Dies Bildnis ist bezaubernd schön.
Ich kann nichts thun, als dich beklagen,
Weil ich zu schwach zu helfen bin.
Zur Liebe will (nicht: kann) ich dich nicht zwingen.[29]
In diesen heil'gen Hallen
Kennt man die Rache nicht,
und:
Das höchste der Gefühle.—
[29] Wieland "Ausgewählte Briefe", Zürich 1815, Bd. 3, S. 176 schreibt 9. Jan. 1774 an Gleim: "Ich begreife nichts von dem, was Herr H.*** (Heinse) von mir will. Man kann doch wohl niemand zur Liebe zwingen".—
August Cornelius Stockmanns (1751-1821)
Wie sie so sanft ruhn
steht im Leipz. Musen-Almanach auf das Jahr 1780, S. 214 und ist "Der Gottesacker" betitelt. Friedrich Ludwig Beneken setzte das Lied in Musik.—
Johann Heinrich Voss (1751-1826) ist zu nennen wegen des im "Vossischen Musenalmanache" von 1782 befindlichen, von Joh. Abraham Peter Schulz komponierten Liede
Seht den Himmel, wie heiter!
und wegen des Distichons mit der Unterschrift X. im "Vossischen Musenalmanache", 1792, S. 71:
Auf mehrere Bücher.
Nach Lessing.
Dein redseliges Buch lehrt mancherlei Neues und Wahres,
Wäre das Wahre nur neu, wäre das Neue nur wahr!
was in dieser Form citiert wird:
Das Neue daran ist nicht gut, und das Gute daran ist nicht neu.
Die Stelle, nach welcher das Distichon gemacht ist, steht in Lessings "Briefen, die neueste Litteratur betreffend" (111. Brief, 1760, 12. Juni) und heisst: "wenn es erlaubt ist, allen Worten einen andern Verstand zu geben, als sie in der üblichen Sprache der Weltweisen haben, so kann man leicht etwas Neues vorbringen. Nur muss man mir auch erlauben, dieses Neue nicht immer für wahr zu halten".—
A. G. Eberhard ("Blicke in Tiedges und Elisas Leben", S. 19) erzählt von Christoph Aug. Tiedge (1752-1841):
"Einmal vorzüglich musste ich seine andauernde Geduld bei meinen wiederholten Kritteleien ganz vorzüglich bewundern. Als ich nämlich im Manuskript der Urania auf eine Stelle stiess, die einen sehr ansprechenden Gedanken enthielt, äusserte ich gegen ihn, dass er daraus ein wahres Kleinod für die Stammbuchsentenzen-Schreiberinnen bereiten könnte, wenn er sich die Mühe gäbe, sie möglichst gedrängt und glatt in der äusseren Form und hierdurch recht mund- und gedächtnisgerecht zu machen. Er machte sich sogleich an diese Arbeit, aber immer hatte ich noch bald diese, bald jene Ausstellung zu machen, bis der Hauptgedanke möglichst zusammengedrängt war, die darin befindlichen Gegenstände symmetrisch gegenübergestellt und die Verse, zwei und drei, gleich lang waren. Durch den eingeworfenen Scherz, dass es schon einiger Mühe wert sei, eine klassische Stammbuchsentenz für Mit- und Nachwelt zurecht zu machen, entstand endlich die Stelle:
Sei hochbeseligt oder leide:
Das Herz bedarf ein zweites Herz.
Geteilte Freud' ist doppelt Freude,
Geteilter Schmerz ist halber Schmerz.
Zwar hätte ich wohl gegen "doppelt" statt "doppelte" noch eine Einwendung zu machen gehabt; allein ich unterliess es, um ihn nicht aus seiner guten Laune zu bringen und ungeduldig zu machen. Meine Prophezeihung ist auch so in Erfüllung gegangen: jene Stelle hat in dem Munde unzähliger Leser fortgelebt und ist in eine Menge von Stammbüchern eingeschrieben und eingekritzelt worden".
Die Verse 221-224 des vierten Gesangs der "Urania" (1801) sind die citierten. Rückert hat darüber eine Glosse gedichtet (Ges. poet. Werke in 12 Bänden, 7, 326).
v. Treitschke ("Historische und politische Aufsätze", 4. Aufl. Leipz. 1871, 1. Bd.) sagt in dem Aufsatz "Lessing", (Leipz. 1863) S. 70: "Das widrige Sprichwort, das in jenen weichlichen Tagen von Mund zu Munde ging, das Wort "geteilter Schmerz ist halber Schmerz" hatte der Jüngling (Lessing) schon mit der stolzen Gegenrede abgewiesen:
"Was nutzt mir's, dass ein Freund mit mir gefällig weine?
Nichts, als dass ich in ihm mir zwiefach elend scheine."
So wäre das Tiedgesche Wort ein älteres Sprichwort? Es fehlt dafür jeder Beweis. Der Gedanke freilich ist nicht neu, denn schon Cicero, Laelius, cap. 6, § 22, sagt: "et secundas res splendidiores facit amicitia et adversas partiens communicansque leviores" (anteilnehmende Freundschaft macht das Glück strahlender und erleichtert das Unglück) und Seneca, Epistolae, 6: "Nullius boni sine socio iucunda possessio est" (ohne Genossen ist kein Glücksbesitz erfreulich).—
Christoph Kaufmann (1753-1795), der herrnhutische Arzt und Apostel der Geniezeit, schlug Klinger, der ihm 1776 in Gotha sein Drama "Wirrwarr" vorlas, dafür den Titel
"Sturm und Drang"
vor und gab damit der ganzen Litteraturperiode vom Anfange der 70er bis in die Mitte der 80er Jahre ihren dauernden Namen. Klinger schrieb darüber an Goethe (s. "Verhandlungen der 8. Versamml. deutsch. Philologen und Schulmänner in Darmstadt" S. 48, Darmst. 1846): dass ihm Kaufmann "den Titel Sturm und Drang aufdrang, an dem später mancher Halbkopf sich ergötzte".
(vrgl. "Chr. Kaufmann" von H. Düntzer, Leipzig 1882, S. 69 und Riegers "Klinger", Darmst. 1880, S. 163).—
Der Anfangsvers eines Liedes von Chr. Ad. Overbeck (1755-1851), das zuerst im Vossischen Musenalmanach (v. J. 1776, S. 49) steht und von Mozart componiert wurde, wird abgerissen citiert:
Komm, lieber Mai, und mache (!)
als bedeute dies "mache" soviel wie "eile dich!", während der Dichter fortfährt:
"die Bäume wieder grün!"—
Ferner beginnt, auch in "Frizchens Liedern" (Hamburg 1781, S. 72), ein von F. F. Hurka komponiertes Lied Overbecks:
Das waren mir selige Tage.—
Aus Aloys Blumauers (1755-1798) "Virgils Aeneis travestirt", (Wien 1784-1788), Bd. 2, Strophe 54 stammen die Worte des seine Gemahlin vermissenden Aeneas:
Kreusa!—Schatzkind!—Rabenvieh,
Wo hat dich denn der Teufel?
Im Text steht aber der letztere Vers vor dem ersteren.—
Balthasar Gerhard Schumacher (geb. 1755) brachte in der "Haude und Spenerschen Zeitung" am 17. Dezember 1793 unter dem Titel "Berliner Volksgesang" ein Lied mit den Anfangsworten:
Heil dir im Siegeskranz,
welches nichts ist, als eine Umarbeitung des "Liedes für den dänischen Unterthan an seines Königs Geburtstag zu singen in der Melodie des englischen Volksliedes: God save the King". Heinrich Harries dichtete es und veröffentlichte es am 27. Januar 1790 im "Flensburger Wochenblatt". Es beginnt also:
"Heil Dir dem liebenden
Herrscher des Vaterlands!
Heil, Christian, Dir!"
Nach Hoffmann von Fallersleben ("Unsere volksthümlichen Lieder" 2. Aufl. Lpzg. 1859. S. 66) schuf der Hoforganist John Bull die englische Hymne zur Zeit der Errettung König Jakobs I. vom Tode durch die Pulververschwörung im November 1605; während nach Friedrich Chrysander ("Jahrbuch für musikalische Wissenschaften", Lpzg. 1863, B. I. S. 380ff.) Henry Carey die Hymne, wie Händel sein "Dettinger Te Deum", zur Feier von König Georgs II. Sieg bei Dettingen über die Franzosen im Frühling 1743 dichtete und mit Joh. Christoph Schmidts Hülfe komponierte. Doch ist Chrysanders Begründung minder stichhaltig, als sie heute Manchem erscheint.—
Aus Aug. Friedr. Ernst Langbeins (1757-1835) 1803 verfasstem Gedichte "Die Wehklage", ("Neuere Gedichte", Tübingen 1812) Strophe 1 stammt:
Schon sieben—und Georg nicht hier!
und aus der 14. Strophe des in den "Gedichten" (1788) erschienenen "Abenteuers des Pfarrers Schmolke und Schulmeisters Bakel":
Sperr' oculos!
(Sperre die Augen auf!).
Sein ebenda erschienenes Gedicht "Die neue Eva" endigt:
Tadeln können zwar die Thoren,
Aber klüger handeln nicht,
woraus der Volksmund gemacht hat:
Tadeln können zwar die Thoren,
Aber besser machen nicht!—
Der Anfang des 1810 verfassten Langbeinschen Gedichtes "Der Zecher" lautet:
Ich und mein Fläschchen sind immer beisammen.—
Altväterische, verschwundene Zeiten bezeichnen wir mit der Anfangszeile eines (1813 in Beckers "Taschenbuch zum geselligen Vergnügen" erschienenen) Langbeinschen Liedes:
Als der Grossvater die Grossmutter nahm.
Dies Wort erkor Gustav Wustmann zum Titel seiner vortrefflichen Sammlung der wackeren Gesänge unserer Gross- und Urgrosseltern, die nur noch leise aus der Kinderzeit in uns nachklangen. (3. Aufl. Leipzig 1895. Fr. Wilh. Grunow.)—
Das verschweigt des Sängers Höflichkeit
ist der Kehrreim eines in Berlin (bei S. F. Lischke, jetzt Karl Paez) erschienenen Liedes, welches beginnt:
Als der liebe Gott die Welt erschaffen,
Schuf er Fische, Vögel, Löwen, Affen,
und dessen Verfasser unbekannt ist. Jedoch eine 1804 gedichtete Erzählung Langbeins "Die Weissagung" (Langbeins neuere Gedichte, Tübingen 1812, S. 237) hebt an:
In einem Städtlein, dessen Namen
Des Dichters Höflichkeit verschweigt,
und in "Allerhand für Stadt und Land", Jahrg. 1808, 8. Stück, Zittau, herausg. v. G. B. Flaschner, steht S. 117 ein Lied: "Des Dichters Höflichkeit", dessen Strophen mit dem Kehrreime "Das verschweigt des Sängers Höflichkeit" schliessen.—
Namen nennen dich nicht
ist der Anfang eines im Göttinger Musen-Almanach von 1786, S. 127 erschienenen Liedes Wilhelm Ueltzens (1758-1808). Ludwig Berger (1812) komponierte es und Goethe legte dann 1813 dieser Komposition sein Lied "Alles kündet dich an" unter, das den Titel "Gegenwart" trägt.
Später schuf Georg Neumann (im "Rheinischen Odeon" Jahrg. 1. Koblenz 1836) das Lied dadurch um, dass er den 5 Strophen desselben 5 neue Strophen vorstellte. Er hatte die Verwegenheit, diese Umwandlung als ein von ihm verfasstes Gedicht zu bezeichnen und es in die "Gedichte von Karl Georg Neumann, Königl. Preuss. Regierungs- und Medicinalrate a. D." S. 80, Aachen 1841, aufzunehmen. Hier führt es den Titel: "An Charlotte, 1792".—
In Schillers (1759-1805) "Räubern" (1781), 2, 3 lesen wir Karl Moors Worte:
Ich kenne dich, Spiegelberg,
oft umgestellt in:
Spiegelberg, ich kenne dich,
(aber ich will nächstens unter euch treten und)
fürchterlich Musterung halten;
und am Ende des zweiten Aktes:
Ich fühle eine Armee in meiner Faust.
Im 4. Akte schliesst in der 5. Scene Moors Gesang von Brutus und Cäsar
Geh' du linkwärts, lass mich rechtwärts geh'n,
was an 1. Mos. 13, 9 erinnert: "Willst du zur Linken, so will ich zur Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken". Weiterhin ruft der alte Moor:
Bist du's, Hermann, mein Rabe?
der Raben gedenkend, die nach 1. Könige 17, 4 und 6 dem Elias Nahrung zuführten.
5, 1 enthält Franz Moors Worte:
Hab' mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben!
und die letzten Worte des Schauspiels:
Dem Mann kann geholfen werden,
sind eine ganz triviale Redensart geworden.—
Konfiszierter Kerl
ist wahrscheinlich auch auf Schiller zurückzuführen. Karl Hoffmeister ("Schillers Leben für den weiteren Kreis seiner Leser", T. 1, Kap. 4) erzählt über diese Redensart folgendes:
"Als Schiller einst den Freunden die Worte vortrug, die Franz Moor im Anfange des fünften Aktes zu Moser spricht: 'Ha! was, du kennst keine drüber (über den Vatermord)? Besinne dich nochmals—Tod, Himmel, Ewigkeit, Verdammnis schwebt auf dem Laute deines Mundes! keine einzige drüber?' da Öffnete sich die Thür, und der hereintretende Aufseher sah Schillern halb in Verzweiflung die Stube auf- und abrennen. 'Ei, so schäme man sich doch', sagte er, 'wer wird denn so entrüstet sein und fluchen!' Als er den Rücken gekehrt, rief ihm Schiller, zu den lachenden Gesellen gewandt, das Wort aus den "Räubern" nach: 'Ein konfiszierter Kerl!'" Jedoch dieser Ausdruck findet sich nirgends in den "Räubern", sondern in "Kabale und Liebe", 1, 2, wo Musikus Miller von Sekretär Wurm sagt: "Ein konfiszierter widriger Kerl, als hätte ihn irgend ein Schleichhändler in die Welt meines Herrgotts hineingeschachert". Im Personenverzeichnis zu "Fiesco" wird Muley Hassan, Mohr von Tunis, als "konfiszierter Mohrenkopf" bezeichnet.
Und darum Räuber und Mörder
steht nicht in der ersten Ausgabe der "Räuber" (Frankfurt u. Leipz. 1781), sondern in der noch heute allen Bühnen-Aufführungen zu Grunde liegenden Umarbeitung, welche Schiller mit seinem Stücke für das Mannheimer Theater auf Andrängen des Intendanten Dalberg vornahm, im 4. Akt, Sc. 17 (Neue für die Mannheimer Bühne verbesserte Aufl. Mannheim 1782).—
Aus Schillers Gedichte "Kastraten und Männer" (in der "Anthologie auf das Jahr 1782. Gedruckt in der Buchdruckerei zu Tobolsko", S. 125) in seiner späteren Umbildung "Männerwürde" genannt, stammt:
Zum Teufel ist der Spiritus,
Das Phlegma ist geblieben.
Das Bild ist vom Destillationsprozesse hergenommen, bei dem nach Herstellung des Spiritus eine wässerige, fade schmeckende Flüssigkeit zurückbleibt, welche früher "Phlegma" hiess. In derselben "Anthologie" bietet in dem Gedichte: "In einer Bataille. Von einem Offizier", S. 49 (später "Die Schlacht" genannt):
Das wilde eiserne Würfelspiel
eine viel citierte Umschreibung für Kampf und Krieg.—
Aus Schillers ebenda abgedrucktem Gedichte "An Minna", S. 190, wird citiert:
Meine Minna geht vorüber?
Meine Minna kennt mich nicht?—
Schillers "Verschwörung des Fiesco" (1783) bietet 1, 5 Gianettino Dorias Fluch:
Donner und Doria!,
und aus 3, 4 pflegt man zu citieren:
Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan; der Mohr kann gehen,
während es an Ort und Stelle "Arbeit", nicht "Schuldigkeit" heisst.
3, 5 steht Fiescos Drohung:
(Fahre wohl, Doria, schöner Stern.)
Auch Patroklus ist gestorben,
Und war mehr als du;
ein Citat aus Homers "Iliade" 21, 106 und 107, wo Achill dem um sein Leben flehenden Lykaon zuruft:
Ἀλλά, φίλος, θάνε καὶ σύ. τίη ὀλοφύρεαι οὕτως;
Κάτθανε καὶ Πάτροκλος, ὅπερ σέο πολλὸν ἀμείνων.
Stirb denn auch du, lieber Freund! Warum wehklagest Du also?
Starb ja doch auch Patroklos, der sehr viel besser als du war.—
Verderben, gehe deinen Gang!
heisst es im "Fiesco" am Ende von 5, 1.
Man erinnert sich dabei an Shakespeares "Julius Caesar" 3, 2:
"Mischief, thou art afoot,
Take thou what course thou wilt!"
"Unheil, du bist im Zuge,
Nimm, welchen Lauf du willst!"
Im "Fiesco" 5, 4 steht:
Deutsche Hiebe;
5, 16 spricht Fiesco: "Was zerrst du mich so am Mantel?—er fällt!" Verrina (mit fürchterlichem Hohne): "Nun, wenn der Purpur fällt, muss auch der Herzog nach!" (Er stürzt ihn ins Meer.) Dies wird also citiert:
Wenn der Mantel fällt, muss der Herzog nach.—
Aus "Kabale und Liebe" (1784) 2, 2 ist:
Legt's zu dem Übrigen,
was Schiller später auch in "Maria Stuart" 1, 1 gebraucht. Ferner finden wir in "Kabale und Liebe":
5, 3:
Unglückseliges Flötenspiel!
5, 7:
Die Limonade ist matt, wie deine Seele.—
Schillers Gedicht "An die Freude" ("Thalia", I. Bd. 1787, 2. Heft, S. 1-5) enthält:
Freude, schöner Götterfunken;
Seid umschlungen, Millionen!
und:
Wem der grosse Wurf gelungen.
Das Wort dieses Gedichtes:
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
hat am Schlusse von Beethovens Oper "Fidelio" und im Finale seiner neunten Symphonie die musikalische Weihe gefunden; jedoch lautet es da:
Wer ein solches Weib errungen,
Stimm' in unsern Jubel ein!
(nach der auf Beethovens Wunsch durch F. Treitschke umgearbeiteten Sonnleitnerschen Übersetzung des Operettentextes Bouillys: "Léonore ou l'amour conjugal").—
Weitere Citate aus dem Gedicht "An die Freude" sind:
Unser Schuldbuch sei vernichtet!
und
Männerstolz vor Königsthronen!
Dem Verdienste seine Kronen.—
Der Anfang des Schillerschen Gedichtes "Resignation" ("Thalia", I. Bd. 2. Heft) lautet:
(Siehe "Et ego in Arcadia".) Aus demselben Gedichte gebrauchen wir die beiden Strophenanfänge:
Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder
und:
Mit gleicher Liebe lieb' ich meine Kinder,
sowie die beiden Strophenschlüsse:
Die Weltgeschichte ist das Weltgericht
und:
Was man von der Minute ausgeschlagen,
Giebt keine Ewigkeit zurück.—
In Schillers "Don Carlos" (1787) 1, 1 stehen die Worte, mit denen Don Carlos in der "Rheinischen Thalia" von 1785 jedoch nicht begann:
Die schönen Tage in Aranjuez
Sind nun zu Ende.
Aus derselben Scene citieren wir:
Brechen Sie
Dies rätselhafte Schweigen;[30]
O wer weiss,
Was in der Zeiten Hintergrunde schlummert;[31]
und:
Wo alles liebt, kann Karl allein nicht hassen.
[30] In der "Rheinischen Thalia" von 1785: "Nur brechen Sie dies grauenvolle Schweigen".
[31] Ebenda in 2, 3.
Sc. 2:
Wer kommt?—Was seh' ich?—O, ihr guten Geister!
Mein Roderich![32]
Du sprichst von Zeiten, die vergangen sind;—
O der Einfall
War kindisch, aber göttlich schön;[33]
Sprich mir von allen Schrecken des Gewissens,
Von meinem Vater sprich mir nicht.
Beim Citieren wird statt "meinem Vater" je nach Umständen der Gegenstand des Entsetzens eingeschaltet.
[32] Ebenda. "Was seh' ich?—O, ihr guten Geister! Mein Rodrigo".
[33] Ebenda.
Sc. 4 enthält:
Grosse Seelen dulden still;
Sc. 5:
Ein Augenblick, gelebt im Paradiese,
Wird nicht zu teuer mit dem Tod gebüsst;[34]
[34] Ebenda.
Sc. 6:
und was Schiller bereits vorfand:
Die Sonne geht in meinem Staat nicht unter.[36]
[35] Ebenda.
[36] Ebenda. "Die Sonne geht in meinem Reich nicht unter".
Der Gedanke findet sich schon im Keime bei Herodot (7, 8), wo Xerxes († 465 v. Chr.) zu seinem Kriegsrate von dem Feldzugsplane gegen die Athener spricht: "Wenn wir uns Die und deren Nachbarn aus dem Reiche des Phrygiers Pelops unterwerfen, so thun wir dar, dass Persien dann an den Aether des Zeus grenzt. Denn dann ["χώρην γε οὐδεμίαν κατόψεται ἥλιος ὁμουρέουσαν τῇ ἡμετέρῃ"] wird die Sonne auf kein Land mehr herabblicken, das an das unsrige grenzt; vielmehr werde ich, ganz Europa mit euch durchstreifend, alle Länder zu einem Lande vereinigen". Die erste Aldiner Ausgabe des Herodot wurde 1502 in Venedig gedruckt. 1585 wurde zu Turin bei der Vermählung des Herzogs von Savoyen mit Katharina von Österreich ein Schäferdrama "Il pastor fido" von Guarini aufgeführt, in dessen Prolog es heisst:
Altera figlia
Di qel Monarca, a cui
Nè anco, quando annotta, il Sol tramonta.
Hehre Tochter jenes Monarchen, dem die Sonne auch dann nicht untergeht, wenn es nachtet.
Balthasar Schupp sagt in der "Abgenötigten Ehrenrettung" (1660), S. 665: "Der König in Spanien ist ein grosser Potentat; er hat einen Fuss stehen im Orient, den anderen im Occident, und die Sonne gehet nimmer unter, dass sie nicht in etlichen seiner Länder scheine". Nach Edmund Dorer "An Calderon zum 25. Mai 1881" ("Die Gegenwart", 4. Juni 1881, S. 361) hat es ein König von Spanien zuerst gesagt. Welcher? wann? wo?—
In Schillers "Don Carlos" 1, 6 findet man ferner die Worte:
Hier ist die Stelle, wo ich sterblich bin;[37]
und:
Wenn ich einmal zu fürchten angefangen,
Hab' ich zu fürchten aufgehört.[38]
[37] In der "Rheinischen Thalia" von 1785.
[38] Ebenda.
(Ob Schiller hier an Shakespeares "Othello", 3, 3 gedacht hat:
to be once in doubt
Is once to be resolved,
Einmal zweifeln macht mit Eins entschlossen?)—
Die Worte derselben Scene:
Der Knabe
Don Karl fängt an, mir fürchterlich zu werden[39]
soll Ludwig Devrient einst in der Weinstube von Lutter und Wegener in Berlin, Charlottenstrasse No. 49, dem Kellner Karl zugerufen haben, als dieser ihm die stark aufgelaufene Rechnung reichte.—
[39] Ebenda "Dieser Knabe Don Karl u. s. w."
Im "Don Carlos" 1, 9 steht:
In des Worts verwegenster Bedeutung,
und:
Arm in Arm mit dir,
So fordr' ich mein Jahrhundert in die Schranken.
2, 1 bietet:
In seines Nichts durchbohrendem Gefühle,[40]
was Alba in Sc. 5 in der Form: "In meines Nichts durchbohrendem Gefühle" wiederholt.
[40] In der "Rheinischen Thalia" von 1785.
Ebenda 2, 2 steht:
Dreiundzwanzig Jahre!
Und nichts für die Unsterblichkeit gethan;[42]
[41] Ebenda.
[42] Ebenda heisst es: "Dreiundzwanzig Jahre und König Philipps Sohn, und nichts gebaut und nichts zertrümmert unter diesem Monde".
2, 8:
(Poesie!—Nichts weiter.—) Mein Gehirn
Treibt (öfters) wunderbare Blasen auf,
(Die schnell, wie sie entstanden sind, zerspringen.)
Die Liebe ist der Liebe Preis,[43]
Beim wunderbaren Gott—das Weib ist schön;
[43] Ebenda.
2, 15:
Unrecht leiden schmeichelt grossen Seelen.[44]
[44] Ebenda.
3, 10:
Stolz will ich
Den Spanier;
(Ich mag es gerne leiden,) wenn auch der Becher überschäumt,
Wenn solche Köpfe feiern, (welch ein Verlust für meinen Staat):
Ich kann nicht Fürstendiener sein,
Die Ruhe eines Kirchhofs.
Geben Sie
Gedankenfreiheit!
was gern erweitert wird zu:
Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!
Sonderbarer Schwärmer,
Anders,
Begreif' ich wohl, als sonst in Menschenköpfen
Malt sich in diesem Kopf die Welt.
4, 21:
(Königin!)
O Gott, das Leben ist doch schön!
was auch also angeführt wird:
O Königin, das Leben ist doch schön!
und in der letzten Scene des letzten Aktes:
So sehen wir uns wieder,
was auch in der "Braut von Messina" vorkommt, als Isabella ihre Tochter wiedersieht. Die vom König gesprochenen Schlussworte des "Don Carlos" lauten:
Kardinal, ich habe
Das Meinige gethan. Thun Sie das Ihre.—
Aus der in Schillers Monatsschrift "Die Horen" (Tübingen, Cotta, 1795; IV. Bd., 10. Heft, S. 72) enthaltenen "Elegie", welche später den Titel "Der Spaziergang" erhielt, wird der Anfang citiert:
Sei mir gegrüsst, mein Berg, mit dem rötlich strahlenden Gipfel!
und aus dem 134. Verse:
Der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht;
sowie der Schlussvers:
Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns.—
Aus Schillers (ebenda, IV. Bd., 11. Heft, S. 17 anonym erschienenen) "Teilung der Erde" stammt:
Was thun? spricht Zeus,
und:
Willst du in meinem Himmel mit mir leben,
So oft du kommst, er soll dir offen sein.—
In dem Gedichte "Die Ideale" (S. 135 des Schillerschen Musen-Almanachs für das Jahr 1796, Neustrelitz) redet der Dichter die fliehende Zeit also an:
So willst du treulos von mir scheiden?—
Aus dem Gedichte "Würde der Frauen", ebenda S. 186, ist:
Ehret die Frauen! sie flechten und weben
Himmlische Rosen ins irdische Leben.
was oft geschmacklos travestiert wird.—
Aus Schillers "Xenien" (Musen-Almanach für das Jahr 1797) gehören folgende Citate hierher:
das Distichon "Wissenschaft":
Einem ist sie die hohe, die himmlische Göttin, dem Andern
Eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter versorgt,
aus dem Distichon "Kant und seine Ausleger":
Wenn die Könige bau'n, haben die Kärrner zu thun.
"Sonntagskinder" (aus Vereinigung zweier Distichen entstanden, deren erstes "Geschwindschreiber" betitelt war), die heute schon lehren wollen, was sie gestern gelernt, werden in dem gleichnamigen Doppeldistichon mit:
Ach, was haben die Herrn doch für ein kurzes Gedärm!
abgefunden.—
Das grosse gigantische Schicksal,
Welches den Menschen erhebt, wenn es den Menschen zermalmt,
steht im 35. und 36. Verse der Schillerschen Parodie "Shakespeares Schatten".—Aus den auf die "Xenien" ebenda folgenden "Tabulae votivae" (Votivtafeln) Schillers wird citiert: