine wahre Wohltat gewesen ist. Sich selbst, weil es Ihr Herz war, das Ihre Feder führte, und weil es der Schmerz ist, der die Sprache der Freundschaft am liebsten hört. Ich kann von meinem eigenen Verlust nicht sprechen. Das ist auch nicht nötig. Ein Jeder macht mir den Eindruck, als hätte er einen persönlichen Verlust erlitten. Das ist, wie ich glaube, das charakteristische Zeichen dieses Unglücks.
"Gestatten Sie mir, hier zu schließen. Es giebt Ereignisse, deren einzige Sprache das Schweigen ist, denn dieses allein ist der richtige Ausdruck für den größten Schmerz.
"Mein treuer Beust fehlt mir sehr und fehlt mir stets aufs neue und immer mehr ...
"Leben Sie wohl, gnädige Frau. Das Gedächtniß meiner Schwester und meiner Mutter werden Sie immer treu bewahren, erinnern Sie sich aber auch freundlich
Ihres sehr traurigen Freundes
Carl Alexander."
Seiner Bitte um ein Erinnern folgte von Weimar aus eine neue: Goethes letzte Lebensjahre möchte sie schildern, sie, die von allen Überlebenden dem großen Toten jetzt noch am nächsten stand. Und während der Wintersturm vom Haff herüberbrauste und Wintereinsamkeit das Haus mit tiefer Stille füllte, saß die alte Frau am Schreibtisch und suchte ihren Erinnerungen eine Form zu geben. "Ich werde selbst wieder jung dabei," schrieb sie mir, als sie von ihrer Tätigkeit erzählte. Auf ihre ersten Sendungen antwortete der Großherzog:
"Weimar, 28. Januar 1890.
"... Ich erhielt die Blätter, die Sie, meine liebenswürdige und getreue Freundin, die geduldige Güte hatten mit Details über Goethe und die englische Gesellschaft während seiner letzten Lebensjahre zu füllen, und um die ich mir erlaubt hatte, Sie zu bitten. Ich komme heute, um Ihnen die Hand dafür zu küssen. Vor allem aber komme ich, um Sie um Entschuldigung dafür zu bitten, daß ich abermals an dieselbe Güte appelliere, die mich so zu Dank verpflichtet, und an dieselbe Erinnerung, die mich entzückt. Meine Unbescheidenheit verlangt vor Allem eine Erklärung; hier ist sie: Das Testament Walter Goethes hat mit dem Augenblick, da es bekannt wurde, in Weimar ein neues Leben erweckt. Ich kann es nicht besser charakterisieren, als indem ich versichere, daß man den Eindruck hat, als ob die Seele des größten deutschen Dichters, die Seele Goethes, wieder eingezogen sei in diese Stadt, in sein altes Haus, in das Schloß, um aufs neue zu wirken und zu schaffen. Hervorragende Männer sind herberufen worden, um Walter Goethes Vermächtniß zu ordnen und zu verwalten, andere haben sich bemüht, Zulassung zu der wundervollen neu entdeckten Quelle zu finden; sie kamen und kommen, um im Archiv zu arbeiten, und wir verdanken dem Umstand eine Fülle interessanter Bekanntschaften. Einen jungen Amerikaner, Mr. G..., rechne ich dazu, der eine Arbeit "Goethe in England" unter der Feder hat, und für den es sehr wichtig ist, alle Beziehungen zwischen Goethe und England kennen zu lernen. Diese Notwendigkeit führte mich zu Ihnen, und das Interesse, das ich an der Sache nehme, läßt mich meine Bitte wiederholen. Und um meine Zudringlichkeit vollends auf die Spitze zu treiben, gestatten Sie mir, Sie zu bitten, für mich Notizen über Alles zu machen, was an Tatsachen, Unterhaltungen und Namen aus jener Zeit noch in Ihrer Erinnerung lebt. Diese Zudringlichkeit ist so natürlich, daß Sie sie verzeihen, und so notwendig, daß Sie sie verstehen werden. Es lohnt sich der Mühe, die Arbeit, die ich Ihnen zumute, in zwei Teile zu teilen: die eine, die Erinnerungen an die Engländer enthaltend, so daß sie Mr. G... von Nutzen sein kann, die andre, für mich persönlich, die die übrigen Erinnerungen an die große Epoche Weimars zum Gegenstand hat.
"Goethe hatte die Gewohnheit, jeden großen Schmerz dadurch zu bekämpfen, daß er eine neue Arbeit unternahm. Dieser Brief ist freilich keine, aber er gehört zu jener Tätigkeit, die ich mich bemühe, im Gang zu erhalten, weil ich in dieser fremden Welt der Seelen so schwer zu kämpfen habe. Dieser Kampf wird mir um so leichter werden, je eher ich dort Verständniß finde, wo ich verstanden sein möchte. Sie werden aus diesem Bekenntniß, teuerste Freundin, nichts Neues folgern, denn Sie kennen, wie ich hoffe,
Ihren alten, treu ergebenen Freund
Carl Alexander."
"Weimar, den 11. Februar 1890.
"... Ich habe niemals aufgehört, Ihr Fernsein von Weimar, meine liebe verehrte Freundin, auf das lebhafteste zu bedauern, ich tue es jetzt lebhafter denn je: wie würden Sie sich inmitten all der Tätigkeit wohl fühlen, die ich nicht anders charakterisieren kann als mit dem symbolischen Bilde des Januskopfes, denn sie umfaßt die Vergangenheit und wirkt für die Zukunft ...
"Vier Wochen sind heute seit unserem großen Verlust vergangen. Ich fühle mich in dem seelischen Kampf, der von ihm hervorgerufen wurde, noch nicht als Sieger. Und er beginnt immer wieder, wenn ich am wenigsten daran denke. Wie seltsam ist doch dieses doppelte Leben, das wir führen: eines nach außen und eines nach innen, und Liszt hatte Recht, als er während einer für ihn sehr schweren Zeit der Prüfungen einmal sagte: es schiene ihm, als ob ein zweites Ich es auf sich genommen habe, sie zu ertragen. Da wäre ich bei den intimen Bekenntnissen angelangt — die rechte Sprache einer fest gegründeten Freudschaft! Und sie ist keine bloße Vermutung, sondern die einfache Wahrheit von Seiten
Ihres treuesten Freundes
Carl Alexander."
"Weimar, den 20. März 1890.
"Die Verlegenheit, meine teuerste Freundin, scheint mir den schlimmsten aller Momente zu schaffen, um einen Brief zu schreiben. Dieser Gedanke ist für mich zur Überzeugung geworden, als ich die Feder ergriff, um Ihnen — endlich! — für Ihren liebenswürdigen Brief zu danken und für die interessanten und wertvollen Notizen, die ihn begleiteten. Ich bedarf von Seiten Ihrer alten und treuen Freundschaft aller Nachsicht und all der Güte, die sich mir gegenüber stets bewährt hat, um Ihrer Vergebung angesichts meiner Nachlässigkeit und Undankbarkeit sicher zu sein. Ich habe aber trotzdem ein Recht, zu versichern, daß meine Sünden nur scheinbare sind: Sie werden die erste sein, mir zu vergeben, wenn Sie sich erinnern wollen, welch traurige Pflichten mich Anfang des Monats nach Berlin geführt haben. Nun aber bin ich wieder zu Ihren Füßen mit meinem aufrichtigsten Dankgefühl. Nehmen Sie es als solches an.
"Ihre Notizen haben den doppelten Reiz eines wichtigen und interessanten Inhalts und einer entzückenden, faszinierenden Form. Wir sollten Ihr Gedächtnis und Ihre Feder in Anspruch nehmen, um ein Bild der Gesellschaft Weimars zu zeichnen. Ich habe mir immer gewünscht, daß ihre Geschichte geschrieben würde. Das könnte nicht besser geschehen, als wenn Zeitgenossen einzelne Personen darstellen, und Niemand in der Welt wäre dazu besser imstande als Sie. Und so sehen Sie mich abermals als Bittenden nahen, um Sie zu beschwören, es zu tun! Die Biographie Ottiliens wäre das erste, was Sie unternehmen sollten. Ein Lebensbild Walter Goethes zu zeichnen, würde ich sehr gern unternehmen. Wolf hat einen ebenso treuen wie geschmackvollen Biographen in seinem Freunde Mejer gefunden. Der Salon von Johanna Schopenhauer ist von Stephan Schütze geschildert, aber noch nicht veröffentlicht worden. Eine Sammlung würde auf diese Weise entstehen, die an Interesse zunehmen würde, je mehr die Epoche sich entfernt, die sie schildert, und je mehr die litterarischen Publikationen des Goethe-Schiller-Archivs fortschreiten. Diese würden für unsere Sammlung erst die Atmosphäre schaffen. Lassen Sie mich Ihrem Nachdenken meine Überlegungen anvertrauen, während die Vögel von Liebe singen und die Blumen den Frühling predigen. Zahllose Kindererinnerungen sind durch Ihre Notizen erweckt worden wie Blumen aus dem Lenz meines Lebens, und es ist nicht ohne tiefe Bewegung — Sie können nicht anders empfunden haben! — daß ich diese Zeugen der Vergangenheit vor mir lebendig werden sah! ...
"... Wie fehlt mir dauernd mein treuer Beust, und wie anders wäre es, wenn Sie mir nicht auch fehlen würden!
"Die Reichstagswahlen haben uns hier sehr beschäftigt, wir sind von den Resultaten degoutiert. Ich finde übrigens, daß der Moment für den Abschied des Reichskanzlers sehr schlecht gewählt ist. Daß er es so wollte, vermindert beinahe den Eindruck des Unglücks, das im ersten Moment empfunden wurde.
"In der Verlegenheit habe ich angefangen, ich schließe mit der Politik — Beide begegnen einander öfters — Der Himmel wolle, daß wir von der einen entfernt bleiben und daß Sie aus der anderen befreien
"Ihren treuesten, anhänglichsten und ganz ergebenen Freund
Carl Alexander."
"Weimar, den 9. April 1890.
"Goethe sagt irgendwo:
"Es steht gewiß nicht im Widerspruch dazu, wenn ich mit der Beantwortung Ihres liebenswürdigen Briefs die Zusendung des Buchs von M. Mejer über Wolf Goethe verbinde, das Sie sicherlich interessieren wird. Der Autor hat es mit Liebe geschrieben — es gelingt nichts, wie Sie wissen, wenn man nicht auch mit dem Herzen bei der Sache ist! ... Nur Sie allein, meine sehr liebe und verehrte Freundin, könnten, wenn Sie die Biographie Ottiliens schreiben wollten, etwas noch weit Besseres leisten, denn ich glaube, daß im allgemeinen die Feder einer Frau mehr dafür geeignet ist, eine so merkwürdige, ungewöhnlich begabte, aber niemals im Gleichgewicht sich befindende Persönlichkeit zu charakterisieren, wie Frau von Goethe es war. Ich komme abermals, um Sie darum zu bitten, obwohl ich verstehe, daß Ihre Freundschaft für Ottilie Ihnen dabei einige Skrupeln macht. Gestatten Sie mir dazu zu bemerken, daß es nur menschlich ist, Fehler zu haben, daß aber alles Menschliche notwendig die Kritik herausfordert, noch mehr jedoch auf Verständniß und Vergebung rechnen kann. Die Geschichte Ottiliens ist im übrigen so bekannt, daß es sich um Indiskretionen dabei kaum mehr handeln kann. Die Biographie ihrer Freundin, Mrs. Jameson, ist ein Beweis dafür. Nur um die Auferstehung der großen Epoche Weimars, die durch Walter Goethes großherziges Vermächtniß hervorgerufen wurde, zur vollständigen zu machen, bitte ich Sie, Ihre Erinnerungen und Ihre Feder in den Dienst der Sache zu stellen ... Meine Frau dankt Ihnen herzlich für Ihre Glückwünsche, meine Kinder vereinigen sich mit mir im Gefühl der Liebe und der Dankbarkeit für Sie, und ich danke Ihnen noch besonders und voll tiefer Bewegung für die Worte, die Sie meiner geliebten, unvergeßlichen Mutter gewidmet haben. Ich habe das Recht, so zu sprechen, denn auf der einen Seite führen mich meine Pflichten in die Vergangenheit zurück, auf der anderen lebt mein Herz in ihrem Kultus. Er wird mit Gottes Hilfe der Compaß sein, der mich in die Zukunft leitet, die ich mich bemühe, im Vorhinein zu verstehen, indem ich die Geschichte studiere, und für die ich mich vorbereite, indem ich mich selbst immer weiter zu einer selbständigen Individualität zu entwickeln trachte ... Offene Aussprachen wie diese sind nur Fortsetzungen unserer unvergeßlichen Weimarer Unterhaltungen. Die Freundschaft ist doch die süßeste aller Gewohnheiten. Meinen Sie nicht auch? — Jedenfalls ist es die Ansicht
Ihres getreusten Freundes
Carl Alexander."
Kurze Zeit nach Empfang dieses Briefes schrieb mir meine Großmutter: "Mein von Dir übersetzter alter Aufsatz über Ottilie ist freilich keine Biographie und mein Auszug noch weniger, doch bin ich dem alten guten treuen Freund gern gefällig, der ihn haben will. Er schreibt mir gute und schöne Briefe und hat mir endlich mein Wegziehen von Weimar vergeben; unserer Kaiserin Tod hat uns zu einander isoliert, und was den Jetztmenschen Phrase ist, bleibt uns Bedürfnis und Wahrheit. Das stumme Nebeneinanderhergehen in Freud und Leid schnürt mir jetzt wieder, da die Söhne hier sind, das Herz zusammen und nimmt dem Zusammenleben Trost und Wärme; wenn auch etwas Tränen und Sorge dabei gespart werden, so wird viel Höheres an Rat, Mitgefühl, Seeleneinfluß und Liebe Preis gegeben oder wenigstens beschattet und verscharrt ... Ich bin immer sehr müde und schlafe viel; dabei lächelt eine heitere Frühlingssonne in mein Zimmer und tanzt freundlich um die Bilder meiner Lieben. Wenn ich im Halbschlummer liege, ist es mir, als ob sie Alle lebendig würden, oft füllt sich der Raum ganz an mit trauten Gestalten — fernen, halb vergessenen und ewig geliebten. Dann meine ich oft, ich wäre in Weimar ... Mein guter Großherzog ist es, der mir die Vergangenheit so lebendig vor die Seele zaubert. Ich danke es ihm, denn sie war schön — viel schöner als die Gegenwart, und meine Sehnsucht wächst, je weiter ich mich von ihr entferne ... Oder nähere ich mich ihr wieder? ..."
Oft schien es, als spräche sie mit teuren, anwesenden Freunden — und doch war das Zimmer leer. Auf einen fragenden, erstaunten Blick ihrer Kinder sagte sie dann lächelnd: "Wundert Euch nicht — sie waren wirklich da, sie reden mit mir, während Ihr schweigt —" Sie hatte keinerlei Schmerzen, aber ihr Bedürfnis, allein zu sein, nahm zu, ihre Spaziergänge wurden immer kürzer, und ein äußeres Interesse nach dem anderen fiel von ihr ab. Ihr Herz aber lebte ein um so stärkeres Leben, und aus ihren Augen leuchtete es wie Verklärung. Mitte April schrieb sie dem Großherzog u. a.: "Mutterliebe und Erinnerung sind meine Lebenselixire. Wie in einen schützenden Mantel und undurchdringlichen Harnisch möchte ich Kinder und Enkel hüllen, und dankbar vor dem Abschied von dieser Lebensstufe ein paar immergrüne Blättchen dem zu Füßen legen, der meiner Jugend Abgott, meines reifen Lebens Erzieher, meines Alters Freund und Vorbild ist. Ihnen brauch ich ihn nicht zu nennen ... Nehmen Sie, was ich schrieb, nur wieder als Zeichen der guten Absicht an, denn die Kräfte versagen. Die Vorangegangenen werden mir immer gegenwärtiger. Sie rufen mich." Der Großherzog schrieb darauf:
"Weimar, den 26. April 1890.
"In Ihrem gütigen und interessanten Brief vom 16. sagen Sie mir, daß Ihnen, gnädige Frau, die Biographie von Mrs. Jameson unbekannt ist. Ich erlaube mir, sie Ihnen zuzuschicken ... Da Sie Ottiliens Lebensgeheimnisse kennen, werden Sie zwischen den Zeilen lesen, was die Freundschaft verbergen wollte. Man sagt, daß der Kaschnack — der Schleier, mit dem die Frauen des Orients ihr Antlitz bedecken und der nur die Augen frei läßt — ihnen einen ganz besonderen Reiz verleiht. Die Seiten der Biographie, in denen von Ottilie die Rede ist, betätigen diese Auffassung. — Und Walter Goethe, mein Freund Walter, wo bleibt sein Portrait, seine Biographie, die ihn darstellt, so wie er war! Das schmerzt mich, denn ich empfinde es als eine Ungerechtigkeit und Undankbarkeit, daß die großen Eigenschaften dieser edlen Seele nicht in der Oeffentlichkeit bekannt werden ... Dürfte ich selbst zur Feder greifen? Um Walter richtig zu beurteilen, muß man mit ihm vertraut gewesen sein, es genügte nicht, ihn zu sehen oder auch nur mit ihm zu verkehren. Er zeigte sich nur in der Intimität, und ich darf wohl sagen, daß ich zu denen gehörte, die ihm am nächsten standen ... Seine Schöpfung, das Goethe-Schiller-Archiv, vervollständigt sich inzwischen mehr und mehr, und ich hoffe, daß es sich nach und nach zum Archiv der deutschen Litteratur erweitern wird. Sie sehen: meine Träume suchen immer den Frühling! Sie sprechen vom Herbst, von den schweren Verlusten der Freundschaft — lassen Sie mich Ihnen mit einer Hoffnung antworten. Hoffnung aber läßt nie zu Schanden werden!
In treuster freundschaftlicher Gesinnung küßt Ihnen die Hände
Ihr alter Freund
Carl Alexander."
Auf diesen Brief kam keine Antwort mehr. Die Hand der Achtundsiebzigjährigen war müde geworden, und ein Schleier nach dem anderen umhüllte ihren Geist. Wohl suchten auch ihre Träume den Frühling, aber nicht den, der draußen die Bäume mit Blüten bedeckte, der vor ihren Fenstern Veilchen und Reseden duften ließ, der mit holden kleinen Lenzesgrüßen ihre Zimmer schmückte. Sie schlief — sie träumte — und wenn sie die Augen öffnete und des Sohnes oder der Tochter Hand leise drückte oder zärtlich über das Köpfchen ihres jüngsten Enkelkindes strich — dann war das ihres Gegenwartlebens einziges Zeichen. Kam der Abend, und deckte der dunkle Schleier der Nacht Haus und Garten, dann erst, so schien es, ward es lebendig um sie: wie leise Schritte war's, wenn die Lindenblätter weich über die Scheiben strichen, wie Rauschen von Gewändern, wenn durch den wilden Wein an der Mauer der Westwind strich, wie Flüstern von Stimmen, wenn über das Dach hin die alten Äste sich berührten. Alle sah sie, grüßte sie, lächelte ihnen zu und rief sie mit Namen: die Mutter mit dem schimmernden Lockenhaar, die Kinder im weißen Rosenkränzchen, den fernen Geliebten mit den durchgeistigten Zügen des frühe vom Tode Gezeichneten, den Dichter mit den leuchtenden Augen des Unsterblichen und den Vater, über dem leise und feierlich der Adler Napoleons seine Kreise zog. Und es kam eine linde Juninacht, da zogen sie die Tochter, die Mutter, die Geliebte, die Freundin mit in ihren Reigen. Niemand sah, wie sie ihr nahte — die Wandelung zu höheren Wandelungen! Sie starb allein. Ihre Augen waren geschlossen, ihre Hände gefaltet, jede Falte hatte der Tod, ein sanfter Freund, aus ihrem Antlitz weggewischt, ein hoheitsvoll-feierlicher Ernst lag auf ihren Zügen. — — —
Der Haffwind pfiff über die wogenden Felder, rüttelte die toten Äste von den Bäumen und streute weiße und rote und gelbe Blüten über die Wege, als sie zu Grabe getragen wurde. Niemand dachte daran, die Tote dorthin zu führen, wo ihres Geistes Geburtsstätte, ihres Herzens Heimat war; niemand schenkte ihr den letzten Ruheplatz an der Seite der Mutter, in der Mitte der Freunde, wo ein treues Gedächtnis ihn geschmückt, Liebe ihn gepflegt hätte. In Legitten, mitten im öden Land, dicht an der staubigen Straße, wo ein einsames Kirchlein zwischen spärlichen Bäumen sich erhebt, umgeben von eines kleinen Dorfes armseligem Friedhof, dort, dicht an der Mauer, liegt ihr Grab. "Die Liebe höret nimmer auf" steht in goldenen Lettern auf dem eisernen Kreuz. Aber die, denen sie ihres ganzen Lebens Liebe schenkte — ihre Kinder — sind weit, weit fort. Nur die Blumen, die der Zufall zwischen dem Efeu wachsen läßt, und die Blüten, die der Wind von den Linden herüberweht, schmücken die Stätte, wo sie ruht, und statt daß Worte der Liebe und des Erinnerns sie grüßen, zwitschern die Schwalben unter dem Kirchendach und das Glöcklein singt sein Sterbelied, wenn neue Schläfer unter ihm einziehen.
Fühlt sie die Einsamkeit, die liebelose? Oder weiß sie, daß Blumen ihrem Grab entsprießen, die nie verwelken, daß ein Ton aus ihm klingt, der sich dem Siegeslied der Menschheit vermählt? Mir war's, als hätte ich ihn gehört und müßte ihn weiter verkünden.
[1] Vgl. André Martinet, Jérôme Napoléon, roi de Westphalie. Paris 1902. Seite VIII f.
[2] Vgl. Mémoires et Correspondance du roi Jérôme et de la reine Catherine. Paris 1861-1866. 7 Bände. Bd. 1, S. 18. — Dieses Quellenwerk umfaßt die ganze Korrespondenz des Königs mit Napoleon, mit seiner Gattin und mit hervorragenden Persönlichkeiten seiner Zeit, zugleich das regelmäßig geführte Tagebuch der Königin, ferner die amtlichen Berichte aus den Archiven der Ministerien des Krieges, der Marine und des Auswärtigen sowie einen großen Teil der Berichte des Grafen Reinhard, Gesandten Napoleons in Kassel, an diesen.
[3] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 1, S. 20f.
[4] Vgl. Martinet, a. a. O. S. IX.
[5] Vgl. Mémoires, a. a. O. S. 22, und Martinet, a. a. O. S. X.
[6] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 1, S. 23.
[7] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 1, S. 51.
[8] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 1, S. 52ff.
[9] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 1, S. 107 u. 118f.
[10] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 1, S. 123f.
[11] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 1, S. 128 bis 324. — Dieser Abschnitt enthält die ausführliche Darstellung der Ehe Jeromes mit Elisabeth Patterson und all ihrer Folgen bis zu seinem Tode, sowie zahlreiche Briefe Jeromes an Elisabeth, auch aus der Zeit nach der Trennung der Ehe.
[12] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 1, S. 374ff., und Martinet, a. a. O. S. XVIII.
[13] Vgl. Martinet, a. a. O. S. XVIII.
[14] Vgl. Martinet, a. a. O. S. 19ff., und Mémoires, a. a. O. Bd. 3, S. 71f
[15] Vgl. Dr. Rudolf Goecke und Dr. Theodor Ilgen. Das Königreich Westfalen. Nach den Quellen dargestellt. Düsseldorf 1888. S. 163. — Die Verfasser, unter den deutschen Historikern des westfälischen Königtums diejenigen, die sich möglichster Objektivität befleißigten, verurteilen die nach Jeromes Abdankung erschienenen gemeinen Klatschgeschichten über seine Regierungszeit, die "nach den Urteilen Ununterrichteter die Epoche der Fremdherrschaft allein ausgefüllt haben". S. 116.
[16] Vgl. Goecke und Ilgen, a. a. O. S. 50f., und Mémoires, Bd. 3, S. 82ff.
[17] Vgl. Goecke und Ilgen, a. a. O. S. 122.
[18] A. a. O. S. 117.
[19] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 3, S. 78f und S. 90f.
[20] Vgl. Martinet, a. a. O. S. 37.
[21] A. a. O. S. 45f.
[22] Vgl. Mémoires, Bd. 3, S. 129ff.
[23] Vgl. Goecke und Ilgen, a. a. O. S. 76.
[24] Vgl. Martinet, a. a. O. S. 46ff.
[25] A. a. O. S. 50.
[26] Mémoires, a. a. O. Bd. 4, S. 33.
[27] Martinet, a. a. O. Bd. 4, S. 33.
[28] A. a. O. S. 86.
[29] A. a. O. S. 119.
[30] Mémoires, Bd. 4, S. 336ff.
[31] Goecke und Ilgen, a. a. O. S. 206.
[32] Vgl. Martinet, a. a. O. S. 148ff.
[33] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 5, S. 140.
[34] Vgl. Martinet, a. a. O. S. 170ff.
[35] A. a. O. S. 185ff.
[36] A. a. O. S. 191.
[37] Vgl. Goecke und Ilgen, a. a. O. S. 258.
[38] Vgl. Martinet, a. a. O. S. 200.
[39] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 6 und 7.
[40] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 7, S. 46ff., Martinet, a. a. O. S. 274ff.
[41] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 7, S. 46ff., Martinet, a. a. O. S. 274ff.
[42] Vgl. Ed. Wertheimer: Die Verbannten des ersten Kaiserreichs, Leipzig 1897, und Correspondance inédite de la reine Catherine de Westphalie. Publiée par le baron A. du Casse. Paris 1891.
[43] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 5, S. 27, wo von 64000 Fr. berichtet wird, die der König seiner Frau zur Begleichung ihrer Schulden schenkte. Mémoires, a. a. O. Bd. 3, S. 118ff., wo Reinhard von ihrem Toilettenluxus spricht. Vgl. auch Ernestine v. B.: König Jerome und seine Familie im Exil. Leipzig 1870. S. 128f., wo erzählt wird, wie Katharina sich hundert Paar Schuhe aus Paris bestellen wollte und Jerome unter Hinweis auf ihre finanzielle Lage sie vor Verschwendung warnte.
[44] Vgl. Martinet, a. a. O. S. 223, 232, 239, 245, und Mémoires, a. a. O. Bd. 7, S. 233, wo im Detail über den zum Teil vom König von Württemberg erzwungenen Verkauf des Schmucks der Königin Katharina, des Silbers, der Kunstgegenstände berichtet wird.
[45] Vgl. Goecke und Ilgen, a. a. O. S. 117, und Martinet, a. a. O. S. 52.
[46] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 3, S. 198ff., Briefe Reinhards vom 15. Januar 1809.
[47] Un roi qui s'amusait. Par un indiscret. Paris 1888. S. 40 u. 44. Dies Buch ist nur insofern eine zuverlässige Quelle, als der Autor Berichte und persönliche Briefe des Grafen Reinhard zitiert, und es wurde auch nur insoweit von mir benutzt.
[48] Geheime Geschichte des ehemaligen Hofes in Kassel, Petersburg (Braunschweig) 1814. Zwei Bände, fast ausschließlich voll mehr oder weniger schmutziger, durch nichts beglaubigter Anekdoten.
[49] Otto von Boltenstern. Am Hofe König Jeromes. Erinnerungen des westfälischen Pagen von Lehsten. Berlin 1905. S 29f. Lehsten erzählt unter anderem, um zu beweisen, wie groß Jerome gegenüber die Verleumdungssucht war, daß man bei seinem Aufenthalt in Dresden seine Pagen — also auch ihn, Lehsten — für verkleidete, zum "Harem" Jeromes gehörige Mädchen gehalten und sie dadurch aufs bitterste gekränkt habe.
[50] Moritz von Kaisenberg. König Jerome Napoleon. Leipzig 1899. — Der Verfasser vermischt authentische Briefe eines seiner Vorfahren mit Briefen einer Frau von Sothen und anderer, in denen zahlreiche Abschnitte mit Stellen aus der eben zitierten "Geheimen Geschichte des ehemaligen Hofes in Kassel" zum Teil wörtlich identisch sind. Es sei nur auf die folgenden hingewiesen: Geheime Geschichte I S. 91 und Kaisenberg S. 143, Geh. Gesch. S. 92 und Kaisenberg S. 101, Geh. Gesch. S. 93 und Kaisenberg S. 73, Geh. Gesch. S. 96 und Kaisenberg S. 73, Geh. Gesch. S. 89 und Kaisenberg S. 74, Geh. Gesch. S. 113 und Kaisenberg S. 96ff., Geh. Gesch. S. 133 und Kaisenberg S. 143, Geh. Gesch. S. 174ff. und Kaisenberg S. 75ff., Geh. Gesch. S. 192 und Kaisenberg S. 78, Geh. Gesch. S. 235ff. und Kaisenberg S. 160 usw.
[51] Vgl. Martinet, a. a. O. S. 15.
[52] Un roi qui s'amusait, a. a. O. S. 253.
[53] Das Tagebuch ist in den sieben Bänden der Memoiren vollständig veröffentlicht.
[54] Correspondance inédite, a. a. O. S. 66f., S. 150f., außerdem die zahlreichen, in den Memoiren veröffentlichten Briefe Katharinens an Jerome, und S. Schloßberger: Briefwechsel der Königin Katharina. Stuttgart 1886.
[55] Vgl. Mémoires, a. a. O. Bd. 6, S. 382f. In ihrer Verzweiflung über die Gewaltmaßregeln, die ihr Vater ergriffen hatte, um sie zur Trennung von Jerome zu zwingen, wandte sich Katharina schutzflehend sowohl an den Kaiser von Rußland wie an den von Österreich, und erniedrigte sich so sehr, den Falschesten unter den Falschen, Metternich, um seine Unterstützung zu bitten. Ihre Empörung über ihre Familie, die alles tat, um ihren Mann in ihren Augen herabzusetzen, und die Liebe zu ihm, der "das ganze Glück meines Lebens ist", drückt sich darin rührend aus. Vgl. Correspondance inédite, a. a. O. S. 165.
[56] Vgl. Erlebnisse in kurhessischen und russischen Diensten und Erinnerungen an die Gesellschaft in Weimar des Freiherrn Alfred Rabe von Pappenheim. Marburg 1892.
[57] Un roi qui s'amusait, a. a. O. S. 225 u. 229. Berichte Reinhards.
[58] Vgl. Almanach royal de Westphalie pour l'an 1810. S. 62 u. 65.
[59] Un roi qui s'amusait, a. a. O. S. 236. Berichte Reinhards.
[60] A. a. O. S. 210f.
[61] A. a. O. S. 199.
[62] Vgl. G. Th. Stichling, Ernst Christian August von Gersdorff. Weimar 1853.
[63] Vgl. Briefwechsel zwischen Goethe und Minister von Gersdoff. Mitgeteilt von Lily von Kretschman. Goethe-Jahrbuch. 1892. Bd. 13, S. 98ff.
[64] Vgl. Graf Ferdinand Eckbrecht von Dürckheim: Lilis Bild. München 1894.
[65] Vgl. Dr. Karl Mendelssohn-Bartholdy: Goethe und Felix Mendelssohn. Leipzig 1871. S. 27.
[66] Dieses Gedicht befindet sich in meinem Besitz. Der Bogen, schönes englisches Papier, war mit blauem Umschlag versehen und gerollt; die Adresse, auch von Goethes Hand geschrieben, enthält nur den Namen der Empfängerin, "Fräulein Jenny von Pappenheim", das Siegel ist fast ganz abgebrochen.
[67] Die Bescheidenheit verbietet hier, wie es scheint, meiner Großmutter, zu wiederholen, was sie mir in bezug auf diesen Ring, den sie mir geschenkt hat, und den ich besitze, erzählte. Von dem kleinen schwarzen Pfeil, einem Stückchen Kohle vielleicht, in einem Bergkristall eingeschlossen, sagte Goethe: "Das ist der Pfeil, mit dem Sie mich getroffen haben."
[68] Die "Iphigenie" mit Goethes Widmung, die ich gleichfalls besitze, ist die Jubiläumsausgabe von 1825, mit dem Prolog vom Kanzler von Müller, in Quart, hellblau gebunden.
[69] Dieses Blatt habe ich einem Frankfurter Goethe-Verehrer zum Geschenk gemacht.
[70] Maler Müllers Porträt der Gräfin Vaudreuil, ein Pastellbild, befindet sich im Goethe-Museum.
[71] Vgl. meinen Artikel "Weimars Gesellschaft und das Chaos" in Westermanns Monatsheften 1893.
[72] Unter dem "Volkslied" ist das bekannte "Lieblingsplätzchen" gemeint, das nicht, wie Mendelssohn in der Komposition angibt, dem "Wunderhorn" entnommen ist, sondern dem "Chaos" Nr. 41. Als Verfasserin wird "Friederike" angegeben, das Pseudonym für Bettina.
[73] Es handelt sich nur um einen Brief vom 28. August 1831 (siehe Goethe-Jahrbuch XII. 1891), den Goethe unter dem Titel "Berner Oberland" im "Chaos" veröffentlichte.
[74] Vgl. Erlebnisse in kurhessischen und russischen Diensten und Erinnerungen an die Gesellschaft in Weimar aus der Goethezeit des Freiherrn Alfred Rabe von Pappenheim. Marburg 1892. S. 40f.
[75] Vgl. "Die litterarischen Abende der Großherzogin Maria Paulowna", von Lily von Kretschman, in der "Deutschen Rundschau". Berlin 1893.