Der Sänger frommen Lied's, der heit're Fabeldichter,
Und Deutschlands Juvenal, der feine Sittenrichter,
Sie pflegten hier zu ruh'n, nach Zwiesprach ernst und traut.

Lohnende Ausflüge sind: Grosshorn oder die Panoramahöhe; Zwieselgrund und Zwieselmühle; Gersdorf mit Ruine und der Napoleonstein, so genannt, weil Napoleon I. bei den häufigen Gefechten in jener Gegend ihn wiederholt besucht hat.

Gottleuba, Stadt an der Einmündung der Fuhde in die Gottleube, 1414 F. ü. M., mit 812 E. Prächtig gelegen im tiefen Thal, zwischen hohen Felsen. – Unfern Gottleuba bildet der Langhennersdorfer Bach einen ansehnlichen Wasserfall.

Bei dem böhmischen Dorfe Peterswalde fanden die Vorkämpfe zur Schlacht bei Kulm (29. u. 30. August 1813) statt. Der russische General Ostermann hatte einen Sturm auf die Peterswalder Höhen befohlen, um die Franzosen vom Egerthal fern zu halten. Aber Vandamme trieb die Angreifer zurück und folgte ihnen, voll Ungestüms, über Nollendorf hinab in den Thalkessel. Er erobert Kulm; die Russen (8000 Mann) können nur durch mörderischen Kampf (dem General Ostermann riss eine Kanonenkugel die linke Hand weg) ihre Stellung behaupten. Unterdessen hatte sich der preussische General Kleist genähert, um dem Feinde den Rückzug abzuschneiden. Am nächsten Tag erneuert sich die Schlacht: die Russen und ein zu ihnen gestossener österreichischer Heerhaufen leisten den tapfersten Widerstand; Kleist zieht nach Nollendorf, fällt dem französischen Korps in den Rücken und zwingt es, sich zu ergeben.

2. Ueber Mügeln, Glashütte, Lauenstein. (2 Tage). – Von Dresden mit Eisenbahn bis Mügeln (II. Kl. 6 Ngr., III. Kl. 4½ Ngr.) Zu Fuss nach Dohna, durch den Sürsener Grund nach Maxen, herab nach Mühlbach; nun das schöne Müglitzthal hinauf: über Schlottwitz nach Glashütte und weiter durch Bärenhecke und Bärenstein nach Lauenstein, wo man übernachtet. Wer die Strasse nicht liebt, kann eine Stunde oberhalb Schlottwitz links den Fussweg über Dittersdorf und Börnchen nach Lauenstein einschlagen. – Die Post fährt von Mügeln bis Lauenstein 4 St. 25 M.

Am folgenden Tag begiebt man sich über Löwenhain, Fürstenau und Voigtsdorf auf das Mückenthürmchen, wo man wegen des sich darbietenden Naturgenusses Station macht.

Mügeln, Dorf mit 444 E., unfern des Einflusses der Müglitz in die Elbe. – Zwischen Mügeln und Pirna Gross-Sedlitz, königliches Schloss mit schönem Garten.

Dohna, Stadt an der Müglitz, 544 F. ü. M., mit 1683 E. War einst der Sitz mächtiger Burggrafen, die aber wegen ihrer Befehdungen zu Anfang des 15. Jahrhunderts vertrieben wurden. – Im Mittelalter hatte der Ort einen berühmten Schöppenstuhl, Dohnaisches Mal u. Ritterding genannt.

Maxen, Dorf mit 694 E., hat grosse Kalk- und Marmorbrüche. Hier lebte der Stifter der Schillerlotterie, Major von Serre. In der Nähe fand 1759 der Finkenfang d. i. die Gefangennahme des preussischen Generals Fink v. Finkenstein mit 10,000 Mann durch die Oesterreicher statt.

Glashütte, Stadt am Einflusse des Briesnitzbaches in die Müglitz, 1003 F. ü. M., mit 1573 E. Verdankt Entstehung und Namen dem Bergbau auf Glaserz, welches auch verhüttet wurde. Seit dem 30jährigen Kriege ist der Bergbau zum Erliegen gekommen. Jetzt blüht im Orte die Fabrikation von Taschenuhren. Die Kirche enthält einige werthvolle Glas- und Oelgemälde. Vor der Stadt zeigt man eine Felsenhöhle, in welcher im 15. Jahrhundert der Räuber Wittich hauste, bis er vom Ritter Weinhold von Bärenstein erschlagen wurde.

Bärenstein, kleinste Stadt Sachsens, mit 551 E.

Lauenstein, Stadt, 1634 F. ü. M., mit 819 E. Enthält ein altes Schloss mit Rittersaal, Rüstkammer und Burgverliess. In der Kirche werthvolles Denkmal ihres Erbauers, des Günther von Bünau. Zwischen Bärenstein und Lauenstein nimmt die Müglitz das Altenberger Wasser auf und wird dadurch ziegelroth gefärbt. Die rothe Farbe rührt von den Eisentheilen her, welche in den Pochwerken aus den Zinnerzen mit fortgespült werden.

Fürstenau, Dorf, mit 481 E. In der protestantischen Kirche ein Marienbild, zu welchem viele Katholiken aus Böhmen ungestört wallfahrten.

3. Ueber Mügeln, Liebstadt, Schönwalde. (2 Tage) – Wieder mit Dampfwagen von Dresden bis Mügeln (II. Kl. 6 Ngr., III. Kl. 4½ Ngr.). Zu Fuss über Dohna und Weesenstein nach Burkhardtswalde; dann links ab über Nenntmannsdorf nach Liebstadt, von wo man über Börnersdorf nach Breitenau gelangt, was sich zum Nachtquartier eignet. – Nach Liebstadt kann man von Pirna aus auch in 2 St. p. Post gelangen. – Nächsten Morgen begiebt man sich durch den Oelsengrund auf den Sattelberg und schliesst sich bis zum Mückenthürmchen an die S. 64 angegebene Route an.

Mügeln und Dohna s. S. 67.

Weesenstein, Dorf an der Müglitz, mit 311 E. Das Schloss Privateigenthum des Königs von Sachsen. Ein Saal enthält sämmtliche Portraits der königlichen Familie seit August dem Starken.

Liebstadt, Stadt in einem Seitenthale der Gottleube, 1480 F. ü. M., mit 881 E. Hat wie die ganze Umgegend viel Strohflechterei.

Das Strohflechten wird von Altenberg bis über Dohna hinaus und von Gottleuba bis in die Gegend von Dippoldiswalde getrieben und beschäftigt gegen 20,000 Menschen. Man gebraucht dazu Weizenstroh, welches in der gewünschten Art auf dortigem Boden wächst. Das Getreide wird sorgfältig eingeerntet und namentlich vor Nässe geschützt. Dann trennt man die Aehren ab und zerschneidet die Halme so, dass die Knoten herausfallen. Nunmehr wird das Stroh geschwefelt und zum Mürbewerden in's Wasser gelegt. Nachdem man noch die erweichten Halme mittelst eines scharfen Instrumentes in schmale Streifen gespalten hat, beginnt endlich das Flechten. Es ist eine höchst mühsame Arbeit, bei welcher jedoch die geschmeidigen Finger der Kinder oft ebensoviel, als die geübten Hände der Erwachsenen leisten.

II. Route: Von Dresden nach Dippoldiswalde.

1. Von Dresden mit Eisenbahn durch den Plaueschen Grund (II. Kl. 8 Ngr., III. Kl. 6 Ngr.) nach Tharandt. In Tharandt wird ausgestiegen, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt und Umgebung in Augenschein zu nehmen; dann geht man an der wilden Weisseritz herab bis zur Hainsberger Mühle und lässt sich in der Nähe derselben von einem Wegweiser auf den Fusspfad »Nach der Rabenauer Mühle« und damit in das Thal der rothen Weisseritz leiten. Der Fluss tost in steinigem Bette dahin, auf der einen Seite jähe Felsen, auf der anderen schönbewaldete Abhänge bespülend. Der Weg bleibt auf letzterer Seite und führt zur Rabenauer Mühle, welche von prächtigen Felspartien umgeben ist. Da das Thal nur noch eine kurze Strecke begangen werden kann, so verlässt man hier dasselbe und wendet sich links nach Rabenau; und von da über Klein- und Grossölsa nach Wendisch-Carsdorf, um auf der Dresdener Strasse Dippoldiswalde zu erreichen.

Der Plauesche Grund ist berühmt durch seine Naturschönheit[7], durch seinen Kohlenreichthum und seine vielen gewerblichen Etablissements, von denen besonders die Gussstahlfabrik zu Döhlen, die einzige Sachsens, zu nennen ist.

Tharandt, Stadt am Vereinigungspunkte zweier Seitenthäler mit dem Thale der wilden Weisseritz, 752 F. ü. M., mit 2384 E. Liebliche Lage. Der Bergvorsprung zwischen den drei Thälern trägt die Trümmer einer Burg, welche 1568 vom Blitze getroffen und seitdem dem Verfalle überlassen worden ist. Ausser dieser Ruine sind sehenswerth: Der Forstgarten mit Cotta's Grab und die »heiligen Hallen« d. h. grosse von majestätischen Buchen gebildete Laubgewölbe. – Tharandt ist der Sitz der 1816 errichteten Forstakademie; hat auch ein Bad.

Rabenau, Stadt am Oelsenbache, mit 1151 E. Sitz der Stuhlbauerei; man fertigt allda jährlich 5–6000 Dutzend Stuhlgestelle.

Dippoldiswalde, Stadt an der rothen Weisseritz, 1094 F. ü. M., mit 2994 E. Sehenswerth: Pfarr- und Friedhofkirche (Nikolaikirche), Schloss. Spaziergänge: nach der im Walde gelegenen Ruine der Barbarakapelle und dem nicht weit davon entfernten Einsiedlerbrunnen; nach den Sandsteinbrüchen am Rabenauer Wege und nach dem ohnweit der Stadt befindlichen Tartarengrab, d. h. dem Grabmal eines im 7jährigen Kriege gefallenen Uhlanenofficiers.

2. Von Dresden zu Fuss über Räcknitz, (Denkmal des Generals Moreau!) goldene Höhe und Possendorf nach Wendisch-Carsdorf; hier links ab nach Hermsdorf, um den basaltischen Wilisch zu besteigen. Nach genossener Aussicht auf das Elbthal, die Sächsische Schweiz und die Altenberger und Frauensteiner Höhen zurück nach Hermsdorf; dann über Reinberg (Riemrig) und Oberhäslich nach Dippoldiswalde.

III. Route: Von Dippoldiswalde nach dem Mückenthürmchen.

Von Dippoldiswalde bis Schmiedeberg auf der Strasse; bei der Mühle über dem Hohofen den Langengrund hinaus zur prächtig gelegenen Oberförsterei Bärenburg; von hier mit Führer auf die Tellkoppe und dann Wanderung auf der Strasse nach Altenberg. Weil die Aussicht auf dem Geising durch Bäume zu sehr versperrt ist, besteigt man den Kahlenberg und wendet sich über Hinter- und Vorderzinnwald nach dem Mückenthürmchen. – Wer will, kann von Zinnwald mit Führer noch den Lugstein besuchen; Aussicht ähnlich wie vom Mückenthürmchen (s. S. 64–65.)

Von Bärenburg (2252 F. ü. M.) aus soll der König von Sachsen seiner Gemahlin in Pillnitz »Gute Nacht« gewünscht haben. Er liess bei eintretender Dunkelheit auf der Tellkoppe eine Rakete steigen; eine andere von Pillnitz antwortete: es war Gruss und Gegengruss!

Schmiedeberg, Flecken am Einfluss des Pöbelbaches in die rothe Weisseritz, mit 525 E. – Ausser Hohofen auch Eisenhammer. In früherer Zeit waren die Bergknappen gute Sänger und mussten oft bei Hoffesten erscheinen.

Altenberg, Stadt am südwestlichen Abhange des Geisingberges, 2298 F. ü. M., mit 2366 E. – Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem Bergbau. Im Jahre 1458 wurde in dortiger Gegend Zinn fündig, auf welches man heute noch baut; freilich ist die dermalige Ausbeute kaum die Hälfte der früheren (2248 Centner gegen 5000).

Die Erze kommen hier nicht gangförmig, sondern in umfänglichen Massen, d. i. bergmännisch ausgedrückt, in »Stockwerken« vor. Diese werden ausgehauen, und so erhält man grosse Weitungen, welche durch stehenbleibende Gesteinswände (Bergvesten) gestützt werden. Bisweilen erweisen sich aber die Wände für die darauf ruhende Last als zu schwach und es entstehen Einsenkungen, sogenannte Tagesbrüche oder Bingen. Der bedeutendste Einsturz fand im Jahre 1624 statt: ein Stockwerk von 450 Ellen Tiefe und 900 Schritten Umfang – der Schauplatz war die grosse Binge – brach in sich zusammen; die Wucht des herabfallenden Gesteins war so furchtbar, dass die Bodenerschütterung bis Dresden hin verspürt wurde! – Die meisten Zinngruben gehören jetzt der Gewerkschaft Vereinigt Feld im Zwitterstock; dieselbe hat allein 20 Wäschen und Pochwerke, welche theils durch Wasser-, theils durch Dampfkraft getrieben werden.

Ausser Bergbau hat Altenberg Strohflechterei, für welche es sogar Hauptort ist. – Im Galgenteiche bei Altenberg entspringt die rothe Weisseritz; die wilde Weisseritz hat ihre Quelle hinter Zaunhaus auf böhmischer Seite.

Fast östlich von Altenberg liegen Alt- und Neugeising, mit 1336 E. Beide Orte treiben wie Altenberg Bergbau und Strohflechterei.

IV. Route: Von Dippoldiswalde nach Sayda.

1. Von Dippoldiswalde über Ober-Carsdorf, Sadisdorf und Hennersdorf nach Frauenstein; mit Post über Bienmühle und Clausnitz nach Sayda (Passagiergeld: 14 Ngr.)

2. Ein anderer Weg ist: von Dippoldiswalde nach Schmiedeberg und dem reizenden Bärenburg, dann nach Schellerhau, (Besteigung des Pöbelknochens) und über Dorf Sayda, Schönfeld und Reichenau nach Frauenstein; von hier mit Post nach (Stadt) Sayda.

Frauenstein, Stadt zwischen der Gimlitz und Bobritzsch, 2018 F. ü. M., mit 1435 E. – 1869 durch grossen Brand heimgesucht. – Hohe, freie Lage mit umfassender Aussicht. Grossartig ist die Ruine der alten Burg, dicht hinter dem jetzigen Schlosse. Auf dem Thurm des Burgverliesses, der »dicke Märten« genannt, hält man Umschau. Man sieht den ganzen Tharandter Wald, die Stadt Freiberg, die Augustusburg, den Greifenstein, den Fichtelberg, den Kamm des östlichen Erzgebirges, die sächsische Schweiz, das Elbthal, die Pulsnitzer Berge, und zwischen all' diesen Hauptpunkten viele Thäler und Gründe, Abhänge und Höhen, Dörfer und Flecken. – Frauenstein war eine uralte Grenzburg gegen Böhmen. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts kam es in Besitz der Burggrafen zu Meissen und 1428 ging es als meissnisches Lehen an Heinrich von Plauen über. Da dieser sich aber ungehorsam gegen Friedrich den Sanftmüthigen erwies, so wurde die Stadt und Burg erobert und das Lehen eingezogen. Im Jahre 1473 verkauften die Brüder Ernst und Albert Frauenstein an die Herren von Schönberg, die es nun besassen, bis 1647 der Rückkauf durch das Kurhaus erfolgte.

Aus dem Dorfe Kleinbobritzsch bei Frauenstein stammt der berühmte Orgelbauer Silbermann. Er war der Sohn eines Zimmermanns und sollte Buchbinder werden; dazu hatte er aber keine Lust und so begab er sich nach Strassburg, um von einem dort wohnenden Vetter die Orgelbaukunst zu erlernen. Später kehrte er nach Sachsen zurück. 47 noch vorhandene Orgelwerke verkündigen seinen Ruhm; seine bedeutendste Schöpfung mag die Orgel im Strassburger Münster sein.

Die Strasse, welche von Frauenstein nach Dresden führt, heisst die Butterstrasse, weil auf ihr die erzgebirgischen Bauern ihre Butter nach der sächs. Hauptstadt zu bringen pflegen. – Die Gegend hat ausser guter Viehzucht trefflichen Flachsbau, weshalb auch zu Oberbobritzsch, Mulda und Lichtenberg Flachsbereitungsanstalten eingerichtet worden sind.

Sayda, Stadt, 2092 F. ü. M., mit 1639 E. – 1842 bis auf wenige Häuser niedergebrannt, doch seitdem sauber wieder aufgebaut. – Im Mittelalter war Sayda ein wichtiger Speditionsort für Waaren, welche von Leipzig nach Böhmen gingen. Zu jener Zeit wurde es von vielen Juden, die ein besonderes Viertel, die sogenannte Judenstadt, inne hatten, bewohnt. Die damaligen Festungswerke sind längst verschwunden. – Auf einer Höhe vor der Stadt gute Aussicht in das Obergebirge.

V. Route: Vom Mückenthürmchen nach Teplitz.

Vom Mückenthürmchen nicht auf der bequemen Chaussee, sondern auf steilem Fusswege, welcher die Halden von Zinnbergwerken berührt, hinab nach Obergraupen, dem Abbilde eines ächten Gebirgsdorfes, und dann nach der Stadt Graupen, welche in einem malerischen Engpass gelegen ist. Die Bergstadt Graupen ist eine der lohnendsten Partien im ganzen Erzgebirge und bietet prächtige Aussichtspunkte dar. Von der Ruine Rosenburg hat man einen überraschend schönen Blick auf Graupen, Mariaschein, Kulm, Teplitz, das Mittelgebirge und die Thalwände des westlichen Erzgebirges. Aehnlich, immerhin aber etwas verändert, wird man die Rundschau auf Wilhelmshöhe (Andenken an die öfteren Besuche Friedrich Wilhelm des III.) und Heinrichsruhe finden. Nur 10 Minuten unterhalb Graupen liegt die stattliche und berühmte Wallfahrtskirche Mariaschein.

Man kann über Mariaschein nach dem gleichnamigen Bahnhof gehen und mit dem Dampfwagen (in ¼ St.) nach Teplitz fahren; genussreicher aber ist es, in Graupen den Tollysteig zu erfragen und sich durch den Probstauer Garten und den Turner Park nach Teplitz zu begeben.

Graupen, Stadt 980 F. ü. M., mit 1600 E. Alterthümliche Bauart; die Bewohner treiben Bergbau und Strumpfwirkerei. – An die Rosenburg knüpft sich eine Erzählung von der Gräfin Dohna und dem Ritter Gotsche (Schaf-Gotsche).

Mariaschein, Dorf mit Jesuitenkloster und Seminar. Die im Renaissancestyle erbaute Kirche enthält ein wunderthätiges Marienbild, zu welchem jährlich Tausende aus Böhmen, Schlesien und der Lausitz wallfahrten.

Teplitz, Stadt an der Saubach, 643 F. ü. M., mit 8000 E. Im breiten fruchtbaren Bielathale, welches das Mittelgebirge vom Erzgebirge scheidet, am Fusse des Wachholderberges reizend gelegen. Die Nähe trefflicher Parkanlagen, die Anwesenheit aussichtsvoller Höhenpunkte und der Anblick mehrerer Gipfel des Erz- und des Mittelgebirges machen die Gegend äusserst angenehm. – Die heissen Quellen[8], (21–38½ °R.), schon um 762 entdeckt, werden fast nur zum Baden benutzt und mit besonderem Erfolg gegen Rheumatismus, Gicht und Lähmung angewandt. Als Bäder sind zu nennen: das Stadtbad, das Fürstenbad, das Sophien- oder Judenbad, das Stephansbad, das Steinbad und das Sand-(Militair-)Bad, wozu in dem angrenzenden Dorfe Schönau noch das Schlagenbad und Neubad kommen. An schönen Gartenanlagen und aussichtsvollen Punkten ist Teplitz, wie schon erwähnt, sehr reich. Man besuche daher den Schlossgarten (Besitzer: Fürst von Clary-Aldringen), wo sich Mittags zum Concert die Badewelt zu versammeln pflegt, das Schiesshaus und die Schlackenburg, mit origineller künstlicher Ruine, ferner die Königshöhe, den Hügel bei der protestantischen Kirche und den Mont de Ligne und endlich den Schlossberg (1221´) mit den umfassenden Trümmern der Burg Daubrawskahora, welche einst dem Grafen Kinsky, dem Schwager Wallensteins, gehörte. – Als weiterer Ausflug ist besonders ein Besuch des Milleschauers (2600´) zu empfehlen. – In Teplitz noch sehenswerth: der Gottesacker mit dem Grabe J. G. Seume's († 1810).

VI. Route: Vom Mückenthürmchen nach Stift Osseg.

Vom Mückenthürmchen über Obergraupen nach Graupen; Besuch der Rosenburg und Wilhelmshöhe (Siehe Route V., S. 76); nach Mariaschein und dann am Fusse des Gebirges hin über Judendorf, Dreihunken, Wistritz, Zuckmantel, Tischau, Doppelburg u. Kosten nach Klostergrab; von hier über Grünsdorf nach Stift Osseg.

Obergraupen, Graupen u. Mariaschein s. R. V., S. 76.

Die Jagdschlösser Doppelburg und Kosten werden wegen ihrer tiefen Waldeinsamkeit häufig von Teplitzer Badegästen besucht. Doppelburg, in der Form eines Sternes gebaut, gewährt in angebrachten Durchhauen angenehme Fernsichten nach dem Borzen (bei Bilin), dem Milleschauer und dem Schlossberge; bei Kosten sehenswerther Thiergarten. – Weiter oben an der Strasse nach Altenberg liegt Eichwald (mit dem Schweissjäger), eine echte Sommerfrische.

Klostergrab, Bergstädtchen, 1087 F. ü. M. mit 1000 E. Hinter dem Rathhause noch Reste jener protestantischen Kirche, deren vom Prager Bischof Lohelius anbefohlene Niederreissung zum Ausbruche des 30jährigen Krieges beitrug.

Stift Osseg, (der Name kommt von osekati d. i. abhauen), grosse Cisterzienserabtei, hatte in den Hussitenkriegen arg zu leiden und zeigt darum neuere Gebäude. Die an Gemälden sehr reiche Kirche ist von italienischen Meistern erbaut. Bildergalerie, Bibliothek. – Gute Aussichtspunkte sind: Riesenburg (s. Route VII.) u. Salesiushöhe.

VII. Route: Von Altenberg nach Oberleitensdorf.

Von Altenberg über Neu- und Altgeorgenfeld nach Zaunhaus und von da über die Jägerhäuser auf den Glöselsberg, welcher eine prächtige, wenn auch nach Norden hin etwas beschränkte, Aussicht darbietet. Nach Niklasberg; über die Grundmühle nach Klostergrab; dann nach Osseg und über Bruch nach Oberleitensdorf.

Altenberg s. R. III., S. 72.

Niklasberg, Städtchen 1819 F. ü. M., mit 745 E. Bergbau auf Silber und mühsame Feldwirthschaft.

Klostergrab und Osseg s. R. VI., S. 78.

Oberleitensdorf, Flecken mit 4580 E. – Tuch- und Casimirfabrikation.

VIII. Route: Von Stift Osseg nach Sayda.

In Osseg wendet man sich den Bergen zu und geht beim Forsthause rechts den schönen Waldgrund hinauf. Man kommt nach Dorf Riesenberg und von da, an der Kapelle vorbei, auf die grossartige Ruine. Einer der vier vorhandenen Thürme ist zur Warte vorgerichtet und bietet eine reizende Aussicht auf das gesegnete Biliner Thal, auf das Mittelgebirge und auf nahe trefflich bewaldete Höhen. Nach genossener Umschau leitet ein steiler aber schattiger Weg hinauf nach Langewiese. Von hier mit Führer auf den Wieselstein (2944´), dessen Spitze geebnet ist und eine Aussicht gewährt, wie kaum ein anderer Punkt des Erzgebirges. Im Südosten erblicken wir das Mittelgebirge mit dem Milleschauer, vor ihm Schwaaz u. Dux; weiter rechts Bilin und den Borzen; noch weiter rechts Brüx und die Holtschitzer Höhen und vor diesen Georgenthal, neben welchem nach Westen hin das Eisenberger Schloss aus dem waldigen Saume des Erzgebirges hervorleuchtet. Ueber Brüx hinaus schweift der Blick ins mittlere Egerthal, d. h. in die Gegend von Postelberg u. Saatz; über Eisenberg her winken die Höhen von Karlsbad und daneben aus blauer Ferne die Spitzen des Fichtelgebirges; etwas mehr rechts, aber nicht so weit, sieht man das Reckenpaar, den Fichtel- und Keilberg; und davor den Hassberg; dann folgen der Pöhlberg, die Gegend von Marienberg, Freiberg und Tharandt, worauf die Tellkoppe, der Kahleberg, der Luchstein und die Nollendorfer Höhe nebst dem in weiter Ferne schimmernden Iserkamm den Kreis vollenden. Beim Heruntersteigen lassen wir uns den Weg nach dem Forsthause Georgenhöhe zeigen, und wenn wir dieses erreicht haben, (hier noch einmal nach dem richtigen Weg zu fragen, ist gut!) schreiten wir auf einem breiten Holzwege (Schneisse) dem in stiller Einsamkeit gelegenen Jagdschlosse Lichtenwaldstein zu. Von hier wenden wir uns nach Böhmisch- und Deutsch-Georgenthal und gehen dann über Kämmerswalde nach Sayda.

Langewiese, Dorf mit 380 Einwohnern. – Hutung und Waldarbeit.

Sayda, s. R. 4. S. 75.

IX. Route: Von Oberleitensdorf nach Olbernhau.

Von Oberleitensdorf über Hammergrund hinauf nach Kreutzweg und von da nach Böhmisch-Einsiedel, wo man sich für das lange Emporsteigen durch eine herrliche Rückschau auf das Böhmerland belohnt sehen wird. Nun geht es über Deutsch-Einsiedel, Heidelberg (mit Bad) und Heidelbach, an dem Abhange des Schwartenberges hin, nach Schloss Purschenstein, bei welchem man das Flöhathal erreicht. Von Neuhausen, welches neben Purschenstein liegt, führt der Weg über Dittersbach und Mörtelgrund nach Niederseifenbach, dann im anmuthigen Flöhathal hin, an der Einmündung der Schweinitz vorbei, in das Brandauer (Kohlen-) Becken, welches einerseits von der Flöha und andrerseits von der Natschung bespült wird. Man wendet sich beim Eintritt in das Becken etwas rechts und gelangt über Oberneuschönberg und Hammerwerk Grünthal nach Olbernhau.

Die Dörfer Heidelbach (136 E.), Heidelberg (1945 E.), Neuhausen (1337 E.) und Niederseifenbach (553 E.) gehören zu dem Bezirke der Holzspielwaarenfabrikation, für welche das benachbarte Seifen (1483 E.) Hauptort ist. Man kann behaupten, dass ⅚ der dortigen Bevölkerung von diesem Industriezweige leben. Alt und Jung, Männer und Frauen, Knaben und Mädchen sind bei Herstellung von Knöpfen, Puppengeschirr, Feder- und Nadelbüchsen, Pfeifen, Brummkreiseln, Holzsoldaten, Jagden, Schäfereien, Noahkästen, Kinderflinten u. s. w. u. s. w. – in den Handlungsbüchern giebt es 2000 Nummern Spielzeug – beschäftigt. Was wird da gedrechselt, geschnitzt, geleimt und gemalt! Die Arbeitstheilung ist streng durchgeführt: es giebt Drechsler, Schnitzer, Maler und Packer; und jeder macht Jahr aus Jahr ein ein und dieselbe Arbeit. Die schwierigste Aufgabe fällt dem Drechsler zu, weil er auf der Drehbank sogenannte Kränze oder Reifen herzustellen hat, welche durch Zerspalten sofort ein Schock Pferde, Kühe oder andere Thiere liefern.

Schloss Purschenstein gehört den Herren von Schönberg; im Park ein rein gothisches Grabmal.

Im Hammerwerk Grünthal (165 E.) wurde früher »gesaigert« d. h. Schwarzkupfer von dem noch darin befindlichen Silber befreit; jetzt sind daselbst nur Walzwerke. – In Grünthal befindet sich ein Schwefelbad.

Olbernhau, Flecken a. d. Flöha, 1362 F. ü. M., mit 3257 E. – Reizende Lage. Strumpfstuhlbauerei, bedeutender Handel in Spielwaaren.

X. Route: Von Teplitz nach Rothenhaus.

Von Teplitz mit Eisenbahn nach Dux (II. Kl. 41 Xr., III. Kl. 27 Xr.), Besichtigung des Schlosses; mit Bahn weiter über Ratschitz-Oberleitensdorf und Brüx nach Holtschitz-Seestadtl (II. Kl. 84 Xr., III. Kl. 55 Xr.). Wir gehen durch Seestadtl hindurch und steigen zu dem auf halber Bergeshöhe malerisch gelegenen Schlosse Eisenberg empor. Auch hier herrliche Aussicht auf das Mittelgebirge, das Bielathal, die Abhänge des Erzgebirges, die Karlsbader Höhen, sowie die reich mit Weilern, Dörfern und Städten besäete Saatzer Ebene. Nachdem wir den Park, den Thiergarten und das Gewächshaus besucht haben, wenden wir uns unten rechts und wandern am Fusse des Erzgebirges hin nach Schloss Rothenhaus, welches fast gleichen Genuss wie Eisenberg darbietet.

Dux, Flecken mit 1348 E. – Das Schloss gehört dem Grafen Waldstein, welcher von einem Nebenzweige des Herzogs von Friedland abstammt. Es enthält eine Gemäldegalerie, mit dem berühmten Bildnisse Wallensteins von van Dyck, einen Waffensaal, worin man den Halskragen, welchen Wallenstein am Tage seiner Ermordung trug, und die Partisane zeigt, mit welcher Deveroux den Todesstoss vollführte, und eine Bibliothek von 24,000 Bänden, deren einstiger Verwalter der Abenteurer Casanova war. Das Bassin im Schlosshofe hat der Friedländer aus eroberten schwedischen Kanonen giessen lassen. – Die Stadt hat mehrere gewerbliche Anstalten, als eine Zuckerfabrik und Glashütte. – Südlich von Dux liegt die Stadt Bilin mit 3100 E. Das daselbst befindliche Lobkowitz'sche Schloss enthält eine äusserst werthvolle Mineraliensammlung. Bei Bilin ein berühmter Sauerbrunnen, von welchem jährlich über 100,000 Flaschen versandt werden. Der schon mehrfach genannte Biliner Stein (Borzen) ist schwer zugänglich, bietet aber eine Aussicht dar, welche A. v. Humboldt für eine der schönsten der Welt erklärt haben soll.

Brüx, Stadt mit 4000 E. – Viel Fabrikthätigkeit. Schönes Rathhaus. – In der Nähe Püllna mit berühmtem Bitterwasser.

Oberleitensdorf, s. S. 79.

Seestadtl, 800 E.; in der Nähe lag ehemals der grosse, nunmehr aber ausgetrocknete Kummerer See.

Die mit herrlichen Parkanlagen umgebenen Schlösser Eisenberg und Rothenhaus sind beide in neuester Zeit restaurirt worden; jenes gehört dem Fürsten Lobkowitz, dieses der Gräfin Trautmannsdorf.

XI. Route: Von Rothenhaus nach Klösterle.

Von Rothenhaus durch die gewerbreiche Stadt Görkau nach dem Bahnhofe Udwitz, um mit nach Kommotau zu fahren. Wem die Abfahrtszeit nicht passt, der wandere von Görkau, wo man hinter dem Gottesacker weggeht, über die Alaunhütten nach Kommotau. In letzterer Stadt besuche man den Marktplatz, den Felsenkeller und das Schiesshaus. Nun geht es (Eisenbahnbenutzung bis Priesen empfiehlt sich nicht) über Czernowitz und Kralup nach dem unter vielen Obstbäumen gelegenen Brunnersdorf. Hier theilt sich die Strasse. Man kann rechts über Niklasdorf direct nach Klösterle gehen; gerathener aber ist es, links nach dem alterthümlichen Kaaden zu wandern und sich von da durch einen angenehmen Fussweg, dicht an der Eger hin, nach Klösterle führen zu lassen. – Die Route ist angenehm und voller Abwechslung. Allerwärts hat man prächtige Garten- und Obstanlagen und rechts immer zur Seite die wallartig sich abdachenden, aber schön geformten Abhänge des Erzgebirges. Bei Brunnersdorf schaut von der Rückwand eines Waldthales die Ruine Hassenstein hervor und darüber auf dem Gebirgskamme thront die stattliche neue Kirche von Sonnenberg. Und wenn man der Stadt Klösterle sich nähert, sieht man das Egerthal von gut bewaldeten Bergkegeln umsäumt, von denen einige mit Burgen gekrönt sind. Links erscheint die Ruine Leskau und rechts die Ruine Schönburg. – Für die bald zu eröffnende Eisenbahn Kommotau-Karlsbad werden Kaaden und Klösterle Stationsorte.

Görkau, Stadt an der Biela, mit 2000 Einwohnern. – Ackerbau und Gewerbthätigkeit. – Die dasigen Baumwollspinnereien sind von sächsischen Unternehmern gegründet. – Protestantische Kirche.

Kommotau, Stadt mit 7200 E. – Getreidehandel; Obst- und Gartenbau; Maschinenfabrikation, Braunkohlenbergbau. – In der Dechanteikirche das merkwürdige Ziskabild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten darstellt. – Die Stadt als Knotenpunkt der Eisenbahnen Annaberg-Kommotau, Kommotau-Karlsbad, Kommotau-Teplitz und Kommotau-(Priesen)-Prag in entschiedenem Aufschwung begriffen.

Kaaden, Stadt an der Eger mit 5000 E. – Zählt zu den ältesten Städten des Egerthals. Bemerkenswerth: Das altertümliche Stadtthor, das Rathhaus (aus dem 15. Jahrh.), das Franziskanerkloster und das Kloster der Urselinerinnen.

Klösterle, Stadt an der Eger mit 2250 E. – Grosse gräflich Thun'sche Porzellanfabrik. – Am Marktbrunnen neben katholischen Heiligen mehrere mythologische Figuren. Das gräfl. Thun'sche Schloss, 1856 durch Feuer zerstört, ist vollständig wieder aufgebaut.

XII. Route. Von Klösterle nach Hauenstein.

Von Klösterle folgt man westwärts der rechts von der Eger sich hinziehenden Chaussee und gelangt so nach Pirschstein (400 E.) und Mühlengrund. Nach Durchschreitung des letzten Ortes führt ein, an den Telegraphenstangen kenntlicher Weg über eine Anhöhe, welche einen prächtigen Rückblick auf die bewaldeten Berge und die Ruinen bei Klösterle, sowie auf die fruchtbare Ebene bei Saatz gestattet. Auf demselben Wege gelangt man bergab nach Wotsch (250 E.) und dann auf der Strasse nach Wartha, von wo in nicht grosser Ferne rechts ein angenehmes Seitenthal zu einem Besuche von Hauenstein einladet.

Hauenstein, zur Herrschaft Pressnitz gehörig, stellt ein wahres Idyll dar. In der Mitte des Oertchens befindet sich eine hochgelegene Kapelle, rings um dasselbe ziehen sich reizende Anlagen hin, die sich bis zum Eichelberg erstrecken. Auf dem Rücken dieses Berges geniesst man die Aussicht auf die fernen Bergketten des Fichtel- und die nahen des Erzgebirges, dann auf die Burgen Engelhaus, Himmelstein und Schönburg und auf das zwischen bewaldeten Höhen sich hinziehende Egerthal. Wer in Hauenstein übernachten will – die Morgen sind hier besonders schön – muss ziemlich zeitig eintreffen, weil daselbst (beim herrschaftlichen Gärtner) nur wenige Fremde logiren können. Bemerkenswerth ist, dass ein Dachshund sehr geschickt den Führer nach den Hauptpunkten (Parapluie, Koppe, Eichelberg) der Umgebung macht.

XIII. Route. Von Sayda nach Zschopau.

Von Sayda (s. S. 75) folgt man der Chaussee über Pillsdorf (137 E.) nach Dörrnthal (1283 E.) und zwar bis zum Gasthof »Zum Feldschlösschen« an der Sayda-Freiberger Strasse. Bei diesem Gasthause hat man eine herrliche Aussicht über einen Theil des oberen Erzgebirges, indem man in südöstlicher Richtung den Fichtel- und Keilberg, den Pöhlberg, den Hassberg, den Bärenstein, den Scheibenberg und den Auersberg erblickt. Noch schöner ist die Aussicht, wenn man vom Feldschlösschen, 10 Minuten weit in der Richtung nach Voigtsdorf, auf die Dörnthaler Höhe geht. Es öffnet sich dann noch eine Fernsicht nach Nord und Nordost, so dass man in ersterer Richtung Freiberg und in letzterer Frauenstein sammt den im Hintergrunde liegenden Höhen bei Pulsnitz sieht. Bei hellem Wetter kann auch deutlich der Kolmberg bei Oschatz erkannt werden. – Vom Feldschlösschen führt der Dorfweg durch Dörnthal nach dem an letzteres sich anschliessenden Haselbach (701 E.) und von hier ein Fusspfad so nach Forchheim (1448 E.), dass man vom Gasthofe »Stadt Karlsbad«, am Schlosse des Freiherrn v. Biedermann vorüber, auf die Strasse nach Lengefeld gelangt, welche vor Erreichung dieses Ortes noch Görsdorf (515 E.) im anmuthigen Flöhathal und jenseits der Flöha den Gasthof »Zum Marterbüschel« berührt. Von Lengefeld geht die Strasse zunächst nach Wünschendorf (768 E.). Rechts des Weges erhebt sich malerisch über dem linken Ufer der Flöha, auf hoch gelegenem Felsen, die kleine Burg Rauenstein, zu welcher von unten aus ein überwölbter Zugang führt. Weiterhin geht der Weg durch Wald nach Börnchen, von wo man sich entweder über Krummhermersdorf (2280 E.) oder über Waldkirchen nach Zschopenthal (199 E.) und Zschopau wendet.

Lengefeld, Stadt, unfern der Flöha, 1507´ ü. M., mit 3288 E. Viel Weberei (400 Meister).

Waldkirchen, Dorf, 1556´ ü. M., mit 1635 E., Fabrikation von Holzwaaren, besonders von Haus- und Küchengeräthen.

Zschopau, Stadt am gleichnamigen Flusse, 1204´ ü. M., mit 7821 E. Treibt Wollen- und Baumwollenweberei; in der Nähe viele Spinnmühlen. Das Schloss »Wildeck«, dessen runder Thurm noch aus den Zeiten Heinrichs I. herrühren soll, ist jetzt Sitz des Gerichts- und des Forstamtes. Zu der Martinskirche führt von der Vorstadt eine 70 Stufen enthaltende Felsentreppe. Prächtiges Seminargebäude. Am Schiesshause köstliche Aussicht.

XIV. Route: Von Olbernhau nach Rothenhaus und Eisenberg.

1. Von Olbernhau (s. S. 82) folgt man südöstlich der Chaussee bis Grünthal, geht in diesem Orte über die Flöhabrücke und wendet sich auf einem Wiesenpfade, welcher unmittelbar hinter dem Walzwerk hinführt, dem Dorfe Rothenthal (737 E., Holzdrechselei) zu. Am Ende dieses Dorfes überschreitet man die wildschäumende Natschung und gelangt so an den, auf österreichischem Gebiet gelegenen Eingang in das Natschungthal, welches, weil weiter oben der Teltschbach in die Natschung mündet, meist Teltschthal genannt wird. Neben der Einsamkeit und würzigen Waldluft gefällt die Bildung des Thales. Die Thalsohle ist oft so schmal, dass sie kaum Raum hat für den Fluss und die daneben angelegte Strasse; die Thalwände werden häufig von schroffen Felsen unterbrochen, so dass man an hohem bastionsähnlichen Gemäuer vorüberzugehen meint; das Thal selbst macht die vielfachen Windungen der Natschung mit und bietet so von Strecke zu Strecke veränderte Ansichten dar. Naturfreunde behaupten daher mit Recht, dass sich das Teltschthal wohl mit dem berühmten Schwarzathal in Thüringen vergleichen lasse. – Nach einer Wanderung von 1½ Stunden, wobei man an einer im Schweizerstyle erbauten Gartenwirthschaft vorüber gekommen ist, macht man mit dem Teltschbach eine Biegung nach links und erreicht bald darauf ein Eisenwerk, welches nach der früheren Besitzerin, der Gräfin Gabriele v. Boucquoi auf Rothenhaus, Gabrielahütte genannt wird. Von hier führt eine gut gebaute Strasse – nur muss man beim Verlassen des Waldes rechts gehen – nach dem Dorfe Kallich (850 E.), wo sich noch grössere, ebenfalls zur Herrschaft Rothenhaus gehörige Eisenwerke befinden. Während Kallich auf einem Hochplateau ziemlich kahl und reizlos gelegen ist, bietet der nicht weit hinter diesem Dorfe beginnende südliche Abhang des Gebirges um so mehr Abwechslung und Genuss dar. Von hier führt die Strasse fast immer im Tannenwalde bergab nach dem 1½ St. entfernten Göttersdorf (460 E.), senkt sich dann in einem Buchenhaine noch weiter hinunter und mündet zuletzt am Fusse des Gebirges in eine der schönsten und gesegnetsten Gegenden von ganz Böhmen. Dicht vor uns liegt auf einem Bergvorsprunge das Schloss Rothenhaus mit seinen Garten- und Parkanlagen und dahinter breiten sich die fruchtbaren Gefilde des Biela- und Egerthales aus.

Nachdem man in Rothenhaus den Park, das Schloss und den Schlossgarten – hier vergesse man den Gartensalon mit dem interessanten Fremdenbuch nicht! – besucht hat, begiebt man sich über Hohnofen (¾ Std.) und Dorf Eisenberg (¼ Std.) nach Schloss Eisenberg, welches durch seine malerische Lage, seine trefflichen Gemächer und seine reichhaltigen Treibhäuser berühmt ist.

2. Man kann auch zuerst Schloss Eisenberg besuchen. Dann wendet man sich, sobald man von Gabrielenhütte den Wald passirt hat, nicht rechts nach Kallich, sondern links hinauf nach Katharinenberg. Von dieser Bergstadt (1700 E., Feldwirthschaft, Bergbau, Strumpfwirkerei) geht man auf dem Plateau hin nach Nickelsdorf, dann aber steigt man (am besten mit Führer) auf steilem, doch schattigem Waldpfade hinab nach Schloss Eisenberg. – Der Weg von Eisenberg nach Rothenhaus über Hohnofen ist nicht zu verfehlen.

3. Wem ein Ausflug von Olbernhau nach Rothenhaus oder Eisenberg zu weit ist, der besuche wenigstens die Basaltfelsen zwischen dem Schweinitz- und Natschungsthale, welche früher das »Steinerlt« hiessen, neuerdings aber die »Luisensteine« genannt werden. Man geht zu dem Zwecke in dem Dorfe Brandau bis zur Kirche und wendet sich da rechts auf einen Fahrweg, welcher sanft ansteigend in den Wald und dann ziemlich steil, unter stämmigen Fichten hin, auf den Bergrücken führt. Nach Ueberschreitung einer Waldblösse sehen wir die »Luisensteine,« zwei nur einige hundert Schritt von einander entfernte Felsgruppen, vor uns stehen. Wir besteigen die höhere, indem wir uns ihr von rückwärts nähern, und geniessen eine wundervolle Aussicht. Zu unseren Füssen liegt das grüne Schweinitzthal, umsäumt von bewaldeten Abhängen und schön geformten Bergkuppen. Gegenüber bemerken wir den Schwartenberg, mit den an seiner Böschung sich hinziehenden Häusern von Heidelbach und Heidelberg, und mehr zurück zeigen sich Stadt Sayda, Burg Frauenstein und Schloss Lichtenwaldstein. Weiter rechts sehen wir hinab auf die Dächer und Strassen von Katharinenberg und darüber hinaus auf das gesegnete Böhmerland mit dem Milleschauer, dem Borzen und anderen Spitzen des Mittelgebirges. Und auf der entgegengesetzten Seite erscheint das Flöhathal, das Städtchen Lengefeld, die Augustusburg und weit im Hintergrunde der Rochlitzer Berg.

XV. Route: Von Zschopau über den Greifenstein nach Geyer.

Man geht in Zschopau (s. S. 88) über die steinerne Brücke und wendet sich, am Bahnhofe vorbei, dem Wege zu, welcher, den Fluss rechts lassend, thalaufwärts führt. Hinter der Bodemer'schen Fabrik treten die meist bewaldeten Thalwände nahe an den Fluss heran: der Weg steigt empor und leitet fast in der Mitte des Abhanges dahin. Links vom Wege trifft man eine Ruhebank, und dabei eine Tafel mit der Inschrift: »Heinrich Cotta, geboren den 30. Oktober 1763«. Gegenüber, am andern Gelände, sieht man von frischem, wohlbeschnittenen Tannengebüsch die Buchstaben »H. C.« gebildet, welche gleichfalls auf den berühmten Forstmann hindeuten. Die hohe Felsenecke, welche später an unserer Linken erscheint, heisst die Kanzel und gewährt eine prächtige Rückschau auf das Zschopauthal. Nach 1½stündiger Wanderung folgen wir einem steilen Pfade hinab nach dem Dorfe Scharfenstein[9] (748 E.), in welchem sofort das alte Schloss die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dieses liegt auf einem sich weit hervorstreckenden Felsenrücken, der auf 3 Seiten von der Zschopau umflossen und quer von der Eisenbahn durchschnitten wird. Auch ein Stollen führt unter dem Felsen hin, um das Flusswasser mit recht viel Fall zu der Fiedler-Lechla'schen Spinnerei zu leiten. Auf dem Schlossberg hat man eine gute Aussicht. Von der Burg interessiren am meisten der Wartthurm und die tief in den Felsen eingearbeiteten Keller und Gefängnisse. Das Schloss gehört seit 1427 denen von Einsiedel, und hat in dem Bauern- und in dem 30jährigen Kriege mehrfache Gefahren zu bestehen gehabt.

In Scharfenstein überschreitet man auf der »Kuhbrücke« die Zschopau, geht fast bis zur Griesmühle (Griessbachmühle) und wendet sich dann links lehnan in einen angenehmen Wiesengrund. Bei der Gabelung des Baches geht man geradeaus und kommt so nach Venusberg (1164 E.), von wo ein Weg durch das Rittergut hindurch, bei einem Göpel vorbei, in ¾ Std. nach Herold (850 E.), führt. Man ist hier auf der Weissbach-Annaberger Chaussee und diese verfolgt man, bis sich der Grund etwas erweitert; dann geht man rechts, überschreitet auf schwankem Stege (bei einem Wehre) den Wiltschbach, erreicht Stadt Thum und steigt von da, hinter dem Rathskeller weg, zu dem Greifenstein empor. – Man kann auch auf der Weissbach-Annaberger Strasse bis Ehrenfriedersdorf gehen und von hier aus (am besten mit Führer) den Greifenstein besteigen; doch ist der Weg etwas weiter.

Der Greifenstein, 2234´ ü. M., im Ehrenfriedersdorfer Freiwalde gelegen, ist eine merkwürdig-groteske, auch von der Sage vielfach umwobene Felsbildung. Auf einem Sockel von Gneis sind 7 freistehende, 30–50 Ellen hohe Granitmassen aus lauter über einander gelagerten Platten aufgethürmt, so dass man Cyklopenmauern oder die Reste einer grossen Burg vor sich zu sehen meint. Die eine Gruppe ist besteigbar und gewährt – in der benachbarten Restauration erhält man ein gutes Fernrohr – eine glänzende Umschau. Südwärts liegt der ganze Kamm des Erzgebirges vor uns und lässt die wichtigsten Höhepunkte, als Auersberg, Fichtel- und Keilberg, Scheibenberg, Pöhlberg, Bärenstein, Hassberg pp. deutlich erkennen; im Westen und Osten schliessen sich die wellenförmig gestalteten, von Thälern und Einschnitten reichlich durchsetzten Abhänge des Erzgebirges an und im Norden sieht man den Kolmberg, die Rochlitzer Berge und selbst den Petersberg bei Halle. Dazwischen begegnet das Auge in allen Richtungen den Wohnplätzen der Menschen. Man erblickt die Schlösser Frauenstein, Augustusburg und Sachsenburg, die Städte Thum, Geyer, Schlettau, Scheibenberg, Annaberg, Sayda, Frauenstein, Schellenberg, Mittweida, Hohenstein, Altenburg, Leipzig pp. und eine Menge von Höfen und Dörfern.

Vom Greifenstein gelangt man auf angenehmem Waldweg nach der nur ½ Stunde entfernten Bergstadt Geyer.

Thum, Stadt, 1579´ ü. M., mit 2625 E., treibt Feldwirthschaft, Bergbau, Strumpfwirkerei und Posamentirerei. In der Nähe kommt ein besonderes Mineral, der Thumer Stein, vor. Bei Thum hat am 15. Januar 1648 ein Gefecht, des 30jährigen Krieges letzter Kampf in Sachsen, statt gefunden, weshalb vom Annaberger Zweigverein der Gustav-Adolph-Stiftung 1848 allda ein Denkstein errichtet worden ist.

Ehrenfriedersdorf, Stadt, 1676´ ü. M., mit 3026 E. Gleiche Erwerbsquellen wie Thum. Ringsherum und besonders am Sauberge bedeutende Berghalden von früheren Zinn- und Silbergruben. (An eine der Gruben knüpft sich auch eine merkwürdige Erzählung: »Die lange Schicht«). Für Mineralien ist die Gegend von Ehrenfriedersdorf ein reicher Fundort. – Zwischen Ehrenfriedersdorf und Thum standen früher Arsenikwerke (»Gifthütten«) in deren Nähe von den ausströmenden Dämpfen alle Vegetation erstickt wurde. Die also verödete Gegend hat davon den Namen »Elend« bekommen.

Geyer, Stadt, 1856´ ü. M. mit 4260 E. hatte ehemals blühenden Bergbau, auf welchen die am 11. Mai 1802 entstandene, gegen 70 Ellen tiefe Binge deutlich hinweist; jetzt ist derselbe erloschen; dafür treibt man Posamentiererei und Strumpfwirkerei. – Durch heftiges Sturmläuten beim sächsischen Prinzenraube sprang (1455) in Geyer die grosse Glocke und wurde darnach auf kurfürstliche Kosten umgegossen. – In der Nähe von Geyer liegt Siebenhöfen; bekannt, weil der um die sächsische Baumwollenspinnerei sehr verdiente Eli Evans sich daselbst 1812 eine eigne Spinnmühle errichtete.

XVI. Route: Von Olbernhau über Zöblitz nach Marienberg.

Von Olbernhau nach Grundau (53 E.), dann auf einem Fusswege, welcher die Chaussee links lässt, nach dem mittleren Theil von Ansprung (926 E.) und weiter auf der Strasse nach Zöblitz. Besuch der Serpentinsteinbrüche und einiger Werkstätten für Serpentinsteindrechselei. Am nordwestlichen Ende der Stadt, in der Nähe des Forstamtes, rechts hinab in das Thal der schwarzen Pockau, um die Ruine Niederlauterstein zu besteigen. Von dieser zurückgekehrt, auf angenehmem Wiesenpfade, welcher an der Pockau aufwärts führt, zum Gasthofe »Kniebreche« an der Zöblitz-Marienberger Chaussee. Unterwegs zeigt sich zur Linken bald ein Felsenvorsprung, auf welchem vormals die Burg Oberlauterstein gestanden hat; zur Rechten lugen später von der Höhe einzelne Häuser herab, welche zu dem Dorfe Rittersberg (312 E.) gehören. Von der »Kniebreche«, bei der die rothe und die schwarze Pockau zusammenrinnen, folgen wir (mit Führer!) dem Thal der letzteren und gelangen so zum »schwarzen Grund«, der wildesten Gegend des ganzen Erzgebirges. Nachdem wir die hohen, fast senkrecht aufsteigenden Felsen und die tosende Pockau betrachtet haben, erklimmen wir den Katzenstein und geniessen von einer weit vorspringenden Felsenplatte die Aussicht auf das eben verlassene Thal und dessen Umgebung. Vor uns liegt in jäher Tiefe der »schwarze Grund«; zur Linken gewahren wir eine ungeheure Felsenwand, die Ringmauer genannt, gegenüber eine fast isolirte Bergspitze, auf welcher ehemals ein Raubschloss gestanden haben soll, und dahinter den grossen Kriegwald. – Vom Katzenstein gehen wir durch den Wald nach dem Dorfe Pobershau (1426 E.) und von da über Wildenburg nach Marienberg.

Zöblitz, Stadt 1728´ ü. M., mit 1824 E. Mehrmals, besonders 1854, durch Brandunglück heimgesucht. Die Serpentinsteinbrüche befinden sich auf dem nach Ansprung hin streichenden Höhenzuge, »die Harthe« genannt. Die Schichtung ist also: oben liegt der untaugliche Kammstein, dann folgt der blaue Horn- oder Lawetzstein und zu unterst erst die brauchbare Masse. Seit 1613 hat Zöblitz eine besondere Steindrechslerzunft: 40 Innungsmeister fertigen Apothekerschalen, Wärmsteine, Büchsen, Schreibzeuge, Briefbeschwerer, Grabsteine pp. – Neuerer Zeit sind die Brüche, welche nicht sonderlich gehalten waren, in den Besitz einer Actiengesellschaft übergegangen und werden nun rationell abgebaut.

Die Burg Oberlauterstein ist in dem Hussitenkriege, Burg Niederlauterstein im 30jähr. Kriege zerstört worden.

Marienberg, Stadt 1864´ ü. M., mit 5518 E. Verdankt seine Gründung – sie geschah 1521 durch Herzog Heinrich d. Frommen – dem Bergbau, treibt jetzt aber meist Feldwirthschaft, Grenzhandel und Spitzenklöppelei; auch hat es neuerer Zeit eine Flachsbereitungsanstalt. Die Stadt ist regelmässig angelegt, hat einen schönen, mit Linden bepflanzten Markt und eine sehenswerthe gothische Kirche. In der Kirchenbibliothek befindet sich ein werthvolles Manuscript, »die Coss« betitelt, von Adam Riese (vgl. Programm d. Annaberger Realschule v. J. 1860).

XVII. Route: Von Marienberg über Wolkenstein nach Annaberg und Buchholz.

Auf der Marienberg-Wolkensteiner Chaussee bis an den Wald, dann auf dem in das Holz einmündenden Fahrwege bis an ein Bergwerk und von da auf einem Fusssteig über das bereits sichtbare Dorf Geringswalde nach dem Wolkensteiner Warmbad, welches ausser der Quelle und den verschiedenen Wirthschaftsgebäuden angenehme Anlagen und Spaziergänge darbietet. Nach Besichtigung des Bades kann man sich direkt nach Wolkenstein wenden, gerathener aber ist es, an dem vorhandenen Bache, durch einen wilden Grund hinab ins Thal der Zschopau zu gehen, hier den Flossplatz und den Lauf der Eisenbahn anzusehen und nun erst – der Weg führt einige Zeit an dem Flusse aufwärts – nach Wolkenstein emporzusteigen. Allda besucht man vor Allem das Schloss, welches auf einem 250 Fuss hohen, jäh' nach der Zschopau abstürzenden Felsen erbaut ist. Die südlichen Schlossfenster und mehrere Stellen am Schlossrande gewähren eine prächtige Aussicht auf das Zschopauthal und die in demselben sich hinwindende Eisenbahn, sowie auf die umliegenden Höhen und einen Theil des Obergebirges. Auch ladet der ganze Bergabhang, von seinem reichen Bestande an Bäumen und Sträuchern der »Haag« genannt, zu einem Spaziergange ein, wenn auch die Wege mühsam dem Boden abgewonnen und etwas steil sind.

Von Wolkenstein kann man verschiedene Wege nach Annaberg (Buchholz) einschlagen. Entweder geht man auf der Chaussee, an den untern Häusern von Schönbrunn vorbei, nach Wiesenbad, betrachtet hier die Sehenswürdigkeiten und wendet sich dann auf der Strasse nach Annaberg. Oder man benutzt von Wolkenstein bis Wiesenbad die Eisenbahn, sieht sich in dem Orte um und fährt mit einem späteren Zuge nach Annaberg. Oder endlich man geht von Wolkenstein durch den Haag nach dem sogenannten Prinzessinnenweg, verfolgt diesen und wendet sich kurz vor Einmündung der Pressnitz linkshin nach Finsterau und von da über Streckewalde und Himmelmühle nach Wiesenbad, von wo Annaberg leicht zu erreichen ist. – Der dritte Weg ist der empfehlenswertheste, doch würde er noch angenehmer sein, wenn an der Spitze, welche Zschopau und Pressnitz mit einander bilden, ein Steg über Letztere führte und man so im Zschopauthale aufwärts nach Himmelmühle und Wiesenbad gelangen könnte.

Bad Wolkenstein ist der wärmste (30° C.) Gesundbrunnen Sachsens und mit Vortheil gegen Gicht, Rheuma und ähnliche Krankheiten anzuwenden. Die ziemlich tief liegende Quelle ist in neuerer Zeit frisch gefasst und dadurch gegen Zufluss von »wilden Wässern« geschützt worden.

Wolkenstein, Stadt, 1446´ ü. M., mit 2075 E. Lebt von Ackerbau, Spitzenklöppeln und Posamentiererei. Sehenswerthe Kirche. Das Schloss besteht aus einem älteren, in Trümmern liegenden, und einem neueren, noch erhaltenen Theil. Auf Schloss Wolkenstein haben im 15. und 16. Jahrhundert wiederholt sächsische Fürsten, besonders Georg d. Bärtige und Heinrich d. Fromme gewohnt; an Letzteren erinnert auch das von Wolkenstein ⁵/₄ Stunde entfernte Lehngut Heinzebank (Heinrichsbank).

Wiesenbad, freundlicher Kurort im Zschopauthale, hat ausser dem nahen Lustwäldchen noch andere interessante Punkte: so den grossen Riss, den Chocoladenfelsen und den Amethystenbruch. Die Quelle, 26° C. warm, hat ähnliche Wirkungen wie das Wolkensteiner Bad, zeigt sich aber von ganz besonderem Nutzen bei scrophulösen Kindern. – In der Nähe des Bades ist eine grosse Flachsspinnerei.

Annaberg, wichtigste Stadt des Obererzgebirges, an dem der Sehma zugekehrten Abhange des Pöhlberges, ziemlich abschüssig, – 1700 bis 1980´ ü. M. – gelegen, mit 11,693 E. Verdankt seine Entstehung dem Silberbergbau, welcher der Sage nach durch Daniel Knapp, den Urkunden nach durch Kaspar Niezelt aus Frohnau in Aufnahme gekommen ist (1492). Die reiche Ausbeute lockte viele Bergleute und Grubenherren, Handwerker, Händler und Glücksritter herbei, so dass die »wilde Ecke« – so hiess damals die in Rede stehende Gegend – zahlreich besiedelt wurde. Dies gab Herzog Georg dem Bärtigen Veranlassung, allda (21. Septbr. 1496) eine Stadt zu gründen, welche anfangs »Neustadt am Schreckenberge«, darnach aber »St. Annaberg« genannt wurde. Am ergiebigsten zeigten sich die Erzgänge im 16. Jahrhundert, und diese Zeit ist es, wo die Annaberger Bergherrn wegen ihrer Ueppigkeit[10] verrufen waren. Annaberg hatte damals seine eigene Münzstätte (an sie erinnert die heutige Münzgasse) und schlug Geldstücke, welche von dem Fundorte »Schreckenberger« und von dem Gepräge »Engelsgroschen« hiessen. Die Ausbeute war bisweilen so gross, dass das Silber in Erzkuchen, also ungemünzt, vertheilt werden musste. Aber wie anderwärts, so hielt auch bei Annaberg der reiche Bergsegen nicht aus. Und als im 30jährigen Kriege noch Noth und Elend an die Bewohner herantrat, da kam der dasige Bergbau fast zum Erliegen und hat sich seitdem trotz mehrfacher, namentlich in neuester Zeit gemachter Versuche nicht wieder in Aufschwung bringen lassen. Das Sinken des Bergbaues war jedoch die Ursache, dass das durch Barbara Uttmann (1561) aufgebrachte Spitzenklöppeln in und um Annaberg rasche Verbreitung fand und die Stadt dadurch, sowie durch die von Georg Einenkel (1589) in Buchholz eingeführte und von da nach dem Nachbarort gekommene Posamentiererei eine ganz neue wirthschaftliche Grundlage erhielt. Was Annaberg damals als Bergstadt verlor, das gewann es bald darauf als Handels- und Industriestadt wieder und eine solche ist es auch bis auf unsere Tage, wo zu den vorhandenen Erwerbszweigen noch die Seidenweberei, die Crinolinfabrikation u. s. w. gekommen sind, geblieben.

Sehenswürdigkeiten: In Annaberg besucht man zunächst die Haupt- oder Annenkirche, welche mit reiner Kreuzesform im gothischen Style erbaut (1499–1519) ist. Der Hauptaltar enthält 10 Sorten Marmor und stellt in herrlicher Skulptur den Stammbaum Christi dar. Ausserdem sind noch drei Altäre: der Bergaltar (mit interessanten Bildern aus dem früheren Bergmannsleben), der Münzeraltar und der Bäckeraltar vorhanden, wie denn überhaupt die Kirche mit grosser Schonung für den protestantischen Kultus umgewandelt worden ist. Beachtenswerth sind ferner: die steinerne mit vieler Bildhauerarbeit gezierte Kanzel, die goldene Pforte, (1577 aus dem hiesigen Kloster entnommen), der becherförmige Taufstein (1560 aus dem Grünhainer Kloster anher versetzt) und neben anderen Gemälden besonders das von Lukas Kranach herrührende Bild (die Ehebrecherin vor Christus). An den Emporen sieht man 100, in gebrannter Erde ausgeführte Darstellungen aus der biblischen Geschichte; doch haben sich unsere Vorfahren auch nicht versagt, an der Brüstung der beiden Seitenchöre die Lebensalter der beiden Geschlechter sinnbildlich in humoristisch-satyrischen Reliefs anzubringen. – Der kegelschiebende Engel, welcher sich über dem Eingang zur »alten« Sakristei befindet, wird von Vielen für ein Wahrzeichen der Stadt gehalten. Die Thüre zu dieser Sakristei trägt interessante Schlösser, wahre Muster der alten Schlosserkunst. In der Sakristei selbst ist ein Tetzel'scher Ablasskasten zu sehen. – Im Jahre 1833–34 sind durch architectonisches Missverständniss aus den schadhaften Fenstern die gothischen Verzierungen und steinernen Zwischenrahmen herausgenommen und durch schlichtes Holzwerk ersetzt worden; neuerer Zeit aber werden die Fenster stylgemäss mit steinernem Maass- und Laubwerk wieder hergestellt. – Die ganze Kirche macht sowohl in Grösse als Bauart einen erhebenden Eindruck. Dies geht auch aus den Worten Johann Friedrich des Grossmüthigen hervor, der zu Herzog Georg, nachdem er mit diesem einem katholischen Gottesdienst in der Hauptkirche beigewohnt, sagte: »Der Gebauer ist wohl schön, nur der Vogel darin singt nicht gut.«

Ausser der Hauptkirche besuche man die Bergkirche, die einzige Sachsens, und die Hospital- oder Trinitatiskirche sammt dem dahinter liegenden Gottesacker. An der Hospitalkirche ist aussen, nach dem Friedhofe zu, eine Kanzel angebracht, von welcher am Trinitatisfest die Predigt gehalten wird. In dem vordern Theile des Kirchhofes steht ein Kruzifix, dessen Umgebung früher in hohem Ansehen stand, weil man annahm, dass bei der Einweihung des Gottesackers (1519) die aus Rom geholte heilige Erde daselbst verstreut worden sei (vergl. jedoch: »Der Gottesacker zu Annaberg« von Dr. Spiess, S. 131). Rechts davon sieht man die weitberühmte Linde, deren flachgewachsene Aeste durch 23 Pfeiler gestützt sind. Der Sage nach soll dieser Baum vormals umgekehrt gepflanzt worden sein, um einen Zweifler zum Glauben an die Auferstehung zu bekehren. Etwas vor dem Kruzifix steht das Denkmal der Barbara Uttmann, der Erfinderin des Spitzenklöppelns. Dasselbe ist der unvergesslichen Wohlthäterin des Erzgebirges im Jahre 1834 durch August Eisenstuck, damaligen Chef der Eisenstuckschen Handlung, errichtet worden und trägt die Inschrift: