The Project Gutenberg eBook of Schutz- und Trutzbündnisse in der Natur

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Title: Schutz- und Trutzbündnisse in der Natur

Author: Wilhelm Bölsche

Release date: September 18, 2015 [eBook #50003]
Most recently updated: October 22, 2024

Language: German

Credits: Produced by Peter Becker and the Online Distributed
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*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHUTZ- UND TRUTZBÜNDNISSE IN DER NATUR ***

Schutz- und Trutzbündnisse
in der Natur

Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart

Die Gesellschaft Kosmos bezweckt, die Kenntnis der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes zu verbreiten. — Dieses Ziel sucht die Gesellschaft durch Verbreitung guter naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen im

Kosmos, Handweiser für Naturfreunde

Kriegs-Ausgabe.

Jährlich 12 Hefte mit 4 Buchbeilagen. Preis halbjährl. M 2.80.

Diese Buchbeilagen sind, von ersten Verfassern geschrieben, im guten Sinne gemeinverständliche Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Vorläufig sind für das Vereinsjahr 1918 festgelegt (Änderungen und Reihenfolge vorbehalten):

Wilh. Bölsche, Eiszeiten und Klimawechsel Reich illustriert. Geheftet M 1.—

Dr. Kurt Floericke, Forscherfahrt in Feindesland (Dobrudscha). Reich illustriert. Geheftet M 1.—

Dr. Fischer-Defoy, Schlafen und Träumen Geheftet M 1.—

Über einen weiteren Band folgt Mitteilung im Handweiser.

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Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart.

Schutz- und Trutzbündnisse in der Natur

Von

Wilhelm Bölsche

Mit vielen erläuternden Abbildungen

Stuttgart

Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde

Geschäftsstelle: Franckh’sche Verlagshandlung

1917

Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht, vorbehalten.

STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI
HOLZINGER & Co, STUTTGART

„Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust...“ Dieses Wort Fausts ist auch dem Naturforscher unserer Tage immer einmal wieder entgegengeklungen. Der alte Siebold mag sich daran erinnert haben, als es ihm in einer zoologischen Überraschungsstunde gelang, einen vertrackten Schmarotzerwurm der Karpfen, das Diplozoon paradoxum, das angeblich zwei Darmkanäle und zwei Mundöffnungen hatte, auf solche Zweiseelenexistenz zurückzuführen: indem es sich nämlich um zwei Wurmindividuen dabei handelte, die jedesmal auf der Höhe ihres Lebens übers Kreuz miteinander zu einem neuen Doppelwesen verwuchsen (Abb. 1). Die Geschichte war aber doch harmlos gegen die andere, die ums Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts von deutschen Botanikerkreisen in die Welt ausging. Alexander von Humboldt, als er seinen „Kosmos“ schrieb, hatte einmal gleichsam des Weltalls letzte Ecken in einen einzigen prächtigen Satz gefaßt: vom fernsten bläulich verglimmenden Nebelfleck bis zur letzten gelben Flechte am irdischen Granitfels; ihm erschien die Flechte dabei als die äußerste, fast kosmisch anspruchslose Anpassungsform des Lebens, wie sie, beinahe nur noch einer dürren mineralischen Farbkruste gleich, als einsamer Pionier zuletzt am splitterfasernackten Hochgebirgsstein unter der unendlichen Weltraumsöde hing. Eben von diesen Flechten insgesamt aber wurde damals plötzlich behauptet, daß sie gar keine richtige Pflanzenklasse für sich bildeten, sondern ebenfalls so diplozoonhaft, nur noch paradoxer, erst durch körperliche Verwurstelung und Verknotung von je zwei Vertretern himmelweit verschiedener Klassen einzeln zustande kämen. Ungefähr so, wie wenn der Elefant sich eines Tages als ein Mischprodukt aus einer Maus und einem Tintenfisch herausstellte, die nicht in kühner Ehe ein Kind erzeugt, sondern als ausgewachsene Wesen sich ineinander gekrempelt hätten.

Der Sachverhalt erschien, abgesehen von dem großen Systemsturz, den er bedeutete, für allgemeine Lebensfragen so einzigartig merkwürdig, daß einer der Väter der Theorie, Anton de Bary (trotz des fremden Namens ein geborener Frankfurter und damals Professor der Botanik an der neuen reichsdeutschen Universität zu Straßburg, Abb. 2), auf der Naturforscherversammlung zu Kassel von 1878 einen Vortrag darüber für nötig hielt, der zugleich den Grundstein zu einem ganz neuen Forschungsgebiet weit noch über die Einzelfrage hinaus setzen sollte. De Bary legte den Schwerpunkt darauf, daß es sich hier um ein dauerndes ganz intimes Zusammenleben handle. Und zwar nicht bloß wie beim Diplozoon von zwei Individuen ein und derselben Art. Sondern von Vertretern verschiedener Arten, ja Klassen oder Stämmen. Nun kennen wir zwar eine Form solchen „innerlichen“ Zusammen- und Ineinanderlebens auch sonst und sogar persönlich mißlich. Der Bandwurm z. B. lebt zeitweise in unserem Menschenleibe und löffelt als übler Schmarotzer dort auf unsere Kosten mit. Bei den Flechten aber schien das einfache Zusammenleben zu einer im Gegensatz ganz friedlichen Lage geführt zu haben: zu einer wirklichen Genossenschaft in einer Art gemeinsamen Haushalts. Im einzelnen blieb hier für de Bary allerdings noch manches unklar. Aber er meinte, es müsse auf jeden Fall für dieses ganze hochinteressante Gebiet von engstem Zusammenhalten verschiedener Wesen systematisch gegensätzlicher Art ein neues Wort geschaffen werden, das zugleich ein Arbeitsprogramm für weitere Studien bedeuten könnte. Und so übersetzte er nach dem hergebrachten Fremdwörterbrauch der Forschung mit „Symbiose“, was wörtlich (aus griechisch syn, zusammen, und bios, Leben) eben nur das einfache deutsche „Zusammenleben“ wiederholt. Er ließ dabei offen, unter dieses ganz allgemeine Wort auch den Fall Bandwurm, wo der eine Mitleber den andern plagt, mitaufzunehmen, doch erschien auch ihm schon ersichtlich am wichtigsten das „Zweiseelengeschöpf“, bei dem die eine „Seele“ der andern brüderlich half. Und in diesem Zusammenhang verwies er auch schon auf eine im Verhältnis zu der noch nicht über 10 Jahre alten Flechtengeschichte uralte, fast hundertjährige wissenschaftliche Tat hin, die zu ihrer Zeit allerdings auch ein Abenteuer ersten Ranges gewesen war. Nämlich die große Entdeckung des trefflichen Rektors Sprengel zu Spandau von 1793, daß auch zwischen Blumen und Insekten, also genügend himmelweit verschiedenen Angehörigen sogar zweier gegensätzlicher Lebensreiche, eine Art solcher Lebensgemeinschaft bestehe. Die Blüte lieferte der Biene oder dem Schmetterling Honig, und das Insekt vermittelte dafür die Befruchtung der Pflanze. Hier war zwar von flechtenhaft oder auch nur bandwurmhaft dauerndem Ineinanderleben der Parteien nicht eigentlich die Rede. Aber dafür trat die friedliche Gegenseitshilfe besonders hübsch hervor, und de Bary nahm also versuchsweise auch diese Sprengelgeschichte (die kein Geringerer als Darwin selbst damals erneut in Umlauf gebracht hatte) unter seinen Titel auf.

Wie gewöhnlich, wenn ein mehr oder minder glückliches Schlagwort zur Stelle ist, machte erst jetzt das Flechtenabenteuer der Spezialbotaniker das Gesamtaufsehen, das es verdiente. Als im Herbst 1883 abermals die Naturforscherversammlung tagte, diesmal in Freiburg i. B., ergriff der damalige junge Jenenser Zoologieprofessor Oskar Hertwig (Abb. 3) zu der Sache erneut das Wort. Er knüpfte unmittelbar an de Barys Vortrag an, spann den Faden aber jetzt für die Tierkunde aus. Er berichtete von wunderbaren Genossenschaftshaushalten sehr verschiedenartiger Tierarten (auch hier aus gegensätzlichen Klassen und Stämmen), die im Meeresgrunde bei Neapel merkbar würden, und enthüllte ganz besonders auch einen fabelhaften Fall, der an Sprengel anklang, indem Tiere darin ebenfalls mit Pflanzen zusammenhielten, zugleich sich aber diesmal beide Parteien wirklich flechtenhaft auf Lebenszeit ineinander verschachtelten. Das Entscheidende aber war, daß Hertwig, der dem Thema nach über „Die Symbiose oder das Genossenschaftsleben im Tierreich“ sprach (de Bary hatte allgemein „Die Erscheinung der Symbiose“ angekündigt), aufs unzweideutigste jetzt grade die Bedeutung der friedlichen, gegenseitig fördernden Genossenschaftsbildungen einseitig hervorhob und in ihnen die eigentliche Grundlage einer „gesetzmäßigen Vereinigung ungleichartiger Organismen“, wie sie die Symbiose darstelle, sah. Vor einem Beispiel für schon höher entwickelte Tiere fiel bei ihm dabei gradezu das Wort von einem „Freundschaftsbund“ der aneinander angeschlossenen Parteien. Und das hat für die Folge, je mehr Beispiele sie anhäufte, zunächst über den eigentlichen Gebrauchswert des Wortes „Symbiose“ entschieden. Man hat sich gewöhnt, fortan unter wahrer Symbiose nur eben jenes im engeren Sinne genossenschaftlich fördernde Zusammenleben zu verstehen, — unter Ausschluß der bandwurmhaft aussaugenden und mißbrauchenden Einwohnerschaft. Dafür paßte dann freilich der Wortsinn nicht mehr ganz scharf, da er selbst ja nur das Zusammenleben überhaupt betonte, während andererseits solche loseren Fälle, wie der des alten Sprengel, die doch grade für jenen echten Genossenschaftsaustausch so sehr beweisend sind, in ihm wieder wie in einer zu engen Jacke steckten. Inzwischen ist’s ein Schlagwort geworden und lebt als solches fort, wobei man, wie so oft, schließlich nur den Klang noch hört und ihm selber den rechten Sinn unterlegt, ohne daß es auf die Buchstaben mehr viel ankäme. Will man aber aus gutem deutschem Ausdruck ersetzen, so würde sich das auch in unserem Titel gewählte „Schutz- und Trutzbündnisse zwischen Tier- und Pflanzenarten“ empfehlen. Auf „Arten“ muß dabei aus gleich zu erörternden Gründen ein Nachdruck liegen.

Die merkwürdige Naturerscheinung, die hier gefaßt ist und einige der gewiß seltsamsten Einzelentdeckungen aus dem Lebensgebiet zugleich berührt und erklärt, ist, wie dieser kurze Geschichtsabriß zeigt, eine echte Errungenschaft neuerer Forschung — noch nicht vier Jahrzehnte dort alt. Von ihren ersten Ergründern ist de Bary erst 1888 gestorben, Hertwig lebt und lehrt noch. So jung ist die Definition und sind (wenn wir von Sprengels Insektengeschichte absehen) auch die Beobachtungen dazu aus dem Naturgebiet selbst. Denn auch die Flechtensache ist im einzelnen erst seither ordentlich geklärt worden. Freilich: über Schutz- und Trutzbündnisse in der Tier- und Pflanzenwelt allgemein gab es scheinbar schon die umfangreichste alte Literatur. Die ganze älteste Zoologie ist mehr oder minder anekdotischer Beispiele voll, das Volk erzählte davon. Dem Vater Herodot hatten sie bereits im alten Ägypten das Vöglein (einen Regenpfeifer) gezeigt, das dem Krokodil ins offene Maul krieche, um ihm die Zähne vom Ungeziefer zu reinigen, wofür der gutmütige Leviathan darauf verzichte, es zu verschlucken. Das meiste derart war aber unverfälschtes Jägerlatein. An der Krokodilgeschichte scheint etwas Wahres zu sein, doch ist bis heute nicht geklärt, ob sie wirklich an eine echte Symbiose anklingt. Durchweg aber steckten in diesem alten Wust loser Berichtchen auch sonst die gewöhnlichen Einzelfehler kindlicher Naturgeschichte. Die Sachen wurden als ganz isolierte Wunder tierischen oder gar pflanzlichen Genies geschildert, durchweg der Einzelintelligenz oder dem Einzelgemüt des betreffenden Wesens je nachdem bewundernd oder gerührt zugeschrieben. Davon nun unterscheidet sich jener neu entdeckte wissenschaftliche Begriff der Symbiose weit und grundlegend. Durch und durch Erzeugnis modern geschulten Naturforscherblicks, sucht er im Gegensatz eine streng gesetzmäßige Erscheinung. Wo Symbiose in seinem Sinne auftritt, da gehört sie, dauernd und von allen Individuen immer wieder geübt, den betreffenden Arten an wie ein Organ, angeschlossen heute an uralt eingepaukte Reflexe und Instinkte mit dem großen „Muß“ solcher. So romantisch gelegentlich auch hier die Beispiele selbst klingen mögen (wie bei den Flechten!) — ihren Entdeckern lag alles ferner als romantische Gefühlsregungen. Das neue Feld eröffnete sich ihnen in ihrem nüchternsten Fachgebiet, all ihren auch sonst verwerteten exakt wissenschaftlichen und experimentellen Methoden zugänglich. Vor allem aber traf es bei ihnen in eine Stimmung, die keine frühere Naturbetrachtung so haben konnte, während sie uns heute allenthalben beherrscht. De Bary selbst gipfelte gleich seinen ersten Vortrag in einem lebhaftesten Hinweis auf Darwin. Dem „Maschinenbetrieb“ gewissermaßen des äußeren Tier- und Pflanzendaseins auf Erden, wie ihn Darwin genial zu zeichnen versuchte, sollte sich auch das neue Phänomen dieser Symbiose restlos einordnen. Ich glaube, daß wir nichts Besseres tun können, als auch unsere Betrachtung ebenfalls gleich ohne Zögern auf diese „Darwinschau“ einzustellen.

Nun, wie bekannt, ist Darwins großes Lebensgemälde allerdings zunächst der Idee von friedlichen Schutz- und Trutzbündnissen gewiß nicht günstig. Kampf steht vielmehr dort im Vordergrund. Nehmen wir irgend einen Blütenbaum. Ich erinnere mich aus dem Garten meines Elternhauses zweier uralter ungeheurer Birnbäume. Wenn sie im Frühjahr blühten, war es ein wahres Märchen, der ganze Garten lag noch einmal wie im Schnee, in den die Sonne vom blauen Himmel sah und aus dem die Bienen sangen. Oft später ist mir die ganze „Natur“, wenn ich das Wort irgendwo gebrauchte, im Bilde dieser Zauberbäume erschienen. Für Darwin aber ist solcher Baum zunächst nur der Schauplatz eines gradezu schaurigen Kampfes. Unendliche Massen von Lebensformen wirft die phantastisch schaffende Natur herauf, nur eine beschränkte Zahl aber kann bestehen. Die äußeren Verhältnisse hauen auf die Arten, die Arten zerfleischen sich untereinander, unzählige Individuen regnen beständig ab wie Blütenschnee. Dante in seiner Hölle hat keine härteren Bilder gemalt, als Darwins unbestechliche Hand hier von der Natur. Es ist wie in den Schrecken eines Schiffbruchs: die paar Planken gönnen nur wenigen Raum, diese stoßen sich zum Teil noch unabsichtlich herab, und die Letzten dezimiert das gräßliche Schlachtlos in der Hungersnot. So nimmt der Frost Blüten mit, andere fallen in der Raumnot vom Ast, soundso viele werden von Insekten gefressen, die selbst wieder in ihren verschiedenen Arten kannibalisch übereinander stürzen, um im ganzen von den niedlichen Singvögeln dezimiert zu werden, denen Raubvögel nachstellen.

Aber schon in dieser harten „Maschine“ Darwins sehen wir doch auch ein Gegenbild. Jener schauerliche Kampf mit seinen ungezählten Schlachtopfern tobt nur zwischen den äußeren Verhältnissen und den Arten sowie den Arten unter sich. Er schweigt dagegen ganz oder doch größtenteils zwischen den Individuen ein und derselben Art.

Grade der eigentliche scheußliche Kannibalismus des Artkampfes ist hier wie ausgelöscht, dafür herrschen Frieden, gegenseitige Hilfe, Sorge des Stärkeren für den Schwachen, Hingabe des einen für andere. Das Rotschwänzchen füttert seine Jungen, die Bienen sammeln für ihre Brut mit und stechen als hingebende Soldaten eines großen Familienstaats, wehrhafte Männchen schützen allenthalben die Weibchen, starke Weibchen die unmündigen Kinder. Was bedarf es auch hier der Ausmalung! Bei Quallen und Pflanzensprossen führt das zu unmittelbar auch körperlich zusammengewachsenen Geschwisterstaaten, bei Ameisen und Termiten zu den wunderbarsten freieren Instinktverbänden, und wir wissen schließlich alle, daß sämtliche höheren Pflanzen und Tiere mit Einschluß von uns Menschen ja als Einzelperson schon einen solchen Geschwisterbund aus zahllosen Zellen, einen „Zellenstaat“ mit großartiger, in den Organen offenbarter Arbeitsteilung, darstellen. Also es gibt auch friedliche Möglichkeiten, — auch in der harten Darwinwelt des Vorteils; Frieden muß eben hier das Vorteilhaftere sein.

Aber auch bei den so wüst einander bekämpfenden Arten selbst gewahren wir bei genauem Hinsehen einen sehr interessanten tiefsten Sachverhalt. Auch dort geht der noch so erbitterte Zerfleischungszwist durchweg nicht auf wirkliche Vernichtung. Sondern es ist, als werde immer nur ein gewisser Überschuß gewaltsam abgeschöpft, der im Gesamtkonto jeder Art entbehrt werden kann. Der Birnbaum, die Insektenarten, die Vögel, jetzt dezimiert, sind als Art doch im nächsten Jahr wieder da, wenigstens durchweg. Selbst die äußeren Verhältnisse mit ihren Dürren, Frösten, Hagelschlägen schöpfen meist nur solchen Überschuß ab. Auf die Dauer geologischer Zeiträume mögen sie allerdings mit stärkeren Mitteln auch ganze Arten ausrotten. Aber bei den Arten unter sich reicht offenbar in der Regel der Überschuß, der Luxus gleichsam schon zur Erhaltung des Gleichgewichts. An sich ist das Abheben dieses Überschusses ja eine leidige Notwendigkeit. Können doch die Tiere im ganzen überhaupt nur leben, indem sie von der Pflanzenschöpfung mitzehren; trotzdem grünt aber diese Pflanze in aller Fülle der Kraft bis heute, sie hat eben offensichtlich von je so viel Überschuß in Blättern, Wurzeln, Früchten erzeugen können, daß der ganze Grundstamm der Tierwelt mühelos davon mit unterhalten werden konnte; was aber die Tiere noch mehr brauchen, das erheben sie in Überschußabnahme wieder voneinander als Tribut gefressener anderer Tiere, ohne daß doch auch da wirkliche Werte vertilgt würden; der Leopard lebt seit undenklichen Zeiten neben der Antilope, dezimiert sie, aber beide bleiben. Ja, das ganze ungeheure Arsenal an Waffen und Schutzinstinkten, das die einzelnen Arten gegeneinander aufstellen, scheint in diesem Sinne nur dazu zu dienen, daß bei dem gewaltsamen Überschußabschöpfen kein Mißbrauch getrieben wird, der wirklich zu solcher Vernichtung führen könnte. Es schützt soundso viel Individuen als eisernen Bestand, der bleiben muß, während der Rest dareingehen mag. Pfiffige Gegner meinten wohl der Theorie z. B. von den Schutzfärbungen damit ein Bein stellen zu können, daß sie nachwiesen, kein Schutz derart wirke unter allen Umständen sicher. Weismann hat darauf aber schon vor Jahr und Tag geantwortet, solcher absolute Schutz sei auch gar nicht der Zweck; bei ihm stürze der ganze Naturhaushalt ein; soundso viel Prozent etwa rinden- oder blattähnlicher Insekten müßten trotzdem den andern zum Opfer fallen, dieser Überschuß könne aber entbehrt werden, wenn nur ein gewisser Stamm oder eiserner Bestand durch den Schutz davon komme; in der Tat ist mir keine einzige absolut wirkende Schutzanpassung bekannt.

Erwägt man aber das, so sieht man auf eine neue Möglichkeit. Schließlich hätte sich auch hier bei den Arten am Ende alles viel friedlicher regulieren lassen. Auf Grund dessen, daß ja doch auch hier zuletzt nur ein gegenseitiges Unterstützungsverhältnis vorliegt. Wenn nun der besagte „Überschuß“ allgemein freiwillig abgegeben worden wäre? Vielleicht hätte er nicht immer durch den Tod ganzer Individuen mit allen Schrecken eines solchen zu gehen brauchen. Jeder einzelne hätte bereits ohne Lebensgefahr seinen Teil Überschuß abgeben können, etwa wie auf jener friedlichen Seite die Mutter Blut oder Milch an ihre Jungen wendet, ohne daß diese Jungen sie deshalb auffressen müßten. Dabei konnte die allgemeine Gegenseitigkeit der Überschußnutzung vielleicht noch schärfer herausgearbeitet werden, indem eine Art etwa geradeso viel Überschuß von der andern übernahm, wie sie selbst gewährte. Solche Arten hätten ihre Waffen gegeneinander abschaffen und gegen den gemeinsamen Feind in den äußeren Verhältnissen richten können, dort sich mit dem unterstützend, was sie hier sparten. So hätten sich Schutzverbände aufrichten können auch zwischen Gattungen, Klassen, Reichen, die auf niederen Stufen vielleicht wieder zu körperlichen Verwachsungen führten, auf höheren zu freier Angliederung, wo jeder so weit selbständig blieb, aber zugleich mit dem andern auf do ut des (Geben und dafür Nehmen) friedlich in Geschäftsanschluß stand. Bis zu dem letzten Ideal einer vollkommen auf Austausch und Arbeitsteilung unter sich geeinigten Lebenswelt, die sich nun mit ganzer Kraft in immer weiter gehender Eroberung und Anpassung mit den großen Elementargewalten dieser Erde auseinanderzusetzen hätte. Man braucht die Dinge durchaus nicht sentimental anzusehen, um sich doch auch hier einen großen Vorteil denken zu können.

Nun, wir wissen, daß das in solchem Umfange nicht erfüllt ist. Der Kampf beherrscht tatsächlich im weitesten Maße das Artbild, wie es vor uns steht. Ob die Natur trotz ihrer geologischen Jahrmillionen nicht Zeit fand, auch hier die friedliche Regelung durchzusetzen? Ob eine gewisse zentrifugale Zersplitterung auf gewisser Breite des Lebens zu stark widersprach? Das organische Leben auf Erden hat ja von Beginn an wohl zweifellos eine Einheitstendenz gehabt, von gemeinsamem Urzustand her und innerster Gleichartigkeit. Aber daneben muß sich auch eine Art zentrifugaler Bewegung früh schon in ihm geltend gemacht haben, die sozusagen atomistisch auseinander trieb, und ihr Hauptwerk steht ja eben in der Verschiedenheit der Arten vor Augen; möglich also, daß grade hier zunächst zuviel entgegenstand. Oder war (hier lag wohl Darwins eigene Meinung) auch hier zunächst noch ein Teil grober Individuenauslese zur Stählung des Ganzen im Kampf eingeschaltet, die nicht so rasch in allgemeine Verbandsauslese umgeschaltet werden konnte? Doch verirren wir uns nicht in letzte Gründe, wie sie einstweilen in all diesen Lebensfragen (auch mit Darwin) problematisch bleiben, und halten uns weiter an das sichtbare Wirklichkeitsbild. So wäre immerhin im Sinne des Gesagten jetzt möglich, daß aus ihm einzelne Beispiele auch dieses Artfriedensschlusses sich im Laufe der Zeiten losgerungen hätten an Stellen, wo doch die höhere Nützlichkeit schon entscheidend einmal überwog. Und hier jetzt wäre etwa der Punkt, wo wir auch ein solches Symbiosebeispiel ohne Zwang und ganz nüchtern mitten aus dem Darwinbilde, gewissermaßen, um das Wort zu wiederholen, aus der großen „Maschine“ Darwins selbst, verstehen würden. Wir würden verstehen, daß, wie die Dinge einmal liegen, seine Anfänge sich zunächst mitten im härtesten Kampf selber zeigten, an diesen Kampf irgendwie anknüpfend wie ein Teil von ihm, — daß aber dieser Kampf irgendeinen zuerst kleinen Anlaß und Ausweg geboten hätte, — daß dann die Maschine der größeren Nützlichkeit auch hier eingesetzt und in eine Linie getrieben hätte, die tatsächlich aus dem Kampf fort und in den genossenschaftlichen Frieden hineinführte. Weil eben doch hinter dem ganzen Kampfe beständig latent die Möglichkeit eines Friedensschlusses als höhere Instanz im Sinne des Gesagten gestanden hätte...

Suchen wir uns das jetzt an ein paar einfachen Beispielen, zunächst mitten aus dem Kampfe selbst entnommen, zu vergegenwärtigen.

Daß der Artenkampf heute noch im weitesten Umfange tobt, dafür braucht es als Zeugnis nur eines einzigen Kreuzspinnennetzes etwa mit seinen Schlachtopfern. An sich, als Kampffalle, ist solches Spinnennetz ja ein Wunderding. In jedesmal unendlicher Feinarbeit hat die Spinne erst ein Fadendreieck hergestellt, dann ein Viereck eingesetzt, in ihm Speichen gezogen und zuletzt über diese Speichen eine riesige Spirale aus Klebfäden gerollt. An einer Stelle des Ganzen lauert sie, bis eine Erschütterung in der Spirale sie wie mit einem Klingelzug benachrichtigt; nun fährt sie ein, packt das angeklebt sich sträubende Insekt, knebelt es in raschem Herumwirbeln ganz, tötet es durch Giftbiß und verzehrt es, indem sie eigenen Magensaft in den Leib des Opfers ergießt und den so vorverdauten Inhalt aufsaugt. Alle diese sinnreichen Dinge aber dienen nur dem Schlächterhandwerk. Kein Zweifel: hier ist reiner Kampf ohne Gnade; das Opfer, um verzehrt zu werden, wird gepackt und augenblicklich ganz zerstört. Der gleiche Kampf bietet aber nun auch ein Bild, wo es gelegentlich der Spinne selbst an den Kragen geht. Auf unsern Waldpfaden kann man die bekannten muntern Wegwespen (Abb. 4) beobachten, wie sie dicke Kreuzspinnen mit ihrem Giftstachel geschickt ins Bauchmark stechen und die so gelähmten in ihre Nesthöhlen schleppen, wo das wehrlose Opfer in einer Art Narkose oder Scheintod so lange liegen und warten muß, bis die junge Wespenlarve auskriecht und es wie eine Proviantwurst bei lebendigem Leibe auffrißt. Fabre hat, wie man weiß, anziehend von der Treffsicherheit solchen vorläufigen Stichs zu erzählen gewußt, und M. Müller hat gelegentlich festgestellt, daß die unglückliche Spinne über 70 Tage so in Lähmung, aber immer noch lebend, liegen kann. Man könnte sich aber vielleicht eine noch sinnreichere Methode denken, bei der das Ei unmittelbar in die Spinne selbst gelegt würde, die dann frei herumlaufen könnte und doch den Tod mit sich trüge. Und auch das machen Schlupfwespen mit gewissen Raupen vor (Abb. 5). Die Schmetterlingsraupen werden mit Wespeneiern bestiftet, die erst nach einiger Zeit in ihnen auskommen. Die Raupen leben eine Weile noch hin, als sei nichts geschehen, und mästen sich weiter wie kleine Fettschweinchen, die Schlächter aber sitzen ihnen im Leibe. Eines Tages kriechen die Larven auch hier aus und beginnen von innen zu fressen. Kommen die Raupen noch zur Verpuppung, so werden die Puppen leer gefressen und die Wespenpuppen treten an Stelle ihres Inhalts. Vollzieht sich das Verhängnis bereits in der Raupe, so wird berichtet, daß die Fresser anfangs noch die edleren Teile des Opfers schonen, um möglichst lange Profit von seinem Leben zu haben, und sogar ihre eigenen Exkremente unterdrücken, um ihr Mastschweinchen nicht vor der Zeit zu vergiften. Und erst wenn sie selber zur Verpuppung reif sind, durchlöchern sie rücksichtslos die Haut der entkräfteten Raupe, die nun unter letzten Qualen abstirbt. Die ausquellenden flockigen Wespenkokons an der vertrockneten Haut sind dann die „Raupeneier“ des Volksglaubens, es handelt sich aber, wie man sieht, um einen weit grausigeren Vorgang, als bloß eine normale Geburt wäre.

Bei diesen letzten Beispielen, die an sich ebenfalls kraß im Kampf verharren, erscheint doch, wie man beachten möge, schon ein feiner Unterschied. Auf der einen Seite schlägt der Raupenfall ausgesprochen in jene engere Kampfesart, die wir schon beim Bandwurm erwähnten: der Schlächter oder Fresser mietet sich unmittelbar im Opfer selbst ein. Lange ehe das Wort Symbiose geschaffen wurde, hat man das bereits gewohnheitsmäßig als „Parasitismus“ bezeichnet. Der Parasitismus ist offenbar von früh an eine der allererfolgreichsten Kampfesformen gewesen, denn seine Beispiele dort sind Legion, — von der bösen Cuscuta, dem Teufelszwirn, der sich wie ein Polyp an andere Pflanzen saugt, die eigene Wurzel aufgibt und dafür mit gierigen Freßmäulern in Gestalt eingesenkter Zellbündel den fremden Pflanzenleib durchwühlt und ausnutzt, — bis zu einem so hochentwickelten Tier wie noch dem Fisch Neunauge, das als Inger Dorschen oder Butten unter den Bauch kriecht, die Haut durchraspelt, dann (man versteht, unter was für Qualen für das Opfer) mit ganzer Person einschlüpft und das Innere ausräumt. Eben dieser Parasitismus stellt aber zwischen Vernichter und Beute ganz von selbst ein näheres Verhältnis her in dem Sinne, daß sich dieser Vernichter zunächst noch eine Weile mit dem noch lebenden Opfer beschäftigen muß. Er muß so lange mit ihm hausen, sich seinen eigenen Gewohnheiten anpassen, in eine tatsächliche kurze Lebensgemeinschaft mit ihm treten, wenn auch eine im letzten Zweck feindliche. Damit verknüpft sich aber alsbald ein zweites. Bei der Spinne als lebendiger Dauerwurst wie bei der Raupe als Fettschweinchen gewinnt der Schlächter im Banne der Naturzüchtung ein Interesse, sein Schlachttier vorübergehend (wenn auch mit bösester Endabsicht) in diesem Leben selber noch zu schonen, ja Mittel und Wege seiner zeitweisen Lebenserhaltung von sich aus zu suchen, — wie das ja besonders in der bloß narkotisierten Spinne hervortritt. Ein Schritt nur scheint es, daß das Opfer auch schon so lange gradezu geschützt, daß es mit verteidigt würde. Dazu aber nun ein weiteres Exempel.

Auf unsern Sumpfwiesen leben die kleinen Bernsteinschnecken, die mit ihrer Blätternahrung öfter die Brut eines Saugwurms, des Urogonimus macrostomus, verschlucken und damit solchen lebenden Wurm als Parasiten in den Leib bekommen. Dieser Wurm hat aber nicht den Trieb, die Schnecke selbst innerlich auszufressen, sondern er erwartet, daß sie von einem Vogel, etwa einem Rotkehlchen, gefressen werde, worauf er im Vogeldarm wirklich bandwurmhaft saugen kann. Dabei aber liegt es ebensosehr in seinem Interesse, daß die Schnecke nicht bloß einmal so gefressen werde, denn dann käme er jedesmal nur in einen Vogel, während seine Kraft tatsächlich langt, in solcher Schnecke schon mehrere Generationen aus sich hervorzutreiben, die für verschiedene Vögel reichten. Zu dem Ende stellt er an der Schnecke das sogenannte „Leucochloridium“ her, eines der wunderbarsten Gebilde des gesamten Naturkampfs. Er treibt nämlich je einen wurstartigen Schlauch, mit junger Brut gefüllt, in jeden der beiden Fühler der Schnecke, der diesen Fühler prall zum riesigen Kolben ausweitet, der die bunten Ringel und den Kopf einer fetten Insektenmade vortäuscht und sich auch in entsprechenden Windungen an der Schnecke bewegt (Abb. 6). Die Vögel reißen die Dinger in der Tat als vermeintliche Leckerbissen solcher Art ab und verschlucken sie, so mit dem Wurm in dieser Generation gesegnet, während die Schnecke im ganzen davonkommt und auf Grund erstaunlicher eigener Lebenszähigkeit bald die Verstümmelung ersetzt, — worauf der Wurm bandwurmhaft sprossend ein neues Leucochloridium baut und einen neuen Vogel mit einer neuen Keimfracht seines Volkes täuschend belädt. Und so fort bis zum natürlichen Altersende von Schnecke und Wurm. Inmitten der Gewaltsamkeit des Kampfes treten hier offenbar neue lehrreiche Züge hervor. Einerseits bei der Schnecke selbst: sie opfert immer nur, wenn schon unter Gewalt und Verlust, einen Teil von sich auf, kommt aber dafür im ganzen davon. Viel bedeutsamer aber noch ist das Verhalten des Wurms. In seinem Vorteil liegt es, die Schnecke zwar immer wieder zu einem Opfer zu nötigen, aber zugleich auch zum Zweck der Wiederholung zu erhalten. So erzwingt er das Teilopfer, rettet sie aber grade dadurch im ganzen; denn durch den befriedigenden Lockbissen des Leucochloridiums werden offensichtlich soundso viel herumstöbernde hungrige Vögel abgehalten, die Schnecke ganz aus ihrem Hause herauszufressen. Recht besehen, tritt auch hier bereits ein merkwürdiges Wechselverhältnis beider Teile inmitten einer scheinbar noch wüsten Kampfbrutalität und Ausnutzung in Kraft: der Parasit hat Vorteil vom Opfer, aber auch dieses Opfer zieht jenseits aller Roheit des Eingriffs einen überwiegenden Vorteil vom Parasiten, indem er ihm sein Leben im ganzen verlängert und es gleichsam dazu erzieht, durch Aufgabe eines mehr oder minder überschüssigen Teils das Ganze zu retten.

Wir betrachten aber noch einen Fall. Ein kleiner hübscher Fisch unserer Gewässer aus der Verwandtschaft der Karpfen, der im Hochzeitskleid vielfarbig schillernde Bitterling, praktiziert mit Hilfe einer langen Legeröhre seine Eier sehr geschickt in die bekannten Malermuscheln (Abb. 7), wo in den Kiemen des lebendigen Muscheltiers die junge Fischbrut auskommt, — im äußern Bilde also wie Wespe zu Raupe, nur daß sich diesmal die Jungfischchen mit der geschützten Wiege im Fremdtier begnügen und nachher gänzlich harmlos wieder ausschwärmen, ohne an der Muschel selber gefressen zu haben. Umgekehrt aber klammert sich die Jungbrut der Muschel, wenn sie ausgeschwärmt ist, an erwachsene Bitterlinge oder in Ermangelung andere Fische und läßt sich von ihnen eine Weile herumtragen, bis sie einen guten Fleck zum dauernden Neuansiedeln findet, — wobei von ihr immerhin etwas, aber auch in der Regel harmlos, vom Fisch gezapft wird. Diesmal ist man wirklich schon nahezu über die Wasserscheide zwischen Kampf und Frieden hinaus. Man könnte fast versucht sein, von dem zu reden, was ein ebenfalls älteres Forscherwort „Synökie“ genannt hat (von oikos griechisch Haus): einfaches indifferentes Sicheinmieten eines Wesens bei einem andern ohne Schaden des Wirtes. So sitzen am Seestrande die allbekannten kleinen weißen Seepocken (in Wahrheit seßhafte Krebschen in ihren Kalkhäuschen) auf den blauen Miesmuscheln auf, sich selbst zur Bequemlichkeit, für die Muschel indifferent. Oder es geht der sogenannte Schiffshalterfisch mit einer Kopfscheibe gleichsam angeklebt am Bauch großer Haifische oder auch der Menschenschiffe friedlich mit als einem kostenlosen Fahrzeug zweiten Grades, das den kleinen „blinden Passagier“ gar nicht merkt. Immerhin ist bei der Muschel am Bitterling, wie gesagt, noch eine geringe Selbstschröpfung auch des Trägers da, aber es wäre ein leichtes, auch sie noch friedlicher umzudenken in der Weise eben jenes Schiffshalters, der nicht mehr an seinem Fisch körperlich saugt, wohl aber gern von den äußeren Nahrungsabfällen des Großen profitiert. Das Interessanteste aber ist wieder die Gegenseitigkeit der Hilfe: dem Fisch bietet die Muschel Unterschlupf und er selber ihr Fahrgelegenheit. Die Sache ist auch hier noch nicht ganz rein, sozusagen noch verzettelt; die Muschel kann gelegentlich auch andere Fische benutzen als den Bitterling wieder selbst; aber man fühlt, wie rasch diesmal ein ganz mathematisch klappender Fall auf do ut des unter weitestem Friedensanschluß sich durch etwas dramatische Zusammenschiebung auf Orts- und Zeiteinheit herausdenken ließe. Wenn aber jeder schließlich reinen Vorteil vom Domizil am andern hat: wie nahe läge auch hier irgend eine Mitverteidigung dieses gastlichen Domizils durch ihn selbst? Manche selbst winzigen Fischchen schirmen wütig ihr Nest, z. B. die Stichlinge: hier ist das Nest die Muschel, warum also nicht sie ebenfalls schützen, wovon dann sie selbst wieder den Dank ihrer Patenschaft hätte? Fast wundert man sich, daß es im Beispiel nicht wirklich schon so ist. Und selbst von den Muscheljungen am Fisch (den „Glochidien“, wie man sie zu nennen pflegt) ließe sich zur Not so etwas aussinnen, wenn man sieht, wie sich gelegentlich solche Mollusken (z. B. viele Schnecken) mit allerhand Stink- und Farbsäften (der bekannte Purpur ist nur solche Schutztinte), ja im äußersten Falle sogar mit richtiger ausgespritzter Schwefelsäure, die auch dem heftigsten Angreifer des Fischs nicht genehm sein könnte, verteidigen. Friedensschluß, Gegenseitigkeit, synökische Sitzgelegenheit für den Unrast und ebensolche Wandermöglichkeit für einen Sitzer, Nährabfall als bequemster Überschuß ohne Teilverlust am Leibe selbst, Waffenaustausch: — mit diesen Einzelstücken können wir uns aber jetzt schon folgende Geschichte fast ganz aufbauen, soviel eigene Besonderheit sie im üppigen Proteusspiel der Natur wieder haben mag.

Jene Säureschnecken (es sind besonders die großen Tritonen, die so Seeigel wie mit chemischen Stichflammen in ihrem Stachelpanzer anbrennen und zersetzen) dürfen uns an ein anderes Tiervolk mit allgemein solchem ähnlichen Höllenapparat erinnern. Das war ja eine der schauerlichsten Vorstellungen alter Sage: der Lindwurm, der gegen seinen Siegfried rotes Feuer spie, — eine Vorstellung, bei der ich in diesem Falle übrigens immer an die flammrote vorgeschnellte Zunge unserer heute noch großen und einst in junger geologischer Zeit riesigen Waraneidechsen habe denken müssen. Wenn auch nicht mit solchem echten Feuer, so doch mit Ätzhauch zu arbeiten, ist aber wieder eine wirkliche uralte Kampfpraxis der Natur. Der Bombardierkäfer macht Angriffe mit knallender Salpetersäure, unsere roten Waldameisen gehen mit hohen Garben Ameisensäure vor. In den kanülenhaft durchbohrten und bei Berührung oben abbrechenden Schutzhaaren der Brennessel wird das zum richtigen Giftdolch, in den Brenngift einfließt, und wieder dessen tierischer Gipfel ist der ähnlich hohle und von Giftspeichel durchströmte Mordzahn der Viper. Eng an die Brennessel knüpfen zunächst nun als Naturtechniker ersten Ranges auf diesem Gebiet auch die unmittelbar so genannten Nesseltiere (Cnidarien vom griechischen Wort für Nessel) an, als Stamm auch als Cölenteraten und Pflanzentiere, im engeren volkstümlicher als „Polypen“ bezeichnet, wobei aber nicht der Polyp als Tintenfisch (der zu den Mollusken zählt), sondern etwa unser kleiner grüner Süßwasserpolyp, die Hydra, oder, im Anschluß daran, alle Seerosen, Korallen und Genossen, sowie die auch wieder da hinein eng verschwisterten Quallen oder Medusen gemeint sind. Die meisten dieser Polypentiere führen trotz echter Tiernatur doch noch wieder ein pflanzenhaft seßhaftes Leben, und auch die zwar frei schwimmenden Quallen (die ursprünglich übrigens alle nur zeitweise zu Geschlechtszwecken abgelöste Sitzpolypen darstellen) haben bei schutzlos weichem, größtenteils wasserdurchsetztem Körper nur erst äußerst mangelhafte Selbstbestimmung. So taten hier brennesselhafte Wehr- und Lähmwaffen besonders not, die bei Fremdberührung gewissermaßen einen geheimen Zauberbann um die zarte tierische Blüte zogen und in denen das einfache Nesselprinzip sich dann mit dem Explosionsprinzip vereinigte. Auch diese Explosion, allerdings die nicht feurige, kalte, ist ja eine alte Naturtechnik: die wilde Balsamine, das „Kräutchen-rühr-mich-nicht-an“ unserer Wälder, streut schon durch Spiralfederschuß seiner Schoten bei Berührung seine Samenkörner herum, und die italienische Vexiergurke schleudert durch eine ähnliche innere Federmechanik beim Abbrechen dem Nichtsahnenden ihren ganzen Ekelinhalt weithin ins Gesicht. Am Polypen- und Quallenkörper aber sitzen durchweg ungeheure Massen winziger Kapseln, von denen jede eine Art solchen kleinen, aber mit Brennstoff zugleich geladenen Explosivkörpers darstellt, bereit, ebenfalls bei der Berührung oder schon bloßen Annäherung eines feindlichen Fremdkörpers auf ein Nervenzeichen hin mit aller Wucht zu explodieren. In zusammenfassendem Bilde (die Einzelmethoden schwanken je nach der Art) kann der Hergang etwa so beschrieben werden, daß auf irgend einen gröberen oder feinen, mechanischen oder chemischen Nervenreiz hin auf der Spitze der Kapsel ein Deckelchen sich lüftet, worauf Wasser (alles spielt sich ja im Wasser ab) in das Innere eindringt und dort eine quellbare Gallertsubstanz zur elastischen Explosion bringt; dadurch wird ein handschuhfingerartig hineingestülpter Schlauch mit voller Gewalt ausgekrempelt und ausgestoßen, mit scharfen Dornen in die Haut des Angreifers eingebohrt und nachgeschoben, während sich gleichzeitig aus seinem Innern die konzentrierteste Brennflüssigkeit in die Wunde ergießt. Die Verletzung ist höchst unangenehm, wie vielleicht im kleinen mancher Leser aus dem Zusammentreffen mit einer gewöhnlichen Qualle im Seebade weiß. Es gibt aber Riesenquallen und große schwimmende Quallenkolonien (z. B. Physalia), die nackte Schwimmer auf Tod und Leben so verbrennen können. Vielfach werden die Giftkapseln von besonderen Sammelstellen entsandt, oder sie können auch selber noch einmal an langen, über und über gespickten Schleuderlassos sitzen, und ihre Macht ist einzeln furchtbar genug, sich spielend selbst durch den harten Panzer eines Krebses zu ätzen. Wo die Polypen- oder Quallentiere, wie es in diesem Reiche häufig Brauch, zu größeren Familiengenossenschaften mit Arbeitsteilung der Geschwister zusammenhalten, da tritt auch diese Verteidigung sinnreich in den Verbandsdienst, indem sie besonderen Soldaten in der Kolonie einseitig anvertraut wird. In vielköpfigem Gewimmel sitzt in solchem Falle etwa ein Polypenvolk von in sich gleicher Art auf irgendeiner Unterlage beisammen, alle auf diesem Fundament noch einmal durch ein besonderes Wurzelgeflecht mit Kanalanschluß körperlich verknüpft. In diesem Kanal wird eine gemeinsame Familiensuppe rund getrieben, die von einigen besonders gierigen und maulbegabten „Freßpolypen“ für alle mit bereitet wird. Daß aber das Ganze nicht von außen bedroht werde und zugleich diesen „Familienmägen“ die nötigen Schlachtopfer zugewiesen werden können, dafür sorgen in der sinnigen Berufsteilung die „Wehrpolypen“, die, mit Kapseln wurfbereit ausgerüstet und gleichsam am ganzen eigenen schlanken Leibe in solche Schleuderlassos verwandelt, ständig auf der Lauer gegen Feinde oder zu lähmende unvorsichtige Beutetiere liegen. Blumenschön und blumenhaft wehrlos, wie diese bunten, oft kristallhaft durchsichtigen Nixenkinder in ihren Wassergründen erscheinen, bilden sie doch mit dieser raffinierten Technik dort eine keineswegs zu verachtende Großmacht des unteren Lebenskampfs.

Aber sonst leiden sie doch auch an mancherlei Übelständen der Seßhaftigkeit. Vom freien Ortswechsel auf der Nahrungssuche, diesem Obervorrecht sonst des Tieres, das doch nicht wirklich pflanzenhaft den Boden am Fleck aussaugen kann, erscheint der Polyp, solange er sitzt, leidig entfremdet. Wohl kann er seine Unterlage selbst gelegentlich sinnreich verbessern, sich durch eigene mineralische Ausscheidung sozusagen auf immer besseren Stuhl setzen, — wie ja das hierher gehörige üppige Tropenvolk der Korallen in vereinter Kraft seiner Generationen durch solchen fort und fort nachwachsenden Kalkbau dem Sinken eines ganzen Ozeanbodens Trotz zu bieten wagt. Dennoch müßte der einzelnen Seerose oder solcher Polypenkolonie manchmal recht erwünscht sein, wenn sie auch noch die Gabe des Märchens besäßen, den Fels, an dem sie haften, nicht bloß aufwärts zu strecken, sondern wagerecht mit ihnen fortkriechen zu machen. Und da mag es seit alters geschehen sein, daß der Zufall nachhalf. Einzelne Kiesel, an die sich solche Seerose im sonst schlecht faßbaren Schlick angeklammert, rollten im Flutspiel ein Stück weit mit ihr dahin, oder ein leeres, leicht verschobenes Schneckenhaus tat noch williger diesen passiven Dienst. Aber es geschah auch, daß in diesem Haus von tierischer Arbeit noch die Erbauerin, die Schnecke selbst, saß. Die Seerose war dann wieder Gast der Hausbesitzerin in zunächst harmloser „Synökie“. Solcher Schnecke selbst aber war nicht bloß zufälliger, sondern jederzeit selbstwilliger, wenn auch langsamer Ortswechsel beschieden, bei dem sie alle Male jetzt den blinden Passagier auf dem Dach ihrer schwerfälligen dicken Postkutsche mitgehen ließ, oft jedenfalls neuen und besseren Fleischtöpfen zu, die ja auch die Schnecke selbst, wenn sie zu den räuberischen ihrer Sippe gehörte, aufsuchte. Noch heute beobachtet man vielfältig solche Seerosen auf Schnecken, besonders den zur Anheftung hervorragend geeigneten wulstigen Murexarten, zu denen die erwähnte sabbernde echte Purpurschnecke gehört. Bereits im alten Fischbuch Gesners von 1558 finde ich solche von zwei Polypen berittene Purpurschnecke in trefflichem Holzschnitt verewigt. Aber mit solchen Schneckenhäusern hatte es da unten in der Nixentiefe noch eine besondere Bewandtnis.

Zu den leeren und den noch von der Meisterin selbst bewohnten Schalen gibt es einen dritten, an sich auch allbekannten Möglichkeitsfall. Das ist jetzt wieder ein großes Kapitel im Naturkampf: Tiere, die sich selber mit Fremdmaterialien zweiter Hand verteidigen, anstatt bloß mit eigenem Organ. So wirft der kleine Ameisenlöwe automatisch aus seiner Grube mit Sand, und der Schützenfisch schießt nach Insekten mit hochgeschnellten Wassertropfen. Immer hat diese Stufe etwas, das bereits wie Vorspiel unserer menschlichen Werkzeugtechnik anmutet. Hierher gehört aber auch, daß ein Tier in findigem Instinkt sich den hinterlassenen Schutzpanzer eines andern zum eigenen Harnisch überstülpt. Und daraus haben gewisse Krebse, Tiere mit verwickelten Trieben wie auch nicht schlechter persönlicher Wahlintelligenz, bei Schneckenhäusern seit alters eine Spezialität gemacht. Von grauen Tagen an (die Spuren gehen wohl mindestens schon bis ins älteste Tertiär der Erdgeschichte zurück) holt das Volk der Paguriden, der Bernhards- oder Einsiedlerkrebse, sich durchweg solches leere Schneckenerbe, stopft den Hinterleib hinein und nutzt den fremden Küraß noch zu dem eigenen, wobei im Laufe der Dinge die Sitte bereits so fest geworden ist, daß sie der findigen Diebsgesellen eigenen Körperbau beeinflußt, den natürlichen Panzer wenigstens an dem so „hinten im Faß“ verwahrten Hinterteil als Ballast beseitigt und das Krebsende zugleich selber schneckenhaft in der Achse gedreht hat.

Auch auf solchen Fremdschalen mit Krebsinvasion aber siedelten sich Polypen und Polypenkolonien an. Und da sieht man denn auf den ersten Blick: das mußte doch noch wieder bedeutsam Neues hinzubringen. Der Krebs läuft trotz und mit der Huckepackschale immer noch gar viel behender als der Schneck, muß also seine blinden Passagiere, die er mit der Fremdkutsche übernommen, noch ganz anders zu ihrem Gewinn herumschütteln. Aber solcher Krebs ist auch, abgesehen vom Laufen, ein ganz anders unruhiger Geselle, immerzu strudelt er mit Beinen und Kiefern im Grundmoder herum, wühlt alle Sorten Stoff durch und durch, wirft herauf und auseinander, und als noch wilderer Räuber lebt er sozusagen auf Schritt und Tritt im Schlachthause, packt, zerbeißt und hackt, was er nur kriegen kann, daß die Abfallfetzen nur so fliegen. Hat das Polypenvolk also gelegentlich schon von der Schnecke nicht bloß als Kutsche zum Wirtshaus profitiert, sondern unmittelbar etwas Kriegskost mit abbekommen, so muß sich das hier gradezu zum Hauptnutzen steigern. Immer mehr kann der „Storch auf dem Dach“ da selber gebrauchen gleich den aufräumenden Marabus in unsern indischen Menschenstädten, und zuletzt ist ihm die Ortsbewegung wirklich fast gleichgültig gegen den Krebs in Person, der ihn, wo immer er Mittag hält, ohne Absicht aus den Brosamen seines Reichtums selber mitfüttert. Man versteht, daß Polypen auf Schalen mit solchen Bernhardskrebsen allmählich fetter wuchsen als irgendwo sonst, und daß also die Naturzüchtung (wie immer man sich im einzelnen nun deren Wege denken mag) grade solche Bewohnung als „Synökie“ mit freier Kost obenein auch in ihren Trieben begünstigen und die Polypen zum lebhafteren Anschlußbedürfnis grade hier herüber drängen mußte. Wie einfach war aber dann wieder eine weitere Logik.

Solcher Krebs ist gewiß ein verwegener Kerl, der es als reisiger Kriegsmann mit manchem aufnimmt. Aber auch er hat doch Feinde, die ihm „über“ sind, größere seines Volks, wehrhafte Beißer unter den Fischen, die wilden „Kraken“ oder Tintenfische, die auch schon bei kleinem Kaliber eine tyrannische Macht üben in den Jagdgründen da unten. Um sich dagegen zu schützen, hat sich der Einsiedler ja schon den steinharten Fremdharnisch der Schnecke selbst übergezogen, in den er sich nötigenfalls völlig zurückzuziehen, ja den er durch kunstvoll in der Öffnung gekreuzte Scheren oft wunderbar noch zu sperren weiß. Aber der ganz geschickte Gegner versteht es doch das eine- oder anderemal, ihn auch in dieser Festung zur Übergabe zu zwingen, wobei es dann keinen Pardon gibt. Da aber mußte es soundso oft ganz von selber auch geschehen, daß der böse Feind unversehens den aufsitzenden Polypen zu nahe kam. Und gereizt schnurrte alsbald deren ganzer eigener Schutzapparat ab: es hagelte plötzlich von der einzelnen Seerose oder den Soldaten des Polypengärtleins da oben Explosivkapseln dem Fisch oder Tintenfisch auf den Kopf, daß ihm Hören und Sehen verging und er in vielen Fällen nun doch noch jammervoll Reißaus nahm, also daß der bedrängte Krebs wunderbar wieder Luft bekam. Die Sache entwickelte eine neue Seite auch für den Krebs selbst! Der gleichgültige „Synöke“ da oben brachte ihm im Wechselspiel selber einen Gewinn: nämlich noch eine sehr wirksame Hilfsverteidigung. Das „Dach mit Storchnest“ erwies sich als wesentlich wertvoller als das einfache Dach. Und abermals begreift man, wie auch dieser Vorteil nach Tierbrauch sich allmählich in festem Trieb gleichsam anlegen mußte, der, wie er den Polypen Schneckenhäusern mit Krebsen darin geneigter machte, so im Krebsinstinkt Schneckenhäuser mit Polypen darauf begünstigte.

Auf dieser einfachen logischen Basis gewahren wir nun ein gegebenes Bild, das wieder schon früh den Beobachtern am Meeresstrande sich aufdrängte, ohne ihnen doch gleich so verständlich zu werden. In Menge sehen wir verschiedene Bernhardinerarten Polypen herumschleppen, als müßte es so sein. Bald sitzt eine große einzelne Seerose, riesig im Verhältnis wie ein prunkvoller Federschmuck, auf der erbeuteten Rüstung, bald drängen sich dort sogar mehrere, gleich bunten Schirmen entfaltet schwebend oder auch einer fetten Schwarte ähnlich den ganzen Harnisch noch einmal umklammernd. Sagartia- und Adamsia-Arten kommen in unseren Gewässern so besonders in Betracht. Oder das ganze hängende Gärtlein der Semiramis ist in Gestalt solcher auf Arbeitsteilung vereinten polypischen Geschwisterkolonie dem Dach eingebaut (Hydractinia und Podocoryne).