Daniel
für "weiser Richter", welcher durch Shakespeares "Kaufmann von Venedig" (4, 1) volkstümlich geworden ist. Shylock nennt dort die in Gestalt eines Richters auftretende Porzia einen Daniel, und Graziano wiederholt das Wort, den Shylock verhöhnend.—
Auf Matthäus 3, 10 (vrgl. Luk. 3, 9): "Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Darum, welcher Baum nicht gute Frucht bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen . ." beruht:
die Axt an die Wurzel legen.—
Matth. 3, 11 (vrgl. Luk. 3, 16) heisst es: "Ich taufe euch mit Wasser zur Busse: der aber nach mir kommt . . . . ., der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen". Daher reden wir, jedoch ohne den Sinn festzuhalten, von einer
Feuertaufe.—
Aus Matth. 3, 12: "Und er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand; er wird seine Tenne fegen und den Weizen in seine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer", citiert man:
Die Spreu vom Weizen sondern.—
Matth. 3, 17 lesen wir:
Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe;
(vrgl. Jesaias 42, 1; Matth. 17, 5; Mark, 1, 11; Luk. 3, 22; 2. Petri 1, 17).—
Matth. 4, 10, sowie Luk. 4, 8 steht das Wort Jesu zum Teufel:
Hebe dich weg von mir, Satan! Apage, Satana!
(In ähnlicher Weise redet Christus den Petrus an: Matth. 16, 23 und Mark. 8, 33.)—
Matth. 5, 3: "Μακάριοι οἱ πτωχοὶ τῷ πνεύματι" ("Selig sind die am Geiste Armen") übersetzte Luther: "Selig sind, die da geistlich (veraltet für "geistig") arm sind", woraus wir die Worte gebildet haben:
arm an Geist,
geistesarm und Geistesarmut.—
Matth. 5, 14 spricht Jesus zu den Jüngern: "Ihr seid das Licht der Welt", nach der Vulgata: "Vos estis lux mundi", woraus uns wohl für einen bedeutenden Geist die Bezeichnung "ein
lumen mundi"
entsprang. "Lumina civitatis" (Staatsleuchten) nannte Cicero ("Catil." 3, 10, 24) berühmte Männer.—
Sein Licht unter den Scheffel stellen
und
Sein Licht vor den Leuten leuchten lassen
stammt aus Matth. 5, 15 und 16: "Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter, so leuchtet es denen allen, die im Hause sind. Also lasset euer Licht leuchten vor den Leuten" u. s. w. (vrgl. Mark. 4, 21; Luk. 8, 16 und 11, 33.)—
Kein Jota, oder nicht ein Jota
beruht auf Matth. 5, 18. Der griechische Text hat dort statt des Lutherischen "—wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe": "ἰῶτα ἕν—οὐ μὴ παρέλθῃ" (in der Vulgata: "iota unum—non praeteribit" d. h. "nicht ein Jota wird zergehen"). Der ganze Satz (vrgl. Luk. 16, 17) lautet: "Bis dass Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch Ein Titel vom Gesetz, bis dass es alles geschehe". Daher auch unser:
Kein Titel, oder Tütel, oder Tittel, oder Tittelchen.—
Nach Matth. 5, 26 sagen wir:
der letzte Heller.—
Matth. 5, 37 steht:
Eure Rede aber sei, ja, ja, nein, nein; was drüber ist, das ist vom Übel.—
Matth. 5, 45: ". . . er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte" giebt uns das Wort:
Seine Sonne scheinen lassen über Gerechte und Ungerechte.—
Giebt jemand prahlerisch aller Welt etwas kund, so tadeln wir, dass er es
ausposaune,
nach Matth. 6, 2: "Wenn du nun Almosen giebst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler thun in den Schulen und auf den Gassen".—
Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte thut
lesen wir Matth. 6, 3.—
Matth. 6, 9-13 (vrgl. Luk. 11, 2. 4) steht das
Vaterunser, lateinisch: Paternoster,
dessen vierte Bitte
das tägliche Brot
und dessen siebente Bitte das "Erlöse uns von dem Übel" bietet. Hiernach sagt man im Volke von einem bösen Weibe: "Sie ist aus der siebenten Bitte", oder man nennt sie kurzweg:
Böse Sieben.
Nach Andern soll dieser Ausdruck von den sieben Todsünden entlehnt sein. Auch werden an manchen Stellen der heiligen Schrift böse Sieben angeführt. So heisst es:
Sprüche 26, 25: "Denn es sind sieben Gräuel in seinem Herzen"; Matth. 12, 45: "So gehet er hin und nimmt zu sich sieben andere Geister, die ärger sind, denn er selbst" (Luk. 11, 26);—Mark. 16, 9: "Jesus aber, da er auferstanden war frühe am ersten Tage der Sabbather, erschien er am ersten der Maria Magdalena, von welcher er sieben Teufel ausgetrieben hatte";—Luk. 8, 2: "Maria, die da Magdalena heisset, von welcher waren sieben Teufel ausgefahren".
Andere wiederum leiten "böse Sieben" von einem im 15. Jahrh. erwähnten Kartenspiele, Karnüffel, Karnöffel, Karnuffel oder Karnoffel genannt, her. Darin war die siebente Karte von oben der Teufel, der alle anderen Karten stach. Man nannte diese Karte die "böse Sieben". (Cyriacus Spangenberg veröffentlichte: "Wider die bösen Sieben ins Teufels Karnöffelspiel". Jena 1562; Eisl. 1562; Frankf. 1562.)—
Aus Matth. 6, 20 schöpfen wir das Wort:
Schätze sammeln, die weder Motten noch Rost fressen.—
Matth. 6, 21 (vrgl. Luk. 12, 34) steht geschrieben:
Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.—
Der Spruch Matth. 6, 24:
Niemand kann zween Herrn dienen
hat in Luk. 16, 13 die Form erhalten: "Kein Hausknecht kann zween Herrn dienen".—
Aus Matth. 6, 24 ist auch:
Mammon und Mammonsdiener
für "Reichtum" und "Geldmensch" entnommen. Es heisst daselbst: "Ihr könnet nicht Gott dienen und dem Mammon" (d. h. dem syrischen Gott des Reichtums). Der Mammon wird auch erwähnt Luk. 16, 9. 11. und 13.—
Matth. 6, 27 (vrgl. Luk. 12, 25) lautet: "Wer ist unter euch, der
seiner Länge Eine Elle zusetzen
möge, ob er gleich darum sorget?"—
Matth. 6, 34, lesen wir:
Es ist genug, dass ein jeglicher Tag seine Plage habe,
was wir gewöhnlich verkürzen in:
Jeder Tag hat seine Plage.—
Matth. 7, 1 (vrgl. Luk. 6, 37) steht:
Richtet nicht, auf das ihr nicht gerichtet werdet.—
Den Ausdruck:
Splitterrichter
bilden wir aus Matth. 7, 3-5: "Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?" u. s. w. (vrgl. Luk. 6, 41). Doch ist nach Dr. Zunz ("ges. Schrift." III, 294. Berl. 1876) der Priester und Mischnalehrer Tarfon der wahre Urheber dieses Spruches.—
Die Perlen vor die Säue werfen
ist gebildet nach Matth. 7, 6: "Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen".—
Suchet, so werdet ihr finden
steht Matth. 7, 7 und Luk. 11, 9 (Sprüche Sal. 2, 4-5 ist wohl die Quelle).—
Aus Matth. 7, 9: "Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet um Brot, der ihm einen Stein biete?" entnehmen wir:
einen Stein statt Brot geben.—
Auf Matth. 7, 15: "Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu Euch kommen, inwendig aber sind sie reissende Wölfe" beruht:
Wölfe in Schafskleidern.—
Matth. 7, 16 und 20 (vrgl. 12, 33 und Luk. 6, 44) steht:
an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Ein griechisches Sprichwort (Paroemiogr. Graeci. 1, 252, ed. Leutsch.) ist: ἐκ τοῦ καρποῦ τὸ δένδρον.—
Matth. 7, 26 lesen wir Jesu Gleichnis von dem "thörichten Manne", der
Sein Haus auf den Sand bauete,
so dass Regen und Wind es zu Falle brachten.—
Matth. 8, 12; 13, 42. 50; 22, 13; 24, 51; 25, 30 und Luk. 13, 28 steht, dass in der Hölle, in "der äussersten Finsternis", sein wird
Heulen und Zähnklappen.—
Aus Matth. 8, 20 oder aus Lukas 9, 58, wo Jesus von sich spricht: "Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber des Menschen Sohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege", entnehmen wir zur Bezeichnung äusserster Armut das Wort:
Nicht haben, wo man sein Haupt hinlege.—
Matth. 8, 22, sowie Luk. 9, 60 bietet Jesu Wort:
Lass die Toten ihre Toten begraben.—
Matth. 9, 12 und fast ebenso Mark. 2, 17 und Luk. 5, 31 spricht Jesus:
Die Starken (d. h. die Gesunden) bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.—
Matth. 10, 14 (sowie Mark. 6, 11; Luk. 9, 5 und Apost. 13, 51) bringt uns für "verachtungsvoll von dannen gehen" das Wort:
Den Staub von den Füssen schütteln.—
Matth. 10, 16 enthält:
Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.—
Nach Matth. 10, 27 und Luk. 12, 3 wird citiert:
Auf den Dächern (von den Dächern) predigen.—
Nach Matth. 10, 38 (vrgl. 16, 24; Mark. 8, 34; 10, 21; Luk. 9, 23; 14, 27; Joh. 19, 17) sagen wir von jemandem, der ein Leid zu tragen hat:
Er trägt sein Kreuz
und
Sein Kreuz auf sich nehmen
und danach:
Ein Kreuzträger.—
Matth. 11, 15 findet sich das häufig wiederholte:
Wer Ohren hat zu hören, der höre.—
Matth. 11, 28 lesen wir: "Kommet her zu mir alle, die ihr
mühselig und beladen
seid, ich will euch erquicken".—
Nach Matth. 11, 30: ". . mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht", sagen wir:
Ein sanftes Joch.—
Nach Matth. 12, 24. 27, sowie Luk. 11, 15. 18. 19 (vrgl. 9, 34 und Mark. 3, 22) sagt man:
den Teufel durch Beelzebub austreiben.—
Matth, 12, 30 und Luk. 11, 23 (vrgl. 9, 50) steht:
Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich.—
Auf Matth. 12, 31 (vrgl. Mark. 3, 28; Luk. 12, 10; Ebr. 6, 4) beruht:
Sünde wider den heiligen Geist.—
Das von Luther volkstümlich gefasste und deshalb, wie er im "Sendbriefe vom Dolmetschen" vom 8. Sept. 1530 (§ XIV) mitteilt, von ihm zur Übersetzung des Urtextes (ἐκ ... τοῦ περισσεύματος τῆς καρδίας τὸ στόμα λαλεῖ) Matth. 12, 34 (vrgl. Luk. 6, 45) gewählte:
Wess das Herz voll ist, dess gehet der Mund über,
lautet wörtlich übersetzt im Französischen:
De l'abondance du coeur la bouche parle.—
Matth. 13, 12; 25, 29; Mark. 4, 25; Luk, 8, 18; 19, 26:
Wer da hat, dem wird gegeben,
fand seinen französischen Schliff in:
On ne prête qu'aux riches.—
Aus Matth. 13, 13 (s. oben Psalm 115, 5) schöpfen wir das Wort:
Mit sehenden Augen nicht sehen.—
Matth. 13, 21 sowie Mark. 4, 17 übersetzt Luther "πρόσκαιρος" mit
wetterwendisch,
d. h. unbeständig, sich wendend und ändernd wie das Wetter. Vor Luther lässt es sich in dieser übertragenen Bedeutung nicht nachweisen.—
Nach Matth. 13, 25 citieren wir:
Unkraut zwischen den Weizen säen.—
Matth. 13, 57 (s. Mark. 6, 4; Luk. 4, 24; Joh. 4, 44): "Ein Prophet gilt nirgend weniger, denn in seinem Vaterlande und in seinem Hause", wird gemeiniglich gekürzt in:
Der Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande.—
Matth. 15, 11 (vrgl. Mark. 7, 15) enthält:
Was zum Munde eingehet, das verunreinigt den Menschen nicht.—
Aus Matth. 15, 27 stammt:
Brosamen, die von des Herrn Tische fallen.—
Brosamen, die von des Reichen Tische fallen
beruht auf Luk. 16, 21.—
Aus Matth. 16, 3: "Könnet ihr denn nicht auch die Zeichen dieser Zeit urteilen?" ist entlehnt:
Zeichen der Zeit.—
Matth. 16, 24 (Mark. 8, 34; Luk. 9, 23) spricht Jesus zu seinen Jüngern: "Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst . . ." Danach reden wir von:
sich selbst verleugnen
und von
Selbstverleugnung,
ein Moralbegriff, der noch über den der "Nächstenliebe" (3. Mos. 19, 18; Matth. 5, 43; 22, 39; Mark. 12, 21; Röm. 13, 9; Gal. 5, 14) hinausgeht, weil er schon das "Thut wohl denen, die euch hassen" (Matth. 5, 44; Luk. 6, 27) in sich schliesst, und der seine Wurzel in dem Gebote (2. Mos. 23, 5) hat: "Versäume gerne das Deine um seinet (d. h. des Feindes und Hassers) willen".—
Aus Matth. 17, 4: "Herr, hier ist gut sein; willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen, dir eine, Mosi eine, und Elias eine", und aus den ähnlichen Stellen Markus 9, 5 und Lukas 9, 33 hat sich der Volksmund die Redensart:
Hier ist gut sein, hier lasst uns Hütten bauen
zurechtgelegt.—
Matth. 19, 6 und Markus 10, 9 steht:
Was (nun) Gott zusammengefüget hat, das soll der Mensch nicht scheiden.—
Matth. 19, 30 (vrgl. Matth. 20, 16; Markus 10, 31 und Luk. 13, 30) bietet:
(Aber viele, die da sind) die ersten werden die letzten und die letzten werden die ersten sein.—
Auf Matth. 20 (vrgl. Jesaias 5, 7) beruhen die
Arbeiter im Weinberg.—
Für "späte Zeit" ist Matth. 20, 6 und 9 entnommen:
Elfte (nicht: zwölfte) Stunde.—
Matth. 20, 12 steht:
Des Tages Last und Hitze getragen haben.—
Matth. 20, 16 und 22, 14 findet sich:
(Denn) viele sind berufen, aber wenige sind auserwählet.—
Nach Matth. 22, 11 entschuldigen wir uns, dass wir
kein hochzeitlich Kleid anhaben.—
Matth. 22, 21; Markus 12, 17; Luk. 20, 25 liest man:
(So) gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gotte, was Gottes ist.—
Matth. 23, 3: "Alles nun, was sie (die Schriftgelehrten und Pharisäer) euch sagen, das ihr halten sollt, das haltet und thut es; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht thun. Sie sagen es wohl, und thun es nicht", ist die Quelle unseres
Haltet Euch an meine Worte und nicht an meine Werke!
Nach Livius 7, 32 sagte der Consul Valerius (343 v. Chr.) "facta mea, non dicta vos, milites, sequi volo"—"Soldaten, ich will, dass ihr meinen Thaten, nicht meinen Worten folget".—
Matth. 23, 15 lautet: "Wehe euch, Schriftgelehrten und Pharisäern, ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser umziehet, dass ihr Einen Judengenossen machet (ποιῆσαι ἕνα προσήλυτον); und wenn er es geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefältig mehr, denn ihr seyd". Mit Hinzuziehung des griechischen Textes bildete man hieraus das verächtliche Wort:
Proselytenmacherei.—
Auf Matth. 23, 23 und Lukas 11, 42: "Dies sollte man thun und jenes nicht lassen" beruht:
Eines thun und das andere nicht lassen.—
Von Leuten, die im Nichtigen gewissenhaft und im Wichtigen gewissenlos sind, sagen wir, dass sie
Mücken seigen (d. h. durch ein Sieb entfernen) und Kameele verschlucken,
wie Jesus nach Matth. 23, 24 zu den Schriftgelehrten und Pharisäern sprach: "Ihr verblendete Leiter, die ihr Mücken seiget und Kameele verschlucket".—
Matth. 23, 27 werden die Schriftgelehrten und Pharisäer Heuchler genannt und
"Übertünchte Gräber,
welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind sie voller Totenbeine und alles Unflats".—
Matth. 24, 2 (vrgl. Mark. 13, 2; Luk. 19, 44; 21, 6) spricht Jesus in Jerusalem: "Es wird hier nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht zerbrochen werde". Danach sagt man von Dingen und Verhältnissen, die der völligen Zerstörung entgegengehen:
Es wird kein Stein auf dem andern bleiben.—
Mit dem Bürger in Goethes "Faust" (I "vor dem Thore") citieren wir
Krieg und Kriegsgeschrei
aus Matth. 24, 6: "Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen . ."—
In Bild und Wort verdanken wir den
Posaunenengel
Matth. 24, 31: "Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen . . ." (vrgl. Offenb. Joh. 8, 2).—
Auf Matth. 25, 15-28, wo von den "vertraueten Centnern" und deren Verwertung erzählt wird, beruht der Ausdruck:
Das griechische "τάλαντον", in der Vulgata "talentum", von Luther in diesem Kapitel mit "Centner" übersetzt, ist späterhin zu einem allen westeuropäischen Völkern gemeinsamen Ausdrucke für geistige Anlagen geworden (s. im Register "anvertrautes Pfund").—
Auf Matth. 25, 18 und 25 beruht:
Sein Pfund vergraben
mit Hinzuziehung des ähnlichen Gleichnisses bei Lukas 19 (s. weiterhin), da hier nur von "Centnern" die Rede ist.—
Matth. 25, 32 u. 33 heisst es von "des Menschen Sohn": "Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und wird
die Schafe zu(seine)r Rechten (stellen, und) die Böcke zur Linken".
Dies wurde zum beliebten Vergleich guter mit bösen Menschen.—
Auf Matth. 26, wo geschrieben steht, dass die anderen Jünger schlafen, während Judas den Herrn verrät, beruht das Wort:
Der Verräter schläft nicht;
und auf Matth. 26, 15: "Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm 30 Silberlinge" der Ausdruck:
Judaslohn.—
Wenn wir in bitteren Leiden wünschen:
Dieser Kelch mag an mir vorübergehen,
so wenden wir ungenau Worte Christi an, die Matth. 26, 39. 42; Lukas 22, 42; Markus 14, 36 angegeben werden.—
Matth. 26, 10 spricht Jesus von dem Weibe, die köstliches Wasser auf sein Haupt goss: "Sie hat ein gutes Werk an mir gethan". Daher unser Wort:
Ein gutes Werk an Einem thun.—
Matth. 26, 41 und Markus 14, 38 lesen wir:
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.—
Matth. 26, 48 u. 49 (vrgl. Luk. 22, 48) heisst es von Judas: "Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: welchen ich küssen werde, der ist's, den greifet. Und alsobald trat er zu Jesu und sprach: Gegrüssest seyst du, Rabbi! und küssete ihn". Darauf beruht der Ausdruck:
Judaskuss,
und einen
Judas
nennen wir danach einen falschen, verräterischen Menschen.—
Sehen, wo es hinaus will
sagen wir nach Matth. 26, 58: "Petrus . . . setzte sich bey den Knechten, auf dass er sähe, wo es hinaus wollte".—
Matth. 26, 73 sprechen die Umstehenden zu Petro, als er Jesum zum zweiten Male verleugnet hatte: "Wahrlich, du bist
auch Einer von Denen
(nämlich: die mit Ihm waren); denn deine Sprache verrät dich". Der Titel von Fr. Th. Vischer's Buch "Auch Einer" (1879) wurzelt in diesen Worten.—
Matthäi am letzten sein
in der Bedeutung: "Seinem Ende oder seinem Verderben nahe sein" beruht auf dem Schlusse des Evangeliums Matthäi: "(bis an der Welt) Ende". "Matthäi am letzten" citiert Luther im "Katechismus" (4. Hauptst. 1. B.).—
Aus Markus 1, 7; Luk. 3, 16; Joh. 1, 27 (vrgl. Apost. 13, 25) entnehmen wir die Redeweise:
Nicht wert sein, einem die Schuhriemen aufzulösen.—
Nach Mark. 3, 30: "Denn sie sagten: er hat einen unsaubern Geist" citieren wir:
Unsauberer Geist.
Von der Macht Jesu über die "unsauberen Geister", oder "den unsauberen Geist", welcher Luk. 4, 33 "unsauberer Teufel" heisst, ist die Rede Matth. 10, 1; Mark. 1, 23-27; 5, 2-9; 9, 25; Luk. 4, 33-35; 8, 29; Mark. 3, 11; vom Ausfahren des "unsauberen Geistes" ausser an einigen der citierten Stellen: Matth. 12, 43 u. Luk. 11, 24.—
Ihre Zahl ist Legion
beruht auf Mark. 5, 9, wo der "unsaubere Geist" spricht: "Legion heisse ich, denn unser ist viel" und Luk. 8, 30, wo der Teufel sagt, dass er "Legion" heisse; "denn es waren viel Teufel in ihn gefahren".—
Mark. 6, 26 heisst es vom Herodes "er ward betrübt", weil Herodias ihn um des Täufers Haupt gebeten, "doch um des Eides willen und derer, die am Tische sassen, wollte er sie nicht lassen
eine Fehlbitte thun".
Im Text aber steht gerade diese Wendung nicht, so dass wir damit nicht Markus, sondern Luther citieren.—
Das Scherflein der Witwe
beruht auf Mark. 12, 42 und Luk. 21, 1-4, wo jedoch von "zwei Scherflein" (= einem Heller) die Rede ist;
der Glaube macht selig
auf Mark. 16, 16: "Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden: wer aber nicht glaubet, der wird verdammet werden". ("Wer's glaubt, wird selig", sagt das Volk zu einer wenig glaubwürdigen Erzählung.)—
Mit Zungen reden
ist Mark. 16, 17 entnommen; auch kommt es Apostelgeschichte 2, 4; 10, 46; 19, 6 und 1. Korinth. 14 vielmals vor. In den ersten beiden Stellen, wo es "mit neuen" und "mit andern Zungen" lautet, bedeutet es "in fremden Sprachen reden", in den folgenden Stellen ohne Beiwort hat es den Sinn "vom heiligen Geist erfüllt reden".—
Aus Lukas 1, 66 citieren wir:
Was wird (eigentlich: will) aus dem Kindlein werden!
aus Luk. 2, 13:
Die Menge der himmlischen Heerscharen;
aus Luk. 2, 52:
Zunehmen an Alter und Weisheit;
und aus Luk. 6, 38:
Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Mass (wird man in euren Schoss geben: denn eben) mit dem Mass, da ihr (mit) messet, wird man euch wieder messen.
(vrgl. Matth. 7, 2 u. Mark. 4, 24.)—
Nach Luk. 9, 55: "Welches Geistes Kinder" citiert man:
Wess Geistes Kind.—
Luk. 10, 7 und 1. Tim. 5, 18 heisst es:
(Denn) ein Arbeiter ist seines Lohnes wert,
während es Matth. 10, 10 "seiner Speise" lautet.—
Das Gleichnis vom
barmherzigen Samariter,
Luk. 10, 30-37, schliesst Jesus:
(So) gehe hin und thue desgleichen.
Wir reden danach auch von einem
Samariterdienst.—
Nach Luk. 10, 34 citieren wir:
Öl in die Wunden giessen,
und nach 10, 40 und 41 sprechen wir von der
geschäftigen Martha.—
Wenn wir sagen, dass wir
das bessere Teil erwählt haben,
so gestalten wir den Ausdruck in Luk. 10, 42 um: "Maria hat das gute Theil erwählet".—
Luk. 10, 42 steht:
Eins aber ist not.—
Aus Luk. 12, 19: "Liebe Seele . . ., habe nun Ruhe" ist abgeleitet:
Nun hat die liebe Seele Ruh'.—
Das "Nötige sie, hereinzukommen", Luk. 14, 23, übersetzt die Vulgata mit:
Compelle intrare.
In dieser Form wurde es zur Rechtfertigung der gegen die Ketzer angewendeten Gewalt gebraucht und dient noch heute dazu, um die Ausübung irgend eines Zwanges auszudrücken. Viel wird auch citiert das sich unmittelbar an diese Worte anschliessende:
auf dass mein Haus voll werde.—
Auf Luk. 15, 11-32 beruht:
der verlorene Sohn,—
welcher V. 18 heimzukehren und zum Vater zu sagen beschliesst:
pater, peccavi[12] (Vater, ich habe gesündiget).
V. 21 führt er diesen Vorsatz aus, worauf der verzeihende Vater
ein fettes Kalb
(wörtlich: "ein gemästetes" V. 23) zu Ehren des Wiedergefundenen schlachten lässt.—
[12] So ruft schon der goldgequälte Midas bei Ovid ("Met." 11, 132) zum Bacchus: "Da veniam, Lenaee pater; peccavimus . . ." "Vater Lenaeus, verzeih'; ich habe gesündiget . . ."
Aus Lukas 16, 8 (vrgl. 20, 34): ". . . die Kinder dieser Welt sind klüger, denn die Kinder des Lichts...; leiten wir die Worte her:
Kinder der Welt, Weltkind, Weltklug und Weltklugheit.—
Lukas 16, 9 und 11 bietet das Wort:
Ungerechter Mammon.—
Aus Lukas 16, 19 ist:
Herrlich und in Freuden leben;
aus Lukas 16, 20:
Arm wie Lazarus
(dessen Name in "Lazareth" und "Lazzaroni" verewigt ist);
aus Lukas 16, 22 und 23:
In Abrahams Schoss.—
Lukas 16, 26 sagt Abraham, den Lazarus im Schoss liegend, vom Himmel herab zu dem aus der Hölle emporflehenden Reichen: ". . über das Alles ist zwischen uns und euch
eine grosse Kluft
befestiget, dass die da wollten von hinnen hinab fahren zu euch, können nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber fahren".—
Moses und die Propheten haben
dient uns als scherzhafte Hindeutung auf den Geldbesitz der Juden. Luk. 16, 29 sagt nämlich Abraham zu dem aus der Hölle für seine fünf Brüder bittenden Reichen: "Sie haben Moses und die Propheten; lass sie dieselbigen hören". Hieraus ist das Wort entlehnt und dessen falsche Anwendung mag daher rühren, dass "Moos haben" für "Geld haben" damit verquickt wurde.
Das jüdische Wort "Moos" für "Geld" ist der schlecht gesprochene Pluralis eines nur im Junghebräischen der Mischna vorkommenden Wortes, welches im Singularis eine kleine Münze = 1/6 Denar bedeutet (Buxtorf, Lexikon Talmud. S. 1236).—
Auf Grund der Evangelien überhaupt und besonders nach Lukas 18, 10ff. ist uns der
Pharisäer
zum Typus der Selbstgerechtigkeit geworden, dessen Gebet Lukas 18, 11:
Ich danke dir Gott, dass ich nicht bin wie andre Leute
wir solchen Selbstgerechten gern ironisch in den Mund legen; während das Gebet des Zöllners, Lukas 18, 13:
Gott sei mir Sünder gnädig!
noch heut mit bescheidenem Ernst aus dem Herzen des Demütigen quillt. Aus demselben Verse citieren wir im Sinne des zerknirscht Insichgehens das Wort:
an seine Brust schlagen,
das Nahum 2, 8, wie bei den Griechen und Römern, im Sinne der Betrübnis, Luk. 2, 3. 48 in dem der Verwunderung vorkommt.—
Man pflegt einen Menschen, den man bei allen öffentlichen Lustbarkeiten findet:
Zachäus auf allen Kirchweihen
zu nennen, weil der kleine Zachäus, der aus Drang, Jesum zu sehen, auf einen Baum steigt, im Evangelium des Tages der Kirchweihung, Luk. 19, 1-10, vorkommt, also regelmässig am Kirchweihtage genannt wird.—
Aus dem Gleichnis Luk. 19, 12-23 "Von vertrauten Pfunden" schöpfen wir die nicht unmittelbar darin enthaltenen Worte:
was für "Geistesgaben" angewendet wird (s. oben "Talent"), und:
Mit seinem Pfunde wuchern.—
Luk. 19, 40 (s. Habakuk 2, 11) spricht Jesus von den Jüngern: