Blut. Das normale Blut besteht aus einer farblosen wässerigen Flüssigkeit und darin schwimmenden zellenähnlichen rothen und auch farblosen (weissen) Körperchen, den sogenannten Blutkörperchen. Diese werden von einigen für Zellen, von anderen für keine Zellen gehalten, obgleich ihnen alle die Eigenschaften angehören, welche an der lebenden Zelle angetroffen werden. Die rothen im Blute des Menschen in grösster Menge vertretenen Blutkörperchen oder Blutzellen erscheinen unter dem Mikroskop als kreisrunde, etwas biconcave, durchsichtige, farblose oder gelbliche Scheiben mit klar hervortretendem Kugelschatten, die unter Einfluss des Wassers die Gestalt hyaliner sphärischer Bläschen annehmen. Sie zeigen sich oft geldrollenähnlich an einander gereiht (Fig. 154). Lässt man Glaubersalz zwischen Objectglas und Deckglas treten, so tritt eine Contraction der Blutkörperchen ein, der Schatten tritt näher an die Ränder der Scheiben, die Ränder gestalten sich allmählich verzerrt, eckig, zerrissen, gezackt, gekerbt.
Blutkörperchen,
1200mal vergr. a auf der Kante stehend,
b flach liegend.
Blutkörperchen,
freiliegend u. geldrollenähnlich aneinanderhängend,
500mal vergr.
Rothe Blutzellen.
200malige Vergrösserung. a Im frischen Blute, b nach der Einwirkung des Wassers,
c im eingetrockneten Blute.
Blutzellen.
800–900malige Vergr. b Rothe Blutzellen, b eine rothe Blutzelle im Verticaldurchschnitt
c rothe Blutzellen im Wasser macerirt, d weisse Blutzellen, e eine solche mit einer Fettgranulation
beladen, f solche nach der Einwirkung des Wassers, g eine solche nach der
Einwirkung der Essigsäure.
Die weissen Blutkörperchen, farblose Blutzellen, Lymphkörperchen, werden stets nur in wenigen Exemplaren im normalen Blute angetroffen, höchstens 5 unter 1000 rothen Blutzellen. Sie sind ungefähr 1/3 grösser als die rothen, und zeigen bei starker Vergrösserung eine zart granulirte Oberfläche und derselben entsprechend eine feincrenulirte Contour.
Wenn man einen Tropfen Blut auf einem Objectglase einige Minuten sich selbst überlässt, so schrumpfen die Blutkörperchen ein und man trifft sie dann meist zackig gerändert. Geschieht die Eintrocknung schnell durch warme Luft oder unter der Luftpumpe, so behalten sie dagegen meist ihre Form.
| Fig. 157. | Fig. 158. | |
| Blutkörperchen | ||
| in langsam eingetrocknetem Blute, 600mal vergr. |
in schnell eingetrocknetem Blute, 600mal vergr. | |
Wie Glaubersalz zerstören andere Salzlösungen, schwache Säuren und schwache alkalische Laugen die Blutkörperchen, dagegen nicht concentrirte Aetzlaugen. Eingetrocknete Blutkörperchen schwellen in letzteren an und werden dadurch wieder sichtbar. In einem dünnen Scheibchen geronnenen Blutes findet man die Blutkörperchen in der faserig erscheinenden Fibrinschicht gebettet.
| Fig. 159. | Fig. 160. | |
| Blutkörperchen | ||
| im geronnenen Blute. 600mal vergr. | der Vögel. Vergr. | |
Die Blutkörperchen sind bei den Säugethieren meist rund, beim Menschen kreisrund und etwas biconcav, bei den anderen Säugethieren, besonders den Wiederkäuern sind sie meist kleiner (beim Kameel, Dromedar, Lama grösser und elliptisch-biconvex). Die Blutkörperchen der Vögel sind länglich-oval, in der Mitte etwas erhaben; die der Fische und Amphibien ebenfalls länglich oder elliptisch, flach oder etwas convex, die der letzteren aber sehr gross.
Der durchschnittliche Durchmesser der Blutkörperscheibchen beträgt beim:
| Menschen | 0,0074–0,0080 | mm. | |
| Schwein | 0,0060–0,0065 | „ | |
| Rind | 0,0054–0,0060 | „ | |
| Schaf | 0,0040–0,0048 | „ | |
| Hasen | 0,0065–0,0070 | „ | |
| Pferd | 0,0050–0,0055 | „ | |
| Hund | 0,0070–0,0075 | „ | |
| Huhn | 0,0070–0,0081 | „ | in der Breite |
| „ | 0,0120–0,0135 | „ | in der Länge. |
Bei der Untersuchung einer Substanz, welche man für Blut hält, pflegt man zuerst ihr Verhalten gegen Wasser zu prüfen.
Man bedeckt z. B. die Substanz mit 1–2 Tropfen Wasser. Ist sie eingetrocknetes Blut, so wird sie je nach ihrem Alter früher oder später an ihrer Oberfläche etwas aufquellen und sich das Wasser anfangs gelb, dann rothgelb, endlich dunkelroth färben. Lässt man dann den Tropfen abfliessen, so wird sich bei Musterung der benetzt gewesenen Stelle mit einem Vergrösserungsglase das netzartige Geflecht des Fibrins erkennen lassen. Betupft man dasselbe mit einer verdünnten Jodjodkaliumlösung, so wird es sich dunkelbraun färben.
Steht eine reichliche Menge der blutähnlichen Substanz zu Gebote, so giebt man eine senfkorn- bis linsengrosse Menge in einen Reagircylinder, übergiesst sie mit einigen Cubikcentimetern destillirtem Wasser, und mischt sie so einige Zeit unter nur sehr sanftem Schütteln. Nachdem sich das Wasser gefärbt hat, wird es schon nach sehr sanftem Schütteln an seinem Niveau einen Schaum bilden. Diese Eigenthümlichkeit des bluthaltigen Wassers nennt man Spumescenz. Diese lässt sich selbst an einem Tropfen der Flüssigkeit auf dem Objectglase beobachten, wenn man das Deckgläschen wiederholt hebt und abwärts drückt.
Die vorstehend erhaltene wässrige Blutlösung im Tageslichte beobachtet zeigt Dichroïsmus, d. h. im durchfallenden Lichte erscheint sie gelbroth oder roth, im reflectirten Lichte grünlich oder grün.
Die Grundlage der rothen Farbe des Blutes ist mit Haemoglobin bezeichnet worden. Dieses Haemoglobin besteht aus einer eiweissartigen Substanz und Haematin, einem eisenhaltigen Farbstoff. Wirken auf diese Verbindung Alkalien oder Säuren ein, so wird sie zersetzt und der Blutfarbstoff, das Haematin frei gemacht und unter gewissen Verhältnissen in Krystalle verwandelt. Deshalb nannte man diesen Blutfarbstoff früher Haematokrystallin.
Als eine sehr geeignete Flüssigkeit, die rothen Blutzellen von eingetrocknetem Blute oder Blutflecken behufs der mikroskopischen Untersuchung aufzunehmen, und das Haematin aus seiner Eiweissverbindung abzuscheiden, ist nach Roussin ein Gemisch aus 3 Th. Glycerin, 1 Th. concentrirter Schwefelsäure und 35 Th. Wasser.
Es soll sich der Blutfarbstoff der Säugethiere (nicht der Vögel) an und für sich in Krystalle verwandeln lassen und er dabei verschiedene je nach Art der Thiere aber ziemlich bestimmte Formen annehmen. Die prismatische Krystallform soll beim Menschen und vielen Säugethieren, die tetraëdrische beim Meerschweinchen und der Maus, hexagonale Tafeln bei dem Eichhörnchen, die Rhomboëderform beim Hamster etc. vorwalten. Zur Darstellung dieser Krystalle soll man nach Funke einen Tropfen Blut auf das Objectglas bringen und, nachdem er 3–4 Minuten an der Luft gestanden hat, mit einem Tropfen Wasser versetzen. Nach mehrmaligem Anhauchen legt man ein Deckgläschen darauf und stellt das Ganze an einen hellen Ort zur Verdunstung. Gut soll es sein, die Fläche des Objectglases, worauf der Tropfen Blut gegeben wird, vorher mit Seidenzeug recht tüchtig zu reiben. Die Krystallbildung gelingt übrigens in dieser Weise nicht leicht und ist es nothwendig, gleichzeitig 2–3 Objecte herzustellen.
Wichtig für die Untersuchung der Blutflecke ist die Darstellung der Teichmann’schen Häminkrystalle. Das Haematin hat nämlich eine grosse Verwandtschaft zur Salzsäure, und diese Verbindung hat eine vorwiegende Neigung zu krystallisiren. Diese Teichmann’schen Häminkrystalle sind Haematinhydrochloratkrystalle. Zu ihrer Darstellung aus Blutflecken wird die wässrige, nicht zu dünne Blutlösung (2–3 Cubikcentimeter) mit einigen Tropfen Eisessig und einer sehr geringen Menge (circa 1 Ctgr.) Kochsalz versetzt. Werden dann einige Tropfen der Lösung auf einem Objectglase an einem lauwarmen Orte abgedunstet, so beobachtet man unter dem Mikroskop die braunrothen bis schwarzbraunen Haematinhydrochloratkrystalle in Form rhombischer Nadeln und Täfelchen. Man kann auch die trockne, pulverig zerriebene blutähnliche Masse nach Zusatz einer unbedeutenden Menge Kochsalz mit Aetherweingeist, welcher mit wenigen Tropfen Eisessig versetzt ist, extrahiren und diese durch Glaswolle filtrirte Lösung verdunsten lassen, um dieselben Krystalle zu erlangen. Der Kochsalzzusatz ist nur ein Ersatz des im Blute von Hause aus vorhandenen Chlorids, im Falle die Blutsubstanz der Einwirkung von Wasser ausgesetzt war.
Haematinhydrochloratkrystalle. Teichmann’sche Haeminkrystalle.
350–400malige Vergr.
Auch fauliges, selbst altes eingetrocknetes Blut liefert diese Krystalle. Brücke giebt folgende Anweisung zur Untersuchung der Blutflecke. Die Flüssigkeit, welche man durch kaltes Ausziehen mit destillirtem Wasser aus dem Blutfleck gewonnen hat, lässt man, mit einem sehr kleinen Körnchen Kochsalz versetzt, in einem Uhrglase unter der Luftpumpe oder über Schwefelsäure verdunsten oder an freier Luft eintrocknen. Dann durchmustert man das Uhrglas unter dem Objectiv, ob sich nicht etwa Krystalle darauf befinden, die den Haeminkrystallen ähnlich sind und damit verwechselt werden können. Hierauf übertropft man den Boden des Uhrglases mit Eisessig und verdampft denselben an einem warmen Orte von 50–80° C. Nun giebt man einen Tropfen destillirtes Wasser auf das Uhrglas, nimmt damit den Rückstand auf und bringt die Mischung auf Objectgläsern unter das Mikroskop. Ein bohnengrosser Blutfleck liefert viele tausende dieser kleinen, gelben bis braunrothen Haeminkrystalle in Form von rhombischen Tafeln und Säulen, oft sich kreuzend über einander lagernd. Sie sind in Essigsäure, Salzsäure, Weingeist, Wasser unlöslich, dagegen löslich in Aetzalkalien und concentrirter Schwefelsäure. Im Uebrigen gelangt man rascher zum Ziele, wenn man das mit dem Blutflecke bedeckte ausgeschnittene Stück Zeug oder das mit dem Fleck bedeckte Scheibchen Holz, oder die von einer Metallplatte abgekratzte blutfleckenartige Masse in einem Probircylinder mit Eisessig aufkocht, heiss und rasch filtrirt und die Flüssigkeit in einem flachen Glasschälchen an einem warmen Orte eintrocknet. Bei frischem Blute ist der Zusatz von Kochsalz gerade nicht nothwendig.