Wie Frau Heilemann auf ihre Kosten kam

Es war eine schöne Stube, schöner als Laura in ihrem Leben noch eine gesehen hatte. Lauras Leben war noch nicht sehr lang, fünf Jahre dauerte es nun, dies hier war das sechste, das hatte aber kaum begonnen. Indessen hatte sie doch schon verschiedene Stuben gesehen. Sie saß auf einem hölzernen Kinderstühlchen und war eben daran, sich zu verwundern, wie das alles zugehe. Zuerst war etwas gewesen, schon lange – schon sehr lange, dachte Laura, etwas Helles, grüne Bäume waren dabei gewesen und ein Bach, über den Bach ging ein Brücklein, und Laura meinte, es sei etwas mit Enten vor sich gegangen, mit Enten, die unter der Brücke durchschwammen und schnatterten. Aber genau wußte sie das nicht mehr. Dann kam etwas, das war deutlicher, aber nicht so hübsch. Eine Giebelstunde mit einer schrägen Wand, und an dem einen Fenster die rasselnde Nähmaschine. Allerdings, an der Nähmaschine war immer die Mutter gesessen. Doch, es war auch schön gewesen, wenn man es recht bedachte. Von dem zweiten Fenster aus hatte man ein großes Stück von der Welt gesehen, bis hinten hin, wo sie mit dem Himmel zusammenstößt, und dann die Wolken. Nein, wie die dahinflogen! Die Mutter hatte einem das immer so schön erzählen können. Später hatten sie dann irgendwo hinten hinaus gewohnt, mit Aussicht auf einen Hof und eine Brauerei. Nun saß sie hier in Frau Heilemanns schöner Stube, in der alles glänzte und summte vor Behaglichkeit. Was nun wohl käme? Die Mutter war verreist, sie hatte einen bösen Husten und war im Schwarzwald, irgendwo, wo man wieder gesund wurde. Sie hatte ganz bestimmt versprochen, wiederzukommen, und Laura hatte dagegen versprechen müssen, »ein liebes Kind und nicht weinerlich« zu sein. Das hatte sie bis jetzt auch gehalten, es war aber auch erst drei Tage her. Hier in Frau Heilemanns Stube gab es viel zu sehen. Das war geschickt, denn umhergehen und gar spielen konnte man nicht so gut darin. Der Boden war ganz glatt und glänzend, und Frau Heilemann hatte sofort Filzschuhe für die kleinen Füße gekauft. Sie selbst trug auch solche, nur natürlich viel größer. Frau Heilemann war groß, breit und dick, so dick, daß Laura sich immer aufs neue wundern mußte, wie es solche Leute geben könnte. Sie selbst war so winzig dagegen, – wie ein Grashälmchen gegen einen Fliederbusch (obgleich sie natürlich den Vergleich nicht machte). Aber auch die Mutter war so dünn und schmal, daneben gesehen, Frau Heilemann hatte selbst gesagt, als sie abreiste: »Aus mir könnte man drei solche Mütter machen wie deine, Laura, obgleich es nicht nach meinem Wunsche geht, daß es so ist.«

Aber Laura hatte doch ihre Zweifel, ob es dann wirklich solche Mütter gäbe wie die ihrige, wenn man Frau Heilemann dritteilte. Sie dachte im stillen, sie wollte doch lieber, daß ihre eigene, einzige wieder käme. Im Vertrauen, und nur sich selber gestanden, Laura mochte eigentlich Herrn Heilemann lieber. Der hing in einem breiten Goldrahmen an der Wand, und war nur gemalt, aber das tat nicht soviel. Er blickte immer gleich freundlich auf das kleine Mädchen herunter, ja wenn man genau hinsah, so schien er mit den Augen zu zwinkern, als wollte er sagen: »Sei du nur ganz fröhlich, Kleines. Denn das ist ebensogut meine Stube wie ihre, ja, ich habe hier auch ein Wort mitzureden.« Laura verstand sich sehr gut mit ihm. Er hatte ein rundes, rötliches Gesicht und sehr blaue Augen und hatte eine geblümte Samtweste an, über die sich eine dicke Goldkette spannte. Aber er sah nicht aus, als ob er es schwer nähme, daß nun Laura für einige Zeit hier im Hause sei und Essen, Filzschuhe und schöne neue Schürzchen brauche. Frau Heilemann nahm es schwerer. Sie war eine entfernte Base von der Mutter und hatte sich bereit erklärt, das Kind aufzunehmen, solang diese fern sei. »Hoffentlich ist es nicht für ganz, denn das könnte ich natürlich nicht, ich bin nicht auf Kinder eingerichtet,« sagte sie, und Lauras Mutter versprach auch ihr das Wiederkommen, »soviel an mir liegt.« Natürlich, mehr konnte sie nicht versprechen. Aber Frau Heilemann baute fest darauf. Sie hatte nie selbst Kinder gehabt, und nun war sie alternd und kränklich (so dick sie auch war, ja, gerade darum). Nun konnte sie nicht noch anfangen. Auch war sie gerührt über sich selbst, daß sie »es ganz umsonst tue«. Das Geld war ja alles schwer erworben, leichter ausgegeben als verdient, und niemand fiel es ein, etwas umsonst zu geben. Aber so war sie nun, sie tat es ganz umsonst. Da mußte sie es doch hier und da wenigstens sagen dürfen. Laura wußte es nun allmählich gut, sie hatte es öfters gehört. Die Filzschuhe, das neue Schürzchen, und dann, heute abend, am Heiligen Abend, da kam das Christkindchen, Frau Heilemann hatte es gesagt. Es brachte etwas, das hatte sie auch gesagt, so war sie nicht, daß sie ein Kind im Hause hatte, ohne ihm etwas zu bescheren. Aber es kostete Geld, und wer gab es her? Wer? Es war sonderbar, Laura wußte es noch gut, sie hatte immer ein Bäumchen gehabt und Lebkuchen und eine Puppe, die jedes Jahr ein neues Kleid bekam. Aber gewiß hatte das Christkindchen dies alles umsonst gebracht, direkt vom Himmel her, von Frau Heilemann ließ es sich aber bezahlen. Eigentlich tat sie ihr ein bißchen leid, es mußte hier alles schrecklich viel Geld kosten. Frau Heilemann hatte denn auch immer ein etwas sorgenvolles Gesicht und eine etwas klagende Stimme, Herr Heilemann sah viel fröhlicher aus, so, als ob er nicht wüßte, daß das Leben eine so teure Sache sei.

Links und rechts von ihm hingen die Bilder von zwei alten Frauen. Sie hatten hohe, weiße Hauben auf und schöngemalte Spitzentücher über der Brust und machten gleichfalls freundliche Gesichter. Und unter ihnen kniete ein schwarzer Negerknabe in weißem Hemdchen auf der Kommode, der hütete eine Sparbüchse mit einem breiten Schlitz und bedankte sich jedesmal kopfnickend, wenn ein Geldstück in den Schlitz fiel; er sah unsäglich freundlich aus. Laura hatte eine große Sehnsucht danach, daß einmal jemand etwas in den Schlitz stecke, denn bis jetzt wußte sie das mit dem Kopfnicken nur vom Hörensagen. Sie war bisher ruhig auf dem hölzernen Stühlchen gesessen, – das hatte Frau Heilemann auch eigens ihretwegen angeschafft – nun stand sie auf und wagte sich auf ihren weichen Filzsohlen bis an die Kommode hin. Draußen fiel Schnee herunter in dichten, weißen Flocken, hier drinnen war es warm, still und fast feierlich, es war so unaussprechlich sauber. Ob sie es wagte? Frau Heilemann war in der Küche, da tippte Laura mit spitzen Fingerchen an den Kopf des Negers. Sogleich neigte der sich vor und – schwapp, wieder zurück. Nun hatte er sich bedankt und doch nichts bekommen. Das war wohl nicht ganz recht, und in eben diesem Augenblick kam Frau Heilemann herein und sah forschend herüber: ob Laura etwas verderbte? Kinder verderbten ja immer etwas. Ja, nun mußte es heraus; die Mutter hatte immer alles erfahren, was Laura tat, auch wenn es einmal etwas Ungeschicktes war. Hier ging es aber nicht so leicht wie bei der Mutter. »Ich habe ihm nichts geschenkt, ich habe ihn nur einmal nicken lassen.« Es war scheints nichts Böses gewesen, Frau Heilemann setzte sich in ihren mächtigen Armlehnstuhl und sagte nur etwas grämlich: »Das will ich glauben, daß du ihm nichts geschenkt hast. Mir schenkt auch niemand etwas, fällt keinem ein, und wenn zehnmal Heiliger Abend ist.«

Laura mußte sie aufmerksam betrachten. Sie war so blaß, obgleich ihr Gesicht so rund und voll war, und sie sah so aus, als ob sie gar nicht vergnügt wäre. Die Mutter hatte eigentlich viel fröhlicher ausgesehen, so um die Augen und den Mund herum, aber allerdings, das war auch die Mutter. Vielleicht war sie betrübt, daß ihr niemand etwas schenkte? Wenn Laura doch nur etwas gehabt hätte!

Frau Heilemann lehnte ein wenig im Stuhl zurück und atmete laut und stark. Und Laura fühlte, daß sie ihr noch ein wenig leider tat als vorher schon, – gleich hatte sie sie auch ein wenig lieber. »Bist du krank?« sagte sie. Eigentlich schüchtern war sie nicht, aber bei Frau Heilemann hatte sie bisher nicht soviel gewagt. »Krank?« sagte diese. »Das will ich meinen. Es glaubt's nur niemand. Es fehlt mir überall, aber das verstehst du nicht.« Sie sagte es ein wenig patzig, aber als sie das aufmerksame Gesichtchen sah, das einen mitleidigen Ausdruck trug, wurde sie weicher. »Ich habe zu wenig Blut, viel zu wenig, fast gar keins!« fügte sie hinzu. »Aber was weißt du davon?« Doch, von Blut wußte Laura etwas. Sie hatte sich einmal mit einem Glasstückchen geschnitten, da war rotes, warmes Blut aus dem Fingerchen gelaufen. Und die Mutter hatte sich dann mit ihr darüber unterhalten, daß noch viel davon in dem festen, kleinen Körper sei. »Ich habe viel,« sagte Laura. Sie machte ein nachdenkliches Gesicht. »Ja, du, mit deinen runden, roten Backen, das will ich glauben. Aber das kann mir nichts helfen, du gibst mir doch nichts davon.« Frau Heilemann machte wieder ein strenges Gesicht und sah so still vor sich hin. Nein, fröhlich war sie nicht, das konnte ihr aber auch niemand zumuten. Sie hatte ihr ganzes Leben lang viel zu sorgen und zu schaffen gehabt und nicht sehr viel Freude dabei. Es war aber auch jedermann einerlei, ob sie sich freute oder nicht; Ansprüche machen, das konnte jedermann, mehr nicht. Nun mußte sie ja wohl hinausgehen und das Bäumchen richten; es war am Dunkelwerden. Es läutete eine Glocke von der nahen Kirche, und, merkwürdig, sofort regte sich etwas in ihr, das wie eine Sehnsucht oder Rührung sich anfühlte. Aber sie verstand es nur so, daß sie aufs neue dachte: ›Mir schenkt niemand etwas – nun, ich kann mir ja kaufen, was ich brauche.‹ Es war aber ein Verlangen nach Liebe und Freude, das wußte sie nur nicht. Laura war leise ans Fenster gegangen. Sie sah aufmerksam hinaus, wenigstens sah es so aus. ›Da kann ich auch die Lichter hier drinnen aufstecken,‹ dachte Frau Heilemann und ging hinaus, um das leere Bäumchen hereinzubringen. Aber dann brachte sie es doch übers Herz, die Überraschung war dann weg, und die Kinder waren nun einmal so. Also blieb sie eine Zeitlang draußen und schmückte es dort. Nun war Laura allein. Sie sah sehr ernsthaft darein. Wenn Frau Heilemann mehr Blut hatte, dann war sie sicher froher, und Laura hätte sie gern froh gemacht. So froh wie die Leute an den Wänden ringsumher und wie sie selbst und die Mutter. Sie hätte gern etwas von ihrem eignen hergegeben, aber das war da innen, das konnte man nicht nur so herausholen. Oder? damals mit den Glasscherben? Aber das hatte weh getan. Auch war kein Glasscherben da. Draußen schneite es nicht mehr, am Himmel tauchten Sternlein auf. Wenn jetzt die Mutter gekommen wäre! Es gingen allerlei Leute vorüber, sie trugen Pakete, und manche trugen Christbäume. Nachher kam wohl das Christkindchen und brachte Laura auch einen. Vielleicht noch mehreres, ach ja, vielleicht. Sie freute sich nun doch ein bißchen. Allerdings die Mutter! Aber Laura sollte nicht weinen, und das wollte sie auch nicht. Wenn nur Frau Heilemann – ja, das Blut. Da ging sie entschlossen an das große Nähkissen, das auf dem Tischchen stand, und nahm eine Stecknadel heraus. Zuerst sah sie sie zaghaft an. Dann streifte sie den weiten Ärmel ihres Kleidchens hinauf. Da hinein? aber es mußte doch sein. Sie war ein tapferes, kleines Ding. Au, es hatte doch gestochen, als sie die Nadel in das Ärmchen bohrte. Aber dafür quoll auch ein schönes, helles Tröpfchen Blut heraus, es sickerte noch ein wenig nach. Nun stand es groß und voll auf dem Ärmchen. Wenn es nur nicht hinunterfiel! Da, in diesem Augenblick ging die Tür auf. Hell brannten die Lichter an dem Bäumchen, das Frau Heilemann trug, und silbern und golden schimmerten die Kugeln daran. Und was trug sie im Arm? Etwas Blaues, es war sicher eine Jacke oder so etwas. Laura konnte sich aber nicht regen, sie mußte stillstehen, sonst fiel das kostbare Tröpfchen hinunter. »Nun?« Frau Heilemann hatte das Bäumchen auf den Tisch gestellt und das Blaue – es war ein Kinderkleid – daneben gelegt, jetzt wunderte sie sich, daß das Kind nicht herankam. Kinder pflegten doch sonst zu jubeln oder so etwas, wenn der Baum brannte. »Was ist?« Da machte Laura ein paar vorsichtige Schrittlein näher und bot ihr – und ihr Gesichtlein leuchtete von einer großen Schenkfreude – das Ärmchen. Das Blutströpflein glänzte im hellen Licht wie ein Rubin. »Da, kann man das brauchen?« fragte das Kind.

Ach ja, wohl konnte man das brauchen. Als sie es begriffen hatte, den ganzen Hergang und die ganze Herzensregung, da tat Frau Heilemann etwas, das sie nie zuvor getan hatte. Sie kniete neben dem Kind auf den Boden, nahm das ganze Gestältlein in ihre Arme und küßte vorsichtig, fast andächtig das rote Tröpflein hinweg und dann das Kind in seine beiden blauen, leuchtenden Augen hinein.

Es hatte geholfen, das konnte Laura deutlich sehen. Denn Frau Heilemann machte ein ebenso freundliches und frohes Gesicht wie die Leute an der Wand, nun, da sie mehr Blut hatte als zuvor. Die Lichter des Christbaums beschienen das junge und das alte Gesicht und die ganze Stube, und plötzlich schimmerten sie auch in ein paar großen, dicken Tropfen, die über das runde Gesicht der Frau Heilemann rollten. Daß da Liebe war. Daß da auch für sie Liebe war. Etwas, das sie nicht zu bezahlen brauchte, das sie geschenkt bekam! Irgendwo läutete es. Es läutete aus der Kirche. Und sie fühlte eine neue Regung im Herzen; es war – ja, es war die Kosten wert, es ging doch über alles andere, zu erfahren, was Liebe sei.

Etwas von sich selber geben, ja, sich selber! Und in den Christbaumlichtern lag ein anderer Glanz als sonst: das war schon immer so, du hast es nur nicht gewußt. Darum brennen wir, daran verbrennen wir: es war einmal Liebe, die gab sich selbst; es ist Liebe, die gibt sich selbst. Ja, und nun hatte Frau Heilemann etwas geschenkt bekommen.

Kein Raum in der Herberge

Es war am Dunkelwerden. Die Laternen flimmerten rötlich durch den Nebel, der die Luft erfüllte. Am Himmel hing schweres Gewölk, das sich tiefer und tiefer herabzusenken schien. »Heut Nacht gibt's ein Schneetreiben,« sagte einer der eiligen Passanten zum andern, auf den er unversehens gestoßen war; »das wird bis morgen ein Christtagswetter.« Der andere lachte. »Mir kann's bloß recht sein,« sagte er. »Es ist doch keine echte Feiertagsstimmung ohne Schnee. Meine Frau bekommt ein Pelzwerk, das wirkt erst recht, wenn sie's morgen gleich tragen kann; wissen Sie, so recht mit einem weißen Hintergrund, so recht motiviert durchs Wetter.« »Natürlich immer ästhetisch, immer malerisch.« Der Bekannte rief es schon im Weitergehen, denn er hatte Eile. Aber das hatten ja alle Leute an diesem hereinbrechenden Abend.

Es hatte einer zugehört, notgedrungen, denn er hatte einen kleinen Umweg um die beiden stattlichen Männer herum zu machen gehabt, die das Trottoir füllten im Stehenbleiben.

Er hatte sich unwillkürlich ein wenig tiefer in seinen dünnen Rock zu verkriechen gesucht. Er hatte den Kragen emporgezogen und die Hände in der Richtung gegen die viel zu kurzen Ärmel hin bewegt. Aber es war nur eine flüchtige Idee gewesen, ein Gedanke an Pelzwerk und Wärme, die ihn dazu verleitet hatte, denn es nützte doch nichts. Er schauerte. Der Nebel kroch ihm zu dem zerrissenen Halsbund des Hemdes hinein, schlug seinen feuchten Mantel um den ganzen Mann und legte sich ihm als Schleier vor die Augen. »Hier herum muß das Haus sein,« sagte der Mensch und strengte sich an, die Schilder zu lesen, die da und dort heraushingen. Es war nicht leicht; die Dunkelheit nahm schnell zu, und mit ihr der beißende durchdringende Nebelrauch.

Da fragte er einen Vorübergehenden; es war ein Arbeitsmann in blauer Schürze, der ein Tannenbäumchen trug, geschultert, wie ein Gewehr. Er hatte ein fröhliches Gesicht, denn nun war Feierabend und nun ging es nach Hause, zu Weib und Kind, zu Fest und Freude.

»Was?« sagte er, »die Herberge zur Heimat?« Er schüttelte den Kopf. »Die ist weit von da, die war einmal da herum. Aber nun ist sie, glaub' ich, in der Hektorstraße, das ist, warten Sie, das ist so um die Georgskapelle herum, draußen gegen die breite Brücke zu. Sie wissen nicht, wo das ist? Ja,« er kämpfte einen Augenblick mit der ganz entschiedenen Lust, nun sogleich in die nächste Nebenstraße einzubiegen, wo vier Treppen hoch in einem Giebelhause sein Heim lag, und mit einer nebenmenschlichen Regung, die ihn antrieb, dem armen Menschen den Weg zu zeigen. Dann schloß er einen Vergleich mit sich selbst. »Kommen Sie,« sagte er, und schlug einen gelinden Trab an, »ich geh' mit bis an die Annenstraße. Die ist gleich da unten; die gehen Sie ganz entlang, und dann links um die Ecke durch die Bergstraße, und dann« – er kratzte sich hinterm Ohr, denn nun ging seine Weisheit zu Ende, »dann fragen Sie nur wieder weiter. 's ist ja überall deutsch. Gar so weit kann's dann nicht mehr sein.« Der Handwerksbursche, denn das war der Mann in dem dünnen Röckchen, trabte keuchend neben ihm her und verstand den Bescheid nur halb. Aber, ja, er konnte ja fragen, das hatte er vordem schon oft gemußt. Es war doch eine Freundlichkeit, wenn sie auch nicht viel half. Und dann war er wieder allein, und suchte sich seinen Weg durch den Nebel, indes der fröhliche Mann daheim seinem Weib erzählte, daß es freilich ein bißchen spät geworden sei, aber was könne man machen, man könne doch so einem armen Menschen nicht nur so laufen lassen. Und das Weib sah ihn mit vergnügten Augen an und sagte: »Du bist ein Guter; so gut gibt's nicht viele.«

Da lachte er in den Bart vor Behagen.

Ja, und derweil fragte sich der Handwerksbursch durch. Sie schickten ihn hin und her; es wurde immer später dabei. Hinter den Fenstern brannten die Christbaumlichter und warfen kleine Lichtoasen in das Dunkel und den Nebel draußen und erloschen wieder. Und auf den Straßen wurde es still und stiller. Nun waren alle, die eine Heimat hatten, dort versammelt, und die keine Heimat hatten, die fanden doch irgend einen Ort, wo die Liebe ihrer gedachte und ihnen die Kerzen anzündete in einem windstillen, warmen Raum.

Es war kein junger Mensch mehr, der sich durch die Straßen fragte. Er hatte ein furchendurchzogenes, eckiges Gesicht mit schwarzen Bartstoppeln und sein schwarzes Haar war mit Grau untermischt. Und er hatte im Lauf der Jahre sein Nachtlager schon undenklich oft gewechselt, hatte in Scheunen, Heuschobern, guten und schlechten Wirtshäusern genächtigt. Es konnte ihm auch heut einerlei sein, wo er seine Glieder ausstreckte, obgleich das Schlafgeld nur zum allerbilligsten Unterkommen reichte. Aber er hatte gehört, daß in der Herberge zur Heimat so etwas wie eine Bescherung sei für alle, die sich an diesem Tag, oder vielmehr in dieser Nacht dort aufhielten. Und er dachte, während ihm die Zähne gegen einander schlugen vor Kälte und der feuchte Nebel ihm über den ganzen Leib kroch, an ein warmes Abendessen, das nichts kosten sollte, und an ein Paar warme Socken, die morgen vielleicht an Stelle der schmutzigen Lappen treten sollten, mit denen er die Füße umwickelt hatte. Darum wollte er sich's der Mühe nicht verdrießen lassen, die Herberge aufzusuchen. »Es ist so ein Bißchen was Frommes dabei,« hatten ihm die Bekannten gesagt, die er irgendwo getroffen hatte und die ihm die Gelegenheit verraten hatten, »aber das macht man halt mit, das ist bald vorbei.« Na also. Es sollte ihm nicht darauf ankommen. Er hatte schon manchen Christabend ohne Baum und Kerzenschein zugebracht. Er war ein Schlossergeselle und hatte ein Wanderleben geführt. Es war wohl manchmal nicht so zugegangen darin, daß er nachher hätte mögen unter einen Christbaum treten. Aber als er so die hellen Fenster sah, da und dort in den Straßen, da gefiel ihm der Gedanke doch, daß auch ihm heute Lichter brennen würden.

Und nun war er da. Ein langes, niedriges Haus, helle Fenster, aber nicht von Kerzen, die Gasflammen brannten; warmer Speisedunst kam aus den vergitterten Fenstern des Souterrains. Ah, wie er den einsog! Mit langen, vollen Atemzügen. Dann trat er in den erhellten Hausflur. Es drang ein Stimmengeschwirre aus einer angelehnten Tür, und eine wohlige Wärme strömte ihm entgegen. Nun fühlte er erst, wie naß, erfroren und müde er war. Zum Umfallen. Das war schon lange her, seit er heute früh aus einem Dorf, fünf Stunden weit in der Ebene gelegen, weggegangen war.

Ein Hausknecht kam die Treppe vom Souterrain herauf. Er trug ein aufgetürmtes Brett mit geschnittenem Weißbrot.

Als er den Wandergesellen sah, schüttelte er den Kopf mißbilligend. »Schon wieder einer,« sagte er vor sich hin. Dann verschwand er in der Tür und machte Meldung.

Der Hausvater kam heraus. »Ja, da sind Sie zu spät dran, mein Lieber,« sagte er, »das Haus ist voll, übervoll. Ich habe schon mehr Leute aufgenommen, als ich eigentlich darf. Es ist kein Eckchen mehr frei.« Er hatte es ein bißchen eilig, es war fast mehr Arbeit heut, als er bewältigen konnte. Nicht nur Arbeit. Er brauchte seine ganze Autorität, um die vielen Leute, die zum Teil nur heut hierher kamen, ein wenig in Ordnung zu halten. Man sah es ihm an, daß er ganz voll Autorität war. Die straffte den ganzen Mann. Er wußte es wohl selbst nicht so, er stand mitten in seiner Pflicht, frisch, stramm, energisch. Und er hatte schon ein ganzes Dutzend Leute weggeschickt heut abend. Da war nichts zu machen gewesen. »Denn,« hatte er zu seiner Frau gesagt, die ein so mitleidiges Herz hatte, »es geht nirgends mehr hinein, als bis es voll ist. Dann muß man Schluß machen. Punktum sagen. Das hilft alles nichts.« Und dann hatte er die Hacken zusammengeschlagen und war stramm weitergegangen.

Das tat er auch jetzt. Er hatte genug zu tun im großen Saal. Dort war die Bescherung längst vorbei, und jetzt nach dem Abendessen, fingen die Leute an, warm zu werden. Er mußte unter ihnen sein. Sie sollten sich wohl fühlen, aber in Ordnung sollten sie bleiben.

Der Handwerksbursche lehnte sich gegen die Wand und schloß die Augen. Nur einen Augenblick. Es wurde ihm plötzlich so schwach zumute. Ja, das half ja wohl nichts; nun mußte er wieder hinaus. Und wohin? Ach, das war ja gleichgültig. Vielleicht erfrieren. Das tat ja auch nichts. Es kam solch eine Stumpfheit über ihn.

Da sagte jemand neben ihm, eine helle, junge Stimme: »Ist Ihnen nicht wohl? Warten Sie, ich hole Ihnen etwas Warmes. Sie haben keinen Platz mehr gefunden zum Übernachten? Ja, das ist freilich schlimm. Aber heut drängt sich alles herein. Und man hat nicht mehr Raum, als für hundertvierzig Leute. Mein Mann hat noch Stroh und Tücher spreiten lassen. Aber auch das ist mehr als besetzt.«

Er sah verwundert auf die kleine, runde, blonde Frau im feiertäglichen Kleid und der großen Schürze drüber, die so lebhaft und freundlich auf ihn einsprach. Was wollte sie von ihm? Sie konnte ihm auch nichts anders sagen, als was er schon wußte. Er hatte ähnliches vordem schon erlebt; dann hatte er sich irgendwo hingelegt. Aber nun war er so schlaff und zitterte vor Nässe und Kälte.

Da trippelte sie fort, mit kurzen, flinken Schritten. Und dann kam sie wieder, im Handumdrehen, und trug eine große Tasse voll heißen Kaffees und ein Stück Kuchen. »Da,« sagte sie, »das wollte ich eben essen und trinken. Aber nun nehmen Sie's, ich bekomme schon wieder. Wir kommen heut auch zu nichts vor lauter Umtrieb.« Wie sie plauderte. Es war wie ein Gezwitscher. Er hörte ihm zu, so lang er aß und trank. Er saß auf einer Bank im warmen Hausflur und sie stand vor ihm. Dann sagte sie plötzlich: »Warten Sie ein bißchen, ich komme gleich wieder.« Weg war sie. Da stand sie, drin, hinter der Glastür, die in ihre eigene, freundliche Wohnung führte, und betrat das Gaststübchen, das so sauber und heimlich für einen lieben Gast bereit stand. Für ihren Vater. Der war nicht gekommen; er kam erst morgen am Tag. Nein, das konnte ihr doch wohl niemand zumuten, daß sie –, das war doch zu ungewöhnlich. Und der Mensch war gewiß sehr schmutzig. Und was würde ihr Mann sagen? Aber das Herz ging ihr über. Es war doch Christabend.

Und es kam ihr in den Sinn, daß der Mensch da draußen doch einer der »geringsten Brüder« sei. Da wurde sie ganz verlegen, daß sie das dachte, denn sie war es nicht gewöhnt, ihre Handlungen von irgend einem religiösen oder moralischen Standpunkt aus zu begehen, sondern sie tat alles aus ihrem raschen und warmen Herzen heraus. Dieses Herz hatte ihr schon manchen Streich gespielt. Man denke nur an jenen Morgen, an dem sie einem jammernden Zündholzverkäufer den Inhalt seiner ganzen, vollen Kiste abgekauft hatte und zwar von ihrem Geburtstagsgeld. Da war sie weidlich ausgelacht und auch ein wenig gescholten worden. Schlimmer war schon das andere, das mit ihres Mannes gefütterten Winterstiefeln. Sie hatte sie, als sie allein zu Hause war, einem armen Mann geschenkt, der Rheumatismus in beiden Füßen hatte. »Wonach riechen Sie denn so stark?« hatte sie zaghaft gefragt, und er hatte seufzend erwidert, daß er seine Füße mit Spiritus eingerieben habe, weil er kaum mehr darauf stehen könne. Da hatte sie ihm zu den Stiefeln noch ein Paar Socken geholt. »Sie sind tüchtig geflickt,« hatte sie halb entschuldigend gesagt, denn sie kam sich ein wenig hart vor, daß sie die viel wärmeren neuen, die sie schon in der Hand gehabt hatte, wieder in die Schublade gelegt und die alten genommen hatte. Wenn man aber auch immer ermahnt wird, sich »den Gaul nicht durchgehen zu lassen«. Ja, halb war sie auch stolz auf ihre Selbstbeherrschung. Der Mann war auch so freundlich, sich nichts aus dem Geflickten zu machen. Sie hatte ihm angeboten, die Sachen gleich hier anzuziehen, aber er war so bescheiden, daß er dafür dankte, er wolle ihr sicher nicht so viele Mühe machen. Er wisse einen Ort, ganz in der Nähe, da könne er ungeniert ablegen. Aber, hilf Himmel, der Ort war der Laden des Althändlers Eisenbeiß schräg gegenüber gewesen, vor dessen Tür eine Viertelstunde später die warmen Stiefeln an einem Haken baumelten und dem Verkauf ausstanden. Und der Mann, den sie damit beschenkt gehabt hatte, schien sich auf andere Weise erwärmt zu haben, denn er begegnete der Frau Rose ein paar Stunden später und konnte nun tatsächlich kaum mehr auf den Füßen stehen. Das war recht bitter gewesen. Aber dafür konnte doch der arme Handwerksbursch am heutigen Abend nichts. Es ging doch wohl nicht an, ihn etwa dafür verantwortlich zu machen, daß ein anderer – ach nein, das kam ja eigentlich hier nicht in Betracht.

Da, nun hatte sie es schon gesagt. »Kommen Sie hier herein, ja ja, kommen Sie nur. Warum sehen Sie so erstaunt aus? es ist – es ist nämlich tatsächlich sonst nichts frei, aber da – es ist mir nur nicht gleich eingefallen« – das log die blonde Frau Rose aber, wie wir wissen – »da ist ein kleines Stübchen, das ist für die Nacht noch leer.« Der Schlossergesell war wie im Traum, als er in den weißen Kissen lag und sich dehnte und streckte. Es paßte auch gut in den Traum hinein, daß nach einer Weile jemand zur Tür hereinkam und leise die feuchten zerrissenen Kleider von dem Stuhl vor dem Bett wegnahm, um gute, feste Sachen dafür hinzulegen.

»Nein, nein, da ist nun nichts zu danken,« sagte eine Stimme, die ihm bekannt vorkam, obgleich er ja wußte, daß er träume.

»Es sind auf Weihnachten viel getragene Kleider in unser Haus geschickt worden, Kleider und Wäsche, gerade zum Verschenken, Sie brauchen da nichts zu sagen. Das ist nichts, was mich etwas angeht.«

Er hatte also scheint's im Traum ein Dankeswort zu sagen versucht. Eigentlich war es ihm, seine Mutter sei um den Weg. Aber das war wohl erst recht geträumt. Sonderbar, es ging ihm alles untereinander. Es war wohl das Beste, sich auf die andere Seite zu legen, davon, das wußte er, verging das Träumen und man schlief tief ein, so, wie einst als Kind, wenn die Mutter sagte: »Schlaf, schlaf, Büblein, so gut wie heut hast du's nicht immer.«

Am andern Morgen wurden zwei Berichte geschrieben. Der eine von der Polizei, der kam, wie alle Tage, in die Zeitung. Da stand zu lesen, daß in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember einhundertfünfzig Personen in der Herberge zur Heimat beherbergt und beschenkt worden seien. Der andere kam in ein großes Buch, das nicht mit Tinte geschrieben war, unter die Rubrik: Rose Haberland, und lautete so: Heute Nacht hat sie den Schlossergesellen aufgenommen und in ihrer Gaststube ins Bett gelegt, denn sie hatte sonst keinen Raum in der Herberge.

Fräulein Marie

Es war ein mächtiger Baum. Er reichte vom Fußboden bis zur Decke und streckte seine Äste weit in der Runde um sich her. Sein Stamm steckte in einem Holzkasten, in dessen Innerem eine Spieluhr verborgen war, und wenn die Musik spielte »Stille Nacht, heilige Nacht«, so fing der Baum an, sich um sich selbst zu drehen, langsam und schwerfällig, immer rundherum, immer rundherum. »Wie ein verrückt gewordener Tanzbär,« sagte der Stationsmeister, der auf einen Augenblick hereingekommen war, um ein Glas Pilsner zu trinken. Aber Fräulein Marie zuckte nur die Achseln und warf dem Stationsmeister einen Blick zu, der ungefähr heißen konnte: »Was versteht denn so ein alter Junggesell und Familienfeind von einem Christbaum? Man läßt ihn reden, weil man muß.«

Fräulein Marie hatte den Baum selbst geschmückt mit einer Unzahl von großen farbigen Glaskugeln, wohl faustgroße Kugeln, und mit Goldfäden, die über die grünen Zweige herunterfielen, wie das aufgelöste Haar einer Riesin. An jedem Astende saß ein elektrisches Lämpchen und wartete auf die Dämmerung, wo es aufflammen würde mit hellem Licht. Es war ein großartiger Baum. Er stand etwas im Wege, denn der Raum in der Bahnhofwirtschaft war nicht besonders groß, aber das schadete weiter nichts, das war heute wohl in mancher Familienstube auch nicht anders. Als der Baum geschmückt war, tat sich Fräulein Marie auch noch festlich an: eine blaue Sammetbluse, und einen vergoldeten Anhänger um den Hals an einem Kettchen, und das hochblonde Haar steckte sie kunstvoll auf mit drei Kämmen und einem Band aus Stahlperlen. Herr Riemenschneider sah sie befriedigt an, als sie von ihrer Kammer herunterkam und sich noch eine weiße Schürze um den schlanken Leib band, lang und breit und mit Spitzen daran.

»Sie ist ein anstelliges Mädchen,« sagte er zu seiner Frau, die am Schenktisch stand und Schinken aufschnitt. »Gefällig und anständig dabei, grad so die rechte Mitte, und sie stellt etwas vor, das muß man ihr lassen.« Er kniff das eine seiner beiden kleinen Äuglein zu und sah ihr nach, wie sie mit vier vollen Gläsern und drei Tellern mit heißen Würstchen den Mittelgang hinunterschritt und danebenher noch einem alten Stammgast, einem Zigarrenreisenden, zunickte. »Grad so die rechte Mitte,« konstatierte er noch einmal, ohne zu merken, daß Frau Riemenschneider ein geärgertes Gesicht dazu machte, weil sie nicht leiden konnte, daß ihr Mann die Kellnerin so herausstrich.

Jetzt aber fuhr der Zug vom Oberland her in den Bahnhof ein, der hatte hier fünfzehn Minuten Aufenthalt und außerdem brachte er meistens noch eine Menge Gäste, die auf den Schnellzug warten mußten. Der kam erst in einer halben Stunde. »Anzünden,« nickte Herr Riemenschneider der Kellnerin zu; da drückte sie auf einen Knopf an der Wand und die Flämmchen der elektrischen Lichter sprühten auf, alle miteinander. Als die Gäste vom Zug her eintraten, funkelte ihnen eine Helle entgegen und ein Glanz, daß sie schier geblendet waren. Draußen war es schon ziemlich dunkel und es wehte ein naßkalter Wind; hier drinnen aber war es warm und hell und es roch dabei nach allerlei guten Dingen, die einem hungrigen Magen wohl anstehen. Herr Riemenschneider rieb sich die Hände, kurze, dicke Hände, und sah wohlgefällig zu, wie Fräulein Marie hin- und herging. Flink und gewandt schob sie sich zwischen den Tischen durch und zeigte weder Hast noch Last. Er brauchte nicht einzugreifen, es ging wie am Schnürchen. An dem einen runden Tisch in der Ecke saß eine lustige Gesellschaft ganz junger Herren. Sie trugen die farbigen Mützen und Bänder noch nicht lang, das konnte man den knabenhaften Gesichtern ansehen, auf denen kaum hie und da ein leichter Flaum sproßte wie eine erste Frühjahrssaat. Aber ebendarum wollten sie gern vorstellen, was sie erst werden wollten und betrugen sich mit Lärmen und Lachen und mit Befehlen so, als ob sie das männliche Wesen längst gewöhnt seien und bereits eine große Gewandtheit darin besäßen. Dazu schien es einem von den Schlingeln, einem langen, dünnen Schlenker mit schwarzen Locken und einem goldenen Zwicker auf der Nase zu gehören, daß er mit der Kellnerin schön tue, und obgleich er einiges Herzklopfen dabei verspürte, da er es noch nicht geübt hatte, so faßte er sie doch, als sie mit einer Weinflasche hereinkam, um die Taille und sagte in angenommen zärtlichem Ton: »Grüß Gott, Fräulein Fanny! Kennen Sie mich denn nimmer?« Ein großes Gelächter erscholl von den bewundernden Mitbrüdern und er wollte gerade fortfahren, seine Vorstellung zu geben, als er seine Hand kräftig auf den Tisch aufgestoßen fühlte und sehen mußte, daß Fräulein Marie wie eine Siegesgöttin den Gang hinunterschritt. Der Zigarrenreisende trank ihr zu, als sie an ihm vorbeikam und sagte wohlgefällig: »So ist's recht, Fräulein Marie. Nur nichts gefallen lassen. So Buben da, was die sich schon herausnehmen.« Sie lachte ein wenig. »Mit denen werd' ich schon noch fertig.« Aber es war ihr nicht ganz ums Lachen. Sie wußte nicht recht, was es war, das heut in ihr umging. Sie spürte den Wunsch, irgend etwas Schönes, Festliches zu erleben; sie hatte ihn schon vom frühen Morgen an verspürt; seit sie ihr den grünen Tannenbaum in den Saal hereingestellt hatten, ging er in ihr um. Was es sein sollte, das zu erleben wäre, wußte sie nicht zu sagen, aber es mußte etwas Frohes sein, etwas wie ein Glücksgefühl. Sie hatte den Baum geschmückt und dann sich selbst. Als sie das Musikwerk aufzog und die »Stille Nacht« aus dem Kasten herausklang, hatte sie eine Art von Heimweh empfunden nach der engen Stube bei ihrer Großmutter, in der sie als Kind Weihnachten gefeiert hatte, nach dem kleinen Bäumchen, das auf dem Tisch stand und nach Hutzelbrot, Lebkuchen und der wortarmen Zärtlichkeit der alten Frau. Aber im ganzen wünschte sie sich doch nicht zurück, es mußte noch viel Neues kommen, das erst vor ihr lag. Sie hatte schon am Vormittag ihr »Christkindle« von Herrn und Frau Riemenschneider empfangen, ohne besondere Feierlichkeit, weil es jetzt gerade ruhig war in der Wirtschaft: drei weiße Schürzen und zehn Mark. Sie war gerührt, sie hatte in ihren anderen Stellen nie etwas bekommen und Frau Riemenschneider hatte auch gesagt, daß man es eigentlich nicht nötig gehabt hätte, aber daß man eben so sei: fast zu gut gegen die Leute. Aber das festliche Gefühl war dadurch nicht in ihr Herz gekommen, es mußte noch etwas anderes sein. Seit sie um drei Uhr einen Augenblick draußen vor dem Haus gestanden war, gerade als das Festläuten auf den Kirchen anhob, dachte sie von Zeit zu Zeit daran, sie wolle morgen wieder einmal in die Kirche gehen, daß sie auch wisse, daß Christtag sei. Die feierlichen Glockentöne waren so groß und voll über die Stadt hingeflogen, wie ein Zug von Kranichen schwammen sie durch die Lüfte dahin, unbekannten Ländern zu. Fräulein Marie hatte zwar noch nie Kraniche gesehen, aber sie hatte schon viel gelesen, darum kam es ihr doch so in den Sinn. Sie dachte, es wäre schön, mitzufliegen, es hob sich etwas in ihr. Aber da kam gerade ein verspäteter Mittagsgast, der junge Doktor Holl mit seinem lustigen Gesicht, der lachte, als er sie dastehen und hinausträumen sah und behauptete, sie habe ganz sehnlich nach der Konservenfabrik hinübergesehen. Dort war ein Chemiker, der immer sehr nett mit Fräulein Marie umging und ihr eine Schachtel Pralinées zu Weihnachten versprochen hatte. Da mußte sie sich wehren und mit der feierlichen Stimmung war es vorbei.

Und nun brannte der Christbaum und die »Stille Nacht« ertönte wohl zum dreißigsten Mal und Herr Riemenschneider sagte zu einem Gast, der ein anerkennendes Wort gesprochen hatte: »Ja, ja. Was gemacht werden kann, das wird gemacht. Stimmungsvoll muß es sein. Die Spieluhr mit dem Drehwerk hat vierzig Mark gekostet und der Baum samt dem Schmuck seine zwanzig Mark. Gut und gern zwanzig, ohne die elektrischen Lampen. Ja, ja.«

Da dachte Fräulein Marie, als sie es hörte, es sei komisch, daß es ihr immer noch nicht weihnächtlich ums Herz sei und auf was sie denn noch warte? Es komme doch sicher nichts anderes mehr. Sie hatte es nicht immer so gut gehabt wie hier. Die Arbeit war nicht gar zu streng und die Behandlung gut, die Einnahmen auch nicht schlecht. Unterhaltend war es auch hier, wo die Züge fortwährend ein Ab- und Zuströmen der Menschen brachten und immer etwas Interessantes. Da beschloß sie, sich die dummen Gedanken aus dem Kopf zu schlagen. Der ledige Stammtisch in der zweiten Klasse wollte am späteren Abend einen Weihnachtspunsch trinken und Fräulein Marie war dazu eingeladen. Das war doch auch ein Vergnügen. Also.

Da fuhr eben der Schnellzug in den Bahnhof ein. Es gab ein Gewimmel im Wirtschaftsraum, Koffer und Taschen wurden zusammengerafft und Mäntel über den Arm genommen und: »Fräulein, zahlen!« rief es eilig aus ein paar Ecken, wo die Leute gar zu gemütlich sitzen geblieben waren. Fräulein Marie hatte genug zu tun, bis der eine Schub von Menschen draußen war und dann wieder, bis die neuen Gäste, die jetzt wieder auf die Nebenbahn warten mußten, befriedigt waren. Als es ein wenig ruhiger zuging, sah sie an dem runden Tisch in der Ecke, da, wo vorhin die jungen Herren gesessen waren, eine ganze Familie sitzen: einen blonden Mann mit schmalen, feinen Zügen, er hatte zwei Stöcke neben sich am Tisch lehnen, eine junge Frau mit einem mütterlichen Gesicht, die in einem Kleid mit sehr unmodernen Ärmeln steckte, wie Fräulein Marie sogleich sah, und zwei sehr hellblonde Bübchen. Eins davon trug die ersten Hosen, das sah man deutlich, die Hände steckten in den Taschen und das Näschen streckte sich sehr unternehmend in die Welt hinein. Das kleinste Bübchen hatte noch einen Mädelrock an und saß zwischen Vater und Mutter auf der Eckbank. Ein helles Stimmlein rief: »Guck, Vater, ein Christbaum mit Lampen dran, 'lektrische Lampen, Vater.« Der Vater lächelte. Da wußte Fräulein Marie, wer die Leute waren. Sogleich wußte sie es, als sie das Lächeln sah. Das gab es sonst nicht wieder auf der Welt. Vor sechs Jahren hatte sie es gesehen, einen ganzen Winter lang, fast Abend für Abend. Es hatte dem jungen Hilfslehrer gehört, der aushilfsweise den alten, weißbärtigen Reallehrer des kleinen Städtchens vertrat. Sie war damals ein sehr junges Ding gewesen, nicht sehr weit von der Schule weg, höchstens drei, vier Jahre. Und er hatte im Lamm gegessen und seinen Abendschoppen getrunken hinter der Zeitung, im Lamm zu Gussenstadt, wo sie ihre erste Stelle hatte. Ach, was war sie damals für ein junges Ding gewesen, für ein bescheidenes, einfaches, unerfahrenes. Das Haar zurückgekämmt, die schweren Zöpfe ganz einfach aufgesteckt. Und ein Kleidchen an, ein ärmliches, glattes, nur so ein bißchen aufgeputzt mit einem Krägelchen oder Schleifchen. Aber dem Herrn Hilfslehrer hatte das alles gerade gefallen. Es waren manchmal Sommergäste nach Gussenstadt gekommen, modisch gekleidete Damen mit allem Drum und Dran. Über die hatte er nur gelächelt. »Wenn Sie wüßten, Fräulein Marie, wie gut Ihnen das Einfache steht. Nie möcht' ich Sie so sehen, so einen Bausch um den Kopf, und eingeschnürt und mit all' dem Zeug behängt.« Sie hatte damals zweifelhaft den Kopf geschüttelt. Ihr hatte der städtische Putz so übel nicht gefallen. Wenn sie Geld dazu gehabt hätte! Aber sie sagte es ihm nicht, sie schämte sich. Er war so gut und fein und so vornehmen Wesens. Er erzählte ihr von dem, was er las und was er dachte, er mußte jemand haben, bei dem er sich aussprechen konnte. Er brachte ihr auch Bücher mit, schöne, wunderbare Bücher. Sie hatte in der Schule gut gelernt, sie verstand wohl etwas von dem, was sie las. Wenn sie ihm etwas darüber sagte, das ihn freute, so ging das schöne, seltene Lächeln über sein Gesicht. Eines Tages merkte sie, daß sie ihn liebe mit ihrem ganzen, jungen Herzen. Nie hatte er ihr von Liebe gesprochen, auch nur von ferne, weder mit dem Mund, noch mit den Augen. Aber es war darum doch über sie gekommen, sie konnte nichts dafür. Er war das Schönste, das in ihr Leben gekommen war, der Bote aus einer Welt, die gerade nur diesen einzigen Boten zu ihr sandte, um ihr zu zeigen, wie schön sie sei. Aber an dem Tag, als Marie zu sich selbst sagte, daß er das Beste für sie sei, teilte er ihr mit, daß er versetzt sei, weit weg von Gussenstadt, und daß er morgen schon abreise. Sie war ganz stumm dagestanden. Nun löschte also das Licht aus. »Ich möchte Sie nun noch um etwas bitten, Fräulein Marie,« hatte er gesagt, eh' er ging. »Wenn Sie doch einen andern Beruf suchen möchten, das wäre gut für Sie. Nicht daß ich den Ihrigen herabsetzte, gewiß nicht. Aber es ist mir, er könne Sie nicht befriedigen und das Gute, Schöne in Ihnen könne sich nicht recht dabei auswachsen.« Da war es ihr gewesen, als müsse sie morgen schon fort, irgendwohin, sie wußte selber nicht, wo. In eine Familie, in ein Krankenhaus – oder wo sonst? Aber es riet ihr niemand dabei und daheim widersetzte man sich auch diesen Mücken, wie man sie nannte, man brauchte ihren Verdienst, weil die jüngeren Brüder etwas Rechtes lernen sollten. So blieb sie. Sie war eine Zeitlang wie krank gewesen, krank am Herzen vor Sehnsucht nach ihm. Aber es hatte sich dann wieder gemacht. Sie blühte auf und bekam Angenehmes über ihr Äußeres zu hören, lernte sich anzuziehen und das Haar vorteilhaft zu machen. Manchmal empfand sie noch einen Stich, wenn ihr die und jene Äußerung von ihm einfiel. Dann dachte sie: so würde ich ihm nicht gefallen. Das war peinlich und sie schüttelte es ab. Nach und nach vergaß sie es auch, an ihn zu denken. Sie kam in der Welt herum, verdiente Geld, verstand auch, es auszugeben, blieb so, was man ein anständiges Mädchen nennt, und wußte sich zu wahren, wo man es anders mit ihr meinte. Aber Boten aus jener schönen, heimlichen Welt waren seitdem nicht mehr zu ihr gekommen, wenigstens nicht so nahe her, so ins Herz hinein. Sie hatte sich vielleicht hier und da nach ihr gesehnt, heute mittag beim Festläuten, und heute den ganzen Tag, ohne es zu wissen. Und nun saß er dort am Tisch und weckte mit einem einzigen Lächeln alles auf, was in ihr von dieser inneren Welt lebte. Wie das brannte! Sie kam sich wie ausgeschlossen vor, und so, mit diesem Brennen, ging sie umher und bediente die Gäste. Die junge Frau war selber am Schenktisch gewesen, weil die Kellnerin so beschäftigt war, und hatte sich Milch geben lassen für die Kinder. Sie selbst und der Mann wollten nichts trinken. Sie hatten auch nur zehn Minuten Aufenthalt. Das größere Bübchen lief im Saal umher und kam an den Christbaum, um zu sehen, wie es käme, daß da die 'lektrischen Lampen drauf seien. Es fragte das Fräulein, das gab ihm sogar einen Lebkuchen. Dafür erzählte er ihr mit seinem hellen Stimmlein, daß sie alle zur Großmutter führen, und daß dort auch ein Christbaum sei. Und daß er, Martin, schon den Vater ein bißchen stützen könne, der sei immer krank. Die Mutter könne es aber noch besser, die sei anders stark. »Martin,« rief die Mutter, da entsprang er. Also so sah es aus um ihren Freund? Weib und Kind hatte er, und krank war er. Was mochte das für eine Krankheit sein? Er ging an zwei Stöcken und sein Bübchen stützte ihn, und seine Frau hatte ein Kleid mit altmodischen Ärmeln an, wahrscheinlich, weil sie kein Geld zu einem neuen hatte. Das war sein ganzes Glück? Sie stand eine ganze Weile unter dem Christbaum und sah zu der kleinen Gruppe hinüber. Es war Zeit für sie, aufzubrechen. Da sah sie, wie die Frau das kleine Bübchen auf den Fußboden stellte und seine Händchen in Martins Händchen legte: »Da, führ' dein Brüderlein. Mutter kann nicht, Mutter muß dem Vater helfen,« sah, wie sie dem Mann den Arm reichte und wie er sich an ihr aufrichtete und wie sie sich miteinander in langsamen Gang setzten. Und sah, als alle Anstalten vollbracht waren, wie sie einander für kurze Sekunden in die Augen sahen, mutig, tröstend, lächelnd, wie aus einem tiefen Meer des Glücks herauf. Das Herz zitterte ihr vor diesem Anblick. Sie wollte hingehen und sagen, daß sie da sei. Er würde sie schon noch kennen, trotzdem sie anders aussah, als damals. Aber sie tat es doch nicht. Sie sah zu, wie die liebe Gruppe verschwand, und wurde durch ein verwundertes Räuspern von Herrn Riemenschneider und durch ein Klopfen mit einem Geldstück, das ein ungeduldiger Gast vollführte, zu ihrer Pflicht zurückgerufen. Der Zigarrenreisende saß noch da; es war erst eine Viertelstunde her, daß sie den kecken Studenten abgefertigt hatte. Er sagte lachend und vertraulich: »Puh! Gott behüt' uns!« und nickte mit dem Kopf hinter den Abreisenden drein. Dann hob er sein Glas: »Prost, Fräulein Marie!« Und sie tat ihm Bescheid, wie er es wollte. Sie zog die Spieluhr wieder auf, als sie abgelaufen war, denn es kamen immer wieder neue Gäste, die eine stimmungsvolle Weile hier drinnen verleben sollten nach dem Willen von Herrn Riemenschneider, und trug Bier und heiße Würstchen zu den Tischen her und gab Auskunft und lachte, wo es hingehörte, und nahm an dem Punsch der ledigen Herren teil, »alles in der richtigen Mitte,« wie Herr Riemenschneider noch einmal konstatierte, »gefällig und doch anständig dabei.«

Als der letzte Gast gegangen war, löschte sie die elektrischen Lampen am Christbaum aus und ließ das Musikinstrument ablaufen, daß es nun wirklich »stille Nacht, heilige Nacht« werden konnte. Dann stieg sie in ihr Kämmerlein unters Dach hinauf und dort droben endlich konnte sie ein stilles Weilchen in die Welt hinein sehen, in der die Glücklichen von heute abend zu Hause waren, – nachdem sie sich die Augen zuvor mit seltenen, heißen Tränen ausgewaschen hatte.

 

Von Anna Schieber sind im gleichen Verlag erschienen:

Alle guten Geister ... Roman. 103.-105. Aufl. Gebunden M. 21.50.

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Ludwig Fugeler. Roman. 26.-30. Aufl. Geb. M. 12.–.

Wanderschuhe und andere Erzählungen. 21.-25. Tausend. Geb. M. 11.–.

Amaryllis und andere Geschichten. Geb. M. 3.50.

Heimat. Erzählungen. 39.-41. Tausend. Geb. M. 8.–.

Das Kind. Erzählung. 31.-40. Tausend. Geb. M. 3.–.

Der Lebens- und Liebesgarten. Erzählungen. 21.-30. Tausend. Geb. M. 3.–.

Das Opfer. Erzählungen. 1.-5. Taus. Kart. M. 10.–, in Halblwd. geb. M. 12.–.

Bruder Tod. Ein Lied vom lebendigen Leben. 1.-5. Tausend. Kart. M. 8.50.

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Der fromme Maier. 20 Pfg., 50 Exemplare M. 9.–, 100 Exemplare M. 16.–.

Die Höflibüri. Ca. M. 1.20.

Sum, sum, sum! Ein Liederbüchlein für die Mütter und ihre Kinder. Mit farb. Bildern von Else Rehm-Vietor. (Fehlt z. Zt.)

Im Verlag von D. Gundert in Stuttgart:

Sonnenhunger. Geschichten von der Schattenseite.

Röschen, Jaköble und andere Leute.

Allerlei Kraut und Unkraut.

Im Quellverlag der Evang. Gesellschaft in Stuttgart:

Gesammelte Immergrüngeschichten.

Alte Geschichten.

Hinweise zur Transkription

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Das Inhaltsverzeichnis wurde an den Buchanfang, hinter die Titelseite, verschoben, die Verlagswerbung an das Buchende.

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen,

Seite 3:
"-" geändert in "..."
(... und hätte der Liebe nicht)

Seite 4:
"Copyrigt" geändert in "Copyright"
(Copyright 1912)

Seite 5:
".." geändert in "..."
(... und hätte der Liebe nicht)

Seite 18:
"audern" geändert in "andern"
(Am andern Morgen kam es.)

Seite 25:
"«," geändert in ",«"
(»Sagen Sie mir, was Sie von mir wollen,« sagte ich.)

Seite 44:
"«" eingefügt
(he, he, he –« er hustete ein wenig)

Seite 52:
"»" eingefügt
(»man kann einmal bestraft sein)

Seite 69:
"«," geändert in ",«"
(»Hier herum muß das Haus sein,« sagte der Mensch)

Seite 82:
"," eingefügt
(einem Zigarrenreisenden, zunickte)

Seite 95:
"nnters" geändert in "unters"
(Dann stieg sie in ihr Kämmerlein unters Dach hinauf)