Batavia 5 Gulden, – für einen Miethwagen halbtäglich 3 Gulden.
Singapur 3 Dollar, – für einen Miethwagen täglich einen Dollar. Wenn man von Batavia kommt, so muß man wenigstens 3, oft 8 Tage auf das Dampfschiff aus China warten.
Pulu Penang, der Aufenthalt dauert selten länger als 12 Stunden.
Point de Galle, gewöhnlich nur 6–12 Stunden.
Aden, gewöhnlich nur 12 Stunden, wie auf den vorigen Stationen, nicht länger als nöthig ist, um Kohlen einzunehmen.
Suez, 4–12 Stunden.
Cairo, in Hotel d'Orient 10 Francs, ein Wagen für nur eine Fahrt 15, ein Bad 3 Francs, ein gesattelter Esel einige Sous. Wenn man, ohne in Egypten zu bleiben, nach Alexandrien durchreisen will, so dauert der Aufenthalt 1–1½ Tage.
Alexandrien, Aufenthalt ½–1 Tag.
Malta, 2 Tage.
Gibraltar, 3–4 Stunden. (Auf den Schiffen und in den Poststationen der Landmail ist unter Kost auch Wein und Bier begriffen, – in den Hotels nicht.)
Unser Cours ging von der Rhede von Singapur aus zuerst nach Süd-Süd-West. – Wir fuhren ganz nahe an den kleinen (und oft sehr kleinen) Inseln vorbei, die in Süden von Singapur liegen und kamen ihnen zuweilen so nahe, daß man sie mit einem Büchsenschuß hätte erreichen können; sie alle hatten eine hüglige Beschaffenheit und waren mit vielen Bergschlipfen an den steilen Ufergehängen und hier und da mit einem hellern (gelblich-falben) sandigen Küstensaume versehen, auch waren alle, wenn auch nur dürftig bewaldet. – Die Stadt in Norden und die Küste von Malaka hinter ihr (in Nord-Ost), trat immer weiter zurück und verschwand vor unsern Augen hinter den vordern Inseln, sobald wir west-süd-westlich steuerten; nun lagen auch links von uns ferne Ufer, auf der rechten Seite aber traten in frappanter Nähe immer neue Inseln zum Vorschein, die alle aus niedrigen Hügeln, kleinen Bergzügen oder aus flach gewordenem Hügelland bestanden, während manche nur ein einziger Hügel waren.
Die kahlen Erdschlipfe an den steilern Ufergehängen zogen meine Aufmerksamkeit auf sich, sie schimmerten bräunlich hell durch die dürftige Vegetation, durch die Sträucher und struppigen Bäume, die auf dem Grasgrunde zerstreut standen und erinnerten mich an die helle Farbe der Gesteine unsrer java'schen Tertiärformation.
Abends dampften wir west-nord-westwärts und näherten uns immer mehr der Insel Kerman, die links vor uns lag und die viel gebirgig-höher, als andere, war, die wir seit unsrer Abreise von Java gesehen hatten; zur Rechten zog sich eine niedrige, flache Waldküste in unabsehbarer Länge hin, es war der Küstensaum der malai'schen Halbinsel, die unserm in die Ferne schweifenden Auge hier nur ein, zwar langgezogenes, aber doch isolirtes Gebirge vorzuzeigen hatte.
Also – unaufhörlich waren uns seit unsrer Abreise von Batavia Inseln erschienen, größere, kleinere und kleinste, – alle waren nur ein Wald, unbewohnt und ihrer Natur nach unbekannt; – doch sind alle nur ein kleiner Theil des Indischen Archipels, und der Indische Archipel selbst ist nur ein kleiner Theil der Erde; – wie groß ist nicht auf derselben das Feld der Entdeckungen! – wie viel Jahrtausende werden wohl vergehen, bis diese den Forschungen der Naturkundigen und Geographen nichts Unbekanntes mehr zu bieten hat?
Wir befanden uns am 10ten Sept. des Morgens früh der Küste von Malaka gegenüber, welcher auch wieder eine Menge kleiner und kleinste Inseln vorlagen, von denen keine flach, sondern die meisten mäßig hoch und einige selbst sehr hoch und steil waren, – auf dem Festlande selbst erschienen zwei, zwar isolirte, aber nicht kegelförmige Gebirge, von denen das eine südliche um 6½ Uhr nord-nord-ostwärts, nämlich zur Rechten vor uns lag, während wir west-nord-westwärts dampften, – das andere, weiter vorn gelegene aber in Nord-West. – Ich schätzte ihre Höhe auf 6000 Fuß. – Sie schienen durch ein flaches niedriges Land von einander getrennt zu sein, dem kleine isolirte Hügel sowohl als ganze Hügelzüge ein unebenes, gebirgig-höckeriges Vorkommen gaben, nicht unähnlich vielen Maulwurfshügeln, die man auf einer niedrigen Fläche umher zerstreut. – Links, auf der Seite von Sumatra war kein Land sichtbar.
Um 7½ Uhr, (unser Cours war Nord-West zu West) befanden wir uns gerade gegenüber jener Weltberühmten Stadt, die in 1511 der portugiesische Seeheld Albuquerque eroberte, die 1½ Jahrhunderte später (in 1660) den siegreichen holländischen Waffen anheimfiel und die in 1825 von den Niederländern an die Briten abgetreten wurde,[9] ich meine die einst prächtige, üppige, große, nun aber Glanzverblichene und halbverlassene Malaka,[10] die uns freilich unsichtbar war, die aber in der Richtung zwischen den genannten zwei Gebirgen und dem südlichen viel näher nord-ost- zu nordwärts von uns, an der flachen Küste liegen mußte; – später wurden zwischen 8 und 10 Uhr, mehre eigentliche Bergketten tief im Innern des Landes in wegschmelzender Bläue sichtbar. Um 9 Uhr kamen wir bei einer Landecke vorbei, die aus einem mäßig hohen Gebirgsrücken gebildet, weit zu uns in's Meer hinausragte, – und dann, während wir immer weiter nach Nord-West dampften, wurde die Küste, die stets mit Waldung bedeckt blieb, wieder niedrig und flach.
Um 3 Uhr Nachmittags war uns diese Waldküste ganz nahe und deutlich sichtbar, sie zeigte nur einen isolirten, kegelförmigen Hügel, dem wir um 4 Uhr (mit nord-west- zu westlichem Cours) quer gegenüber lagen, links und rechts aber von diesem Hügel war Alles flach. – Gegen Abend waren wir einem vorspringenden Theile von ganz flachem niedrigem Lande nahe gekommen, das von Zwischenräumen und eindringenden Meeresarmen durchbrochen war und das wir deßhalb zunächst aus Inseln zusammengesetzt wähnten, welche der eben so flachen Küste der malai'schen Halbinsel hier vorgelagert waren.
Am 11ten Sept. des Morgens früh erblickten wir links vor uns eine kleine Hochinsel mit steilen Ufern, rechts mehre hohe Inseln und vorn nach der rechten Hand noch mehre Gebirge und Gebirgszüge der Halbinsel selbst, die sich in duftiger Bläue verloren.
Seit unsrer Abreise aus dem Freihafen von Rafflesia (ich meine die Stadt, gegründet vom Entdecker jener Riesenblüthe, welche der Botaniker Robert Brown ihm zu Ehren Rafflesia nannte,) war keine Stunde vergangen, in welcher wir nicht wenigstens ein Schiff gesehen hätten, ja Einmal waren uns ein halbes Dutzend davon zugleich erschienen, alle mit schwellenden Segeln, die durch die Straße von Malaka fuhren, „durch diesen uralten Durchgang maritimer Civilisation“.[11] Ich glaube, daß verhältnißmäßig manche Landstraßen in Europa weniger belebt sind von Fuhrwerken, als dieses häufig besuchte Fahrwasser von Britisch Indien nach China von Schiffen.
So begegneten wir um 10 Uhr wieder einer Fregatte, die in gerade entgegengesetzter, in Beziehung auf uns querer Richtung steuerte, die nämlich nach West zu Süd segelte, während wir nach Nord zu West dampften; sie kreuzte also unsere Fahrt und brachte uns die große Geschwindigkeit, womit ein Dampfschiff sich bewegt, recht handgreiflich vor die Augen, so daß wir das Schiff nach einer Viertelstunde eben so weit fast noch auf demselben Flecke hinter uns sahen, als wir es zuerst vor uns erblickt hatten.
Auf der malai'schen Halbinsel nahmen wir rechts und vorn in blauer Ferne abgebrochene Gebirgsketten wahr, die einen ungleichen, gezackten Saum hatten und zwischen ihnen sahen wir Räume, in denen keine Berge lagen.
Wir hatten den ganzen heutigen Tag mehr oder weniger einen nördlichen Cours beigehalten und erblickten um 3 Uhr, vor uns in Norden, den ungleichen, mit Wolken bedeckten Saum einer hochgebirgigen Insel, die unsere Schiffsleute als Insel (Pulu) Penang begrüßten und zu deren Seite sich auch die (ebenfalls gebirgige) Küste der malai'schen Halbinsel darstellte.
Wir rückten weiter nach Norden vor, die Inseln schwammen uns näher und näher, sie wurden deutlicher und tauchten immer höher aus dem Meere auf, – wir zweifelten aber ihren Hafen heute noch zu erreichen; denn wir befanden uns erst einer süd-westlichen Vorinsel von Pulu Penang gegenüber, als schon die Sonne gesunken war und der volle Mond nun an ihrer Statt den stillen Spiegel des Meeres beleuchtete, dessen Farbe schon seit 5 Uhr immer grünlicher, heller geworden war. Wir fuhren in der Richtung nach Norden so nahe an den Inseln, die zur Linken liegen blieben, vorbei, daß man ihre felsig-steil aus dem Ocean emporstrebenden Ufer mit einem Steinwurfe hätte erreichen können. – Unser Blick haftete auf diesen sonderbar gestalteten Land- und Bergkörpern, die zwischen dem hellern Hintergrunde des Himmels und dem spiegelnden Vordergrunde des Meeres, wie düstre Gespenster dalagen. Obgleich der Mond sein Zauberlicht in wunderbarer Klarheit auf sie herabgoß, so konnten wir doch nicht viel mehr, als die schroffen Umrisse dieser Inseln erkennen, über deren wandartigen Felsgestaden, die etwas heller vom Mond beleuchtet waren, sich oben die ganz schwarze Kappe düstrer Waldungen hinzog.
So dampften wir langsam dahin, – wir fuhren einem weiten Zwischenraume zwischen zwei Inseln und darauf einem langhingezogenen Gebirgslande, die beide zur Linken liegen blieben, vorbei, ließen aber, weil unsere Offiziere die natürlichen Signale der Ufer nicht mehr zu erkennen vermochten, um 7 Uhr die Anker fallen. – Ein Paar Kanonenschüsse, die wir thaten, verhallten unbeantwortet auf der Wasserfläche.
Da lagen wir nun einsam, ohne die geringste Bewegung, in einer, wenigstens uns Passagieren unbekannten Bucht des Oceans. – Der Mondschein war so hell wie der Tag, – die See war spiegelglatt, – und eben so wenig, wie sich ein Lüftchen regte in der Atmosphäre, eben so wenig rührte sich ein Wassertropfen in dem wie erstarrten Meere. Wir glaubten ringsum oder doch auf mehren Seiten von Bergesufern umgeben zu sein; wir setzten daher eine Schaluppe aus, die in weiten Kreislinien um das Schiff herumfuhr, um die Tiefe zu sondiren, und das sanfte Dahingleiten dieser Schaluppe war die einzige Bewegung, – die einzige Spur von Leben, die weit umher im Wasser- und Luftraume zu entdecken war.
Obgleich das Meer wegen seiner geringern Tiefe an sich selbst schon grünlich und hell gefärbt war und außerdem noch der hellste Mondschein von seinem Spiegel zurückgestrahlt wurde, so leuchtete das Wasser doch bei jedem Ruderschlage und verbreitete ein höchst eigenthümliches, grünliches Licht. – Aber Alles war todtstill um uns her, – wie ausgestorben, und wir hätten glauben können, uns auf einem unbewohnten, fernen Planeten zu befinden; – weder an nahen, noch an fernen Küsten war ein Lichtchen sichtbar, – kein Vogel schrie, – kein Laut eines andern Thieres war vernehmbar; – dort vor uns lag das dunkle starre Land: ein lang hingezogener Rücken, – hier der Silberspiegel des Meeres, und oben stand der goldne Mond am tiefen, schweigsamen Himmel.
Die ganze Natur schlief und war bedeckt mit einem Schleier von so friedsamer, so schöner und so erhabner Ruhe, – daß ich mit Worten eben so wenig im Stande bin, den Zauber, den sie athmete, auszudrücken, als Einer, welcher der Noten unkundig ist, den harmonischen Klang einer schönen Musik zu beschreiben vermag.
Nach einigen Stunden angestellter Untersuchungen war es dem Führer unsres Schiffes gelungen, sich zu orientiren; – wir lagen noch 12 oder 13 englische Meilen südwärts von dem Orte unserer nächsten Bestimmung entfernt, setzten uns zwischen 9 und 10 Uhr wieder in Bewegung und warfen noch vor Mitternacht unsre Anker auf der Rhede der Hauptstadt von Pulu Penang.
Weil die Matrosen gleich vom Augenblick unsrer Ankunft an auf der Rhede beschäftigt waren, einen neuen Vorrath von Steinkohlen einzunehmen, die in schon bereit liegenden Prauen von Penang angebracht wurden, so war das Schiff die ganze Nacht hindurch so voll Lärm und voll Thätigkeit, daß die Erscheinung jenes einschläfernden Magnetiseurs, der kein Geräusch liebt, bis spät in den Morgen von unserm Lager abgehalten wurde.
Die Sonne war daher schon längst aufgegangen, als ich am 12ten Sept. erwachte und – neugierig auf das Verdeck eilte. Aber die Überraschung war desto größer.
Da lachte mir unerwartet der allerfreundlichste Anblick eines schönen Städtchens entgegen, das westwärts vom Schiff in frappanter Nähe vor mir lag. Buschiges Grün um- und überschattete seine Gebäude und der bunte Farbenschmelz der Häuser, hellerleuchtet von der Sonne, malte sich in schroffem Contraste ab auf dem dunklen Hintergrunde des Waldgebirges, das zu einer imposanten Höhe emporstieg. – Es war seit meiner Abreise von Java das Erstemal wieder, daß ich eine gebirgig-großartige und zugleich schöne Natur in der Nähe erblickte.
Der unterste Streifen des Landes war ein kahler Sandstrand von heller, bräunlich-grauer Farbe, – dieser erhob sich zu einer etwa 10 Fuß hohen Fläche, auf welcher man rechts das Fort und links die hellfarbigen Gebäude der Stadt erblickte, die sich ungleich bebuschter, grüner, von viel zahlreichern Fruchtbäumen und Gruppen von Kokospalmen beschattet, als die von Singapur, darthaten.
Und jenseits der Stadt sah man gegen das steile Gehänge der Gebirgskette an, die Penang von Süd nach Nord durchzieht und die fast den ganzen Körper der Insel bildet. Da wir die schmale Zwischenfläche nicht sehen konnten, so schien es, als erhöbe sie sich unmittelbar hinter der Stadt. Ihre waldig-düstre Front stellte sich den Blicken in ihrer ganzen Ausdehnung dar und man konnte deutlich die Schlangenlinien von zwei Wegen unterscheiden, die an ihr hinanführten. Der nördlicher liegende dieser Wege endete etwa in der halben Höhe der Wand an einem kleinen Gebäude, das den Gipfel eines Vorberges oder einer vorspringenden Rippe bedeckte, und das, an seiner weißen Farbe auf dem dunklen Waldesteppich deutlich erkennbar, wie ein kleines Schloß von seiner Höh' herabschaute; – der zweite Weg schlängelte sich in der Richtung hinter der Stadt hinan und konnte mit den Augen verfolgt werden bis dicht unter den höchsten Saum des Gebirges, wo man auf einem Vorsprunge ein Häuschen erblickte. Über diesem Häuschen sah man auf dem höchsten Saume (der Firste der Kette) selbst zwischen noch mehren Gebäuden den Telegraph und die Stange mit der britischen Flagge, welche hier 2000 Fuß hoch, und weit hinaus in's Meer nach Ost und West sichtbar, in den Lüften flatterte.
Von dieser Höhe herab, die von allen Seiten frei und nirgends von einer andern dominirt ist, muß die Aussicht über das Gebirge, die Stadt und die ganze Insel hinweg, bis weit in die malai'sche Halbinsel hinein, oder in die Malakastraße hinaus, großartig sein.
Aber auch von unten erblickt, mit Augen, die hinauf sehen, gewähren diese luftig-hohen Menschensitze einen romantischen, schönen Anblick. – Wenn ich die Physiognomie eines Flachlandes oder niedrigen Hügellandes mit: – „unbefriedigend, endlos, nirgends fesselnd, wegschmelzend, – Gemüthabstumpfend“, – bezeichnen möchte, so sind dagegen: – „erhaben, anziehend, aufmunternd, Hoffnungerweckend und doch auch wieder Sehnsuchtstillend, beruhigend, – heimisch“ – die Worte, die einigermaßen den Eindruck schildern, den jede große Gebirgsnatur (wenigstens in mir) hervorruft. Dies war auch hier der Fall, mein Auge wandte sich ungern vom Panorama ab und ich fühlte gewissermaßen: „nur im Hochgebirge kann ich glücklich sein.“
Obgleich ich den obersten Kamm der Bergkette von Pulu Penang, die nur einfach ist,[12] mehrmals mit Wolken umhüllt sah, so konnte ich seine Höhe doch nicht für mehr als 2000 par. Fuß halten, weil auf dem höchsten Punkte neben den Gebäuden noch Kokospalmen wuchsen, die man von der Rhede aus eben so deutlich zu erkennen vermochte, wie die einzelnen Wölbungen der Waldbäume auf der Firste überhaupt, – und weil es bekannt ist, daß sich rund um die Gipfel von Bergen, welche isolirt im Meere liegen und mit Waldung bedeckt sind, schon in geringerer Höhe Niederschläge bilden und Wolken bilden. Die große Steilheit des Gehänges aber, bei großer Schmalheit der Küstenfläche, (der bedeutende Gesichtswinkel, unter dem sich der Kamm des Gebirges darstellt,) ist Ursache, daß man den Bergsaum für höher und entfernter hält.
Außer einigen hellgrünen, wahrscheinlich bebauten Flecken, durch die der bräunliche Boden hindurchschimmerte, nämlich da, wo die Waldung gefällt war, – außer noch einigen andern, bräunlich-hellen Streifen, die man in den Klüften, Bachrinnen, besonders des nördlichen Theils der Kette bemerkte, und die wahrscheinlich von stattgehabten Bergschlipfen verursacht waren, – und außer dem langen, schmalen Strahle eines Wasserfalles (Gießbaches) in derselben Gegend, war das dunkle Waldgrün der Hauptkette nirgends unterbrochen.
So war die Aussicht, die sich uns von unserm Schiffe aus auf der Westseite darbot. Wir lagen der Insel am nächsten und zählten noch 20 größere und etwa eben so viel kleinere Schiffe, die weiter ostwärts auf der Rhede zerstreut lagen.
Auf dieser Ostseite erblickten wir die niedrige, flache Küste der malai'schen Halbinsel, nämlich des Staates Queda, dessen König einen kleinen, etwa 12 Stunden langen und ein Paar Stunden breiten Saum der Küstenfläche, nämlich den Theil derselben, welcher der Insel Penang gerade gegenüber liegt, an die Briten abgetreten hat. – Obgleich viel weiter von uns entfernt als Penang, lag diese Küste doch nahe genug, um auf dem hellgefärbten, wahrscheinlich sandigen Strande die Casuarinen deutlich von andern Bäumen unterscheiden zu können, namentlich von den Kokospalmen, welche wie in regelmäßigen Reihen gepflanzt erschienen und, ganze Wälder bildend, sich unabsehbar lang am Strande hinzogen.
So weit unser Blick der Küste entlang reichte, war das Land flach und niedrig, wahrscheinlich alluvial, und erst in einer Entfernung von der Küste, die wir auf 10–20 englische Meilen schätzten, waren Hügelzüge sichtbar, hinter denen sich, noch weiter im Innern, etwa 20–30 engl. Meilen entfernt, größere Bergketten erhoben. Auch einige hohe, isolirte Berge, die übrigens nicht kegelförmig und also wahrscheinlich auch keine Vulkane waren, stellten sich unsern Blicken dar, ein näherer in Osten und ein fernerer mehr nordwärts, die bis in die Wolken reichten.
Nach eingezogenen Berichten soll dieser, den Briten unterworfene Küstenstrich, der Penang zunächst gegenüberliegt, (und der auch wohl Wellesleyland genannt wird,) besonders gut bebaut und fruchtbar sein und außer Kokospalmen und andern Fruchtbäumen, besonders viel Pfeffer produciren; wir konnten jedoch der Entfernung wegen keine bewohnten Plätze, keine Hütten an seinem Gestade erkennen.
Die zutrauliche Nähe der Stadt von Pulu Penang aber, die auf unsrer Westseite lag, munterte uns zu einem Besuche auf.
Ich setzte mich in einen der kleinen Kähne, deren Führer (theils Chinesen, theils Bengalesen) sich anboten, die Passagiere für einen halben Gulden an's nahe Land zu bringen.
Als ich in meinem Kahne dahin glitt, fing – lauter Kanonendonner an, meine Ankunft zu begrüßen.
Von zwölf Salutschüssen erbebte die Luft, während ich mich dem Hafenkopfe näherte.
(Ich befürchte, daß mich einige Leser hier verdacht halten werden, meine Reiseerzählung mit figurativem Kanonendonner ausgeschmückt zu haben, – ich kann aber in Ernst versichern, daß mir meine Ohren von den Schüssen dröhnten; denn die sechs Kanonen, womit geschossen wurde, standen ganz dicht am Strande, unter der Mauer der Festung, in deren Nähe ich landen mußte. – – Um aber allen möglichen Zweifeln und ungläubigem Kopfschütteln vorzubeugen, will ich lieber folgende Erklärung ablegen. Ich bin nämlich der Meinung, daß auf der Rhede und in der Stadt Pulu Penang Niemand war, der jene Ehrenschüsse auf mich bezogen hätte, – am allerwenigsten war ich einer von denen, die das thaten, ich vermuthete vielmehr, daß die 12 Pfund Pulver zu Ehren des Gouverneurs von Singapur verschossen worden sind, welcher sich (in einer etwas bessern Schaluppe, wie ich) gerade zu der Zeit an Bord eines kleinen Dampfers begab, der bald darauf via Singapur, die Rhede von Penang verließ.)
Ich kam doch aber unter Kanonendonner an, – stieg die steinernen Treppen des Hafenkopfes hinauf und zögerte nicht, mir so schnell wie möglich einen Palankin[13] zu miethen, um in der kurzen Zeit, die mir bis zur festgesetzten Abreise unseres Dampfers um 10 Uhr übrig blieb, noch so viel wie möglich von der Stadt und ihren Umgebungen zu sehen. (Denn, Leser! glaube mir, ich war weit entfernt, zu befürchten, daß man bei meiner Rückkehr an Bord Salutschüsse für mich thun würde, – ich war sogar nahe daran zu vermuthen, daß das Schiff sich die Freiheit nehmen würde, um 10 Uhr 0 Minuten ohne mich abzureisen, wenn ich mich um 9 Uhr 59 Minuten noch nicht an Bord befände.) Ich lebte hier sehr frei, also auch sehr glücklich, denn Niemanden fiel es ein, mich zu belästigen und Notiz von mir zu nehmen, außer dem Chines vom Kahne und dem Zeis vom Palankin, die bezahlt sein wollten.
So viel ich von Penang gesehen oder durch Andre vernommen habe, ist die Fläche, deren östliches (an die See grenzendes) Ende Stadt und Fort trägt, die einzige Ebene auf der ganzen Insel. Sie besitzt von der Stadt an nach Westen bis zum Fuße der Berge ihre größte Breite von etwa zwei englischen Meilen, nimmt aber in Norden und in Süden der Stadt sehr schnell an Breite ab. Sie hat nämlich fast die Form einer halben Scheibe, deren größte Rundung nach Osten in's Meer vorspringt, deren Basis aber dem Fuße der Bergkette angeheftet ist, so daß sich dieser Fuß in den übrigen Gegenden der Insel (nordwärts und südwärts von dieser vorgelagerten Fläche) unmittelbar und ohne Küstensaum aus dem Meere erhebt. Wie der Kamm der Kette, so streckt auch der Fuß (die Küste der Insel) im Allgemeinen von Süd nach Nord. – Die Fläche scheint vorzüglich aus einem hellen, bräunlich-grauen Sandgrunde zu bestehen und erhebt sich von der Stadt an (wo ihre Höhe 10 Fuß betragen mag,) sehr allmählig und unmerklich nach dem Fuße der Berge.
Die Stadt ist bedeutend kleiner als Singapur, hat aber viel Ähnlichkeit mit dieser. In dem größten Theile derselben, besonders in dem, in welchem die Inländer (Nichteuropäer) wohnen, sind die Häuser eben so eng an einander gebaut, reihenförmig und bilden eben solche gerade Straßen, die sich kreuzen, wie in Singapur.
Viele von den Häusern, und diese scheinen die ältern, zuerst erbauten zu sein, in denen jetzt die ärmern Menschen wohnen, haben eine offene Vorhalle zwischen viereckigen Säulen von Stein, welche den vordern (vorspringenden) Theil des obern Stockes tragen. Auf den Säulen ruhen nämlich quere Balken und auf diesen Balken ruht das Mauerwerk des obern Stockes, gerade so wie es in einem großen Theile vom chinesischen Kampong in Singapur der Fall ist. Und eben so wie dort, sind auch hier zu Penang viele von diesen Querbalken in der Mitte schon gesenkt, concav, den Einsturz drohend, ja man sieht, eben so wie in Singapur, ganze Straßen, welche diese facies hippocratica haben und doch noch bewohnt sind.
Die Wege in und in den Umgebungen der Stadt sind gut, hart und eben, nämlich mit Meeressand (Korallensand) belegt, der eine bräunlich-hellgraue Farbe hat.
Der schönste Theil der Stadt aber ist der, welcher von der Küste am weitesten absteht und die Wohnungen der (wohlhabendern) Europäer enthält. Diese Wohnungen nämlich liegen mehr vereinzelt und zwischen Gebüsch zerstreut und viele davon sind eine Zierde der kleinen, umgrünten Plätze, in deren Mitte sie sich erheben. Auch einige kleine Kirchen zeichnen sich auf solchen Plätzen aus. Die Zahl der Fruchtbäume, die sich zwischen diesen Wohnungen oder Villen emporwölben, ist viel größer, – das Ganze ist viel belaubter, schattiger als zu Singapur und das schöne Grün der Bäume, das mit dem hellen Sandboden lebhaft absticht, giebt den Häuschen oder kleinen Palästen, die darin zerstreut liegen, ein viel wohnlicheres, lieblicheres, einladenderes Ansehn, wie dort. Auch bemerkt man, besonders an Wegen und Plätzen viele Casuarinen unter den Bäumen.
Die kleinen Tempel der Chinesen, Bengalesen und andern Indischen Nationen, nebst den Mĕsigit's (Moskee'n) der Malaien und Araber, in denen Mahomed für den einzig wahren Propheten gilt, – sieht man hier in nachbarlicher Eintracht zusammenstehn mit den Kirchen des Kreuzes. –
Nachdem ich die Stadt genugsam durchkreuzt und im, beiläufig gesagt, sehr kleinen, kneipenartigen Hotel eine Tasse schlechten Kaffee getrunken hatte, der aber, weil es am Lande war, mir und andern besser schmeckte, als der gute Kaffee bei uns an Bord, warf ich mich wieder in die Arme des Zeis vom Palankin, der mich zum Hafenkopfe, und des Kee's (Chinesen) vom Kahne, der mich an Bord brachte, wo ich eben noch zur rechten Zeit ankam, um die Spazierfahrt nach Europa mitzumachen.
Wir verließen die Rhede präcis um 10 Uhr (den 12ten September) des Vormittags, gerade in dem Augenblicke, als ein Regenschauer vor der Bergkette von Penang vorbeizog, während ringsum der heiterste Sonnenschein glänzte, und fuhren nord- zu west-wärts zwischen Pulu Penang und der Küste von Queda, natürlich der erstern viel näher, dahin. Eine Viertelstunde später veränderten wir unsern Cours nach Nord-Nord-West und erblickten nun von der Nordseite her den flachen Theil der Insel, den wir nun seiner Breite nach sahen und der sich von hier aus nur wie ein einziger Wald von Kokospalmen darthat, von der Küste an reichend bis dicht an den Fuß des Gebirges.
Als wir in dem grünlichen, untiefen Wasser der Malakastraße noch weiter nach Norden gekommen waren, sahen wir die von vielen Kokospalmen beschatteten Hütten eines Dorfes auf dem Strande stehn, welcher sich schnell und steil zum Gebirge erhob. Die Wälder, welche dieses bedecken, waren über dem Dorfe beträchtliche Strecken weit gelichtet und mit Bäumen (vielleicht Muskatbäumen oder Pfefferstauden) in regelmäßigen Reihen bepflanzt und in diesen gelichteten Gegenden des Gebirges war es, wo wir eine Menge von Felsblöcken zu erkennen vermochten, die, von zum Theil kolossaler Größe, am Gehänge herum zerstreut lagen und die in einer weißlichen oder hellgrauen Farbe schimmerten. – Auf der malai'schen Halbinsel sahen wir ferne Gebirgsketten, die bis in die Wolken reichten; ja diese Ketten, die später scheinbar zu isolirten Bergen wurden, (weil die wenigen hohen Theile derselben, je weiter wir uns von ihnen entfernten, immer weiter unter dem Meere verschwanden,) waren, wenn auch nur schwach und tief im Horizonte, auch des Abends um 6 Uhr noch sichtbar, als wir uns schon in der Entfernung von beinahe einem Längegrade von der Mitte von Penang und gewiß von 1¾ Graden von den Bergen der Halbinsel selbst befanden. Ihre Höhe muß hiernach sehr bedeutend sein und wenigstens 9000 Fuß betragen. Das vor ihnen liegende Küstenland Queda's aber schien eine Breite von 30–40 engl. Meilen zu haben und flach oder doch nur niedrig zu sein.
Es war zwischen 12 und 1 Uhr, als wir um das Nordende von Penang herumbogen und nun mit westlichem Cours in das immer dunkler werdende Meer hineindampften. In demselben Maße, in welchem wir uns von ihr entfernten, tauchte die Betelnußinsel[14] tiefer unter den Horizont, – ihr Ufersaum war schon um 1½ Uhr nicht mehr sichtbar, – ihre Bergkette wurde niedriger, konnte aber deßhalb, in ihrer Gesammtausdehnung, desto deutlicher übersehen werden.
Diese westliche (oceanische, pelagische) Seite von Pulu Penang, die der Stadt mit ihrem Hafen entgegengesetzt ist, stellt sich schon den bloßen Augen weit steiler als die östliche oder Landseite dar, sie steigt fast ohne Strand unmittelbar aus dem Meere und ist, nach eingezogenen Berichten, vom Meere aus unzugänglich, ohne Ankerplatz und fast ganz unbewohnt. (In Vergleich mit dem niedrig-hügligen Singapur ist Penang in der That hochgebirgig zu nennen.)
Sie wurde immer blässer und blässer, sank immer tiefer unter den Horizont, – und um 6 Uhr des Abends, als die Mondesscheibe schon 20° hoch am östlichen Himmel stand, war sie nur noch mit guten Augen an dem Saume des Meeres wie ein schwaches Wölkchen zu erkennen.
Wir fuhren die ganze Nacht bei hellem Mondschein nach West zu Nord durch eine spiegelglatte See, in welcher unser Schiff wohl eine engl. Meile weit, eine schnurgerade Fahrt zurückließ, wie eine Straße oder Eisenbahn, die perspectivisch kleiner wurde. In der Mitte war die Bahn concav, aber glatt – zu beiden Seiten der Mitte war ein convexer, von den großen Wellen der Räder gehobener und bewegter Rand; – dann kam an der äußern Seite dieser Wellenlinien ein breiterer, von ganz kleinen, spitzen und dicht an einander gedrängten Wellen bewegter Streifen – und endlich zu den Seiten dieses letzterern lag die todtstille, wie polirte Oberfläche des Meeres.
Als uns nun wieder der Ocean umfluthete und auf allen Seiten nur noch eine einförmige Wasserfläche lag, auf deren Spiegel das Auge vergebens nach einiger Abwechselung suchte, – da erwachte das freundliche und doch so großartige Bild von Pulu-Penang, so wie wir es von der Rhede aus gesehen hatten, mit erneuerter Lebendigkeit in unsrer Phantasie. Der langhingezogene Gebirgsrücken, der sich steil erhebt und dessen ungleichhoher Saum bis in die Wolken reicht, – die hellfarbigen, (meistens weiß übertünchten) Gebäude der Stadt, hinter denen das waldige Berggehänge, wie ein dunkelgrüner Teppich ausgespannt ist, – die Wege, die in Zickzacklinien an der steilen Böschung hinanführen, die weißen Gemäuer, welche vom Gipfel eines Vorgebirges, wie ein altes Schloß herabschauen, – die Signal- und Flaggenstange nebst den Gebäuden, welche aus der düstren Waldung des hochobersten Rückens jäh auf die Rhede herabblicken und auf die Schiffe, die so nahe an ihrem Fuße ankern, – – dies voral waren die Hauptzüge, welche unsrer Erinnerung noch lange eingedrückt blieben.
Weitere Nachrichten über Pulu-Penang findet man in den oben bei Singapur angeführten Werken von Crawfurd, (Journal), Finlayson (Journal, p. 23 etc.), Colebrooke (Notice), Newbold (Account) und T. Ward, short sketch of the geology of Pulo Penang etc. – in Asiat. Research. Calcutta, 1833. vol. XVIII, p. 149 etc.
Aus diesen Werken entlehne ich die folgenden allgemeinen Notizen.
In 1783 kam die Insel zuerst in Privatbesitz des Capitains bei der britischen Marine, Ligt, der sie vom König von Queda als Brautschatz einer Prinzessin erhielt, welche er heirathete; in 1786 wurde die Insel Eigenthum der englischen Krone. – Sie ist 16 engl. Meilen lang und etwa halb so breit. Die Bergkette, die mit ihren Abhängen und Vorgebirgen den größten Theil der Insel ausmacht, besteht aus Granit, der oft in Syenit übergeht, und erhebt sich in ihren höchsten Punkten zu einer (bloß geschätzten[15]) Höhe von 23–2500 engl. Fuß. – Der Boden ist im Allgemeinen dürr, felsig, und weder zum Anlegen von Sawah's, noch zum Anpflanzen von Zuckerrohr, sehr gut, aber zur Kultur des Muskatnußbaumes und noch mehr des Pfeffers geeignet, der zweimal jährlich reiche Ernte giebt, die von Chinesen besorgt wird. Reis wird aus Bengalen und aus dem gegenüberliegenden Queda eingeführt. Die Hochwaldung, welche die Berge bedeckt und von vielen Affen bevölkert ist, zeichnet sich durch säulenförmige Stämme aus. Die Einwohner sind Malaien, Buginesen, Batta's, Chinesen, Siamesen, Bengalesen, Malabarer, Coromandelesen, Araber, Perser, Europäer; ihre Zahl belief sich, den der Insel Penang gegenüberliegenden Küstenstrich mitgerechnet, im J. 1844 zufolge dem Singapore Chronicle auf 91,700 Seelen, wovon die größte Zahl Malaien waren. Werth der Ausfuhr (nach Crawfurd) betrug in 1825: 5½ Million Dollar; die Einnahmen waren 200,000 und die Ausgaben fast doppelt so viel. In 1836 betrugen diese Größen nach Newbold in Siccaropoijen[16]: 6,578,013 (Ausfuhr), – 190,859 (Einnahme), – und 54,740 (Ausgaben).
Den 13ten Sept. war unser Cours bei heitrem Wetter und spiegelglatter See erst West zu Nord und später West-Nord-West. – Wir fuhren also in der Richtung nach der Nord-West-Spitze von Sumatra und erblickten zuerst gegen Abend zu unsrer Linken, nämlich in Süden, eine Bergkette auf der Insel Sumatra, und zwar diejenige, worin der sogenannte Elephantenberg liegt, die aber so blaß waren, daß man sie kaum zu erkennen vermochte.
Wir hatten uns bis dahin auf unsrer Fahrt durch die Straße von Malaka des heitersten Wetters erfreut, nur am 10ten war es trübe gewesen und öfters feiner Regen gefallen, doch war es windstill geblieben, – am Abend des heutigen Tages (den 13ten Sept.) aber trat ein stürmischer West-Süd-West-Wind mit Regen ein, der die ganze Nacht anhielt und unsrer Fahrt also fast gerade entgegengesetzt war. Das Wetter änderte sich also zur Zeit, als wir der Insel Sumatra näher kamen.
Erst am Morgen des 14ten Sept. (unser Cours war West, gegen den Wind) konnten wir zu unsrer Linken die Bergketten auf Sumatra deutlich sehen, obgleich sie sich nur in blasser Ferne darstellten und der Küstensaum unter dem Horizonte blieb. Besonders ein Berg, den wir des Morgens um 6½ Uhr in Süden sahen (s. Fig. 6), zeichnete sich durch seine Kegelform aus; es war der sogenannte Goldberg, der zwischen Pedir und Atjin liegt. Weiter westwärts von diesem erschien noch ein andrer, hoher Berg, der drei, halb in den Wolken verborgene Gipfel hatte und mit dem vorigen durch ein mäßig hohes Zwischenland verbunden war, – und noch weiter nach Westen zu erhob sich eine lange, aber sehr ungleich hohe Kette, die viel näher als jene beiden Berge lag, also auch deutlicher, dunkler war, und deren höhere Punkte ebenfalls in die Wolken reichten.
Dies war Alles, was uns von Sumatra (Atjin) sichtbar wurde, und es war zugleich das letzte Land des Indischen Archipels, in dem ich nun 12 Jahre lang gelebt und gereist hatte, das wir erblickten. – Wie die Berge mehr und mehr dahin schwanden in blasse Ferne, erwachte lebhaft in mir die Erinnerung an die Batta-Länder, die dort hinter jenen Bergen liegen und in denen ich zwei der kräftigsten von jenen 12 Jahren meines Lebens zugebracht hatte, unter Menschen, die zwar in gewissen Fällen nach ihrem Gesetz Cannibalen, aber sonst gut und treu sind. Ich dachte an die schönen, romantischen Thäler und Berge von Angkola, – an das Plateau von Tobah, auf dem man, mitten unter dem Äquator in einer Luft, so kühl, wie in Europa lebt, – an die Fichtenwälder von Tobah und Hurung, durch die der Wind dort säuselt, – ich dachte an den Hochgenuß einer freien Existenz in schöner, erhabener, reicher Natur, – ich dachte an die Abentheuer und wechselnden Schicksale, die ich dort, unter dem guten Volke, erlebt hatte, – und die Berge verschwanden, für mich vielleicht für immer, – sie tauchten unter in's Meer, und das Schiff fuhr dahin, – um mich in andre Länder und unter andre Völker zu bringen, bei denen man wenigstens (wenn man seine Abgaben richtig bezahlt,) der Gefahr aufgegessen zu werden, nicht ausgesetzt sein wird.
Den 21sten Sept. Abends. – Wir haben nun vom 14ten Sept. an bis jetzt acht Tage zugebracht mit dem Durchschiffen der indischen See, südwärts vom Golf von Bengalen, um den Raum zwischen Sumatra und Ceylon zurückzulegen. Unser Cours war fast fortwährend rein westlich und der Wind blies anhaltend aus West-Süd-West; er war gewöhnlich nur mäßig-heftig, – verstärkte sich aber sehr oft auf eine stürmische Art und war dann jederzeit von Regenschauern begleitet, die von vorn und links schief über das Verdeck hinwegstrichen, aber wie der stürmische Wind selbst, nur von kurzer Dauer waren; –der Himmel war meistens trübe, gleichmäßig bewölkt und nur selten von einem blauen Fenster unterbrochen. Die See ging hohl, das Schiff schwankte stark und alle Luken auf der Windseite mußten geschlossen werden, weil häufige Seen (Wellenspitzen) hinter dem Räderkasten herauf auf das Verdeck schlugen und bis zum Steuerruder spritzten.
Nur an drei von diesen acht Tagen (den 16ten, 20sten und 21sten) hatten wir ziemlich gutes, heitres Wetter gehabt, ohne Regenschauer. Den 20sten um 10 Uhr wurde unser westlicher Cours verändert in einen west-süd-westlichen und der Rauch unsers Dampfers, der bis jetzt schief nach hinten und rechts geflogen war, strich nun als langer schwarzer Streif gerade nach hinten. Auf dem einförmigen Meere, wo andere Gegenstände der Beobachtung fehlen, achtet man gern auf solche Besonderheiten, wie gewöhnlich und häufig sie auch sind. – Den 21sten von 12 Uhr an begannen wir mit west-nord-westlichem Cours zu fahren; auch der Wind war seit dem vorigen (20sten) Abend von 8 Uhr an weniger beständig und blies erst aus West, dann aus West zu Süd, West-Süd-West und zuletzt selbst aus Süd-West. – Wir glaubten am 21sten Abends uns nahe bei Ceylon zu befinden, blickten oft nach West und Nord-West, konnten aber noch kein Land sehen, was uns nicht wenig besorgt machte. Das Dampfschiff nämlich, das die Passagiere von Ceylon bis Suez bringen muß, darf seiner Instruction zu Folge nicht länger zu Point de Galle warten, als bis zum 22sten Abends 6 Uhr und muß dann abreisen, auch wenn das Schiff von China und Singapur noch nicht angekommen ist. – Wir hatten aber die ganze Zeit über seit dem 13ten Abends Wind, Wellenschlag, Strömung – Alles gegen uns und waren nur langsam vorwärts gekommen.
Wir waren während dieser Zeit zwei Schiffen begegnet, dem einen am 19ten des Morgens früh, dem zweiten am 20sten um 2 Uhr; dieses letztere kreuzte mit vollen Segeln unsere Fahrt und ging wahrscheinlich von Calcutta nach dem Kap der guten Hoffnung. Außerdem hatten wir in unserm Gesichts- und Wirkungskreise nichts Fremdartiges erlebt, keine Veränderung war vorgefallen.[17] – Nur am 14ten Vormittags, als wir uns noch gegenüber der Nordspitze von Sumatra befanden, hatten wir den ängstlichen Anblick, ein Geschöpf, das nicht zu einem Wasserbewohner geschaffen war, eine Zeit lang mit den Wellen ringen zu sehen, wir glaubten in Todesfurcht. Ein chinesischer Matros nämlich war über Bord gefallen, der Korkring wurde ihm nachgeworfen, den er auch schwimmend erreichte und faßte, – und in aller Eile wurde die hintere Schaluppe herabgelassen; aber obgleich die Maschine augenblicklich gestoppt wurde, so war das Schiff in seiner schnellen Fahrt doch schon so weit vorausgegangen, daß wir den Schwimmenden nicht mehr sehen konnten, der gewiß ¾ englische Meile von uns entfernt war, als ihn die Schaluppe fand und aus dem ziemlich bewegten Meere auffischte. – Als nach einem halbstündigen Aufenthalte der Mann wieder an Bord gebracht wurde, ging er ganz gleichgültig an seine Arbeit und Niemand bekümmerte sich um ihn.
Endlich! – den 22sten Sept., des Morgens früh, erblickten wir das Land des Zimmtes, der Elephanten, Perlen und Edelgesteine, – nämlich das seit zwei Tagen schon von uns ersehnte Taprobane der Alten,[18] die Insel Ceylon der Neueren, die sich in blasser Ferne vor uns zur Rechten als ein mäßig hohes Land hinzog, das einen fast ebnen, nur wenig gekerbten Saum hatte. – Unser Cours war West und der Wind wie an den vorigen Tagen West-Süd-West, von 8 Uhr an aber West.
Die Küste schien sich von Nord-Ost nach Süd-West hinzuziehn, denn wir rückten, westwärts steuernd, dem Lande allmählig näher und sahen erst an einigen Stellen und bald überall den weißen Saum der Brandung. Um 7½ Uhr segelten wir einer vorspringenden Ecke vorbei und konnten nun erst das Land deutlich unterscheiden, das sehr niedrig war und aus ausgebreiteten (verflachten) Hügelzügen zu bestehen schien, auf deren Saume man den Umriß der einzelnen Bäume wohl zu unterscheiden vermochte. Wir waren etwa drei englische Meilen von der Küste entfernt und bewunderten vor Allem die ausgedehnten Wälder der Kokospalme, die das Gestade bedeckten.
Wir fuhren um 8 Uhr zwischen einer Menge von kleinen Fischerböten hindurch, die von sehr eigenthümlicher Bauart, nämlich sehr schmal, dabei aber sehr hoch (der innere Raum sehr tief) waren, so daß die drei Mann, die sich in einem jeden befanden, mehr als zur Hälfte darin verborgen blieben, sich aber kaum umdrehen konnten, ohngefähr so, als wenn sie in einer Straßenrinne (schmalen Wasserleitung) gestanden hätten. – So waren alle Kähne der Singalesen gebaut, die wir auf der Südküste von Ceylon sahen und sie waren nur auf einer Seite mit einem balancirenden Bambusrohr versehen. – Um diese Zeit (8 Uhr) befanden wir uns einem hohen Vorsprunge gegenüber, welcher eine weite Bucht, deren Ostecke wir um 7½ Uhr gesehen hatten, in Westen begränzte, – der oben mit kurzer Waldung bedeckt, plattenartig ausgebreitet war und sich dann als ein steiles, mauerähnliches Felsgehänge in's Meer herabsenkte. Die Farbe der Felsen war ein helles, gelbliches Braunroth; sie bestanden vielleicht aus Sandstein.
Ferner kamen wir auf der Weiterfahrt nach Westen, während uns immer mehre von den so eben beschriebenen Kähnen begegneten, noch einer Menge solcher Buchten und vorspringenden Ecken vorbei und befanden uns demzufolge bald in einer Entfernung von drei, bald von sechs engl. Meilen von der Küste, die wir, weil der Himmel bewölkt und der Horizont dunstig war, im Hintergrunde der Buchten nur undeutlich zu unterscheiden vermochten. – Von 9½ Uhr an war der nächste sichtbare Theil des Landes ein niedriger, flacher Küstensaum, der sich einwärts zu ausgebreiteten Hügeln erhob, ein mehr verflachtes, als wellenförmiges Hügelland bildend, das hier und da, wo der Küstensaum fehlte, auch bis zum Meere selbst vorgeschoben war. Dieses flache Gestade nebst den Gehängen des angränzenden Hügellandes sahen wir (wie überhaupt schon seit 7½ Uhr alle andern Theile der Küste) mit ungemein ausgedehnten Kokoswäldern bedeckt, die ununterbrochen bis Point de Galle gleichsam nur einen einzigen Palmenwald bildeten, der ganzen Küste entlang, so weit man sehen konnte.
Wir veränderten unsern Cours um 10½ Uhr, parallel mit der Richtung der Küste, nach West-Nord-West, bekamen aber erst um 12 Uhr vorn zu unsrer Rechten die Stadt Point de Galle zu Gesicht, von deren Gebäuden wir nur einen säulenförmigen Leuchtthurm und die Giebel der Häuser sahen, so weit sie aus grünem Gebüsch und aus einer Ringmauer, welche die Stadt umgiebt, emporragten, oder so weit die dunstvollen untern Schichten der Atmosphäre in zweifelhaftem Schimmerlicht sie zu erkennen erlaubten. Die Bucht diesseits der Stadt, in welche wir einlaufen mußten, ist von zwei vorspringenden Felsenecken begränzt, die einander von West-Nord-West nach Ost-Süd-Ost gegenüber liegen. Auf der west-nord-westlichen Felsecke steht die Stadt, – die ost-süd-östliche Felsecke ist das Ende eines langen, ausgebreiteten Hügelrückens, der 1–200 Fuß hoch sein mag und sich an manchen Stellen, 20–30 Fuß hohe Wände bildend, felsig-steil in's Meer herabsenkt, in den übrigen Gegenden aber durch einen hellgelblichen Sandstrand vom Meere getrennt ist. Nordwärts geht diese ost-süd-östliche Hügelecke in ein ganz niedriges, flaches Küstenland über, das nicht nur die Bai auf den übrigen Seiten, sondern auch die Stadt auf der innern Seite umgiebt, so daß der erhabne Grund, worauf diese liegt, dadurch von allen andern Hügeln abgeschnitten und in eine isolirte Felsinsel verwandelt wird, die auf drei Seiten vom Meere und auf der vierten von flachem Alluvialboden begränzt ist.
Wir wendeten um 12¾ Uhr unser Schiff direct nach Norden und fuhren durch den engen Eingang zwischen zwei Schwimmern, die das von Klippen freie, schmale Fahrwasser anzeigten, hindurch in die stille, tiefe Bucht hinein; zur Rechten blieb jenes Felskap, – zur Linken der Fels mit dem Leuchtthurm und die Stadt Point de Galle (oder Punto Galle), die nun in voller Klarheit, nahe vor uns lag. Schwärzliche Felsen, vom weißen Schaume der Brandung bespritzt, starren jäh und rauh aus dem Meere empor und tragen die Ringmauern der festen Stadt, über welche, eng zusammengruppirt, die rothen und weißen Giebel und Zinnen der Häuser herüberblicken, vermengt mit dem Gebüsch von Fruchtbäumen, deren schönes Grün sich freundlich auf den starren Fels und das Meer, das ihn umschäumt, herunter neigt.
Dieser Menschensitz, diese Hauptfestung Süd-Ceylon's unter den Niederländern seit 1642, – als wir ihn so erblickten, gleichsam im Bewußtsein von unbesorgter Sicherheit innerhalb seines Gemäuers, – freundlich, grün, auf starrem Fels im Meere und auf drei Seiten von der Brandung umtobt, gewährte einen äußerst romantischen, alterthümlichen Anblick und erinnerte mich an manche Stadt in Europa aus den Zeiten des Mittelalters, die ich seit so langen Jahren nicht mehr gesehen hatte.
Wir ließen um 1 Uhr, der Stadt ostwärts gegenüber, die Anker fallen und lagen nun zwischen dieser und dem großen Dampfschiff Bentinck, demselben, das von Calcutta angekommen war und schon zwei Tage lang auf unsre Ankunft allhier gewartet hatte. Da dessen Abreise von hier, via Aden, noch vor Eintritt des Abends festgesetzt war, so blieben uns zu einem Besuche der Stadt nur die wenigen Stunden übrig, welche die Schiffe nöthig hatten, um die Bagage von Bord der Braganza herüber an Bord des Bentinck zu befördern, was ohne Zuthun der Passagiere geschah. Rathsam war es aber und dafür wurde es auch von allen Passagieren gehalten, die kleinen Stücke der Bagage, die man jederzeit nöthig hat, beim Übersteigen auf das neue Schiff, was in Kähnen der Inländer geschieht, die man bezahlt, selbst mit zu nehmen, weil sie sonst leicht mit in den Schiffsraum, in das allgemeine Magazin der Güter geworfen werden oder aus dem Haufen der Hunderte von Packeten und Kisten nicht so leicht wieder herauszufinden sind. Es könnte also wohl geschehen, daß man darauf warten müßte. Doch verloren geht nicht leicht ein Stück.
Ich setzte mich also in einen singalesischen Kahn und fuhr – aber, halt, das ging so schnell nicht; denn viele Dutzende von solchen größern und kleinern Kähnen umwimmelten das Schiff und ihre Führer stritten sich um die Ehre, einen Passagier für ½–1 Gulden an's Land zu bringen. Es war ein ohrbetäubendes Geschrei von Stimmen, die sich mit einander verwirrten, eben so wie die Kähne, die mit ihren Seitenstangen oder Segeln in Wirrwarr geriethen und man lief große Gefahr, bei dem Überspringen von dem einen in den andern ein Bein zu brechen, in's Wasser zu fallen oder zwischen den Kähnen, die aneinander stießen, zerquetscht zu werden. Um meine geringe Person stritten sich, so laut, daß mir die Ohren davon dröhnten, wenigstens fünf Kahnführer, die mein Malai'sch eben so wenig verstanden, wie ich ihr Singalesisch und ich achtete mich glücklich, als die Bataille so weit beendigt war, daß ich aus den Händen von Fünfen endlich in die von Einem kam, welcher siegestrunken Besitz von mir nahm und unter herausfordernden Mienen gegen die Andern, die ihm Verwünschungen nachschrien und nachgesticulirten, mit mir eiligst der Stadt zuruderte.
Am Ufer angekommen, sahen wir Hunderte von neuen Plagegeistern auf dem Hafenkopf bereit stehen, um uns Fremdlinge zu empfangen. Es waren eingeborne (singalesische) und fremde (besonders bengalische) Kaufleute, meistens arme Lumpen oder Straßenbuben, deren jeder etwas in der Hand oder in einem Sacke hielt, um es dem Reisenden zu verkaufen oder besser gesagt, aufzudringen. Daß dies mit einem lauten Concert durch einander kreischender Stimmen begleitet war, versteht sich von selbst. Sie drückten dem Reisenden ihre Waaren mit Gewalt in die Hand, – verlangten dann ungeheure Preise dafür, z. B. für einen kleinen Bambusköcher 5, für ein Stück Quarz oder Jaspis, das sie in dem ersten besten Bache aufgelesen hatten, 10 Gulden, und weigerten sich, wenn der Reisende den Preis zu hoch fand, hartnäckig, ihre Waare wieder anzunehmen, verfolgten ihn vielmehr unter lautem Geschrei, Schritt für Schritt. Ich sah Passagiere, die von 20 dergleichen Schreiern begleitet waren. Ich war so glücklich, mit einer Eskorte von bloß sechs abzukommen, die mir auf meiner Rundreise durch die Straßen der Stadt, als getreue Trabanten, auf dem Fuße folgten und bald von der linken, bald von der rechten Seite, etwas zu kaufen vorhielten, in welchem Geschäft sie eine bewundernswürdige Ausdauer an den Tag legten. Ich kaufte ihnen endlich etwas ab, z. B. Onyxe, fossile Elephantenzähne (von Elephas primigenius), die sie auf der einen Seite geschliffen und polirt hatten, und hoffte mich dadurch, wenigstens von einem Theile derselben, zu befreien; aber, – wie irrte ich mich! Kaum hatten die Andern, welche durch die Straßen schlenderten, gesehen, daß ich nachgiebig, d. i. überwindlich war, als sie zu ganzen Truppen herbeiströmten und sich meine Satellitenschaar dadurch wenigstens um das Zehnfache vermehrte, – so daß ich nahe daran war, diese Kaufleute für eine eben so stabile Plage der Reisenden in den Städten, – wie die kleinen Springblutegel[19] in den Wäldern Ceylon's zu halten.
Man schreitet von der Land- d. i. Nordseite her unter hohen, gewölbten Thoröffnungen durch die alten Backsteinmauern und Wälle der Festung, und gelangt in's Innere der Stadt, deren Straßen vom höchsten Punkte des Hügelwulstes, auf welchem sie erbaut ist, sich am stärksten nach Süden, der See zu, herabsenken. – Sie enthält keinerlei ausgezeichnete Gebäude und die mehrsten Häuser sind klein, einstöckig und fast alle von Stein. Ich habe wenig Leben oder Verkehr, auch keine großen Kaufläden oder Packhäuser bemerkt und glaubte hieraus schließen zu dürfen, daß Punto Galle seine alte Größe als Handelsstadt verloren und nur erst seit der Einrichtung der Landmail, als Station für die Schiffe zwischen Indien und Arabien, eine erneuerte Wichtigkeit erhalten habe. Die Stadt scheint zum Theil auf Gneiß von grauer Farbe, zum Theil auf weißem Korallenfels erbaut, und liegt an der Südküste von Ceylon unter 6° 1' nördl. Breite und 80° 10' östl. Länge von Greenw.
Interessanter als das Innere der Stadt, war mir der Anblick der flachen Gegenden der Insel, welche die Stadt nord- und nord-ost-wärts begränzen und mit einer allerüppigsten (angepflanzten) Vegetation bedeckt waren. – Von Hochwaldung sah ich zwar nirgends eine Spur, aber – das Gehänge der Hügel und noch mehr das flache Gestade rund um die Bai und die Stadt waren mit ungeheuern Waldungen der Kokospalme bedeckt, die man nicht übersehen konnte. – Welche dichte Zusammengruppirung von schlanken, säulenförmigen Stämmen, – welche dunkle Schatten zwischen den 70–100 Fuß hohen Säulchen, tief unter den rauschenden Wedeln, – welche an Urwald gleichende Wildniß von Palmen, – welche Verwirrung von in allen Richtungen durch einander geworfenen, senkrechten, überhängenden und ganz niedergestreckten Stämmen! – – ich mußte gestehen, daß ein solcher Kokoswald, eine solche ununterbrochene, Tagereisen weit reichende Ausdehnung von dicht gedrängten Palmen auf Sumatra und Java nicht anzutreffen ist. – Wahrscheinlich ist die sandige Beschaffenheit der Gestade und die Quarznatur des Sandes, bei gleich günstigen Verhältnissen eines gleichmäßig warmen, nicht zu feuchten Klima's, ein Hauptbedingniß zu ihrem üppigern Gedeihen.
Als ich von der Braganza, welche ich nach meiner Rückkehr aus der Stadt noch einmal besucht hatte, an Bord des Bentinck angekommen war, war mir etwa so zu Muthe, wie Jemandem, der aus einer Provinzialstadt in eine Kapitale wie Paris oder London eingetreten ist. Dieser Landmail-steamer, befehligt vom Capt. A. Kellock, ist einer der größten, welchen die Peninsular and Oriental Steam Navigation Compagny besitzt, er mißt 1800 Tonnen, hat 520 Pferdekraft und nur noch einer (der „Hindustan“, commandirt von Capt. S. Lewis) kommt ihm an Größe gleich.
Als ich dem Gewühl sich einander durchkreuzender Interessen entkommen war und, zur Ruhe gelangt, auf dem Hinterdeck des Lord Bentinck saß, kostete es mir Mühe, mich an die Überzeugung zu gewöhnen, daß ich mich auf dem Verdeck eines Schiffes befand, – so lang und breit dehnte sich die reinliche Bretterfläche vor mir aus, die durch ihren Reichthum an verschiedenartigen Gegenständen dem darauf Spazierenden Abwechselung und Zerstreuung gewährte, – die zum Theil mit Zelten überspannt, und mit Bänken und Stühlen besetzt war. Nur auf dem Vorderdeck, in der Nähe des Bugspriet, und sonst nirgends im Schiff, durfte geraucht werden. Ein Neuling lief Gefahr, in den drei Vertiefungen des Innern, die man auf eleganten, theils geraden, theils wendelförmigen Treppen hinabstieg, sich zu verirren, wenn er in den langen Gängen zwischen den Zimmern herumschritt; denn die Anzahl dieser Zimmer (Cabin's) war groß genug, um Jedem der 100 Passagiere erster Klasse, die sich an Bord befanden, einen besondern Schlafplatz zu verschaffen, außer den Offizieren, dem Schiffsvolke und den Passagieren zweiter Klasse. In den mehrsten Cabin's wohnten zwei, in manchen drei, vier, in wenigen nur ein Passagier, je nachdem die Cabin's mehr oder weniger Schlafplätze enthielten (deren wenigstens zwei über einander angebracht waren). Sie waren mit guten Matrazen, Spiegeln, Waschtafeln und Zubehör, Bänken, Stühlen und andern Bequemlichkeiten versehen und Bettzeug und Handtücher wurden fleißig gewechselt. Trink- und Waschwasser wurde in Überfluß gereicht und an einem Badezimmer, einem Regenbade, das nach geöffnetem Krahne aus einer siebartigen Öffnung der Decke herabträufelte, fehlte es nicht, leider aber auch nicht an Kakerlaken (Blatta orientalis), die, wie es scheint, eine allgemeine Plage aller Schiffe in den Tropengegenden sind. In den dunkeln Räumen der Hütten, zwischen den Brettern, waren diese zollgroßen, schnelllaufenden Thierchen nur allzu häufig und man konnte sie nur auf kurze Zeit von seinem Lager mit Eau de Cologne vertreiben. Ich würde jedem Reisenden anrathen, auch der Kühlung wegen sich mit einem recht großen Vorrath dieses destillirten Wassers zu versehen. Übrigens war die Hitze im Innern des Schiffes erträglich, da zweckmäßig angebrachte Ventilatoren für Abkühlung und frische Luft sorgten. – Das Installiren verschiedener Reisenden in ein Zimmer wurde stets mit Discretion verrichtet, und gewöhnlich blieb es den Passagieren selbst überlassen, sich mit einander zu verständigen und ihre Stubengefährten nach eignem Geschmack zu wählen. Es war Einer an Bord, mit dem Niemand zusammenwohnen wollte, und dieser erhielt ein Zimmer allein. – Um 8 und 12 Uhr zur Zeit des Frühstücks und Tiffets wurde Kaffee, Thee, mit Eiern, Brot, kalten Speisen etc. gereicht und um 4 Uhr zum Diner geläutet. Abends wieder Thee. Der Speisesaal war elegant, mit drei langen Tafeln versehen, an denen alle Passagiere (der ersten Klasse) Platz hatten, mit Spiegeln und Gemälden decorirt, so daß man, an der Tafel sitzend, zwischen solchen Umgebungen ganz vergaß, sich auf dem Meere, an Bord eines Schiffes zu befinden, zumal, da von dem Arbeiten der Maschine und dem Brausen der Räder nichts zu hören oder zu fühlen war. Das Schiff glitt seiner Größe wegen, von Ceylon bis Suez, so gleichmäßig dahin, daß auf dem Verdeck auch nicht das geringste Schwanken zu verspüren war und man erst über Bord blicken mußte, um sich zu überzeugen, daß sich das Schiff fortbewege. Schafe, Schweine, Kälber, Rinder, Tauben, Hühner, Enten, Gänse, Truthähne etc. befanden sich, nicht etwa wie in der Arche Noäh in bloß einem Paar, sondern in ganzen Heerden und Schaaren bei uns an Bord und versahen die Tafel, Tag für Tag, mit mannigfach zubereiteten Fleischspeisen von alle den genannten Arten und an frischem Brot und Gemüse fehlte es nicht, so daß ich im Ernst versichern kann, noch nie eine so überflüssig, ich möchte sagen, so massiv (besonders mit Fleischspeisen) besetzte Tafel gesehen zu haben. Das Buffet war mit englischem Bier (pale ale) und allen Arten von Weinen versehen, die ein Jeder ad libitum trank. Nur der Champagner machte hiervon eine Ausnahme und wurde von den Passagieren nicht gefragt, sondern nach jeder Mahlzeit in einer bestimmten Anzahl Flaschen gereicht. Auch das Dessert war vorzüglich und überhaupt ließ die Beköstigung, wie die ganze Einrichtung an Bord, nach der Meinung Aller, Nichts zu wünschen übrig. Zur Unterhaltung der Passagiere war eine Bibliothek, die besonders Reisebeschreibungen enthielt, nebst andern Zerstreuungsmitteln, Spielen etc. im allgemeinen Versammlungs- und Speisesaal vorhanden. Unter den Reisenden waren etwa sechs Damen, von denen die Engländerinnen sehr zurückgezogen und steif, fast holländisch, – die Französinnen aber freundlich und gesprächig waren und nebst einigen Kindern viel zur angenehmen Unterhaltung beitrugen.
Wir lichteten am 20sten Sept. des Abends die Anker, waren um 7 Uhr flott und fuhren zwischen zwei leuchtenden Feuern (großen Fackeln) hindurch, die man an der Stelle jener zwei schwimmenden Kugeln, in Kähnen angesteckt hatte, um uns den Weg in's Fahrwasser mitten zwischen den Klippen hindurch zu zeigen. So wie den Tag über die Luft bewölkt gewesen war, ob es gleich nicht geregnet hatte, so war auch die Nacht dunkel, und kein Himmelslicht war sichtbar.
So dampften wir nun wieder, nach kurzem Aufenthalte auf trockenem Boden, in das altum mare hinaus. Die Lichter, die auf den Schiffen und in den Gebäuden brannten, traten immer weiter zurück, aber erst spät am Abend verschwand das Feuer des Leuchtthurms.
Von den vielen über Ceylon erschienenen Werken und in Zeitschriften zerstreuten Aufsätzen, mögen hier nur folgende allgemeinere genannt sein.