Jagd vom Boot aus.

Oft habe ich Flußpferde mit dem Boot verfolgt und so geschossen. Bei dieser Jagdart müssen die Ruderer genau auf jeden Wink des Schützen achten, weil die Kunst darin liegt, an der richtigen Stelle zu sein, wenn der Kopf des Tieres auftaucht. Dann erscheint die breite, borstige Schnauze manchmal dicht vor dem Boot und wird im Schreck über die so unerwartet nahe Gefahr unter kurzem Prusten wieder unter Wasser gesteckt.

Die Begegnungen, die ich bei monatelangem Aufenthalt an Flüssen, Seen und Sümpfen mit Flußpferden und Krokodilen hatte, sind zahlreich und gaben mir viele Beobachtungen.

In manchen Gegenden ertönte der tiefe, urkräftige Baß der alten Flußpferdbullen Tag und Nacht. Keine andere Tierstimme hat so ungeheure Macht und Stärke. Aus Seen mit dichtem, üppigen Schilf und schwimmenden Pflanzen dröhnt zur Mittagszeit das Grunzen, von dem man nicht weiß, ob es Groll oder Wohlbehagen ausdrücken soll. Heiß brennt die Sonne auf dem Wasser. Oft habe ich schweigend zugehört, wenn ich am Ufer in einem der tief ausgetretenen Pässe saß, auf denen das Kiboko nachts dem Wasser entsteigt.

Schädel eines von mir erlegten Nilpferds.

Dr. R. Kandt sagt sehr treffend: „Das Gebiß sieht aus, als wäre dem Tier bei der Schöpfung eine handvoll Zähne in jeder Form und Größe in den Rachen geworfen worden, von denen jeder gerade Wurzel faßte, wo und wie er zufällig hinfiel“.

Das Tierleben an solchem stillen Weiher zu beobachten, hat großen Reiz.

Der helle, melodische Schrei des weißköpfigen Adlers ertönt aus der Luft. Blütenweiße Edelreiher, Schlangenhalsvögel und graue Fischreiher sitzen auf kahlen Ästen der Uferbäume, die ebenso wie das hohe Rohr mit den zierlich geflochtenen Nestern der gelben Webervögel übersät sind.

Da streicht ein Riesenreiher mit kupferrotem, im Bogen zurückgelegten Hals über den See hin und fällt in meiner Nähe ein. Der „Korongo“[14] steht vielleicht eine Stunde lang bewegungslos, bis er plötzlich mit seinem Kopf nach unten fährt und mit einem zweipfündigen Fisch im Schnabel langsam in ganz flaches Wasser schreitet, wo er den noch Zappelnden bedächtig niederlegt.

Mit schwirrendem Flug kommt einer der bunten Königsfischer angeflogen und setzt sich auf einen Zweig, dicht vor meiner Nase, so daß ich das farbenprächtige Kleid bewundern kann. Der kleine Räuber ähnelt mit dem großen, starken Schnabel dem Bolzen einer Armbrust.

Besonders stark sind die Flußpferde gegen Abend zu vernehmen; wenn eins seine Stimme erhebt, ertönt fast ununterbrochen Antwort aus entfernteren Herden.

Es wird noch lange dauern, bis das letzte Kiboko aus den Flüssen Ostafrikas verschwindet; aber die an paradiesische Zeiten erinnernden großen Herden Tag für Tag um sich zu sehen, das mag nicht mehr vielen Jägern beschieden sein.

Ob man die Krokodile auch einmal schonen wird und, wie es jetzt in Nordamerika geschehen soll, durch strenge Strafgesetze vor Ausrottung schützen, das glaube ich nicht. Wenigstens scheint es mir zweifelhaft, weil ich noch gelernt habe, diese Tiere als gefährliche Feinde des Menschen zu fürchten.

[12]Dawa“, irgend ein Amulett, ein Stück Horn oder Metall, ein Knopf oder Stein, etwas Sand oder Mehl in Blätter, Papier, Tuch eingewickelt, gebunden oder genäht und an einer Schnur am Körper befestigt.

Um sich solche „dawa“ zu beschaffen, laufen die Leute oft sehr weit zu einem Zauberer, von dem sie gehört haben und zahlen diesem einige Kupfermünzen dafür.

Im Aufstand fanden wir bei allen Gefangenen kleine Fläschchen mit Wasser. Meist waren es blaue Gläser, wie sie die Inder zu Schnupftabak verkaufen; das Wasser weihte der Zauberer Hongo, der an den Panganischnellen des Rufiyi wohnte (an einer Stelle, die gleich weit von allen umliegenden Bezirksämtern und Militärstationen entfernt war). Nach seiner Gefangennahme entstand sofort ein neuer Jumbe Hongo, dessen Zauberapotheke uns bei dem Überfall von Nyamwera in die Hände fiel. Der Kriegsruf der Aufständigen war: „Maji, maji = Wasser, Wasser“ und hatte sicher mit den Fläschchen etwas zu tun, die die Krieger bei sich trugen.

[13] Ngoma heißt eigentlich „Trommel“ übertragen auch Tanzfest, weil dabei die Trommel geschlagen wird.

[14] korongo = eigentlich Storch.