"Wir kommen erst aus Spanien zurück,
Dem schönen Land des Weins und der Gesänge".
Frosch: Denn wenn ich judicieren soll,
Verlang' ich auch das Maul recht voll.
Brander: Ein echter deutscher Mann mag keinen Franzen leiden,
Doch ihre Weine trinkt er gern.
Alle singen: Uns ist ganz kannibalisch wohl
Als wie fünfhundert Säuen.—
Hexenküche.
Mephist.: (Auch) die Kultur, die alle Welt beleckt,
(Hat auf den Teufel sich erstreckt).
Mephist.: Den Bösen sind sie los, die Bösen sind geblieben.
Mephist.: Dies ist die Art, mit Hexen umzugehn.
Mephist.: (Denn) ein vollkommner Widerspruch
Bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für Thoren.
Mephist.: Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,
Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.—
Strasse.
Faust: Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und Geleit ihr anzutragen?—
Abend.
Margarete: Nach Golde drängt,
Am Golde hängt
Doch Alles!
Mephist.: Gleich schenken? Das ist brav! Da wird er reüssieren!—
Der Nachbarin Haus.
Mephist.: Es ist eine der grössten Himmelsgaben,
So ein lieb Ding im Arm zu haben.
(In späteren Ausgaben: 's ist u. s. w.)
Margarete: Das ist des Landes nicht der Brauch.
Mephist.: Durch zweier Zeugen Mund
Wird allerwegs die Wahrheit kund.
(Dies ruht auf 5. Mos. 19, 15: "Es soll kein einzelner Zeuge wider jemand auftreten, sondern in dem Munde zweier oder dreier Zeugen soll die Sache bestehen" und auf Joh. 8, 17: "Auch stehet in eurem Gesetz geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis wahr sei", vrgl. 5. Mos. 17, 6; Matth. 18, 16; 2. Kor. 13, 1; 1. Tim. 5, 19.)
Faust: Wer recht behalten will und hat nur eine Zunge
Behält's gewiss.—
Gretchens Stube.
Gretchen: Meine Ruh' ist hin.
Mein Herz ist schwer.—
Marthens Garten.
Faust: Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsgut.
Margarete: Es thut mir lang schon weh',
Dass ich dich in der Gesellschaft seh'.
Faust: Es muss auch solche Käuze geben.
Faust: Ahnungsvoller Engel (du)!
Faust: Du hast nun die Antipathie!
Margarete: Ich habe schon so viel für dich gethan,
Dass mir zu thun fast nichts mehr übrig bleibt.
Mephist.: Die Mädels sind doch sehr interessiert,
Ob einer fromm und schlicht nach altem Brauch.
Sie denken, duckt er da, folgt er uns eben auch.
Mephist.: Hab' ich doch meine Freude d'ran!—
Dom.
Gretchen: Nachbarin! Euer Fläschchen!—
Aus Goethes 1794 erschienenem "Reinecke Fuchs" stammt:
Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen.—
Im 11. Kap. des 2. Buches von "Wilhelm Meisters Lehrjahren" (erschienen 1795 und 1796) kommt in dem am Schlusse stehenden Liede des Harfenspielers (gedichtet 1782):
O Trank der süssen Labe!
vor. Das Lied erhielt später unter "Balladen" den Titel: "Der Sänger". Hier sind die Worte verändert in:
O Trank voll süsser Labe!—
Die Worte des Harfenspielers in "Wilhelm Meisters Lehrjahren" 2, 13:
Wer nie sein Brot mit Thränen ass,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend sass,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte
schrieb die Königin Luise in ihr Tagebuch, als sie auf der Flucht nach Königsberg am 3. Dez. 1806, von einem Schneesturm überfallen, zu Ortelsburg in ein Bauernhaus einkehren musste. Goethe spricht sich bewegt hierüber aus in den "Sprüchen in Prosa" (n. 153. Werke 19, 43. Hempel. vrgl. "Du speisest sie mit Thränenbrot" . . Ps. 80, 6 und "Der Betrübten Brot" Hosea 9, 4).—
Aus der sich bei Goethe anschliessenden Strophe:
Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr lasst den Armen schuldig werden,
Dann überlasst ihr ihn der Pein;
Denn alle Schuld rächt sich auf Erden,
ist der letzte Vers sehr bekannt. Dahinter steht bei Goethe ein anderer Gesang des Harfenspielers, welcher beginnt:
Wer sich der Einsamkeit ergiebt,
Ach! der ist bald allein!—
Das Land, wo die Citronen blüh'n,
ist aus dem Liede "Mignon" (Wilhelm Meisters Lehrjahre 3, 1): "Kennst du das Land, wo die Citronen blüh'n?"—
In der 3. Strophe heisst es:
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg,
was auf unklare Menschen angewendet zu werden pflegt.—
In "Wilhelm Meisters Lehrjahren" 4, 9 stehen Philines Worte:
wenn ich dich lieb habe, was geht's dich an!
Goethe citiert sie in "Wahrheit und Dichtung", 14. Buch, also: "Jenes wunderliche Wort (Spinozas): "Wer Gott recht liebt, muss nicht verlangen, dass Gott ihn wieder liebe", mit allen den Vordersätzen, worauf es ruht, mit allen den Folgen, die daraus entspringen, erfüllte mein ganzes Nachdenken. Uneigennützig zu sein in Allem, am uneigennützigsten in Liebe und Freundschaft, war meine höchste Lust, meine Maxime, meine Ausübung, so dass jenes freche spätere Wort
Wenn ich dich liebe, was geht's dich an
mir recht aus dem Herzen gesprochen ist". Das Wort Spinozas steht in seiner Ethik, pars V, propositio XIX in der Form: "Qui Deum amat, conari non potest, ut Deus ipsum contra amet".—
Wir citieren die Überschrift des 6. Buches von "Wilhelm Meisters Lehrjahren", wenn wir
Bekenntnisse einer schönen Seele
sagen.—
Goethes Ballade "Der Zauberlehrling" (zuerst in Schillers Musen-Almanach für 1798, S. 32) enthält die Worte:
Die ich rief, die Geister,
Werd' ich nun nicht los;
und aus seiner Ballade "Der Schatzgräber" (zuerst ebenda S. 46) wird citiert:
Tages Arbeit! Abends Gäste!
Saure Wochen! Frohe Feste!—
Aus Goethes Sonett in "Was wir bringen" (Vorspiel bei Eröffnung des neuen Schauspielhauses zu Lauchstädt: 26. Juni 1802; 19. Auftritt) wird citiert:
In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.
Dies Sonett befindet sich mit dem Titel "Natur und Kunst" auch in dem "Epigrammatisch" überschriebenen Abschnitte seiner Gedichte.—
Im Wieland-Goetheschen "Taschenbuch auf das Jahr 1804", S. 97 steht Goethes "Tischlied" zum 22. Jan. 1802:
Mich ergreift, ich weiss nicht wie,
Himmlisches Behagen;
und S. 113 das Gedicht "Schäfers Klagelied", das nach Zelters "Briefwechsel mit Goethe" (I, S. 21 und 41) schon 1802 bekannt war. Am Ende der zweiten Strophe befinden sich, die das träumende Hinabwandeln des Schäfers vom Berge schildernden Zeilen:
Ich bin heruntergekommen
Und weiss doch selber nicht wie,
die wir in ganz anderem Sinne ("heruntergekommen" in übertragener Bedeutung) citieren.—
Aus Goethes (ebenda S. 115-116 zuerst erschienenem) Gedichte "Trost in Thränen" wurde üblich:
Die Sterne, die begehrt man nicht.
S. 150 ebenda lässt Goethe am Ende des Gedichtes "Frühlingsorakel" den Kuckuck seinen eigenen Namen
Mit Grazie in infinitum
wiederholen.—
Aus dem zu Schillers Todtenfeier am 10. Aug. 1805 von der Lauchstädter Bühne erklungenen Goetheschen "Epiloge zu Schillers Glocke" blieben die folgenden Worte der vierten Strophe haften:
Denn er war unser! (Mag das stolze Wort
Den lauten Schmerz gewaltig übertönen!)
Und hinter ihm in wesenlosem Scheine,
Lag, was uns Alle bändigt, das Gemeine.
Erschienen im "Taschenbuch für Damen auf das Jahr 1806" her. v. Huber, Lafontaine, Pfeffel u. A., Tübingen, J. G. Cotta; wiederholt und erneut bei der Vorstellung am 10. Mai 1815; abgedruckt in den "Sämtl. Werk." 6, 423. Stuttg. u. Tüb., J. G. Cotta 1840.—
Aus dem in Tübingen, 1808, bei Cotta (8. Band von Goethes Werken) erschienenen "Faust" wird citiert:
Zueignung (gedichtet 1797).
Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten.—
Vorspiel auf dem Theater.
Direktor: (Zwar sind sie an das Beste nicht gewöhnt.
Allein) sie haben schrecklich viel gelesen.
Dichter: Was glänzt, ist für den Augenblick geboren,
Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.
Direktor: Wer Vieles bringt, wird Manchem etwas bringen.
Lustige Person: Greift nur hinein in's volle Menschenleben!
Lustige Person: Und wo ihr's packt, da ist's interessant.
Lustige Person: Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen,
Ein Werdender wird immer dankbar sein.
Direktor: Der Worte sind genug gewechselt,
Lasst mich auch endlich Thaten seh'n.—
Prolog im Himmel.
Der Herr: Es irrt der Mensch, so lang er strebt.
Der Herr: Ein guter Mensch, in seinem dunkeln Drange
Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.
Mephist.: Von Zeit zu Zeit seh' ich den Alten gern.—
Faust. Der Tragödie erster Teil.
Nacht.
Wagner: Zwar weiss ich viel, doch möcht' ich alles wissen.
Faust: Was du ererbt von deinen Vätern hast.
Erwirb es, um es zu besitzen.
Faust: Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;
Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.—
Vor dem Thor.
Bürger: Nein, er gefällt mir nicht, der neue Burgemeister!
Andrer Bürger: . . . . hinten, weit in der Türkei.
Faust: . . . . . . ein dunkler Ehrenmann.
Faust: Was man nicht weiss, das eben brauchte man,
Und was man weiss, kann man nicht brauchen.
Faust: Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine hält mit derber Liebeslust
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
Schon Wieland lässt in dem lyrischen Drama "Die Wahl des Herkules" (1773) diesen, zwischen Tugend und Begehrlichkeit schwankenden Halbgott ausrufen:
"Zwei Seelen—ach, ich fühl' es zu gewiss!
Bekämpfen sich in meiner Brust
Mit gleicher Kraft." . . . .
Und lange vor Wieland singt Racine (1639-1699) im dritten Gesange seiner "Cantiques spirituels", "Plainte d'un Chrétien sur les contrariétés qu'il éprouve au dedans de lui-même", den er dem siebenten Kapitel des "Römerbriefes" entlehnte, wo Paulus den Kampf seines inneren und äusseren Menschen schildert:
"Mon Dieu, quelle guerre cruelle!
Je trouve deux hommes en moi:
L'un veut, que plein d'amour pour toi,
Mon coeur te soit toujours fidèle,—
L'autre, à tes volontés rebelle,
Me révolte contre la loi".
"L'un tout esprit et tout céleste,
Veut, qu'au ciel sans cesse attaché,
Et des biens éternels touché,
Je compte pour rien tout le reste,
Et l'autre par son poids funeste
Me tient vers la terre penché". etc.
Wieland und Goethe setzten für "deux hommes" unwillkürlich "deux âmes" als den üblichen Begriff. Sie kannten wohl die Lehre des Mani (3. Jahrh. n. Chr.), von deren Anhängern Balthasar Bekker ("Bezauberte Welt" I. Buch, XVIII. Hauptstück § 7; holländ. 1691, deutsch 1693 Amsterd.) sagt: "Sie halten gar dafür, dass jeder Mensch zwo Seelen habe, deren eine allezeit wider die andere streite". Und Beide hatten gewiss in Xenophons "Cyropaedie" VI, 41 des wider Willen sündhaft verliebten Araspes Vermuthung gelesen, "er müsse ohne Frage zwei Seelen haben (δύο γὰρ, ἔφη, ὦ Κῦρε, σαφῶς ἔχω ψυχάς), denn eine Seele könne nicht böse und gut sein, noch zugleich etwas wollen und es auch nicht wollen." Bereits in den "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1793-1795) lässt Goethe den "Alten" von "Ferdinand" sagen, er habe seiner Eltern grundverschiedene Gemüthsarten in sich vereinigt, so dass "seine Freunde zu der Hypothese ihre Zuflucht nehmen mussten, dass der junge Mann wohl zwei Seelen haben mochte"; und weiterhin heisst es da "die gute Seele schien die Oberhand zu gewinnen". Hierzu brauchte Goethe Racine nicht; seine Faustworte aber strömen klar aus jener Quelle.—
Faust: (Du hast wohl recht:) ich finde nicht die Spur
Von einem Geist, und alles ist Dressur.—
Studierzimmer.
Faust: mein geliebtes Deutsch.
Mephist.: Wozu der Lärm? was steht dem Herrn zu Diensten?
Faust: Das also war des Pudels Kern!
Faust: Der Kasus macht mich lachen.
Mephist.: der Geist, der stets verneint!
Mephist.: Beisammen sind wir, fanget an!
Mephist.: Du bist noch nicht der Mann, den Teufel fest zu halten!—
Studierzimmer.
Mephist.: Allwissend bin ich nicht; doch viel ist mir bewusst.
Faust: Was willst du armer Teufel geben?
Faust: Verweile doch! Du bist so schön!
(vrgl. T. II, 5 "Grosser Vorhof des Palastes".)
Mephist.: Blut ist ein ganz besondrer Saft.
Schon in Christian Heinrich Postels Singspiel "Die Gross-Muthige Thalestris oder Letzte Königin der Amazonen" (Hamburg. Vorgestellet anno 1690) heisst es im "anderen Auftritt":
"Blut ist der Safft vor allen Säfften,
Der tapfren Muth im Herzen kann ernähren".—
Mephist.: Ein stiller Geist ist Jahre lang geschäftig;
Die Zeit nur macht die feine Gährung kräftig.
Tiere: (Wir kochen) breite Bettelsuppen.—
Walpurgisnacht.
Mephist.: süsser Pöbel.
(G. v. Loeper führt dies Wort in seiner Ausgabe des Faust auf ein "dolce plebe" im Ariost zurück, giebt aber keine Stelle an.)
Mephist.: Die Müh' ist klein, der Spass ist gross.
Mephist.: Du glaubst zu schieben und du wirst geschoben.
(vrgl. "Maximes et réflexions morales du Duc de la Rochefoucauld" 1782, No. 43 "L'homme croit souvent se conduire lorsqu'il est conduit".)—
Feld.
Mephist.:Sie ist die erste nicht. (Nicht Goethes Erfindung, sondern ein altes Wort.)—
Kerker.
Faust:Der Menschheit ganzer Jammer fasst mich an.
Das Bild
der rote Faden
wird in Goethes "Wahlverwandtschaften" (1809), II. 2, also erklärt:
"Wir hören von einer besonderen Einrichtung bei der englischen Marine: Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören.
Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden der Neigung und Anhänglichkeit, der alles verbindet und das Ganze bezeichnet".
Goethe citiert den roten Faden noch einmal in den "Wahlverwandtschaften", II, 4 zur Einleitung eines Stücks von Ottiliens Tagebuch: "Manches Eigene von innigerem Bezug wird an dem roten Faden wohl zu erkennen sein."
"Dieser rote Faden" schrieb Lothar Bucher ("National-Zeit." 8. Juli 1865 Morgenbl.), "sieht in Wirklichkeit gar nicht rot aus, sondern gelb". Das war aber damals nur bei den in Chatham angefertigten Tauen der englischen königlichen Marine der Fall, während die aus Portsmouth rot, die aus Plymouth blau und die aus Pembroke grün gekennzeichnet wurden. Jetzt ist der rote Faden allein üblich, was zu Goethes Zeit sich ebenso verhalten haben wird. Seit 1776 besteht der Brauch in Englands Flotte. Als Unterscheidungszeichen für Zwillinge kommt "der rote Faden" 1. Mos. 38, 28 u. 30 vor.—
Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen
(d. h. in der Region der Ideale) steht im Tagebuche Ottiliens ("Wahlverwandtschaften", II, 7) und wird oft vergeblich in Lessings "Nathan" gesucht. Dort sagt I, 6 der Tempelherr zu Daja: "Weib macht mir die Palmen nicht verhasst, worunter ich so gern sonst wandle".—
Nur der Lump ist bescheiden
entlehnen wir Goethes Versen aus dem zuerst 1810 im "Pantheon" gedruckten, von Zelter komponierten Gedichte "Rechenschaft":
Nur die Lumpe sind bescheiden,
Brave freuen sich der That.
Goethe mag hierauf, wie Schopenhauer ("Par. u. Paral." 2, 496; Lpzg. 1877) bemerkte, durch Cervantes gekommen sein, welcher in den seiner "Reise auf den Parnass" angehängten Verhaltungsregeln für Dichter auch diese giebt: "Jeder Dichter, den seine Verse lehrten, dass er einer sei, achte und schätze sich hoch, indem er sich an das Sprichwort halte: ein Lump sei, wer sich für einen Lump hält" ("ruin sea el que por ruin se tiene!").—
Hier sind wir versammelt zu löblichem Thun
ist der 1. Vers von Goethes am 26. März 1810 nach Berlin gesandtem und in den "Gesängen der Liedertafel", 1811, No. 44, zuerst gedrucktem Liede: "Ergo bibamus" (s. auch "Geflügelte Worte aus der Geschichte"). Das Lied sollte, wie Reinhold Steig (Goethe-Jahrbuch XVI, S. 186 ff.) aus den Akten der Singakademie nachwies, den Geburtstag der Königin Luise post festum verherrlichen. "Wunderlichst in diesem Falle!" Als "Ein Spätling zum 10. März" ist es wirklich in der Handschrift vom Dichter bezeichnet. Zeller setzte es in Musik.—
Das in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit seinen Verwandten genial oder, wie man damals sagte, genialisch entstandene Wort:
Geniestreich
hat seine schriftstellerische Weihe durch Goethe im 1814 geschriebenen 3. Teile, im 19. Buche, von "Dichtung und Wahrheit" gefunden, wo er kurz nach der Definition: "Genie ist die Kraft des Menschen, welche durch Handeln und Thun Gesetz und Regel giebt", sagt: "Wenn einer zu Fusse, ohne recht zu wissen warum und wohin, in die Welt lief, so hiess dies eine Geniereise, und wenn einer etwas Verkehrtes ohne Zweck und Nutzen unternahm, ein Geniestreich".
Als ältere Stellen sind anzuführen:
Alman. de belletr. 1782 S. 100, wo es von den Sturm- und Drang-Dichtern (nach Grimm) heisst: "die Herrn samt ihren Geniestreichen . . . sind beinahe vergessen"; dann erschien 1786 ein Buch unter dem Titel "Folgen einer akademischen Mädchenerziehung, mit unter einige Geniestreiche. Kein pädagogischer Roman"; und endlich schrieb Schiller am 1. Nov. 1790 an Koerner über die wahrscheinliche Verheirathung Goethens mit "Mamsell Vulpius", es könnte ihn doch verdriessen, "wenn er mit einem solchen Geniestreich aufhörte".—
Das häufige Zurückweisen auf Shakespeare bezeichnen wir mit dem Titel eines im "Morgenblatt für gebildete Stände", 1815, No. 113, am 12. Mai erschienenen Aufsatzes von Goethe:
Shakespeare und kein Ende.—
Goethes zuerst für die Ausgaben von 1815 vereinigte Sammlung "Sprichwörtlich" liefert uns den Vers:
Alles in der Welt lässt sich ertragen,
Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen;
was bei Luther (B. 57, S. 128) "Gute Tage können wir nicht vertragen" lautet; und das aus dem "Epilog zum Trauerspiel Essex" abgelöste, von Goethe am 18. Okt. 1813, dem Schlachttage von Leipzig gedichtete:
Der Mensch erfährt, er sei auch, wer er mag,
Ein letztes Glück und einen letzten Tag.—
Aus dem Abschnitt "Sprüche" (zugleich auch aus dem "Westöstlichen Divan. Buch der Sprüche") citieren wir das nach Ev. Joh. 9, 4 (s. Kap. I dieses Buches) gebildete:
In Goethes "Sprüchen in Prosa", Abt. 2 heisst es:
"Es giebt
problematische Naturen,
die keiner Lage gewachsen sind, in der sie sich befinden, und denen keine genug thut".
Hiernach gab Friedrich Spielhagen einem seiner Romane den Titel "Problematische Naturen" (1860). Goethe schrieb auch in der "Geschichte der Farbenlehre" (III. Abt. "Bacon v. Verulam"): "Man durchsuche Dictionnaire, Bibliotheken, Nekrologe, und selten wird sich finden, dass eine problematische Natur mit Gründlichkeit und Billigkeit dargestellt worden . . ." und er wandte das Wort noch einmal an, als er in Jena am 8. Okt. 1827 zu Eckermann ("Gespräche" III, 143) vom Kuckuck sagte: "Er ist eine höchst problematische Natur, ein offenbares Geheimniss, das aber nichtsdestoweniger schwer zu lösen, weil es so offenbar ist".—
Aus Goethes "West-östlichem Divan" (1819) stammt das beliebte Aufsatzthema:
Mach't nicht so viel' Federlesen!
Setz't auf meinen Leichenstein:
Dieser ist ein Mensch gewesen
Und das heisst ein Kämpfer sein.
Eigentlich aber sagt dort im "Buch des Paradieses" in dem Gedichte "Einlass" der Dichter zur Huri:
Nicht so vieles Federlesen!
Lass mich immer nur herein:
Denn ich bin ein Mensch gewesen
Und das heisst ein Kämpfer sein.
(vrgl.: "Ma vie est un combat".) Man hat wohl den Schlussreim des unter "Epigrammatisch" befindlichen, 1815 erschienenen Goetheschen Gedichtes "Grabschrift" beim Citieren damit verschmolzen:
"Auf deinem Grabstein wird man lesen:
Das ist fürwahr ein Mensch gewesen".
vrgl. 1. Tim. 6, 12: "Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben . . ." und 2. Tim. 4, 7: "Ich habe einen guten Kampf gekämpfet, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten".—
Goethes "Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-östlichen Divans" (1819) tragen das Motto:
"Wer das Dichten will verstehen
Muss ins Land der Dichtung gehen;
Wer den Dichter will verstehen
Muss in Dichters Lande gehen".
In den "Noten" selbst sagte Goethe, unter "Eingeschaltetes": "Der Dichter steht viel zu hoch, als dass er Partei machen sollte"; ein Ausspruch, der durch Freiligraths Gedicht "Aus Spanien" (1841) zu dem geflügelten Wort wurde:
Der Dichter steht auf einer höhern Warte
Als auf den Zinnen der Partei.
Hierauf antwortete Herwegh mit dem Gedichte "Die Partei", dessen Schlussverse lauten:
Ich hab' gewählt, ich habe mich entschieden,
Und meinen Lorbeer flechte die Partei!—
Aus dem 2. Buche der Goetheschen "Zahmen Xenien" (1823) wurde üblich:
Im Auslegen seid frisch und munter!
Legt ihr's nicht aus, so legt was unter;
aus dem 4.:
Liegt dir Gestern klar und offen,
Wirkst du heute kräftig frei,
Kannst auch auf ein Morgen hoffen,
Das nicht minder glücklich sei;
aus dem 5.:
Sollen dich die Dohlen nicht umschrei'n,
Musst nicht Knopf auf dem Kirchturm sein,
und:
Jeder solcher Lumpenhunde
Wird vom zweiten abgethan;
aus dem 6. (zuerst in Wendts Musen-Almanach für 1831, S. 42, "Die vereinigten Staaten"):
Amerika, du hast es besser,
und aus dem 7.:
Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis,
Wenn man ihn wohl zu pflegen weiss.—
Im Jahre 1827 schenkte uns Goethe das Wort
Weltliteratur.
Zu dieser Zeit entstand sein also betiteltes Gedicht (in "Epigrammatisch"); in seinen "Sprüchen in Prosa . . ." heisst es gegen Ende der 6. Abteilung: "Jetzt da sich eine Weltliteratur einleitet, hat, genau besehen, der Deutsche am meisten zu verlieren; er wird wohl thun, dieser Warnung zu gedenken". Auch findet sich bei Goethe (Cotta 1840. XXXII, 433-8) unter "Ferneres über Weltliteratur" ein Wink, wie sich der Einzelne dieser Erscheinung gegenüber gedeihlich zu verhalten habe. Endlich sprach er zu Eckermann 31. Jan. 1827: "Nationalliteratur will jetzt nicht viel sagen, die Epoche der Weltliteratur ist an der Zeit, und jeder muss jetzt dazu wirken, diese Epoche zu beschleunigen"; und (15. July 1827): "Es ist sehr artig, dass wir jetzt, bei dem engen Verkehr zwischen Franzosen, Engländern und Deutschen, in den Fall kommen, uns einander zu corrigieren. Das ist der grosse Nutzen, der bei einer Weltliteratur herauskommt und der sich immer mehr zeigen wird".—
Aus Goethes 1831 vollendetem, 1833 bei Cotta in Stuttgart erschienenen 2. Teil des "Faust" wird citiert:
1. Akt. Anmutige Gegend.
Faust.: Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.—
Kaiserliche Pfalz.
Kanzler: Natur und Geist—so spricht man nicht zu Christen,
Mephist.:Daran erkenn' ich den gelehrten Herrn.—
Weitläufiger Saal.
Gärtnerinnen: Denn das Naturell der Frauen
Ist so nah mit Kunst verwandt.—
2. Akt. Hochgewölbtes, enges gotisches Zimmer.
Baccalaureus: Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist.
Mephist.: Original, fahr' hin in deiner Pracht.
Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken,
Das nicht die Vorwelt schon gedacht.
(s. des Terenz: "Nullum est iam dictum . . .")
Wenn sich der Most auch ganz absurd geberdet,
Es giebt zuletzt doch noch 'nen Wein.—
5. Akt. Grosser Vorhof des Palastes.
Faust: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Es kann die Spur von meinen Erdetagen
Nicht in Aeonen untergehn.—
Bergschluchten, Wald, Fels, Einöde.
Chorus mysticus: Das Unzulängliche
Hier wird's Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist's gethan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.—
Der Anfang eines Gedichtes des Johann Heinrich v. Reitzenstein: "Lotte bey Werthers Grabe", Wahlheim 1775, das in demselben Jahre in Wielands "Teutschem Merkur" und im "Rheinischen Most", No. 7, erschien, lautet:
Ausgelitten hast du—ausgerungen.
Schiller mag hierdurch zu den Versen seines "Siegesfestes" angeregt worden sein:
"Ausgestritten, ausgerungen
Ist der lange schwere Streit."—
Friedr. Leop. Graf zu Stolberg (1750-1819) hat uns durch das "Lied eines alten schwäbischen Ritters an seinen Sohn" mit dem Verse beschenkt:
Sohn, da hast du meinen Speer
Das Lied stand zuerst im "Wandsbecker Bothen", 1774, No. 77 vom 14. Mai.—
Johann Martin Millers (1750-1814)
Für mich ist Spiel und Tanz vorbei
ist der Anfangsvers der 2. (in seinen Gedichten, Ulm 1783, fortgelassenen) Strophe des zuerst im Göttinger Musen-Almanach auf 1773 gedruckten, dort L. unterzeichneten "Klagelied eines Bauern", (komponiert von Frh. v. Seckendorff (?) und Chr. Dan. Schubart). Aus Millers 1776 gedichtetem, zuerst im Vossischen Musen-Almanache für 1777 gedrucktem Liede "Zufriedenheit" (komponiert von Mozart, aber erfolgreicher von Neefe) sind bekannt der Anfang:
Was frag' ich viel nach Geld und Gut,
Wenn ich zufrieden bin?
sowie die Endverse der 2. Strophe:
Je mehr er hat, je mehr er will,
Nie schweigen seine Klagen still.
vrgl. Seneca "de benef." 2, 27: "Eo maiora cupimus, quo maiora venerunt"—"wir begehren um so mehr, je mehr uns zufiel"; Justinus 6, 1: ". . more ingenii humani, quo plura habet, eo ampliora cupientis"—"nach Art des Menschengeistes, der je mehr er hat, um so mehr begehrt . ."; und Luther B. 57, S. 345: "Je mehr er hat, je mehr er haben will"; ähnlich B. 62, S. 144.—
Im Grab' ist Ruh'
ist der Anfangs- und Schlussvers eines im Göttinger Musenalmanach für 1792 (S. 16) enthaltenen Gedichtes "Die Ruhe im Grabe", unterzeichnet "Ung.", während die Komposition "Langhansen" unterzeichnet ist.[28] Nach dem "Versuch eines Chiffernlexikons" u. s. w. von Redlich (Hamburg 1875, S. 30) ist Langhansen (1750-1816) der Verfasser. (S. "Chr. Erh. Langhansens u. s. w. Gedichte, nach dem Tode d. Verf. her. v. Ulr. v. Schlippenbach", Mitau 1828, S. 28.) Heines "Buch der Lieder" ("Junge Leiden" 1817-21. "Bergstimme") verschaffte dem Wort die weiteste Verbreitung.—
[28] Der eigentliche Komponist war Georg Carl Claudius, vrgl. "Als der Grossvater die Grossmutter nahm". Ein Liederbuch für altmodische Leute. 2. Aufl. Lpzg. 1887, hersausg. von Gustav Wustmann, S. 584.
Aus der von Mozart 1791 komponierten "Zauberflöte" Emanuel Schikaneders (1751-1812), der einen Plan Ludwig Gisekes, Schauspielers und Choristen am Schikanederschen Theater (s. Jahn "Mozart", T. IV, S. 603, Leipz. 1859), benutzte, stammt: