Wana Wena, der neue König der Marutse.
Westbeechs dunkler Jäger Diamond, der abermals am 6. ausgegangen war, kehrte am folgenden Tage schwerbeladen heim, d. h. seine Diener keuchten unter den Rumpfstücken eines Büffelstieres. Nahe an der Stelle wo er ihn erlegt, ließ er sich von seinen Dienern eine Grashütte errichten, um darin zu übernachten. In der Nacht hörte er nun, daß Raubthiere sich um das Fleisch zu zerren schienen; der alte Diamond war indeß durch häufigen Branntweingenuß nicht mehr der Elephantenjäger früherer Tage und so hielt er sich sicherer in der Hütte. Morgens fand er, daß sich drei Löwen an den Eingeweiden des Thieres gütlich gethan hatten.
In der Nacht auf den 11. kam plötzlich Diamond an den Wagen und berichtete, daß zwei Marutse-Männer mit dem Auftrage angekommen wären, Kapella und Moja einzufangen und sie zu tödten, falls sie in unserem Lager sich versteckt halten sollten. Diese Mittheilung brachte mich derart in Aufregung, daß ich den beiden Marutse durch Diamond befehlen ließ, sich sofort zu entfernen. Zu spät erfuhr ich leider den Irrthum Diamonds, welcher der Sirotsesprache nicht besonders mächtig war. Wie hätte ich es auch ahnen können, da ich die Leute nicht sah, daß mir Diamond gerade das Gegentheil von dem berichte, was ihm die Leute mitgetheilt hatten. Statt Sepopo’s Häscher zu sein, waren es Kapella’s Diener, welche von ihrem Herrn abgesandt waren, um Fleisch von mir zu erbitten.
Der 12. war ein geräuschvoller Tag für das Leschumo-Thal. Vor- und Nachmittag kamen mehrere Masupia-Trupps von Impalera mit Elfenbein und ein Diener Westbeechs mit dem Auftrage von Letzterem, nach Panda ma Tenka zu gehen und Zugthiere für die beiden Wägen zu holen. In der Nacht auf den 14. schlief ich etwas besser und hoffte deshalb etwas zeitlicher aufstehen zu können. Nachdem mich mein Diener Narri nothdürftig angekleidet, setzte ich mich auf den Bock, um die frische, wenn auch ungesunde Morgenluft einzuathmen. Der Gedanke, daß mich Westbeech bald erlösen werde, hatte meine Lebensgeister etwas aufgefrischt. Narri, der eben mit dem Kochen des Kafirkornkaffee’s beschäftigt war, trat heran, und machte mich auf den Laut menschlicher Stimmen aufmerksam, welche aus ziemlicher Entfernung thalabwärts hörbar wurden. Ich rief die Diener herbei, ließ sie lauschen und sie erkannten singende Masupia’s, welche von Impalera mit Westbeechs Elfenbein beladen sich uns näherten. Die drei anderen Diener waren schon wieder zum Feuer zurückgetreten, nur Narri stand noch bei mir, als sich plötzlich etwa dreißig Schritte vor uns eine dunkle Mannesgestalt, ein unbewaffneter Schwarzer erhob und auf mich zusprang. »Irre ich mich, trügt mich das geschwächte Gesicht? Ist es möglich? Doch nein, ich täusche mich. Wie käme mein Freund Kapella, der Commandant des Marutse-Heeres, in diesem Zustande hieher? Doch ja, es ist Kapella, nicht mehr der Führer der Marutse-Schaaren, sondern der Flüchtling.« Ich wollte vom Wagen herabspringen und seine Hände fassen, doch ich hatte nicht die Kraft dazu. Inzwischen hatte er mich erreicht und am Arme ergriffen. »Intate (Freund), ich bin hungrig, stehe mir bei, drüben im Gehölze hungert meine Frau und meine Kinder,« dann unterbrach er sich plötzlich und horchte auf den Gesang der herannahenden Masupia’s, welche jeden Augenblick an der nächsten Waldesecke erscheinen mußten. Die gutmüthigen Züge verzerrten sich in diesem Momente zur Unkenntlichkeit, Todesangst sprach aus ihnen. Ich weiß nicht, ob die Aufregung in dem Momente es ermöglichte, oder das Mitgefühl der Angst mich so stark machte, ich ergriff einen etwa zwei Eimer Korn enthaltenden Sack, der hinter mir im Wagen lag und warf ihn dem Manne in die Arme. Kapella winkte mir mit der Hand, beugte sich nieder und schlich, von den Masupia’s ungesehen, durch das hohe Gras nach dem nahen Walde.
Am 15. zog das schwerste Gewitter, das ich bisher in Afrika beobachtet, über das Leschumo-Thal dahin, es kam so plötzlich, daß meine Diener rasch Sand und Erde auf die Feuer werfen mußten, um die Grashütten vor Brand zu schützen. Der darauf folgende, noch immer vom Sturmwind begleitete Regenschauer drang durch die Wagendecke, so daß ich mit meinen Decken und Reserve-Kleidungstücken die Sammlungen vor einer abermaligen Beschädigung schützen mußte. Das Wagendach schwankte hin und her und die Gewalt des Orkans schüttelte den Wagen, als wäre dieses formidable afrikanische Transportgebäude ein Spielzeug gewesen. Die eine der Grashütten war durch den Orkan umgeworfen, und die andere, in welcher sich die Diener geborgen, eingedrückt worden. Dank dem leichten Materiale desselben hatte ihnen dieser Unfall nicht viel Leid zugefügt. Gegen Abend mußten sich die Diener wieder daran machen, zwei neue Hütten zu errichten, eine für sich und eine für mein Gepäck, da ich den Wagen für Westbeechs Elfenbein frei machen mußte.
Am 16. langte Westbeech im Leschumo-Thale an. Er beklagte sich über die ihm von Sepopo nach meiner Abreise widerfahrene Behandlung und entschloß sich, nicht mehr nach Schescheke zu gehen, sondern die Waaren nur in’s Tschobethal zu bringen und sie hier auszutauschen. Er gab mir die gewünschten Aufschlüsse über die letzten Vorgänge in Schescheke und theilte mir mit, daß die Idee eines Aufstandes und der Vertreibung des Königs bei den Marutse-Mabunda-Häuptlingen immer mehr festen Fuß gefaßt hätte; dazu kam noch folgender Umstand, der dem Könige in den Augen der Untergebenen sehr schadete. Als er nämlich am Tage nach der Flucht Kapella’s die Nachricht davon erhielt, gerieth er so in Zorn, daß er, wie in der Regel, mit dem Kiri auf seine Umgebung losschlug, dann aber rief er laut, daß er ein Zaubermittel bereiten wolle, welches unwiderruflich die Flüchtlinge zurückbringen werde, dasselbe müsse auf sie derartig einwirken, daß sie die Sinne verlieren und in diesem Zustande nach Schescheke zurückkehren müßten, um sich von Maschoku tödten zu lassen. Er ließ einen Ochsen schlachten und sich den Talg vom Herzen überbringen, dann wurden etwa drei Fuß lange Stäbchen herbeigeschafft und dieselben einen Fuß tief vor der Hüttenthüre der Entflohenen in den Boden eingeladen. Diese Stäbchen wurden darauf an ihrem oberen Ende etwas gespalten und ein Stückchen Talg aufgelegt. Es war das erste Mal, daß sich Sepopo so offen vor seinem Volke über seine Zaubermittel und deren Wirkung aussprach, so daß sich nun auch zum ersten Male die Bewohner von Schescheke von diesem Humbug zu überzeugen Gelegenheit hatten.
Die Portugiesen waren von Sepopo noch immer nicht für ihre Waaren bezahlt worden, er vertröstete sie von Woche zu Woche. Auch berichtete mir Westbeech, daß der Dolmetsch Sepopo’s, Jan Mahura, und sein Bruder am nächsten Tage im Leschumo-Thal eintreffen würden, da sie ihres Lebens nicht mehr sicher waren, und der erstere von dem Könige für seine fünfjährigen Dolmetscherdienste eben seinen Lohn erhalten hatte. Westbeech war gezwungen, noch Güter in Schescheke zurückzulassen, auch sollte sein Koch Fabi, ein Halbcast aus der Colonie, nicht mit nach dem Süden ziehen, weil die ihm vom Könige geschenkte Frau, Asserat, mitzugehen sich weigerte.
Am 17., als bereits das gesammte Elfenbein (11080 Pfund) von Schescheke nach dem Leschumo-Thal gebracht worden war, erkrankte mein Diener Elephant an einer Entzündung des Schleimbeutels unter dem Knie, einem Uebel, welches unter den Masupia’s und Matonga’s häufig angetroffen, Tschi Kana Mirumbe genannt, und mit warmen aus Bohnenmehl bereiteten Umschlägen geheilt wird.
Als am 19. Masupia-Männer vom Zambesi und Tschobe Korn, Mais und Kürbisse zum Verkaufe brachten, boten sie den erhaltenen Kaufpreis dem Bruder des Jan Mahura an, welcher ihnen dafür Elephanten-Medicin, d. h. eine solche, die sie in den Stand setzen sollte, Elephanten ohne Schwierigkeit zu tödten, verabreichen mußte. Jan Mahura machte ihnen zu diesem Behufe an den Armen und den Schenkeln seichte und lange Längseinschnitte und rieb ihnen in dieselbe ein schwärzliches Pulver ein, welches die gewünschte Wirkung äußern sollte.
In der Nacht vom 19. auf den 20. waren die Wagen gepackt, nach Mitternacht trafen die Zugthiere ein und wir verließen das Leschumo-Thal, um weiter nach Panda ma Tenka zu ziehen.
Aufbruch nach Süden. — Vlakvark’s. — Lager an den Klamaklenjana-Quellen. — Der Händler Z. — Die Weiher von Tamasanka. — Die Sibanani-Lichtung. — Reiches Thierleben. — Die Mambaschlange. — Ein böses Gewissen. — Menon, der Chef der westlichen Makalaka. — Ein Spion. — Menon hält über Z. Gericht. — Langfingerigkeit und Unreinlichkeit der Makalaka. — Morulabäume. — Z. in Lebensgefahr. — Die Ruinen von Rocky-Schascha. — Pittoreske Landschaftscenerie am Rhamakobanflusse. — Tati. — Goldgräber. — Die Familie Lotriet. — Matabele-Vorposten. — Geschichte des Matabele-Reiches. — Afrika als Löwenjäger. — La Bengula’s Schwester. — Der Leopard im Schlafzimmer Pit Jacob’s.
Südostwärts reisend, gelangten wir noch am selben Tage bis zu Schneemann’s Weiher, wo wir bis zum Abend verblieben. Die Reise durch den Wald, zeitig am Morgen war insoferne angenehm, als der Wald förmlich vom Dufte der schönen weißen, fünfblättrigen Blüthen des Mopondostrauches erfüllt war. Abends brachen wir wieder auf und fuhren die Nacht hindurch, bis wir zu Mittag des nächsten Tages am Rande der Gaschuma-Ebene anlangten; hier mußten wir rasten, da die Regengüsse der letzten Tage die Wiesenlichtungen in Sümpfe verwandelt hatten. Das Gras auf den Ebenen war stellenweise sechs bis sieben Fuß hoch und wurde von den Eingebornen Matimbe genannt. Des hohen Grases wegen sahen wir auch sehr wenig Wild. Während unseres Aufenthaltes an der oberwähnten Stelle kamen sechs Marutse von Schescheke, die uns nachgegangen waren, und brachten meine Büffelhörner, die Westbeech in Schescheke mitzunehmen vergessen, sowie einen fünfundzwanzig Pfund schweren Elephantenzahn mit. Die Leute folgten dem Wagen bis Panda ma Tenka unter dem Vorwande, Zündhölzchen für Sepopo zu erstehen, eigentlich aber in der Absicht, sich zu überzeugen, ob sich Kapella, der Flüchtling, unserem Wagen anschließen würde. Kapella, dem ich nach jenem schon erwähnten denkwürdigen Morgen des 14. Jänner täglich theils aus meinem, theils aus Westbeechs Kornproviant versorgte, hatte bei der Ankunft des Elfenbeinhändlers von Schescheke den Leschumo-Wald verlassen, und war bis zu den Gewässern der Gaschuma-Ebene vorausgegangen. Hier trafen wir ihn mit den Seinen und mit Moja, und unter den Dienern des Flüchtlings erkannte ich einen, der sich während meiner letzten Fahrt von Schescheke nach Impalera durch sein unverschämtes Auftreten hervorgethan hatte. Da die ganze Gesellschaft seit dem Verlassen des Leschumo-Thales kein Wild erlegt hatte, war die Ueberraschung, die uns Bradshaw von Panda ma Tenka aus durch das Zusenden eines Ziegenbockes bereitete, recht erfreulich.
In der folgenden Nacht verließen wir das Tsetsegebiet und gelangten, nachdem wir noch stundenlang mit dem schwer beladenen Wagen an einem der vielen Zuflüsse des Panda ma Tenka-Flüßchens aufgehalten worden waren, noch am selben Tage nach der gleichnamigen Niederlassung. Mein früherer Diener Pit, sowie Bradshaw waren durch das Fieber förmlich zu Skeleten abgemagert.
Am 23. theilte mir Westbeech die unangenehme Nachricht mit, daß seine Zugthiere durch die Tsetse decimirt und er nicht im Stande sei, der bei dem Verkaufe meiner Zugthiere eingegangene Verpflichtung, meinen Wagen nach dem Süden zu bringen, nachzukommen, er ersuchte mich, mein Gepäck auf einem der mit Elfenbein beladenen Wägen unterzubringen. Am 24. kam der Elfenbeinhändler Saddler von Schoschong an, er berichtete von der Strenge, mit welcher König Khama gegen die Einfuhr von Branntwein auftrete und äußerte sich, daß die Leute in Schoschong sich sehr wundern würden, mich zu sehen, da man mich nicht wieder im Süden erwartete.
Am 27. war ich endlich mit dem Packen meiner Sammlungen fertig geworden und so benützte ich gleich den Nachmittag, um sie zu vermehren. Ich erstand auch von Bradshaw eine Sammlung von 1300 Käfern für 20 £ St., dann für Elfenbein, zur Completirung der Sammlungen 40 Vogelbälge von demselben und 63 von Walsh. Am Nachmittage des 28. verließen wir das Thal, und obgleich mir Westbeech auch auf der Rückreise nach Schoschong viele Gefälligkeiten erwies, so wurde mir das Reisen in einem fremden Wagen unangenehm, da meinem Sammeleifer durch den Raummangel bald Halt geboten war. Ich konnte an Orten nur Stunden verweilen, wo ich eine Woche hindurch die lohnendste Arbeit gefunden hätte. Ich gewann dabei die Ueberzeugung, daß Westmatabele allein Jahre lang einen Forscher ununterbrochen beschäftigen könnte.
Als wir am 28. das Panda ma Tenka-Thal hinaufzogen, jagten unsere Hunde zwei Exemplare der Vlakvark-Species auf. Es gab eine Hetzjagd, welche zwanzig Minuten währte und wobei Schwarze und Weiße, die einen mit Gewehren, die anderen mit Assagaien bewaffnet, dem Wilde nachjagten. Obgleich das Vlakvark unter den Wildschweinen die drohendsten Hauer besitzt, ist es doch unserem europäischen Wildschwein gegenüber eine feige Creatur; es besitzt eine staunenswerth dünne Haut, sowie einen weißen Backenbart im Gesichte. Die folgende Nacht hatte ich abermals wenig Rast, denn in Folge der Fahrt über die steinigen Bodenerhebungen zwischen dem Panda ma Tenka- und dem Dejkha-Flüßchen waren die gepackten Sachen so hin- und hergeworfen worden, daß ich Alles neu ordnen mußte. Auf der Fahrt des nächsten Tages, auf der letzten der großen Graslichtungen, welche das sandige Lachenplateau vom Zambesi-Gebiete auf der bereisten Strecke trennt, entdeckte ich, daß alle Wildpfade von zahlreichen wilden Straußenheerden zum »Wechsel« benützt wurden. Wäre ich in meinem Wagen gereist, so hätte ich mich für die nächsten achtundvierzig Stunden in eines der nahen Gehölze gelagert, um diese Thiere nach Herzenslust beobachten zu können.
Am 3. gelangten wir zu Henry’s Pan, jeden Augenblick, den der Wagen hielt, benützend, fand ich auf dieser, sowie auf der Gesammtstrecke bis Schoschong hin so viel Sammelnswerthes, daß ich nur täglich bei der Arbeit sowie während der Fahrt und in der Nacht bei dem Recapituliren des Erlebten stets über den Zeitmangel und das rasche Reisen klagen mußte. Am 3. beobachtete ich Giraffenspuren im Geleise vor uns, es mochten wenigstens zwanzig Thiere gewesen sein, welche hier ihren Weg genommen hatten. Am nächsten Tage erreichten wir die Lachen von Tamasetse und erstaunten nicht wenig, einen Reiter uns entgegenkommen zu sehen; wir erkannten in ihm den Compagnon des dem Leser schon bekannten Elfenbeinhändlers Anderson. Dieser hatte sich zurückgezogen, während der Erstere mit seinen Dienern hier und um Tamasetse herum Strauße jagte. Dieser Mann, mir Namen Webster, theilte mir mit, daß er mit noch zwei Weißen, Herrn Z. und Mayer, den ich dem Leser schon bei der Reise nach Norden an der zweiten Klamaklenjana-Quelle vorgeführt, in der Nähe lagere. Herr Z., ein früherer Händler, hatte diesmal aus einem ganz besonderen Grunde diese Gegenden ausgesucht. Die zoologische Gesellschaft in London hatte nämlich für ein Junges der weißen (grauen) Rhinoceros-Art einen Preis von 500 £ St. loco Capstadt ausgeschrieben und nach diesen gelüstete es dem ehemaligen Händler. Da dieser Abenteurer sich womöglich geringe Auslagen bereiten wollte, hatte er solche Tauschartikel mitgenommen, die im Innern Afrika’s mit geringer Mühe 500 Percent Reingewinn abwarfen. Im Maschona-Lande wäre es ihm am ehesten gelungen, der gesuchten Species habhaft zu werden, doch eines Vergehens wegen, dessen er sich bei einem früheren Besuche des Landes schuldig gemacht, wagte er es nicht wieder, offen das Matabele-Land zu betreten, um von dem Matabele-König den Durchzug nach dem Maschona-Lande zu erbitten. Als er auf seiner Reise gegen den Zambesi nach Schoschong kam, hatte der König Khama erfahren, daß er Brantwein am Wagen als Tauschartikel führe und gebot ihm, sofort nach dem Süden zurückzukehren. Z. wollte sein Ziel nicht so leichten Kaufes aufgeben, angesichts der Haltung Khama’s versprach er zu den am Limpopo weilenden Damara-Emigranten zu gehen und hier das Feuerwasser abzusetzen, doch dies war nur eine List. Er schlug die Richtung nach dem Limpopo, d. h. nach Südsüdost ein, wandte sich jedoch bald nachher vom Wege ab, kehrte in einem spitzen Winkel nach Norden zurück und verfolgte diese eingeschlagene Richtung bis zur Höhe von Schoschong. Das bereiste Land war hie und da bebuscht, was ihm wohl zu statten kam und als er diesen Punkt erreicht, verbarg er hier seine Branntweinfässer und ging denselben Weg zurück, bis er wieder nach Schoschong kam und dem Könige seinen leeren Wagen zeigte. Dieser glaubte dem Manne, obgleich er sich über die rasche Erledigung der ganzen Angelegenheit wunderte.
Z. schlug eine östliche Richtung ein, bis er das erwähnte Versteck erreicht hatte, lud hier die verbotene Fracht wieder auf und zog nach Westmatabele, um nun nach Nordwest, in das sandige Lachenplateau einzubiegen; da er jedoch in Westmatabele den ihm begegnenden Zulu’s den Grund seines Besuches mitzutheilen gezwungen war, so nannte er sich Capitän Y., der die Victoriafälle des Zambesi zu sehen wünsche, und hiezu La Bengula um Erlaubniß bitte. Er suchte dies durch Boten, die er nach Gubuluwajo zum Könige sandte, zu erreichen, durchzog dann Westmatabele und das Makalaka-Land und gelangte nach dem sandigen Lachenplateau, wo er mehrere Monate zubrachte, während welcher Zeit er seine vier Pferde, die er der Jagd halber mitgenommen, verlor. Während dieser Fahrten brachte er bis auf vier Flaschen Spiritus den ganzen Inhalt seiner Fässer an den Mann. Inzwischen wurde Khama durch die herumstreifenden Bamangwato’s sowie die hie und da postirten Masarwa und Madenassana das Thun des Z. berichtet, auch ließ er nachforschen und der Branntweinschmuggel des Letzteren lag klar zu Tage. Auch Z. blieb dies nicht unbekannt, und er fürchtete, daß ihm der Weg nach dem Süden abgeschnitten sei, und in die Hände Khama’s zu fallen, welcher ihm zur Strafe das Gefährt wegnehmen könnte. La Bengula, den Zulu-König, fürchtete er aber noch mehr. In dieser für ihn ziemlich peinlichen Lage — es war ihm indessen auch klar geworden, daß er ein weißes Nashornkalb nicht erwerben könne — konnte ihm die Ankunft unserer Truppe in Tamasetse nur sehr willkommen sein.
Niemand begrüßte denn auch unsere Ankunft freudiger als Z. Wie hatte sich der arme Mayer verändert? Das böse Fieber hatte ihn in wenigen Wochen siech und so elend gemacht, daß ich ihn mit Noth wiedererkennen konnte. Z. fragte mich um Rath für seine fieberkranken Diener. Ich erwiderte, daß ich selbst am Fieber krank, nicht einen Gran von den nöthigen Medicamenten besitze. Das letzte was ich von Bradshaw gekauft, hatte ich Pit, dem einen Wagentreiber und Sohn Jan Mahura’s gereicht. Doch rieth ich Z. an, um den Dienern das lästige Gefühl der Müdigkeit in den Schenkeln zu beheben, Branntwein in die Muskulatur derselben einreiben zu lassen. »Ich habe keinen Branntwein mehr, doch es sind noch vier Flaschen mit Spiritus im Wagen, ich werde diese verwenden.« Doch Z. hatte mit dem Samaritanerwerk keine Eile, er mischte den Inhalt der vier Flaschen mit Wasser und verkaufte den so gebrauten Branntwein an die Mitreisenden für 33 £ St., und als mein armer Freund von dem furchtbaren Genusse umnachtet, nicht mehr seiner Herr war, verkaufte er ihm Wagen und Ochsen, um sie nicht an König Khama zu verlieren. Ich will die unangenehmen Auftritte übergehen, die sich damals während des Aufenthaltes an den Tamasetse-Lachen vor mir entrollten. Z. ging nun nach dem Süden als Gast meines Freundes und in dem tröstlichen Bewußtsein, wenn auch keinen Preis gewonnen, so doch keinen erheblichen Verlust erlitten zu haben.
Am 7. verließen wir Tamasetse und zogen über die Wässer von Tamafopa und Yoruah nach den nördlichsten der Klamaklenjana-Quellen, von welchem sich ein Geleise nach Südost nach dem Makalaka-Lande abzweigt. Hatte ich während unseres Aufenthaltes auf Tamasetse über das Unheil zu klagen, das Z. mit seinem Brantwein angerichtet, so war dies auf der Weiterreise nur noch mehr der Fall. Westbeechs Wagenlenker (an dem Wagen, in dem ich fuhr) war und blieb betrunken, was zur Folge hatte, daß das Gefährt mehrmals daran war, umzuschlagen, zuweilen sah ich mich gezwungen, selbst die Peitsche in die Hand zu nehmen, was meinen Zustand wieder verschlimmerte.
Am 8. gelangten wir zu dem Yoruah-Weiher. Da Bradshaw hier einen Rückfall erlitt, auch zwei andere Wagenlenker, namentlich Diamond, krank wurden, blieben wir hier 1½ Tage, die ich so gut es anging zur Vermehrung meiner Bälgesammlung benützte. Z. erkrankte an Dysenterie, mein Diener Elephant unter ähnlichen Umständen und zwei andere Diener Westbeechs am Fieber. Am 12. gelangten wir zu den Klamaklenjana-Quellen und fuhren von da noch am Abend ab. Ich fand diesmal das Lachenplateau auffallend wildarm und erkannte auch bald den Grund dieser Erscheinung. Die zahllosen weitab im Walde liegenden Lachen hatten sich mit Regenwasser gefüllt, und so war das Wild nicht an die wenigen Quellenweiher gebunden, sondern konnte sich beliebig weit vom Geleise zurückziehen. Am Nachmittage wurde ich vom Fieberschauer niedergeworfen und hatte noch in der Nacht eine arge Beschädigung meiner Sammlungen zu erfahren. Der betrunkene Wagenlenker war einem vorragenden Aste nicht ausgewichen, der die senkrechten Stützsäulen der linken Dachseite rasirte, dabei in den Wagen drang und hier die in den letzten fünf Tagen gesammelten Coleoptera sowie einige ethnographische Objecte theils arg beschädigte, theils vollkommen unbrauchbar machte.
Am 13. gelangten wir nach einer sehr beschwerlichen Tour durch einen tiefsandigen, dichten Niederwald, und nachdem in der Nacht ein Trupp von Nashorne und Elephanten unsere Route gekreuzt hatte, nach einer mit Wassertümpeln versehenen Lichtung, Tamasanka genannt. Die Weiher von Tamasanka trocknen nie aus, ihr Wasser ist rein und beginnt, zwei bis drei Tage im Gefäß ruhig belassen, sich zu verdicken. Westbeech hatte dies erprobt, während mir leider die nöthige Zeit dazu fehlte, denn wir verließen den Ort schon am folgenden Tage. Auf der Nachmittagsfahrt beobachtete ich zum ersten Mal eine Finkenart, die Paradieswitte (Vidua Paradisea), die an der Westküste häufig anzutreffen ist. Auch fand ich auf der Strecke vom Tamasetse Fliegenschnapper, Pirole, kleine grünlich-gescheckte Spechte und die Vidua regia. Im Allgemeinen zeigten sich im sandigen Pool-Plateau alle die Strecken, welche größere Lichtungen enthielten, reicher an Vertretern der Vogelwelt, als die dicht bewaldeten Partien, in welchen man nur kleine, von Regenlachen ausgefüllte Lichtungen antrifft.
Die Weiterfahrt am 15. und 16. wurde etwas mühevoll, da die Wagenspur von Gras vollkommen überwachsen war und wir uns den Weg erst suchen mußten. Unsere Diener fanden am ersten Tage den halb abgenagten Cadaver einer Giraffe, die wohl von Löwen getödtet sein mußte und delectirten sich nicht wenig an der so leicht gewonnenen Beute. Am 16. betraten wir eine von Mapanibäumen bewachsene Ebene, ein Seitenstück zu jener von Maque, welche von schönen und sehr fischreichen Weihern bedeckt war und von den Eingebornen Sibanani-Lichtung genannt wird. Sie bildet den südöstlichen Theil des sandigen Lacheplateaus und gehört den östlichen Bamangwato und den Matabele an. Der Landstrich war unter Moselikatze bis in die Fünfziger Jahre im ausschließlichen Besitz der Matabele, es war ihr westlichster Punkt nach dieser Richtung hin. Die Wachposten wurden jedoch seither eingezogen, da sie steten Löwen-Anfällen ausgesetzt waren und die ihrer Obsorge anvertrauten Viehheerden nicht mehr schützen konnten. Der Wald in der Sibanani-Lichtung ist nur am Rande der Weiher dicht, welche mir in dem ursprünglichen Bette eines Flusses, dessen Wasser schon vor mehreren Jahrhunderten versiegt sein mögen, zu liegen schienen.
Der geringeren Dichte des Waldes halber ist die Sibanani-Lichtung für die Jäger von besonderem Interesse; alle Wildarten, von der Deukergazelle bis zum Elephanten, sind hier anzutreffen. Der Ornithologe findet die Vögel des sandigen Lachenplateaus mit interessanten Formen von Sumpf- und Schwimmvögeln in Menge vor. In Folge dessen sind auch Tag- wie Nacht-Raubvögel in vielen Species vertreten, an den zahlreichen feuchten Partien erstreckt sich ein wahrer Blumenteppich, der Tummelplatz der zahlreichen Colibris und Bienenfänger, während man an den das Wasser überhängenden Aesten bald den kleinen, oben azurblauen und durch einen Schopf ausgezeichneten Alcedo Cristata, bald eine zweite Art, den Halcyon Swansonii, doch auch den weißschwarz-gescheckten Ceryle Rudis erspäht. Ich will noch des Riesenreihers (Ardea Goliath), und des schönsten aller Gänschen, der Nettapus Madagascariensis gedenken, blos zwölf bis vierzehn Zoll lang erscheint das Thierchen, oben glänzend schwarzgrün, unten weißlich mit Ausnahme der Brust und Seiten, welche sich rostfärbig präsentiren, die Wangen, Stirn und die Kehle sind weiß, der Kopf dunkelschwarzgrün, welche Farbe sich bis nach dem Halse hinzieht und hier beiderseits einen hellgrünen Fleck umsäumt.
Zwei Umstände machen indeß den Aufenthalt an dem Sibanani-Weiher weniger angenehm, als ihn der Forscher sonst unter den obgenannten Umständen finden würde. Es ist erstlich gegen das Ende des Sommers die ungesunde Ausdünstung einiger der seichteren Weiher und zweitens die gelbe Mambaschlange, von der ich schon berichtete, daß sie in der Regel in dem dichten Geäste zweier, einen Wildpfad überhängenden Bäume auf der Lauer liegt. Westbeech berichtete mir, daß in trockenen Wintern die fischreichen Weiher so wasserarm werden, daß man die Fische, unter denen ein Glanis am häufigsten vorkommt, mit den Händen fangen könne. Hier hörte ich auch zum ersten Mal wieder nach vielen Monaten den Silberschakal (Canis mesomelas) und ich fand meine Vermuthung, daß die Sibanani-Lichtung eine der tiefsten Partien des sandigen Lachenplateaus sei, auch dadurch bestätigt, daß ich zahlreiche Pflanzenspecies mit denen des Salzseebeckens identisch fand. Ich konnte erst wieder hier, seitdem ich die Zambesi-Zuflüsse verlassen, schöne Fächerpalmen-Gebüsche beobachten. Die Mitreisenden machten sich, von ihren Dienern begleitet, an die nächst anliegenden Weiher, um unseren Tisch mit Wildgeflügel zu versorgen, leider mit geringem Erfolge. Im Winter soll es hier noch bedeutend mehr Wild geben, allein schon gegenwärtig fand ich zahlreiche frische Wildspuren, welche unseren Weg kreuzten und unter welchen ich auch jene des schwarzen Nashorns bemerkte.
Am 18. brachen wir wieder auf und gelangten nach einem längeren Marsche in das Thal des Nataflusses, zogen das Thal entlang, und überschritten ihn sodann. Der Fluß hat hier den Charakter eines sandigen, nur stellenweise kleine Lachen enthaltenden Spruits. An seinen Ufern, welche mit sechs bis sieben Fuß hohem Grase dicht bewachsen waren, fanden sich stellenweise tiefe, zur Zeit der Ueberschwemmungen gefüllte Lachen, ein Charakteristicon vieler südafrikanischer Flüsse, namentlich aber des Limpopo-Systems. Am Nachmittage ging es weiter nach Südost, dem Makalaka-Lande zu; unser Weg führte durch einen dichten Mapaniwald. Da Westbeech der erste war, der vor vier Jahren diese Route befuhr, die nun vom Makalaka-Lande über den Majtenque und Nata das Matabele-Land mit den Tschobe-Zambesi-Gegenden verbindet, so erlaubte ich mir, das genannte Geleise »The Westbeech Road« zu nennen. Am Abend gelangten wir auf eine mehrseitig von Gehölzen begrenzte Grasebene, in der sich der aus dem Makalaka-Lande fließende Majtenque-River im Boden verlieren soll.
Am 19. hatten wir sehr viele tiefe, wenn auch schmale, trockene Regenmulden zu passiren, welche zu dem genannten Flusse führen, der gegen seine Mündung schmäler und seichter erscheint und dessen Ufer von Fanggruben förmlich durchwühlt sind. Der Majtenque ist ein sandiger Fluß, der hunderte von Bergflüßchen aufnimmt, die jedoch nur äußerst kurze Zeit hindurch fließen, so daß nicht immer dieser Abfluß seine Mündung erreicht, sondern sich namentlich in dem letzten Drittel seines breiten Inselbettes verliert. Der größte Theil seines Gebietes liegt in dem schönen Gebirgslande, welches von den westlichen (Menons) Makalaka’s bewohnt wird. Da sich der Zustand Westbeechs nicht besserte, übernahm ich ihn in meine Behandlung. Am 20. erkrankte auch Dr. Bradshaw an Dysenterie. Wir zogen den ganzen Tag das Thal aufwärts am rechten Ufer des Flusses dahin. Seitdem wir das Panda ma Tenka-Thal verlassen hatten, gab es sehr warme Tage, namentlich die Spät-Nachmittage waren ungemein schwül, dagegen waren die Nächte kalt. Am Vormittage des 21. überschritten wir den Majtenque. Kurz zuvor zeigte man mir einen hohen Mapanibaum, unter welchem einer der Makalaka-Häuptlinge begraben liegt. Der Baum war hohl und genoß noch aus einem zweiten Grunde einen gewissen Grad von Verehrung. Die Makalaka’s glaubten, daß in ihm, doch weniger oft wie in einer der Felsenhöhlen in ihrem Gebirge, ihr Morimo oder der unsichtbare Gott wohne und während sie alljährig in die Felsenhöhle Geschenke brachten, warfen Vorübergehende als Zeichen der Hochachtung ihre Armspangen etc. in die Höhlung des genannten Baumes.
Je weiter wir zogen, desto merklicher erhob sich das Land. Kleine Granithügel erhoben sich vor uns, ohne uns indeß die Aussicht auf die Kuppen der eigentlichen Makalaka-Höhen im Hintergrunde zu benehmen. Bei dem ersten namhafteren Hügel trennte sich Westbeech, um mit Bradshaw, Menon, den Makalaka-Häuptling aufzusuchen und von diesem einige Begleiter nach dem Matabele-Lande zu erhalten, in dessen westlichster Provinz wir uns eben befanden. Westbeech ging seinen in der Residenz des Matabele-Königs wohnenden Compagnon Philips aufsuchen, um ihn, der gemeinschaftlichen Abrechnung halber, zur Reise nach Schoschong zu bewegen. Da Westbeech wegen seiner Gunst beim Könige unter den Makalaka’s geachtet war, entsprach man seinem Ansuchen sofort. Abends erschien auch Menon, um den Elfenbeinhändler mit seinem Gegenbesuche zu beehren. Seitdem wir im Majtenque-Thal nach aufwärts zu reisen begannen, zeigte Z. eine auffallende Unruhe, sowohl während der Fahrt als auch während der Raststunden war er stets wie auf der Wache, er lugte nach allen Seiten aus und glaubte stets Makalaka’s zu sehen. Oft stand er neben mir mit verstörten Zügen am Bocke. »Haben Sie den Schrei gehört, der eben durch den Wald drang? Sahen Sie nicht eben einen Makalaka hinter jenen Dornenbäumen verschwinden?« Da ihm Westbeech seine betrügerische Handlungsweise vorhielt, und man ihm überhaupt von Seite meiner Reisegefährten nicht freundlich entgegenkam, flüchtete er sich zu mir. Saßen wir in der Nacht am Feuer, so war er in der Regel an meiner Seite. Doch litt es ihn nicht lange an einer Stelle, wiederholt stand er auf, und suchte mit seinem unsteten Blick das Dunkel zu durchdringen. Der Zug in das Makalaka-Land schien Z. mit wahrer Furcht zu erfüllen, dies veranlaßte mich, nach dem Grunde seines Betragens zu fahnden. »Ja,« meinte er, nachdem er mir lange genug, ausweichend geantwortet, »so ein kleiner Zufall hat sich während meines Besuches im Innern ereignet; als wir von einer Elephantenjagd heimkehrten und auf einen Pfad im Walde entlang gingen, einer hinter dem Andern folgend, entlud sich ganz zufällig das Gewehr eines meiner Diener, und einer der Leute Menon’s wurde dabei getödtet; es kann nun leicht geschehen, daß Menon denkt, ich habe den Makalaka erschossen.«
Als er nun hörte, daß wir uns nahe an Menon’s Dorfe befanden, erreichte seine Unruhe den höchsten Grad. Er folgte den Wägen und war nicht eher zu sehen, als bis Menon von seinem abendlichen Besuche wieder heimgekehrt war. Menon ist von Mittelgröße, etwa fünfzig Jahre alt, hager, ein Tartüffe ohne Gleichen, mit ihm fanden sich zugleich einige Makalaka’s ein, von denen keiner ein ehrliches Gesicht hatte. Diese von mir — um sie von den nördlich vom Zambesi wohnenden Bruderstämmen zu unterscheiden — die Süd-Zambesi und westlichen, nach ihrem Häuptlinge Menon’s genannten Makalaka sind mit ihren südlichen Brüdern seit dem Jahre 1837 Unterthanen der Matabele-Zulu geworden. Sie waren friedliche Ackerbauer und Viehzüchter, sind gegenwärtig das erstere nur mehr in einem geringen Grade geblieben und nebstbei die unzuverlässigsten Leute und die größten Diebe in Südafrika. All’ dies haben ihre Herren, die Zulu-Matabele auf ihrem Gewissen.
Während seine Begleiter sich an’s Feuer niederhockten, blieb Menon in eine schäbige Gepardcarosse gehüllt, stehen, um uns einen nach dem andern zu mustern. Er schien von dieser Revue nicht befriedigt zu sein und suchte nach Z., denn der Unfall war ihm von den Z. entlaufenen Genossen des Erschossenen berichtet und er zugleich von der Anwesenheit des weißen Mannes, der uns am Nataflusse traf, durch einen seiner Spione unterrichtet worden. Seinem Unmuthe darüber machte er dadurch Luft, daß er von mir und Walsh, die wir zum erstenmale sein Land betraten, einen Durchzugszoll begehrte. Da außer Westbeech Niemand die Makalaka-Sprache verstand, und dieser uns ruhig zu bleiben bedeutete, ohne von Menon Notiz zu nehmen, so ließ dieser auch von seiner Bettelei ab, ja in wenigen Minuten hatte sich das Blatt gewendet. Von Westbeech an die Pflichten der Gastfreundschaft gemahnt, versprach Menon eine Ziege zu senden. Er entschuldigte sich, daß er kein Rind senden könne, da die Matabele seine gesammten Rinder geraubt hätten. Diese Gefälligkeit Menon’s wurde von unserer Seite durch Geschenke an Blei und Schießpulver erwidert, welche auch freundlichst entgegengenommen wurden. Als sich der Häuptling verabschiedet hatte, war nur noch einer seiner Leute zurückgeblieben, anscheinend eine untergeordnete Creatur, die sich am Feuer der Diener niederließ. Mir fiel der Mann durch sein scheues Benehmen auf, und ich beobachtete ihn um so schärfer. Anscheinend sich wärmend, warf der Mann oft den Kopf nach den einzelnen Wägen zurück. Bei einer dieser Bewegungen hielt er den Kopf längere Zeit vom Feuer abgewandt, um darauf das letztere in auffallender Weise zu schüren. Was konnte er gesehen haben? Ich blicke mich um, einige Schritte hinter mir stand Z.; nun war mir auch das ganze Benehmen des als Spion zurückgelassenen Makalaka’s klar. Z.’s Züge waren mehr denn je verstört. Nachdem ich mein Erstaunen über sein Fernbleiben geäußert, entschuldigte er sich damit, daß er sich in einen Busch niedergelegt und dabei eingeschlafen und erst vor Kurzem erwacht sei. »Menon war hier am Wagen, hat wohl nach mir gefragt?« Auf die Anspielung auf den ihm widerfahrenen sogenannten Unfall brauste er auf und schalt Menon einen Lügner.
Der Makalaka am Feuer, der von Z. nicht beachtet worden war, da er für einen unserer Diener gehalten werden konnte, hatte das Gespräch belauscht, erhob sich unauffällig und entfernte sich. »Seht, das war einer von Menon’s Spionen!« sagte ich. Z. sprang auf, ballte die Faust, doch dem Manne nachzusetzen, fehlte ihm der Muth. Wir begaben uns zur Ruhe, jeder in seinen Wagen. Nochmals nahm ich wahr, wie mein Nachbar ängstlich nach dem Feuer auslugte, er mochte wohl einen Ueberfall befürchten.
Während seines Besuches hatte Menon sechs Begleiter bei sich, von welchen zwei mit Assagaien und vier mit Kiris bewaffnet waren, einzelne Makalaka’s trugen auch Musketen; unter den Frauen trugen einige kurze, über und über mit weißen und violetten Glasperlen geschmückte Lederröckchen. Ich erstand von ihnen einige Handarbeiten, welche jedoch weniger gut als die unbedeutenderen Produkte der Betschuana gearbeitet waren. Die bereiste Strecke im Majtenque-Thale, scheint, für die Zukunft ein Eldorado versprechen zu wollen; die bewaldeten Höhen ein vortreffliches Weideland zu liefern. Für einen Botaniker und Ornithologen ist die Reise durch das Makalaka-Land eine wahre Herzensfreude; leider ist sein Forschen in Folge des Charakters des Eingebornenstammes ununterbrochen behindert und in hohem Maße beschränkt.
Am 22. ging es weiter, nachdem Westbeech mit einem berittenen Diener und einigen Makalaka’s zu Fuß die Reise nach Osten nach der Hauptstadt des Landes Gubuluwajo angetreten. Wir anderen legten nur drei Meilen zurück und hielten unter einem Morulabaume Rast, um hier Korn und Melonen zu erhandeln, und womöglich auch die versprochene Ziege von Menon zu erwarten. Wir fanden unter dem Baume schon die Makalaka’s versammelt. Von den Aeltesten in einem Kreise umgeben, harrte bereits Menon unser. Das Ganze sollte den Anstrich einer Feierlichkeit haben, thatsächlich aber war es eine Gerichtssitzung, wobei unserem Begleiter Z. die Rolle des Angeklagten zufiel. Menon hatte Z. mit Mahura als Dolmetsch vorladen lassen, und die Verhandlung wurde in der Setschuana geführt. Das Interessanteste daran war wohl die Begründung des Urtheils von Seite Menon’s. Er sagte: »Ob er von den Weißen erschossen wurde oder nicht, ob Dein Gewehr, da Du hinter ihm schrittest, zufällig losging oder nicht — das ist Alles gleichgiltig, Du mußt seiner Frau und seinen Angehörigen zahlen und mir auch, da ich dadurch einen meiner Arbeiter, d. h. Unterthanen eingebüßt habe.«
Z., dem es im Kreise der Makalaka etwas zu unheimlich wurde — er zitterte, daß er kaum sprechen konnte, und sein Gesicht war glühendroth — betheuerte seine Unschuld in geläufiger Rede, Mahura fand kaum Zeit, ihm zu antworten und sprach endlich, da er nur zu deutlich sah, daß sich sein Client selbst schadete, nach seinem Gutdünken und mit solchem Erfolge, daß Menon trotz des Wehklagens von Seite der Verwandten des Getödteten die Zahlung respective Verabreichung eines färbigen Wollhemdes, einer Wolldecke und sieben Sacktüchern an Stelle der ursprünglich bestimmten Muskete, Schießbedarf und Wolldecken festsetzte. Der erstgenannte Gegenstand fiel ihm als »Schiedsrichter« zu. Nachdem dieser erlauchte Gesetzgeber das Hemd empfangen, verabschiedete er sich, doch kam er bald wieder, denn die Verwandten machten Z. die Hölle heiß, sie beschimpften ihn, nannten ihn Mörder und warfen ihm die Decke und Sacktücher vor die Füße. Menon suchte zu schlichten, da trat jedoch wieder Mahura als rettender Engel dazwischen, indem er Z. zuflüsterte: »Reiche die zurückgewiesenen Artikel dem Häuptling als Geschenk, er nimmt sie an und Du hast Dir einen tüchtigen Bundesgenossen geschaffen.« Z. folgte; Menon nahm die Sachen an, blies sich auf, um den Seinen noch mehr zu imponiren und die Sache war beglichen.
So geschickt im Marutse-Reiche die Masupia als Gaukler sind, so sind es die Makalaka als Langfinger. Mir ist ein Fall von einem Elfenbeinhändler bekannt, der den Leser wohl interessiren könnte. Ein Händler kaufte von Makalaka’s einen Elephantenzahn und legte diesen in seinen Wagen. Es währte nicht lange, und die Makalaka’s brachten einen zweiten, doch konnte der Mann diesen nicht mehr so leicht erstehen, der gefordert Preis war so hoch, daß er ihn nicht nehmen wollte, worauf die Verkäufer den Zahn zur Erde warfen und den Händler einluden, sich von dem großen Gewichte desselben zu überzeugen. Dieser that es und unterdessen wurde ihm der erste Zahn aus dem rückwärtigen Theile des Wagens gestohlen. Endlich gaben die Verkäufer nach und dies um so mehr, weil sie den Weißen auf einen dritten Zahn aufmerksam machten, den eben einige von der Seite herbeitrugen. Sie schienen es eilig zu haben und so kaufte der Händler auch den dritten. Nach dem Kaufe verschwanden die Makalaka’s auffallend rasch im Walde. Unser Mann, der mit dem Gewinne bei dem Kaufe zufrieden war, wollte sich nun die Waare noch einmal besehen. Doch zu seinem Schrecken war der Zahn verschwunden und auch die Makalaka’s — der Händler hatte drei Stück Elfenbein gekauft und nur zwei erhalten.
Der Verkauf von Elfenbein geschieht jedoch nur im Geheimen, da die Makalaka’s alles Erbeutete an den Makalaka-König abliefern müssen. Die Makalaka’s nähern sich dem Reisenden gewöhnlich in Haufen, während die Einen ihn zu beschäftigen suchen, trachten die Andern ihr diebisches Handwerk auszuführen; man kann sagen, daß alles, was nicht mit Ketten und Schrauben an den Wagen befestigt ist, während der Reise durch dieses Territorium von seinen sauberen Insassen gestohlen wird. Sie lernten dies von den Matabele, oder wurden von denselben dazu angestiftet und gezwungen. Es ist nöthig, sich stets diese Langfinger einige Schritte vom Leibe zu halten und auf jeder Wagenseite wenigstens einen Diener als Wache aufzustellen, diesem auch wohl einzuschärfen, sich mit den Makalaka’s in kein Gespräch einzulassen. Wird in dieser Weise den Leuten keine Gelegenheit zum Stehlen gegeben oder sie in flagranti ertappt und zur Rede gestellt, so kann man sich für einige Zeit vor weiteren Angriffen und Belästigungen sicher fühlen, denn die verunglückten Diebe gehen heim und berichten, daß der Weiße eine gute Medicin habe (Beschwörungsmittel mit dem er den Diebstahl wahrnimmt), und daß es nichts nütze, etwas zu nehmen, er sehe Alles, auch wenn er beschäftigt sei.
Nebst dem genannten Laster sind die Südzambesi-Makalaka’s und namentlich die südlichen und westlichen (d. i. die unter dem Matabele-Scepter stehenden), noch durch eine nicht zu beschreibende, beispiellose Unreinlichkeit berüchtigt. Ich glaube, daß sich die meisten Leute im Makalakalande, mit Ausnahme jener die als Diener unter den Weißen gelebt, Jahre lang nicht waschen; ich sah Frauen mit Glasperlensträngen im Gewichte von mehreren Pfunden behangen und belastet und ich mußte annehmen, daß die untersten dieser Rosenkränze am Leibe klebten. Seitdem die Matabele die Herren der Makalaka’s geworden, ist auch das Bauwesen unter dem letztgenannten Stamme so in Verfall gekommen, daß die meisten ihrer kleinen Dörfer ruinenartig aussehen. Die einzige Tugend der Makalaka’s ist neben der Arbeitsamkeit eines guten Theiles dieses mehr denn decimirten Volkes dessen strenge Sittlichkeit, welche unter allen anderen südafrikanischen Stämmen nicht ihres Gleichen findet.
Nachmittags zogen wir weiter durch einen Niederwald, aus dem überall um uns zwanzig bis siebzig Fuß hohe, pyramidenförmige, kegel- und kegelstutzförmige Granithügel, zuweilen aneinander gereiht emporstiegen. Je weiter wir am Ufer des Majtenque nach aufwärts zogen, desto höher, anmuthiger und großartiger gestaltete sich diese Scenerie, hie und da im Walde machten sich die schon mehrmals erwähnten Morulabäume bemerkbar, welche mit einem Zaune, der etwa drei bis vier Meter von dem Stamme abstand, umgeben waren, da sie eben reife Früchte trugen. Diese fielen ab und um zu verhüten, daß sie nicht vom Wilde verzehrt wurden, hatte man die Stämme umzäunt. Jede Familie hatte je nach der Einwohnerzahl des Dorfes einen oder mehrere Bäume als ihr Eigenthum erklärt. Aus dem Fruchtfleische wird ein Bier zubereitet, welches ciderartig schmeckt und auch der in eine harte Schale eingeschlossene Kern wird benützt (ich glaube, daß er zerstoßen und das gewonnene Mehl zu Brei bereitet wird).
Auf unserem Marsche näherten wir uns mehrmals dem Majtenque, oft bot sein Thal eine höchst anmuthige Scenerie. Während der Fahrt am 22. war ich Zeuge eines Beweises rührender Kindesliebe bei einem Schwarzen, der seiner hochbetagten Mutter begegnete. Von Diamond erfuhr ich gleichfalls eine Episode aus seinem bewegten Leben, die mir den Beweis lieferte, daß trotz des sonst verwilderten Zustandes der Eingebornen bessere Regungen in der Brust manches unter ihnen leben und für ihre Empfänglichkeit für Civilisation sprechen.[16] Nachmittags lagerten wir in der Nähe mehrerer Dörfer und hörten hier, daß wenige Tage vor unserer Ankunft eine Truppe von Matabele-Kriegern Menon und die westlichen Dörfer am Majtenque abgesucht hatte, um Knaben als Tribut zu fordern und mit ihnen das jüngste Regiment zu completiren. Menon hatte dies verweigert, und nun glaubte man allgemein, daß ihm diese Verweigerung das Leben kosten werde, denn obgleich die Makalaka’s viele Gewehre besaßen, so reichte doch ein Regiment der Zulu-Matabele hin, die in kleinen Dörfern zerstreut wohnenden Makalaka’s zu vernichten. In dieser Weise war es Moselikatze und seinen vierzig Kriegern möglich, seit dem Jahre 1837 ein Reich zu gründen, das gegenwärtig über 20000 Krieger zählt, doch geschah es zumeist unter Anwendung der rohesten Gewalt, nachdem die Väter getödtet und die Mütter geraubt worden waren.
Auch am folgenden Tage führte der Weg zwischen zahllosen Granitkuppen hindurch, jede tausend Schritte bot sich dem Auge ein neues anmuthiges Bild dar. An unserem ersten Ausspannplatze trafen wir einen Unterhäuptling mit Namen Henry, einen alten Bekannten Westbeechs, von dem Bradshaw für letzteren und seine Diener Sorghum, Mais und Melonen erstand. Henry hielt seine Leute in ziemlicher Ordnung, so daß wir wenigstens in seiner Gegenwart nicht erheblich belästigt wurden. Doch wurde unser Aufenthalt durch das plötzliche Erscheinen eines jener zahlreichen, die Makalaka’s erstickenden Blutsauger, eines Matabele-Kriegers gestört. »Halloh, Ihr Weißen, Ihr habt Sepopo’s Leute mit Euch als Diener. Wenn Ihr nicht zahlt, tödte ich sie Alle, einen nach dem Andern,« rief er uns zu. Um seinen Worten den nöthigen Nachdruck zu geben, schwang er mit der Rechten einen mächtigen Kiri, mit der Linken sein Gewehr. Trotzdem er mir einmal mit dem Kiri bis unter die Nase kam und ich in mir das Blut kochen fühlte, blieb ich ruhig. Da zog der tapfere Kämpe ab und die Makalaka ringsum belachten seine eitle Prahlerei aus vollem Halse. Nun kam er an Walsh und Bradshaw, doch da sich diese an ihren Gewehren zu schaffen machten, nahm er dies als eine Herausforderung an und geberdete sich noch wüthender, bis jene auf ihn losgingen, worauf er sich von dem ununterbrochenen Gelächter der Umsitzenden begleitet, zurückzog.
Auf der Nachmittagsfahrt eröffneten sich uns neue Gebirgsscenerien, die Höhen mit denselben schönen armleuchterförmigen Wolfsmilchbaume bewachsen, wie ich ihn an den Bamangwato-Bergen beobachtet. Die Felder, die wir sahen, waren von beträchtlichem Umfange, ebenso die Gehöfte, welche umzäunt waren und an deren hervorragenden Punkten die Wohnungen des Besitzers standen. Die Umzäunung zeigte von achtzig zu achtzig Meter eine einfache hölzerne Schlagfalle und bildete im Ganzen noch ein Ueberbleibsel dessen, was die zahllosen Makalaka-Dörfer und Gehöfte vor dem Einzuge der Matabele in die Matopo-Gebirge gewesen waren.
Das am Morgen durchzogene Dorf Henry’s hieß Katheme; Abends langten wir an einem zweiten Dorfe mit Namen Bosi-mapani an, und am folgenden Tage erreichten wir eine andere der zahlreichen Niederlassungen der Makalaka’s. Hier waren wir, obgleich eine halbe Meile weit von der Niederlassung im Walde ausspannend, bald von einigen kleinen Trupps, zusammen an sechzig Köpfe zählend, belagert. Man bot uns eine Ziege und zwei Schafe zum Kaufe an. Bradshaw kaufte sie; leider waren in diesem Momente die Diener bei den Wägen postirt und mußten diese im Auge behalten, damit uns nichts gestohlen werde. Einer seiner Diener hatte Mühe, die im Walde etwa fünfzig Schritte vor uns gehenden Thiere heranzuteiben. Bevor er sie noch erreicht hatte, stoben die drei Stücke wie auf ein gegebenes Kommando auseinander. Die Thiere gehörten verschiedenen Heerden an. Diese werden von Hirtenjungen geführt, welche ihre Thiere mit Pfeifen lenken. Kaum waren die Thiere verkauft, als auch schon der Plan der Verkäufer fertig war, dieselben ebenso rasch wieder an sich zu bringen. Sie hatten zu diesem Zwecke die drei Hirtenjungen herbeigerufen, die auf ein gegebenes Zeichen jeder seine eigene Weise anstimmte und die Ziegen weglockten. Der ausgesandte Junge lief einem der Schafe nach und holte es ein, doch bevor er es zurückbrachte und festknüpfte, war das andere und die Ziege entlaufen. Nun wurden mit Androhung La Bengula’s die Makalaka’s, nachdem sie noch Westbeech’s Taschenmesser mit sich genommen, zur Heimkehr gezwungen. Die Thiere aber waren und blieben verschwunden.
Am 25. hatten wir uns vom Flusse Majtenque etwas entfernt, so daß die meisten Kuppen uns zur Linken zu liegen kamen. Größere und ganze Höhenrücken erhoben sich jedoch am südlichen Horizont in der Richtung unserer Fahrt. Die öfteren Besuche der Matabele-Krieger an unserem Wagen schienen auf Z. einen unangenehmen Eindruck auszuüben. Er scheute sie noch mehr als die Makalaka und kroch gewöhnlich in seinen Wagen, so wie sich einer der Zulukrieger sehen ließ. Ohne von den Matabele erkannt worden zu sein, wäre er doch während unserer diesmaligen Mittagsrast von zwei Matabele erschlagen worden, wenn Bradshaw und ich ihm im rechten Augenblicke nicht beigestanden wären und sich später ein herzugekommener alter Matabele in’s Mittel gelegt hätte. Die beiden Friedensstörer waren zwei Matabele-Jünglinge, welche den Kopf mit dem bekannten Federschmucke geziert, ihre Hüften von Günsterkatzen-Schwänzen umhüllt, an den Wagen um eine Lapiana (Lappen) zu betteln gekommen waren. Z. hatte einen kleinen Hund, der dem einen der beiden Matabele bellend entgegensprang. Dieser holte sogleich aus und hätte auf ein Haar dem kleinen Thiere den Kopf zerschmettert und fuhr auch sofort, als Z. die Hand schirmend über das Thier ausstreckte, denselben barsch an, womit der Streit begann. Dem leicht erregbaren weißen Manne stieg die Zornesröthe in’s Gesicht und er antwortete nicht allein im heftigen Tone, sondern ließ sich zu einer drohenden Handbewegung hinreißen. Dies war aber eben, was die beiden Strolche wünschten, denn im selben Momente hob der eine seinen Kiri zum Schlage nach dem Kopfe des Händlers und wurde nur durch unser Dazwischentreten von der Ausführung seines Vorhabens abgehalten. Da wir jedoch die mitgenommenen Gewehre wieder in den Wagen zurücklegten, fingen jene wieder zu schimpfen an und schlugen ihre Kiris wuthschäumend gegen den Boden. Durch den Lärm angelockt, erschien bald darauf ein alter Matabele-Krieger, dessen Kopf die bekannte Auszeichnung seines Standes, der mit einem Haarkreise verwachsene Lederring, zierte. Von Z. über den Vorfall unterrichtet, ergriff er einen Zweig und schlug damit auf die beiden Angreifer, ähnlich wie man zwei kleine Jungen züchtigen würde, worauf sich die beiden Jünglinge grollend zurückzogen.