Wenn wir uns die damalige Lage der Dinge auf dem amerikanischen Kriegsschauplatze vergegenwärtigen, so werden wir die bedeutenden, wenn nicht entscheidenden Folgen der Politik Friedrich's des Großen noch besser würdigen können. Washington lag nach dem für ihn unglücklichen Feldzuge des Herbstes 1777 von Mitte Dezember bis Mitte Juni 1778 in seinen Winterquartieren zu Valley Forge, allen Entbehrungen der Jahreszeit preisgegeben, unter allen Mißbräuchen und Mängeln einer desorganisirten Verwaltung leidend. Nie bis jetzt, selbst nicht nach den Niederlagen auf Long Island, hatte die Sache der jungen Republik so schlecht gestanden, denn nie war der Geist des Volkes und seine Widerstandskraft so sehr gebeugt und entmuthigt gewesen. Die zerlumpten und hungernden armen Teufel, die kaum mehr als 5000 Mann stark zu Anfang 1778 das amerikanische Heer vorstellten und damals unter Steuben erst die Anfangsgründe der Disziplin lernten, wären keines ernsten Widerstandes fähig gewesen, wenn Howe sie mit einer überlegenen Streitmacht angegriffen hätte. Aber der englische General ließ die ihm günstigste Zeit zum Angriffe ungenützt verstreichen und entschuldigte seine Unthätigkeit mit dem Mangel an Leuten. Und gerade in diesem entscheidenden Augenblicke erlangte er die Kenntniß von Friedrich's Verbot, das ihm verläufig jede Aussicht auf weitere Verstärkungen abschnitt. Es sind darum nicht sowohl die 2000, höchstens 3000 Mann, deren verzögerte Ankunft oder gänzlicher Ausfall England so empfindlich schadete, als vielmehr die Ungewißheit für die Zukunft, welche jede sichere Berechnung ausschloß und England die Bezugsquellen für seine deutschen Verstärkungen ganz abzuschneiden drohte. Eben darin liegt die Bedeutung der Politik Friedrich's für den amerikanischen Krieg. Sie war in ihren Folgen für Washington soviel als ein neuer Bundesgenosse werth, sie gönnte ihm Zeit zur Erholung und half das Kriegsglück wenden. Ohne es zu wollen, erwies also der große König dem republikanischen Feldherrn einen wesentlichen Dienst.
Die Verträge, deren Abschluß in den vorhergehenden Kapiteln erzählt worden ist, mußten, wenn sie gültig werden und in Kraft treten sollten, selbstredend erst vom englischen Parlamente genehmigt werden, von dessen Entscheidung sogar wie bei der Armee des eigenen Landes, so auch bei den Hülfstruppen die Fortdauer und Auszahlung des Soldes für jedes neue Verwaltungsjahr abhing. Das Ministerium North konnte im damaligen Parlamente mit Hülfe der Abgeordneten vom Lande stets auf eine dienstbereite Majorität rechnen, behandelte deshalb auch in allen entscheidenden Fragen die Legislative mit einer geflissentlich zur Schau getragenen Geringschätzung und trat namentlich nach Außen hin mit einer so absoluten Sicherheit auf, als ob gar kein gesetzgebendes Votum in England existirte. Gleichwohl aber konnte es sich seinen konstitutionellen Verpflichtungen nicht entziehen und legte deshalb schon Ende Februar 1776 die mit Braunschweig, Kassel und Hanau abgeschlossenen Verträge dem Hause der Lords und Gemeinen vor.
Suffolk hatte rechtzeitig Sorge getragen, den betreffenden deutschen Fürsten die formelle Nothwendigkeit dieser Maßregel in möglichst günstigem Lichte darzustellen. Man werde sie allerdings angreifen, sogar ohne jede Schonung und in sehr harten Ausdrücken; allein das sei in einem konstitutionellen Staate einmal nicht zu vermeiden und ändere im Uebrigen nichts an dem bestehenden Vertragsverhältniß, indem Löhnung und Subsidien nach wie vor bezahlt werden würden. Diese letztere Gewißheit beruhigte denn auch die deutschen Landesväter. Eine deutsche unabhängige Presse gab es zu jener Zeit nicht. Der in allen anderen Fragen entscheidende und unabhängige Hofrath Schlözer stand als Göttingen'scher Professor mit seinem „Briefwechsel“ auf Seiten des Königs von England, druckte also keine feindseligen Parlaments-Verhandlungen ab, und so hörten denn die Unterthanen nichts von der Charakteristik, welche die Minorität des englischen Parlaments von den deutschen Herrschern entwarf. Daran, daß die Mehrheit des gebildeten und denkenden Europa sie verachtete und durch die hier mitzutheilenden Verhandlungen sie erst recht verachten lernte, lag ihnen bei der guten Bezahlung herzlich wenig.
Die Verträge wurden im Hause der Gemeinen am 29. Februar 1776 zuerst debattirt. Lord North hatte bei Motivirung ihrer Einreichung auf die Nothwendigkeit der Maßregel hingewiesen und große Wirkungen von ihr erwartet. Es könne, sagte er, hier überhaupt nur auf die Beantwortung von drei an sich ganz klaren Fragen ankommen, nämlich:
1. ob die zur Miethe vorgeschlagenen Truppen nöthig,
2. ob die Bedingungen, auf welche hin sie beschafft würden, vortheilhaft
seien,
3. ob ihre Stärke hinreiche, um die beabsichtigten Zwecke zu erreichen?
Ad 1. antwortete er, daß, da es die Absicht des Parlamentes sei, die amerikanischen Kolonieen zum Gehorsam zurückzubringen, dieselbe nicht besser als durch die Annahme dieser Maßregel erreicht werden könne, denn diese deutschen Soldaten seien wohlfeiler zu haben als englische Rekruten;
ad 2. kosteten die fremden Truppen, selbst abgesehen von ihrer verhältnißmäßigen Wohlfeilheit weniger als je vorher, zumal wenn der Krieg nur ein Jahr dauere;
ad 3. aber werde diese Streitmacht im Stande sein, vielleicht ohne fernern Blutverlust die Kolonien zu unterwerfen.
Lord Cavendish hielt die vorgeschlagene Maßregel in allen ihren Theilen für verderblich. Sie sei die erste beunruhigende Folge des amerikanischen Krieges und entehre England in den Augen von ganz Europa. Es müsse sich in der erniedrigendsten Weise an einige kleine deutsche Staaten wenden und sich Unwürdigkeiten gefallen lassen, die bisher noch nie einem gekrönten Haupte, geschweige denn dem Beherrscher eines mächtigen und reichen Königreichs geboten worden. Der Redner erklärte sich aus folgenden Gründen gegen den Vertrag: Einmal erhalte das Hülfskorps Bezahlung, ehe es nur marschirt sei, dann empfange es ein zu hohes Werbegeld per Kopf; ferner zahle man den kleinen Fürsten doppelte Subsidien, die selbst dann noch fortdauerten, nachdem die Truppen in ihre Heimath zurückgekehrt seien, und endlich führe man ein Korps von 17,000 Fremden in die Besitzungen der englischen Krone ein, ohne es der Kontrolle des Königs oder Parlaments zu unterwerfen, indem es laut Vertrag nur unter dem Kommando seiner Generale stehe.
Lord Irnham erörterte die staatsrechtliche Seite der Frage und erklärte die betreffenden Fürsten für nicht kompetent, solche Verträge, wie die zur Annahme vorliegenden, abzuschließen. Sie seien dem Kaiser Gehorsam schuldig und dürften ihr Land nicht einer Sache zu Liebe entvölkern, die in keiner Weise etwas mit dem Reiche zu thun habe, und welche dieses in den Augen Europa's verächtlich machen müsse als eine Pflanzschule für Menschen, die von Reicheren, aber Ungerechten und Sittenlosen gegen Bezahlung zur Unterdrückung der Schwachen und zur Aufrechterhaltung der Willkür gemiethet würden. „Ich will hier nicht von den Gefühlen jener Fürsten sprechen, die ihre Unterthanen für solche Zwecke zu verkaufen im Stande sind. Wir haben von Sancho Pansa's heiterm Wunsche gelesen, der für den Fall seiner Erhebung zum Fürsten bat, daß alle seine Unterthanen Mohren sein möchten, damit er sie alle verkaufen könnte und recht viel baares Geld in die Hand bekäme; aber dieser Wunsch, so lächerlich und unanständig er auch für einen Herrscher erscheinen mag, ist viel unschuldiger als die Handlungsweise der deutschen Fürsten, die ihre Unterthanen in einem zerstörenden Kriege opfern, und zu diesem Verkauf noch das Verbrechen hinzufügen, sie zur Vernichtung viel besserer Menschen, als sie selbst sind, auszusenden.“ Dann aber könne die Verpflichtung, im Nothfalle den Länderbesitz des Landgrafen zu schützen, sehr unangenehm werden. Wenn nun der Kaiser, über die Handlungsweise seiner Vasallen entrüstet, eine Exekution vornehme und an England Entschädigungs-Ansprüche mache? Dann sei der König von Preußen an seiner Thür, der offenbar die Gelegenheit ergreifen werde, die diesseitige Regierung zur Zahlung der Lstr. 600,000 zu zwingen, um die sie ihn bei dem letzten Friedensschluß gebracht haben solle. Die Verträge seien in jeder Beziehung nicht rathsam und sogar schmachvoll für die Nation; man müsse ihnen also unbedingten Widerstand entgegensetzen.
Während D. Hartley die vorgeschlagene Maßregel für die schmachvollste, unnatürlichste und heilloseste von allen bisher dem Parlament zur Annahme vorgelegten Vorschlägen erklärt, und während er vor den schlimmen Folgen warnt, welche eine derartige Hereinziehung fremder Mächte in den Streit haben müsse, und welche vor Allem jede Aussicht auf Wiederversöhnung abschneide, spricht James Luttrell sein Erstaunen darüber aus, daß sich das Ministerium jetzt an das Parlament wende, um 17,000 Deutsche nach Amerika zu senden. „Großer Gott, für welchen Zweck! Um 180,000 ihrer Landsleute zu Sklaven zu machen, von denen viele, um unsern Schutz zu suchen, ihren Tyrannen entflohen. Meine Schätzung ist noch sehr gering, denn indem ich von Georgia und West-Florida ausgehe, wo einige deutsche Niederlassungen sind, komme ich nach Pensylvanien, einer der blühendsten und größten unserer amerikanischen Kolonieen, von deren Bevölkerung mehr als die Hälfte Deutsche sind, die kaum englisch sprechen. Die deutschen Niederungen am Mohawk-Fluß, die sich hinter New-York und New-Yersey ausdehnen, sind sehr kultivirt und gelten als das beste Land jener Provinzen. Einige tausend Deutsche sind die Ansiedler und Verbesserer jenes Landes und die nächsten Nachbarn der fünf Nationen. Sie handeln mit ihnen, sprechen ihre Sprache, und die Voraussetzung ist sehr natürlich, daß sie die Indianer überreden werden, die Streitaxt gegen die Truppen des Königs zu ergreifen. Die Deutschen haben einige bedeutende Niederlassungen am Connecticut-Fluß, wenn auch nur wenige in Neu-England und im Norden leben. Es scheint mir durchaus unthunlich, diese Ansiedler durch Waffengewalt mit einer solchen Handvoll deutscher und englischer Streitkräfte erobern zu wollen, allein ich glaube, diese Maßregel bietet unseren gemietheten Truppen eine ausgezeichnete Gelegenheit zur Desertion, weil ihnen von ihren bereits angesiedelten Landsleuten Land und Schutz versprochen werden wird. Diese kriegerischen Transporte, die wir ausrüsten, dienen so gut wie die mit Pfälzern beladenen Schiffe dazu, Amerika mit Deutschen zu bevölkern. Es scheint mir deshalb keine gute Politik, diese fremden Truppen zu miethen, einmal weil sie fünf mal soviel von ihren Landsleuten in Amerika und viele Indianer veranlassen werden, in die Provinzial-Armee einzutreten, dann aber, weil sie desertiren und Land brauchen werden, wodurch wir also die gemietheten Truppen gegen uns bekommen.“
Das Ministerium gab zu, daß die Bedingungen hart und die Ausgaben stark seien, kam aber wiederholt auf die Nothwendigkeit der Maßregel zurück, da es sich im gegenwärtigen Stadium des Kampfes nur um die Frage handle, ob England Amerika aufgeben oder seine Souveränität über die dortigen Kolonien wiedererlangen solle.
Das Königreich habe immer fremde Truppen nöthig gehabt, meinte der Kriegsminister Lord Barrington — um seine Kriege zu führen und die Regierung zu stützen; im Lande selbst seien jetzt keine Rekruten zu haben, und wenn der Handel mit den fremden Truppen nicht so vortheilhaft gewesen sei, als er wohl habe sein können, so habe man, nur durch die Nothwendigkeit gezwungen, die von den fremden Fürsten vorgeschriebenen Bedingungen annehmen müssen.
Edmund Burke warf dem Ministerium mit vernichtendem Hohne vor, daß selbst zu einer Zeit, wo der Aufstand im Innern des Königreiches gewüthet und die völlige Auflösung der gesetzlich herrschenden Gewalt gedroht habe, kein so schimpflicher und theurer Handel abgeschlossen worden sei. Beim Beginne der Sitzung habe es geheißen, es solle kein fremder Soldat zur Bekämpfung der amerikanischen Kolonieen verwandt werden, jetzt könne auf einmal nichts ohne fremde Hülfe gethan werden, und zwar aus dem Grunde, weil diese letztere wohlfeiler sei. Zur Stunde lasse man auch den Vorwand der Wohlfeilheit fallen, denn es ergebe sich, daß England für jedes Tausend Fremder, die es in seinen Dienst nehme, gerade so viel bezahle als für fünfzehnhundert Eingeborene. Wenn Lord North beschuldigt werde, der Beförderer dieser Maßregel zu sein, so leugne er die Thatsache und behaupte, nur mit den übrigen Ministern des Königs gearbeitet zu haben; wenn sie aber einer andern Klasse Menschen zugeschrieben werde, so beanspruche er das ganze Verdienst dafür.
Oberst Barré, der alte Freund der amerikanischen Unabhängigkeit, fragte die Minister, ob das Tuch für die deutschen Truppen in England oder in Deutschland gekauft werden solle? Er bezweifle nicht, daß dieser Verkauf von Menschenfleisch sich für das Geschäft der Tuchfabrikanten von Hessen und Braunschweig als eben so vortheilhaft erweisen werde, als er sich schon gewinnreich für den Beutel der betreffenden Fürsten bewährt habe. Der König solle in einer Petition gebeten werden, seinen Einfluß dahin aufzubieten, daß die jetzt oder später in englischem Sold stehenden deutschen Truppen mit Tuch aus den englischen Fabriken bekleidet werden möchten. — (Es sei hier in Parenthese bemerkt, daß der König in Folge dieses Antrages den Landgrafen von Hessen auch aufforderte, das Tuch für seine Soldaten in England zu kaufen, daß dieser aber die Bitte, als außer jeder Beziehung zu seinem Vertrage stehend, kurzer Hand abwies.)
Der letzte Redner im Unterhause war der Alderman Bull, der vom Standpunkte des liberalen Londoner Bürgers aus die Verträge angriff. Der Krieg, sagte er, den man gegen Amerika führe, sei ein ungerechter; er stütze sich auf Unterdrückung und sein Ende werde Elend und Schande sein. Das Ministerium solle es nicht dahin bringen, daß die Geschichtsschreiber sagen, daß russische und deutsche Sklaven gemiethet worden, um die Söhne Englands und der Freiheit zu unterjochen, und daß unter der Herrschaft eines Fürsten aus dem Hause Braunschweig der nichtswürdige Versuch gemacht worden sei, jenen Geist auszurotten, der seine Vorfahren auf den Thron brachte und sie trotz Verrätherei und Rebellion dort befestigte.
Aber alle diese Appellationen an Ministerium und König halfen nichts, die Minorität war zu schwach, und mit 242 gegen 88 Stimmen wurden die Verträge vom Hause an das Committee of Supplies verwiesen, welches selbstredend am 4. März zu deren Gunsten berichtete.
Bei den Lords kamen die Verträge am folgenden Tage, am 5. März 1776, zur Verhandlung.
Der Herzog von Richmond beantragte zunächst, den König zu bitten, daß er Befehl gebe, den Marsch der deutschen Truppen und zugleich die Feindseligkeiten in Amerika einzustellen. Der Redner gab eine kurze Geschichte der mit dem Landgrafen von Hessen von 1702 bis 1762 abgeschlossenen Verträge, wies nach, wie sie bei jeder Gelegenheit ihre Forderungen erhöhten, bessere Bedingungen erpreßten und nie verfehlten, die frühere Erpressung als Präzedenzfall oder als Basis für einen spätern Vertrag aufzustellen. Das sei auch jetzt der Fall. Der vorletzte Vertrag habe die Subsidien nur für eine gewisse Zeit gewährt, der gegenwärtige verdoppele sie und werde England wohl anderthalb Millionen Pfund an Extrasubsidien kosten. Schlimmer als das seien aber der unbestimmte Wortlaut der Verträge, ihre zweideutige Ausdrucksweise und die darin aufgestellten gefährlichen Präzedenzfälle. Allerdings spreche der Vertrag von gegenseitiger Hülfsleistung und Bundesgenossenschaft, allein die betreffenden Ausdrücke seien nichtssagende Redensarten. Seinem Wesen nach sei der Vertrag nichts anderes, als ein nichtswürdiger Handel, um eine Anzahl Miethsknechte in Dienst zu nehmen, die gleich so und so viel Stück Vieh auf die Schlachtbank geführt werden sollten. Kein anderes gemeinschaftliches Interesse verbinde die beiden abschließenden Theile, als daß der eine möglichst viel Geld zahle und der andere möglichst viel erhalte. Aber selbst angenommen, daß die Verträge ein wirkliches Bündniß vorstellen sollten, was werde die Folge sein? England müsse im Falle eines Angriffes jenen Fürsten helfen, also für die Unterstützung von ein paar Tausend fremder Söldlinge nicht allein doppelt zahlen, sondern auch ihre Herren im Besitze ihres Gebietes schützen. Zu Ende des letzten französisch-amerikanischen Krieges habe Herr Mauduit berechnet, daß jeder französische Skalp 10,000 Pfd. gekostet habe. Die Lords möchten danach berechnen, was ein amerikanischer Skalp koste, wenn für 17,000 fremde Söldlinge anderthalb Millionen Pfund per Jahr zu bezahlen seien. Endlich aber sei die Gefahr vorhanden, daß Differenzen zwischen den Offizieren entstehen möchten und daß ein hessischer General den Oberbefehl erhalte, wenn dem Kommandirenden in Amerika etwas zustoßen sollte.
Lord Suffolk (der uns schon bekannte Minister des Auswärtigen) vertheidigte natürlich dem Vorredner gegenüber die Politik der Regierung. Es habe derselbe — sagt er — keinen einzigen gewichtigen und stichhaltigen Grund gegen die zur Annahme vorliegenden Verträge vorgebracht, noch ein einziges Beispiel angegeben, wo von den früheren Verträgen mit den betreffenden Fürsten im Wesentlichen abgewichen sei. Im Inhalte stimmten sie beide überein, nur enthalte einer der gegenwärtigen Verträge einige pomphafte, hochtönende Phrasen mehr. Die Absicht des Ministeriums sei kein Bündniß mit Hessen gewesen, sondern nur die, ein Korps Truppen zu miethen, welches der Krieg in Amerika nöthig gemacht habe. Wenn der Krieg in einem Jahre beendet werde, so sei der Handel äußerst vortheilhaft, weil dann nur eine jährliche doppelte Subsidie gezahlt zu werden brauche, die einer einfachen Subsidie für zwei Jahre gleich komme. Wenn nun der Krieg zwei Jahre dauere, so verliere die Regierung weder, noch gewinne sie, weil zwei Jahre doppelter Subsidien vier Jahren einfacher Subsidien gleich seien. Wenn aber der Krieg länger als zwei Jahre dauere, dann müsse er bekennen, sei der Vertrag unvortheilhaft für England. Aber selbst ungünstige Bedingungen müsse man hinnehmen, wenn man die Truppen brauche. Die Frage könne also nur lauten, ob man sie nöthig habe? Diese Frage müsse unbedingt bejaht werden. Zudem seien die Bedingungen, unter denen die Truppen geliefert worden, leicht und günstig, denn unter Berücksichtigung aller Umstände, der kurzen Frist, der Unannehmlichkeit des Dienstes in solcher Entfernung von Europa, sei er, der Redner, fast erstaunt, daß England diese Soldaten so billig erhalten habe. Der zum Schlusse vom Herzog von Richmond vorgebrachte Einwand zerfalle in sich, da der kommandirende General immer höher stehe als ein selbst im Dienstalter über ihm stehender General; die Gefahr, durch irgend welchen Zufall oder ein Unglück einen Fremden zum Obergeneral zu erhalten, sei also nicht vorhanden.
Der Earl von Carlisle stimmte mit der Ausführung des Lord Suffolk überein und wies darauf hin, daß, da einmal Zwangsmaßregeln gegen Amerika angewandt werden müßten, man auf das Ausland zur Beschaffung der außerordentlichen Werkzeuge zur Ausführung dieses Zweckes angewiesen sei. Die große Zahl der Hände, welche zur Betreibung der englischen Manufakturen täglich nöthiger werde, die geringe Erfahrung neu Ausgehobener und der Wunsch, die gegenwärtigen Unruhen so schnell als möglich zu beenden, habe die Verwendung fremder Truppen an Stelle der einheimischen als am geeignetsten erscheinen lassen. Kein unbefangen Urtheilender werde leugnen, daß England beim besten Willen nicht die erforderliche Anzahl Soldaten besitze, um die Operationen auszuführen, welche der Dienst in Amerika nothwendiger Weise verlange.
Des Königs Bruder, der Herzog von Cumberland, stimmte dagegen mit der Opposition. „Ich bin von Anfang an — sagte er — gegen jede Art Gewaltmaßregel gewesen, und mißbillige deshalb die Politik der Minister. Ich bedauere aus diesem Grunde auch, daß ich sehen muß, wie Braunschweiger, die einst zu ihrer eigenen großen Ehre die Freiheiten der Unterthanen so tapfer vertheidigten, jetzt ausgesandt werden, um die konstitutionellen Freiheiten in einem andern Theile dieses großen Reiches zu unterdrücken.“
Die übrigen Redner, wie der Herzog von Manchester, Earl von Effingham und Lord Camden, welche sich dem Herzog von Cumberland anschlossen, sagten mit Ausnahme von Lord Camden nicht viel Neues. „Wenn ich die Verträge recht verstehe — meinte dieser — so enthalten sie ein Uebereinkommen mit dem Herzog von Braunschweig, mit dem Landgrafen von Hessen-Kassel und dem Grafen von Hanau für eine bestimmte Anzahl Truppen zu einem bestimmten Preise. Um diesem Handel den Schein dessen zu geben, was er nicht ist, wurde das Ganze mit hochtönenden Redensarten von einer Allianz ausstaffirt, die sich auf gemeinschaftliche Interessen und gemeinschaftliche Hülfeleistung stützt, als ob diese kleinen Staaten beim Ausgang des zwischen uns und Amerika schwebenden Krieges irgend wie betheiligt wären. Die ganze Verhandlung ist nichts als ein Gewebe von Lug und Trug, wie es noch nie einem Hause des Parlaments aufgeschwindelt wurde; sie ist nichts als ein gemeiner Schacher für die Miethe von Truppen auf der einen Seite und der Verkauf menschlichen Blutes auf der andern Seite, und die armen in ihr Schicksal ergebenen Teufel, welche so für die Abschlachtung verkauft worden, sind armselige Söldlinge im schlimmsten Sinne des Wortes. Jetzt blicken Sie auf die Verträge in ihrem wahren Lichte, in ihrer ganzen Nacktheit! Wir bezahlen nicht allein mehr für diese Miethlinge als je vorher, sondern treten sogar, statt die uns gebotenen Vortheile zu benutzen, in ein Offensiv- und Defensiv-Bündniß mit jenen kleinen Fürsten, ja wir verpfänden die Ehre der Nation und setzen uns allen bösen Folgen eines Kontinentalkrieges aus. Aber schlimmer als das ist die Behauptung, daß wir die zur Durchführung des Krieges erforderlichen Mannschaften hier zu Lande nicht auftreiben können, und daß folglich die vorliegenden Verträge, welchen begründeten Einwendungen sie auch ausgesetzt sein mögen, eine bittere Nothwendigkeit für uns sind. Diese Behauptung als richtig vorausgesetzt, würde unsre Rettung ausschließlich von Fremden abhängen, und all unsre gerühmte Macht, Vorzüge, wie Reichthum und Ansehen im Ausland wären sehr wenig werth, ja wir könnten keine einzige Segnung äußerer Stärke oder innern Glückes länger genießen, als es unsere würdigen Freunde, die Soldatenvermiether, uns gnädigst erlauben würden. Ich bin einer entgegengesetzten Ansicht. Sollten wir aber wirklich von den Fremden abhängen, so sind auch unsere Freiheiten und unsere Unabhängigkeit dahin.“
So wenig sich auch gegen diese Anklagen und Beweisführung einwenden ließ, so blieb die Opposition doch mit 32 gegen 100 Stimmen bei der Abstimmung in der Minorität. Das Ministerium hatte offenbar darin Recht, daß, nachdem einmal beschlossen worden war, den Krieg zu führen, man auch die Soldaten zu seiner Durchführung beschaffen mußte, und daß diese in England selbst beim besten Willen nicht zu erlangen waren. Die parlamentarischen Gegner der Maßregel sahen zwar recht gut ein, daß ihr Widerstand die bereits feststehende Politik Englands nicht ändern würde, indessen benutzten sie die ihnen noch einmal gebotene Gelegenheit, ihrer Abneigung gegen den Krieg mit Amerika Worte zu leihen und die verlangten Truppen zu verweigern. Von diesem Gesichtspunkte aus muß man auch die nachstehende Adresse auffassen, welche die in der Minorität gebliebenen zweiunddreißig Lords an den König richteten:
„Wir, Ew. Majestät getreue und gehorsame Unterthanen und im Parlament versammelte geistliche und weltliche Lords, bitten gehorsamst, Ew. Majestät vorstellen zu dürfen, daß wir mit dem tiefsten Kummer die Verträge gesehen haben, welche Ew. Majestät auf den Rath Ihrer Minister mit ihren Durchlauchten, dem Herzog von Braunschweig, dem Landgrafen von Hessen-Kassel und dem Grafen von Hanau abzuschließen und diesem Hause mitzutheilen geruht haben.
„Wir erlauben uns gehorsamst, Ew. Majestät die Gefahr und Schmach vorzustellen, welche diese unbesonnene Maßregel im Gefolge hat, wenn es bei dem ersten Versuche Großbritanniens, seine Kolonieen zu unterjochen, schon für nöthig erachtet wird, eine Armee fremder Söldlinge zu miethen und dadurch vor ganz Europa anzuerkennen, daß diese Königreiche entweder aus Mangel an Menschen oder aus deren Abneigung für diese Art Dienst unfähig sind, eine für den ersten Feldzug hinlängliche Anzahl Eingeborener zu stellen. Zu gleicher Zeit ist es für uns eine traurige Betrachtung, daß die Herausziehung der nationalen Streitkräfte aus dem Lande (so schwach sie auch für den beabsichtigten unseligen Zweck sein mögen) das Königreich seiner Vertheidigung berauben und den Einfall mächtiger Nachbaren und fremder Völker preisgeben wird.
„Wir bitten ferner, Ew. Majestät gehorsamst vorstellen zu dürfen, daß, wenn auch die Gerechtigkeit und Billigkeit dieses unnatürlichen Krieges von einem so großen Theil Ihrer Unterthanen nicht in Frage gestellt wird, doch eine selbst von einzelnen Zugeständnissen begleitete Versöhnung mit den Kolonieen einer gesunden Politik weit mehr entsprechen wird, als daß man die Verfolgung der Feindseligkeiten Ausländern anvertraut, auf die wir uns nicht verlassen können, Ausländern, welche bei einer so großen Entfernung von ihrer Heimath und unter dem Einfluß der Strapazen des Krieges, der sie nichts angeht und ihnen so viele Versuchungen bietet, die Knechtschaft mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher zur Meuterei und Desertion neigen, als treu und gewissenhaft mit Ew. Majestät geborenen Unterthanen handeln und kämpfen werden.
„Ebensowenig dürfen wir Ew. Majestät die Besorgniß verhehlen, die wir wegen der Tragweite einzelner in den verschiedenen Verträgen enthaltenen Artikel fühlen, wonach Sie die Macht haben, diese Truppen in irgend einem Theil vor Europa zu verwenden. Dadurch werden also Mittel beschafft, selbst in dieses Königreich eine fremde Armee einzuführen. Wir können aber Ew. Majestät Ministern nicht so weit vertrauen, um vorauszusetzen, daß sie zu gewissenhaft sein würden, um Ihnen eine solche Maßregel anzurathen, zumal sie schon fremde Truppen in zwei unserer wichtigsten und stärksten Festungen gelegt und sich erboten haben, noch 4000 Fremde ohne vorherige Genehmigung des Parlaments nach dem Königreich Irland zu schicken. Wir haben vielmehr gerechten Grund zur Befürchtung, daß die Kolonieen, wenn sie hören, wie England auswärtige Bündnisse eingeht und fremde Truppen zu ihrer Vernichtung miethet, sich für berechtigt halten werden, das gegebene Beispiel nachzuahmen und ähnliche Hülfe zu suchen; ja daß Frankreich, Spanien, Preußen und andere europäische Mächte sich ebensogut wie Hessen, Braunschweig und Hanau für befugt erachten werden, sich in unsern häuslichen Zwist einzumischen. Wenn dann, was sehr möglich ist, aus diesen Schritten die Flammen eines europäischen Krieges angefacht werden sollten, so denken wir mit Schrecken an die Lage dieses Landes, welches den furchtbaren Angriffen mächtiger Feinde zu einer Zeit Widerstand leisten soll, wo die Kraft und Blüthe der Nation auf der andern Seite der Welt zu nutzlosen Kriegszügen vergeudet wird.
„Sodann fürchten wir, daß der Vertrag, der dem Landgrafen von Hessen nicht blos im Falle eines Angriffes oder einer Beunruhigung in seinen Besitzungen allen in der Macht Ew. Majestät liegenden Beistand sichert, sondern diesen Beistand sogar so lange fortsetzt, bis der Landgraf volle Sicherheit und gerechte Schadloshaltung erlangt haben wird; daß dieser Vertrag das Königreich zwingt, ohne irgend eine Gegenleistung an jedem Streit auf dem Kontinent Theil zu nehmen, in welchen Seine Durchlaucht verwickelt werden sollte. Oder was für Hülfe könnte diese Insel von einem winzigen Ländchen im Herzen Deutschlands erwarten, aus welchem schon mehr Truppen gezogen sind, als es zu seiner eigenen Vertheidigung nöthig hat, und dessen Einkünfte nicht hinreichen, ohne die gezahlten Subsidien selbst diejenigen Soldaten zu unterhalten, welche es vermiethet hat? Es will uns deshalb scheinen, als ob diese Verpflichtung Großbritanniens zur Vertheidigung und Entschädigung des Landgrafen als ein Theil des Preises, zu welchem es die gemietheten Truppen bezahlt, angesehen werden muß. Wenn diese Kosten, die unmöglich abgeschätzt werden können, zu den enormen Ausgaben für Werbegeld, für Vervollständigung der in den verschiedenen Korps eingetretenen Verluste und für ordentliche und außerordentliche Subsidien, selbst nach der Rückkehr der Truppen in ihre Heimath, hinzugefügt werden, so können wir in Wahrheit sagen, daß England noch nie zuvor einen so kostspieligen, ungleichen, unehrenhaften und in seinen Folgen so gefährlichen Vertrag abgeschlossen hat.
Wir flehen deshalb Ew. Majestät unterthänigst an, sofortigen Befehl zu geben, daß die hessischen, braunschweigischen und hanauischen Truppen nicht marschiren, und daß die Feindseligkeiten in Amerika eingestellt werden, damit eine schleunige und dauernde Wiederversöhnung zwischen den streitenden Parteien dieses in sich zerrissenen Reiches angebahnt werden könne.“ —
Natürlich diente dieser Protest nur dazu, den Standpunkt der Minderheit zu wahren; auch er wurde mit 100 gegen 32 Stimmen von den Lords verworfen und blieb deshalb ein todter Buchstabe. Nachdem sich das Parlament einmal mit großer Majorität für die Zweckmäßigkeit der vom Ministerium befolgten Politik ausgesprochen und die drei ersten Verträge mit Braunschweig, Kassel und Hanau genehmigt hatte, standen den ferneren Truppenlieferungen seitens Waldeck's, Anspach's und Zerbst's um so weniger Hindernisse im Wege, als die betreffenden Verträge sich in ihren wesentlichen Bestimmungen an ihre Vorgänger anlehnten und zum Theil günstiger für England waren. Es genügt hier also die kurze Bemerkung, daß die drei letzten Verträge ohne jede Debatte von beiden Häusern angenommen wurden.
Uebrigens verhielt sich die öffentliche Meinung Europa's diesem Menschenhandel gegenüber im Ganzen ziemlich gleichgültig. Es waren nur die hervorragendsten Geister Englands, Frankreichs und Deutschlands, welche das Verbrechen in seiner ganzen Tragweite erkannten und an den Pranger stellten. Während die Worte der Opposition im englischen Parlament ungehört verhallten oder in den unvollständigen Berichten seiner Sitzungen begraben wurden, nahm ein zu jener Zeit in Holland lebender, kaum bekannter französischer Flüchtling, der zwölf Jahre später Europa's größter Volkstribun wurde, im Namen der Menschlichkeit und der Ideen des Jahrhunderts das Wort gegen England und die es bedienenden deutschen Fürsten. Dieser Mann war kein geringerer als Mirabeau, der revolutionäre Titan, der mit der alten Ordnung der Dinge kämpfte und sie endlich glücklich über den Haufen werfen half, damals noch nicht der vom Kampf ermüdete, vom Lebensgenuß erschöpfte Ringer, der mit dem unterliegenden Königthum einen Vergleich eingehen wollte. Seine der öffentlichen Meinung des denkenden Europa vorgelegte Anklage hatte gerade deshalb einen so unermeßlichen Erfolg, weil ihre begeisterten unwilligen Worte in der Sprache Rousseau's gedacht waren, weil ihre ganze Anschauung in der Philosophie jener Zeit wurzelte; sie wirkte deshalb so drastisch und unmittelbar, weil sie unbekümmert um Herkommen, Ueberlieferung und Geschichte die schlummernde Thatkraft in den Unterdrückten zu wecken suchte. Was uns jetzt als Phrase erscheint, war im Munde Mirabeaus und seiner Zeitgenossen das höchste Pathos.
Der Titel dieser vom Landgrafen von Hessen eiligst aufgekauften und darum höchst selten gewordenen Flugschrift heißt[6]: „Rath an die Hessen und die übrigen von ihren Fürsten an England verkauften Völker Deutschlands“. Ihr Inhalt folge hier unverkürzt; er lautet:
„Unerschrockene Deutsche! Welches Schandmal laßt Ihr Euch auf Eure edle Stirne brennen? Ist es dahin gekommen, daß am Ende des achtzehnten Jahrhunderts die Völker Mittel-Europa's die Söldlinge eines verhaßten Despotismus spielen? Ist es dahin gekommen, daß die braven Deutschen, die ihre eigene Freiheit so verzweifelt gegen die Eroberer der Welt vertheidigten und den römischen Heeren Trotz boten, gleich elenden Negern verkauft werden und ihr Blut im Interesse der Tyrannen zu verspritzen suchen? Ist es dahin gekommen, daß unter Euch Menschenhandel getrieben, Eure Städte entvölkert, und Eure Lande ausgesaugt werden, um übermüthige Lords in der Verwüstung einer andern Hemisphäre zu unterstützen? Wollt Ihr die blinde Verstocktheit Eurer Herren noch länger theilen? Ihr, wackere Soldaten! Die treuen und festen Stützen ihrer Macht! jener Macht, die ihnen nur zum Schutze ihrer Unterthanen anvertraut wurde! Ihr seid verkauft und für welchen Zweck? Gerechter Himmel! Wie Vieh in fremden Schiffen zusammengepfercht, werdet Ihr über's Meer geführt! Ihr trotzt den Klippen und Stürmen, um gegen Leute zu kämpfen, die Euch nicht gekränkt haben, die eine gerechte Sache verfechten und die Euch das herrlichste Beispiel geben! Ach! warum ahmt Ihr sie nicht nach, diese muthigen Männer, anstatt daß Ihr sie zu verderben sucht? Sie brechen ihre Ketten, sie kämpfen für die Wahrung ihrer natürlichen Rechte, für die Sicherung ihrer Freiheit. Sie reichen Euch die Hand entgegen; sie sind Eure Brüder; die Natur hat sie dazu gemacht und gesellige Bande haben diesen heiligen Titel bestätigt. Mehr als die Hälfte dieses Volkes besteht aus Euren Landsleuten, Freunden und Verwandten. Sie sind bis an's Ende der Erde geflohen, um der Tyrannei zu entgehen, und die Tyrannei verfolgt sie bis dahin. Unterdrücker, die ebenso habgierig als undankbar sind, haben Ketten für sie geschmiedet und die hochsinnigen Amerikaner haben Waffen aus diesen Ketten geschmiedet, zum Widerstande gegen die Unterdrücker. Die neue Welt steht daher im Begriffe, Euch zu den Ungeheuern zu zählen, welche sie aus Geld- und Blutdurst verheert haben! Deutsche, die Ihr Euch immer durch Biederkeit auszeichnetet, schreckt Ihr nicht zurück vor einem solchen Vorwurfe?
Muß man zu diesen Beweggründen, die auf alle Männer so überzeugend wirken, auch noch jene fügen, welche das Interesse von Sklaven ebenso nahe berühren, wie das freier Bürger? Wißt Ihr denn auch, welch ein Volk Ihr anzugreifen im Begriffe seid? Wißt Ihr wohl, welche Kraft im Fanatismus für die Freiheit ruht? Es ist dies der einzige Fanatismus, den man nicht hassen kann, sondern achten muß, und doch ist er der mächtigste unter allen Arten von Fanatismus. Ihr kennt ihn nicht, blinde Menschen, die Ihr vor dem gehässigsten Despotismus kriecht, welcher Euch zum Verbrechen treibt, und Euch doch noch frei dünkt; Ihr kennt ihn nicht, Ihr, welche die Laune der Habgier eines Despoten gegen Leute bewaffnen kann, die sich um das ganze Menschengeschlecht verdient machen, weil sie dessen Sache verfechten und ihm ein Asyl bereiten.
Oh ihr Söldlinge und Tyrannenknechte! Entnervte Europäer! Ihr geht zum Streit gegen Männer, die stärker, tüchtiger, kühner und rascher sind als Ihr möglicher Weise sein könnt! Sie sind von großartigen Interessen beseelt, Euch leitet nur schmutziger Gewinn; sie vertheidigen ihr Eigenthum und kämpfen für ihren häuslichen Heerd, Ihr verlaßt Euren Heerd und kämpft nicht für Euch selbst. Sie führen Krieg im Schooße ihres Vaterlandes, unter einem gewohnten Klima, unterstützt von allen Hülfsmitteln, welche die Heimath bietet, und zwar gegen eine Bande, welche der Ozean ausgespieen hat, nachdem er sie zur Niederlage reif gemacht. Die mächtigsten und heiligsten Beweggründe entflammen ihren Muth und leiten ihre Schritte zum Sieg. Führer, die Euch verachten, während sie Euch benützen, werden der unwiderstehlichen Beredsamkeit der Freiheit, des Bedürfnisses und der Nothwendigkeit, nur leeren Wortkram entgegenzusetzen haben. Endlich, um das Ganze in ein Wort zusammenzufassen, ist die Sache der Amerikaner eine gerechte, während Himmel und Erde diejenigen verdammen, die zu unterstützen Ihr Euch nicht schämt.
Deutsche, wer hat Euch diese Kampfwuth, diese barbarische Mordlust, diese abscheuliche Hingebung an die Tyrannei eingeflößt?.... Nein! ich will Euch nicht mit den fanatischen Spaniern vergleichen, die aus Lust an der Zerstörung zerstörten, die sich in Blut badeten, als die erschöpfte Natur ihre unersättliche Habgier einer noch wildern Leidenschaft Platz zu machen zwang. Edlere Gefühle und leichter zu entschuldigende Irrthümer mißleiten Euch. Diese Treue gegen Eure Fürsten, welche schon Eure Vorfahren auszeichnete; diese Gewohnheit zu gehorchen, ohne zu bedenken, daß es Pflichten gebe, die heiliger sind als der Gehorsam und welche allen übrigen vorangehen; diese Leichtgläubigkeit, welche Euch der Leitung einiger unüberlegter und ehrgeiziger Männer folgen heißt — das sind Eure Fehler; aber sie werden zu Verbrechen, wenn Ihr nicht am Rande des Abgrundes inne haltet. Schon sind sich Eure Landsleute, die Euch vorangegangen, ihrer Blindheit bewußt und die Wohlthaten dieses Volkes, das sie noch vor kurzer Zeit abschlachten halfen und welches sie jetzt, wo es nicht mehr das Schwert des Henkers in ihren Händen sieht, wie Brüder behandelt, erschweren ihre Gewissensbisse und vervielfältigen ihre Reue.
Zieht Nutzen aus ihrem Beispiele, Soldaten! Denkt an Eure Ehre, denkt an Eure Rechte! Habt Ihr nicht denselben Anspruch darauf wie Eure Fürsten? Ja, ohne Zweifel, aber diese Wahrheit ist noch nicht genug ausgesprochen. Menschen stehen höher als Fürsten, die größtentheils dieses Namens nicht würdig sind. Ueberlaßt es ehrlosen Hofschranzen und Gotteslästerern, die königlichen Vorrechte und deren Unbeschränktheit zu preisen, und vergeßt nicht, daß Alle nicht für Einen gemacht wurden, daß es eine höhere Macht giebt als fürstliche Macht, daß der, welcher ein Verbrechen zu begehen befiehlt, keinen Gehorsam verdient und daß mithin Euer Gewissen der höchste unter Euren Herrschern ist. Fragt dieses Gewissen, und es wird Euch sagen, daß Ihr Euer Blut nur für das eigene Vaterland vergießen sollt, daß es abscheulich ist, einige tausend Meilen weit zu gehen, um Leute niederzumetzeln, die kein anderes Verhältniß zu Euch kennen als ein solches, das ihnen Euer Wohlwollen sichern sollte.
Das Mutterland giebt vor, einen gerechten Krieg zu führen, während es sich selbst erschöpft, um seine Kinder zu verderben. Es verlangt seine Rechte und will dieselben nur mit dem Donner der Schlacht besprechen. Aber habt Ihr diese Rechte — mögen sie nun wohl begründet sein oder nicht — geprüft? Steht es Euch zu, in dieser Streitsache zu Gericht zu sitzen? Steht es Euch zu, das Urtheil zu fällen oder es zu vollstrecken? Und worauf laufen diese leeren Ansprüche, die so zweifelhaft sind und so viel bestritten wurden, am Ende hinaus? Der Mensch hat überall, in der ganzen Welt ein Recht auf Glückseligkeit. Dies ist das höchste Gesetz, dies ist der beste Rechtsanspruch. Kolonisten ziehen nicht hinaus und bebauen wilde Gegenden, vermehren die Macht und vergrößern den Ruhm des Mutterlandes, um von diesem unterdrückt zu werden. Und wenn sie unterdrückt werden, so haben sie ein Recht, das Joch abzuschütteln, denn das Joch wurde nicht für den Menschen gemacht.
Und wer sagte Euch, daß die Engländer das Aechtungs-Urtheil, das über die Amerikaner gesprochen wurde, unterzeichnet haben? Wackere Deutsche! Schmäht nicht durch einen solchen Verdacht eine Nation, die große Männer und vortreffliche Gesetze hervorgebracht, die das heilige Feuer der Freiheit so lange in ihrem Busen genährt hat und deshalb Achtung und Rücksicht verdient. Ach! Auf den britischen Inseln wie überall in der Welt wiegelt eine kleine Zahl ehrgeiziger Menschen das Volk auf und führt allgemeines Unglück herbei. Die Engländer wurden unglücklicher Weise in einen Krieg mit ihren Brüdern verwickelt, weil auch unter ihnen der Despotismus seit einigen Jahren mit Erfolg die Freiheit bekämpfte. Schmeichelt Euch nicht mit dem Gedanken, daß Ihr die Sache der Engländer vertheidigt. Ihr kämpft nur für die Vergrößerung der Macht gewisser Minister, welche sie verachten und verabscheuen.
Wollt Ihr die wahren Beweggründe kennen lernen, welche Euch die Waffen in die Hand gaben? Eitler Luxus und übermäßige Verschwendung haben die Finanzen der Fürsten, die Euch beherrschen, zu Grunde gerichtet. Ihre Hülfsquellen sind erschöpft und das Vertrauen ihrer Nachbaren haben sie zu oft getäuscht, als daß sie sich von Neuem an sie wenden könnten. Um es wiederzugewinnen, müßten sie auf jene verschwenderischen Ausgaben und auf die tollen Genüsse verzichten, deren Befriedigung ihre wichtigste Beschäftigung ist. Dazu können sie sich nicht entschließen, das wollen sie nicht thun. England braucht Soldaten und Geld und kauft beides zu theueren Preisen. Eure Fürsten beuten dieses augenblickliche Bedürfniß mit der größten Gier aus; sie heben Truppen aus, verkaufen sie und liefern sie ab. Das ist die Bestimmung Eurer Armee, dies das Ziel, dem Ihr entgegen geht. Euer Blut ist der Preis der Verderbtheit und der Spielball des Ehrgeizes. Das Geld, welches der Schacher mit Eurem Leben einträgt, wird zur Bezahlung schändlicher Schulden verwendet oder zur Kontrahirung neuer benutzt werden. Ein gieriger Wucherer, eine verächtliche Maitresse oder ein gemeiner Komödiant wird die Guineen in die Tasche schieben, welche gegen Euer Leben eingetauscht wurden.
O Ihr blinden Verschwender, die Ihr mit Menschenleben spielt und die Früchte ihrer Arbeit und ihres Schweißes vergeudet, späte Reue und nagende Gewissensbisse werden Eure Henker sein; aber diese können das Volk nicht trösten, das Ihr unter Eure Füße tretet. Ihr werdet Eure Arbeiter und deren Ernten, Eure Soldaten und Unterthanen vermissen, Ihr werdet weinen über das Unheil, dessen Urheber Ihr gewesen und das Euch selbst wie Euer ganzes Volk erdrücken wird. Ein furchtbarer Nachbar lacht über Eure Blindheit und bereitet sich vor, daraus Nutzen zu ziehen. Er schmiedet bereits die Ketten, in die er Euch schlagen wird; Ihr werdet unter der Last seines Joches seufzen und Euer Gewissen, welches dann gerechter sein wird als Euer fühlloses Herz, wird die rächende Furie des Uebels sein, welches Ihr gethan habt.
Und Ihr, betrogene, erniedrigte und verkaufte Völker, Ihr solltet über Eure Irrthümer erröthen! Laßt den Schleier von Euren Augen fallen und flieht den Boden, der vom Despotismus befleckt ist. Durchkreuzt das Meer, flieht nach Amerika; aber umarmt Eure Brüder, vertheidigt dieses edle Volk gegen die übermüthige Raubsucht seiner Verfolger, theilt sein Glück und vermehrt seine Stärke. Helft ihm durch Euren Fleiß und eignet Euch seine Reichthümer an, indem Ihr sie vergrößert; dies ist der Zweck der Gesellschaft, dies ist die Pflicht des Menschen, den die Natur dazu bestimmt hat, seinen Nächsten zu lieben, anstatt abzuschlachten. Lernt von den Amerikanern die Kunst, frei und glücklich zu sein, die Kunst, gesellschaftliche Einrichtungen zum Vortheile jedes Mitgliedes der Gesellschaft zu verwenden. Vergeßt in den geräumigen Zufluchtstätten, welche sie der duldenden Menschheit eröffnen, die Bethörung, deren Theilnehmer und Opfer Ihr waret. Begreift, was wahre Größe, wahrer Ruhm und wahres Glück ist. Mögen europäische Völker Euch beneiden und die Mäßigung der Bürger der neuen Welt segnen, die darauf verzichten werden, sie für ihre Verbrechen zu bestrafen und ihre entvölkerten Gebiete zu erobern, welche von tyrannischen Unterdrückern beherrscht und von den Thränen elender Sklaven befeuchtet werden.“
Der Landgraf von Hessen, nicht zufrieden mit dem Aufkauf der Mirabeau'schen Schrift, suchte diese sogar durch eine Antwort zu widerlegen, welche den Titel führte: „Vernünftiger Rath an die Hessen“ und sich selbstredend auf die feudalen Legitimitätslehren stützte. Mirabeau entgegnete ihm aber in einer „Erwiderung auf den vernünftigen Rath“, worin er, durch die Beweisführung des Gegners genöthigt, mehr auf die leitenden Grundsätze eingeht. „Wenn die Gewalt — sagt er dort — willkürlich und unterdrückend wird, wenn sie das Eigenthum angreift, zu dessen Schutz sie eingesetzt ist, wenn sie den Vertrag bricht, welcher ihr ihre Rechte sicherte und beschränkte, dann wird der Widerstand Pflicht und kann nicht Empörung heißen. Wenn das nicht wahr ist, dann sind die Holländer sammt und sonders Verbrecher und Empörer. Wer sich bemüht, seine Freiheit wieder zu erlangen und für dieselbe kämpft, der übt ein gesetzliches Recht aus; die Empörung dagegen ist eine durchaus gesetzliche Handlung. Das Verbrechen gegen die Freiheit der Völker ist die größte Unthat.“
Gegen diese und ähnliche Ausführungen ließ der Landgraf durch seinen Minister Schlieffen Artikel in die holländischen Zeitungen rücken, welche damals die gelesensten, weil einzig zensurfreien, waren. Auf Seiten Mirabeau's kämpfte noch der bekannte Abt Raynal, gegen den sich bald die ganze Wuth des Angriffs richtete, weil seine historischen Arbeiten ihm einen weitern Leserkreis sicherten, und er damals der Bekanntere von Beiden war.
Uebrigens scheint Schlieffen sich Mirabeau gegenüber nicht bloß auf eine literarische Fehde beschränkt zu haben. Einige Anzeichen deuten vielmehr darauf hin, daß er an der Auslieferung seines Gegners durch die Generalstaaten nicht unbetheiligt war. Mirabeau und Sophie waren am 7. Oktober 1776 in Amsterdam angekommen und lebten hier still und zurückgezogen, bis sie durch einen französischen Polizeispion entdeckt und am 14. Mai 1777 verhaftet wurden. Der „Avis aux Hessois“ war zu Anfang 1777 erschienen. Nun behaupten zwar die Biographen Mirabeau's, daß lediglich der alte Marquis und die Eltern Sophie's die Verhaftung der Flüchtlinge verlangt und durch den französischen Minister Vergennes unterstützt, auch bewirkt hätten; allein die Quellen, die sie anführen, sind sehr lückenhaft und theilweise sogar ganz hinfällig. So ist es z.B. unmöglich, daß am 14. Mai die Verhaftung auf Grund eines Urtheils hätte erfolgen können, welches, wie das in Pontarlier gegen Mirabeau und Sophie erlassene, am 10. Mai 1777, also nur vier Tage früher gesprochen war. Ein Erkenntniß lag also noch nicht vor, als die Auslieferungsverhandlungen begannen; es waren vielmehr nur Familienrücksichten und persönliche Rache der nächsten Angehörigen, welche mit Hülfe der französischen Diplomatie das betreffende Gesuch an die Generalstaaten stellten. Eine Verpflichtung derselben konnte nicht geltend gemacht werden; der Privatantrag eines französischen Grafen, wenn er auch vom Minister unterstützt wurde, gab noch keinen Grund ab, ihm willfährig zu sein. Selbst befreundeteren Mächten als der damaligen französischen Regierung gegenüber, hatten die Generalstaaten ganz besonders eifersüchtig das Asylrecht gewahrt, und wenn ihnen zu jener Zeit Mirabeau auch nur als eine gewöhnliche katilinarische Existenz galt, wie sie zu Dutzenden in Amsterdam lebten, so lag doch nach holländischer Anschauung keine Veranlassung vor, gegen ihn einzuschreiten. Es müssen also noch andere Gründe mit untergelaufen sein, welche das gegen Mirabeau heraufziehende Unheil zum Ausbruch und den Becher zum Ueberlaufen brachten. Und sollten nicht gerade hier die Klagen des kasseler Landgrafen und seines Ministers Schlieffen Beschwerden die letzten Tropfen, wenn nicht die bestimmenden Faktoren gewesen sein? Derartige Beeinträchtigungen des Geschäfts, wie sie der Rath an die Hessen enthielt, griffen den Landgrafen an seiner empfindlichsten Seite an. Die Holländer hatten alle Ursache, ihn zu schonen; sie waren seine alten Kunden und Geschäftsfreunde. Seine Brüder und Vorfahren hatten in holländischen Diensten gestanden oder standen noch darin; kurz die Generalstaaten thaten im eignen Interesse wohl daran, einem so gewissenhaften Lieferanten sich gefällig zu zeigen. Zudem war der Dienst, den er verlangte, nicht sehr groß; einem Mann wie Mirabeau gegenüber, der die herrschende Gewalt gegen sich hatte, konnte man um so leichter über Bedenken und Zweifel hinwegkommen, als Frankreich's Minister ja auch thätig für den die Auslieferung verlangenden Vater mit eintrat.
Am 10. Mai 1777 schrieb der damalige amerikanische Geschäftsträger in Holland, C.W.T. Dumas aus Amsterdam an den Ausschuß der auswärtigen Angelegenheiten in Philadelphia (Dipl. Corresp. IX., 318), daß der Verfasser des „Rathes an die Hessen“ verhaftet werden solle, was, wie oben angegeben, wirklich einige Tage später geschah. Warum, sagt der in jeder Beziehung gut unterrichtete Dumas nicht, daß Mirabeau ausgeliefert werden solle, warum nennt er diesen, der in den politischen Kreisen allgemein als Verfasser dieser Flugschrift bekannt war, nicht mit seinem Namen und bezeichnet ihn kurzweg als politischen Schriftsteller? Offenbar doch nur, weil er dessen persönliche Verhältnisse nicht kannte oder weil er sie in einem politischen Berichte für ganz untergeordnet hielt, kurz, weil er die Verhaftung des Mannes in eine sachliche Verbindung mit seiner Flugschrift brachte und weil diese Angelegenheit für seine Auftraggeber von großem politischen Interesse war.
Nach Mirabeau kam Raynal an die Reihe, gegen den sich freilich nur mit der Feder, wenn auch unglücklich polemisiren ließ. „Es ist schlimm — sagt Schlieffen in einer 1782 französisch geschriebenen Antwort gegen den „Deklamateur“ Raynal, welche füglich als Muster der hessischen „wahren Philosophie“ gelten kann, — daß die Menschen sich unter einander erwürgen; aber sie haben es von Nimrod an gethan bis auf Louis XVI.; es ist schlimm, daß sie zuweilen sich, ja ihre Unterthanen wegen fremden Streites vermiethen, aber es ist immer so gewesen von den Griechen an bis auf die Schweizer. Die 10,000 Griechen unter Xenophon waren dem jungen Cyrus wegen der Bezahlung gefolgt. Xantippus, der Besieger des Regulus, war ein lacedämonischer Söldling in Carthago. Warum also unsere Zeitgenossen für ein Vergehen verantwortlich machen, welches zu allen Zeiten dasselbe war und in der menschlichen Natur zu liegen scheint?
Im Mittelalter war die Gewohnheit, sich zu vermiethen, allgemein, namentlich bei den Deutschen, daher auch der heutige hessische Subsidien-Vertrag vielleicht der zehnte seit Anfang des Jahrhunderts. Ende vorigen Jahrhunderts schickte Venedig die Hessen nach Griechenland gegen die Türken; sie belagerten Athen und brachten ihrem Herrn für seine Museen Alterthümer von dort mit. Der Landgraf tritt also nur in die Fußtapfen seiner Vorgänger; aber diese verminderten die Steuern nicht, bauten nicht, erwiesen dem Lande keine Wohlthaten. Sein Volk liebt ihn wie einen Segen spendenden Vater; seine Stände errichten ihm schon bei Lebzeiten eine Statue. Und diesen Fürsten wagt ein Abbé Raynal, der ihn gar nicht kennt, geizig, geldgierig zu nennen!
Aber was geht dieser Krieg, heißt es, deutsche Fürsten an? Für Anhalt und Waldeck mag das der Fall sein; aber der Landgraf und Prinz von Hessen, sowie der Herzog von Braunschweig sind mit dem englischen Königshause nahe verwandt; ihre Nachkommen können eines Tages den englischen Thron besteigen.
Die Entfernung und das Klima schaden nichts. England, Frankreich und Spanien führen dort auch Krieg; die Hessen sind jetzt sechs Jahre dort und haben verhältnißmäßig nicht viel Leute verloren. Aber schadet diese Entvölkerung dem Lande nicht? Sie würde es vielleicht in einem großen Lande thun. In einem kleinen Staate dagegen ist das Verhältniß ein anderes, so lange hier Hände genug für den Landbau und die Industrie vorhanden sind. Die Hessen würden, wie die Schweizer, auch sonst in's Ausland wandern und somit dem Staate ohne Vortheil verloren gehen. Mißbräuche beim Einstellen unter's Militär mögen wohl hie und da vorkommen, allein das sind Ausnahmen. Wenn man den „Deklamatoren“ glauben wollte, so warteten diese uniformirten Sklaven, die von barbarischen Herren zur Unterdrückung der Freiheit der neuen Welt verkauft sind, nur auf die erste günstige Gelegenheit, um ihre Ketten abzuschütteln. Aber die drei bei Trenton gefangenen hessischen Bataillone liefern den Beweis des Gegentheils; nur wenige von ihnen haben sich unter den Amerikanern niedergelassen.
In den Augen dieser Zwitterphilosophen gilt diese Gleichgültigkeit der deutschen Soldaten gegen die Reize einer Gottheit, die ihnen so schön gemalt wird, als der tiefste Grad der Erniedrigung der menschlichen Vortrefflichkeit. In den Augen des unterrichteten Mannes dagegen ist es nur eine verschiedene Anschauungsweise; denn der Hesse sieht ohne Zweifel, daß der Amerikaner nicht freier ist, als er selbst; daß ein vom Kongreß angestellter Oberst ein ebenso roher Vorgesetzter ist als der vom Landgrafen ernannte, und daß ein Richter von Germantown nicht besser als ein Amtmann von Kassel oder Ziegenhayn ist.
Es handelt sich vor Allem um die individuelle Freiheit; sie ist überall prekär und Veränderungen unterworfen, wie die Gesundheit. Das Individuum ist in Amsterdam, Paris und Genf eben so frei, unterdrückt und beengt. Aber hüten wir uns, diese kostbare Freiheit mit der Sirene zu verwechseln, die ihre Maske blos trägt, um die Unglücklichen zu täuschen, die ihre verrätherische Stimme verführt, mit der gerühmten politischen Freiheit mancher Staaten, welche der persönlichen Freiheit häufig so schroff gegenüber steht, wie der härteste Despotismus. Die Jahrbücher der Geschichte zeigen, daß die republikanischen Regierungen eben so tyrannisch und grausam sind als die monarchischen. Der aufgeklärte Bürger weiß, woran er sich zu halten hat; aber der unwissende Enthusiast, der Schwachkopf, der nicht nachdenken kann, läßt sich leicht vom Bilde dieser falschen Freiheitsgöttin verführen. Es ist Zeit, daß die wahre Philosophie uns gegen die traurigen Verführungen ihrer Bastardschwester schütze.“
Größere Aufmerksamkeit als diese Zeitungs-Artikel und Abhandlungen erregte jedoch der kleine Pamphletkrieg, der von den französischen Feinden Englands und der deutschen Fürsten von Holland aus geführt wurde und sich die Aufgabe stellte, die Amerikaner immer wieder siegen zu lassen oder die Fürsten in den Augen des gebildeten Europa lächerlich und verächtlich zu machen. Selbst Franklin schöpfte in seinen Briefen in die Heimath oft, ohne es nur zu wissen, aus dieser keineswegs reinen Quelle, wenn er z.B. als neueste erfreuliche Thatsache die im vorigen Kapitel erwähnte Anekdote meldet, daß Friedrich der Große von den Minden passirenden Hessen den Viehzoll erhoben habe, weil sie ja als Vieh verkauft seien, wie er denn auch allen Ernstes glaubte, daß der Markgraf von Anspach in Holland vom Pöbel verfolgt und verhöhnt worden sei. Die englischen Oppositionszeitungen machten sich ein besonderes Geschäft daraus, diese vom Parteiinteresse erfundenen Anekdoten weiter zu verbreiten. Natürlich fanden sie in der damaligen amerikanischen Presse stets ihr getreues Echo.
Unter diesen zahllosen Tendenzlügen hat besonders ein Brief unverdientes Aufsehen gemacht und sich bis auf den heutigen Tag erhalten, den der Graf Schaumburg, Prinz von Hessen-Kassel, am 8. Februar 1777 aus Rom an den Oberbefehlshaber der hessischen Truppen in Amerika, von Hohendorff, geschrieben haben soll; er hat der kritik- und gedankenlosen Geschichtsschreibung so viel Kopfzerbrechens verursacht, daß die Frage ob seiner Echtheit der Gegenstand verschiedener Artikel und Ausführungen geworden ist. Dieser Brief scheint zuerst durch Löher's mehr patriotisches als kritisches Werk über die Geschichte der Deutschen in Amerika in der Heimath bekannt geworden zu sein. Er lautet:
„Baron Hohendorff! Ich erhielt zu Rom bei meiner Zurückkunft aus Neapel Ihren Brief vom 27. Dez.v.J. Ich ersah daraus mit unaussprechlichem Vergnügen, welchen Muth meine Truppen entfalteten, und Sie können sich meine Freude denken, als ich las, daß von 1950 Hessen, die im Gefechte waren, nur 300 entflohen. Da wären dann gerade 1650 erschlagen und ich kann nicht genug Ihrer Klugheit anempfehlen, eine genaue Liste an meinen Bevollmächtigten in London zu senden. Diese Vorsicht würde um so mehr nöthig sein, als die dem englischen Minister zugesandte Liste aufweist, daß nur 1455 gefallen seien. Auf diesem Wege sollte ich 160,050 fl. verlieren. Nach der Rechnung des Lords von der Schatzkammer würde ich blos 483,450 fl. bekommen, statt 643,000 fl. Sie sehen wohl ein, daß ich in meiner Forderung durch einen Rechnungsfehler gekränkt werden soll, und Sie werden sich daher die äußerste Mühe geben, zu beweisen, daß Ihre Liste genau ist und die seinige unrichtig. Der britische Hof wendet ein, daß nur 100 verwundet seien, für welche sie nicht den Preis von todten Leuten zu bezahlen brauchten.... Erinnern Sie daran, daß von den 300 Lazedämoniern, welche den Paß bei Thermopylä vertheidigten, nicht Einer zurückkam. Ich wäre glücklich, wenn ich dasselbe von meinen braven Hessen sagen könnte. Sagen Sie Major Mindorf, daß ich außerordentlich unzufrieden bin mit seinem Benehmen, weil er die 300 Mann gerettet habe, welche von Trenton entflohen. Während des ganzen Feldzugs sind nicht 10 von seinen Leuten gefallen.“ — — —
Wenn nur einer der Abschreiber sich die Mühe gegeben hätte, den hessen-kassel'schen Truppenlieferungs-Vertrag vom 31. Januar 1776 nachzulesen, so würde er sofort den schlagendsten Beweis für die Unechtheit des obigen Briefes gefunden haben. Der Landgraf von Hessen hatte es nämlich, wie wir bereits im vierten Kapitel gesehen haben, für vortheilhafter gehalten, den englischen Vorschlag, sich die Gefallenen und Todten baar vergüten zu lassen, nicht anzunehmen, weil er ohne Kontrolle sein wollte und weil er dadurch, daß er die nicht mehr vorhandenen Soldaten auf der Präsenzliste noch eine Zeit lang fortführte, mehr Geld in seine Tasche spielen konnte. Abgesehen von diesem im Wesen der Sache liegenden Grunde, sind die äußeren Unwahrscheinlichkeiten nicht minder groß. Einmal gab es keinen Grafen von Schaumburg, Prinzen von Hessen-Kassel, dann aber gab es weder einen Herrn von Hohendorff, noch einen Major Mindorf, endlich aber war es zu jener Zeit unmöglich, daß ein Brief vom 27. Dezember schon am 8. Februar in Rom sein konnte. In England selbst traf die Hiobspost von der Niederlage bei Trenton erst gegen Mitte Februar ein; eine direktere Verbindung mit Europa existirte damals aber nicht.
Dieser Brief ist nichts als die amerikanische Verballhornung eines französischen Pamphlets, welches offenbar aus den Mirabeau'schen Kreisen hervorgegangen ist und im Anhang nachgelesen werden mag; er erschien in den vierziger Jahren, zur Blüthezeit der nativistischen Bewegung, als ein „Campaignpaper“ gegen die Fremden, besonders uns Deutsche, und Herr Löher, scheint es, hat ihn auf Treu und Glauben als echt angenommen und aus einer St. Louiser Zeitung abgeschrieben. In Amerika glaubt man noch heute an seine Echtheit.
Uebrigens ist nichts unwahrer und verlogener, als die weinerliche Sentimentalität, mit welcher kleinstaatliche deutsche Offiziere für den Landgrafen von Hessen gerade wegen dieses Briefes in die Schranken getreten sind. Als ob ein deutscher Fürst einer so zynischen Offenheit gar nicht fähig gewesen wäre! Zu welchem Zwecke stiehlt er denn tausend und aber tausend Unglückliche, als um Geld aus ihnen herauszuschlagen? Zu welchem Ende bittet der Herzog von Braunschweig den englischen Minister, die bei Saratoga geschlagenen Braunschweiger ja nicht in die Heimath zurückzuschicken? Doch aus keinem andern Grunde, als um sich durch die wahre Schilderung, welche die Zurückgekehrten voraussichtlich von ihren Leiden in Amerika machen würden, die Fortsetzung des gewinnreichen Geschäfts nicht zu verderben. Warum reist der Markgraf von Anspach so eilig aus der Residenz ab, daß er sogar seine Uhr auf dem Tische liegen läßt und nicht einmal ein frisches Hemd mitnimmt, ja, warum begleitet er im rauhen Winter seine Truppen bis Holland? Einfach, weil er eine neue Meuterei und den Verlust seiner Subsidien befürchtet und weil er nicht beabsichtigt, einen so reichen in Aussicht stehenden Gewinn fahren zu lassen. Die sittliche Entrüstung über den Verfasser dieses „monströsen“ Briefes ist also gar nicht am Platze, dagegen ist sie den Fürsten gegenüber, die Anlaß zu seiner Erfindung gegeben haben, vollkommen gerechtfertigt. Der Pamphletist hat nur die logischen Folgerungen aus den fürstlichen Prämissen gezogen. Wer in Fleisch und Blut handelt, will natürlich auch seine Waare bezahlt haben; je mehr er erhält, desto besser! Das ist ein einfaches Rechen-Exempel. Aufstellungen und Berechnungen, welche den Gegenstand des fraglichen Briefes bilden, wurden von den bei der Seelenverkäuferei betheiligten Fürsten fast täglich beim englischen Ministerium eingereicht; sie stritten sich jahrein, jahraus mit diesem um Pfennige, Groschen und Thaler herum, und einem einzigen Todten wurde lediglich aus finanziellen Gründen mehr Aufmerksamkeit erwiesen, als fünfzig Lebendigen. Der Pamphletist hat also nichts gethan, als den gegebenen Fall in seinen haarsträubenden Konsequenzen ausgeführt und dadurch das Treiben der deutschen Fürsten in seiner ganzen Verächtlichkeit gezeigt.
Daß übrigens die Versicherungen dieser Herren von ihrer unbegränzten Treue, ihrem gehorsamen Ersterben, ihrer unterthänigen Verehrung der hohen Tugenden ihres erhabenen und großherzigen Beschützers, des Königs von England, in Wirklichkeit wenig oder vielmehr gar nichts bedeuteten, daß sie schnöde Redensarten waren, um sich desto besser und glatter ein gewinnbringendes Geschäft zu sichern, diese Thatsache ergiebt sich ganz unmittelbar aus einem Briefe, den Franklin am 9. August 1780 aus Passy an den Präsidenten des Kongresses richtete. „Der deutsche Fürst — schreibt er — der mir vor einigen Monaten anbot, dem Kongreß Truppen zu liefern, dringt wiederholt auf Antwort. Ich machte ihm keine große Hoffnungen, sondern gab ihm zu verstehen, daß Sie voraussichtlich einen derartigen Vorschlag nicht annehmen würden.“ (Franklin's Werke VIII., 490.) Wer dieser von Franklin nicht genannte Fürst war, ist ganz gleichgültig. Er handelte jeden Falls im Einklang mit der Ueberlieferung seiner Standesgenossen, welche — siehe S.21 und 22 — womöglich ihre Truppen an beide Krieg führenden Parteien verkauften. Wenn der persönliche Haß gegen „die Rebellen“ auch groß war, ihr Geld war nicht schlechter als das englische, und wenn man einen guten Vertrag bekam, so lag gar nichts daran, ob der verkaufte Soldat auf republikanischer oder königlicher Seite fiel.
In derselben vernichtenden Weise wie Mirabeau und seine politischen Freunde spricht sich auf deutscher Seite Schiller in „Kabale und Liebe“ gegen den Soldatenhandel aus. Er hatte wie Mirabeau persönlich, wenn auch nicht so lange Zeit, den Despotismus kennen gelernt und zeichnete also nach der Natur. Die grausige Darstellung eines Zustandes, in welchem der Privilegirte Alles wagen konnte, der Unglückliche Alles verlieren mußte, bildet den Vorwurf eines Stückes, dessen zweiter Akt speziell auf die Unglücklichen zurückkommt, welche von ihren Fürsten nach Amerika verkauft waren. Es geschieht dies an der Stelle, wo die gutherzige Lady Milford — es ist charakteristisch für die Zeit, daß eine fremde Maitresse die edelste Person an einem deutschen Hofe ist — voll Verachtung und Entsetzen die Diamanten zurückweist, als sie erfährt, daß sie mit dem für die verkauften Soldaten gewonnenen Gelde beschafft sind. „Gestern — sagt der Kammerdiener — sind 7000 Landeskinder nach Amerika fort die zahlen Alles; ich habe auch ein paar Söhne darunter.“ „Doch keine gezwungenen?“ fragt die Lady. „O Gott nein — fährt der Kammerdiener fort — lauter Freiwillige! Es traten wohl etliche vorlaute Bursche vor die Front und fragten den Obersten, wie theuer der Fürst das Joch Menschen verkaufe? Aber unser gnädigster Landesfürst ließ alle Regimenter auf dem Paradeplatz aufmarschiren und die Maulaffen niederschießen. Wir hörten die Büchsen knallen, sahen ihr Gehirn auf's Pflaster spritzen, und die ganze Armee schrie: Juchhe nach Amerika! Die Herrlichkeit hättet Ihr nicht versäumen sollen, wie uns die gellenden Trommeln verkündigten, es ist Zeit, und heulende Waisen dort einen lebendigen Vater verfolgten, und hier eine wüthende Mutter lief, ihr säugendes Kind am Bajonette zu spießen, und wie man Braut und Bräutigam mit Säbelhieben auseinander riß, und wie Graubärte verzweiflungsvoll dastanden und den Burschen noch zuletzt die Krücken nachwarfen in die neue Welt! O! und mitunter das polternde Wirbelschlagen, damit der Allwissende uns nicht sollte beten hören! — — Noch am Stadtthore drehten sie sich um und schrieen: Gott mit Euch, Weib und Kinder! Es lebe unser Landesvater, am jüngsten Gerichte sind wir wieder da!“
Als Modell des hier gezeichneten Landesvaters hat dem Dichter offenbar der Markgraf von Anspach gedient, dessen Truppen sich beim Ausmarsche empörten, während in Lady Milford eher die Gräfin Franziska Hohenheim, die Maitresse des würtembergischen Herzogs, als Lady Craven, die Maitresse des Anspachers, geschildert zu sein scheint. Es war übrigens ein Glück für den jungen Dichter und für Deutschland, daß in Folge der preußischen Chikanen Karl Eugen mit dem englischen Minister des Handels nicht einig wurde, und daß demnach die würtembergischen Truppen zu Hause blieben, denn sonst hätte der junge „Regimentsmedikus“ sehr leicht eine „Berufsreise“ nach Amerika antreten und die Studien zu seiner Nadowessischen Todtenklage unter den Mohawks oder Mohikans machen können.
Wenn Schiller auch die Stimmungen und Gefühle eines großen Theils der gebildeten deutschen Jugend ausspricht, so verhielt sich Deutschland im Ganzen doch gleichgültig gegen diese erzwungene Betheiligung seiner Söhne am amerikanischen Kriege. Eine eigentliche politische Ueberzeugung und selbständige politische Interessen, folglich politische Parteien, gab es vor 1789 in Deutschland nicht. Politische Fragen im heutigen Sinne des Wortes kannten damals selbst die bedeutendsten Geister der Nation kaum. Es ist eine in dieser Beziehung höchst charakteristische Erscheinung, daß unser größter deutscher Dichter, der im ersten Jahre des amerikanischen Krieges seinen Triumpheinzug in Weimar hielt und gerade während desselben seinen Ruhm in Deutschland fest begründete, daß Goethe so wenig von den Ereignissen jenseits des Ozeans berührt wurde, daß er sie höchstens zwei Mal vorübergehend erwähnt. Das eine Mal spielt er ziemlich schüchtern und versteckt auf den Soldatenhandel an. Es geschieht dies, wie neuerdings überzeugend von Adolf Schöll nachgewiesen wurde, in dem 1781 verfaßten Scherzgedichte: „Das Neueste aus Plundersweilen.“ Es wird hier gleich zu Anfang die Erweiterung des Ortes und die Zunahme seiner Bevölkerung gerühmt, dann heißt es: