Rückblick auf den Krieg. Die erste Maßregel Englands war die Entsendung Blakes mit der Hauptmacht gegen die holländische Fischerei und Schiffahrt in der Nordsee, Ayscue wird nur mit schwachen Kräften berufen, die Sicherung der Themse zu übernehmen. Der Gefahr durch die ganze feindliche Flotte, der dadurch Ayscue und die Holland naheliegenden englischen Küsten ausgesetzt wurden, scheint man sich gar nicht bewußt gewesen zu sein. Tromp macht aber auch nur einen schwachen Versuch, Ayscue zu vernichten; als ihm dies nicht leicht gelingt — allerdings überschätzte man damals noch den Wert von Landbefestigungen Schiffen gegenüber sehr —, gibt er den Plan auf und folgt Blake bis zu den Shetlands, in erster Linie doch nur, um holländisches Eigentum zu verteidigen. Ungünstiges Wetter verhindert den Zusammenstoß. Nach Blakes Rückkehr sendet man Ayscue wieder nach dem Westen des Kanals, anstatt mit beiden Flotten gemeinsam die Holländer anzugreifen, wozu sich eine so günstige Gelegenheit bot, da Tromps Flotte schwer gelitten hatte. So gelingt es Ruyter, einen Konvoi wohlbehalten durch den Kanal zu führen, den nur etwa gleichstarken Ayscue bei Plymouth mit Erfolg abzuwehren und den heimwärts bestimmten Konvoi zurück zu geleiten.
De Witt, an Tromps Stelle zum Oberkommando berufen, macht nun zum ersten Male den Versuch, eine größere Entscheidung durch einen Angriff auf die Hauptmacht des Feindes herbeizuführen; Kentish Knock wird geschlagen, ohne daß es sich um einen Konvoi handelt. Die Nebenumstände lassen aber vermuten, daß de Witt mehr unter dem Antriebe, etwas Bedeutendes zu leisten, gehandelt hat, als infolge strategischer Einsicht. Die holländische Regierung verfolgte diese Art der Kriegführung jedenfalls nicht weiter, sondern ordnete auch fernerhin wieder nur die Begleitung großer Konvois durch die Kriegsflotte an. Aber auch die Engländer nützen ihren Sieg nur in altem Sinne aus durch Aufbringen feindlicher Kauffahrer. Wenn auch der hereinbrechende Winter ihren Schiffen den Aufenthalt an der feindlichen Küste unmöglich machte, man sich wenigstens noch nicht zu bleiben getraute, und wenn man auch vom Feinde bei der vorgerückten Jahreszeit nichts Ernstliches mehr erwartete, so durfte doch die englische Flotte nicht zersplittert werden, wie es geschehen ist. Man überschätzte den Erfolg einer einzelnen siegreichen Schlacht, die allerdings für den Augenblick die Herrschaft über die See gebracht hatte. Diese Kurzsichtigkeit führte zur Niederlage Englands bei Dungeness.
Tromp verfällt nach dieser Schlacht derselben irrigen Auffassung. Schon sein Angriff entsprang nur der Absicht, seinen Konvoi sicher weiter zu führen und die sich bietende günstige Gelegenheit einem schwächeren Feinde gegenüber zu benutzen. Anstatt nach dem Siege dahin zu streben, den geschlagenen Feind gänzlich zu vernichten — die Position in den Downs war nach Abbruch der behelfsmäßigen Batterien nicht mehr so stark —, überhaupt die Offensive den getrennten englischen Geschwadern im Kanal gegenüber aufrecht zu erhalten, beschränkt er sich auf die defensive Aufgabe, seinen Konvoi nach Ré zu geleiten und einen heimkehrenden zurückzuführen. Während seiner Abwesenheit geht die holländische Herrschaft über den Kanal schnell wieder verloren, England hat Zeit, seine Kräfte zu sammeln und ihm bei seiner Rückkehr (bei Portland) entgegenzutreten. Den Zusammenstoß bei Portland hätte Tromp mit dem günstigen Winde vielleicht vermeiden können; er tat es wohl nicht, weil er der Beständigkeit des Windes sowie der Segelfähigkeit vieler seiner Kauffahrer nicht vertraute und daher fürchtete, von den Engländern auf dem Marsche eingeholt und angegriffen zu werden, wie sie es ja auch bei der Verfolgung nach der Schlacht mit großem Erfolge taten. Eine weitere Ausnutzung des Sieges wagen aber die Engländer wiederum mit Rücksicht auf die Jahreszeit nicht.
Im letzten Abschnitt des Krieges wird nun Tromp noch einmal beordert, Kauffahrer auswärts und heimwärts zu geleiten (Mai 1653). Jetzt aber erwarten die Engländer den Feind nicht mehr in ihren eigenen Gewässern, sondern versuchen, schon die Sammlung der Kriegs- und Handelsschiffe an der holländischen Küste zu verhindern. Sie kommen zwar zu diesem Zwecke zu spät und begnügen sich mit Aufbringen von Küstenfahrern und Alarmierung der Küsten, immerhin war es eine bedeutsame Erweiterung der Offensive. Überhaupt zeigen sich die Engländer von jetzt an mehrfach unmittelbar vor den feindlichen Häfen (Ende Mai, Anfang Juni 1653) und halten in den eigenen Gewässern ihre Flotte der feindlichen Küste näher (Yarmouth, Juni). Als nun auch Tromp nach seiner Rückkehr zur Offensive übergeht, indem er zunächst den Vorstoß gegen die Downs macht und dann die englische Hauptmacht sucht, kommt es am 12.–13. Juni 1653 zur Schlacht bei Northforeland-Nieuport, zum Kampf der Gesamtkräfte beider Staaten, ohne daß ein Konvoi den Anlaß gegeben hat. Nach dieser Schlacht nutzen die Engländer den Sieg aus, indem sie den Feind bis vor seine Häfen verfolgen und dann die feindliche Küste unter Blockade halten; ja, zu diesem Zwecke bessern und rüsten sie zum ersten Male dort ihre Flotte aus und kehren dazu nicht wie bisher nach jeder größeren Schlacht in die heimischen Häfen zurück. Der Ausfall Tromps, um die Blockade aufzuheben, führt zur Schlacht bei Scheveningen dicht an der holländischen Küste (10. August). Trotz ihres taktischen Sieges hier mußten die Engländer die Blockade aufgeben, da auch sie zu sehr geschwächt waren. Daß sie dann später den Krieg nicht wieder tatkräftig aufnahmen, ja, sogar mit geringeren Streitkräften als die Holländer auftraten, wird auf Cromwells Neigung zum Frieden zurückzuführen sein.
Beim Friedensschluß war der Kampf um die Seeherrschaft noch nicht entschieden, die holländische Flotte war keineswegs niedergekämpft; nicht sowohl militärische Gründe als die allgemeine Erschöpfung und die Volksstimmung zwangen Holland, Frieden zu schließen. Daß aber die Kriegführung im allgemeinen energischer geworden ist, beweist wohl auch die Tatsache, daß beide Nationen, abweichend vom bisherigen Brauch, versuchen, im Herbst 1653 eine Flotte bis in den Winter hinein ständig auf See zu halten; der erste schwere Wintersturm zeigt dann allerdings, daß die damaligen Schiffe dem noch nicht gewachsen waren.
Der Verlauf dieses Krieges lehrt, daß zur Erreichung großer Ziele auf oder über See — hier die völlige Lahmlegung des feindlichen Handels, der Schutz des eigenen — die unbestrittene Beherrschung der See durch Niederkämpfen der feindlichen Seestreitkräfte nötig ist. Die Engländer, von Anfang an mehr auf die Offensive hingewiesen und weniger an ihrer Durchführung behindert, tragen zuerst diesem Grundsatz Rechnung. Während sie in der ersten Hälfte des Krieges nur auf möglichst starke Schädigung des Handels, nicht auf schleunigere Beendigung des Krieges hinzielen, richten sie in der zweiten Hälfte ihre Stöße mehr gegen die Streitkräfte des Feindes. Aber auch die Holländer versuchen gegen das Ende, zunächst die feindliche Kriegsflotte aus dem Felde zu schlagen. Sie geben dann in den späteren Kriegen ihren Handel ganz auf, weil sie eingesehen haben, daß ihre Kräfte nicht ausreichen, gleichzeitig diesen zu schützen und um die Seeherrschaft zu ringen. „Der Kampf der Seestreitkräfte miteinander tritt in den Vordergrund.“
Fußnoten:
[95] Nach Perels, „Das internationale Seerecht.“ Seite 16 und Seite 18 Anm.
[96] Anschließend an Kapitel II „Die Entwicklung des Seekriegswesens“, sowie an „Die wichtigsten Kriegsmarinen“ (Seite 148–151). Hauptquellen: Clowes, Teil II; de Jonge, Teil I.
[97] Angaben nach de Jonge, Teil I, Beilage XXIV.
[98] Anschließend an Seite 139 und 143. Näheres über England siehe Clowes, Teil II, Seite 118; über Holland in Indien und Brasilien, Zimmermann, Band I und V.
[99] Hauptquellen: Clowes, Teil II; „Vie de Tromp“; „Leben Ruyters“. Zum Vergleich auch Schomberg, Teil I; Allen, Teil I; Yonge, Teil I.
[100] „Vie de Tromp“: Berichte beider Führer Seite 15 u. ff., ebendort Briefwechsel zwischen ihnen und Vorstellungen der holländischen Gesandten den Fall betreffend. Clowes, Teil II, Seite 148.
[101] Über diese Verhandlungen, in denen England seine Forderungen verschärfte, näheres in „Vie de Tromp“, Seite 27 ff.
[103] Bei „Agosta“ später noch einige Angaben über Ruyter. Beste Biographie: „Leben Ruyters“, vgl. Quellenverzeichnis.
[104] „Leben Ruyters“, Seite 19.
[105] „Leben Ruyters“, Seite 22.
[106] Clowes, Teil II, Seite 157, nimmt an, daß beide Gegner kein Schiff verloren hätten. „Vie de Tromp“, Seite 67, und „Leben Ruyters“, Seite 23, sagen, die Engländer würden vernichtet sein, wenn es Ruyter gelungen wäre, die Luvstellung zu gewinnen und von dort aus seine Brander zu verwenden.
[107] In „Vie de Tromp“, Seite 69, und „Leben Ruyters“, Seite 26, wörtliche Wiedergabe seiner Ansprache. Er spricht darin die Hoffnung aus, den Feind zu überraschen, indem viele Offiziere und Leute am Lande sein würden, und daß diejenigen seiner Kommandanten, die sich in der Schlacht weniger gut benommen, dies wieder gutmachen könnten. Über seine Kapitäne klagte er später noch einmal, als beim Kreuzen häufig Schiffe zu weit abkommen; er spricht dabei von „mutwilligen und dummen“ Kommandanten. („Leben Ruyters“, Seite 28.) Unbotmäßigkeit, Lauheit und Ungeschick wird im ersten holländisch-englischen Kriege den Kommandanten öfters vorgeworfen, wohl eine Folge der politischen Parteien im Lande und mißverstandener republikanischer Ansichten oder auch des Mangels an eigentlichen Marineoffizieren.
[108] Clowes, Teil II, Seite 159; du Sein, Teil II, Seite 572; Troude, Teil I, Seite 104.
[109] Witte Cornelius de Witt, 1599 in Brielle geboren, ging mit 17 Jahren zur See und stieg bis zum Admiralleutnant; tüchtig, kampflustig aber hartnäckig, schroff und unbeliebt. Vom Oberkommando entsetzt, diente er später weiter auch unter früheren Untergebenen. Er fiel 1658 in der „Schlacht im Sunde“.
[110] Dänemark hielt zu Holland, indem es mit vertragsmäßig dazu bestimmten Kriegsschiffen holländische Kauffahrer schützte, ja sogar konvoiierte, englische Fahrzeuge dagegen aufbrachte. Das erwähnte englische Geschwader wurde durch Sturm verhindert, etwas zu leisten.
[111] Im „Leben Ruyters“, Seite 30, wird gerade bei dieser Gelegenheit hervorgehoben, daß sich in der Flotte sehr viel eingestellte Kauffahrer befanden, und daß um diese Zeit zuerst dringende Anträge für den Bau von Kriegsschiffen gestellt seien.
[112] Unter den sich besonders auszuzeichnenden Schiffen findet man Namen, die seitdem in der englischen Flotte stets wieder erscheinen: „Victory“, „Vanguard“, „Triumph“ (Blakes Flaggschiff).
[113] Bei diesen Fahrten soll Tromp einen Besen im Topp geführt haben, als Zeichen, daß er den Kanal reingefegt habe. Nach Clowes, Teil II, Seite 174, ist dies eine Sage: Ein Besen im Topp sei damals das Zeichen gewesen, daß das betreffende Schiff zum Verkauf stehe. So sei die Erzählung wohl ein Witzwort von jemandem, der Tromp in St. Martin auf Ré seine Prisen habe verkaufen sehen. Aber auch dann bezeugt der lange Glaube an die Erzählung, daß die Holländer nach Dungeness einige Zeit die Herrschaft im Kanal hatten.
[114] Die Untersuchungsakten liegen nicht mehr vor, so daß der Grund für das Verhalten der Kriegsschiffkommandanten unbekannt ist. Man glaubt, es Einflüssen der royalistischen Partei zuschreiben zu müssen.
[115] Über das Gefecht etwas genauer: Clowes, Teil II, Seite 176; Allen, Teil I, Seite 44; „Vie de Tromp“, Seite 105. Im letzten Angaben über die Schicksale der einzelnen Schiffe und über den Gesamt-Mannschaftsverlust: Engländer 286 Tote, 293 Verwundete; Holländer 123 Tote, etwa ebensoviel Verwundete. Der holländische Admiral van Galen wurde tödlich verwundet.
[116] Schilderung der Schlacht nach Clowes, Teil II, Seite 168; „Vie de Tromp“ und „Leben Ruyters“ geben nur Taten holländischer Schiffe; die wenigen Andeutungen anderer Art weichen oft von Clowes ab.
[117] „Vie de Tromp“, Seite 95.
[118] „Vie de Tromp“, Seite 99 und 101, wörtliche Wiedergabe der Berichte Tromps und Blakes.
[119] Nach „Vie de Tromp“ war der Bau von 30 Schiffen, nach „Leben Ruyters“ Seite 40, sogar der von 60, in zwei Raten, angeordnet; sie werden dort „Fregatten“ genannt (vgl. Seite 164.)
[120] Blake war zur Zeit der Parlamentsauflösung an der Ostküste Englands stationiert, wie man sagt, da Cromwell seiner Zustimmung zu erwähntem Staatsstreiche nicht sicher war. Yonge, Teil I, Seite 72.
[121] Genauer „Vie de Tromp“, Seite 118.
[122] Diese zweitägige Schlacht ist sehr verschieden benannt: Lowestoft; Nieuport; Dünkirchen. Nach dem Ort, an welchem sie begann, scheint mir die Bezeichnung nach Clowes: „Northforeland“ die beste; für den zweiten Tag kann man dann wohl „Nieuport“ annehmen.
[123] Nach Yonge, Teil I, Seite 73, schon in früheren Zeiten in der englischen Marine so bezeichnet.
[124] Nach „Vie de Tromp“, Seite 123 und Allen, Seite 95, trug sich dies erst am 13. zu.
[125] „Vie de Tromp“, Seite 128, Tromps Bericht.
[126] Auch Tromp nennt in seinem Bericht die Verwirrung eine Folge der „Unwissenheit und Unerfahrenheit vieler Kommandanten“.
[127] „Vie de Tromp“, Seite 133; „Leben Ruyters“, Seite 44, geben Näheres.
[128] Diese Verfügungen ebendort, Seite 136 bezw. Seite 44.
[129] Monck führte jetzt allein den Oberbefehl, da Deane gefallen, Blake schwer erkrankt nach England gesandt, ein neuer General zur See noch nicht ernannt war; im Dezember 1653 erfolgte Penns Ernennung nebst der eines dritten, der jedoch nie zur See diente. (Clowes, Teil II, Seite 192.)
[130] „Vie de Tromp“, Seite 139; Tromps Bericht; „Leben Ruyters“, Seite 45.
[131] Vgl. Clowes, Teil II, Seite 195; Allen, Teil I, Seite 48; „Vie de Tromp“, Seite 140.
[132] Clowes, Teil II, Seite 196.
[133] „Vie de Tromp“, Seite 147; ebendort das Begräbnis Tromps.
[134] „Leben Ruyters“, Seite 52.
[135] Das Abschließen des spanischen Antwerpens von der Schiffahrt — die Sperrung der Schelde — war eine wichtige Errungenschaft Hollands im Westfälischen Frieden gewesen.
[136] Zimmermann, Band II, Seite 142, nennt 85 000 Lstrl. (und Herausgabe der Banda-Insel Palaroon) an die ostindische Kompagnie und 3600 Lstrl. an die Erben der Amboinakaufleute. Clowes, Teil II, Seite 200, spricht von 140 000 Lstrl. für den Schaden des Ostseehandels und von 900 000 Lstrl. als Gesamtbetrag aller Forderungen.
[137] Colomb, Kap. I. „The nature of naval warfare“ mit folgender Disposition: Ein wirklicher Seekrieg ist erst möglich, wenn im Seehandel ein großer Teil des Reichtums eines Landes ruht und wenn Schiffe vorhanden sind, die die See halten können. Er war mithin vor der Zeit Elisabeths ausgeschlossen. Erst im Spanischen Kriege wurden diese Voraussetzungen erkannt, besonders von den Admiralen Raleigh und Monson, Das erste Ziel des Seekrieges ist also die Beherrschung der See.
[138] Als ein krasses Beispiel der Unbotmäßigkeit in der holländischen Marine sei noch erzählt, daß, als 1652 der beliebte Admiral Tromp durch den unbeliebten de Witt im Oberbefehl ersetzt wurde, das bisherige Flaggschiff „Brederode“ sich weigerte, de Witt an Bord zu nehmen; er war genötigt, seine Flagge auf einem anderen Schiffe zu heißen.
[139] Colomb, Kap. II, „The struggle for the command of the sea“ bespricht die Strategie im ersten Kriege nach folgender Disposition: „Ein wirklicher Seekrieg kann geführt werden, wenn genügend Eigentum auf dem Meere liegt, um dem Verluste eine ernste Bedeutung zu geben, und wenn seefähige Schiffe zum Angriff vorhanden sind. — Der Seehandel kann unmittelbar angegriffen und verteidigt werden, wie im ersten Abschnitt dieses Krieges; er kann vernichtet werden, nachdem zunächst die Seeherrschaft durch Niederkämpfung der feindlichen Flotte errungen ist, wie im späteren Abschnitt. — Mit einzelnen Siegen aber wird die Seeherrschaft nicht dauernd errungen, wenn die besiegte Macht nicht auch vernichtet ist. Die Siege, die von beiden Parteien errungen sind, waren nur Schritte auf dem Wege zur Seeherrschaft; der Kampf um diese war beim Friedensschlusse noch nicht beendet.“
Wir folgen im großen ganzen dieser Disposition.
Vor der Schilderung des nächsten großen Seekrieges zwischen England und Holland müssen wir uns mit einigen Nebenkriegen beschäftigen, in denen die Flotten dieser Staaten eine Rolle spielen.
England[140] befand sich nach dem Frieden von Westminster und nach dem Abschluß des französischen Handelsvertrages mit allen Völkern im Frieden, es hatte überall seinen Willen erreicht (Seite 229). Cromwell jedoch wünschte einen auswärtigen Krieg, um die Aufmerksamkeit des Volkes von der inneren Politik — der gegen ihn gerichteten Bestrebungen der strengen Republikaner und der Royalisten — abzulenken; er brach einen Krieg mit Spanien vom Zaune. Reibungen mit diesem Staate hatten in Westindien nie aufgehört, da England hier seinen Einfluß und seine Besitzungen zu erweitern fortfuhr und Spanien dies mit den alten grausamen Mitteln zu vereiteln suchte. So war gerade dieser Krieg von religiösem und kommerziellem Standpunkte aus volkstümlich; er versprach außerdem reiche Beute.
Schon im Sommer 1654 wurde die Ausrüstung zweier Flotten betrieben; ihr Zweck ward streng geheim gehalten, so daß man sowohl in Frankreich wie in Spanien in Erwartung eines gegen sich gerichteten Unternehmens stand.
Penn erhielt den Befehl über eine dieser Flotten: 18 Kriegsschiffe — 1 zu 60, 4 zu 54, 3 zu 44, 3 zu 40, 2 zu 36, 4 zu 30 Kanonen —, 20 Transporter. Die kleineren Kriegsschiffe und die Transporter waren vorzugsweise mit Soldaten bemannt, deren insgesamt 3000 Mann unter General Venables eingeschifft waren. Die Expedition segelte am Weihnachtstage 1654 nach Westindien, ihr Erfolg war die Eroberung Jamaicas.
Auf Barbados und anderen englischen Besitzungen wurde die Stärke der Landtruppen nahezu verdoppelt und ein Landungskorps von Matrosen unter dem Vizeadmiral der Flotte formiert. Am 31. März 1655 verließ die Expedition Barbados und landete am 13. und 14. April 7000 Mann auf Haiti in der Nähe der Stadt Domingo unter Venables[237] Befehl, Penn mit der Flotte als Rückhalt. Am 25. wurde jedoch das Landungskorps mit einem Verlust von 1700 Mann völlig geschlagen, die gänzliche Vernichtung soll nur das Matrosenkorps verhindert haben. Die Landoffiziere gaben nun weitere Unternehmungen hier auf, weil sie ihren Truppen, Strafgefangenen und unzuverlässigen königlichen Soldaten, nichts zutrauten.
Um nicht ganz ohne Erfolg heimzukehren, wandte sich die Expedition nach Jamaica und eroberte in wenig Tagen, 10.–17. Mai, die schwach kolonisierte und nur von einer Miliz verteidigte Insel. Diese blieb von jetzt an in englischem Besitz, wenn auch Spanien verschiedene Wiedereroberungsversuche machte und die in die Berge geflüchteten spanischen Kolonisten mit ihren Negersklaven lange noch einen Guerillakrieg gegen die Engländer führten.
Die Landtruppen auf der Insel und einige Schiffe auf der westindischen Station, behufs Schädigung der Spanier, zurücklassend, kehrte Penn nach England heim; er wie Venables kamen wegen des Mißerfolges auf Haiti trotz der wichtigen Eroberung Jamaicas auf kurze Zeit in den Tower.
Die zweite Flotte unter Blake segelte am 29. September 1654 nach dem Mittelmeer. Sie bestand aus 25 Segeln: 1 zu 60, 2 zu 54, 3 zu 50, 1 zu 46, 2 zu 40, 4 zu 36, 2 zu 34, 2 zu 32, 1 zu 30, 2 zu 22 Kanonen und 5 kleineren.
Blake hatte den Befehl, vorläufig nichts gegen Spanien zu unternehmen. Der Krieg war ja noch nicht erklärt und man wollte die Abfahrt der spanischen Silberflotte nicht stören, um sie womöglich in die Hände Penns fallen zu lassen — Penns Expedition geschah wieder einmal nach dem alten Grundsatz: „Kein Frieden gilt unter der Linie“, d.h. in außereuropäischen Gewässern —, im Gegenteil, es sollte den Anschein haben, als ob die Flotte Blakes nur zum Nutzen Spaniens wirke, indem sie gegen die Barbaresken vorging. Ihre erste Tat war auch die in ihrer Art berühmte Vernichtung einer tunesischen Flotte unter den Befestigungen von Tunis.
Blake machte zunächst eine Demonstration gegen den Papst und gegen den Herzog von Livorno wegen ihrer Unterstützungen des Prinzen Ruprecht nach der Revolution und der Holländer im ersten Kriege. Später ging er nach Tunis, wo eine Flotte für den Sultan ausgerüstet wurde. Am 4. April 1655 griff er diese, neun noch ungetakelte aber armierte Schiffe, unter den Kanonen der Forts von Porto Farina an, die erste große Tat dieser Art, wie er uns schon als erster Angreifer von Landbefestigungen aus den Operationen gegen die königstreuen Kanalinseln bekannt ist (Seite 198). Er teilte seine Flotte in zwei Divisionen und schickte die leichten Schiffe gegen die feindlichen Fahrzeuge, die schweren gegen die Forts. Seine schweren Schiffe nahmen trotz des heftigsten Feuers in vollster Ordnung ihre Plätze ein und kämpften vermöge ihrer guten artilleristischen Ausbildung die Forts nieder, dann wurden die feindlichen Schiffe durch die armierten Boote genommen.
Mittlerweile war Penns Auftreten in Spanien bekannt geworden, und nun erhielt Blake den Befehl, die spanischen Küsten zu blockieren, um die Silberflotte abzufangen und das Entsenden von Verstärkungen nach Westindien zu hindern. Der Zustand der Schiffe und seine eigene Gesundheit zwangen ihn jedoch, im Oktober nach England zurückzukehren.
Dem Abschluß des Friedens und des Handelsvertrages mit Frankreich 1655 ließ England bald ein Bündnis mit diesem Staate, der im Kriege mit Spanien war, folgen. Nun wurde auch englischerseits der Krieg erklärt; er sollte die letzte große Tat Blakes, die Vernichtung der Silberflotte vor Teneriffa, 1656, bringen.
Im Frühjahr 1656 führte Blake eine große Flotte an die spanische Küste und hielt dort trotz seiner gebrochenen Gesundheit ein Jahr die Blockade aufrecht. Einige seiner Schiffe brachten zwei Fahrzeuge der spanisch-westindischen Flotte auf, so reich beladen, daß der Transport der Beute an Gold, Silber und Juwelen von Portsmouth nach London 38 Wagen erforderte. Im Frühjahr 1657 erhielt Blake die Nachricht von der Heimkehr einer neuen Silberflotte, er ging ihr entgegen und traf sie in Sta. Cruz auf Teneriffa. Die Spanier waren auf den Angriff vorbereitet, hatten die Schätze gelandet, die Befestigungen verstärkt und die Schiffe zur Rückfahrt nach Westindien klargemacht. Zur eigenen und der Stadt Verteidigung waren 10 Schiffe im Halbkreis längs der Bucht nördlich von der Stadt verankert, die 6 schwersten Galeonen dagegen vor diesen in Linie vermoort, was ein Fehler war, denn sie maskierten das Feuer der anderen 10 Schiffe.
Die Windverhältnisse der Rhede von Sta. Cruz sind einem Angriff unter Segel sehr ungünstig. Entweder weht ein unbeständiger Landwind, der angreifende Schiffe der Gefahr aussetzt, bekalmt[141] zu werden, oder eine gleichmäßige frische Seebrise, die wieder ein Abbrechen des Gefechts schwierig, für beschädigte Schiffe fast unmöglich macht. Um so kühner war Blakes Plan: Mit Seewind und Flut anzugreifen, die Schiffe zu zerstören und dann mit der Ebbe wieder das freie Wasser zu gewinnen. Er gelang. Der Admiral selber beschäftigte die Befestigungen nördlich und südlich von der feindlichen Flotte, sein Vizeadmiral ankerte querab der Galeonen, setzte diese außer Gefecht und enterte sie. Als nun die Forts ihr Feuer auf die Prisen richteten, ließ Blake diese und auch die kleineren Schiffe in Brand setzen. Das Glück begünstigte das Unternehmen. Als die Ebbe einsetzte, kam eine sonst seltene, stetige Landbrise auf und führte die englischen Schiffe sicher von der Rhede; sie hatten zwar nur 40 Tote und 110 Verwundete gehabt, waren aber doch stark beschädigt. Wenn auch keine Beute gemacht werden konnte, so war doch der Verlust der Spanier durch Vernichtung der ganzen Flotte groß.
Blake hatte hier wiederum gezeigt, daß Schiffe mit Erfolg Küstenbefestigungen bekämpfen konnten; schon Schriftsteller seiner Zeit bezeichnen ihn als den ersten Führer, der solches gewagt habe. Er starb, nachdem er noch bis zum Juli die Blockade an den spanischen Küsten geleitet hatte, auf der Rückreise nach England am 7. August 1657 unmittelbar vor dem Einlaufen in Plymouth.
Die Geschichte Englands bietet nun bis 1665 besonderes nicht mehr. Die spanischen Küsten wurden weiter blockiert. Die englische Flotte unterstützte durch Blockade die Wegnahme Dünkirchens durch die Franzosen 1658. Die Stadt fiel nach dem Pyrenäischen Frieden 1659 laut Vertrag an England, doch verkaufte sie Karl II. 1662 an Louis XIV.; ein ungeheurer Fehler, denn sie wurde ein wichtiger Stützpunkt für die Franzosen, besonders später für den Freibeuterkrieg gegen England.
Die Jahre 1658 und 1659 brachten Flottendemonstrationen nach der Ostsee, wo England, Holland und Frankreich bestrebt waren, weder Dänemarks noch Schwedens Macht zu groß werden zu lassen, sich aber auch gegenseitig eifersüchtig beobachteten (schwedisch-polnischer Krieg). Im Anfang der sechziger Jahre endlich wurden weitere Expeditionen gegen die Barbaresken sowie zur Einsetzung der englischen Macht in Tanger, das als Mitgift seiner portugiesischen Gemahlin an Karl II. (wie auch Bombay) gefallen war, übernommen. 1660 führte ein Geschwader unter Montagu den König Karl II. von Holland nach England hinüber; in der Marine waren Montagu, Lawson und Penn die Hauptförderer der königlichen Sache gewesen.
Holland.[142] Nachdem im ersten englisch-holländischen Kriege die Engländer das Mittelmeer geräumt hatten, waren auch die holländischen Seestreitkräfte dort sehr vermindert. Infolgedessen nahm der Seeraub durch die Barbareskenstaaten wieder überhand; kleinere Flotten derselben schlossen fast die Straße von Gibraltar und dehnten ihre Züge bis zur portugiesischen Küste aus. Nach dem Friedensschluß wandte sich auch Holland, wie England, gegen dieses Unwesen und Ruyter führte in den Jahren 1654–1657 mit Erfolg drei Züge dorthin.
1656 erklärte Holland den Krieg an Portugal, nachdem es vergeblich die Rückgabe seiner früheren Besitzungen in Brasilien und Westafrika sowie eine große Geldentschädigung verlangt hatte. Noch in demselben Jahre wurde eine Flotte unter dem Leutnantadmiral Wassenaer zur feindlichen Küste gesandt, die, als Ruyter vom Mittelmeer aus zu ihr gestoßen war, aus 28 Segeln bestand. In drei Geschwader geteilt, blockierte sie die Küsten und brachte viele reiche Kauffahrer, besonders Zuckerschiffe aus Brasilien, auf; 1658 führte Ruyter 22 Schiffe, alle von der Admiralität Amsterdam gestellt, zu gleichem Zweck dorthin. Zum Schlagen kam es nie, da die portugiesische Flotte die Häfen nicht verließ. — Dieser Krieg konnte jedoch überhaupt nicht mit voller Energie fortgeführt werden, da man bald die Seestreitkräfte im Norden nötiger brauchte; weitere Feindseligkeiten spielten sich nur in Indien ab, bis 1661 ein Frieden geschlossen wurde, in dem Holland gegen eine Zahlung von 8 Millionen Gulden und freien Handel in allen portugiesischen Kolonien auf Brasilien und die strittigen Punkte in Westafrika verzichtete.
Im Norden spielte sich seit 1655 der schwedisch-polnisch-brandenburg-dänische Krieg 1655–1660 ab, in den Holland tätig eingriff, weil es die Erfolge Schwedens mit Besorgnis für seinen so wichtigen Ostseehandel ansah. Wie immer ein Freund der schwächeren Macht in der Ostsee — wir sahen es auf seiten Dänemarks gegen die Hansa, dann auf seiten Schwedens gegen Dänemark —, trat Holland jetzt auf seiten Dänemarks.
Der schwedisch-polnische Krieg:[143] Die Kämpfe um die Herrschaft in der Ostsee, das Erstarken Schwedens in ihnen haben wir bis 1648 verfolgt (Seite 110). 1655 griff Karl X. Gustav von Schweden den König Johann Kasimir von Polen, der Ansprüche auf die Thronfolge in Schweden erhob, von Pommern und Litauen aus[240] an. Da ein Teil der Polen zu ihm überging, hatte er zunächst großen Erfolg; nach kurzer Zeit war fast ganz Polen in seiner Hand, und der Kurfürst von Brandenburg zur Neutralität gezwungen. 1656 wurde auch Westpreußen bis auf die Stadt Danzig, die von einer holländischen Flotte geschützt wurde, erobert. Durch Wiederabfall der Polen gefährdet, gewann der Schwedenkönig sich den Beistand Brandenburgs und erfocht mit ihm den glänzenden Sieg bei Warschau 28./30. Juli 1656.
Nun aber trat ihm eine Liga von Rußland, dem Kaiser und Dänemark entgegen, der sich später auch Brandenburg anschloß. Dänemark glaubte, diese Gelegenheit benutzen zu können, um die Verluste des Friedens von Bromsebrö 1645 wieder gut zu machen.
Karl Gustav warf sich mit aller Kraft auf Dänemark. Seine Flotte wurde zwar zunächst von der dänischen in Schach gehalten, aber mit der Armee eroberte er über Pommern, Mecklenburg, Holstein, schließlich im Januar 1658 über die gefrorenen Belte vordringend, Fünen, Langeland, Laaland, Moen, ging nach Seeland über und belagerte, nun auch von der Flotte unterstützt, Kopenhagen.
So erzwang er den Frieden von Roeskild, 26. Februar 1658, worin Dänemark die Provinzen Bleckingen, Schonen, Halland, Bohuslän, Drontheim, sowie die Insel Bornholm abtrat und dem Vorschlage beistimmte, gemeinsam mit Schweden den Sund für fremde Kriegsschiffe zu schließen. Schweden war zum Frieden geneigt geworden, weil ein polnisch-brandenburg-kaiserliches Heer Dänemark zu unterstützen drohte.
Die Sperrung des Sundes durchzuführen, zeigte sich aber Dänemark nicht gewillt, wozu es wohl durch Holland und England in deren eigenem Interesse bewogen oder gar genötigt wurde. Da griff Karl Gustav im August 1658 unversehens aufs neue an. Nach den schnellen Erfolgen des vorigen Feldzuges hoffte er wohl durch völlige Niederwerfung Dänemarks den alten Gedanken der Kalmarischen Union jetzt verwirklichen zu können. Er bemächtigte sich Korsörs und belagerte wiederum Kopenhagen, von den anderen Inseln waren seine Truppen noch gar nicht zurückgezogen. Die Stadt verteidigte sich tapfer und wurde durch die blutige Schlacht im Sunde von einer holländischen Flotte wenigstens auf der Seeseite entsetzt; die Belagerung zu Lande dauerte fast bis zum Friedensschlusse.
Im weiteren Verlaufe des Krieges (1659) eroberten die festländischen Verbündeten Dänemarks: Pommern, Schleswig-Holstein, Jütland, Alsen, Fünen (Nyborg 14. November); an dieser letzten Waffentat nahm wiederum eine holländische Flotte großen Anteil.
Holland, England und Frankreich, die keine der beiden Mächte in der Ostsee zu stark werden lassen wollten, hatten sich im Haager Konzert, Mai 1659, vereinigt, um Frieden zu vermitteln. England und Frankreich war der von Holland im Norden erlangte Einfluß zu bedeutend geworden, und so mischten auch sie sich kräftiger ein, sobald die Aussicht auf Frieden mit Spanien ihnen freiere Hand ließ. Die Vermittlung blieb bei der Hartnäckigkeit des Schwedenkönigs längere Zeit ohne Erfolg und eine schnellere kriegerische Entscheidung durch die holländische Flotte auf seiten Dänemarks wurde wieder durch die Anwesenheit einer englischen Beobachtungsflotte und durch die diplomatische Vertretung Frankreichs gehindert. Erst nach dem Tode Karls X. Gustavs, im Februar 1660, kam es im Juni 1660 zum Frieden von Kopenhagen zwischen Dänemark und Schweden (im Mai schon zu Oliva zwischen Schweden und Brandenburg-Polen). Die Bedingungen für das geschlagene Schweden waren sehr günstig: dieselben, die das siegreiche im Frieden von Roeskild errungen hatte; nur blieben jetzt Bornholm und Drontheim bei Dänemark und, das Wichtige für die Vermittler, die geplante Sundsperre fiel weg.
Schweden hatte seine Grenzen endgültig an den Sund und an das Kattegat gerückt, hatte die Mitherrschaft über die Einfahrt in die Ostsee errungen, ja, war die erste Macht in der Ostsee geworden.
Die Beteiligung der holländischen Marine an diesem Kriege ist sehr bedeutend, während die zur Ostsee entsandten englischen Flotten nirgends tätlich eingriffen. In der ersten Zeit des schwedisch-polnischen Krieges verstärkte Holland nur den Schutz seiner Handelsschiffe in der Ostsee, als aber Karl X. Gustav 1656 Danzig bedrohte und man fürchtete, daß diese Kornkammer geschlossen, sowie Ein- und Ausfuhr im Osten zu sehr von den Schweden abhängig werden könnte, beschloß man einzugreifen, um wie elf Jahre vorher zur Erhaltung des Gleichgewichtes in der Ostsee beizutragen. Der Leutnantadmiral Wassenaer,[144] unter ihm Ruyter als Vizeadmiral, führte eine große Flotte nach Danzig, deren Erscheinen im Juli 1656 die Stadt vor der Übergabe rettete und die holländischen Handelsverhältnisse vorläufig sicherstellte, bis Dänemark im unglücklichen Frieden von Roeskild gezwungen wurde, dem Vorschlage Schwedens, für fremde Kriegsschiffe den Sund zu sperren, beizustimmen.
Zunächst griff Holland hierauf jedoch noch nicht wieder ein, hoffend, daß diese Bedingung bei Dänemarks Abneigung dagegen nicht durchgeführt werden würde. Als aber nach dem neuen Angriff Schwedens 1658 die Kriegslage sofort für Dänemark so ungünstig stand und Karl Gustav Kopenhagen zu Wasser und zu Lande hart bedrängte, ergriff man die Offensive. Wieder führte Wassenaer eine Flotte von 35 Kriegsschiffen nach dem Sunde mit dem Befehle: Truppen zur Unterstützung Kopenhagens zu landen, beschlagnahmte Kauffahrer zu befreien und die schwedische Flotte bei günstiger Gelegenheit zu schlagen; sollten Kopenhagen und Kronenburg schon genommen sein, sei der Sache Dänemarks nach eigenem Ermessen bis zum Eintreffen weiterer Befehle zu nützen.
Die Flotte setzte sich zusammen aus: 1 Schiff zu 72 Kanonen; 1 zu 59; 1 zu 50 — die drei Flaggschiffe —; 10 zu 40–42; 12 zu 30–38; 8 zu 26–28; 2 zu 22–23 Kanonen. Hierzu traten 6 Transporter zu 16–24 Kanonen mit 2000 Soldaten, 28 Transporter mit Proviant usw. für die Flotte und für Kopenhagen. Die Vorhut — 11 Schiffe, 1 Brander — führte Admiralleutnant de Witt; das Zentrum — 13 Schiffe, 2 Brander — der Flottenchef, die Nachhut — 11 Schiffe, 1 Brander — Vizeadmiral Floriszoon.
Wassenaer erschien am 3. November 1658 vor dem Sunde und mußte hier wegen widriger Winde zu Anker gehen. Kronenburg war bereits gefallen und der Sund hinter der Linie Kronenburg-Helsingborg durch die schwedische Flotte gesperrt. Diese unter dem Admiral Karl Gustav Wrangel war in vier gleichstarke Geschwader geteilt und bestand aus 38 (44?) Kriegsschiffen, die den holländischen mindestens gewachsen waren, wahrscheinlich waren sogar mehr schwerere darunter; ein großer Teil der Schiffsbesatzungen bestand aus englischen und deutschen Seeleuten, viele der Schweden hatten in Holland gedient.
Am 8. November kam frischer Nordwind auf, Wassenaer lichtete mit Tagesanbruch Anker und passierte zwischen den beiden Befestigungen, wider Erwarten ohne von ihrem Feuer zu leiden, da die meisten Kugeln die Mitte des Fahrwassers nicht erreichten — Karl Gustav befand sich auf Kronenburg und soll eigenhändig das erste Geschütz abgefeuert haben. Zwischen 10 und 11 Uhr vormittags stieß die holländische Flotte auf die schwedische. Der Verlauf der Schlacht im Sunde ist aus den sonst ausführlichen Quellen nicht zu ersehen; sie geben wie üblich nur die Erlebnisse einzelner Schiffe, besonders der Flaggschiffe (Gruppentaktik).
Anzunehmen ist, daß beide Flotten in Kiellinie waren, die Schweden „beim Winde“ den Feind erwartend, und daß die Holländer durch Einbrechen in die feindliche Linie sofort die Melee herbeiführten, wie wir es meist bei ihnen sahen. Kurze Andeutungen scheinen dies zu bestätigen: de Witt läuft bei der feindlichen Vorhut vorbei, ohne ihr Feuer zu erwidern, und greift den feindlichen Oberbefehlshaber an. Gleich darauf erscheint Wassenaer an derselben Stelle, und de Witt finden wir im Kampf mit dem feindlichen Vizeadmiral. Diese beiden Gegner treiben mit dem Strom auf Grund, de Witt wird von einer Anzahl Feinde umringt, enfiliert, geentert, ohne Hilfe zu erhalten, und fällt mit dem Degen in der Faust. Wassenaer setzt Wrangel außer Gefecht (Ruderhavarie), der sich unter Kronenburg zurückziehen muß, wird aber selbst hart bedrängt und erhält erst später Entsatz. Besonders hervorgehoben wird, daß überall die holländischen Flaggschiffe am kräftigsten angegriffen werden; auch Floriszoons Schiff ist längere Zeit in großer Gefahr, er selber fällt. Es scheint also, als ob die Schweden ihre Ordnung besser bewahrt, ihre Schiffe besser zusammengehalten haben, vielleicht unterstützt durch Kenntnis des Fahrwassers und der Stromverhältnisse. Schließlich muß aber doch die größere Kriegstüchtigkeit der Holländer den Ausschlag zu ihren Gunsten gegeben haben.
Der Kampf endete mit dem Siege der Holländer. Der Verlust der Schweden war: 3 Schiffe genommen, 8 vernichtet, 1000 Tote, 450 Gefangene; die Holländer verloren nur das Schiff de Witts (die alte berühmte „Brederode“; sie wurde geentert, sank aber später), 400 Tote, 3 Brander. Obgleich die Schweden nach etwa 5–6 Stunden zu Luward standen und die Holländer mit Wind und Strom südlich getrieben waren, brechen jene das Gefecht ab und gehen unter den Schutz von Kronenburg. Sie gaben also den holländischen Kriegsschiffen und den mit Proviant versehenen Transportern den Weg nach Kopenhagen frei und standen zur See von der Belagerung der Stadt ab. Von Kronenburg aus ging die schwedische Flotte, mit dem König an Bord, bald darauf nach Landskrona, allerdings ihrerseits nun auch unbelästigt durch die holländische oder dänische Flotte.
Wassenaer war nach der Schlacht sundaufwärts gegangen, traf bei der Insel Hven einen Teil der dänischen Flotte unter Admiral Bielke, der durch den Nordwind am Erscheinen in der Schlacht verhindert worden war, und ankerte an der Küste Seelands nördlich von Kopenhagen; verschiedene Schiffe mußten zur Ausbesserung nach der Stadt. Am 9. trafen dort auch die Transporter mit den Soldaten und Lebensmitteln ein, wodurch die Verteidigung der Stadt wesentlich unterstützt wurde.
An einem der nächsten Tage ging Bielke mit seinen und einigen holländischen Schiffen nach Hven, um die schwedische Flotte abzufangen oder doch in Landskrona durch Versenken von Fahrzeugen einzuschließen. Zum Abfangen kam man aber zu spät und das Einschließen wurde auch nur unvollkommen erreicht; ein Angriff mit Brandern wurde abgeschlagen.
Wassenaer führte in seinem Berichte an, viele der Kommandanten hätten nur lau gefochten und die Admirale im Stich gelassen, wenigstens nicht genügend unterstützt — eine Klage, die wir bereits aus dem ersten großen Kriege kennen. Es erregte diese Äußerung Ärgernis in den Provinzen von Holland, besonders in Amsterdam, da doch bei etwa gleichen Kräften ein großer Erfolg erzielt war. Wassenaer wurde deshalb nach seiner Rückkehr zur Rede gestellt und ihm dabei vorgehalten, er habe vor der Schlacht, wie doch vorgeschrieben oder üblich, keinen Kriegsrat gehalten; seine Unterführer hätten keine Instruktionen gehabt, andernfalls würden seine Schiffe nicht so bald nach dem Zusammenstoß über den ganzen Sund zerstreut gewesen sein und die Niederlage der Feinde wäre eine noch weit größere geworden.
Man nahm auch die Gelegenheit wahr, ihm eine nicht genügende Ausnützung des Sieges vorzuwerfen; er habe ein zweites Mal angreifen oder doch dem Feinde den Weg nach Landskrona verlegen müssen; wenigstens habe er später die Operationen gegen genannten Hafen energischer betreiben und selbst leiten müssen, anstatt sogar holländische Schiffe einem dänischen Admiral zu unterstellen. Die Angelegenheit verlief im Sande, vielleicht durch den Einfluß der Generalstaaten, aber auch die Untersuchung gegen die angeklagten Kapitäne wurde niedergeschlagen.
Man muß wohl zugeben, daß die holländische Flotte mehr hätte leisten können. Aber lag dies in der Politik der Generalstaaten? Der Wunsch, Schweden nicht ganz niederzuwerfen, zeigt sich während des ganzen Krieges, wie wir noch sehen werden; auch Dänemark sollte nicht zu mächtig werden, nur Frieden und Gleichgewicht wollte man in der Ostsee haben. So erhielt Wassenaer jetzt schon den Befehl, die genommenen Kriegsschiffe an Dänemark auszuliefern, aufgebrachte Kauffahrer aber an Schweden zurückzugeben, falls von dort das Gleiche geschähe. Im Sinne dieser Politik war es auch, daß man nach der Schlacht den Beschluß faßte, zwar noch mehr Truppen unter Bedeckung einiger Kriegsschiffe nach Kopenhagen zu werfen, den größten Teil der Flotte jedoch aus Sparsamkeitsgründen zurückzuziehen. Diese Absicht wurde scheinbar nur aufgegeben, da auch England die Entsendung einer großen Flotte vorbereitete. Der Transport erschien hierdurch gefährdet, die weitere Anwesenheit starker Kräfte anderseits nötig. England war, wie auch Frankreich, argwöhnisch auf den in der Ostsee erlangten Einfluß Hollands geworden; schon 1658 hatte sich dort ein englisches Geschwader gezeigt und 1659 ging in der Tat wiederum eine starke Flotte (42 Segel) unter Montagu dahin ab, die wohl in erster Linie die Aufgabe hatte, die Holländer zu beobachten und gegebenenfalls in Schach zu halten.
So sandte man denn trotz des in der Heimat auftretenden Mannschaftsmangels — die Hochseefischerei mußte teilweise eingestellt werden — eine zweite starke Macht von 39 Kriegsschiffen, 3 Brandern mit 1743 Geschützen und 7700 Mann unter Ruyter, der eben aus dem Mittelmeer zurückgekehrt war, zur Verstärkung Wassenaers ab. 4000 Mann, auf einigen Transportern meist aber auf den Kriegsschiffen eingeschifft, waren zur Verstärkung Kopenhagens bestimmt; ein Konvoi von Kauffahrern schloß sich an. Als Ruyter im Juni 1659 zu Wassenaer gestoßen war, zählte die Gesamtflotte 80 Kriegsschiffe mit 12 900 Mann, ausschließlich der erwähnten 4000 Soldaten; sie war stark genug, wenn erforderlich, der eingetroffenen englischen Macht entgegenzutreten. Vorläufig sollte jedoch die Flotte nicht eingreifen und auch die Truppen durften nicht ausgeschifft werden. Im Haager Konzert war unmittelbar nach Ruyters Abfahrt vereinbart, daß zunächst nichts unternommen, sondern nur durch die Anwesenheit der Flotten auf einen Frieden — mit den Bedingungen von Roeskild, aber ohne die Sundsperre — hingewirkt werden solle. Die Frist der Waffenruhe für die holländischen Streitkräfte wurde in der Folge immer weiter verlängert, und es ist interessant, ihre Bewegungen[145] unter steter Beobachtung der englischen zu verfolgen. Die französischen Diplomaten wirkten in demselben Sinne. Die Friedensverhandlungen kamen aber nicht vorwärts. Vor allem wollte Karl Gustav die Sundschließung nicht aufgeben, obgleich der holländische Gesandte auf die Nutzlosigkeit dieser Maßnahme hinwies, indem er sagte: „Ich habe die Schlüssel zum Sunde (die holländischen Kriegsschiffe) doch schon in Amsterdam liegen sehen.“
Erst als am 5. September 1659 Montagu mit der englischen Flotte nach der Heimat abging — unter dem Vorwande, neu ausrüsten zu müssen, in Wahrheit aber, um Monck bei Einsetzung Karls II. zu unterstützen —, kam die holländische Flotte wieder in Tätigkeit. Es folgen nun Operationen an der Küste Schwedens und der Teile Dänemarks, die noch in schwedischem Besitze waren. Sie werden größtenteils geleitet von Ruyter, unter ihm Cornelis Evertsen jun., da Wassenaer Anfang November nach Abgang der Engländer gleichfalls mit etwa 20 Schiffen zurückgezogen war, wie denn auch ein weiterer Teil der Flotte zum Handelsschutz abgezweigt wurde.
Die erste und Hauptaktion war die Unterstützung des Angriffs der festländischen Verbündeten Dänemarks von Deutschland aus, der Haupterfolg die Eroberung Fünens mit der Stadt Nyborg 1659.
Ruyter führte auf seinen und den dänischen Schiffen ein dänisches Heer von 5200 Reitern und 4600 Mann Fußvolk unter General Schack von Kiel nach dem stark besetzten Fünen. Ein Teil seiner Schiffe war nach dem kleinen Belt gesandt worden, um die Aufmerksamkeit der Schweden dorthin zu ziehen und um den Übergang eines brandenburgisch-kaiserlich-polnischen Heeres — General von Eberstein mit 4000 Reitern und wenig Fußvolk[146] — nach Fünen bei Middelfart zu unterstützen.
Auf Fünen standen etwas über 7000 Schweden, davon 4500 Reiter, unter dem General Steenbock und dem Prinzen von Sulzbach. Ruyter und Schack versuchten am 8. November vergeblich, die Landung bei Nyborg zu erzwingen, aber am 10. gelang es unter Ruyters persönlicher Führung, bei Kerteminde trotz schwedischer Schützengräben Fuß zu fassen und in zwei Tagen auch die ganze Reiterei auszuschiffen. Am 14. war Eberstein nach Fünen hinübergegangen, und beide Heere vereinigten sich am 19. bei Odense. Die Schweden wurden auf Nyborg gedrängt und am 22. unter schweren Verlusten aus ihrer starken Stellung eine Meile vor der Stadt in diese hineingeworfen; bei dem Treffen sollen sich besonders die Holländer ausgezeichnet haben. Bei der nun folgenden Belagerung Nyborgs bringt die holländische Flotte die, Stadt und Hafeneinfahrt, deckenden Werke zum Schweigen, legt sich zum Teil in den inneren Hafen und bombardiert, so daß die Stadt am 25. auf Gnade und Ungnade übergeben werden muß und die Insel für die Schweden verloren ist. Die Schweden verloren 2000 Tote und 5000 Gefangene, die Verbündeten nur 500 Tote.
Ruyter ging dann zum Ausrüsten nach Lübeck und von dort nach Kopenhagen. Die naheliegende weitere Unterstützung, die Truppen nach Seeland zum Entsatze der Hauptstadt überzuführen, scheint wiederum unterblieben zu sein, um Schweden nicht zu sehr niederzuwerfen, England und Frankreich nicht zu reizen, wenn auch als Grund die vorgerückte Jahreszeit angegeben wurde.
Im Winter 1659/60 fror die Flotte vor Kopenhagen ein, und nun unterstützte Ruyter die Verteidigung, da mit dem Falle der Stadt auch seine Flotte arg gefährdet gewesen wäre; er sandte Soldaten und Matrosen in die Werke und ließ die Schiffe durch Aufhauen des Eises gegen Entern schützen. Vom Aufgehen des Eises bis zum Friedensschlusse erfolgten nur noch kleinere Bewegungen zur Überwachung der schwedischen Flotte, da sich mit dem Tode Karl Gustavs die Friedensaussichten sofort günstiger stellten.
Die Erfolge in der Ostsee hatten den alten Ruf der holländischen Marine, der durch den unglücklichen englisch-holländischen Krieg gelitten hatte, wieder hergestellt.
In den Jahren 1661–1663 und auch 1664 wurde Ruyter, einmal auch Tromp jun., ins Mittelmeer gesandt. Während Holland im Norden beschäftigt war, hatten die Seeräubereien der Barbaresken aufs neue überhand genommen. Verschiedentlich wurden zwar Verträge abgeschlossen oder Verträge erzwungen, doch wurden diese immer wieder von den Barbaresken gebrochen. Im ersten Jahre hatte der Admiral noch den geheimen Befehl, Spaniens Silberflotten zu schützen, als England und Portugal mit Spanien im Kriege waren. Es ist dies wieder ein bemerkenswertes Kennzeichen damaliger Verhältnisse, denn eben hatte Holland mit Portugal Frieden geschlossen. Dieser Friede wurde aber erst 1662 ratifiziert und gegenseitige Schädigungen, sowie dadurch hervorgerufene Gewaltmaßregeln hörten selbst dann noch nicht auf. In den späteren Jahren kam es in den spanischen Gewässern, sogar bei gemeinsamem Vorgehen gegen die Barbaresken, schon zu Reibungen mit England, oft nur wegen Etikettenfragen. 1664 erfolgte ein Zusammenstoß ernsterer Art an der Westküste Afrikas, der mit Anlaß zum zweiten Kriege gab (vergl. Seite 252).
Wir müssen auch Frankreich[147] kurz berühren. Der Krieg mit Spanien, der 1635 ausgebrochen war, als Richelieu auf seiten Schwedens in den Dreißigjährigen Krieg eintrat (Seite 109), wurde nach dem Westfälischen Frieden fortgeführt. Er spielte sich zu Lande in den spanischen Niederlanden, an der spanischen Grenze aber auch in den spanischen Besitzungen Italiens und in den nördlichen Provinzen Spaniens ab, da Frankreich verschiedene Aufstände in Katalonien, Aragonien, dem Königreich beider Sizilien sowie auch den Abfall Portugals für seine Zwecke ausnutzte. Die von Richelieu neu gegründete Flotte nahm daran lebhaften Anteil durch Unterstützung der Landheere, durch Angriffe auf Küstenstädte und auf die feindliche Flotte, um die Verbindung Spaniens mit seinen Nebenländern abzuschneiden. So kam es zu verschiedenen Gefechten nicht unbedeutender Flotten — Kampf um die Lerinischen Inseln, Schlachten bei Guetaria und bei Genua, Cadiz, Tarragona — besonders solange die französische Marine die unter Richelieu († 1642) erlangte Stärke hatte. Bei den Kämpfen im Mittelmeer spielten zwar die Galerenflotten die Hauptrolle; beide Nationen waren etwa gleich stark in dieser Waffe. Es treten aber auch Flotten von Segelkriegsschiffen oder armierten Kauffahrern auf, sowohl in der Biscaya wie im Mittelmeer; in der Schlacht bei Cadiz 1640 soll der französische Admiral de Brézê, zu Luward stehend, sogar schon das Manöver gemacht haben, durch einige seiner Schiffe den Feind dublieren zu lassen. Doch bieten im allgemeinen die Ereignisse nichts derart Wichtiges, um hier näher darauf einzugehen.
Der Bürgerkrieg der Fronde lähmte den Krieg gegen Spanien sehr, besonders auch zur See, da Mazarin nicht mehr die nötigen Mittel für die Marine flüssig machen konnte, und 1652 traf diese der schwere Verlust des Geschwaders unter Vendôme durch Blake (Seite 208), wodurch auch Dünkirchen in die Hände der Spanier fiel. Anderseits wirkte die Flotte mit zur Unterwerfung der Fronde in Bordeaux (1649 und 1653), bei einem letzten Aufstande in Neapel (1653) und schlug die spanische bei Barcelona (1655). Die Macht der spanischen Marine erlahmte immer mehr, weil dieser Staat seit 1654 mit England im Kriege war und seine Küsten blockiert wurden. Nachdem 1657 das Bündnis mit England abgeschlossen war, wurde, wie schon erwähnt, 1658 Dünkirchen mit Unterstützung der englischen Flotte zurückerobert (durch Turenne), zunächst laut Vertrag an England abgetreten, aber 1662 von diesem gekauft. Louis XIV. schuf hier durch Ausbau und Befestigung des schon von den Spaniern gegründeten Kriegshafens einen mächtigen Stützpunkt für seine Seestreitkräfte. 1659 war Spanien gezwungen, Frieden zu schließen — den Pyrenäischen Frieden, ratifiziert 1661. Es verlor die Provinzen nördlich von den Pyrenäen, sowie Teile und verschiedene wichtige Plätze seiner Niederlande; hierdurch näherte sich das immer mächtiger werdende Frankreich den Grenzen Hollands. Der Krieg hatte die Wichtigkeit einer starken Marine für Frankreich gezeigt und Louis XIV. (Colbert) wandte ihr von jetzt ab, allerdings auch für kolonialpolitische Ziele, die größte Sorgfalt zu. In Hinsicht auf diese Punkte hat der französisch-spanische Krieg wohl Interesse für uns. Verwicklungen mit Holland sollten bald eintreten und die neue französische Marine kam zur Geltung; vor ihrem Auftreten im Norden erhielt sie ihre Feuertaufe in Kämpfen gegen die Barbaresken 1664 und 1665.
Auf einen venetianisch-türkischen Krieg 1645–1669, in dem Frankreich auftrat, soll bei späteren Kriegen zwischen diesen Staaten am Ende des Abschnittes näher eingegangen werden.