Title: Die Schädigung der Rasse
Author: Felix A. Theilhaber
Release date: November 16, 2013 [eBook #44197]
Most recently updated: October 23, 2024
Language: German
Credits: E-text prepared by Norbert H. Langkau, Sandra Eder, and the Online Distributed Proofreading Team
The Project Gutenberg eBook, Die Schädigung der Rasse, by Felix A. (Felix Aaron) Theilhaber
Das Umschlagbild wurde im Zuge der Transkription erstellt und ist Gemeingut.
Gekrönte Preis-Arbeit der Gesellschaft für Rassenhygiene
VON
Dr. Felix A. Theilhaber
1914
Verlegt bei Louis Lamm in Berlin
67
Sonderabdruck aus Archiv für Rassen- und Gesellschafts-Biologie. 1913. ½. Heft.
Druck und Verlag von B. G. Teubner in Leipzig.
Zum Preisausschreiben: »Bringt das materielle und soziale Aufsteigen den Familien Gefahren in rassenhygienischer Beziehung?«
Dargelegt an der Entwicklung der Judenheit von Berlin.
Von
Dr. Felix A. Theilhaber in Berlin.
Man wird nicht behaupten können, daß die jüdische Religion oder die in der jüdischen Masse fortlebenden Ideen rassenhygienischen Gefahren besonderen Vorschub geleistet hätten. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts pflegten die deutschen Juden in ihrer überwiegenden Majorität die nationalreligiösen Vorschriften, die allzu bekannt sind, als daß man sie hier anführen müßte. Im übrigen bietet ein vor kurzem erschienenes Werk »Die Hygiene der Juden« einen bedeutsamen Überblick über die ganze hierein bezügliche Gesetzgebung.[1]
Die Konstatierung, daß jüdisches Milieu und Neomalthusianismus die grellsten Gegensätze bedeuten, muß deshalb zur Voraussetzung dienen, damit die in Späterem dargelegten Befunde um so schärfer zutage treten. Denn es lag sicher nicht in dem Reiz, den das Judentum als solches ausübte, wenn gerade die Juden zur äußersten Beschränkung ihres Nachwuchses schreiten. Nirgends in der Welt war die Familie bei allen Gliedern einer Rasse, die einen hohen kulturellen Standard of life einnahm, so stabilisiert und die Erzeugung eines ordentlichen, aber auch ziffernmäßig starken Nachwuchses so sehr als Ideal festgelegt als bei ihnen. Und es ist sicher keine bloße Behauptung, daß die Juden der Erhaltung ihrer Art enorme Opfer gebracht haben, daß sie für die Ehe, für Kinder und für ein Heim einen liebevollen Sinn besaßen. Es kann auch kaum in ihren biologischen Qualitäten liegen, wenn die durch viele Jahrhunderte hindurch ungeschwächte Zeugungsfähigkeit so urplötzlich zum Erlöschen neigt. Denn daß ihr völkisches Massiv nicht so stark geschwächt war, dafür zeugt die Kraft, mit der sie sich in Berlin bis auf unseren Tag auf allen Lebensgebieten durchzusetzen wußten.
Die meist aus dem Osten Preußens stammenden Kleinstadtjuden, haben sich rasch in Berlin emporzuarbeiten verstanden. Ich erinnere an ihre Arbeit an der Börse, in der Berliner Konfektion, in der Lederbranche, Schuhfabrikation usw. Namen wie Rathenau, des Gründers der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, James Simon, des Baumwollenkönigs, Bleichröder und anderer entheben uns einer deutlicheren Illustration. Ebenso könnte der Beweis für ihre Energie, mit der sie sich im politischen Leben (Freisinn und Sozialdemokratie) wie auch in allen anderen Zweigen unserer Kultur, so in den akademischen Berufen durchzusetzen verstanden, erbracht werden.
Ihre körperliche Widerstandskraft spiegelt sich wohl am besten in der Sterblichkeits- und Krankheitsstatistik wieder, die absolut nicht den Beweis zuläßt, daß die Hauptmasse der Bevölkerung physisch zur vollen Entartung neigt. Deshalb wird ein Nachlassen ihrer Fruchtbarkeit weder auf die rein jüdischen Werte in ihren geistigen Vorstellungen, noch auf die jüdischen Präzeptoren ihres Blutes zu schreiben sein. Es ist nicht Zeugungsunfähigkeit, sondern Unlust und berechnender Wille, Resultate des Zeugens hintanzuhalten. Sie sind die Opfer der Verhältnisse, in die sie sich stürzten.
Tabelle I. Bevölkerungsstand.
| Es gab Juden in Berlin | ||
|---|---|---|
| Jahr | absolute Zahl | relative Zahl |
| 1816 | 3,373 | 2,0 % |
| 1820 | 3,632 | — |
| 1825 | 4,024 | — |
| 1830 | 4,689 | — |
| 1835 | 5,465 | — |
| 1840 | 6,207 | 1,96 |
| 1845 | 8,286 | — |
| 1850 | 10,037 | — |
| 1855 | 11,481 | — |
| 1860 | 17,075 | 3,46 |
| 1865 | 24,189 | 3,93 |
| 1871 | 36,105 | 4,36 |
| 1875 | 45,464 | 4,71 |
| 1880 | 53,916 | 4,80 |
| 1885 | 64,355 | 4,90 |
| 1890 | 79,286 | 5,02 |
| 1895 | 86,152 | 5,13 |
| 1900 | 92,206 | 4,88 |
| 1905 | 98,893 | 4,85 |
| 1910 | 92,013 | 4,38 |
| Groß-Berlin | ||
| 1900 | 108,044 | 4,35 |
| 1910 | 143,975 | 3,86 |
Tabelle Ib. Ausländische Juden in Berlin.
| absolute Zahl | in % der jüd. Bevölk. | |
|---|---|---|
| 1890 | 5,077 | 6,9 |
| 1900 | 11,651 | 12,6 |
| 1905 | 18,316 | 18,5 |
Groß-Berlin zählt heute 150000 Juden; das ist mehr als ein Drittel der preußischen Juden überhaupt. Vor knapp hundert Jahren traf man in Berlin 3000 Juden an. Wie die Vermehrung vor sich gegangen ist, darüber unterrichtet am besten Tabelle I, die wir anbei bringen. Die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Berlin datiert zum allergrößten Teil aus der Einwanderung kleinstädtischer Juden des Ostens; seit neuerer Zeit auch von außerhalb des Deutschen Reiches, aus Rußland und Galizien. Schon eine oberflächliche Übersicht über die Entwicklung der Geburten bei den Berliner Juden zeigt einen deutlichen Niedergang. Während zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Geburten 27 % betrugen, sank diese Ziffer in letzter Zeit auf 16[2] und noch darunter. Dabei war die jüdische Bevölkerung zu Beginn des vorigen Jahrhunderts materiell und geistig zum Teil auch schon auf einer hohen Stufe. Allgemein bekannt ist ja das Milieu jener Berliner Juden aus den Schilderungen Heines, Varnhagens und anderer. Die Berliner Juden vor 100 Jahren hatten schon eine auffallend geringe Geburtenziffer gegenüber der jüdischen Allgemeinheit. Die Natalität der preußischen Juden jener Zeit bezifferte sich nämlich auf ca. 33–35 ‰ und blieb mit Berücksichtigung der geringeren Kindersterblichkeit hinter der enormen Fruchtbarkeit der übrigen Bevölkerung nicht zurück. Die Natalität der großstädtischen Israeliten beträgt heute also die Hälfte der alten Fruchtbarkeit, ja nicht einmal diese. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß die Einwanderung in den Großstädten eine so starke Besetzung der Altersschichten im zeugungsfähigen Alter bedingt, daß diese Altersklassen fast doppelt so stark vertreten sind, als es bei normalem Bevölkerungsaufbau der Fall wäre. Wir müßten also in den Großstädten gegenüber den Durchschnittsziffern, die wir für das Reich bekommen, höhere Werte der Nativität bekommen. Wenn also z. B. eine gesunde Fruchtbarkeit, wie sie früher bei den preußischen Juden geherrscht hat, 33 war, so müßten wir bei ganz analoger Fruchtbarkeit bei einem Bevölkerungsaufbau, der dem der Berliner Juden entspricht, 45–50 haben. In Wahrheit aber beträgt ihre Fruchtbarkeit nicht einmal den dritten Teil dieser Ziffer.
Tabelle IIa. Bevölkerungsbewegung.
| In Berlin wurden Juden im Durchschnitt | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | geboren | in Promille | verstarben | in Promille |
| 1816–1820 | 92 | 27,0 | 85 | 25,7 |
| 1821–1830 | 100 | 24,8 | 90 | 21,8 |
| 1831–1840 | 137 | 24,7 | 130 | 23,6 |
| 1841–1850 | 254 | 25,1 | 179 | 21,4 |
| 1851–1860 | 373 | 28,3 | 244 | 18,7 |
| 1861–1870 | 719 | 29,0 | 441 | 17,9 |
| 1871–1875 | 1141 | 27,5 | 601 | 15,3 |
| 1876–1880 | 1455[3] | 26,0 | 762 | 15,3 |
| 1881–1890 | 1550 | 22,0 | 982 | 15,28 |
| 1891–1900 | 1771 | 18,0 | 1313[4] | 15,23 |
| 1901–1910 | 1582 | 16,0 | 1312[4] | 13,6 |
| 1911 | 1302 | 14,16 | 1243[5] | 13,5 |
Schon die Tabelle III zeigt die Bevölkerungsbewegung; wir finden in ihr eine Tabelle, in der der gesamte biologische jüdische Nachwuchs ziffernmäßig belegt ist. Derselbe setzt sich zusammen aus den Geburten aus jüdischen Ehen, aus Geburten unehelicher Mütter und dann aus Mischehen, deren Kinder zur Hälfte dem jüdischen Nachwuchs zugezählt wurden (wobei auf die spätere Zugehörigkeit dieses Nachwuchses zum jüdischen Glauben kein Gewicht gelegt wurde; es tritt nämlich kaum ein Viertel der Kinder aus Mischehen in den jüdischen Religionsverband ein). Diese Tabelle III ergibt, daß der absolute Zuwachs in den neunziger Jahren die Höhe überschritten hat, und seitdem auffällig rasch und bedeutend sinkt; während er zu Beginn der achtziger Jahre 1500 Partus praeter propter zählte, stieg die Ziffer 1890 auf 1727, 1900 war sie auf 1649 gesunken, 1910 ist sie geringer als im Jahre 1880 und beträgt nur noch 1306. Dabei haben sich die eheschließenden jüdischen Personen mehr als um das Doppelte vermehrt.
Tabelle III. Bevölkerungsbewegung
(gekürzt) siehe die ausführliche Tabelle III.
| Jahr | Insgesamter Nachwuchs von Juden (aus reinen Ehen, von unehelichen Müttern und ½ aus Mischehen) | Insgesamt jüdische eheschließende Personen (rein jüdische Ehen und ½ von Mischehen) |
|---|---|---|
| 1879 | 1401 | 680 |
| 1880 | 1492 | 780 |
| 1881 | 1495 | 826 |
| 1882 | 1481 | 898 |
| 1883 | 1479 | 865 |
| 1884 | 1535 | 938 |
| 1885 | 1536 | 985 |
| 1886 | 1459 | 994 |
| 1887 | 1565 | 967 |
| 1888 | 1545 | 1094 |
| 1889 | 1677 | 1208 |
| 1890 | 1727 | 1254 |
| 1891 | 1740 | 1190 |
| 1892 | 1772 | 1213 |
| 1893 | 1795 | 1210 |
| 1894 | 1760 | 1197 |
| 1895 | 1694 | 1279 |
| 1896 | 1635 | 1279 |
| 1897 | 1672 | 1488 |
| 1898 | 1666 | 1374 |
| 1899 | 1659 | 1471 |
| 1900 | 1649 | 1409 |
| 1901 | 1658 | 1441 |
| 1902 | 1757 | 1435 |
| 1903 | 1597 | 1406 |
| 1904 | 1662 | 1504 |
| 1905 | 1630 | 1533 |
| 1906 | 1743 | 1524 |
| 1907 | 1556 | 1562 |
| 1908 | 1500 | 1451 |
| 1909 | 1409 | 1433 |
| 1910 | 1306 | 1429 |
Unsere Aufgabe muß es sein, darzutun, daß die Abnahme der Fruchtbarkeit wirklich nicht anders zu erklären ist als aus rein sozial-ökonomischen Momenten, bzw. daß die Bevölkerungsbewegungen, die Wanderungen usw. und anderes, was mit dem Bevölkerungsaufbau zusammenhängt, nicht als Ursache der Minderfruchtbarkeit angesehen werden kann. Eine Auszählung der Frauen im gebärfähigen Alter ergab deren im Jahre 1880 19600, 1895 25000 und 1905 28000; sie bildeten im Jahre 1905 29 % der Gesamtbevölkerung, ein so günstiges Resultat der Fertilität, wie es kaum besser gedacht werden kann. Der Bevölkerungsaufbau würde also, wie schon anfangs betont wurde, gerade eine enorme Vermehrung zulassen.
Tabelle III. Jüdische Bevölkerung in Berlin.
| Jahr | Eheliche Geburten der Juden | Unehel. jüdische Geburten | Mischehengeburten | Jüdische Ehen | Mischehen | Insgesamter biolog. jüd. Nachwuchs | Insgesamt jüd. eheschl. Personen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1875 | 1370 | 67 | ca. 125[6] | 289 | 134 | 1470 | 712 |
| 1876 | 1394 | 64 | " 130[6] | 282 | 141 | 1490 | 705 |
| 1877 | 1366 | 77 | " 135[6] | 317 | 130 | 1485 | 764 |
| 1878 | 1456 | 74 | " 140[6] | 250 | 152 | 1566 | 652 |
| 1879 | 1245 | 78 | 149 | 259 | 162 | 1401 | 680 |
| 1880 | 1345 | 75 | 144 | 311 | 158 | 1492 | 780 |
| 1881 | 1313 | 83 | 159 | 329 | 168 | 1495 | 826 |
| 1882 | 1320 | 85 | 173 | 343 | 212 | 1481 | 898 |
| 1883 | 1294 | 93 | 185 | 353 | 159 | 1479 | 865 |
| 1884 | 1368 | 77 | 177 | 379 | 180 | 1535 | 938 |
| 1885 | 1379 | 70 | 175 | 400 | 185 | 1530 | 985 |
| 1886 | 1288 | 71 | 201 | 424 | 146 | 1459 | 994 |
| 1887 | 1383 | 82 | 198 | 400 | 167 | 1565 | 967 |
| 1888 | 1370 | 68 | 214 | 464 | 166 | 1545 | 1094 |
| 1889 | 1490 | 79 | 217 | 534 | 140 | 1677 | 1208 |
| 1890 | 1528 | 90 | 218 | 544 | 166 | 1727 | 1254 |
| 1891 | 1540 | 74 | 253 | 523 | 144 | 1740 | 1190 |
| 1892 | 1587 | 79 | 212 | 578 | 157 | 1772 | 1213 |
| 1893 | 1573 | 62 | 200 | 573 | 164 | 1735 | 1210 |
| 1894 | 1572 | 78 | 219 | 525 | 147 | 1760 | 1197 |
| 1895 | 1519 | 79 | 192 | 555 | 169 | 1694 | 1279 |
| 1896 | 1438 | 95 | 204 | 539 | 201 | 1635 | 1279 |
| 1897 | 1362 | 101 | 219 | 644 | 200 | 1672 | 1488 |
| 1898 | 1476 | 90 | 200 | 585 | 204 | 1666 | 1374 |
| 1899 | 1470 | 90 | 202 | 621 | 209 | 1659 | 1471 |
| 1900 | 1455 | 76 | 237 | 594 | 221 | 1649 | 1409 |
| 1901 | 1452 | 97 | 218 | 620 | 201 | 1658 | 1441 |
| 1902 | 1548 | 101 | 232 | 615 | 202 | 1757 | 1435 |
| 1903 | 1409 | 85 | 207 | 597 | 212 | 1597 | 1406 |
| 1904 | 1458 | 85 | 218 | 629 | 246 | 1662 | 1504 |
| 1905 | 1407 | 100 | 246 | 624 | 285 | 1630 | 1533 |
| 1906 | 1502 | 122 | 243 | 627 | 270 | 1743 | 1524 |
| 1907 | 1341 | 111 | 208 | 638 | 286 | 1556 | 1562 |
| 1908 | 1270 | 125 | 230 | 585 | 281 | 1500 | 1451 |
| 1909 | 1198 | 104 | 214 | 565 | 303 | 1409 | 1433 |
| 1910 | 1108 | 99 | 198 | 577 | 275 | 1306 | 1429 |
| 1911 | 1095 | 119 | 205[7] | 570 | 298 | 1302 | 1438 |
Tabelle IV. Jüdischer Nachwuchs und Eheschließungsziffer.
| Geschlossene rein jüdische Ehen | geborene Kinder in rein jüdischen Ehen | Es treffen Geburten auf geschl. Ehen | ||
|---|---|---|---|---|
| a) | 1875–81 | 2037 | 9389 | 4,6 |
| 1882–91 | 4364 | 13960 | 3,2 | |
| 1892–1901 | 6449 | 15004 | 2,3 | |
| 1902–11 | 6027 | 13336 | 2,21 | |
| jüdisch-christliche Ehen | geborene Kinder in Mischehen[8] | Es treffen Geburten auf geschlossene Mischehen | ||
| b) | 1875–81 | 1045 | 982 | 1,0 |
| 1882–91 | 1665 | 2011 | 1,2 | |
| 1892–1901 | 1873 | 2103 | 1,1 | |
| 1902–11 | 2658 | 2201 | 0,8 | |
| Insgesamt von Juden geschl. Ehen[8] | Insgesamt Kinder aus Ehen von Juden (auch Mischehen) | Es treffen Kinder auf Ehen von Juden | ||
| a) + b) | 1875–81 | 3082 | 10371 | 3,3 |
| 1882–91 | 6029 | 15971 | 2,65 | |
| 1892–1901 | 8322 | 17107 | 2,06 | |
| 1902–11 | 8685 | 15537 | 1,8 |
Tabelle XIV. Bevölkerungsaufbau der Berliner Juden.
| Im Jahre | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1871 | 1880 | 1900 | 1905 | ||||
| Zusammen | 100 % | 100 % | 100 % | 100 % | |||
| 0–10 | Jahre | alt | waren | 20,0 % | 22,0 % | 14,8 % | 14,4 % |
| 11–20 | " | " | " | 20,9 " | 16,5 " | 15,3 " | 16,1 " |
| 21–30 | " | " | " | 22,4 " | 22,0 " | 21,05 " | 21,1 " |
| 31–40 | " | " | " | 14,9 " | 16,3 " | 17,6 " | 17,55 " |
| 41–50 | " | " | " | 9,7 " | 10,1 " | 13,6 " | 13,55 " |
| 51–60 | " | " | " | 7,0 " | 6,8 " | 9,3 " | 9,1 " |
| 61 usw. | " | " | " | 5,1 " | 6,3 " | 8,1 " | 7,98 " |
| Es standen im Fruchtbarkeitsalter | davon verheiratet | in % | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| [1895] | [1900] | [1895] | [1900] | [1895] | [1900] | |
| jüdische Männer (20–25 Jahre alt) | 24,432 | 27,110 | 11,711 | 12,862 | 48,3 | 47,4 |
| jüdische Frauen (15–50 Jahre alt) | 25,075 | 27,082 | 12,267 | 12,942 | 48,8 | 47,8 |
| 49,507 | 54,192 | 23,978 | 25,804 | 48,6 | 47,6 | |
Tabelle VIIb. Zahl der jüdischen Frauen im gebärfähigen Alter in Berlin (15–50 Jahre).
| 1880 | 1895 | 1900 | 1905 | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Zahl | 19641 | 25075 | 27110 | 28734 | |
| in % der Juden | 27,5 | 29,0 | 29,4 | 29,0 | |
| Jüd. Fruchtbarkeitsziffer[9] | 100,8 | 67,5 | 60,8 | 56,8 | |
| Zahl der jüdischen Männer im zeugungsfähigen Alter in Berlin | |||||
| 1895 … | 24432 | 1900 … | 27082 | 1905 … | 29402 |
Es ist doch wohl nicht zu leugnen, daß der Schluß logisch ist, dort, wo es immer mehr Ehen gibt, müßten wir auch mehr Kinder finden; bei den Juden aber finden wir das Faktum, daß die Kinderzahl absolut etwas abgenommen hat, trotzdem sich die Ehen vervielfältigten. Ja sogar die unehelichen jüdischen Geburten treten quantitativ etwas stärker in den Vordergrund. Daraus kann man wohl schon jetzt den Schluß ziehen, daß die jüdische Bevölkerung sicherlich ein größeres Kontingent von Menschen in der Fruchtbarkeitsperiode in unserer Zeit aufzuweisen hat als in früheren Jahrzehnten, was auch die Auszählung der Jüdinnen im gebärfähigen Alter ergibt. In der Tabelle V ist nun ein Überblick gegeben, wie sich die drei Rubriken vermehrten. Die jüdische Bevölkerung Berlins hat sich in den letzten 35 Jahren um 102 % gesteigert, die der eheschließenden um 100 % und die der Geborenen um minus 11,1 % verändert. In der Gegenüberstellung dieser drei Werte tritt die Tendenz der Entwicklung so klar zutage, daß es nur die Tatsachen abschwächen hieße, wenn wir auf die Ungeheuerlichkeit der Ziffern eingehen wollten.
Tabelle V.Bevölkerungsentwicklung in Berlin.[10]
| Die jüd. Bevölkerung nahm zu in % | Die jüdischen Eheschließenden in % | Die Geburten der Juden in % | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1880 | gegen | 1875 | +15,7 | +9,1 | +1,5 |
| 1885 | " | 1880 | +19,3 | +13,5 | +3,0 |
| 1890 | " | 1885 | +23,2 | +27,5 | +11,0 |
| 1895 | " | 1890 | +8,7 | +2,0 | -2,0 |
| 1900 | " | 1895 | +7,0 | +10,2 | -2,2 |
| 1905 | " | 1900 | +7,2 | +8,8 | -1,5 |
| 1910 | " | 1905 | -7,5 | -6,8 | -2,0 |
| 1910 | gegen | 1875 | +102,4 | +100,7 | -11,1 |
Eine andere Beleuchtung der Frage ergibt auch die Eruierung der unfruchtbaren Ehen, sowie der Zahl der Menschen, die im zeugungsfähigen Alter keine Ehe schließen. Unfruchtbar waren mehr wie 25 % der Ehen, (wenn ich die geschlossenen Ehen des Jahres 1909 mit den Erstgeburten des Jahres 1910 zusammenbrachte, so fand ich, daß nicht dieselbe Anzahl Erstgeburten, die bei einer Fruchtbarkeit aller Ehen anzunehmen war, sich vorfand, sondern daß nur auf je 100 Eheschließende 70 % Kinder kamen. Bei der allgemeinen Bevölkerung gab es 30 % sterile Ehen, bei den Mischehen sogar 39 %).[11]
Schon in den siebziger Jahren zeigte es sich, daß die Juden nicht nur viel später, sondern auch seltener heirateten, und jetzt (1905) liegen die Verhältnisse so, daß die Juden in der Zeit, wo sie die Höhe ihrer Eheschließungsziffer erreichen, noch über ein Viertel ihrer Bevölkerung Unverheiratete besitzen.
75Tabelle VIIa.
| Es waren verheiratet in Berlin von je 100 | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| männl. Juden [1895] |
weibl. Juden [1895] |
männl. Juden [1900] |
weibl. Juden [1900] |
||||
| bis | 20 | Jahre | alt | 0,05 | 0,9 | — | 0,9 |
| " | 25 | " | " | 2,0 | 21,4 | 3,3 | 21,5 |
| " | 30 | " | " | 20,6 | 52,9 | 19,0 | 52,7 |
| " | 35 | " | " | 47,0 | 65,5 | 43,7 | 66,0 |
| " | 40 | " | " | 70,0 | 71,3 | 57,4 | 69,8 |
| " | 45 | " | " | 78,0 | 73,0 | 78,3 | 68,1 |
| " | 50 | " | " | 82,6 | 68,3 | 82,0 | 67,1 |
| " | 55 | " | " | 83,7 | 62,7 | 68,6 | 54,6 |
| " | 66 | " | " | 81,2 | 50,6 | 66,9 | 52,7 |
Setzen wir das Mosaik zusammen! Dann bleibt unter hundert Juden ein Viertel ehelos und ein weiteres Viertel kinderlos. Von der knappen Hälfte der Bevölkerung, die sich vermehrt, haben fast zwei Drittel nur ein und zwei Kinder, und nur ein Drittel mehr als diese; d. h. die Hälfte der ganzen jüdischen Bevölkerung kommt zeitlebens für die Vermehrung überhaupt nicht in Frage, sie ist total unfruchtbar; mehr als ein Viertel liefert einen viel zu geringen Zuwachs und nur ein Viertel liefert die Kinderzahl, die einer gesunden Bevölkerungsvermehrung entspricht.
Aber die Berliner Juden würden ein noch viel traurigeres Bild ihres Zuwachses aufzeigen, wenn sie nicht die ausländische Zuwanderung besäßen. Es ist behauptet worden (Segall im »Deutschen Reich«), daß die osteuropäischen Juden für die Erhaltung des deutschen Judentums nicht in Frage kämen, da es sich meist um alte Leute handelte, die vor den Pogromen geflohen seien. Das entspricht nicht den Tatsachen; sowohl die Erhebungen über die Münchner Juden, die Standesämter wie die allgemeine Empirie bezeugen es uns, daß diese Einwanderung sich von anderen nicht unterscheidet. Wie überall wandern vornehmlich die jugendlichen Elemente aus, und so treffen wir gerade in Berlin tausende östlicher Juden, die sich hier eine Existenz zu gründen suchen. Sie sind stark vertreten als Händler, weniger als Hausierer, ferner als Handwerker, in der Zigarettenindustrie, Eierbranche usw. Unter ihnen sind relativ viele Arbeiter oder wenigstens proletarische Elemente, und sowohl dieser Umstand, als auch die religiösen Anschauungen, die sie in der Heimat vor sich gesehen haben, beeinflussen ihre Fruchtbarkeit. Sie bilden schon 17 % der eheschließenden Berliner Juden. Dank dem freundlichen Entgegenkommen der Berliner Polizeidirektion wurden von ihr die Geburtsorte der jüdischen Väter der Mehrgeborenen untersucht, und da ergab sich das Faktum, daß 48 % der mehrgeborenen (über fünftgeborenen) Kinder von ausländischen Juden abstammten. Also, ohne die ausländischen Juden wäre der Zuwachs an jüdischen Kindern noch geringer. Diese Konstatierung läßt sich wohl kaum widerlegen.
Trotz alledem könnte der allgemeine Überblick irgendwelche Erscheinungen nicht berücksichtigen, die die biotischen Verhältnisse in günstigerem Lichte erscheinen lassen müßten. Deshalb ist es nötig, die Geburtlichkeit nach jeder Richtung zu durchforschen, d. h. nicht nur die Geburtenzahl, sondern auch die Gebärfähigkeit bzw. die Fruchtbarkeit. Die Berechnung, wie viele Kinder in jedem Jahrzehnt auf die Ehe treffen, ist ungenügend. In der Tabelle IV haben wir eine derartige Berechnung angestellt und sind zu dem Resultat gekommen, daß heute das reinste Zweikindersystem bei den Juden durchgeführt ist. Besser kann der Beweis für diese These in der Tabelle VI geführt werden. Die Resultate der Tabelle VI sind unangreifbar. Hier haben wir die ehelichen Geburten, gegliedert nach der Reihenfolge; und zwar waren von je hundert die Erstgeborenen, die Zweitgeborenen, Drittgeborenen usw. ausgezählt.[12]
Tabelle VI. Eheliche Fruchtbarkeit in Berlin.[12]
| Im Jahre | Von je 100 Geburten entfallen auf die | [Zusammen] | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| [Erstgeboren.] | [Zweitgeboren.] | [Drittgeboren.] | [4–6-geboren.] | [Mehrgeboren.] | ||
| bei d. allgem. Bevölkerung | ||||||
| 1880 | 18 | 20 | 18 | 32 | 12 | 100 |
| 1886 | 23 | 20 | 16 | 27 | 14 | 100 |
| 1896 | 27 | 23 | 17 | 23 | 10 | 100 |
| 1906 | 33 | 24 | 15 | 24 | 8 | 100 |
| 1910 | 34,4 | 26,6 | 16,0 | 17,0 | 6,0 | 100 |
| bei den Juden | ||||||
| 1910 | 34,7 | 30,5 | 15,4 | 15,9 | 3,5 | 100 |
| bei den Mischehen | ||||||
| 1910 | 42,3 | 27,7 | 13,0 | 15,9 | 3,0 | 100 |
100 im Jahre 1909 geschlossenen Ehen entsprachen Erstgeborene bei den Juden 70 %. (565 Eheschließungen und 385 Erstgeburten.)