19.
Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen.

a) Niederdeutschland.

Nordwest.

An der Nordseeküste sitzen seit Urzeiten in einem schmalen Streifen von der Scheldemündung ostwärts — soweit es Marschen und Inseln gibt — die Friesen, „der deutsche Seestamm, zäh und spröde im Festhalten des Alten, im Verteidigen der Freiheit, ein kerniges Geschlecht.“

Die Sprache ist erst allmählich durch das nahverwandte Niederdeutsche zurückgedrängt worden und behauptet sich gegenwärtig östlich der Ems besonders noch im Saterlande (Oldenburg), in der Gegend von Husum und Tondern und auf den Inseln.[86]

In diesen vom Weltverkehr abgelegenen Gauen bildeten sich, den einfachen bäuerlichen Verhältnissen entsprechend, vorzugsweis patronymische Geschlechtsnamen aus.

Beginnen wir mit Ostfriesland! Hier bilden die genetivischen Namen wie Reiners, Gerdes, Gerjets, DirksFocken, Rippen, Tjaden, Ufken, mit Anschluß der seltneren auf -sen (Bohlsen) in den Kreisen Aurich und Emden die Hälfte aller Namen, in Leer noch ein Drittel. Als ganz besonders charakteristisch, nur hier vorkommend, sind dabei die Namen auf a (Gen. Plur.) hervorzuheben: Wiarda, Ebbinga, Ukena — außerdem die Zusammensetzungen mit ma (mann): Bolema.

Von Gewerben finden sich nur die einfachsten (ländlichen): Smidt, Müller, Fischer, Schipper, Bakker, Kramer.

Die Lautverhältnisse haben manches Eigentümliche: sm (Smidt neben Schmidt), tj (Warntjes), kk (Dekker), ui = ü (Luitjens), ou = au (Wildebouer). Wie hieraus ersichtlich, weisen sie zum Teil auf das Holländische hin, dessen Einfluß sich an der ganzen westlichen Sprachgrenze von Ostfriesland bis zum Niederrhein geltend macht.

Auch im Oldenburgischen treten die patronymischen Namen wie Redlefs, Oltmanns, Rieniets, Taddiken, Knutzen (= Knudsen) am nördlichen Küstenrande stark hervor, am stärksten (mit 80 v. H.) im Kreise Jever. Überhaupt findet große Übereinstimmung mit den ostfriesischen Namen statt, nur daß die auf a und ma fehlen, wie auch die Anklänge an das Holländische.

Kommen wir nach Hannover, so treten hier, selbst in den Marschen zwischen Weser und Elbe, die genetivischen Namen merklich zurück. Ihre Zahl wächst erst wieder in Holstein (Ditmarschen: mindestens 40 v. H.) — und hier, an der schleswig-holsteinischen Küste, treten die bis dahin mehr vereinzelten Zusammensetzungen auf -sen, je weiter nach Norden, desto stärker hervor, namentlich im Herzogtum Schleswig, bis in den Kreisen Husum und Tondern die Hansen, Thomsen und Nissen, Christiansen und Gidionsen, Detlefsen und Hinrichsen alles so überwuchern, daß sie fast 90 v. H. aller Familiennamen füllen. Doch diese Bildungen greifen auch nach der Ostseite des meerumschlungenen Landes hinüber, zum Stamm der Angeln, und bilden dort ebenfalls die Mehrheit, im Kr. Flensburg wiederum 90 v. H., im Kr. Schleswig noch die Hälfte, bis sie im daran grenzenden Kr. Eckernförde plötzlich nahezu verschwinden.

Gehen wir wieder nach unserm Ausgangspunkte, Ostfriesland, zurück, so schließen sich an dieses in der Namengebung die südlicher gelegenen hannöverschen Bezirke, namentlich Papenburg, wo die genetivischen (ungerechnet einige auf ing) wieder die Hälfte aller Namen bilden.

In Lingen machen diese nur noch etwa ein Fünftel aus, und anderseits treten als Namenelemente Bezeichnungen von Örtlichkeiten wie brink, horst, auch hoff, desgleichen Zusammensetzungen mit Meyer hervor — die Vorläufer der eigentümlich westfälischen Namengebung.

Patronymika (auf ing und genet. Bildungen) finden sich durch das ganze preußische Westfalen mit Einschluß Osnabrücks — am stärksten an der holländischen Grenze.

Patronymika und zwar genetivische (Giesen, Otten, Wienands, Ludwigs, Gompertz — selbst Namen der dritten Schicht wie Schippers, Schmitz, Kox) bilden das Charakteristische auch am preußischen Niederrhein, ganz besonders auf der linken Seite des Flusses von Kleve bis Aachen, wo dieselben ungefähr die Hälfte aller Namen ausmachen (Höhenpunkt mit mindestens 60 v. H. im nördlichsten Teile des Regierungsbezirks Aachen).

Dann aber gibt sich das spezifisch Eigentümliche der westfälischen Namengebung in den zahlreichen an die Besonderheiten der Örtlichkeit angelehnten Namen kund. Die Landschaft hat hier nicht mehr die Einförmigkeit des Küstenrandes, der Marschen an der Nordsee; Berge und Hügel (hövel), hochliegende Grasflächen (brink) treten in ihr hervor; anderseits Teiche (diek), Brücher (brok), häufig ein Wald oder Gebüsch (loh, holt, horst), dann das Feld in abgeschlossene, umhegte Kämpe geschieden. Alles dies spiegelt sich auch in den Familiennamen, in welchen demnach brink, brock, horst, kamp, demnächst beck (Bach), diek, holt, loh Hauptelemente sind, in Namen wie: Windhövel, Hasenbrink, Uhlenbrock, Hasselhorst, Lohkamp, Möllenbeck, Buddendieck, Eickholt, und abgeleitet mit der Endung er: Steinbrinker, Hüttebräuker, Behrhörster, Roggenkämper — oder präpositional: auf dem Brauke, Tenberge, Terbeck.

Eine solche Bezeichnungweise konnte um so eher Platz greifen, da die Ansiedelung in diesen Gegenden nach altgermanischer Weise eine zerstreute ist. Münster und die nördlichen Teile von Minden und Arnsberg gehören zu denjenigen Gegenden, wo das Land nicht in geschlossenen Dörfern, sondern durch einzelne Höfe angebaut ist, die erst für staatliche Zwecke zu Bauerschaften zusammengefaßt werden. Dazu stimmen auch die vielen Namen auf hof (Lohoff) und haus (im Münsterschen auch hues: Grothues).

Auf die Abstufung nach dem Grundbesitz gehen Meyer und Kötter, welche in außerordentlich vielen Zusammensetzungen erscheinen. Insbesondere tritt Meyer mit seiner Sippe im Mindenschen hervor, bis zu 25 v. H. aller Namen.

Rechnen wir nun noch dazu, daß auch andere Namen, mit denen man in andern Gegenden an sich zufrieden sein würde, hier gern durch Zusammensetzungen noch näher bestimmt werden (wie Bowenschulte, Brinkschröder, Oberste-Kampmann, Hemkensamkenschnieder), daß ferner in Sproßformen der ersten Schicht das altertümliche o sich häufiger behauptet hat (Danco, Teuto): so werden wir zugeben müssen, daß hier auf echt deutschem Boden, wo deutsche Bevölkerung und Sitte sich verhältnismäßig ungeschwächt erhalten hat, auch die Namengebung eine ureigene und höchst bezeichnende ist, wie sie sich kaum in einem andern Teile Deutschlands findet.

Das oldenburgische Binnenland schließt sich an den Küstenrand an, es bietet bei entschieden niederdeutschem Gepräge (sogar -borg st. burg) wieder eine Fülle genetivischer Namen, in Rastede und Westerstede noch an 50 v. H., doch nach Osten hin stark abnehmend, während der Süden (Vechta) nebst den hannöverschen Kreisen Diepholz und Hoya schon zum westfälischen Charakter überleitet.

Auch im östlichen Hannover zwischen Weser und Elbe, dem alten Ostfalen, finden sich noch bedeutende Anklänge an die westfälische Namengebung, indem die örtlichen Elemente, namentlich brink, brock, horst, kamp noch weithin ausgestreut sind, östlich bis an die ehemalige slawische, südlich bis an die hochdeutsche Sprachgrenze.[87] Indessen sind sie doch entschieden weniger zahlreich, und die Ableitungen brinker, kämper usw., sowie die etwas langatmigen Zusammensetzungen (auch auf kötter) fehlen. Dasselbe tritt bei dem Namen Meyer hervor, der auch hier außerordentlich häufig erscheint, jedoch überwiegend einfach, während in Westfalen die Zusammensetzungen auf -meyer vorherrschen.

So bietet diese Namengebung trotz vielfacher Verwandtschaft doch nur ein sehr abgeblaßtes Bild der westfälischen.

Dagegen gehen die Patronymika in wesentlich unverminderter Häufigkeit hindurch. Als neu treten hinzu eigentümliche Ortsbezeichnungen auf -bostel, -horn, -sen (Abkürzung aus -sheim), z. B. Rodenbostel, Ehrhorn, Bellersen (wie diese schon unter den Kreisstädten durch Fallingbostel, Gifhorn, Wennigsen vertreten sind).

Als Verkleinerungsform begegnet hier zuerst häufiger ke (wofür bisher das friesische je und das genet. ken oder gen), insbesondere nach dem Wendlande und der Altmark hin.

Im Kreise Dannenberg erinnern Ortsnamen wie Lüchow, Liepe daran, daß wir nunmehr die Linie überschritten haben, welche die slawischen Eroberungen vor dem 9. Jahrhundert bezeichnet, daß wir uns in dem hannöverschen Wendlande befinden, wo (in den Ämtern Lüchow und Gartow) bis ins 18. Jahrhundert hinein wendisch gesprochen wurde und in der Volksmundart noch jetzt einzelne dem Wendischen entlehnte Ausdrücke sich erhalten haben.

Hier stoßen nun auch unter den Familiennamen wendische Formen wie Wiebelitz, Glabbatz, Gramüsch auf.

Und so kommen wir zu dem Nordosten Deutschlands, dessen Charakter im allgemeinen als niederdeutsch-wendisch zu bezeichnen ist.

Nordost.

Der Nordost umfaßt die weitausgedehnten Ebenen östlich der Elbe, die seit Gründung der Nordmark in jahrhundertelangem Ringen den Slawen (Wenden) wieder abgewonnen wurden, d. h. das östliche Holstein, Mecklenburg, Brandenburg, Pommern, West- und Ostpreußen, bis zur polnischen beziehungsweise littauischen Sprachgrenze im Osten und Südosten (s. S. 71) und bis zur Grenze des Hochdeutschen im Süden.

Hier, in der Heimat Fritz Reuters, wird man auch in den Familiennamen noch den niederdeutschen Charakter ausgeprägt erwarten.

Derselbe zeigt sich in Namen wie Schröder und Schrader, Pieper, Voß, woneben die hochdeutschen Formen (Schröter, Pfeifer, Fuchs) weit seltener vorkommen, ferner in Namen wie Kruse (besonders in Holstein, Mecklenburg, Vorpommern), Niemann, Grote (Groth), Möller, Schütte u. a.,[88] ebenso in den von Ortsnamen entlehnten auf -beck (st. -bach), -husen (st. -hausen). Selbst der ursprüngliche niederdeutsche Name von Salzwedel: Soltwedel, als Ortsbezeichnung längst verhochdeutscht, hat sich noch als Familienname erhalten.

Dazu treten die Verkleinerungen auf -ke (Lüdicke, Lemke, Wilke, Jahnke), welche hier so recht ihre Heimat und Geburtsstätte haben.

Doch überwiegt das Niederdeutsche hier im Osten, von Holstein und Mecklenburg abgesehen, nicht so wie im Westen. Es ist gerade in den Namen nicht mit solcher Entschiedenheit festgehalten worden; der Übergang in das Hochdeutsche ist merklich weiter vorgeschritten. Als ein auffallender Beweis bietet sich der Name Schulz, der in Westfalen meist noch Schulte lautet (auch in Mecklenburg häufig Schult), während dies in Brandenburg und Pommern eine seltene Form ist.

Anderseits sind entschieden hochdeutsche Formen hier nicht selten, namentlich die Deminutivbildungen mit z und l, wie Barz, Kunze, Wetzel, Neitzel, zu denen Zwitterformen wie Neitzke den Übergang bilden.

Solche Namen auch in der Landbevölkerung weisen wohl darauf hin, daß die deutsche Einwanderung in diese dem Slawentum allmählich wieder abgewonnenen Gaue, wenn auch überwiegend aus Niederdeutschland, doch teilweis auch aus oberdeutschem Sprachgebiet erfolgt ist.

Patronymische Bildungen, die in Ostholstein noch beinahe 20 v. H., in Mecklenburg aber nicht mehr 10 v. H. betragen, verschwinden weiterhin fast ganz.

Von der schwedischen Herrschaft sind einige Familien, besonders in Neuvorpommern, welches bis 1815 schwedisch war, sitzen geblieben. Doch sind diese „alten Schweden“ schon sehr dünn geworden; in einem Kataster der Stadt Stralsund vom Jahre 1844 (Verzeichnis der Hauseigentümer) fanden sich nur noch acht unzweifelhaft daher stammende Namen, wie: Sjöborg, Wallengreen, Weström.

Nun aber ist die wendische Beimischung festzustellen. Daß in diesen Landschaften außerordentlich viel wendische Ortsbezeichnungen auch nach der Rückgermanisierung in meist wenig veränderter Form stehen geblieben sind, ist schon in der Einleitung angemerkt worden (Genaueres darüber in Beilage 3). Dies beeinflußt nun auch die Familiennamen, welche ja zum guten Teile einfach übertragene Ortsnamen sind. Unter ihnen schlagen vor die auf ow, demnächst die auf in (betont) und witz, wie: Bütow, Grabow; Leppin, Ladenthin, Pentzien; Bublitz, Gerwitz.[89]

Neben diesen halbschlechtigen Namen, die, auf dem linken Elbufer (Altmark), auch noch in Ostholstein vereinzelt, auf dem rechten sich bis zu 10, ja in Pommern in manchen Kreisen fast bis zu 20 v. H. steigern, treten nun, zuerst in der Priegnitz, vollgültige wendische Personennamen auf, als da sind: Noack, Mitzlaff, Petrick, Nimz, Pechek.[90]

Doch bleiben auch hier die deutschen Namen ganz überwiegend in der Mehrheit, derart, daß, alles zusammengerechnet, die wendischen kaum irgendwo ein Drittel der gesamten Zahl erreichen.

Ihre Zahl wächst allerdings überall nach der slawischen Sprachgrenze hin, so in Brandenburg nach der Niederlausitz, in Pommern nach der Kassubei hin. In Pommern bezeichnet der Küstenfluß Lupow etwa die Grenze, hinter welcher erst das Übergewicht der slawischen Namengebung hervortritt. Wunderlich klingende Gebilde wie Gromoll, Pigorsch, Piotraschke, Quardux beherrschen hier das Gebiet, während südöstlich, hinter Bütow, die sich vordrängenden -ski an die Nähe der polnischen Sprachgrenze gemahnen.

Überspringen wir die Kassubei, so kommen wir zu dem schönen deutschen Stücke zwischen den beiden Angelpunkten Danzig und Königsberg. Hier an der nördlichen Ostmark deutschen Wesens, wo drei Sprachen: deutsch, slawisch (in Masuren), littauisch zusammentreffen, zeigt sich eine sehr bunte Mischung auch im Bereiche der Familiennamen. Die Grenze gegen diese beiden Sprachen ist im vorigen Kapitel angegeben; aber auch in den verbleibenden deutschen Teil sind häufig slawische und littauische Namen (s. Beilage 3) eingesprengt. Doch können diese weniger auffallen, als eine eigentümliche Klasse unter den deutschen Namen, nämlich die mit entschieden süddeutschem Gepräge wie: Fischöder, Scharfetter, Rohrmoser, Obersperger. Diese Namen, welche auf Österreich (und Bayern) hinweisen, sind durch die 1724 aufgenommenen Salzburger hierher verpflanzt.

b) Oberdeutschland.

Südwest.

Südlich der Linie, die von Bonn am Rhein über den Harz bis zur Nordgrenze der Niederlausitz (Lübben) geht, beginnt das oberdeutsche Gebiet. Dieses kennzeichnet sich im Bereich der Familiennamen zunächst durch den Wegfall des eigentümlich Niederdeutschen in Lautverhältnissen und Wortformen. Namentlich gilt dies auch von den Bildungselementen der Verkleinerungsformen: an Stelle des k (g, j) tritt l in seinen mannigfaltigen Gestaltungen (s. Seite 33) und z.[91]

Beginnen wir am Rhein, mit der preußischen Rheinprovinz, so handelt es sich besonders um die Regierungsbezirke Koblenz und Trier.

Die genetivischen Namen, welche in dem nördlichen linksrheinischen Teile dieser Provinz überwogen (Henrichs, Reichartz, Caspers, Eckes, Hoppen), bilden auch hier im Nordwesten (Kr. Daun, Prüm) fast noch die Hälfte der Familiennamen, sie nehmen aber je weiter nach Osten und Süden desto mehr ab, bis sie in den Kreisen Saarbrücken und St. Wendel sowie Altenkirchen (auf dem rechten Ufer) nahezu verschwinden.

Das bisherige Verkleinerungssuffix k (Hünnekes, Wilkens, Klömpges, Nüßgen, Büschgens) weicht den l und z (Eckel, ThielHeinz, Lutz), die hier zum erstenmal im Westen erscheinen.

Was die von Ortsnamen stammenden Familiennamen betrifft, so treten -ich (nich), -rath, -scheid zurück, besonders südlich der Mosel. Statt -rath erscheint auf dem rechten Rheinufer (schon im Regierungsbezirke Köln) -roth (Wilmeroth), welches bis zur Ostgrenze von Thüringen hindurchgeht.

Wichtiger aber ist, daß die Ortsnamen, um Familiennamen zu werden, nunmehr häufig die Endung -er annehmen: -bacher, -burger, -heimer, -inger, z. B. Morschbacher, Straßburger, Weinsheimer, Dillinger — mit Umlaut: -becher, -häuser, -thäler: Dörrenbecher, Oppenhäuser, Lichtenthäler.

Die Nähe der französischen Sprachgrenze (Kr. Malmedy) verrät sich in Namen wie Dieudonné, Dollibois u. a.[92]

Überschreiten wir den Rhein ostwärts, so finden wir in dem Nassauischen (Regb. Wiesbaden) den allgemein oberdeutschen Charakter, ohne stark hervortretende Besonderheiten. Derselbe setzt sich auch in Hessen und Thüringen fort, so daß wir diese Landschaften bis zur Saale hier zusammenfassen können.

Genetivische Namen können hier kaum noch in Betracht kommen; sie bilden schon im Nassauischen nur etwa 2 v. H. und verlieren sich weiter nach Osten so gut wie ganz. Dagegen gehen die Patronymika auf ing, wenn auch in geringem Hundertsatz, durch bis zur Saale.

Verkleinerungsformen werden auf -el gebildet (bisweilen in Thüringen verstärkt durch n: -lein, z. B. Gäbelein) und auf z, für welches letztere mitunter das vergröberte tsch eintritt: Fritsch, Götsch neben Fritze, Götze. Da jedoch die Dialektgrenze nicht fern ist und diese Scheidelinie sogar durch das ehemalige Kurfürstentum geht, somit ein, wenn auch nur kleiner Teil desselben (Kr. Hofgeismar, Wolfhagen) in den Bereich des Niederdeutschen fällt, so ist es nicht verwunderlich, daß auch südlich von dieser Linie niederdeutsche Formen öfters begegnen, besonders in Hessen und Thüringen: Gerke, Hennicke, Meinecke, Fricke.

Von den Handwerksnamen sind am häufigsten Schmidt und Müller nebst einigen Zusammensetzungen und in den Hannover benachbarten Landschaften Meyer, einfach und in Zusammensetzungen, Schulz dagegen findet sich nur sehr vereinzelt. Auch in dieser Klasse zeigen sich niederdeutsche Formen, so auffallend häufig in Hessen Möller neben Müller.

Die Ortsnamen werden überwiegend ohne Ableitungsendung übertragen: Lauterbach (bach hier das häufigste Grundwort), Henneberg, Sonnefeld usw., dabei wird -rode meist in -roth gekürzt (Germeroth), auch in -rott (Ascherott), ähnlich das eigentümlich thüringisch-sächsische -leben (Hallensleben) häufig in -leb: Rinkleb, Witzleb. Viel seltener (in Nassau etwa ⅓ in Hessen und im nördlichen Thüringen noch weit weniger zahlreich) sind die Ableitungen auf -er: Reichenbächer, Dillenburger, Henneberger, Saalfelder, Staudinger, Herchenröder.

Die Annäherung an die ehemals slawische Ostgrenze macht sich bemerklich in Bildungen wie Stiebritz, LöbnitzGölitzer.

Gehen wir wieder zurück an den Rhein, um nach dem eigentlichen Süddeutschland — südlich vom Main — zu gelangen!

Dieser Übergang markiert sich in Hessen-Darmstadt (Starkenburg, Rheinhessen) durch das Auftreten des ai, ay (statt ei): Hainz, Mayer neben Meyer, sodann dadurch, daß die Ableitungen auf -er von Ortsnamen gegenüber den einfach übertragenen Ortsnamen häufiger werden und letzteren nunmehr schon das Gleichgewicht halten.

In Baden tritt auf dem Gebiete der Schmeichelformen das z (vergröbert tsch: Fritz, DietzFritsch, Dietsche, Bertsch) entschieden in den Hintergrund gegen das andere Suffix l. Dieses nimmt hier die eigentümliche Form -le an, welche im Unterrheinkreis (auf fränkischem Boden) noch gegen -el zurückstehend, je weiter nach Süden desto mehr an Zahl wächst, so daß südlich von der Murg (auf alemannischem Boden), namentlich aber im Seekreise die Merkle und Bürkle, die Enderle und Eberle eine fast unbestrittene Alleinherrschaft üben. Selbst Namen der dritten Schicht müssen sich dieser Herrschaft fügen: Kränzle, Drechsle (statt Drechsel = Drechsler), Sütterle (von Sutter, Schuhmacher). Nur im Oberrheinkreise tritt daneben ziemlich häufig -lin auf: Bürklin, Brendlin, Sütterlin, wie dieses auch auf der andern Seite des Rheines, im Elsaß, nicht selten ist, man denke an Oberlin, Köchlin. Nach der Schweiz weisen einige Formen auf i wie Erni, Bläsi, Rudy (bisweilen verstärkt durch n: Lüttin, Wältin, Willin). Unter den Vollnamen sind eigentümlich einzelne Verkürzungen des -hart in -et wie Bernet, Ehret, Werneth.

Unter den von Örtern entlehnten Familiennamen gewinnen die Ableitungen auf -er nunmehr schon im Unterrheinkreis die Oberhand und verdrängen weiter nach Süden die einfache Übertragung der Ortsnamen fast vollständig. Den Reigen führt -inger: Götzinger, Hottinger, Zähringer, demnächst -berger. Beide zusammen bilden ⅔ aller bezüglichen Namen. Während -ingen und -berg abgesehen von Adelsnamen wohl immer umbiegen, verhält sich -bach wie auch sonst auffallend spröde dagegen und bildet nur in der Minderzahl der Fälle weiter: -bacher seltner -becher.

Wie hieraus hervorgeht, schwankt der Umlaut; so auch in -hauser und -häuser, -hofer und -höfer; doch herrschen im allgemeinen in dieser Klasse die nicht umgelauteten Formen vor, wie auch unter den Namen, welche von der Beschäftigung hergenommen sind, Kammerer und Kuster (Kusterer) und Kohler auffallen.

Ähnliche Verhältnisse wie im Badischen herrschen wesentlich in Württemberg mit Einschluß von Hohenzollern. Auch hier überwiegt als Verkleinerungsf. -le. Schon im Nordosten, im Jagstkreise (auf fränkischem Boden) mindestens die Hälfte der Verkleinerungsformen mit dem Kern l bildend, füllt es im südlichen Württemberg (auf schwäbisch-alemannischem Boden) über 75 v. H. Schier endlos ist die Reihe dieser Schmelzle und Schwämmle, Bäuerle und Mayerle, Endele und Bendele, Dägele, Hägele, Nägele, Wegele. Daneben kommt nur noch -el einigermaßen in Betracht (Denzel, Immel), da -lin (Hölderlin), -len (Enßlen) und -lein (Merklein) nur vereinzelt auftreten. Hingegen gehen die Verkleinerungen auf z in mäßiger Zahl durch alle Kreise, ohne die badische Vergröberung in tsch.

Patronymika auf -ing (Schilling, Gehring, Scheuring) sind hier häufiger als im Badischen. Unter den von der Beschäftigung entlehnten Namen sind besonders häufig Müller und Maier (Mayer — immer mit a), beide, namentlich letzterer auch in vielfachen Zusammensetzungen wie: Steinmaier, Burkardsmaier, Katzenmaier, Stegmayer. Ihnen ziemlich gleich an Zahl kommen Schmid[93] und Schneider, die aber die Zusammensetzungen fast ganz entbehren.

Eigentümlich süddeutsche Handwerks- und Amtsbezeichnungen sind: Beck (in Baden meist noch Becker), auch in Zusammensetzungen wie Brodbeck, Pfister, und Pfisterer (aus lat. pistor), Sautter (aus lat. sutor), HafnerForstner, Sigrist.

Was die Lokalia betrifft, so herrschen wie in Baden die Ableitungen auf -er von der Tauber bis zum Bodensee ganz entschieden vor. Unter ihnen stehen, entsprechend der großen Zahl württembergischer Ortsnamen auf -ingen, die -inger obenan: Breitinger, Griesinger, Junginger, Sickinger. Als eigentümlich süddeutsche Formen (auf alemannisch-schwäbischem Boden) schließen sich an: Allgöwer, Ettwanger, Beißwänger, Winterhalter, Dannegger, Moosbrugger, Sonnenmoser, Bogenrieder.

In lautlicher Hinsicht ist anzumerken, daß häufig ai für ei eintritt: Aichele, Sailer, Stainer, Schnaithmann, wie dieses ai sich auch schon in den Ortsnamen bemerklich macht (Waiblingen, Spaichingen, Crailsheim u. a.) — sodann hin und wieder uo statt u: Ruof, Schraishuon. Konsonantisch fällt eine gewisse Einfachheit der Schreibung auf. Ganz entgegen der sonstigen Orthographie der Familiennamen, die mit Vorliebe soviel Buchstaben als möglich setzt, stimmt hier die Schreibung im allgemeinen mit den gewöhnlichen Regeln überein und enthält sich besonders der unnötigen Häufungen ck, tz, dt, ll.[94]

Südost.

Das thüringisch-sächsische Gepräge der Familiennamen setzt sich auch noch östlich der Saale in den dorthin sich erstreckenden Teilen der preußischen Provinz Sachsen (den Kr. Delitzsch, Bitterfeld, Torgau, Schweinitz, Liebenwerda) sowie in dem Königreich Sachsen im allgemeinen fort.

Die häufigste Verkleinerungsendung ist -el in Namen wie Göthel, Hähnel, Neydel, Seidel, Siegel, Weigel; Barthel, Jäckel. Den oberdeutschen Formen auf l und z (häufig vergröbert tsch) tritt in den nördlichen Gegenden ziemlich oft das niederdeutsche k zur Seite; so finden sich nebeneinander Heinze und Heinecke, Dietze und Diecke. In den südlichen Landschaften (dem Königreich Sachsen) tritt an Stelle des ke (-icke) das mehr hochdeutsche -ig (-ich): Heinig (Heinich), Theurig, Uhlig, Gerbig.

Ableitungen auf -er von Ortsnamen (Straßberger, Schönfelder, Clausnitzer) treten hier zurück, mit Ausnahme der nicht seltenen zweisilbigen, wie Berger, Langer (von Ortsnamen Berg, Lang), Birkner, Jeßner, Klingner, Ließner, Lindner, Meißner, Ölsner (von Ortsnamen auf -en: Birken, Jessen usw.).

Durch das Zusammentreffen von Oberdeutsch und Slawisch werden in Namensformen (deutschen wie auch slawischen Ursprungs) harte Zischlautverbindungen erzeugt: zsch, tzsch, nicht allein im Auslaut: Fritzsche, Klotzsch, Pietzsch, Roitzsch, sondern (im Königreich Sachsen) auch im Anlaut: Zschweigert, Zschinsky, Tschucke.

Überhaupt blickt der slawische Untergrund, wenn auch die deutschen Namen, von der Lausitz abgesehen, ganz bedeutend überwiegen, doch noch hie und da durch in Namen wie Gaudlitz, Muschwitz (von den entsprechenden Ortsnamen), Nowak, Noack (= Neumann), Schunak, Hannusch.

Die südlichen Kreise des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O., die den größten Teil der Lausitz mit ihrer urspr. sorben-wendischen Bevölkerung in sich schließen, haben zwar ebenfalls die deutschen Verkleinerungsformen auf l und z (tsch), doch häufiger das aus zwei Quellen (niederdeutsch und wendisch) fließende Suffix k: Janke, Paulke, Hannuske, Dammaschk, Scholtka, Hanko. Bisweilen sind l oder z mit k in deutschen Zwitterformen wie Henkel, Kunzke vereinigt.

Ortsnamen werden fast immer unmittelbar übertragen: Goldbach, Hanstein, WollenbergUkrow, Schillow, Matzkow, Dubrau; -ow und daraus verdeutscht -au (wie in den Städtenamen Kalau, Luckau, Sorau usw.) sind hier die gewöhnlichen Endungen slawischer Ortsnamen. Das Wendische tritt natürlich stark hervor, bis zu 40 v. H. und drüber, in Gebilden wie (außer den schon erwähnten): Kuba, Koalick, Mudrak, Woitschach, Natusch, Nawotnik.

Eine ebenfalls starke wendische Beimischung zeigt die Oberlausitz, am stärksten im Kreis Hoyerswerda. Im übrigen leitet die Oberlausitz (wie auch schon Sachsen) durch das Vorschlagen der Verkleinerungsform -el und die Ableitungen auf -er von Ortsnamen, wie Elsner, Wiesner, nach Schlesien hinüber.

Da Schlesien wie eine langgestreckte Halbinsel in das slawische Sprachmeer, zwischen Tschechenland und Polen, hinausragt, so ist es natürlich, daß fast überall slawische Elemente auch in den Familiennamen hervortreten. Im Innern der Provinz ist dies freilich nur in geringem Maße der Fall, in desto größerem aber an den Rändern, besonders im Osten, wo Preußisch-Schlesien unmittelbar an das Polnische (in Posen und Russisch-Polen) und im Südosten, wo es an das sogenannte Wasserpolnische (in Oberschlesien) stößt, während im Westen noch ein Streifen deutscher Bevölkerung (in Österreich) vorgelagert ist. Am stärksten ist diese slawische Beimischung in der Ecke zwischen dem Posenschen (Rawitsch) und Oberschlesien (Kreuzburg), besonders in den Kreisen Namslau und Wartenberg,[95] wo die -ek (Adamek) und -ak (Stepaniak), die -owski und -inski usw. 40–50 v. H. ausmachen. Dagegen ist in den oberschlesischen sprachlichen Grenzkreisen Leobschütz, Neustadt, Falkenberg, Neiße, Grottkau nur etwa ⅕ der Familiennamen slawisch.[96] In der deutschen Namengebung fehlen die Patronymika (Genetiv, Ableitungen auf -ing, Zusammensetzungen auf -sen). Von den Verkleinerungsendungen ist -ke wohl meist dem Slawischen zuzuweisen, z begegnet fast nur in den bekannten „Hinz und Kunz“ (Heinze und Kunze), häufiger in den breiteren Form tsch: Bartsch, Fritsch, Nitsche — bisweilen sch: Kunsch — mit k verbunden: Nitschke. Obenan steht jedoch wie in Sachsen -el: Göbel, Menzel, Riedel, Seydel, Thiel (aus Thiedel) — Hensel, JäckelHentschel.

Ortsnamen werden meist einfach übertragen: Steinberg, Kunzendorf, Süßenbach, Baumgart, wobei -berg, -dorf, -bach voranstehen, während die urspr. slawischen Ortsnamen überwiegend auf -witz und -itz endigen: Plagwitz, Nittritz. Doch wird die Endung -er an Ortsnamen auf -berg häufig gehängt: Grünberger, Riesenberger, Rosenberger, und einsilbige Ortsnamen erfahren gewöhnlich diese Verlängerung: Brieger, Glatzer. Ganz besonders aber sind zweisilbige Ortsnamen auf -en anscheinend immer nur in dieser Weiterbildung verwendet, so daß sich hieraus eine lange Reihe solcher Familiennamen ergibt: Elsner, Ilgner, Kösner, Kutzner, Klingner, Langner, Lindner, Moschner, Wiedner, Wiesner von den Ortsnamen Elsen, Ilgen, Kösen usw.

Unter den von Amt und Handwerk entlehnten Namen sind als eigentümlich schlesisch hervorzuheben: Scholz (vgl. auch „Erbscholtisei“ — slawisch Woita = Vogt) und Kretschmer vom slaw. Kretscham (Dorfkrug).