26. Verjagt; Hutten’s revolutionary writings led to a papal order that he be brought to Rome in chains. Banished on that account by his former friend, the Archbishop of Mainz, he took refuge in the castle of Franz von Sickingen at Ebernburg.

XLII. THOMAS MURNER

1475-ca. 1536. An Alsatian friar of the Franciscan order, Murner traveled much and won great prestige as a scholar. His earliest German writings, the Guild of Fools and the Exorcism of Fools, are metrical satires in the vein of Sebastian Brant. Though himself a sharp critic of clerical abuses, he could not brook the thought of a rupture with the Roman church. In the Great Lutheran Fool he assailed Luther scurrilously. His verse is mostly prosaic and often coarse, but there is a certain elegiac warmth in his song of thirty-five stanzas on the Downfall of the Christian Faith, which was published in the early days of the Lutheran revolt. A part of it is given below, the text according to Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 171, page 62.

Ain new Lied von dem undergang des Christlichen glaubens.

1. The Bruder Veits Ton, verse-form and tune, was a popular favorite. See Erk und Böhme’s Liederhort, II, 59.

Nun hört, ich wil euch singen,

In brůder Veiten ton,1

Von ungehörten Dingen,

2. Iez = jetzt.

3. Fürgon = vorgehen.

Die laider iez2 fürgon3:

5

Wie dass mit falschen listen

Die christenhait zergat;

Wan das die fürsten wisten,

4. Täten . . . tat = würden zur Tat schreiten, ‘would do something.’

5. Sein = sind.

6. Verjagen = beseitigt, ‘done away with.’

7. Me = mehr.

8. Aufdrait = aufträgt, ‘wears.’

9. Erstift, ‘established’; see Mat. xvi, 18.

Sie täten zů der tat.4

Der hirt, der ist geschlagen,

10

Die schäflin sein5 zerstreut,

Der bapst, der ist verjagen,6

Kein kron er me7 aufdrait,8

Und ist mit kainen worten

Von Christo ie erstift9;

15

An hundert tausent orten

Ist gossen auss das gift.

Der kaiser ist kain advocat,

Gar hin ist sein gewalt,

Den er ja zu der kirchen hat,

20

Der schirm zu boden falt;

Sein gebot sein ganz verachtet,

We armer christenhait,

10. Undertäni, an abstract from Untertan, in the collective sense of Untertanenschaft.

11. Brachtet, from brachten = schreien, toben. The sense is: ‘Where subjects revolt and rulers are powerless.’

12. Gemain = sämtlich.

13. Gmain = Gemeinde.

Wa undertäni10 brachtet,11

Und herschaft niderleit!

25

Die patriarchen alle

Und cardinäl gemain,12

Die bischof sein im falle,

Der pfarrer bleibt allain;

Ja den die gmain13 erwelet

30

Nach irem unverstand

Und für ain hirten zelet;

Ach, we der grossen schand!

Die minsten sein iez all gelert,

14. Der, in the sing., as if der minste had preceded.

Der14 vor nie beten kunt,

35

Kain ler auf erden ie gehört,

Dorft nie aufton sein mund:

Die widerfechten alle

15. Zierd, the church.

16. Gent steur = geben Steuer, ‘help on,’ ‘aid.’

17. Nim = nimmer (nie mehr).

Die zierd15 der christenhait,

Gent steur16 zů niderfalle

40

Ir lob und herlichait.

Die mess, die sol nim17 gelten

Im leben noch im dot,

Die sacrament sie schelten,

Die seien uns nit not;

18. Fünf, namely, confirmation, penance, extreme unction, order, and matrimony.

19. Andern, namely, baptism and the eucharist.

45

Fünf18 hon sie gar vernichtet,

Die andern19 lon sie ston

Der massen zů gerichtet,

Dass sie auch bald zergon.

Wir sein all pfaffen worden,

50

Baid, weiber und die man,

Wie wol wir hant kain orden,

Kain weihe gnomen an.

Die stiel ston auf den benken,

Der wagen vor dem ross,

55

Der glaub wil gar versenken,

Der grund ist bodenlos.

Die pfaffen sein zerschlagen,

Die münch sein auch zertrent,

Mit luter stimmen klagen,

20. Geschent = geschändet, ‘treated disgracefully.’

21. Für erlogen = vorgelogen.

60

Man hab sie lang geschent:20

Uns alles für erlogen,21

Was sie hont ie gesait,

Auss ihren fingern gsogen,

Verfiert die christenhait.

65

Wer iez zů mal kan liegen,

Veracht all oberkait,

22. Biegen, with kan above; ‘whoso can bend the gospel to murder,’ etc.

23. Hanthabt, ‘invests’ (puts into his hands).

Das evangeli biegen22

Auf mort und herzenlaid:

Dem lauft man zů mit schalle,

70

Hanthabt23 in mit gewalt,

Biss unser glaub verfalle

Und gar in eschen falt.

Der apfel ist geworfen

Der zwitracht, das ist war,

75

In steten und in dorfen;

Und geben nit ain har,

24. Meit, ‘mite.’

Ja nit ain meit24 auf erden

Umb alle oberkait;

Mit listen und gefärden

80

Erdenkt man herzenlaid.

25. Frone = heilig.

Das evangeli frone,25

Das was ein frölich mär,

Von got eroffnet schone

Zů frid von himel her:

85

Das hont sie iez vergiftet

In mort und bitterkait;

Es was zů freud erstiftet,

Iez bringt es herzenlaid.

Ich kan michs nit beklagen

90

Ja über gotes wort,

Allain dass sies vertragen

26. Rinklen, ‘twist,’ ‘pervert,’—like the preceding vertragen.

Und rinklen26 auf ain mort

Das wort des ewigen leben

Zů aufrůr und dem dot,

95

Von Christo uns gegeben,

Das er auss lieb erbot.

XLIII. THE REFORMATION DRAMA

The spirit of Luther—opposition to the papacy and reliance on scripture—soon found expression in the acted drama. To illustrate this phase of the new literary movement three plays have been drawn on: first, a Swiss play, performed on the streets of Bern in 1522; second, a Low German play, performed at Riga in 1527; third, a midland play, performed at Kahla in 1535. The text of No. 1 follows Bächtold’s Bibliothek älterer Schriftwerke der deutschen Schweiz, II, 103; for No. 2 see Braune’s Neudrucke, No. 30; for No. 3, Tittmann’s Schauspiele aus dem 16. Jahrhundert, pages 21 ff.

1
From the ‘Contrast between the Pope and Christ,’ by Niklaus Manuel.1

1. Niklaus Manuel (ca. 1484-1530), locally famous both as a painter and a writer, was a leader of the early Swiss Reformers. The play consisted of a procession representing the Pope, riding in pontifical splendor and attended by pompous retainers; while Christ rode an ass, wearing a crown of thorns and followed by a throng of the lame and the blind. The speakers are two Swiss peasants.

Cläiwe Pflůg

Vetter Rüede, was lebens ist nun vorhand?

2. Sig = sei.

3. Neiwas nüws = etwas Neues.

4. Treit an = anträgt.

Mich dunkt, es sig2 aber neiwas nüws3 im land.

Wer ist der gůt fromm biderman,

Der da ein grawen rock treit an4

5

Und uf dem schlechten esel sitzt

Und treit ein kron, von dörnen gespitzt?

5. Trut = traut(er).

6. Sich = sehe.

Er ist on zwifel ein trut5 biderman,

Das sich6 ich im wol an sim angsicht an;

Es ist kein hoffart in im nit,

7. Des . . . git = gibt Zeugnis davon.

8. Nachgand = nachgehen.

9. Feldsiechen = aussätzigen.

10. Verschmach = verschmähe.

10

Sin hofgesind im des zügnuss git7:

Die im nachgand,8 hinkend und kriechen,

Die armen blinden und feldsiechen.9

Schouw, was armer lüten gand im nach!

Ich mein, dass er niemand verschmach.10

15

Die armen stinkenden ellenden lüt,

Sie hend doch kein gelt und gend im gar nüt.

Das ist doch ein ellende unlustige schar

Und gand ouch so gar gottsjämerlich dahar:

Der lam, der ander blind, der dritt wassersüchtig!

20

Und sitzt aber der gůt man so herzlich züchtig,

So ganz schämig und einfeltig uf dem tier.

11. Etter = vetter (Rüedi being familiar for Rudolf).

Lieber min etter11 Rüedi, wie gfalt er dir?

Lieber etter, weistu, wer er ist,

Ach, so sag mir’s ouch durch Jesum Christ!

Rüede Vogelnest

12. Bekennen = kenne.

13. Vast wol = sehr gut.

25

Etter Cläiwe, ich bekennen12 in vast wol,13

Darumb ich’s dir ouch billichen sagen sol!

Er ist unser höchster schatz und hort,

Er ist des ewigen vaters wort,

Das in dem anfang was bi gott,

14. Wott = wollte.

30

Do er alle ding beschaffen wott,14

Himmel und erden, tag und nacht.

On in ist ganz nüt gemacht,

Noch das firmament, noch der erdenklotz:

Er ist der sun des lebendigen gotts.

35

Es ist der süess, milt und recht demüetig,

Tröstlich, frölich, barmherzig und güetig,

Heilmacher der welt, herr Jesus Christ,

Der am crütz für uns gestorben ist

In sinem dri und drissigsten alter,

40

Unser schöpfer, erlöser und behalter,

Ein künig aller künig, herr aller herren,

Den ouch die kreft der himel eren.

Cläiwe Pflůg

15. Verden plůost willen; an untranslatable oath.

Verden plůst willen,15 ist das der?

Wenn er halb als hoffertig wer,

16. Kilchherr = Kirchherr.

45

Als unser kilchherr16 und sin caplan,

So sähe er der bettler keinen an.

17. Glatzet, ‘bald.’

Was gemeint der alt glatzet17 fischer darmit,

Dass er so dapfer neben im dahar tritt,

Und ouch die anderen biderben lüt?

50

Weist du ouch, was doch das selb bedüt?

Rüede Vogelnest

Der alt fischer das ist sant Peter.

18. Trumeter = Trompeter.

Der herr Jesus hat kein trumeter,18

Blind und lam sind sin trabanten.

Und die in ein sun gottes erkanten,

55

Das warend schlecht einvaltig lüt;

Die pfaffen schatztend in gar nüt

Und widerstrebtend im alle zit,

19. Git = Geiz.

20. Wis und berden = Weise und Gebärden, ‘character and conduct.’

So straft er sie umb iren git19

Und ander süntlich wis und berden.20

60

Er kond nie eins mit inen werden.

Darumb sie in allwegen verstiessend

Und zůletst am krütz ermörden liessend.

(Hie zwischen kam der bapst geritten in grossem triumph in harnisch mit grossem kriegszüg21 zů ross und fůss mit grossen panern und fenlinen von allerlei nationen lüt. —Sin eidgenossen gwardi22 all in siner farb, trumeten, pasunen,23 trummen, pfifen, kartonen,24 schlangen,25 hůren und bůben und was zum krieg gehört, richlich, hochprachtlich, als ob er der türkisch keiser wär. Do sprach aber)

21. Kriegszüg = Kriegsheer.

22. Gwardi = Garde, Leibwache.

23. Pasunen = Posaunen.

24. Kartonen = Cartaunen, ‘heavy guns.’

25. Schlangen, ‘(long) cannon.’

Cläiwe Pflůg

Vetter Rüede, und wer ist aber der gross keiser,

26. Reiser = Reisiger, Krieger.

Der mit im bringt so vil kriegischer pfaffen und reiser26

65

Mit so grossen mechtigen hochen rossen,

27. Bossen = Burschen, Buben.

So mencherlei wilder seltsamer bossen,27

So vil multier mit gold, samet beziert,

28. Spicherschlüssel, ‘granary keys’; the keys of St. Peter.

Und zwen spicherschlüssel28 im paner fiert?

Das nimpt mich frömbd und mechtig wunder.

70

Wärind nit so vil pfaffen darunder,

So meinte ich doch, es wärind Türken und heiden.

Mit denen seltsamen kappen und wilden kleiden.. . .

Rüede Vogelnest

Das weiss ich ouch und kan dir’s sagen.

Man můss in uf den achslen tragen

75

Und wil darfür gehalten werden,

Dass er sig ein gott uf der erden;

Darumb treit er der kronen dri,

Dass er über all herren si

Und sig ein statthalter Jesu Christ,

80

Der uf dem esel geritten ist.

Cläiwe Pflůg

Das möcht wol ein hoffertig statthalter sin!

Das lit heiter am tag und ist ougenschin.

Das sind doch warlich zwo unglich personen:

Des ewigen gotts sun treit ein dörne kronen

85

Und ist der armůt geliebt und hold;

So ist sins statthalters kronen gold

Und benüegt sich dennocht nit daran,

Er wil dri ob einandern han.

So ist Christus fridsam, demüetig und milt,

90

So ist der bapst kriegsch, rumorisch und wild

Und ritet dahar so kriegsch und fri,

Grad als ob er voller tüflen si.

2
From the ‘Prodigal Son’ by Burkard Waldis.29

29. Waldis was a Hessian, born about 1495, wno went to Riga in his youth, and there worked and suffered in the cause of the new Lutheranism. The Prodigal Son preaches the Lutheran doctrine of justification by faith. The selection is from the beginning of Act II, where the Prodigal, having lived some time with thieves and harlots, decides to return to his father.

Vorlorn Szohn

Ick seh vp erden hir keyn trost,

Dar mit ick werden mocht erlöst.

30. Edder = oder.

Wor ick my kere edder30 wende,

Dar ys kummer an allen endenn.

5

Vele dagelöner myn vader hefft,

31. Lefft = lebt.

32. All tho male = allzumal, ‘constantly.’

Der keyn ynn solcken kummer lefft31:

Sze hebbent all tho male32 guedt

Vnd hebben brodes ouerfloedt.

33. Auers = aber.

34. Erweruenn = erwerben, gewinnen.

35. Moeth = muss.

Auers33 ick mach hir keyn trost erweruenn,34

10

Ick moeth35 von grotem hunger steruenn.

Ick will my schicken ynn de sakenn

Vnd will my all thohand vpmakenn,

36. Moyge = Mühe.

Inn düsser moyge36 nicht lengher staenn.

Will hen tho mynen vader gaenn

15

Vnd spreken, vader, ick sy de mann,

37. Öuel = übel.

De dar hefft alsso öuel37 gedaenn,

Gesundiget ynn hemmel vnd vor dy,

38. Laeth = lass.

39. Entslaen = entschlagen; with reflexive object ‘to leave out of account.’

Dat laeth38 du nicht entgelden my.

Dat ick geheten was dyn Szohn,

20

Des will ick my nu gantz entslaen39;

Ick bin des namens yo nicht werdt,

Dat ick dyn szohn geheyten werde;

40. Gemeyn: here = ‘household.’

41. Blyue = bleibe.

Sunder nym my ynn dyne gemeyn,40

Make my als dyner dachlöner eynn.

25

Darumm blyue41 ick nicht lenger hir.

Vader

Dat ys myn Szohn, den ick dar seh.

42. Doet = tot.

Ick meynde, he hadde doet42 gewessenn:

Nu seh ick woll, he ys genessenn

Vnd leuet noch tho düsser stundt;

43. Idt = es.

44. Elende groet = Elend gross.

30

Idt43 bewegt sick myns herten grundt.

My yamert syn elende groet,44

Ick seh, he ys ynn groter noeth;

Ick kanss my werlich nicht entslaenn,

45. Ohm = ihm.

Ick moeth ohm45 vorwar entegen gaenn.

(Hir gengk de vader entegen demm vorlornn Szohn.)

46. Wes = sei.

35

Myn leue szoen, wes46 my willkomenn!

Ick hebbe dyne grote noedt vornommenn.

47. Vorbarmenn = erbarmen.

Vorwar, ick moet my dyner vorbarmenn.47

Kumm her, myn szohn, yn myne armenn,

Lech dynen mundt ann myne wanghenn,

40

Du schalst van my alle gnade erlangenn,

48. Vth = aus.

Vortruwe my dat vth48 hertzen grunde.

(Vorlorn Szohn veel nedder vor den Vader sprekende):

Ick seh wol, ick hebbe gnade fundenn.

Ach vader myn, vnd ick bin dey,

49. = nie.

50. Tydt = Zeit.

51. Nha = nach.

De dy hefft willen volgen nü,49

45

All tydt50 dyn geboden wedderstreuet

Vnd nü nha51 dynen willen geleuet.

Ick hebbe gesundiget ynn ouermoedt,

Inn hemmel vnd vor dy, vader guedt.

52. Euen = eben; with kumpt = ‘befits.’

53. Genümbt = genannt.

54. Tho voren = zuvor.

55. Gesecht = gesagt.

56. Ehr wenn = früher als, bevor.

57. Toch hen wech = zog hin weg = hinwegzog.

De nahm my nicht mehr euen52 kumpt,

50

Dat ick mach werden dyn szohn genümbt.53

Du haddest ydt my tho voren54 gesecht,55

Ehr wenn56 ick van dy toch hen wech,57

Vnd hefft my gewarndt vor mynen schaden,

Ick wolde my ouers nicht laten raden.

55

Solcken kummer hefft keyn mynsch gesehn,

De my alleyne ys geschehn.

Darumm, dat ick nicht, wo ick denn scholde,

Dyns guden rades volgen wolde,

58. Straff, ‘discipline.’

59. Müg = Mühe.

Inn dyner straff58 nicht wolde leuenn,

60

Darumm hefft my leydt vnd müg59 vmmgeuen.

Vor myne sunde vnd myssethat

60. Quaedt = böse, schlecht.

Is ouer my gegan alle quaedt.60

Myn sunde bekenne ick all vor dy,

Bidde dy, vader, wes gnedich my;

61. Rowet = reuet.

65

Ick hebbe gesundiget, ydt rowet61 my szehr.

3
From Rebhun’s ‘Susanna,’ Act III, Sc. 4: Having been menaced with death by the wanton judges, Susanna tells her father, mother, and sister of the infamous plot.62

62. Paul Rebhun, who died in 1546, was a Lutheran schoolmaster and pastor. In his Susanna he essayed a more regular and varied versification than that of the ordinary Knittelvers. The apocryphal story of Susanna was in high favor with the Protestant playwrights on account of its vindication of a chaste wife.

Helchias

Frid mit dir!

Elisabet

O, liebste tochter mein!

Rebecca

O Susann, du traute schwester mein!

Elisabet

Hilf uns, lieber Got, in ewigkeit!

63. Ewig = immer.

Wie kumts ewig,63 das in sölches leid

5

Du, mein liebste tochter, kummen sollt,

64. Meid; the housemaid who had brought the news to Susanna’s mother.

Welches ich lang der meid64 nicht glauben wollt?

Solstu nu zur zeit deinr höchsten ern

Für ein sölche erst gehalten werden,

Die du hast von jugnt dein lebn gefürt

10

Keusch, wie einer frummen fraun gebürt?

Ach, das dir sol gschehen sölche gwalt!

65. Sehen an, ‘look on,’ ‘bring to light.’

Got wöll sehen an65 dein unschuld bald.

Susanna

Sei dann, das mir Got, mein herr, helf draus,

Ist es auch mit meinem leben aus;

15

Dann sie mir den tot gedrohet han,

Weil ich nicht nach irem willn hab tan.

Helchias

Liebe tochter, hör itz auf vom klagn;

Dann wir wollen Got dein not fürtragen,

Der on zweifel dir wirt helfen aus,

20

Machen sie gleich was sie wöln daraus.

Wollst uns selber recht erzeln die sach,

Wie du kumst zu diesem ungemach.

Susanna

Da die sonn heut warm zu scheinn anfieng,

66. In = in den.

Nach gewonheit ich in66 garten gieng,

25

Wolt beim brunn mich badn ein kleine weil,

Drumb ich sant die meid von mir in eil,

Liess den garten fest beschliessen zu,

67. Guter ru, ‘security’; ‘I thought I should be safe there.’

Meint, ich wer nu da mit guter ru.67

Da erhubn sich plötzlich zu mir her

30

Dise richter, des erschrak ich ser.

Bald sie mir ir unart muten an,

Lagn mir auch mit bitten heftig an,

Teten mir dazu verheissung vil,

Das ich mich ergeb zu irem will;

35

Da sie aber nichts mit güt von mir

68. Namens . . . für, ‘they resorted to crime.’

Kunten habn, da namens frevel für68

Und bedroten mich mit irer gwalt,

Sagten, was für gfar mir folgen solt,

69. Er = Ehre.

Wie sie mir mein er69 und auch das lebn

40

Nemen woltn, so ich nicht ergebn

Würde mich zu irem willn so bald;

Da ich aber in nicht ghorchen wolt,

Wurden sie von stund vol zorn und grim,

70. Gsind = Gesinde, ‘servants.’

Ruften meinem gsind70 mit lauter stimm,

45

Sagten, wie ich die und dise wer,

Also kum ich leider in die gfer.

71. Samri and Gorgias are Hausknechte of Susanna’s husband.

Samri71

Hab ich nicht die sach erraten fein,

Das die richter selber böswicht sein?

Gorgias

72. Potz, a euphemism for Gott in oaths: dass Gott sie (verdamme).

Das sie potz72! wer het sich des vertraut,

50

Das sölchs stecken sol in alter haut?

Helchias

Helf dir Got, du liebe tochter mein,

Welchem wol ist kund die unschuld dein.

Susanna

73. Her; her husband, Joachim, is away on business.

Wenn doch nur mein her73 vorhanden wer,

Oder wüste disen jamer schwer!

Elisabet

74. Schier = bald.

55

Schweig, villeicht wirt er nu kumen schier.74

Rebecca

Liebe schwester, Got wöll helfen dir.

Chorus tertius

David, der prophetisch man,

Zeigt an,

Durch Gottes geist geleret:

60

Wer sich fest auf Got erbaut

Und traut,

Der wirt nicht umbgekeret;

Wie Sion steht er unbewegt,

Wird nicht geregt

65

Von starken winden

Des fleischs, des teufels und der welt,

75. Gegn . . . stellt = stellt sich ihnen entgegen.

Gegn in sich stellt,75

Sich nicht mit sünden

Von in lässt überwinden.

70

Sein haus, auf eim felsen hart

Verwart,

Ist gwaltig unterfasset;

Wasser, wind kans nicht bewegn,

Noch regn,

75

On schad sichs alls abstosset.

Got fürchten ist sein burg und schloss;

Kein teufels gschoss

Kan das zersprengen;

Gots wort sein waffen ist und schwert,

76. Wert = sich verteidigt.

80

Damit er wert,76

Lässt sich nicht drengen,

Zu sünd und abfal brengen.

Aber wer den hern veracht,

Nicht tracht

85

Auf seine wort und wege,

Den tut wie ein ror im teich

Gar leicht

Ein kleiner wind bewegen.

Sein haus gebaut ist auf den sand,

90

Hat kein bestand,

Kan sich nicht halten;

Wenn in ein kleine sünd anficht

77. Besticht = verführt.

78. Wird er zerspalten = kommt er in Zwiespalt mit sich selbst (Tittmann).

Und nur besticht,77

Wird er zerspalten78

95

Und lässt die bosheit walten.

XLIV. HANS SACHS

1494-1576. Sachs is the most winsome and versatile German poet of the 16th century. He lived at Nürnberg, practising the trade of the shoemaker and the art of the mastersinger, and writing an immense number of poetic productions. His total of verses has been estimated at half a million. For the reader of to-day he is most enjoyable in his Schwänke, or humorous tales, and his Fastnachtspiele, or shrovetide plays. The text of the first selection follows Keller’s reprint in the Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart, Vol. 106, page 109; that of the second, Goetze’s reprint in Braune’s Neudrucke, No. 40.