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IV. KAPITEL.

DIE TYPOGRAPHIE UND DAS BUCHGEWERBE NORDAMERIKAS.

Wachstum der Presse. Die Zeitungen: Statistisches, der Herald, Horace Greeley und die Tribune, G. Childs und der Ledger, die Familie Harper, Frank Leslie und die illustrierte Presse. Die Holzschneidekunst. Die Buchdruckerei und der Buchhandel: die Staatsdruckerei und der Accidenzdruck, Organisation des Buchhandels. Grosse Druck- und Verlagsfirmen: Appleton, Lippincott, Houghton u. a., Einfluss des deutschen Elements, Nachdruck deutscher Werke, deutsche Buchhandlungen und Zeitungen. Das Papier.

Steigende Macht der Presse.
N

ACHDEM Amerika seine Unabhängigkeit erkämpft hatte, stieg die Macht seiner Presse in rapider Weise. Es war natürlich, dass von einem Zustand gemütreicher litterarischer Beschaulichkeit noch keine Rede sein konnte und dass sich die geistigen Kräfte der Besten des Volkes fast ausschliesslich dem praktischen und dem politischen Leben zuwenden mussten. Die litterarischen Bedürfnisse liessen sich leicht und billig durch den Nachdruck der geistigen Erzeugnisse des Mutterlandes befriedigen und der Nachdruck war ja nicht verboten, also eine ehrliche, ja lobenswerte Sache.

Die Zeitungen.

Vor allem hatte man Zeitungen nötig; auf diese konzentrierten sich deshalb die Gedanken und Pläne der Verleger, der Buchdrucker, der Schriftgiesser und der Maschinenbauer und bald zeigte sich ein an das Wunderbare grenzender Aufschwung dieses Zweiges des Buchgewerbes.

Im Jahre 1776 hatte New-York nur 4 Zeitungen, Massachusetts 7, Pennsylvanien gar keine aufzuweisen. Zur Zeit der Centennial-Feier und der Weltausstellung zu Philadelphia im Jahre 1876 erschienen in New-York 1088, in Massachusetts 346, in Pennsylvanien 738 Zeitschriften. Heute beträgt die Gesamtzahl der periodischen Schriften Nordamerikas 11418, darunter täglich erscheinende Blätter 982, Wochenblätter 8725. Von der Gesamtzahl liefert New-York 1412, Illinois 1032, Missouri 531. Illustrierte Blätter giebt es 512, Zeitschriften religiösen Inhalts 572. In englischer Sprache wurden 10619 Blätter gedruckt, 605 in deutscher, 35 in französischer, 37 in schwedischer und dänischer Sprache. Beschäftigung finden bei der Herstellung 72000 Menschen mit einem Lohnaufwande von 115 Millionen Mark. Der Brutto-Ertrag wird auf 370 Millionen Mark geschätzt. Die tägliche Zirkulation der Tagesblätter ist auf 3637000 Nummern — dieselbe ungefähr, die England mit seinen 135 Blättern erzielt — berechnet, die einmalige der Wochenblätter auf 19450000, die Gesamtsumme aller Zeitungen und Zeitschriften jährlich auf 2077650675 Nummern[73].

Es hat sich jemand die Mühe gegeben, auszurechnen, dass mit einem Gürtel an einander gereihter Bogen eines Jahrganges der amerikanischen Zeitungen die Erde sich 47mal umwickeln lasse und dass der Papierstreifen fünf Meilen länger sein würde, als die Entfernung der Erde von dem Monde. Ein anderer giebt an, dass zu einer Nummer sämtlicher Zeitschriften Nordamerikas 5000000 Pfund Schriften oder etwa 3 Milliarden Typen gehören. Kontrolliert haben wir die Rechnungen nicht.

Befinden sich unter den Zeitungen auch manche unbedeutende, die nur dazu dienen, die Zahl auszufüllen, so begegnen uns andererseits viele riesenhafte Unternehmungen, mit denen in Europa ausser den Times nur noch einige wenige sich messen können. Das New-Yorker Zeitungsviertel umschliesst die Prachtgebäude der Journale: New-Yorker Staatszeitung, Daily News, Star, Sun, Tribune, Times, Observer, World, Evening Mail, Evening Telegraph, Herald, dazu den grossartigen Bau des Zentral-Telegraphenamtes, die kolossalen Offizinen von Harper Brothers u. a. Mit diesem bibliopolisch-typographischen Viertel kann sich selbst Fleet-Street, Paternoster-Row und Umgebung in London nicht messen.

Der Herald.

Das grossartigste Zeitungs-Institut ist wohl das des New-York Herald. Die Herausgeber haben sich die Mühe gegeben, eine Nummer des Herald mit der korrespondierenden Nummer der englischen Times zusammenzustellen. Jede enthält 120 Spalten; unter diesen hatte der Herald 80 Inseratenspalten mit 3061 Anzeigen, Times 73 Spalten mit 1846 Annoncen. Dem Stoff nach enthält die Herald-Nummer auf 31350 Zeilen mit etwa 2800000 Typenstücken den ungefähren Stoff von fünf gewöhnlichen Romanbänden. Die Ausgaben für einzelne Telegramme sind enorm und waren es früher noch mehr, als zehn Wörter 400 Mark kosteten. Während des englisch-abessinischen Krieges musste die englische Regierung ihre Nachrichten aus dem Privatbureau des Herald holen, denn dieser empfing seine Telegramme so zeitig, dass die englischen Blätter die aus New-York zurücktelegraphierten Nachrichten als ihre neuesten Nachrichten bringen mussten. Zur Zeit des deutsch-französischen Krieges hatte die Tribune den Herald überholt. Erstere brachte mit einem Kostenaufwand von 3000 Dollars das erste, spaltenlange Telegramm über den Kampf bei Gravelotte, das schon Tage lang in New-York gelesen war, als man in Berlin sich noch immer mit dem bekannten kurzen Telegramm aus dem Hauptquartier begnügen musste. Das machte die Tribune während des Krieges sehr populär. Als Trumpf hiergegen spielte nun der Herald die sehr kostspielige afrikanische Expedition Stanleys zum Aufsuchen Livingstones aus.

H. Greeley * 3. Febr. 1811, † 29. Nov. 1872.

Überhaupt erreichte die von Horace Greeley im Verein mit gleichgesinnten Mitarbeitern 1841 gegründete Tribune[74] eine hohe Bedeutung. Horace Greeley war Sohn eines armen Bauers in Amhorst. Er half seinem Vater beim Holzfällen; jedoch seine Liebe zu den Büchern erweckte den Wunsch in ihm, Setzer zu werden. Er kam auch in die Lehre nach Pultney, was er jedoch dort lernen konnte, war bald gelernt. Nach verschiedenen bösen Erfahrungen kam er am 18. August 1831 nach New-York mit zehn Dollars in der Tasche. Trotz seiner Tüchtigkeit ward es ihm sehr schwer, eine Stelle zu finden. Man traute ihm nichts ordentliches zu, namentlich weil er gar zu wenig auf sein Äusseres gab. Endlich fand er in einer Druckerei Stellung. Es wurde ihm die schwerste Aufgabe, der Satz eines polyglotten Neuen Testaments, aufgetragen. Die Arbeit fiel vortrefflich aus und Greeley war bei derselben mit solchem Fleiss, dass er in Misskredit bei seinen von ihm ausgestochenen Kollegen kam. Ein Dr. Steppard, ein Mann mit vielen Kenntnissen, aber ganz ohne Vermögen, wünschte Teilnehmer für ein Blatt, die „Morgenpost“, und veranlasste Greeley und den Faktor der Druckerei, Story, solche zu werden. Das Blatt schlug fehl, jedoch die angefangene Druckerei kam vorwärts; Story starb und Greeley nahm einen anderen Associé, Winchester. Auch eine zweite Zeitschrift, der „New-Yorker“, an dem Greeley gearbeitet hatte, ging ein. Dieser, der demnach Schriftsteller geworden war, gründete nun selbst 1841 die Tribune. Die Anfänge waren klein. Greeley war die Seele des Ganzen, bald am Redaktionstisch schreibend, bald am Setzkasten zugreifend, dann, wenn nötig, bei der Presse Hand anlegend. Das Blatt gewann rasch einen grossen Aufschwung und die etwa zwanzig Gründer, die mit ihrer Arbeit — denn über ein anderes Kapital hatten sie nicht zu verfügen gehabt — beteiligt waren, wurden wohlhabende Leute. Ausser der Tagesausgabe druckte man eine halbwöchentliche und eine wöchentliche, zusammen in ungefähr 100000 Exemplaren. Horace Greeley schlug standhaft die Übernahme der ehrenvollsten, selbst Gesandten-Posten, aus und meinte, wenn ein Journalist auf seinem Posten ist, dann kann er in einem Lande mit einer freien Presse mehr leisten, als alle Gesandte zusammen[75]. Die Setzer der Vereinigten Staaten wollten ihm zuerst ein aus Typen gegossenes Monument setzen, errichteten ihm jedoch später auf dem Greenwood-Friedhofe in Brooklyn ein Denkmal, bestehend in einer Bronce-Kolossalbüste. Die vier Seiten des Sockels sind mit Reliefs geschmückt.

G. W. Childs.

Bedeutenden Einfluss übte auch The Public Ledger George W. Childs'. Dieser, in Baltimore geboren, kam als vierzehnjähriger Bursche nach New-York in eine kleine Buchhandlung, erwarb sich durch grössten Fleiss, verbunden mit Sparsamkeit, einige hundert Dollars und fing mit diesen in einem Winkel des Gebäudes des Public Ledger ein kleines Geschäft an, jedoch mit dem Vorsatz: „das muss alles einmal mir gehören“. Childs wurde Teilhaber einer respektablen Buchhändlerfirma R. E. Peterson & Co., in der, unter seiner Beteiligung, viele bedeutende Werke erschienen.

Inzwischen war es mit dem angesehenen Ledger rückwärtsgegangen. Es bestand als Penny-Blatt seit dem Jahre 1816 und die Unternehmer hatten nicht den Mut, diesen Preis zu erhöhen, obwohl er unter den indes eingetretenen Valuta-Verhältnissen ein völlig unhaltbarer geworden war. Trotz der grossen Verbreitung und der massenhaften Inserate verlor man, wovon das Publikum jedoch keine Ahnung hatte, jährlich an 150000 Dollars. Unter diesen Verhältnissen kaufte Childs das Blatt für eine Summe, welche die eines Jahresausfalles wenig überschritt, stellte den Preis auf zwei Pence und erhöhte entsprechend den Inseratenpreis. Anfänglich grosser Krach in der Zahl der Abonnenten, dann aber das Gefühl bei denselben, den alten bewährten Freund nicht entbehren zu können, und die Sache ging wieder vorwärts. Nun war Childs ein gemachter Mann und der Ledger[76] eine grosse Macht, von der jedoch der Besitzer immer nur den edelsten Gebrauch gemacht hat. Er begriff, dass der Mann, welcher eine Druckerpresse besitzt und die Feder führt, ebensowenig das Recht hat, Schmähnachrichten zu verbreiten oder die Ehre eines anderen anzutasten, als derjenige, der eine Uniform und ein Schwert trägt, befugt ist, nach Belieben zu tödten oder zu verwunden, um seinen Launen oder boshaften Gesinnungen zu fröhnen. Sogar über die Anzeigen wachte er und hatte den Mut, von dem Prinzip abzugehen, wonach der Herausgeber eines Blattes nicht die Verantwortlichkeit, wennauch nur die moralische, für die Anzeigen zu tragen habe. Dass er mit diesem Prinzip zugleich auf grosse Einnahmen verzichtete, ist leicht zu begreifen. Childs sorgte auch stets in grossartigster Weise für die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter.

Es ist nicht möglich, die bedeutenden Zeitungsanstalten alle näher zu charakterisieren und ihre Offizinen ausführlich zu beschreiben, die auch im Westen grossartige Dimensionen angenommen haben, so z. B. die Offizin der Chicago Times, die in einem aus weissen Sandsteinen erbauten, palastähnlichen Eckgebäude mit zwei Fronten von je 80 Fuss ein Erdgeschoss und fünf Stockwerke einnimmt. Überhaupt würden solche Äusserlichkeiten an und für sich keine Bedeutung für die Geschichte der Buchdruckerkunst haben, wenn sie nicht mit als Beweis dienten, welche kolossale Ausdehnung und hohe Macht die Zeitungspresse besitzt, die doch immer nur ein Teil der Gesamtpresse ist.

Auch unter den Wochenblättern erheben einige stolz ihre Häupter über das Gewöhnliche. Unter den Verlegern und Druckern, die sich um diese Litteratur, doch nicht nur um diese, verdient gemacht haben, steht die Familie Harper obenan[77].

John Harper * 22. Jan. 1797, † 22. April 1875.

Der Gründer derselben, John Harper, stammt aus Newtown (Rhode Island). Sein Bruder James und er waren in New-York in einer Buchdruckerei beschäftigt und zählten mit zu den tüchtigsten Arbeitern, James als Drucker, John als Setzer. Im Jahre 1817 gründeten die Brüder eine kleine Buchdruckerei unter der Firma J. & J. Harper. Durch Promptheit erwarben sie sich einen guten Ruf und ihre eigenen Verlagsunternehmungen wurden mit Vertrauen empfangen. 1833 gesellten sich noch zwei Brüder, Joseph Wesley Harper und Fletcher Harper, als Teilnehmer dazu und die Firma wurde Harper Brothers. Die vier Brüder waren alle sehr verschiedenen Charakters, ergänzten sich jedoch ganz vortrefflich. Frug man: wer ist Harper? und wer sind die Brüder? so konnte man nur antworten: „irgend einer derselben ist Mr. Harper und die anderen sind die Brüder“. Gerade in diesem innigen Zusammenwirken lag das Geheimnis ihrer Erfolge. Im Jahre 1850 begannen sie Harpers Monthly, dessen Aufnahme eine so ausserordentlich günstige war, dass sie 1857 Harpers Weekly und 1867 Harpers Bazar folgen liessen.

Harpers neues Etablissement.

Jeder der Brüder hatte sein besonderes Departement, welches er selbständig leitete. Das der Finanzen gehörte John, zugleich die Besorgung der Erwerbungen an Material und Maschinen. Er war ein Mann von bestimmtem Charakter, rasch im Entschliessen, fest in der Durchführung der Entschlüsse, in allen Verhältnissen ein Gentleman, bei aller Lebhaftigkeit stets ruhig und besonnen, nie in Unruhe oder Hast.

Brand des Etablissements.

Als das grosse Harpersche Etablissement in Franklin-square 1853 ein Raub der Flammen wurde, stand John mit seinen Brüdern ruhig unter der aufgeregten Menschenmasse und beobachtete das Fortschreiten des verheerenden Elements. Seine Uhr aus der Tasche ziehend bemerkte er gegen die Brüder, dass es jetzt Essenszeit sei; es wäre wohl das beste, man käme nach dem Essen zu ihm, dort könne man ruhig überlegen, was zu thun! Die Brüder fanden sich ein und sassen schweigend in Gedanken vertieft. Da ergriff John das Wort: „Unser Geschäft ist zu wertvoll, um es fallen zu lassen oder um es in andere Hände zu geben. Wir haben alle Söhne; sie haben uns geholfen und sind nun bald imstande, unsere Plätze einzunehmen. Wir wollen ihnen das Geschäft weiter führen und ihnen zeigen, dass wir noch keine alten Schlafmützen sind“.

Und so wards beschlossen. Noch an demselben Abend begann John die Pläne für den Neubau zu entwerfen. Die Zeichnungen von allen den inneren Räumlichkeiten und Einrichtungen wurden unter Berücksichtigung der mannigfachen Bedürfnisse des Geschäfts in allen Details von John gemacht und dann dem Architekten übergeben, dem es überlassen wurde, das Äussere dem Innern anzupassen. Durch Schaden klug geworden, liess man alles aus Stein oder Eisen aufführen. Jedes Stockwerk ist für sich ganz abgeschlossen und die Kommunikation mit den beiden Geschäftshäusern nur durch die, in einem freistehenden Turm, von welchem aus Verbindungsbrücken nach jedem Stocke der beiden Geschäftsgebäude führen, befindliche Treppe unterhalten. Es dürfte dieses Etablissement jetzt eines der eigentümlichsten, zugleich eine der am besten gegen Feuersgefahr gesicherten Druckereien der Welt sein. Ein eigentümlicher Zug von John Harper war es, dass er, obwohl er täglich von 9–3 Uhr im Comptoir arbeitete, die nach seiner eigenen Angabe gebauten Lokalitäten, mit Ausnahme des Maschinenraumes, nie betrat. Was in sein Departement nicht gehörte, überliess er ganz und gar seinen Brüdern, Söhnen und Neffen. Der Bruder James starb 1869, Wesley 1870, John selbst 1875 am 22. April, nur sein Bruder Fletcher überlebte ihn. Bis zum Jahre 1878 hatten Harpers 3291 Werke in über 4000 Bänden herausgegeben.

K. Scribner.

Wennauch Harpers Monthly die grösste Auflage von allen Monatsschriften hat — 160000 Exemplare —, so kommt ihm doch das von Karl Scribner gegründete Scribners Monthly, das jetzt den Titel The Century angenommen hat, nahe. Der materielle Wert eines solchen Unternehmens ist ein sehr bedeutender; so erhielten die Söhne Scribners für ihren 40prozentigen Anteil die Summe von mehr als 1100000 Mark, wonach also das ganze Unternehmen den Wert von gegen 3 Millionen Mark repräsentierte.

Frank Leslie * 1821, † 1. Jan. 1880.

Unter den Herausgebern illustrierter Blätter ist Frank Leslie besonders zu erwähnen. Sein eigentlicher Name war Henry Carter. Erst Holzschneider und Vorsteher der xylographischen Anstalt der Illustrated London News, ging er im Jahre 1848 nach Amerika und unternahm die Gazette of Fashion, dann den Chimney Corner und das Ladys Magazine. Am 14. Dezember 1855 erschien Frank Leslies Illustrated Newspaper. Zwar erwarb er sich damit ein sehr grosses Vermögen; bei seiner excessiven Freigebigkeit überstiegen jedoch seine Ausgaben die Einnahmen und er musste 1877 sein Geschäft an J. W. England abtreten, wirkte aber für dasselbe fort. Leslie war der erste, welcher die grossen Holzplatten mit den darauf sich befindenden Zeichnungen in viele Stücke zersägen liess, um sie nach Vollendung des Schnittes, der nun gleichzeitig von einer grossen Zahl von Holzschneidern, also sehr schnell, gearbeitet werden konnte, wieder zusammen zu leimen oder durch Rahmen zusammen zu pressen.

Georg Putnam * 21. Febr. 1814, † 20. Dez. 1872.

Auch Georg Palmer Putnam erwarb sich einen bedeutenden Namen als Journal-Herausgeber. 1840 gründete er die Firma Wiley & Putnam. In London legte er eine Filiale an, weilte dort sieben Jahre und gab von 1843 ab The American Bookseller heraus. Putnam war der erste, der regelmässig Bücher nach England exportierte und umgekehrt von dort importierte. Nach seiner Rückkehr nach New-York wurde 1852 Putnams Magazine gegründet, welches damals in Nordamerika einzig in seiner Art dastand.

The Daily Graphic.

Amerika hat auch zu einer täglich erscheinenden illustrierten Zeitung den ersten Anlauf genommen. Seit 1873 erscheint in New-York The Daily Graphic; jede Nummer mit etwa zwanzig grösseren oder kleineren Illustrationen. Bei einem äusserst mässigen Preis sind Druck und Papier sehr gut. Da jedoch die Bilder — Hochätzungen von verschiedenem Wert — in der Mehrzahl den unterhaltenden Teil illustrieren, also im voraus fertiggestellt werden können, so ist das Problem einer wirklichen illustrierten Tageszeitung noch nicht als voll gelöst zu betrachten.

Die Summe, welche die Inserierenden an die Zeitungs-Herausgeber zu zahlen haben, wird auf 120 Millionen Mark geschätzt. Von The Sun wurde neulich eine der 350 Aktien „billig“ für 18000 Mark verkauft, das gäbe nahe an sechs und eine halbe Million Mark. Der Redakteur A. Dana bezieht als Salair und Tantième jährlich etwa 300000 Mark. Hiernach kann man sich eine Vorstellung machen von dem enormen pekuniären Wert der amerikanischen Zeitungen.


Xylographie.
Alex. Anderson * 21. April 1775, † 17. Jan. 1870.

Der Schöpfer der amerikanischen Holzschneidekunst war Alexander Anderson. Bereits als Schulknabe schnitt er mit einem Handmesser kleine Vignetten in Schriftmetall und verkaufte sie an Zeitungs-Herausgeber. Später wählte er die Medizin als Brotstudium; jedoch die Liebe zur Kunst behielt die Oberhand bei ihm, und als er erfuhr, dass Bewick in London in Buchsbaum schnitt, hing er die Medizin an den Nagel und wurde der erste Holzschneider in Amerika. Seine letzte Arbeit in Metall war „das Abendmahl“ nach Holbein für eine Bibel in Quart. Bis in sein 94. Jahr arbeitete er unverdrossen. Während Amerika 1840 nur etwa 40 Xylographen hatte, betrug die Zahl bei Andersons Tod bereits über 400.

J. Adams.

Um den Druck der Holzschnitte, zugleich um diese selbst und die galvanische Vervielfältigung derselben hat J. Adams wesentliche Verdienste. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es ihm, mit Harpers ein Übereinkommen betreffs des Verlages und Druckes einer illustrierten Bibel abzuschliessen, wobei er die Bedingung gestellt hatte, dass der Druck vollständig nach seiner Angabe geschehe. Mit unermüdlicher Sorgfalt wendete er das noch nicht bekannte Verfahren des Unterlegens an und nach vierzehntägiger Arbeit an der Adamsschen Tiegeldruckpresse, während deren er vieles von den über ihn spottenden Druckern und der Bedenklichkeit der Verleger zu leiden hatte, leistete er zum Staunen der ersteren und zur Genugthuung der letzteren mit dem ersten Bogen einen Druck, wie man ihn noch nicht kannte. Das Publikum lohnte der Verleger Opferwilligkeit durch Abnahme von 50000 Exemplaren.

Die Regierungsdruckerei.

Unter den Druckanstalten Amerikas sowohl als unter den Staatsdruckereien anderer Länder nimmt die Regierungsdruckerei[78] der Vereinigten Staaten einen achtunggebietenden Standpunkt ein.

Zuerst wurden die Staatsarbeiten an die, von beiden Häusern gewählten Privatdruckereien vergeben, mit denen man auf Grund bestimmter Preise kontrahierte. Später beliebte man den Zuschlag an den Mindestfordernden, dann wurde zu einer Anstalt geschritten, deren Direktor der Präsident erwählt. Die 1861 bezogenen Räumlichkeiten sind später bedeutend erweitert worden.

Vor der Rebellion der Südstaaten genügten 23, grösstenteils Adamssche, Schnellpressen. Durch 4 Accidenzpressen und einige Liniiermaschinen wurden die kleineren Arbeiten erledigt. Während des Aufstandes nötigte jedoch der Bedarf des Kriegs- und Marinedepartements zur Verstärkung der Kräfte. Obwohl von Liniiermaschinen allein 16 fortwährend beschäftigt waren, mussten manche Arbeiten Privaten übertragen werden. Nachdem jedoch der Kongress bestimmt hatte, dass alle Regierungsarbeiten in der Staatsdruckerei besorgt werden sollten, waren grosse Erweiterungen vorzunehmen.

Das Druckhaus ist ein vierstöckiges, nicht besonders schönes, jedoch gut belichtetes und zweckmässig eingerichtetes Gebäude von 300 Fuss Länge und 60–70 Fuss Breite. Der Druckersaal nimmt die ganze Tiefe und 270 Fuss Länge ein. Die Zahl der Schnellpressen beträgt 63, die der Arbeiter 1200. Die Jahresausgabe für Löhne und Material wird auf etwa 9 Millionen Mark veranschlagt. Die Arbeiten sind in drei Klassen geteilt: Staatsakten, gerichtliche und laufende Arbeiten. Die in der Anstalt gedruckten Werke haben oft einen grossen Umfang, so umfasst das Werk über den Secessionskrieg 96 Bände in Grossoktav. Oft ist rasende Eile notwendig; so wurden die Berichte der Halifax-Fischerei-Kommission 480 Seiten in Oktav in 48 Stunden gesetzt, korrigiert, gedruckt, gebunden und dem Kongress übergeben. Der jährliche landwirtschaftliche Bericht ist ein Band von 800 Oktavseiten und wird in 225000 Exemplaren gedruckt.

Banknotendruck.

Der Banknotendruck unterlag durch Jakob Perkins, der die Herstellung von Stahlplatten einführte, einer bedeutenden Umänderung und Verbesserung. 1818 ging Perkins nach London und arbeitete dort mit dem vorzüglichen Graveur Heath zusammen. Mehrere Sicherheitsmassregeln wurden erfunden, namentlich das Hineinarbeiten von Fäden oder Haaren in das Papier. Die Noten sind, dem Geschmack der Amerikaner gemäss, recht bunt und enthalten vollständige Bilder, ja sogar Schlachtenscenen, in Stahlstich. Sie werden in dem Bureau of Engraving and Printing, einer Abteilung des Schatzamtes, und bei der American Banknote Company ausgeführt.

Die Postkarten liefert laut Vertrag die American Phototype Company in Holyoke. Der Bogen enthält 40 Postkarten. Die Pressen sind mit verschlossenen Zählapparaten versehen, zu welchen nur Regierungsbeamte den Schlüssel haben. Zirkularschneidemaschinen teilen den Bogen viermal der Länge nach, die Längenschnitte werden wieder zehnmal der Quere nach geschnitten. Täglich wird durchschnittlich 1 Million Stück geliefert, die Produktion kann aber auf 1700000 gesteigert werden.

Dass die Versendung von Drucksachen durch die Post eine sehr grosse ist, begreift sich leicht; sie beträgt neben 1100–1200 Millionen Briefen jährlich gegen 750 Millionen Zeitungsnummern und mehr als 300 Millionen andere Drucksachen.

Accidenzdruck.

Der Accidenzdruck setzt in einem Geschäftslande, wie es Amerika ist, enorme Summen in Zirkulation. Nach Einführung der Tretmaschinen ist ein grosser Teil der Arbeiten in die Hände der Stationer (Trittmüller) übergegangen. Bei der Sucht, auffällig zu sein, laufen allerdings manche sonderbare Erzeugnisse unter den Accidenzen mit unter, aber vieles ist auch ausserordentlich schön. Unter den Accidenzdruckern, speziell unter den Farbendruckern, steht W. J. Kelly in hohem Ansehen. Als Herausgeber einer Fachzeitschrift, The Model Printer, macht er zugleich seine Arbeiten der Allgemeinheit der Buchdrucker nutzbar. Einen würdigen Konkurrenten hat er in J. F. Earhart in Columbus. Auch Oscar H. Harpel in Cincinnati, der den glücklichen Gedanken hatte, etwa 700 von ihm O. H. Harpel * 8. Juni 1828, † 20. Nov. 1881.in der Praxis ausgeführte Accidenzen in einem Band Harpels Typograph zu sammeln, genoss eines verdienten Ansehens. Ausser seinem praktischen Musterbuch gab er ein mit grossen Kosten verbundenes Werk heraus: Poets and Poetry of Printerdom. Harpel war eine der ideal angelegten Naturen, die in ihrem Streben nach Vollkommenheit nicht genug das Praktische berücksichtigen, und er erzielte deshalb nicht die Vorteile, die ihm auf Grund seiner Tüchtigkeit und Liebe zur Kunst sehr zu gönnen gewesen wären.

Als Beispiel, welche Summen auf Accidenzarbeiten verwendet werden, sei angeführt, dass ein Kurzwaren-Geschäft in New-Haven für 2000 Exemplare eines Muster-Katalogs gegen 350000 Mark verausgabte. Der Folioband von 290 Seiten mit etwa 700 in der wirklichen Grösse und in den natürlichen Farben ausgeführten Abbildungen kostet allein zu binden 65 Mark für jedes Exemplar. Dabei übersandten die Besteller nach Vollendung des Bandes dem Drucker mit einem sehr verbindlichen Schreiben ein äusserst kostbares Chronometer, ein Zeichen der Anerkennung, wie sie im Geschäftsleben wohl nicht gar zu oft vorkommt.

Die Durchschnittsqualität des Buchdruckes ist eine gute. Man fabriziert in Amerika weniger für besondere Klassen von Lesern, es fehlt deshalb in der Regel einerseits das höchste Raffinement, andererseits ein ungeniertes Sichgehenlassen. Die Schulbücher sind, was nicht genug gelobt werden kann, fast ausnahmslos vortrefflich ausgestattet. Druckt man einmal wirkliche Prachtwerke, so können sie auch den Vergleich mit den besten Erzeugnissen der alten Welt aushalten, z. B. Appletons Picturesque America und Picturesque Europe.


Der Buchhandel.

Über die Ausdehnung des Buchhändlerischen Geschäfts[79] ist es nicht leicht, eine ganz bestimmte Übersicht zu gewinnen, da keinerlei Kontrolle ausgeübt wird. Die Zahl der eigentlichen Buchhändler wird auf etwa 3000 angegeben, darunter sind gegen 800 Verleger. Neun Zehnteile des Verlagsgeschäftes sind jedoch auf höchstens 50 Firmen verteilt. Buchhändler, welche nicht ein ausschliessliches Geschäft aus dem Handel mit Büchern machen, giebt es über 10000.

Bücherproduktion.

Hat die Bücherproduktion auch nicht eine so immense Steigerung aufzuweisen wie die Zeitungsproduktion, so ist sie doch eine sehr bedeutende. Die amerikanische Originallitteratur bietet schon jetzt einen bedeutenden Stoff, daneben werden mit einer, bei lohnenden Aussichten staunenswerten, einer besseren Sache zur grössten Ehre gereichenden Energie die besten Erzeugnisse des Mutterlandes nachgedruckt. Ein internationaler Vertrag mit England lässt immer noch auf sich warten, und obwohl selbst in Amerika gewichtige Stimmen für den Schutz gegen Nachdruck sich erheben, ist doch kaum anzunehmen, dass der „praktische“ Amerikaner sich dem Zwange sobald fügen wird, es wäre denn, dass die Zunge der Interessenwage sich zu seinen Gunsten neigen würde.

Organisation des Buchhandels.

Der eigentliche Ursprung des organisierten Buchhandels in Amerika rührt von der Begründung der Amerikanischen Buchhandlungs-Gesellschaft im Jahre 1801 her. Sie errichtete Comptoire in New-York, Philadelphia und Boston, stellte feste Bedingungen für den Betrieb und war bemüht, durch Preisausschreiben die Fabrikation des Papiers und der Druckerschwärze zu fördern. Doch blieben die Fortschritte des Buchhandels immer noch klein. Die Auflagen wurden selten höher als 5–600 gemacht.

Mit dem Jahre 1830 hatte sich dies schon sehr geändert und später erreichten Werke selbst von grösserem Umfang und hohem Preis grosse Verbreitung. Agassiz' Naturgeschichte Nordamerikas, die über 600 Mark kostete, hatte über 2500 Subskribenten; von Kanes Reise nach den arktischen Regionen wurden 60000 Exemplare abgesetzt, von Murrays geographischer Encyklopädie 50000, von Chambers Encyclopædia of Literature über 100000. 1860 gab es bereits 400 Verleger und der Wert der produzierten Bücher — nicht Zeitungen —, der 1820 10 Millionen Mark betrug, hatte 1860 70 Millionen Mark überschritten. Die Zahl der Buchdruckereien war 1860 bis auf 4000 gestiegen, nachdem sie 1776 40, 1812 400 betragen hatte.

Die Organisation des Buchhandels ist nicht so geschlossen, wie in Deutschland, doch hat die American Book Trade Association einige Ähnlichkeit mit dem Börsen-Verein der deutschen Buchhändler. Die Buchhändler teilen sich in Publishers (Verleger), Jobbers (Kommissionäre) und Retailers (Sortimentshändler), doch sind diese drei Branchen oft in einer Hand vereinigt. Eine besondere Klasse der Verleger bilden die sogenannten Subscription Publishers, welche ihren Verlag nur durch Vermittelung von Agenten vertreiben, von welchen jedem ein gewisses Territorium überlassen bleibt, innerhalb dessen Grenzen er allein den Vertrieb hat. Der Jobber dient als Mittelsmann für diejenigen Sortimenter, die nicht mit den einzelnen Verlegern in Rechnung stehen können oder wollen, und vorziehen, ihren ganzen Bücherbedarf aus einer Hand zu nehmen. Sie kaufen oft tausende von Exemplaren von den Verlegern und verkaufen mit einem mässigen Nutzen.

Einmal im Herbst und einmal im Frühjahr findet eine grosse Bücherauktion statt, in welcher der Sortimentshändler sein Lager versorgt. Die Produktion des Jahres 1877 betrug 4476 Werke, also ungefähr dieselbe Quantität, die England produzierte. Nur einige grosse Firmen schlagen eine universelle Richtung ein, gewöhnlich beschränkt sich eine Firma auf einen Zweig.

Eine für Amerika eigentümliche Institution ist die American News Company. Diese Gesellschaft konzentriert in ihren Händen fast den ganzen Betrieb der periodischen Unternehmungen; ihre Interessen vertritt The American Bookseller. Es ist eine Anstalt, mit der die Journal-Verleger rechnen müssen, die jedoch ihre Macht in loyaler Weise gebraucht.

Fr. Leupoldt.

Um die Förderung der buchhändlerischen Organisation und des Büchervertriebes hat sich der Deutsche Friedr. Leupoldt aus Stuttgart besonders verdient gemacht. Wie in früherer Zeit Deutsche die Buchdruckerkunst durch alle Länder verbreiteten, so sind es in späterer Zeit fast überall Deutsche, die sich um die rationelle Einrichtung der buchhändlerischen Institutionen verdient gemacht und, durch die mühsamen Arbeiten der Inventarisierung, System in den Vertrieb gebracht haben. Die von Leupoldt ins Leben gerufene Publishers Weekly ist die beste bibliographische Zeitschrift Amerikas. Ebenfalls vortrefflich ist sein seit 1876 erscheinendes American Library Journal und sein jüngstes Werk Catalogue and Finding List of all American Books in Print and for Sale. 1881. Eine grosse Erleichterung für den Vertrieb bildet schliesslich die, ebenfalls von Leupoldt in Scene gesetzte, Uniform Trade List Annual, eine in gleichförmigem Äussern durchgeführte Sammlung der Kataloge der Mehrzahl der Verlagshändler, eine Idee, welche in Europa sofort Nachahmung fand, auch den Anstoss zu dem idealern, aber vielleicht weniger praktischen Russellschen „Gesamt-Verlagskatalog des Deutschen Buchhandels“ gegeben hat.

Sower, Potter & Co.

Einige der massgebenden und bahnbrechenden Verleger und Drucker wurden bereits genannt; es mögen zur Charakterisierung noch einige wenige angeführt werden und zwar zuerst das älteste Druckgeschäft Amerikas, dessen Geschichte noch weiter zurückgeht, als die der Vereinigten Staaten selbst und welches zugleich deutschen Ursprungs ist. Ein Teilhaber der angesehenen Firma Sower, Potter & Co. in Philadelphia ist der direkte Nachkomme in fünfter Generation von Christoph Saur (I, S. 274). Wie bereits in ihren ersten Anfängen beschäftigt sich die Firma noch heute hauptsächlich mit dem Druck von Erziehungs- und Erbauungsschriften.

Der Bibeldruck.

Letzterer Zweig ist überhaupt von sehr grosser Bedeutung, namentlich entwickeln die Bibel- und Missionsgesellschaften eine ausserordentliche Thätigkeit. Die 1816 gestiftete Amerikanische Bibelgesellschaft, deren Jahres-Einnahme jetzt etwa zwei und eine halbe Million Mark beträgt, druckte während der ersten sechzig Jahre ihres Bestehens über 33 Millionen Bibeln in 20 verschiedenen Ausgaben mit einem Aufwande von 75 Millionen Mark. Die Druckerei der Gesellschaft arbeitet mit 12 Rotationsmaschinen; die Zahl ihrer Stereotypplatten beträgt 65000. Im Jahre 1868 verbreitete The American Tract Society 807000 Bände und 9493000 Flugblätter. Der Verein Für Presbyterianischen Verlag weist über 2000 Artikel auf. Eine ähnliche Zahl sind aus den Pressen der, etwa 500 Personen und 30 Schnellpressen beschäftigenden Druckerei der Gesellschaft der Methodisten, die über ein Kapital von ungefähr 3500000 Mark disponiert, hervorgegangen. Über hundert Ausgaben der Bibel druckte die Firma John E. Potter & Co., unter deren zahlreichen anderen Verlagsartikeln sich die Bible Encyclopædia mit ihren 10000 Artikeln und über 3000 Abbildungen befindet. In einer ähnlichen Richtung wie die obigen Anstalten wirken The American Sunday School Union, The Evangelical Knowledge Society, der Nationale Mässigkeits-Verein, sowie die Firma A. J. Holman & Co. und noch viele Gesellschaften und Verleger. Für die Bedürfnisse der Katholiken sorgt unter anderen die Gesellschaft zur Verbreitung der Katholischen Litteratur. Auch die bekannte Firma Gebrüder Benziger in Einsiedeln unterhält zu diesem Zwecke eine Filiale in New-York.

Appleton & Co.

Das Geschäft, welches die vielseitigste Thätigkeit entwickelt, ist D. Appleton & Co. in New-York, gegründet 1831. Wie bei Brockhaus in Leipzig das Konversations-Lexikon, so bildet bei Appletons The American Encyclopaedia mit 4000 Holzschnitten und vielen Karten den Mittelpunkt des Verlages. Das schönste illustrierte Buch in Amerika dürfte ihr Picturesque America mit 850 Holzschnitten und 48 Stahlstichen sein, dem eine Picturesque Europe folgte. Ein wichtiger Teil des Verlages ist der den Bildungszwecken gewidmete. Auch die Anregung zu den International Scientifiques Series, die gleichzeitig auch in Deutschland, England, Frankreich, Italien und Russland erscheinen, ging von Appletons aus. Ihr North American Review steht in grossem Ansehen. Die Offizinen der Firma nehmen einen Raum von über 60000 engl. Quadratfuss ein. Mit der Buchdruckerei von etwa 50 Schnellpressen sind die verschiedenartigsten graphischen Anstalten verbunden.

J. B. Lippincott & Co.

Die Werkstätten von J. B. Lippincott & Co. in Philadelphia zählen zu den grossartigsten. Ihr Katalog führte 1879 weit über 2500 Werke auf, darunter Worcesters Dictionary of the English Language, das mit dem Websterschen um den Vorrang kämpft und einen mächtigen Band von 1854 Quartseiten mit 1000 Illustrationen bildet.

Houghton & Co.

Die Firma Houghton, Osgood & Co. besitzt ausser ihrem Geschäft in Boston ein bedeutendes Drucketablissement The riverside Press in Cambridge in unmittelbarer Nähe der Harvard-Universität. Sie vereinigen in ihrem Verlagskataloge die bedeutendsten Dichter und Romanschriftsteller Amerikas und Englands.

Blakeman & Co.

Ivison Blakeman, Taylor & Co. in New-York und Chicago, gegründet 1828, widmen sich ausschliesslich dem Verlage von Schulbüchern und verbreiteten bereits gegen 100 Millionen Bände. Wie bedeutend der Umfang der Geschäfte in Amerika ist, sieht man daraus, dass eine Sortimentshandlung in Chicago an einem Tage 186600 Bände aus dem Verlage der Genannten bestellte. Der tägliche Vertrieb ist gewöhnlich 15000 Bände. Von den vielen Lesebüchern von Sander werden jährlich etwa zwei Millionen Bände verbreitet. Bei dieser Firma erschien auch das Webstersche Wörterbuch, ein Quartband von 1840 Seiten mit 3000 Abbildungen.

Woods & Co.

Für die medizinische Litteratur haben Will. Woods & Co. in New-York grosse Bedeutung. In ihrem Verlage erschien u. a. Ziemssens Encyklopädie der praktischen Medizin, 17 Bände. Die Orange Judd Company pflegt mit grossem Nachdruck die Landwirtschaft und die Architektur; Boericke & Tafel sind speziell Verleger homöopathischer Werke.

L. Prang * 12. März 1827.

Es war natürlich, dass in einem Lande mit einem grossen, noch nicht auf der höchsten Stufe der Bildung stehenden Publikum der Bilderdruck ein gutes Feld finden musste und Amerika wurde der stärkste Konsument der einschlägigen deutschen Produkte. Amerika selbst besitzt eine hervorragende chromolithographische Anstalt, die von L. Prang & Co. in Boston. Ludwig Prang ist ein Deutscher und wurde in Breslau geboren, wo sein Vater als Formenschneider in einer Kattundruckerei arbeitete. Dieser war ein in vielen Sachen unterrichteter Mann und schwang sich zum Teilnehmer der Fabrik empor. Unter seiner Anleitung erhielt der Sohn die ersten künstlerischen Anregungen. Nach fünf wechselvollen Ausbildungsjahren wurde Prang von dem Strudel der deutschen Revolution mit fortgerissen, musste nach der Schweiz flüchten und ging von dort nach Nordamerika, wo er sich in verschiedenen Geschäften ohne Glück versuchte. Schliesslich warf er sich mit aller Energie auf die Holzschneidekunst und wurde bald einer der tüchtigsten Xylographen Amerikas, ruinierte jedoch seine Gesundheit, so dass er einen andern Beruf wählen musste.

Prang wendete sich nun der Lithographie zu und etablierte sich mit einem tüchtigen Freunde, der aber ebensowenig, wie er selbst, Vermögen besass. Sie setzten jedoch ihr Vorhaben, eine Anstalt für Farbendruck zu errichten, durch und debutierten mit einem Rosenbouquet in vier Farben, das, obwohl keineswegs vollendet, doch sehr gefiel. Die Assoziation löste sich 1860. Durch den Sezessionskrieg wurde Prang vielfach von seinen Plänen abgelenkt, gewann aber durch Kartenarbeiten Mittel, um auf jene zurückzukommen. Im Jahre 1865 erschienen die ersten Nachbildungen von Gemälden, zwei amerikanische Landschaften nach Beiker. Der Erfolg war jedoch kein ermutigender und Prangs Freunde rieten ihm, sein Vorhaben aufzugeben. Jedoch ein kleines Bild — eben aus den Eiern ausgekrochene Küchlein — von Tait gab den Ausschlag. Es wurde nicht nur in enormen Massen verkauft, sondern riss auch die liegengebliebenen Landschaften mit fort, und öffnete die Wege für die Millionen von Chromos — diese Bezeichnung führte Prang ein —, welche in Amerika gedruckt oder von Europa importiert wurden. Prangs Erzeugnisse machten dagegen die Rundreise in Europa und fanden allgemeine Anerkennung.

In Verbindung mit John S. Clark, von der Firma Osgood & Co., führte Prang eine Reihe von Unternehmungen, zu Unterrichts- und künstlerischen Ausbildungszwecken bestimmt, durch und leistete hierin vorzügliches.


Das deutsche Element.

Den Einfluss des Deutschen Elements auf das Buchgewerbe in Nordamerika zu verfolgen ist von ganz besonderem Interesse[80]. In dem Aufschwung desselben, welcher sich in der vorigen Periode (I, S. 273) kundgab, sollte bald ein Rückschlag eintreten. Zur Zeit der Befreiungskämpfe Amerikas, sowie später der französischen Revolutionskriege und der Gewaltherrschaft Napoleons, 1775 bis 1815, hatte die deutsche Einwanderung fast aufgehört, und als sie wieder anfing, bestand der Zufluss fast nur aus Leuten, die des fehlenden täglichen Brotes wegen die Heimat verlassen und keiner geistigen Nahrung bedurften, viel weniger selbstthätig das geistige Element kräftigen konnten. Die wenigen begabten Männer unter ihnen schlossen sich mehr dem englischen Element an.

Erste Druckthätigkeit der Deutschen.

Unter solchen Verhältnissen beschränkte sich die deutsche Druckthätigkeit auf die Herstellung einiger deutscher Schul- und Gebetbücher, sowie Kalender, welche man immer noch hauptsächlich den wenigen deutschen Pressen Philadelphias verdankte. Dies änderte sich erst mit dem politischen Aufschwung in Deutschland in den dreissiger Jahren und mit der darauf folgenden Sturm- und Drangperiode von 1848 nebst der Zeit der Nachwehen der Reaktion. Unter den von 1830–1870 aus Deutschland eingewanderten zwei und eine halbe Millionen befand sich eine nicht geringe Zahl von Männern, die den gebildeten Ständen angehörten, welche geistige Bedürfnisse hatten, zumteil in der Lage waren, diejenigen anderer zu befriedigen. Hiermit begann die eigentliche Entwickelung des deutschen Buchhandels und Druckgewerbes in dem Emporium New-York.

Der erste, der dort geschäftlich kräftig eingriff, war der Deutsch-Amerikaner Heinrich Ludwig (geb. 1804). Er etablierte sich 1832, importierte anfänglich hauptsächlich Schul- und Erbauungsbücher und fing 1834 selbst zu drucken an. Er lebte bis 1877, hochgeachtet wennauch geschäftlich längst durch neuere Etablissements überflügelt.