Tön’, o Gesang, im lauteren Schlag der Fittige brausend
Ueber den Erdkreis hin, den Ruhm des Heldengeschlechtes,
Das für Jehova’s Gesetz und die vaterländischen Sitten
Eifernd, im Schlachtengefild die frechumwüthenden Gegner
Tapfer bekämpft’, und aus dem ein Weib, voll hohen Gemüthes,
Sie, der blühenden Söhn’ entsetzlichen Tod in der Folter
Muthig ertragend, besiegt’, und so noch der spätesten Nachwelt
Weihte der Thaten Gewinn: der Tugend erhebendes Beispiel.
Asia’s König, Antiochos
[1] — er, den niedrige Schmeichler,
Feig, den Erlauchten genannt, entboth unzählige Scharen:
Auszutilgen das Volk von Israel, das ihm verhaßt war.
Sieh’, schon hatt’ er die Stadt Jerusalem, stürmend, erobert;
Hingewürgt an dem Tag wohl achtzig tausend’ des Volkes:
Jünglinge, Männer, und Greis’ — auch säugende Mütter, und Jungfrau’n;
Tausende fortgeschleppt, und zum Kauf gebothen, dem Thier gleich,
Oder zerstreut in den Ländern umher, und in schmählichen Banden
Wund gedrückt: auf daß sie entsagten dem Glauben der Väter;
D’rauf die ehrwürdigen Mauern der heiligen Stadt mit den Thürmen
Niedergeworfen, zur Schmach des Volks, und das Heiligthum selber
Frech entweih’t, da er raubte die herrlichen Opfergefäß’ all’,
Als: den Altar von Gold, den goldenen Leuchter und Schautisch,
Wie auch den heimlichen Tempelschatz, den ihm die Verräther
Zeigten für schmählichen Lohn, in den unterirdischen Hallen.
Doch, o schreckliche Schau für gottergebne Gemüther!
Dort in dem Allerheiligsten, wo Jehova, dem wahren,
Und unsichtbaren Gott der Hohe-Priester des Jahres
Einmal nahte mit heiliger Scheu, und ihm, bebend vor Ehrfurcht,
Fern nachblickte das Volk, da er leis’ aufhüllte den Vorhang:
Dort erhöhte das Bild des Zeus, mit Gesängen und Opfern,
König Antiochos Ruf, und heischte vom Volk die Verehrung.
Götzendienst sollt’ ihm ersetzen den Glauben der Väter,
Den auf Sinais Höh’n der Ewige selber ihm kund that.
Auch erbaut’ er die Burg auf Zions entweiheten Höhen,
Daß die unmenschliche Schar der Söldlinge, waffengewaltig,
Zwänge das Volk, des Wüth’richs Ruf zu gehorchen in Demuth.
Tausende starben den Tod der Gerechten für Glauben und Freiheit;
Tausende bebten dem Tod’ und der Qual, und opferten, treulos
Dann dem ererbten Gesetz, vor schändlichen Götzenaltären.
Doch jetzt drohte dem bebenden Volk noch größerer Jammer.
Immer furchtbarer scholl’s: der rachebrütende König
Zieh’ an den Marken des Reichs unzählige Völker zusammen,
Und durch Asia rings ertönen die Hämmer der Essen:
Schmiedend des Kriegs Werkzeug’ und der Knechtschaft schmähliche Fessel.
Sieh’, auch der Himmel ging seither mit Entsetzlichem schwanger,
Trug’s im gährenden Schooß’, und gebar’s dem Volke zum Zeichen
Unglückdräuender Zeit! Durch vierzig Nächte des Grauens
War in der Luft Getös’ und furchtbares Schlachtengetümmel.
Wie das Abendgewölk entschwindet am rosigen Himmel;
Wie der Gedanke so schnell — wie Morgenträume, so flüchtig
Schwanden die Luftgestalten dahin im dunkelen Aether.
Dann zum erneuerten Kampf herbrausend von Osten und Westen,
Stürmten auf feurigen Rossen sie an (der goldenen Rüstung
Glanz erhellte die Nacht, wie Mondesschimmer im Vollschein)
Schwenkten über den Helm den Speer, und trieben, und drängten
Gegeneinander die Ross’ im Gemenge der blitzenden Waffen;
Und an dem Grashalm hing in des Morgens kühleren Stunden
Dann der Thau, wie Blut in dunkelröthlichen Tropfen.
Doch das unzählige Volk von Jerusalem sah zu dem Himmel,
Schaudernd, auf: nicht der Waffen gedachte der Krieger; vergessen
Stand das Gespann mit dem Pflug’ in den halbgezogenen Furchen —
Jegliche Werkstatt leer. Auf die Straßen hinaus, und die Wälle
Strömte das Volk, und stand, und jammerte laut zu
Jehova:
Möchten doch Israels Heil vorkünden die schrecklichen Zeichen!
Kehrend, als Sieger heim aus Aegypten; sandte der König
Drohende Worte des Zorns an die Feldhauptleute der Scharen,
Die er gelegt in die heilige Stadt und die Vesten des Landes:
„Jetzt und auf immer verbannt aus Israels Landen und Juda’s
Sey Jehova’s Dienst — der Glaub’ und die Sprache der Väter.
Ein’ und dasselbe hellenische Volk (so frevelt’ ein Syrer!)
Wohne hinfort in dem Reich, das seinem Zepter gehorchet.“
Und mit grimmiger Lust vernahmen die Scharengebiether
Jetzo den Ruf. Sie rissen entzwei die heiligen Bücher;
Baueten rings im Land’ Altäre den nichtigen Götzen;
Schleppten die Jünglinge hin, die Greis’, und die Männer, und Weiber,
Daß sie, Jehova zum Trotz, Unreines genößen, und höhnten
Moses zugleich, der, väterlich weis’ auf jegliches achtend,
Solches dem Volke verboth in den Gluthgefilden des Südens.
Wer getreu sich erwies, den würgten die Wüthriche nieder,
Mitleidlos, voll höhnenden Grimm’s und entsetzlicher Blutgier.
Doch erbebend dem Tod’ und des Henkers zerfleischender Geißel,
Folgten Viele dem Ruf’, und die Redlichen jammerten laut auf.
Endlich erhob sich im Volk Mathathias, Sohn des Jochanan,
Simeons Enkel, und jetzt der Hohe-Priester Jehova’s:
Ein ehrwürdiger Greis. In staunengebiethender Hoheit
Trat er im Tempel einher, wenn dort das silberne Haupt ihm
Zierte das Horn, die Brust die funkelnden Steine des Ephods
Deckten, und ihm das schneeige Kleid zu der Ferse herabfloß.
Aber das Volk hieß ihn: den gottgesegneten Vater
Fünf erlesener Söhn’, und hieß ihn den Vater der Armen,
Wie den mächtigen Schild und das rettende Schwert der Bedrängten.
Tief ergrimmt’ er im Geist: der heiligen Stadt und des Volkes
Israel Schmach in dem Untergang so nahe gewahrend.
Vorn an der Brust zerriß er das Kleid, und sagte den Söhnen:
„Weh’, welch’ Jammergeschick! Wer könnt’ es noch länger erdulden?
Fremdlinge schalten im Heiligthum, und den verachteten Sclaven
Gleich ist das Haus des Herrn; der prächtige Tempel Jehova’s
All’ der heil’gen Gefäße beraubt — sein Schimmer erloschen.
Kinder und Greis’, erwürgt, bedecken die Straßen; der Männer
Blüth’ ist niedergehau’n, und unrühmlich der Waffen beraubet.
Eine Magd ist die heilige Stadt, die Freie, geworden;
All’ ihr Schmuck ist dahin: denn Heiden verschlangen ihr Erbtheil,
Schnaubend vor Gier, und bedeckten die Reine mit Schmach und Verachtung.
Kinder, lasset uns flieh’n! In des Sandmeer’s wüsten Gefilden,
Unter den reißenden Thieren des Wald’s ist bessere Herberg,
Als im verpesteten Hauch der mordbesudelten Hauptstadt.“
Alsbald macht’ er sich auf. Nach Modin,
[2] der Stadt im Gebirgsthal
Zog mit den Söhnen er fort: fünf Heldenjünglingen, glühend
Für unsterblichen Ruhm in Israels Rettung, und barg sich,
Nächtlich, im einsamen Haus’. Doch siehe, gesendet auch dorthin
Kam die frevelgebiethende Schar; erhöhte des Götzen
Steingebild’, und rief zu dem Opfer die bangen Bewohner!
Auch Mathathias entboth Apelles, der Scharen Gebiether,
Nun zu dem schmählichen Götzendienst’, und sprach vor dem Volk so:
„Komm’, ehrwürdiger Greis, und nahe den mächtigen Göttern,
Huldigend; streu’ Weihrauch auf die Gluth, und opf’re das Böcklein,
Hier auf dem Markt, daß dich, den hochgepriesenen Vater,
Mitten im Kreise der trefflichen Söhn’, am Altar die Bewohner
Modins schau’n, und sie zum Gehorsam lenke dein Beispiel.
Schon gehorchte das Volk zu Jerusalem. Folgst du des Königs
Freundlichem Ruf, so soll dir Gold und Silber die Fülle
Werden: als Günstling stehst du am Thron mit deinen Erzeugten.“
Doch Mathathias erhob mit erschütternder Würde die Stimme:
„Soll ganz Israel nun, Antiochos Winken gehorchend,
Feig’ abfallen im Land von Jehova’s Gesetz’ und den Götzen
Huldigen, wie dem lebendigen Gott, so will ich, sein Diener,
Hier mit den Söhnen vereint und den Brüdern, fest an den Glauben
Meiner Väter mich halten, und steh’n, und fallen mit ihnen,
Wie’s Jehova gefällt, dem wahren und einigen Gotte.“
Als er die Worte gesagt, da trat ein niedriger Wüstling,
Ischahar, vor (verachtet im Volk’, und vom Bunde der Väter
Ausgeschlossen schon lang’ ob fluchbeladener Thaten),
Streute den Weihrauch kühn, und rief: „Ich entsage Jehova,
Hier vor Zeus Altar, des Königes Stimme gehorchend,
Und verehre hinfort die unsterblichen, ewigen Götter.“
Als geschehen die That, und gesprochen das frevelnde Wort war,
Sprang Mathathias hervor aus dem Kreis’. Ihm bebten die Glieder:
Denn unduldbarer Schmerz erfüllte die heilige Brust ihm.
Für Jehova’s Gesetz entflammt, entriß er dem Krieger
Jetzt das blinkende Schwert; dann stürzt’ er schnell zum Altar hin;
Würgte den Frevler dort, und mit ihm Apelles, den Hauptmann,
Der, ihn zu tödten, bereit, lautschreiend, und fluchend herankam;
Warf den Götzenaltar in den Staub, und sprach zu den Seinen:
„Kommt, und folget mir nach! Erfüllt ist der schreckliche Zeitraum,
Wo wir, ausgeschlossen vom Kreis’ des geselligen Lebens,
Nur in den Wüsten umher, in den Wäldern und felsigen Höhlen,
Oder im Schlachtengefild’ uns retten vor sündiger Knechtschaft.
Wer den heiligen Bund, das Gesetz Jehova’s, zu schirmen,
Glüht, der folge mir nach. Wir leben, und sterben in Freiheit!“
Laut umjauchzte das Volk den Eifernden. Aber er eilte
Jetzt mit den Söhnen hinauf in die waldumhüllete Felsschlucht.
Tausende folgten ihm nach: verschmähend die Güter des Lebens
Ob Jehova’s heiligem Dienst. Am liebenden Busen
Trug die Mutter das Kind. Umringt von munteren Kleinen,
Floh der Vater, und, frommgesinnt, erhob auf die Schulter
Mancher den wankenden Greis, und eilete fort nach den Höhen,
Von den Henkern entfernt, in dunkeler Höhle zu wohnen.
Bald erscholl der Ruf zu Jerusalem: „Wie Mathathias
Eiferte für Jehova’s Ruhm, wie er würgte den Hauptmann,
Und empörte das Volk im frechumwüthenden Unsinn.“
Mächtige Scharen, gesandt von Zions entweiheten Höhen,
Wo die Heiden die Burg erbaueten, eisern zu schalten
Ueber Israels Land, annahten mit eiligen Schritten,
Lechzend nach Rach’ im Blut des gottergebenen Volkes.
Wie im dunkelen Forst die wildauftreibenden Spürer
Wenden die Schritte nun links, nun rechts, und gierig umherschau’n:
Also erforschten auch sie die Spur der flüchtigen Scharen.
Siehe, da wies ein Weib, Jehova verläugnend, dem Hauptmann
Oben im Felsenthal die jüngstbevölkerten Höhlen;
Warnt’, und sprach: „Nicht heut — nein, morgen greife den Feind an:
Denn der Sabbath naht, und Israel ruht an demselben.“
Also geschah’s. Fern war Mathathias mit seinen Erzeugten:
Rings um Modin versammelnd ein Heer, und wehrlos das Volk hier:
Denn still feiert’ es nun des Sabbaths heiligen Festtag.
Aber der Hauptmann sandte zuvor nach den Höhen den Herold,
Der, lautrufend, begann: „Hervor aus den Höhlen, Empörer!
Opfert den Göttern frei: ihr erlangt dann Huld und Vergebung!“
Aber da sprach einmüthig das Volk: „Wir folgen dem Ruf nicht;
Nur Jehova ist Gott, nicht ehren wir nichtige Götter!
Lechzt ihr also nach unserem Blut? Wir sinken in Unschuld
Hier in das Grab. Weh’ euch: denn Himmel und Erde sind Zeugen,
Wie ihr ermordet ein Volk, weil solches Jehova getreu blieb!“
D’rauf erhob sich ein Kampf, unwürdig des Tapfern. Die Heiden
Würgten mit steigender Wuth die wehrlossinkenden Männer,
Weiber, Kinder, und Greis’, an der Zahl drei tausend dem Götzen.
Auch erschlugen sie all’ das Vieh, und verbrannten die Leichen.
Glühender Schmerz durchzuckte die Brust Mathathias, des Helden,
Als er die Kunde vernahm von dem frechermordeten Volk dort.
Weinend saß er im Staub’, und fleht’ um Rettung zu Gott auf;
Dann berief er die Seinen zum Rath’, und sagte mit Nachdruck:
„Gebt mir willig Gehör! Wenn wir im Feiern des Sabbaths
Wehrlos fallen dem würgenden Feind’, so schwinden wir alle
Bald von der Erde hinweg; d’rum laßt uns muthig die Waffen
Biethen dem Listigen, so er an ihm uns wieder bekämpfte.
Nichts sey uns wichtiger mehr, als daß wir von wüthenden Feinden
Retten das Vaterland, und kämpfen für Gott und die Freiheit!“
All’ aufjauchzten dem Wort’. Alsbald zum Kampfe gerüstet,
Kam der gewaltige Greis von den waldumschatteten Berghöhn
Mit erlesenem Volk’ in die Eb’ne herab, und bekämpfte,
Siegend, des Feindes Macht. Er wüthete gegen die Frevler,
Die, verläugnend Jehova’s Gesetz, zu den Heiden sich wandten;
Warf die Altär’ und Tempel in Staub mit den Götzengebilden;
Baute des Weltalls Gott, Jehova, den heiligen Altar
Rings in den Städten umher, die er, stürmend, aus feindlicher Obmacht
Rettet’, und rächte das Vaterland: denn Israels Völker
Athmeten frei, und auf Zions Höh’n erbebten die Gegner.
Syriens Feldherr, Seron, vernahm, daß in Modins Gebirgen
Meuterer — ha, so hießen den Heiden die tapferen Männer,
Sich vereinten zum Waffenbund: den heiligen Glauben,
Nach dem ererbten Gesetz, mit Macht zu schirmen entschlossen!
Schnell berief er zum Rath die Feldherrn all’, und die Hauptleut’
In Samaria, der Stadt, und rief den Versammelten also:
„Tapfere Männer und Brüder, hört! In Modins Gebirgen
Hat ein nied’riges Volk in geistverblendender Frechheit
Jüngst sich vereint, uns entgegen zu steh’n, das Schicksal des Krieges
Kühn zu versuchen, und so zu ersiegen im Felde die Freiheit
Von Antiochos Macht, des Herrlichen! Denket den Unsinn!
Soll ich erwähnen des Muths, mit welchem die Krieger des Königs
Dieß verachtete Volk, das Israels Söhne sich rühmet,
Stets bezwangen im Kampf’, und zerstäubten, wie Spreu auf der Tenne
Schnell zerstäubet der sausende Sturm? Sie flohen, erschrocken,
Schon vor euerem Blick, den Blitze des Todes bewaffnen!
Jetzo will ich mir herrlichen Ruhm ersiegen für immer.
Staunen sollt ihr, wie schnell, wie furchtbar Seron des Feindes
Scharen besiegt. Noch heut’, am dämmernden Abend, versamml’ ich
Dreißigtausend im Kampf gestählete Krieger, und breche
Los auf den schlummernden dort: dem nächtlichen Donnergewitter
Gleich, das plötzlich naht, und zerschmett’re den Feigen auf einmal.
Dir, Apollon, winkt in dem Vorder-Zuge vor allen
Heute das Glück, wenn du die erlesene Schar Elephanten
Gegen den Feind vordrängst, auf welchen herab aus den Thürmen
Ström’ ein Hagel von Pfeilen zugleich und von Steinen der Schleuder,
Bis ihn ihr Rüssel erfaßt, und zermalmt ihr eherner Fußtritt:
Dann ist in eiliger Flucht sein Los nur Tod und Verderben,
Und wir sammeln die Beut’ auf dem blutgerötheten Feld’ ein!
Alle zugleich gedenket des Kampf’s und des herrlichsten Sieges,
Waffnend in Eile das Volk. Antiochos Ruhm ist die Losung.“
Also rief er zur Schar der schnell versammelten Führer.
Siehe, nicht lang: da zog das geordnete Heer aus den Mauern
Von Samaria hinaus g’en Modins dunkles Gebirgsthal.
Allen voran herbraus’ten die Schleuderer, deckend die Reihen,
Zwölf, auf dem Rücken den Thurm, und im Thurm gewaffnete Männer
Tragender Elephanten: die Erd’ erzitterte weithin
Unter dem ehernen Fuß des riesengestalteten Lastthiers.
Als der Lenker der Schar der Schleuderer, kühn und verwegen,
Kam Apollon, und trieb das Viergespann aus dem Wagen,
Der, zweiräderig, ihm nachflog, mit donnernder Stimm’ an.
D’rauf, ein gleiches Gespann vom ringsvergoldeten Wagen
Geißelnd, kam in der Mitte des Heer’s der oberste Feldherr,
Seron, dem an der Zahl zehntausend Krieger, mit Lanzen
Trefflich verseh’n, und bewehrt mit dem Helm’ und dem Panzer, gehorchten.
Aber im Nach-Zug dann, den Bogenschützen gebiethend,
Die, an der Zahl, wie jen’ in der Mitte des mächtigen Heeres
Naheten, kam Zorain, der stürmische Held in der Feldschlacht.
Hundert folgten zugleich Streitwägen ihm nach; mit dem Lenker
Saß in jeglichem ein, mit Speeren bewaffneter Krieger.
Also geordnet, eilte das Heer den Feinden entgegen.
Draußen im felsigen Thal’, im Graun des dunkelen Waldes
Lag, entschlummert, der Greis Mathathias — um ihn die Erzeugten
All’, und, rings in dem Thal’, in Felsenschluchten gelagert,
Oder in Mäntel gehüllt, und gestreckt auf rauschende Blätter,
Ruhte die Schar achttausend kampfgewaltiger Männer.
Mitternacht entschwand. Die Flamme verlosch in dem Lager
Ringsher; nur ein bläulicher Rauch stieg noch aus dem Haufen
Glimmender Asch’ empor, und schwamm, wie ein duftiger Nebel,
Durch das Laubgewölb’ der hochaufragenden Stämme.
Aber nicht thöricht hatte der Greis die Gefahren verachtet,
Oder, unkundig des Kriegs, versäumt, zu begegnen des Feindes
Dräuender Hinterlist und geistverwirrendem Anschlag.
All’ die waldigen Höhen entlang, vertheilt’ er die Wachen,
Die, ringsher umschauend vom Fels, ihm Alles und Jedes
Kündeten, was in der Ferne bedenklich erschien, und Verderben
Drohte dem lagernden Volk’ aus dem weitverbreiteten Blachfeld.
Doch jetzt nahte Rephim, der Krieger, mit Angst in den Blicken,
Zitternd, ähnlich dem Laub der Silberpappel im Lufthauch;
Faßte sogleich die Hand des ruhenden Greises, und dachte,
Ihn zu erwecken vom Schlaf’ in geheim vor den lagernden Scharen.
Aber der freundliche Greis sah ihm mit verkläreten Augen
In das Gesicht: denn eben verließ ihn der Engel Jehova’s,
Der ihm genahet im Traum; zu gottvertrauendem Muth ihn
Mahnete, Sieg ihm verhieß, und herrlichen Lohn in der Zukunft.
Jetzo begann der Wächter der Höh’n: „Unzählige Heiden
Kommen, zu würgen, heran. Streitwägen und blitzende Waffen
Sträubten das Haar auf der Scheitel mir auf; doch sank ich vor Schrecken
Auf die Kniee, vor mir die Riesenthiere der Wüsten
Schauend, welche dem Heer’, gleich wandelnden Bergen, voranzieh’n;
Thürme, gleich Vesten, mit Kriegern besetzt, auf dem wölbenden Rücken
Tragen, und Tod und Jammer dräu’n mit dem furchtbaren Rüssel,
Der jetzt, eingeschrumpft, in den Hauern schwebet, und plötzlich
Wieder vom Haupte verlängt, mit der Schnelle des Blitzes den Krieger
Fest umschlingt, ihn erdrückt, in die Lüft’ aufschleudert mit Ingrimm,
Daß er ihn dann sogleich mit den ehernen Füßen zermalme.
Wahrlich, o Herr, so Jehova säumt, aus den Händen des Feindes
Nun zu erretten sein Volk: so ist es auf immer verloren!“
Rasch erhob sich der Greis; er winkte dem Priester Abisah,
Und er stieß alsbald in die Kriegesposaune so mächtig,
Daß der empörende Laut, in des Waldthals felsigen Räumen
Donnernd erklang, und das Volk, urschnell, um den Vater vereinte:
Denn so nannt’ es den Greis, Mathathias, voll heiliger Ehrfurcht.
Aber der jugendlichblühende Held, der tapfere Juda,
Hob sich der erste vom Laub’, und sah in dem nächtlichen Dunkel,
Wie der muthige Leu umher, der nahe den Gegner
Wittert. Er faßte das Schwert, und hing an den Augen des Vaters.
Auch Eleazar kam, und Jonathan, glühenden Muthes
Näher; sie forschten besorgt, was ihn mit Jochanan und Simon,
Ihren Brüdern, empört, warum die Posaune getönet?
Sieh’, da sprach der edele Greis zum versammelten Volk so:
„Fasset das Schwert; wir zieh’n jetzt Israels Feinden entgegen!
Doch schon hatte das Volk von dem furchtverblendeten Krieger,
Schreckenbetäubt, vernommen die Macht und die Stärke der Gegner,
Die mit der Schar der Riesenthier’ entsetzlich zu schau’n war,
Murrete laut, und Sadok, der Aelteste, rief voll Entrüstung:
„Groß ist dein Muth, erhabener Greis, wir ehren ihn alle;
Aber er leitet dich irre, daß du, vergessend der Weisheit,
Welche dich sonst beseelt’, unzähligen Feinden entgegen
Führest das Volk, das nur ein unbedeutendes Häuflein,
Und durch Fasten erschöpft, schon kleineren Scharen erbebte!
Thorheit wäre der Kampf, und vermessen der Streit mit dem König,
Dem Jehova im Zorn’ uns preisgegeben für immer.“
Drohend erhob Mathathias die Hand, und sagte mit Wehmuth:
„O, nicht schaffet die Meng’ uns Sieg in dem Sturme der Feldschlacht;
Gottes gewaltiger Arm errettet mit wenigen Händen
Eben so schnell, wie mit vielen, vom Joch’ entehrender Knechtschaft
Sein erlesenes Volk, so er will, barmherzig, und gnädig!“
Aber, urplötzlich entriß der Scheid’, im furchtbaren Jähzorn
Juda sein Schwert, und hieb mit nerviger Rechte der Zeder
Lastenden Zweig von dem Stamm, daß er weit in den Lüften dahinflog.
Sadok wich, erschrocken, zurück’, und beugte sein Antlitz
Nieder in Staub: denn nah’ ihm schien, zermalmend, der Tod schon;
Aber auch All’ ergriff ein herzbeklemmendes Staunen
Ueber des Jüngling’s Kraft, der jetzo, entflammt, zu dem Volk rief:
„Ha, ihr bebt vor der Menge zurück, vor den nied’rigen Sündern,
Welch’ im wüthigen Trotz ermorden die jammernden Weiber,
Und den lächelnden Säugling zugleich an dem Busen der Mutter!
Die für schnöden Gewinn verhandeln den Mann und den Jüngling,
Gleich dem Vieh’, auf dem Markt, an den weltdurchwandernden Kaufmann:
Also vor uns Jehova’s Ruhm zu verhöhnen, entschlossen?
Besser der Tod in dem Kampf’, als solch unrühmliches Leben!
Auf — wir streiten für Gott, für unser Leben und Freiheit!
Zaget nicht, fasset nur Muth: der Herr ist mit uns in dem Schlachtfeld.“
Also rief er, und ging; ihm folgte, begeistert, das Volk nach.
Nicht auf dem breiteren Pfad, der unten durch üppige Matten,
Führte des Wanderers Fuß zur felsumstarreten Waldschlucht,
Zog nun Israels Heer auf den Feind mit erneuertem Muth los,
Sondern auf waldigen Höh’n bis hin, wo der letzte der Hügel
Sich an Bethoron, der Stadt, hinzieht, und zu lachenden Eb’nen,
Durch die goldene Aehrenflur, den grünenden Fuß dehnt,
Eilte das muthige vor. D’rauf ordnete Juda die Scharen;
Gab an dem linken Horn dort, Jonathan, und an dem rechten
Hier, Eleazar Gewalt, zu gebiethen im Sturme der Feldschlacht.
Er, der erst’ entgegen dem Feind’ in der Mitte zu kämpfen,
Stand voll freudigen Muthes allein und jubelte laut auf,
Als Jochanan sich ihm, der Helden-Bruder, nun anschloß.
Doch Mathathias stand, umgeben vom Volk’, auf des Hügels
Felsigem Haupt mit Simon, dem ältesten Sohn’, und erhob jetzt,
Warnend, g’en Juda die Hand, und fragt’ ihn, sorglichen Blickes:
„Juda! Hast du erwogen das Ziel — gesichtet des Herzens
Tiefverborgenen Grund: ob nicht vermessener Stolz nur,
Ob Vertrau’n auf eigene Kraft zur gefährlichen Stelle
Dort, an der Spitze des Heer’s, dich trieb in eiteler Ruhmsucht?
Hast du heiß zu Jehova gefleht, und des Ewigen Beifall,
Demutherfüllet, geahnt in des Herzens heiliger Regung?“
Juda entgegnete schnell: „Erwogen das Ziel, und gesichtet
Hab’ ich, o Vater, die tiefverborgenen Räume des Herzens!
Nicht vermessener Stolz, nicht Vertrau’n auf eignes Vermögen
Heißt mich steh’n an der Spitze des Heers: Jehova geboth mir —
Ja, in der Brust rief Gott, daß ich leite die Unsern im Schlachtfeld!“
Jetzt entblößt’ er sein Schwert; ließ dann im Grase sich nieder,
Stützte das Kinn auf die Hand, und sah mit glühenden Blicken
Durch das nächtliche Grau’n den nahenden Feinden entgegen.
Wie der Leu, der jüngst entwöhnt von der säugenden Mutter,
Im Vertrauen auf eigene Kraft, von dem Lager sich aufmacht,
Vor der Höhle sich stellt, und mit wuthgerötheten Augen
Schauet im Wald’ umher: ob mächtige Gegner ihm nahen?
Lechzend nach Blut’, umleckt er mit stachliger Zunge den Rachen;
Peitscht den drönenden Grund mit dem buschigen Schweif, daß, zum Himmel
Wirbelnd, der Staub auffleugt, und brüllt, und schüttelt die Mähnen:
Also saß vor den Scharen der Held auf dem Boden, und blickte
Starr in die Fläche hinab, nach feindlichem Blute sich sehnend.
Jetzt erglühte der Saum des lichtergewordenen Himmels
Drüben im Osten; im Frühwind floh’n die umwandernden Nebel;
Jauchzend schwangen die Lerchen sich auf in den Lüften, und ringsum,
Durch die bethaute Flur erwacht’ ein Laut nach dem ander’n —
So in dem Wald’, auf den Höh’n, und in tiefverborgener Thalschlucht;
Doch, als jetzo ihr Flammenhaupt, im duftigen Goldglanz
Schwebend, die Sonn’ erhob, und rings die verjüngete Schöpfung
Jubelte, sieh’, da zog die syrische Macht auf des Landmanns
Saaten in täuschender Stille heran: denn Seron gedachte
Heimlich im Ueberfall den lagernden Feind zu erwürgen.
Wohl erbebte das Volk von Israel, als es die Reihen
Jener gewaltigen Thiere vor sich im feindlichen Heer’ sah:
Aber der älteste Sohn Mathathia, des heiligen Greises,
Simon, eilte herab, und sagte zu Juda, dem Feldherrn:
„Kühner, entbieth’ aus dem Heer’ Freiwillige, die für die Rettung
Unseres Volks dem Tode sich weih’n, und sie muthig erringen!
Furchtbar ist ihm der Kampf mit dem riesengestalteten Thier nur.
Mögen jene das Schwert mit des langgeschafteten Speeres
Erze vereinen: das Schwert an den Schaft mit kräftigen Riemen
Festigend, und im Gemenge der Schlacht, losstürzend vor allen
Auf die Thiere, sie kühn verwunden am schrecklichen Rüssel,
Daß sie, gefoltert vom Schmerz, im eigenen Heere verbreiten
Flucht, Verwirrung, und Tod, und grausenvolles Verderben.“
Juda erhob das Schwert, und winkte dem sinnigen Bruder
Beifall zu. Kaum war in den Reih’n der geordneten Krieger
Kund geworden der Ruf des kühnen Beginnens: da traten
Hunderte vor, voll Muth zum rühmlichen Tod sich erbiethend;
Aber Simon erlas nur zwölf’ aus den tapfersten Männern,
Die sich bewährten im Schlachtengefild’, ein Schrecken des Feindes.
Alsbald hefteten dies’ ihr Schwert mit kräftigen Riemen
Fest an den ragenden Schaft des fernhintreffenden Speeres;
Eilten hinab zu des Hügels Rand, wo dichtes Gebüsch sich
Nah’ an dem Pfad hinzog, und harrten, verborgen, der Gegner.
Näher und näher erhob sich Gewölk aufqualmenden Staubes;
Blitzender zuckte das Licht der strahlengekröneten Sonne
Mitten in Staubesqualm aus den hellgeglätteten Waffen;
Lauter erscholl der Tritt viel Tausender — schnob das Entsetzen
Vor den Scharen einher, und nah’ war Kampf und Verderben.
Juda, jetzo die Gegner vor sich mit leuchtenden Augen
Schauend, erhob sich behend’; schrie laut, daß die Berg’ und die Thäler
Dröneten, all’ um ihn her erbebten, und oben am Felsriff
Selbst Mathathias erschrack. Von Furcht und Entsetzen ergriffen,
Hörten die Feinde den Ruf, und rissen sich wild aus den Reihen.
Aber jetzt auf den Höh’n das Heer der Gegner mit einmal,
Nur so schwach an der Zahl, und allein mit dem Schwert’ in der Rechten,
Sonder Panzer und Helm, Streitwägen und Rosse gewahrend,
Lachte Seron vor Wuth, und rief, voreilend, Apollon,
Der dem Vorderzuge geboth, mit höhnenden Blicken:
„Wahrlich, ich dacht’ im Geist, ganz Israel, stünde, bewaffnet,
Wider uns auf, und bereit’ uns Tod und grause Vernichtung!
Soll dieß treffliche Heer mit jenem der Feinde sich messen,
Das die verborgenen Höhlen des Wald’s, gleich Räubern, bewohnet,
Wehr’ und Waffen entbehrt, und jetzt, verzweifelnd, den Tod sucht?
Mögen die Schützen allein, von den Rücken der zwölf Elephanten
Schleudernd den tödlichen Stein, und schnellend die Pfeile vom Bogen,
Jene bekämpfen: sie flieh’n vor ihrem entsetzlichen Blick schon.“
Sieh’, da drängten zugleich die lautaufschreienden Führer
All’ Elephanten vor in dem Feld’, und es stachen die Krieger
Sie, daß ihr Grimm erwach’, aus den Thürmen mit spitzigen Lanzen.
Und er erwachte sogleich: sie schritten hinan, mit dem Rüssel
Laut sich peitschend die Brust, und schnoben vor glühender Mordgier.
Von der Sehne geschnellt, durchzuckt’ ein Hagel von Pfeilen,
Sausend, die Luft. Der Schleuderer schwang den spitzigen Wurfstein,
Kreisend, umher: bis jetzt die Schnur von dem hemmenden Finger
Wich; der Stein lautheulend im Luftraum flog, und am Hügel
Dort, mit den Pfeilen zugleich, die tapfersten Krieger erlegte.
Nun erhob Mathathias zu Gott, lautflehend die Augen:
„Rett’, Erbarmer, dein Volk von dem Feind, der Schmach und Verderben
Ihm bereitet mit wüthigem Trotz: verhöhnend dich, wahren,
Ewigen Gott! O, gib uns den Sieg, Allmächtiger, hier jetzt,
Daß er erkenne mit Angst, wie mächtig Jehova, der Herr, ist!“
Sieh’, da warfen sich schnell die zwölf erlesenen Männer,
Die sich dem rühmlichen Tode geweiht, auf das vordere Treffen.
Jeglicher ging mit weitvorragendem Speer’ auf ein Thier los —
Stieß, und verwundet’ es tief an dem Rüssel. Nur Dorach aus Gaza
Fehlte vor Hast: sein Speer glitt ab an dem glänzenden Hauer,
Und durchbohrte des Thiers Ohrlapp’, die faltig herabhing.
Schnell umklammert’ es ihn mit dem schrecklichverlängerten Rüssel,
Ihm zu zermalmen die Brust, und ihn auf in die Lüfte zu schleudern,
Daß es den Sinkenden, racherfüllt, in dem Sande zertrete;
Aber da sprang Nabal, aus Bethoron, herbei, und, erhebend
Hoch den Schaft mit dem festgehefteten Schwerte, durchstieß er
Ihm das funkelnd’ Aug’, das sonst so klug, so verständig,
Sinnig, und mild hersah — nun hellentflammt von der Wuth war.
Jetzo tobten, von Zorn und furchtbarn Schmerzen gefoltert,
All’ Elephanten im Feld’ umher. Sie warfen die Krieger
Aus den Thürmen herab, und eileten, schnaubend, herüber:
Durchzubrechen das eigene Heer, und im rauschenden Bergstrom
Dann zu kühlen die Gluth der tiefgespaltenen Wunden.
Ein gewaltiger stieß an Serons rollenden Wagen,
Der, von dem Sessel herab antreibend die schnaubenden Rosse,
Und ersehend von fern, welch’ schrecklichen Frevel die Gegner
Dort an den Thieren verübeten, jetzt die Führer des Heeres
Schalt, und ermahnte zugleich, die Frevelnden niederzuschmettern;
Doch schon lag er im Staub, und blutete — lagen die Rosse,
Lag der Wagen, zertrümmert, im Feld: denn schnell, wie der Blitzstrahl
Mitten im Hain die hundertjährige Fichte zersplittert,
Daß nur Trümmer umher von dem ragenden Stamme sich weisen:
So zertrümmerte dort das Thier den rollenden Wagen;
So zertrat es die Ross’ und den lautaufschreienden Feldherrn.
Und es entfloh’n alsbald in wilder Verwirrung die Syrer.
Jetzt, wie im Lenz von dem Felsengebirg, gelöset vom Südwind,
Niederrollt die Lawin’, im schrecklichen Donnergetümmel,
Stürzet den Wald, fortreißt die Felder und blühende Matten:
Also kam von dem Hügel herab die Zierde der Helden
Makkabäischen Stamms — kam Juda, der tapfere Jüngling
Her an der Spitze des Heer’s. Den Fliehenden lag er im Rücken,
Schlug, und tränkte sein dürstendes Schwert im Blute des Feindes.
So Eleazar, der Held, so Jonathan. Keiner der Krieger
Rastete jetzt. Weithin ertönte Gejauchze des Sieges;
Tausende lagen erwürgt, und deckten die Pfad’ und die Felder.
Längs dem Zederngehölz’, unferne den Mauern Bethorons,
Stellt’ Apollon sich kühn zur Wehr’. Er hemmte die Seinen
Noch in der Flucht: im Kampf mit Ehre zu sterben, entschlossen.
Juda säumte nicht, kam, und sprang vor den muthigen Feind hin.
Zwar hielt ihm Apollon sogleich den ragenden Speerschaft
Kräftig, entgegen; allein, er schwang sein blinkendes Eisen —
Hieb den ragenden Schaft entzwei, und bohrete jenes
Ihm so tief in die Brust, daß er sank, und das Leben verhauchte.
D’rauf entriß er ihm schnell das reichverzierete Schlachtschwert:
Um noch jetzt, und hinfort, in dem Kampf für den heiligen Glauben,
Für die Rettung des Vaterland’s, und die Sitten der Väter
Solches zu führen, zum Ruhme für Israel, siege verherrlicht.
[3]
Aber in eiliger Hast entfloh’n die Trümmer des Heeres,
Das den Juden Vernichtung droht’, und nur Wenige kehrten
Heim in das Vaterland, den Ihren den Jammer zu künden.
Sieh’, Mathathias Vollendung naht’! Er fühlte des Todes
Schaurigen Hauch; hieß seine geliebten Erzeugten ihm nahen;
Hob sich auf in dem Bett’, und begann mit rührender Stimme:
„Nehmt den Segen zum Lohn’, ihr, Theueren! Möge Jehova
Euch behüthen mit ewiger Huld, daß ihr, würdig der Väter
Wandelt, und wirket das Gut’ auf dem heiteren Pfade der Unschuld.
Jammerschwer ist die Zeit, in der ihr lebet: der Hochmuth
Herrscht in der Welt, und der Stolz ersinnet nur Schmach und Verderben.
Haltet fest am Gesetze des Herrn; gedenket der Thaten
Eurer Väter, und suchet den Ruhm, der ihnen zu Theil ward,
Auch um des Lebens Preis: dann lohnt euch ewiger Nachruhm.
Abraham heißt uns gerecht, da er treu in der Prüfung bestanden.
Joseph herrschte mit Macht in Aegypten, weil er im Unglück,
So wie im Glück, Jehova’s Gesetze verehrete. Phine’s
Eiferte redlich für Gottes Wort, und des Priesterthums Vorzug,
Dauernd in seinem Geschlecht, ward ihm zum Lohne gegeben.
Josua that, wie Jehova geboth, und er wurde der Retter
Israels. Laut sprach Kaleb dort vor dem Volke die Wahrheit,
Und er hatte sein Erb’ im verheißenen Lande des Segens.
David war barmherzig und mild, und ihm wurde die Herrschaft —
Ihm und seinem Geschlecht, gegeben auf ewige Zeiten.
Für Jehova’s Wort entglühte der Thesbit Helias,
Und er wurde im Blitz und Sturm g’en Himmel gehoben.
Auch den Glauben Sidrachs, Misach- und Abdenagos, lohnte
Herrlich der Herr: sie kamen gerettet hervor aus den Flammen,
Und die grimmigen Leu’n bezähmte Daniels Unschuld.
Also hinauf, in der dämmernden Frühe der heiligen Vorzeit,
Seht ihr jene belohnt, die liebend Jehova vertrauten.
Fürchtet denn nie den Trotz und die dräuenden Worte des Sünders:
Seine Herrlichkeit ist nur Staub, sein Ende Verwesung;
Heute bläht er sich auf, und dräut der Erd’ und dem Himmel:
Morgen ist er nicht mehr: denn tief in des dunkelen Grab’s Nacht
Sank sein wüthiger Trotz und all’ sein stolzes Beginnen.
Auf, erhebt euch mit Muth, geliebteste Söhne! Jehova’s
Mächtiger Arm schützt euch, so ihr treu dem Gesetze verharret.
Simeon ist erfahren und klug; mein ältester werd’ euch
Vater hinfort: ein Lenker im Grau’n des umnachteten Lebens;
Aber Judas, mein Held, Makkabäer gepriesen vor allen
Meines Geschlecht’s, beherrsche das Feld der eisernen Schlachten:
Euer tapferer Hort, erzogen im Lager der Krieger.
So mit den beiden vereint sey Jonathan, sey Eleazar,
Und Jochanan im Bruderbund. Versammelt Jehova’s
Tapf’re Verehrer alle zum Kampf für die heilige Freiheit;
Rächet die Schmach des Vaterland’s an den Feinden mit Nachdruck.“
Als er die Rede beschloß, da sank er zurück auf das Kissen;
Sah mit segnendem Blick’ auf die Lieben, und hauchte den Geist aus.
D’rauf in das Ahnen-Grab, unferne den Mauern von Modin,
Brachten im Trauerzug die weinenden Söhne den Todten,
Und in Israel scholl Wehklag’ um den Vater des Volkes.
Aber im jubelnden Ruf der Himmlischen reicht’ ihm vom Thronsitz
Schon der Allerbarmer, voll Huld, den lohnenden Kranz hin:
Da er vertrauend auf ihn, in dem nächtlichen Sturme des Lebens
Muthig stand, und den Frommen hier zum erhebenden Trost ward!