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שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ יְהֹוָה אֶחָד׃
בָּרוּךְ שֵׁם כְּבוֹד מַלְכוּתוֹ לְעוֹלָם וָעֵד׃
Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einziger Gott.
Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches in Ewigkeit!
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אֲדוֹן Es hat der Herr als König seit Ewigkeit regiert,
Noch eh' ein Körperwesen ins Dasein eingeführt,
Und als durch seinen Willen die ganze Welt entstand,
Ward Gott, der Herr, als König auf Erden anerkannt.
Und wollt' er sie vernichten, so wie sie schuf sein Wort
Er würde doch regieren für ewig, fort und fort.
So wie der Herr gewesen von je, so ist er heut,
So wird er immer bleiben in seiner Herrlichkeit.
Er ganz allein erfüllet das ganze Weltenreich,
Wo hätte Raum ein Zweiter? Kein Wesen ist ihm gleich!
Wer hat wohl Ziel und Anfang von ihm sich je erdacht!
Und alle Macht und Stärke ist Ausfluß seiner Macht.
Und dennoch! dem Erhab'nen, ich bin ihm nicht zu klein;
Er schaut auf meinen Wandel, sieht in mein Herz hinein;
Er ist mein Fels, mein Hoffen und meine Zuversicht;
Er überhört mein Bitten und meine Klage nicht.
Ich schlafe oder wache, er ist mir zugewandt,
Drum geb' ich meine Seele getrost in seine Hand.
Und auch mein Leib, er bietet dem bangen Zagen Trutz.
Was kann ich denn noch fürchten, ist Gott, der Herr, mein Schutz!
Allgütiger! Du hast wiederum den Schlummer nach süßer Ruh' von meinem Auge verscheucht, hast mich wieder neu gestärkt erwachen lassen zum lichten Tage. O segne mir auch diesen Tag, daß ich Gutes an ihm verrichte, daß ich die Pflichten erfülle, die Du als mein Anteil mir zugemessen hast. Hüte mich vor Unglück und Gefahren und laß auch heute mich weiser und besser werden. Amen!
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Mein Gott! Du sorgest als ein Vater für alle Geschöpfe auf Erden und gibst jedem Wesen seines Leibes Nahrung nach seinem Bedürfnis. Durch Deine Liebe habe auch ich mich wieder gesättigt, und wie ich bisher nicht Mangel gelitten habe, so wirst Du für und für mir Deine Gaben nicht versagen, daß mir mein täglich Brot nicht fehle. O möge es Dein Wille sein, daß mein Tisch, an dem ich esse, immerdar ein gesegneter sei, damit beim Genusse Deiner Spende auch die Fröhlichkeit des Herzens mir nicht fehle. Laß mich nie satt werden durch fremdes, unrechtmäßig erlangtes Gut, laß mich nie satt werden von dem Brote menschlicher Mildtätigkeit, sondern ernähre mich aus der Fülle Deines Segens. Versage mir, gütiger Gott, auch nie den Überfluß in solcher Weise, daß der Dürftige hungrig von meiner Türe hinweg gehen müßte.
Mein Gott, ich lobe Dich! Mein Gott, ich danke Dir! Mein Gott, ich hoffe auf Dich! Du bist es, der da öffnet seine Hand, und sättigt alles, was da lebt, in Wohlgefallen. Amen!
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Mein Gott! Ich danke Dir für Deine Huld und Güte, die Du auch in des heutigen Tages Stunden an mir bewiesen.
Ich lege mich nun getrost zum Schlummer nieder und übergebe meinen Leib und meine Seele Deiner Obhut. Wahrlich, Du schläfst nicht, Du schlummerst nicht, Du Hüter Israels. O, möge es Dein Wille sein, daß ich schlafe in Frieden, und daß ich erwache in Frieden, daß nicht böse Träume mich erschrecken und nicht kummervolle Gedanken die Ruhe von meinem Lager scheuchen.
Auf Deine Hilfe hoffe ich, Herr, allezeit.
In Deine Hand befehle ich meinen Geist zur Zeit, wenn ich schlafe und wenn ich erwache, und mit meinem Geiste auch meinen Körper; ist Gott mit mir, so fürchte ich nichts. Amen!
שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְהֹוָה אֱלֹהֵינוּ יְהֹוָה אֶחָד׃
בָּרוּךְ שֵׁם כְּבוֹד מַלְכוּתוֹ לְעוֹלָם וָעֵד׃
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Und Gott sprach: Es werde Licht!
Schöpfer des Himmels und der Erde! In sechs Tagen hat Dein Wink die Welt aus Nichts hervorgerufen, und als Dein allmächtiges Wort am ersten Schöpfungstage den Himmel und die Erde gebildet hat, da erschufst Du auch das Licht. Ehe die Sonne ihre Strahlen zur Erde sandte, war es helle, denn nicht sie ist der Urquell des Lichtes, Du allein bist es, Du hast es auch ihr gegeben. Alles Leben in der Körperwelt strebt nach dem Lichte. Alle Wesen freuen sich des Lichtes, doch höher als alle hast Du den Menschen bevorzugt, daß er außer dem Lichte, das er aufnimmt durch sein Auge, auch nach einem höheren Lichte strebe, nach dem Lichte des Geistes. Das Licht des Geistes aber ist die Wahrheit. Ihr immer näher zu kommen, ist die höchste Aufgabe der Sterblichen; sie mehr und mehr in sich aufzunehmen, ist seine höchste Seligkeit. Darum ist es mein inbrünstiges Gebet am ersten Tage der Woche, daß Du, mein Gott und Vater, auch mein Streben nach Licht und Wahrheit segnen mögest, auf daß es nicht fruchtlos sei. Die Unendlichkeit Deiner Größe zu fassen und zu ergründen, das freilich bleibt dem schwachen Menschengeiste auf Erden versagt, aber streben darnach, das kann ich und soll ich, das ist eine Aufgabe, des Menschengeistes würdig. Und so will ich nicht gedankenlos vorübergehen bei den Wundern Deiner Schöpfung, nicht die Kräfte der Natur, weil sie alltäglich vor mein Auge treten, unbeachtet lassen, nicht den Himmel und die Erde betrachten, ohne auf die belehrende Stimme zu hören, die aus ihnen zu mir spricht, sondern alles dies soll der Quell für mich werden, aus dem ich Lehre und Erkenntnis schöpfe, auf daß Licht und Wahrheit mir zuteil werde aus dem Buche der Natur, damit ich in Demut mich selbst erkenne und im Staube Dich anbete als den Herrn und Schöpfer der Welt. Amen!
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Und Gott schied das Wasser über der Feste von dem Wasser unter der Feste, und nannte die Feste Himmel.
Schöpfer des Himmels und der Erde! Du hast den Himmel ausgebreitet über die Erde. Das ist die endlose Ferne, in die der Blick des Menschen sich verliert, wenn er sein Auge emporhebt vom Staube der Erde, dem er angehört. Da ist kein Ende und keine Grenze, nicht für das Auge, und auch nicht für die Gedanken.
Unendlich ist die Welt und sie ist Dein Werk. Die Himmel und alle Welten, die in ihnen schweben, sind Dir untertan. Mit welchem Worte soll ich Dein Wesen bezeichnen! O Unfaßbarer! Nie wird der Blick, den ich emporhebe, mich von Deinem ganzen Wesen belehren, aber von dem meinigen belehrt er mich, und verwandelt meinen Stolz in Demut. Wie ist die Erde so klein im Reiche Deiner Welt, nicht vergleichbar dem Tropfen im Meere, und auf der Erde, was bin ich?
O Herr, mein Gott, segne mein Bestreben, diesen Gedanken in mir zu befestigen, daß er auch die Grundlage meiner Handlungen werde. Der schwache Mensch ist allzusehr geneigt, sich für den Mittelpunkt dessen zu halten, was ihn umgibt. Wenn ich aber in Demut von meiner Niedrigkeit überzeugt bin, alsdann wird die Selbstsucht aus meinem Herzen schwinden. Nicht meinetwegen, Herr, mein Gott! hast Du die Welt erschaffen, nicht meinetwegen wirst Du ihre Gesetze ändern, nicht ich bin imstande den Lauf der Dinge zu hemmen, den Deine Allweisheit vorzeichnet, und Unzufriedenheit ist Torheit.
Nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe, das ist der ganze Inhalt menschlicher Weisheit, mit der er die Wünsche seines Herzens beruhigen muß. Du hast ja in Deiner Vatergüte mich nicht minder bedacht als Deine übrigen Wesen, Du hast ja auch mir die Kräfte gegeben, die ich zu meinem Heile anwenden kann. So mir aber dies gelingt, so möge auch mein Herz befriedigt sein. Mein Leben und mein Heil sind in der Hand Gottes; er, der den Himmel ausgebreitet hat über der Erde, er hat auch meine Schritte gezählt. „In seine Hand empfehle ich meinen Geist und mit meinem Geiste auch meinen Leib. Ist Gott mit mir, so fürchte ich nichts.“
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Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an einem Ort.
Und Gott sprach: Die Erde lasse hervorsprießen Gras und Kraut und alles, was Samen hervorbringt.
Schöpfer des Himmels und der Erde! Du gebotest dem Wasser, daß es sich sammle in den Tiefen der Erde, Du bestimmtest den Kreislauf der Gewässer, daß sie aus den Quellen sich ergießen in die Bäche und die Bäche sich vereinigen zu Flüssen und Strömen, und „alle Ströme gehen in das Meer und füllen es nicht“, und die Dünste, die aufsteigen aus dem Meere, bewässern wiederum das Land, daß es fruchtbar werde. So gibt das Wasser Nahrung dem Menschen und den Tieren und wird nicht weniger in Ewigkeit. Und die Oberfläche hast Du bedeckt mit Gewächsen aller Art, die Samen hervorbringen und Früchte tragen in tausendfältiger Abwechselung für die Bedürfnisse des Menschen. Ehe der Mensch auf Erden wandelte, war sein Tisch ihm bereitet. Du hast Deine Gaben ihm gespendet, noch ehe er ihrer bedurfte, denn Du wolltest, daß er lebe und sich des Daseins freue, Du bist ein liebender Vater aller Deiner Geschöpfe, Du willst nicht, daß sie Mangel leiden. Wie sollte ich fürchten, daß Du mich vergessen werdest, das meines Leibes Nahrung mir fehlen könnte. Du segnest unserer Hände Werk, bald in reicherer Fülle, bald in geringerem Maße, aber was ich auch erwerbe, es ist nicht die Frucht meiner Anstrengung, sondern die Spende Deiner Gnade. „Du öffnest Deine Hand und sättigst alles, was da lebt, mit Wohlgefallen.“ Dir allein gebührt der Dank meines Herzens für den Segen, mit dem Du mich begnadigst, denn „Dein ist die Erde und was sie füllet“. Mit diesen Gedanken will ich Deine Gaben genießen und Deine Güte preisen.
Aber auch Du sei bei mir allezeit und gib Gedeihen dem Werke meiner Hände. Nicht meines Fleißes will ich mich rühmen, nicht meiner Weisheit und Geschicklichkeit will ich vertrauen, aber wenn Du dabei in meiner Hilfe bist, so wird der Segen mir nimmer fehlen. Amen!
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Und es machte Gott die beiden großen Lichter, das größere Licht, daß es den Tag regiere, und das kleinere Licht, daß es die Nacht regiere, dazu auch die Sterne.
Schöpfer des Himmels und der Erde! Das Werk des vierten Schöpfungstages prangt in erhabener Majestät am Himmel und predigt von Deiner Größe, und seine vernehmliche Stimme spricht: „Was ist der Mensch, daß Du noch sein gedenkest? Der Erdensohn, daß Du Dich seiner annimmst?“ Und dennoch hebt sich der Blick in unnennbarer Sehnsucht zu den Sternen empor. Der Himmel mit der Sonne, dem Monde und den Sternen, er ist das heiligste Buch Deiner Offenbarung. Kein Sterblicher vermag seinen ganzen Inhalt zu erforschen, aber das Wenige, das wir zu lesen vermögen, reicht hin, uns mit dem erhabensten Gedanken zu erfüllen. Um die Erde wandelt der Mond, um die Sonne wandelt die Erde und alle Wandelsterne mit ihren Begleitern, und zahllos ist das Heer der Sonnen und alle, alle bilden eine Welt, und zahllos ist das Heer der Welten. Gott, Gott! Unaussprechlicher! wo ist der Mittelpunkt Deiner Herrlichkeit? Und alle Welten sind entstanden, und alle Welten werden vergehen, und Du warst früher als alles Geschaffene, und Du wirst es überdauern. Der menschliche Geist hat kein Maß für die Räume und die Sprache keinen Ausdruck für die Zahl der Jahre Deiner Herrschaft, und nur die eine Erkenntnis ist der Zielpunkt menschlichen Wissens: Raum und Zeit sind nicht vor Gott vorhanden, sie sind nur menschliche Begriffe. Doch die Sehnsucht nach einer höheren Erkenntnis wird nicht ewig ungestillt in mir bleiben. Mein Körper gehört der Erde, aber mein Geist gehört der Welt. Einst wird er nicht mehr gefesselt sein an die irdische Hülle, und wenn er gelöst sein wird von dem Staube der Erde, dann vermag er sich aufzuschwingen, vielleicht von Stufe zu Stufe zu neuen Kreisen der Erkenntnis, vielleicht von Leben zu Leben zu höherem Range in der Reihenfolge Deiner Geschöpfe, aber jedenfalls näher zu Dir; und mehr zu wissen von der Welt und von dem Schöpfer, das ist Seligkeit. Wenn ich meinen Geist vervollkommene hier auf Erden, so reift er zur Seligkeit heran. Laß mich einst ihrer teilhaftig werden, mein Gott und Vater! Amen!
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Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Wesen nach ihren Arten, Vieh, Gewürm und Gewild der Erde nach ihren Arten! Und es geschah also.
Schöpfer des Himmels und der Erde! Ehe das Menschengeschlecht auf Erden lebte, war diese schon ein Wohnsitz der Tiere. Die unvollkommensten Gattungen hast Du zuerst geschaffen, ihnen folgten solche, die Du mit Äußerungen höherer Lebenstätigkeit begabtest, und, aufsteigend von Stufe zu Stufe, waren sie die Vorläufer des vollkommensten der Erdenbewohner: des Menschen. Mein Gott und Vater! Wie sollten diese Betrachtungen nicht den Gedanken in mir erwecken, daß auch der Mensch nicht der vollendete Inbegriff Deiner Schöpferweisheit sei! Freilich wohl weiß ich es, daß auf Erden kein Wesen höher steht als der Mensch, aber unendlich sind die Mängel, die an ihm haften, und jede höhere Vollkommenheit, die meinem Geiste denkbar, wenn auch unerreichbar ist, bezeichnet höhere Wesen, die Dein Willen zu erschaffen vermag. Solange ich auf Erden bin, werde ich die Rätsel Deiner Schöpfung nicht lösen, und die Menschennatur einzig und allein bleibt das für mich Bestimmte und ihre höchste Ausbildung das Erreichbare. Und ist das wenig? O nein! ich weiß es, es ist sehr viel. Nicht die Fähigkeiten allein, die den Menschen seinem irdischen Wesen nach vom Tiere unterscheiden, sind sein Vorzug, sondern die Fähigkeit, die Du ihm gegeben hast, auch sich selber zu vervollkommenen. Nur durch diese steht er höher als seine Mitgeschöpfe. Die vollkommene Menschenwürde kann entwickelt oder vernachlässigt werden. Das ist die freie Tätigkeit des menschlichen Geistes. Du selber bist sein Urbild und sein Vorbild. O, segne, gütiger Vater, mein Bestreben, Dir immer näher zu treten. Du bist die höchste Weisheit, so will auch ich nach Weisheit ringen. Du bist allgütig, darum will auch ich gütig sein und meine Kräfte zum Wohle meiner Nebenmenschen gebrauchen. Du bist allgnädig, darum will auch ich denen vergeben, die mich beleidigen. Du bist allgerecht, darum will auch ich Gerechtigkeit fördern helfen unter den Menschen. Du bist die Wahrheit, bei Dir ist nicht Trug und Wahn, darum will auch ich mich mehr und mehr entfernen von Schein und Eitelkeit, auf daß ich meine menschliche Natur immer mehr ausbilde bis zu dem Grade der Vollkommenheit, dessen sie fähig ist. Amen!
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Und es bildete Gott der Herr Menschen aus Staub von der Erde und blies in seine Nase einen lebendigen Geist.
Schöpfer des Himmels und der Erde! Du hast den Menschen am sechsten Schöpfungstage aus Staub von der Erde gebildet, und einen lebendigen Geist ihm eingehaucht, also daß er ein lebendiges Wesen wurde. Staub von der Erde ist der Urstoff seines Daseins und dennoch hast Du ihn in Deinem Ebenbilde geschaffen, daß er Dir ähnlich sei. Wie könnte ich bei dieser Betrachtung noch Zweifel hegen, daß Du den Menschen als ein Doppelwesen geschaffen hast, das eine Verbindung ist von Körper und Geist. „Der Staub kehrt wieder zur Erde zurück, davon er genommen ist“, der Geist aber ist lebendig und unsterblich und „kehret wieder zu Gott zurück, der ihn gegeben hat“. O möge es Dein Wille sein, mein Gott und Vater, daß ich nicht abweiche von der Lebensbahn, die diese Erkenntnis mir vorschreibt. Eingedenk will ich immerdar dessen sein, daß mein Leib nur Staub ist. Vergänglich ist die Hülle wie alles Irdische, ihre Tage sind gezählt, und ihr Wesen ist leicht zerstörbar. Und daß ich nicht töricht mit meinem Leibe verfahre, dazu hast Du den Geist als seinen Wächter eingesetzt. Ich will seiner Stimme gehorchen, denn sie ist die Stimme der Vernunft, die mich warnt, dem Genusse zu fröhnen, der Trägheit und der Unmäßigkeit anheimzufallen, auf daß ich nicht Schaden leide. Mehr als dies kann ich für das Wohlsein meines Leibes nicht tun; daß er außerdem gesund und rüstig bleibe, das hängt von Deiner Gnade ab, die Du mir gewähren wollest gütiger Vater!
Eingedenk will ich aber auch immer dessen sein, daß mein Geist nicht sterblich ist, daß er nicht der Erde angehört, daß er bestimmt ist, zu Dir aufzustreben, Dich als Inbegriff aller Vollkommenheit zu verehren und immer mehr und mehr Dir ähnlich zu werden. Mein Körper wird in Staub zerfallen und im Haushalte der irdischen Natur zu neuen Zwecken dienen; dann aber wird der Geist frei sein von den Fesseln des Körpers und des Ranges teilhaftig werden, dessen er sich würdig gemacht hat durch Weisheit und Tugend auf Erden. Darum soll meine Seele nicht meinem Leibe untertänig sein, wohl aber sollen die Kräfte meines Leibes dem reinen Begehren der Seele dienen, zu sammeln Lehre und Erfahrung, Tugend und Weisheit. Amen!
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Großer, erhabener Lenker der Welten! Die Erde wandelt dahin in ihrer Bahn, und der Mond begleitet sie nach jenen unabänderlichen Gesetzen, die Du ihnen vorgeschrieben hast, und wenn sie tausend- und abertausendmal ihren Kreislauf durchmessen, so wandeln sie dennoch fort in junger Kraft und ewiger Schönheit. Daß auch sie altern und einem Ende entgegengehen, ist für ein menschliches Auge nicht ersichtlich. Wie anders ist es mit mir! Des Menschen Dasein auf Erden ist vergänglich und hinfällig; und selbst der Glückliche, der in Fülle der Gesundheit und in Kraft der Jugend seines Lebens sich erfreut, wird durch das Erscheinen des wieder sichtbar gewordenen Mondes daran erinnert, daß abermals ein Zeitabschnitt hinter ihm liegt, daß er näher gerückt ist dem Ziel seiner Tage, daß die Zeit unwiederbringlich für ihn dahingeht und ihr Wert nur in dem liegt, was er Gutes in ihr verrichtet. Darum betrachte ich den Wechsel des Mondes mit ernsten Gedanken und bitte Dich, mein Gott, laß meinem Geiste die Einsicht und meiner Hand die Kraft, die Zeit zu nützen nach Deinem Wohlgefallen. Wenn mir dies gelingt, das fühle ich wohl, so bin ich mehr als Mond und Erde. Du hast ihnen ihren Weg bezeichnet, den sie wandeln müssen, und es liegt nicht in ihrer Macht und in ihrem Willen, davon zu weichen, es ist kein Verdienst für sie, wenn sie fortschreiten nach Deinem Gesetze. Auch mir hast Du die Bahn der Religion und Tugend vorgeschrieben und dennoch mir es überlassen, sie zu wählen oder zu verlassen: ich kann das Verdienst der Tugend mir erwerben. Mond und Erde können Dich nicht preisen, Dir nicht danken und nicht zu Dir beten, ich aber kann mein Herz zu Dir erheben, kann zu Dir mich wenden, wie das Kind zu seinem Vater. Ich weiß es, daß Du der Lenker meines Schicksals bist, daß Du mich beschützest und behütest.
Darum flehe ich denn auch zu Dir, mein Vater! Beschütze und bewahre mich vor Leid und Trübsal, vor Krankheit und Gefahr. Sei in Deiner Gnade mit mir und den Meinigen allen auch im Laufe dieses Monats. Amen!
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בָּרוּך אַתָּה יְיָ אֱלֹהֵינוּ מֶלֶך הָעוֹלָם אֲשֶׁר קִדְּשָׁנוּ בְּמִצְוֺתָיו וְצִוָּנוּ לְהַדְלִיק נֵר שֶׁל שַׁבָּת [3]׃
[3] An Festtagen spricht man statt der letzten drei Worte: נר שֶׁל יוֹם טוֹב.
Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt! der Du in Deiner heiligen Lehre den Sabbat (heutigen Feiertag) eingesetzt hast, daß er uns sei eine Zeit des Friedens und der Freude. Ich grüße seinen Eintritt, so wie ich einen lieben Gast begrüße, der mit freundlichem Angesicht meine Schwelle betritt. Ich habe die Räume meiner Häuslichkeit geschmückt und die Lichter angezündet, auf daß es nicht düster und trübe um mich her sei am heiligen Sabbat (Feiertag). Möge es auch Dein Wille sein, mein Gott, alle trüben und düstern Gedanken fernzuhalten von meinem Gemüte, laß mich Freudigkeit und Freundlichkeit um mich her wahrnehmen bei allen die ich liebe, und für deren Ruhe und Wohlsein und Frieden ich voll Inbrunst zu Dir bete. Amen!
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(Freitag Abend.)
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לְכָה דוֹדִי
Auf, auf! mein Freund, und säume nicht,
Sie kommt mit holdem Angesicht!
O, laß' uns mit Verlangen
Die süße Braut empfangen!
Ihr Angesicht ein Engelsbild,
Ihr Blick ein Strahl so licht und mild
Ihr Mund, er ladet Dich zum Kuß
Ihr Kuß, der Wonne Hochgenuß!
Ihr Lächeln grüßt wie Sonnenschein,
Der leuchtet tief ins Herz hinein.
Das ist ein Gruß, ein treuer;
O, heil'ge Sabbatfeier.
Auf, auf! usw.
Als Gott das Schöpfungswerk vollbracht,
Da ist ins Dasein sie erwacht;
Sie ist so alt, wie Sonn' und Mond
Und alles, was auf Erden wohnt.
Und bleibst doch jung für alle Zeit
In ew'ger Kindeslieblichkeit,
Wie täglich jung die Sonne,
O, heil'ge Sabbatwonne!
Auf, auf! usw.
Sie bringt Dir einen Labetrunk,
Der macht das Herz Dir frisch und jung,
Daß Du der Sorgen böse Last
Vergessen und verloren hast,
Wenn nur Dein Mund den Kelch berührt,
Den sie an Deine Lippen führt,
Daß Dich sein Geist erfülle.
O, heil'ge Sabbatstille!
Auf, auf! usw.
Es ruht die Arbeit meiner Hand.
Ich kleide mich ins Festgewand,
Ich breite meine Arme aus,
Die Königin zieht in mein Haus!
Dort strahle heller Kerzenglanz,
Wie ihres Hauptes Strahlenkranz!
Das Licht ist ihr Geschmeide.
O, heil'ge Sabbatfreude!
Auf, auf! usw.
Was klingt so lieblich an mein Ohr?
Sie ist's, sie ruft den Klang hervor!
Der ruft mich in mein Gotteshaus,
Dort zieht des Herzens Leid hinaus,
Dort ist die Seele ungetrübt
Beim Vater, der die Kinder liebt;
— Er schuf sie nicht im Grimme —
O, heil'ge Sabbatstimme!
Auf, auf! usw.
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Preise Gott nun, meine Seele!
Preise ihn, den Herrn der Herrn!
Wenn ich seine Wunder zähle,
Hört es Gott der Vater gern;
Reichen nimmer die Gedanken
Auch für seine Größe hin,
Gott kennt meines Geistes Schranken,
Weiß, daß nur ein Mensch ich bin.
Schöpfer ist er aller Dinge,
Und er bleibt es fort und fort;
Daß er eine Tat vollbringe,
Reicht sein Wille hin, sein Wort.
Schöpfer, doch erschaffen nimmer,
War er da vor aller Zeit,
Unverändert bleibt er immer
Bis in alle Ewigkeit.
Er ist Herr, und seinem Willen
Sind die Welten untertan,
Seine Vorschrift zu erfüllen,
Rollen sie auf ihrer Bahn.
Sterne, Monden, Erden, Sonnen
Wandeln hin auf sein Geheiß,
Seit zu wandeln sie begonnen;
Er bestimmte ihren Kreis.
Helfer ist er allen Seinen
Alle liebt er, groß und klein;
Wenn wir uns verlassen meinen,
Ist er Stütze uns allein.
Darum will ich nie verzagen,
Wenn mich Harm und Leid bedroht,
Fröhlich ihn zu bitten wagen,
Der da hilft aus aller Not.
Heilig ist er. Ihn verehren
Ist des Menschen Heiligkeit,
Ihm nur sei nun mein Begehren
Und mein Sabbat ganz geweiht.
Fröhlich ist mein Geist erhoben,
Seines Wertes sich bewußt;
Kann ich meinen Schöpfer loben,
Das ist heilige Sabbatlust.
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(Zum Sabbat-Ausgang.)
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O, sei uns gnädig, Herr, mein Gott!
Und gib uns Deinen Segen,
Laß' leuchten uns Dein Angesicht
Auf unsern Lebenswegen,
Daß wir erkennen Deinen Weg,
Den rechten, auf der Erde,
Daß Deine Hilfe anerkannt
Von allen Völkern werde;
Auf daß, o Gott, Dir dankend naht
Der Nationen Menge,
Daß jedes Volk vor Dir erhebt
Die höchsten Lobgesänge,
Daß Deiner Allgerechtigkeit
Sie jauchzen voll Entzücken,
Daß sie der Welt Regierung nur
In Deiner Hand erblicken.
Bis endlich Deiner Größe Lob
Aus jedem Mund erschalle,
Bis dankend sich vereinigen
Vor Dir die Menschen alle.
Du bist es, der des Feldes Frucht
Der Erde läßt entsprossen;
So ist, o Gott, aus Deiner Huld
Der Segen uns geflossen;
So wird auch ferner Gott allein
Uns seine Gaben senden;
D'rum sei ihm Ehrfurcht dargebracht
An allen Erden Enden.
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(Lied.)
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Du, Hocherhabener! wählst
Die Wolken Dir zum Sitze
Und schau'st auf uns herab
Und bist uns Fels und Stütze.
Du warst der Väter Hort
Und bleibst es auch den Kindern,
Und Deine Liebe kann
Sich nie und nie vermindern.
Es dunkelt nun die Nacht,
Und sie umhüllt die Erde,
Auf daß nach kurzer Rast
Es wieder Morgen werde;
Der heil'ge Sabbat weicht,
Der Labetag der Frommen,
Auf daß zu neuem Werk
Der Woche Tage kommen.
O laß uns neu gestärkt
Zurück zur Arbeit kehren,
Und Weisheit und Verstand
Durch Tätigkeit vermehren,
Und wie Dir wohlgefällt
Der Tag, den wir Dir weihen,
So gibst Du auch dem Fleiß
Gelingen und Gedeihen.
O, stärke uns're Kraft,
Daß Gutes wir vollbringen;
Von Dir kommt alles Heil,
Gedeihen und Gelingen.
So wie bisher die Kraft
Wir Dir zu danken hatten,
Laß' ferner uns're Hand
In Schwäche nicht ermatten.
So sinke nun hinab,
Du letzte Sabbatstunde,
Begleitet von dem Lob
Des Herrn aus uns'rem Munde
Er bringt der Woche Lauf
Uns wiederum zum Segen
Und führt aufs neue uns
Der Sabbatruh' entgegen.
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Gütiger Gott! Mit ehrfurchtsvoller Erwartung habe ich seit langer Zeit dem Tage entgegengesehen, der heute für mich gekommen ist.
Ich soll nun heute hintreten vor Dein Angesicht, um im Bewußtsein Deiner Allgegenwart und vor den Augen vieler Zeugen das Gelöbnis auszusprechen, daß ich treu bleiben will der heiligen Religion, in der ich geboren und belehrt bin, treu bleiben will dem Wege der Tugend und Dich anbeten will im Geiste und nach der Lehre Moses, Deines Propheten, bis an das Ende meines Lebens.
Eine lange und ernste Vorbereitung ist diesem Tage vorangegangen, und alles hat darauf hingedeutet, daß er ein Tag von hoher Wichtigkeit für mich sein soll, daß er mannigfache Empfindungen in mir erwecken, heilige Scheu in mir hervorrufen und Gedanken höherer Natur in mir anregen muß.
Meine Empfindungen sind: Dank und Freude, Hoffnung und Zaghaftigkeit. Ich will sie vor Dir offenbaren, mein Gott.
Ich danke Dir aus tiefster Seele für das Glück der Kindheit, das ich genossen. Ich danke Dir aus tiefster Seele dafür, daß Du liebende, zärtliche Eltern mir gegeben hast, die den Pfad meiner Jugend so herrlich geebnet, die kein Opfer gemieden haben, mein Glück zu begründen, meinen Geist zu bilden. Und auch die Freude belebt mein Herz. Ich vermag heute öffentlich ihnen recht von Herzen zu danken und sie in der Hoffnung auf das Wohlgedeihen ihres Kindes glücklich zu machen. Auch die Hoffnung erfüllt meine Brust, denn ich hege die Zuversicht, daß ich unter dem Schirme der Tugend, wie Dein heiliges Gesetz sie vorschreibt, glücklich sein werde. Aber auch der Zaghaftigkeit kann ich mich nicht entschlagen! Ob ich immer Kraft genug besitzen werde, allen Versuchungen Trotz zu bieten? Ob ich immer besonnen genug sein werde, über mich selbst zu wachen? — —
Und eine heilige Scheu ist es, die den heutigen Tag mir weihevoll macht. Es ist die Scheu vor der Sünde. Das Beispiel gottesfürchtiger Eltern, der Unterricht treuer Lehrer haben die Erkenntnis der Sünde in mir erweckt, die Liebe zur Tugend und zur Wahrheit in mir wach gerufen, und das Bewußtsein in mir gekräftigt, daß die Tugend das Glück, die Sünde das Unglück in sich birgt.
Und die Gedanken höherer Natur, die heute mich beleben, das sind die Gedanken an Dich. Wie glücklich fühle ich mich, erkannt zu haben, daß Du allein Gott bist im Himmel und auf Erden, daß Du ewig bist und unbeschränkt im Raume und in der Zeit, daß Du ein gerechter Richter bist, der das Gute belohnt und das Böse bestraft, daß Du ein liebender Vater bist allen Menschen, und allen Wesen gibst, was für sie zum Heile ist, daß Du allwissend und allweise bist und zu den besten Zwecken die besten Mittel wählst, daß Du der Schöpfer der Welt bist, und alle Kräfte der Natur Dir untertänig sind. Wie glücklich fühle ich mich, daß es mir vergönnt ist, Dich anzubeten, mein Hoffen und Vertrauen auf Dich zu gründen. O, so erhöre auch Du mein Gebet:
Du großer Gott, Du Herr des Lebens!
Steh' gnadenvoll mir Schwachen bei,
Auf daß ich heute nicht vergebens
In Deinen Bund getreten sei.
O führe mich auf eb'nem Gleise
Durch dieses Erdenleben hin,
Und mache mein Bestreben weise
Und fromm und edel meinen Sinn.
Ich möchte gut vor meiner Seele,
Wenn ich mich selber prüfe, sein,
Erkennen, wo und wann ich fehle,
Und jeden Fehler schnell bereu'n.
Ich möchte gut und wohlgelitten
Vor allen Menschen sein, und reich
An allen angenehmen Sitten
Und immer nur den Besten gleich.
Ich möchte wandeln Deine Pfade,
Weil dort nur Heil ich finden kann,
Das gib mir, Herr, in Deiner Gnade,
Ich flehe Dich in Demut an.
Amen!
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Mein Gott! Hinweg aus der lebendigen Aufregung, die mich umgibt, und die, obschon hervorgerufen durch Liebe und Güte aller, die mir nahe sind, mich dennoch nicht die Ruhe inbrünstiger Sammlung finden läßt, flüchte ich mich auf einen Augenblick zu Dir, mein Gott, um, abgezogen von allem Weltlichen, einsam und ungestört, nur im Bewußtsein und im Gefühle Deiner Nähe mein tiefbewegtes Herz vor Dir zu offenbaren.
Der Ernst des Lebens tritt heute in seiner ganzen Größe an mich heran und verlangt von meiner schwachen Einsicht die Reife höchster Überlegung und die Festigkeit des ernstesten Entschlusses.
Mir würde bangen vor dieser Aufgabe, und ich wüßte keinen Ausweg, als ihr auszuweichen, wenn Du nicht, o Herr, Kräfte in mein Herz gepflanzt hättest, die da wohl vermögen mich mutig zu machen und meine Leiter zu sein, daß den bedeutungsvollen Schritt ich wage, den ich heut gehen soll und will.
Ja, in meinem Herzen wohnen die Kräfte, und als freundliche Engel stellen sie sich lächelnd vor mein Auge; sie heißen Liebe und Vertrauen.
Liebe und Vertrauen empfinde ich zu Dir, mein Gott. Erzogen in den Lehren der Religion, fühle ich mich als Dein Kind, das nicht unerhört sich zum Vater wendet. Ich liebe Dich als meinen Wohltäter von Jugend auf, und lege vertrauensvoll mein Schicksal in Deine Hand. Was Du über mich beschlossen hast, das wird zu meinem Heile sein.
Liebe und Vertrauen empfinde ich zu meinen Eltern, ihren Willen achte ich selbst da höher als meine Neigung, wo diese mit jenem nicht eins ist, um wieviel mehr muß ihr Wille mir heilig sein, wo er mit meinen Wünschen übereinstimmt. Was sie über mich beschließen, ist nur Liebes und Gutes, was sie von mir begehren, ist nur zum Segen für mich. So war es von je.
Liebe und Vertrauen empfinde ich endlich auch gegen ihn, der mir seinen Willen offenbart hat, mir ein Schutz und eine Stütze zu sein in allen Tagen, solange es Dir wohlgefällt, daß wir vereint die Wege des Lebens gehen, gegen ihn, der von mir begehrt, daß ich ihm die Hand zum Bunde reiche, um als treue Gefährtin seines Lebens ihn nie zu verlassen in Glück und Unglück.
Wenn aber dies alles auch geeignet ist, mich frohen Mutes die Pflichten der Braut und bald die der Gattin übernehmen zu lassen, so bangt meine Seele dennoch, weil ich mir meiner Schwäche und Mangelhaftigkeit bewußt bin, weil ich es für gar leicht erachte, durch meine Fehler mir das Glück meines Lebens zu zerstören. Darum bitte ich Dich, mein Gott, verlasse mich nicht, wie Du bisher mich nicht verlassen hast. Laß mein aufrichtiges Streben gelingen, meinen Geist verständig, mein Herz duldsam, mein Wesen angenehm und meine Lebensansprüche bescheiden zu machen. In Deine Hand befehle ich mein Leben heute und allezeit, weil ich Dich liebe und auf Dich vertraue. Du bist mein Wohltäter, meine Stütze und Zuflucht. Amen!
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Gütiger Gott! Näher und immer näher rückt der entscheidende Tag für mich heran, an dem ich das Haus meiner Eltern, die liebe Umgebung verlassen soll, in der ich gelebt habe von den Tagen meiner Kindheit bis jetzt. Der Tag naht heran, an dem ich einziehen soll in das Haus des Mannes, dem ich treu anzugehören gelobt habe für die ganze Zeit, die Du, mein Gott, für unsern gemeinsamen Lebensweg auf Erden bestimmt hast.
Je näher mir dieser Tag entgegentritt, desto mehr auch beschleicht mich das Gefühl der Bangigkeit. Ich weiß nicht, ob ich leicht oder schwer mich in die neuen Verhältnisse finden werde, ich weiß nicht, ob meine Kräfte und meine Einsicht ausreichen werden, den Pflichten der Hausfrau sogleich zu genügen, oder ob ich erst mit Mühe und Ausdauer mir die Fähigkeit, eine solche zu sein, werde erwerben müssen. Ich weiß nicht, ob ich mit Freude und Fröhlichkeit oder mit Sehnsucht und Bangen auf die Tage meiner Vergangenheit zurückblicken werde. Ich weiß nicht, ob mehr Wohlergehen oder mehr Leid und Trübsal mein Anteil sein werden. Denn wie der Würfel aus der Hand entrollt, so fällt das Los aller, die ihre Zukunft abhängig machen von dem Bündnisse der Ehe. Nicht Weisheit und Überlegung, nicht Reichtum und Erfahrung bürgen für das Glück, ja selbst die Liebe der Gatten zueinander vermag nicht Bürgschaft zu leisten für Wohlsein und Zufriedenheit.
Dennoch will ich freudig der entscheidenden Stunde entgegengehen. Denn Du, gütiger Gott, warst mein Schutz und meine Hilfe bis heute, Du wirst es auch ferner sein. Du hast bisher meine Bahn geebnet; wie sollte ich glauben, daß Du später mich verlassen wirst. Nein, gestärkt und ermutigt war ich stets, so oft ich mein Herz im Gebete zu Dir erhob, und diese Wohltat kann ja auch ferner mir nicht fehlen. Auch in diesem Augenblicke empfinde ich ihre Süßigkeit, denn ich fühle, daß Du in meiner Nähe bist, daß ein Tempel für Dich errichtet ist in meinem Innern, in dem ich alle Zeit Zuflucht finde, ich fühle, daß ich Dich liebe und von Dir geliebt werde.
Und sollte die Anerkennung Deiner unendlichen Güte und Huld mich nicht immer mehr und mehr zum festen Glauben bestimmen, daß ich geborgen sein werde unter Deiner Fürsorge?
Du weißt es, daß ich nicht leichtfertigen Sinnes oder aus eitlem Verlangen nach erträumtem Glücke, dem Manne meiner Wahl Treue gelobt, sondern daß nur das Gefühl mich bestimmt hat, daß Du, mein Gott, es bist, der meinen Schritt billigt, und der von mir verlangt, daß ich ihm nicht ausweiche.
Darum empfehle ich Dir meine Zukunft. Was Du tust, das ist wohlgetan! Amen!
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Allgütiger Vater im Himmel! Erbarmungsvoll schauest Du hernieder auf Deine Kinder auf Erden; Du wendest Dein Angesicht auf alle, die inbrünstigen Sinnes sich Dir nahen, und unerhört bleibt keine Seele, die in aufrichtiger Demut vor Dir sich neigt, kein Herz, das hoffend und vertrauend im Gebete zu Dir sich wendet.
O, so sei auch jetzt mir nahe, da ich, wenn auch in schlichten Worten, mein übervolles Herz durch die Sprache des Gebetes vor Dir erleichtern will.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß dieser Tag ein Tag des Heils für mich werde.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß meine teuren Eltern all die Freuden erleben, für die sie mit den höchsten Opfern der Liebe diesen Tag sich erkauft haben.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß mein Gatte in den Tagen der Zukunft die Stunde segne, die mich zu seiner Lebensgefährtin gemacht hat.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß ich immerdar lichten Auges und willigen Herzens des Weges gehe, auf dem ein tugendhaftes Weib die Pflichten der Gattin und Hausfrau übt.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß nicht des Schicksals Bürde allzuschwer auf meinen Schultern laste, wenn nach dem Rate Deiner Allweisheit es mir bestimmt ist, Zeiten der Prüfung zu ertragen.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß ich Dein nicht vergesse, wenn der süße Klang der Fröhlichkeit und der Freude mich umrauscht.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß ich Mut und Ausdauer nicht verliere, wenn Mühe und Arbeit mein Anteil sind.
Sei mir gnädig, mein Gott! daß mein Sinn frei bleibe von Stolz und Übermut, wenn Glanz und Wohlstand meine Tage sorglos machen.
Alle diese Bitten und unzählige andere drängen sich heut in meinem Herzen, und ich vermag nicht ihre Zahl zu bestimmen, ihre Innigkeit in schwachen Worten zu offenbaren. Du aber, mein Gott! schaust in mein Inneres, vor Dir sind meine Gedanken offenbar, und die Gefühle der Betenden sind Dir nicht verborgen. Darum fasse ich sie alle in das eine Flehen: Sei meine Hilfe, sei mein Hort, wende Deine Liebe nicht von mir, wie Du sie bisher mir nicht versagt hast.
Ach! schon drängt die Zeit, daß ich mich schmücken lasse, um als Braut lieblich zu erscheinen dem Blicke des Bräutigams, der meiner harrt, daß der Segen der Religion das Siegel drücke auf den Bund unserer Herzen. Auch er erwartet das Glück seines Lebens von dem Segen dieses Tages, auch er ist gleich mir bereit, fortan all sein Denken und Tun dem Bunde der Liebe zu weihen, den unsre Herzen geschlossen haben; o, sei auch mit ihm, daß er finde, was er sucht: Glück und Zufriedenheit, Frieden im Hause und Freude an seiner Tätigkeit. Laß ihn den Lohn finden für all sein Streben, mit dem er die Selbständigkeit sich erworben, für all den Fleiß, mit dem er sich emporgearbeitet, daß er nun ein Haus sich gründe.
Und dieses Haus, laß es sein eine Stätte der Tugend und der Gottesfurcht, lieblich in Deinen Augen und angenehm in den Augen der Menschen.
Ach, Herr mein Gott! ich fühle, daß Du bei mir bist, ich danke Dir für die Erhebung, die Du im Gebete mir zugewandt. Ich trockne die Träne der Andacht und eile hin, wo ich die der Freude vergießen will. Du bist mein Trost und meine Zuflucht, Deiner Liebe will ich heute mich erfreuen, o, wende nie sie von mir ab. Amen!
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