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Johan Arnold Zoutman.

Hollands Eintreten in den Krieg. Die Schlacht auf der Doggerbank, 5. August 1781. Holland[155] hatte mit Ausbruch des Krieges, Ende Dezember 1780, seinen Handelsschiffen verboten, ohne Erlaubnis die Heimatshäfen zu verlassen; teils um sie vor Aufbringen durch die Engländer zu bewahren, teils um ihre Besatzungen für die Kriegsschiffe heranziehen zu können. Ferner wurde zur Warnung schleunigst an alle Kriegsschiffe in fernen Gewässern, sowie an die Kolonien die Nachricht vom Ausbruch des Krieges gesandt; die Botschaft traf jedoch an den meisten Orten zu spät ein. Von den 69 Kriegsschiffen Hollands befanden sich 51 im Dienst oder doch zu sofortiger Indienststellung bereit. Aber schon bald fielen einige in Feindeshand, andere wurden im Auslande vom Gegner blockiert gehalten, so daß in Holland selber im Januar 1781 nur 33 Schiffe — darunter 11 Linienschiffe, nämlich 2 zu 70 und 74 Kanonen, 2 zu 60 und 68, 7 zu 50–54 — bereitstanden, und auch diese waren nur mangelhaft ausgerüstet und bemannt. Der Versuch, fertige Schiffe in den Staaten der „Bewaffneten Neutralität“, besonders in Dänemark und Schweden, zu kaufen, scheiterte wohl infolge englischer Einwirkung.

So war es im Frühjahr weder möglich, englische Konvois von Bremen und Hamburg abzufangen, noch für die übliche Frühjahrsfahrt der eigenen Handelsschiffe nach der Ostsee eine genügend starke Begleitung aufzustellen, obgleich auch die Engländer in der Nordsee nur geringe Streitkräfte hatten. Erst im Juni wagte man es, den Ostseekonvoi abzusenden, und es sammelten sich nach und nach im Vliestrome 70 Kauffahrer. Das Zusammenziehen des Begleitgeschwaders verzögerte sich, und erst am 1. August konnte die Reise unter Führung des Schout biy Nacht Johan Arnold Zoutman angetreten werden; selbst jetzt noch fehlten zwei Linienschiffe zu 74 und 60 Kanonen, durch widrige Winde zurückgehalten, die bei dem Zusammentreffen mit dem Feinde voraussichtlich von großem Nutzen gewesen wären.

Englischerseits hatte der Vizeadmiral Hyde Parker im Juni mit 5 Linienschiffen einen Konvoi von 500 Segeln in die Ostsee geführt und kam Ende Juli mit 200 Handelsschiffen in die Nordsee zurück; hier stieß noch ein Linienschiff zu ihm, das ihm mit der Nachricht vom Sammeln der Holländer entgegengeschickt war.

Zoutman und Hyde Parker trafen am 5. August auf der Doggerbank in einer Schlacht zusammen, die von beiden Admiralen in einer so einfachen, an alte Zeiten erinnernden Art durchgeführt wurde, daß sie fast belustigend wirken könnte, wenn der Kampf nicht so überaus blutig gewesen wäre.

Die Schlacht auf der Doggerbank, 5. August 1781[156]. Beide Geschwader zählten 7 Schiffe in der Linie, die sich in folgender Reihenfolge gegenüberstanden:

die holländischen: 54 Kanonen, 70 40 54   68* 54 68 * Die Flaggschiffe
die englischen: 74 44 60   74* 80 50 64

Von den englischen Schiffen waren nur die zu 74 Kanonen gute, neue Fahrzeuge; die übrigen stammten aus alten Beständen und man hatte sie ihres Zustandes halber sogar mit leichteren Kalibern armieren müssen, als ihrer Klasse entsprach. Dennoch standen englischerseits in einer Breitseite 223 Geschütze gegen 206 holländischerseits und das Geschoßgewicht einer Lage war 4347 Pfund gegen 3474.

Die englische Linie ward durch 4, die holländische durch 5 schwere Fregatten unterstützt, die sich bei Beginn der Schlacht dicht in Feuerlee ihrer Schlachtschiffe hielten. Auf beiden Seiten deckten einige Fregatten sowie kleinere Fahrzeuge die Konvois, die weiterab auf der dem Kampfe abgewandten Seite segelten. Als Hyde Parker zum Angriff schritt, gab er seinem Konvoi sofort Befehl, nach England weiterzufahren.

Bei Tagesanbruch sichteten sich die Gegner. Es wehte frisch von Nordost, aber die See war glatt; die Holländer hatten die Leestellung. Zoutman bildete die „Kiellinie beim Winde“ über Steuerbordbug mit einer Kabellänge Zwischenraum zwischen den Schiffen. Er führte nur Mars- und Vorsegel, woraus hervorging, daß er den Angriff erwartete. Parker befahl trotzdem, und obgleich er den ganzen langen Sommertag vor sich hatte, zunächst „allgemeine Jagd“; er wollte sich den Kampf um keinen Preis entgehen lassen; er war immer noch erbittert über Rodneys Vorwurf nach der Schlacht am 17. April 1780, sowie darüber, daß die Admiralität ihm vorgeworfen hatte, er habe als stellvertretender Oberbefehlshaber in Westindien, von Byrons Heimreise bis zu Rodneys Ankunft, nicht schneidig genug gehandelt. So jagten die englischen Schiffe auf den Feind zu, wobei die schlechteren Segler alles beisetzen mußten und nicht Zeit hatten, Vorbereitungen zum Gefecht zutreffen. Um 6¼ Uhr vormittags wurde der Befehl gegeben, Dwarslinie zu bilden; jetzt kam Ordnung in die Aufstellung, aber die langsameren Schiffe waren noch beschäftigt, ihr Leesegelsgut zu bergen, als kurz vor 8 Uhr der Befehl zum Nahkampf folgte.

Die holländischen Schiffe erwarteten den Angriff in einer Ordnung wie bei der Parade. Die Besatzungen standen auf ihren Gefechtsstationen, die Seesoldaten auf Deck mit geschultertem Gewehr. Kein Schuß fiel bei der Annäherung der Engländer, die man doch unter verheerendes Enfilierfeuer hätte nehmen können. Erst als sie etwa auf Schiffslänge zum Kampfe aufdrehten, Parker um 8 Uhr den ersten Schuß feuerte[322] und die rote Flagge heißte, gab auch Zoutman das Signal zum Eröffnen des Feuers. Der englische Admiral hatte nach üblicher Weise seine Linie so herangeführt, daß er mit seinem Flaggschiff, dem vierten von vorn, das feindliche, das fünfte von vorn, angriff. Da beide Geschwader tadellos ausgerichtet waren, hatten nunmehr anfangs das letzte englische Schiff und das vorderste holländische keinen Gegner, später griffen diese dann in ihrer Nähe ein, und so waren die Engländer vorn, die Holländer hinten im Nachteil. Bis 11 Uhr wurde auf das erbittertste gefochten. Jetzt war das holländische Schlußschiff durch seine zwei Gegner fast außer Gefecht gesetzt und Parker segelte nun, gefolgt von den Hinterleuten, zwischen seinem schwer beschädigten Vordermann und der feindlichen Linie hindurch auf, um das Gleichgewicht vorn herzustellen. Das Manöver wurde unter heftigstem Kugelwechsel ausgeführt und brachte die englische Linie in Unordnung. Um diese wieder herzustellen, ging Parker mit seinen Schiffen höher an den Wind, konnte aber seine Absicht nicht durchführen, da die Takelagen sehr zerschossen waren. Zoutman blieb noch eine halbe Stunde liegen, „um das Feld behauptet zu haben“, und nahm dann Verbindung mit seinem Konvoi, den er gegen 10 Uhr nach Texel zurückgeschickt hatte; ihm zu folgen, waren die Engländer vorläufig nicht imstande.

Der Verlust der Engländer in dem dreieinhalbstündigen Kampfe betrug 104 Tote und 339 Verwundete, mehr als in größeren Schlachten dieses Krieges, in denen sich 20–30 Schiffe auf jeder Seite gegenüberstanden. Die Holländer verloren gar 142 Tote und 403 Verwundete. Beide Gegner hatten auf den Rumpf der Schiffe gefeuert, so waren die Beschädigungen in den Takelagen nicht schwer, wenn sie auch für kurze Zeit die Manövrierfähigkeit behinderten. Kein Schiff war genommen; nur ein holländisches (das letzte in der Linie) sank auf der Weiterfahrt, doch konnte die Besatzung bis auf wenige Schwerverwundete gerettet werden.

Beurteilung der Führer. Beide Admirale zeigten, daß ihre taktische Befähigung nicht auf der Höhe der Zeit stand. Parkers Angriff war übereilt und unvorteilhaft angesetzt. Er schob aber die Schuld seines Mißerfolges auf die Schiffe und erklärte dem Könige, der das Geschwader besuchte: „Ich wünsche Ew. Majestät bessere Schiffe und jüngere Admirale. Ich bin zu alt.“ Der sonst so brave Offizier verscholl bald darauf mit seinem Schiffe, als er zur Übernahme des Oberbefehles nach Ostindien segelte. — Zoutman war ein vielbefahrener Seemann, hatte aber infolge der Tatlosigkeit der holländischen Marine in den letzten Kriegen und ihres Verfalles in seinen 44 Dienstjahren keine Gelegenheit gehabt, Erfahrungen im Kriege sowie in der Führung größerer Verbände zu sammeln. Aber er, seine Offiziere und Leute haben mit der alten holländischen Tapferkeit und Hartnäckigkeit gefochten, die Ehre ihrer Flagge aufrecht erhalten und sich die Anerkennung ihres Volkes sowie ihrer Gegner errungen.

Die Schlacht auf der Doggerbank ist nach vorstehendem wohl taktisch unentschieden zu nennen, sie war aber ein strategischer Erfolg der Engländer, denn ihr Konvoi erreichte sein Ziel, während der holländische die Reise aufgeben mußte. Auch unternahm Holland in diesem Jahre nichts weiter.

Vernichtung eines französischen Konvois für Westindien, Dezember 1781. Der Schluß des Jahres brachte Frankreich noch einen Mißerfolg, der von größerer Bedeutung war als alle bisherigen Ereignisse in Europa. Schon seit dem Sommer bestand die Absicht, der Flotte in Westindien Mannschaften, Vorräte, Kriegsmaterial sowie einige Linienschiffe behufs Ablösung anderer zu senden, aber erst spät im Jahre waren die Transporter mit dem Material bereit. Am 10. Dezember verließ de Guichen mit 19 Linienschiffen Brest. Er sollte die Transporter sowie zahlreiche Handelsschiffe, insgesamt 150 Segel, in die offene See geleiten, dann 5 Schiffe mit den Fahrzeugen für Westindien und 2 mit solchen für Ostindien entlassen, selber aber mit 12 nach Cadiz gehen.

In England war man von dem Plane unterrichtet und sandte schon am 2. Dezember den Admiral Richard Kempenfelt in See; in der Annahme, daß die Bedeckung des Konvois nicht stark sein werde, gab man ihm nur 12 Linienschiffe mit. Am 12. Dezember nachmittags trafen sich die Gegner etwa 150 Seemeilen südwestlich von Ouessant bei frischem Winde mit Hagelböen; die Engländer standen zu Luward.

Der sonst so vorsichtige französische Admiral hatte eine grobe Nachlässigkeit dadurch begangen, daß er mit seinen Kriegsschiffen in Lee voraus von dem Konvoi segelte. Infolge des unsichtigen Wetters bemerkte er die englische Flotte erst zu spät, als es plötzlich aufklarte. Obgleich er nun sofort ihr entgegenzutreten suchte, so hatte sie doch bereits den Konvoi erreicht, zersprengte ihn und nahm angesichts der feindlichen Übermacht 24 Fahrzeuge. Der Rest floh nach der französischen Küste und auch 9 der genommenen entwischten während der Nacht, aber 15 wurden nach England gebracht, fast nur Transporter, die 1400 Mann und viel Material an Bord führten. Am nächsten Tage versuchte Guichen den Kampf zu erzwingen, Kempenfelt wich jedoch mit Rücksicht auf seine Schwäche aus; nur zwischen einigen Schiffen wurden Schüsse gewechselt. Mehrere Tage darauf zerstreute ein Sturm die französische Flotte, die noch auf der Suche nach Versprengten des Konvois geblieben war, und mehrere Schiffe, unter ihnen das Flaggschiff, wurden halb entmastet. Von der ganzen Expedition gelangten nur 2 Linienschiffe und 5 Handelsschiffe unter dem Chef d'Escadre de Vaudreuil nach Westindien, auch einige der nach Ostindien bestimmten Schiffe erreichten ihr Ziel. Der Admiral de Guichen bat nach diesem Fehlschlage um seinen Abschied, wurde jedoch wegen seiner bisherigen Verdienste im Kommando der Brestflotte belassen.

Ein Rückblick auf die Ereignisse in den europäischen Gewässern 1781 zeigt, daß England im Vorteil blieb, obgleich die Verbündeten stärker waren. Es verlor Minorka, für diesen Krieg keine Sache von Bedeutung, und büßte die Beute ein, die den Holländern in Westindien abgenommen war. Diese Verluste wurden aber reichlich aufgewogen durch die Zerstreuung des für Westindien bestimmten französischen Konvois, der für den Handel Frankreichs und die Schlagfertigkeit seiner Flotte dort so wichtig war, und durch die Verproviantierung Gibraltars sowie den Umstand, daß der Handel im Kanal unangetastet blieb. Wie in den beiden Vorjahren, war das materielle Übergewicht der Verbündeten infolge ihrer Uneinigkeit und ihres Mangels an Tatkraft nicht zur Geltung gekommen. Da sich ihre Streitkräfte nicht rechtzeitig vereinigten, gelang es England, an Brest und Cadiz vorüber Gibraltar Zufuhr zu senden.

Ein Wagnis blieb dies immerhin, denn als Darby absegelte, war de Grasse noch in Brest, und Cordoba in Cadiz war ihm überlegen; wenn es sich nur um eine Seeschlacht gehandelt hätte, so brauchte man allerdings die spanische Flotte nicht nach ihrer Schiffszahl einzuschätzen, aber eine andere Sache war es doch, einen großen Konvoi sicher nach einem Orte dicht bei dem feindlichen Stützpunkt zu führen und dort zu löschen. — Die später im Kanal erscheinende mächtige Flotte der Verbündeten, die hauptsächlich den englischen Handel vernichten sollte — gewiß ein verständigeres, weil leichter erreichbares Ziel als eine Invasion —, blieb untätig; sie griff weder die schwächeren Seestreitkräfte Englands an, durch deren Überwindung sie ihr Ziel am sichersten erreicht hätte, noch verweilte sie lange genug, um wenigstens einigen Erfolg gegen englische Konvois zu haben. Diese Tatlosigkeit ist vor allem den Spaniern zuzuschreiben, und es soll denn auch das Fehlschlagen des kostspieligen Unternehmens dem guten Einvernehmen zwischen den verbündeten Staaten sehr geschadet haben.

England hat 1781 auf diesem Kriegsschauplatze mit 40 Schiffen 70 der Gegner einschließlich Hollands in Schach gehalten, aber es hätte vielleicht doch noch mehr erreichen können. Schon zu jener Zeit ist innerhalb und außerhalb des Parlamentes die Frage aufgeworfen, ob es nicht richtiger gewesen wäre, die Zufuhr für Gibraltar aufzuschieben und Darby statt dessen zum Abfangen des schwächeren Geschwaders unter de Grasse zu entsenden; durch Vernichtung dieser wären die Pläne Frankreichs in Westindien und Nordamerika für 1781 vereitelt worden. An leitender Stelle hat man aber wohl die andere Aufgabe für dringender gehalten, obgleich durch ihre Lösung der größere Teil der Kanalflotte aufs Spiel gesetzt wurde, auch war, wie der ganze Krieg zeigt, Englands Strategie überhaupt nicht darauf bedacht, den Feind von den entlegenen Kriegsschauplätzen fernzuhalten, trotzdem daß ein derartiges Verfahren schon seit langem von allen hervorragenden Seeoffizieren für das allein Richtige erklärt wurde. Wenn man ferner zum Abfangen der Flotte Guichens eine stärkere als die Kempenfelts entsandt hätte, so hätte man nicht nur den Transport festhalten, sondern auch durch Vernichtung der ersteren der französischen Marine einen schweren Schlag zufügen können; die Kanalflotte war hierzu stark genug und außerdem lagen Schiffe bereit, die schon im Januar 1782 unter Rodney nach Westindien segelten.

Westindien und Nordamerika 1781.

Rodney erobert St. Eustache, St. Martin und Saba[157]. Zu Anfang des Jahres verfügte Rodney in Sta. Lucia über 22 Linienschiffe, während Frankreich nur 4 in Martinique stationiert hatte. Am 27. Januar trafen die Nachricht vom Ausbruch des Krieges mit Holland und der Befehl ein, die holländischen Besitzungen anzugreifen. Rodney bestimmte 6 Linienschiffe zur Überwachung von Martinique und ging mit der Hauptflotte sowie einem Landungskorps unter General Vaughan am 30. Januar in See. Sein erstes Ziel war die Insel St. Eustache.

In St. Eustache konnte man auf große Beute rechnen. Seit Ausbruch des Krieges war diese Insel unter ihrer neutralen Flagge der Haupthandelsplatz Westindiens für alle Völker geworden, und Waren befanden sich hier stets in solchen Mengen angehäuft, daß die zahlreichen Lagerhäuser sie nicht fassen konnten. Sie wurde auch dadurch von militärischer Bedeutung, daß die Amerikaner, sowie die französischen Inseln ihre Kriegsbedürfnisse zum großen Teil von dort bezogen. Die Engländer waren bei ihrem eigenen großen Handel weniger auf die Insel angewiesen, sahen sich aber durch die politische Haltung der Holländer benachteiligt. So erhielt z. B. die französische Flotte von St. Eustache Handwerker und Material, als sie nach der Schlacht am 17. April 1780 Martinique nicht zum Ausbessern erreichen konnte, während den Engländern, die nach dem großen Orkan im Oktober desselben Jahres Tauwerk kaufen wollten, erklärt wurde, es sei keins am Markte; tatsächlich fand man aber nach der Eroberung eine große Menge vor, die dort schon lange lagerte.

Als die englische Flotte am 4. Februar vor der Insel erschien, war dem Gouverneur der Ausbruch des Krieges noch nicht bekannt; nicht in der Lage Widerstand zu leisten, kapitulierte er noch am selben Tage. Eine holländische Fregatte, die der Ehre der Flagge halber einige Schüsse abgab, einige kleinere Kriegsfahrzeuge, 150 Kauffahrer sowie die Waren am Lande fielen in die Hände der Engländer, ebenso wurde ein Konvoi von 30 Handelsfahrzeugen nebst dem begleitenden Linienschiffe, der am Tage vorher die Reise nach Europa angetreten hatte, noch abgefangen. Die Gesamtbeute hatte einen Wert von über drei Millionen Lstrl. Rodney bemächtigte sich dann noch der Nachbarinseln St. Martin und Saba, später, am 15. März, auch der französischen Insel St. Barthélemy. Auf den genommenen Inseln blieb die holländische Flagge wehen; hierdurch getäuscht, liefen in der nächsten Zeit noch verschiedene holländische, französische, sowie amerikanische Schiffe ein und wurden gleichfalls genommen. Die nicht englischen Einwohner, besonders die Holländer, verschickte man zwangsweise nach anderen Inseln, um den eroberten ihre bisherige Bedeutung zu nehmen; zu gleichem Zwecke wurden die Lagerhäuser zerstört oder wenigstens abgedeckt.

Rodney versteigerte einen Teil der Beute öffentlich an Engländer, Franzosen und Dänen. Den Rest sandte er auf 30 Handelsschiffen, gedeckt durch Kommodore Hotham mit 4 Linienschiffen, nach England; wir hörten schon, daß dieser Konvoi am 2. Mai an der europäischen Küste fast ganz dem französischen Admiral de La Motte-Picquet in die Hände fiel. Rodney und Vaughan haben bei der Beschlagnahme weder holländisches Privateigentum noch neutrale Waren geschont, die nicht zur Kriegskontrebande zählten. Ihr Auftreten erregte denn auch überall Entrüstung. Selbst in England und sogar im Parlament sind sie angegriffen; aber ohne weiteres Ergebnis, sie behielten ungestört ihre reichen Prisenanteile.

Es sei hier gleich erwähnt, daß die Engländer in den Monaten Februar und März von Barbados aus auch die holländischen Besitzungen in Guayana wegnahmen; in Curaçao dagegen, wo der Ausbruch des Krieges rechtzeitig bekannt geworden war, trafen die Holländer genügende Vorbereitungen zur Abwehr und blieben infolgedessen unbelästigt. Der holländische Handel litt überall sehr durch englische Kreuzer und Freibeuter.

Admiral de Grasse in Westindien 1781. Zusammenstoß mit Hood bei Martinique. Etwa eine Woche nach der Besetzung der Insel St. Eustache brachte ein Handelsschiff die Nachricht dorthin, daß es am 31. Dezember 1780 in der Biskaya einen großen, für Westindien bestimmten französischen Konvoi unter Geleit von 8 oder 10 Linienschiffen gesehen habe. Rodney sandte daraufhin am 12. Februar den Kontreadmiral Sir Samuel Hood mit 11 Schiffen nach Martinique, um sich mit den dort schon befindlichen 6 zu vereinigen und dann zu Luward genannter Insel zu kreuzen. Er erklärte es für notwendig, selber behufs Durchführung von Maßregeln zur Sicherung der Beute und der Insel noch bei St. Eustache zu bleiben und behielt zwei Schiffe zurück. Die Nachricht über den Konvoi erwies sich bald darauf als falsch, aber der Befehl für Hood blieb bestehen, nur wurde er angewiesen, sich in Lee von Martinique zu halten. Er machte hiergegen geltend, daß er dann leicht nach Lee vertrieben werden könne, aber Rodney erklärte, daß es nach seinen Erfahrungen wohl durchführbar sei, sich wochenlang dicht vor dem französischen Hafen zu halten und daß dann die Schiffe, die zeitweise zum Wasser- oder Proviantauffüllen nach Sta. Lucia gesandt werden müßten, leicht wieder zur Flotte stoßen könnten, falls ein feindliches Geschwader von Europa ankäme. Bald aber sollte sich die Berechtigung von Hoods Einwurf zeigen.

Lieutenant-Général de Grasse[158] hatte am 22. März Brest mit 26 Linienschiffen verlassen. Bei den Azoren zweigte er 5 von ihnen nach Ostindien, 1 nach Nordamerika ab und segelte mit 20 nebst einem großen Konvoi von Transportern und Handelsschiffen nach Westindien weiter; zur Beschleunigung der Reise ließ er die schlechtesten Segler des Konvois von Kriegsschiffen in Schlepp nehmen. Die Flotte sichtete Martinique am 28. April und vernahm am Abend bei Point de Salines, der Südspitze der Insel, von der Anwesenheit der englischen. Zur größeren Sicherheit seines Konvois drehte de Grasse die Nacht über bei, setzte die Fahrt am anderen Morgen fort und stieß gegen Mittag mit Hood zusammen[159], der seine Ankunft erfahren hatte. Der Konvoi erreichte an diesem Tage Fort Royal unbehelligt, da sich die englische Flotte nicht zwischen ihn und den Hafen schieben konnte. Zu einer entscheidenden Schlacht nutzte aber de Grasse seine Überlegenheit nicht aus; ihm war an dem sicheren Einlaufen seiner Schutzbefohlenen zunächst mehr gelegen.

Das Gefecht bei Martinique am 29. April 1781. Die französische Flotte zählte 20 Linienschiffe — eins zu 100 Kanonen, 3 zu 80, 15 zu 74, 1 zu 64 — 3 Fregatten und 2 Kutter, die englische 18 Linienschiffe — 1 zu 90, 1 zu 80, 12 zu 74, 1 zu 70, 3 zu 64 —, 1 Fregatte und 1 Sloop. Es muß hervorgehoben werden, daß von den französischen Linienschiffen nur etwa die Hälfte, die englischen jedoch sämtlich gekupfert waren; Rodneys Vorstellungen in dieser Hinsicht hatten Erfolg gehabt.

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de Grasse.

Am 29. April in der Frühe rundete de Grasse die Südspitze von Martinique bei östlichem Winde (Passat); Hood konnte dies nicht hindern, da er zu weit in Lee stand. Der französische Konvoi segelte unter der Küste nach Norden, von der Flotte in Lee gedeckt. Die englische Flotte kam dieser mit südlichem Kurse entgegen, wendete gegen 10½ Uhr vormittags, so daß nun beide parallel steuerten, wobei die französische Vorhut etwa querab von der englischen Mitte stand. Gegen 11 Uhr eröffneten die Franzosen das Feuer, die Engländer antworteten jedoch der großen Entfernung halber nicht. Um 11¾ Uhr befanden sich beide Linien vor der Bucht von Fort Royal, die englische Spitze näherte sich zu sehr ihrem nördlichen Strande und Hood wendete deshalb mit der ganzen Flotte, alle Schiffe zugleich. Der französische Konvoi war jetzt imstande, in die Bucht einzulaufen. De Grasse sah seine Schutzbefohlenen in Sicherheit; er halste alle Schiffe zugleich, und um diese Zeit hängten sich die vier im Hafen befindlichen Linienschiffe — 1 zu 74 Kanonen, 3 zu 64 — ihm an. Beide Flotten steuerten nun südlich, die Engländer in der Leestellung, aber es standen jetzt 24 Franzosen gegen 18 Engländer. Die Manöver hatten die Gegner einander näher gebracht, auch die Engländer nahmen das Feuer auf.

Gegen Mittag drehte Hood unter Marssegeln bei, des Angriffs gewärtig, da er selber nicht näher an den Feind herankommen konnte. Die beiden Flaggschiffe lagen querab voneinander, das Gefecht ward allgemein, aber immer noch auf so weite Entfernung, daß nur wenige Schüsse ihr Ziel erreichten. Da die Franzosen weiter segelten und ihre vordersten Schiffe die englische Spitze überholten, nahm auch Hood um 1 Uhr die Fahrt wieder auf. Als gegen 1½ Uhr die beiden Spitzen vor dem Kanal[328] zwischen Martinique und Sta. Lucia anlangten, hier frischeren Wind erhielten und vorliefen, befahl Hood seiner Flotte, sich geschlossen zu halten und das Feuer abzubrechen; der Kampf der Spitzen setzte sich aber noch einige Zeit fort und die vier vordersten Engländer hatten dabei 8 Franzosen abzuwehren. Hood scheint sich dann nach Wiederherstellung der Ordnung außer Schußweite gehalten und versucht zu haben, den Feind von der Küste abzuziehen, sowie die Luvstellung zu gewinnen. Aber auch de Grasse schritt nicht zum Angriff; es ist anzunehmen, daß er sich nicht weiter von der Insel entfernen wollte, ehe nicht sämtliche Fahrzeuge des Konvois einen sicheren Ankerplatz bei Fort Royal erreicht hätten.

Der Verlust an diesem Tage betrug auf französischer Seite 18 Tote und 56 Verwundete (ein englischer Autor gibt allerdings die Zahlen 119 und 150), auf englischer 39 Tote und 162 Verwundete. Die französischen Schiffe hatten wenig gelitten, von den englischen waren die vier vordersten beträchtlich beschädigt; Hood mußte eins derselben nach St. Eustache senden.

Seiner Sorge um den Konvoi ledig und durch 4 Schiffe aus Martinique verstärkt, während 4 englische Schiffe am 29. beschädigt waren, beabsichtigte de Grasse am 30. April eine Schlacht herbeizuführen. Jetzt aber hatte Hood keinen Anlaß mehr, sich einem so ungleichen Kampfe, zumal in der Leestellung, auszusetzen. Er versuchte zwar, die Luvstellung zu gewinnen, ließ aber den Feind nie nahe herankommen. Mit seinen gekupferten Schiffen hatte er es in der Hand, die Entfernung zu bestimmen; wenn die Franzosen die Jagd ernstlich aufnahmen, blieben ihre ungekupferten zurück. Am Abend gab Hood das Spiel auf und nahm Kurs nach Norden; er segelte nicht nach Sta. Lucia, da er befürchtete, daß seine beschädigten Schiffe es bei der starken westlichen Strömung nicht erreichen würden. De Grasse ankerte am 6. Mai vor Fort Royal.

Das Verhalten der beiden Admirale am 29. und 30. April ist einer kurzen Betrachtung wert, um so mehr, da die beiderseitigen Autoren mehrfach angeben, der Gegner sei einem Kampfe ausgewichen. Nun ist aber wohl als sicher anzunehmen, daß Hood am ersten Tage den Kampf erstrebt hat: Anfangs versuchte er an den Feind heranzukommen, später bot er diesem Gelegenheit zum Angriff. Dies war eigentlich gewagt, da der Gegner Verstärkung erhalten hatte. Am zweiten Tage hielt er weiter das Feld, wahrscheinlich um abzuwarten, ob nicht der Zufall ihn in die Lage setzen würde, einen Teil der französischen Flotte anzugreifen. Seine seemännische Tüchtigkeit, sowie der Umstand, daß er durchgehends über gekupferte Schiffe verfügte, erlaubten ihm das gewagte Spiel; ein solches war es immerhin, denn leicht konnte er genötigt werden, seine beschädigten Schiffe im Stich zu lassen oder ihrethalben eine allgemeine Schlacht anzunehmen. De Grasse war am ersten Tage zu vorsichtig, aber nach dem bekannten französischen Brauche sah er wohl seine nächste Aufgabe in der unbedingten Sicherung des Konvois.

De Grasse ging schon am 8. Mai zu einem Angriff auf Sta. Lucia wiederum in See. Es lag den Franzosen besonders daran, sich in Besitz der Gros-Islet-Bucht an der Nordspitze dieser Insel, dem üblichen Ankerplatz der englischen Flotten zur Beobachtung Martiniques, zu setzen. Der Admiral hielt sich mit der Flotte zu Luward der Bucht, um jederzeit einem nahenden Gegner entgegentreten zu können, und der kriegerische Gouverneur von Martinique, de Bouillé, landete während der Nacht mit 1200 Mann. Man fand aber die von Rodney angelegten Befestigungen zu stark, um sich in kurzer Zeit festsetzen zu können, schiffte die Gelandeten wieder ein und kehrte nach Fort Royal zurück.

Eroberung von Tabago. Am 8. Mai wurde auch eine Expedition gegen diese Insel entsandt. Sie zählte 2 Linienschiffe nebst einigen Fregatten und 1300 Soldaten unter Kapitän d'Albert de Rions. Am 22. Mai erfuhr de Grasse, daß die Flotte Rodneys auf der Fahrt nach Süden, wahrscheinlich nach Barbados, gesichtet sei. Besorgt um die Tabagoexpedition, ging er am 25. mit der Flotte in See und nahm 3000 Soldaten mit. Rodney hatte von der Ankunft der französischen Flotte in Westindien erst durch ein Schiff Kenntnis erhalten, das nach dem Gefecht bei Martinique beschädigt in St. Eustache eingetroffen war. Er segelte sobald als möglich mit seinen beiden unversehrten Schiffen, sowie dem in Eile ausgebesserten ab, traf am 11. Mai bei Antigua auf Hood und führte nun die Flotte nach Barbados, denn er fürchtete für diesen Hauptstützpunkt, der durch einen Orkan verwüstet war und ohne seinen Schutz einem Angriffe kaum hätte widerstehen können. Hier erfuhr er den Vorstoß der Franzosen gegen Tabago und sandte am 29. Mai den Kontreadmiral Drake mit 6 Linienschiffen dahin ab. Dieser sichtete am 30. die Flotte de Grasses und kehrte sofort, eine Zeitlang verfolgt, nach Barbados zurück, wo er am 3. Juni morgens eintraf. Jetzt setzte sich Rodney mit der ganzen Flotte in Bewegung, aber es war zu spät. Am 4. in Sicht der bedrohten Insel angelangt, erfuhr er, daß diese bereits am 2. Juni kapituliert habe.

Die Besetzung Tabagos war den Franzosen leicht gelungen. Am 24. Mai landete die erste Expedition; der englische Gouverneur zog sich mit seinen schwachen Kräften — 400 Regulären, 500 Milizen, 6 Geschützen — in die Berge zurück. Am 30. wurden dann die Soldaten ausgeschifft, die mit der Flotte kamen, und der Gouverneur sah sich genötigt, der großen Macht gegenüber die Waffen zu strecken, zumal seine Leute übermüdet und entmutigt waren.

Die Oberbefehlshaber, beide tüchtige Admirale, standen sich nun einander gegenüber, de Grasse mit 23 und Rodney mit 20 Linienschiffen, aber es kam nicht zum Kampfe. Rodney stand zu Luward, griff jedoch nicht an. Er erklärte später, die Besorgnis, nach einer vielleicht ungünstig verlaufenen großen Schlacht mit den beschädigten Schiffen durch den starken westlichen Strom nach Lee vertrieben zu werden, habe ihn vom Angriff abgehalten; er würde dann in die schwierigen Gewässer der Grenadinen, die wie auch St. Vincent in französischem Besitze waren, geraten und der Gegner möglicherweise zwischen ihn und Barbados gekommen sein. Er segelte nach der genannten Insel zurück. De Grasse verfolgte nicht. Zufrieden mit der Einnahme Tabagos, lief er die Eroberungen des Jahres 1779, Grenada sowie St. Vincent, an, überzeugte sich von ihrem guten Verteidigungszustande und ankerte am 18. Juni bei Martinique.

De Grasse segelt nach Nordamerika, Hood folgt ihm. Der französische Admiral verließ am 5. Juni 1781 Fort Royal mit seiner ganzen Flotte von 24 Linienschiffen, um 200 Handelsfahrzeuge nach Cap Français auf St. Domingue zu geleiten, wo er am 16. eintraf; unterwegs war eins seiner Linienschiffe infolge einer Explosion verbrannt. Hier fand er Briefe Washingtons, Rochambeaus sowie Barras', des Geschwaderchefs in Nordamerika, vor, in denen er dringend gebeten wurde, Unterstützung an Schiffen, Soldaten und Geldmitteln (mindestens 1200000 Francs) nach der Chesapeake- oder der Narragansettbucht zu senden, da ihre Lage verzweifelt sei. Obgleich er Befehl hatte, 9 oder 10 Schiffe, die sich schon seit 1778 in Westindien befanden, als Deckung des Konvois nach Europa heimzusenden, entschloß er sich, mit der ganzen Flotte — noch verstärkt durch die 5 Schiffe der St. Dominguestation, die am 10. Juli von der Expedition gegen Pensacola (s. Seite 307) zurückkamen — während der Orkanzeit nach der Chesapeakebucht zu gehen. Von diesem Entschluß sandte er sofort Nachricht an Barras, so daß dieser wie die genannten Generale schon am 15. August Kenntnis erhielten. Er schrieb dabei an diesen, er möge ganz nach eigenem Ermessen handeln, sich mit ihm vereinigen oder selbständig zum allgemeinen Nutzen vorgehen. Die Vorbereitungen zur Abfahrt dauerten jedoch einige Zeit.

Der Gouverneur von St. Domingue stellte 3200 Mann nebst einigen Feld- und Belagerungsgeschützen erst, als ihm zur Sicherung seiner Kolonie ein spanisches Geschwader von Kuba zugesagt war; das nötige Geld war in der französischen Kolonie nicht aufzubringen, es mußte von Havanna bezogen werden, wo zwar die Staatskassen leer waren, aber Privatleute die verlangte Summe vorschußweise lieferten. Am 5. August ging de Grasse mit 28 Linienschiffen in See. Um nicht durch Transporter aufgehalten zu werden, waren die Truppen auf den Kriegsschiffen untergebracht, und um den Marsch möglichst lange geheimzuhalten, wählte der Admiral den Weg durch den wenig befahrenen Bahamakanal. Am 30. August 1781 ankerte die französische Flotte im Eingange der Chesapeakebucht.

Rodney erhielt von den Plänen und Bewegungen der Franzosen nicht genügend Kenntnis, um volle Maßregeln ergreifen zu können. Er faßte die Wahrscheinlichkeit ins Auge, daß der Kriegsschauplatz während der Orkanmonate in die nördlichen Gewässer verlegt werden würde, und schickte deshalb am 7. Juli Befehl an den Stationschef in New York, Admiral Graves, zwischen diesem Hafen und der Chesapeakebucht Kreuzer zu halten, die etwa von ihm gesandten Verstärkungen Nachrichten übermitteln könnten. Als er dann am 9. Juli die Abfahrt der französischen Flotte von Martinique nach St. Domingue erfuhr, befahl er dem Admiral Hood, sich für Nordamerika bereit zu machen. Er teilte ihm aber nur 15 Linienschiffe zu, da er gehört hatte, daß auch de Grasse nicht mehr dorthin senden, sondern mit dem Rest seiner Flotte den Konvoi nach Europa geleiten würde. Zwei Schiffe zweigte er zum Schutze von Handelsfahrzeugen nach Jamaika ab, jedoch mit dem Befehl an den dortigen Chef, Sir Peter Parker, sie und mit ihnen noch einige seiner Schiffe sofort nach Amerika nachzusenden. Mit 2 oder 3 wohl einer Grundausbesserung bedürftigen Schiffen ging Rodney selber aus Gesundheitsrücksichten nach England.

Hood segelte, durch verschiedene belanglose Umstände aufgehalten, am 10. August von Antigua mit 14 Linienschiffen nach der Chesapeakebucht ab. Kurz vorher war eine Brigg mit der Bitte Graves' um Unterstützung eingetroffen. Sie wurde am 6. August mit der Nachricht von Hoods Kommen zurückgesandt, fiel aber in Feindeshand. So blieb Graves im Gegensatz zu seinen Gegnern lange ohne jede Kenntnis der Vorgänge, denn auch eine am 7. Juli abgesandte Nachricht hatte ihn nicht erreicht. Das Schiff langte zwar in New York an, traf aber den auf einer Kreuzfahrt befindlichen Admiral nicht und ging verloren, als es ihn suchte. Eine Abschrift dieser Nachricht fand Graves erst am 16. August in New York vor, das Kommen Hoods erfuhr er erst kurz vor dessen Ankunft am 28. August.

Mit der Abfahrt der Flotten wurde für 1781 Nordamerika Kriegsschauplatz. In Westindien begannen die Operationen erst wieder nach der Rückkehr de Grasses.

In Nordamerika war der Landkrieg zu Ende des Jahres 1780 sowohl im Norden wie in den Carolinas zum Stillstande gekommen. Die Verbündeten wagten nicht, ohne weitere Unterstützung von Frankreich etwas gegen New York zu unternehmen (vgl. Seite 311); die Engländer hatten ihre Erfolge im Süden aufgeben und sich auf Winnsborough zurückziehen müssen, um Verstärkungen zu erwarten (Seite 309). Das französische Geschwader von 7 Linienschiffen lag unter Kapitän Des Touches in der Narragansettbucht und wurde von dem englischen Admiral Arbuthnot mit 12 (?) Linienschiffen von New York und der Gardinerbucht (Long Island) aus beobachtet.

Um die Jahreswende aber kam wieder Leben in den Krieg im Süden. General Clinton benutzte wie im Vorjahre die Winterruhe im Norden zu kräftigerem Auftreten dort, indem er im Dezember 1780 den General Leslie mit Verstärkungen nach Charleston und gleichzeitig den General Arnold zu einem Angriff auf Virginien entsandte. Die Ereignisse auf dem südlichen Kriegsschauplatze im Jahre 1781 wurden entscheidend für den Kampf Englands mit seinen Kolonien, und die Beherrschung des Meeres spielte bei ihnen die Hauptrolle, so daß wir die Unternehmungen am Lande und zu Wasser nicht voneinander trennen können[160].

Cornwallis dringt nach Virginien vor. Frühjahr 1781. Sobald Leslie mit 3000 Mann in Charleston eingetroffen war, zog Cornwallis einen Teil dieser Truppen an sich und brach dann von seinem Winterlager aufs neue gegen Nordcarolina auf; Leslie folgte mit dem Reste. Der amerikanische General Greene fühlte sich mit seinen Milizen und schlecht geschulten Soldaten diesen regulären Truppen im Felde nicht gewachsen; er ließ einen Teil seines Heeres unter General Morgan den Kleinen Krieg in Südcarolina führen, den er selbst an der Grenze von Nordcarolina aufnehmen wollte. Morgan näherte sich unvorsichtig der englischen Hauptmacht. Cornwallis sandte, um dies zu benutzen, den Oberst Parleton mit einem großen Teil seiner Truppen gegen ihn; dieser aber, der seinen Gegner unterschätzte, ließ sich zu einem übereilten Angriff verleiten und wurde am 7. Januar bei Cowpens vernichtend geschlagen.

Als sich dann Cornwallis und Leslie am 18. Januar vereinigt hatten, schritten sie zur Verfolgung Morgans. Zur Beschleunigung des Marsches ließen sie den ganzen Troß zurück, was ihnen später große Verlegenheiten bereitete und doch die Vereinigung Morgans mit Greene nicht hinderte. Auch der Versuch, das feindliche Heer von Virginien abzuschneiden, mißlang; es erreichte den Grenzfluß am 14. Februar und Cornwallis mußte wegen Erschöpfung seiner Truppen zurückgehen. Greene rückte nach, vermied aber eine Schlacht, obgleich er durch Milizen aus Virginien, Nord- und Südcarolina auf 6000 Mann verstärkt war. Das Gerücht gab seine Zahl gar auf 10000 Mann an; trotzdem griff ihn Cornwallis am 15. März bei Guilfords-Court an und siegte. Aber auch die Engländer hatten große Verluste und waren wegen Mangel an allem genötigt, den Rückzug auf Wilmington an der Küste fortzusetzen, wo Cornwallis für derartige Fälle von Charleston aus Depots hatte anlegen lassen. Im Inneren von Südcarolina stand noch ein kleines englisches Heer unter Lord Rawdon; gegen dieses wandte sich Greene.

Es sei hier gleich erwähnt, daß dieser kleine Krieg nicht zur Entscheidung beitrug. Rawdon verteidigte sich gut, mußte aber schließlich doch auf Charleston zurückgehen und ward hier eingeschlossen, als sich der Hauptkrieg nach Virginien zog und die beiden Carolinas sowie Georgien ganz den Amerikanern zufielen.

Cornwallis hatte nun die Wahl, nach Erholung seiner Truppen aufs neue um die Herrschaft in Carolina zu kämpfen oder nach Virginia zu marschieren und der dort operierenden Expedition die Hand zu reichen. Er wählte das letztere, da er sich für ersteres zu schwach fühlte und außerdem den Kampf um das Chesapeakegebiet für wichtiger hielt. Er überließ Rawdon seinem Schicksal. Nach 18tägiger Ruhe trat er am 25. April den Marsch an, vereinigte sich am 20. Mai in Petersburg mit den Truppen des Generals Arnold und übernahm den Oberbefehl.

Clinton war mit dem von Cornwallis auf eigene Faust unternommenen Zuge durchaus nicht einverstanden. Er schrieb: „Operationen im Chesapeakegebiete sind so lange mit großer Gefahr verknüpft, als wir nicht einer ununterbrochenen Seeherrschaft sicher sind. Ich zittere vor den verhängnisvollen Folgen, die daraus entstehen können.“ In den Carolinas auf Charleston zurückgetrieben, war die englische Macht nur noch auf zwei Stellen konzentriert, in New York und an der Chesapeakebucht. Da New Jersey und Pennsylvanien in der Hand der Gegner waren, hing die Verbindung der beiden Kriegsschauplätze vollständig von der Offenhaltung des Seeverkehres ab. Aber trotz seines ungünstigen Urteils über das Vorgehen Cornwallis' hatte ja Clinton selber schon eine starke Abteilung im Chesapeakegebiete aufs Spiel gesetzt!

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Chesapeakebucht 16. März 1781.

Die englische Expedition gegen Virginia. Erste Seeschlacht vor der Chesapeakebucht, 16. März 1781. Ende Dezember 1780 ging Arnold mit 1600 Mann nach der Chesapeakebucht, drang den Jamesfluß hinauf, verheerte das Land, ohne nennenswerten Widerstand zu finden und setzte sich dann in Portsmouth, einem als maritimem Stützpunkt geeigneten Platze, fest. Washington bat Rochambeau und Des Touches, den schwachen amerikanischen Kräften in Virginien Unterstützung zu bringen. Die Gelegenheit hierzu erschien nicht ungünstig, da das englische Geschwader augenblicklich geschwächt war. Arbuthnot hatte nämlich drei seiner Schiffe in See gehabt, um drei französische abzufangen, die zur Aufnahme eines von Europa erwarteten Transportes ausgelaufen waren. In einem Sturme wurden zwei der englischen Schiffe entmastet und das dritte strandete, während die französischen vor Ausbruch des Unwetters wieder einlaufen konnten. Aber gerade dieses Mißgeschick der Gegner bestimmte Des Touches, nicht sein ganzes Geschwader den Unbilden der Jahreszeit auszusetzen; er sandte nur ein Linienschiff nebst 2 Fregatten am 9. Februar zur Chesapeakebucht. Diese richteten aber nichts aus, da sich Arnolds kleinere Fahrzeuge in den Flüssen verbargen; sie kehrten Ende des Monats zur Flotte zurück, wobei ihnen allerdings eine von Charleston kommende Fregatte in die Hände fiel. Inzwischen hatte Washington aber doch die französischen Führer zu einem gemeinsamen Unternehmen gegen Arnold gewonnen.

Die Amerikaner setzten Lafayette mit 1200 Mann nach Virginien in Bewegung und Des Touches ging am 8. März bei Einbruch der Nacht mit seinem ganzen Geschwader, sowie 1100 französischen Soldaten in See. Arbuthnot, der seeklar am Eingange der Gardinerbucht lag, folgte sofort. Da seine Schiffe sämtlich gekupfert waren, von den französischen nur drei, vielleicht auch infolge größerer seemännischer Geschicklichkeit, überholte er den Gegner. Am 16. März 6 Uhr vorm. meldete eine Fregatte, daß dieser 2–3 Seemeilen achteraus stehe; wegen nebligen Wetters hatte man ihn bislang nicht gesehen. Zu dieser Zeit lagen die Geschwader etwa 40 Seemeilen nordöstlich vom Eingange der Chesapeakebucht; der Wind war westlich, so daß sie nicht unmittelbar in die Bucht einlaufen konnten und das englische Geschwader stand zwischen der Einfahrt und dem französischen (Plan A, A′). Arbuthnot drehte sofort um und steuerte nach Norden auf den Feind zu; nach einigen Manövern bei beständig umspringendem Winde kam es bald nach Mittag zur Schlacht.

Die Schlacht vor der Chesapeakebucht am 16. März 1781[161]. Beide Geschwader zählten 8 Schiffe in der Linie, und zwar das englische ein Schiff zu 98 Kanonen, 3 zu 74, 3 zu 64, 1 zu 50 und das französische ein Schiff zu 84, 2 zu 74, 4 zu 64, 1 zu 44; hierzu traten 4 englische und 3 französische Fregatten. Die Engländer waren also an Geschützen nicht unwesentlich überlegen.

Bald nachdem die Engländer den Kurs nach Norden aufgenommen hatten, drehte der Wind nach Nord, wodurch die Franzosen in die Luvstellung kamen. Des Touches bildete nun die Gefechtslinie über Steuerbordbug, steuerte also östlich; Arbuthnot folgte seinem Beispiele. Der Wind drehte weiter, bis er gegen Mittag auf NO stehen blieb und stürmisch mit aufkommender hoher See wurde. Die bessere Segelfähigkeit der englischen Schiffe brachte sie nach und nach näher an die französischen heran, so daß des Touches seine Nachhut bedroht sah (Plan B, B′). Um dieser Gefahr entgegenzutreten, legte er sein Geschwader über den anderen Bug und ging dem Feinde entgegen. Da er noch Zeit genug hatte, führte er das Manöver im Kontremarsch aus. Er wollte nach französischem Brauche den unvermeidlichen Kampf in der Leestellung aufnehmen, was in diesem Falle auch den Vorteil bot, daß die Schiffe die untersten Batterien verwenden konnten, die in der Luvstellung des starken Überliegens halber die Pforten geschlossen halten mußten. Er zog nun mit seiner Linie vor der Spitze der englischen vorüber und steuerte dann westlich.

Arbuthnot segelte zunächst weiter, bis er etwa 2 Uhr nachmittags querab vom Feinde war, halste dann im Kontremarsch (C, C′) und ging an ihn heran. Die Franzosen eröffneten schon das Feuer, während die Engländer noch ihr Manöver ausführten, und um 2½ Uhr lagen beide Linien im Gefecht. Der englische Admiral hatte das Signal zum „Nahgefecht“ nicht geheißt, dagegen das für „Gefechtslinie“ wehen lassen. Infolgedessen zögerten die hinteren Schiffe mit dem Nahangriff, und die bekannten Nachteile der englischen Taktik traten schroff hervor: die drei vorderen Engländer hatten beim Herangehen schweres Enfilierfeuer auszuhalten, kamen früher sowie auf nähere Entfernung zum Kampf als die hinteren (D, D′) und litten sehr. Des Touches nützte dies aus. Er befahl seinen vorderen Schiffen, auszuweichen, führte die übrigen unter lebhaftem Feuer an der englischen Spitze vorüber, halste im Kontremarsch und segelte nach Osten ab (E′). Arbuthnot hatte zwar die Absicht, ihm zu folgen, aber seine vordersten Schiffe waren augenblicklich manövrierunfähig, er mußte auf seinem westlichen Kurse bleiben (E). So endete der Kampf.

Die Verluste betrugen auf englischer Seite 30 Tote und 73 Verwundete, auf französischer 73 und 112.

Die Schlacht blieb taktisch unentschieden, da sie nicht bis zum äußersten durchgefochten wurde; doch war sie ein strategischer Erfolg der Engländer. Ihre Flotte lief während der Nacht in die Bucht ein, Des Touches segelte nach Rhode-Island zurück, da sich der Kriegsrat am 17. dahin entschied, daß man die Landung der Truppen nicht ausführen könne.

In Hinsicht auf die Seekriegsgeschichte ist die Schlacht ein gutes Beispiel zu unseren fortlaufenden Betrachtungen über die Taktik der beiden Gegner und die Strategie der Franzosen. Arbuthnot war stärker, tat aber dem Feinde keinen Abbruch. Dies war eine Folge der alten englischen Angriffsart, die um so mehr hervortrat, als der Admiral das Signal, die Linie zu halten, hatte wehen lassen. Dies wurde ihm auch zum Vorwurf gemacht, und es ergibt sich daraus, daß man es in England mehr und mehr als fehlerhaft erkannte, unbedingt die Ordnung zu wahren. — Des Touches verfuhr seinerseits nach der französischen Defensivtaktik, er wählte sogar freiwillig die Leestellung und nutzte dann auch die günstige Lage geschickt aus. Den errungenen Vorteil aber, die Lahmlegung von drei feindlichen Schiffen, verfolgte er nicht. Hätte er den Kampf wieder aufgenommen, so würde er wahrscheinlich seine Aufgabe haben lösen können; die dem französischen Offizierkorps anerzogene Scheu vor entscheidenden Kämpfen hielt ihn aber davon ab.

Allerdings machte man Des Touches Vorwürfe über sein Verhalten, und weder ihm noch seinen Kommandanten wurde Anerkennung für das geschickt geführte Gefecht zuteil. Wie tief aber die vorsichtige Kriegführung im französischen Offizierkorps eingewurzelt war, zeigt der Bericht des Admiral Barras, der kurz nach der Schlacht an Des Touches' Stelle trat und sich für diesen verwandte. Er schrieb, nachdem er den taktischen Erfolg hervorgehoben hatte: „Daß die Engländer ihre strategische Aufgabe lösten, war eine Folge ihrer Überlegenheit und noch mehr des Umstandes, daß dieselbe eine rein defensive war. Es ist ein Grundsatz im Kriege, viel zu wagen, um die eigene Lage zu verteidigen, aber sehr wenig, um die des Gegners anzugreifen. Des Touches' Aufgabe war eine rein offensive, und er tat recht, sie aufzugeben, da es unwahrscheinlich war, daß er den überlegenen Gegner nicht nur schlüge, sondern auch völlig vernichte[162].“ Mahan bemerkt hierzu (Clowes III, Seite 493) sehr treffend: „Diese Erhebung der Defensive über die Offensive, dieses hemmende Rechnen mit Möglichkeiten, diese Scheu vor Wagnissen erklären die geringen Erfolge der Franzosen in diesem Kriege.

Des Touches erreichte am 18. März die Narragansettbucht, Anfang April stieß ein Linienschiff mit Munition, sowie 600 Soldaten von Frankreich zu ihm, und am 10. Mai langte auf einer Fregatte der Chef d'Escadre de Barras an, der den Oberbefehl übernahm. Auch Arbuthnot traf bald nach der Schlacht wieder in New York ein und begab sich auf seine Beobachtungsstellung in der Gardinerbucht; am 2. Juli wurde er durch den Kontreadmiral Sir Thomas Graves im Kommando abgelöst.

Virginia wird der entscheidende Schauplatz des Landkrieges, Sommer 1781. Des Touches überließ durch seinen Rückzug den Engländern die Chesapeakebucht und Clinton sandte sofort (Ende März) den General Phillips mit 2000 Mann dorthin. Dieser übernahm den Oberbefehl, segelte während des Monats April den Jamesfluß hinauf, landete an verschiedenen Stellen, trieb die amerikanischen Milizen auseinander und verwüstete das Land planmäßig. Anfang Mai ging er wieder flußabwärts und erhielt am 7. Mai von Cornwallis, der jetzt aus Carolina herangekommen war, Befehl, sich mit ihm in Petersburg zu vereinigen. Lafayette war Phillips beobachtend gefolgt und versuchte vergeblich, Petersburg vor diesem zu erreichen, entzog sich aber doch dem Angriff durch Cornwallis. Die Vereinigung der englischen Heere fand am 20. Mai statt, nachdem Phillips kurz vorher einem Fieber erlegen war. Schon am 24. überschritt Cornwallis den Jamesfluß, um Lafayette anzugreifen, der vor Richmond Stellung genommen hatte. Dieser wich jedoch weiter aus und erhielt bald darauf Verstärkung.

Cornwallis blieb bei Williamsburg stehen, um die Halbinsel zwischen dem James- und dem Yorkflusse zu halten. Hier bekam er Befehl, einen Teil seines Heeres an Clinton zurückzusenden, der sich in New York unsicher fühlte. Es zeigte sich jetzt also die Folge seines Fehlers, daß er die so schon kaum genügenden Kräfte auf zwei nur über See in Verbindung stehende Kriegsschauplätze verteilt hatte. Cornwallis wollte nun auf Portsmouth zurückgehen, um dem Meere näher zu sein. Beim Übergang über den Jamesfluß wurde er von Lafayette angegriffen; der nur noch die Nachhut vor sich zu haben glaubte und eine schwere Niederlage erlitt. Cornwallis erhielt jetzt mit dem Widerruf des letzten Befehls den Auftrag, sich in Yorktown am Südufer in Gloucester am Nordufer des Yorkflusses festzusetzen und die Halbinsel zu behaupten. Er verfügte dazu über etwa 7000 Mann, 1 Schiff zu 50 Kanonen und einige kleinere Fahrzeuge; ihm gegenüber lag Lafayette mit etwa 1800 Regulären und 3000 Milizen (Ende August). Hier sollte sich der Landkrieg entscheiden, da die Verbündeten bald mit weitüberlegenen Kräften auftraten.

Mit dem Admiral Barras war der Sohn des Generals Rochambeau von seiner Sendung nach Frankreich zurückgekehrt und hatte berichtet, de Grasse habe Befehl, während der Orkanzeit von Westindien nach Nordamerika Schiffe zu senden. Daraufhin kamen Washington und Rochambeau am 21. Mai zusammen, um einen Kriegsplan aufzustellen. Man zog den Angriff auf New York, sowie eine große Expedition nach Virginia in Erwägung und entschied sich für letztere, hauptsächlich in der Annahme, daß de Grasse nach den Erfahrungen d'Estaings vor New York lieber in der Chesapeakebucht bleiben würde. Man beschloß, sofort die französischen Truppen zu den amerikanischen am Hudson heranzuziehen, um so zu beiden Unternehmungen bereit zu sein, falls de Grasse wider Erwarten den Angriff auf New York vorziehe.

Nach einer zweiten Beratung am 20. Juni ward dann eine Fregatte nach Westindien gesandt, um dem Admiral Kenntnis von den Plänen zu bringen und ihn um baldiges Kommen zu bitten. Dieses Schiff nahm auch amerikanische Lotsen mit; Barras, der mit de Grasse gleichzeitig Frankreich verlassen hatte, war von diesem hierzu beauftragt worden. Die Fregatte traf bekanntlich den Admiral in Cap Français und kam schon am 15. August mit der Nachricht zurück, daß er Anfang August nach der Chesapeakebucht unter Segel gehen werde. Inzwischen war Ende Juli die Vereinigung am Hudson erfolgt, und man verstärkte die Tätigkeit vor New York, um Clinton über den eigentlichen Plan zu täuschen. Am 19. August traten dann plötzlich 2000 Amerikaner und 4000 Franzosen den Marsch nach Virginia an und erreichten am 3. September Philadelphia. Hier erhielt man zunächst die beunruhigende Nachricht, daß Hood von Westindien in New York angekommen sei, aber gleich darauf erfuhr man de Grasses Eintreffen vor der Chesapeakebucht und stand schon am 5. September mit ihm in Verbindung.

Das französische Geschwader in der Narragansettbucht, 8 Linienschiffe und 4 Fregatten, ging am 25. August nach der Chesapeakebucht in See; es führte auf 18 Transportern Truppen nebst einem Belagerungspark mit sich. Barras hatte anfangs Bedenken geäußert: er könne mit Graves in New York, der außerdem noch Verstärkung aus England entgegensehe, oder mit der aus Westindien sicher zu erwartenden englischen Flotte zusammenstoßen; de Grasse sei aber mit 24 Linienschiffen auch ohne ihn jedem Gegner gewachsen und habe ihm ja, wohl aus diesem Grunde, freie Hand gelassen. Da wolle er lieber eine Diversion gegen Neufundland unternehmen. Er fügte sich jedoch später, nahm aber der Sicherheit halber seinen Kurs nach Süden weit von der Küste und steuerte die Bucht erst auf der Breite vom Kap Henry an. So traf er dort unbelästigt, aber erst am 10. September ein, als die Lage in der Hauptsache bereits entschieden war.

Barras' Einwurf war durchaus berechtigt, denn Graves war stark genug, ihn mit seinem Transporte zurückzuweisen, wie es Arbuthnot mit Des Touches geglückt war; er traf auch tatsächlich früher vor der Bucht ein als Barras. Mit Rücksicht auf Graves' Stärke hatte man sogar kurze Zeit vorher daran gedacht, das französische Geschwader nach Boston zurückzuziehen.

De Grasse und Hood treffen ein. Zweite Schlacht vor der Chesapeakebucht, 5. September 1781. Admiral Hood war am 25. August vor der Bucht angelangt. Da man aber in New York nichts von seinem Kommen wußte, fand er keine Nachrichten über die Lage vor, segelte weiter und ankerte am 28. bei Sandy Hook. Am Abend dieses Tages erfuhr man in New York die Abfahrt der Franzosen von Rhode-Island. Admiral Graves kam mit 5 Linienschiffen und einem 50-Kanonenschiffe, die allein völlig seebereit waren, aus dem Hafen, übernahm den Oberbefehl und segelte am 31. August zur Verfolgung ab. Man wußte jetzt, daß das Heer der Verbündeten im Eilmarsch nach dem Süden zog, auch wollte man versuchen, Barras und de Grasse einzeln zu schlagen; letzteren schätzte man, wie auch Rodney getan hatte, auf nur etwa 14 Schiffe.

De Grasse erreichte die Chesapeakebai am 30. August und ankerte in der Lynnhavenbucht hinter Kap Henry. Er ließ trotz des weiten Weges die mitgebrachten 3300 Soldaten durch die Ruderboote der Flotte nach dem Jamesflusse befördern und dort landen, auch sandte er 4 Linienschiffe mit, um diese Überführung zu decken, die englischen Schiffe im Yorkflusse festzuhalten und um dem englischen Heere unter Cornwallis den Rückzug über den Jamesfluß zu verlegen.

Lafayette wurde durch die Gelandeten auf 8000 Mann verstärkt und rückte bis Williamsburg vor. Am 5. September früh erhielt de Grasse eine Bitte Washingtons, seine Truppen von Philadelphia nach Virginien überzusetzen; der Admiral bestimmte hierfür auch 7 Linienschiffe, wollte jedoch zuvor noch die Rückkehr der entsandten Boote abwarten. Um 9 Uhr vormittags meldete ihm eine Ausguckfregatte das Nahen einer großen Flotte. Man hielt diese zunächst für das Geschwader Barras' mit den Transportern, entnahm aber bald aus der Anzahl der schweren Schiffe, daß es Engländer sein müßten. De Grasse beschloß, ihnen vor der Bucht entgegenzutreten und ging um Mittag in See, als die Ebbe einsetzte. Graves war seinerseits auf das peinlichste überrascht, auf eine überlegene Flotte zu stoßen, zögerte aber keinen Augenblick mit dem Angriff. Die Schwerfälligkeit der englischen Methode ließ jedoch seine Tapferkeit zuschanden werden.