Abbildung 26.

Kapitell und Sockel mit Farbenangabe, von einem gemalten Baldachin aus Qurnet-Murrai; Grab des Huj; n. R.; Dynastie 18; Zeit des Twet-anch-amon; nach L. D. III, 118.

Abbildung 27.

Hals einer Bündelsäule mit Zwischenstengeln von Nymphaea caerulea.
Philae. Tempel des Arsnuphis. Ptolemäisch. Eigne Aufnahme.

Als letztes Beispiel einer offenen Nymphaea caerulea-Säule aus dem neuen Reiche mag hier noch eine solche (Abb. 26) aus einer Abbildung aus dem Grabe des Huj zu Qurnet Murrai dienen; dieselbe ist mit Farbenangabe publicirt; man sieht daraus, wie wenig sich die ägyptischen Architektur-Maler in vielen Fällen an die natürlichen Farben hielten.

Hiermit ist die Reihe der Beispiele natürlich noch nicht erschöpft, auch in etwas späterer Zeit kommt das offene Nymphaea caerulea-Kapitell noch vor, z. B. in der bereits oben bei Nymphaea Lotus citirten Bouquetsäule aus dem Grabe des Sen-nudem in der 20. Dyn.[28]; später jedoch scheint es ausser Mode gekommen zu sein. Aus der Spätzeit ist mir wenigstens kein Beispiel bekannt, wenn man nicht die schon oben erwähnten Säulentrommeln (Abb. 27) vom Arsnuphistempel auf Philae hierher rechnen will, welche Nymphaea caerulea als Blüthe und Knospe auf den dreifachen Zwischenstengeln zeigen.

Damit wären die Nymphaeensäulen sämmtlich besprochen; wir haben also drei Arten derselben: die geschlossene Nymphaea Lotus-Säule, die offene von derselben Pflanze abgeleitete und die offene Nymphaea caerulea-Säule. Wir müssen jedoch noch einer dritten Art von Nymphaeen, die zeitweise in Aegypten vorkam, Erwähnung thun, wenn auch nur um zu zeigen, dass sie ohne jeden Einfluss auf ägyptische Kunstformen geblieben ist:

c. Nymphaea Nelumbo L.

Abbildung 28.

Nymphaea Nelumbo L.;
Blüthe, Knospe und Blätter nach der Natur; Botan. Garten zu Berlin.

Diese von den bisher besprochenen Nymphaeen gänzlich verschiedene Art macht, wie die Abbildung 28 zeigt, überhaupt nicht den Eindruck einer Nymphaee. Die weit aus dem Wasser hervorstehenden, napfförmigen Blätter bilden ganze Gebüsche, aus denen die rosenartigen Blumen hervorsehen. Am merkwürdigsten ist der Fruchtstand, den Herodot[29] sehr ansprechend mit einem Wespennest vergleicht und den Neuere nicht übel mit der Brause einer Giesskanne verglichen haben.

Altägyptische Darstellungen von Nymphaea Nelumbo finden sich nicht, wohl aber haben sich einige auf Kunstwerken der Spätzeit nachweisen lassen. Im Ptolemäischen Tempel zu Esneh[30], auf dem Mosaik von Palestrina und auf der berühmten vatikanischen Nilstatue finden sich Exemplare von Nymphaea Nelumbo abgebildet; an der zuletzt erwähnten Stelle übrigens nur Früchte mit falschen Blättern. Dieses späte Auftreten von Nymphaea Nelumbo in den Darstellungen ist nicht weiter wunderbar, da die Pflanze, wie neuere Arbeiten[31] gezeigt haben in Aegypten ursprünglich nicht heimisch war, und auch heutigen Tages dort nicht mehr wild vorkommt. Herodot ist der erste, der um 450 v. Chr. über sie berichtet, und Prosper Alpinus, der um 1580 n. Chr. die ägyptische Flora beschreibt, erwähnt sie schon nicht mehr. Die Ansicht Schweinfurth's scheint daher sehr annehmbar, dass Nymphaea Nelumbo durch die Perser aus Asien nach Aegypten eingeführt worden ist, sich aber auf die Dauer dort nicht halten konnte.

Das Fehlen von Nymphaea Nelumbo in der älteren Zeit, in der die Säulenformen sich bildeten, verbietet es also, irgend eine ägyptische Kapitellform auf die Blüthe oder, wie es auch geschehen ist, auf das Blatt dieser Nymphaea zurückzuführen.


Zum Schlusse der Besprechung wollen wir noch einmal kurz die Merkmale der Nymphaeen-Säulen zusammenstellen, durch welche sie sich von der ihnen gegenüberstehenden Kategorie der Papyrussäulen unterscheiden:

Die Basis fehlt manchesmal, was bei Papyrussäulen nie der Fall zu sein scheint. Der Schaft hat keine Schwellung und keine „Fussblätter”, wie wir sie bei den Papyrussäulen kennen lernen werden. Die Zwischenstengel sind wie die Hauptstengel mit Nymphaeenknospen oder Blumen gekrönt, deren Umrisslinien von denen der Papyrussäulen äusserst verschieden sind. Die „Kopfblätter”, d. h. die Kelchblätter des Kapitells gehen bis zum oberen Rande, während sie bei den Papyrussäulen wesentlich kürzer sind.


II. Die „Lilien”-Säulen.

Bei diesem Kapitel muss der Abschnitt mit der Beschreibung der der Säulenform zu Grunde liegenden natürlichen Pflanze in Fortfall kommen, da es bisher noch nicht gelungen ist, die betreffende Pflanze, welche als Wappenpflanze von Oberägypten ungeheuer häufig in der ägyptischen Kunst auftritt, botanisch sicher zu bestimmen. Wir werden daher gut thun, nur die Pflanze, soweit sie im Ornament vorkommt, zu analysiren und dann aus ihren Merkmalen zu zeigen, weshalb sie mit keiner der sonst gebräuchlichen ornamentalen Pflanzen identisch ist, und warum wir ihr am besten den Namen „Lilie” beilegen.

Abbildung 29.

Lilie und Papyrus von der Darstellung des Mer-en-rē'-Pepy bei Assuan; a. R.; Dyn. 6; nach L. D. II 116 b u. nach eigner Copie.

Das älteste Beispiel der Lilie findet sich auf der bekannten Darstellung des Königs Mer-en-rē'-Pepy bei Assuan (Abb. 29). Leider ist hier die Lepsius'sche Publication nicht correkt und in dem de Morgan'schen Catalogue des Monuments (I, 17, No. 78) die Ungenauigkeit der Zeichnung mit übernommen, ich habe daher die Darstellung an Ort und Stelle nochmals verglichen und hier corrigiert beigegeben. Danach scheint es also, dass bereits die später übliche Form der „Südpflanze” schon im alten Reiche gebräuchlich gewesen ist.

Abbildung 30.

Lilie vom Throne der Statue Usertesen's I. aus Tanis;
m. R. Dyn. 12; nach Berl. Mus. 7265. (Ausführl. Verzeichn. S. 25).

Aus dem mittleren Reiche sind die Beispiele zahlreicher: auf dem Throne der Statue Usertesen's I. aus Tanis (jetzt im Berliner Museum, Abb. 30) findet sich der Lilientypus deutlich. Fragmente der Lilien sind von dem Throne Amenemhet's III. zu Biahmu erhalten[32], an anderen Königsstatuen derselben Epoche[33] sind gleichfalls die Lilien stets deutlich charakterisirt.

Abbildung 31.

Lilie vom Deckel eines Fayencekästchens aus einem Massengrabe zu Theben;
n. R.; Dynastie 19. Zeit Ramses' II; nach Berl. Museum 2038. (Ausführl. Verzeichniss S. 105).

Im neuen Reiche zeigt die Pflanze zuerst noch keine wesentliche Aenderung des Typus; selbst noch unter der 19. Dynastie kommen Lilien vor, die bis auf die Einrollung der beiden Seitenblätter den älteren Exemplaren völlig gleichen (Abb. 31 u. 32), jedoch sind auch noch in späterer Zeit Beispiele nachweisbar, die in nichts von den alten abweichen. Häufiger findet sich jedoch eine wohl unter der 18. Dynastie ausgebildete Variante mit je einem Anhängsel an jedem der beiden äusseren Blätter (Abb. 33).

Abbildung 32.

Lilie in blauer Fayence;
aus den Ornamenten von Tell el Jehûdeh; n. R. Dyn. 19; Zeit Ramses' III; nach Berl. Mus. 7359 (Ausführl. Verzeichn. S. 159).

Abbildung 33.

Lilie. Thonform aus Tell-Amarna;
n. R. Dyn. 18; Zeit Amenophis' IV. nach Petrie, Tell-Amarna XVIII, 365.

Diese letztgenannte Form erfährt dann, vielleicht — wie bereits Sybel[34] annahm, unter asiatischem Einfluss — weitere Ausgestaltung; der mittlere Kolben oder auch die Anhängsel vervielfachen sich, oder eine Art Palmette oder mehrere Voluten entwickeln sich aus dem Kelche, und Aehnliches. Diese manchmal recht abenteuerlichen Gestaltungen, die für die Ornamentik des neuen Reiches von grosser Bedeutung sind, interessiren uns für die Säulenfrage jedoch nicht, da derartige Gebilde erst an ganz späten Säulen auftreten; wir können uns vielmehr mit der Kenntniss der einfachen Lilie und der „Lilie mit Anhängseln” für unseren Zweck begnügen.

Abbildung 34.

Abgebildete Bouquetsäule aus dem Grabe des Sen-nudem; n. R.; Dynastie 20; nach Berl. Mus. Ph. 664.

Die charakteristische Form derselben ist schnell beschrieben: aus einem dreiblättrigen, meist gelben Hüllkelch, der auf grünem oder blauem Stengel sitzt, erwachsen zwei schlanke, oben nach aussen überfallende Blätter von blauer, manchmal auch grüner Farbe; zwischen diesen äusseren Blättern erhebt sich ein roter, oben abgerundeter Kolben. Die gleichfalls kolbenförmigen Anhängsel sind auch stets rot. Die Pflanze hat also mit keiner der sonst bekannten ägyptischen Ornamentpflanzen irgendwelche Aehnlichkeit. Dass sie wirklich ein Gebilde für sich ist und nicht etwa nur eine Ableitung aus einer anderen Pflanze, zeigen schlagend die Kapitelle mancher „Bouquetsäulen”, bei denen die Künstler absichtlich die verschiedenen ihnen geläufigen Pflanzen vereinigten, um den Eindruck einer möglichst reichen Prunkarchitektur hervorzubringen. So z. B. die schon öfters angeführte im Grabe des Sen-nudem abgebildete Säule (Abb. 34). Hier hat der Künstler zuerst Nymphaea Lotus, dann Nymphaea caerulea, dann unsere Lilie und endlich Cyperus Papyrus dargestellt und somit fast seinen ganzen Formenschatz an Pflanzenkapitellen erschöpft.

Eine besondere Pflanze ist also die in Rede stehende jedenfalls; warum haben wir ihr aber den Namen „Lilie” gegeben? Weil sie am ehesten einer schematisch dargestellten Liliacee oder besser einer Irisart entspricht. Namentlich die überfallenden Blätter mit den Anhängseln erinnern an die äusseren umgeklappten Blüthenblätter mancher Irisarten, während der mittlere Kolben die inneren aufrecht stehenden Blätter versinnbildlichen könnte. Die später hinzutretenden roten „Anhänger” könnten vielleicht die Köpfe der Staubfäden darstellen, die bei manchen Irisarten unter den sich einrollenden — allerdings inneren — Blättern so geschützt liegen, dass nur die rotbraunen, kolbenförmigen Enden darunter hervorsehen.

Es ist jedoch bei diesem Gleichstellungsversuch die eine Hauptschwierigkeit nicht zu übersehen, dass nämlich bisher keine Lilien- oder Irisarten in Aegypten nachgewiesen sind. Und die fragliche Pflanze muss doch im Alterthum so häufig oder für ihr Gebiet so charakteristisch gewesen sein, dass man sie als Wappenpflanze für Oberägypten wählte, im Gegensatz zu dem für sein Gebiet ebenso bezeichnenden unterägyptischen Papyrus, der allerdings heute auch schon aus ganz Aegypten verschwunden ist.

Wir wollen daher vorläufig in Ermangelung einer richtigen Bezeichnung den Namen „Lilie” nur zur leichteren Verständigung gebrauchen, bis die Botaniker die wahre Bedeutung der Wappenpflanze[35] Oberägyptens festgestellt haben werden.

Bei der eben gegebenen Aufzählung von Lilien aus verschiedenen Epochen wird es manchem Leser aufgefallen sein, warum das älteste Beispiel nicht genannt worden ist, zumal dies allgemein bekannt ist: die Lilien von den Thronen der Chefren-Statuen zu Giseh. Die absichtliche Fortlassung dieses Beispiels nöthigt mich zu einem kleinen Excurse über das Alter dieser Statuen.

Ueber Figur, Gesicht und Tracht des Chefren zu sprechen, ist hier nicht der Ort, auch nicht über die Inschriften, die Form der Hieroglyphen und die Art der Behandlung des Löwenthrones; uns wird hier allein das Vereinigungszeichen an den Seiten des Thrones beschäftigen. Da wir nach den oben angeführten Beispielen aus dem alten und mittleren Reiche, die sich namentlich für das letztere noch bedeutend vermehren liessen, genau wissen, wie ein solches Zeichen aussehen muss, so werden wir leicht sehen, wie es der Künstler der Chefren-Statuen missverstanden hat.

Das Zeichen der Vereinigung beider Länder besteht nämlich aus dem eigentlichen, bisher noch nicht gedeuteten Zeichen Sảm, das etwa einem Spaten nicht unähnlich ist: unten das bei guten Beispielen in vier Felder getheilte Blatt, dann ein horizontal gerippter Stiel und oben ein eckiges, flaches Stück. Auf der einen Seite desselben stehen am Fusse in spitze Blätter gehüllt oder auch in einem Wasserbecken[36] mehrere Exemplare der Nordpflanze, des Papyrus; zur anderen Seite, aus einem Zeichen ḥsp (Land, Gau) hervorwachsend, ebensoviele der Südpflanze, der Lilie. Von beiden Pflanzen ist je ein Stengel um das mittlere Zeichen geknüpft.

Abbildung 36.

Zeichen der Vereinigung beider Länder auf dem Throne einer Chefren-Statue zu Giseh; nach dem Abguss im Berl. Museum.

So sollte das Symbol der Vereinigung beider Länder unter normalen Umständen aussehen. Und was ist auf den Chefren-Thronen (Abb. 36) daraus geworden? Das einzige, was richtig wiedergegeben ist, sind die Papyrusbüschel, alles andere ist mehr oder weniger falsch. Die Lilien sehen nicht so aus wie sonst üblich, sondern ähneln den Darstellungen von Palmen, die wir noch später kennen lernen werden; das Sảm-Zeichen hat eine Palmenbekrönung; die Blättchen am Fusse der Nordpflanze ähneln einem Geflecht, aus dem sich die Papyrusstengel herausdrängen, und die drei horizontalen Striche des ḥsp-Zeichens sind in drei dicht aneinander liegende Stricke[37] verwandelt, welche die Lilien zusammenzwängen. Auf den anderen Chefren-Statuen sind diese Darstellungen wenn möglich noch toller; auf ihnen hat die Palmen-Lilie sogar vier Blätter und ausserdem noch Halsbänder.

Solche ungeheuerlichen Lilienformen kenne ich nur noch dreimal in der ägyptischen Kunstgeschichte: auf einem in Koptos gefundenen, angeblich aus dem mittleren Reiche stammenden Thronfragment[38] mit dem Reste eines Sảm-Zeichens, auf einem ebensolchen aus dem neuen Reiche unbekannter Herkunft im Kairiner Museum, und auf einer Ptolemäischen Säule[39]. In die Datirung des Stückes aus Koptos[40] möchte ich Zweifel setzen. Mir scheinen vielmehr diese ganzen missverstandenen Sảm-Zeichen aus einer späten Epoche zu stammen, da ich nicht annehmen kann, dass gerade in den ältesten Zeiten derartige Symbole, die doch eben erst künstlich zusammengestellt sind, bereits so unvernünftig umgestaltet worden sein können. Da ich also die Chefren-Statuen für Werke einer späteren Epoche, vielleicht auch nur für Wiederholung älterer Monumente nach vorgefundenen Resten wirklich alter Statuen halten muss, habe ich die an ihnen auftretenden Lilien oben nicht als Beispiele aus dem alten Reiche mit angeführt.

Abbildung 37.

Granitpfeiler vor dem Sanctuarium zu Karnak;
n. R.; Dyn. 18; Zeit Thutmosis III.; nach Lepsius' Tagebuch.

Nach diesem Excurse kehren wir zurück zu unseren Liliensäulen, mit denen wir schnell genug zu Ende kommen werden, da dieselben bis zum Ende des neuen Reiches nur spärlich auftreten. Aus dem alten und mittleren ist mir kein Beispiel bekannt. Im Anfang des neuen kommt das erste vor, aber dieses ist eigentlich auch nur mit demselben Rechte hierher zu rechnen, wie wir etwa die sculpirten Pfeiler aus Sawijet el Meitin bei den offenen Nymphaea Lotus-Säulen mit erwähnten. Es sind die oft abgebildeten[41] Thutmosispfeiler aus Karnak (Abb. 37).

Abbildung 38.

Liliensäule von einem Baldachin v. dem Sarge eines Amonspriesters;
n. R.; Dyn. 19-20; nach Berl. Museum No. 11982. (Ausführl. Verz. S. 136.)

Die hier dargestellten Pflanzen geben getreu die übliche Lilienform wieder; besonders bemerkenswert sind die nur hier allein deutlich dargestellten Füsse der Stengel. Dieselben haben gelbe Hüllblätter, genau wie sie sonst der Papyrus hat, auch die nur diesem eigene Schwellung zeigt sich hier; wir können jedoch nach diesem einmaligen Vorkommen nicht sagen, ob der Fuss dieser Säulenart so aussah, oder ob unser Beispiel nur seinem Pendant, der Papyrusform, angepasst ist, wie wir das ja sogar schon bei Nymphaeensäulen beobachten konnten. Der Lilie ist die Schwellung des Stengels sonst nicht eigen, wie die Darstellung der Sảm-Zeichen darthun, bei welchen dem Papyrus stets die Schwellung gegeben ist, während die Lilie immer glatt aus dem Boden hervorkommt. Sonst lässt sich das Lilienkapitell, von dem wohl nicht erst besonders gesagt zu werden braucht, dass es nur offen vorkommt, ausser an einigen Baldachinen, welche auf Särgen der 19. und 20. Dynastie dargestellt sind (Abb. 38) nur noch an Bouquetsäulen nachweisen; z. B. an der schon öfter herangezogenen aus dem Grabe der Sen-nudem (Abb. 34) und einigen anderen. Beachtenswert ist unter diesen letzteren nur eine Darstellung aus Grab 6 zu Tell-Amarna (Abb. 39). Hier ist nämlich der mittlere Kolben der Lilie nicht mit abgebildet, und dies scheint mir bereits zu den Lilienkapitellen der Spätzeit überzuleiten, bei denen der Kolben auch nicht plastisch dargestellt, sondern vielleicht nur in Farbe auf dem Kapitelle angegeben wurde, während die blauen überfallenden Blätter sculpirt hervortreten. Diese späten Lilienkapitelle sind äusserst häufig; es mögen solche aus Kôm-Ombo als Beispiel genügen (Abb. 40). Hier ist die Anordnung ganz ähnlich wie bei dem oben (S. 11) angeführten späten Nymphaea Lotuskapitell, nur dass die zuletzt zwischengesetzten Pflanzen jungen, noch geschlossenen Papyrus darstellen sollen. Die Anhängsel an den überfallenden Blättern fehlen, wie schon oben bemerkt, in der Spätzeit nie.

Abbildung 39.

Darstellung einer Bouquetsäule aus Grab 6 zu Tell-Amarna; n. R.; Dyn. 18; Zeit Amenophis' IV.; nach L. D. III, 99b.

Abbildung 40.

Lilienkapitelle aus Kôm-Ombo.
Spätzeit; nach Berl. Mus. Ph. 142.

Abbildung 41.

Vorzeichnung eines Lilienkapitells aus den Steinbrüchen vom Gebel Abu Fodah; nach Petrie, Season, Taf. 25.

Hierher gehört wohl auch die von Petrie aufgenommene Vorzeichnung eines Kapitells aus den Steinbrüchen vom Gebel Abu Fodah (Abb. 41). Die Kreise an der rechten Seite des Kapitells scheinen mir wenigstens den Aufriss eines Anhängsels darzustellen.


III. Papyrussäulen.

Hier können wir wieder den geordneten Gang einschlagen und mit der Beschreibung der Pflanze nach der Natur beginnen.

Das Aussehen des Cyperus papyrus L. ist zwar so hinreichend[42] bekannt, dass wir uns bei seiner Beschreibung sehr kurz fassen können; nur auf die Hauptpunkte, welche für die Säulenfrage wichtig sind, wird es nöthig sein an der Hand unserer Abbildung 42 hinzuweisen.

Abbildung 42.

Cyperus papyrus L.;
nach der Natur. Botan. Garten zu Berlin.

Die einzelnen, buschartig zusammenstehenden, sich nach oben stark verjüngenden Stengel der Pflanze wachsen aus einem sie dicht umgebenden Kranze von lanzettlichen, meist gelbbraunen Blättern hervor und erheben sich oft — in Kew Gardens bei London sah ich einen Stengel von über 3,00 m — beträchtlich über das Wasser, das ihre Wurzeln verbirgt. Der Querschnitt des Stengels ist dreieckig, am Fussende mit abgerundeten Ecken (siehe den Querschnitt in Abb. 42), mehr nach oben scharfkantiger. Am oberen Ende jedes Stengels sitzt die Blüthendolde, welche rings von Blättern, ähnlich denen am Fussende, umschlossen ist; bei jungen noch geschlossenen Dolden sind diese Blätter grün, bei geöffneten meist gelbbraun. Die einzelnen, übrigens sehr zahlreichen grünen Strahlen der Dolde sind äusserst fein und gegen die Mitte ihrer Länge noch in feinere Strahlen getheilt, an deren Ende dann die kleinen bräunlichen Blüthen sitzen.

Die charakteristische Umrisslinie der Dolde ist für das junge, noch ganz oder fast geschlossene Exemplar leicht zu bestimmen; es erinnert etwas an die Linie der Knospe von Nymphaea caerulea, nur dass die Spitze nicht scharf ist wie bei dieser, sondern etwas abgestumpft; eine nur ganz wenig geöffnete Knospe von Nymphaea caerulea würde dieselbe Umrisslinie haben, wie der geschlossene Papyrus. Schwieriger ist es zu sagen, welche Linien für die geöffnete Dolde bezeichnend sind, da ihre Strahlen sich scheinbar regellos nach allen Seiten ausbreiten. Bei nicht zu weit geöffneten Büscheln sieht man jedoch, dass die Enden der Strahlen mit den Blüthen ungefähr eine oben etwas abgeplattete Kugelfläche bezeichnen, die sich in der Seitenansicht etwa als wenig gedrückter Bogen darstellen würde. Die einzelnen Strahlen zeigen eine je nach ihrer Stellung in der Dolde verschiedene Linie; während die mittelsten mehr oder weniger gerade sind, zeigen die seitlichen geschwungene Curven, die untersten sind ganz schwach wellenförmig gebogen. Die ganze Dolde hätte demnach ungefähr diesen Contour:

Dem nicht unähnlich sind auch die von den ägyptischen Künstlern dargestellten Papyrusdolden, die eines der beliebtesten Motive der ägyptischen Kunst aller Epochen bilden. Eines der ältesten Beispiele ist das hier abgebildete (Abb. 43), einen Papyrus darstellende Hieroglyphenzeichen w3ḏ (s. a. L. D. II, 3). Der Papyrus ist natürlich stilisirt wiedergegeben, aber unverkennbar. Der Blattkranz am unteren Ende — den wir der Kürze halber im Folgenden als „Fussblätter” bezeichnen wollen — ist zwar vorhanden, aber etwas deformirt; die Blätter sind sämmtlich, wie auch bei anderen Darstellungen derselben Pflanze, zu kurz gerathen. Dass die Blätter sich theilweise überdecken, ist richtig beobachtet. Der Stengel verjüngt sich nach oben, hat jedoch am unteren Ende eine geringe Schwellung, die bei der natürlichen Pflanze nur vorhanden ist, wenn die Fussblätter anliegen. Für die Darstellung des Papyrus und für seine Verwendung als Säulenmotiv ist diese Schwellung bezeichnend und überträgt sich von den Papyrussäulen, wie wir gesehen haben, auch auf andere Pflanzensäulen, von denen eigentlich sonst keine von Hause aus die Schwellung zeigen sollte. Bei den Hüllblättern der Dolde — den „Kopfblättern” — tritt dasselbe ein, wie bei den Fussblättern: sie werden meist — mit wenigen Ausnahmen[43] — zu kurz und nicht so spitzig, wie sie eigentlich sein sollten, gezeichnet.

Abbildung 43.

Die Hieroglyphe w3ḏ;
aus dem Grabe des Amten zu Abusir; a. R.; Dynastie 4; nach dem Orig. im Berl. Museum.

Die Darstellung der Dolde selbst musste den Alten natürlich viele Schwierigkeiten machen; auf die Möglichkeit, sie durchsichtig darzustellen, verzichten sie von vornherein, sie geben die Umrisse ungefähr so, wie wir sie uns oben angemerkt hatten, jedoch meist nicht so weit ausladend, sondern steiler; nur selten kommen breitere Dolden vor. Eine Wiedergabe der einzelnen Strahlen lassen sie in den meisten Fällen gar nicht eintreten, höchstens deuten sie dieselben durch einige Striche in dem grün ausgefüllten Doldencontour an. Die Blüthen oder vielleicht auch die vertrockneten Spitzen der Strahlen geben sie durch gelbe Färbung des oberen Randes[44], in dem oben angeführten Beispiel, bei dem die Farben jetzt fehlen, nur durch die Doppellinie des oberen Randes wieder.

Abbildung 44.

Papyrusdickicht aus Grab 3 zu Benihassan; m. R.; nach L. D. II, 130.

Abbildung 45.

Geschlossene Papyrus-Dolde. Fayenceform a. Tell-Amarna; n. R.; Dynastie 8; Zeit Amenophs' IV.; nach Berl. Museum No. 12213.

Die Beispiele von Papyrusdarstellungen sind für das alte Reich unzählbar: Papyrusernte[45] zum Bootsbau und zu anderen Zwecken, Papyrussümpfe[46] als Jagdreviere für Vogel- und Fischfang und Aehnliches finden sich zur Genüge dargestellt. Zwischen den offenen Pflanzen finden sich auch häufig junge, noch geschlossene Exemplare (Abb. 44). Diese haben, wie schon oben bemerkt, in der Umrisslinie Aehnlichkeit mit den spitzen Blüthen von Nymphaea caerulea, bei guten Darstellungen sind sie jedoch nicht ganz spitzig, sondern etwas abgestutzt. Bemerkenswerth ist die falsche Darstellung der Kopfblätter hierbei; dieselben hüllen in Wirklichkeit fast die ganze junge Dolde ein, in den Darstellungen sind sie aber meist ebenso kurz angegeben wie bei den geöffneten Büscheln. Nur in einigen Typen aus dem neuen Reiche kann man, wie wir hier vorwegnehmen wollen, eine wesentliche Verbesserung in dieser Hinsicht bemerken. So zeigt eine Fayenceform aus Tell-Amarna (Abb. 45) uns eine junge Papyrusdolde mit langem, spitzen Hüllblatt, neben dem schon einige Doldenstrahlen hervorsehen.

Abbildung 46.

Cyperus Papyrus und Nymphaea caerulea von einem Wandgemälde aus Benihassan, Grab 2; m. R.; Dynastie 12; nach Lepsius' Tagebuch.
Das untere Ende d. Papyrus grösser dargestellt.

Aus dem mittleren Reiche mag hier ein Beispiel Platz finden, das auch den verbissensten Lotomanen deutlich über den Unterschied zwischen Nymphaea und Papyrus belehren wird (Abb. 46). Die biegsamen Stengel einiger Nymphaeen sind hier um drei starre Stiele Papyrus herumgelegt; der Papyrus hat seine Fussblätter, die bei der Nymphaea natürlich fehlen; die bewegten Seitencontouren der Papyrusdolde weichen deutlich von den straffen Aussenlinien der Nymphaeen ab, dem entsprechend auch die oberen Begrenzungslinien; die Kopfblätter des Papyrus sind nur kurz, während bei der Nymphaea alle Blätter bis zum oberen Rande gehen; endlich ist die Papyrusdolde mit einzelnen Strahlen gefüllt und die Nymphaeablüthe mit ihren spitzigen Blättern versehen.

Abbildung 47.

Papyrusornament aus einer Fayenceschale;
n. R.; Original im British Mus., nach Berl. Museum Ph. 440 gezeichnet.

Abbildung 48.

Papyrusornament von einer Scheinthür des a. R.;[47]
nach Perrot-Chipiez, I, 468.

Um noch aus einer späteren Epoche ein Beispiel anzuführen, ist hierneben ein Papyrusornament aus einer Schale des neuen Reiches abgebildet (Abb. 47). Hier sind nur aus Flüchtigkeit die Fussblätter fortgelassen, sonst ist die Darstellung genau wie die übrigen.

Abbildung 49.

Papyrusornament von einem Wandgemälde zu Benihassan, Grab 2; m. R.; nach Lepsius' Tagebuch.

Decorativ wurde der Papyrus bekanntlich ungeheuer oft verwendet. Als Füllornament an den Scheinthüren des alten Reiches dienten zwei gegeneinander gelegte, zusammengebundene Dolden (Abb. 48). Auch noch im mittleren kommen sie so vor (Abb. 49). Als freie Endigung ist Papyrus in jeder Epoche verwendet worden: an Stühlen[48], Sceptern[49], Kahnenden[50] und Aehnlichem. Ferner ist er sehr häufig als Griff von Spiegeln[51], Wedeln[52] u. s. w. Hierbei soll nicht unerwähnt bleiben, dass neben der bisher geschilderten Papyrusform, die uns für unsere Säulenfrage einzig und allein interessiert, noch eine zweite Form vorkommt, die in der Ornamentik auch häufige Verwendung findet; nämlich die Form, welche durch Zusammenfassen einer Dolde am unteren Ende entstanden ist (Abb. 50).

Abbildung 50.

Koch mit Papyruswedel, von einem Relief aus dem Grabe des Chefre'-'onch zu Giseh (Grab 75); a. R.; Dynastie 4; nach L. D. II, 16b.

Wie der Papyrus im Ornament äusserst häufig Verwendung findet, so ist er auch für die ägyptische Säule das beliebteste Motiv; auf 10 Säulen kommen etwa 8 bis 9 Papyrussäulen. Dies mag wohl daher kommen, dass der Papyrus die architektonische Idee der ägyptischen Säule, von der wir noch zu sprechen haben werden, am besten verkörpert und daher wohl den ägyptischen Künstlern für die Säulenform am sympathischsten war.

Bei diesen Säulen haben wir ähnlich wie bei den Nymphaeensäulen zu unterscheiden zwischen solchen mit geschlossenem und mit offenem Papyrusdoldenkapitell. Der früher gebräuchliche Ausdruck Knospensäulen für die geschlossenen Papyrussäulen hatte zwar so lange eine gewisse Berechtigung, wie man die Kapitelle dieser Säulenart als Lotusknospen gelten liess, da sie jedoch weder mit den Nymphaeenknospen und noch weniger mit Papyrusknospen etwas zu thun haben, muss auch der Ausdruck Knospenkapitell verworfen werden, und wir wollen lieber dafür die oben angeführten, genaueren Bezeichnungen anwenden.

Ferner haben wir auch hier wie bei den Nymphaeensäulen einfache und Bündelsäulen, die letzteren ganz wie dort in der Ueberzahl. Ja, man könnte sogar fragen, ob einfache Papyrussäulen nicht überhaupt nur ganz vereinzelte Erscheinungen wären, da nur verhältnissmässig wenig sichere Beispiele von solchen wirklich erhalten sind[53], und die abgebildeten immer die Frage offen lassen, ob der ägyptische Künstler nicht etwa nur eine Papyrusstaude gezeichnet hat, um sich die complicirte Darstellung eines Bündels zu ersparen, wie wir ja Aehnliches bereits bei den Nymphaeensäulen beobachten konnten. Auffällig ist es jedenfalls, dass alle einfachen Papyrussäulen bis auf zwei weiter unten noch anzuführende Beispiele stets Halsbänder zeigen, die im Grunde doch nur den Bündelsäulen zukommen sollten.

Da sich jedoch bei den später zu besprechenden, sicher einfachen Palmensäulen auch Halsbänder zeigen, so kann man das Auftreten oder Fehlen der Halsbänder auch nicht als Kriterium für einfache oder Bündelsäulen ansehen. Trotz dieser Schwierigkeit haben wir die einfachen Säulen von den Bündelsäulen zu trennen versucht, müssen jedoch bei einigen der einfachen die Frage offen lassen, ob sie nicht besser zu den Bündelsäulen zu zählen sind.

Bevor wir nun in die Betrachtung der Papyrussäulen mit geschlossenem Kapitell eintreten, wollen wir, um Wiederholungen zu vermeiden, noch kurz auf die charakteristischen Unterschiede hinweisen, welche die Papyrussäulen von den Nymphaeensäulen trennen. Es sind naturgemäss dieselben, welche wir in der Ornamentik im allgemeinen beobachten konnten. Die Papyrus-Säule hat Blätter an der Basis, Schwellung des Schaftes am unteren Ende, dreikantiges Stengelprofil und kurze Blätter am Kapitell.

Abbildung 51.

Einfache Papyrussäule mit geschlossenem Kapitell, von einem Relief aus Grab 14 zu Sawijet el Meitin; a. R.; nach L. D. II, 3e.

Abbildung 52.

Einfach. Papyrussäule mit geschlossenem Kapitell.
Wandgemälde aus Qurna Grab 8 des Cha'-em-hēt; n. R.; Dynastie 18; Zeit Amenophis' III. Nach L. D. III, 77c.

Die einfache Papyrussäule mit geschlossenem Kapitell lässt sich, wenn anders wir die Abbildung richtig verstehen, schon im alten Reiche nachweisen. In den Gräbern zu Sawijet el Meitin erscheint bereits die Darstellung eines solchen Kapitells (Abb. 51). Mangels jeder inneren Zeichnung lässt sich jedoch weiter nichts darüber sagen, als dass die äussere Contour auf Papyrus zu deuten scheint. Ebenso steht es mit den Säulenabbildungen aus dem Grabe des Si-renpowet bei Assuan[54], bei denen man auch nur aus der äusseren Form schliessen kann, dass Papyrussäulen gemeint sein dürften. Ob in beiden Fällen wirklich einfache Säulen dargestellt sein sollen, mag unentschieden bleiben. Aus dem mittleren Reiche fehlen wohl nur zufällig Beispiele der äusserst seltenen einfachen Papyrussäule mit geschlossenem Kapitell, dafür sind im neuen wieder einige Exemplare nachweisbar.

Von einer wohl als Bündelsäule gedachten, aber nur mit einfachem Kapitell dargestellten Säule aus der Zeit Thutmosis' III.[55] aus Semneh abgesehen, kommen zwei sehr charakteristische Beispiele aus der Zeit Amenophis' III. vor, beide im Grabe des Cha'-em-hēt zu Qurna.[56] Es sind Beispiele von schlanken Holzsäulen an Baldachinen (Abb. 52); über der Erdhügel-Basis entwickelt sich mit sanfter Schwellung ein Papyrusstengel von spitzen Fussblättern umgeben, den sich nach oben verjüngenden Schaft fassen Halsbänder mit den in jener Zeit gebräuchlichen frei flatternden Bandenden unter dem Kapitell; dieses hat die charakteristische Form des geschlossenen Papyrus, der bis auf die zu kurz und zu rundlich angegebenen Kopfblätter naturgetreu wiedergegeben ist; ein kleiner unscheinbarer Abakus stellt die Verbindung mit dem Gebälk her. Das zweite[57] hier nicht abgebildete Beispiel gleicht dem ersten bis auf eine unwesentliche Abänderung am Halsband und bis auf die ihm fehlende Basis, die bei keiner ägyptischen Säule absolut notwendig zu sein scheint.

Aus derselben Zeit, dem Ende der 18. Dynastie, stammt noch die Abbildung einer Säule (Abb. 53), welche wohl auch hierher zu den einfachen geschlossenen Papyrussäulen zu rechnen ist, trotzdem die gedrungene Form gar nichts mehr von der Schlankheit dieser Säulenart hat, sondern vielmehr an die geschlossene Bündelsäule erinnert. Die übereinander greifenden Fuss- und Kopfblätter lassen jedoch nur die Deutung einer einfachen Säule zu, falls man nicht etwa einen Irrthum des alten Malers oder ein Herübernehmen von Formen der offenen Papyrussäule annehmen will.

Damit sind die Exemplare der einfachen, geschlossenen Papyrussäule erschöpft. Aus der Spätzeit sind keine mehr bekannt, trotzdem geschlossene Papyrusdolden ganz in der Form der eben besprochenen Kapitelle an den Ptolemäischen Bündelsäulen zwischen anderen Pflanzen zu Haufen vorkommen.[58]

Die nun folgende Gattung der Papyrusbündelsäulen mit geschlossenem Dolden-Kapitell ist in der ägyptischen Architektur so zahlreich vertreten, dass wir die bisher wenigstens angestrebte Vollständigkeit in der Aufführung der Beispiele schon von vornherein aufgeben müssen und nur die besten Exempel heranziehen können, an denen sich die im Laufe der Zeiten mit dieser Säulenart vorgegangene Veränderung am deutlichsten zeigt.

Abbildung 53.

Einfache Papyrussäule mit geschlossenem Doldenkapitell von einem Wandgemälde aus Kom el ahmar (Sawijet el Meitin); n. R. Ende Dynastie 18; nach Berl. Mus. Ph. 1367 u. 68.

Das einzige und auch nur fragmentarisch erhaltene Beispiel aus dem alten Reiche (Abb. 35) können wir schnell übergehen, zumal da man wirklich nur raten kann, ob wir hier eine Papyrusbündelsäule der fraglichen Art vor uns haben.[59]