Behandelt jeden Menschen nach seinem Verdienst, und wer ist vor Schlägen sicher?

Use every man after his desert, and who should 'scape whipping?

Was ist ihm Hekuba, was ist er ihr,

Dass er um sie soll weinen?

What's Hecuba to him, or he to Hecuba,

That he should weep for her?

In Homers "Iliade" (6, 449 ff.) sagt Hektor zu Andromache, dass ihn sogar der Hekuba, seiner Mutter, künftiges Leid minder bekümmere, als ihres, der Gattin.

Aus Hamlets Monolog in 3, 1 ist:

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.

To be or not to be, that is the question.

(s' ist) ein Ziel

Aufs innigste zu wünschen (näml. der Todesschlaf).

'tis a consummation

Devoutly to be wish'd;

Der angebor'nen Farbe der Entschliessung

Wird des Gedankens Blässe angekränkelt;

And thus the native hue of resolution

Is sicklied o'er with the pale cast of thought.

Das Wort Hamlets ebenda:

Get thee to a nunnery,

Geh' in ein Kloster,

wird bei uns in der Form citiert:

Geh' in's Kloster,

so von Heine in den "Romancero"-Gredichten: "Die alte Rose" und "Der Exnachtwächter".—

Ferner enthält diese Scene Ophelias:

O welch' ein edler Geist ist hier zerstört!

O what a noble mind is here o'erthrown!

Aus 5, 1 ist Hamlets Ausruf:

Ach, armer Yorick!

Alas, poor Yorick!

Lorenz Sterne veröffentlichte seine "Predigten" (London 1760 und 1766) unter dem Namen Yorick, womit er sich keine geringe Schmeichelei sagte, da Hamlett den Yorick, des Königs Spassmacher, 5, 1 einen "Burschen von unendlichem Humor, voll von den herrlichsten Einfällen" nennt. Auch Sternes "Sentimentale Reise" erschien nach seinem Tode (1768) unter dem Namen Yorick.—

Aus 5, 2 werden Hamlets letzte Worte citiert:

Der Rest ist Schweigen.

The rest is silence.—

Aus dem 1. Teile von Shakespeares "König Heinrich IV." wird der Beiname Heinrich Percys,

Hotspur, Heisssporn

auf einen heissblütigen, ritterlichen Jüngling angewendet. 2, 4 bietet die Worte des Kellners Franz:

Gleich, Herr, gleich!

Anon, Sir, anon!

und die drei Worte des Falstaff:

So lag ich, und so führt'(e) ich meine Klinge,

Here I lay, and thus, I bore my point;

(Wenn Gründe) so gemein wie Brombeeren (wären),

(If reasons were) as plenty as blackberries;

Hol' die Pest Kummer und Seufzen! Es bläst einen Menschen auf, wie einen Schlauch,

A plague of sighing and grief; it blows a man up like a bladder.

Auch fordert Falstaff dort mehrfach "a cup of sack", "ein Glas Sekt", worunter ein südlicher Wein zu verstehen ist. Das Wort

Sekt (oder Sect)

soll zuerst in Berlin und bald in ganz Deutschland die Bedeutung "Champagner" dadurch bekommen haben, dass sich Ludwig Devrient, die Rolle des Falstaff weiter spielend, in der Weinstube von Lutter und Wegener in Berlin (Charlottenstr. 49) also sein schäumendes Lieblingsgetränk zu bestellen pflegte.

4, 2 bietet Falstaffs

Futter für Pulver (oder: Kanonenfutter),

Food for powder.

5, 1 gegen Ende finden wir Falstaffs:

Ich wollte, es wäre Schlafenszeit, Heinz, und Alles gut.

I would it were bedtime, Hal, and all well.

5, 4 sagt Prinz Heinrich, als er den sich tot stellenden Falstaff unter den Gefallenen auf dem Schlachtfelde erblickt:

Ich könnte besser einen Bessern missen,

I could have better spared a better man,

und ebenda sagt Falstaff:

Das bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht.

The better part of valour is discretion.

Im zweiten Teil von Shakespeares, "König Heinrich IV.", 4, 4 haben wir des Königs Worte:

Dein Wunsch war des Gedankens Vater, Heinrich,

Thy wish was father, Harry, to that thought.

Es liesse sich annehmen, dass irgendwie des Demosthenes Gedanke (3. Olynthische Rede § 19): "ὃ γὰρ βούλεται, τοῦθ' ἕκαστος καὶ οἴεται". (Jeder bildet sich die Dinge so ein, wie er sie sich wünscht) bis zu Shakespeare gelangt wäre, der ihm dann seine dauernde Form gab.—

In Shakespeares "Julius Cäsar", 1, 2 sagt Cäsar:

Er denkt zu viel, die Leute sind gefährlich.

He thinks too much; such men are dangerous.

Das in 3, 1 vorkommende Wort des Antonius:

Zuletzt, doch nicht der letzte meinem Herzen,

Tho' last, not least in love,

ist in der Form, in der es Lear, 1, 1 zu Cordelia spricht

Du jüngste, nicht geringste,

Although the last, not least,

geläufiger (Shakespeare fand es bereits in Spensers [† 1599] "Colin Clout", 444 vor).

In "Julius Cäsar" 3, 2 finden wir die Worte des Antonius:

Denn Brutus ist ein ehrenwerter Mann;

Das sind sie Alle, Alle ehrenwert.

For Brutus is an honourable man,

So are they all, all honourable men.

Die Umwandlung einer aus Plutarchs "Caesar" 69 entlehnten Stelle (ὄψῃ δέ με περὶ Φιλίππους) lautet in Shakespeares "Julius Caesar" 4, 3:

Bei Philippi sehen wir uns wieder.—

In Shakespeares "Heinrich V.", 2, 1 (und in den "Lustigen Weibern von Windsor" 2, 1) sagt Nym:

Das ist der Humor davon,

There's the humour of it,

was sich in derselben Scene viermal in der Form

that is the humour of it

wiederholt. Aus 4, 3 führen wir ein uns nur in englischer Form:

Household words

(Alltagsworte)

geläufiges Wort an. Es ist dadurch so bekannt geworden, dass Charles Dickens es zum Titel eines viel gelesenen litterarischen Unterhaltungsblattes wählte.—

In Shakespeares "Richard III.", 1, 1 steht:

the winter of our discontent.

Der Winter unseres Missvergnügens;

5, 4:

Ein Pferd! ein Pferd! (m)ein Königreich für'n Pferd

A horse! a horse! my kingdom for a horse!

Beim Citieren wird dieses Wort häufig travestiert, so dass statt "ein Pferd" der jedesmalige Gegenstand des Wunsches gesetzt wird.—

Aus Shakespeares "Heinrich VIII.", 4, 2 stammt:

Men's evil manners live in brass; their virtues

We write in water.

Der Menschen Sünden leben fort in Erz;

Ihr edles Wirken schreiben wir ins Wasser.

Shakespeare hat hier offenbar Thomas Mores "History of Richard III.", 1557, S. 57 benutzt: "Men use, if they have an evil turne, to write it in marble, and whoso doth us a good a tourne, we write it in duste". (Hat man ein Ungemach erfahren, so pflegt man es in Marmor zu schreiben, und jede uns erwiesene Wohlthat schreiben wir in den Staub).—

Aus Shakespeares "Sommernachtstraum" 5, 1 entnehmen wir:

Des Dichters Aug' in schönem Wahnsinn rollend,

The poets eye, in a fine frenzy[57] rolling;

ferner des die Satzglieder verdrehenden Prologusspielers Worte "That is the true beginning of our end" ("Das ist das wahre Beginnen unseres Endes", anstatt "Das ist das wahre Endziel unseres Beginnens"), die wir in der Form:

Das ist der Anfang vom Ende,

oder französisch citieren:

C'est le commencement de la fin,

was in den "Hunderttagen" zu seinem Erstaunen Talleyrand zugeschrieben wurde (s. Fournier: "l'Esprit dans l'histoire", Par. 1882, 4. Aufl. S. 438); endlich rufen wir aus derselben Scene ironisch einem grossprahlenden Redner zu:

Gut gebrüllt, Löwe!

Well roared, lion!—

[57] Horaz, Od. III, 4: amabilis insania.

Shakespeares "Kaufmann von Venedig" bietet 1, 2:

Gott schuf ihn, also lasst ihn für einen Menschen gelten.

God made him, and therefore let him pass for a man;

2, 2:

Das ist ein weiser Vater, der sein eigen Kind kennt,

It is a wise father, that knows his own child,

(Telemachs Worte: "Odyssee", I, 215-16). Aus 4, 1 wird citiert:

Ich steh' hier auf meinen Schein.

I stay here on my bond.—

Aus Shakespeares "Sturm" ist:

Caliban

für einen ungefügen, plumpen Gesellen sprichwörtlich; aus 2, 2 ist:

Die Not bringt einen zu seltsamen Schlafgesellen,

Misery acquaints a man with strange bedfellows.—

Aus Shakespeares "Romeo und Julia" citieren wir die Namen der streitenden Familien Montague und Capulet, als Typen des Parteizwistes zweier Häuser, in der Form:

Montecchi und Capuletti;

aus "Romeo und Julia", 2, 2:

Der Narben lacht, wer Wunden nie gefühlt,

He jests at scars, that never felt a wound;

Was ist ein Name? Was uns Rose heisst,

Wie es auch hiesse, würde lieblich duften;

What 's in a name? that which we call a rose,

By any other name would smell as sweet;

aus 3, 5:

Es war die Nachtigall und nicht die Lerche;

It was the nightingale and not the lark;

aus 5, 3:

O, wackrer Apotheker!

Dein Trank wirkt schnell.

O, true apothecary!

Thy drugs are quick.—

Aus Shakespeares "Macbeth", 1, 3, ist anzuführen (diesmal nach Schillers Übersetzung, nur dass er "rennt" statt "rinnt" nahm):

Komme, was kommen mag,

Die Stunde rinnt auch durch den rauh'sten Tag;

Come what come may,

Time and the hour runs through the roughest day;

aus 1, 5:

Zu voll von Milch der Menschenliebe,

Too full of the milk of human kindness.

(vrgl. Schillers "Tell" 4, 3). Hat Shakespeare dabei an 1. Petri 2, 2 gedacht: "Und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch, als die jetzt geborenen Kindlein, auf dass ihr durch dieselbige zunehmet?"

Aus "Macbeth" 5, 1 wird citiert:

Alle Wohlgerüche Arabiens,

All the perfumes of Arabia.—

In Shakespeares "Mass für Mass" 5, 1 kommt

tooth of time

vor, was Wieland ("Abderiten", im "Teutschen Merkur", 1774, 1 n. 2, IV, 12 u. "Peregrinus Proteus", 1791, 3) mit

Zahn der Zeit

in Deutschland einbürgerte. Übrigens findet sich die "scharfzahnige Zeit" bereits bei Simonides aus Keos († 468 v. Chr.); s. Stobaeus "Eclog. Phys." I, 8, 22 u. vrgl. Ovid, "Metam." 15, 234-5 u. 872.—

Auch der Titel von Shakespeares Lustspiel:

Verlor'ne Liebesmüh'

nach Tieck:

Liebes-Leid und Lust

Love's labour's lost

wird citiert; ebenso lebt bei uns der Titel seines Lustspiels

Comedy of errors

in dieser Form:

Eine Komödie der Irrungen

und der Titel seines Lustspiels:

Viel Lärm(en) um Nichts,

Much ado about nothing.—

Aus Shakespeares

Othello,

dessen Name sprichwörtlich für einen eifersüchtigen Ehemann wurde, 1, 3 wird citiert:

Thu' Geld in deinen Beutel!

Put money in thy purse!

aus 5, 2:

Hast du zur Nacht gebetet, Desdemona?

Have you prayed to-night, Desdemona?—

Aus Shakespeares "König Lear" 3, 2 stammt des Narren trübes Wort (vrgl. "Was ihr wollt" 5. a. E.):

Denn der Regen, der regnet jeglichen Tag;

For the rain it raineth eyery day;

aus 3, 4:

Kundiger Thebaner;

Learned Theban;

und aus 4, 6:

Ja, jeder Zoll ein König!

Ay, every inch a king!

und:

Narr des Glücks.

Fool of fortune.

Letzteres kommt auch in "Timon von Athen", 3, 6 und in der Form "fortune's fool" in "Romeo und Julia", 3, 1 vor.—

In der ersten Folio-Ausgabe Shakespeares (London 1623) folgt dem Vorworte eine Reihe von Gedichten, zunächst Ben Jonsons (1574-1637): "Dem Gedächtnisse des Autors, meines geliebten William Shakespeare" u. s. w. In diesem Gedichte steht:

He was not of one age, but for all times,

Nicht seiner Zeit nur, allen Zeiten lebt er,

sowie die unsterblich gewordene Bezeichnung des zu Stratfort am Avon geborenen Shakespeares:

sweet swan of Avon,

süsser Schwan vom Avon,

welche Jonson wohl Horaz nachbildete, der ("Od." 4, 2, 25) Pindar—"Dircaeum cycnum"—"den Schwan vom Dirkequell" nennt, weil dieser in des Dichters Heimat floss und der singende Schwan dem Apoll geweiht war.—

Henry More (1614-87) behauptet im "Encheiridion metaphysicum" (1671), "die Körper hätten bloss drei Dimensionen, die Geister aber vier". Diese

vierte Dimension,

worunter wir jetzt gewöhnlich blühenden Unsinn verstehen, ist uns besonders durch Friedrich Zöllners (1834-82) "Die transcendentale Physik und die sogenannte Philosophie" (Lpz. 1879) in tiefstem Ernst verkündet worden.

Er spricht dort vom Württembergischen Prälaten Friedr. Christ. Oetinger (1702-82. Sämtl. Schriften, hrsg. v. Ehmann, Pfarrer in Unteriesingen bei Tübingen, Stuttg. 1868), der S. 314 über die Philosophie seines Freundes Fricker (1729-66, Pfarrer von Dettingen unter Urrach) sagt: "Zu diesen arithmetischen Schlussfolgen gehört auch ein geometrisch Concept, nämlich das Intensum oder die vierte Dimension".—

Der Theologe Thomas Tully oder Tullius, (1620-79) wird von John Tillotson (1630-94) bewundernd citiert wegen des Satzes: "Dii immortales ad usum hominum fabricati paene videantur" ("fast scheinen die unsterblichen Götter zum Nutzen der Menschen erschaffen zu sein"). Tillotson umschreibt das dann also ("Sermons" Lond. 1712; vol. 1 p. 696, Serm. 93): "if God were not a necessary Being of himself, he might almost seem to be made on purpose for the use and benefit of Men" ("wäre Gott nicht an und für sich notwendigerweise da, er müsste, scheint es, eigens zu Nutz und Frommen der Menschheit geschaffen werden"). Und hieraus schöpfte Voltaire ("Épitre à l'Auteur du livre des trois imposteurs") den berüchtigten Vers:

Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer,

Und gäb' es keinen Gott, wir müssten ihn erfinden.—

John Bunyans (1628-88)

"Vanity Fair"

(Markt der Eitelkeit) aus "the Pilgrims Progress", (1678-84) hat Thackeray zum Titel eines satirischen Romans (1847) gewählt.—

Lilliput

ist bei Jonathan Swift (1667-1745) "Gullivers Reisen" (1726) der Name des Märchenlandes der daumenhohen

Lilliputer oder Lilliputaner.—

John Bull

als Bezeichnung des englischen Volkes stammt aus John Arbuthnots (1675-1735) politischer Satire "History of John Bull" (1712). Ein Hoforganist John Bull komponierte i. J. 1605 das Volkslied "God save the king" (vrgl. Heil Dir im Siegerkranz). Weil dieser Tondichter so Volksthümliches schuf, mag Arbuthnot darauf verfallen sein, dessen Namen auf das Volk im Ganzen anzuwenden. George Colmans Schauspiel "John Bull" (1805), das in Karl Blums Übertragung bei uns (1825) aufgeführt wurde, gab aber wohl erst dem Worte Flügel.—

Alexander Pope (1688-1744) sang in seiner "Ode on St. Cecilia's day" (1708):

". . . . 'tis no crime to love"

(Lieben ist kein Verbrechen).

In Gellerts Lustspiel "Die zärtlichen Schwestern" (1747) sagt Lottchen (1, 11), sie halte "die vernünftige Liebe für kein grösser Verbrechen, als die vernünftige Freundschaft", und Siegmund ruft aus (2, 10): "Julchen widersteht ja seiner Liebe. Ist es ein Verbrechen? was kann ich dafür, dass sie mich rührt?" Dann sagt Marwood in Lessings "Miss Sara Sampson" (1755; 4, 8): "Es ist kein Verbrechen geliebt haben; noch viel weniger ist es eines, geliebt worden sein, aber die Flatterhaftigkeit ist ein Verbrechen". Und ebenda (5, 10) spricht die sterbende Sara: "Noch liebe ich Sie, Mellefont, und wenn Sie lieben ein Verbrechen ist, wie schuldig werde ich in jener Welt erscheinen!" In Wielands "Grazien" (1770; 2. B.) spricht Amor: "Ist euch lieben ein so gross Verbrechen?" und C. F. Weisse übersetzt Popes Worte in seinen "kleinen lyrischen Gedichten" (Lpz. 1772; Bd. 3, 5. 183) mit: "Ist Lieben ein Verbrechen?" So entstand der Anfangsvers des schon 1810 bekannten Liedes eines Unbekannten:

Ist denn Lieben ein Verbrechen?—

Hénault schrieb den Vers:

Indocti discant, et ament meminisse periti.

Laien, die mögen hier lernen und Kenner sich freu'n der Erinn'rung.

als Motto auf sein "Abrégé chronologique de l'histoire de France" (1744) und teilte in der 3. Aufl. dieses Abrisses (1749) mit, dass er ihn den Reimen Popes entnommen habe:

"Content, if hence th' unlearn'd their wants may view,

The learn'd reflect on what before they knew",

"Froh, wenn hiernach den Laien sein Kenntnismangel kränkt,

Und abermals der Kenner sein Wissen überdenkt".

(Pope "Essay on Criticism" 1711, V. 744-5).—

Samuel Richardson (1689-1761) gab uns das Muster eines Damenhelden in

Lovelace,

einer Figur seines Romans "Clarissa Harlowe" (1749), und ist für uns der Urheber des Wortes

sentimental,

denn "sentimental" wird in seinem Romane "Sir Charles Grandison" (1753. Bd. 6, Brief 52) durch liegende Schrift als neu und ungewöhnlich bezeichnet und im Index angeführt. Zwölf Jahre später erschien Sternes Buch "Yorick's sentimental journey", dessen Verdeutscher J. J. Ch. Bode (1768) den Titel auf Lessings Rat mit "Yoricks empfindsame Reise" wiedergab. In der Vorrede führt Bode Lessings eigene Worte also an:

"Es kommt darauf an, Wort durch Wort zu übersetzen, nicht eines durch mehrere zu umschreiben. Bemerken Sie sodann, dass "sentimental" ein neues Wort ist. War es Sterne erlaubt, sich ein neues Wort zu bilden, so muss es eben darum auch seinem Übersetzer erlaubt sein. Die Engländer hatten gar kein Adjectivum von 'sentiment', wir haben von 'Empfindung' mehr als eines: 'empfindlich, empfindbar, empfindungsreich', aber diese sagen alle etwas anderes. Wagen Sie 'empfindsam'! wenn eine mühsame Reise heisst, bei der viel Mühe ist, so kann ja auch eine empfindsame Reise heissen, bei der viel Empfindung war; ich will nicht sagen, dass Sie die Analogie ganz auf Ihrer Seite haben dürften. Aber was sich die Leser vor's erste bei dem Worte noch nicht denken, mögen sie sich nach und nach dabei zu denken gewöhnen".

Lessing bildete also das Wort:

empfindsam

nach "sentimental", das er irrtümlich für eine Erfindung Sternes hielt. Noch 1769 braucht Herder in seinen "Kritischen Wäldern" stets "Empfindbarkeit".—

Aus Benjamin Franklins (1706-90) "Weg zum Reichtum" ist:

Three removes are as bad as a fire.

Dreimal umziehen ist so gut, wie einmal abbrennen,

ebendaher ist:

Early to bed and early to rise,

Makes a man healthy, wealthy and wise,

Früh zu Bett, früh auf der Reise,

Macht gesund und reich und weise.—

Das gelegentlich einmal von Samuel Johnson (1709-84) gebrauchte und von seinem Biographen Boswell (im 66. Lebensjahre Johnsons) mitgeteilte

Hell is paved with good intentions,

Die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert,

führt Walter Scott in seinem Werke "Die Braut von Lammermoor" (1819), B. 1, Kap. 7 auf einen englischen Theologen zurück. Wahrscheinlich meint er Georg Herbert († 1632), der in "Iacula prudentum" (S. 11, Ausg. von 1651) denselben Gedanken in der Form:

Hell is full of good meaning and wishings

ausspricht. Wir sagen auch:

Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.

Vielleicht lehnt sich dies Wort an Jesus Sirach 21, 11: "Die Gottlosen gehen zwar auf einem feinen Pflaster, dess Ende der Höllen Abgrund ist".—

Oliver Goldsmith (1728-74) hat es schwerlich geahnt, dass die im zweiten Akt seiner Komödie "Der gutmütige Mann" (1760) vorkommenden Worte Loftys:

Massregeln, nicht Menschen

Measures, not men

einst ein mit Erbitterung angewendetes politisches Schlagwort werden würden. So sagt der Verfasser der "Juniusbriefe" in Unkunde über die Quelle des Citats: "Massregeln und nicht Menschen ist der gewöhnliche Ruf angeblicher Mässigung. Das ist eine elende Heuchelei, von Schurken aufgebracht und von Narren in Umlauf gesetzt"; und Burke in seinen "Gedanken über die Gründe der jetzigen Unzufriedenheit", 1773: "Von diesem Kaliber ist die heuchlerische Phrase: Massregeln, nicht Menschen, eine Art Zauberformel, wodurch manche sich jede Ehrenpflicht abschütteln".

Aus Goldsmiths "The Hermit", stanza 8, wird citiert:

Man wants but little here below,

Nor wants that little long,

Hienieden braucht der Mensch nicht viel,

Noch braucht er's lange Zeit,

während Young schon in "Nightthoughts" (1741) 14, 118 sagt:

Man wants but little, nor that little long.—

William Cowper (1731-1800) ist zu nennen wegen der im Gedichte "The task" (1785) Buch 4 enthaltenen Bezeichnung des Thees:

The cups,

That cheer, but not inebriate.

Die Schalen,

Die erheitern, nicht berauschen.—

Richard Brinsley Sheridan (1751-1816) liefert uns den Titel seiner berühmten Komödie (1777), der auf so viele gesellige Vereinigungen angewendet wird:

The school for scandal.

Die Lästerschule.—

Das bei Robert Burns (1759-96) in dem Gedichte: "Is there for honest poverty" vorkommende

For a' that and a' that

übersetzt Freiligrath mit:

Trotz alledem und alledem.

Schmidt-Weissenfels sagt in einem biographischen Bei- und Nachtrag: "Lassalle und Freiligrath" ("Gegenwart" vom 26. Mai 1877):

"Wenn aus dem Briefwechsel in dieser Zeit noch etwas erwähnenswert ist, so ist es die sichtliche Liebhaberei, mit welcher Lassalle das Lieblingswort Freiligraths: 'Trotz alledem und alledem' darin mehrfach citiert. Freiligrath führte es schon in der glücklichen Poetenzeit, die er früher am Rhein verlebte, im Munde, hatte es dann nach Burns zum Titel und Gedankengang eines seiner leidenschaftlichsten revolutionären Gedichte[58] benutzt, und seitdem war es zu einem geflügelten Wort geworden. Aber eifersüchtig war der Dichter darauf, dass ihm das Urheberrecht daran gewahrt bleibe; auch trug es sein Siegel als Wahlspruch".—

[58] "Neuere politische und sociale Gedichte" von F. Freiligrath, Köln 1849. 1. Heft, S. 62. vrgl. auch Ferd. Freiligraths "ges. Dicht". Stuttg. Göschen, 1870, S. 44 und 172.

William Wordsworth (1770-1850) bietet aus "My heart leaps up" das von Lewes zum Motto des ersten Buches von "Goethes Leben" auserkorene:

The child is (the) father of the man.

Das Kind ist des Mannes Vater.—

Aus Thomas Campbells (1777-1844) "Lochiel's Warning" ist das von Byron als Motto für "Dantes Prophezeiung" gewählte:

('T is the sunset of life gives me mystical lore

And) coming events cast their shadows before.

(Der Abend des Lebens giebt mir geheimnisvolle Weisheit,

Und) künftige Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.—

Thomas Moore (1779-1852) beginnt ein schwermütiges Lied seiner "Irischen Melodieen" (1807-34):

"'tis the last rose of summer."

Danach nennen wir, ohne auf den Text weiter einzugehen, den holden Gegenstand der Liebesneigung eines bejahrten Herrn seine

letzte Rose.—

Aus Lord George Byrons (1783-1824) Tagebuche sind bekannt die von ihm mit Bezug auf den unerwarteten Erfolg der beiden ersten Gesänge seines "Childe Harold" geschriebenen Worte:

I awoke one morning and found myself famous,

Ich erwachte eines Morgens und fand mich berühmt!

und aus "Childe Harold", 4, 79 citiert man die Bezeichnung als:

Niobe of Nations.

Niobe der Nationen.

In seinem "Don Juan" (11, 45 und 13, 49; ersch. 1823) giebt Byron als Zahl der Londoner höheren Schichte reicher hochnäsiger Nichtsthuer "etwa Viertausend" ("about twice two thousand") an und so (11, 54), auch nach Lanne, als die Zahl der "lebenden Schriftsteller": etwa "Zehntausend" ("ten thousand"). Vor ihm bezeichnete man die obere Schichte mit "the upper-crust", dann aber sagte man, wohl die erwähnten beiden Stellen des elften "Don Juan"—Gesanges vermengend, meistens:

The upper ten thousand, oder The upper ten,

Die oberen Zehntausend.

Oder wäre schon Edmund Burke hier als Quelle anzusehen? Dieser versteht nämlich (1793. "Remarks on the policy of the allies . . . ."; "Works", Lond. 1815 VII, p. 140-1) "ganz England" unter dessen 35000 Grundbesitzern und spricht von 10000 adligen Kavalleristen als von der Kraft Preussens, die 1792 gegen Frankreich zog.—

Washington Irving (1783-1859) veröffentlichte 1837 eine Skizze "The Creole Village", in der er den Wunsch ausspricht, es möge unter den unschuldigen Bewohnern dieses Dorfes

"the almighty dollar"

der allmächtige Dollar

immer verachtet bleiben. In "Wolfert's Roost and other Papers" (1855) brachte er dann die kleine Erzählung wieder und sagt in einer Anmerkung (p. 48), jener Ausdruck sei zuerst von ihm damals gebraucht und inzwischen landläufig geworden.—

Der Dichter und Komponist von (Tell me the tales that to me were so dear)

Long, long, ago

Lang', lang' ist's her

ist T. H. Bayly (Cramers Vocal Gems, No. 1).—

"The last of the Mohicans"

Der letzte Mohikaner

(1826), und

"The Path-Finder"

Der Pfadfinder

(1840) sind Romantitel James Fenimore Coopers (1789-1851).—

Aus James Robinson Planchés (1796-1880) englischem, von Th. Hell verdeutschten Texte zu Karl Maria von Webers am 12. April 1826 in London zuerst aufgeführten "Oberon" stammt:

Mein Hüon, mein Gatte!

scherzhaft erweitert durch:

Im Schlafrock von Watte!

nach dem musikalischen Quodlibet "Fröhlich" (von L. Schneider), das in den 30er Jahren in Berlin gegeben wurde, und in dessen 1. Akte der Oberon-Text also parodiert wird: