Drittes Capitel.
Die südwestliche Bahn nach Indien und die erste Erdumsegelung Magalhães’.

1. Die Vorläufer Magalhães’.

Nachdem Amerigo Vespucci im Jahre 1501 auf seiner Entdeckungsfahrt an den Küsten Brasiliens bis zum 25° s. Br. vorgedrungen war (s. oben S. 332), faßte er 1503 bereits den Plan auf südwestlichem Wege bis zu den Gewürzländern zu segeln (s. oben S. 335), aber das Ungeschick des Capitäns Coelho vereitelte die Ausführung. Er kam nicht so weit nach Süden als zwei Jahre früher. Sicher war aber Vespucci der erste, welcher auf diesen neuen Weg hinwies. Als er im Jahre 1505 ganz nach Spanien übersiedelte, suchte er auch hier seinem Plane Geltung zu verschaffen. Schon im nächsten Jahre hören wir von der Absicht der spanischen Regierung, Schiffe nach den Gewürzländern zu schicken (para descobir la especeria), wobei das Gutachten der beiden erfahrensten Männer, Vicente Yañez Pinzon und Amerigo Vespucci, eingeholt werden solle.[455] Doch scheint die Absendung sich verzögert zu haben, wenigstens ist über eine Fahrt in der angegebenen Richtung und in dem genannten Jahre nichts bekannt. Erst 1508 liefen am 29. Juni zwei Schiffe unter Pinzon und Juan Dias de Solis von San Lucar aus, gingen über die Capverden nach dem Cap Augustin hinüber und kamen bis etwa zum 40° s. Br. Aber die Eifersucht und Uneinigkeit zwischen den beiden Leitern der Expedition vereitelte den Erfolg, die Schiffe kamen Ende October 1509 wieder nach Spanien zurück.

Wenn nun auch dieser erste Versuch resultatlos verlief, so traten doch bald in dem Fortschritt der mittelamerikanischen Entdeckungen so wichtige Momente hervor, daß dadurch ein erneuerter Anstoß gegeben wurde, das Project eines südwestlichen Weges wieder aufzunehmen. Dies war die Entdeckung der Südsee durch Balboa im Jahre 1513 (s. oben S. 347). Nun erkannte man, daß sich im Rücken der neuen Welt ein unermeßliches Meer ausdehnte, welches das westliche Indien von dem östlichen Asien trennte. Mit der Entdeckung dieser „Südsee“ trat zugleich der sehnliche Wunsch hervor, einen Wasserweg vom atlantischen Ocean in das neu gefundene Weltmeer aufzuspüren. Da nun die Küste Südamerika’s bis zum 40. Grade nach Südwesten lief, so stand zu erwarten, daß man in dieser Richtung entweder die Continentalmasse in ähnlicher Weise, wie es den Portugiesen um Süd-Afrika herum gelungen war, werde umsegeln können, oder daß man eine Straße finden werde, welche beide Oceane mit einander verbinde.

Der Glaube an das Vorhandensein einer Meerenge fand um so leichter Annahme, als schon Columbus auf seiner vierten Fahrt zwischen den Inseltheilen Westindiens eine offene Wasserbahn nach Westen gesucht hatte. Die Vorstellung fand weitere Nahrung in Schifferberichten, welche wenigstens schon seit 1508 einliefen und sogar bestimmt von der erfolgten Auffindung der Straße erzählten, welche genau in derselben Richtung von O. nach W. laufe und die Landmassen theile, wie die Meerenge von Gibraltar Europa von Afrika scheidet.[456] Möglicherweise datiren derartige Gerüchte noch um mehrere Jahre zurück. Es wird nämlich von glaubhafter Seite versichert, Magalhães habe bei seiner berühmten Fahrt sich auf eine von Martin Behaim (Martin de Boemia) gezeichnete Karte, im Besitz des Königs von Portugal, berufen, auf welcher etwa unter 40° s. Br. eine Straße, wenn auch sehr versteckt (multo occulto) angegeben sei.[457] Da nun Behaim schon 1506 oder 1507 starb, müßte die Straße bereits vor diesen Jahren aufgefunden sein. Daß seine Zeichnung, welche vor der Entdeckung der Südsee durch Balboa entworfen war, anders ausfallen mußte, als ein Jahrzehent später, liegt auf der Hand. Weder in Spanien noch in Portugal hat sich aus dieser Zeit eine Karte mit einer südlichen Meerenge erhalten, wohl aber sind uns derartige Entwürfe aus Italien und Deutschland überliefert, deren Entstehung annähernd gleichzeitig, nämlich in das Jahr 1515 bezüglich 1516 zu setzen ist. Beide Bilder geben die Umrisse der südamerikanischen Insel in fast gleicher Gestalt. Die italienische stammt von der Hand des berühmten Lionardo da Vinci,[458] die deutsche von Johannes Schöner.[459] Die Zeitung aus Presillg Landt war, wie bereits erwähnt ist, von Italien nach Deutschland gekommen, die beiden Darstellungen von Südamerika passen auffällig zu der dort berichteten Fahrt. Es wäre also möglich, daß mit dem Bericht über die dunkle Reise auch eine flüchtige Skizze aus Portugal zuerst nach Italien gelangt und dann ihren Weg nach Deutschland gefunden hätte, denn da Vinci’s Zeichnung bietet nur rasch hingeworfene allgemeine Umrisse, gleichsam um die neuerworbenen Vorstellungen von der Ländervertheilung zu fixiren. Daß aber beide Zeichnungen beeinflußt sind durch den Bericht der „newen Zeytung“, geht mit Gewißheit daraus hervor, daß Joh. Schöner seinem Globus eine kleine geographische Abhandlung beigab, in welcher er mehrere Stellen aus der „Zeitung“ wörtlich aufnahm.

Die Auffindung der Straße war angeblich durch Portugiesen erfolgt; wollten die Spanier nun durch dieselbe sich einen Zugang zur Westseite Amerika’s bahnen, mußten sie selbständig die Meerenge zu entdecken suchen. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß in demselben Jahre, als Schöner seinen Globus veröffentlichte, auch einer der ersten Seeleute Spaniens im Begriff stand, das erwähnte Problem zu lösen und praktisch zu verwerthen. Juan Dias de Solis schloß nämlich im November 1514 mit der Krone einen Vertrag ab, wonach er sich verpflichtete, die nach der Südsee führende Straße zu entdecken und auf die Rückseite des Landes (á las espaldas de la tierra) zu gehen, um sich mit Pedrarias de Avila, dem Statthalter von Darien, in Verbindung zu setzen. Von hier aus wollte er dann noch 1700 spanische Meilen, von der Demarcationslinie an gerechnet, in der Richtung nach den Gewürzinseln vorzudringen suchen, ohne dabei, was bei Todesstrafe verboten wurde, portugiesisches Gebiet zu berühren.[460]

SÜDAMERICA
mit einer südlichen Meerenge,
nach dem
von
Joh. Schöner 1515
entworfenen Globus.

Die punktirten Conturen zeigen die richtigen Umrisse des Landes.

Solis stand wegen seiner Leistungen im Seewesen in hohem Ansehen, er bekleidete, nach dem Tode Vespucci’s, das Amt eines Reichspiloten. Er erhielt für seine Expedition drei Schiffe und lief am 8. October 1515 von dem Hafen von Huelva aus, erreichte bei Cap S. Roque die südamerikanische Küste, segelte von da nach Südwesten und drang jenseit des Cabo de Sa. Maria (34° 39′ s. Br.) in die weite Oeffnung des Laplatastromes hinein, welcher damals Rio de Solis genannt wurde, und wagte sich, unvorsichtig, mit einer Caravele, während die beiden andern Fahrzeuge zurückblieben, ans Land. Hier wurde er nebst acht andern Genossen bei der Landung durch versteckte indianische Bogenschützen getödtet und verzehrt.

Nach dem traurigen Fall des Führers brach sein Schwager Francisco de Torres die Entdeckungsfahrt ab und kehrte nach Spanien zurück.

2. Fernão de Magalhães.

Die bisherigen Versuche eines Vespucci, Pinzon und Solis, auf südwestlicher Bahn die Molukken zu erreichen, waren fehlgeschlagen, sie hatten gezeigt, daß selbst die Begabung dieser Seefahrer nicht ausreichte, eine so wichtige Aufgabe zu lösen. Es lag, wenn auch nicht direct ausgesprochen, ja vielleicht nicht einmal klar erkannt, in dieser Aufgabe das höchste nautische Problem: die Umschiffung des Erdballs, und ein solches Problem verlangte auch den größten Mann seiner Zeit, welcher mit der Tüchtigkeit des Seemanns Besonnenheit und Willensstärke verband und seinen Befehlen unbedingte Geltung zu verschaffen wußte; denn Rivalität und Zwiespalt über die Führung des Geschwaders hatten mehrere Expeditionen seiner Vorgänger vereitelt. Wir rechnen den kühnen Bahnbrecher in der Umkreisung des Erdballs, den Portugiesen Ferdinand Magalhães[461], unter die hervorragendsten Seefahrer aller Zeiten, wenn er nicht der bedeutendste von allen ist.

Magalhães stammte aus vornehmer Familie. Daß er nicht in Oporto, sondern in Saborosa, im District von Villa real der Provinz Tras os Montes geboren ist, geht aus seinem Testamente hervor, welches er wenige Monate, bevor er zum erstenmale nach Indien ging, aufsetzte.[462] Um 1480 mag er geboren sein.

Facsimile des Namenszuges von Magalhães.

Fernão de Magalhães.

Verkleinertes Facsimile des Kupferstiches von Ferd. Selma.

Mit Francisco d’Almeida ging er 1505 nach den indischen Gewässern, focht in Quiloa, kehrte 1508 auf kurze Zeit in die Heimat zurück, betheiligte sich aber im nächsten Jahre schon an der bekannten Expedition nach Malaka, rettete 1510 zwei Schiffe, welche bei den Malediven gestrandet waren, und zeichnete sich derart aus, daß er in demselben Jahre zu dem Kriegsrathe mit herangezogen wurde, welchen Albuquerque berief, um ihn für seinen Plan, Goa anzugreifen, zu gewinnen. Magalhães sprach bei dieser Gelegenheit offen gegen den Plan des Generalcapitäns und verlor dadurch die Gunst desselben, so daß er sich von selbständiger Leitung wichtiger Unternehmungen in Indien ausgeschlossen sah (s. oben S. 165). Während sein Freund Francisco Serrão bis nach den Molukken seine Entdeckungsfahrt ausdehnte, kehrte Magalhães in die Heimat zurück und versuchte sich einen seinen Fähigkeiten angemessenen Platz in Afrika zu erringen. Er nahm daher an den Feldzügen gegen Marokko theil, erhielt aber 1514 eine schwere Verwundung am Bein, in folge deren er zeitlebens hinkte. Da man ihn vollends beschuldigte, sich mit dem Feinde ins Vernehmen gesetzt zu haben, so ging er, ohne von seinem Vorgesetzten Pedro de Sousa Urlaub zu nehmen, nach Lissabon, um sich beim Könige zu beschweren. Dieser aber weigerte sich ihn zu empfangen und befahl ihm, zum Heere nach Azamor zurückzukehren und sich dort zu rechtfertigen. In der nun angestellten Untersuchung erwies sich zwar seine Schuldlosigkeit und wurde er freigesprochen; allein der weitere Kriegsdienst war ihm dadurch so verleidet, daß er seinen Abschied nahm und sich wieder nach Portugal begab. Er erhielt wie alle, welche dem Könige gedient hatten, eine kleine Pension. Das Ansehen seiner gesellschaftlichen Stellung richtete sich nun nach der Höhe des Gnadengehalts. Magalhães glaubte Anspruch auf eine Erhöhung der Pension zu haben und bat um eine monatliche Zulage von einem halben Ducaten; aber auch dieses Gesuch schlug der König ihm ab. So an der Ehre verletzt, in dem Range zurückgesetzt und nach allen Richtungen in seinem Verlangen, sich auszuzeichnen, gehemmt, zog sich Magalhães verstimmt und erbittert vom Hofe zurück und beschäftigte sich mit Kosmographie und Nautik, wozu ihn besonders ein Brief Serrão’s über seine abenteuerliche Fahrt nach den Molukken (s. oben S. 204) anregte; denn es stieg dabei in ihm der Gedanke auf, ob nicht die Gewürzinseln bereits auf der spanischen Erdhälfte lägen, da er die Entfernung derselben von Malaka weit größer angegeben fand, als sie in der That war. In seinem Verkehr mit dem Astronomen Ruy Faleiro reifte so allmählich der Plan, um Südamerika herum den Seeweg nach den Molukken aufzusuchen. In Portugal konnte der Gedanke aber nicht zur Ausführung gelangen, denn der Weg führte über die Demarcationslinie auf die spanische Seite und war ohne die Genehmigung von Seiten Spaniens nicht möglich. Aber Don Manuel war nicht blos dem Plane, sondern auch dem Träger desselben persönlich abgeneigt. Das stolze Bewußtsein seines eignen Werthes und das bittere Gefühl, minder fähigen Männern nachgesetzt zu werden, dazu die Erkenntniß, in seiner Heimat seine Ideen nicht verwirklichen zu können, trieben den nach Thaten dürstenden Mann endlich zu dem Entschluß, sein Vaterland zu verlassen und offen auf seine Nationalität zu verzichten. Er war kein gemeiner Ueberläufer, wie ihn sogar Peter Martyr bezeichnet,[463] sondern trat in aller Form, wie es seinem Stande entsprach, aus dem portugiesischen Unterthanenverbande aus[464] und begab sich mit Ruy Faleiro, der sich in Portugal ebenfalls vergeblich um eine Anstellung beworben hatte, und mit Christoval de Haro nach Spanien. Am 20. October 1517 langte er in Sevilla, dem Mittelpunkte der indischen Unternehmungen und dem Sitze des indischen Amtes an. Dort fand er in dem Hause seines Landsmannes Diogo Barbosa, welcher 1501 unter João da Nova eine Fahrt nach Indien mitgemacht hatte und damals ein hohes Amt in der Stadt (alcaide del alcaçar de Sevilla) bekleidete, die freundlichste Aufnahme und wesentliche Förderung seines Planes, namentlich seitdem er die Tochter Barbosa’s, Beatriz, geheirathet hatte. Auch der einflußreiche Factor des indischen Amtes, Juan de Aranda, war bald für die Idee gewonnen und erfaßte den Gedanken, die Molukken zu erreichen und für Spanien zu reclamiren, mit Begeisterung.

Im Anfang des Jahres 1518 begab sich Magalhães mit Faleiro und Aranda an den spanischen Hof nach Valladolid, und wenn auch noch Bedenken tellurischer Art gegen das Unternehmen laut wurden, indem man die berechtigte Frage aufwarf, ob die Natur nicht selbst den Osten und Westen der Erde derart von einander getrennt hätte, daß man zu Wasser nicht aus dem einen Gebiet ins andere kommen könne, so erkannte man doch zu gleicher Zeit die große Bedeutung, welche nach Ueberwindung aller Schwierigkeiten eine erfolgreiche Fahrt für Spanien und seine weiteren Ansprüche haben müsse.[465]

So kam schon am 22. März 1518 ein Vertrag zwischen der Krone Spaniens und Magalhães nebst Faleiro zustande, wonach die Unternehmer sich verpflichteten, sich innerhalb der spanischen Hemisphäre (dentro de nuestros limites é demarcacion) zu bewegen, wogegen ihnen das Privilegium ertheilt wurde, innerhalb der nächsten zehn Jahre allein diesen Weg zu befahren, ausgenommen wenn der König selbst Personen auf den Südwest-Weg aussendet. Weiter wurde festgesetzt: Magalhães wird die Route dahin durch eine Meeresstraße im Süden von Amerika suchen und erhält von den Einkünften aus den neuen Inseln ein Zwanzigstel des Reingewinnes. Er erhält für sich und seine Söhne den Titel und Rang eines Adelantado und Gobernador und kann sich bei jeder nach den neuen Regionen entsendeten Expedition mit 1000 Ducaten in Waaren betheiligen. Wenn mehr als sechs Inseln entdeckt werden, bekommt er von zweien derselben, welche er auswählen kann, ein Fünfzehntel des Ertrags. Von dem Reingewinn der ersten Reise wird ihm ein Fünftel überwiesen werden. Fünf Schiffe wird die Regierung ihm zur Verfügung stellen, darunter zwei von je 130 Tonnen, zwei von je 90 Tonnen und eins von 60 Tonnen Gehalt. Dieselben sind auf zwei Jahre mit Proviant versehen für 234 Personen. Magalhães erhält ferner das Recht, auf den Schiffen die höchste Gewalt, auch über Leben und Tod, zu üben, den Capitänen und Mannschaften wird vom König ausdrücklich die Verpflichtung auferlegt, dem Generalcapitän unbedingt zu gehorchen. Als Hauptziel und Hauptaufgabe wird die Erreichung der Gewürzinseln bezeichnet.[466] Ein Fünftel der Kosten der Ausrüstung, nämlich 4000 Ducaten, gab Haro.

Sobald der Inhalt des Vertrags bekannt wurde, suchte man portugiesischer Seits das Unternehmen zu hintertreiben, weil, wenn Magalhães sein Ziel wirklich erreichte, die Frage nach dem berechtigten Eigenthümer der Molukken erhoben werden konnte und ein schwer zu lösender Streit um die werthvollen Inseln daraus entstehen mußte. Vergebens suchte der portugiesische Gesandte Alvaro de Costa auf den König Karl persönlich einzuwirken; in gleicher Weise verhandelte der Factor König Manuels in Sevilla Sebastian Alvarez direct mit Magalhães und machte ihm glänzende Anerbietungen, wenn er in den Dienst seines Vaterlandes zurückkehre. Aber Magalhães beharrte bei seinem Plan und erklärte die Unternehmung, nachdem er sie so weit eingeleitet, für eine Ehrensache. Dann suchte man die ganze Angelegenheit zu verdächtigen und den Mannschaften die Theilnahme zu verleiden, indem man aussprengte, die Schiffe seien so alt und morsch, daß sie kaum bis zu den Canarien kommen würden, man beschuldigte den Leiter sogar des Verraths, denn er habe die Absicht, das ganze Geschwader den Portugiesen in die Hände zu liefern und habe zu dem Zweck viele Matrosen fremder Nation angeworben.[467] Alvarez bemühte sich auch um Ruy Faleiro, meinte dann aber, als er auch bei diesem kein Gehör fand, wenn man nur Magalhães gewönne, würde der Astronom schon folgen. Aber alle diese Bemühungen scheiterten an der Festigkeit des Leiters und der spanischen Regierung, welcher man das Recht einer solchen Expedition auf ihrem Gebiete nicht absprechen konnte. Man erreichte nur, daß die Ausrüstung und Abfertigung des Geschwaders etwas verzögert wurde. Ruy Faleiro trat zurück, da er fühlte, daß ihm nur eine untergeordnete Stelle in der ganzen Unternehmung angewiesen werden könne, dafür schlossen sich Duarte Barbosa, eine Neffe Diogo’s, und der Ritter Antonio Pigafetta aus Vicenza der Expedition an. Den definitiven Befehl, alles zur Abreise vorzubereiten, ertheilte Karl von Barcelona aus am 19. April 1519, aber die Abfahrt selbst erfolgte erst fünf Monate später. Das Geschwader bestand aus folgenden fünf Schiffen:

Trinidad, Commodor Magalhães
San Antonio, Capitän Juan de Cartagena
Concepcion, Gaspar de Quesada
Victoria, Luis de Mendoza
Santiago, Juan Serrano.

Am 20. September lichtete Magalhães in San Lucar de Barrameda die Anker. Vor der Abfahrt gab er strengsten Befehl, daß die Schiffe sich nicht trennen sollten. Er selbst werde stets voransegeln. Darum führte er Nachts eine Fackel von Spartgras oder ein Bündel brennenden Holzes, ein sogenanntes Farol am Hintertheil des Hauptschiffes, nach welchem sich die andern zu richten hatten. Wenn er wegen Wind und Wetter den Cours änderte oder langsamer fahren wollte, gab er ein Signal mit zwei Lichtern; mit drei oder vier Lichtern gab er bestimmte Zeichen über die Anzahl der beizusetzenden Segel. Verschiedene Feuer oder ein Kanonenschuß dienten als Warnungszeichen bei Untiefen.

Rumpf eines großen Seeschiffes um 1500.

Aus dem Wappen von Johann Segker. Verkleinertes Facsimile eines Holzschnittes aus Albrecht Dürers Schule.

Magalhães steuerte über Teneriffa nach den Capverden, um von hier aus nach der Küste Brasiliens hinüberzugehen. Daß er sich anfangs ganz in der Nähe der afrikanischen Küste hielt, veranlaßte bereits Differenzen mit seinen Capitänen, von denen besonders Cartagena als zweiter Befehlshaber (veedor general de la armada) den Anspruch erhob, bei der einzuschlagenden Coursrichtung um seine Meinung gefragt zu werden. Magalhães wies ihn gebührend zurück, indem er sich darauf berief, daß nach dem Willen des Königs er selbst allein den Oberbefehl führe und alle ohne Ausnahme ihm zu gehorchen hätten. In den Windstillen an der Küste von Guinea begrüßte ihn dann Cartagena mit dem einfachen Titel „Capitän“, wogegen Magalhães die Anrede „Generalcapitän“ verlangte. Cartagena gab darauf eine verletzende Antwort und grüßte die folgenden drei Tage gar nicht. Versteckte Angriffe auf seine Autorität duldete Magalhães nicht, er berief die Capitäne zusammen, ließ Cartagena verhaften und absetzen und ernannte an seiner Stelle den Antonio de Coca zum Befehlshaber des Schiffes.[468] Dann ging das Geschwader unter veränderlichen und widrigen Winden nach dem Cap Augustin hinüber und segelte an der brasilianischen Küste bis zur Bucht von Rio de Janeiro, wo es vom 13. bis 26. December blieb, um Lebensmittel einzutauschen und Wasser einzunehmen, zugleich aber auch um die innere Bucht genau zu untersuchen, ob nicht hier schon sich eine Straße nach dem westlichen Meere öffne. Als man sich überzeugt hatte, daß bei Rio kein Durchgang existire, steuerte man an der Küste weiter und erreichte am 10. Januar 1520 bei Cap Sa. Maria das Aestuar des Laplatastroms. Ein Hügel an der Küste, der die Gestalt eines Hutes hatte, erhielt den Namen Monte Vidi (Montevideo).[469] Daß Dias de Solis bis hieher vorgedrungen, war bekannt; aber die weite Bucht des Laplata gab wieder die Möglichkeit, eine Straße zu finden. Das Schiff Santiago wurde abgeschickt die Bai zu untersuchen, während die übrigen Fahrzeuge vor Anker gingen, kehrte aber nach 15 Tagen mit der Nachricht zurück, daß zwar mehrere große Ströme einmündeten, aber eine Straße nicht vorhanden sei. So brach denn die Flotille in den ersten Tagen des Februar nach dem noch völlig unbekannten Süden auf. Die niedrige patagonische Küstenterrasse bildet auf der Ostseite mehrere bedeutende Einbuchtungen, wie den Golf von S. Matias oder S. Antonio, und den Golf S. Jorge, hinter denen man einen Eingang in die gesuchte Straße vermuthen konnte. Es war also nöthig, mit steter Wachsamkeit den Verlauf des Gestades zu prüfen und allen Bewegungen der Küstenlinie nachzugehen, um die Passage, welche ganz versteckt liegen sollte, nicht zu übersehen. Dadurch verlor Magalhães noch die letzten Wochen des scheidenden antarktischen Sommers und sah sich schließlich genöthigt, an der südlichen patagonischen Küste zu überwintern.

Vom Laplata aus berührte Magalhães zunächst das Cap S. Antonio, dann die Klippen am Cap Corrientes (38° s. Br.), verlor im Unwetter das Land mehrere Tage aus dem Gesicht, suchte dann einen ganzen Tag lang in der Bai San Matias, bis er sich von allen Seiten von Land umschlossen sah, ging, abwechselnd mit Sturm und Strömung kämpfend, weiter, mußte sich mehreremal in geschütztere Buchten hineinflüchten, von denen die eine den Namen die Bai der Mühseligkeit (bahia de los trabalhos) erhielt[470] und erreichte endlich am 31. März den Julianshafen (Puerto San Julian), wo er unter 49° 15′ s. Br. in trauriger, öder Umgebung eine leidliche Zuflucht für den Winter fand und den Anbruch der günstigern Jahreszeit abzuwarten beschloß. Aber sein Beschluß, Hütten am Lande zu errichten und die Rationen zu kürzen, um die Schiffsvorräthe zu schonen, rief unter den Capitänen und der Mannschaft lebhaften Widerspruch hervor. Sie forderten ihn auf, umzukehren und sie nicht bei seiner vergeblichen Jagd nach einem Phantom alle in den Tod zu führen, sie seien bereits weiter vorgedrungen, als irgend ein Spanier. Magalhães dagegen bezeichnete es als die größte Schande, umzukehren, ehe sie die Straße oder das Ende des Landes aufgefunden hätten. Die kalte Jahreszeit werde rasch vorübergehen, und dem gefürchteten Hunger werde man leicht durch die Erträgnisse der Jagd und des Fischfanges begegnen. Mit eigenthümlicher List erklärte er, er müsse wenigstens so weit kommen, wie schon Amerigo Vespucci gekommen sei, und würde erst umkehren, wenn er bis zum 75. Grade keine Straße gefunden hätte. Ueber das fortgesetzte Seufzen und Klagen wurde er schließlich so zornig, daß er einige Rädelsführer festnehmen und strafen ließ. Darüber entstanden Unruhen und man rief: „Dieser Portugiese überliefert uns dem Verderben, um sich mit seinem Könige wieder aussöhnen zu können.“[471] Magalhães berief sich auf den Befehl des Kaisers. Bis jetzt hätten sie noch nichts Großes geleistet, was ihre Umkehr nur irgend wie entschuldigen könne. Die Portugiesen führen alle Jahre so weit nach Süden, wenn sie das Cap der guten Hoffnung umsegelten.[472] Trotz alledem wurde die Mannschaft nicht beruhigt und die offene Empörung brach alsbald aus. In der Nacht vom ersten April drangen Juan de Cartagena, welcher an der Spitze der Verschwörung stand und von Capitän Quesada freigegeben war, mit diesem und einer Anzahl bewaffneter Meuterer in das Schiff des dem Generalcapitän getreuen Mezquita und legten ihm Fesseln an. Der Master und Contremaster desselben Schiffes, des San Antonio, ergriffen aber für ihren gefangen gesetzten Capitän Partei. Sofort stach Quesada den Master Hurriaga (Elloriaga), einen Basken, nieder und ließ den Contremaster in Ketten werfen und nach der Concepcion als Gefangenen abführen. Da auch Luis de Mendoza auf der Victoria zu den Verschwornen zählte, so besaßen diese am andern Morgen drei Schiffe, während dem Magalhães außer seinem Schiffe nur der Santiago treu blieb. Die Meuterer hatten die Uebermacht und nahmen danach eine herausfordernde Stellung ein; den verrätherischen Ueberfall erklärten sie als einen Akt der Nothwehr gegen die fortgesetzt erduldeten Mishandlungen von Seiten des Oberbefehlhabers. Sie würden ihm alle Ehre erweisen, wenn er thue, was der Dienst Sr. Majestät verlange. Magalhães forderte sie auf, zu ihm auf sein Schiff zu kommen, dort werde er ihre Klagen anhören und nach Recht verfahren. Dagegen ließen sie ihm wieder sagen, sie trauten ihm nicht, er möge zu ihnen kommen, sie seien sämmtlich auf dem S. Antonio vereinigt. Magalhães benutzte das an ihn abgesandte Boot, um auf demselben den Alguacil Espinosa mit fünf oder sechs Mann heimlich an Mendoza, den Capitän der Victoria, abzufertigen und ihn scheinbar zu einer Unterredung auf dem Hauptschiffe aufzufordern, während er in Wahrheit den Auftrag gab, den abtrünnigen Capitän unschädlich zu machen. Espinosa führte die Weisung pünktlich aus, er fand während der Unterredung mit Mendoza Gelegenheit, denselben mit einem Dolchstich in den Hals zu tödten, worauf das Schiff, nachdem auch Duarte Barbosa noch mit 15 Bewaffneten hinzugekommen war, zum Gehorsam zurückgebracht wurde.

Magalhães legte sich mit seinen Schiffen vor den Ausgang des Hafens, um das Entfliehen der Meuterer zu verhindern. Zufällig löste sich der Antonio in der Nacht von seinem Anker und trieb mit der Ebbe an das Schiff des Magalhães heran.[473] Hier wurde es mit grobem Geschütz und Gewehrfeuer empfangen, und die Mannschaft des Generalcapitän bemächtigte sich des feindlichen Schiffes. Die Rädelsführer Cartagena, Quesada und de Coca wurden gefangen; der Leichnam Mendoza’s wurde am nächsten Tage geviertheilt als Verräther, und Quesada enthauptet, auch wurden vor der Abfahrt Cartagena und ein Caplan, der das Complot begünstigt hatte, am Strande ausgesetzt und ihrem Schicksal überlassen.[474] Aber der Pilot Gomez, welcher den Generalcapitän mit seinem Schiffe später verließ, nahm beide Verlassenen wieder auf und brachte sie nach Spanien.

Der Aufenthalt im Julianshafen währte fast 5 Monate (4 Monate und 24 Tage), in dieser Zeit trafen die Spanier mehrfach mit kleinen Horden der Eingeborenen zusammen, welche von Magalhães wegen ihrer großen Füße (spanisch patagon = Großfuß) Patagonen genannt wurden. Die übertriebenen Schilderungen von ihrer Größe, welche Pigafetta’s viel gelesener Reisebericht verbreitete,[475] veranlaßten in Europa die Vorstellung, daß alle Patagonen Riesen seien, eine Fabel, welche erst nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch genaue Messungen der Körpergröße widerlegt wurde.[476]

Ehe Magalhães selbst aus seinem Winterquartier aufbrach, ließ er durch Juan de Serrano auf dem Santiago die Küste weiter gegen Süden untersuchen, um sich mit seiner Flotte nicht durch jede Ausbuchtung des Landes aufhalten zu lassen. Aber Serrano litt in der Nähe des Puerto de Santa Cruz (50° s. B.) Schiffbruch und mußte sich mit seiner Mannschaft mühsam zum Julianshafen, an der Küste entlang, zurückwenden, wo die Leute auf die übrigen vier Schiffe vertheilt wurden. Magalhães selbst brach am 24. August auf und nahm am Heiligen Kreuzhafen noch einige von den gestrandeten Gütern des Santiago auf; von hier steuerte er dann aber erst am 18. October weiter, da zwei seiner Schiffe beschädigt waren und erst ausgebessert werden mußten. Unerschütterlich, als ein Mann von Muth und Ehre, ließ er sich durch keine Gegenvorstellungen von seinem Plane abbringen; erst wenn seine Schiffe im Sturm zweimal ihre Takelage verloren hätten, würde er sich dazu verstehen, den Weg um Afrika und an Madagascar vorüber einzuschlagen. Am 21. October erreichte sein Geschwader das Cap Virgenes (Cabo de las Virgenes) und damit den Eingang der berühmten Straße. Die fjordartige Zersplitterung des südamerikanischen Continents, welche an der Westseite vom Feuerlande bis zum 42° s. Br. reicht, hat die letzten Ausläufer des Gebirgslandes durch einen vielfach gegliederten Canal vollständig vom Rumpf der Landmassen abgetrennt. Die Straße, welche noch jetzt den Namen des kühnen Entdeckers trägt, hat eine Länge von 600 Kilometer (80 deutsche Meilen) und erstreckt sich in der östlichen Hälfte nach Südwest, in der westlichen Hälfte mit scharfer Wendung nach Nordwest. Nach der Gliederung und Gestaltung der Küstenlandschaften zerfällt sie in drei Abschnitte, in einen östlichen, mittleren und westlichen. Der östliche Abschnitt ist charakteristisch durch die Bildung zweier Engen, zwischen denen das Wasser sich seenartig ausweitet, durch das Fehlen der tieferen Seitenbuchten und Sackgassen, durch das Auftreten niedriger gleichmäßiger Höhenrücken jüngerer Formation und durch den gänzlichen Mangel an Baumwuchs. Der mittlere und westliche Abschnitt zeigt eine gleichartige geologische Struktur, hier herrschen Granit und Grünstein vor, und nach der Mitte zu Schiefer. Die schroffen, wilden Bergmassen erheben sich bis über 1000 Meter, im Sarmiento sogar über 2000 Meter. Der breite mittlere Abschnitt, mit mehreren tiefen Sunden und Canälen an der Feuerlandsküste, verläuft in der Richtung von Norden nach Süden und ist vollkommen inselfrei, der westliche Abschnitt dagegen, der sich nach Nordwesten zieht, verengt sich zwischen zahlreichen Klippen und tiefen Fjorden immer mehr und erweitert sich erst wieder gegen den Ausgang zum großen Ocean. In der Mitte und im Westen ist die Straße, wo die Berge nicht zu jäh in die Flut tauchen, mit üppigem Laubwald umsäumt.[477]

„Die landschaftliche Scenerie der von düsteren Sagen umwobenen Meeresenge ist ein seltsames Gemisch von Monotonie und Großartigkeit der Naturgebilde jener Zone. Ringsum starren dem Schiffe Eisberge entgegen mit tiefen, undurchdringlichen Felsenspalten, mit zu Gletschern erstarrten Wasserfällen, die wie gefrorene Niagaras, wie ungeheure Klippen von blaugrünem, durchsichtigem Glas, die Seiten der Gebirge und finstern Thäler überhängen. Dagegen dehnt sich das schwarze, dunkle Fahrwasser an hohen Felsen in zahllosen Windungen hin. Zuweilen führen diese Windungen in eine Bucht, die scheinbar ohne Ausgang, von einer Mauer schroffer Felsen eingeschlossen ist, bis sich plötzlich verschiedene Canäle zeigen, die den Seefahrer noch mehr in Verlegenheit setzen, da er, falls er fehl geht, wochenlang zwischen Klippen und Canälen umherirren kann. In diesem Theile der Straße wüthet ein beinahe ununterbrochener Sturm, und der Himmel ist stets von dichten Wolken umhüllt, die Atmosphäre ist trüb und beständig nebelig, die Gewässer sind von pechschwarzer Farbe, wegen ihrer Tiefe und der finstern Bergschatten. In der Regel weht der Wind aus Westen, der Strom rauscht dann wie ein Sturzbach, und die Durchfahrt ist mitunter so eng, daß das Laviren schwierig wird. Von den nackten kahlen Felsspitzen aber fährt der Orkan in die Wassertiefe hinab und erzeugt daselbst jene kurzen, brechenden Wellen, die unter dem Namen der Teufelswellen bekannt und die namentlich Segelschiffen so unheilbringend sind.“[478]

Bei der Einfahrt in die Straße schickte Magalhães zuerst die beiden Schiffe San Antonio und Concepcion voraus, um das Fahrwasser zu untersuchen, während er selbst mit der Trinidad und Victoria zurückblieb. Das eine Schiff kam bald mit der Meldung wieder, man habe nur eine Bucht mit tiefem Einschnitt gefunden, während das andere sich weiter wagte, durch eine Enge in eine zweite offene Bucht kam und hinter einer zweiten Enge, welche anfangs von Land umschlossen schien, wieder eine größere Wasserfläche fand. Da der Grund nicht seicht war, wie an der patagonischen Küste, in folge dessen man nur in der Nähe des Ufers, aber nicht mitten in der Straße ankern konnte, und da der Canal immer weiter führte, so schien die gesuchte Meerenge wirklich gefunden; und mit dieser freudigen Nachricht kehrte das zweite Schiff am dritten Tage nach dem Eingange zu Magalhães zurück, welcher, die hohe Wichtigkeit dieser Entdeckung erkennend, die Capitäne und Piloten zur Berathung zusammenrief, um sich über die weiteren Maßnahmen zu besprechen. Da sich nun herausstellte, daß der Proviant nur noch für drei Monate ausreichte, so meinte der Portugiese Esteban Gomez, Pilot auf dem S. Antonio, es werde, nachdem man die Straße gefunden habe, besser sein, einstweilen nach Spanien zurückzukehren und mit einer besser ausgerüsteten und versehenen Flotte die Unternehmung zu Ende zu führen. Allein Magalhães war nicht gewillt, umzukehren, nachdem der schwierigste Theil der Aufgabe die Auffindung der Straße, gelöst sei. Er wolle, so äußerte er sich, dem Kaiser sein Wort halten, und sollte ihn der Hunger zwingen, hartes Leder zu kauen. Um die Zaghaftigkeit des Schiffsvolks, welches leicht geneigt war, sich auf den Ausspruch einer Autorität wie Gomez zu berufen, nicht um sich greifen zu lassen, erklärte Magalhães: alle Schiffe sollten sich zur Weiterfahrt den nächsten Tag bereit halten; niemand solle bei Todesstrafe sich unterstehen, von Umkehr zu reden. So drang er muthig in den Felsensund ein. Auf der Südseite sah man häufig Feuer am Lande aufleuchten, welche die wilden Einwohner in dem rauhen Klima unterhielten. Das Land erhielt davon den noch giltigen Namen Feuerland (tierra del fuego). Nachdem er 50 Meilen gesegelt war, ließ er, da verschiedene Canäle sich nach verschiedenen Richtungen abzweigten, dieselben von zwei Schiffen wieder untersuchen, während die Zurückbleibenden durch Fischfang den Vorrath an Lebensmitteln zu bereichern suchten. Man befand sich damals in der Nähe der Südspitze des festen Landes. Der San Antonio ging mit vollen Segeln ab, ohne auf die Concepcion zu warten, und steuerte in einen nach SO. verlaufenden Canal, in der Absicht, nach Spanien zurückzukehren. Die Concepcion kreuzte unterdessen in demselben Canal und wartete auf das Wiedererscheinen des Antonio, aber vergebens. Magalhães war unterdessen in den Sund nach SW. mit den beiden andern Schiffen eingedrungen und wartete dort vier Tage, während dessen ein großes Boot den Canal, der nach NW. verlief, zu untersuchen hatte. Nach drei Tagen brachte dieses die Mittheilung, es sei bis an den Ausgang der Straße in das westliche Meer gelangt. Dieser günstigen Meldung gegenüber machte den Generalcapitän das Ausbleiben des S. Antonio, eines vorzüglichen Fahrzeuges, besorgt, da er selbst vielleicht an dem Verluste schuld war, insofern er den Ankerplatz gewechselt und das zurückkehrende Schiff irregeleitet hatte. Die Victoria mußte noch einmal bis an den Anfang des Canals segeln, in welchen der Antonio eingelaufen war, und dort an hervorragender Stelle eine Flagge aufhissen, an deren Fuß die briefliche Nachricht niedergelegt war, wohin das Geschwader seinen Weg genommen. Aber das vermißte Schiff kehrte nicht zurück. Das Schiffsvolk revoltirte gegen den Capitän Mezquita, und der Pilot Gomez unterstützte dasselbe. Er hatte früher von dem spanischen Könige zu einem ähnlichen Plane wie Magalhães Schiffe gefordert; da man nun aber den Antrag seines Rivalen angenommen, den seinigen aber abgelehnt hatte, so hegte er geheimen Groll gegen denselben und benutzte diese Gelegenheit, sich zu rächen. Mezquita wurde angeklagt, die grausame Behandlung der Meuterer im Julianshafen dem Generalcapitän angerathen zu haben, und wurde darum in Fesseln nach Spanien gebracht, wo man außerdem den obersten Leiter des Geschwaders für einen Wahnsinnigen erklärte, welcher Se. Majestät belogen und keine Ahnung davon habe, wo Banda oder die Molukken lägen.

So ging dem Magalhães auch das zweite Schiff verloren und damit auch der getreue Mezquita. Außer seinem Verwandten Duarte Barbosa hatte er nur noch wenige Leute, auf die er sich ganz und voll verlassen konnte. Hätte er die Officiere zu einer Berathung zusammen berufen, so wäre er vielleicht überstimmt worden. Er zog es daher vor, an die Capitäne und Piloten ein freundlich gehaltenes Rundschreiben[479] abgehen zu lassen, in welchem er sie um schriftliche Meinungsäußerung ersuchte, ob es gerathener sei, umzukehren oder vorwärts zu gehen. Doch sollte vor allem ins Auge gefaßt werden, was der Dienst Sr. Majestät und die Sicherheit der Schiffe verlange. Dieser Brief, vom 21. November, war „gegeben im Canal Allerheiligen“, canal de todos los Santos (denn so hatte Magalhães die Straße benannt) im 53. Grade s. Br. Das Geschwader befand sich damals also am östlichen Anfange des dritten Abschnittes der Meerenge, wo mehrere Straßen nach NW., N. und S. ausliefen und das Fahrwasser zwischen den Felsenmassen sich verengte. Am nächsten Tage traf die Antwort vom Astronomen Martin ein, welche den bekannten Absichten des Führers nicht direct widersprach, aber doch auf den Mangel an Lebensmitteln und bezüglich des Schiffes Victoria auch auf den erschöpften Vorrath an Tauwerk hinwies, ein Vordringen bis zum 60. oder gar 70. Grade bei dem Zustande der Schiffe und Mannschaften entschieden widerrieth, aber doch dem Gedanken nicht abgeneigt war, die schönen Frühlingstage zu benutzen, um einen Ausweg unter mildern Breiten zu suchen. Darauf gab Magalhães am nächsten Tage den Befehl zur Weiterfahrt. Das Land zu ihrer Rechten war unzweifelhaft tierra firme, d. h. Festland, dagegen zur Linken glaubte man Inseln vor sich zu haben, weil man mehrfach aus der Ferne das Geräusch der Brandung eines offnen Meeres an Felsenküsten vernommen hatte.[480] Man mußte also, wie auch bereits gemeldet war, nach dieser Seite hin bald den offenen Ocean erreichen. Vorsichtig fuhr Magalhães in der engen Felsengasse und, der Klippen wegen, nur bei Tage weiter und ankerte bei Nacht. Sondirende Böte gingen vorauf. Endlich traf am fünften Tage die Freudenbotschaft ein, der Ausgang sei erreicht. Auf diese Kunde ließ der Generalcapitän mit allen Kanonen Freudenschüsse thun und erreichte am 28. November beim Cabo Deseado[481] („ersehntes Vorgebirge“) das Meer. Die Durchfahrt hatte drei Wochen in Anspruch genommen, und rechnet man die Tage ab, wo er auf die abgesandten Schiffe warten mußte, so waren nur 12 Tage erforderlich gewesen.[482]

Von dem Ausgange der Meerenge richtete Magalhães seinen Cours grade nach Norden, so daß er noch unter dem 47. Grade die patagonischen Berge zur Rechten sehen konnte und wandte sich erst vom 37. Grade nach Nordwesten. Die Begrenzung des amerikanischen Festlandes war damit gegen Westen angezeigt. Ohne die Juan Fernandez Inseln, westlich von Chile, zu berühren, steuerte er nordwestlich zwischen der Inselwolke der Paumotu und den gebirgigen Markesas hindurch, immer mit günstigem Winde, weshalb er das Meer mit dem Namen Mar pacifico „stiller Ocean“ belegte, aber auch ohne 40 Tage lang etwas anderes als Himmel und Wasser zu sehen. Am 24. Januar 1521 stieß er auf ein einsames, unbewohntes Eiland, unter 16° 15′ s. Br., dem er den Namen San Pablo gab, und 11 Tage später, am 4. Februar auf ein zweites wüstes Inselchen, welches Haifischinsel (los tiburones) genannt wurde und unter 10° 40′ s. Br. lag.[483] Hier wurde zwei Tage Rast gemacht, um die Mannschaft sich erholen zu lassen und um zu fischen, denn die Nahrungsmittel gingen auf die Neige. Dann segelten sie weiter, wie Transilvanus berichtet, über ein ungeheures Meer, das größer ist, als man fassen kann. Nun aber trat das Schreckbild des Hungers immer drohender auf. „Wir fuhren, erzählt Pigafetta, 3 Monate und 20 Tage, ohne Erfrischungen einzunehmen. Der Zwieback war in Staub zerfallen, voll Maden und stank nach dem Unrath der Ratten, das Trinkwasser war trübe und übelriechend. Wir aßen auch Rindsleder, wie es unter der großen Marsraa angebracht ist, damit das Tauwerk sich nicht durchscheuert. Das Leder war sehr hart, weil es beständig der Sonne, dem Wind und Regen ausgesetzt war, und mußte erst tagelang im Seewasser eingeweicht werden, um es, in glühender Asche geröstet, genießbar zu machen. Ratten bildeten einen Leckerbissen und wurden, das Stück, mit ½ Krone bezahlt. Zu all dem Unglück trat noch der Scorbut auf, welchem 19 Personen erlagen. Wenn Gott und seine heilige Mutter uns auf der langen Fahrt nicht gutes Wetter gegeben hätten, so wären wir alle in dem weiten Meere verhungert, und ich glaube, daß kein Mensch jemals eine solche Reise wieder unternehmen wird.“ Pigafetta wagte also auf den Versuch einer Weltumsegelung einen ähnlichen Bann zu legen, wie Cook auf seiner zweiten Reise bezüglich der Unternehmungen gegen den Südpol. Beide erreichten nur, daß ihre kühnen Fahrten 50 Jahre lang ohne Nachfolger blieben.

Treffend und gleichsam mit prophetischem Blicke fügte Pigafetta hinzu: „Wenn wir von dem Ausgange aus der Meerenge immer westwärts gesteuert wären, wir hätten, ohne auf irgend ein Land zu stoßen, wieder an das Cap der Jungfrauen zurückkommen können.“ Dieser Ausspruch erklärt sich mit der größten Bestimmtheit gegen die Existenz eines weit nach Norden reichenden Südlandes, wie es später von den Kartographen des 16. Jahrhunderts als terra australis incognita gedacht und bis tief ins 18. Jahrhundert, bis auf die epochemachenden Reisen Cook’s die Vorstellungen der Geographen beeinflußt hat.

Am 13. Februar überschritt Magalhães den Aequator, etwa unter 175° w. v. Gr., steuerte 11 Tage nordwestlich bis zum 12° n. Br., so daß er zuerst zwischen dem Gilbert- und Marshall-Archipel und dann zwischen diesen und den östlichen Carolinen hindurch segelte; dann richtete er den Cours wieder nach Westen, bis er am 6. März auf die Ladronen stieß. Magalhães wußte zwar, daß sein Ziel, die Molukken, unter dem Aequator lägen; allein, da er fürchtete, sich wegen der Nähe der Portugiesen dort nur schwierig verproviantiren zu können, so ging er weiter nordwärts, wo er auf Inseln oder am Festlande, die von seinen Gegnern noch nicht berührt waren, ungestört ausruhen, seine Schiffe bessern und seiner Mannschaft Erquickung verschaffen könne. Die beiden Inseln, auf die man zuerst stieß, waren Guam und S. Rosa. Daß sie bewohnt waren, bewiesen alsbald die zahlreichen hurtigen Segelböte, die mit gleicher Geschicklichkeit vor- und rückwärts steuerten und pfeilschnell über das Wasser hinjagten, als ob sie flögen.[484] Wegen der dreieckigen Mattensegel, deren sich die Insulaner bedienten, wurden die Inseln Islas de las velas (Segel) genannt. Zutraulich und zudringlich kamen diese Schiffer an Bord und stahlen, was sie brauchbares fanden. Als sie aber gar ein größeres Boot entführt und an den Strand geschleppt hatten, wurden sie empfindlich gezüchtigt, ihr Dorf zerstört, die Pflanzungen vernichtet und sieben Menschen getödtet. Von diesem Diebstahl hieß man die Inselgruppe die Diebsinseln oder Ladronen, welchen Namen sie noch führen. Nach einem Aufenthalt von drei Tagen ging das Geschwader weiter nach Westen und gelangte so zu dem Archipel des San Lazaro, oder, wie er später benannt wurde, Philippinen. An der kleinen Insel Suluan, südlich von Samar, wurde zuerst gelandet, um frisches Wasser einzunehmen und besonders den Kranken einige Ruhe zu gewähren. Mit den Eingebornen wurde ein friedlicher Verkehr eröffnet. Der Häuptling von Suluan erschien in malaiischer Tracht, den Kopf mit einen seidenen Tuch umwunden und einen golddurchwirkten Sarong um den Leib. Von Suluan gegen SW. steuernd, berührte das Geschwader zwischen Mindanao und Leyte die kleine Insel Limasagua (Maçaguoa), wo eine Messe celebrirt wurde. Der dortige Radscha brachte sie zu der gegen Nordwesten gelegenen Insel Zebu, deren Kaufleute schon mit Portugiesen zusammengetroffen waren. Der Häuptling erwies sich den Seefahrern sehr geneigt und ließ sich schon nach acht Tagen mit mehreren hundert Insulanern taufen. Zwar wollte hier ein arabischer Kaufmann den Fürsten der Insel vor den Fremdlingen warnen, weil sie zu derselben Nation gehörten, welche Calicut und Malaka erobert hätten; aber Magalhães erklärte, ihr König sei noch weit mächtiger als der portugiesische, und werde sie in seinen Schutz nehmen und ihre Macht erhöhen. Der Christ gewordene Fürst von Zebu sollte nach seinem Plane der Oberherr über die umliegenden Inseln werden und als solcher dem Könige von Spanien huldigen. Die Ortschaften, welche sich nicht unterwerfen wollten, wurden zerstört, entfernteren legte man Tribut auf. Mitten vor der Ostküste von Zebu, nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt, liegt die Insel Matan oder Mactan. Diese weigerte sich, die geforderten Abgaben an Lebensmitteln zu entrichten; daher beschloß Magalhães, sie die Ueberlegenheit seiner Waffen fühlen zu lassen. Die Hilfstruppen des Fürsten von Zebu lehnte er ab, da er die Stärke und Kriegsführung seiner Gegner unterschätzte, und ging am 27. April nur mit 50 bis 60 Mann in drei Böten nach der Insel hinüber, während er seinen eingebornen Freunden die Rolle von Zuschauern anwies; auch seine Schiffe blieben in der Ferne. Am Lande sahen sich die Spanier bald einem an Zahl überlegenen Feinde gegenüber.[485] Gegen die Schüsse der Europäer boten die festen Schilde der Insulaner einigen Schutz und bald gingen die Matanesen zum Angriff über. Sie schleuderten Wolken von Pfeilen und Steinen. Magalhães wurde durch einen vergifteten Pfeil am Schenkel verwundet und mußte Befehl zum Rückzuge geben; aber der Rückmarsch artete, indem die Insulaner um so kühner nachdrängten, bald in Flucht aus, so daß nur sieben oder acht Getreue bei ihrem verwundeten Feldherrn ausharrten. Alle Angriffe der wüthenden Feinde richteten sich auf Magalhães, welchem in dem Handgemenge zweimal der Helm vom Kopfe gerissen wurde. Aber er wollte nicht weichen und focht als ein tapferer Ritter, die Seinigen zum Widerstande ermunternd. Einen Insulaner, der ihn im Gesicht verwundete, stach er mit der Lanze nieder. Als er dann seinen Degen ziehen wollte, brachte er denselben, in folge einer Speerwunde am Arm nur halb aus der Scheide, und erhielt, für einige Augenblicke ungedeckt, einen Schwertstreich, der ihn aufs Gesicht niederwarf, worauf alle über ihn herfielen und ihn vollends tödteten. „Als die Indier, erzählt Pigafetta, welcher Zeuge des Heldentodes war, ihn überwältigten, wandte er, schon am Boden liegend, den Blick noch mehrmals nach uns zurück, um sich zu überzeugen, ob wir uns gerettet hätten, als ob er nur so hartnäckig standgehalten hätte, um seine Leute in Sicherheit zu bringen. So fiel unser Vorbild, unsere Leuchte, unser Trost und treuer Führer!“ So klagt der italienische Ritter über den Fall des großen Mannes; aber da er selbst verwundet war, wie die meisten Gefährten, blieb ihnen nur die Flucht nach den nahen Böten. Mit Magalhães fielen acht Spanier und vier getaufte Indier. Die Herausgabe der Leiche, selbst gegen große Geschenke, wurde von den Siegern entschieden verweigert.

Magalhães stand wohl im 41. Lebensjahre, als er auf Matan seinen Tod fand. Hatte er auch das Ziel, die Gewürzinseln, nicht völlig erreicht, so hatte er den schwierigsten Theil seiner Aufgabe auf das glänzendste gelöst. Er hatte die südamerikanische Meerenge gefunden und das größte Meer des Erdballs in seiner vollen Breite durchschnitten. Es war die größte nautische That aller Jahrhunderte. Seine größte Tugend bestand in der Ausdauer, selbst in der schlimmsten Lage, und er ertrug Hunger und Entbehrung auf den monatelangen Fahrten über das Weltmeer besser als andere. Er war nicht blos ein tapferer Soldat, sondern bewies auch seine Tüchtigkeit als Seemann, indem er alle Steuerleute anwies, daß sie, um den richtigen Cours nach den Molukken einzuhalten, auch die Abweichung der Magnetnadel in Rechnung zu bringen hätten. Der beste Beweis seiner Unerschrockenheit und Genialität liegt aber darin, daß er zuerst eine Erdumsegelung wagte und den schwierigsten Theil vollendete. Die Bedeutung seines Unternehmens ist leider durch die Eifersucht der Spanier und Portugiesen verdunkelt, in Portugal, weil er einer rivalisirenden Macht diente, in Spanien, weil er ein Fremder war. Magalhães selbst hat natürlich den Verlauf seiner kühnen Weltfahrt nicht ausführlich schildern können, das beste, was wir darüber besitzen, stammt von zwei Italienern. Es wirft ein merkwürdiges Schlaglicht auf die damaligen Zeitverhältnisse, daß die Heldenthat eines Portugiesen in spanischen Diensten von Italienern beschrieben ist.

Die wissenschaftliche Bedeutung dieser Fahrt charakterisirt Humboldt (Kosmos II, 306) in folgenden Worten: „Die Entdeckung und Beschiffung der Südsee bezeichnen für die Erkenntniß großer kosmischer Verhältnisse eine um so wichtigere Epoche, als durch dieselbe zuerst die numerische Größenvergleichung der Areale des Festen und Flüssigen auf der Oberfläche unseres Planeten nun endlich von den irrigsten Ansichten befreit zu werden anfing. Durch die Größe dieser Areale, durch die relative Vertheilung des Festen und Flüssigen werden aber der Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre, der wechselnde Luftdruck, die Vegetationskraft der Pflanzendecke, die größere oder geringere Verbreitung gewisser Thiergeschlechter und so viele andere allgemeine Erscheinungen und Processe mächtig bedingt. Der größere Flächenraum, welcher dem Flüssigen als dem das Feste bedeckenden Elemente eingeräumt ist (im Verhältniß von 2⅘:1) vermindert allerdings das bewohnbare Feld für die Ansiedelung des Menschengeschlechts, die nährende Fläche für den größeren Theil der Säugethiere, Vögel und Reptilien; er ist aber nach den jetzt herrschenden Gesetzen des Organismus ein nothwendiges Bedingniß der Erhaltung, eine wohlthätige Natureinrichtung für alles, was die Continente belebt.“ Der materielle Vortheil, welchen die spanische Krone, durch die Expedition Magalhães’ gewann, wird uns in den folgenden Blättern noch weiter beschäftigen.

3. Die Vollendung der ersten Erdumsegelung.

Mit dem Tode Magalhães’ trat eine völlige Wandelung in der Gesinnung der Eingebornen ein. Der Glaube an die Unüberwindlichkeit der Fremden war gewichen, und mit malaiischer Tücke trachtete der getaufte Fürst von Zebu nach einer Gelegenheit, seine neuen Freunde mit List aus dem Wege zu schaffen. Er lud die Spanier zu einem Gastmahle ein, um ihnen bei der Gelegenheit angeblich ein für den König von Spanien bestimmtes Geschenk an edlen Steinen vorzulegen. Vierundzwanzig Spanier, darunter die beiden neugewählten Capitäne, Duarte Barbosa und Juan Serrano sowie der Astronom San Martin folgten der lockenden Einladung, indem der erwachende Argwohn durch die Bemerkung unterdrückt wurde, eine ablehnende Antwort könne als Feigheit ausgelegt werden. Pigafetta litt noch an seinen Wunden und blieb darum zurück, ebenso Lopes de Carvalho, welcher mit Recht Verrath fürchtete. Beim Gastmahl wurden sie überfallen und bis auf Serrano, den man lebendig gefangen behielt, getödtet. Carvalho ließ auf die Nachricht von dem hinterlistigen Ueberfall die Anker lichten und, mochte ihn der ans Ufer geführte, verwundete und gefesselte Serrano auch noch so dringend beschwören, ihn loszukaufen, man wagte sich nicht wieder an den Strand, aus Furcht, die Schiffe preiszugeben. Serrano blieb einem unbekannten Schicksal überlassen. Da die Mannschaft für den Dienst auf drei Schiffen nicht mehr ausreichte, so wurde die Concepcion als das am wenigsten seetüchtige Fahrzeug bei der Insel Bohol, östlich von Zebu, verbrannt. Trinidad und Victoria segelten unter der Führung von Carvalho und Gonzalo Vaz d’Espinosa südwärts nach Mindanao und von da nach der kleinen, nordöstlich von Borneo gelegenen Insel Cagayan, wo man nur einige von Borneo vertriebene Mohammedaner (Mauren) fand. Von hier aus steuerten sie in nordwestlicher Richtung nach Palawan, wo sie freundliche Aufnahme fanden und Lebensmittel eintauschen konnten. Dort trafen sie einen Mohren, namens Bastiam, der etwas portugiesisch verstand und auf den Molukken gewesen war. Dieser erbot sich zwar, sie nach Borneo, nach dem Staate Brunei an der Nordwestküste der Insel zu führen, erschien aber nicht wieder, und so hätten die Spanier den Weg ohne Hilfe suchen müssen, wenn nicht am nächsten Tage eine Praue an die Schiffe herangekommen wäre und die Führung übernommen hätte. So gelangten sie nach der Stadt Brunei, deren Häuser, auf Pfahlrosten gebaut, bis ins Meer standen, und deren Einwohnerschaft Pigafetta auf 25,000 Familien schätzte. Mit dem Könige des Landes wurden Geschenke ausgetauscht, die spanischen Abgesandten ritten auf zwei Elephanten zum Palaste, wo der König ihnen Audienz ertheilte, aber nur durch Mittelspersonen mit ihnen sprach. Man befand sich hier bereits in der Kulturregion der malaiischen Sundawelt. Die spanischen Gesandten wurden in einem vornehmen Hause gastlich untergebracht und schliefen auf seidenen mit Baumwolle gefüllten Matratzen. Der Radscha gab Erlaubniß, Handel zu treiben; allein das gute Verhältniß trübte sich nach wenigen Tagen, denn als eine große Anzahl von Prauen und kleinen Böten die Schiffe umschwärmte und sich vor dem Hafen versammelte, fürchteten die Spanier Verrath, griffen die Dschunken an, bohrten mehrere in den Grund und bahnten sich einen Weg in freies Fahrwasser. Der Radscha ließ ihnen zwar durch Boten melden, der Kampf sei durch ein Misverständniß entstanden, denn der vorbereitete Krieg gelte nicht den Spaniern, sondern den Heiden. Leider befand sich noch ein Theil der Schiffsmannschaft, darunter der Sohn Carvalho’s am Lande und gerieth in die Gefangenschaft der Malaien. Er wurde nicht ausgeliefert, obwohl der Capitän eine Auswechselung der Gefangenen (denn es waren mehrere vornehme Häuptlinge nebst ihren Frauen auf den eroberten Dschunken angetroffen) vorschlug.

Um Nordborneo herum zogen die beiden Schiffe wieder nach der Südküste Mindanao’s und von dort südwärts nach den Molukken, welche sie endlich am 8. November 1521 durch Freudenschüsse begrüßten. Seit ihrer Abfahrt von Sevilla waren sie bereits 2¼ Jahr unterwegs gewesen, ehe sie den Hafen von Tidor erreichten. Wenn die Portugiesen das Gerücht ausgesprengt hatten, die Molukken lägen zwischen Untiefen in einem von trüber, nebliger Atmosphäre bedeckten See, so daß man die Inseln nur mit großer Gefahr erreichen könnte, so erinnert uns dies an die von den Griechen wiedererzählten, altphönizischen Schifferlügen, wodurch man von den Fahrten nach solchen Gegenden abschrecken wollte, woher geschätzte Handelsprodukte geholt wurden. Man fand vielmehr das Wasser überall wenigstens 100 Faden tief.

Der Radscha von Tidor empfing die Spanier mit offnen Armen[486] und schloß mit ihnen bereitwilligst einen günstigen Handelsvertrag, denn die Spanier zahlten für die Gewürze viel höhere Preise als die Portugiesen[487]. Diese ihre Rivalen hatten in Ternate sich festgesetzt. Als die Spanier dies erfuhren, schickten sie eine Botschaft hinüber, um eine friedliche Zusammenkunft zu veranlassen. Aber die Portugiesen entschuldigten sich mit dem ausdrücklichen Verbote der Regierung des Landes. Die Erlaubniß wurde aber vom Radscha von Ternate gegeben, und so kam der portugiesische Factor Affonso de Lourosa, welcher schon mit den ersten Schiffen vor 10 Jahren von Indien hierhergelangt war, zu ihnen und war nicht wenig über die hohen Preise erstaunt, welche die unkundigen Spanier bezahlt hatten. Auch erfuhren diese, daß der König von Portugal dem Geschwader Magalhães’ sowohl am Cap der guten Hoffnung als am Laplatastrom durch Schiffe habe den Weg verlegen lassen wollen. Dann sei auch an den Oberbefehlshaber in Indien, Lopez de Sequeira der Befehl ergangen, sechs Kriegsschiffe nach den Molukken zu senden, um Magalhães mit Gewalt abzuweisen; aber in folge des Krieges mit den Türken in Aegypten seien die Schiffe nach dem Rothen Meere abcommandirt. Lourosa zeigte sich sogar geneigt, an Bord des spanischen Schiffes mit in die Heimat zu segeln.

Bis zur Mitte December hatten beide Schiffe eine volle Gewürzfracht eingenommen, dann wurden am 16. December neue Segel mit dem Kreuz des heiligen Jacobus von Galicien und der Inschrift: „Das ist das Bild unseres Glückes“ (questa e la figura della nostra buena ventura) aufgesetzt und die Abfahrt für die nächsten Tage bestimmt. Da bekam das Flaggschiff Trinidad unerwartet einen großen Leck, den auch die vom Radscha zu Hilfe gesendeten Taucher nicht zu verstopfen vermochten. Man mußte sich entschließen, die Victoria allein abgehen zu lassen und das andere auszuladen, um es gründlich ausbessern zu können. Am 21. December stach die Victoria endlich in See, nachdem vorher 60 Centner Gewürznelken wieder ausgeladen waren, weil man fürchtete, das Schiff sei zu schwer befrachtet. Unter Kanonensalven nahmen die beiden Schiffe von einander Abschied. Die Victoria unter dem Commando Sebastian del Cano’s (d’Elcano) hatte 47 Europäer und 13 Indier an Bord. Man berührte zuerst Buru, sodann die Nordseite von Timor, um Lebensmittel einzunehmen, und steuerte von da in den von den Javanen Lautchidol, d. h. Südmeer, benannten indischen Ocean hinein, erreichte am 18. März 1522 die einsame hohe Insel Amsterdam, stieß am 8. Mai in der Nähe des großen Fischflusses (Rio del Infante) auf die afrikanische Küste, wo man Erfrischung zu finden hoffte und umsegelte am 18. und 19. Mai das Cap unter heftigen Stürmen, welche das Schiff wochenlang an dem gefürchteten Vorgebirge umherjagten und bis zum 42° s. Br. hinaustrieben. Infolge der Anstrengungen und Entbehrungen, man hatte nur noch Reis und Wasser an Bord, starben 21 Personen, ehe am 9. Juli die Capverden in Sicht kamen. Man landete nothgedrungen an der Insel St. Jago, obwohl man sie in portugiesischem Besitz wußte; man hoffte unbelästigt zu bleiben, wenn man erklärte, das Schiff käme von Amerika. Eine unerwartete Ueberraschung wurde den Weltumseglern hier, als sie sich in dem portugiesischen Hafenplatze erkundigten, was für ein Wochentag es sei. Man wollte prüfen, ob man an Bord richtige Rechnung geführt. Die Portugiesen antworteten, es sei Donnerstag. „Das setzte uns sehr in Erstaunen,“ erzählt Pigafetta, „weil bei uns erst Mittwoch war. Und ich hatte doch, da ich stets gesund gewesen, Tag für Tag mein Tagebuch geführt. Erst später erfuhren wir, daß wir keinen Fehler gemacht und keinen Tag übersprungen hatten, und daß der Unterschied entsteht, wenn man von Osten nach Westen die Erde umschifft. Man wird dann im ganzen einen Tag weniger haben, als diejenigen, welche an derselben Stelle geblieben sind.“

Als die Schaluppe zum drittenmale ans Land ging, wurden 13 Matrosen zurückgehalten, weil bekannt geworden war, daß das portugiesische Schiff zu dem Geschwader Magalhães’ gehöre. Unverzüglich lichtete del Cano die Anker und kam am 6. September 1522 in den Hafen von S. Lucar. Achtzehn Personen, und auch diese zum großen Theil krank, waren allein von der ansehnlichen Schar übrig geblieben.[488] Nachdem sie am 8. September in Sevilla angelangt waren, machten sie am nächsten Tage sämmtlich eine feierliche Procession nach der Kirche der heiligen Maria del Antigua und begaben sich dann an den königlichen Hof nach Valladolid, wo der Capitän und die beiden Officiere sehr gnädig empfangen und mit einer Leibrente bedacht wurden. Del Cano erhielt außerdem ein neues auf die Entdeckung der Gewürzinseln bezügliches Wappen und als Helmzier einen Globus mit der Umschrift: Primus circumdedisti me (du hast mich zuerst umsegelt). Pigafetta überreichte bei dieser Gelegenheit dem Könige sein eigenhändig geführtes Tagebuch der ganzen Fahrt. Die Anerkennung und die Bewunderung, welche allgemein den Theilnehmern der ersten Erdumsegelung gezollt wurde, drückt Transilvanus mit den Worten aus: „Wahrlich unsere Seeleute sind des ewigen Ruhmes würdiger als die Argonauten, die mit Jason nach Colchis segelten, und ihr Schiff (nämlich die Victoria) verdient mehr unter die Sternbilder versetzt zu werden als die Argo.“

Zu dem Ruhm trat aber auch noch der materielle Gewinn hinzu; denn die Fracht des einen heimgekehrten Schiffes, welche aus 533 Centnern Gewürznelken bestand, deckte die Kosten des ganzen Geschwaders vollauf.[489]

Wie bereits oben (S. 481) erzählt ist, mußte die Trinidad auf Tidor zurückbleiben, weil sie einen bedeutenden Leck bekommen hatte. Erst am 6. April 1522 stach sie mit 50 Europäern und zwei einheimischen Lotsen an Bord in See. Der Capitän Gonzalo Gomez de Espinosa beschloß den Rückweg über den großen Ocean zu versuchen und steuerte von Tidor aus nach Norden und Nordosten. Durch ungünstige Winde aus der Bahn getrieben, kam das Schiff bis zum 42° n. Br. Monatelang umhergeworfen, litt es durch Kälte und Mangel an Lebensmitteln so entsetzlich, daß viele von der Mannschaft erlagen. Als endlich in einem fünftägigen Sturm das Vordercastell und der Hauptmast verloren gingen, sah man sich zur Umkehr nach den Molukken gezwungen, wo man erfuhr, daß die Portugiesen inzwischen nach Ternate gekommen seien und dort eine Festung bauten (s. oben S. 205). Die Noth zwang die Spanier, an der Küste von Halmahera Zuflucht zu suchen und von hier aus den portugiesischen Anführer Antonio de Brito zu bitten, sie mit einem Schiffe aus ihrer traurigen Lage zu befreien; denn ein Theil der Mannschaft war todt, der andere krank und zu hilflos, um das eigne Fahrzeug leiten zu können. So ließ denn Brito die noch lebenden 17 Spanier nach Ternate hinüberführen, wo sie bis Ende Februar 1523, vier Monate lang, festgehalten wurden. Dann wurden sie nach Banda gebracht; Juan de Campos, den man bei der ersten Abfahrt von Tidor dort als Factor zurückgelassen (s. oben S. 205), versuchte von Banda mit drei andern Spaniern auf einer Dschunke sich durchzuschlagen, ist aber mit seinen Gefährten verschollen. Die übrigen ließ man vier Monate in Banda, dann wieder fünf Monate in Malaka, dann noch ein Jahr in Kotschin warten, ehe man ihnen Gelegenheit bot, sich nach dem Vaterlande einzuschiffen. Absichtlich hielt man sie an ungesunden Plätzen zurück, um ihre Reihe zu lichten, denn es war den Portugiesen höchst ungelegen, ihre Nebenbuhler von den Molukken in die Heimat zu befördern. So kam es denn, daß nach mehreren Jahren nur drei Seeleute Europa wieder erreichten und auch nach ihrer Landung in Lissabon noch sieben Monate in Haft bleiben mußten, bis der Befehl des Königs ihnen die Freiheit gab. Es kehrten demnach von den 239 Personen, welche sich mit Magalhães eingeschifft hatten, im ganzen nur 21 wieder zurück, die letzten nach jahrelangen Leiden.

Erst nach 50 Jahren erhielt Magalhães in Drake und Oliver de Noort Nachfolger, welche in derselben Richtung wie er, eine Erdumsegelung ausführten: ein sicherer Beweis, wie viel gewaltiger und schwieriger ein solches Unternehmen den Zeitgenossen erschien als die Fahrten Gama’s oder Columbus’, die sich nach dem ersten Entdeckungszuge alljährlich wiederholten.

4. Der Streit um die Molukken.

Eine große That trägt immer den Keim zu andern Thaten in sich. Die für praktische Ziele unternommene Weltumsegelung erwies sich als äußerst fruchtbringend, sowohl für wissenschaftliche Anschauungen als auch für materiellen Gewinn. Wenn auf der einen Seite durch ein augenfälliges Beispiel der Beweis von der Kugelgestalt der Erde erbracht war und der Blick zum erstenmale auf einer bestimmt gegebenen Linie das ganze Erdenrund umschweifen konnte, wenn gelehrte und gebildete Männer wie Transilvanus, durch die Weite des neugewonnenen Forschungsfeldes ermuthigt, sich von den Theorien und Phantasien des Alterthums loszulösen und die überlieferten kosmographischen und geographischen Lehren auf Grund der neuen Anschauungen mit kritischen Augen zu betrachten wagten, oder sich sogar ein Herz faßten, die länger als ein Jahrtausend durch alle Lehrbücher urtheilslos weiter geschleppten Erzählungen von den menschlichen Ungeheuern, den Schattenfüßlern, Langohren, Einäugigen, Pygmäen u. a. einfach unter die Ammenmärchen zu verweisen, weil weder Spanier noch Portugiesen irgend wo auf dem Erdenball auch nur annähernd Aehnliches gefunden hatten; so gewann auf der andern Seite auch der Staatsmann, der Politiker einen bedeutend erweiterten Gesichtskreis für seine Combinationen. Die Interessen des Verkehrs verließen die engen Schranken des alten Europa, kühne Pläne einer rivalisirenden Colonialpolitik flogen über die weiten Meere und scheuten nicht zurück vor einem diametral auf der anderen Seite des Erdballes auszufechtenden Streite. Denn da nun nach entgegengesetzten Richtungen zwei Wege zu dem Lande der Gewürze gefunden waren — und diese gesegneten Regionen waren ja das alleinige Ziel aller Seefahrten seit mehr als einem Menschenalter gewesen —, so mußte nothwendig auch die Frage entstehen, wem eigentlich nach der durch päpstliche Sanction erfolgten Theilung der Erde die Molukken gehören sollten, den Portugiesen oder den Spaniern. Aber diese letzteren beschäftigte nicht blos die Frage nach dem Besitz, sondern auch die Aufsuchung eines bequemeren Weges, als der, welchen Magalhães durch die Felsenengen am Feuerlande aufgefunden hatte. Man richtete dabei selbstverständlich den Blick auf die lockere Gliederung der mittelamerikanischen Gelände. Kaum ein Jahr nach der Heimkehr Sebastian del Cano’s ließ Karl V. schon, nach dem Gutachten seines Kosmographen den Eroberer Mexiko’s auffordern, seine Versuche, eine mittelamerikanische Durchfahrt zu entdecken, eifrig fortzusetzen, weil dadurch der Weg zu den Gewürzländern erheblich abgekürzt werden könne. Auch gestattete er, allen Kaufleuten und Unternehmungslustigen in Spanien, sich an Expeditionen nach den Molukken zu betheiligen. Um den Streit mit Portugal, wenn irgend möglich, auf friedlichem Wege zu schlichten, entschlossen sich beide Nachbarstaaten, einem aus Vertretern beider Mächte gebildeten Congresse die Entscheidung der schwierigen Frage zu übertragen. Diese „Junta“, welche beiderseits aus drei Juristen, drei Astronomen und drei Piloten zusammengesetzt war, kam zum erstenmal auf der Brücke, welche zwischen den Städten Badajoz und Elvas über den kleinen Grenzfluß Caya führt, am 11. April 1524 zusammen und setzte dann ihre Verhandlungen abwechselnd in den beiden Städten bis zum 31. Mai fort; aber resultatlos. Da nicht einmal der Ausgangspunkt jener oft erwähnten Demarcationslinie (die westlichste der Capverden) sicher festgesetzt war, von hier aus 370 spanische Meilen westwärts die Theilungslinie gezogen werden sollte und ihre Verlängerung über die andere Erdhälfte berechnet werden mußte, so hätte vor allem die Möglichkeit gegeben sein müssen, die Länge eines Meridiangrades genau zu bestimmen. Ja noch mehr, es stand nicht einmal die Größe des Erdumfanges fest. Man hatte als Unterlagen aus dem Alterthum eine Berechnung (zuerst von Eratosthenes) und eine davon etwas abweichende Messung der arabischen Astronomen aus dem 9. Jahrhundert. Wie unzuverlässig neuere Messungsversuche und Schätzungen ausfielen, lehren die Angaben von Columbus und von S. Martin, dem Astronomen der Magalhães’schen Expedition. Während jener aus einer Mondfinsterniß einen Abstand von Jamaica und Spanien berechnete, der einen Fehler von 34 Meridianen enthielt, nahm dieser nach der Schätzung des Schiffscourses den westlichen Abstand der Magalhães’schen Enge von Sevilla um 51½ Grad zu gering an.

Man war noch nicht einmal darüber einig, wie viel spanische Meilen (Leguas) auf einen Aequatorialgrad zu rechnen seien, denn die Ansichten der Junta gingen auseinander: die Spanier nahmen 14⅙, die Portugiesen 17½ Leguas an. Nach der letzten Bestimmung mußten die Molukken den Portugiesen zufallen. Die Spanier behaupteten, die Gewürzinseln seien von den Capverden 183 Grade entfernt, die andern dagegen nahmen nur 137 Grade an. Die unausgleichbare Differenz betrug demnach 46 Meridiane (etwa die Entfernung von Berlin bis zum Uralgebirge). Dabei gaben die Spanier den Abstand um 30½ Grade zu groß, die Portugiesen um 15½ Grad zu klein an.[490]