2. Georg Friedrich, Margrave of Baden, was a partisan of the Calvinistic Friedrich V, Elector Palatine, who was chosen King of Bohemia in 1619, and is known as the “Winter King.” As the sonnet shows, the defeated Protestants set high hopes on the Margrave of Baden, who commanded an army of 20,000 men; but he was soon defeated by the imperial forces and died in exile (1638).
L. MARTIN OPITZ
A Silesian scholar (1597-1639) who won great renown as a poet and a literary lawgiver. In a pioneer treatise on poetics (1624, in which year his Teutsche Poemata also appeared), he came to the defense of the German language, pleaded for a purer diction, and defined the principal genres current abroad, illustrating them with verses of his own. His theory recognized but two feet, the iamb and the trochee, which he defined in terms of accent. He prescribed a more regular alternation of accented and unaccented syllables and recommended the use of the alexandrine verse. Under his influence German poetry became more regular and artistic, but lost touch with the general life, being more and more regarded as a refined diversion of the scholar class. The text of selections 1-4 follows Braune’s Neudrucke, No. 1 and Nos. 189-192; for No. 5 see Tittmann’s edition in Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts.
1
From the ‘Buch von der deutschen Poeterey.’
Wiewol ich mir von der Deutschen Poeterey, auff ersuchung vornemer Leute, vnd dann zue besserer fortpflantzung1 vnserer sprachen, etwas auff zue setzen vorgenommen, bin ich doch solcher gedancken keines weges, das ich vermeine, man könne iemanden durch gewisse regeln vnd gesetze zu einem Poeten machen.. . .
Die worte vnd Syllaben in gewisse gesetze zue dringen, vnd verse zue schreiben ist das allerwenigste was in einem Poeten zue suchen ist. Er muss εὐφαντασιωτός,2 von sinnreichen einfällen vnd erfindungen sein, muss ein grosses vnverzagtes gemüte haben, muss hohe sachen bey sich erdencken können, soll anders3 seine rede eine art kriegen, vnd von der erden empor steigen. Ferner so schaden auch dem gueten nahmen der Poeten nicht wenig die jenigen, welche mit jhrem vngestümen ersuchen auff alles was sie thun vnd vorhaben verse fodern. Es wird kein buch, keine hochzeit, kein begräbnüss ohn vns gemacht; vnd gleichsam als niemand köndte alleine sterben, gehen vnsere gedichte zuegleich mit jhnen vnter. Mann wil vns auff allen Schüsseln vnd kannen haben, wir stehen an wänden vnd steinen,4 vnd wann einer ein Hauss ich weiss nicht wie an sich gebracht hat, so sollen wir es mit vnsern Versen wieder redlich machen. Dieser begehret ein Lied auff eines andern Weib, jenem hat von des nachbaren Magdt getrewrnet, einen andern hat die vermeinte Bulschafft ein mal freundtlich angelacht, oder, wie dieser Leute gebrauch ist, viel mehr aussgelacht; ja des närrischen ansuchens ist kein ende. Müssen wir also entweder durch abschlagen jhre feindschafft erwarten, oder durch willfahren den würden der Poesie einen mercklichen abbruch thun. Denn ein Poete kan nicht schreiben wenn er will, sondern wenn er kann, vnd jhn die regung des Geistes, welchen Ovidius vnnd andere vom Himmel her zue kommen vermeinen, treibet.. . .
Vnd muss ich nur bey hiesiger gelegenheit ohne schew dieses errinnern, das ich es für eine verlorene arbeit halte, im fall sich jemand an vnsere deutsche Poeterey machen wolte, der, nebenst dem das er ein Poete von natur sein muss, in den griechischen vnd Lateinischen büchern nicht wol durchtrieben ist, vnd von jhnen den rechten grieff erlernet hat; das auch alle die lehren, welche sonsten zue der Poesie erfodert werden, vnd ich jetzund kürzlich berühren wil, bey jhm nichts verfangen können.. . .
Nachmals ist auch ein jeder verss entweder ein iambicus oder trochaicus; nicht zwar das wir auff art der griechen vnnd lateiner eine gewisse grösse der sylben können inn acht nemen; sondern das wir aus den accenten vnnd dem thone erkennen, welche sylbe hoch vnnd welche niedrig gesetzt werden soll. Ein Jambus ist dieser: Erhalt vns Herr bey deinem Wort; der folgende ein Trocheus: Mitten wir im leben sind. Dann in dem ersten verse die erste sylbe niedrig, die andere hoch, die dritte niedrig, die vierde hoch, vnd so fortan; in dem anderen verse die erste sylbe hoch, die andere niedrig, die dritte hoch, u.s.w. aussgesprochen werden. Wiewol nun meines wissens noch niemand, ich auch vor der zeit selber nicht, dieses genawe in acht genommen, scheinet es doch so hoch von nöthen zue sein, als hoch von nöthen ist, das die Lateiner nach den quantitatibus oder grössen der sylben jhre verse richten vnd reguliren.
1. Fortpflantzung = Verbesserung.
2. Εὐφαντασιωτός, ‘very fanciful’; see Quintilian vi. 2, 30.
3. Anders, ‘anywise.’
4. Steinen = Türsteinen.
2Ode.5Ich empfinde fast ein grawen, Das ich, Plato, für vnd für Bin gesessen vber dir; Es ist zeit hienauss zue schawen, 5Vnd sich bey den frischen quellen In dem grünen zue ergehen, Wo die schönen Blumen stehen, Vnd die Fischer netze stellen. Worzue dienet das studieren, 10Als zue lauter vngemach? Vnter dessen laufft die Bach Vnsers lebens das wir führen, Ehe wir es innen werden, Auff jhr letztes ende hin; 15Dann kompt ohne geist vnd sinn Dieses alles in die erden. Hola, Junger, geh’ vnd frage Wo der beste trunck mag sein; Nim den Krug, vnd fülle Wein. 20Alles trawren leidt vnd klage, Wie wir Menschen täglich haben, Eh vns Clotho fortgerafft, Wil ich in den süssen safft Den die traube giebt vergraben. 25Kauffe gleichfalls auch Melonen,6 Vnd vergiss des Zuckers nicht; Schawe nur das nichts gebricht. Jener mag der heller schonen, Der bey seinem Gold vnd Schätzen 30Tolle sich zue krencken pflegt Vnd nicht satt zue bette legt; Ich wil weil ich kan mich letzen. Bitte meine guete Brüder Auff7 die music vnd ein glass; 35Nichts schickt, dünckt mich, nicht sich bass Als guet tranck vad guete Lieder. Lass ich gleich nicht viel zue erben, Ey, so hab’ ich edlen Wein; Wil mit andern lustig sein, 40Muss ich gleich alleine sterben. |
5. From the Poeterey, Ch. 5, where it is offered in elucidation of lyric poetry. It is a free rendering of Ronsard, II, 18.
6. Melonen; the point is: Do not mind the expense. The muskmelon (cucumis melo) came from Italy and Southern France, and (with sugar!) was a luxury.
7. Auff, with bitten, in the sense of ‘invite to.’
4Sonnet an die Bienen.Ihr Honigvögelein, die jhr von den Violen Und Rosen abgemeit den wundersüssen Safft, Die jhr dem grünen Klee entzogen seine Krafft, Die jhr das schöne Feldt so offt vnd viel bestohlen, 5Ihr Feldteinwohnerin, was wollet jhr doch holen Das, so euch noch zur Zeit hat wenig nutz geschafft, Weil jhr mit Dienstbarkeit dess Menschen seit behafft, Vnd jhnen mehrentheils das Honig müsset Zollen? Kompt, kompt zu meinem Lieb, auff jhren Rosenmundt, 10Der mir mein kranckes Herz gantz inniglich verwundt, Da sollt jhr Himmelspeiss vnd vberflüssig brechen. Wann aber jemandt ja sich vnderstehen kundt Ihr vbel anzuthun, dem sollet jhr zur stundt Für Honig Galle sein, vnd jhn zu tode stechen. |
5
The horrors of the Thirty Years’ War: From the ‘Trostgedichte in Widerwertigkeit des Krieges.’
Wie manche schöne Stadt,
Die sonst das ganze Land durch Pracht gezieret hat,
Ist jetzund Asch und Staub! Die Mauren sind verheeret,
Die Kirchen hingelegt, die Häuser umgekehret.
5Wie wann ein starker Fluss, der unversehens kömt,
Die frische Saate stürzt, die Äcker mit sich nimt,
Die Wälder niederreisst, läuft ausser seinen Wegen,
So hat man auch den Plitz und schwefelichte Regen
Durch der Geschütze Schlund mit grimmiger Gewalt,
10Dass alles Land umher erzittert und erschallt,
Gesehen mit der Luft hin in die Städte fliegen.
Des Rauches Wolken sind den Wolken gleich gestiegen,
Der Feuer-Flocken See hat alles überdeckt
Und auch den wilden Feind im Läger selbst erschreckt.
15Das harte Pflaster hat geglühet und gehitzet,
Die Thürme selbst gewankt, das Erz darauf geschwitzet;
Viel Menschen, die der Schar der Kugeln sind entrant,
Sind mitten in die Glut gerathen und verbrant,
Sind durch den Dampf erstickt, verfallen durch die Wände
20Was übrig blieben ist, ist kommen in die Hände
Der argsten Wütherei, so, seit die Welt erbaut
Von Gott gestanden ist, die Sonne hat geschaut.
Der Alten graues Haar, der jungen Leute Weinen,
Das Klagen, Ach und Weh der Grossen und der Kleinen,
25Das Schreien in gemein von Reich und Arm geführt,
Hat diese Bestien im minsten nicht gerührt.
Hier half kein Adel nicht, hier ward kein Stand geachtet,
Sie musten alle fort, sie wurden hingeschlachtet,
Wie wann ein grimmer Wolf, der in den Schafstall reisst,
30Ohn allen Unterschied die Lämmer niederbeisst.
Der Mann hat müssen sehn sein Ehebette schwächen,
Der Töchter Ehrenblüt’ in seinen Augen brechen,
Und sie, wann die Begier nicht weiter ist entbrant,
Unmenschlich untergehn durch ihres Schänders Hand.
LI. PAUL FLEMING
1609-1640. Fleming was a gifted lyric poet of the Opitzian era. A Saxon by birth, he studied medicine at Leipzig, where he learned to admire Opitz. Five years of his short life were spent in connection with an embassy of the Duke of Holstein to Russia and Persia. His best work is found in the poems, more especially the sonnets, which he wrote during this long absence from the fatherland. The selections follow Tittmann’s edition in Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts.
1An einen guten Freund.Lass der Zeit nur ihren Willen Und vergönn’ ihr ihren Lauf; Sie wird sich selbst müssen stillen, Wenn wir nichts nicht geben drauf. 5Meistes Elend wird verschmerzet, Wenn mans nicht zu sehr beherzet. Ist es heute trübes Wetter, Morgen wird es heiter sein; Stimmen doch die grossen Götter 10Stets an Lust nicht überein. Und wer weiss, wie lang er bleibet, Der uns itzo so vertreibet.1 Ob die Sonne gehet nieder Und den Erdkreiss traurig macht, 15Doch so kömt sie fröhlich wieder Nach der überstandnen Nacht. Herrschen itzund Frost und Winde, Balde wird es sein gelinde. Unterdessen sei der Deine, 20Brich nicht ab der ersten Kost2; Labe dich mit altem Weine Und versuch den jungen Most. Lass uns einen Rausch noch kaufen, Ehe denn wir müssen laufen. |
1. Lines 11-12 allude, probably, to the occupation of Leipzig by imperial troops in 1632.
2. Der ersten Kost, ‘your previous fare.’ Abbrechen with dative = Abbruch tun, verkürzen, vermindern.
2An Basilenen3: Nachdem er von ihr gereiset war.Ist mein Glücke gleich gesonnen, Mich zu führen weit von dir, O du Sonne meiner Wonnen, So verbleibst du doch in mir. 5Du in mir und ich in dir Sind beisammen für und für. Künftig werd’ ich ganz nicht scheuen, Kaspis, deine fremde Flut, Und die öden Wüsteneien, 10Da man nichts als fürchten thut. Auch das Wilde macht mir zahm, Liebste, dein gelobter Nam’. Überstehe diese Stunden, Schwester, und sei unverwant. 15Ich verbleibe dir verbunden, Und du bist mein festes Band. Meines Herzens Trost bist du, Und mein Herze selbst darzu. Ihr, ihr Träume, solt indessen, 20Unter uns das Beste thun. Kein Schlaf, der sol ihr vergessen, Ohne mich sol sie nicht ruhn, Dass die süsse Nacht ersetzt, Was der trübe Tag verletzt. 25Lebe, meines Lebens Leben, Stirb nicht, meines Todes Tod, Dass wir uns uns wiedergeben, Abgethan von aller Noth. Sei gegrüsst, bald Trost, itzt Qual, 30Tausend, tausend, tausendmal! |
3. While sojourning in Reval, on his way to Asia, Fleming fell in love with Elsabe Niehusen, but later transferred his affections to her sister Anna. Basilene is one of several poetic names for Elsabe.
3Inter Brachia Salvatoris.4Des Donners wilder Plitz schlug von sich manchen Stoss, Das feige Volk stund blass, das scheuche Wild erzittert’ Vom Schmettern dieses Knalls. Die Erde ward erschüttert. Mein Fuss sank unter sich, der Grund war bodenlos. Die Gruft, die fiel ihr nach,5 schlung mich in ihren Schoss. Ich gab mich in die See, in der es grausam wittert’ Der Sturm flog klippenhoch. Mein Schiff, das ward gesplittert, Ward leck, ward Anker6 quit, ward Mast6 und Segel6 bloss. Vor, um und hinter mir war nichts als eine Noth; Von oben Untergang, von unten auf der Tod, Es war kein Muttermensch, der mit mir hatt’ Erbarmen. Ich aber war mir gleich, zum Leben frisch und froh, Zum Sterben auch nicht faul auf7 wenn und wie und wo, Denn mein Erlöser trug mich allzeit auf den Armen. |
4. The sonnet is reminiscent of a shipwreck in the Caspian Sea, November 15, 1636; the title from St. Augustine’s inter brachia salvatoris mei et vivere volo et mori cupio.
5. Fiel ihr nach, ‘gave way’ (ihr reflexive).
6. Anker, Mast, Segel; all genitive.
7. Faul auf, ‘hesitating over.’
LII. FRIEDRICH VON LOGAU
An eminent writer of reflective, critical, and epigrammatic verse (1604-1655). He was born in Silesia and spent the most of his life at Brieg, where he was sometime ducal councillor. In 1654 he published Salomon von Golaws deutscher Sinngetichte drei Tausend, the name Golaw being a disguise of Logau. They vary in length from a couplet to a hundred lines or more, and disclose in the aggregate a virile and interesting personality. The text follows Eitner’s edition in Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts.
1Das Beste der Welt.Weistu, was in dieser Welt Mir am meisten wolgefällt? Dass die Zeit sich selbst verzehret, Und die Welt nicht ewig währet. 2Die unartige Zeit.Die Alten konnten fröhlich singen Von tapfern deutschen Heldensdingen, Die ihre Väter ausgeübet: Wo Gott noch uns ja Kinder gibet, 5Die werden unsser Zeit Beginnen Beheulen, nicht besingen können. 3Geduld.Leichter träget, was er träget, Wer Geduld zur Bürde leget. 4Adel.Hoher Stamm und alte Väter Machen wohl ein gross Geschrei; Moses aber ist Verräther, Dass dein Ursprung Erde sei. 5Gunst für Recht.Kein Corpus juris darf13 man nicht, Wo Gunst und Ungunst Urtel spricht. 1. darf = bedarf. 6Theure Ruh.2Deutschland gab fünf Millionen, Schweden reichlich zu belohnen, Dass sie uns zu Bettlern machten, Weil sie hoch dies Mühen achten. 5Nun sie sich zur Ruh gegeben Und von Unsrem dennoch leben, Muss man doch bei vielen Malen Höher noch die Ruh bezahlen. |
2. The Treaty of Westfalia gave the Swedes a war indemnity of 5,000,000 talers, but they afterwards demanded and received 200,000 more.
7Der Glaubensstreit.Luthrisch, Päbstisch und Calvinisch—diese Glauben alle drei Sind vorhanden; doch ist Zweifel, wo das Christentum dann sei. 8Ein unruhig Gemüthe.Ein Mühlstein und ein Menschenherz wird stets herumgetrieben; Wo beides nicht zu reiben hat, wird beides selbst zerrieben. 9Weiberverheiss.Wer einen Aal beim Schwanz und Weiber fasst bei Worten, Wie feste der gleich hält, hat nichts an beiden Orten. 10Zweifüssige Esel.Dass ein Esel hat gespracht, warum wundert man sich doch? Geh aufs Dorf, geh auf den Markt: o sie reden heute noch. 11Die deutsche Sprache.Deutsche mühen sich jetzt hoch, deutsch zu reden fein und rein; Wer von Herzen redet deutsch, wird der beste Deutsche sein. 12Göttliche Rache.Gottes Mühlen mahlen langsam, mahlen aber trefflich klein; Ob aus Langmuth er sich säumet, bringt mit Schärf’ er alles ein. 13Franzosenfolge.Narrenkappen sam3 den Schellen, wenn ich ein Franzose wär’, Wollt’ ich tragen; denn die Deutschen gingen stracks wie ich so her. 3. Sam = zusammen mit. 14Dreierlei Glauben.Der Papst der will durch Thun, Calvin wil durch Verstehn, In den Himmel aber wil durch Glauben Luther gehn. 15Drei Fakultäten.Juristen, Ärzte, Prediger sind alle drei beflissen, Die Leute zu purgieren4 wol am Säckel, Leib, Gewissen. 4. Purgieren, ‘purge,’ ‘clean out.’ |
16Verwandelung.Dass aus Menschen werden Wölfe,5 bringt zu glauben nicht Beschwerden; Siht man nicht, dass aus den Deutschen dieser Zeit Franzosen werden? 5. Wölfe, in allusion to the superstition of the man-wolf (werewolf, lycanthropus). |
17Das Hausleben.Ist Glücke wo und was, so halt’ ich mir für Glücke, Wann ich mein eigen bin, dass ich kein dienstbar Ohr Um weg verkaufte Pflicht6 darf recken hoch empor Und horchen auf Befehl. Dass mich der Neid berücke, 5Da bin ich sorgenlos. Die schmale Stürzebrücke,7 Darauf nach Gunst man zeucht, die bringt mir nicht Gefahr; Ich stehe, wo ich steh’, und bleibe, wo ich war. Der Ehre scheinlich8 Gift, des Hofes Meisterstücke, Was gehen die mich an? Gut, dass mir das Vergnügen 10Für grosse Würde gilt; mir ist ja noch so wol, Als dem der Wanst zerschwillt,9 die weil er Hoffahrt voll. Wer biegen sich nicht kan, bleibt, wann er fället, liegen. Nach Purpur tracht’ ich nicht; ich nehme weit dafür,10 Wann Gott ich leben kan, dem Nächsten und auch mir. |
18An mein väterlich Gut, so ich drei Jahr nicht gesehen.Glück zu, du ödes Feld; Glück zu, ihr wüsten Auen! Die ich, wann ich euch seh’, mit Thränen muss bethauen, Weil ihr nicht mehr seid ihr; so gar hat euren Stand Der freche Mord-Gott Mars grundaus herumgewandt. 5Seid aber doch gegrüsst; seid dennoch fürgesetzet Dem allen, was die Stadt für schön und köstlich schätzet. Ihr wart mir lieb, ihr seid, ihr bleibt mir lieb und werth; Ich bin, ob ihr verkehrt,11 noch dennoch nicht verkehrt. Ich bin, der ich war vor. Ob ihr seid sehr vernichtet, 10So bleib’ ich dennoch euch zu voller Gunst verpflichtet, So lang ich ich kan sein; wann dann mein Sein vergeht, Kans sein, dass Musa wo an meiner Stelle steht.12 Gehab dich wol, o Stadt! die du in deinen Zinnen Hast meinen Leib gehabt, nicht aber meine Sinnen. 15Gehab dich wol! mein Leib ist nun vom Kerker los; Ich darf nun nicht mehr sein, wo mich zu sein verdross. Ich habe dich, du mich, du süsse Vatererde! Mein Feuer glänzt nun mehr auf meinem eignen Herde. Ich geh’, ich steh’, ich sitz’, ich schlaf’, ich wach’ umbsunst.13 20Was theuer mir dort war, das hab’ ich hier aus Gunst Des Herrens der Natur, um “Habe-Dank” zu niessen Und um gesunden Schweiss; darf nichts hingegen wissen Von Vortel und Betrug, von Hinterlist und Neid, Und wo man sonst sich durch schickt etwan in die Zeit. 25Ich ess’ ein selig Brot, mit Schweiss zwar eingeteiget, Doch das durch Bäckers Kunst und Hefen hoch nicht steiget, Das zwar Gesichte14 nicht, den Magen aber füllt Und dient mehr, dass es nährt, als dass es Heller gilt. Mein Trinken ist nicht falsch15; ich darf mir nicht gedenken, 30Es sei gebrauen zwier,16 vom Bräuer und vom Schänken. Mir schmeckt der klare Saft; mir schmeckt das reine Nass, Das ohne Keller frisch, das gut bleibt ohne Fass, Drum nicht die Nymphen erst mit Ceres dürfen kämpfen, Wer Meister drüber sei, das nichts bedarf zum Dämpfen,17 35Weils keinen Schwefelrauch noch sonsten Einschlag hat, Das ohne Geld steht feil, das keine frevle That Hat den jemals gelehrt, der dran ihm liess genügen. Der Krämer fruchtbar Schwur, und ihr geniesslich18 Lügen Hat nimmer Ernt’ um mich. Der vielgeplagte Lein, 40Der muss, der kan mir auch anstatt der Seiden sein. Bewegung ist mein Arzt. Die kräuterreichen Wälde Sind Apotheks genug; Geld, Gold wächst auch im Felde,— Was mangelt alsdenn mehr? Wer Gott zum Freunde hat Und hat ein eignes Feld, fragt wenig nach der Stadt, 45Der vortelhaften Stadt, da Nahrung zu gewinnen Fast jeder muss auf List, auf Tück und Ränke sinnen. Drum hab’ dich wol, o Stadt! wenn ich dich habe, Feld, So hab’ ich Haus und Kost, Kleid, Ruh’, Gesundheit, Geld. 11. Verkehrt, ‘changed.’ 12. Dass . . . steht; ‘that some other muse than mine will praise you.’ 13. Umbsunst, ‘for nothing.’ 14. The bread does not look good, but is nourishing. 15. Falsch, ‘diluted.’ 16. Zwier = zweimal. 17. In allusion to the process of treating wine with sulphur—nominally to improve its taste and color. 18. Geniesslich, ‘profitable.’ |
LIII. ANDREAS GRYPHIUS
1616-1664. Gryphius is the most important of the pseudo-classic dramatists, though his plays lacked the schooling of the stage. He was born in Glogau, Silesia, won early distinction as a scholar and poet, resided several years in Holland, France, and Italy, and finally settled down in his birthplace, which honored him with the office of town syndic. He wrote five original tragedies in alexandrine verse (always with a chorus of some kind), and several comedies, partly in verse and partly in prose. The selections follow Tittmann’s edition in Deutsche Dichter des 17. Jahrhunderts.
1
From the fourth act of ‘Murdered Majesty, or Carolus Stuardus’; King Charles I, about to face death on the scaffold, confers with his loyal friends, Colonel Thomlinson and Bishop Juxton.
Karl
Fürst, aller Fürsten Fürst, den wir nun sterbend grüssen,
Vor dem wir auf dem Knie das strenge Richtbeil küssen,
Gib, was mein letzter Wunsch noch von dir bitten kan,
Und stecke Karols Geist mit heilgem Eifer an.
5Entzünde diss Gemüt, das sich ergetzt, zu tragen
Die ehrenvolle Schmach, das sich beherzt, zu wagen
Für unterdrückte Kirch, entzweigesprengte Kron
Und hochverführtes Volk. Ihr, die von eurem Thron
Mein Mordgerüst beschaut, schaut, wie die Macht verschwinde,
10Auf die ein König pocht; schaut, wie ich überwinde,
Indem mein Scepter bricht. Die Erden stinkt uns an,
Der Himmel ruft uns ein. Wer also scheiden kan,
Verhöhnt den blassen Tod und trotzt dem Zwang der Zeiten
Und muss der Grüfte Recht1 grossmüthig überschreiten,
15Indem ein Unterthan sein eigen Mordrecht spinnt
Und durch des Prinzen Fall unendlich Leid gewinnt,
Das häufig schon erwacht; wer nach uns hier wird leben,
Wird zwischen heisser Angst und Todesfurchten schweben,
Indem sich Land auf Land und Stadt auf Stadt verhetzt,
20Und Rathstuhl dem Altar und Tempel widersetzt,
Und dieser den verdruckt, der jenen aus wil heben,2
Und dem, der nach ihm schlägt, den letzten Hieb wil geben;
Biss der, der wider uns den grimmen Schluss aussprach,
Der unser Regiment mit frecher Faust zubrach,
25Gepresst durch heisse Reu wird diesen Tag verfluchen
Und meine Tropfen Blut auf seiner Seelen suchen;
Biss der, der sich erkühnt, mein sauber Herz zu schmähn,
Von Blut und Thränen nass sich nach uns um wird sehn.
Doch! wir bekränken3 diss und bitten: Herr, verschone,
30Lass nicht der Rache zu, dass sie dem Unrecht lohne,
Das über uns geblitzt! Ihr König schilt sie frei.4
Verstopf auch, Herr, dein Ohr vor ihrem Mordgeschrei.
Was sagt uns Thomlinson?
Thomlinson
Prinz Karl, die Blum der Helden,
Wil ihrer Majestät die treue Pflichtschuld melden
35Und schickt durch treue Leut’ aus Katten5 diss Papier!
Karl
Mein hochbetrübter Prinz, mein Sohn, wie fern von dir!
Wie fern, wie fern von dir!
Juxton
Der Höchste wird verbinden,
Was dieser Tag zureisst. Mein Fürst wird ewig finden,
Was Zeit und Unfall raubt.
Karl
Recht! Finden und in Gott
40Und durch Gott wiedersehn, die ein betrübter Bot
Mit keiner Antwortschrift mehr von uns wird erquicken.
Ich muss die Trauerpost an Freund und Kinder schicken,
Dass Karl itzund vergeh. Nein! Kan der untergehn,
Der zu der Krone geht? Der feste6 Karl wird stehn,
45Wenn nun sein Körper fällt; der Glanz der Eitelkeiten,
Der Erden leere Pracht, die strenge Noth der Zeiten
Und diss, was sterblich heisst, wird auf den Schauplatz7 gehn;
Was unser eigen ist, wird ewig mit uns stehn.
Was hält uns weiter auf? Geh, Thomlinson, und schicke
50Dem Prinzen seinen Brief so unversehrt zurücke,
Als ihn die Faust empfing. Wir gehn die letzte Bahn!
Unnöthig, dass ein Brief, durch schmerzenvollen Wahn,
Durch jammerreiche Wort und neue Seelenhiebe
Uns aus geschöpfter Ruh erweck’ und mehr betrübe.
Juxton
55Gott, in dem alles ruht, vermehre diese Ruh!
Karl
Er thuts und spricht dem Geist mit starkem Beistand zu.
Juxton
Sein Beistand stärkt in Angst ein unbefleckt Gewissen.
Karl
Das, der unschuldig litt, wusch durch sein Blutvergiessen.
Juxton
Der, was uns drückt, ertrug in letzter Sterbensnoth.
Karl
60Uns drückt, diss glaubt uns fest, nichts mehr als Straffords Tod.
Thomlinson
Die Richter haben ihm die Halsstraf auferleget.
Karl
Sein Unschuld hat den Blitz auf unser Haupt erreget.
Thomlinson
Der König gab den Mann durch Macht gezwungen hin.
Karl
Lernt nun, was dieser Zwang uns bringe vor Gewinn.
Thomlinson
65Der König must’ es thun, das tolle Volk zu stillen.
Karl
Recht so, seht wie das Volk dem König itzt zu Willen!
Thomlinson
Als Wentworth um den Tod den König selber bat.
Karl
Seht, was der König itzt dadurch erhalten hat!
Thomlinson
Man schloss für aller Heil auf eines Manns Verderben.
Karl
70Der8 dieses schloss, ist hin, und wer nicht hin, wird sterben.
Thomlinson
Dem Urtheil fielen bei der Staats- und Kirchenrath.
Karl
Verblümt es, wie ihr wollt, es war ein arge That.
Juxton
Der Höchste wird die That der langen Reu verzeihen.
Karl
Er wird von diesem Blut uns durch sein Blut befreien.
75Auf, Geist! Die Bluttrompet, der harten Drommel Klang,
Der Waffen Mordgeknirsch ruft zu dem letzten Gang.
1. Recht; in the sense of ‘limit of jurisdiction,’ ‘boundary.’
2. Ausheben = aus dem Sattel heben, stürzen.
3. Bekränken = beklagen.
4. Schilt . . . frei, ‘exonerates them.’
5. Katten = Holland.
6. Feste, ‘substantial,’ ‘real.’
7. Schauplatz = Richtplatz.
8. Der; the allusion is to John Pym, under whose leadership of the Commons the Earl of Strafford (Thomas Wentworth) was executed in 1641. Pym himself died in 1643.
2
From the fifth act of ‘Horribilicribrifax’: Terrific encounter of the two braggart captains Daradiridatumtarides and Horribilicribrifax.
|
Horrib. Und wenn du mir biss in den Himmel entwichest und schon auf dem lincken Fuss des grossen Bären sässest, so wolte ich dich doch mit dem rechten Spornleder erwischen und mit zweien Fingern in den Berg Ætna werfen. |
|
|
Daradir. Gardez-vous, follâtreau!9 Meinest du, dass ich vor dir gewichen? Und wenn du des grossen Carols Bruder, der grosse Roland selbst, und mehr Thaten verrichtet hättest als Scanderbek, ja in die Haut von Tamerlanes gekrochen werest, soltest du mir doch keine Furcht einjagen. |
9. Gardez-vous(-en), follâtreau (from folâtre) ‘take care, nincompoop.’ |
|
Horrib. Ich? Ich will dir keine Furcht einjagen, sondern dich in zwei und siebentzigmal hundert tausend Stücke zersplittern, dass du in einer See von deinem eigenen Blut ersticken sollest. Io ho vinto l’inferno e tutti i diavoli.10 Daradir. Ich will mehr Stücker von dir hauen, als Sternen itzund an dem Himmel stehen, und wil dich also tractiren, dass das Blut von dir fliessen sol, biss die oberste Spitze des Kirchthurms darinnen versunken. |
10. Io ho . . . diavoli, ‘I have vanquished hell and all the devils.’ |
|
Horrib. Per non lasciar piu altre passar questa superba arroganza,11 wil ich die ganze Belägerung von Troja mit dir spielen. Daradir. Und ich die Zerstörung von Constantinopel. |
11. Per . . . arroganza, ‘to prevent this arrogant conceit from going further.’ |
|
Horrib. Io spiro morte e furore,12 doch lasse ich dir noch so viel Zeit: befihle deine Seele Gott und bete ein Vaterunser! |
12. Io . . . furore, ‘I breathe death and fury.’ |
|
Daradir. Sprich einen englischen Gruss13 und hiermit stirb. Horrib. Du wirst zum wenigsten die reputation in deinem Tode haben, dass du von dessen unüberwindlichen Faust gestorben, der den König in Schweden niedergeschossen. Daradir. Tröste dich mit dem, dass du durch dessen Hand hingerichtet wirst, der dem Tilly und Pappenheim den Rest gegeben. Horrib. So hab ich mein Schwerd ausgezogen in der Schlacht vor Lützen. |
13. Sprich . . . Gruss, ‘pray an Angelus’ (angel’s greeting, Luke i, 28), i.e. ‘attend to your devotions.’ |
|
Daradir. Morbleu, me voila en colère! Mort de ma vie! je suis fâché par ma foi.14 So hab ich zur Wehre gegriffen in dem Treffen vor Nördlingen. Horrib. Eine solche Positur machte ich in der letzten Niederlage vor Leipzig. Daradir. So lief ich in den Wallgraben, als man Glogau hat einbekommen. |
14. Morbleu . . . foi, ‘Zounds! Behold me in a rage! Death and destruction! Faith, but I am angry.’ |
|
Horrib. Ha! ha! ist er nicht questo capitano,15 mit dem ich Kugeln wechselte bei der Gula? Daradir. O! Ist er nicht derjenige Signeur, mit dem ich Brüderschaft machte zu Schlichtigheim? |
15. Questo capitano, ‘that captain.’ |
|
Horrib. Ha! mon signeur, mon frère!16 Daradir. Ha! Fratello mio illustrissimo!17 Horrib. Behüte Gott, welch ein Unglück hätte bald geschehen sollen! |
16. Mon . . . frère, ‘my dear sir, my brother.’ 17. Fratello . . . illustrissimo, ‘most renowned brother.’ |
|
Daradir. Welch ein Blutvergiessen, massacre et strage,18 wenn wir einander nicht erkennet hätten! |
18. Massacre et strage, ‘slaughter and carnage.’ |
|
Horrib. Magnifici et cortesi heroi19 können leicht unwissend zusammen gerathen. |
19. Magnifici . . . heroi, ‘magnificent and gentlemanly heroes.’ |
|
Daradir. Les beaux esprits20 lernen einander durch dergleichen rencontre21 erkennen. [Dionysius22 tritt auf.] Dionys. Welche Bärenhäuter rasen hier für unsern Thüren? Wisset ihr Holunken nicht, dass man des Herren Statthalters Pallast anders zu respectiren pfleget? Trollet euch von hier, oder ich lege euch beiden einen frischen Prügel um die Ohren! |
20. Les beaux esprits, ‘fine spirits.’ 21. Rencontre, ‘meeting(s).’ 22. Dionysius is the servant of the governor, Cleander, before whose palace the captains have been brawling. |
|
Horrib. Io rimango petrificato dalla meraviglia.23 Sol Capitain Horribilicribrifax diss leiden? Daradir. Sol Capitain von Donnerkeil sich also despectiren lassen? |
23. Io . . . meraviglia, ‘I am petrified with amazement.’ |
|
Horrib. Io mi levo il pugnale dal lato,24 der Herr Bruder leide es nicht! |
24. Io . . . lato, ‘I take my sword from my side.’ |
|
Daradir. Me voila,25 der Herr Bruder greiffe zu der Wehre, ich folge. |
25. Me voila, ‘here I am.’ |
|
Horrib. Comminciate di gratia.26 Ich lasse dem Herren Bruder die Ehre des ersten Angriffs. |
26. Comminciate di gratia, ‘begin, please.’ |
|
Daradir. Mein Herr Bruder, ich verdiene die Ehre nicht, et gehe voran. C’est trop discourir. Commencez.27 |
27. C’est . . . commencez, ‘there’s too much talking; begin!’ |
|
Horrib. Ei, der Herr Bruder fahre fort, er lasse sich nicht auffhalten. La necessità vuole.28 Dionys. Heran, ihr Ertzberenhäuter, ich will euch die Haut sonder Seiffen und Balsam einschmieren. |
28. La . . . vuole, ‘necessity commands.’ |
|
Horrib. Ha! Patrone mio, questa supercheria è molta ingiusta.29 Daradir. O monsieur, bey dem Element, er sihet mich vor einen Unrechten an. |
29. Patrone . . . ingiusta, ‘my good sir, this violence is very unjust.’ |
|
Horrib. Ei, signore mio gratioso,30 ich bin Signor Horribilicribrifax. Dionys. (Nimmt beiden die Degen und schlägt sie darmit um die Köpfe.) Auffschneider, Lügner, Bärenhäuter, Bengel, Baurenschinder, Erznarren, Cujonen!31 |
30. Signore . . . gratioso, ‘my gracious sir.’ 31. Cujonen, ‘scallywags.’ |
|
Daradir. Ei, ei, monsieur, basta questo pour istesso,32 es ist genung, der Kopf blutet mir. Horrib. Ei, ei, signor, ich wuste nicht, dass der Statthalter hier wohnete. Dionys. Packet euch, oder ich will euch also zurichten, dass man euch mit Mistwagen sol von dem Platze führen. |
32. Basta . . . istesso, ‘enough of that.’ |
LIV. SIMON DACH
1605-1659. Dach was a Königsberg schoolmaster who won considerable repute as a writer of religious and occasional verse. He is the earliest Prussian poet of any importance. The second selection shows what he thought of Opitz. His Anke van Tharau, though a wedding-song written by request (like many of Dach’s productions), is so fresh and hearty that Herder gave it a place among his folksongs. The text follows Oesterley’s edition in Kürschner’s Nationalliteratur, Vol. 30.
1Abendlied.Der Tag hat auch sein Ende, Die Nacht ist wieder hier; Drum heb ich Herz und Hände, O Vater, auff zu dir 5Und dancke deiner Treu, Die mich gantz überschüttet, Und für der Tiranney Der Höllen mich behütet. Dein Wort hat auch daneben 10Mein kranckes Herz geheilt, Mir reichlich Trost und Leben In aller Noth ertheilt. Für solche Liebesthat Was soll ich dir erzeigen? 15Was Erd und Himmel hat, Das ist vorhin dein eigen. Mein Herz sey dir geschencket, Das richt, o Gott, dir zu, Dass, was es nur gedencket, 20Sey nichts, als einig du. Entzeuch es dieser Welt, Dass es aus diesen Tränen In deiner Freuden Feld Sich mög ohn Ablass sehnen. 25Und da ich heut verübet, Was gegen dein Geboth Und deinen Geist betrübet, Das sey vertilgt und todt Durch Christi theures Blut, 30Das mildiglich geflossen, Als er es, mir zu guth, Aus Liebe hat vergossen. Und weil ich jetzt sol schlafen, So lass mich sicher seyn 35Durch deiner Aufsicht Waffen, Schleuss deiner Huth mich ein! Des Teufels Mord und List, Der bösen Menschen Tücke Und was sonst schädlich ist, 40Treib, Herr, von mir zurücke! Lass mich kein böses Ende Betreten allermeist, Denn ich in deine Hände Befehle meinen Geist. 45Ich bin zu aller Zeit Dein Eigenthum und Erbe, Es sey lieb oder leid, Ich leb, Herr, oder sterbe. 2Opitz in Königsberg.1Ist es unsrer Seiten Werck’ Je einmahl so wol gelungen, Dass wir dir, o Königsbergk, Etwas Gutes vorgesungen, 5So vernimm auch diess dabey, Wer desselben Stiffter sey. Dieser Mann, durch welchen dir Jetzt die Ehre wiederfähret, Dass der Deutschen Preiss und Zier 10Sämptlich bey dir eingekehret, Opitz, den die gantze Welt Für der Deutschen Wunder hält. Ach, der Aussbund und Begriff Aller hohen Kunst und Gaben, 15Die der Alten Weissheit tieff Ihrem Ertz hat eingegraben, Und der lieben Vorfahrt2 Handt Uns so treulich zugesandt! Man erschricket, wenn er nun 20Seiner tieff-erforschten Sachen Abgrund anhebt auffzuthun, Und sein Geist beginnt zu wachen; Wer alsdan ihn los sieht gehn, Der sieht Welschlandt und Athen. 25Orpheus giebt schon besser Kauff,3 Hört er dieses Mannes Seiten, Unser Maro horchet auff, Sagt: Was sol mir das bedeuten? Wird der Weisen Lieder-Ruhm 30Nun der Deutschen Eigenthum? Ja, Herr Opitz, eurer Kunst Mages Deutschland einig dancken, Dass der fremden Sprachen Gunst Mercklich schon beginnt zu wancken, 35Und man nunmehr ins gemein Lieber deutsch begehrt zu sein. Wer hat eurer süssen Handt Diesen Nachdruck mitgegeben, Dass das gantze Norden-Landt, 40Wenn ihr schlagt, sich muss erheben, Und so mancher edler Geist Euch zu folgen sich befleist? Last den stoltzen Thracer-Fluss Nicht so trotzig sich ergiessen, 45Und den edlen Mincius Was bescheidentlicher fliessen: Eures Bobers kleine Fluth Nimmt doch allen nun den Muth. Wol euch, Herr! Was für ein Lohn 50Hat sich hie mit eingedinget, Dass von hie ab euer Ton Bis in jenes Leben dringet, Dessen Nachklangk aller Zeit Und Vergängnüss sich befreyt? 55Hie kunt’ eure Jugend zwar Schon den Lorbeer-Krantz erjagen, Aber dort wird euer Haar Erst der Ehren Krohne tragen, Die euch David gern gesteht, 60Weil ihr seinen Fusspfad geht. Doch wird auch des Pregels Randt, Weil er ist, von euch nicht schweigen; Was von uns hie wird bekant, Was wir singen oder geigen, 65Unser Nahme, Lust und Ruh’ Stehet euch, Herr Opitz, zu. |