Nach ihrem innern Gehalt ist die deutsche Namengebung alles Lobes würdig.
Die Grundlage bilden die altdeutschen Heldennamen mit ihrem schönen, idealen Gepräge und in ihrer reichen Fülle, mit einer verhältnismäßig nicht bedeutenden Beimischung fremdsprachig kirchlicher Namen, von Glaubenshelden entlehnt. An diese schließt sich dann, entsprechend der gesellschaftlichen Entwickelung, in durchaus gesunder Weise eine fast ebenso große Fülle bürgerlicher Namen, hergenommen von Amt und Handwerk, von Geburts- und Wohnort. Freilich hat sich der Schwung des heroischen Zeitalters ermäßigt, der poetische Blütenstaub ist abgestreift. Dafür tritt zum Ersatz der Witz, die scherzende und spottende Laune ein, die sich am glänzendsten in den Satznamen offenbart.
Ein Mangel allerdings gibt sich hier sehr bald kund: die zu häufige Wiederkehr mancher Namen, besonders der vom Handwerk entlehnten, wogegen anderseits auch ein Fernhalten von leerem Prunk anzuerkennen ist.[73]
Nicht so günstig kann das Urteil in betreff der Form ausfallen.
Hier ist vor allem zu beklagen, daß die klangvollen Namen der ersten Schicht, wie Hildebrand, Rüdiger, Landolf durch spätere Verkürzungen und Verkleinerungen doch sehr gelitten haben, so daß eine Menge überkurzer, einsilbiger, klangloser Namen entstanden ist: Eck, Sietz, Lemm, Thie, Deetz usw. Hierher gehören auch viele zweisilbige, insbesondere die niederdeutschen auf ke: Gefke, Gehrke, Reetzke, Zielke, denen die süddeutschen auf l entsprechen: Dietl, Atzl, Datzl, Hutzl.
Voller tönende Namen finden sich unter den von Ortsbezeichnungen entlehnten: Frankenstein, Reinthaler, Rudinger u. a. — und diese bilden jetzt die Hauptmasse der längeren, mindestens dreisilbigen Familiennamen. Manche, viersilbige, haben sogar zuviel Gewicht und etwas Schleppendes, wie: Albrechtsberger, Koberlechner.
Außerdem fällt eine Härte in den konsonantischen Verbindungen, z. B. in Hitzke, Kratzke, Nitzschke, vielfach unangenehm ins Ohr.