The Project Gutenberg eBook of Die Schädigung der Rasse

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Title: Die Schädigung der Rasse

Author: Felix A. Theilhaber

Release date: November 16, 2013 [eBook #44197]
Most recently updated: October 23, 2024

Language: German

Credits: E-text prepared by Norbert H. Langkau, Sandra Eder, and the Online Distributed Proofreading Team

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SCHÄDIGUNG DER RASSE ***

The Project Gutenberg eBook, Die Schädigung der Rasse, by Felix A. (Felix Aaron) Theilhaber

 

 


 

 

Das Umschlagbild wurde im Zuge der Transkription erstellt und ist Gemeingut.

Gekrönte Preis-Arbeit der Gesellschaft für Rassenhygiene

DIE SCHÄDIGUNG DER RASSE
durch soziales und wirtschaftliches Aufsteigen bewiesen an den
BERLINER JUDEN

VON
Dr. Felix A. Theilhaber

1914
Verlegt bei Louis Lamm in Berlin


67 Sonderabdruck aus Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie. 1913. ½. Heft.
Druck und Verlag von B. G. Teubner in Leipzig.

Zum Preisausschreiben: »Bringt das materielle und soziale Aufsteigen den Familien Gefahren in rassenhygienischer Beziehung?«

Dargelegt an der Entwicklung der Judenheit von Berlin.

Von
Dr. Felix A. Theilhaber in Berlin.

Man wird nicht behaupten können, daß die jüdische Religion oder die in der jüdischen Masse fortlebenden Ideen rassenhygienischen Gefahren besonderen Vorschub geleistet hätten. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts pflegten die deutschen Juden in ihrer überwiegenden Majorität die nationalreligiösen Vorschriften, die allzu bekannt sind, als daß man sie hier anführen müßte. Im übrigen bietet ein vor kurzem erschienenes Werk »Die Hygiene der Juden« einen bedeutsamen Überblick über die ganze hierein bezügliche Gesetzgebung.[1]

Die Konstatierung, daß jüdisches Milieu und Neomalthusianismus die grellsten Gegensätze bedeuten, muß deshalb zur Voraussetzung dienen, damit die in Späterem dargelegten Befunde um so schärfer zutage treten. Denn es lag sicher nicht in dem Reiz, den das Judentum als solches ausübte, wenn gerade die Juden zur äußersten Beschränkung ihres Nachwuchses schreiten. Nirgends in der Welt war die Familie bei allen Gliedern einer Rasse, die einen hohen kulturellen Standard of life einnahm, so stabilisiert und die Erzeugung eines ordentlichen, aber auch ziffernmäßig starken Nachwuchses so sehr als Ideal festgelegt als bei ihnen. Und es ist sicher keine bloße Behauptung, daß die Juden der Erhaltung ihrer Art enorme Opfer gebracht haben, daß sie für die Ehe, für Kinder und für ein Heim einen liebevollen Sinn besaßen. Es kann auch kaum in ihren biologischen Qualitäten liegen, wenn die durch viele Jahrhunderte hindurch ungeschwächte Zeugungsfähigkeit so urplötzlich zum Erlöschen neigt. Denn daß ihr völkisches Massiv nicht so stark geschwächt war, dafür zeugt die Kraft, mit der sie sich in Berlin bis auf unseren Tag auf allen Lebensgebieten durchzusetzen wußten.

Die meist aus dem Osten Preußens stammenden Kleinstadtjuden, haben sich rasch in Berlin emporzuarbeiten verstanden. Ich erinnere an ihre Arbeit an der Börse, in der Berliner Konfektion, in der Lederbranche, Schuhfabrikation usw. Namen wie Rathenau, des Gründers der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, James Simon, des Baumwollenkönigs, Bleichröder und anderer entheben uns einer deutlicheren Illustration. Ebenso könnte der Beweis für ihre Energie, mit der sie sich im politischen Leben (Freisinn und Sozialdemokratie) wie auch in allen anderen Zweigen unserer Kultur, so in den akademischen Berufen durchzusetzen verstanden, erbracht werden.

Ihre körperliche Widerstandskraft spiegelt sich wohl am besten in der Sterblichkeits- und Krankheitsstatistik wieder, die absolut nicht den Beweis zuläßt, daß die Hauptmasse der Bevölkerung physisch zur vollen Entartung neigt. Deshalb wird ein Nachlassen ihrer Fruchtbarkeit weder auf die rein jüdischen Werte in ihren geistigen Vorstellungen, noch auf die jüdischen Präzeptoren ihres Blutes zu schreiben sein. Es ist nicht Zeugungsunfähigkeit, sondern Unlust und berechnender Wille, Resultate des Zeugens hintanzuhalten. Sie sind die Opfer der Verhältnisse, in die sie sich stürzten.

Tabelle I. Bevölkerungsstand.

Es gab Juden in Berlin
Jahr absolute Zahl relative Zahl
1816 3,373 2,0 %
1820 3,632
1825 4,024
1830 4,689
1835 5,465
1840 6,207 1,96
1845 8,286
1850 10,037
1855 11,481
1860 17,075 3,46
1865 24,189 3,93
1871 36,105 4,36
1875 45,464 4,71
1880 53,916 4,80
1885 64,355 4,90
1890 79,286 5,02
1895 86,152 5,13
1900 92,206 4,88
1905 98,893 4,85
1910 92,013 4,38
Groß-Berlin
1900 108,044 4,35
1910 143,975 3,86

Tabelle Ib. Ausländische Juden in Berlin.

absolute Zahl in % der jüd. Bevölk.
1890 5,077 6,9
1900 11,651 12,6
1905 18,316 18,5

Groß-Berlin zählt heute 150000 Juden; das ist mehr als ein Drittel der preußischen Juden überhaupt. Vor knapp hundert Jahren traf man in Berlin 3000 Juden an. Wie die Vermehrung vor sich gegangen ist, darüber unterrichtet am besten Tabelle I, die wir anbei bringen. Die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Berlin datiert zum allergrößten Teil aus der Einwanderung kleinstädtischer Juden des Ostens; seit neuerer Zeit auch von außerhalb des Deutschen Reiches, aus Rußland und Galizien. Schon eine oberflächliche Übersicht über die Entwicklung der Geburten bei den Berliner Juden zeigt einen deutlichen Niedergang. Während zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Geburten 27 % betrugen, sank diese Ziffer in letzter Zeit auf 16[2] und noch darunter. Dabei war die jüdische Bevölkerung zu Beginn des vorigen Jahrhunderts materiell und geistig zum Teil auch schon auf einer hohen Stufe. Allgemein bekannt ist ja das Milieu jener Berliner Juden aus den Schilderungen Heines, Varnhagens und anderer. Die Berliner Juden vor 100 Jahren hatten schon eine auffallend geringe Geburtenziffer gegenüber der jüdischen Allgemeinheit. Die Natalität der preußischen Juden jener Zeit bezifferte sich nämlich auf ca. 33–35 ‰ und blieb mit Berücksichtigung der geringeren Kindersterblichkeit hinter der enormen Fruchtbarkeit der übrigen Bevölkerung nicht zurück. Die Natalität der großstädtischen Israeliten beträgt heute also die Hälfte der alten Fruchtbarkeit, ja nicht einmal diese. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß die Einwanderung in den Großstädten eine so starke Besetzung der Altersschichten im zeugungsfähigen Alter bedingt, daß diese Altersklassen fast doppelt so stark vertreten sind, als es bei normalem Bevölkerungsaufbau der Fall wäre. Wir müßten also in den Großstädten gegenüber den Durchschnittsziffern, die wir für das Reich bekommen, höhere Werte der Nativität bekommen. Wenn also z. B. eine gesunde Fruchtbarkeit, wie sie früher bei den preußischen Juden geherrscht hat, 33 war, so müßten wir bei ganz analoger Fruchtbarkeit bei einem Bevölkerungsaufbau, der dem der Berliner Juden entspricht, 45–50 haben. In Wahrheit aber beträgt ihre Fruchtbarkeit nicht einmal den dritten Teil dieser Ziffer.

Tabelle IIa. Bevölkerungsbewegung.

In Berlin wurden Juden im Durchschnitt
Jahr geboren in Promille verstarben in Promille
1816–1820 92 27,0 85 25,7
1821–1830 100 24,8 90 21,8
1831–1840 137 24,7 130 23,6
1841–1850 254 25,1 179 21,4
1851–1860 373 28,3 244 18,7
1861–1870 719 29,0 441 17,9
1871–1875 1141 27,5 601 15,3
1876–1880 1455[3] 26,0 762 15,3
1881–1890 1550 22,0 982 15,28
1891–1900 1771 18,0 1313[4] 15,23
1901–1910 1582 16,0 1312[4] 13,6
1911 1302 14,16 1243[5] 13,5

Schon die Tabelle III zeigt die Bevölkerungsbewegung; wir finden in ihr eine Tabelle, in der der gesamte biologische jüdische Nachwuchs ziffernmäßig belegt ist. Derselbe setzt sich zusammen aus den Geburten aus jüdischen Ehen, aus Geburten unehelicher Mütter und dann aus Mischehen, deren Kinder zur Hälfte dem jüdischen Nachwuchs zugezählt wurden (wobei auf die spätere Zugehörigkeit dieses Nachwuchses zum jüdischen Glauben kein Gewicht gelegt wurde; es tritt nämlich kaum ein Viertel der Kinder aus Mischehen in den jüdischen Religionsverband ein). Diese Tabelle III ergibt, daß der absolute Zuwachs in den neunziger Jahren die Höhe überschritten hat, und seitdem auffällig rasch und bedeutend sinkt; während er zu Beginn der achtziger Jahre 1500 Partus praeter propter zählte, stieg die Ziffer 1890 auf 1727, 1900 war sie auf 1649 gesunken, 1910 ist sie geringer als im Jahre 1880 und beträgt nur noch 1306. Dabei haben sich die eheschließenden jüdischen Personen mehr als um das Doppelte vermehrt.

Tabelle III. Bevölkerungsbewegung
(gekürzt) siehe die ausführliche Tabelle III.

Jahr Insgesamter Nachwuchs von Juden (aus reinen Ehen, von unehelichen Müttern und ½ aus Mischehen) Insgesamt jüdische eheschließende Personen (rein jüdische Ehen und ½ von Mischehen)
1879 1401 680
1880 1492 780
1881 1495 826
1882 1481 898
1883 1479 865
1884 1535 938
1885 1536 985
1886 1459 994
1887 1565 967
1888 1545 1094
1889 1677 1208
1890 1727 1254
1891 1740 1190
1892 1772 1213
1893 1795 1210
1894 1760 1197
1895 1694 1279
1896 1635 1279
1897 1672 1488
1898 1666 1374
1899 1659 1471
1900 1649 1409
1901 1658 1441
1902 1757 1435
1903 1597 1406
1904 1662 1504
1905 1630 1533
1906 1743 1524
1907 1556 1562
1908 1500 1451
1909 1409 1433
1910 1306 1429

Unsere Aufgabe muß es sein, darzutun, daß die Abnahme der Fruchtbarkeit wirklich nicht anders zu erklären ist als aus rein sozial-ökonomischen Momenten, bzw. daß die Bevölkerungsbewegungen, die Wanderungen usw. und anderes, was mit dem Bevölkerungsaufbau zusammenhängt, nicht als Ursache der Minderfruchtbarkeit angesehen werden kann. Eine Auszählung der Frauen im gebärfähigen Alter ergab deren im Jahre 1880 19600, 1895 25000 und 1905 28000; sie bildeten im Jahre 1905 29 % der Gesamtbevölkerung, ein so günstiges Resultat der Fertilität, wie es kaum besser gedacht werden kann. Der Bevölkerungsaufbau würde also, wie schon anfangs betont wurde, gerade eine enorme Vermehrung zulassen.

Tabelle III. Jüdische Bevölkerung in Berlin.

Jahr Eheliche Geburten der Juden Unehel. jüdische Geburten Mischehengeburten Jüdische Ehen Mischehen Insgesamter biolog. jüd. Nachwuchs Insgesamt jüd. eheschl. Personen
1875 1370 67 ca. 125[6] 289 134 1470 712
1876 1394 64 " 130[6] 282 141 1490 705
1877 1366 77 " 135[6] 317 130 1485 764
1878 1456 74 " 140[6] 250 152 1566 652
1879 1245 78 149 259 162 1401 680
1880 1345 75 144 311 158 1492 780
1881 1313 83 159 329 168 1495 826
1882 1320 85 173 343 212 1481 898
1883 1294 93 185 353 159 1479 865
1884 1368 77 177 379 180 1535 938
1885 1379 70 175 400 185 1530 985
1886 1288 71 201 424 146 1459 994
1887 1383 82 198 400 167 1565 967
1888 1370 68 214 464 166 1545 1094
1889 1490 79 217 534 140 1677 1208
1890 1528 90 218 544 166 1727 1254
1891 1540 74 253 523 144 1740 1190
1892 1587 79 212 578 157 1772 1213
1893 1573 62 200 573 164 1735 1210
1894 1572 78 219 525 147 1760 1197
1895 1519 79 192 555 169 1694 1279
1896 1438 95 204 539 201 1635 1279
1897 1362 101 219 644 200 1672 1488
1898 1476 90 200 585 204 1666 1374
1899 1470 90 202 621 209 1659 1471
1900 1455 76 237 594 221 1649 1409
1901 1452 97 218 620 201 1658 1441
1902 1548 101 232 615 202 1757 1435
1903 1409 85 207 597 212 1597 1406
1904 1458 85 218 629 246 1662 1504
1905 1407 100 246 624 285 1630 1533
1906 1502 122 243 627 270 1743 1524
1907 1341 111 208 638 286 1556 1562
1908 1270 125 230 585 281 1500 1451
1909 1198 104 214 565 303 1409 1433
1910 1108 99 198 577 275 1306 1429
1911 1095 119 205[7] 570 298 1302 1438
72 Eheschließung und Geburtlichkeit der Berliner Juden (1875-1911).
(Absolute Zahlen.)
Eheschließung und Geburtlichkeit der Berliner Juden

Tabelle IV. Jüdischer Nachwuchs und Eheschließungsziffer.

    Geschlossene rein jüdische Ehen geborene Kinder in rein jüdischen Ehen Es treffen Geburten auf geschl. Ehen
a) 1875–81 2037 9389 4,6
  1882–91 4364 13960 3,2
  1892–1901 6449 15004 2,3
  1902–11 6027 13336 2,21
    jüdisch-christliche Ehen geborene Kinder in Mischehen[8] Es treffen Geburten auf geschlossene Mischehen
b) 1875–81 1045 982 1,0
  1882–91 1665 2011 1,2
  1892–1901 1873 2103 1,1
  1902–11 2658 2201 0,8
    Insgesamt von Juden geschl. Ehen[8] Insgesamt Kinder aus Ehen von Juden (auch Mischehen) Es treffen Kinder auf Ehen von Juden
a) + b) 1875–81 3082 10371 3,3
  1882–91 6029 15971 2,65
  1892–1901 8322 17107 2,06
  1902–11 8685 15537 1,8

Tabelle XIV. Bevölkerungsaufbau der Berliner Juden.

  Im Jahre
  1871 1880 1900 1905
Zusammen 100 % 100 % 100 % 100 %
0–10 Jahre alt waren 20,0 % 22,0 % 14,8 % 14,4 %
11–20 " " " 20,9 " 16,5 " 15,3 " 16,1 "
21–30 " " " 22,4 " 22,0 " 21,05 " 21,1 "
31–40 " " " 14,9 " 16,3 " 17,6 " 17,55 "
41–50 " " " 9,7 " 10,1 " 13,6 " 13,55 "
51–60 " " " 7,0 " 6,8 " 9,3 " 9,1 "
61 usw. " " " 5,1 " 6,3 " 8,1 " 7,98 "

Tabelle VII.

  Es standen im Fruchtbarkeitsalter davon verheiratet in %
  [1895] [1900] [1895] [1900] [1895] [1900]
jüdische Männer (20–25 Jahre alt) 24,432 27,110 11,711 12,862 48,3 47,4
jüdische Frauen (15–50 Jahre alt) 25,075 27,082 12,267 12,942 48,8 47,8
  49,507 54,192 23,978 25,804 48,6 47,6

Tabelle VIIb. Zahl der jüdischen Frauen im gebärfähigen Alter in Berlin (15–50 Jahre).

  1880 1895 1900 1905
Zahl 19641 25075 27110 28734
in % der Juden 27,5 29,0 29,4 29,0
Jüd. Fruchtbarkeitsziffer[9] 100,8 67,5 60,8 56,8
Zahl der jüdischen Männer im zeugungsfähigen Alter in Berlin
1895 … 24432 1900 … 27082 1905 … 29402

Es ist doch wohl nicht zu leugnen, daß der Schluß logisch ist, dort, wo es immer mehr Ehen gibt, müßten wir auch mehr Kinder finden; bei den Juden aber finden wir das Faktum, daß die Kinderzahl absolut etwas abgenommen hat, trotzdem sich die Ehen vervielfältigten. Ja sogar die unehelichen jüdischen Geburten treten quantitativ etwas stärker in den Vordergrund. Daraus kann man wohl schon jetzt den Schluß ziehen, daß die jüdische Bevölkerung sicherlich ein größeres Kontingent von Menschen in der Fruchtbarkeitsperiode in unserer Zeit aufzuweisen hat als in früheren Jahrzehnten, was auch die Auszählung der Jüdinnen im gebärfähigen Alter ergibt. In der Tabelle V ist nun ein Überblick gegeben, wie sich die drei Rubriken vermehrten. Die jüdische Bevölkerung Berlins hat sich in den letzten 35 Jahren um 102 % gesteigert, die der eheschließenden um 100 % und die der Geborenen um minus 11,1 % verändert. In der Gegenüberstellung dieser drei Werte tritt die Tendenz der Entwicklung so klar zutage, daß es nur die Tatsachen abschwächen hieße, wenn wir auf die Ungeheuerlichkeit der Ziffern eingehen wollten.

Tabelle V.Bevölkerungsentwicklung in Berlin.[10]

  Die jüd. Bevölkerung nahm zu in % Die jüdischen Eheschließenden in % Die Geburten der Juden in %
1880 gegen 1875 +15,7 +9,1 +1,5
1885 " 1880 +19,3 +13,5 +3,0
1890 " 1885 +23,2 +27,5 +11,0
1895 " 1890 +8,7 +2,0 -2,0
1900 " 1895 +7,0 +10,2 -2,2
1905 " 1900 +7,2 +8,8 -1,5
1910 " 1905 -7,5 -6,8 -2,0
1910 gegen 1875 +102,4 +100,7 -11,1

Eine andere Beleuchtung der Frage ergibt auch die Eruierung der unfruchtbaren Ehen, sowie der Zahl der Menschen, die im zeugungsfähigen Alter keine Ehe schließen. Unfruchtbar waren mehr wie 25 % der Ehen, (wenn ich die geschlossenen Ehen des Jahres 1909 mit den Erstgeburten des Jahres 1910 zusammenbrachte, so fand ich, daß nicht dieselbe Anzahl Erstgeburten, die bei einer Fruchtbarkeit aller Ehen anzunehmen war, sich vorfand, sondern daß nur auf je 100 Eheschließende 70 % Kinder kamen. Bei der allgemeinen Bevölkerung gab es 30 % sterile Ehen, bei den Mischehen sogar 39 %).[11]

Schon in den siebziger Jahren zeigte es sich, daß die Juden nicht nur viel später, sondern auch seltener heirateten, und jetzt (1905) liegen die Verhältnisse so, daß die Juden in der Zeit, wo sie die Höhe ihrer Eheschließungsziffer erreichen, noch über ein Viertel ihrer Bevölkerung Unverheiratete besitzen.

75Tabelle VIIa.

Es waren verheiratet in Berlin von je 100
  männl. Juden
[1895]
weibl. Juden
[1895]
männl. Juden
[1900]
weibl. Juden
[1900]
bis 20 Jahre alt 0,05 0,9 0,9
" 25 " " 2,0 21,4 3,3 21,5
" 30 " " 20,6 52,9 19,0 52,7
" 35 " " 47,0 65,5 43,7 66,0
" 40 " " 70,0 71,3 57,4 69,8
" 45 " " 78,0 73,0 78,3 68,1
" 50 " " 82,6 68,3 82,0 67,1
" 55 " " 83,7 62,7 68,6 54,6
" 66 " " 81,2 50,6 66,9 52,7

Setzen wir das Mosaik zusammen! Dann bleibt unter hundert Juden ein Viertel ehelos und ein weiteres Viertel kinderlos. Von der knappen Hälfte der Bevölkerung, die sich vermehrt, haben fast zwei Drittel nur ein und zwei Kinder, und nur ein Drittel mehr als diese; d. h. die Hälfte der ganzen jüdischen Bevölkerung kommt zeitlebens für die Vermehrung überhaupt nicht in Frage, sie ist total unfruchtbar; mehr als ein Viertel liefert einen viel zu geringen Zuwachs und nur ein Viertel liefert die Kinderzahl, die einer gesunden Bevölkerungsvermehrung entspricht.

Aber die Berliner Juden würden ein noch viel traurigeres Bild ihres Zuwachses aufzeigen, wenn sie nicht die ausländische Zuwanderung besäßen. Es ist behauptet worden (Segall im »Deutschen Reich«), daß die osteuropäischen Juden für die Erhaltung des deutschen Judentums nicht in Frage kämen, da es sich meist um alte Leute handelte, die vor den Pogromen geflohen seien. Das entspricht nicht den Tatsachen; sowohl die Erhebungen über die Münchner Juden, die Standesämter wie die allgemeine Empirie bezeugen es uns, daß diese Einwanderung sich von anderen nicht unterscheidet. Wie überall wandern vornehmlich die jugendlichen Elemente aus, und so treffen wir gerade in Berlin tausende östlicher Juden, die sich hier eine Existenz zu gründen suchen. Sie sind stark vertreten als Händler, weniger als Hausierer, ferner als Handwerker, in der Zigarettenindustrie, Eierbranche usw. Unter ihnen sind relativ viele Arbeiter oder wenigstens proletarische Elemente, und sowohl dieser Umstand, als auch die religiösen Anschauungen, die sie in der Heimat vor sich gesehen haben, beeinflussen ihre Fruchtbarkeit. Sie bilden schon 17 % der eheschließenden Berliner Juden. Dank dem freundlichen Entgegenkommen der Berliner Polizeidirektion wurden von ihr die Geburtsorte der jüdischen Väter der Mehrgeborenen untersucht, und da ergab sich das Faktum, daß 48 % der mehrgeborenen (über fünftgeborenen) Kinder von ausländischen Juden abstammten. Also, ohne die ausländischen Juden wäre der Zuwachs an jüdischen Kindern noch geringer. Diese Konstatierung läßt sich wohl kaum widerlegen.


Trotz alledem könnte der allgemeine Überblick irgendwelche Erscheinungen nicht berücksichtigen, die die biotischen Verhältnisse in günstigerem Lichte erscheinen lassen müßten. Deshalb ist es nötig, die Geburtlichkeit nach jeder Richtung zu durchforschen, d. h. nicht nur die Geburtenzahl, sondern auch die Gebärfähigkeit bzw. die Fruchtbarkeit. Die Berechnung, wie viele Kinder in jedem Jahrzehnt auf die Ehe treffen, ist ungenügend. In der Tabelle IV haben wir eine derartige Berechnung angestellt und sind zu dem Resultat gekommen, daß heute das reinste Zweikindersystem bei den Juden durchgeführt ist. Besser kann der Beweis für diese These in der Tabelle VI geführt werden. Die Resultate der Tabelle VI sind unangreifbar. Hier haben wir die ehelichen Geburten, gegliedert nach der Reihenfolge; und zwar waren von je hundert die Erstgeborenen, die Zweitgeborenen, Drittgeborenen usw. ausgezählt.[12]

Tabelle VI. Eheliche Fruchtbarkeit in Berlin.[12]

Im Jahre Von je 100 Geburten entfallen auf die [Zusammen]
[Erstgeboren.] [Zweitgeboren.] [Drittgeboren.] [4–6-geboren.] [Mehrgeboren.]
bei d. allgem. Bevölkerung            
1880 18 20 18 32 12 100
1886 23 20 16 27 14 100
1896 27 23 17 23 10 100
1906 33 24 15 24 8 100
1910 34,4 26,6 16,0 17,0 6,0 100
bei den Juden            
1910 34,7 30,5 15,4 15,9 3,5 100
bei den Mischehen            
1910 42,3 27,7 13,0 15,9 3,0 100

100 im Jahre 1909 geschlossenen Ehen entsprachen Erstgeborene bei den Juden 70 %. (565 Eheschließungen und 385 Erstgeburten.)