Jacobsdaal im Jahre 1872.

Auf der Farm Kalke fand ich einige Oolithgesteine und Fossilien, letztere nach Süden hin an Häufigkeit stetig zunehmend. Das einförmige, trostlose Landschaftsbild bewies mir, daß ich mich den Strichen näherte, welche seit Jahr und Tag unter großer Dürre zu leiden hatten. Die Gegend ringsum konnte im wahren Sinne des Wortes verbrannt, verdorrt genannt werden, man sah nicht einen grünen Halm; das Braun der Felsen und der Erde war der überwiegende Farbenton, welchen das Auge gewahrte.[20] Mein Aufenthalt in Philippolis gestaltete sich durch den Verkehr mit den Großhändlern Schultze, den Gebrüdern Liefmann, dem Postmeister Försterlein, Dr. Knobel und Dr. Igel zu einem sehr angenehmen. Sie unternahmen mit mir mehrere Ausflüge, deren naturhistorische und ethnographische Ausbeute meinen Sammlungen sehr zu Statten kam. Unter dem Erworbenen fanden sich mehrere lebende Vögel sowie eine ausgewachsene Springbockgais und von Herrn Schultze erhielt ich eine schöne Quarzdruse zum Geschenk, die ich bei meiner Durchreise im Jahre 1872 in seinem Hotel im Drawing-Room bemerkt, allein damals aus Mangel an Mitteln nicht erstehen konnte, sowie von Herrn Försterlein ein äußerst interessantes, ethnographisches Specimen. Es war ein Talisman in einem kleinen, vier Zentimeter langen, zwei Zentimeter breiten, acht Millimeter starken, an einem Ende schmäleren, schwarzen Holztäfelchen und einem in das breiteste Enddrittel eingesetzten Bergkrystallstückchen bestehend und dem Geber von einem ihm zum Danke verpflichteten Basuto-Doctor geschenkt worden. Als es von Herrn Försterlein zufällig einigen Basuto’s gezeigt wurde, sprachen ihn diese darum an und machten ihm verschiedene Kaufsofferte. Das bedeutendste davon bestand in zwei feisten Rindern.

Auf dem Weitermarsche nach Süden war ich einige Tage auf der Farm Ottersport des Herrn Schultze zu Gast, auf welcher ich die erste Gelegenheit hatte, zahme Strauße zu beobachten. Die letzteren werden gegenwärtig in Südafrika, namentlich in der Cap-Colonie und dem Oranje-Freistaate in solcher Anzahl gezüchtet, daß man schon im Jahre 1879 über hunderttausend Thiere zählte. Der aus dieser Zucht gewonnene Ertrag ersetzt weitaus den Verlust, der durch die stete Abnahme des Handels mit Federn der wilden Strauße entsteht. Dem Ei entschlüpft, hat das Küchlein einen Werth von 5 £ St., halb erwachsene Vögel werden mit zwanzig bis fünfzig, Brütende bis zu 150 £ St. bezahlt. Die Straußvogelzucht wird namentlich in jenen Gegenden betrieben, in welchen die Schaf und Rinderzucht minder einträglich ist.

Das größte Hinderniß, mit dem die Straußenzüchter zu kämpfen haben, sind eigenthümlicher Weise Parasiten. Wohl an fünf bis zu fünfundzwanzig Percent der gezüchteten Thiere sterben in Folge von Band- und riesigen Palisadenwürmern, von denen eine kleine Species der ersteren sich zu tausenden und tausenden im Körper des Thieres vorfindet, die letzteren, welche oft bis Meterlänge erreichen, die Musculatur des Vogels durchfressen, ohne selbst das Herz zu verschonen. Uebrigens nehmen die Parasiten oft schon von dem Ei des Straußes Besitz, bevor die Verhärtung der Außenhaut desselben stattgefunden hat; ich entnehme dies aus dem Berichte einer englischen Zeitung aus Süd-Afrika, welcher mir vor einigen Tagen zukam und erzählte, daß man Straußeneier mit Würmern gefüllt vorfand.[21]

Nachdem ich den Oranje-River an der Furth des Herrn Roß überschritten hatte, erreichte ich Colesberg. Ich fand in demselben eine so freundliche Aufnahme, daß ich aus Dankbarkeit nicht umhin konnte, einer Einladung zu einem Vortrage Folge zu leisten; es war der erste, zu dem ich mich erkühnte. Der Erfolg desselben veranlaßt mich, auch in anderen Städten der Kolonie für die Eröffnung Central-Afrika’s nach dem Süden zu plaidiren. Namentlich verpflichteten mich hier die Herren Prediger sowohl, als auch die Aerzte der Stadt und die Herren Abrahamson, Knobel, Leviseur, Mader, Weekley. (Redacteur des Colesberg Advertisers) zu lebhaftem Danke. Mit Herrn Knobel besuchte ich den Colesberg, der nicht allein in geognostischer und paläontologischer Beziehung interessant ist sondern auch dem Botaniker durch seine reiche Flora, dem Zoologen durch das Vorkommen zahlreicher Berghasen, Klipschliefer, etc., Tag und Nacht-Raubvögel, Höhlenstaare und Tauben, zahlreicher Schlangen und Eidechsen, Kerbthiere und auch Arachniden reichlich den Aufstieg lohnt.

Von hier wandte ich mich nach Cradock; doch wählte ich der Unfruchtbarkeit der Gegend halber nicht die kürzeste Route, sondern ging westlich über Middleburg, da ich hier wenigstens an einer Stelle Futter für die Zugthiere zu finden hoffte. Ich wandte mich zunächst nach Kuilfontein, der Farm des Herrn Murray, wo Herr Knobel versteinerte Rippen eines Thieres in einer Mauer gefunden hatte. Mit Erlaubniß des Besitzers riß ich die Mauer nieder und fand prachtvolle, in harten Sandstein eingeschlossene Skelettheile von Sauriern vor und zwar waren es hauptsächlich die Dicynodon-Species, sowie Eidechsen und krokodilartige Thiere, außerdem fand ich eine fossile Flora in weißlichem Sandstein, welche den, namentlich in der östlichen Capcolonie-Provinz häufiger auftretenden Dicynodon-Schichten aufliegt. Ich blieb hier neun Tage lang und wäre wohl, mit Rücksicht auf das gastliche Entgegenkommen von Seite des Besitzers und der reich entlohnenden paläontologischen Funde, noch länger geblieben, wenn nicht die Dürre der Gegend, die selbst dem Besitzer zu der enormen Auslage des Futterkaufens für einen Theil seiner Hausthiere und das Absenden des anderen in eine grasreiche Gegend des Oranje-Freistaates gezwungen hatte, mich bewogen hätte, den Colesberger District so bald wie thunlich zu verlassen.

Ich machte in Begleitung meines freundlichen Wirthes mehrere Ausflüge in die Umgegend und traf stellenweise Thonschieferlagen mit kleinen Muscheln und Schneckenschalen, sowie Spuren riesiger Eidechsen — wahrscheinlich der Dicynodon-Art? An Wild trafen wir blos Springböcke, Trappen, Knurrhähne, Rebhühner, Wildtauben und Wildenten. Ich erwarb in Kuilfontein drei Fischreiher, welche, ziemlich zahm, alljährig in den Weiden an der Quelle zu nisten pflegen. Meine weitere Reise bis nach Cradock war der herrschenden Dürre halber ein wahrer Leidensweg.

Auf der Newport-Farm fand ich einige hübsche Fossilien, darunter Abdrücke von eidechsenartigen Thieren. Auch hier wurde ich äußerst freundlich aufgenommen und bedaure nur, daß ich der an mich ergangenen Einladung, eine Jagd auf Berggazellen um die Thiere beobachten zu können und eine reichlich lohnende Angelpartie mitzumachen, nicht Folge leisten konnte. Die Newport-Farm-Scenerie ist unstreitig eine der anziehendsten im Middleburger District und ich hoffe hier mit Erfolg auf meiner nächsten Reise einen photographischen Apparat verwenden zu können.

Unfall bei Cradock.

Auch in Middleburg hielt ich, hiezu aufgefordert, einen Vortrag über meine Reisen und fand die liebenswürdigste Aufnahme bei den Bewohnern des Städtchens. Ich bin namentlich den Herren Veidling, Heathcoth und Dr. Moore, welch’ letzterer später auch meine Praxis in Cradock übernahm, zu Dank verpflichtet. Auch in der nächsten Umgebung von Middleburg fand ich ein reiches Dicynodon-Lager und bedaure nur, daß die graslose Strecke ringsum mir einen längeren Aufenthalt nicht erlaubte. Da ich seitdem aus den mitgebrachten Fossilien erkannt, daß dieses Lager auch Fischspecies aufweist, will ich auf meiner nächsten Forschungsreise durch die südafrikanischen Colonien dem Orte meine vollste Aufmerksamkeit widmen.

In Cradock angekommen, war es meine Absicht, meinen erschöpften Zugthieren, von welchen leider einige in Folge des Futtermangels zu Grunde gegangen waren, einige Tage Rast zu gönnen, doch sah ich mich bald genöthigt, daselbst einige Monate zu verweilen, um meine bisher erlittenen Verluste durch den Ertrag der ärztlichen Praxis zu decken. In meiner mißlichen Lage war mir das herzliche Entgegenkommen der Bewohner Cradocks ein wahrer Trost und ich fühle mich namentlich den Familien Grey, Greaves, Green, Gillfillan, Smolmann, Armstrong, Turkington, Leigh, Cawood, Woodland, Rice, Wolters, Rawstone und Gardener, sowie den Herren Brown, Rudd, McLoud zu tiefem Danke verpflichtet. Auch den Herren Mynheeren van Rensburg und Marais, sowie Mr. Forster von der Gillfillan-Brücke gedenke ich hier in freundlicher Erinnerung.

Zur Zeit meines Aufenthaltes in Cradock war der Fish-River mehrmals böser Laune. Ich war anfangs noch nicht dessen sicher, ob ich mich auf einige Monate in der Stadt niederlassen und praktiziren sollte und wohnte in meiner Arche etwa eine halbe Meile oberhalb der Stadt am jenseitigen (rechten) Flußufer. Da ich jedoch schon über zwanzig Patienten zu behandeln hatte, so ritt ich täglich mehrmals mit meinem Mosco nach der Stadt. Ich hatte auf meinem Wege zur Brücke zwei meist trockene Rinnsale zu passiren. Diese zwei etwa vier Meter tiefen, vom Wasser ausgespülten Mulden bildeten, wie man mir mittheilte, nur sehr selten und dann höchstens nur auf einige Stunden, meist nach sehr heftigen Platzregen im westlichen Gebirge (Cradock liegt in einem wahren Bergnetze) fließende Gewässer. Etwa 1½ Monate nach meiner Ankunft im Weichbilde der Stadt fiel durch mehrere Tage (nach mehr denn vierzehnmonatlicher schrecklicher Dürre in der Cap-Colonie) unausgesetzt Regen, in Folge dessen der Hauptfluß anschwoll und auch jene Rinnsale sich mit gelblicher, andere mit röthlicher, breiartiger flüssiger Masse füllten. Ich war schon früh zur Stadt gerufen worden, konnte jedoch des zahlreichen Krankenbesuches am Wagen halber, erst Nachmittags dahineilen und als ich zu dem zweiten, sonst immer trockenen Zuflusse des zu meiner Rechten etwa dreißig Schritte ab brausenden und schäumenden Fish-Rivers kam, fand ich etwa dreißig Menschen am diesseitigen Ufer, die sich nicht hinüberwagten — es waren meist Wäscherinnen, welche Früh die Stadt verlassen hatten, um ihrer Beschäftigung an den etwa 1½ englische Meilen flußaufwärts liegenden schwefelhaltigen warmen Quellen nachzugehen, nun aber nicht heimkehren konnten. Hätte ich meinen Krankenbesuch in der Stadt nicht für sehr dringend gehalten, wäre ich wieder zum Wagen zurückgeritten, da ich jedoch nach dem früh mir vom Krankenbette zugekommenen Bulletin eine Verschlimmerung befürchtete, entschloß ich mich, den zischenden Strudel vor mir zu durchreiten. Der röthliche dicke Schwall war etwa acht bis neun Meter breit und schien mir an der günstigsten Stelle 1½ Meter tief, leider hatte das Wasser unmittelbar unter dieser Stelle ein Loch ausgehöhlt und bildete hier einen etwa drei Meter hohen Katarakt, über welchen es laut schäumend sich mit den tosenden Wellen des Fish-Rivers vereinigte. Ich kannte mein Pferd und vertraute ihm meine Sicherheit an, selbst bestrebt, ihm seine anscheinend schwere Arbeit zu erleichtern.

Bei den zwei ersten Schritten fühlte ich den Körper des Thieres erzittern, ich munterte es auf, rasch bewegte es sich vorwärts; um es von dem Loche zur Linken abzuhalten, hielt ich mehr nach der entgegengesetzten Richtung, wo leider die Strömung zu stark war und das Thier zum Falle brachte; doch waren noch unsere Köpfe über Wasser. Bevor wir uns noch dem Katarakte genähert, hatte Mosco sich von selbst emporgerafft und suchte mit einem Satze das jenseitige Ufer zu gewinnen — seine Absicht mißlang, er fiel auf die Vorderknie — doch zum zweiten Male raffte er sich auf, sein Körper zitterte so sehr, daß ich nicht mehr mit ihm das Ufer lebend zu erreichen dachte, jeden Moment wähnte ich ihn mit mir in die schäumende Tiefe zur Linken fortgespült — da, ohne angespornt zu werden, noch ein Versuch — ein zweiter Satz und die Vorderhufe hatten sich in den Lehmboden des jenseitigen Ufers eingegraben, nur einige Secunden verharrte Mosko in dieser Stellung, ein anderer Satz brachte ihn vollends auf’s Trockene. Wir waren gerettet!

Während meines Aufenthaltes in Cradock war ich so sehr durch meine Praxis in Anspruch genommen, daß ich meine seit dem Verlassen der Diamantenfelder aufgenommenen paläontologischen Forschungen aufgeben mußte. Ich hatte stets sechzig, zuweilen bis achtzig Personen auf der Krankenliste und konnte nur selten aufs Land fahren, da mich meine Stadt-Kranken zu sehr beschäftigten; Herr Kidger sen., der Inhaber eines Geschäftes, war so gütig, mich mit einigen Dicynodon-Resten zu beschenken.

In die Zeit meines Aufenthaltes in Cradock fällt auch die wichtigste Episode, die sich in Süd-Afrika während der letzten fünfundzwanzig Jahre abgespielt hatte — der Zulu-Krieg. Für den Culturfortschritt in Süd-Afrika war der Zulu-Krieg eine Notwendigkeit, doch darf man sich nicht der Ansicht hinneigen, daß ihn Sir Bartle Frere eigenmächtig hervorrief, und die englische Regierung in Südafrika ohne die trifrigsten Gründe zu den Waffen griff. Das Vorgehen Sir Bartle Frere’s war einer der weisesten Schritte, die er, sowie überhaupt ein Staatsmann, auf dem afrikanischen Kontinente thun konnte. Er sah die Gefahr, die den Kolonien von dem Zulu-Lande drohte, er wußte von Ketschwajo’s Vorbereitungen und kannte die allgemeine Kampflust, mit welcher die Zulu-Krieger Ketschwajo’s nach einem Zusammenstoße mit den Weißen lechzten. Bald waren es die Colonisten in Natal, bald die Grenzbewohner der südöstlichen Districte der Transvaal-Colonie, die über die Anmaßungen der Zulu’s zu klagen hatten. In den letztverflossenen Decennien hatten in beiden Ländern zahllose Flüchtlinge aus dem Zulu-Lande Schutz vor den maßlosen Grausamkeiten ihres Königs und der Induna’s gesucht und gefunden.

Hätte die englische Regierung in Afrika nicht zuerst zu den Waffen gegriffen, so wären die Zulu’s wie eine blutgierige Meute Hunde über Natal hereingebrochen, und in einer Woche hätten durch diesen Ueberfall zwanzig- bis dreißigtausend Menschen ihr Leben eingebüßt. Ketschwajo hatte es längst darauf abgesehen. Der dem Zulu-Herrscher eigene Stolz, das sichere Vertrauen, das er auf die Unerschrockenheit und Tapferkeit, sowie die anderen Eingebornenstämmen gegenüber verhältnißmäßig große Anzahl seiner Krieger setzte, machten ihn siegesbewußt, lullten den Tyrannen, dessen Vorbereitungsmanöver oft Hunderte von Menschenleben kosteten, in den großen Traum ein, Herr von Natal zu werden. Dieser Schlag hätte aber einen furchtbareren noch im Gefolge gehabt: die Erhebung der meisten südafrikanischen Stämme gegen alle Weißen.

Wenn es in Süd-Afrika einige, in England jedoch zahlreiche Menschen gibt, welche den Zulu-Krieg pro ipso als eine der größten Ungerechtigkeiten ansehen, deren sich die englische Regierung in Süd-Afrika schuldig gemacht, so beruht diese irrige Ansicht auf einem vollkommenen Mißverständniß des Eingebornen-Charakters im Allgemeinen und des Zulu-Charakters im Besonderen. Die Vertreter der ebenerwähnten Ansicht sind meist Menschen, welche mit den Eingebornen nie in Berührung kamen oder nie Gelegenheit hatten, die ungeheuchelte, nackte Handlungsweise der Zulu’s kennen zu lernen, die schließlich von einem Vorurtheil befangen, stets und in Vorhinein in jedem Schwarzen einen armen, bedrückten, gequälten und von den Weißen zurückgesetzten Menschen sehen.

Als ich nach meiner Rückkehr von Afrika in England hochstehenden Personen gegenüber, welche in verschiedenen Welttheilen durch Jahrzehnte beschäftigt waren, den südafrikanischen Eingebornen eine erfreuliche Zukunft in Aussicht stellte, staunte man überall. Man war von der allgemeinen, bisher geltenden Idee des Aussterbens der schwarzen Race und ihres Verdrängtwerdens von Seite der Weißen durchdrungen und glaubte in dem Zulu-Kriege nur eine Bestätigung dieser Ansicht zu finden. Wenn die Behandlung der Schwarzen von Seite der Weißen in vielen Weltgegenden bisher zumeist Mißerfolge aufwies, so beruhten dieselben erstlich auf einer irrigen Auffassung der Natur und Stellung des Eingebornen. Er wurde entweder als ein untergeordnetes, kaum menschliches Wesen angesehen und dann übel behandelt, oder er, das ungebildete Kind, wurde belehrt, daß er seinem Lehrmeister und weißen Herrn vollkommen gleich stehe. Da der Schwarze diese Identität nicht begreifen konnte, und er, der ungebildete Unmündige, sich nun plötzlich als Gebildeter betragen, das Kind den Erwachsenen spielen sollte, kam ein offener Widerspruch zu Tage, dessen unmittelbare Folge ein schwerer Mißgriff des Weißen war; in Folge dieser irrigen Auffassung gab man dem Kinde ferner seine eigene vorzügliche Waffe in die Hand, welches nun nichts Eiligeres zu thun hatte, als die vermeintliche Ebenbürtigkeit dem weißen Manne gegenüber geltend zu machen und gegen ihn die Waffe zu gebrauchen. Ein weiterer, sich nur allzubald rächender Fehler war drittens die Einfuhr und der Verkauf alkoholhältiger Getränke, viertens die Einschleppung von ansteckenden Krankheiten, und endlich fünftens, daß sich die zu dem Verkehr mit den Eingebornen von dieser oder jener Regierung bestimmten Personen (Commissäre etc.) als untauglich und ihres Amtes unwürdig zeigten, und zwar dadurch, daß sie namentlich vor Allem ihre persönlichen und die Vortheile ihrer Nächsten und weniger das Wohl der Eingebornen im Auge hatten.

Was die beiden ersteren Punkte mit Rücksicht auf Süd-Afrika betrifft, so glaube ich schon im vorigen Capitel darauf hingewiesen zu haben, daß man gegenwärtig glücklicher Weise in das richtige Fahrwasser »how to deal with the natives« eingelenkt habe. Der letzterwähnte Punkt kann in Süd-Afrika gar nicht zur Sprache kommen. Die Berichte der Commissäre of the native-affairs können nur zu leicht einer Prüfung unterzogen werden. Für den geringsten Mißbrauch ihrer Amtsgewalt würde eine sofortige strenge Bestrafung auf dem Fuße folgen. Bezüglich des dritten Punktes sehen wir das Unglaubliche in Süd-Afrika möglich geworden, daß Eingebornenfürsten dem Verkaufe des Feuerwassers steuern und daß auch einige der Colonial-Regierungen die Ausfuhr desselben nach den unabhängigen Eingebornenreichen verboten oder eingeschränkt haben.

Eine glückliche Lösung der Zulu-Frage, welche bei diesem kriegerischen Volke nur mit Waffengewalt zu Stande kommen konnte, war für Süd-Afrika von derselben Bedeutung, als eine solche der orientalischen Frage für manche Staaten Europa’s. Ein mehrjähriger Aufenthalt unter verschiedenen Stämmen und mein Wirkungskreis als Arzt, bot mir hinreichende Gelegenheit, so manche Ansicht derselben kennen zu lernen und über die wirklichen Verhältnisse der einzelnen Stämme unter einander, ihre Beziehungen zu den Engländern und Holländern Erfahrungen zu sammeln, welche mich wenigstens theilweise zu der Veröffentlichung der dem Leser schon bekannten Broschüre, sowie einer Reihe von Artikeln veranlaßten

Auf der Heimreise durch die Kolonie begriffen, ersah ich (der Leser möge dies Geständniß entschuldigen) daß mir meine Zulubriefe, meine Reisen wie auch meine Ausstellung in Kimberley zahlreiche Freunde erwarben. Der erste dieser Artikel, welchen ich vor dem Ausbruche des Krieges schrieb und in welchem ich unter Anderem die Kampfweise der Zulu’s und die Gefahr, welche für Afrika von Seite dieser Barbaren bevorstand, schilderte, verspätete sich in Folge lebensgefährlicher Erkrankung des Redacteurs des »Eastern Star« und erschien, von mir telegraphisch urgirt, zufällig am selben Tage, an welchem die Nachricht von der Niederlage der englischen Truppen bei Isandula die Cap-Colonie erreichte; derselbe war vor dem Ausbruche des Krieges am 16. Jänner abgesendet worden. Ich erlaube mir im Folgenden einige Citate aus demselben anzuführen:

»Gibt es gegenwärtig etwas Wichtigeres, Gefahrdrohenderes auf dem politischen Horizont Süd-Afrika’s als jene dunkle Wolke im Osten, als die Zulu-Frage? Schwarz, dicht geballt, blitzgeschwängert ist diese Gewitterwolke, die ungebundene Masse eines der rohesten Eingebornen-Elemente, welche unseren Blick in die Zukunft trübt und seit Jahren den Frieden und die Wohlfahrt Süd-Afrika’s bedroht.

Dort — nördlich vom Tugelaflusse hängt das Damokles-Schwert über Deinem Haupte, Süd-Afrika. Und dieses Schwert und jene Wolke? Ein blutdürstiger Tyrann, dessen Macht auf Tausenden und abermals Tausenden entmenschter, ihm wie eine Rotte wilder Wölfe in sklavischer Unterwürfigkeit blindlings folgender Creaturen beruht. Doch wie ist es denn möglich, daß solch’ ein Wütherich so viele Jahre und in einer solchen Weise die Civilisation hier um uns beeinträchtigen konnte, daß der Weiße jeden Moment die drohende Meute über sich hereinzubrechen befürchten mußte? Hast du denn geschlummert, britischer Löwe, daß du dir für die beispiellose Sanftmuth, die du so oft den Zulu’s gegenüber bewiesen, so lange solch’ eine schmähliche Stellung dem Zulutyrannen gegenüber gefallen lassen mußtest? Ja, dort nördlich von der Tugela, in dem schrecklichsten durch einen Eingebornenfürsten geschaffenen Gefängnisse harrt der gordische Knoten Süd-Afrika’s seiner Lösung.

Bei der Betrachtung dieser von Osten her verderbendrohenden Wolke haben wir jedoch nicht allein das Furchtbare des ihr entströmenden Ungewitters zu fürchten, sondern noch einen zweiten Umstand. Es ist das Verhältniß zu den übrigen Wolken und Wölkchen, die auf dem Horizonte über uns schweben. Obgleich Feinde des Zulustammes — ja ihn hassend — verbindet doch den letzteren mit den meisten der südafrikanischen Eingebornenstämme ein Gedanke, der von der Natur eingeimpfte, aus einem allseitigen Neid hervorgegangene, trotz der wohlwollenden Behandlung unter dem Gouverneur Sir Henry Barkly durch ein Gefühl einer irrthümlichen Zurücksetzung gestärkte Haß der dunklen Racen den Weißen gegenüber.

Von der größten Wichtigkeit ist es nun für uns, zu wissen, ob sich jene kleinen Wolken, die meisten bedeutenden Stämme, beim Losbrechen jenes Unwetters mit den Zulu’s vereinigen werden oder nicht. Farbige, die sich seit Jahren und Jahren zwischen den Weißen bewegten, die als Diener, Aufseher etc. seit Decennien in des weißen Mannes Diensten standen, Menschen, deren Dörfer um unsere Ansiedelungen liegen, und friedliche Nachbarn geworden waren, Farbige, die, ob Bastard-Buschmänner, Hottentotten oder Banthu’s, den Zulu als einen Erbfeind haßten, welche von demselben wiederholt bekriegt, von ihm Schreckliches erleiden mußten — lächelten zufrieden in sich hinein, so oft sie von dem arroganten Auftreten Ketschwajo’s hörten, freuten sich im Stillen, daß doch ein schwarzer Bruder (in Wirklichkeit ihr größter Feind) dem Weißen Trotz und Hohn bot und zu bieten im Stande war. »Ja, die Zulumacht, die Macht des blutdürstigen Ketschwajo, ist eine hohe Mauer, ist ein Felsen, über den das Bleichgesicht nicht klimmen, den es nicht bezwingen kann.« Einen weiteren Beweis der Zulumacht glaubten sie auch darin zu erblicken, daß die meisten der Wächter des Weißen — die schwarzen Policemen — Zulumänner aus Natal, Flüchtlinge aus Ketschwajo’s Gebiete waren. In keinem Eingebornenlande Süd-Afrika’s ist eine solche Rohheit und Unmenschlichkeit, ist eine solche Barbarei zu beobachten, solch thierische Wuth manifestirt, wie in Ketschwajo’s Land. Ja, wir sehen, daß selbst der regierende Stamm, die Zulu’s selbst, auf die furchtbarste Weise von ihrem Tyrannen mißhandelt werden, ebenso barbarisch wie die Eingebornen es sind, sich ebenso sklavisch den Befehlen des Tyrannen unterwerfen und ihre Mitmenschen abschlachten, um vielleicht bald darauf selbst abgewürgt zu werden. Muth und Unerschrockenheit sind die einzigen Tugenden, die wir den Zulu’s zuerkennen müssen, doch da dieser Charakterzug nur zur Stärkung der Macht eines Tyrannen und des Plünderns halber zur Geltung kommt, büßt er das Lobenswerte ein und wird zur entfesselten thierischen Wuth, mit der sich der Tiger auf sein Opfer wirft. Bald in dieser, bald in jener Weise haben sich unsere Brüder in Natal Drohungen und Erniedrigungen von Seite des Zulu-Fürsten gefallen lassen. Jede der ihnen angethanen Schmähungen war eine Schmähung für uns Alle, und es sind nun Tausende und Tausende, die gegenwärtig von der südlichen Meeresküste bis zu dem nördlichen Bogen des Limpopo, von der Mündung des Oranje-Rivers bis zur Tugela-Mündung welche, — die Einen ein Ende dieser Anmaßungen mit geballter Faust fordern, die Anderen aus der Tiefe ihres Herzens darum flehen.

Kampfweise der Zulu.

Jene von uns, die da glauben, daß die vom Zululande drohende Gefahr in der Cap-Colonie, Griqualand-West u. s. w. weniger zu fürchten sei, huldigen einer irrigen Auffassung. Das Zulu-Land ist ein Vulcan, von dem ganz Süd-Afrika Verderben droht. Die Unzufriedenheit unter den Eingebornenstämmen wird vom Zulu-Lande aus stets angefacht und genährt, nur wir, die wir seit Jahren unter diesen Stämmen wohnen und uns die Mühe nehmen, uns in den Charakter dieser Eingebornen einen Einblick zu verschaffen, fühlen es, daß wir auf einem Vulcan stehen, dessen Ausbruch nördlich von der Tugela zu suchen ist und dessen Lava-Erguß das gesammte Süd-Afrika zu überschwemmen droht. Die niedrigsten den südafrikanischen Eingebornen eigenen Laster finden im Zulu-Lande ihre Pflege. Haben die Colonisten noch nicht das Zischen vernommen, mit dem die Lava aus dem Zulu-Krater entströmt? Für jene, die es nicht vernommen, mag es in Folgendem wieder klingen.

Ich hoffe, es gibt keinen unter uns, der dies nicht glaubt, aber wenn einige dieser unglücklichen Mitbrüder noch existiren sollten, laßt sie hingehen und sie, wenn auch nur kurze Zeit, am Ufer des Tugela wohnen. Fragt sie bei ihrer Rückkehr! Ihr würdet in den früheren Freunden Hasser der Zulu wiederfinden.

Wem tönt nicht der übliche Spruch der Zulu’s in den Ohren. »Blaßgesichter, Ihr wähnt Euch Indunas (Häuptlinge)? Glaubt Ihr dafür geschaffen zu sein, zu befehlen, daß wir Eure Gesetze befolgen, die wir hassen, Gebote, die Ihr gut und schön nennt? Ihr wollt uns arbeiten lehren? Wir haben diese Schmach (arbeiten zu müssen) nie über uns ergehen lassen, außer wenn uns des Königs Gebot hieß menschliche Schädel zu brechen. Haß und Tod für Euch. Wir verachten Alles, was Ihr für uns gethan, uns geschenkt habt. Schwachheit war es, nichts als elende Schwachheit, Großmuth nennt Ihr es — thut es nach Belieben, wir nicht!« Jene, welche sich zu Vertheidigern der Zulu’s aufwerfen, mögen sich diesen Gedanken, der alle Ketschwajo-Zulu’s beseelt und von ihnen ausging, einprägen.

Ist die Zulu-Frage mit den Waffen glücklich gelöst, dann steht uns eine frohe Zukunft bevor! Colonisten, ich bin kein Freund von Kriegen, nicht vielleicht, weil es mir an persönlichem Muthe gebricht, sondern der armen Opfer willen, die ein Krieg erheischt. Wenn sich mir nicht diese aus Thatsachen durch mehrere Jahre geschöpfte Ueberzeugung aufgedrungen hätte, ich würde nie diesen Krieg als eine Nothwendigkeit angesehen haben.

Außer Ketschwajo’s Zulu-Reiche finden wir noch ein zweites, ein nördliches, das Matabele-Reich des La Bengula. Nur von vierzig wahren Zulu-Kriegern und einigen ihrer Sklaven gegründet, hat es sich seit 1837 zu einem großen Reiche emporgearbeitet, und seine räuberischen Horden haben sich noch nicht müde gemordet, denn das Matabele-Reich ist im steten Wachsen begriffen.

Wäre das südliche Zulu-Land seit Jahren und Decennien nicht von allen Seiten eng und straff umspannt worden, ein Gleiches hätte sich, und nur noch in höherem Grade wie bei den Matabele, zugetragen; es hätte sich durch Raub und Mord nach drei Seiten ausgedehnt. Während das zweite Zulu-Reich im friedlichen von arbeitsamen und friedliebenden Stämmen bewohnten Makalaka-Reiche gegründet wurde und sich so leicht im Sinne eines Raubstaates ausdehnen konnte, wird Ketschwajo’s südliches Zulu-Reich im Süden von Natal, im Westen vom Oranje-Freistaat und der Transvaal-Republik, im Norden von den kriegerischen Amaswazies, sowie im Osten vom Meere umsäumt und dadurch noch eine zeitlang in Schach gehalten. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung jedoch regte und bäumte sich das Zulu-Element so zusehends, daß es immer arroganter und drohender erschien und schon seit Jahren an einen Kampf mit der weißen Race dachte. Die blutigen Manöver Ketschwajo’s beweisen hinlänglich, was das Zulu-Volk und sein Herrscher vorhatten. Die Wirthschaft der Zulu sehen wir nur zu deutlich an den Matabele, deren Geschichte klar vor unseren Blicken daliegt.«[22]

Diesem Artikel folgten andere, in welchen ich über die Kampfweise der Zulu’s berichtete und deren Inhalt auch später durch die Nachrichten vom Schlachtfelde bestätigt wurde. In unbegrenztem Stolze und Selbstbewußtsein hält sich der Zulu nicht nur für den tapfersten Eingebornen Süd-Afrika’s, sondern auch dem Weißen, seinen Waffen und seiner Kriegsführung überlegen. Seine Kampfbegierde kommt seiner Tapferkeit gleich und erklärt die rasche und mächtige Ausbreitung der Zulu-Herrschaft. Ich möchte sie beinahe als das kriegerischeste und kampfmuthigste unter den uncivilisirten Völkern bezeichnen. Wir beobachten an ihnen nicht allein Muth und Tapferkeit, sondern auch einen hervorragenden Sinn für Strategie. Bei ihrem Angriffe nützen sie alle Vortheile des Terrains aus, hohe Grasfelder, Regenmulden, dichtes Gestrüppe etc., dichte Nebel, sowie die nächtliche Zeit, um dem Feinde so nahe als möglich zu kommen. Doch thun sie dies nicht, wie die Colonial-Kafferstämme, um sich zu decken, sondern einzig und allein, um den Feind zu überraschen. Ist dies jedoch nicht möglich, so gehen sie über eine unbebuschte Grasebene auf den Feind los, ohne Rücksicht darauf, ob sie sich dabei Stunden lang einem continuirlichen Gewehrfeuer aussetzen müssen. Dadurch unterscheiden sie sich in ihrer Kampfweise im Allgemeinen von den Colonial-Kaffern, Hottentotten und ihren Bastarden. Die ersteren greifen in der Regel im offenen Kampfe an, doch ziehen sie sich nach der ersten Niederlage sofort auf ihre bebuschten Höhen und den Niederwald zurück und setzen von hier aus den Guerillakrieg fort. Die Hottentotten etc. scheuen den offenen Kampf und ihnen ist im Allgemeinen nur die letztere Kampfweise eigen. Die Zulu’s hingegen zeigen eine Todesverachtung, wie sie sonst bei keinen afrikanischen Farbigen vorkommt.

Kopf, Brust und Füße mit thierischen Haaren, Hautstücken, Schwänzen oder Federn phantastisch geschmückt, eilen die Zulu’s unter gellendem Jauchzen oder dem Absingen eines ihrer kriegerischen Lieder, ungeachtet des Kugelregens und der ihnen entgegenblitzenden Bajonette gegen den Feind vor. Während ihres Sturmlaufes trachten sie sich mit ihrem Schilde zu decken, und indem die Linke, die den Schild hält, zugleich einen Wurf- und zwei kurze Assagaie festhält, schwingt die Rechte einen Wurfassagai, mit dem der Mann in der Regel auf eine Entfernung von sechzig Schritten zu treffen weiß. Auf dreißig Schritte dem Feinde genähert, schleudert er den zweiten und ergreift, ununterbrochen heranstürmend, seine kurzen Assagaie, um sie im Handgemenge als Waffen zu benützen. Dabei geschieht es oft, daß die Zulu-Krieger, um freier auslegen und arbeiten zu können, den Schaft des kurzen Assagai’s abbrechen, um mit dem Eisentheile wie mit einem Dolche weiter zu kämpfen.

Mit Vorliebe schieben sie die beiden Flügel ihrer Angriffscolonnen armartig vor, welche sie die Hörner ihrer Armee nennen. Während nun das Centrum den Feind direct angreift, suchen die beiden Flügel im weiten Bogen die feindliche Armee zu umgehen und zuerst ihren Nachtrab, dann ihre Flanken anzugreifen. Da dem Centrum die schwierigste Aufgabe obliegt, so ist dieses nicht allein aus den Kerntruppen gebildet, sondern es hat auch eine Reserve von gleicher Stärke hinter sich. Siegt das Centrum, so wird die Ausnützung des errungenen Erfolges dem Reservecorps überlassen, dessen Aufgabe es ist, die Gefangenen auszurauben und die Verwundeten niederzumetzeln. Sind es Weiße, mit denen die Zulu’s kämpfen, so werden diese in der Regel entkleidet, und nicht selten geschieht es, daß dem Feinde der Unterleib aufgeschlitzt, oder die Leichen verstümmelt werden.

Der mir zugemessene Raum gestattet es nicht, hier die Einzelheiten des Zulu-Krieges vorzuführen. Dem Leser sind wohl die englischen Mißerfolge wie die Siege bekannt, und die ersteren unstreitig den Umständen zuzuschreiben, daß man erstens die Zulu-Kampfweise irrthümlich mit jener der Colonial-Kaffern für identisch hielt, ferner daß man die Zulu-Macht unterschätzend, mit zu geringen Streitkräften in den Krieg zog (nicht Sir Bartle Frere’s Schuld, der um mehrere Regimenter Verstärkung ansuchte), und daß man endlich sowohl bei dem Auskundschaften einer Gegend, wie bei dem Weitermarsche nicht die gehörige Vorsicht gebrauchte. Der Mißerfolg der englischen Waffen im Anfange des Krieges wurde durch die folgenden glänzenden Siege rühmlichst wettgemacht und der Feldherr wie die Befehlshaber der einzelnen selbstständig operirenden Colonnen, die Officiere wie die Mannschaft, haben die erlittenen Scharten nicht allein ausgewetzt, sondern auch im Kampfe mit dem kriegerischsten der Eingebornenvölker Afrikas und auf einem höchst ungünstigen, felsigen und hochbegrasten Terrain neuen Ruhm erfochten. Der Sieg bei Ulundi und nicht Wolseley’s Thaten hatten den Krieg zum Abschlusse gebracht. Und ich halte es für vorzeitig, daß die britische Regierung in London vor der Beendigung des Krieges Sir Bartle Frere den Machtspruch in dieser Angelegenheit entzog und Lord Chelmsford abberief. Denn ich denke, daß in Folge dessen die Friedensverträge mit den Zulu’s nicht in entsprechender Weise abgeschlossen worden sind, um einen dauernden Frieden mit dem Eingebornen-Element in Süd-Afrika zu erzielen.

Die Richtigkeit dieser Behauptung können wir aus den allerletzten uns in diesem Monate (October 1880), aus Süd-Afrika zugekommenen Nachrichten über die Erhebung eines Theiles der Basuto’s gegen die Cap-Colonial-Regierung bezüglich des Disarmament (Waffenauslieferung) beobachten. Wäre der Friede mit den Zulu’s im Sinne der in den südafrikanischen Kolonien bei weitem vorwiegenden Meinung abgeschlossen worden, hätten sich gegenwärtig die Basuto’s aus dem oberwähnten Grunde nicht aufgelehnt. Allein die wohlwollende Meinung von Seite der englischen Colonial-Regierung in London, die sich in den Vertragsschlüssen mit den Zulu-Häuptlingen nach der Beendigung des Krieges kundgab, wurde von den übrigen Eingebornenstämmen Süd-Afrika’s (den freilebenden, wie den unter der Oberhoheit der Weißen stehenden) nicht als eine wohlwollende Handlung, sondern als der Ausdruck von Schwäche angesehen.

Die Absicht, mit der das Ministerium Sprigg die Waffen-Auslieferung begründet, und bei einigen Stämmen schon erfolgreich durchgeführt hat, beruht hauptsächlich: erstlich auf der Idee eines dauernden südafrikanischen Friedens, zweitens einer friedlichen Lösung der Eingebornenfrage, und zwar sollen dadurch, daß man den Eingebornen die Feuerwaffen abkauft und ihnen keine weiteren verkauft, kriegerische Stämme, sowie jene, welche trotz ihrer sonst friedlichen Gesinnungen sich nach und nach durch den Erwerb der Feuerwaffen zu kriegerischen heranbilden, zu friedlichen Ackerbauern und Viehzüchtern erzogen werden. Es sollte eine langsame doch wohlerwogene stufenförmige Erziehung ganzer Stämme durchgeführt werden; hat man diese erreicht, so könnte die Regierung später gewiß einzelnen Jagdfreunden unter den Eingebornen ohne Gefahr Gewehr-Licenzen (Jagdkarten) ertheilen.

Masarwadorf.

Auf meiner Heimfahrt nach Europa traf ich zufällig mit General Lord Chelmsford und seinem Stabe zusammen. Bei dem ersten Zusammentreffen dankte mir derselbe für die Aufrichtigkeit, mit der ich meiner Ueberzeugung im Verlaufe des Krieges Ausdruck gegeben hatte. In der Begleitung Lord Chelmfords fand sich auch der ihm zugetheilte General der Cavallerie Sir Elevyn Wood, der in der englischen Armee durch seine persönliche Tapferkeit sich einen rühmlichen Namen erworben hat. Er wunderte sich nicht wenig, als ich ihm Telegramme vorwies (unter anderen jenes, in welchen mir sein Sieg über die Zulu’s bei Kambula berichtet wurde) aus denen er entnehmen konnte, daß ich während des Krieges in direkter telegraphischer Verbindung mit Natal stand.

Fingodorf bei Port Elizabeth.

Ich muß gestehen, daß sich seit jener Zeit das Band, welches mich an Süd-Afrika so innig fesselte, nicht gelockert hat, selbst nicht nach der erfolgten Ankunft in Europa; trotz der Verleumdungen der Elfenbeinhändler Westbeech und Andersen in einem afrikanischen Blatte, die mich ebenso wie dieses Blatt selbst während meines Aufenthaltes in Afrika nicht genug zu rühmen wußten. Hingegen freute es mich lebhaft, meine Thätigkeit von den bedeutendsten Blättern Süd-Afrika’s gerecht und unparteiisch beurtheilt zu sehen. Ich werde immer das innigste Interesse an dem Fortschritte der südafrikanischen Colonie nehmen und stets des mir von Seite der englischen wie holländischen Colonisten bewiesenen Entgegenkommens eingedenk sein.

Als ich mir die nöthigen Mittel zur Weiterreise erworben hatte, verließ ich noch vor der Beendigung des Zulu-Krieges Cradock, um mich über Grahamstown nach Port Elizabeth zu begeben. In der ersteren Stadt angekommen, miethete ich mir eine Wohnung in Bathurstreet, in deren Hofe ich mein Pferd sowie die meisten der lebenden Thiere frei herumlaufen lassen konnte. Mein Aufenthalt in Grahamstown wurde mir namentlich durch die Herren Redakteure des »Easter Star«, Mr. Sheffield, Mr. Slater B. A. und »Mail« Mr. Crocott, sowie dem Herrn Very Rev. Dean Williams, Med. Dr. Williamson und Dr. E. Atherstone zu einem sehr angenehmen gemacht. Zu großem Danke bin ich aber auch dem Herrn Bischof Ricards, Hon. Cawood, der Familie Francis, die ich in Schoschong im Bamangwato-Lande getroffen, den Familien der Rev. Walton, Wood und Barton, Herrn Tidmarsh, dem Herrn Glanville, Curator des Museums, und Anderen verpflichtet. Hier erhielt ich auch manche interessante naturhistorische Objecte, darunter einen lebenden Luchs von dem Very Rev. Herrn Dean Williams und einige Trylobiten von Herrn Glanville zum Geschenke. Auch sammelte ich Mineralien, eine Anzahl exotischer Gewächse, wobei mir Herr Tidmarsh aus dem botanischen Garten äußerst zuvorkommend an die Hand ging. Außerdem gelang es mir auch, zahlreiche lebende Vögel zu erwerben, von denen ich jedoch drei Viertheile am Tage meiner Reise nach Port Elizabeth einbüßte. Wir hatten so eisigen Regen, daß die meisten Thiere trotz guter Verwahrung dem Unwetter erlagen, bevor wir die nur wenige Stunden entfernte Eisenbahnstation erreicht hatten.[23]

Mainstreet in Port Elizabeth.

Am Abend desselben Tages langte ich in Port Elizabeth an. Mit Freuden begrüßte ich nach so vielen Jahren wieder das Meer und nahm mir vor, ihm während meines Aufenthaltes die größte Aufmerksamkeit zu widmen. Fast täglich während meines sechswöchentlichen Aufenthaltes ritt ich zeitig früh nach dem Cap Recif oder weiter hinaus, zuweilen auch nach der Mündung des Zwartkops-Rivers, um an seinem Gestade zu sammeln. Ich hielt in Port Elizabeth einige Vorlesungen. Für eine derselben wurden mir von der Chamber of Commerce 60 £ St. verehrt. Ich fand hier allseitig eine freundliche Aufnahme, besonders von Seite der Redactionen des »Eastern Telegraph«, und des »Eastern Herald«. In meinem Sammeleifer standen mir namentlich die Herren Vermold, Holland und Halok sowie der frühere österreichische Consul Allenberg bei. Herr Holland, dessen Frau Gemahlin eine Künstlerin ist und mit Vorliebe das Studium der Botanik der südafrikanischen Flora betreibt, machte mich auf die Haufen von thierischen Knochen und Conchilienschalen aufmerksam, welche an gewissen Stellen am Meeresufer förmlich hügelweise von den früheren Bewohnern dieses Gebietes bei ihrem Mahle angehäuft worden waren. Da ich von diesen Funden erst bei meinem Scheiden aus Süd-Afrika Kenntniß erhielt, konnte ich nicht entscheiden, ob sie etwa von den Buschmännern herrühren. Ist dies nicht der Fall, so müssen diese Mahlreste von einem in Süd-Afrika ausgestorbenen Stamme aufgehäuft worden sein. Ich fand in Port Elizabeth meine schon vor einem Jahre dahin abgesandten Sammlungen in vierundzwanzig Kisten in gutem Zustande vor und brachte neues Material hinzu, welches mit dem in Port Elizabeth gewonnenen im Ganzen siebenundvierzig Kisten füllte; in Capstadt wurden zwei weitere Kisten hinzugefügt.

Bevor ich von Süd-Afrika scheide, erlaube ich mir aus meinem Tagebuche eine der interessantesten Löwenjagden Van Viljoens, eines der bedeutendsten südafrikanischen Elephantenjäger den Lesern mitzutheilen. Das an das Matabele-Reich grenzende Maschona-Land wurde seines Wildreichthums halber, und da sie vom Matabele-Könige specielle Erlaubniß zu seinem Besuche erhielten, wiederholt von den beiden Jägern Viljoen und Pit Jacobs der Elephantenjagd halber aufgesucht. Während eines solchen weiten Jagdausfluges machten beide Jäger mehrmals mit Löwen nähere Bekanntschaft, eine dieser Begegnungen will ich im Folgenden zu schildern versuchen.

Van Viljoen jagte diesmal in Gemeinschaft mit seinem Sohne Jan, beide waren von ihren Frauen begleitet und jene Jan’s hatte ihre beiden Kinder, von welchen das jüngere noch ein Säugling war, bei sich. Die Jäger hatten ihren Lagerplatz gewechselt und lagen mit ihren Wägen nahe an einem von der giftigen Tsetse bewohnten und deshalb für ihre Zug- und Reitthiere unzugänglichem Territorium. Die Frauen im Lager zurücklassend, pflegten die Jäger dann von ihren Dienern begleitet, zu Fuß weit in das Tsetsegebiet zu dringen, um den sich mehr und mehr vor dem Feuerrohr zurückziehenden Elephanten tagelang zu folgen. Die neue Lagerstelle wurde öfters, sowohl während ihrer Abwesenheit, als nach ihrer Rückkehr — wie es schien — von einem und demselben äußerst dreisten Löwen heimgesucht. Das erste Mal geschah dies an einem Morgen. Der werdende Tag hatte die Dämmerung weit nach Westen verdrängt. Im Lager der Jäger schien noch alles im tiefen Schlafe begraben. Man gönnte sich eben etwas mehr Ruhe, wenn die Herren abwesend waren. In der aus Mapanizweigen errichteten Umzäunung standen die beiden Riesenwägen, in denen die Weißen ihre Vorräthe bargen, während sich ihre Familien in zwei nothdürftig aus Schilfrohr und Geäste errichteten, mit Gras überdachten und mit Lehm übertünchten, an die Umzäunung angebauten Hütten einquartirt hatten. Es ist ein Charakterzug des jagenden Boers, daß er auf seinen Jagdzügen in der Wildniß stets ein solch’ elendes Hartebeest-Häuschen dem Wagen, der selbst einer großen Familie hinreichenden Raum bietet, vorzieht. Nahe an der ersten Umzäunung befand sich eine weniger umfangreiche aber höhere, aus Dornbüschen errichtete, welche als Viehkraal diente.

Endlich wird die Stille im Lager unterbrochen. Die kleine Matte, welche die winzige Eingangsöffnung einer der drei an den Kraal angebauten kegelformigen, von den Matabele-Dienern bewohnten Grashütten schloß, wird durch einen nackten schwarzen Arm von innen bei Seite geschoben, und ein kräftiger Zulu, dunkel wie die Kohle, zwängt sich durch, um sich sofort zu dem vor der Hütte im Erlöschen begriffenen Feuer zu beugen und es anfachend, neu auflodern zu machen. Bald folgen ihm zwei Gefährten, der erste aber holt sich aus der Hütte zwei Assagaie, spießt auf den einen ein Stück Fleisch, und nachdem er auch einen Feuerbrand erfaßt, um sich dasselbe einige Stunden später auf der Weide zu braten, öffnet er den Viehkraal, um die Rinder an sich vorbeipassiren zu lassen. Diese die gewohnte Richtung einschlagend, bewegen sich allmälig dem nahen Dickichte zu. Der bewaffnete Hirte folgt, ein Lied seiner Heimat vor sich hinsummend. Doch kaum zweihundert Meter vom Lager entfernt, werden die Ochsen durch den plötzlichen Ueberfall von Seite eines Löwen aus ihrer Lethargie gerissen und einer aus ihrer Mitte angegriffen; der auf diese höchst unsanfte Weise in seinem Gesange unterbrochene Matabele verlor indeß keinen Augenblick die Fassung, denn kaum hatte der Löwe mit seiner rechten Tatze den Ochsen am Maul erfaßt, um in der gewohnten Manier beim Angriffe auf Rinder, diesem den Athem zu benehmen, die andere in die linke Schulter eingeschlagen und sich in die Kehle verbissen, sauste schon der Assagai des Hirten durch die Luft — leider war es ein zu leichter Speer, — den rechten Vorderarmknochen des Raubthieres treffend, prallte dieser hier wie von einer Steinplatte ab und fiel in’s Gras.

Der Wurf sowohl, wie das Geschrei des Mannes, das auch von den zu Hilfe herbeieilenden Gefährten kräftig aufgenommen wurde, thaten das ihrige um das Raubthier zu verscheuchen. Die Matabele brachten sofort die Zugthiere zurück in den Kraal, einer lieh sich von der Frau Jan’s ein Gewehr, während die anderen ihre Speere und Schilde ergriffen und machten sich hierauf in corpore an die Verfolgung des Löwen. Sie nahmen die Spur auf, doch überzeugten sie sich bald, daß er sich mit gewaltigen Sätzen weit in die Büsche zurückgezogen hatte. Heimgekehrt, brachten sie die Zugthiere wieder auf die Weide um sie diesmal vereint, den ganzen Tag über zu bewachen. Man war auf eine Wiederkehr des Raubthieres gefaßt, doch es verging ein Tag nach den anderen, ohne daß man den Löwen zu Gesicht bekommen hätte, obwohl allnächtliches Brüllen seine Nähe verrieth.

Am zwanzigsten Tage nach jenem Zwischenfalle kehrten die weißen Jäger in ihr Lager zurück. Ohne ihnen Zeit zu lassen, ihre eigenen Erlebnisse zu berichten, wurden sie sofort von den Frauen von dem Gebahren des frechen Eindringlings in Kenntniß gesetzt, und genau der Handlungsweise des holländischen Jägers entsprechend, machten sich die Jäger noch am selben Tage an die Verfolgung des Raubthieres, indeß ohne Erfolg, trotzdem sie durch mehrere Tage mit dem ganzen Trosse ihrer Diener (fünfzehn Matabele) die Büsche und Dickichte abpürschten. Da man auch in der Nacht sein Gebrüll seltener vernahm, glaubte man, daß sich das Thier gänzlich aus der Gegend zurückgezogen hatte.

Acht Tage nach ihrer Rückkehr von der Elephantenjagd verließ der alte Jäger mit seiner Frau den Lagerplatz, um den König der Matabele, La Bengula zu, besuchen. Zwei Tage später verließ auch sein Sohn die Stelle, um neuerdings eine Elephantenjagd im Tsetse-Distrikt zu unternehmen. Genau sieben Tage später machte sich der Löwe an dem Lagerplatze wieder bemerkbar, in welchem diesmal nur die junge Frau mit ihren beiden Kindern und abseits in der Grashütte ein Matabele zurückgeblieben waren. Für die Frau, die sich — warum ist mir nicht erklärlich — in der Lehmhütte sicherer als in dem von einem Gestrüppzaune umgebenen Wagen hielt, schien diesmal das zeitiger als je zuvor schon bei Sonnenuntergang hörbare Gebrüll des Löwen eine schlechte Vorbedeutung zu sein. Um sie noch trüber zu stimmen, war die Nacht sehr dunkel und für einen etwaigen Ueberfall von Seite des Löwen wie geschaffen. »Nachdem ich mich,« so berichtet Frau Van Viljoen, vergewissert, daß der Viehkraal wohl verwahrt sei, und der Diener die Feuer um denselben angezündet hatte, begab ich mich etwas früher als gewöhnlich in das Hartebeest-Häuschen. Das Löwengebrüll war abermals und bedeutend näher als das erstemal, hörbar geworden; denken Sie jedoch nicht, daß es mich in Angst versetzt hätte, — das Weib eines holländischen Jägers ist an die Wildniß gewöhnt und hat nicht einmal, sondern oft reißenden Thieren in das grimmige Auge zu schauen. Sie ist nicht gewohnt zu fliehen, auch nicht, wenn diebische oder raubsüchtige Schwarze sie bedrohen. Die Waffe in der Hand weiß sie sich wohl zu vertheidigen, und doch, ich weiß es mir nicht zu erklären, — in jener Nacht fühlte ich mich erregt, fühlte etwas wie einen heftigen Schlag unter meiner linken Brust, ich fühlte dies immer wieder, so oft ich auf meine beiden auf der Erde in Carossen eingehüllten und schlafenden Kinder herabblickte; mehrmals erhob ich mich mit der Absicht Licht zu machen, doch wie durfte ich dies thun. Der durch die zahllosen Ritzen nach Außen dringende Schein mußte ja den Räuber nur auf uns in der Hütte aufmerksam machen und ihm auch die geringe Widerstandsfähigkeit der Hütte vor den Angriffen seiner Tatzen verrathen. Ich fühlte mich derart beengt, daß ich mich erheben mußte, die Luft schien mir drückend schwül, so lange ich auf dem Boden saß. Ich stand auf, doch kaum hatte ich mich erhoben, so zog es mich wieder herab zu den Kleinen, ich konnte sie in dem Dunkel nicht sehen, und dies machte mich noch ängstlicher. Wie befriedigt fühlte ich mich, als ich mich zu ihnen herabbeugend, — sie ruhig athmen hörte. Inzwischen hatte sich das Löwengebrülle wiederholt, das Thier mußte schon auf zweihundert Schritte nahe gekommen sein.

Dunkel, aber eben so ruhig wie schwarz war die Nacht, deutlich hörte ich die Bewegungen der Zugthiere in der sie schützenden Umzäunung, auch das Prasseln der an mehreren Stellen um dieselbe brennenden Feuer entging mir nicht, manchmal däuchte es mir, als würde ich den Schlag meines Herzens hören, so stille und ruhig war es um mich selbst. Leider war kein einziges Gewehr am Lagerplatze zurückgelassen worden, und so hatte ich im Nothfalle keine Waffe, um mich zu vertheidigen. Da sich mehr denn eine Stunde kein Löwengebrüll weiter hören ließ, fühlte ich mich etwas beruhigter; ich suchte rasch zu vergessen, was mich eben betrübt, und lauschte mit um so größerer Befriedigung, ja mit ganzem Herzen den Athemzügen der Kleinen. Doch, ich weiß es mir nicht zu erklären, wie es kam, eben dieser ruhige, glückliche Schlummer meiner Kinder, machte mich von Neuem unruhig. Wie, wenn er doch gestört werden sollte, gestört und mit Gefahr für ihre Sicherheit? Ich fühlte mich unglücklicher denn je. Sollten sich meine trüben Ahnungen erfüllen? Ich mochte mich mehr denn eine Stunde mit diesem Gedanken abgequält haben als dieselben nur zu schnell in Erfüllung zu gehen schienen.

Zuerst wurde ein deutlicher Lärm, ein Zusammenrennen der Rinder im Kraale hörbar. Wenige Augenblicke später ein schwerer Tritt. Sollte wirklich das Thier uns gewittert haben und sich an uns heranmachen? Ich lauschte an den Thürritzen, so wie ich jedoch, den schweren Tritt sich wieder nähern hörte, flog ich zu den Kindern. Der Säugling athmet rascher, hatte ich ihn unvorsichtiger Weise berührt? Ich mußte ihn in die Arme nehmen, sein Köpfchen an meine Brust pressen, auf dem Lager schien er mir weit, riesig weit entfernt zu sein. Ich suchte es mit meinem Hauch, mit meinen Küssen zu beruhigen, bis sich der rasche, schwere Athem zu meiner Beruhigung gelegt hatte. Da »Trab«, »Trab«, der schwere Tritt des Löwen wieder hörbar, näher der Hütte als zuvor. Dann, Herr, bevor ich mich dessen versah hörte ich, das Raubthier an der Hüttenwand, es hatte den Kopf gegen eine der breiten, tiefer liegenden Ritzen gepreßt und zwar mit einer Kraft, daß der lose Mörtel von der Innenwand herabfiel. Mit lauten, schlürfenden Athemzügen, schnupperte es durch die Fugen, vergewisserte es sich von unserer Anwesenheit.

Hatte ich in meiner Unruhe das Kind zu sehr an mich gepreßt, ich weiß es nicht, doch es fing an zu weinen. Werden Sie nicht unmuthig, Herr, warum runzeln Sie die Stirn? Konnte ich dafür, daß ich das Kind zu fest an mich zog? Ich war wohl dasselbe holländische Weib geblieben, allein ich war wehrlos und in einer finsteren Nacht einem wüthenden Feinde preisgegeben, den ich nicht einmal sehen konnte. Ich beugte mich nieder zu dem zweiten Kinde und hob es empor, und dieses durch das Weinen des Säuglings geweckt, fing nun nicht minder heftig zu weinen an. Was sollte ich thun? Wie sollte ich die Kinder beruhigen? Verzweiflungsvoll warf ich mich vorwärts, daß die brennende Stirne das Grasdach berührte, und preßte die beiden Kinder fest an mich. Ich konnte mich kaum der Thränen erwehren, aber bemeisterte mich mit fast übermenschlicher Gewalt, das Weib eines Boerjägers durfte nicht schluchzen.« Einige Tage später als sie das Erlebte ihrem Manne zu erzählen begann, suchte das so lange gefolterte mütterliche Gefühl in einem heftigen Schluchzen Erleichterung.

»Ich wollte an dem feuchten Grase meine brennende Stirne kühlen, allein um das Maß meines Schmerzes voll zu machen, dringt plötzlich durch all die Fugen und Ritzen unserer gebrechlichen Nußschale ein sinn- und ohrbetäubendes Gebrüll ein. Die dünnen, nichtigen Wände, die Luft um uns schienen zu zittern. Sie kennen es wohl, haben es doch vielmals in der Wildniß vernommen, dieses eigene Gebrüll! Wie aus der heiseren Kehle eines rachsüchtigen Riesen herausgestoßen! Die dumpfen Brülllaute zuerst rasch einander folgend, dann langsamer, in kürzeren Pausen und weniger deutlich, bis sie in einem dumpfen Stöhnen ihren Abschluß finden. Jeden Moment glaubte ich die Wand eingedrückt, und den grünlichen Schein der furchtbaren Augen zu sehen. Ich konnte mich kaum mehr aufrecht halten und fühlte meine Kraft schwinden. Doch Dank dem Herrn, er hielt Wache über uns; der Löwe versuchte noch mehrmals sein Manöver, uns durch sein Gebrüll aus der Hütte zu scheuchen. Doch es gelang ihm nicht. Um so erfolgreicher war sein Versuch an dem Viehkraal, die Ochsen brachen durch die Umzäunung aus den Dornbüschen, der Löwe griff eines der Thiere an und tödtete es nahe an unserer Wohnung. Deutlich hörte ich das Stöhnen des armen Rindes und das zornige Brummen des Löwen, der mehrmals während der Nacht den Cadaver verließ und unsere Wohnung umkreiste, ohne jedoch wieder so nahe anzukommen, wie er es das erstemal gethan.«

Nach seiner Rückkehr nahm Jan van Viljoen neuerdings die Verfolgung des räuberischen Eindringlings auf, die des hohen Graswuchses auf den Ebenen und in den Thälern des Maschona-Landes halber, bei weitem mehr Vorsicht erfordert und gefährlicher ist, als in den Betschuana-Ländern. Doch auch diesmal war seine Mühe erfolglos. Fünf Tage später kehrte der alte Herr mit seiner Frau von dem am Matabele-Hofe abstatteten Besuche zurück. Er war von einem andern holländischen Jäger Namens Grief begleitet.

Am selben Nachmittage als die Jäger sich zu einem kleinen Nachmittags-Schläfchen niedergelegt hatten, wurden sie durch die Diener wach gerufen, welche die aus dem Matabele-Lande mitgebrachten Pferde, deren Bewachung ihnen oblag, herantrieben und die Nachricht brachten, daß ein und wahrscheinlich der nämliche Löwe einen vergeblichen Versuch gemacht habe sich eines der Reitthiere zu bemächtigen. Die Jäger sattelten sofort ihre Pferde, nahmen mehrere Matabele-Diener mit sich und eilten der Stelle zu, an welcher man das Raubthier wahrgenommen hatte. Der alte Herr van Viljoen nahm es auf sich, das Ufer des nahen Umaweja-Flusses hinabzureiten, während sein Sohn und Grief das seichte Flußbett durchritten, um das jenseitige Ufer abzusuchen. Kaum hier angelangt, wurden sie von einem der Matabele auf den unter einem Busche liegenden Löwen aufmerksam gemacht.

Er lag etwa hundert Meter von dem Flusse entfernt. So wie er uns erblickte machte er sich auf und davon. Nein — so sagte ich zu mir, berichtete mir Jan Viljoen, diesmal darfst du uns nicht entkommen, und dem Pferde die Zügel lassend, holte ich aus, hatte auch bald meinen Wunsch erreicht und das Raubthier, welches sich zeitweilig mit seinen Sätzen über das Gras erhob überholt. Schon sechzig Schritte vor ihm machte ich plötzlich gegen dasselbe Front und es gelang mir, es durch einen lauten Schrei und eine drohende Handbewegung auf einen Moment zum Stillstand zu bringen. Diesen Augenblick benutzte der uns nachgaloppirende Grief um von seinem Pferde aus auf den Löwen zu feuern. Die Kugel traf das Thier, das scheinbar todt zusammensank. Sofort eilten unter lautem Geschrei die Matabele-Diener herbei, um der Gewohnheit gemäß ihre Speere in den Cadaver zu tauchen. Doch — im selben Momente als sie demselben nahe kommen, springt der todtgeglaubte Löwe auf und macht sich sprungbereit. Nur zwei der Schwarzen hielten Stand. Als sie sich jedoch von ihren Genossen verlassen sahen, dachten auch sie an den Rückzug, denn sie konnten in dem hohen Grase die Bewegungen des Löwen nicht verfolgen.

Sobald jedoch der Löwe auch diese Beiden fliehen sah, sprang er ihnen nach. Der Verfolgte wurde zum Verfolger. Die Reiter, die ihn todt wähnten, hatten ihre Pferde gewendet und ritten eben langsam dem Lagerplatze zu, als ihnen durch das Hilfegeschrei der Matabele Halt geboten wurde. Im selben Momente hatten sie die Pferde herumgeworfen und eilten den beiden hart Bedrängten zu Hilfe. Doch sie kamen zu spät und konnten es nicht mehr verhüten, daß der Löwe einen der beiden Letzten ereilte, ihn zu Boden riß und Schenkel und Schultern zerfleischte. Jan van Viljoen war der erste zur Stelle, er war unmittelbar an das Raubthier herangeritten, sprang aus dem Sattel und sandte dem ihn anstarrenden Löwen die Kugel in das Ohr, daß er nach rechts überschlug und neben seinem Opfer niederfiel. Dieses jedoch, im Glauben der Löwe geberde sich scheintodt wie das erste Mal, sprang auf und suchte das Weite, um jedoch schon zwanzig Schritte weiter in Folge des starken Blutverlustes besinnungslos niederzustürzen. Drei Monate lag der Arme krank, bevor seine vielen Wunden heilten. Der Löwe gehörte der Krachmanetje-Art an und war der letzte, den Jan van Viljoen erlegte.

Mit Herrn Allenberg und Vermold machte ich mehrere Ausflüge nach dem Zwartkop- und Zondaags-River, auf welchen ich äußerst zahlreiche, der Juraformation angehörende Fossilien sammelte. Ich wollte meine Sammlungen sowie die Käfige mit den lebenden Thieren[24] mit dem Dampfschiff Arab der Union Steam Ship Company absenden und hatte auch die Befrachtung des Kutters, welcher die Colli von den Waarenhäusern bis an das etwa eine halbe Meile von der Küste vor Anker liegende Schiff bringen sollte, beaufsichtigt, und verließ den letzteren, als Alles vorsichtig in demselben niedergelegt worden war. Ich begab mich dann in die Stadt, um meine Abschiedsbesuche zu machen, denn ich wollte mit demselben Dampfschiffe bis Capstadt fahren, hier vierzehn Tage verbleiben, um mich dann auf dem Dampfer German einzuschiffen. Zur See zurückgekehrt, fand ich meine Colli am Meeresufer aufgethürmt; als man nämlich mittelst eines Taues den Kutter durch die Brandung zu ziehen suchte, war das letztere gerissen und der Kutter an’s Land zurückgeworfen worden, wobei das Wasser in das Fahrzeug gedrungen war. Es war ein Wunder, daß es nicht an der hölzernen Landungsbrücke zerschellte und ich so die Arbeit der letzten vier Jahre nicht eingebüßt hatte. Da es nun nicht mehr möglich war, mein Gepäck noch vor der am selben Nachmittage zu erfolgenden Abfahrt des Arab an Bord desselben zu bringen, überließ ich es der Obhut des neuernannten österreichischen Consuls für Port Elizabeth, Herrn von Mosenthal, eines ebenso gefälligen als hochgebildeten Mannes, welcher mir außerdem während meines Aufenthaltes in Port Elizabeth äußerst zuvorkommend begegnete und einer der wärmsten Vertheidiger der Interessen Oesterreichs im Auslande ist.

Als ich mich vierzehn Tage später in Capstadt einschiffte, fand ich meine Gepäckstücke in der besten Art und durch einen besonderen Bretterverschlag geschützt auf dem German untergebracht, wofür ich besonders den Herren Mosenthal, Allenberg, Vermold und dem zweiten Offizier des German zu danken habe. Am dritten Tage, nachdem wir Port Elizabeth verließen, landeten wir in Capstadt, wo ich ein nicht minder herzliches Entgegenkommen als in Port Elizabeth fand. Ich hielt hier mehrere Vorlesungen, darunter eine in der philosophischen Gesellschaft, die mich ein Jahr zuvor zum correspondirenden Mitgliede gewählt hatte. Ich machte in Capstadt die ehrenwerthe Bekanntschaft Sr. Excellenz des Statthalters der Cap-Colonie, Sir Bartle Frere, eines der hervorragenden englischen Politiker und Geographen, ferner einiger Edelleute, welche seinen Stab bilden, darunter des Sohnes des Lords Hathurton, Herrn Litleton, ferner der Minister der Cap-Colonie, vieler der hervorragendsten Mitglieder beider Häuser des Cap-Parlaments, sowie des berühmten Astronomen Prof. Gill, des Custos des südafrikanischen Museums, Herrn R. Trimen, des Landesgeologen Dunn, des Geologen Shaw, des Botanikers Bolus, der Redacteure der »Cape-Times«, Argus »Standard Mail« und der »Lantern«, sowie des »Uitenhaager Blattes«, Herrn Bidwell — sämmtlich Herren, die sich mit Wärme meines Vorsatzes bezüglich der Erforschung des centralen Süd-Afrika und einer Eröffnung Central-Afrika’s nach dem Süden angenommen hatten. Von den Mitgliedern des Parlaments wurde mir die hohe Ehre erwiesen, daß am Tage meiner Abreise von Capstadt durch Hon. Brown im Hause der Antrag gestellt wurde, daß sich das Gouvernement der Cap-Colonie meine Dienste zum Zwecke neuer Forschungen im Gebiete zwischen dem Vaal und Zambesi sichern solle. Die Regierung jedoch ersuchte, wie ich später erfuhr, den geehrten Herrn Antragsteller, meiner Rückkehr nach Europa halber, den Antrag zurückzuziehen.

In Capstadt wurden mir neuerdings 40 £ St. verehrt, welche mir sehr willkommen waren, da ich durch den verlängerten Aufenthalt in Grahamstown und in Port Elizabeth von der in Cradock erworbenen, zur Heimkehr bestimmten Summe manches Pfund eingebüßt hatte. Die Hälfte der in Capstadt verlebten Zeit brachte ich am Meeresufer zu und hier bildeten Fische und Schwämme meine Ausbeute, während mich die Algoa-Bai namentlich mit Cephalopoden, Muscheln, Schnecken, Seeraupen und Algen, die Umgegend mit Pflanzen und Fossilien versehen hatte.

Das in Süd-Afrika, meist während meiner drei Reisen gesammelte ethnographische und naturhistorische Material besteht in etwa 30900 Exemplaren, von denen ich über 12500 Exemplare in dem mir von dem hohen k. k. Handelsministerium gütigst überlassenen Pavillon des Amateurs in Wien vom Beginne des Mai bis Ende October 1880 ausgestellt habe. In dieser Sammlung befanden sich über 1300 ethnographische Objecte, welche ich unter den Buschmännern, Hottentotten, den Fingo, Gaika, Galeka, Pondo, den südlichen und nördlichen (Matabele) Zulu’s, den Basuto’s, den Betschuana-Stämmen (Batlapinen, Barolongen, Banquaketse, Makhosi, Manupi, Baharutse, Bakhatla, Bakwena, Ost- und West-Bamangwato), den südlichen und nördlichen Makalaka, Maschona,[25] Manansa, Matonga, Masupia, Marutse, Mabunda, Mankoë, einige Stücke von den Bewohnern von St. Helena und Madeira erworben habe, sowie einige von den Colonisten verfertigte Arbeiten. Die naturwissenschaftliche Abtheilung enthält eine Sammlung von Fellen, welche zum Ausstopfen bestimmt sind, zu welchem Zwecke nach dem Tode der betreffenden Thiere, an deren Körper die nöthigen Messungen vorgenommen wurden und 41 Schädelskelete vorlagen. Außerdem 14 kleinere Thiere in Spiritus aufbewahrt. Ferner 71 lose Felle, 62 anatomische Präparate, 10 pathologische Objecte, 134 Hörnerpaare von Gazellen, Antilopen, Gnu’s, Büffeln etc. Von Vogelbälgen wurden ausgestellt, und zwar von mir präparirt, 271 Bälge; vom Elephantenjäger Bradshaw erstand ich 62; 69 waren von Mr. Walsh gegen Elfenbein eingetauscht; 42 von Mr. X. aus der Transvaal-Colonie und 20 kaufte ich dem Taxidermist des südafrikanischen Museums in Capstadt ab.[26] Ferner von Vögeln 11 anatomische Präparate, 4 pathologische Präparate, 23 Nester, 89 Eier und eine Gruppe von 57 in 8 Rahmen geordnete Straußenfedern.

An Reptilien: 25 Schildkröten (2 anatomische Präparate); 256 Eidechsen, (2 anatomische Präparate;)[27] 87 Schlangen (10 anatomische Präparate); 45 Lurche. Ferner: 69 Fische (4 anatomische Präparate); 35 Eier verschiedener Haifischarten. An Gliederthieren waren 2256 ausgestellt.

An Insecten wurden vom Jahre 1872 bis 1878 über 18000 gesammelt, 1300 von dem Elephantenjäger Dr. Bradshaw gegen Elfenbein eingetauscht. In der Ausstellung befanden sich 2056 Exemplare, und zwar 1744 Käfer, 4 Raupen, 25 Wespen, 1 Termitenkönigin, 162 Heuschrecken, 62 Wanzen, 19 Schaben, 39 Insectenbauten.[28] An Zecken waren 8, Krustenthieren 33, Spinnen 51, Spinnennestern 8, Scorpionen 36, Scolopendern 40, Julus 20, Würmern 4 Arten ausgestellt.

Von Weichthieren 782, darunter 9 Cephalopoden und 3 Cephalopodengehäuse, 148 Schnecken, 26 Muscheln, 43 Patellae, 26 Seeraupen, zusammen 243 Exemplare, sämmtlich in Spiritus aufbewahrt. Einsiedlerkrebse 10, Gehäuse von Schnecken 370; von Muscheln 100; von Patellae 70; zusammen 540 Exemplare.[29] Von den niederen Ordnungen der Seethiere befanden sich in der Ausstellung 933, darunter 37 Seeigel, 15 Seesterne, 7 Quallen. Von Meeres-Polypen: 31 Corallenbildungen von St. Helena, 336 aus der Algoa-Bai, 3 aus der Tafel-Bai, 365 Schwämme aus der Algoa- und Tafel-Bai, 59 Schwämme in Spiritus und 7 aus der Tafel-Bai, zusammen 801 Exemplare;[30] schließlich 73 verschiedene niedere Meeresthiere.

Von den 1138 ausgestellten Versteinerungen habe ich etwa 60 Stück von den Herren Dr. Reed in Colesberg, Murray in Kuilfontein, Kidger in Cradock und Cook in Port Elizabeth zum Geschenk erhalten, die übrigen selbst gesammelt. Ferner befanden sich in der Ausstellung 1130 getrocknete Meeres-Algen, 364 Früchte und Samen, Holzarten, Schwämme etc., 3328 getrocknete Pflanzen im Herbarium, wovon ich 64 Exemplare zum Geschenk erhielt. An Mineralien waren 720 Handstücke ausgestellt.[31]

Nach siebenjähriger Abwesenheit von der Heimat konnte ich nicht länger die Sehnsucht bemeistern, meine Lieben und Freunde in Europa wiederzusehen. Allmälig entschwand die Küste bei Green Point und später die Kuppe des Tafelberges meinen Blicken. Der Ocean, dessen Beute ich vor sieben Jahren bald geworden wäre, bot diesmal ein Bild beglückenden Friedens und bewahrte mir auch seine Gunst, bis mein Fuß wieder europäischen Boden betreten hatte.

Am 5. August 1879 nahm ich an Bord des Dampfers German von Süd-Afrika Abschied. Meine Sammlungen wurden in einigen Partien heimgesendet. Die größte Sendung, circa fünfzig Kisten, brachte ich selbst mit. Von den mitgebrachten lebenden Thieren übergab ich den Caracal, zwei braune Adler und den Schlangenadler der zoologischen Gesellschaft zu London. Die übrigen nahm ich mit nach Oesterreich. Seine kaiserliche Hoheit Kronprinz Rudolph geruhte die Kronenkraniche huldvollst entgegenzunehmen, den Pavian, ein äußerst zahmes Exemplar, und einen der grauen südafrikanischen Kraniche übergab ich der Stadtvertretung von Prag für den Stadtpark, den dunkelbraunen Aasgeier und einen der langarmigen Zanzibar-Affen der Physiokratischen Gesellschaft.

In London erhielt ich während meines mehrwöchentlichen Aufenthaltes abermals Beweise von Hochherzigkeit einiger englischen Familien, welche es mir ermöglichten, meine Sammlungen nach der Heimat befördern zu lassen. Namentlich fühle ich mich Herrn Littleton, Sohn des Lord Hathurton, welcher mir 100 £ St. zur Verfügung stellte, und der Direction der Union Steam Ship Company, welche mir die ganzen Frachtspesen von Capstadt bis Southampton nachließ, zu größtem Danke verpflichtet.

In meiner Seele wurzelt der feste Vorsatz, so bald als thunlich wieder zurückzukehren, um meine Forschungen fortzusetzen, erstens um gewisse interessante Punkte, die ich nur vorübergehend besuchen konnte,[32] einer näheren Besichtigung zu unterziehen, zweitens um auf die in den letzten sieben Jahren gemachten Erfahrungen bauend, die Forschungen von Süd-Afrika nach Central-Afrika auszudehnen.[33]