Sui cuique mores fingunt fortunam (hominibus).
Jedes Menschen Glück schmiedet ihm sein Charakter.—
Als Citatenquelle ist Plautus (um 254-184 v. Chr.) zu erwähnen mit:
Nomen atque omen,
Name und zugleich Vorbedeutung,
aus dem "Persa", 4, 4, 74, und mit dem ebenda 4, 7, 19 vorkommenden, von Terenz im "Phormio" 3, 3, 8 angewendeten
Sapienti sat (est)!
Für den Verständigen genug!
(d. h. für ihn bedarf es keiner weiteren Erklärung).—
Oleum et operam perdidi
Öl und Mühe habe ich verschwendet
kommt in des Plautus "Poenulus" 1, 2, 119 vor und wird dort von einer Dirne gebraucht, die sich vergebens hat putzen und salben lassen. Cicero überträgt es auf Gladiatoren ("Ad familiares" 7, 1); dann wird damit auf das verschwendete Öl der Studierlampe angespielt (Cicero "Ad Atticum" 13, 38; "Iuvenal" 7, 99).—
Allgemein bekannt ist auch des Plautus Komödientitel
Miles gloriosus
Der ruhmredige Kriegsmann.
Das Original dieses Stückes war von einem uns unbekannten griechischen Dichter und hiess "Ἀλαζών" ("der Marktschreier", "Aufschneider", "Gloriosus"), wie Plautus (2, 1, 8 u. 9) selbst bezeugt.—
Summa summarum,
Alles in allem,
finden wir zuerst bei Plautus ("Truculentus" 1, 1, 4).—
Im "Trinummus" (5, 2, 30) des Plautus heisst es:
Tunica propior pallio.
Das Hemd ist mir näher als der Rock.—
Bei Plautus ("Stichus" 5, 4, 52 "Casina" 2, 3, 32) kommt
Ohe iam satis!
Oh, schon genug!
vor, das sich auch bei Horaz (Sat. 1, 5, 12) und Martial (4, 91, 6 u. 9) findet.—
Ennius (239-169 v. Chr.) wird in Ciceros "Laelius" 17, 64 citiert mit:
Amicus certus in re incerta cernitur,
Den sicheren Freund erkennt man in unsicherer Sache.—
Schon Euripides (Hec. 1226) sagt ähnlich:
"Ἐν τοῖς κακοῖς γὰρ οἱ ἀγαθοὶ σαφέστατοι Φίλοι".
"Denn in der Not sind gute Freund' am sichersten".—
In 1, 1, 99 der "Andria" des Terenz (185-155 v. Chr.) erzählt Simo, wie er sich erst über des Sohnes Pamphilus Thränen beim Begräbnis einer Nachbarin gefreut, dann aber der Verstorbenen hübsche Schwester unter den Leidtragenden bemerkt habe . . . . "Das fiel mir gleich auf. Haha! Das ist's!
Hinc illae lacrumae!"
"Daher jene Thränen!"
Dies Wort wird bereits von Cicero ("pro Caelio", c. 25) und von Horaz ("Epistel" 1, 19, 41) citiert.—
Aus 1, 2, 23 der "Andria" des Terenz ist die Antwort des Davus:
Davus sum, non Oedipus,
Davus bin ich, nicht Ödipus,
d. h. "ich verstehe dich nicht, denn ich kann nicht so geschickt Rätsel lösen wie Ödipus".—
Aus der "Andria" 1, 3, 13:
Inceptio est amentium, haud amantium,
Ein Beginnen von Verdrehten ist's, nicht von Verliebten,
ist in den Gebrauch übergegangen:
Amantes, amentes,
Verliebt, verdreht,
was wohl zuerst in dem Titel des 1604 in 3. Auflage erschienenen Lustspiels "Amantes amentes" von Gabriel Rollenhagen vorkommt. "Amens amansque" (verdreht und verliebt) findet sich übrigens schon bei Plautus "Merc." Prolog. 81.—
Aus der "Andria" 2, 1, 10 und 14 ist:
Tu si hic sis, aliter sentias,
Wärst du an meiner Stelle, du würdest anders denken;
Interim fit (eigentlich: fiet) aliquid;
Unterdessen wird sich schon irgend etwas ereignen;
(in des Plautus "Mercator" 2, 4, 24 heisst es: aliquid fiet).—
Aus 3, 3, 23 sind die Worte:
Amantium irae amoris integratio (est)
Der Liebenden Streit die Liebe erneut,
eine Verschönerung des Menandrischen "ὀργὴ φιλούντων μικρὸν ἰσχύει χρόνον", "Nicht lange währt der Zorn der Liebenden" (s. Stobäus Serm. LXI, p. 386.11); aus 4, 1, 12:
proximus sum egomet mihi,
Jeder ist sich selbst der Nächste.—
Aus dem "Eunuch" (Prolog 41) des Terenz stammt:
Nullum est iam dictum, quod non sit dictum prius,
Es giebt kein Wort mehr; das nicht schon früher gesagt ist;
(s. Goethe: "Wer kann was Dummes . . .")—
Aus 4, 5, 6 kommt uns das damals schon sprichwörtliche
Sine Cerere et Libero friget Venus
Ohne Ceres und Bacchus bleibt Venus kalt.
Bereits Euripides sagte ("Bacchae", 773):
οἴνου δὲ μηκέτ' ὄντος, οὐκ ἔστιν Κύπρις.
Wo's keinen Wein mehr giebt, giebt's keine Liebe.—
In des Terenz "Heautontimorumenos" (s. auch unter: Menander) 1, 1, 25 heisst es:
Homo sum; humani nihil a me alienum puto,
Mensch bin ich; nichts, was menschlich, acht' ich mir als fremd.
Es liegt hier wohl zweifellos die Übersetzung eines, schon im Menanderschen Original befindlich gewesenen Wortes vor.—
Aus des Terenz "Adelphi" 4, 1, 21 citieren wir den erschreckten Ruf des Syrus, als er Ctesiphos Vater plötzlich erblickt, über den er gerade mit jenem spricht:
Lupus in fabula!
(Cicero "ad. Attic." 13, 33 wendet das Wort an, das schon bei Plautus "Stich." 4, 1, 71 in der Form "ecce tibi lupum in sermone" vorkommt.) Zu übersetzen wäre: "Wenn man vom Wolf spricht, ist er nicht weit"; doch wollen andere Ausleger den Volksglauben der Alten hineinziehen, dass man beim Anblick eines Wolfes verstummen müsse (s. Voss z. Vergils Ecl. 9, 54 u. Meineke zu Theokrits Id. 14, 22), da ja auch die plötzliche Ankunft dessen, von dem wir reden, uns verstummen mache.—
"Adelphi" 4, 7, 21-23 heisst es:
"Ita vita est hominum, quasi, cum ludas tesseris;
Si illud, quod maxume opus est iactu, non cadit,
Illud quod cecidit forte, id arte ut corrigas".
"So gleicht des Menschen Leben einem Würfelspiel:
Wenn just der Wurf, den man am meisten braucht nicht fällt,
So korrigiert man, was der Zufall gab, durch Kunst".
Aus dieser Stelle stammt
corriger la fortune
"das Glück verbessern", d. h. "falsch spielen", was sich in Hamiltons 1713 erschienenen "Mém. d. Grammont" K. 2, in Prévosts "Manon Lescaut" (1743) 27, 1 und auch in Lessings "Minna von Barnhelm" (1767) 4, 2 findet.
Molière (1663 "L'École des Femmes" 4, 8) hat "corriger le hazard" beim Würfelspiel, aber durch "bonne conduite". In Regnards "Le Joueur" (1696) 1, 10 weiss Toutabas, wenn's sein muss, "par un peu d'artifice d'un sort injurieux corriger la malice"; und in G. Furquhars "Sir Harry Wildair" (1701) Akt 3 z. A. sagt "Monsieur Marquis" in seinem Kauderwelsch: "Fortune give de Anglis Man de Riches, but Nature give de France Man de Politique to correct unequal Distribution".—
Duo cum faciunt idem, non est idem,
Wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe,
ist eine Verkürzung der Stelle "Adelphi" 5, 3, 37:
Duo cum idem faciunt, . . .,
Hoc licet impune facere huic, illi non licet.
Wenn zwei dasselbe thun, . . . so darf der Eine
es ungestraft thun, der Andere nicht.—
Aus des Terenz "Phormio" 1, 2, 18 stammt:
Montes auri pollicens;
Berge Goldes (goldene Berge) versprechen(d).
Wenn Georg Ebers ("Ägypten in Bild und Wort" S. 17) den Komödiendichter Menander aus Athen an seine Geliebte schreiben lässt: "Ich habe von Ptolomäus . . . Briefe . . ., in denen er mir mit königlicher Freigebigkeit goldene Berge verspricht", so ist dies nur eine freie Übersetzung von "τῆς γῆς ἀγαθά, die Güter der Erde". In des Plautus "Miles gloriosus" 4, 2, 73 kommen aber schon "argenti montes", "Berge von Silber", vor und im "Stichus" 1, 1, 24-5 heisst es: "Neque ille sibi mereat Persarum montes, qui esse aurei perhibentur", "Und er möchte sich die Perserberge nicht erwerben, die von Gold sein sollen". Auch Varro (bei "Nonius" p. 379) singt von diesen Perserbergen:
"Non demunt animis curas ac religiones
Persarum montes, non atria divitis Crassi";
"Weder die Berge der Perser, noch Hallen des prunkenden Crassus
Können die Herzen befreien von Angst und von nagenden Skrupeln";
während der Perserkönig im Aristophanes ("Acharn." 81) nach achtmonatlichem Sitzen auf goldenen Bergen (ἐπὶ χρυσῶν ὀρῶν) eine Befreiung anderer Art fand. Es scheint, als deute unser Gudrunepos (vor 1200) mit seinem (V. 493) "und waere ein berc golt, den naeme ich niht dar umbe" auf eine gemeinsame indogermanische Quelle.—
Aus des Terenz "Phormio" 2, 2, 4 ist:
Tute hoc intristi; tibi omne est exedendum,
Du hast es eingerührt; Du musst es auch ganz ausessen;
aus 2, 4, 14:
Quot homines, tot sententiae,
So viel Leute, so viel Ansichten,
was schon Cicero ("De fin." 1, 5, 15) anführt, (vrgl. unten: Horaz "Sat." 2, 1, 27.)—
Oderint, dum metuant,
Mögen sie hassen, wenn sie nur fürchten,
aus der Tragödie "Atreus" des Accius (170-104 v. Chr.), citierten bereits Cicero (1. "Philipp." 14, 34, "pr. Sest." 48, "de offic." 1, 28) und Seneca ("Üb. d. Zorn" 1, 20, 4; "Üb. d. Gnade" 1, 12, 4 u. 2, 2, 2). Nach Sueton ("Calig." 30) war es ein Lieblingswort des Kaisers Caligula.—
Bei Lucilius († 103 v. Chr.) steht (ed. Lachmann, Berl. 1877, v. 2, ebenso bei Persius 1, 2):
Quis leget haec?
Wer wird das (Zeug) lesen?—
Auch stammt nach Macrobius ("Saturnalien", 6, 1, 35)
non omnia possumus omnes
wir können nicht Alle Alles
von Lucilius her und wurde von Furius Antias citiert. Vergil verwendete es Ecloge 8, 63. Homer mag des Gedankens Vater sein, denn, dass einem Menschen nicht alle Gaben verliehen seien, spricht er öfters aus (s. "Iliade" 4, 320; 13, 729 u. "Odyssee" 8, 167).—
Varro (116-27 v. Chr.) "De lingua latina" VII, 32 (n. Otfr. Müllers Ausg.) sagt: "Sed canes, quod latratu signum dant, ut signa canunt, canes appellatae". Dies ist spöttisch umgestaltet worden zu:
canis a non canendo
Hund wird "canis" genannt, weil er nicht singt (non canit) (s. Quintilians "lucus a non lucendo").—
Auch citieren wir das von Gellius (1, 22, 4 u. 13, 11, 1) als Titel einer Varronischen Schrift angeführte:
Nescis, quid vesper serus vehat.
Du weisst nicht, was der späte Abend bringt.—
Cicero (106-43 v. Chr.) nennt "pro Roscio Amerino", 29 die Mordgesellen, die zu Sullas Zeiten Gutsbesitzer ermordeten und dann deren Güter betrügerisch an sich zu bringen und vorteilhaft zu verschachern wussten:
sectores collorum et bonorum,
Halsabschneider und Güterschlächter.—
Im Anfange der 1. Rede "in Catilinam" finden wir das auch bei Livius 6, 18 und bei Sallust "Catilina" 20, 9 vorkommende, ungeduldige
Quousque tandem . . .?
Wie lange noch . . .?—
In Ciceros "Catilina" 1, 1 (vrgl. Martial IX, 71); IV, 25, 56, sowie "pro rege Deiotaro" 11, 31 und "de domo sua" 53, 137 steht:
O tempora! O mores!
O Zeiten! O Sitten!
Im "Hofmeister" (1774) von R. Lenz citiert es (5, 10) der Schulmeister Wenzeslaus, und als Refrain von Geibels "Lied vom Krokodil" (1840) fand es die weiteste Verbreitung.—
In Ciceros "Catilina" 2, 1 findet sich:
Abiit, excessit, evasit, erupit.
Er ging, er machte sich fort, er entschlüpfte, er entrann.—
Videant consules ne quid res publica detrimenti capiat,
Die Konsuln mögen dafür sorgen, dass die Republik keinen Schaden leidet
bildete, seit man vom 6. Jahrh. an die Diktatur nicht mehr in Rom anwenden wollte, das sogenannte senatus-consultum ultimum, welches die Konsulargewalt zu einer diktatorischen machte (s. Cicero "pr. Mil." 26, 70, "in Catil." I, 2, 4, "Phil." 5, 12, 34, "Fam." 16, 11, 3; Cäsar "de bell. civ." 1, 5, 3; 1, 7, 4; Liv. 3, 4, Sallust "Catil." 29, Plutarch "C. Gracch." 14 u. "Cic." 15.)—
Aus Ciceros "de fin." 5, 25, 74 stammt:
Consuetudo (quasi) altera natura,
Die Gewohnheit ist (gleichsam) eine zweite Natur;
Galenus ("De tuenda valetudine", cap. 1) bietet die heute übliche Form: "Consuetudo est altera natura". Schon in des Aristoteles "Rhetorik", 1370a 6 (Bekker) heisst es: "die Gewohnheit ist der Natur gewissermassen ähnlich" (τὸ εἰθισμένον ὥσπερ πεφυκὸς ἤδη γίγνεται).—
In Ciceros "Tuscul." 1, 17, 39 heisst es:
Errare . . malo cum Platone, . . quam cum istis vera sentire,
Lieber will ich mit Plato irren, als mit denen (den Pythagoreern) das Wahre denken.—
Di minorum gentium
(wörtlich: "Götter aus den geringeren Geschlechtern") nennen wir die untergeordnete Schicht einer Klasse Menschen mit Beziehung auf das "maiorum gentium di" (d. h. "die oberen zwölf Götter" bei Cicero "Tusc." 1, 13, 29), Bezeichnungen, die daraus entsprangen, dass Tarquinius ausser den von Romulus berufenen "patres maiorum gentium" ("Senatoren aus den hervorragenden Geschlechtern") auch "patres minorum gentium" ("Senatoren geringerer Herkunft") berief (vrgl. Cicero "d. rep." 2, 20; Liv. 1, 35, 6 und dazu das "Patrici minorum gentium" bei Cic. "Fam." 9, 21 und Liv. 1, 47, 7).—
Aus Ciceros I. "Philippica", 5, 11 und zugleich aus "De finibus" 4, 9, 22, (vrgl. Livius 23, 16 im Anfang, wo es in nicht übertragener Bedeutung steht) stammt die für eine den Staat bedrohende Gefahr gebräuchlich gewordene Wendung:
Hannibal ad (nicht: ante) portas.
Hannibal (ist) an den Thoren.
Diese Redensart, wie die Erinnerung an Catilina und an das aus Livius (XXI, 7: "dum ea Romani parant consultantque, iam Saguntum summa vi oppugnabatur") geschöpfte Wort:
Dum Roma deliberat, Saguntum perit,
Während Rom beratschlagt, geht Sagunt zu Grunde,
(auch in der Form:
Roma deliberante Saguntum perit
citiert) wurden von Goupil de Préfeln in einer Sitzung der konstituierenden Versammlung von 1789 zu dem unrichtigen Citate vermischt:
Catilina est aux portes, et l'on délibère.
Er stichelte damit auf Mirabeau, der diesem Worte dadurch erst recht Bahn verschaffte, dass er es in seiner berühmten Rede zur Abwendung des Bankerotts wiederholte und variirte.—
In Ciceros II. "Philippica" 14, 35, "pro Milone" 12, 32 und "pro Roscio Amerino" 30, 84 und 31, 86 wird das uns geläufige
cui bono?
(Wozu?)
(A quoi bon?)
eigentlich: "Wem zum Nutzen?" ausdrücklich als ein Wort des L. Cassius bezeichnet. Aus der zuletzt angeführten Stelle ersehen wir, dass L. Cassius, ein Mann von äusserster Strenge, bei den Untersuchungen über Mord den Richtern einschärfte, nachzuforschen, "cui bono", wem zum Nutzen das Ableben des Ermordeten war.—
Cicero spricht in seiner Rede "pro Roscio Amer." 16, 47: "Homines notos sumere odiosum est, cum et illud incertum sit, velintne hi sese nominari" ("angesehene Leute nennen, ist eine heikle Sache, da es auch zweifelhaft ist, ob sie selbst genannt werden wollen"). Daher sagen wir, wenn es gescheidter ist, keine Namen zu nennen:
Nomina sunt odiosa,
Namen sind verpönt.—
Aus Ciceros Rede "pro Milone" 4, 10 ist bekannt:
Silent leges inter arma.
Im Waffenlärm schweigen die Gesetze.
Lucanus ahmt diese Worte ("Pharsalia" I, 277) also nach: "Leges bello siluere coactae".—
Die altrömische Formel des Richters, der nicht entscheiden kann, ob Schuld oder Unschuld vorliegt, das
Non liquet
citieren wir aus Cicero "pro Cluentio" 28, 76 (vrgl. Gellius 14, 2. g. E. und das "liquet" bei Cicero "Caecin." 10; Quintilian "Instit." 3, 6, 12): "Deinde homines sapientes, et ex vetere illa disciplina iudiciorum, qui neque absolvere hominem nocentissimum possent, neque eum, de quo esset orta suspicio, pecunia oppugnatum, re illa incognita, primo condemnare vellent, non liquere dixerunt." Darauf gaben einsichtige Männer von der alten Schule der Geschwornengerichte, die weder solchen Verbrecher freisprechen konnten, noch ihn, gegen Den, wie man munkelte, mit Bestechung der Richter vorgegangen war, vor Untersuchung dieser Sache im ersten Termin verurteilen wollten, folgenden Spruch ab: es ist nicht aufgeklärt."—
Weil Cicero seine Reden gegen Antonius im Vergleich mit den gewaltigen Reden des Demosthenes gegen Philipp von Macedonien "Philippische" nannte, so nennt man noch heute jede Donnerrede eine
Philippika.—
Der Titel der Ciceronischen Rede "de domo sua" ist in der älteren Lesart
pro domo
für das eigene Haus
zum allgemeinen Ausdruck für jede Thätigkeit geworden, die auf Erhaltung der eigenen Habe abzielt, und wir nennen danach eine der Selbstverteidigung oder dem eigenen Vorteil dienende Rede eine
oratio pro domo.—
Aus Ciceros ("De harusp. respons." 20, 43) Redewendung: "resistentem, longius, quam voluit, popularis aura provexit", "Die Volksgunst trieb den Widerstrebenden weiter, als er wollte", stammt das später von Vergil, Horaz, Livius und Quintilian ähnlich angewandte Wort:
aura popularis,
Hauch der Volksgunst.—
Suum cuique
(Jedem das Seine)
finden wir bei Cicero "de offic." 1, 5; "de natur. deor." 3, 15, 38; "de leg." 1, 6, 19; (vrgl. Tacitus: "Annalen", 4, 35, Plinius: "Natur. hist." 14, 6, 8 und den ähnlichen Gedanken bei Theognis 332 u. 546).
"De finibus" 5, 23, 67 sagt Cicero: "Iustitia in suo cuique tribuendo cernitur", "Die Gerechtigkeit erkennt man daran, dass sie Jedem das Seine zuerteilt"; und "suum cuique tribuere" ist eine Rechtsregel Ulpians ("Corp. iur. civ." "Digest." I, 1 "de iustitia et iure" § 10); daher es in Shakespeares "Andronicus" 1, 2 heisst: "Suum cuique spricht des Römers Recht". Friedrich I. von Preussen wählte das "Suum cuique" zur Inschrift vieler Medaillen und Münzen und zum Motto des am 17. Januar 1701 gestifteten Ordens vom schwarzen Adler, und seitdem blieb es Preussens Wahlspruch.—
Das von Cicero "de offic." 1, 10, 33 als "abgedroschenes Sprichwort" citierte
Summum ius, summa iniuria
Das höchste Recht (ist) das höchste Unrecht
scheint eine spätere Fassung des Sprichwortes in des Terenz "Heautontimorumenos" 4, 5 zu sein:
Dicunt: ius summum saepe summa est malitia.
Man pflegt zu sagen: Das höchste Recht ist oft die höchste Bosheit.
Luther 21, 254 schreibt: "Wie der Heide Terentius sagt: 'Das strengest Recht ist das allergrossest Unrecht'". (23, 295 führt Luther das Wort auf Scipio zurück.)—
Aus Ciceros "de offic." 1, 16, 52, wo es sich um allgemeine Gefälligkeiten gegen Jedermann handelt, wie z. B. dass wir es Jedem gestatten müssen, sich an unserem Feuer das seinige anzuzünden, citieren rauchende Gelehrte, um Feuer bittend:
Ab igne ignem.
Vom Feuer Feuer.—
"De offic." 1, 22, 77 enthält den von Cicero selbst verfertigten Vers:
Cedant arma togae, concedat laurea laudi,
Es mögen die Waffen der Toga, d. h. dem Friedensgewande, nachstehen, der Lorbeer der löblichen That,
worüber er sich in der Rede "in Pisonem" 29 und 30 eines Weiteren auslässt, während er nur "cedant arma togae" in der 2. "Philippica" 8 schreibt.—
Aus "de offic." 1, 31, 110 kennen wir das schon hier von Cicero als Sprichwort citierte, in "ad familiares" 3, 1 und 12, 25 wieder vorkommende und von Horaz in der "Kunst zu dichten", 385, angewendete
Invita Minerva;
Wider den Willen der Minerva;
aus "de offic." 3, 1, 3:
ex malis eligere minima;
von zwei Übeln das kleinere wählen;
"minima de malis" war nach 3, 29, 105 sprichwörtlich.—
Aus Ciceros "de offic." 3, 33, 117 (sed aqua haeret, ut aiunt) und aus "ad Quintum fratrem" 2, 8 (in hac causa mihi aqua haeret) stammt:
Hic haeret aqua,
Hier stockt es.—
Aus Cicero "de legibus" 3, 3, 8 citieren viele:
(his) salus populi suprema lex (esto),
Für diese (nämlich für die Regierenden) sei das Wohl des Volkes das vornehmste Gebot.—
In "de finibus" 2, 32, 105 führt Cicero als Sprichwort an:
Iucundi acti labores;
Angenehm (sind) die gethanen Arbeiten;
und er fügt hinzu, auch Euripides sage nicht übel:
"Suavis laborum est praeteritorum memoria", was in dessen "Andromeda" (nach Stobaeus: "Florib." 29, 57) also lautete: "Ἀλλ' ἡδύ τοι σωθέντα μεμνῆσθαι πόνων".—
Aus Ciceros "de natur. deor." 3, 40 citieren wir:
Pro aris et focis (certamen);
(Kampf) um Altar und häuslichen Herd.—
In "pro Milone" 29, 79 sagt Cicero: "Liberae sunt nostrae cogitationes" (Frei sind unsere Gedanken), und L. 48 der "Digesten" 19, 18 heisst es aus Ulpians lib. III ad Edictum: "Cogitationis poenam nemo patitur" (Für seinen Gedanken wird niemand bestraft). Das ist umgewandelt worden zu dem sprichwörtlichen:
Gedanken sind zollfrei,
was sich wohl zuerst bei Luther ("Von weltlicher Oberkeit, wie man ihr Gehorsam schuldig sei". 1523) findet.—
Aus Ciceros "pro Sestio" cap. 45 stammt:
Otium cum dignitate,
Musse mit Würde,
oder, wie dort steht: "cum dignitate otium". Der Sinn ist: "behagliche Ruhe, verbunden mit einer angesehenen Stellung". Auch im Anfange der Schrift "de oratore" ist es zu finden und in Ciceros Briefen "ad. famil." 1, 9, 21 wird es als ein häufig von ihm angewendetes Wort erwähnt.—
In diesen Briefen Ciceros "ad famil." 5, 12 steht:
Epistola non erubescit,
Ein Brief errötet nicht,
häufig umgestellt in:
Literae non erubescunt,
auch in:
Charta non erubescit.—
Imperium et libertas[64]
Herrschaft und Freiheit
stammt aus Ciceros 4. Rede gegen Catilina, IX, 19, wo er dem Senat zuruft: "Bedenket, wie in einer Nacht die so mühsam befestigte Herrschaft (quantis laboribus fundatum imperium) und die so trefflich begründete Freiheit (quanta virtute stabilitam libertatem) fast zu Grunde ging!" Die Rede schliesst mit der Forderung, dass der Senat "über die Herrschaft und die Freiheit Italiens" (de imperio, de libertate Italiae) die Entscheidung treffen möge.—
[64] Lord Beaconsfield (Disraeli) sagte in einer Rede beim Lord-Mayors-Mahl am 10. Nov. 1879: "Einer der grössten Römer wurde nach seiner Politik gefragt. Er antwortete: imperium et libertas". Die Nationalzeitung vom 28. Nov. 1879 (Morgen-Ausg.) teilte mit, dass auf ihre Anfrage bei dem Lord die Antwort erfolgt sei, die Quelle der citierten Worte fände sich im 1. Buche von Bacons "Advancement of Learning". (Ausg. Spedding, Ellis und Heath, vol. III, p. 303.) Bacon übersetzt daselbst das in des Tacitus "Agricola" 3 vorkommende "principatum ac libertatem", wofür er "imperium et libertatem" schreibt, mit: "government and liberty". Dass ein nach seiner Politik gefragter grosser Römer diese Aussage gethan habe, ist also ein Irrtum.
dies Wort des M. Pinarius Rufus steht bei Cicero "de oratore", 2, 65, 261. Ihm mochte des Aristoteles Satz (Rhetor. 3, 3) vorschweben: "σὺ δὲ ταῦτα αἰσχρῶς μὲν ἔσπειρας, κακῶς δὲ ἐθέρισας", "was du hier böse gesäet, das hast du schlimm geerntet". (vrgl. in der Vulgata Hiob 4, 8: "et seminant dolores et metunt eos", nach Luther: "Die da Mühe pflügten und Unglück säeten, ernteten sie auch ein". Galater 6, 8: "Quae enim seminaverit homo, haec et metet", nach Luther Gal. 6, 7: "Denn was der Mensch säet, das wird er ernten", dann Sprüche Sal. 22, 8; 2. Cor. 9, 6 und "Gefl. Worte a. d. Bibel" Hosea 8, 7.)—
Aus einigen Hexametern des Julius Cäsar (100-44 v. Chr.) über Terenz, die in dessen Biographie von Sueton (p. 294, 35, ed. Roth) enthalten sind, hat man vermittelst eines falsch gesetzten Kommas die Bezeichnung
vis comica
Kraft der Komik
herausgelesen. Die betreffenden Verse heissen:
Lenibus atque utinam scriptis adiuncta foret vis,
Comica ut aequato virtus polleret honore
Cum Graecis;
Wenn sich doch Kraft dir zu deinem gefälligen Dichten gesellte,
Dass dein Wort in der Komik die nämliche Geltung erreiche,
Wie sie die Griechen besitzen!
Es ist in ihnen daher von einer "virtus comica", nicht aber von einer "vis comica" die Rede. ("Klein. Schrift, in latein. u. deutscher Sprache" von Fr. Aug. Wolf, herausg. von G. Bernhardy, II, p. 728).—
Aus Lucretius (98-55 v. Chr.) "Über die Natur" ist 1, 102:
Tantum religio potuit suadere malorum.
Zu so verderblicher That vermochte der Glaube zu raten.—
Aus 1, 149; 1, 205; 2, 287 wird citiert:
De nihilo nihil,
Aus Nichts wird Nichts,
was Persius ("Satiren" 3, 84) wiederholt. Lucretius hatte seine Ansicht aus Epikur entlehnt, der (nach Diog. Laërtius 10, n. 24, 38) an die Spitze seiner Physik den Grundsatz stellte: "οὐδὲν γίνεται ἐκ τοῦ μὴ ὄντος", "Nichts wird aus dem Nichtseienden". Vor Epikur hatte schon Melissus gesagt, dass aus Nichtseiendem nichts werden kann (Überweg "Geschichte der Philosophie des Altertums", 1, S. 63), wie auch Empedokles die Ansicht bekämpft, dass Etwas, was vorher nicht war, entstehen könne (ebenda 1, S. 66). Aristoteles ("Physik" 1, 4) sagt, Anaxagoras habe die übliche Ansicht der Philosophen für wahr gehalten, dass aus dem Nichtseienden Nichts entstünde ("οὐ γινομένου οὐδενὸς ἐκ τοῦ μὴ ὄντος"). In Mark Aurels (121-180 n. Chr.) "Selbstbetrachtungen" 4, 4 heisst es: "denn von Nichts kommt Nichts, so wenig als Etwas in das Nichts übergeht".—
Aus 2, 1 und 1 ist berühmt:
Suave, mari magno, turbantibus aequora ventis,
E terra magnum alterius spectare laborem.
Bei der gewaltigsten See, bei Wogen aufwühlenden Winden
Anderer grosses Bemüh'n vom Land aus seh'n, ist behaglich.—
Aus Sallusts (86-35 v. Chr.) "Jugurtha" 10 ist:
concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuntur.
Durch Eintracht wächst das Kleine, durch Zwietracht zerfällt das Grösste.—
Aus dem 187. Spruch des Publilius Syrus (bl. um 50 v. Chr.):
Heredis fletus sub persona risus est,
Das Weinen des Erben ist ein maskiertes Lachen,
oder aus den sogenannten "Varronischen Sentenzen" (12): "sic flet heres, ut puella nupta viro; utriusque fletus non apparens risus", "Ein Erbe weint wie eine Braut; Beider Weinen ist heimliches Lachen" (vrgl. auch Horaz "Sat." 2, 5, 100-104)
scheint:
Lachende Erben
hervorgegangen zu sein. Schon 1622 kommt in Baden ein "Lacherbengeld" vor (vrgl. Rau: "Grundsätze der Finanzwissenschaft", 5. Ausgabe 1864; § 237, S. 371 Anm. a) und Friedrich von Logau schreibt (Salomons von Golau Deutscher Sinn-Getichte Drey Tausend. Breslau. In Verlegung Caspar Klossmanns. 1654, jedoch ohne Jahresangabe erschienen. Zweite "Zugabe" zum 3. Tausend "unter wehrendem Druck eingetroffen" No. 78 u. 79):
"Lachende Erben".
"Wann Erben reicher Leute die Augen wässrig machen
Sind solcher Leute Thränen nur Thränen von dem Lachen."
* * *
"Die Römer brauchten Weiber, die weinten für das Geld;
Obs nicht mit manchem Erben sich ebenso verhält?"
Dann heisst es in Othos "Evangelischem Krankentrost" (1664), S. 1034: "Freu' dich, liebes Mütlein; traure, schwarzes Hütlein, heisst's bei lachenden Erben".—
Die 245. Sentenz des Publilius Syrus: