Wir brauchen einen vollen Tag zu dieser Reise, wenn wir von Hirniskretschen nach Schandau zurück kehren wollen, und müssen sie, den kurzen Weg bis zu Heidemühle im Kirnitschthale abgerechnet, in der angenommenen Richtung ganz zu Fuße machen. Wer bis zum Kuhstall fahren will, wählt die Straße über Altendorf, Mittelndorf und Lichtenhain, wo ein Weg zur Lichtenhainer Mühle abwärts, und dann der Münzweg bis zum Eingange der Felsenhalle führt.
Wir treten gleich hinter den Gebäuden des Bades in das Thal, und wandern auf dem linken Ufer der Kirnitsch, die uns entgegen rauscht. Das Thal wird bei jedem Schritte reizender. Rechts schließen es die hohen Ostrauwände ein, über deren waldige Felsengipfel einige Häuser des Dorfes Ostrau herabsehen. Links begränzt den Weg die felsige Uferwand, über deren Höhe sich die eben erwähnte Straße nach Lichtenhain zieht. Während der Fahrweg im Thale bis zur Heidemühle fort läuft, führt uns der Fußpfad bald über einen Steg auf das jenseitige Ufer, wo wir die Gränze zwischen dem Sandstein und dem links von der Höhe herab einfallenden Granit bemerken, der wahrscheinlich weit in die Tiefe unter dem Sandstein einschießt. Wir wandern auf einem Wiesenpfade, bis wir bei den waldigen Umgebungen der Ostraumühle wieder auf das rechte Ufer des Baches kommen. Die Mittelndorfer Mühle, wo man Bewirthung und im Nothfall ein Nachtlager findet, umgibt ein Kranz von Obstbäumen, unter dem Schatten des dunklen Waldes. Unweit dieser Mühle läuft der Weg an dem Stollen eines Kupferbergwerks hin, das der neue Segen Gottes hieß, um die Zeit des siebenjährigen Krieges aber in Verfall gerieth, und auch nach einem spätern Versuche zu einem neuen Bau ganz aufgegeben wurde. Wald und Wiesen laufen am linken Ufer des Baches fort, während am jenseitigen eine nackte Granitwand sich erhebt, bis bald auch hier wieder Sandsteinfelsen vorspringen. Jenseit des Baches öffnen sich die kahlen Felsenwände der Kroatenschlüchte, und bald kommen wir um eine vorspringende Felsenwand in ein breites heiteres Wiesenthal, das ein üppiger Wald umgibt, aus welchem graue Sandsteinfelsen hervor blicken. Die höher emporragenden Felsen, von Fichten und Tannen gekrönt, drängen sich bald wieder an die Wiesenufer des Baches, aber die Thätigkeit in den Steinbrüchen auf beiden Seiten, wo der Naturforscher viele Muschelversteinerungen findet, belebt die Landschaft.
An der linken Bergwand sehen wir bald einen Waldbach, das Beuthenwasser, herab eilen, der zwischen dicht beschatteten Felsenblöcken einen Fall bildet, und uns vielleicht anlockt, in der Schlucht hinauf zu gehen, die uns nach Lichtenhain bringt. Dem Falle gegenüber führt ein Steg über den Bach in den Dietrichsgrund, der zwischen hohen Felsenwänden zum kleinen Winterberge sich zieht, und aus welchem südlich die nassen Schlüchte zu den beiden Speichenhörnern laufen.
Ohne uns zu diesen Abschweifungen verlocken zu lassen, setzen wir die Wanderung im Kirnitschthale fort, wo links am Wege eine Höhle, durch welche wir gehen können, die Metze genannt wird. Wir kommen nach wenigen Schritten zu der anmuthigen Heidemühle. Wer in dieser Mühle, der letzten, die wir auf unserm Wege finden, und die uns mit wohlschmeckender Milch bewirthet, ausruhen will, kann die, eine Viertelstunde von hier entfernte Höhle am Wildenstein besuchen, und geht dann vielleicht durch den Habichtsgrund auf den Kuhstall.
Von der Heidemühle führt der Weg wieder auf das jenseitige Ufer und steigt dann am vorspringenden Felsen aufwärts, bis wir zum Fall des Lichtenhainer Baches kommen, der bei einer Grotte, der hohle Stein genannt, zwischen hohen, von Flechten, Moosen und andern Pflanzen mahlerisch bekleideten Felsenwänden herab stürzt, und dann über Wiesen zur Kirnitsch rinnt.
Unweit der Grotte fällt ein Fußpfad herab, der von Lichtenhain zum Kuhstall führt. Wer von Schandau zum Kleinstein und Arnstein geht, verfolgt hier den Weg aufwärts an der Kirnitsch, die ihn zur Lichtenhainer Mühle bringt. Wir werden künftig auf diesen Weg zurück kommen, und gehen jetzt auf das linke Ufer der Kirnitsch hinüber, wo wir am Abhange des Berges ansteigend, auf den oben erwähnten Münzweg kommen, der in einen, um den Fuß des Hausberges sich ziehenden Weg in den großen Zschand fällt. An der Münze, wo die gleichnahmige Pflanze häufig wild wächst, bietet uns der Münzborn ein treffliches Quellwasser, und wir ersteigen dann auf einem Pfade, den ein Geländer bequemer macht, den Hausberg. Ein auf beiden Seiten von Nadelholz eingefaßter Weg öffnet sich uns, und bald ragt die prächtige Felsenhalle, der
empor, durch dessen weiten Bogen eine waldige Felsenlandschaft schaut. Gebüsch und Farrenkraut umgrünen das, 20 Fuß hohe und 28 Fuß breite Eingangsthor. Das Innere der Halle wölbt sich weiter und höher; an der jenseitigen Oeffnung aber, die 80 Fuß hoch und 70 Fuß breit ist, steigt die schroffe Wand aus einer tiefen waldigen Felsenschlucht empor, über welche die zackigen Gipfel des kleinen Winterbergs hervor ragen. Die merkwürdige Bildung dieser Felsenhalle ist ohne Zweifel das Werk der Naturgewalt; ob aber hier, wie man vermuthet hat, die Burg Neu-Wildenstein gestanden, ist sehr ungewiß, da sich selbst das Dasein dieser Burg keineswegs erweisen läßt. Während der Schrecknisse des dreißigjährigen Krieges, die seit dem Jahre 1631 über ein Jahrzehend lang diese Gegend verheerten,[4] war das ganze Felsengebiet oberhalb Schandau bis an die böhmische Gränze oft der Zufluchtort der vertriebenen Bewohner, und wie die Ueberlieferung erzählt, erhielt die Halle, wo das gerettete Vieh Sicherheit fand, in jener Zeit ihren Nahmen.
Aus der innern Wölbung treten wir links in einen Gang, wo uns ein schmaler Weg um die schroffe Wand des Felsens führt. Große Falze, die wir hier im Felsen erkennen, scheinen Spuren alter Bevestigungen zu sein, wenn auch nicht aus frühern Zeiten, doch aus der Zeit, wo die Halle Zufluchtort war. Links trennt die Felsenwand ein enger Spalt, der Weg, der auf den Gipfel des Felsens führt. Nicht weit von hier öffnet sich eine Höhle, woran ein Felsengewölbe stößt, welches das Wochenbett heißt, weil hier in der Kriegszeit unglückliche Mütter geboren haben sollen.
Der früher sehr beschwerliche Weg durch die enge Felsenschlucht ist seit mehren Jahren durch Balkenstufen bequem gemacht worden, und nach kurzer Anstrengung haben wir den Gipfel erstiegen, der 965 Par. Fuß über dem Meere und 615 Par. Fuß über dem Elbspiegel bei Dresden liegt. Wir finden hier ein verfallenes Wasserbehältniß, einen Keller und andere Spuren ehemaliger Bewohnung. Diese Zeugnisse früherer Ansiedelung scheinen auch durch einige Groschen aus dem 14ten Jahrhunderte, die man vor mehren Jahren auf dem Gipfel ausgrub, bestätigt zu werden.
Haben wir von diesem Standpunkte das umliegende Felsengebiet überschaut, so kehren wir nicht durch den Spalt, sondern auf einem, in neuern Zeiten bequemer gemachten Weg durch eine westliche Schlucht zurück, der uns zu andern Felsengewölben und zu günstigen Standpunkten führt. Wir gehen auf einer Felsenbank bis an den Rand des Abgrundes, wo zwischen den hohen Wänden eine schöne Ferne durchblickt, die uns den Lilienstein, die Bärsteine und den Pfaffenstein zeigt. Eine tiefe Schlucht trennt den Kuhstall von einem andern hohen Felsen, wo wir eine Oeffnung mit einer angemahlten Schere erblicken, die das Schneiderloch genannt wird, wie die Sage erzählt, vor Zeiten die Zuflucht eines geächteten Räubers. Wir verweilen hier einige Augenblicke, um ein starkes, vielfach nachhallendes Echo zu hören. In einer ähnlichen Höhle, nicht weit davon, die das Pfaffenloch heißt, fand, wie die Sage will, im 15ten Jahrhundert ein Priester aus Lichtenhain Schutz gegen die Verfolgungen seiner hussitisch gesinnten Gemeine, bis man ihn entdeckte, und in die nahe Kluft, die noch jetzt Pfaffenklunst heißt, hinab stürzte. Am Rande dieser tiefen Kluft verweilen wir einige Augenblicke, den Anblick der Landschaft zu genießen, die sich hier vor unsern Augen ausbreitet. Auf dem Rückwege finden wir einen vorspringenden Felsen, welcher die Kanzel heißt, weil man hier im dreißigjährigen Kriege gepredigt haben soll. Ein bequemer Pfad führt uns bald zum Eingange der Halle.
Links vom Eingange senkt sich ein steiler, durch Stufen bequem gemachter Weg in eine Schlucht, die in den Habichtsgrund führt. Wir verweilen an einer klaren Quelle und blicken zum Kuhstallfelsen hinauf, der hier, über 700 Fuß hoch, prächtig sich erhebt. Links aber wendet sich der Weg, der über das Reinertshau zum Arnstein und Kleinstein bringt, und den wir später beschreiben werden. Wir folgen dem rechts laufenden Pfade und in einer Viertelstunde liegt der
vor uns. Vom Fuße des Berges steigen wir nun auf einem, in neuern Zeiten bequem gemachten Wege, der im Zickzack auf die steile Felsenkuppe führt, durch Nadelholzwaldung aufwärts und auf einigen Ruhesitzen, die für den Wanderer hier angebracht wurden, genießen wir schöne Aussichten auf die entfernten Felsen. Der mit Basalttrümmern besäete Weg führt uns zu dem Winterhause, das auf einem Felsenvorsprunge unter dem Gipfel liegt, und seine ursprüngliche Entstehung einem Jagdabenteuer verdankte. Kurfürst August von Sachsen, von seinem Sohne Christian begleitet, verfolgte im Jahre 1553 einen mächtigen Hirsch bis auf die steilste Kuppe. Er stand hier auf einem schmalen Felsenpfade am Rande des Abgrundes, und über ihm, auf der höheren Wand, der von Hunden gehetzte Hirsch, im Begriff auf den Fürsten herab zu springen. Mit den Worten: „Entweder treff’ ich dich, oder du bringst mich um“ er legte an, und der glückliche Schuß stürzte den Hirsch in die Tiefe. Sein Sohn ließ späterhin zum Andenken dieser Rettung einen, seit längerer Zeit herab gestürzten Denkstein errichten, und auf der, 30 Fuß höhern Felsenfläche ein Jagdhaus erbauen, auf dessen Dach man das Geweih des erlegten Hirsches setzte. Auf der Stelle des verfallenen alten Gebäudes wurde 1818 ein neues errichtet, wo über dem Eingange von außen eine lateinische, inwendig eine teutsche Inschrift an das Jagdabenteuer erinnert. Die Aussicht aus den Fenstern des Hauses ist so reich und weit, daß wir einige Augenblicke hier ausruhen, ehe wir den Gipfel vollends ersteigen, der nach neuern Messungen 1556 Par. Fuß über dem Meere liegt. In südlicher Richtung setzen wir unsern Weg fort, der erst über Basaltstücke sanft ansteigt, und dann ebener durch schattige Pflanzungen fortläuft, bis wir endlich unter die hohen Buchen treten, die der
auf seinem Rücken trägt. Der Weg zieht sich bis zu dieser Waldhöhe über üppige Wiesen, die von Quellen getränkt werden, unter welchen eine, die am südlichen Abhange entspringt, dem Wanderer die angenehmste Erquickung spendet. Auf der offnen Kuppe, die nach neuern Messungen 1416 Par. Fuß über der Elbfläche bei Dresden, oder 1766 Par. Fuß über dem Meere liegt, stehen nur noch an der östlichen Seite Ueberreste der Buchen, die einst den ganzen Gipfel beschatteten. Eine Landschaft von unbeschreiblicher Herrlichkeit liegt hier vor unsern Blicken, aber besonders reich ist die Aussicht gegen Süden und Südost nach Böhmen, dessen Gränze am Fuße des Berges hinläuft. Gegen Abend senkt sich der Bergabhang in einen tiefen waldigen Abgrund, wo die Elbe zwischen Felsenwänden hervorbricht, um ihren Lauf durch ein fröhlich geschmücktes Gelände fortzusetzen, das rechts, vom Fuße des Winterberges an, die mächtigen Goskenwände, der Reischenstein und die Schrammsteine begränzen. Dringt der Blick in die Ferne, so wird der Gesichtskreis gegen Mitternacht vom Falkenberge, den Gebirgen bei Arnsdorf und Wilthen und dem Augustusberge bei Königsbrück geschlossen. Ueber Hohnstein ragen bei heiterm Himmel die Zinnen des Schlosses Moritzburg hervor. Gegen Nordwest verfolgen wir den Lauf der Elbe über Pillnitz bis Dresden, und sehen die Höhen um Meißen hervor ragen, über welchen der Colmberg bei Oschatz, 11 Meilen von unserm Standpunkte, in blauer Ferne dämmert. Ueber die Felsengestalten auf dem jenseitigen Ufer des Stromes sehen wir links vom Nonnenstein die Höhen bei Kesselsdorf und die Berge um Tharand. Hinter Königstein blickt der Tharander Wald hervor, an welchen sich hinter Maxen die Gebirge bei Kreischa schließen, bis der Luchberg den Gesichtskreis begränzt. Der Geißingberg bei Altenberg sieht über die Kuppelberge herab; über den nahen Zschirnstein ragt der Kahlenberg, und über den Kahlstein der Sattelberg hervor. Vom Schneeberg, der sich links vom Sattelberge erhebt, zieht sich nach Süden und Südost eine Gebirgskette, in welcher die Paszokopole, der Donnersberg bei Bilin, der Hasenberg über Theresienstadt, der Göltsch bei Ausche, der Gräber, welcher hinter dem nahen Rosenberg hervor blickt, und der Forstberg mit dem Schlosse Kemnitz sich auszeichnen. Südöstlich erhebt sich der Kaltenberg, und über dem Rücken des Kreybitzer Gebirges der Kleisberg bei Zwickau in Böhmen, der Falkenberg bei Gabel, und in blauer Ferne der Jeschkenberg im Bunzlauer Kreise. Der Tollenstein, der Nesselberg und die Lausche ragen gegen Nordosten hervor und links blickt über einen waldigen Bergrücken der Spitzberg bei Oderwitz. Im Nebel der Ferne endlich dämmert ein Theil des Riesengebirges. Die längste Durchschnittlinie des Kreises, den man hier überschaut, vom Riesengebirge bis zum Colmberg, hat man zu beinahe 24 Meilen gerechnet.
Die ganze Kuppe des Winterberges besteht aus Basalt, dessen schwarzgraue Massen in einem langen Rücken gegen Mitternacht zu Tage ausgehen. Auf mehren Seiten am Abhange des Berges, wie nach dem kleinen Winterberge, nach dem Zeughause im großen Zschand, und nach Hirniskretschen und Schmilka, liegt der Basalt in großen Haufen aufgethürmt. Häufig findet man ihn in Säulen, wie in dem gegen Mitternacht sich hinziehenden Rücken, die jedoch nicht die regelmäßige Gestalt des Basalts von Stolpen haben, meist 4 bis 6 Zoll stark und gewöhnlich fünfseitig sind. Er zeichnet sich durch starkes Polarisiren aus.
Auf dem Gipfel des Berges wurde vor einigen Jahren, als Obdach für Reisende, ein einfaches hölzernes Gebäude angelegt, wo während der Sommermonate ein Wirth wohnte. In den ersten Frühlingswochen des Jahres 1821 ward es boshaft in Brand gesteckt. Seitdem wurde es durch zwei schnell erbaute Hütten ersetzt, man ist aber jetzt im Begriff, ein neues steinernes Gebäude aufzuführen. Vielleicht wird dann auch der Wunsch erfüllt, auf der Brustlehne eines, oben um das Haus laufenden Altans eine Tafel zu finden, welche alle Punkte des reichen Rundgemähldes bezeichnete.
Wer die Reise zum Prebischthor, das eine Stunde vom Winterberge entfernt ist, nicht machen will, kann entweder durch das Heidelbeergründel, oder den steileren Heuweg nach Hirniskretschen, oder auf einem nähern Wege nach Schmilka hinab steigen, um in 2 Stunden nach Schandau zu kommen. Wer vom Winterberge zum Reischenstein wandern will, geht durch die Zwiesel und den Reischengrund. Ueber den Roßsteig, oder durch Richters Schlüchte (s. den IIten Abschnitt), kommen wir vom Winterberg in den großen Zschand.
Wir wenden uns von dem Standpunkt bei den, zu Tage ausgehenden Basaltmassen südöstlich. Der Fußpfad läuft durch den Wald an einer klaren Quelle vorbei, über die böhmische Gränze auf den Brand, eine Felsenfläche, wo einst ein Waldbrand wüthete. Wählen wir hier den rechts durch eine öde Schlucht sich hinziehenden Pfad, der mahlerischer ist, als der Weg über die nackte Fläche. Durch einen dunklen Wald kommen wir bald an den Jordan, wo sich links ein Seitenweg durch Heidelbeerkraut zu dem Rande des dunkeln Prebischgrundes wendet, der über 1200 Fuß hinab fällt. Aus der Tiefe erhebt sich, von der steilen Wand im Hintergrunde abgesondert, und mehre hundert Ellen hoch, ein ungeheurer Felsenkegel, der Prebischkegel, der oben rund zuläuft, nach der viereckigen Grundfläche hin, aber abnimmt. Wir kehren auf demselben Pfade zurück, und verfolgen den, vom Jordan rechts ablaufenden Hauptweg, der uns auf eine Felsenzunge führt, die links in den eben so tiefen Hirschgrund sich hinab senkt. Die gegenüber liegende Wand des Prebischgrundes, die Stimmersdorfer Wand genannt, trägt eine vom Hauptfelsen getrennte, einer Warte ähnliche Felsengestalt, das Prebischhorn. Wir überschauen von diesem Standpunkt eine reizende Landschaft, die sich jenseit des Prebischgrundes nach Böhmen bis zum Elbthale bei Tetschen zieht. Die böhmische Gebirge ragen in der Ferne bis zur Paszokopole empor.
Endlich treten wir aus dem Gebüsche auf den Rand des Abgrunds, und finden einen Standpunkt, wo wir die, 120 Fuß hohe und eben so breite Wölbung in der Felsenwand über die Tiefe hinaus ragen sehen. Es ist das
Ein bequem gemachter Weg führt uns auf die Decke der Wölbung, die ein 60 Fuß langer Schlußstein bildet. Wir sind hier 1402 Par. Fuß über dem Meere. Ueber den tiefen, waldigen Thorgrund blicken wir auf eine schöne Gebirglandschaft, die vom Kaltenberge anfängt und sich über die Gebirge bei Kreybitz, Hohenleipa und den Kamnitzer Schloßberg zum nahen Rosenberg fortzieht, an dessen Fuße ein herrlich angebautes Gelände sich ausbreitet, über dessen ansteigenden Hintergrund die Berge bei Aussig in blauer Ferne hervor ragen. Die Elbe zieht sich unsichtbar in der Tiefe durch ihr waldiges Felsenthal hinab. Auf ihrem linken Ufer sehen wir rechts den Kahlstein und den Zirkelstein, über welche der Zschirnstein hervor ragt, und von diesem steigt der Bergzug bis zum Schneeberg und zu dem Rücken des Erzgebirges.
Wir steigen zu der innern Wölbung des Thores hinab, und ruhen unter dem Felsenbogen, wo wir einen reizenden Abschnitt des von der Wölbung gesehenen Landschaftbildes überblicken. Auf einem jetzt minder beschwerlichen Pfade ersteigen wir die, der Wölbung gegenüber sich erhebende Felsenwand, das Böchhorn, wo wir das Thor von einem sehr günstigen Standpunkte betrachten.
Der Weg läuft nun anfänglich ziemlich steil abwärts durch das Harzgründel. Am Fuße des Berges wollen wir einige Augenblicke verweilen und in das prächtige Felsenamphitheater, das über himmelhohe Tannen sich erhebt, zurück sehen. Diese anziehende Stelle hat man die heiligen Hallen genannt. Nach einer halben Stunde kommen wir auf die, aus dem großen Zschand nach Hirniskretschen führende Straße. Nicht weit von hier öffnet sich links der Prebischgrund, wo wir, wenn Zeit zu einer Abschweifung von etwa fünf Viertelstunden übrig ist, das Prebischthor auf der Zinne der Thalwand, und den Prebischkegel sehen können.
Das vom Bielbach durchströmte Hauptthal, worin wir den Weg fortsetzen, heißt der Bielgrund, und unter freundlichen Landschaftbildern fortwandernd, kommen wir an den Kamnitzbach, der den Bielbach aufnimmt, und bald in das böhmische Gränzdorf
das sich vom Ausgange des Kamnitzthales nach dem Ufer der Elbe hinabzieht. Das Dorf, das lebhaften Holz- und Steinhandel treibt, liegt in der, dem Fürsten Clary gehörenden Herrschaft Binsdorf. Wollen wir länger hier verweilen, so wandern wir aufwärts am rechten Ufer der Elbe, und kommen in einer Viertelstunde zu dem Belvedere, einem Standpunkte, wo eine reizende Landschaft vor uns liegt.
Wir verlassen die Reisenden, die uns so weit begleitet haben, werden aber künftig zu ihnen zurück kehren, wenn wir, von Schandau aus, die östlichen Felsengebiete, oder die angränzenden Gegenden von Böhmen besuchen, und sie endlich hier abhohlen, um eine Wanderung auf das jenseitige Elbufer mit ihnen zu machen. Eine Gondel, die wir gewöhnlich hier finden, soll uns durch ein reizendes Uferland, das die Strahlen der sinkenden Sonne herrlich schmücken, nach Schandau zurück bringen.
[4] Mehr darüber in Götzingers Geschichte und Beschreibung des Amtes Hohnstein (Freiberg 1786) S. 233 ff.