Og, wo sholdestu mi dänne fokken,
Lete ik di los mid sodaneme lokken. —
Auch ziehen im Sinne von erziehen und aufziehen heißt focken; in Ostfriesland wird es sowohl vom Aufziehen eines Menschen als auch eines Tieres, also für erziehen und züchten, gebraucht; fokkere, Züchterei, Viehhof, fokker, Erzieher, Züchter; doch ist zu bemerken, daß das Wort focker im Sinne von reicher Mann, Geizhals nicht von unserem focken stammt, sondern eine niederdeutsche Form für den Familiennamen Fugger ist, die schon Kilian gebraucht hat für Alleinhändler, Monopolist, monopola, ja er sagt sogar „pantopola vulgo fuggerus‟; fokerye = monopolium. — Und damit ja keine Bedeutung von „ziehen‟ fehle, so heißt mittelniederdeutsch focken sogar „jemanden aufziehen‟ in der Bedeutung von foppen.
Föhrde, die, eine Bucht, Bai, ein Meerbusen. Eigentlich eine Furt (mundartlich Fahrt), Fahrstelle, Fahrweg, Einfahrt, Durchfahrt; sodann in Ostfriesland das Thor einer Einfahrt; Sprüchwort: „wen de forde krakd, is se nog net to, wen dat kalf blarrd is het nog gen ko.‟ Altfriesisch forda, daher der alte Name für Münster i. W.: Mimigardaforda; englisch ford, Furt; altnordisch fjördhr, schwedisch, dänisch fjord; althochdeutsch vurt. Kommt nicht etwa von porta, sondern von fahren, weil, wenn man aus der offenen See kommt, die Föhrde den verengerten Weg darstellt, auf dem man in den Hafen oder die Flußmündung hineinfährt.
Fracht, die.
1. Gebühr für Beförderung der Waren.
2. die Ladung eines Wagens oder Schiffes,
3. die Ware selbst
Die zuerst genannte Bedeutung ist die ursprüngliche. Man hat zur Erklärung an das niederländische Iterativum von fahren: verchen = führen, gedacht und dabei eine Metathesis angenommen; dem könnte das schweizerische fergen, anfahren anbringen, die im Hause gefertigte Ware in der Fabrik abliefern, entsprechen, das jedoch auch eine Zusammenziehung von fertigen sein könnte, wobei zu bemerken ist, daß auch dann der Ursprung das Zeitwort fahren wäre. (Fertig: bereit zum Fahren). Einleuchtender ist aber die Ableitung vom althochdeutschen frehton verdienen, freht Verdienst, Lohn; französisch fret, spanisch flete, portugiesisch frete, mittellateinisch fretta, schwedisch frakt, dänisch fragt; englisch freight. Möglicherweise steckt unser fragen in frehton, daß man also an das Fragen im Sinne von Fordern, Ausmachen oder Ausbedingen des Lohnes für die Beförderung von Ware zu denken hätte. Doch ist zu bedenken, daß 1673 in der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ Fracht gleichbedeutend mit Reise gebraucht ist.
Fregatte, jetzt ein großes, vollgetakeltes Kriegsschiff, dessen Gestalt und Größe sich aber bei dem Wechsel der Benennungen wie von Schiffen überhaupt, so besonders von Kriegsschiffen nicht genau angeben läßt. Bis vor Kurzem hießen in der deutschen Marine diejenigen Schiffe Fregatten, die vor zwanzig Jahren gedeckte Korvetten hießen und die man jetzt „Große Kreuzer‟ nennen könnte, wenn sie nicht Schulschiffe wären und hießen, „Stein‟, „Moltke‟, „Gneisenau‟ etc. etc., also Vollschiff mit Batteriedeck. Aber so wars nicht immer. Leonhard Frohnsperger in seinem „Kayserlichen Kriegßrecht‟, 1565, führt alle zehn Arten von Schiffen auf die damals zu einer Armada gehörten:
Zu besserem verstandt und gemeiner eynleitung wirdt solches hiemit ungefährlichen nachfolgender gelegenheit zu halten fürgenommen, demnach ein oberster Kriegßherr oder Potentat, stattliches oder geringes vermögen, darzu in die nehe oder weite, auch lang oder kurtz mit einer Armada zu verrücken, willens oder vorhabens ist, so wirt ein jedes Schiff, so zu der Wehr gericht, mit seim eigen und besonderen Schiffherren oder Hauptmann, sampt der notwendigen Personen zu jeder sachen tauglich, auff nachfolgender monier, art oder gattung, versehen, etc.
Erstlich erfordert ein Armada vor allem, zu dem wenigsten ein groß gewaltigs Lastschiff, in oder bey welchem sich der öberst sampt sein verordneten Kriegßrähten, meistes theils eigner Person pflegt zu erhalten, derwegen solches vor allem mit gutem Kriegßvolck, Geschütz, Munition und Profandt nach notturfft, auch zu der Gegenwehr mit widerstand versehen.
Zu dem andern, so folgen aller nechst bey solchem etliche grosse streit Schiff, welche gleicher gestalt in ziemlicher grösse, vor den Galeen zum Schiff streit, Sturm oder Schlachten, mit gutem Geschütz, Kriegßvolck, Munition und ander notturfft, so denn zu dem schertz gehört, oder der sachen gemäß und tauglich, auch nach notturfft versehen werden, etc.
Zu dem dritten, folgen auff solche der grossen Galeen oder Galleatzen, welche auch nicht minderer gestalt dann hie oben vernommen, zu der Wehr und streit mit gutem Geschütz und dero zugehör, nach dem besten mit aller notturfft versehen.
Zu dem vierdten, folgt weiter bey solchen der geschnebelten grossen Galleen, welche mit guter Ruder Ordnung so zu dem nachtrieb, angriff oder lauff, auch sonst mit aller notturfft seiner art, nach dem besten versehen.
Zu dem fünfften, so wirt auch neben oder bey solchen, der gar grossen und hohen Galeen geschiffet, aber doch nicht so groß als die streit Schiff, welche vor andern zu dem Sturm und streit dienstlichen angeführt, auch mit aller notturft demnach verordnet werden.
Zu dem sechsten, werden auch daneben andere grosse Schiff, welche etwan Mathonen[1] genannt, mit geschiffet, so auch gleicher gestalt zu dem Feind mit Geschütz, Wehr und streit allermassen versehen, zur neben Profandt und ander Kriegßrüstung, darinn und mit fort gebraucht mag werden.
[1] Wenn wirklich damals die Galeeren Mattonen hiessen, so hat sich doch diese Bezeichnung ziemlich bald darauf eingeschränkt auf einen Teil einer Galeere, und noch dazu einen gar nicht besonders wichtigen oder hervorragenden Teil. Im vorigen Jahrhundert hiess Mattone nur „ein Tau, das an einen am untersten Ende des Carro befindlichen Ring befestigt wird, und vermittelst welches man die Rahe nach hinten oder nach vorne zieht, wenn man das Segel wenden will‟. Natürlich handelt es sich um eine lateinische Rahe, deren unterer Teil eben Carro heisst.
Zu dem siebenden, werden nachfolgend grosse raub, jag und Rennschiff, auch zu gleich mit gutem leichtem Geschütz, und der Land oder Wasser art und gelegenheit erkündiget, mit Kriegßleuten wol besetzet, durch welche der Gegenteil oder Feind erstmals ersucht, zu Scharmützeln auß und an zu reitzen oder umbzuschweiffen, abgefertiget werden.
Zu dem achten, folgen auch einer Armada, groß, lang, tieff, weit Nachen, so aller massen und gestalt nach notturfft zum Streit, Krieg und Wehr, wie andere, mit geführt, und nach notturfft in widerstand gerüst und versehen werden.
Zu dem neundten, werden erklärter massen mittel und ander klein Nachen, welche auch etwan Rahaten genannt in ziemlicher anzal mit geführt, in welchen auch nicht minder allerley nottürfftige Kriegßrüstung, neben zu schiffen, mit verordnet und geführt werden.
Zu dem zehenden, werden ander art oder gattung aber noch kleiner Schiff, welche etwan Strazapinen auff Spannisch genannt unter solchem Zeug mit zu führen verordnet, darzu noch weiter ein ziemliche notturfft Zillen, Kannen oder Weidling,[2] auß oder in welchen von einem in das ander zu fahren oder kommen ist, solche werden aber doch fast neben andere so was groß, angehenckt, mit und fortgebracht, etc.
[2] Kommt, wie Zille, nur im oberdeutschen Sprachgebrauch für Boot vor; ob ursprünglich korbartig aus Weiden geflochten?
Zu oberzeltem schiffen werden noch mehr art oder Geschlecht vernommen, welches zu lang alles nach notturfft oder ein jedes insonderheit auszuführen ein überfluß, dieweil sonst ein jedes mit seinem eigen Namen, Fanen oder Panier, zu einem gemerck underschiedlichen verzeichnet, darmit eins vor oder gegen dem andern erkennt und gebraucht mag werden, zu dem so fehrt jede gattung nach der Armada gebrauch darzu, etwan mit aufrechtem oder außgesteckten Fendlein in ziemlicher weite von dem andern, doch in guter bequem und tauglicher Schiff und Zugordnung, welche der zal nach nicht wol müglichen underschiedlich zu erklären, dann ein Schiff etwan über drey, vier odert fünffhundert Personen, so hergegen ein schlechtes nit halb sovil, minder oder mehr, sampt anderer notturfft pflegt zu ertragen, etc.
Auffallenderweise ist hier nicht von Fregatten die Rede, wiewohl Frohnsperger doch sonst mit mittelländischen Seemannsausdrücken besser bekannt ist als mit niederdeutschen. Dagegen führt er unter den Schiffen die „auff der Donauw‟ fahren eine Fregaten auf, und zwar als „nit so vollkommenlich und starck als ein Bergantin oder ein Fusten‟, also nichts Hervorragendes. — Auch hundert Jahre später (1681) in den „Durchläuchtigsten Seehelden‟ bedeutet Fregatte noch nicht das große Kriegsschiff späterer Zeiten, sondern ungefähr das was wir heute einen Aviso nennen. Da lesen wir nämlich bei Gelegenheit der Beschreibung der Seeschlacht von Lepanto: „Und als sie nun die Standarte des Verbündnüsses, welche in der Mitten ein Creutz hatte, zum Zeichen des Streites aufgestecket, wolte er (nämlich der Oberbefehlshaber „Don Jan‟, Don Juan d'Austria) noch einmal in Person die ganze Flotte durchsehen, und nachdem er benebenst Louis de Cordona und Johann Sora, auf eine schnelle und leichte Fregatt sich begeben, gantz in weissen Waffen, und ein Christen-Bild in seiner linken Hand haltend, hat er aller Orten den Leuten einen tapffern Muth zugesprochen‟ ... Aubin (1702) unterscheidet: Frégate legére: „C'est un vaisseau de guerre, bon voilier, qui n'a qu'un pont: il est ordinairement monté depuis seize jusques à vingtcinq piéces de canon‟. Frégate d'avis: „C'est un petit vaisseau qui porte des paquets et des ordres à l'armée. On s'en sert aussi pour aller reconnoître les vaisseux‟ Frégaton: „Cest un bâtiment Vénitien commun sur le golphe Adriatique, coupé à coupe quarré et qui porte un artimon, un grand mât et un beaupré.‟ — Roeding (1794): „Ein dreymastiges Kriegsschiff, welches weniger als fünfzig Kanonen führt. Die Fregatten sind überhaupt scharf gebaut und zum Schnellsegeln eingerichtet. Sie müssen dabei insonderheit die Eigenschaft haben, gut beim Winde zu segeln, und auch bei schwerem Winde See halten zu können, weil sie hauptsächlich zum Kreuzen bey einer Flotte gebraucht werden, oder die Bewegung des Feindes auszukundschaften, Depeschen zu überbringen, Kauffahrer zu convoyieren und dergleichen mehr.‟ Also ganz Aviso. — Fregatte ist also in Bezug auf Gestalt, Bauart, Takelage u. s. w. eine nichtssagende Bezeichnung und heißt eigentlich weiter nichts als Schiff. Ein solches wird italienisch bastimento, etwas Gebautes, genannt. Mit demselben Rechte oder noch größerem kann man es etwas Gezimmertes nennen, und das tut Fregatte, denn es kommt von fabricor, zimmern; fabricata, zusammengezogen farcata, fracata, italienisch fregata, spanisch fragata, portugiesisch fragata, holländisch fregat, dänisch fregat, schwedisch fregatt, englisch frigate. — Aus der neuen Dienstgradbezeichnung der deutschen Marine, Fregattenkapitän, Oberstleutnantsrang, Mitte zwischen Korvettenkapitän und Kapitän zur See, kann man ungefähr erkennen, wie hoch eine Fregatte an maßgebender Stelle eingeschätzt wird: höher als eine Korvette und niedriger als ein (von einem Kapitän zur See geführtes) Linienschiff.
Freibord, der. Der über Wasser gelegene Teil eines Schiffes, der demselben die nötige Sicherheit bietet, weil er die Reserveschwimmkraft darstellt. Je freier, d. h. je höher der Bord sich über das Wasser erhebt, ein je größerer Teil des Schiffes sich also über Wasser befindet, eine desto größere Schwimmsicherheit ist vorhanden. Es ist klar wie wichtig es, namentlich für die offene, sturmbewegte See, sein muß, das richtige Verhältnis des Freibords zum eingetauchten Teil des Schiffes, d. h. die richtige Ladelinie, zu finden, damit das Schiff seine volle Ladung nehmen kann und doch nicht überladen wird. Man hat verschiedene Methoden der Berechnung angewandt, Ratschläge erteilt, die Sache wissenschaftlich erforscht, Verordnungen erlassen, Gesetze gegeben, in Deutschland, dem Lande der Gesetze, besteht jedoch noch kein staatliches, kein Reichstiefladeliniengesetz, auch kein Tiefladelinienzwang; nur ein freiwilliger Versuch ist 1900 unter Kaiserlicher Belobigung gemacht worden.
Freiwache, s. Wache.
Frischwachs, das, spielen ist eines der beliebtesten Seemannsspiele, aber etwas derb. Der Name ist ebenso sonderbar wie das, übrigens schon vor mehr als 200 Jahren von uns aus zu den Franzosen übergegangene, Spiel. Es besteht darin, daß einer stehend sich mit dem Kopf in den Schooß eines ihm gegenüber Sitzenden neigt und so sich „die Hosen spannt‟. Dann hauen die Umstehenden mit der flachen Hand ihn kräftig, manchmal recht kräftig auf den Hinteren, und er soll nach dem Gefühl erraten, wer ihn geschlagen hat. Gelingt es ihm, so muß der Erratene seine Stelle einnehmen; gelingt es — wie meistens — nicht, oder doch nicht auf den ersten Schlag, so geht das Spiel weiter und es wachsen die Schläge frisch, d. h. immer wieder aufs Neue, wie jedes Jahr der Kohl wieder frisch wächst.
Frischwasser, das, heißt jedes auch noch so alte „Süßwasser‟ im Gegensatz zu Salz-, See- oder Brackwasser. Die Frischwasserfrage ist seit Erfindung der Destillierapparate nicht mehr so brennend wie früher, wo sie eine Lebensfrage war für seegehende Schiffe und belagerte Festungen. Man hat daher lange über die Frage der Herstellung von Süßwasser aus Salzwasser nachgedacht, Prämien ausgeschrieben und viele vergebliche Versuche angestellt, bis unsere Zeit die verhältnismäßig so einfache Sache zu Stande brachte, die übrigens schon einmal der Lösung nahe gewesen zu sein scheint. Bei der Belagerung der Festung auf Gerbi durch die Türken 1560 entstand unter den Belagerten eine große Not, „indem der Mangel an Wasser in der Festung je länger je grösser ward, woraus erfolgete, daß sie erst das Meel mit See-Wasser kneten und backen, wie auch die Speise kochen mußten, die doch ohne dieses, damit sie desto länger sollte wehren, an sich selbst gesaltzen genug war. Welches alles, nebenst der beharrlichen Arbeit und grosser Hitze, den Durst noch grösser machte. Diesen gewaltigen Durst, entweder zu entgehen, oder zu mindern, durfften die armen Leute nicht wohl genug essen, wodurch sie so verschmachteten, daß sie sich selber schwerlich auf den Beinen halten, ich geschweige denn, die Arbeit und den Streit ausstehn konnten, und warlich dieses machte sie verzweifelt, daß sie lieber wünschten zu sterben, als zu leben, und die noch das Leben etlichermaßen lieben konnten, erwehleten etwas anders, das noch schlimmer war, als der Tod, und gaben sich selber in der Türken Hände, für denen sie doch von Natur ein Schrecken hatten, und verkauften ihre theure und köstliche Freiheit für einen schlechten Bauch voll Wassers. Alles Gold und Silber, das da vorhanden seyn mochte, verlor seinen Preiß und Werth, angesehn ein groß Stück Geldes nicht genug war ein klein Faß voll Wasser zu bezahlen. Derjenige, welcher alles genau aufgezeichnet hat, was in diesem Jammerstande fürgefallen, erzehlet, daß einer ist gefunden worden, der alle seine Güter, die viel tausend Ducaten werth waren, abstehen wolte, an dem, der ihm die gantze Zeit über, dieser äussersten Noth, mit Wasser unterhalten und versorgen würde.
Ein Sicilian Sebastian de Pollere genandt, schlug vor, mit distilliren und überziehen eine gute Menge Wasser zu verschaffen, für welche Erfindung ihm Don Alvaro eine große Verehrung versprochen. Also ließ er durch die Teutschen, so allda waren, achtzehn-Brenn-Zeuge verfertigen, weil man nicht Materie, mehr dergleichen zu machen, bey der Hand hatte, und also grieff man zum Werk, aber was man immer brennete, so konte man doch des Tages nicht mehr, als fünff und dreissig Barilen, oder kleine Väßlein, und bißweilen nicht mehr als fünff und zwantzig überziehen, welches ein kleiner Vorrat für so viel Volcks war. Dieses überdistillierte Wasser ward so süsse befunden, daß wenn es mit Wasser aus den Zieh-Brunnen vermenget ward, wie saltzig dasselbe auch war, dennoch keinen unangenehmen Schmack gab. Der General Alvaro machte demnach eine Vermischung auf diese Weise: Er nahm fünfftzig Väßgen Zieh-Brunnen-Wasser, vierund zwantzig von dem distillirten Wasser und hundert von dem Wasser aus Cisternen, und wenn er das also zusammen gemenget, gab er davon zwey Saltzierlein des Tages für einen jeden Soldaten, der in dem Gewehr, und eines für denjenigen, so nicht bewehret war.‟
Fuke, die, beschreibt Doornkaat, Ostfr. Wörterbuch I 567 als ein „Stellnetz mit weit aufgesperrten Seitenflügeln, was sich nach innen zu immer mehr verengt und hinten eine kleine Öffnung zum Durchschlüpfen der Fische hat, vor welchem wieder ein zweites kleines Netz (Kikebus) vorgebunden wird, um solches abbinden und die gefangenen Fische mit Leichtigkeit herausnehmen zu können. Fig. Enge, Klemme, Bedrängnis.‟ Es gibt auch noch ein friesisches Wort fak = Fischbehälter, Umzäunung im Wasser für den Fischfang; beide kommen offenbar — verwandt mit pangere von einer Wurzel pak in der Bedeutung fassen, greifen halten, umfassen, umschließen.
Gaan achter! und gaan vor! sind Kommandos beim Wenden, auf Handelsschiffen öfters gehört. Auf Kriegsschiffen wird: „Rund achtern‟, „Rund vorn!‟ kommandiert, was deutlicher und zutreffender ist, denn auf dieses Kommando hin sollen sich doch die Segel, bezw. Rahen von dem einen Bord nach dem andern drehen und das können sie nicht ohne daß man an das Rundgehen eines Karrussels erinnert wird. Gaan ist die niederdeutsche Form für gehen, gemeint ist rund gehen.
Gaffel, die. Wenn man in deutschen Wörterbüchern liest: „Gaffel, eine Art Rahe‟, so ist damit wenig genug gesagt, und das Wenige ist nicht einmal richtig. Denn die Segel an Bord werden ja in Rahsegel und Gaffelsegel grade mit Rücksicht darauf unterschieden und auseinandergehalten, ob sie an einer Rahe, ob sie an einer Gaffel befestigt sind. Wenn nicht gesegelt wird so steht die Rahe quer zur Längsachse des Schiffes, die Gaffel aber liegt mit ihr in einer Linie. Gaffel bedeutet Gabel, wegen der gabelförmigen Gestalt in der sie sich an den (Schnau-) Mast anschließt, ihn gaffel-, gabelartig umfassend. Wegen der Ableitung kommt das althochdeutsche gibil = Giebel in Betracht, (gothisch gibla, altnordisch gafl, Giebel in gabelförmiger Gestalt, so daß die beiden Giebelbalken, am Dachfirst übereinander ragend, sich kreuzend, eine Gabel bilden, Edda: gafl, gabelförmige Giebelwand), verwandt mit gebal, Schädel, und also mit dem griechischen kefale, Kopf, von indogermanischer Grundform ghebhala. Den Giebel kann man sich sehr wohl als den Kopf, das Haupt des Hauses vorstellen. Von der (gabelförmigen) Gestalt desselben hat sich dann erst die Bedeutung Gabel entwickelt, aber bereits im Althochdeutschen, gabala, mittelhochdeutsch gabile. Man hat zwar behauptet, Gabel komme von geben, aber dann müßte man an eine Heu- oder Mistgabel denken, denn Eßgabeln sind eine sehr junge Erfindung; es sind noch keine 200 Jahre her, daß ein Altenaer Drahtzieher sich über solch ein Ding als etwas ihm Unbekanntes wunderte, und ein Meierin in der Grafschaft Limburg ihre Leute aufforderte: „Kinner, wasket iuk de finger, vi hett silad.‟ Von der Ähnlichkeit mit Giebel käme dann weiter gapan = gaffen, klaffen, gähnen, den Mund weit aufmachen; ginundagap = Chaos, Urzustand der Erde in der germanischen Mythologie. Französisch gable = Giebel. Dietz sagt, das erinnere an das altlateinische gabalus = Kreuz; „da indessen das Wort in den übrigen romanischen Mundarten fehlt, so wird es ratsamer sein, es auf das althochdeutsche gabala, Gabel, als seine nächste Quelle zurückzuleiten.‟ Nach Grimm, Deutsche Sagen, I. 7. wäre der Name des gothischen Stammes der Gepiden mit Gaffel verwandt. Er erzählt nach Jornandes, die Gothen wären anfangs aus Scanzien unter Berich blos mit dreien Schiffen ausgefahren. „Von diesen Schiffen fuhr eins langsamer wie die andern, darum wurde es Gepanta (das gaffende) geheißen und davon bekam der Stamm den Unnamen der Gepiden.‟ „Die gewöhnliche Ableitung von beiten (goth. beidan) warten ist unzulässig, die hier gegebene von Gapan, Gepan, unserm Gaffen, dagegen natürlich; das Wort bedeutet: das Maul aufsperren, stutzen, gähnen, und hat gleich dem lat. hiare den Nebensinn von harren, faul und unentschlossen sein.‟
Gaffelgeer, s. Geer.
Gaffelklau, s. Klau.
Gala, die. Die Uniform der Seeoffiziere bei besonders feierlichen Gelegenheiten. Aus dem Arabischen. Es gibt zwar ein althochdeutsches Wort geili, Üppigkeit, Stolz, Prunk, und das würde der Bedeutung nach das Etymon sein können; auch könnte man an das althochdeutsche galan denken, welches singen, (daher Nachtigal), fröhlich sein, Feste feiern bedeutet, so daß Gala also ein Festgewand wäre. Das ist es auch, aber der deutsche Sprachgebrauch bietet, so viel ich sehen kann, keinen Anknüpfungspunkt, während im Spanischen gala schon früh Feierkleid, Anstand, Anmut heißt. Da liegt der Gedanke an das arabische chalach, Ehrenkleid als fürstliches Geschenk, so nahe, daß wir ihn nicht abweisen dürfen, wenn uns einer mit dem griechischen kalos, schön, oder agallein schmücken, dazwischen kommen möchte.
Galeere, Galei, Galeide, Galee, Galé, Galea, Galia, Galine, Galeasse, Galeone, Galeote, Galiote, Galeazza, Galerate, Galione, Galizabra, Galeota u. s. w. sind verschiedene Formen eines Schiffsnamens dessen einfachste Gestalt Galee ist. Bei allen landesüblichen Verschiedenheiten ist doch bis in die neuere Zeit dies festgehalten worden: es handelt sich um ein schmales Schiff das gerudert wird, oder, wenn es für gewöhnlich auch segelt, doch in gewissen Fällen gerudert werden kann. Hier eine lateinische Beschreibung aus Venedig aus dem Jahre 1501: „Galeacearum quamlibet cuparum quingentarum sub tegmine: in detecto autem totidem pondus deportare, inquiunt. Cupas (Tonnen) vero singulas ponderis mille librarum computant ... Galeacearum quaelibet ducentorum fere hominum ministerio, stipendio conductorum indigere videtur. Ad remorum, ac velorum administrationem, centum quinquaginta addicuntur, tot enim remos quaelibet ipsarum (quamvis ob Navigii magnitudinem remis parum utantur) affert. Nam solo tempore malaciarum, ut proximum aliquem portum ingrediantur, et exeant, aut se in aliquam partem mutent, et convolvant, remis agitur.‟ Und eine niederdeutsche (Rostock 1519): „So we avervaret mit einer Galleiden, dat is ein lankhaftich schip, unde geit van dem einen over bet to dem anderen jo bilank dem overe unde holt alle nacht to lande, unde heft sostich banke in beiden halven, unde to jewelker bank horen dre man mit roderen unde en schutte, unde nemet alle dage versche spise unde kost, des men in den koggen nicht hebben mach.‟ — Zur Erklärung hat man auch hier gemeint, das Arabische heranziehen zu sollen und an châlia, junges Kamel, dann kleines Schiff gedacht. Und wer wüßte nicht, daß umgekehrt das Kamel oft genug „das Schiff der Wüste‟ genannt worden ist. Aber wir haben eine nähere, bessere Erklärung: das griechische galeos, Haifisch, oder galeotes, Schwertfisch. Namentlich die Gestalt des letzteren dürfte bei der Benennung den Ausschlag gegeben haben, war auch besonders passend wegen des „Rammsporns‟ von dem wir in einer alten Beschreibung der Galea lesen: „lignum a prora praefixum habet et vulgo calcar dicitur, quo rates hostium transfiguntur percussae.‟ Althochdeutsch galie, galine = Galeere, langes Ruderschiff, davon galiner, Schiffer auf einer galine, und galinhus, Schiffshaus, Arsenal. Mittelhochdeutsch hieß galiot Seeräuber, Schiffer, Fährmann, eigentlich Galeerensklave. Gerade durch die armen an die Ruderbank Jahre lang Tag und Nacht angeschmiedeten Gefangenen ist das Wort Galeere ja zu weiterer Verbreitung gelangt als andere mittelalterliche Schiffsausdrücke. — Für unsere heimische Seefahrt kommen jetzt nur noch (Galeassen) Galjassen (s. Fastgaljaß) und Galioten in Betracht. Letztere, Wangerooge sagt galjot, haben zwei Masten und ein rundes Heck, wodurch sie sich von den Galjassen mit plattem Heck unterscheiden.
Galion, Gallion, das, ist ein Vorbau vor dem Vorsteven. Noch vor Kurzem, ehe der Eisenschiffbau alle alten Formen über den Haufen warf, ragte das Gallion mehr oder weniger weit nach vorn in mehr oder weniger schön geschwungener Form, so daß von dem Verlauf seiner Linien viel von der Schönheit eines Schiffes abhing. Es war aber eigentlich eine unnütze Beschwerung des Vorschiffes und beförderte die Kielgebrechlichkeit. Bald wird von dem ehemaligen Bau nur noch zweierlei übrig sein.
1. Das Gallion im Sinne von Abtritt. Wo das Gallion überragte eignete es sich hierzu besonders gut, namentlich wenn eine Mamierung als Leitungsröhre untergenagelt war. Der Mann der die Sitze und Grätings reinhält führt den Titel Gallionsinspektor. Jetzt ist es dem Gallion gegangen wie der Kombüse. Es ist an irgend einen passenden Ort im Schiffe verlegt worden, aber der Name ist geblieben.
2. Das Gallionsbild, eine Figur in der die Linien des Gallions bezw. des Buges auslaufen oder mit der dieser Teil des Schiffes geschmückt ist. Der Schmuck muß in Beziehung zum Namen des Schiffes stehen. Trägt es den Namen eines Menschen, so ist dessen Büste üblich; eines Tieres, so wird das ganze Tier in Holz nachgebildet. Bei anderen Namen hilft man sich mit Wappen, Emblemen, Allegorien, Idealfiguren u. s. w. In den Niederlanden wurde als Gallionsbild lange Zeit ausschließlich der niederländische Löwe verwandt, so daß „der Löwe‟ gleichbedeutend mit Gallionsbild war. —
Der Name „Galion‟ bezeichnete Jahrhunderte hindurch namentlich in Spanien und Portugal, schwere dreimastige Kriegsschiffe, s. Galeere. Es kam vor, daß Galionen einen Vorbau hatten von mehr als dem zehnten Teil ihrer ganzen Länge. Als nun der Name als Bezeichnung einer Schiffsgattung außer Gebrauch kam, ist er wenigstens in eingeschränkter Bedeutung als Bezeichnung des vordersten Teiles, des Teiles der für jene Schiffe besonders bezeichnend war, geblieben. Und zwar ging das so zu, daß längere Zeit hindurch Galion beides hieß: Schiff und Vorbau; Kilian: galeon navis major und rostrum navis. — Die Edda, die ein Gallion nicht kennt, kennt aber ein geschnitztes Bild am Vorsteven, das offenbar das Bild eines menschlichen Gesichtes vorstellen sollte, denn es hieß grima, die Maske. Wenn sie daher den vordersten Teil des Schiffes hofud, Haupt, nennt, so ist das nicht bloß dichterisch zu verstehen, sondern wir haben dabei an ein wirkliches, am Vorsteven angebrachtes Gallionsbild in Gestalt eines menschlichen Hauptes zu denken. — Bei den Alten nannte man zwei starke mit eisernen Spitzen versehene Balken am Vorderteil der Kriegsschiffe rostra, Schnäbel; griechisch embola. Mit denselben suchte man die feindlichen Schiffe zu rammen. Die den Antiaten abgenommenen Rostra wurden als Siegestrophäen auf dem Forum aufbewahrt, woher dann die Rednerbühne und der sie umgebende Raum den Namen rostra führte. Bekannt ist die columna rostrata des Duilius.
Garn, das, ein dünnes Gespinst aus Hanf, einfach, doppelt, drei- und mehrfach zusammengedreht. Das dünnste ist das Nähgarn, zweidrähtig zum Nähen der Segel. Dann kommt das Segelgarn, dann das Kabelgarn, das zu allen Arten von Tauwerk zusammengeschlagen wird; Schiemannsgarn s. Schiemann, Stoßgarn, Liengarn, Trensgarn u. s. w. Gewisse Arten, z. B. Schiemannsgarn, wurden früher an Bord selbst gesponnen und mit einer Mühle, Woid genannt, gedreht. Daher bildlich „ein Garn spinnen‟ = eine Geschichte erzählen indem man sehr ausführlich wird und die Sache in die Länge zieht.
Gangspill s. Spill.
Garnat s. Stagtalje. Nicht zu verwechseln mit dem kleinen wohlschmeckenden Seekrustentier, das in Holland Garneele und Graneele, in Ostfriesland Garnat und Granat heißt. Letzteres ist offenbar die ursprüngliche Bezeichnung wegen der beiden eigentümlichen und sehr auffälligen Fühlhörner die ganz wie Gerstengrannen aussehen.
Gat, das, oft in der Verkleinerungsform Gatje oder Gatchen, heißt eigentlich nichts anderes als Loch, sei es für sich allein, sei es in Verbindungen wie Hellegat, Speigat, Soldatengat. Die Grundbedeutung ist: Öffnung durch die man oder etwas hindurchgehen kann, von der Wurzel ga = gehen. Gothisch gatoo, althochdeutsch gaza, Gasse; altnordisch gata, Pfad, schmaler Gang. Beówulf geat = Öffnung, Tor, durch das gegangen wird; Edda: gatt, Eingang, Tür (Gatter). Teuthonista: gat = hol, lock. Bei Kilianus hat gat schon die Bedeutung, die im Mittelniederdeutschen weit verbreitet war (und es in Holland heute noch ist: foramen podicis, so daß dorten sogar der sogen. cul de Paris „het gatje‟ hieß:) „Unde hadde one yn deme water ghehat, mit beyden benen wente an dat gath.‟ „Unser vyande stryt is dat, dat se uns vleigen in dat gat.‟ „So prechtig seten er de Kleder up er gat.‟ — Überhaupt heißt wie das Hinterteil eines jeden Dinges, so auch besonders des Schiffes Gat. Ein rundgattet Schiff ist ein Schiff mit rundem, gerundetem Heck, im Gegensatz zu einem plattgatteten. — Gat wird auch topographisch gebraucht für eine enge Durchfahrt, z. B. Kattegat (Katzengat), Schottegat auf Curaçao: Waghenaer, 1588, schreibt: „Van Garmsey tot Jarsey S. O. ontrent vyf mylen, al waer mede goede Rede is: van Jarsey tot S. Malo ontrent Zuyden ist acht mylen ende is een tye hauen daer Clippen voor 'tgat liggen.‟
Garnierung s. Wägerung.
Gast, der. Dieses Wort wird in besonderem seemännischem Sinne gebraucht um einen Mann (Matrosen etc. etc.) zu bezeichnen der vorübergehend irgendwo einen Posten auszufüllen hat, z. B. Oberbramsegelsgast, Rudergast, Bootsgast. Aber auch (eigentlich fälschlich, da Gast doch nur einen irgendwo vorübergehend sich Aufhaltenden bedeutet) zur Bezeichnung einer dauernden Verwendung, wie Steuermannsgast; ja sogar eines Lebensberufes: Zimmermanns-, Bäckers-, Malers- etc. etc. Gast. Mehrzahl sonst meist Gasten, jetzt mehr Gäste, da das Hochdeutsche über das Niederdeutsche die Oberhand gewinnt. Sowohl unserem Gast als dem lateinischen hostis liegt die westindogermanische Form ghostis = Fremdling zu Grunde, (dessen Wurzel ghas = essen sein soll, so daß ein Gast also zuerst als Esser erscheint). „Beachtenswert ist‟ sagt Kluge treffend, „nach wie verschiedenen Seiten Germanen und Römer das alt ererbte Wort für „Fremdling‟ begrifflich umgebildet haben: dem Römer wird der Fremdling zum Feind, bei den Germanen genießt er die größten Vorrechte.‟ — In Holland und Ostfriesland heißen die Armenhäuser Gasthäuser, entsprechend den hochdeutschen Elendenherbergen, Unterkunftsstätten für Fremde.
Gebeling, die, (auch wohl Gobelung) ist eine im Laderaum angebrachte Bretterwand, die in der Kielrichtung läuft und verhüten soll, daß die Ladung übergeht, d. h. beim Schlingern von der einen auf die andere Seite geschleudert wird. An das niederdeutsche Zeitwort kippen, das allerdings sich auf die Seite legen, stürzen, fallen, rücken, hin- und herbewegen, stoßen, schlagen, umschlagen bedeutet, ist nicht zu denken, schon darum nicht, weil diese Wand gerade das Umschlagen der Ladung verhindern soll. Offenbar ist Gebeling eine niederdeutsche Weiterbildung von Giebel, ostfriesisch gäfel, sonst niederdeutsch und niederländisch gevel. Denn dieses gevel heißt nicht nur Giebel, sondern auch — ebenso wie Giebel auch — Giebelwand, und hieraus konnte sich leicht der allgemeine Begriff Wand entwickeln. Vergleiche altnordisch gafl, Giebel, Endwand eines Hauses; norwegisch gavl, Endbrett, Querbrett. — Durch die niederländische Form geveling, die dänische geveling oder die schwedische gafling hat sich Roeding verleiten lassen, anstatt Gebeling Geweling zu schreiben, wozu im Deutschen kein Grund vorhanden ist.
Geck, der.
1. Die Gabelstange einer Pumpe, in der der Geckstock, der Pumpenschwengel, sich dreht.
2. Eine Rauchhaube, ein drehbarer Schornsteinaufsatz. —
Da das Wort auch sonst im Niederdeutschen ein (drehbares) Gelenk bedeutet, so ist anzunehmen, daß der Begriff des Drehens, des Drehbaren in diesen Wörtern steckt. Vielleicht gehört auch Geck = Narr dazu, weil ein solcher als ein lustig tanzender, springender, sich drehender Mensch gedacht werden kann. S. auch Giek und Gig.
Geer, die, auch die Geerde genannt, von welchem Worte Geer nur eine verkürzte Form ist; meist, weil sie paarweise auftreten, in der Mehrzahl die Geeren, und weil sie zur Gaffel gehören, Gaffelgeeren genannt; niederländisch geerden, dänisch gerderne, schwedisch garder. Es sind die beiden Halttaue die die Gaffel von Steuerbord und von Backbord festhalten; wenn das Gaffelsegel nicht steht, halten die Geeren die Gaffel zu gleichen Teilen mittschiffs; steht es, so hält nur die Luvgeer. Aber allemal ist das Halten der Gaffel die Hauptsache, und wir haben hier die seltene Erscheinung, daß auch einmal ein französisches Wort das einen Teil der Takelage bezeichnet, aus Frankreich nach den Niederlanden und nach Niederdeutschland seinen Weg genommen hat. „On appelle Gardes ou Palans de Gardes (Vangs), les deux palans qui servent à maintenir la corne d'artimon, et qui, à cet effet, sont frappés à son estrémité et agissent de chaque côté du couronnement où ils sont accrochés, chacun, à un piton; ce sont, en quelque sorte, les bras de la corne.‟ (Bonnefoux et Paris, Dictionnaire de Marine). Maintenir ist die Aufgabe der Geeren und das wird durch garder ausgedrückt; davon garde; davon Geerd; davon Geer. Indessen haben die Franzosen, als sie uns das Wort gaben, nur eine alte Schuld zurückgezahlt, denn garder ist unser altes, gutes, deutsches warten = hüten, schützen, wahren, bewahren, halten. Die Rückzahlung scheint aber spät erfolgt zu sein, da 1702 garde in diesem Sinne (Aubin), wie es scheint, selbst in Frankreich noch nicht bekannt war.
Gefechtsmars, der.
Gefechtsmast, der, beides Errungenschaften des modernen Kriegsschiffsbaues, der nur noch auf den Dampf als Fortbewegungsmittel denkt. Gesegelt wird nicht mehr oder doch kaum mehr. So braucht man auch keine Masten und Rahen zum Segeln mehr, und keine Marsen von denen aus die oberen Segel bedient werden. Aber die Marsen der alten Kriegsschiffe hatten nicht nur ihren eigentlichen, seemännischen, sondern auch einen kriegerischen Zweck, sie wurden im Gefecht als Station für die Scharfschützen gebraucht. Und diesem Zweck zu Liebe hat man dem Mars nicht ganz den Garaus gemacht. Man macht zum Hauptzweck was früher Nebenzweck war und baut einen Gefechtsmars. Da ein Mars aber ohne Mast nicht möglich ist, so baut man auch einen Gefechtsmast. Es ist vom Alten jedoch nur der alte Name geblieben.
Gehr, die, auch die Gehrung, nennt man das spitze, schmale, dreieckige Zulaufen der Ecken eines Segels, „auf Gehrung schneiden‟ heißt ein Segel spitz zuschneiden. Zu vergleichen ist das ostfriesische gären, niederländisch geeren, schräg oder spitz zulaufen oder auslaufen, einen Winkel oder ein Dreieck bilden. Mit dem uralten Worte Geer das einem am Niederrhein siegreich vordringenden Heerhaufen deutscher Krieger den Namen Germanen eingetragen hat, hat unser Wort nur auf ziemlichem Umwege etwas zu tun. Zuerst kommt vielmehr (Graff, althochdeutscher Sprachschatz) gero in Betracht, nordisch geiri, friesisch gara-segmentum panni figura triqueta; altfriesisch gara, Schooß: Teuthonista ghere = Zipfel, Schooß; Kilian gheere = sinus, limbus; heute noch in hochdeutschen Mundarten Gehre = Schoß; niederdeutsch gäre und gere = Keil, Zipfel, Rockschooß, längliches dreieckiges Stück Land. Den Ausschlag bei der Benennung hat also die Form dieses Teils vom Segel gegeben, die figura triqueta. Aber auch der Ger der Germanen lief spitz zu, und ist darum sicher ein Vetter dieser Gehr. — Nicht nur in der Segelmacherwerkstatt, sondern auch beim Tischlerhandwerk ist das Wort Gehrung im Gebrauch und bedeutet hier das spitze Zulaufen zweier Hölzer die unter irgend einem Winkel zusammenstoßen sollen; der angewandte Schnitt heißt Gehrungsschnitt. Sollen z. B. zwei Leisten unter einem rechten Winkel zusammenstoßen, so wird bei jedem ein Gehrungsschnitt von 45° gemacht.
Geien nennt man die Tätigkeit die mittels der Geitaue (s. aufgeien) ausgeübt wird, wenn man stehende Segel die geborgen werden sollen hochzieht, zusammenfaßt und durch die Gei- (und andere, siehe Nock- und Bukgordings) Taue so zusammengefaltet hält, daß sie von den auf den Rahen ausliegenden Matrosen mit den Händen gerafft und festgemacht werden können. Der Sinn und Begriff des Zeitwortes geien ist durch das, wie es scheint von Bobrik verschuldete, Hineinspielen von Geik, Geichel, Geiktau getrübt worden. Geiktau und Geitau sind aber durchaus verschiedene Wörter, wenn auch das Geiktau bei einem Gieksegel die Stelle eines Geitaus vertreten kann und wenn auch Breusing gemeint hat, man müsse wegen des schwedischen giga unser geien geihen schreiben, da doch das Schwedische auch von Geiktau beeinflußt sein kann. — Unser geien müßte vielmehr eigentlich gaien geschrieben werden, wie es auch meistens gesprochen wird. Nun gibt es ein niederdeutsches Zeitwort gaden das sich zusammenfügen, zusammenkommen, vereinigen, verbinden, aneinanderschließen bedeutet. Und davon gab es schon bei Kilianus eine Form gayen, die unserem geien sehr nahe kommt, wie denn auch heute noch das Niederdeutsche gerne zwischen zwei Vokalen das d ausfallen und mit einem i- y- oder j-artigen Laut klingen läßt, vergl. das niederländische muijen das aus muiden entstanden ist oder unser rojen = rudern (mittelniederdeutsch roeden und roeijen) und das ostfriesische rojen = roden, moje = müde etc. etc. Der Form nach würde also der Ableitung geien-gaien-gaden nichts im Wege stehen und die Bedeutung steht ihr erst recht nicht entgegen. — Die Ableitung von Geiktau, Geichel etc. etc. s. unter Giek.
Gemallte Tiefe s. abmallen.
Genickstag s. Stag.
Geschwader, das. Ein Kommandoverband von mehreren Kriegsschiffen unter einem Admiral. Die älteste niederdeutsche Form in der mir das Wort begegnet ist, ist geswad in Renner, Livl. Hist.: „He belegerde Revel mit 25000 Russen, 4 geswade haveluiden‟ ... „mit 22 fenlin landsknechten und elven geswader haveluiden.‟ Diese haveluiden waren wohl Hofbesitzer und es dürften daher unter diesen Geschwadern Reiter-Verbände zu verstehen sein, so dass also am Lande sich frühzeitig die gegenwärtige Bedeutung Schwadron herausgebildet hat. — Zunächst bedeutet es aber nur ein Viereck von Soldaten, denn es stammt von quatuor ab. Zu vergleichen ist das italienische, spanische, portugiesische quadro = Viereck, Rahmen, Gemälde, französisch cadre, Rahmen (auch im militärischen Sinne); dann weiter: italienisch squadra — vielleicht aus exquatra — , spanisch esquadra, französisch equerre, Winkelmass, Viereck von Leuten, Rotte; endlich: spanisch esquadron, französisch escadron, Heeresabteilung. Kilianus hat squadron = agmen quadratus, das Wort ist demnach wohl unter Karl V nach Deutschland gekommen. Die einfachste deutsche Form ist Schwadron; Geschwader ist durch Hinzufügung der Vorsilbe ge und dadurch bedingte Abschwächung der Endung entstanden. Das Präfix ge findet sich oft, man denke an Ge-fahr, Ge-spann, Ge-nade, Ge-laube, Glück = Gelück. — Erst spät ist das Wort in seemännischen Gebrauch genommen worden; bei Roeding 1794 begegnete es mir zum ersten Male; sonst sagte man immer Flotte.
Gestade, das, jetzt allgemein für Küste gebraucht, ursprünglich aber ein Ort an der Küste, ein Platz am Ufer wo man nicht nur Waren für die Schiffe, sondern auch diese selbst aufstellen konnte, also eine Hafenanlage mit einfachen Aufschleppvorrichtungen. Vom althochdeutschen stadon, mittelhochdeutsch staden im Sinne von landen, am Lande die Schiffsgüter aufstellen, also eigentlich Landungsstelle; oberdeutsch Staden; althochdeutsch stad, mittelhochdeutsch stade. Der eigentliche Begriff ist der von irgendwo hinstellen und dadurch das, was vorher in Bewegung war zur Ruhe zu bringen; daher bestatten sowohl begraben als auch heiraten bedeuten kann. — Die Vorsilbe ge ist dieselbe wie in Geschwader und in Gezeiten.
Gezeiten, die. Das Wort getide hiess mittelniederdeutsch 1. ganz allgemein Zeit im Sinne eines Sammelbegriffes, „to allen getiden,‟ in aeternum. 2. Die Zeit die eine Ebbe und eine Flut umfaßt: „in jeder etmahl (s. Etmal) vorachtert das getide 4/5 parten von ein Uhr.‟ 3. Die kanonische Horen; „dar was eyn yunck broder, de so verkeert was dat he ghene ghetyde en wolde lesen.‟ — Althochdeutsch gizit, mittelhochdeutsch gezit = Zeit, hora, Gebetsstunde, altsächsisch getidi, horae canonicae. Jetzt wird das Wort nur noch seemännisch und zwar hydrographisch-astronomisch-meteorologisch gebraucht als Gesamtbezeichnung, als zusammenfassender Allgemeinbegriff für Ebbe und Flut und was damit in Verbindung steht; Gezeitenberechnung, Gezeitentafeln etc. etc. s. a. Tide. — Breusing: „Es ist unter unseren Geographen die Meinung verbreitet, als ob das hochdeutsche Wort Gezeit von Heinrich Berghaus erfunden, jedenfalls zuerst gebraucht sei. Das ist irrig; es tritt bereits im 16. Jahrhundert auf. Zuerst ist es mir begegnet in Guicciardini: Beschreibung der Niederlande; Frankfurt, 1582, fol. pag. 17 ff. Dann im 17. Jahrhundert in: Amerika durch Ziegler, bei de Bry; Frankfurt, 1617, fol. pag. 350. Im 18. Jahrhundert findet es sich in Krünitz' Encyklopädie, s. v. 18. Thl. 1779. Letzterer hat bereits die Gezeit, während Ziegler noch dem ndd. das getide entsprechend das Gezeit hat. Ich verstehe nicht, weshalb man sich von manchen Seiten gegen den Gebrauch des guten hochdeutschen Wortes sträubt, und möchte lieber sehen, dass sich unsere geographischen Lehrbücher endlich einmal von dem Worte Nippfluten, engl. neaptides, lossagten, welches kein deutscher Seemann und Küstenbewohner, wenn er nicht englisch kann, versteht, geschweige denn gebraucht,‟ s. Nipfluth.
Giek, das, auch Geik, deutlicher der Giekbaum, ist die Spier mit der der unterste Teil eines nach ihm benannten Gieksegels ausgesetzt wird; in der Marine nur bei Bootssegeln in Gebrauch. Der Giekbaum hat an dem inneren Ende einen Haken der in das Auge eines um den Mast liegenden Bügels gehakt wird, in dem dann der Giekbaum sich dreht. Giek hat demnach mit Geck dieselbe Bedeutung: drehen, sich drehend bewegen, beweglich sein. Das Tau womit der Giekbaum aufgetoppt wird heisst nach ihm Giektau, Geiktau, Geichel. Auffallend ist, dass dieselbe Spier, die Giek heisst, auch Giep (s. d.) genannt wird.
Gien, das, ist nichts weiter als unser deutsches Tackel, also eine Talje von besonderer Stärke, welche dadurch erzielt wird, dass man anstatt der einscheibigen drei- oder vierscheibige Blöcke nimmt. Es dient zum Bewegen besonders schwerer Lasten. So gab es zur Zeit, da die Kriegsdampfer noch zum Segeln eingerichtet waren, eine Vorrichtung die Schraube zu lichten, damit dieselbe die Fahrt nicht hemme; solches Schraubelichten geschah mit einem Schraubengien, einem sehr starken Takel, das eine Trosse von ungewöhnlicher Stärke bewegte, die um die Scheibe des Schraubenheberahmens gelegt ward (und wohl auch für sich allein Gien genannt ward, aber nur im Sinn des pars pro toto). Es ist also ein Gien das in der Mechanik unter dem Namen Flaschenzug bekannte Werkzeug in besonderer Verstärkung. Das Wort kommt durchs Englische vom lateinischen ingenium, ist also mit Ingenieur verwandt und stellt eine (verkürzte) Zusammenziehung von engine dar, welch letzterer Name der Vorrichtung um so eher gegeben werden konnte, als früher man sie noch komplizierter (mit einem Bock etc.) herstellte. „Gin a contraction of engine, 1. A machine or instrument by which the mechanical powers are employed in aid of human strength; especially a machine used instead of a crane, consisting essentially of three poles from 12 to 15 feet in length, often tapering from the lower extremity to the top, and united together at their upper extremities, whence a block and tackle is suspended, the lower extremities being planted in the ground about 8 or 9 feet asunder, and there being a kind of windlass attached to two of the legs.‟ Mit gin, dem von juniperus ginevra herkommenden Branntwein hat das Wort nichts zu thun. — Gienblock, Gienläufer, Gientau erklären sich nach dem Gesagten von selbst.
gieren. Wenn ein Schiff nach irgend einer Seite hin von dem vorgeschriebenen Kurse vorschriftswidrig abweicht, so giert es; sei es dass solches durch Schuld der Leute am Ruder, sei es dass es durch die eigentümliche Bauart des Schiffes verursacht ist. Ein Schiff ist luvgierig, wenn es das Bestreben hat nach Luv, leegierig, wenn es das Bestreben hat nach Lee abzuweichen; doch gieren die meisten Schiffe dann an meisten wenn sie recht vor dem Winde segeln. Das ist ein Nachteil, weil der Weg verlängert wird. Wird aber beim Winde gesteuert und ein Schiff ist luvgierig, so können die Segel leicht anfangen zu giepen, ja das Schiff kann „durchdrehen.‟ Das Wort bedeutet nichts anderes als unser „begierig sein‟, ein starkes, heftiges, sinnliches Streben nach etwas haben. Im Ostfriesischen wird gieren nicht bloss seemännisch gebraucht, sondern auch sonst im Sinne von abirren vom rechten Wege, ablenken, abschwenken, auch im moralischen Sinne: ausschweifen; man sagte früher auch begieren anstatt begehren. Im Jahre 1605 war ein Mädchen geschwängert und dafür von dem fürstlichen Matrimonial-Kommissarius zu schwerer Geldstrafe oder Landesverweisung verurteilt worden. (Der Mann kam in solchen Fällen billiger weg). Da sie nicht alles bezahlen konnte, legten sich die wenigen Nonnen, die noch als Staatspensionärinnen in dem (aufgehobenen) Kloster Thedingen wohnten ins Mittel und machten an den Fürsten eine Eingabe: „Sonsten aber presentiren sich die Conventualen zu Tedingen, wofern S. G. sich an den Brüchen nichts abgehn lassen wollen, solches und waß Ihre Gn. begierten, an ihrem Kostgeld abziehen zu lassen,‟ (Rentei-Rechnung des Amtes Leer).
Giep, das, ist der Sache nach dasselbe wie Giek (s. d.) nur wird bei dieser Benennung die Sache von einer anderen Seite aus angesehen. Während man bei Giek das Bewegliche im Auge hat, denkt man bei Giep an das Gespreizte, Auseinandergesperrte, indem giepen von gapen weiter gebildet ist wie gibbeln von gabbeln; gapen aber heißt gähnen, den Mund aufmachen, ihn weit auseinander machen. Von Giep gibt es ein Zeitwort giepen, das bezeichnet was man bei Rahesegeln durchdrehen nennt, „eine Eule fangen.‟ Wenn das Gieksegel von vorne Wind faßt und zurückschlägt, was entweder durch plötzliches Umschlagen des Windes oder beim Aufkreuzen und Beimwindeliegen durch Unachtsamkeit des Steuernden geschehen kann, so schlägt das Giep auf die andere Seite, das nennt man giepen. Durch dieses Zurückschlagen, behauptet Roeding, seien schon im Boot sitzende Leute erschlagen oder über Bord geschleudert worden. Daher wird von vorsichtigen Seeleuten der Giekbaum mit einem Bullentau gesichert.
Gig, die, ein leicht und schlank und etwas zierlicher als die andern gebautes, rasch bewegliches Boot zum Rudern und Segeln; auf Kriegsschiffen ausschließlich dem Kommandanten persönlich für seine Fahrten an Land, auf andere Schiffe, zu Ausflügen etc. zur Verfügung stehend. Mit Giek und Geck von einerlei Abstammung, wie denn auf Wangerooge Gek dazu gesagt wird. Man darf wohl dabei an das neuhochdeutsche gaukeln denken, sich rasch hin und her bewegen wie ein Gaukler, ein Taschenspieler, dessen ganze Kunst bekanntlich in dem Satze besteht, daß Geschwindigkeit keine Hexerei ist. Zu vergl. althochdeutsch goukolon, mittelhochdeutsch goukeln, Zauberei, Narrenspossen treiben. Kluge weist auf das siebenbürgische gekel, Marionette, und das gleichbedeutende thüringische gekelman hin, (und allerdings muß man dabei an etwas Bewegliches denken), und sagt: „Verwandt scheint althochdeutsch gougaron, mittelhochdeutsch gougern, umherschweifen, ferner mittelhochdeutsch gogeln, sich ausgelassen geberden, hin und her flattern, gogel Adj. ausgelassen, üppig, giege M. Narr;‟ bei Narr denkt er freilich an „Betörter‟, man kann aber auch eben so gut an die „Narrenspossen‟ des Mittelhochdeutschen denken, an einen ausgelassenen, lustig tanzenden und springenden Menschen, der, wie man zu sagen pflegt, „närrisches Zeug‟ treibt, wie es in dem bekannten Studentenliede heißt: „Unser Herrgott der muß am Ende selber drüber lachen, Was die Menschen für närrische Sachen tun machen.‟ Da nun offenbar der ganzen Sippe Geck, Giek und ihren Verwandten bis zum Gaukler hin der Begriff des „leicht Beweglichen‟ zu Grunde liegt, so ist gewiß auch Gig, dieses leicht bewegliche Boot, mit zur Familie zu rechnen; wenn je ein Boot auf den Wellen „gaukelt‟, so ist es eben die Gig.
Gilling, die, auch Gillung, heißt jede Verschmälerung, oder Erweiterung eines sonst grade verlaufenden Gegenstandes. So spricht man von der Gillung eines Segels, und vor allen Dingen nennt man beim Schiff den hervorspringenden, beziehungsweise den zurückspringenden Teil der Bordwand, die sich nach unten zu verjüngt, des Hecks, das unten schmäler und kürzer wird, also die Veränderung der Formlinie, die Krümmung der Geraden. Ob man sagen will: das Heck springt oben vor, oder: das Heck tritt unten zurück, — das hängt ja ganz davon ab, wie sich der Beschauer die Sache denken will. — Die Tischler nennen den vor- oder zurückspringenden Teil einer Holzkante Kehlung, und beide, Gillung und Kehlung, dürften ein und dasselbe Wort, nur mit verschiedener Aussprache sein. So darf man also eine Verwandtschaft mit Keil, niederdeutsch Kil, annehmen, und das Wort müßte Kilung geschrieben werden, wie auch die Tischler und andere Handwerker nicht Kehlung, sondern Keilung schreiben müßten, denn mit Kehle = Höhlung hat das Wort schon darum nichts zu schaffen, weil öfters, wenn der Keil wirklich einmal eine Rinne, Rille oder Höhlung hat, er alsbald Hohlkehle genannt wird, was nicht der Fall wäre, wenn Kehle schon allein Höhlung bedeutete. Die keilförmig zulaufende Gestalt gibt den Ausschlag; ein Keil ist ein schief oder schräge verlaufendes, in einer Spitze oder scharfen Kante auslaufendes Ding. Kil ist Benennung eines keilförmigen Grundstücks bei Wirdum; wahrscheinlich hat auch die Kieler Bucht, der Kieler Hafen von einer keilähnlichen Gestalt den Namen; „keilähnlich‟ braucht dabei nicht gepreßt zu werden, sondern muß im weiteren Sinne einer gebrochenen oder gebogenen Linie verstanden werden, wie es schon im Mittelalter bei geographischen Bezeichnungen verstanden wurde, da Kilian kille und kiele einfach mit sinus, Busen, übersetzt, sonst auch kyl. In diesem weiteren Sinne gebrauchen unsere Metallarbeiter das Wort Kehlung; sie nennen so jede von der Geraden abweichende Linie, dafern sie nicht grade im rechten Winkel verläuft, namentlich aber auch wenn sie eine Rundung darstellt.
Gischt, der, heißt eine Sprühsee, die vom Sturm schäumend gemachte Oberfläche des Meeres, namentlich da wo sie sich bricht, mit milchartiger Farbe und eigentümlich verklingendem Geräusch verbunden. Um dieses Geräusches willen könnte man an Lautmalerei denken, wenn es nicht ein Zeitwort gischen gäbe, das mit dem mittelhochdeutschen jesen und dem althochdeutschen jësan = „gären machen‟ verwandt ist, von der Sanskritwurzel yas, sieden, kochen. Indessen ist auch dieses lautmalend, wie das ähnlich klingende zischen, („und es wallet und siedet und brauset und zischt‟.) Daß bei gischen auf den Laut und nicht auf die Bewegung oder die Farbe geachtet ist, beweist der hochdeutsche Gebrauch des Zeitwortes beim Plätten. Da tupfen die Frauen mit nassem Finger an den Bolzen, um zu prüfen, ob er heiß genug sei, was er ist wenn „es gischt.‟ Man nennt auch gischen das Geräusch, das heißes Eisen, bezw. das Wasser macht, wenn ein Schmied die Zange mit dem eben geschmiedeten Stück zum Abkühlen in kaltes Wasser hält, („wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt, bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt‟).
Gissen, heißt in der Seemannssprache „vermuten‟ und wird nur in ganz bestimmter Verbindung gebraucht: „gegißtes Besteck‟. Wenn das Wetter unsichtig ist, so daß genaue astronomische Beobachtungen unmöglich sind, so wird das Besteck gegißt, d. h. es wird nach dem Loggen, nach der in den letzten 24 Stunden durch das Loggen festgesetzten Geschwindigkeit der Fahrt mit Berücksichtigung von Abtrift, Strömung und andern in Betracht kommenden Umständen ungefähr berechnet, auf welchem Längs-und Breitegrade am Mittag eines gegebenen Tages man sich befindet. Geschieht dies vom Koch und seinen Freunden in der Kambüse, oder sonst von Unberufenen ohne die nötige Unterlage und Genauigkeit, so wird es zum Kambüsenbesteck, geschieht es von Schiffs wegen durch den Navigationsoffizier, so heißt es „gegißtes Besteck.‟ Gissen ist ein allgemein-niederdeutsches Wort, das im Hochdeutschen nicht vorkommt, aber in dem Zeitwort vergessen steckt; es heißt denken, sinnen, meinen, raten, glauben, hoffen, mutmaßen, wähnen; englisch guess, schwedisch gisse, norwegisch gissa. Die Grundbedeutung ist halten (dafür halten). „Gissen maket bewillen missen‟ ist ein alter niederdeutscher Seemannsspruch; buten gissen = wider Erwarten, wider Vermuten; „alle unsalighen pleghen ere geiselen swaerer gissen den andern lude gheiselen.‟ „Wen men ock dagelikes Achtinge gifft, wo veel Fahrt dat Schip dorch dat Water hefft, und sick solckes inbildet, und entholt (einprägt und behält), dat he mit solcken Fortganck, daß dat Schip maket, so veel Milen in dat Etmahl segelen mag, alß he dorch Verandering der Brede und angesegelde Korß befunden hefft, so kan man mit der Tydt tho gode Gissinge kamen‟, „Kunst der Seefahrt‟ 1673.
Glasen, nennt man das Anschlagen der halben Stunden an der Schiffsglocke. Noch vor hundert Jahren wurde von den Leuten am Ruder die Zeit nicht nach der Uhr, sondern nach dem (Stunden- oder vielmehr Halbstunden-) Glas gemessen. Wenn eine neue Wache aufzog, fing eine neue Rechnung an und der Steuermann drehte das Glas um. War es abgelaufen, also war eine halbe Stunde vorbei, so ward gemeldet: „ein Glas!‟ und ein Schlag an die Glocke getan und das Glas aufs Neue gedreht, war es wieder abgelaufen, so erfolgte die Meldung: „zwei Glas,‟ es wurde zweimal angeschlagen und das Glas abermals gedreht, und so fort bis die vierstündige Wache vorbei war, also bis das Glas achtmal abgelaufen, bis acht Glas an der Glocke angeschlagen waren. Dann zog eine neue Wache auf und die Rechnung begann wieder von vorne. Hieran hat sich in der Neuzeit wenig geändert, nämlich nur das, daß man an Stelle der Gläser Uhren hat, aber die alte Benennung ist geblieben und die Mehrzahl von Glas bildet der Seemann auch heute noch nicht Gläser sondern Glasen, oder vielmehr er gebraucht das Wort nur in der Einzahl: „acht Glas‟; hierin dem deutschen Zecher oberdeutscher Zunge gleich, der auch nicht acht Gläser, sondern acht Glas Bier trinkt. — Nach dem Gesagten könnte ein jeder Nichtseemann sich eigentlich leicht ausrechnen, daß „fünf Glas‟ entweder morgens halb sieben, oder vormittags halb elf, oder nachmittags halb drei, oder abends halb sieben, oder spät abends halb elf, oder nachts halb drei sein muß. Es soll aber Leute geben die das niemals lernen. Jedenfalls wirkt diese Rechnung zunächst befremdend auf den, der die Planken eines Schiffes betritt, soll auch, wie erzählt wird, so auf den General von Caprivi als er Chef der Admiralität geworden war, gewirkt haben.
Goletta, die, französisch goëlette, ist eigentlich ein Wort der italienischen Seemannssprache, wird aber wohl auch aus deutsch- und namentlich österreichisch-seemännischem Munde vernommen; ins Deutsche wird man es am passendsten mit Schuner übersetzen, und zwar, da sonst noch verschiedene nähere Bestimmungen dazu kommen müssten, mit Schuner in der einfachsten Form eines Gaffelschuners, eines Vor- und Achterschuners. Der Name dürfte, ähnlich wie vlyboot von dem Vly, von der Festung Goletta genommen sein, die in der Seekriegsgeschichte eine so grosse Rolle gespielt hat, als Kaiser Karl V. in eigener Person sie dem Chaireddin Barbarossa nach blutiger Belagerung mit Sturm abnahm. Davon erzählt der Verfasser der „Durchläuchtigsten Seehelden‟: „Die Gelegenheit nun des Orts Goletta ist also beschaffen: Ein steinern Thurn, nebenst angebautem Boll-Werk, stehet an der Enge, durch welche der Meer-Busen von Carthago, die Wellen der See in den darbey gelegenen Meer-Raum einlässet, und vor kleine Schiffe, biß an die Stadt Tunis hinan, Raum und Zugang giebt. Dieses Meer ist swölff italienische Meilen breit und lang, aber an beyden Seiten so seichte, daß man anders nicht, als in der Mitten der Tieffe dahinein kommen kann. Den Zugang aus der See, verwahret der obgemeldte Thurn, der mit dem umherliegenden Boll-Werk oder Bevestigung beschützet wird, die so groß, daß man einen großen Haufen Volcks darinne zur Besatzung lassen kann. Diesen Thurn hatte Barbarossa mit vielen Geschütze versehen, um dadurch seine Flotte, die inwendig in dem Meer aufgeleget war, zu beschirmen‟ ... „Niemals, seit dem Gebrauch des Geschützes in der Welt gewesen, hat man weder, mit grösserer Gewalt, Zurüstung, Fleiss einen Ort angegriffen, denn dergestalt war das Knallen und Donnern des niemals still stehenden Geschützes, daß die Erde nicht allein zu erzittern und zu beben begonte, sondern auch dem Ansehen nach selber von einander bersten, und alles verschlingen wollte: Die See selber, die vorher stille und ruhig gewesen war, ward hierdurch gleichsam mit verunruhiget, da inzwischen der Himmel durch den unaufhörlichen Dampff und Rauch sich aus dem Gesichte verlohr.‟
Golf, der, gleichbedeutend mit Meerbusen. Erst spät ins Deutsche eingedrungenes Wort, vom griechischen kolpos stammend, mit wölben von einer Wurzel, = Busen, Schoß, Falte im Gewand, busenartige Vertiefung, Meerbusen, Bucht; italienisch golfo, spanisch golfo, provençalisch golfo. Davon französisch golfe und gouffre, woraus zu sehen, daß das Wort aus Frankreich zu uns gekommen ist, und zwar über die Niederlande, da Kilian es in der Form gouffre verzeichnet hat.
gondeln, scherzhaft für „zur See fahren.‟ „Nun gondeln wir in diesem angenehmen Wetter schon acht Tage umher‟, wird wohl gesagt wenn Sturm und Regen die Fahrt recht unangenehm machen. Den scherzhaften Beigeschmack dürfte das Wort auf dem Wege über Berlin bekommen haben, wo die Aussprache bekanntlich „jondeln‟ ist, und so ausgesprochen klingt es noch um einen Ton scherzhafter. Byron beschreibt diese venezolanische Wasserdroschke, Gondola genannt, so: